{"id":752,"date":"2017-08-08T19:12:25","date_gmt":"2017-08-08T17:12:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=752"},"modified":"2018-01-10T07:38:48","modified_gmt":"2018-01-10T06:38:48","slug":"752-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=752","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz G\u00f6tt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>\u00dcber das Scheitern des maoistischen<br \/>\nEntwicklungsweges in China: 1949 \u2013 1978<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Gefahr, vielleicht sogar die gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr einen Revolution\u00e4r ist, Revolution mit einem gro\u00dfen R zu schreiben und dabei die gesellschaftlichen Realit\u00e4ten aus den Augen zu verlieren. Der vorliegende Beitrag nun versucht zu ergr\u00fcnden, ob auch die KPCh unter Mao Tse-tung nach 1949 dieser Gefahr erlegen ist. Dabei kann der Autor nur einige Fragen und Probleme anrei\u00dfen. Das offensichtliche Scheitern der Maoistischen Linken nach 1949 jedenfalls verlangt nach einer Erkl\u00e4rung. Dazu will der Autor beitragen. Eine weiter f\u00fchrende Diskussion \u00fcber meinen Beitrag hinaus &#8211; ob im Rahmen der AzD oder woanders &#8211; w\u00e4re w\u00fcnschenswert.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>China 1949<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1949 war die KPCh mit einer b\u00e4uerlich dominierten Volksbefreiungsarmee Herr \u00fcber Festlandchina geworden (F. G\u00f6tt, 2012). Nur \u201awenige\u2018 Schritte waren noch zu gehen um die Einheit und Souver\u00e4nit\u00e4t des Landes wieder herzustellen: so die R\u00fcckeroberung der Insel Hainan; die Invasion in die Inselprovinz Taiwan, in der die bedeutendsten milit\u00e4rischen Reste der GMD standen; das Ausr\u00e4uchern der letzten Widerstandsnester der einstigen Staatspartei GMD; die Kl\u00e4rung der Tibet-Frage, dessen einseitige \u201astaatliche\u2018 Losl\u00f6sung von China (1913) weder KPCh noch GMD je akzeptiert hatten usw. Innenpolitisch war zu kl\u00e4ren, wie die demokratische Volksrevolution unter F\u00fchrung der KPCh zu Ende gef\u00fchrt werden konnte, wann (und wie) Schritte in Richtung Sozialismus zu gehen seien, dem erkl\u00e4rten Ziel der KPCh. Mammut -Aufgaben f\u00fcr eine Partei und Bewegung, die jahrzehntelang im Kriegszustand verharren musste und der wenig Zeit zur theoretischen Diskussion geblieben war. Allerdings trat die \u201eVolksrepublik China\u201c am 1.Okt. 1949 nicht als sozialistischer Staat, sondern als \u201eNeue Demokratie\u201c in die Geschichte ein, gegr\u00fcndet auf einem Klassenb\u00fcndnis zwischen Arbeitern und Bauern, Kleinb\u00fcrgertum und der Nationalen Bourgeoisie, unter F\u00fchrung der KPCh: Ein Umstand, der uns noch mehrfach besch\u00e4ftigen wird. Den konkreten Fahrplan in die Zukunft Chinas hatte die KPCh zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht. Einerseits begann man sich beim Aufbau des befreiten Landes am sowjetischen Modell zu orientieren (was einem politischen B\u00fcndnis mit der Sowjetunion entsprach), andererseits ging man pragmatische Schritte, um das Erk\u00e4mpfte und Ertr\u00e4umte zu konsolidieren und zu durchdringen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nichts ist voraussetzungslos<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch Chinas Kommunisten agierten auf historischem Boden. Wie in Russland vollzog sich die chinesische Umw\u00e4lzung von 1911 bis 1949 in einem zur\u00fcckgebliebenen Land, zumindest wenn man den Ma\u00dfstab Westeuropas oder den der USA anlegt. Doch anders als in Westeuropa gab es in \u201eAlt-China\u201c nie einen Feudalismus (mit Leibeigenen und H\u00f6rigen) oder eigene kapitalistische Keime. China war seit dem 4. Jh. v.u.Z. das, was man mit dem Begriff \u201eVorkapitalistische Gesellschaftsformation \u201c umschrieben hat, mit einem kaiserlichen Regime an der Spitze. Seit dem 19. Jh. unserer Zeit war diese Gesellschaft der Aggression und den kolonialen Ambitionen westlicher und \u00f6stlicher Imperialisten ausgesetzt. Sie implantierten hier aber auch eigene st\u00e4dtische Konzessionen, Werkst\u00e4tten und Industrien, Bergwerke und Eisenbahnlinien usw., ohne dass diese kapitalistischen oder ausl\u00e4ndischen \u201aInseln\u2018 pr\u00e4gend und \u00f6konomisch bestimmend f\u00fcr das erwachende China wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings wirkten diese Implantate als G\u00e4rstoff in einer verfallenden Gesellschaft. Die gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche des \u201eAlten China\u201c entluden sich im Sturz des Kaiserreiches 1911. Doch nicht alle Probleme der alten Gesellschaft wurden so gel\u00f6st. China blieb eine \u201eHalbkoloniale Gesellschaft\u201c, in der der ausl\u00e4ndische Imperialismus als Blutsauger wirkte. An die Stelle der kaiserlichen Macht traten dann die Warlords mit ihren \u201eGeneralskriegen\u201c sowie das Regime der GMD unter Chang Kai-shek. Ungel\u00f6st blieb f\u00fcr die armen Bauern und Arbeiter die soziale Frage. Die japanische Invasion Chinas trieb die Widerspr\u00fcche des \u201eNeuen China\u201c dann auf eine demokratische Volksrevolution zu. Ihr F\u00fchrer wurde die KPCh (vergleiche: F. G\u00f6tt, 2012).<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie eine Monstranz f\u00fchrte die KPCh im Befreiungskrieg, ja auch sp\u00e4ter beim Staatsaufbau des Freien China, die Formel von der F\u00fchrung der Arbeiterklasse im Volkskampf mit sich. Die Realit\u00e4t war eine andere. Erinnern wir uns: 1921 wurde die KPCh von einer Handvoll marxistischer Intellektueller gegr\u00fcndet. Durch die Initiative dieser winzigen, von Moskau unterst\u00fctzten Truppe entstand \u00fcber die Jahre eine kleine, r\u00fchrige, revolution\u00e4re Arbeiterpartei auf chinesischem Boden, die stolz auf ihre Verankerung in der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung Chinas verweisen konnte. Auch gab es erste Verbindungen zur chinesischen Bauernbewegung. Das B\u00fcndnis der KPCh mit der \u201ab\u00fcrgerlichen\u2018 GMD wurde dann 1927 durch den Milit\u00e4rputsch der GMD unter Chiang Kai-shek gesprengt. Die organisierte Arbeiterbewegung in China wurde durch die folgende Repressionswelle weitgehend vernichtet, viele Arbeiterkader ermordet. Die KPCh war gezwungen, nach einem schmerzhaften Lernprozess die St\u00e4dte zu verlassen und sich ins chinesische Hinterland zur\u00fcckzuziehen. Ihre Verbindung zu den Arbeitermassen riss damit fast vollst\u00e4ndig ab. Im Hinterland baute sie dann eine b\u00e4uerlich dominierte Rote Armee auf. Sie organisierte vom Land aus in wechselnden B\u00fcndniskonstellationen den nationalen und sozialen Befreiungskampf des chinesischen Volkes: gegen die GMD, gegen die japanische Invasion und die imperialistische Bevormundung des chinesischen Volkes. Der Bauernkrieg mit seiner Landumverteilung war die entscheidende soziale Waffe im nationalen und sozialen Befreiungskrieg. Erst nach der Niederlage der japanischen Okkupanten und mitten im chinesischen B\u00fcrgerkrieg (nach 1945) konnte sich die KPCh erneut dem Aufbau der Gewerkschaftsbewegung in ganz China widmen (also ab 1947\/48). Westliche Beobachter gestehen zu, dass die 3 Mill. Arbeiter Chinas am Ende des chinesischen B\u00fcrgerkrieges mit der KPCh und ihrem Konzept der \u201eNeuen Demokratie\u201c sympathisierten. Doch zu einem Arbeiteraufstand in den St\u00e4dten gegen die GMD kam es nicht. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach marxistischer Auffassung sind gewerkschaftliches und sozialistisches Bewusstsein nicht identisch. So hei\u00dft es etwa bei W.I. Lenin: \u201eDie (marxistische d.V.) Sozialdemokratie reduziert sich nicht auf einfachen Dienst an der Arbeiterbewegung: sie ist die \u201eVereinigung von Sozialismus und Arbeiterbewegung\u201c (um die Definition K. Kautskys zu gebrauchen, die die Hauptideen des \u201eKommunistischen Manifests\u201c wiedergibt); es ist ihre Aufgabe, in die spontane Arbeiterbewegung bestimmte sozialistische Ideale hineinzutragen, sie mit sozialistischen \u00dcberzeugungen, die auf dem Niveau der modernen Wissenschaft stehen m\u00fcssen, zu verbinden, sie mit dem systematischen politischen Kampf f\u00fcr die Demokratie als ein Mittel zur Verwirklichung des Sozialismus zu verbinden, mit einem Wort, diese spontane Bewegung mit der T\u00e4tigkeit der revolution\u00e4ren Partei zu einem unaufl\u00f6slichen Ganzen zu verschmelzen.\u201c Und an anderer Stelle hei\u00dft es: \u201eWir haben gesagt, dass die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewusstsein gar nicht haben konnten. Dieses konnte ihnen nur von au\u00dfen gebracht werden. Die Geschichte aller L\u00e4nder zeugt davon, dass die Arbeiterklasse ausschlie\u00dflich aus eigener Kraft nur ein trade-unionistisches Bewusstsein hervorzubringen vermag, d.h. die \u00dcberzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verb\u00e4nden zusammenzuschlie\u00dfen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu f\u00fchren, der Regierung diese oder jene f\u00fcr die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und \u00f6konomischen Theorien hervorgegangen, die von gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden.\u201c (W.I. Lenin, 1960, S. 75-76\/ 158-159)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese erstmalig von K. Kautsky und W.I. Lenin ausformulierten Tatsachen sollten zu denken geben: Weder unter der japanischen Besetzung des Vaterlandes noch unter dem Regime der GMD war die KPCh massenwirksam in der Lage, sozialistisches Bewusstsein in die Arbeiterklasse und die Werkt\u00e4tigen Chinas zu tragen (zumal ihr eigenes Verst\u00e4ndnis des Marxismus auch noch beschr\u00e4nkt war). Von einer Anleitung der Arbeiterklasse im Klassenkampf sowie in der Politik konnte keine Rede sein. Hier gab es enge Grenzen. Die Arbeiterklasse Chinas blieb unter diesen Umst\u00e4nden eine gesellschaftliche Klasse an sich, nicht f\u00fcr sich. Die Schicht ihrer Arbeiterintelligenz und ihrer klassenbewussten Kader blieben schmal. 