{"id":845,"date":"2018-01-04T13:16:46","date_gmt":"2018-01-04T12:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=845"},"modified":"2018-01-09T08:44:56","modified_gmt":"2018-01-09T07:44:56","slug":"hundert-jahre-russische-februarrevolution","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=845","title":{"rendered":"Hundert Jahre russische Februarrevolution"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Alfred Schr\u00f6der<\/em><\/span><\/p>\n<h2 class=\"western\">Zur b\u00fcrgerlichen<br \/>\nund marxistischen Publizistik<\/h2>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>\n<h3 class=\"western\">B\u00fcrgerliche Presse: SPIEGEL, GEO-EPOCHE, ZEITGeschichte<\/h3>\n<\/li>\n<li>\n<h3 class=\"western\">Die Februarrevolution in der linken Publizistik: von den Marxistischen Bl\u00e4ttern bis zur Zeitschrift Marxistische Erneuerung<\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Anzahl der Publikationen zum 100. Jahrestag der russischen Revolutionen des Jahres 1917 ist bis dato (Mai 2017) bescheiden geblieben. Zwar ist es noch etwas hin bis zum Jahrestag der Oktoberrevolution, so dass es voreilig w\u00e4re, ein abschlie\u00dfendes Urteil zu Umfang und Inhalt der Ver\u00f6ffentlichungen zu treffen. Aber bereits jetzt ist un\u00fcbersehbar, dass die b\u00fcrgerliche Publizistik sich in diesem Jahr schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Geschichte ihrer Klasse besch\u00e4ftigen wird, zu deren Formierung und ideologischer Legitimierung der Beginn der Reformation vor 500 Jahren einen m\u00e4chtigen Ansto\u00df gab. Die Feiern und Ver\u00f6ffentlichungen zum sog. Luther-Jahr und dem Beginn der Reformation werden, dazu bedarf es keiner hellseherischen Gaben, auch im Oktober und November dieses Jahres den 100. Jahrestag der Revolutionen der Arbeiter und Bauern von 1917 in allen Medien deutlich \u00fcbertrumpfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Dies entspricht sowohl dem Zustand der Arbeiterbewegung als auch der Relevanz des Marxismus in der BRD. Die Bourgeoisie ist an der Macht und feiert ihre Geschichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn wir unsere Darstellung mit der b\u00fcrgerlichen Publizistik zum 100.\u00a0Jahrestages des Revolutionsjahres beginnen, m\u00fcssen wir notgedrungen den selbst gesetzten Rahmen der Februarrevolution \u00fcberschreiten, da diese nur im Zusammenhang mit den nachfolgenden Ereignissen behandelt wird. Sie schafft sozusagen die Voraussetzung, die B\u00fchne, auf der nach b\u00fcrgerlicher Darstellung ein &#8222;Fanatiker der Macht&#8220; der Weltgeschichte eine neue Richtung gab.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Drei Publikationen der b\u00fcrgerlichen Presse mit einer gewissen Breitenwirkung sind zu erw\u00e4hnen. Zwei davon behandeln die Februarrevolution in Russland so gut wie gar nicht und reduzieren die Oktoberrevolution auf einen bolschewistischen Putsch. Auf Grund ihrer Breitenwirkung wollen wir sie trotzdem kurz vorstellen, insbesondere da sie ein Bild der heutigen Auseinandersetzung mit dem Marxismus und den russischen Revolutionen liefern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<h3 class=\"western\">B\u00fcrgerliche Presse: SPIEGEL, GEO-EPOCHE, ZEITGeschichte<\/h3>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der SPIEGEL brachte in seiner Reihe Geschichte ein Sonderheft zur Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert heraus.<\/span><\/span><sup> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nur der erste Abschnitt dieser Sondernummer behandelt die Vorgeschichte der russischen Revolution, das Jahr 1917 und den B\u00fcrgerkrieg. Zusammen mit vielen abgedruckten Plakaten f\u00fcllt das Thema knapp 20 Seiten, dementsprechend kurz sind die Ausf\u00fchrungen zum Revolutionsjahr 1917. Es ist ein Text mehr feuilletonistischer Art, ohne jeden Erkenntnisgewinn und voller Ungenauigkeiten. Hier zwei durchaus symptomatische Textbeispiele:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Endlich stimmt das ZK dem bewaffneten Aufstand zu. Und Lenin legt das Datum fest.&#8220;(S.\u00a022) Frei erfundene Dramatik. Im ZK-Beschluss gab es keinen Termin f\u00fcr den Aufstand und Lenin konnte ihn auch sp\u00e4ter nicht festlegen, da der Aufstand vom Milit\u00e4rrevolution\u00e4ren Komitee des Sowjets und nicht von der bolschewistischen Partei geleitet wurde. Richtig ist, dass er auch nach dem Beschluss wiederholt auf seine zeitnahe Umsetzung insistieren musste bis hin zum Vorabend des Aufstandes, da es in der bolschewistischen Partei ernsthafte Widerst\u00e4nde gegen die Machtergreifung gab.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oder ein anderes Beispiel: &#8222;Das Bodendekret \u2026 war vor allem ein politischer Trick, um die Bauern, die mehrheitlich mit den Sozialrevolution\u00e4ren sympathisierten, auf die Seite der Bolschewiki zu ziehen.&#8220; (Ebenda) In Wahrheit war es so, dass die Sozialrevolution\u00e4re, die im Oktober\/November 1917 bereits seit sechs Monaten in der Provisorischen Regierung sa\u00dfen und dort fast durchg\u00e4ngig das Landwirtschaftsministerium besetzt hatten, die Sympathien der Bauernschaft verloren, weil sie den &#8222;Trick&#8220; nicht kannten, den Bauern das Land zu geben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Wen dergleichen erhellende Geschichtsschreibung interessiert \u2013 das Heft ist noch erh\u00e4ltlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zweite Ver\u00f6ffentlichung mit Breitenwirkung ist eine Ausgabe von GEO\u00a0EPOCHE<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>, sogar mit einer beiliegenden DVD erwerbbar, die den bezeichnenden Titel tr\u00e4gt &#8222;Lenin \u2013 Fanatiker der Macht&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> und bereits im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Dem DVD-Titel recht nahekommend ist auch die Darstellung der politischen Ereignisse im genannten Heft. Die Oktoberrevolution wird auf einen Putsch reduziert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> Der F\u00fchrer der bolschewistischen Partei wird, der Lenin-Biographie von Robert Service<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> folgend (dessen Buch