{"id":986,"date":"2018-01-07T06:39:27","date_gmt":"2018-01-07T05:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=986"},"modified":"2018-01-07T06:41:20","modified_gmt":"2018-01-07T05:41:20","slug":"die-unverstandenen-revolutionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=986","title":{"rendered":"Die Revolutionen 1917"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><em><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alfred Schr\u00f6der<\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<h2 align=\"center\">Die unverstandenen Revolutionen<\/h2>\n<h3 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Russland im Jahre 1917<\/b><\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Entgegen den Vorstellungen der Ereignishistoriographie erweist sich nicht der bolschewistische Oktober, sondern der &#8218;demokratische Februar&#8216; als der kritische Punkt im Jahr 1917&#8220;, schreibt W. Hedeler in einer Sammelrezension<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> zu den aktuellen Neuver\u00f6ffentlichungen zu den russischen Revolutionen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Und dies v\u00f6llig zu Recht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend die marxistische Linke die Februarrevolution bis heute nur als Vorspiel des Oktobers sieht, betrachtete die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung mehrheitlich den Februar als einzige wirkliche russische Revolution, deren demokratische Entwicklungsm\u00f6glichkeiten durch den bolschewistischen Staatsstreich im Oktober beendet wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die Februarrevolution hatte kein Gl\u00fcck in der sowjetischen Geschichtsschreibung&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, schrieb D.\u00a0Anin vor \u00fcber 40 Jahren und man kann erg\u00e4nzen, auch bei der marxistischen Geschichtsschreibung au\u00dferhalb der Sowjetunion blieb die Behandlung der Februarrevolution zumeist im Schatten des Oktobers. Dabei liegt im Verlauf und Ergebnis der Februarrevolution 1917 der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des gesamten Revolutionsjahres.<\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Wer machte die Februarrevolution?<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbAngesichts der Tatsache, schreibt Pipes, dass die Februarrevolution h\u00e4ufig als ein Aufstand der Arbeiter dargestellt wird, muss betont werden, dass sie zuerst und vor allem eine Meuterei von Bauern im Soldatenrock war, die von den Beh\u00f6rden aus Sparsamkeitsgr\u00fcnden in v\u00f6llig \u00fcberbelegten Kasernen in der Hauptstadt des Landes untergebracht worden waren \u2013 in den Worten eines Augenzeugen wie &#8218;Zunder neben einem Pulverfass&#8216;.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> In der Nacht vom 26. zum 27.\u00a0Februar waren die weitere Entwicklung der seit Tagen andauernden Streiks und Demonstrationen der Arbeiter und damit die Zukunft der Revolution v\u00f6llig offen. Die Soldaten hatten am 26.\u00a0Februar &#8211; wie befohlen &#8211; Waffen eingesetzt, mit Toten und Verletzten als Ergebnis. W\u00fcrden die Truppen auch an den kommenden Tag scharf schie\u00dfen, waren die Streiks und Demonstrationen nicht fortzuf\u00fchren; der Arbeiteraufstand h\u00e4tte in einer blutigen Niederlage geendet. Vom Verhalten der Soldaten hing also der Ausgang der Revolution ab. Am kommenden Tag, dem 27.\u00a0Februar, schossen die Soldaten nicht mehr auf die Demonstrierenden, sondern auf ihre Offiziere und begannen sich mit den Arbeitern zu verbr\u00fcdern. Es war das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen gepr\u00e4gten Garnison, das den Sieg der Arbeiter im Februar erm\u00f6glichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber was war der entscheidende Grund f\u00fcr dieses \u00dcberlaufen? Bislang hatte der b\u00e4uerliche Soldat auf die B\u00fcrden und Zumutungen des zaristischen Regimes und des Krieges mit individueller Desertation aus der Armee reagiert. Jetzt war er \u00fcber mehrere Tage hinweg mit den revolution\u00e4ren Arbeitern konfrontiert, und im direkten Kontakt mit der Arbeiterbewegung er\u00f6ffnete sich ihm eine neue, organisierte Form des Protestes gegen das zaristische Regime, um seiner rechtlosen Lage und dem m\u00f6rderischen Krieg zu entkommen. Die fortw\u00e4hrende Einflussnahme der Arbeiter\/innen auf die Bauernsoldaten, die allerorten zu h\u00f6rende politische Agitation, der andauernde Druck der demonstrierenden Massen, dies alles f\u00fchrte zum Umschwung in den Regimentern und verhalf der Revolution zum Durchbruch. Die Februarrevolution war deshalb \u00bb<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>zuerst und vor allem<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00ab ein proletarischer Aufstand, dessen Sieg aber nur durch das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Armee (nicht der Generale des Hauptquartiers<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>) m\u00f6glich wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Preis des Sieges war die Dominanz des Kleinb\u00fcrgertums in den Sowjets. Am deutlichsten wird dies, wenn wir uns die Entstehung und das politische Gesicht des Sowjets anschauen.<\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Das politische Gesicht des Sowjets<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Abend des 27. Februar gr\u00fcndete sich in Petrograd als neues Machtzentrum des Landes der Sowjet der Arbeiterdeputierten, aus dem nach wenigen Stunden der Arbeiter- und Soldatensowjet hervorging, der das weitere politische Geschehen des Revolutionsjahres pr\u00e4gen sollte. &#8222;Der spontan eingebrachte Vorschlag, die Revolutionsarmee und das Proletariat der Hauptstadt zu vereinigen und eine einheitliche Organisation zu bilden, die fortan Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten hei\u00dfen sollte, wurde unter st\u00fcrmischen Beifall angenommen&#8220;, so schildert Suchanow den Verlauf der entsprechenden Sitzung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da der Sieg der Revolution nur durch das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Armee gesichert war, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>spielten die Soldaten die entscheidende Rolle in dem Sowjet<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Dies wurde sowohl in den ersten Ma\u00dfregeln des Sowjets als auch in seinem Wahlverfahren deutlich. &#8222;Der Petersburger Sowjet glich in den ersten Wochen seines Bestehens einer riesigen permanenten Arbeiter- und Soldatenversammlung. Die Delegiertenzahl wuchs mit jedem Tage; in der ersten M\u00e4rzwoche betrug sie etwa 1200, in der zweiten M\u00e4rzh\u00e4lfte stieg sie auf nahezu 3000. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Davon waren etwa 2000 Soldaten und nur 800 Arbeiter, obwohl die Gesamtzahl der Petersburger Arbeiterschaft die der Garnisonssoldaten um das Zwei- bis Dreifache \u00fcberstieg<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Dominanz der Soldaten spiegelt sich auch in den Beschl\u00fcssen des Sowjets wider. Mit seinem &#8218;Befehl Nr. 1&#8216; verf\u00fcgte er die Bildung von gew\u00e4hlten Soldatenkomitees in allen milit\u00e4rischen Einheiten von der Kompanie aufw\u00e4rts, die Unterstellung der Truppenteile in allen politischen Angelegenheiten unter den Sowjet und die Gew\u00e4hrung aller b\u00fcrgerlichen Freiheitsrechte f\u00fcr die Soldaten. Die Befehle der vom Duma-Komitee eingesetzten milit\u00e4rischen Kommission, die das Oberkommando \u00fcber die Garnison beanspruchte, sollten nur dann befolgt werden, wenn sie zu den Befehlen und Beschl\u00fcssen des Sowjets nicht im Widerspruch standen. &#8222;Damit besa\u00df der Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat die faktische Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Garnison&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dem Wesen der Sache nach <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>war dieser <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Arbeiter- und Soldatenrat<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b> ein <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>kleinb\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlicher Rat<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Die auch zahlenm\u00e4\u00dfig abgesicherte Vorherrschaft der Garnison \u00fcber die Petrograder Arbeiter war Ausdruck der Hegemonie der von st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgern gef\u00fchrten Bauern, die der Zarismus in den Soldatenrock gesteckt hatte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies war, zugespitzt ausgedr\u00fcckt, die &#8222;demokratische Diktatur des Kleinb\u00fcrgertums \u00fcber das Proletariat und die Bourgeoisie.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der durchg\u00e4ngig verwendete Begriff des &#8222;Arbeiter- und Soldatenrats&#8220; war damals (und ist es ebenso heute noch) geeignet, diesen klassenpolitischen Kern zu vernebeln. Er war kein Sowjet des Petrograder Proletariats, sondern ein Sowjet, in dem die Delegierten des Proletariats <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>eine Minderheit bildeten<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Das von ihm gebildete Exekutivkomitee konstituierte sich aus den Kadern der &#8217;sozialistischen und radikalen Intelligenzija&#8216;, den Vertretern der aufst\u00e4ndischen Regimenter sowie den Mitgliedern der Zentralen Arbeitergruppe des Kriegsindustriekomitees<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die daraus resultierenden Konsequenzen schildert Suchanow mit beeindruckenden S\u00e4tzen: &#8222;Die unmittelbare Beteiligung der Armee an der Revolution war nichts anderes als eine Form der Einmischung der Bauernschaft in den revolution\u00e4ren Prozess gewesen. (&#8230;) Jetzt war die Bauernschaft in graue Milit\u00e4rm\u00e4ntel gekleidet. Das war der erste Punkt. Au\u00dferdem f\u00fchlte sie sich als Hauptheld der Revolution. Sie stand \u2026 nicht abseits, sondern beugte sich hier mit dem vollen Gewicht ihrer Masse und dazu noch mit dem Gewehr in der Hand \u00fcber die Wiege der Revolution. Und sie erkl\u00e4rte: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Ich bin der Herr nicht nur des Landes, nicht nur des russischen Staates, nicht nur der n\u00e4chsten Periode der russischen Geschichte, ich bin der Herr der Revolution, die ohne mich nicht h\u00e4tte vollzogen werden k\u00f6nnen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Tatsache ist von entscheidender Bedeutung f\u00fcr den weiteren Verlauf der Revolution, denn die den Sieg der Februarrevolution sichernde <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">b\u00e4uerliche Armee<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> bestimmte letztendlich den politischen Kurs des Sowjets. Die Vorherrschaft der b\u00e4uerlichen Soldaten \u00fcber den Sowjet bedeutete die Vorherrschaft der Bauernschaft \u00fcber die Revolution. Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Ihre Ursache liegt in den historischen Unterschieden zwischen Russland und Westeuropa.<\/span><\/span><\/p>\n<h3 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die Besonderheiten der russischen Entwicklung<\/b><\/span><\/span><\/h3>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Klassen<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Februarrevolution bringt die Besonderheiten Russlands gegen\u00fcber Westeuropa besonders deutlich zum Ausdruck. An zwei wesentlichen Punkten gilt es sie herausarbeiten, wenn es darum geht, das Revolutionsjahr zu verstehen. Hier sind an erster Stelle das andere, durch die russische Geschichte gepr\u00e4gte politische Gesicht und Gewicht der Klassen zu benennen und die Besonderheiten des zaristischen Staatsapparates zu beachten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnen wir mit den Gesellschaftsklassen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gew\u00f6hnlich wird die gesellschaftliche Schichtung im zaristischen Russland zu Beginn des 19.\u00a0Jahrhunderts als ein noch etwas unentwickeltes Abbild der uns aus Westeuropa bekannten Klassen dargestellt. Mag dies in einzelnen Punkten zutreffen, so ist diese Ansicht doch im Wesentlichen falsch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Bourgeoisie ist sowohl \u00f6konomisch als auch politisch schwach.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> Dazu ist sie auch noch politisch in drei Fl\u00fcgel zersplittert: den schwerindustriellen Fl\u00fcgel (Schwerpunkt Petersburg), der durch Abh\u00e4ngigkeit von Staatauftr\u00e4gen konsequent zaristisch war<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a>, die Leichtindustrie (Textilindustrie; Schwerpunkt Moskau) war \u00fcberwiegend oktobristisch<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> und der liberale Landadel und die freien Berufe der St\u00e4dte bildeten die Basis der Kadetten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Bauernschaft, die gro\u00dfe Mehrheit der russischen Bev\u00f6lkerung (80 Prozent) hatte ein v\u00f6llig anderes \u00f6konomisches Fundament und damit auch ein v\u00f6llig anderes politisches Gesicht als die westeurop\u00e4ischen Bauern. Die Mehrzahl der russischen Bauernschaft war entgegen aller b\u00fcrgerlichen und marxistischen Statistiken nicht der mittelalterlichen Umteilungsgemeinde, dem Mir, der Dorfgemeinde, entwachsen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> und hatte auch gar nicht die Absicht, dies zu tun. Die Bauern wollten das Land des Adels, aber nicht um es unter sich <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>aufzuteilen und &#8222;freie kapitalistische Farmer&#8220; zu werden<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, wie die Marxisten annahmen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a>, sondern um das Privateigentum an Land abzuschaffen und den Besitz des Adels innerhalb der Dorfgemeinde <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>umzuteilen, <\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">entweder nach Anzahl der Arbeitskr\u00e4fte oder der Familienmitglieder. Dies ist ein wesentlicher Unterschied, da die Land<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>aufteilung<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> einen b\u00fcrgerlichen, warenproduzierenden Bauernstand mit Klassendifferenzierung hervorbringt; die regelm\u00e4\u00dfige Umteilung nach Arbeits- oder Verbrauchsnorm, wie sie das russische Dorf kannte, genau dies verhindern soll. Ohne diesen Unterschied zu sehen, ist aber der Oktober nicht zu verstehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das russische Proletariat<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> \u2013 eine absolute Minderheit der Bev\u00f6lkerung (je nach Sch\u00e4tzung zwischen 3 und 4 Millionen) \u2013 ist nicht wie im Westen Europas aus der Handwerkerschaft entstanden, sondern direkt aus der Bauernschaft, und es besa\u00df auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch enge Bindungen an das Dorf. Zugleich war es in den russischen Metropolen in Gro\u00dfbetrieben konzentriert, was ihm ein deutlich st\u00e4rkeres politisches Gewicht verlieh, als es zahlenm\u00e4\u00dfig zu erwarten war und zu einer schnelleren Radikalisierung beitrug.