1949 jedenfalls war die KPCh als kommunistische Partei bestenfalls die Vorhut der Arbeiterklasse in China. (Ob sich dieser Zustand im weiteren Geschichtsverlauf \u00e4nderte, wei\u00df ich nicht. Ebenso wenig, ob die chinesische Arbeiterklasse dann im weiteren historischen Verlauf politisch zu sich selber fand, d.h. ob sie sich als eigenst\u00e4ndige, selbstbewusste und gemeinschaftlich handelnde Klasse formierte. Da ist Skepsis (und Forschungsbedarf) angebracht. Der KPCh aber fehlte das Fundament einer revolution\u00e4ren Arbeiterklasse &#8211; als Motor, Inspiration, Korrektiv und Erdung.) Maos Formel von der F\u00fchrung der Arbeiterklasse im Volkskampf nach 1927 war pure Ideologie, selbst geglaubt und geschaffen, um den F\u00fchrungsanspruch der KPCh in China zu legitimieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Klassengef\u00fcge Chinas bildeten die Werkt\u00e4tigen und die Arbeiterklasse nur eine kleine zahlenm\u00e4\u00dfige Minderheit, w\u00e4hrend die Bauern die \u00fcberwiegende Masse der Bev\u00f6lkerung stellten (ca. 70-80%). Bedingungen f\u00fcr einen Sozialismus marxistischer Pr\u00e4gung in China waren 1949 nicht gegeben. Dagegen sprachen nicht nur der unterentwickelte Zustand der Produktivkr\u00e4fte und das wenig ausgepr\u00e4gte politische Niveau der chinesischen Arbeiterklasse. Gegen einen sofortigen sozialistischen Weg sprachen weitere gewichtige Faktoren: Zwar hatte die Kommunistische Partei Chinas 1949 in einem langandauernden Volkskrieg \u00fcber die antikommunistische und nationalistische GMD triumphiert, doch siegte die Bewegung nicht unter dem Banner des Sozialismus, sondern unter dem Slogan der \u201eNeuen Demokratie\u201c im Volkskrieg.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Folgerichtig fehlten damit im weiteren Aktionsprogramm der Partei nach 1949 kommunistische Parolen wie die nach der (langfristigen) \u201eAbschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln\u201c oder die Losung \u201eNieder mit dem Lohnsystem\u201c. Bereits in den 40ern hatte die KPCh ihr Programm zur nationalen und sozialen Befreiung Chinas unter dem Titel \u201e\u00dcber die Neue Demokratie\u201c formuliert, in der die W\u00fcnsche und Hoffnungen von vier mehr oder weniger progressiven Schichten und Klassen der chinesischen Gesellschaft aufgehoben schienen ( die des Proletariats, der Bauernschaft, der Intelligenz und der anderen Schichten des Kleinb\u00fcrgertums). In dieser programmatischen Schrift wurde das langfristige Ziel der KPCh, der Sozialismus und Kommunismus, nicht verleugnet. Gerichtet war das Programm propagandistisch an das Volk und gegen die japanischen Besatzer und sonstigen Imperialisten sowie gegen die GMD-Reaktion\u00e4re.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Programm unterschied die KP zwei Phasen der Revolution in China: 1) eine Volksrevolution unter F\u00fchrung des Proletariats mit dem Ziel einer sozialen (Volks-)Republik, frei von Fremdherrschaft und Einheit im Territorium; und 2) den Sozialismus. Beide Etappen wurden getrennt aufgef\u00fchrt, aber nicht geschieden durch eine Chinesische Mauer. Offen blieben in diesem schematischen und \u00fcberzeitlichen Konzept jedoch die Frage nach der Lebensdauer der \u201eNeuen Demokratie\u201c bei einem milit\u00e4rischen Sieg der Volksbefreiungsarmee im Reich sowie die nach dem <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>konkreten <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weg zum Aufbau des Sozialismus. Wann und unter welchen Umst\u00e4nden sollte zum Sozialismus chinesischer Pr\u00e4gung \u00fcbergegangen werden? Was war die \u201eNeue Demokratie\u201c als Staatsform? War sie eine Taktik gegen\u00fcber den neuen nichtkommunistischen B\u00fcndnispartnern der KPCh um sie einzukaufen und zu t\u00e4uschen, oder war sie doch eine strategische Festlegung der Kommunisten auf l\u00e4ngere Zeit, um an die sozialen und \u00f6konomischen Bedingungen f\u00fcr den erw\u00fcnschten Sozialismus heranzukommen? Hier gab es Unklarheiten und Widerspr\u00fcche in der Partei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was aber wollten die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>tragenden<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Kr\u00e4fte des B\u00fcndnisses zu diesem Zeitpunkt (1949) selber:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die armen Bauern wollten national frei und sozial abgesichert sein , mit Landbesitz, niedriger Pacht und niedrigen Steuern. Sie bef\u00fcrworteten, ja w\u00fcnschten in ihrer Mehrzahl die Zerschlagung der chinesischen Grundherrenklasse, um deren Landmasse an sich zu bringen. Nur weil sich die KPCh die W\u00fcnsche dieser b\u00e4uerlichen Kleinproduzenten nach einem eigenen St\u00fcck Acker und einem ertr\u00e4glichen Leben zu eigen machte, konnte sie zum F\u00fchrer und Vollstrecker der \u201eNeudemokratischen Revolution\u201c aufsteigen und dieser Bewegung ihren Stempel aufdr\u00fccken.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die national gesinnte (\u201ademokratische\u2018) Bourgeoisie wollte die Bevormundung und Unterdr\u00fcckung des ausl\u00e4ndischen Imperialismus \u00fcber China beseitigen, die sie st\u00fctzenden oder tolerierenden chinesischen \u201eKompradoren\u201c und \u201eB\u00fcrokratischen Kapitalisten\u201c ausschalten sowie das l\u00e4stige GMD-Regime abschalten, um ein unbeschwertes Leben zu f\u00fchren. Ein Mitgestalten, ja Mitwirken an diesem Leben schien ihr unter der \u201eNeuen Demokratie\u201c der KPCh eher m\u00f6glich als unter dem Regime der GMD. Zwar war diese Nationale Bourgeoisie Chinas eine Klasse an sich. Doch ihr fehlte es an Masse, an Einheit, und ihren politischen K\u00f6pfen fehlte es an einem eigenen hegemonialen Programm f\u00fcr China.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die Werkt\u00e4tigen und Proletarier Chinas wollten endlich ein freies und gutes Leben in China. Die wenigsten dachten dabei vor 1949 an eine kommunistische oder sozialistische Gesellschaftsordnung. Da weder die geschlagenen japanischen Besatzer noch das GMD-Regime ihnen dieses erhoffte gute Leben schenken wollten, blieb f\u00fcr sie nur die KPCh mit ihrer sozialrevolution\u00e4ren Bauernbewegung als Hoffungstr\u00e4ger \u00fcber. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der milit\u00e4rische Sieg der revolution\u00e4ren Volksfront gegen das GMD-Regime 1949 \u00e4nderte alles. Kernprogramm des neuen Staates und seiner \u201eNeuen Demokratie\u201c war nun erst einmal die Durchsetzung der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t und Einheit sowie die demokratische Neuordnung im \u201aReich\u2018, einschlie\u00dflich der Konfiszierung des grundherrlichen Bodens und der angek\u00fcndigten Verstaatlichung der gro\u00dfen Banken sowie der gro\u00dfen Industrie und der Handelsunternehmungen. Die generelle Aufhebung des Privateigentums, des Besitzes an den Produktionsmitteln stand dabei nicht zur Debatte. Im Gegenteil, mit der Zerschlagung der Grundherrschaft und der Verteilung ihrer L\u00e4ndereien an die armen Bauern entstanden immer neue, freie und besitzende b\u00e4uerliche und handwerkliche Kleinproduzenten (Stichwort Familien\u00f6konomie). Wer in dieser Lage versuchen wollte, diese erneut zu enteignen, h\u00e4tte politischen Selbstmord begangen. Kurz, die Sto\u00dfrichtung der anstehenden Revolutionsetappe, d.h. der nationalen Konsolidierung und des sozialen und demokratischen Wandels war nicht sozialistisch, ja sie konnte es nicht sein. Ihre Sto\u00dfrichtung wurde mit dem Begriff der \u201eNeudemokratischen Volksrevolution und Ordnung\u201c richtig umschrieben. Der Sozialismus der KPCh war eine Zukunftsvision.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Eines aber war in China neu: Die alten Machteliten im Reich waren im Zuge des nationalen und sozialen Befreiungskrieges hinweggefegt worden. Die KPCh wurde Herr des Landes und des revolution\u00e4ren Staatsapparates. Die Partei konnte sich bei ihrer Herrschaftsaus\u00fcbung im \u201aReich\u2018 auf eine politisierte Rote Armee aus Bauern und Arbeitern st\u00fctzen. Der historische Verlauf nach 1949 gab der kommunistischen Partei damit die M\u00f6glichkeit, nicht nur die \u201eNeudemokratische Revolution\u201c zu vollenden, sondern auch die Chance, Schritt f\u00fcr Schritt dar\u00fcber hinauszugehen. Bekanntlich ergriff die Partei die M\u00f6glichkeiten der Zeit, an der Seite der Sowjetunion. Ob sie dann die Optionen der Zeit klug nutzte, sie verschenkte oder gar verspielte, wird bei uns, in der heutigen Linken, kontrovers beurteilt. Allerdings sind linke Analysen dazu rar und uneinheitlich. Hier meine eigene Einsch\u00e4tzung:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>II. Strategische Entscheidungen (Drei chinesische Wege)<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Drei Linien der chinesischen Partei- und Staatspolitik im Inland 1949 &#8211; 1976\/78 sollen im Folgenden dargestellt und kommentiert werden. Anschlie\u00dfend werde ich sie noch einmal aufgreifen und im historischen Zusammenhang politisch bewerten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1) Industriepolitik <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie jedes Land der Dritten Welt, so stand auch China 1949 vor dem Problem einer nachholenden Industrialisierung