als Leseempfehlung vorgestellt wird), als rachs\u00fcchtiger Machtfanatiker dargestellt (&#8222;Lenin wollte \u2013 ohne dies ausdr\u00fccklich zu sagen \u2013 ein paar alte Rechnungen begleichen. Er wollte Rache, und die noch lebenden Mitglieder seiner Familie \u2013 sowie andere Menschen in seiner Partei \u2013 wollten dasselbe&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>). Dementsprechend wird Geschichte plakativ auf die gro\u00dfen M\u00e4nner, die sie machen, verk\u00fcrzt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> Und von diesen war Lenin nicht nur der &#8222;Radikalste der Radikalen&#8220;, sondern auch der entschlossenste, machtbesessenste, r\u00fccksichtloseste und so weiter und so fort, gegen\u00fcber den unentschlossenen, zaudernden und z\u00f6gernden Kontrahenten wie Miljukow (politischer Kopf der Kadetten) oder Kerenski (Trudowik, rechter Fl\u00fcgel der Sozialrevolution\u00e4re). Bei solch einer Geschichtsschreibung dienen die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die materiellen Interessen und ihre politischen Ausdrucksformen nur der Untermalung und Ausgestaltung der Geschehnisse, die von den M\u00e4nnern im Rampenlicht bestimmt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insgesamt ist die Ausgabe von GEO\u00a0EPOCHE optisch anspruchsvoller und informativer als das SPIEGEL-Sonderheft, kostet aber auch stolze 17,50 Euro (mit DVD). Daf\u00fcr erh\u00e4lt man neben einer F\u00fclle historischer Fotos in den entscheidenden Kapiteln zum Revolutionsgeschehen einen literarisch aufbereiteten moralisierenden Antikommunismus, wie er besonders in den Abschnitten des Krimi-Literaten Cay Rademacher hervorsticht, der auch vor grober Geschichtsklitterung nicht zur\u00fcckschreckt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier ein Beispiel von vielen, die zitierbar w\u00e4ren: &#8222;Es ist, wenn man so will, Lenins dritter Putsch: Nachdem er bereits die Provisorische Regierung besiegt und die Sowjets unter Kontrolle der Bolschewiki gebracht hat, beseitigt er nun alle Dissidenten in seiner eigenen Partei.&#8220; (GEO\u00a0EPOCHE, S. 102) Anlass zu obigem Zitat ist der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Austritt<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kamenews, Sinowjews und ihrer Anh\u00e4nger aus dem Zentralkomitee der Bolschewiki (November 1917), nachdem sie dort keine Mehrheit f\u00fcr eine Koalition mit den Menschewiken und Sozialrevolution\u00e4ren nach dem Sieg der Oktoberrevolution erreichen konnten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> Mit ihrem Austritt aus dem ZK wollten sie die Mehrheit des ZK unter Druck setzen, die Regierung um Vertreter aller Sowjetparteien sowie Vertreter der Petrograder Stadtduma zu erweitern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Dieser freiwillige Austritt zur politischen Erpressung der Partei verwandelt sich unter der Feder Rademachers in die Beseitigung aller Dissidenten aus der Partei und zum dritten Leninschen Putsch innerhalb weniger Tage.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Worte Cay Rademachers zu nutzen: &#8222;wenn man so will&#8220;, kann man den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>freiwilligen Austritt<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der oben Genannten aus dem ZK als Leninschen Putsch bezeichnen, kann man den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>freiwilligen Auszug<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re aus dem Sowjetkongress kurz zuvor ebenso als Leninschen Putsch bezeichnen. Nur, man muss es schon wollen: Lenin zu d\u00e4monisieren, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen, die Klassenkr\u00e4fte zu ignorieren und die politischen Positionen der handelnden Parteien wegfallen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das bietet uns ein Gro\u00dfteil der b\u00fcrgerlichen Publizistik als Geschichtsschreibung f\u00fcr das breitere Publikum zum Revolutionsjubil\u00e4um. Und, was noch viel entscheidender ist, dies kann man dem Publikum bieten, weil es keine marxistische Kritik gibt, die diesen Darstellungen entgegentritt, die selbst halbwegs auf der H\u00f6he des gegebenen Forschungstandes argumentieren, korrigieren, oder den moralisierenden und unhistorischen Unsinn entlarven kann.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<h3 class=\"western\">ZEITGeschichte<\/h3>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von grunds\u00e4tzlich anderer Art ist die Ver\u00f6ffentlichung der ZEIT in ihrer historischen Reihe ZEITGeschichte. Der Titel &#8222;1917 \u2013 Revolution in Russland, Kriegseintritt der USA: Ein Jahr das die Welt ver\u00e4ndert&#8220; benennt die zentrale inhaltliche Aussage der Publikation: Durch die russische Revolution und den amerikanischen Kriegseintritt mit einem antikolonialen Friedensprogramm wird dieses Jahr zu einem geschichtlichen Wendepunkt, der entscheidend f\u00fcr den weiteren Verlauf des 20. Jahrhundert wird. In einer Reihe von Aufs\u00e4tzen behandeln bekannte und teils renommierte Historiker die zentralen Ereignisse des Jahres mit ihrer jeweiligen Vorgeschichte und den Nachwirkungen. Fast alle Beitr\u00e4ge sind lesenswert und teilweise kontrovers, spiegeln den Stand der b\u00fcrgerlichen Forschung wieder und geben dem Leser einen tieferen Einblick in das damalige politische und gesellschaftliche Geschehen. Bei einem Preis von 6,90 Euro f\u00e4llt es leicht, hier eine Kaufempfehlung auszusprechen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr unser Thema von besonderem Interesse sind zwei Artikel. Manfred Hildermeier behandelt Lenin als &#8222;Genie des Augenblicks&#8220;. Obwohl am Ende des Heftes bei den Literaturhinweisen wieder der in b\u00fcrgerlichen Publikationen nicht fehlen d\u00fcrfende Robert Service mit seiner Lenin-Biographie angef\u00fchrt wird, finden wir bei Hildermeier eine eigene, kurz gefasste politische Biographie Lenins. Bei der Beschreibung der Februarrevolution<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> wiederholt Hildermeier seine bereits 1989<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> entwickelte Position von den &#8222;Frontgeneralen&#8220; als &#8222;entscheidende(m) Faktor&#8220; f\u00fcr den Sieg der Revolution.