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der zaristische Staat<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Gegensatz zu vielen landl\u00e4ufigen Meinungen war der zaristische Staatsapparat schwach entwickelt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> Dies hatte \u00f6konomische und historische Gr\u00fcnde. Zum einen war es schwierig, in einem zur\u00fcckgebliebenen Agrarland mit riesiger Ausdehnung eine effiziente B\u00fcrokratie zu rekrutieren, denn es fehlten entwickelte St\u00e4dte mit einem B\u00fcrgertum, das im Westen Europas mit seinen Beamten die absoluten Monarchien st\u00fctzte. Und \u00f6konomisch vermochte das agrarisch gepr\u00e4gte Russland keine entwickelte B\u00fcrokratie zu finanzieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die L\u00f6sung oder, besser ausgedr\u00fcckt, die behelfsm\u00e4\u00dfige L\u00f6sung des Zarismus bestand \u00fcber Jahrhunderte darin, dem landbesitzenden Erbadel die Verwaltung des Landes zu \u00fcbertragen. Die Reformen von 1861 (Abschaffung der Leibeigenschaft) unterminierten dieses Fundament und zwar nicht nur \u00f6konomisch. Sie hatten auch entsprechende politische Folgen, denn der Zarismus verlor seine einzige sichere Klassenbasis, den landbesitzenden Erbadel. Sp\u00e4testens ab diesem Zeitpunkt wurde es f\u00fcr die Basis der zaristischen Herrschaft eng, es blieb nur der eigentliche Staats- und Gewaltapparat, also Beamtenschaft, Polizei und Armee. Und um den war es nicht gut bestellt, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts verf\u00fcgte das Zarenreich nur \u00fcber eine viertel Million Beamte. Das war f\u00fcr die inzwischen f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte Industriemacht der Welt deutlich zu wenig, zumal dieser Apparat vorsintflutliche Z\u00fcge trug.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Angeh\u00f6rigen waren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>keine Staatsbediensteten<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, sondern <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>pers\u00f6nliche Diener <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">des Zaren. Auf ihn, nicht auf den russischen Staat, schworen sie ihren Eid. Sie unterstanden auch nicht dem Gesetz, denn \u00bbdie Gesetze werden f\u00fcr die Untertanen geschrieben, nicht f\u00fcr die Beh\u00f6rden\u00ab, so ein Polizeichef des Zaren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und um den Bildungstand des durchschnittlichen zaristischen Beamten war es ebenso erb\u00e4rmlich bestellt wie mit der Bezahlung, so dass zu der mangelnden Qualifikation die Korruption geradezu notwendig hinzutrat. So war der Gewaltapparat des zaristischen Staates im Gegenteil zur landl\u00e4ufigen Meinung schwach entwickelt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Mit der Februarrevolution 1917 verschwand dieser Staatsapparat inklusive der Polizei fast vollst\u00e4ndig von der Bildfl\u00e4che. Miljukow, der F\u00fchrer der Kadetten beschrieb dies folgenderma\u00dfen:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die innere Zersetzung fand zun\u00e4chst in der vollkommenen Vernichtung s\u00e4mtlicher vorrevolution\u00e4ren Organe der Staatsgewalt ihren Ausdruck. Gleich von den ersten Tagen der M\u00e4rzrevolution an waren s\u00e4mtliche Beamten der fr\u00fcheren zaristischen Verwaltung einfach verschwunden, von den obersten Stellen bis hinab zu den untersten. Ein Versuch wurde vom F\u00fcrsten Lwow, dem Premier und Innenminister, gemacht, die Semstwoleute an die Stelle jener Beamten treten zu lassen scheiterte. &#8230; Aber dieser neue Stab der lokalen Selbstverwaltungsk\u00f6rperschaften (musste) sehr bald vor den \u00abSowjets\u00bb oder anderen Organen der \u00bbrevolution\u00e4ren Demokratie zur\u00fccktreten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem Sieg der Februarrevolution war der zaristische Staatsapparat zerschlagen (ganz anders als anderthalb Jahre sp\u00e4ter in Deutschland, wo die Sozialdemokratie den preu\u00dfischen Beamtenstaat vor der Revolution rettete).<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b> In Russland gab es ab M\u00e4rz 1917 keine andere bewaffnete Gewalt mehr als die Bajonette der Bauernarmee. Aus ihren Gewehrl\u00e4ufen entsprang die politische Macht, und es war der Sowjet, der diese Gewehre letztendlich kommandierte<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a><\/span><\/span><i><b> <\/b><\/i><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies bestimmt das Geschehen des Revolutionsjahres. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der geschilderten \u00f6konomischen Schw\u00e4che und politischen Zersplitterung der besitzenden Klassen stand im M\u00e4rz 1917 die im Sowjet organisierte Masse der Bauernschaft und des in den Metropolen auch zahlenm\u00e4\u00dfig bedeutenden Proletariats gegen\u00fcber. Beide organisiert und zusammengeschlossen im Sowjet, allerdings mit kleinb\u00fcrgerlicher Majorit\u00e4t und F\u00fchrung. Dies verdeutlicht, dass es an einem gesicherten gesellschaftlichen Fundament f\u00fcr die Aufrichtung einer stabilen b\u00fcrgerlichen Herrschaft in Russland fehlte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<h3 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Wer hat die Macht im Staat?<\/b><\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ganz anders sieht dies die marxistisch gepr\u00e4gte Geschichtsschreibung. F\u00fcr sie ist es eine unumst\u00f6\u00dfliche Tatsache, dass mit der Februarrevolution die russische Bourgeoisie an die Macht kam. So schreibt Hans Hautmann: &#8222;Durch die Februarrevolution wurde die russische Gro\u00dfbourgeoisie f\u00fcr acht Monate zur herrschenden Klasse. Ihrer politischen Einstellung nach war sie oktobristisch-kadettisch.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und Stefan Bollinger in seinem Buch &#8222;Oktoberrevolution&#8220; f\u00fchrt gleich die Autorit\u00e4t Lenins f\u00fcr diese Einsch\u00e4tzung ins Feld. &#8222;F\u00fcr Lenin war klar: &#8218;Die Arbeiter und Soldaten haben die Revolution gemacht. Aber die Macht hat zun\u00e4chst, wie das auch in anderen Revolutionen der Fall war, die Bourgeoisie an sich gerissen (\u2026). Nicht die Reichsduma \u2013 die Duma der Gutsbesitzer und der Reichen \u2013, sondern die aufst\u00e4ndischen Arbeiter und Soldaten haben den Zaren gest\u00fcrzt. Aber die neue, die Provisorische Regierung wurde von der Reichsduma ernannt.&#8216;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a> \u2026 All dies \u00e4nderte nichts an der Tatsache, dass es die ewig gestrigen Kreise waren, die in der Revolution die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ohne zaristischen Staatsapparat, ohne nennenswerte eigenst\u00e4ndige Machtbasis, eine verschwindende Minderheit der russischen Gesellschaft repr\u00e4sentierend, allein gest\u00fctzt auf die Duma und den zaristischen Generalstab, soll die russische Bourgeoisie, &#8222;den Zaren zur Abdankung&#8220; gedr\u00e4ngt haben<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> und &#8222;die Macht an sich gerissen&#8220; haben. Ein Wunder an Tatkraft und Entschlossenheit, das sich die russische Bourgeoisie selbst nicht zutraute.