Vorbemerkung

„Herzlichen Dank für die Materialien (gemeint sind die AzD). Für einen marxistisch denkenden Geschichtsstudenten wie mich stellen diese eine wirkliche Bereicherung dar.“ (Zuschrift aus Wien vom 13.Januar 2019) 
„Eure Methode der Auseinandersetzung mit anderen Autoren finde ich sehr fruchtbar. Ihr kommt insgesamt zu sehr interessanten und wichtigen Erkenntnissen. Schade, dass sie über den Verlag VSA hinaus zu wenig wahrgenommen werden.“ (Brief eines AzD-Lesers aus Köln von April 2019) 
„Insgesamt halte ich Karuscheits Forschungen zur Vorgeschichte des WK1, der Entwicklung der SPD in dieser Zeit und dem Ablauf der Novemberrevolution für Erdbeben, die auf dem Gebiet der linken Vorstellungen, so wie sie sich im 20. Jahrhundert herausgebildet haben, keinen Stein auf dem anderen lassen. Sie liefern Erklärungen für Vorgänge, die in der Regel nur mit moralischen Begriffen abgehandelt werden. Genau so ist das auch mit den Arbeiten von A. Schröder zur russischen Revolution. Damit macht ihr genau das, was den wissenschaftlichen Sozialismus eigentlich ausmachen sollte. Dass dabei auch Aussagen unserer Klassiker widerlegt werden können/müssen, gehört dazu, auch wenn die meisten Linken das als Sakrileg verurteilen. Aber so geht wissenschaftliches Arbeiten.“ (aus der Mail eines AzD-Lesers aus Bayern vom 18.Juli 2019)
Seit sich die AzD vermehrt den Revolutionen in Russland und Deutschland zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zugewandt haben, ist das Interesse an unseren Publikationen merklich gestiegen. Umso auffälliger ist die Teilnahmslosigkeit, mit der die Linke die Erinnerung an die Jahrhundert-Tage verstreichen ließ, anstatt die Ergebnisse der neueren Revolutionsforschung zur Kenntnis zu nehmen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und einen neuen Zugang zum Werdegang der kommunistischen Bewegung zu finden. Als Vorbild auf der Flucht vor neuen Erkenntnissen agiert die Zeitschrift „Z“, die sich zwecks „Erneuerung des Marxismus“ alle Mühe gibt, kontroversen Fragen aus dem Weg zu gehen und unliebsame Meinungen zu boykottieren.
Dem entgegen führt die vorliegende AzD-Ausgabe die begonnene Auseinandersetzung um die Fragen der russischen und deutschen Revolution weiter. In Fortsetzung von AzD 88 und 89 setzt Alfred Schröder sich diesmal mit Thomas Kuczinskys Auffassungen vom russischen Oktober auseinander: „Was bleibt von der Oktoberrevolution?“ Indem er noch einmal auf die russische Dorfgemeinde eingeht, benennt er die zeitgebunden fehlerhaften Vorstellungen Marxens von dieser Institution und wendet sich gegen den in der Linken verbreiteten „Schriftglauben“, der den historischen Materialismus zu einem ideologischen Konstruktionsmittel verkommen lässt. Das Geheimnis des Oktobers sieht er in der spezifischen Kombination von proletarisch-sozialistischer Revolution und einer antikapitalistischen, rückwärts gewandten Bauernrevolution.
Dem folgt eine Diskussion mit der Redaktion der „Arbeiterpolitik“ sowie einem Leser aus Hamburg. Darin geht es um den Charakter der Novemberrevolution, die fehlerhafte Einschätzung der Klassenverhältnisse durch die revolutionäre Vorkriegslinke, die nicht geführte Auseinandersetzung mit den Positionen Bebels und Kautskys sowie das untaugliche Revolutionskonzept Luxemburgs.
Fritz Gött setzt sich mit dem amtlichen Bericht „Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ 2018 auseinander.
Die abschließende Dokumentation bringt ein Interview mit Wolfgang Streeck über die Politik eines „realistischen Antikapitalismus“.