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> Ihre Abwendung vom Zarismus h\u00e4tte die Revolution gesichert. Diese in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung verbreitete Sichtweise geht an den Tatsachen vorbei. Der \u2013 wie wir noch sehen werden \u2013 entscheidende Faktor f\u00fcr den Sieg war die Verbr\u00fcderung der b\u00e4uerlichen Regimenter mit den streikenden und demonstrierenden Arbeitern. Dies geschah ohne und in vielen F\u00e4llen gegen die kommandierenden Offiziere. Die zaristische Generalit\u00e4t war nach dem Sieg der Revolution mit einigem Z\u00f6gern bereit, dem herrschenden Zaren Nikolaus II. die Abdankung nahezulegen, aber nur, um zusammen mit den f\u00fchrenden K\u00f6pfen der Bourgeoisie einen anderen, geeigneteren Romanow auf den Thron zu heben. Der aber war nicht zu finden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Theorie von der entscheidenden Rolle der Generalit\u00e4t f\u00fcr den Sieg der Revolution dient einzig dazu, der russischen Bourgeoisie eine politische Bedeutung und milit\u00e4rische Macht zuzuschreiben, die sie in keinem Moment des Jahres 1917 besa\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der zweite f\u00fcr uns interessante Artikel ist von Leonid Luks (&#8222;Das kurze Jahr der Freiheit&#8220;). Er stellt unumwunden fest: &#8222;Tats\u00e4chlich blieb die Provisorische Regierung in allem was sie tat, vom Petrograder Sowjet abh\u00e4ngig. Sie ben\u00f6tigte seine Unterst\u00fctzung \u2026 Unter dem Druck des Petrograder Sowjets verk\u00fcndete die Provisorische Regierung am 03. M\u00e4rz ein Manifest&#8220;, in dem sie ihr Regierungsprogramm darlegte. (S. 38) Hier wird das tats\u00e4chliche Verh\u00e4ltnis von Sowjet und Provisorischer Regierung auf den Punkt gebracht. Die b\u00fcrgerliche Regierung und sp\u00e4ter die Koalitionsregierung waren vom Sowjet abh\u00e4ngig, bei dem die tats\u00e4chliche Macht (das Kommando \u00fcber die Gewehrl\u00e4ufe) lag. Dies findet man selten und schon gar nicht bei der Linken so klar ausgedr\u00fcckt. Insgesamt &#8211; bis auf seinen Schluss<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> &#8211; ist der Artikel informativ und bietet dem Leser einige Anregungen zur Neubewertung der damaligen Ereignisse.<\/span><\/span><\/p>\n<h2 class=\"western\">Die Februarrevolution in der linken Publizistik<\/h2>\n<h3 class=\"western\">Von den Marxistischen Bl\u00e4ttern bis zur Zeitschrift Marxistische Erneuerung<\/h3>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die Februarrevolution hatte &#8218;kein Gl\u00fcck&#8216; in der sowjetischen Geschichtsschreibung&#8220;, schrieb vor \u00fcber 40 Jahren der Historiker David Anin bei seiner ausf\u00fchrlichen Besprechung der Februarrevolution.<\/span><\/span><sup> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Man kann erg\u00e4nzen, auch bei der marxistischen Geschichtsschreibung au\u00dferhalb der Sowjetunion blieb die Behandlung der Februarrevolution &#8222;oft im Schatten \u2026 des Oktobers&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a>, ohne eine eigenst\u00e4ndige Kontur zu gewinnen. Die Ver\u00f6ffentlichungen in der linken Presse best\u00e4tigen diese Feststellungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einzig die MARXISTISCHEN BL\u00c4TTER (Nr. 3\/2017) bringen mit dem eben zitierten Aufsatz von Professor Hautmann einen eigenst\u00e4ndigen Artikel zur Februarrevolution. Bedauerlicherweise enth\u00e4lt sich der Autor jedes \u00fcber die offizielle marxistische Orthodoxie hinausgehenden Gedankens. So liefert er eine durchaus detaillierte, aber jede Auseinandersetzung mit strittigen Fragen vermeidende Schilderung der Ereignisse. Hier eine bei weitem nicht vollst\u00e4ndige Auflistung der interessanten, aber von Hautmann unzureichend oder gar nicht behandelten Problemstellungen der Februarrevolution: <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum wurden die sozialistischen Parteien von dieser Revolution so \u00fcberrascht, w\u00e4hrend die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte sie bereits seit Monaten zu vereiteln suchten?<\/span><\/span><sup> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\nWarum wurden bei der Bildung der Provisorischen Regierung in den Verhandlungen zwischen dem Duma-Komitee und dem Sowjet alle entscheidenden Fragen (Stellung zum Krieg, Staatsform, Agrarreform), entweder gar nicht verhandelt oder bewusst offengelassen?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Doppelherrschaft wird bei Hautmann, wie durchg\u00e4ngig in der marxistischen Geschichtsschreibung (aber auch der b\u00fcrgerlichen), f\u00fcr den Zeitraum bis Juli 1917 unterstellt, ohne sie mit mehr als der Existenz zweier sich gegen\u00fcberstehenden K\u00f6rperschaften, dem Sowjet und der Provisorischer Regierung, zu belegen. Die Frage, wer real im Besitz der Macht war, wird nicht untersucht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die marginale Rolle der Bolschewiki in den Sowjets der ersten Revolutionsmonate wird durch die kleinb\u00fcrgerliche Durchsetzung des Proletariats der Hauptstadt erkl\u00e4rt<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a>, ein Ansatz der sowjetischen Geschichtsschreibung, \u00fcber den sich Anin bereits vor 40 Jahren mit Recht lustig machte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> Die Bauernschaft wird behandelt, ohne die Dorfgemeinschaft zu erw\u00e4hnen, die das Wesen der russischen Bauernschaft pr\u00e4gte. Die Aprilthesen Lenins werden kursorisch vorgestellt, ohne die heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen, die noch bis nach dem Oktober 1917 andauerten, auch nur anzurei\u00dfen, obwohl sie die Partei mehrfach zu zerrei\u00dfen drohten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk483747508\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Kadettenpartei wird zur vorherrschenden Vertretung der russischen &#8222;Gro\u00dfbourgeoisie&#8220; gemacht, obwohl ihre wirkliche Basis der liberale Landadel und die Vertreter der &#8222;freien Berufe&#8220; in den St\u00e4dten war, und diese Gro\u00dfbourgeoisie wird f\u00fcr die ganzen acht Monate