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a> Bollingers Geschichte der Februarrevolution ist eine &#8222;sozialistische M\u00e4rchenstunde&#8220; f\u00fcr die tats\u00e4chlich &#8222;ewig gestrigen Kreise&#8220; der &#8222;marxistischen Orthodoxie&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und er erz\u00e4hlt dieses M\u00e4rchen gest\u00fctzt auf eine g\u00e4nzlich unorthodoxe Zitierweise Lenins. Abgeschnitten von gesicherten Informationen \u00fcber die konkreten Fakten der Februarrevolution \u2013 noch im Schweizer Exil verweilend \u2013formuliert Lenin die von Bollinger zitierte Einsch\u00e4tzung zum Verlauf der Februarrevolution. In Petrograd angekommen, nun im Besitz gesicherterer Informationen, revidiert er diese Einsch\u00e4tzung \u00f6ffentlich. &#8222;Erst hier an Ort und Stelle erfuhren wir, dass der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten die Macht an die Provisorische Regierung abgetreten hat. Der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten ist die Verwirklichung der Diktatur des Proletariats und der Soldaten; die Mehrheit der Soldaten besteht aus Bauern. Das eben ist die Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft. Diese &#8218;Diktatur&#8216; aber hat mit der Bourgeoisie ein \u00dcbereinkommen getroffen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Dies kommt der historischen Wirklichkeit schon n\u00e4her als die von Bollinger<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> zitierte Einsch\u00e4tzung aus dem Schweizer Exil. Und es trifft trotzdem noch nicht den Kern der Sache. &#8222;Die Mehrheit der Soldaten besteht aus Bauern&#8220;, das ist korrekt. Dass diese &#8222;Bauern-Soldaten&#8220; zusammen mit &#8222;sozialpatriotischen&#8220; Arbeitern auch die Mehrheit des Sowjets stellen, dass sie und ihre politische Parteien (Sozialrevolution\u00e4re und rechte Menschewiki) das politische Gesicht und Programm des Sowjets bestimmen, dass damit nicht die Diktatur des &#8222;Proletariats und der Soldaten&#8220; \u2013 wie Lenin formuliert \u2013, sondern die Diktatur der Soldaten (Bauern) im B\u00fcndnis mit den &#8222;sozialpatriotischen&#8220; Teilen der Menschewiki aufgerichtet wird, das eben formuliert Lenin nicht. Ihn interessiert mehr, dass diese Sowjetmehrheit eine &#8222;Macht \u2026 von demselben Typus, wie es die Pariser Kommune von 1871 war&#8220;,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> ein &#8222;\u00dcbereinkommen&#8220; mit der Bourgeoisie getroffen hat, um derselben die Regierung zu \u00fcberlassen.<\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Die Rolle von Bourgeoisie und Generalstab<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die \u00dcberbewertung der Rolle der Bourgeoisie und des Generalsstabs w\u00e4hrend der Februarrevolution durchzieht die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung und wird von Bollinger kritiklos \u00fcbernommen. So schreibt Hildermeier in dem APuZ-Heft zur russischen Revolution: &#8222;Hinter dieser &#8218;Provisorischen Regierung&#8216; stand ein sogenanntes Duma-Komitee aus f\u00fchrenden Parlamentsabgeordneten der liberalen Parteien, das sich am Ende der Streikwoche, als die alte Herrschaft faktisch schon zusammengebrochen war, gebildet hatte, um die \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Dies konnte nur mit Zustimmung des Oberkommandos der Armee geschehen. Die Gener\u00e4le waren zu dem Entschluss gekommen, dass die Monarchie nicht mehr in der Lage sei, die unerl\u00e4ssliche Stabilit\u00e4t im Hinterland zu gew\u00e4hrleisten. Letztlich hatten sie mit ihrem Votum den widerstrebenden Zaren zum Thronverzicht gezwungen und das Duma-Komitee ermuntert, die Macht zu \u00fcbernehmen. \u2026 Mithin opferten die Gener\u00e4le, die gewiss keine Revolution\u00e4re waren, die Monarchie f\u00fcr das \u00dcberleben der Nation.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> Wenn man in der Fortsetzung des Weltkrieges eine Garantie f\u00fcr &#8222;das \u00dcberleben der Nation&#8220; sieht \u2013 wie Hildermeier es formuliert \u2013 ist zumindest der letzte Satz des Zitats zutreffend.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Rest der Darstellung unterschl\u00e4gt das jeweils Wesentliche der Ereignisse. Die f\u00fchrenden Kr\u00e4fte der Duma organisierten zusammen mit den Alliierten und f\u00fchrenden K\u00f6pfen des Generalstabs eine Verschw\u00f6rung zum Sturz Nikolaus II. Ziel dieser Verschw\u00f6rung war die Abdankung des Zaren und seiner noch verhassteren Frau, die tats\u00e4chlich entscheidenden Einfluss auf die Regierungsgesch\u00e4fte aus\u00fcbte, durch ein anderes, weniger verhasstes Mitglied der Zarenfamilie.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a> Alle an diesem Komplott beteiligten Kr\u00e4fte wollten <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>nicht die Monarchie, sondern nur den konkreten Monarchen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, nicht den Zarismus, sondern nur Nikolaus II samt Gattin st\u00fcrzen. Dass sie bereit gewesen w\u00e4ren, die Monarchie zu st\u00fcrzen \u2013 wie Hildermeier es formuliert \u2013 ist nicht belegbar und durch ihr weiteres politisches Agieren im Revolutionsjahr auszuschlie\u00dfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die genannten Kr\u00e4fte betrieben die Verschw\u00f6rung mit zwei Zielsetzungen:<br \/>\nErstens, um die Gefahr eines Separatfriedens mit Deutschland auszuschlie\u00dfen und den Weltkrieg effektiver f\u00fchren zu k\u00f6nnen als der Zar und seine Regierung es bisher verstanden hatten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a><br \/>\nZweitens, um der wachsenden Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung und Armee zuvorzukommen, d.h. um genau das zu vermeiden, was in der Februarrevolution wirklich wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das gemeinsame Projekt der Verschw\u00f6rer, unter dem Schutz der personell erneuerten Romanow-Dynastie eine b\u00fcrgerlich beeinflusste Kriegsregierung<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a> zu installieren, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>scheiterte.<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Revolution kam der Verschw\u00f6rung zuvor und fegte den Zarismus und seinen Staatsapparat beiseite. Und mit der Verschw\u00f6rung scheiterte auch der Traum der Bourgeoisie, gest\u00fctzt auf die 300hundertj\u00e4hrige Tradition des Zarismus, gest\u00fctzt auf einen intakten zaristischen Staatsapparat samt Armee, sich einen Weg in die Regierung und zur Beteiligung an der Macht zu bahnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht aus den H\u00e4nden eines neuen Zaren und seiner Generalit\u00e4t erwuchs dem Duma-Komitee die M\u00f6glichkeit einer Regierungsbildung, sondern nur mit dem Programm und der Billigung des Sowjets. Oder wie Miljukow es so treffend an dem Tag, als die Revolution in Petrograd gesiegt hatte, formulierte: &#8222;Aber wir strebten nicht auf dem Weg \u00fcber die Revolution zur Macht. Wir haben den Weg abgelehnt, es war nicht unser Weg.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> Die Revolution war f\u00fcr die russische Bourgeoisie ein &#8222;gr\u00f6\u00dferes \u00dcbel&#8220; als es die ehemalige zaristische Ordnung darstellte. Ihre f\u00fchrenden K\u00f6pfe \u2013 wie bereits ausgef\u00fchrt \u2013 wussten um die politische und gesellschaftliche Schw\u00e4che ihrer Klasse.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es ist politische Taschenspielerei, die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>gescheiterte<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Verschw\u00f6rung zum Sturz des Zaren aufgrund der Bildung der Provisorischen Regierung im M\u00e4rz 1917 zu einer <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>erfolgreichen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Verschw\u00f6rung umzudeuten, weil (vermutlich) in beiden F\u00e4llen dasselbe Duma-Komitee die neue Regierung zu bilden gehabt h\u00e4tte. Genau dies aber macht Bollinger, wenn er schreibt: &#8222;Verh\u00e4ngnisvoll (war es) im Jahre 1917 auch deshalb, weil die &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure nicht verstanden, warum es zu den Unruhen kam, in deren Ergebnis eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der bestehenden b\u00fcrgerlichen Duma-Parteien m\u00f6glich wurde.