und Entwicklung, zumal das vorhandene moderne Industriepotenzial der chinesischen Mandschurei im Zuge der sowjetischen Reparationspolitik gegen Japan 1945\/46 auch noch verringert und teilweise abtransportiert worden war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Drei Optionen in der Industriepolitik standen dem Land und der KPCh dabei Anfang der f\u00fcnfziger Jahre zur Auswahl: Priorit\u00e4t der Landwirtschaft, Priorit\u00e4t der (Schwer-)Industrie oder die Gleichrangigkeit von Landwirtschaft und Industrie. \u201aChina\u2018 entschied sich f\u00fcr Option Zwei, obwohl die landwirtschaftliche Struktur Chinas eigentlich Option Drei nahegelegt h\u00e4tte. Doch die W\u00fcrfel fielen anders: \u201eGanz oben stand der Aufbau von 694 Gro\u00dfindustrieprojekten, von denen 156 mit Hilfe der Sowjetunion errichtet oder aber modernisiert werden sollten, vor allem die Eisen- und Stahlkombinate von Anshan, Baotou und Wuhan, ein KFZ-Werk in Changchun und ein Traktorenwerk in Luoyang. Mehr als 80% der Gesamtinvestitionen des Industriesektors wurden f\u00fcr den Schwerbereich abgezweigt und davon wiederum 20% f\u00fcr den Maschinenbau und f\u00fcr die Metallindustrie. Das Verh\u00e4ltnis Schwerindustrie : Leichtindustrie sollte bei sage und schreibe 7\u00a0:\u00a01 liegen! Besonderes Augenmerk schenkten die Planer einer weiten Streuung der neuen Projekte &#8211; weg von der K\u00fcste und hinein ins Hinterland. Hauptgesichtspunkt f\u00fcr diese Regionalisierung der Standortverteilung war das Bem\u00fchen, die Produktionsorte m\u00f6glichst nahe an die Rohstofflager heranzur\u00fccken und \u00fcberall im Land Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Trotz dieser Streuung aber sollte die Lenkung streng zentralisiert, d.h. von den Beijinger Ministerien her erfolgen.\u201c (O. Weggel, 1989, S. 176).<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es w\u00e4re jedoch falsch, f\u00fcr den eingeschlagenen Weg in der Industriepolitik nur ideologisch-politische Vorlieben der chinesischen Kommunisten verantwortlich zu machen (die es nat\u00fcrlich auch gab), oder die mit Sicherheit nicht vorhandenen eigenen Erfahrungen Chinas beim Industrieaufbau zu bem\u00fchen. Mutma\u00dflich gab es noch <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>weitere<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> erg\u00e4nzende Faktoren, die das Bed\u00fcrfnis der KPCh und ihres Staates stimuliert haben d\u00fcrften, ihre eigene starke Schwer- und R\u00fcstungsindustrie aufzubauen:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1) Nach wie vor waren die GMD und die USA eine Bedrohung f\u00fcr das Freie China. Milit\u00e4risch bedeutende Best\u00e4nde der GMD standen nach ihrer Flucht weiter auf der Insel Taiwan, stets auf dem Sprung, das chinesische Festland zu betreten und die Revolution niederzuschlagen. Abgeschirmt wurde diese unsinkbare Milit\u00e4rbasis von der 7. US-Flotte, die eine Invasion der Insel durch die Volksbefreiungsarmee unm\u00f6glich machte. Weitere Restbest\u00e4nde der GMD-Armee operierten an den R\u00e4ndern Chinas, so im \u201eGoldenen Dreieck\u201c von Laos, Birma und Thailand. Zudem: \u201eDie Volksrepublik konnte Taiwan nicht nur nicht zur\u00fcckerobern, sondern musste im Gegenteil bis 1954 Blockaden der taiwanesischen Marine entlang der s\u00fcdostchinesischen K\u00fcste in einer L\u00e4nge von fast 1000 km \u00fcber sich ergehen lassen &#8211; eine Situation, die erst durch Errichtung eines neuen Hafens in S\u00fcdostchina, Zhanjiang, abgemildert werden konnte.\u201c (O. Weggel, 1989, S. 169)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem diplomatischen Parkett verweigerten die USA der VR China die staatliche Anerkennung und in der UNO den Sitz (T. Klein, 2007, S. 335). Die Unterst\u00fctzung der GMD und Taiwans blieben f\u00fcr die USA Staatsr\u00e4son. Dem Koreakrieg folgten dann im Zuge der antikommunistischen Eind\u00e4mmungsstrategie der USA offizielle bilaterale B\u00fcndnisvertr\u00e4ge mit Japan und Taiwan. In Tibet begann der amerikanische Geheimdienst CIA, gesellschaftliche und soziale Widerspr\u00fcche im Land ausnutzend, zudem \u201evon etwa 1955 bis Anfang der siebzieger Jahre\u201c einen geheimen Krieg gegen die chinesische Armee und Herrschaft, wohl unter Duldung des Dalai Lama. Selbstbenanntes Ziel war es, \u201edas politische Konzept eines autonomen Tibets am Leben zu erhalten\u201c sowie ein \u201ePotenzial f\u00fcr Widerstand gegen m\u00f6gliche politische Entwicklungen innerhalb des kommunistischen China\u201c aufzubauen (siehe: J. Goetz u.a., 2012, S. 3). <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2) Die KP-F\u00fchrung ging nach 1949 lange von einem bevorstehenden Weltkrieg des \u201eImperialistischen Lagers\u201c gegen das \u201eSozialistische\u201c aus; dann avancierten mehr und mehr die USA zum Hauptbrandstifter in der Welt. Sp\u00e4ter \u00fcbertrug die KPCh in ihrer Polemik gegen die \u201eNeuen Zaren\u201c in Moskau diesen Titel auf den \u201eSozialimperialismus\u201c der Sowjetunion. Real war nur, dass der \u201eKalte Krieg\u201c leicht in einen hei\u00dfen Krieg umschlagen konnte. Dass die aktuelle Weltkriegsgefahr nach dem Koreakrieg langsam abflaute, die Weltlage sich stabilisierte und sich die Auseinandersetzung zwischen den politischen \u201aBl\u00f6cken\u2018 auf Stellvertreterkriege in die 3.Welt verlagerte, wurde in Peking sp\u00e4t und dann nur unzureichend registriert. Aber man wollte f\u00fcr alle F\u00e4lle gewappnet sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">3) An den Staatsgrenzen Chinas tobte der antikoloniale Befreiungskrieg der V\u00f6lker, dem sich China nicht nur verbunden, sondern auch verpflichtet f\u00fchlte. Bekanntlich stellte China dann 1\u00a0Mil. \u201eVolksfreiwillige\u201c, also K\u00e4mpfer im Korea-Krieg (1950 &#8211; 1953) an der Seite des Nordens, dessen Agieren sie als direkte Fortsetzung ihres eigenen Kampfes um nationale Einheit und Souver\u00e4nit\u00e4t sahen. Gerade die Erfahrungen im Koreakrieg, d.h. jene mit der konzentrierten Feuerkraft der US-Armee, zeigten der Regierung in Peking, dass zuk\u00fcnftige Verteidigungskriege nicht <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nur<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit \u201eHirse und Gewehr\u201c gef\u00fchrt werden konnten. Zudem hatten die USA auch mehrfach mit einem Atomkrieg gedroht. Dar\u00fcberhinaus: 1950 begannen die USA -vor der Haust\u00fcr Chinas- , Frankreichs Kolonialkriege in Indochina mitzufinanzieren. Bis 1954 stellten die USA 80 % der Gesamtkosten des Indochinakrieges. (W. Loth, 1983, S. 268) Auch nach der Niederlage der Franzosen bei Dien Bien Phu 1954 brach das reaktion\u00e4re Engagement der USA in dieser Region nicht ab. &#8211; Nach dem direkten Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg 1965 lie\u00df China dann in der Provinz Yunnan eine komplette Industrie entstehen, \u201eum die nordvietnamesische Armee mit Waffen und Logistik zu versorgen.\u201c (F.\u00a0Wemheuer, 2010, S. 106) China blieb in der ganzen Mao-\u00c4ra seiner Unterst\u00fctzerrolle im nationalen und sozialen Befreiungskampf der V\u00f6lker treu. (O. Weggel, 1989, S. 292)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">4) Schon im chinesischen Befreiungskrieg reagierten die Maoisten ausgesprochen allergisch gegen alle allzu aufdringlichen Ratschl\u00e4ge und die Bevormundung aus Moskau. Man wollte nach leidvollen Erfahrungen auf den eigenen F\u00fc\u00dfen stehen. Dies galt auch nach 1949 f\u00fcr den Staats- und Gesellschaftsaufbau, eben ohne Abh\u00e4ngigkeiten. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mitte der 50er Jahre begann Mao Tse-tung, die eigene politische Schwerpunktsetzung auf die Schwerindustrie kritischer zu sehen. Zu offensichtlich waren die volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte in China sowie die horrenden Kosten f\u00fcr die Projekte, die ja letztlich von den Bauern aufzubringen waren. Nun kritisierte Mao den \u201arussischen Weg\u2019 in der chinesischen Industriepolitik, dem er selbst das Wort geredet hatte. Jetzt sollte China auf \u201ezwei Beinen\u201c gehen, dem der Landwirtschaft und der Industrie (also Schwer- und Leichtindustrie). &#8211; Doch ob es wirklich zu einem ausgewogenen Verh\u00e4ltnis der volkswirtschaftlichen \u201aAbteilungen\u2018 unter Mao kam, ist unter Historikern umstritten und unwahrscheinlich. Zudem, so Mao, habe man beim Aufbau des Sozialismus in der UdSSR viel zu sehr auf die Maschinen geschielt, statt dem Faktor Mensch sowie der Masseninitiative unter Leitung der Partei (gest\u00fctzt auf deren politisch-ideologische Arbeit) Raum zu geben. Das werde man in China anders machen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotz der hier angerissenen Schwierigkeiten konnte sich die langsam voranschreitende Industrialisierung in China sehen lassen. Dazu trugen die Hilfen der Sowjetunion bei der chinesischen Industrialisierung 1950 bis 1960 nicht unwesentlich bei. Immerhin lieferte die SU in den 50er Jahren ganze Fabriken samt Technikern und Betriebsanleitungen sowie Blaupausen, sie stellte Experten, bildete chinesische Lehrlinge und Studenten in der Sowjetunion aus. Die \u201eHilfen f\u00fcr China versiebenfachten sich zwischen 1953 und 1960 auf sieben Prozent des sowjetischen Nationaleinkommens\u201c. (W. Zeiler, 2013, S. 230) Allerdings musste diese \u201aBruderhilfe\u2018 mit Agrarprodukten nach Russland bezahlt werden. (Die Lieferungen gingen auch dann noch weiter, als der Gro\u00dfe Hunger im \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c in China Einzug hielt). <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem eskalierenden Streit um die \u201eStalinfrage\u201c sowie um die \u201eGenerallinie der internationalen kommunistischen Bewegung\u201c und dem F\u00fchrungsstreit im sozialistischen Lager verschlechterten sich die Beziehungen von SU und Rot-China zusehends. Mit Folgen: Bereits von 1958 an \u201everlangsamte die sowjetische Regierung den Transfer nuklearer Technologie &#8211; ein Bruch bereits gemachter Zusagen. China baute schlie\u00dflich (mit hohem finanziellen Aufwand, d. V.) in den 1960er Jahren ohne sowjetische Hilfe eine zwar begrenzte, aber doch ernst zu nehmende Atomstreitmacht auf.