bis Oktober 1917 an der politischen Macht verortet,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> obwohl die politischen F\u00fchrer dieser Bourgeoisie die Regierung bereits im April auf Druck der Massen und des Sowjets verlassen mussten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hautmann wiederholt in seinem Artikel alle bekannten Positionen der sowjetischen Orthodoxie, ohne eine einzige davon in Frage zu stellen. Er meidet jede Auseinandersetzung mit der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung und entwickelt keinerlei eigenst\u00e4ndige theoretische oder politische Position. Jahrzehnte nach der \u00d6ffnung der russischen Archive f\u00fcr die wissenschaftliche Forschung gibt es nicht einen Versuch zur Neubewertung der russischen Revolutionen. Wenn dies der lebendige Geist des kritischen und revolution\u00e4ren Marxismus sein soll, dann ist in einer Leichenhalle mehr Leben zu finden als im Umfeld der DKP.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und dabei ist der theoretisch so unbewegliche Hautmann noch das Beste, was die Linke in diesem Jahr zum Thema produziert hat. Die ARBEITERSTIMME (Nr. 195) druckt gleich einen 30 Jahre alten Artikel zum 70.\u00a0Jahrestag der Oktoberrevolution nach, um zu dokumentieren, dass es zum Thema nichts Neues zu sagen gibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Garniert wird dieser Artikel mit einer Rezension der Kerenski-Memoiren,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> die den Eindruck hinterl\u00e4sst, dass der Rezensent sie bestenfalls durchgebl\u00e4ttert, aber nicht gelesen hat. Interessante Ausf\u00fchrungen Kerenskis zu den konterrevolution\u00e4ren Umsturzpl\u00e4nen des Zaren (Kapitel 11) werden weder dargestellt noch hinterfragt, die Darstellung der Februarrevolution (Kapitel 13) bei Kerenski auf den Satz reduziert, dass Kerenski die Sitzung des Sowjets selten besuchte. Eine moralisierende und v\u00f6llig unpolitische Rezension eines durchaus politischen Buches, angereichert mit fehlerhaften Behauptungen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ZEITSCHRIFT MARXISTISCHE ERNEUERUNG hat in ihrer Nummer Z.\u00a0109 vom M\u00e4rz dieses Jahres die Diskussion zum russischen Revolutionsjahr 1917 mit zwei Artikeln von Frank Deppe und Stefan Bollinger begonnen, die jeweils in Kurzform den Inhalt ihrer f\u00fcr dieses Jahr geplanten Buchver\u00f6ffentlichungen vorstellen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk483833973\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Deppe versucht, gest\u00fctzt auf eine Untersuchung der amerikanischen Soziologin Theda Skocpol zu den drei gro\u00dfen Revolutionen seit 1789 (gemeint sind die franz\u00f6sische, die russische und die chinesische Revolution) zu neuen Erkenntnissen \u00fcber die russische Revolution zu gelangen. Hier ist es zu einer ernsthaften Beurteilung dieses Ansatzes zu fr\u00fch, da die Ver\u00f6ffentlichung in Buchform noch aussteht. Es ist zu hoffen, dass der Erkenntnisgewinn \u00fcber die Passagen, die uns der Artikel liefert, hinausgeht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stefan Bollingers eher feuilletonistisch angelegter Artikel l\u00e4sst den Leser etwas ratlos zur\u00fcck. Auch nach mehrmaligen Lesen bleibt die Frage: Was wollte uns der Autor auf den 14 Seiten seines Aufsatzes mitteilen, was ist sein zentrales Anliegen, welchen neuen Gedanken haben wir in dem Artikel gesucht und nicht gefunden? Warten wir ab, ob das angek\u00fcndigte Buch mehr Klarheit verschaffen kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings erfahren wir etwas Neues zur Februarrevolution. Gleich auf der ersten Seite des Artikels formuliert Bollinger in mehrdeutig interpretierbaren Schachtels\u00e4tzen, dass die Unruhen im Fr\u00fchjahr 1917, deren Ursachen &#8222;die &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure nicht verstanden&#8220;, in deren &#8222;Ergebnis (aber) eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der b\u00fcrgerlichen Duma-Parteien (im Einklang mit den Entente-Verb\u00fcndeten) m\u00f6glich wurde, eine Bewegung (war), die von den Massen mit riesigen demokratischen und Anti-Kriegs-Erwartungen aufgeladen wurde.&#8220; Diese sprachlichen Verrenkungen schaffen wenig Klarheit \u00fcber die tats\u00e4chlichen Ereignisse, verdecken aber zwei wesentliche Tatsachen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erstens gab es sehr wohl entwickelte Pl\u00e4ne zu einer Palastrevolution ganz ohne Anf\u00fchrungszeichen, wie sie der von Bollinger zitierte englische Premier Lloyd George in seinem Kriegstagebuch beschreibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a> Ziel dieser Palastrevolution war keineswegs der Sturz des Zarismus, sondern einzig die Beseitigung des aktuellen Zaren plus Zarin und seine Ersetzung durch ein anderes Mitglied des Romanow-Clans.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und zum zweiten kam die Provisorische Regierung eben <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">durch eine Palastrevolution zustande, wie Lloyd George richtig feststellt: &#8222;An die Stelle eines wohlgeregelten Staatsstreiches der Generale, der vom Hauptquartier aus geleitet wurde und fest umrissenen Traditionen folgte, trat ein Aufstand des Proletariats \u2026&#8220; Das bedeutet, dass die erste Provisorische Regierung ihr Mandat <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>von der siegreichen Revolution erhielt<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">und ihr politisches Programm letztendlich <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vom Sowjet diktiert<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">wurde. Nur f\u00fcr Stefan Bollinger stellt sich dieser Vorgang v\u00f6llig anders dar: &#8222;All dies \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass es konservativ-reaktion\u00e4re Kreise waren, die in der Revolution zun\u00e4chst die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie es wirklich war (und dass &#8222;die &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure&#8220; sehr wohl die Ursachen der Volkserhebung verstanden), soll versucht werden, in dieser Nummer der AzD nachzuzeichnen. Ins Zentrum der Darstellung r\u00fccken wir einen Augenzeugen der Februarrevolution, der sowohl bei der Gr\u00fcndung des Petrograder Sowjets als auch bei den Verhandlungen zur Bildung der ersten Provisorischen Regierung beteiligt war und diese Ereignisse in tagebuch\u00e4hnlicher Form ver\u00f6ffentlichte: Nikolai Nikolajetisch Himmer, bekannter unter seinem publizistischen Namen Nikolai Suchanow. Die gek\u00fcrzte deutsche \u00dcbersetzung seines &#8222;Tagebuch der russischen Revolution&#8220; erschien 1967 im Piper Verlag M\u00fcnchen und ist heute auch antiquarisch nur schwierig erh\u00e4ltlich.