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a> Nein, die Provisorische Regierung kam nicht als Ergebnis einer &#8222;Palastrevolution&#8220; und mit intaktem zaristischen Staatsapparat und Armee zu ihrem Amt, sondern nach der siegreichen Revolution \u00fcber den Zarismus und der Aufl\u00f6sung seines Staatsapparates auf Wunsch und mit dem Programm des Sowjets. Dies erkl\u00e4rt ihre Schw\u00e4che, ihre fast vollst\u00e4ndige Abh\u00e4ngigkeit vom Sowjet mit seiner kleinb\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten Mehrheit.<\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>6. Die Juli-Ereignisse<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders deutlich wird der Klassencharakter des Sowjets w\u00e4hrend der Juli-Ereignisse. Nach g\u00e4ngiger marxistischer Geschichtsschreibung endete mit den Juli-Ereignissen die Doppelherrschaft von Sowjetf\u00fchrung und Provisorischer Regierung und ging allein an die Bourgeoisie \u00fcber. &#8222;Damit war die Macht in Russland v\u00f6llig an die konterrevolution\u00e4re Regierung \u00fcbergegangen und die Periode der Doppelherrschaft beendet.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was geschah wirklich im Juli? Noch w\u00e4hrend der am 16.\u00a0Juni begonnene Sowjetkongress tagte, dr\u00e4ngten die Petrograder Arbeiter und verschiedene radikale Regimenter die bolschewistische Partei zu einem &#8222;Auftritt&#8220; auf den Stra\u00dfen der Hauptstadt gegen die Provisorische Regierung und die Sowjetmehrheit. Die Mehrheit der Arbeiterschaft Petrograds war bereit, die Provisorische Regierung zu st\u00fcrzen und die gesamte Macht dem Sowjet zu \u00fcbertragen. Dieser Meinung waren auch die in Kronstadt stationierten Matrosen der Baltischen Flotte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders anschaulich schildet dies Suchanow. &#8222;Die Putilow-Arbeiter sind da, drei\u00dfigtausend Mann, sie sind \u00e4u\u00dferst aggressiv, \u2026 sie verlangen nach Zereteli (rechter F\u00fchrer der Menschewiki; A.S.) \u2026 Einer der Arbeiter, ein klassischer Sanscoulotte mit Arbeiterm\u00fctze und kurzer, blauer Bluse ohne G\u00fcrtel, mit einem Gewehr in der Hand, sprang auf die Rednertrib\u00fcne. Er zitterte vor Aufregung und Wut, fuchtelte mit dem Gewehr und stie\u00df mit heftiger Stimme \u2026 aus: &#8218;Genossen! Wie lange m\u00fcssen wir Arbeiter den Verrat noch dulden?! Ihr seid hier zusammengekommen, beratet euch, schlie\u00dft Abmachungen mit der Bourgeoisie und den Gutsbesitzern \u2026 Ihr seid damit besch\u00e4ftigt, die Arbeiterklasse zu verraten. Dann wisst also, die Arbeiterklasse wird dies nicht dulden! Wir sind hier drei\u00dfigtausend Putilow-Arbeiter, keiner fehlt! \u2026 Wir werden unseren Willen durchsetzen! Merkt Euch, es soll keine Bourgeoisie mehr geben! Alle Macht den Sowjets! \u2026 Wir werden auf Eure Kerenski und Zereteli nicht hereinfallen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a> Wohlgemerkt, die Massen marschieren zum <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Sowjet<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, nicht zum Sitz der Provisorischen Regierung.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\">39<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie fordern vom Sowjet die Machtergreifung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gespalten war dagegen die Stimmung innerhalb der Garnison der Hauptstadt. Einzelne radikale Regimenter standen mit an der Spitze der revolution\u00e4ren Massenbewegung, aber die Mehrheit der Garnisonstruppen war weder bereit, den Umsturz zu unterst\u00fctzen noch die ungeliebte Provisorische Regierung zu verteidigen. Sie blieben w\u00e4hrend der Juli-Aktionen erst einmal passiv in ihren Kasernen. Gleichzeitig standen die Fronttruppen und einzelne Garderegimenter in Petrograd<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a> noch weitgehend hinter der Sowjetf\u00fchrung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Die Bourgeoisie hatte mit dem Kern der Juli-Ereignisse nichts zu schaffen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">; denn dies war der Machtkampf zwischen dem Proletariat der Hauptstadt, den Kronst\u00e4dter Matrosen und den ihnen nahestehenden Truppenteilen einerseits, sowie der Masse der Bauernschaft im Land und der Armee, verk\u00f6rpert durch den tagenden Sowjetkongress, andererseits. Es war eine Auseinandersetzung innerhalb der sog. &#8222;revolution\u00e4ren Demokratie&#8220;, zwischen der proletarischen Avantgarde einerseits und dem \u00fcber Russland und seine Armee herrschenden Kleinb\u00fcrgertum, vertreten durch die Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki, andererseits.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Suchanow dazu: &#8222;Die &#8218;Aufst\u00e4ndischen&#8216; forderten eine Diktatur des Sowjets zur Erf\u00fcllung ihres unabdingbaren Programms: Frieden, Brot und Land. Die &#8218;Treuen&#8216; dagegen erkannten den Sowjet zwar auch als Diktatur an, aber ohne Vorbehalt; sie folgten nur blindlings den blinden F\u00fchrern und waren bereit alle Befehle zu erf\u00fcllen. Befahl der Sowjet, ihn selbst nicht als Staatsgewalt anzuerkennen \u2026 nun, die &#8218;Treuen&#8216; akzeptierten es ohne Widerrede, denn der Sowjet war doch ihr Diktator und ihre Staatsgewalt!&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> Hier wird es treffend auf den Punkt gebracht. Die Sowjetf\u00fchrung mag der Provisorischen Regierung &#8222;unbeschr\u00e4nkte Vollmachten und unbeschr\u00e4nkte Macht&#8220; zusichern, was nach den Juli-Ereignissen auch geschieht, aber es ist der Sowjet, von dem diese Macht ausgeht. Und im Oktober nimmt er diese Macht in seine eigenen H\u00e4nde \u2013 mit einer anderen Mehrheit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Juli-Demonstrationen versetzten die Sowjetf\u00fchrung in Panik. Kerenski reiste an die Front, u. a. um verl\u00e4ssliche Truppen nach Petrograd zu schaffen, und der Justizminister bekundete \u2013 vermutlich im Einvernehmen mit Kerenski \u2013, &#8222;Dokumente&#8220; zu besitzen, die Lenin als deutschen Spion enttarnen w\u00fcrden. Dadurch wurde die Stimmung innerhalb der passiven Regimenter gekippt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a> Der n\u00e4chste logische Schritt der Sowjetf\u00fchrung war der Versuch, ihre politische Basis vom Sowjet zu l\u00f6sen und nach rechts zu erweitern. Dies sollte mit der Moskauer Staatsberatung geschehen, die dann direkt zur Kornilowiade f\u00fchrte. Dies kann der Leser im nachfolgend abgedruckten und kommentierten Text von N. Bucharin lesen.<\/span><\/span><\/p>\n<h4 align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>7. Der Oktober<\/b><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im September-Oktober 1917 zogen die Bauern die Lehren aus den acht Monaten der politischen Herrschaft des Kleinb\u00fcrgertums und seiner politischen Interessenvertretung. Sie zogen sie sowohl praktisch als auch politisch: praktisch, indem sie massenhaft begannen, sich das Land zu nehmen und von der Front zu desertieren; politisch, indem sie sich der Partei zuwandten, die bereit war, ihnen das Land zu garantieren und den Krieg zu beenden. Dies war das Programm der Bolschewiki, die zu diesem Zeitpunkt bereits die Mehrheit des russischen Proletariats hinter sich vereint hatten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Abwendung der Bauernschaft vom B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie, mit ihrer Losl\u00f6sung aus der kleinb\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten F\u00fchrung der alten Sowjetmehrheit, er\u00f6ffnete sich dem russischen Proletariat die M\u00f6glichkeit, die Staatsmacht zu ergreifen und zu behalten. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bolschewiki hatten zu diesem Zeitpunkt die gro\u00dfe Mehrheit des Proletariats f\u00fcr ihre Forderungen gewonnen. Jetzt war es m\u00f6glich, das zu verwirklichen, was im Juli nicht gelungen war: die kleinb\u00fcrgerliche Hegemonie des Zentralen Exekutivkomitees des Sowjets zu brechen und die politische Macht in den H\u00e4nden der siegreichen proletarischen Minorit\u00e4tenrevolution, der neuen Sowjetregierung, zu konzentrieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Machteroberung im Oktober konnte somit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>der Form nach<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> als &#8222;angek\u00fcndigter Staatsstreich&#8220; durchgef\u00fchrt werden, dem Inhalt nach war sie Ausdruck der Abwendung der Mittelschichten, im Kern der Bauernschaft, von einer Kooperation mit der Bourgeoisie. Im Oktober war die bewaffnete Bauernschaft, war die Armee nicht mehr bereit, die Provisorische Regierung zu verteidigen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Regierung musste nicht gest\u00fcrzt, sondern nur verhaftet werden.<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um diese Macht zu stabilisieren, um dauerhaft zum Hegemon der Revolution zu werden, war aber ein weiterer Schritt notwendig, die \u00dcbernahme des r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten, antikapitalistischen b\u00e4uerlichen Agrarprogramms. Dies war von zentraler Bedeutung f\u00fcr den Sieg des Oktoberumsturzes im ganzen Land.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der \u00dcbergabe des Bodens an die Bauern zur ausgleichenden Bodennutzung wurde zugleich die politische Dominanz der in der Armee und im Sowjet organisierten Bauernschaft \u00fcber die Revolution gebrochen, denn mit der Umsetzung der Landumteilung l\u00f6ste sich die Armee auf<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a> und damit letztendlich auch die Vorherrschaft der Bauern-Soldaten \u00fcber die Sowjets. Die sich auf das Proletariat st\u00fctzende Macht der Bolschewiki konnte so ihre Herrschaft sichern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Preis f\u00fcr die proletarische Machtergreifung war eine antikapitalistische, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Agrarrevolution, die jeden direkten Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft versperrte. Lenin und weitere bolschewistische F\u00fchrer \u2013 keineswegs alle \u2013 waren bereit, diesen Preis zu zahlen. \u00dcber die Rechnung hatten sie im Oktober noch keine Klarheit.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a> Sie wollten <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">die Fackel der Revolution &#8222;in den Pulverkeller des alten bluttriefenden Europa werfen&#8220;, wie Bucharin es ausdr\u00fcckte. Der von der russischen Revolution ausgestellte Scheck sollte von der proletarischen Revolution im Westen eingel\u00f6st werden. Warum dieser Scheck 1918 in Deutschland nicht eingel\u00f6st wurde, entwickelt der Genosse Karuscheit in seinem neuen Buch &#8222;Die verlorene Demokratie&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum Schluss der Versuch, das Neue unseres Ansatzes zur russischen Revolution in drei Thesen zusammenzufassen:<\/span><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bedingt durch die Besonderheiten Russlands war die Februarrevolution keine b\u00fcrgerliche Revolution, wie wir sie aus der Geschichte Westeuropas kennen. Weder wollte die russische Bourgeoisie diese Revolution noch war sie eine Triebkraft der Februarrevolution. Sie stand der Revolution offen feindlich gegen\u00fcber und f\u00fcrchtete die Revolution mehr als den Zarismus. Die Februarrevolution hat ihren Ursprung in einer Revolte der Arbeiterinnen und Arbeiter, die durch das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Regimenter der Hauptstadt siegen konnte. Ihr Ergebnis war ein kleinb\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlich gepr\u00e4gter Sowjet, der das politische Geschehen des Revolutionsjahres bestimmte.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bourgeoisie kam nach der Februarrevolution mit Unterst\u00fctzung dieses Sowjets zwar an die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Regierung<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, war aber 1917 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>niemals<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> im Besitz der politischen Macht. Die Macht lag beim Sowjet, dessen f\u00fchrende Parteien \u2013 SR und rechte Menschewiken \u2013 aus Mangel an einem eigenst\u00e4ndigen politischen Programm zu den Fragen von Land und Frieden fortw\u00e4hrend ein B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie suchten. Der durchg\u00e4ngig verwendete Begriff der Doppelherrschaft verdunkelt, wo die tats\u00e4chliche Macht lag, n\u00e4mlich beim Sowjet.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Oktoberrevolution war keine &#8222;gro\u00dfe sozialistische Revolution&#8220;, sondern ein bolschewistischer Aufstand, getragen von der Arbeiterklasse, und damit eine Minorit\u00e4tenrevolution. Der Sieg dieses Aufstandes war \u2013 wie im Februar 1917 \u2013 abh\u00e4ngig von der Unterst\u00fctzung bzw. Duldung der bewaffneten und in den Sowjets organisierten Bauernschaft. Der Preis der bolschewistischen Machtergreifung war deshalb die Umsetzung des r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten b\u00e4uerlichen Agrarprogramms der &#8222;schwarzen Umteilung&#8220;, das die russische Sozialdemokratie und allen voran Lenin 20 Jahre lang als utopisch, reaktion\u00e4r und slawophil kritisiert hatte. Zugleich brach die Umsetzung dieser Agrarreform die b\u00e4uerliche Vorherrschaft \u00fcber den Sowjet und die russische Revolution. W\u00e4hrend die Agrarreform jeden direkten Weg zum Aufbau des Sozialismus ausschloss, sicherte sie zugleich die politische Macht des Proletariats und der Bolschewiki.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Berliner Debatte Initial Nr. 28<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine breitere Vorstellung b\u00fcrgerlicher und linker Neuver\u00f6ffentlichungen zum Revolutionsjahr ist f\u00fcr eine sp\u00e4tere AzD-Nummer geplant.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">David Anin: Die russische Revolution von 1917; M\u00fcnchen 1976, S. 22<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Pipes 1992, S. 483<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Diesen Unterschied verwischt die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung gerne, allen voran Manfred Hildermeier in seinen aktuellen Aufs\u00e4tzen zum 100 Jahrestag. Siehe dazu u.a. APuZ Nr.\u00a034-36, S.\u00a011. Die Februarrevolution siegte nicht, weil sie von der Generalit\u00e4t unterst\u00fctzt wurde. Das Gegenteil ist wahr: die Generalit\u00e4t war ebenso wie das Duma-Komitee ein Gegner der Volksrevolution. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Suchanow 1967, S. 70<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Anweiler 1958<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, S. 131<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe Alfred Schr\u00f6der und Heiner Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917; Hamburg 2017, S.