\u201c (T. Klein, 2007, S.\u00a0340) Im Sommer 1960 zog die SU dann ihre Experten auf allen Ebenen aus China ab. 150 Gro\u00dfprojekte kamen damit vorerst zum Stillstand. &#8211; Jetzt musste China auf die eigenen Kr\u00e4fte setzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies waren jedoch nicht die letzten politisch bedingten Schwierigkeiten und Kurswechsel in der Industriepolitik Chinas: Ab 1964 wurde \u201emit dem Programm der sogenannten Dritten Front \u2026 der vor allem sicherheitspolitisch motivierte Versuch unternommen, im vergleichsweise unzug\u00e4nglichen Hinterland S\u00fcdwest- und Nordwestchinas eine autarke und vor feindlichen Angriffen sichere industrielle Basis zu schaffen. Das zentral gesteuerte Programm absorbierte den Gro\u00dfteil der industriellen Investitionen; lediglich der gleichzeitig erfolgte Ausbau der \u00d6lf\u00f6rderung sowie der petrochemischen Industrie bewegte sich nicht in diesem Rahmen. Als erfolgreich erwies sich insbesondere der Anschluss der entlegenen Hinterlandprovinzen an das nationale Eisenbahnnetz. Dagegen verursachte die Einrichtung von Fabriken an unzug\u00e4nglichen Orten enorme Kosten, w\u00e4hrend die \u00fcberhastete Planung und mangelhafte Ausf\u00fchrung der Bauarbeiten die Betriebe ineffizient und unrentabel machte. Nach 1971 wurde das Programm so abrupt zur\u00fcckgefahren wie es begonnen wurde. 1977 entfielen rund 37 Prozent des staatlichen Industriekapitals auf Betriebe aus der Zeit der Dritten Front, die jedoch nur 23 Prozent der gesamten Industrieerzeugung leisteten. In der Reform\u00e4ra wurden dann viele Fabriken geschlossen oder in St\u00e4dte mittlerer Gr\u00f6\u00dfe verlegt.\u201c (T. Klein, 2007, S. 239\/40)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2) Schlachten wir das Goldene Kalb. Politik gegen die Nationale chinesische Bourgeoisie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Flucht der GMD-F\u00fchrung 1949 nach Taiwan setzten sich wichtige St\u00fctzen und Tr\u00e4ger des GMD-Regimes aus China ab, mit oder ohne Entnahme ihres Besitzes: Gro\u00dfe Teile der \u201eKompradoren\u201c, also jener Personen aus der Gruppe der chinesischen Ex- und Importh\u00e4ndler mit einer Verbindung zum imperialistischen Ausland sowie die so genannten \u201eB\u00fcrokratischen Kapitalisten\u201c, jene Personen, die in Verbindung mit der GMD gleichzeitig hohe politische und einflussreiche wirtschaftliche Positionen innegehabt hatten. Ihr Besitz in China wurde beschlagnahmt. Aber auch die anderen GMD-Funktion\u00e4re vor Ort wurden als Konterrevolution\u00e4re zur Verantwortung gezogen und belangt. &#8211; Bis 1951\/52 jedenfalls hatte der chinesische Staat seine Ank\u00fcndigung wahr gemacht, die meisten Gro\u00dfbetriebe, Banken und Handelsgesellschaften, die vormals in ausl\u00e4ndischer oder \u201eKompradoren\u201c-Hand waren, zu verstaatlichen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als die KPCh 1949 wieder in die St\u00e4dte einr\u00fcckte, traf sie hier erneut auf die Nationale Bourgeoisie, die sie in ihrer Schrift \u201e\u00dcber die Neue Demokratie\u201c (1940) zu den vier revolution\u00e4ren Klassen Chinas und in ihrer Konzeption \u201e\u00dcber die Koalitionsregierung\u201c (1945) immerhin zu den vier S\u00e4ulen der Neuen Ordnung Chinas gez\u00e4hlt hatte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Dieser<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Bourgeoisie hatte die KPCh im Befreiungskrieg das Existenzrecht garantiert, sofern sie sich dem demokratischen Neuaufbau Chinas verschrieb und dem Gemeinwohl diente. Dem politischen B\u00fcndnis nach 1949 entsprach somit auch das juristische Recht der Unternehmer und Kapitalisten, private Arbeitskraft zwecks Nutzung und Ausbeutung zu kaufen &#8211; im Rahmen staatlicher Gesetze (d.h. unter politischer \u201eRegulierung des Kapitals\u201c) und unter Anwendung entsprechender Schutzvorschriften f\u00fcr die Ware Arbeitskraft (\u00fcber die der Verfasser leider zu wenig wei\u00df). 1949 war nicht absehbar, wie lange dieser Zustand halten w\u00fcrde. Die Bourgeoise jedenfalls hoffte auf ein langes Leben. Eine Bestandsgarantie auf Ewigkeit gab ihr die KPCh allerdings nicht, da ihr angestrebter Sozialismus (ab 1953) ja auf eine (einst versprochene langsame) Vergesellschaftung der Produktionsmittel und des Lebens zielte. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Im Dez. 1951 wurde die Kampagnenbewegung gegen die \u201eDrei \u00dcbel\u201c: Korruption, Verschwendung und B\u00fcrokratismus initiiert (\u201eDrei-Anti-Bewegung\u201c). Sie richtete sich wohl vorrangig gegen unw\u00fcrdige Kader in den eigenen Reihen, d.h. bei Staat und Partei. Dann: \u201eIm M\u00e4rz 1952 lief, parallel zur Drei-Anti- eine sogenannte \u201eF\u00fcnf-Anti-Bewegung\u201c (Wu fan: gegen Bestechung, Steuerhinterziehung, Veruntreuung von Staatseigentum, Betrug und Verrat von Staatsgeheimnissen) an, die wegen der plakativen und \u00e4hnlich klingenden Wortwahl mit der Drei-Anti-Bewegung h\u00e4ufig in einen Topf geworfen wird, in Wirklichkeit aber auf ganz andere \u201eKampfobjekte\u201c gerichtet war, n\u00e4mlich auf \u201eKapitalisten sowie auf die nichtkapitalistischen Handwerker und Kaufleute mit Familienbetrieben\u201c. Hauptziel der Kampagne war es, den Privathandel und die Privatindustrie soweit wie m\u00f6glich zu sozialisieren und die bisherigen Unternehmer an die Kandare zu nehmen. In Shanghai wurden bis September 1952 160.000 Kaufleute auf die \u201eF\u00fcnf Verbrechen\u201c hin \u00fcberpr\u00fcft und durch tagelange Dauerverh\u00f6re zu \u201eGest\u00e4ndnissen\u201c gen\u00f6tigt. 500 wurden exekutiert, 4.000 zu langj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen und 30.000 zu Gef\u00e4ngnisstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt. Au\u00dferdem hatten sie Bargeld in H\u00f6he von 1,25 Mrd. US -Dollar abzuliefern. Die Zahl der Selbstmorde stieg w\u00e4hrend der beiden Kampagnen in ganz China auf fast 200.000. \/ Mit der F\u00fcnf-Anti-Kampagne begann \u00fcbrigens auch die Demontage der \u201eViererkoalition\u201c und damit der \u201eNeuen Demokratie\u201c.\u201c (O. Weggel, 1989, S.163) \u00d6konomisch betrachtet war die \u201eF\u00fcnf-Anti-Bewegung\u201c jedoch ein Erfolg, denn sie sp\u00fclte erhebliche Mittel in die Fonds staatlicher Entwicklungsgelder.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1952 betrug der Anteil des staatlichen Sektors der Industrie bereits 48,7%.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1954 &#8211; 1956 begann der Staat die Reste der nationalen Bourgeoisie \u201eauszukaufen\u201c. Statt in einer schlagartigen Enteignung vollzog sich die Abtrennung der Genannten von den Produktionsmitteln schleichend und in Stufen: \u201e1954 setzte sich die politische Linie der Einrichtung von gemischt staatlich-privaten Industriebetrieben durch, d.h. der Staat investierte in Privatunternehmen, die Leitung wurde gemeinsam von den fr\u00fcheren Besitzern und den von staatlicher Seite entsandten Kadern durchgef\u00fchrt, wobei ein bestimmter Teil des Gewinns den fr\u00fcheren Besitzern garantiert war. Weitere Einschr\u00e4nkungen des Privatkapitals geschahen durch die Einf\u00fchrung der Gewerbesteuer f\u00fcr den privaten Gro\u00dfhandel, die staatliche Zentralisierung des An- und Verkaufs der rationierten G\u00fcter Getreide, Speise\u00f6l und Baumwollstoffe und anderer wichtiger Rohstoffe. Entsprechend sank bis 1957 der Anteil des kapitalistischen Wirtschaftssektors am Nationaleinkommen auf unter 0,1 %.\u201c (M.\u00a0Leutner, 1999, S. 114)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der zweite Teil des Plans allerdings erbrachte nicht den erw\u00fcnschten Effekt. Denn nunmehr sollte der Sachverstand und die Initiative der vom Eigentum abgetrennten Unternehmer als Lohnarbeit eingekauft werden. Doch die Umworbenen reagierten in ihrer Mehrzahl &#8211; ob als neue Werkt\u00e4tige oder Privatiers &#8211; mit Desinteresse, Gleichg\u00fcltigkeit oder Selbstmord. Als Stigmatisierte blieben die \u00dcberlebenden der faktischen Enteignung zur\u00fcck.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch nicht nur unter den kapitalistischen Betrieben wurde \u201aaufger\u00e4umt\u2018: \u201eAuch das Kleinunternehmertum mit seinem breitgef\u00e4cherten Dienstleistungsangebot, das ehemals f\u00fcr kleine Annehmlichkeiten im t\u00e4glichen Leben gesorgt hatte, wurde dem Siechtum preisgegeben. Von den 14.000 Gastst\u00e4tten beispielsweise, die es noch 1953 in Beijing gegeben hatte, konnten am Ende nur k\u00fcmmerliche 600 Betriebe \u00fcberleben. Auch das Privathandwerk wurde auf dem Altar des Dogmas geopfert.