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer war Suchanow 1917? Er war ein parteiloser linker Menschewik, der auf den Boden der Zimmerwalder Erkl\u00e4rung stand<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> und in Gorkis legaler Zeitung Letopis publizierte. Lenin beschreibt ihn folgenderma\u00dfen: &#8222;Wenn wir von dem Publizisten (&#8230;) N. Suchanow sprechen, werden sicherlich alle damit einverstanden sein, dass er nicht der schlechteste, sondern einer der besten Vertreter der kleinb\u00fcrgerlichen Demokratie ist. Er hat eine aufrichtige Neigung zum Internationalismus, die er in den schwersten Zeiten, mitten im W\u00fcten der zaristischen Reaktion und des Chauvinismus bewiesen hat. Er hat Kenntnisse, und ihm ist das Bestreben eigen, sich \u00fcber ernste Fragen ein selbst\u00e4ndiges Urteil zu bilden, was er durch seine lange Entwicklung von der sozialrevolution\u00e4ren Ideologie in Richtung zum revolution\u00e4ren Marxismus bewiesen hat.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da Suchanows Tagebuch der russischen Revolution mit dem ersten Tag der Februarrevolution beginnt, ist es sinnvoll, dem Leser vorweg eine Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Situation in Russland im Winter 1916\/1917 zu geben. Diese Darstellung wird dem bereits erw\u00e4hnten und gerade im VSA-Verlag erschienen Buch &#8222;Das Revolutionsjahr 1917 \u2013 Bolschewiki, Bauern und die proletarische Revolution&#8220; entnommen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> und soll es dem Leser erm\u00f6glichen, die politischen Akteure und Parteien, die Suchanow in seinem Text erw\u00e4hnt, einzuordnen. Dass die Autoren dabei zu einer anderen Interpretation der Klassenkr\u00e4fte und der Vorgeschichte der Februarrevolution gelangen, als die g\u00e4ngige marxistische Geschichtsschreibung bisher, schafft f\u00fcr den Leser vielleicht einen Anreiz, sich mit der Neuinterpretation des gesamten Revolutionsjahrs 1917, die in diesem Buch vorgenommen wird, auseinanderzusetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Am 30. Oktober 5017 soll Luther seine 95 Thesen an einer Kirchent\u00fcr in Wittenberg befestigt haben. Der Vorgang selbst ist nicht eindeutig belegt.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine Auseinandersetzung mit dem Marxismus als Weltanschauung und revolution\u00e4rer Theorie findet nicht statt, stattdessen wird die Person Lenins ins Zentrum ger\u00fcckt und d\u00e4monisiert.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Russland \u2013 Vom Zarenreich zur Weltmacht.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dass sie den &#8222;Trick&#8220; auch im Januar 1918 auf der Konstituierenden Versammlung noch immer nicht kannten, obwohl Lenin ihn ja im Oktober 1917 vorgef\u00fchrt hatte, sollte zu denken geben. Der &#8222;Trick&#8220; funktionierte n\u00e4mlich nur, wenn man bereit war, mit der Bourgeoisie zu brechen. Dazu war die Mehrheit der sozialrevolution\u00e4ren Abgeordneten auch im Januar 1918 nicht bereit. Man wollte in der Agrarfrage noch immer einen Kompromiss mit der Bourgeoisie aushandeln.<br \/>\nDazu Trotzki treffend: &#8222;Das Programm der Sozialrevolution\u00e4re hatte stets viel Utopisches enthalten: sie wollten den Sozialismus auf der Basis der kleinen Warenwirtschaft errichten. Doch die Grundlage ihres Programms war demokratisch-revolution\u00e4r: Enteignung des Bodens der Gutsbesitzer. Vor die Notwendigkeit gestellt, das Programm zu erf\u00fcllen, verstrickte sich die Partei in Koalitionen. Gegen eine Bodenkonfiskation erhoben sich unvers\u00f6hnlich nicht nur die Gutsbesitzer, sondern auch die kadettischen Bankiers: im Bodenbesitz waren nicht weniger als vier Milliarden Rubel der Banken investiert. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>Da sie planten, in der Konstituierenden Versammlung mit den Gutsbesitzern um den Preis zwar zu handeln, aber friedlich abzuschlie\u00dfen, waren die Sozialrevolution\u00e4re eifrigst bem\u00fcht, den Muschik nicht an den Boden heranzulassen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">.&#8220; (Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Berlin 1960, Fischer Verlag, S. 526) Es war also weniger ein &#8222;Trick&#8220; als vielmehr die banale pekuni\u00e4re Frage nach der Entsch\u00e4digung der Landeigent\u00fcmer, um das B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie nicht zu besch\u00e4digen.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">GEO-EPOCHE: Die russische Revolution. Hier wird in acht Kapiteln die Geschichte der handelnden Hauptakteure vom Ende des Zarismus bis Stalins Aufstieg abgehandelt.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine Ko-Produktion von Arte und ZDF. Die Produktion war bereits im Fernsehen zu sehen und wird uns sicher noch das eine oder andere Mal bis zum Jahresende gezeigt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das entsprechende Kapitel hat den Titel: &#8222;Der rote Putsch&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Robert Service: Lenin. Eine Biographie; M\u00fcnchen 2002. Das Werk ist akribisch in allen Belanglosigkeiten und weitgehend substanzlos bei der Behandlung politischer Fragen. Wen es interessiert zu erfahren, wer aus dem Leninschen Umfeld die besten H\u00fchnergerichte bereiten konnte (S. 365), oder welchen nirgendwo n\u00e4her bezifferten Anteil an der Oktoberrevolution Frau Luise Kammerer, Frau eines Z\u00fcricher Schusters hatte (S. 315-316), wird bei R.\u00a0Service auf seine Kosten kommen, muss daf\u00fcr aber 68 Euro zahlen.