{"id":96,"date":"2016-09-10T18:25:01","date_gmt":"2016-09-10T16:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=96"},"modified":"2017-12-19T18:02:42","modified_gmt":"2017-12-19T17:02:42","slug":"ns_wagner_1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=96","title":{"rendered":"I. Ein soziales Programm f\u00fcr die Massen &#8211; Der Aufstieg der NSDAP"},"content":{"rendered":"<div>\n<h1>1. Einleitung: Die Republik auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen<\/h1>\n<p>Der Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung erfolgte auf Grundlage der sozialen und politischen Krise der Weimarer Republik 1928\/1929, in der die NSDAP zur Massenpartei wurde. Die neue Ordnung von Weimar erwies sich in der Krise als \u00e4u\u00dferst instabil.<\/p>\n<p>Die Geburt der ersten parlamentarischen Republik auf deutschem Boden war ein Produkt eines Kompromisses zwischen der kaiserlichen Armeef\u00fchrung und der Mehrheitssozialdemokratie im November 1918. Die alte preu\u00dfische Elite \u00fcbergab der SPD die Regierungsgewalt und behielt daf\u00fcr ihren von der Revolution bedrohten Gro\u00dfgrundbesitz und ihre dominante Stellung im Staatsapparat der Republik. Die Niederschlagung der revolution\u00e4ren Aufst\u00e4nde fand im gegenseitigen Einverst\u00e4ndnis statt. Der Einflu\u00df des mehrheitlich demokratiefeindlichen preu\u00dfischen Adels auf die Republik blieb in Folge ungebrochen. Im Gegensatz zum Kaiserreich mu\u00dften sich die Junker nun aber mit den Sozialdemokraten und Parteien des B\u00fcrgertums arrangieren. Die Armee stand jedoch weiter unter F\u00fchrung der preu\u00dfischen Junker und ihr Offizierskorps blieb f\u00fcr andere Gesellschaftsschichten weiter verschlossen. W\u00e4hrend des Rechtsputsches von Kapp 1920 zeigte sich, da\u00df die Armeef\u00fchrung nicht zur Verteidigung der Republik bereit war.<\/p>\n<p>Den \u00fcbernommenen Staatsapparat mit seinen Beamten und Richtern pr\u00e4gte noch entscheidend der Geist der Kaiserzeit. \u00d6stlich der Elbe bestanden noch die Ritterg\u00fcter und andere halbfeudale \u00dcberbleibsel der Junker weiter und behinderten den Modernisierungsproze\u00df Deutschlands. Der sogenannte Preu\u00dfenschlag 1932, der die sozialdemokratische Regierung in Preu\u00dfen mit verfassungswidrigen Mitteln st\u00fcrzte, markierte das endg\u00fcltige Ende der Zusammenarbeit zwischen Junkern und Sozialdemokratie. Zu keinem Zugest\u00e4ndnis mehr bereit, wandte sich der Gro\u00dfteil der alten Elite nun offen gegen die Republik.<\/p>\n<p>Die andere S\u00e4ule der Republik bildete anf\u00e4nglich der Kompromi\u00df zwischen der Schwerindustrie und der sozialdemokratischen Gewerkschaft. Der &#8222;Stinnes-Legien-Pakt&#8220; war der Anfang der Sozial- und Tarifpartnerschaft. Mit der Einf\u00fchrung des 8-Stundentages und des Betriebsverfassungsgesetzes wurden wesentliche Forderungen der Arbeiterbewegung erf\u00fcllt, so da\u00df sich nur eine Minderheit des Proletariats mit der Kommunistischen Partei gegen die Republik auflehnte. Mitte der 20er Jahre k\u00fcndigte die Industrie diesen Kompromi\u00df auf und ging wieder auf Konfrontation zu den Gewerkschaften. Den 8-Stundentag gab es schon 1925 in den meisten Bereichen der Wirtschaft nicht mehr und die Schwerindustrie rebellierte gegen die staatliche Zwangsschlichtung bei Tarifverhandlungen. Die &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220; fand im Ruhreisen-Streit von 1927 schlie\u00dflich ihr Ende.<\/p>\n<p>Mit der Agrar- und der Weltwirtschaftskrise 1928\/29 zerbrach die Klassenzusammenarbeit der Weimarer Republik endg\u00fcltig. Die Koalitionsregierungen der Weimarer Republik zeigten sich nicht in der Lage, die sozialen Probleme zu l\u00f6sen. Weder den Pleiten des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums noch dem Massensterben der Bauern konnte Einhalt geboten werden. In der Krise schwenkten diese Massen weiter nach rechts und bildeten das Potential f\u00fcr die Nationalsozialisten. Die einst tragenden b\u00fcrgerlichen Parteien der Weimarer Koalition sanken in die Bedeutungslosigkeit ab. Auch der Arbeitslosigkeit konnten die st\u00e4ndig wechselnden Notstandsregierungen nicht Herr werden.