\u201c (O. Weggel, 1989,S. 200\/1) Das \u00f6konomische \u201aEnde\u2018 der alten Bourgeoisie war zugleich das politische Ende der \u201eNeuen Demokratie\u201c in China: Ein <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>voreiliger<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, von mir negativ beurteilter Schritt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch wie sinnvoll waren die oben skizierten Schritte gegen die chinesische Bourgeoisie f\u00fcr den inzwischen beschlossenen Aufbau des Sozialismus? Dar\u00fcber l\u00e4sst sich trefflich streiten: \u00d6konomisch gesehen waren die neuen (voll \u201asozialisierten\u2018) Betriebe keineswegs produktiver als die herk\u00f6mmlichen (Autoren wie O. Weggel sagen sogar schlechter); politisch gesehen war die nationale Bourgeoisie keineswegs dabei, ausgehend von ihrer \u00f6konomischen Basis, die gesellschaftliche Ordnung Chinas zu destabilisieren (wie bei Mao selber nachzulesen ist); kaderpolitisch betrachtet wurden durch diesen Schritt viele Parteimitglieder in die Wirtschaftsf\u00fchrung der Betriebe geschleudert, in eine Position, von der sie oftmals keine Ahnung hatten. Diese F\u00e4higkeiten mussten erst noch erworben und erarbeitet werden. Als politische Kader fehlten die Aktivisten dann bei der Erziehung und Anleitung des Volkes. Eine Arbeiterselbstverwaltung im Betrieb war dieses \u201aModell\u2018 sowieso nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3) Bauernpolitik und der aufkommende Wind des Kommunismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bekanntlich waren die armen Bauern die wichtigsten, milit\u00e4risch und sozial tragenden Kr\u00e4fte im nationalen und sozialrevolution\u00e4ren Volkskrieg in China. Dieser Volkskrieg unter F\u00fchrung der KPCh m\u00fcndete 1949 in die Gr\u00fcndung der Volksrepublik China ein. Einigkeit in der KPCh bestand nach der Machtergreifung nun darin, die bereits laufende Agrarrevolution zu Ende zu f\u00fchren, d.h. weiter die Reste der chinesischen Grundherrenklasse von den B\u00f6den und Produktionsmitteln zu trennen und ihre politische oder soziale Herrschaft in den D\u00f6rfern zu brechen. Im Ergebnis der Umw\u00e4lzungen wurden dabei nicht wenige Gro\u00dfgrundbesitzer von der Dorfarmut, der Armee oder der Partei auch physisch liquidiert. Die reichen Mittelbauern allerdings wurden von den Ma\u00dfnahmen aus taktischen Gr\u00fcnden ausgenommen. Ihre \u201aSchicksalsstunde\u2018 schlug sp\u00e4ter. Zeitgleich enteignete der Staat L\u00e4ndereien, die zu Ahnenschreinen, Tempeln, Kl\u00f6stern, Kirchen, Schulen und anderen nicht landwirtschaftlichen Organisationen geh\u00f6rt hatten. Die nun insgesamt frei gewordene Agrarfl\u00e4che sollte dann m\u00f6glichst einheitlich, gleich und rational an die bisher landlosen Bauern verteilt werden. So erhielten bis ins Fr\u00fchjahr 1953 rund 300 Millionen ehemals landlose oder arme Bauern in ganz China 700 Mio. Mu Land (47 Mil. ha) zu Besitz und Bearbeitung zugeteilt (d.h. es \u201ewurden 43 % der kultivierten Fl\u00e4che an 60 % der Landbev\u00f6lkerung umverteilt\u201c). Dieser Akt sicherte der KPCh endg\u00fcltig die Herrschaft \u00fcber China und ihre Verankerung im Volk. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seit Jahrtausenden waren die chinesischen Kleinbauern daran gew\u00f6hnt, dass ein starker, zentralisierter, jedoch autokratisch gef\u00fchrter Staat \u00fcber ihr Schicksal bestimmte und wachte, ja, nicht nur einmal hatten arme Bauernmassen selber eine solche \u201aStaatsdynastie\u2018 auf den Drachenthron gesetzt. Nun, als (Neu-) Besitzer einer kleinen Parzelle waren die Kleinbauern des 20. Jh. auch bereit, der KPCh und ihrem Staat (weiter) zu folgen, sei es aus \u00dcberzeugung, Tradition oder Opportunismus. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh war jedoch keine kaiserliche Macht (das hei\u00dft der Schutzherr der kleinen privaten Parzellenbauern und des Landbesitzes) noch war der KP-Vorsitzende Mao Tse-tung ein Bauernkaiser &#8211; trotz vermeintlicher Analogien. Zwar war die KPCh auch mit Hilfe eines Bauernkrieges zur Macht gelangt, doch im Kern eine kommunistische Partei, die sich die Vergesellschaftung der Produktion und die Abschaffung der Klassen, das hei\u00dft, den Sozialismus und Kommunismus auf ihre Fahne geschrieben hatte. Ihr Eingehen auf die W\u00fcnsche des Bauern war politisch kalkuliert, kein Herzenswunsch. Wie also sollte sie mit den neu auferstandenen Kleinproduzenten verfahren? Wie und in welcher Geschwindigkeit ihren Traum von der sozialistischen \u00d6konomie und Gesellschaft verwirklichen? Dazu waren die Vorstellungen in der Partei keineswegs einheitlich. Politische Widerspr\u00fcche in Partei und Gesellschaft entstanden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schon im Sept. 1951 erging die ZK-Resolution \u00fcber \u201eGegenseitige Hilfe und genossenschaftlichen Zusammenschluss\u201c, mit der die erneute Umw\u00e4lzung der Agrarverh\u00e4ltnisse eingeleitet wurde.1952 waren bereits 40%, 1954 etwa 58% der von der Bodenreform beg\u00fcnstigten Bauern in \u201eGruppen zur Gegenseitigen Hilfe\u201c organisiert (bestehend aus jeweils 10 bis 20 Bauernfamilien), wobei hier an \u00e4ltere Formen b\u00e4uerlicher Selbsthilfe und Zusammenarbeit angekn\u00fcpft wurde.<br \/>\nDie nun folgenden, von der Partei angestrebten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) waren an und f\u00fcr sich kein sozialistisches Instrument (auch wenn es manch einer in der Partei so sah). In China war der Genossenschaftsgedanke jedoch geeignet, dem Individualismus des (neuen) Einzelbauern Kooperation und Gemeinschaft zur Seite zu stellen und die Umerziehung des Kleinproduzenten zum Gemeinwesen voranzutreiben. Zudem sollte mit den neuen Kooperativen die Ern\u00e4hrung der St\u00e4dte sichergestellt und die Finanzierung des industriellen Aufbaus im Reich \u00fcber die fiskalische Absch\u00f6pfung der Landwirtschaft erm\u00f6glicht werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Realistischerweise schwebte der Partei damals noch bez\u00fcglich der LPGs ein Zwei -Stufen -Modell in Phasen vor, dessen Ergebnisse langfristig einander abl\u00f6sen bzw. ineinander \u00fcbergehen sollten: Den \u201eGruppen zur Gegenseitigen Hilfe\u201c \u201efolgten die \u201eLandwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften niederen Typs\u201c \u2026 die durchschnittlich 60 -80 Haushalte zusammenschlie\u00dfen und sich von den \u201eGruppen der gegenseitigen Hilfe\u201c dadurch unterscheiden sollten, dass die Mitglieder hier nicht mehr nur ad hoc, sondern vielmehr planm\u00e4\u00dfig zusammenarbeiteten. Die Produktionsmittel (Boden, Zugtiere, Ger\u00e4te) sollten zwar noch Individualeigentum bleiben, inzwischen aber systematisch bei der Kollektivarbeit eingesetzt werden, wobei die Genossen bei der Gewinnaufteilung eine Art Dividende f\u00fcr die von ihnen eingebrachten Investitionsg\u00fcter erhielten. Seit Fr\u00fchjahr 1955 kam es dann zur Gr\u00fcndung der \u201eLandwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften h\u00f6heren Typs\u201c \u2026 und damit zur Entprivatisierung und Kollektivierung s\u00e4mtlicher Produktionsmittel. Die Gewinnaufteilung erfolgte jetzt nur noch nach Arbeitsleistung.\u201c (O. Weggel, 1989, S. 187). Das alles sollte nach Versprechen der Partei auf Basis der Freiwilligkeit erfolgen; selbst das Austrittsrecht aus der LPG wurde garantiert (von dem auch Gebrauch gemacht wurde). Doch bei der Freiwilligkeit sollte es nicht bleiben. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 31. Juli 1955 polemisierte Mao Tse-tung auf einer vom ZK der Partei einberufenen Konferenz f\u00fcr anleitende Kader: \u201eEin Aufschwung der neuen sozialistischen Massenbewegung auf dem Lande steht in ganz China bevor. Doch manche Genossen tippeln wie eine Frau mit eingebundenen F\u00fc\u00dfen schwankend einher und beschweren sich in einem fort bei anderen Leuten: \u201eIhr geht zu rasch!\u201c St\u00e4ndiges N\u00f6rgeln, unangemessene Vorw\u00fcrfe, endlose Bef\u00fcrchtungen und zahllose Vorschriften und Verbote &#8211; , sie glauben, das w\u00e4re der richtige Kurs f\u00fcr die Anleitung der sozialistischen Massenbewegung im Dorf.\u201c (A. Werke V., S. 203)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das ZK der Partei hatte im Fr\u00fchjahr (1955) beschlossen, die Zahl der LPGen um 50 Prozent auf 1\u00a0Million zu erh\u00f6hen. Mao hielt das nicht f\u00fcr ausreichend (seine Rede vom 31. Juli 1955, d.V.): \u201eMir scheint der Zuwachs etwas zu gering\u201c. Er will die Zahl der LPGen auf rd. 1,3 Millionen erh\u00f6hen. Sein Ausspruch hatte Weisungscharakter. Unmittelbar danach erh\u00f6hte sich das Tempo der Massenbewegung zur Schaffung von LPGen niederer Stufe im \u201eKampf gegen Rechts\u201c in bislang nicht gekanntem Ma\u00dfe. In den wenigen Monaten von Ende Juni bis Ende Dezember 1955 hatte sich der Anteil der Bauernh\u00f6fe, die in LPGen niederer Stufe organisiert waren, von 14,2 auf 59,7 Prozent erh\u00f6ht. Daneben gab es bereits 17 000 LPGen h\u00f6herer Stufe, denen 4 Prozent aller Bauernh\u00f6fe angeh\u00f6rten. Obwohl die LPGen niederer Stufe noch nicht gefestigt waren, wurde die Kampagne f\u00fcr den \u00dcbergang zu LPGen h\u00f6herer Stufe mit Beginn des Jahres 1956 weiter gef\u00fchrt. Ende Juni 1956 gab es bereits 31 200 Genossenschaften h\u00f6herer Stufe mit einem Anteil der Bauernh\u00f6fe von 63,2 Prozent. Bis Ende Dezember stieg die Zahl der LPGen h\u00f6herer Stufe auf 540000 und einem Anteil Bauernh\u00f6fe von 78 Prozent an. Statt in vorgesehenen drei F\u00fcnfjahrespl\u00e4nen war die sozialistische Umgestaltung in der Landwirtschaft in nicht einmal drei Jahren durchgezogen worden.