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Robert Service, ebenda S. 352. Das gibt nat\u00fcrlich eine schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Oktoberrevolution.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die entsprechenden Kapitel stellen Stolypin, Miljukow und Lenin vor (Kapitel\u00fcberschrift: Der Radikalste der Radikalen).<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Rademacher schreibt im DuMont-Verlag Urlaubskrimis, die in der Provence spielen und unterhaltsamer zu lesen sind als seine Ausfl\u00fcge in die Geschichte. Der antikommunistische, moralisierende Grundtenor ist auch den Herausgebern des GEO-Heftes nicht entgangen, die unter den Text von Rademacher die Bemerkung setzen: &#8222;Angesichts der Gewalt der Bolschewiki bedauert es der Autor nicht wirklich, dass die meisten f\u00fchrenden Revolution\u00e4re sp\u00e4ter Josef Stalin zum Opfer fielen.&#8220; Wir w\u00fcrden es auch nicht bedauern, wenn der Autor k\u00fcnftig auf eine Umschreibung der Geschichte verzichten w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ziel des Austritts war es, &#8222;die Freiheit zu gewinnen, den Massen unsere Ansichten darzulegen \u2026 und sie aufzurufen, unsere Forderung nach einer sofortigen Einigung \u00fcber eine Regierung aus allen Sowjetparteien zu unterst\u00fctzen. Offenbar hofften Kamenew und seine Mitstreiter, dass sie mit ihrem R\u00fccktritt Unterst\u00fctzung in der Partei mobilisieren k\u00f6nnten.&#8220; Siehe Alexander Rabinowitch: Die Sowjetmacht, Essen 2010, S. 55. Rademacher gibt Rabinowitch als Leseempfehlung am Kapitelende an, eine Empfehlung, der wir uns nur anschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Nur kommt Rabinowitch zu durchaus anderen Schlussfolgerung als unser Krimiautor bei seinem Ausflug in den Bereich der moralisierenden Historik.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Worum ging es inhaltlich und weshalb lohnt es sich, darauf n\u00e4her einzugehen? Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki versuchten vermittels der Eisenbahnergewerkschaft, die Bolschewiki zur Fortsetzung der Koalitions-Regierung mit der Bourgeoisie zu bewegen. Ihre popul\u00e4re Forderung \u2013 auf die der Kamenew-Fl\u00fcgel in den Verhandlungen einging \u2013 war die einer sozialistischen Sowjetregierung ohne Lenin und Trotzki. Dieser Vorgang wird in fast jeder b\u00fcrgerlichen Lenin-Biographie angef\u00fchrt, als Beleg des kompromisslosen Machtstrebens Lenins, der nur zum Zwecke des eigenen Machterhalts der popul\u00e4ren Forderung nach einer gemeinsamen Regierung aller Sowjetparteien eine Absage erteilt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">So popul\u00e4r die Forderung nach einer Regierung der Sowjetparteien bei der Arbeiterschaft im Winter 1917 war, so klar wurden aber auch schon damals die politischen Grenzen einer solchen Koalition definiert. Eine &#8222;Delegation Tausender Arbeiter der Putilow-Werke&#8220; \u00fcberbrachte den Verhandelnden zur Regierungsbildung eine Resolution. In diese Resolution &#8222;bekr\u00e4ftigte (man), dass die Bildung einer rein sozialistischen Regierung von entscheidender Bedeutung sei, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>doch m\u00fcsse sie das Programm des Sowjetkongresses \u00fcbernehmen, wie es in den Dekreten \u00fcber Land, Frieden, Arbeiterkontrolle<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">und die sofortige Einberufung der Konstituierenden Versammlung enthalten sei. Sie m\u00fcsse sich die Notwendigkeit eines erbarmungslosen Kampfes gegen die Konterrevolution zu eigen machen, den zweiten Sowjetkongress \u2026 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>als einzige legitime Quelle politischer Macht anerkennen \u2026und allen Organisationen, die nicht im Sowjet vertreten waren, die Beteiligung am ZEK verwehren<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">.&#8220;(Rabinowitch, ebenda)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Damit war die &#8222;sozialistische Sowjetregierung&#8220; politisch unm\u00f6glich, was Lenin und Trotzki vollkommen klar war. Auf diesem Boden waren nur die linken Sozialrevolution\u00e4re bereit, sich an der Regierung zu beteiligen. Alle anderen Sowjetparteien suchten weiterhin den Schulterschluss mit Teilen der Bourgeoisie, in welcher Verkleidung auch immer (z. B. Vertreter der Stadtduma etc.) Der Versuch Kamenews, Sinowjews und ihrer Anh\u00e4nger, die Oktoberrevolution nach rechts zu korrigieren, traf auf den entschiedenen Widerstand der proletarischen Massen der Hauptstadt. Andererseits waren Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki in ihrer Mehrheit ebenso wenig bereit, sich von der Bourgeoisie zu l\u00f6sen und die Beschl\u00fcsse des 2.Sowjetkongresses als Grundlage einer k\u00fcnftigen Regierungspolitik anzuerkennen. Im besten Fall kann man diesen Vorsto\u00df Kamenews als politisch naiv und wirklichkeitsfremd bezeichnen, im negativsten Fall als Versuch der Liquidierung der Errungenschaften der Oktoberrevolution.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Den uns bisher bekannten linken Publikationen zum Thema ist augenf\u00e4llig eines gemeinsam: Eine Auseinandersetzung mit dem b\u00fcrgerlichen Forschungstand zu den russischen Revolutionen fehlt ebenso wie eine Kritik an der Popularisierung dieser Positionen, wie sie beispielsweise im genannten GEOEPOCHE-Heft oder der diesem Heft beiliegenden Fernsehproduktion stattfindet.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup>\u0002 <\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">ZEITGeschichte, S. 28<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hildermeier: Russische Revolutionen 1905-1921; Frankfurt\/M. 1989, S. 146f<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zur Auseinandersetzung mit dieser Auffassung siehe Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, S. 42<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im weiteren Verlauf von Hildermeiers Artikel treffen wir auf zwei uns bereits bekannte Theorien der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung: Die Oktoberrevolution als &#8222;Staatsstreich&#8220; der Bolschewiki und sozialistische Allparteienregierung, die nach dem Oktober &#8222;in der Logik des Geschehens gelegen h\u00e4tte&#8220;. Zu dieser Logik siehe Fu\u00dfnote 13.