\u00a089-90 (k\u00fcnftig zitiert als: Schr\u00f6der\/Karuscheit)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Patriotische Vaterlandsverteidiger vom rechten Fl\u00fcgel der Menschewiki<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10\u00a0<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Schr\u00f6der\/Karuscheit, S. 204f.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11\u00a0<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;1913 machte ausl\u00e4ndisches Kapital etwa 41 Prozent der in der Industrie und Bankwesen get\u00e4tigten Gesamtinvestitionen aus. Eine m\u00f6gliche Sorgenquelle war das Ausma\u00df des Handelsvolumens mit Deutschland, das sich per Valuta auf etwa 40 Prozent des gesamten Au\u00dfenhandels belief. Die staatlich gef\u00f6rderte Industrialisierung wurde finanziell durch den Getreideexport abgesichert \u2026&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a047)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Die entscheidenden Sektoren der Schwerindustrie und des Transportwesens hingen von staatlichen Auftr\u00e4gen, Subventionen und Vorzugsz\u00f6llen ab, weshalb die Unternehmer, die oftmals Ausl\u00e4nder waren, hier kaum mehr taten als sich \u00fcber b\u00fcrokratische Kontrollen zu beschweren. In St.\u00a0Petersburg waren die Besitzer der Fabriken f\u00fcr Metallverarbeitung und Maschinenbau zusammen mit den Gro\u00dfbankiers recht gut organisiert, vor allem um ihren Einfluss auf Regierungskreise bem\u00fcht, statt politische Reformen oder die Modernisierung der Produktionsverh\u00e4ltnisse zu unterst\u00fctzen.&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S. 49-50)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13\u00a0<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Oktobristisch: auf dem Boden des Oktober-Manifestes des Zaren von 1905 stehend. &#8222;Die Textilfabrikanten in der Moskauer Industrieregion bildeten den einflussreichsten Sektor der einheimischen Kapitalisten; sie waren in der F\u00fchrung ihrer Betriebe eher konservativ und paternalistisch. Viele entstammten einer Familie von Altgl\u00e4ubigen. Anders als die Eisen- und Stahlfabrikanten waren sie nicht von staatlichen Auftr\u00e4gen abh\u00e4ngig und unterst\u00fctzten nach 1905 die Forderung nach politischen Reformen.&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a049)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;An der Wende zum 20.\u00a0Jahrhundert waren etwa drei Viertel des in b\u00e4uerlichem Besitz befindlichen Landes, darunter fast die H\u00e4lfte des Ackerlands, einer einzigartigen Form von Verwaltung unterworfen, in der die Haushaltsvorst\u00e4nde das der Gemeinschaft geh\u00f6rende Ackerland periodisch neu unter die betreffenden Haushalte aufteilten. Des Weiteren entschied diese Dorfversammlung dar\u00fcber, wann die Haushalte pfl\u00fcgen, s\u00e4en, ernten oder Heu machten sollten. Solche Art von kollektiver Kontrolle hatte den Zweck, unw\u00e4gbare Umweltrisiken zu minimieren und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Armen nicht zur Belastung wurden. Die Dorfversammlung war auch f\u00fcr die Steuerzahlung der Haushalte verantwortlich und musste Recht und Ordnung aufrechterhalten.&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a037-38)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Somit haben sich die Bauern klar und entschieden gegen die alte Dorfgemeinde, f\u00fcr freie Genossenschaften und f\u00fcr die Bodennutzung durch Einzelpersonen ausgesprochen. Dass das tats\u00e4chlich die Stimme der Gesamtbauernschaft ist, kann nicht bezweifelt werden, denn auch der Entwurf der Trudowikigruppe <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>erw\u00e4hnt die Dorfgemeinde mit keiner Silbe<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">.&#8220; (LW Bd.\u00a013, S.\u00a0285)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das russische Proletariat war als Ergebnis staatlicher und ausl\u00e4ndischer Investitionen in wenigen industriellen Zentren und dort wiederum in Gro\u00dfbetrieben konzentriert; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcber die H\u00e4lfte der Arbeiter arbeitete in Betrieben von mehr als 500 Personen. <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Obwohl es mit 3-4 Mio. nur eine absolute Minderheit der zwischen 165 und 175 Mio. z\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerung Russlands ausmachte, war es durch seine Ballung in den politischen und industriellen Zentren (in erster Linie Petersburg und Moskau) ein wesentlicher politischer Faktor. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Proletariat ging nicht wie in Westeuropa aus Handwerk und st\u00e4dtischen Unterschichten hervor, sondern aus der Bauernschaft, was erhebliche politische Folgen hatte. \u2026 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bis zur Agrarreform 1906 war fast <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">jeder st\u00e4dtische Arbeiter noch Mitglied der Dorfgemeinde<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> und hatte dort Anspruch auf ein St\u00fcck Land.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, S.\u00a037)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">siehe dazu: Schr\u00f6der\/Karuscheit, S. 55 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18\u00a0<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">So schreibt Stephen A. Smith: &#8220; es ist augenf\u00e4llig, wie schwach die Polizeikr\u00e4fte tats\u00e4chlich waren \u2026 Da Polizisten sehr viel kostentr\u00e4chtiger waren als Soldaten, lie\u00df das Regime gef\u00e4hrlichere Aufruhrversuche durch die Armee niederschlagen. Insofern war die Regierungsgewalt im zaristischen Russland zu wenig durchschlagkr\u00e4ftig und die B\u00fcrokratie zu schw\u00e4chlich, als dass von einem Polizeistaat \u2026 gesprochen werden k\u00f6nnte.&#8220; (Stephen A. Smith, Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S. 30)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> P. Miljukow: Ru\u00dflands Zusammenbruch, Erster Band, Berlin 1925, S. 40<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Denn man darf nicht vergessen, dass faktisch in Petrograd die Macht in den H\u00e4nden der Arbeiter und Soldaten liegt; Gewalt wendet die neue Regierung gegen sie nicht an und kann sie auch nicht anwenden: gibt es doch weder eine Polizei noch ein vom Volk getrenntes Heer, noch ein allm\u00e4chtig \u00fcber dem Volke stehendes Beamtentum. Das ist eine Tatsache.&#8220; (Briefe \u00fcber die Taktik, April 1917; LW\u00a024, S.28;) Es fehlt der Satz, dass dieses Heer ein b\u00e4uerliches ist, und damit die Macht kleinb\u00fcrgerlich dominiert ist. Genau dies ist aber das Wesen der Sache, das Lenin <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>nicht<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> herausarbeitet.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Die Bourgeoisie oktobristisch-kadettischen Typs braucht die Monarchie als Haupt der B\u00fcrokratie und der Armee zum Schutz der Privilegien des Kapitals gegen die Werkt\u00e4tigen.&#8220; (Briefe aus der Ferne, M\u00e4rz 1917; LW\u00a023, S.\u00a0319). Die B\u00fcrokratie und die Polizei waren zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr existent und die politische Macht entsprang den Gewehrl\u00e4ufen der b\u00e4uerlichen Armee. Die Bourgeoisie &#8222;oktobristisch-kadettischen Typs&#8220; war zu diesem Zeitpunkt bereits bar jeden Schutzes durch die Monarchie.