\u201c (H. Peters, 2009, S. 181\/82) Nach J. Spence betrug die \u201eBeteiligung b\u00e4uerlicher Haushalte an verschiedenen Arten von Besitzeinheiten\u201c 1957: Gruppen f\u00fcr gegenseitige Hilfe: &#8211; ; LPG niederen Typs: unerheblich ; LPG h\u00f6heren Typs: 93,5 % . (J.D. Spence, 1995, S. 650). (Anmerkung des d. V.: Vergleicht man, bezogen auf die Fragestellung nach der forcierten Kollektivierung in der Landwirtschaft, die Arbeiten der Historiker Leutner, Peters, Spence, Weggel, so findet man in ihrer kritischen Spiegelung viele sachliche Gemeinsamkeiten, nicht jedoch beim verwendeten oder angenommenen Zahlenmaterial, das den Wertungen und Schlussfolgerungen zugrunde liegt. Da ich keinen Zugang zu den chinesischen Originaldokumenten habe, kann einem dieser Zahlensalat schon auf die Nerven gehen. Ich verwende obige Zitate daher nur als erste Orientierungshilfen f\u00fcr den Leser im Datendschungel.)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht \u00fcberall wurde bei den LPGs der niederen oder h\u00f6heren \u201esozialistischen Stufe\u201c das Prinzip der Freiwilligkeit beachtet und eingehalten, wie auch Mao in seinen zeitgen\u00f6ssischen Schriften eingestand (und zeitweilig auch kritisierte). Nun also hatten die \u201afrisch\u2018 gek\u00fcrten Bodeneigner ihren Besitz erneut abzugeben &#8211; an die LPGs \u201esozialistischen Typs\u201c. Obwohl ihr <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Besitz<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> formal gesehen kein Privateigentum an der Agrarfl\u00e4che war (sondern Obereigentum des Staates), sahen nicht wenige Kleinproduzenten diesen Transfer des Bodens <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>und<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Produktionsmittel an die \u201asozialistische\u2018 Genossenschaft als Enteignung an. Statt den Mustergenossenschaften Zeit zu geben, ihre Vorz\u00fcge den Bauernmassen zu demonstrieren und so neue soziale Bewusstseinsinhalte und Handlungen zu kreieren, dr\u00fcckten die Maoisten bei der Umwandlung und Kollektivierung der Landwirtschaft aufs Tempo, mitunter unter Missachtung von \u00dcberzeugung und Freiwilligkeit. Damit waren offene und versteckte Auseinandersetzungen in Gesellschaft und Partei vorprogrammiert. Ja, in der Partei gab es zwischenzeitlich eine Gruppe oder Str\u00f6mung einflussreicher Pers\u00f6nlichkeiten (H. Martin spricht gar von \u201eFraktion\u201c), die beim Kollektivierungstempo von \u201eAbenteurertum\u201c sprach. Zu ihnen geh\u00f6rte zeitweise auch der Staatspr\u00e4sident Gen. Chou En-lai, der dann aber wieder auf die Linie von Mao Tse-tung einschwenkte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der 8. Parteitag der KPCh vom Sept. 1956 \u201erevidierte jedoch die Politik der beschleunigten Kollektivierung und Verstaatlichung\u201c (M. Leutner, siehe unten). Zu auff\u00e4llig waren die Widerspr\u00fcche in der Gesellschaft.<br \/>\nDoch der \u201aKonsens\u2018 des Parteitages sollte nicht lange halten. In der Partei arbeiteten die Maoisten auf eine Revision der Beschl\u00fcsse und auf den \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c hin, der dann auch offiziell in der Partei gebilligt wurde (2. Plenum des VIII. ZK, Mai 1958), dabei noch mit gest\u00fctzt und getragen von den sp\u00e4teren Kritikern der Linie wie Liu Shaoqi und Deng Xiaoping.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u201eGro\u00dfe Sprung\u201c (1958 &#8211; 1961\/2) das waren die \u201eDrei Roten Banner\u201c:<br \/>\n1) die Neue Generallinie der Partei: \u201eUnter Anstrengung aller Kr\u00e4fte &#8211; immer vorw\u00e4rtsstrebend &#8211; den Sozialismus nach dem Prinzip \u2018mehr, schneller, besser und wirtschaftlicher\u2018 aufbauen\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2) die sog. Stahlkampagne.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">3) das Kommune-Projekt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Obwohl inhaltlich verwoben, lassen sich einzelne Str\u00e4nge des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c auch getrennt betrachten. Hier einige <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Schlaglichter<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die sog. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Stahl- Kampagne<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Ihr lag das Motiv zugrunde, die Stahlproduktion sowie die Industrialisierung Chinas <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>schneller<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> voranzutreiben; ja auch auf dem \u201aflachen\u2018 Land sollte der Keim einer eigenst\u00e4ndigen lokalen Industrie gelegt und die politisch anprojektierte Mechanisierung der Landwirtschaft vorbereitet und unterst\u00fctzt werden. Als Mittel in der Stahlkampagne dienten die Massenmobilisierung und die sog. Hinterhof-Schmelz\u00f6fen. Doch schon bald zeigten sich die Fallstricke der Kampagne, ohne dass die Partei darauf ad\u00e4quat reagierte, z.B.:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Ende der 50er Jahre hatte China weder die erforderlichen Devisen noch die Technologie, neue moderne Stahlwerke zu bauen oder zu erwerben. Auch deshalb setzte man auf die \u201eEinheimischen \u00d6fen\u201c auf dem Hinterhof, statt die Zahl und Kapazit\u00e4ten der vorhandenen \u201eAusl\u00e4ndischen \u00d6fen\u201c, d.h. die vorhandenen 750.000 Konverter- und Elektro\u00f6fen weiter auszubauen, was auch m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Allein 1958 entstanden 1,215 Millionen \u201aHoch\u00f6fen auf dem Hinterhof\u2018 &#8211; sowohl auf dem Land, wie in der Stadt. Rund 90 Mill. Menschen wird die Partei in die \u201eStahlschlacht\u201c f\u00fchren. Im Ergebnis hie\u00df das: \u201eTags hingen die Rauchschwaden \u00fcber St\u00e4dten und D\u00f6rfern, nachts war der Himmel ger\u00f6tet.\u201c Doch diese Massenmobilisierung der \u201eStahlschmelzerei\u201c auf dem Lande hatte auch eine Kehrseite: Auf dem Acker und den Reisfeldern wurden trotz Frauen- und Kinderarbeit die Arbeitskr\u00e4fte rar. \u201eDie Herbsternte 1958 blieb zu etwa 10 Prozent auf den Feldern liegen, und die Arbeiten f\u00fcr die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion 1959 konnte nicht in der notwendigen Qualit\u00e4t und im erforderlichen Ausma\u00df durchgef\u00fchrt werden.\u201c (H. Peters, 2009, S. 229\/30)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Um die Schmelze zu f\u00fcttern, f\u00fchrten viele Parteisekret\u00e4re die Massen in die Berge \u201eum nach Erz zu sch\u00fcrfen\u201c. Doch nicht nur diese Materialien wurden aufbereitet und eingeschmolzen: Um die viel zu hohen Planziffern des Staates zu erf\u00fcllen oder um die eigene private Selbstverpflichtung und die oft \u00fcbertriebenen Versprechungen einzul\u00f6sen, landeten auch eiserne Fensterrahmen, N\u00e4gel und Kocht\u00f6pfe, ja selbst Maschinen und Produktionsmittel in der Schmelze. Nicht wenige H\u00e4user wurden abgerissen, um Rohstoffe oder Brennstoff zu gewinnen. \u00dcbereifrige Kader requirierten dazu in den Privathaushalten, auch mittels Zwang.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; \u201eEine solche (oben angerissene d.V.) Art der Stahlherstellung war naturgem\u00e4\u00df energetisch extrem ineffizient und belastete die Umwelt in erheblichem Ma\u00dfe. In den kohlereichen Provinzen Chinas verschwendete die Stahlerzeugung im Hinterhof lediglich Kohle, in anderen Landesteilen f\u00fchrte die Dezentralisierung dazu, dass Kohle- und Erztransporte die Schienenstrecken verstopften und alles erdenkliche Holz verwendet wurde, um daraus Holzkohle f\u00fcr die Befeuerung der Hoch\u00f6fen zu gewinnen. In Yunnan, Sichuan und m\u00f6glicherweise in ganz China verschwanden dadurch binnen eines Jahres zehn Prozent der Waldfl\u00e4che.\u201c (Mc Neill u.a., 2013, S. 503\/4) Das war auch \u00f6kologisch ein Desaster.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; \u201eAm 31.12.1958 wurde offiziell verlautbart, dass 1958 11,08 Millionen (t) Stahl erzeugt worden w\u00e4ren. Heutigen chinesischen Einsch\u00e4tzungen zufolge waren davon 3 Millionen t ob ihrer unzureichenden Qualit\u00e4t nicht zu gebrauchen.\u201c (H. Peters, 2009, S. 229) Erst Anfang 1961 wurden die kleinen Schmelz\u00f6fen abgeschafft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Landkommunen<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Am Anfang der Entwicklung standen Wasserbauprojekte zur agrarischen Neulandgewinnung in einigen Provinzen. Um die notwendigen Arbeitermassen daf\u00fcr freizustellen, wurden hier mehrere LPGs zu einem Gro\u00dfverbund zusammengefasst. Da durch die provinzielle Baut\u00e4tigkeit dann vor Ort die Arbeitskr\u00e4fte knapp wurden, sollten die Frauen die L\u00fccke f\u00fcllen. Um sie von Herd und Kindern zu entlasten, wurden soziale Gemeinschaftseinrichtungen geschaffen. Das noch regionale und provinzielle Kommune- Projekt entwickelte Gestalt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh nahm die Initiative im \u201aReich\u2018 als politisches Modell auf &#8211; mit einer unzeitgem\u00e4\u00dfen, utopischen Sto\u00dfrichtung. Im entsprechenden ZK-Beschluss vom 29.8. 1958 hie\u00df es u.a.: \u201eDie Bildung von Volkskommunen ist eine nat\u00fcrliche Entwicklungstendenz auf dem Lande.\u201c, eine Behauptung, die nicht ganz den Tatsachen entsprach. Die Volkskommunen waren ein Projekt der Partei. Des Weiteren hie\u00df es im Beschluss: \u201eUnsere Aufgabe im gegenw\u00e4rtigen Stadium ist der Aufbau des Sozialismus. Die Gr\u00fcndung der Volkskommunen soll in erster Linie das Tempo des sozialistischen Aufbaus beschleunigen. Der Aufbau des Sozialismus soll den \u00dcbergang zum Kommunismus aktiv vorbereiten. Die Verwirklichung des Kommunismus in China scheint keine Frage der fernen Zukunft mehr zu sein. Wir sollten die Form der Volkskommunen aktiv dazu benutzen, einen konkreten Weg f\u00fcr den \u00dcbergang zum Kommunismus zu erproben.