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Luks erkl\u00e4rt das Scheitern der &#8222;Demokratie&#8220; aus der &#8222;Konfrontation mit einer totalit\u00e4ren Partei&#8220;, die die neuen Freiheiten ausn\u00fctzt, um die Demokratie zu st\u00fcrzen. Diesen Ansatz dehnt er dann auch auf die faschistische Machtergreifung in Italien und die nationalsozialistische in Deutschland aus. Hier triumphiert die Ideologie (Totalitarismustheorie) \u00fcber die Besch\u00e4ftigung mit den historischen Tatsachen. Auf dieser allgemeinen und abstrakten Ebene kann man Luks These mit der Frage konfrontieren, ob die &#8222;Demokratie&#8220; nicht vielleicht daran scheiterte, dass sie die politischen und sozialen Interessen der Arbeiter und Kleinb\u00fcrger in den genannten L\u00e4ndern missachtet hat?<br \/>\nKonkret f\u00fcr Russland f\u00fchrt dazu Luks<\/span><\/span><sub><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8218;<\/span><\/span><\/sub> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Berufskollege Klaus Latzel im selben ZEITGeschichte Heft aus: &#8222;Die Provisorische Regierung \u2026 wollte nicht sehen, dass es die Gewalt des Krieges und die soziale Not im Reich waren, die gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung zur Verzweiflung oder in den Aufstand trieben. Insofern war die Oktoberrevolution nicht nur ein Milit\u00e4rputsch oder ein Staatsstreich. \u2026 Um die Oktoberrevolution zu verstehen, muss man das Unverm\u00f6gen der russischen Demokraten in den Blick nehmen, mit den dringenden Problemen des Landes fertig zu werden, die sich nach der Februarrevolution stellten.&#8220; (S. 82)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">David Anin: Die russische Revolution von 1917 in Berichten ihrer Akteure; M\u00fcnchen 1976, S. 22. Anin verwendet den Begriff &#8222;Die russische Revolution&#8220;, weil es f\u00fcr ihn nur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>eine<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Revolution, die Februarrevolution, gegeben hat. Im Gegensatz zur Februarrevolution, &#8222;war der Oktober eine Geheimverschw\u00f6rung&#8220; (ebenda S. 65). Dies ist, wie wir auf den vorherigen Seiten gesehen haben, eine bis heute g\u00e4ngige b\u00fcrgerliche Interpretation der Ereignisse. Anins Publikation zur Februarrevolution ist informativ und trotz ihres Alters weiterhin empfehlenswert. Bedauerlicherweise ist sie nur noch antiquarisch zu erwerben.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hans Hautmann, Marxistische Bl\u00e4tter, Nr. 3\/2017, S. 82<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Siehe dazu Anin, S. 49<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Die Mehrheit in den Sowjets stellten die Sozialrevolution\u00e4re und die Menschewiki. Das erkl\u00e4rte sich durch die Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Arbeiterschaft w\u00e4hrend des Krieges, die die soziale Inhomogenit\u00e4t verst\u00e4rkten. Ein nicht geringer Teil der zur Armee einberufenen Stammarbeiter wurde durch Handwerker, Ladenbesitzer und Angeh\u00f6rige der Dorfbev\u00f6lkerung ersetzt.&#8220; (Hautmann, S. 91) Wohlgemerkt, es ist von jener Arbeiterschaft die Rede, die gerade nach mehrt\u00e4gigen Stra\u00dfenk\u00e4mpfen das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Regimenter der Hauptstadt erzwungen hatte und wenige Wochen sp\u00e4ter, im April, die politischen K\u00f6pfe der Kadetten und Oktobristen zum R\u00fccktritt aus der Regierung zwingen wird.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Anin, S. 52-53. Trotzkis Erkl\u00e4rung dieses un\u00fcbersehbaren Tatbestandes hat zweifellos mehr Charme als die &#8222;kleinb\u00fcrgerliche Durchsetzung des Proletariats&#8220;. F\u00fcr ihn organisierten die Bolschewiki die Revolution auf der Stra\u00dfe, w\u00e4hrend die anderen sozialistischen Kr\u00e4fte in Hinterzimmern den Sowjet zusammenschusterten. Der Charme macht die Erkl\u00e4rung aber nicht politisch richtiger. Es mangelte den Bolschewiki im Februar und M\u00e4rz 1917 an organisatorischer Pr\u00e4senz und an politischer Bedeutung. Dazu waren sie noch von Agenten der zaristischen Geheimpolizei durchsetzt.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Durch die Februarrevolution wurde die russische Gro\u00dfbourgeoisie f\u00fcr acht Monate zur herrschenden Klasse. Ihrer politischen Einstellung nach war sie oktobristisch-kadettisch. Der oktobristische, reaktion\u00e4re Fl\u00fcgel vertrat primitiv-r\u00e4uberische Methoden der kapitalistischen Ausbeutung, w\u00e4hrend die Kadetten die \u00f6konomisch progressiveren Schichten der Bourgeoisie verk\u00f6rperten, die die neuesten &#8218;europ\u00e4ischen&#8216; Ausbeutungsformen ausn\u00fctzten. Diese Fraktion hatte innerhalb der russischen Kapitalistenklasse in der Kriegszeit die Dominanz inne.&#8220; (Hautmann, S. 84) Mit dieser &#8222;\u00f6konomistischen&#8220; Unterscheidung trifft man die politischen Unterschiede dieser Parteien sicherlich nicht, enthebt sich aber der Aufgabe zu erkl\u00e4ren, weshalb diese Parteien sich im Jahr 1915 zum &#8222;progressiven Block&#8220; zusammenfanden.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gemeint sind Gutschkow (Oktobrist und Verteidigungsminister) und Miljukow (Kadett und Au\u00dfenminister)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Inhalt des Artikels besch\u00e4ftigt sich mehr mit dem Scheitern der Sowjetunion als mit den russischen Revolutionen von 1917.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><sup>\u0002<\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Alexander Kerenski: Die Kerenski Memoiren, Russland und der Wendepunkt der Geschichte, Hamburg 1989<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">So behauptet der Rezensent auf S.\u00a018 der Arbeiterstimme, dass Kerenski &#8222;im Grunde (seines) Herzen Monarchist (war).&#8220; Beleg daf\u00fcr: Kerenski habe als 13j\u00e4hriger bei der Nachricht vom Tode des vorherigen Zaren geweint.