<\/p>\n<p>Das Ende der Weimarer Republik lag in ihrem Klassendilemma begr\u00fcndet. Anfangs hielt die Angst vor der sozialistischen Revolution Junker, Kapital, Kleinb\u00fcrgertum und die sozialdemokratische F\u00fchrung zusammen. Doch nach dem Ende der revolution\u00e4ren Unruhen wurde schon bald die schwache Basis der Republik offenbar. Keine der Klassen zeigte sich in der Lage, die Hegemonie \u00fcber die Gesellschaft herzustellen und zu ihrem &#8222;allgemeinen Repr\u00e4sentanten&#8220; zu werden. Die Arbeiterklasse war politisch hoffnungslos gespalten und keine ihrer Parteien besa\u00df ein Programm, um die kleinb\u00fcrgerlichen Massen an sich zu binden. Die Junker verloren die nord- und ostdeutsche Bauernschaft sowie das protestantische Kleinb\u00fcrgertum als ihr traditionelles Fu\u00dfvolk. Durch das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie lie\u00dfen ihre Vertreter das Kleinb\u00fcrgertum links liegen. Zudem waren die Zeiten vorbei, in denen die Junker \u00fcber den Staatsapparat eine Schutzpolitik f\u00fcr die Kleinproduzenten machen konnten. Das B\u00fcrgertum war, wie die Arbeiterklasse, politisch in zwei gegnerische Lager gespalten. Die Schwer und- die Leichtindustrie vertraten in der Innen- und Au\u00dfenpolitik unterschiedliche Konzeptionen. Gegen Ende der Weimarer Republik verlor das B\u00fcrgertum die gesamte Massenbasis. Dieses Klassendilemma f\u00fchrte dazu, da\u00df keine stabilen Mehrheiten mehr zustande kamen. Nur noch auf dem Boden der Notverordnungen konnte die &#8222;demokratische&#8220; Republik regiert werden. So ist es auch nicht verwunderlich, da\u00df am Ende mit Ausnahme der Sozialdemokratie keine Partei bereit war, die Republik zu verteidigen.<\/p>\n<p>Zudem war Weimar mit dem &#8222;Kainsmal&#8220; des Versailler Vertrages versehen. Die Republik stand auch symbolisch f\u00fcr die Kriegsniederlage und den Verlust der Souver\u00e4nit\u00e4t Deutschlands. Die Abtrennung wichtiger Industriegebiete wie des Saarlands oder Oberschlesiens und die Reparationen an die Sieger verst\u00e4rkten die Wirtschaftsprobleme. Keiner Regierung war es gelungen, eine wesentliche Ver\u00e4nderung des Vertrages zu erzielen, den viele Deutsche als Schmach empfanden. Mit der radikalen Propaganda gegen die Pariser Nachkriegsordnung fanden die Nationalsozialisten sowohl im Kleinb\u00fcrgertum als auch bei den alten Eliten, vor allem der junkerlichen Armeef\u00fchrung, Zustimmung.<\/p>\n<p>Der Nationalsozialismus bot Ende der 20er Jahre eine Aufl\u00f6sung des Klassendilemmas an und sagte der Ordnung von Versailles den Krieg an. Die Antwort auf die sich gegenseitig blockierenden Klassen war der F\u00fchrerstaat, der versprach, den sozialen Interessen des &#8222;ganzen Volkes&#8220; entgegenzukommen. Die politisch heimatlos gewordenen Massen der Bauernschaft und des Kleinb\u00fcrgertums sog der Nationalsozialismus in der Krise auf. Auf dieser Grundlage entstand eine machtvolle Bewegung, der keine andere Klasse etwas entgegenzusetzen hatte.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=99\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Einleitung: Die Republik auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen Der Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung erfolgte auf Grundlage der sozialen und politischen Krise der Weimarer Republik 1928\/1929, in der die NSDAP zur Massenpartei wurde. Die neue Ordnung von Weimar erwies sich in der Krise als \u00e4u\u00dferst instabil. Die Geburt der ersten parlamentarischen Republik auf deutschem Boden war ein &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=96\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I. 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