\u201c (GNN, Okt. 1988, S. 29 &#8211; 32)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den H\u00e4nden der Maoisten entwickelte sich das \u201aExperiment\u2018 dann schnell zum Standardmodell auf dem Lande (dem irgendwann auch sp\u00e4ter st\u00e4dtische Kommunen folgen sollten; real dekretiert ab Sommer 1960, dann wieder aufgegeben). Vor allem arme LPGs auf dem Land begr\u00fc\u00dften den Schritt zur Volkskommune, erhofften sie sich doch Hilfen vom Staat und Hilfen durch reichere Kommunen. Doch gab es auch verdeckten Widerspruch unter den Bauern, der h\u00e4tte hellh\u00f6rig machen m\u00fcssen. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurden (auf Initiative der Partei) 740 000 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften in 26 578 Volkskommunen umgewandelt. \u201e Sie z\u00e4hlten \u00fcber 120\u00a0Millionen Haushalte und damit mehr als 99\u00a0Prozent aller Bauernfamilien.\u201c (H. Peters, 2009, S. 232)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch worin lagen die T\u00fccken des Projekts, die letztlich auch zu ihrem Scheitern beitrugen? Dazu nur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>einige <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anmerkungen:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die Volkskommunen waren viel zu gro\u00df dimensioniert. Sie konnten real 2.000, aber auch 29.000 Haushalte umfassen. \u201e Die ehemaligen LPG z\u00e4hlte im Schnitt 170 Haushalte, besa\u00dfen etwas \u00fcber 2.000 Mu (etwa 134 ha) Ackerland und 350 Arbeitskr\u00e4fte, die Volkskommune hingegen 5.000 Haushalte, \u00fcber 60.000 Mu (4.000ha) und 10.000 Arbeitskr\u00e4fte.\u201c (H. Peters, 2009, S. 236) Bei diesen (durchaus variablen) Gr\u00f6\u00dfen war ein Verwaltungschaos in Produktion und Leben eigentlich vorprogrammiert, zumal es an ausgebildeten und innovativen Verwaltern und Planern vor Ort mangelte. Das Kollektiv war vielerorts \u00fcberfordert. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bisher hatte es z.B. Produktions-, Kredit- oder Absatzgenossenschaften gegeben. Der Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Volkskommune war hingegen immens: Sie sollte Lokalindustrie, Handel, Erziehung, Miliz, Sozialpolitik, Gesundheitsvorsorge und Administration zu einer eigenst\u00e4ndigen &#8211; zudem politischen &#8211; Verwaltungs-Einheit in einer \u201aHand\u2018 b\u00fcndeln und sie entwickeln. Doch konnten weder der Staat noch die einzelnen Volkskommunen die immensen Anfangsinvestitionen ad hoc bereitstellen: Ein Projekt aus dem leeren Bauch. Hier sollte der politische Wille Berge versetzen. Nat\u00fcrlich waren und blieben die \u201asozialistischen LPGs\u2018 oder die \u201eVolkskommunen\u201c weiter Teil der Staats- und Parteipolitik: Unsinnig war hier z.B. die \u201aEmpfehlung\u2018 der Partei, den Acker einen halben Meter tief umzupfl\u00fcgen oder die \u201aEmpfehlung\u2018, durch dichteres S\u00e4en und Anpflanzen bei Getreide und Reis die Produktion zu steigern: Empfehlungen ohne wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung und Nutzen, verschwendete Arbeitskraft und Arbeitszeit. Unsinnig war auch die \u201aEmpfehlung\u2018 Maos, Millionen von Sperlingen und Spatzen im Masseneinsatz zu killen. Zwar fra\u00dfen die Viecher K\u00f6rner von den Feldern, aber eben auch Sch\u00e4dlinge. Das millionenfache Abschlachten aber zerr\u00fcttete das \u00f6kologische Gleichgewicht und zog eine Raupen- und Sch\u00e4dlingsplage in einigen Provinzen nach sich: ein verfehlter Aktionismus der Partei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; In der Volkskommune kam es zur weiteren Eigentumsumgestaltung, nicht immer ganz freiwillig und voll individueller \u00dcberzeugung. \u201eIn der bisherigen LPG-Praxis war den einzelnen Haushalten ein Anteil von rund 7% eines Mu (15 Mu = 1 ha) als Hofland zugebilligt worden, auf dem Gem\u00fcse und Obst angebaut und Schweine sowie H\u00fchner und Enten f\u00fcr den eigenen Bedarf gehalten werden konnten. Diese \u201ePrivatparzellen\u201c fielen nunmehr dem revolution\u00e4ren Rotstift zum Opfer. Obendrein wurde beschlossen, dass das Produktionseigentum der Volkskommune nach drei bis sechs Jahren zu Volkseigentum \u201eaufgewertet\u201c werden sollte.\u201c (O. Weggel, 1989, S.216) Als es in der weiteren Entwicklung zu gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen in China und zum \u201eGro\u00dfen Hunger\u201c kam, fehlten dann vor Ort die privaten Versorgungsebenen und das pers\u00f6nliche Engagement auf dem nicht mehr existierenden privaten Hofland.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; In der Volkskommune begann man vielerorts die Verteilungsmechanismen auf den Kopf zu stellen, obwohl f\u00fcr eine Verteilung nach dem kommunistischen Grundsatz \u201eJedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen\u201c, die gesellschaftlichen Voraussetzungen fehlten. Leider fehlen mir zu dieser zumeist \u00f6rtlichen Kader-Politik die statistischen Daten. In der Literatur finden sich aber Beispiele: \u201eHatte in der LPG noch weitgehend das Leistungsprinzip gegolten, so erfolgte die Verteilung in der Volkskommune tendenziell nach Bed\u00fcrfnissen. \u00dcberall begann der \u201eWind des Kommunismus\u201c (gongchan feng) zu wehen. In den \u201eVolksk\u00fcchen\u201c gab es \u201eReis ohne Bezahlung\u201c. Mehrere Provinzen praktizierten bereits 1958 das System \u201eZur H\u00e4lfte l\u00f6hnen, zur H\u00e4lfte frei verteilen\u201c. In einigen Kommunen kam es zur Einf\u00fchrung des ber\u00fcchtigten \u201eYi ping erh diao\u201c (eine Egalisierung, zwei Ausgleiche). Die \u201eEgalisierung\u201c lief hierbei auf leistungsunabh\u00e4ngige Entlohnung, der \u201edoppelte Transfer\u201c dagegen darauf hinaus, dass den wohlhabenderen D\u00f6rfern innerhalb einer Volkskommune \u00dcberschussprodukte und Arbeitskr\u00e4fte einfach weggenommen und ohne Entsch\u00e4digung auf die \u00e4rmeren D\u00f6rfer transferiert wurden.\u201c (O. Weggel, 1989, S. 216\/7)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; In der Volkskommune sollte sich eine Kollektivierung des Alltagslebens abspielen. Anprojektiert waren Gemeinschaftskantinen, W\u00e4schereien, Kinderg\u00e4rten, Schneiderateliers, Altersheime, selbst gemeinsame Schlafs\u00e4le usw. Auch Formen militarisierter Gemeinschaftarbeit wurden praktiziert. Neben der Freisetzung von weiblicher Arbeitskraft war bei all diesen Ma\u00dfnahmen wohl auch eine Aufl\u00f6sung der tradierten chinesischen Familienbindungen und der Familien\u00f6konomie beabsichtigt. \u201eIn den ersten Monaten der Durchf\u00fchrung der Politik des GS konnten durch die extensive Mobilisierung aller Arbeitskr\u00e4fte und durch Ausnutzung aller verf\u00fcgbaren Reserven relativ hohe wirtschaftliche Wachstumsraten erzielt werden. In einer \u201eAtmosph\u00e4re der Euphorie\u201c bem\u00fchte sich jeder nach Kr\u00e4ften, seinen Beitrag f\u00fcr den \u00dcbergang zum Kommunismus, der ja in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt zu sein schien, zu leisten.<br \/>\nDoch mehr und mehr Konflikte traten auf, nicht nur bei den sehr weitgehenden \u00c4nderungen des Sozialgef\u00fcges. Die schnelle Gr\u00fcndung kollektiver Einrichtungen war material- wie bewusstseinsm\u00e4\u00dfig nicht vorbereitet worden. Es fehlte an R\u00e4umlichkeiten und die Ausstattung der Gemeinschaftsr\u00e4ume war meist behelfsm\u00e4\u00dfig. Die in den kollektiven Einrichtungen Besch\u00e4ftigten zeigten kein ausreichendes kollektives Verantwortungsgef\u00fchl z. B. gegen\u00fcber Kindern anderer Kommunemitglieder oder beim Umgang mit Gemeinschaftseigentum. So f\u00fchrten die kollektive Nutzung und der kollektive Verbrauch von G\u00fctern, die es in den ersten Monaten des Gro\u00dfen Sprungs reichlicher als in den vergangenen Jahren gab, zun\u00e4chst zu einer gewissen G\u00fcterverschwendung, die jedoch in der Folge wiederum eine G\u00fcterknappheit bedingte.\u201c (M. Leutner, 1999, S. 119)<br \/>\nAuch die Form der von Mao propagierten \u201eVolksk\u00fcchen\u201c trug zur G\u00fcterknappheit bei. Gegr\u00fcndet um die Frauen von der Hausarbeit zu entlasten und es ihnen zu erm\u00f6glichen, in den kollektiven Arbeitsprozess einzutreten, gingen viele (wie viele?) Einrichtungen schon bald dazu \u00fcber, die Mahlzeiten kostenlos abzugeben. Hier essen war Pflicht. Vorr\u00e4te, ja selbst Saatgut wurden gedankenlos konsumiert und verschwendet. Zwar hob auch Mao, nach anf\u00e4nglicher Begeisterung ob des Kollektivismus der Gemeinschaftsk\u00fcchen, einige Male mahnend den Finger, man m\u00f6ge heute weniger konsumieren, um morgen mehr zu haben. Doch ein wirkliches Stoppzeichen setzte auch er nicht. Bereits Ende 1958 waren die Volksk\u00fcchen gezwungen, das Essen zu rationieren. \u201eDie Suppen wurden immer d\u00fcnner\u201c, bis auch sie nicht mehr da waren. Erst 1961 wurden die Volksk\u00fcchen und der Zwang, hier zu essen, offiziell abgeschafft. Jetzt durfte man wieder zu Hause kochen und in der Familie essen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle Initiativen des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c, die Wasserbau-, Stahl- und Kommune- Kampagne, liefen fast gleichzeitig ab und verst\u00e4rkten so wechselseitig ihre Negativseiten.<br \/>\nDie Lebensmittelproduktion im \u201aReich\u2018 brach gro\u00dffl\u00e4chig ein &#8211; meiner Ansicht nach als Folge und Reaktion auf den \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c. Die Versorgung der Bev\u00f6lkerung versagte. In China begannen die \u201edrei bitteren Jahre.