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hans Hautmann, <a href=\"http:\/\/www.klahrgesellschaft.at\/Mitteilungen\/Hautmann_1_17.pdf\">http:\/\/www.klahrgesellschaft.at\/Mitteilungen\/Hautmann_1_17.pdf<\/a>. In gek\u00fcrzter Form auch abgedruckt in den Marxistischen Bl\u00e4ttern, Sonderausgabe 1917-2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">LW 23, S. 359. Suchanow, ein Teilnehmer an den Verhandlungen zur Bildung der Provisorischen Regierung schildert dies g\u00e4nzlich anders: &#8222;Es war an der Zeit, eine gemeinsame Sitzung (des Exekutivkomitees des Sowjets) mit dem Dumakomitee zu organisieren, um eine Provisorische Regierung zu gr\u00fcnden und ihr Programm festzulegen.&#8220; (Suchanow, S. 122). Zur Zusammensetzung der Regierung beschloss das Exekutivkomitee: &#8222;Der letzte Punkt \u2013 die personelle Zusammensetzung der Regierung \u2013 wurde ohne jegliche Schwierigkeit entschieden. Es wurde beschlossen, sich in diese Angelegenheit nicht einzumischen und es der Bourgeoisie zu \u00fcberlassen, die Regierung nach Gutd\u00fcnken zu bilden.&#8220;( Suchanow S. 122) Zuvor hatte es eine heftige Auseinandersetzung im Exekutivkomitee gegeben, ob eine Koalitionsregierung des Sowjets mit den Vertretern des Duma-Komitees gebildet werden sollte. Dies wurde mehrheitlich abgelehnt. (Suchanow, S.\u00a0119). Auch hier ist bedeutsam, dass der Sowjet nicht nur das Programm der Regierung beschlie\u00dft, sondern sich ebenso befugt sieht &#8211; wenn auch nur negativ &#8211; ihre Zusammensetzung zu bestimmen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Stefan Bollinger: Oktoberrevolution, Berlin 2017, S. 10\/11<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der russischen Bourgeoisie wollten ebenso wie der zaristische Generalstab und die Alliierten eine Abdankung Nikolaus&#8216; II., aber nicht um den Zarismus <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>zu st\u00fcrzen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, sondern um ihn <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>zu erhalten<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">. Der Sturz des Zaren wurde betrieben, um den Zarismus zu retten. Diese Nuance l\u00e4sst nicht nur Bollinger, sondern auch Hildermeier in seinen verschiedenen Ver\u00f6ffentlichungen zu diesem Thema au\u00dfer acht (siehe u.a. APuZ 34-36, 2017, S. 11).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Miljukow &#8222;glaubte ganz einfach nicht, dass irgendeine Regierung lebensf\u00e4hig w\u00e4re und dem Druck des Sowjets (&#8230;) standhalten k\u00f6nnte, falls nicht das traditionelle Schwergewicht der Monarchie f\u00fcr sie in die Waagschale gelegt w\u00fcrde.&#8220; (siehe dazu Schr\u00f6der\/Karuscheit, S.\u00a040) <\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Stadtkonferenz der SDAPR\/B im April 1917; LW 24, S. 128<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Stefan Bollinger sollte als &#8222;Mitglied der historischen Kommission beim Parteivorstand&#8220; der Linkspartei seinen Lenin besser kennen und dessen Irrt\u00fcmer \u2013 von denen es 1917 genug gab \u2013eher als Ann\u00e4herungen an die gesellschaftliche Realit\u00e4t des Revolutionsjahres darstellen, als sie zur Zitatquelle eigener Fehleininterpretationen der russischen Entwicklung zu missbrauchen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00dcber die Doppelherrschaft; LW 24, S. 20-21<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">APuZ Nr. 34-36; S. 11<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zu den verschiedenen Komplotten und Pl\u00e4nen siehe Schr\u00f6der\/Karuscheit; S. 18-30<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu die Bem\u00fchungen Miljukows und Gutschkows zur Erhaltung der Monarchie (Schr\u00f6der\/Karuscheit, S. 38-40) sowie die Stellung des Generalstabs beim Kornilowputsch.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der ganze Ablauf der Ereignisse w\u00e4hrend der Februar-M\u00e4rz-Revolution zeigt deutlich, dass die englische und die franz\u00f6sische Botschaft mit ihren Agenten und &#8218;Verbindungen&#8216;, die seit langem die verzweifelten Anstrengungen machten, &#8217;separate&#8216; \u00dcbereink\u00fcnfte und einen Separatfrieden zwischen Nikolaus dem Zweiten (und dem letzten, wie wir hoffen und erstreben) und Wilhelm dem Zweiten zu verhindern, zusammen mit einem Teil der Generalit\u00e4t und des Offizierskorps der Armee sowie der Petersburger Garnison eine direkte Verschw\u00f6rung organisierten, und zwar besonders mit dem Ziel der Absetzung Nikolaus Romanows.<br \/>\nMachen wir uns keine Illusionen. Begehen wir nicht den Fehler \u2026. einen Schleier \u00fcber die Verschw\u00f6rung der englisch-franz\u00f6sischen Imperialisten mit den Gutschkow und Miljukow (zu werfen), die das Ziel hatte, den &#8218;Oberkrieger&#8216; Nikolaus Romanow abzusetzen und ihn durch energischere, frischere und f\u00e4higere Krieger zu ersetzen. (Briefe aus der Ferne, M\u00e4rz 1917; LW 23, S. 316-317) <\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine &#8222;Regierung des gesellschaftlichen Vertrauens&#8220; war die Formulierung Miljukows.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Suchanow, S. 64<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Stefan Bollinger: Oktoberrevolution, Berlin 2017, S. 10<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hans Hautmann, <a href=\"http:\/\/www.klahrgesellschaft.at\/Mitteilungen\/Hautmann_1_17.pdf\">http:\/\/www.klahrgesellschaft.at\/Mitteilungen\/Hautmann_1_17.pdf<\/a>.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Suchanow, S. 445-446<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Suchanow schreibt zur Rolle der Regierung w\u00e4hrend der Juli-Ereignisse: &#8222;Was unsere sogenannte Regierung im Marienpalais unternahm, war selbstverst\u00e4ndlich v\u00f6llig uninteressant. Sie war eine g\u00e4nzlich unbedeutende Gr\u00f6\u00dfe und ein hilfloser Spielball der Ereignisse. Sie musste still sitzen bleiben und darauf warten, was die sowjetischen F\u00fchrer oder die Volksmassen mit ihr zu tun beschl\u00f6ssen.&#8220; (Suchanow, S. 422)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Semjonow- und Preobrashenskij-Regiment, bekannt reaktion\u00e4re Garderegimenter<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41\u00a0<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Suchanow, S. 452<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Schr\u00f6der\/Karuscheit, S. 71<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der wenige Monate sp\u00e4ter folgende Abschluss eines Separatfriedens mit Deutschland war die notwendige Folge des Bodendekrets. Mit dem Bodendekret hat man <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>faktisch<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> die Armee aufgel\u00f6st, ihre <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>formelle<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Aufl\u00f6sung Anfang 1918 war nur die Anerkennung einer Tatsache.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man keine Klarheit \u00fcber das \u00f6konomische und politische Gesicht der russischen Bauernschaft besa\u00df.<\/span><\/span><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Heiner Karuscheit: Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar; VSA, Hamburg 2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Schr\u00f6der Die unverstandenen Revolutionen Russland im Jahre 1917 &#8222;Entgegen den Vorstellungen der Ereignishistoriographie erweist sich nicht der bolschewistische Oktober, sondern der &#8218;demokratische Februar&#8216; als der kritische Punkt im Jahr 1917&#8220;, schreibt W. Hedeler in einer Sammelrezension1 zu den aktuellen Neuver\u00f6ffentlichungen zu den russischen Revolutionen.2 Und dies v\u00f6llig zu Recht. 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