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Frank Deppe: 1917 \u2013 2017, Revolution und Gegenrevolution, VSA-Verlag 2017; Stefan Bollinger: Revolution gegen den Krieg, Skizzen zu Geschichte und Aktualit\u00e4t der Russischen Revolutionen 1917-1922 (Arbeitstitel), Eulenspiegel Verlagsgruppe 2017<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Den genannten Revolutionen soll gemeinsam gewesen sein, &#8222;dass \u2013 in allen F\u00e4llen \u2013 die revolution\u00e4re Krise heranreifte, weil die agrarischen Strukturen auf eine autokratische und protob\u00fcrokratische Staatsorganisation prallten.&#8220; (Z\u00a0109, S.\u00a013). Da die agrarischen Strukturen in den drei L\u00e4ndern ebenso unterschiedlich waren wie die dort handelnden Klassen oder der jeweilige Staatsapparat, ist der Vergleich von Frau Skocpol sehr gewagt und der Erkenntnisgewinn m\u00f6glicherweise doch so begrenzt wie das angef\u00fchrte Zitat.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Die Tatsachen, die seit der Revolution ans Licht gekommen sind, kl\u00e4ren eine Situation, die seinerzeit recht undurchsichtig war. Die Ger\u00fcchte, die \u00fcberall herumschwirrten und den wohlbeh\u00fcteten Mitgliedern der interalliierten Delegation zu Ohren kamen, wurzelten in dem Erdreich einer zweifellos vorhandenen Verschw\u00f6rung. Die Heerf\u00fchrer hatten bereits faktisch beschlossen, den Zaren abzusetzen. S\u00e4mtliche Generale sollten beteiligt gewesen sein. Der Stabschef General Alexejew war sicherlich in die Verschw\u00f6rung verwickelt; Russki, Iwanow und Brussilow sympathisierten mit ihr. Als dem letzteren die Frage der Absetzung des Zaren vorgelegt wurde, soll er gesagt haben: &#8218;Wenn ich zwischen dem Zaren und meinem Vaterlande zu w\u00e4hlen habe, werde ich f\u00fcr das letztere entscheiden.&#8216; Die Stimmung der Offiziere \u00e4u\u00dferte sich deutlich genug in den \u00fcberschw\u00e4nglichen Demonstrationen, als die Nachricht von der Ermordung Rasputins eintraf. Ein weiterer Beweis f\u00fcr die Verschw\u00f6rert\u00e4tigkeit der Heerf\u00fchrer ist der Umstand, dass die in Petrograd stationierten Regimenter aus jungen Rekruten bestanden, die soeben aus den Fabriken kamen und vor Unzufriedenheit sch\u00e4umten, gef\u00fchrt von Offizieren, deren Zahl nicht ausreichte, und die zu einem gro\u00dfen Teil eben erst aus den Spit\u00e4lern entlassen worden waren, krank, verwundet, zusammengebrochen. \u2026<br \/>\nSie (gemeint sind die Gener\u00e4le, A.S.) waren entschlossen, Nikolaus den II loszuwerden. Es ist kennzeichnend, dass, als die Nachricht von dem Ausbruch der Unruhen in Petrograd das Oberste Hauptquartier erreichte und der Zar sofort in die Hauptstadt zur\u00fcckkehren wollte, um das Kommando zu \u00fcbernehmen, er in Pskow durch General Russki aufgehalten wurde. Die Explosion erfolgte vorzeitig \u2013 zufolge eines unerwarteten Ausbruches unter dem elenden stehenden Heer der Menschenschlangen, die ihre Not nicht mehr ertragen konnten -, bevor die milit\u00e4rische Z\u00fcndschnur zum Abbrennen fertig war. Die Explosion sprengte den Zarismus in die Luft, zerschmetterte aber gleichzeitig das gutorganisierte Komplott der Generale. Das Feuer, das zu fr\u00fch ausbrach, konnte durch die Brandstifter nicht mehr kontrolliert werden. An die Stelle eines wohlgeregelten Staatsstreiches der Generale, der vom Hauptquartier aus geleitet wurde und fest umrissenen Traditionen folgte, trat ein Aufstand des Proletariats, dessen Verlauf kein Pr\u00e4zedenzfall regeln konnte, au\u00dfer der der Franz\u00f6sischen Revolution.<br \/>\nDie Beweismaterialien, auf die ich die hier angef\u00fchrten Schlussfolgerungen in Bezug auf die Ursachen der Revolution st\u00fctze, entstammen fast ausschlie\u00dflich offiziellen Berichten, die sich in meinem Besitz befinden.&#8220; (David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, Kriegsmemoiren Bd. 2, Berlin 1934, S. 308-309)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Z 109, S. 33<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Text des Schutzumschlages des Piper Verlages macht aus Suchanow einen parteilosen Sozialisten, der &#8222;der Regierung des Zaren (angeh\u00f6rt)&#8220; h\u00e4tte. Eine Absurdit\u00e4t, die dem Lektorat keine Ehre macht.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im September 1915 trafen sich in Zimmerwald (Schweiz) linke Vertreter der europ\u00e4ischen Sozialisten und verabschiedeten mehrheitlich eine Resolution f\u00fcr einen sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen. Dies war die erste gemeinsame \u00f6ffentliche Stellungnahme von Sozialisten und Sozialdemokraten der kriegf\u00fchrenden L\u00e4nder gegen die vorherrschende Politik des Sozialpatriotismus. Als Friedenslosung war diese Formel allerdings unzul\u00e4nglich, da sie die sog. revolution\u00e4re Vaterlandsverteidigung, das hei\u00dft die weitere Fortf\u00fchrung des Krieges, zulie\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">LW Bd. 25, S.\u00a0297<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Alfred Schr\u00f6der\/Heiner Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, Hamburg 2017<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><a href=\"file:\/\/\/Volumes\/Daten\/Peter\/kommmunistische%20debatte%20neu\/Revolutionsjahr%201917\/Revolutionsjahr%201917.html\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>zur\u00fcck zur Auswahl<\/i><\/span><\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Schr\u00f6der Zur b\u00fcrgerlichen und marxistischen Publizistik B\u00fcrgerliche Presse: SPIEGEL, GEO-EPOCHE, ZEITGeschichte Die Februarrevolution in der linken Publizistik: von den Marxistischen Bl\u00e4ttern bis zur Zeitschrift Marxistische Erneuerung Die Anzahl der Publikationen zum 100. Jahrestag der russischen Revolutionen des Jahres 1917 ist bis dato (Mai 2017) bescheiden geblieben. Zwar ist es noch etwas hin bis zum &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=845\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Hundert Jahre russische Februarrevolution<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-845","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=845"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1048,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/845\/revisions\/1048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}