\u201c<br \/>\nVersch\u00e4rft wurde die Lage noch 1959 &#8211; 1961 durch diverse Naturkatastrophen und eine z\u00f6gerliche Bitte von Staat und Partei um Lebensmittel-Hilfe aus dem Ausland, um die Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren sowie durch den verz\u00f6gerten Ankauf von Fremdgetreide zum selben Zweck. Sch\u00e4tzungsweise 15 bis 46 Mill. Menschen (Zahlen je nach Autor) sind im Verlauf der Ereignisse verhungert (Literatur u.a.: Yang Jisheng, 2012).<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst nach den bitteren Ergebnissen und innerparteilichen K\u00e4mpfen (und als die Speicher in den gro\u00dfen St\u00e4dten fast leer waren) hat man die Kampagnen des \u201eGro\u00dfen Sprungs \u201c zwischen 1960 und 1962 &#8211; schrittweise und in Zickzackbewegungen &#8211; abgebrochen und einzelne zwischenzeitlich eingeleitete Reformen verst\u00e4rkt oder realisiert. (Zur Periodisierung des \u201eGro\u00dfen Sprungs nach vorne\u201c siehe u.a.: F. Wemheuer, 2004.)<br \/>\nErst diese sich weiter entwickelnden Reformen leiteten den erneuten \u00f6konomischen Aufschwung 1962 &#8211; 1965 ein. Bis zum n\u00e4chsten politischen Crash &#8211; der \u201eKulturrevolution\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Revolution\u00e4re Ungeduld<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sieht man die vielf\u00e4ltigen (hier oben nur auswahlweise angesprochenen) \u00f6konomischen und politischen Kampagnen der KPCh nach 1949 im Zusammenhang, so wird deutlich, dass sich das Karussell der politischen und sozialistischen Ma\u00dfnahmen, ja auch dasjenige der Repressionen immer schneller drehte, auch um die Hemmnisse und Wiederst\u00e4nde zu brechen. Treibende Kr\u00e4fte dazu waren in der Partei ihr Vorsitzender Mao Tse-tung und die Maoisten.<br \/>\nSkizzieren wir einige <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Geschichtsetappen: <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1) China: 1949 &#8211; 1953<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Am 1. Okt. 1949, mitten im B\u00fcrgerkrieg, gab (in Personalunion) der Sprecher des Oberkommandos der Volksbefreiungsarmee und Parteivorsitzender der KPCh, Mao Tse-tung in Peking die Gr\u00fcndung der \u201eVolksrepublik China\u201c bekannt. Acht revolution\u00e4re, nichtkommunistische Organisationen und Parteien applaudierten und unterst\u00fctzten den Akt, so die \u201eDemokratische Liga\u201c und das \u201eRevolution\u00e4re Komitee der Guomindang\u201c usw. (Organisationen, die in der Neuen \u201ePolitischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes\u201c organisiert waren und die dann \u00fcber dessen Plenum an der Regierungsbildung mitwirkten). Definiert wurde der neue Staat durch die KPCh und obige Unterst\u00fctzer als \u201edemokratische Diktatur des Volkes\u201c unter F\u00fchrung der Arbeiterklasse, deren Staatsapparat nach dem Modell der \u201eNeuen Demokratie\u201c (der KPCh) agieren sollte, gest\u00fctzt auf ein politisches B\u00fcndnis der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums. Das h\u00f6chste Staatsorgan bildete nun der eingesetzte \u201eRat der Zentralen Volksregierung\u201c (mit ihrem Vorsitzenden (Parteigenosse) Zhou Enlai , der zugleich als Au\u00dfenminister der VR. China fungierte). Der Oberbefehl \u00fcber die Volksbefreiungsarmee lag weiterhin (bis zu seinem Tode im Sep. 1976) beim Parteivorsitzenden der KPCh, Mao Tse-tung. Die KPCh war der faktische Herrscher Chinas. Diese Konstellation konnte sich Anfang der 50er auf eine breite Zustimmung in der l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung Chinas st\u00fctzen.<br \/>\nVom Sozialismus war damals allerdings noch nicht die Rede. In den Schriften Maos vom M\u00e4rz 1950 hie\u00df es dazu lapidar: \u201eDie Ansicht einiger Leute, es sei schon zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt m\u00f6glich, den Kapitalismus zu beseitigen und den Sozialismus einzuf\u00fchren, ist falsch, stimmt mit den Bedingungen in unserem Land nicht \u00fcberein.\u201c (A. Werke V., S. 27) Wer wollte dem widersprechen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bereits im Juni 1952 erkl\u00e4rte Mao Tse-tung in der Partei: \u201eMit dem Sturz der Grundherrenklasse und der Klasse der b\u00fcrokratischen Kapitalisten ist der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie der Hauptwiderspruch in China geworden; deshalb soll die nationale Bourgeoisie nicht weiter als Zwischenklasse definiert werden.\u201c (A. Werke V., S. 83).<br \/>\nIm Sept. 1952 begann Mao das Thema der Einleitung des \u00dcbergangs zum Sozialismus im F\u00fchrungskreis der KPCh zu thematisieren. Zentral war dabei <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>f\u00fcr ihn<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (so H. Peters) der erreichte Grad und das Wachstum im staatlichen Sektor der Volkswirtschaft. &#8211; Mao Tse-tung fand f\u00fcr seinen Vorschlag, zum Aufbau des Sozialismus \u00fcberzugehen, sowohl Unterst\u00fctzung in der Partei wie m\u00e4\u00dfigen Widerspruch bei Liu Shaoqi, der l\u00e4nger an der \u201eNeudemokratischen Gesellschaftsordnung\u201c festhalten wollte. Letztlich wurde die \u201eGenerallinie f\u00fcr den \u00dcbergang\u201c (d.h. die Parteilinie bei der Industriealisierung und die der sozialistischen Umgestaltung) in den F\u00fchrungsgremien der Partei auf ca. drei F\u00fcnfjahrespl\u00e4ne festgelegt. (Das w\u00e4re von 1952\/53 an gerechnet eine Zeitspanne bis ins Jahr 1967\/68). Schon diese Plandaten waren eine b\u00fcrokratische Festlegung.<br \/>\n\u201eUm sicher zu sein, wurde Stalin zu diesen \u00dcberlegungen konsultiert. Das geschah in einem Brief, den Liu Shaoqi im Auftrage Maos schrieb, als er die chinesische Delegation zum XIX. Parteitag der KPdSU(B) leitete. Stalin stimmte diesen \u00dcberlegungen zu, meinte jedoch, der \u00dcbergang solle allm\u00e4hlich erfolgen.\u201c (H. Peters, 2009, S. 158) Also nach Stalins Vorstellung \u201eallm\u00e4hlich\u201c und nicht sprunghaft oder galoppierend. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2) China : 1953 \u2013 1956<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mao Tse-tung selber schrieb dann im Juni 1953, gegen \u201erechtsopportunistische\u201c Str\u00f6mungen in der Partei gewandt: \u201eDie Generallinie oder allgemeine Aufgabe der Partei in der \u00dcbergangsperiode ist es, in zehn bis f\u00fcnfzehn oder noch etwas mehr Jahren die Industrialisierung des Landes und die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft, des Handwerks, der kapitalistischen Industrie und des kapitalistischen Handels im wesentlichen zu verwirklichen. Diese Generallinie ist der Leitstern f\u00fcr all unsere Arbeit. Wir d\u00fcrfen von dieser Generallinie nicht abgehen, sonst werden wir \u201elinke\u201c oder rechte Fehler begehen.\u201c (A. Werke V., S. 101)<br \/>\nDoch bereits zwei Monate sp\u00e4ter, im Aug. 1953, datierte Mao selber (in einer Weisung an Tschou En-lai) den Beginn der \u201e\u00dcbergangsperiode\u201c auf das Jahr 1949 vor, und verk\u00fcrzte das \u201aModell\u2018 damit erstmalig um 4 Jahre. (A. Werke V., S. 112) &#8211; Es war nicht die letzte Abk\u00fcrzung der Wegstrecke zum \u201aSozialismus\u2018.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Im Sept. 1954 verabschiedete der aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene \u201e1. Nationale Volkskongress\u201c die \u201eVerfassung der Volksrepublik China\u201c. (F. Farner, 1964, darin Schriftausz\u00fcge, S. 280 -289) Der Text definierte den gegenw\u00e4rtigen Gesellschaftszustand Chinas als \u201e\u00dcbergangsperiode\u201c. Die Hauptaufgabe des Staates best\u00e4nde darin \u201edie allm\u00e4hliche sozialistische Industrialisierung des Landes durchzuf\u00fchren und allm\u00e4hlich die sozialistische Umgestaltung in der Landwirtschaft und im Handwerk wie auch in der kapitalistischen Industrie zu vollenden.\u201c Die Volksrepublik sei ein \u201evolksdemokratischer Staat, der von der Arbeiterklasse gef\u00fchrt wird und seine Grundlage in dem B\u00fcndnis der Arbeiter und Bauern hat.\u201c Zentrales Machtorgan sei \u201eder Nationale Volkskongress und die \u00d6rtlichen Volkskongresse\u201c (Wunschtraum, nicht Realit\u00e4t, d. V.).<br \/>\nVier Eigentumsformen wurden im Verfassungstext benannt: Staatseigentum, das hei\u00dft Volkseigentum; genossenschaftliches Eigentum, das hei\u00dft kollektives Eigentum der Werkt\u00e4tigen; Eigentum der individuellen produzierenden Werkt\u00e4tigen; Eigentum der Kapitalisten. Das Grundgesetz garantierte im Rahmen der Rechtsprechung all diese Eigentumsformen. Allerding hie\u00df es bezogen auf das Eigentumsrecht der Kapitalisten an den Produktionsmitteln: \u201eGegen\u00fcber der kapitalistischen Industrie und dem kapitalistischen Handel betreibt der Staat eine Politik der Ausnutzung, der Einschr\u00e4nkung und der Umwandlung\u201c. Er \u201eersetzt allm\u00e4hlich das kapitalistische Eigentum durch Volkseigentum\u201c.<br \/>\nIm April 1956 wird Mao zu den \u201eNichtkommunistischen Parteien\u201c r\u00fcckblickend ausf\u00fchren: Sie wollten \u201ekeine Verfassung vom sozialistischen Typ. Doch als der Verfassungsentwurf herauskam, haben sie zustimmend die Hand gehoben.\u201c (A. Werke V., S. 334\/35) In der Tat, die B\u00fcrger, die Linksliberalen usw. im Volkskongress unterschrieben ihr eigenes politisches Todesurteil, sei es aus Einsicht, Unkenntnis oder Opportunismus.<br \/>\nDabei bleibt noch anzumerken, dass die auch von Mao mitgestaltete \u201asozialistische\u2018 Staats-Verfassung von 1954 dem angeblichen F\u00fchrer der Gesellschaft, der Arbeiterklasse, aber auch dem individuellen Arbeiter (und den Gewerkschaften) im Text nicht einmal das formale Streikrecht zubilligte.<br \/>\n1954 jedenfalls begann das politische und \u00f6konomische Ende der alten Bourgeoisie in China &#8211; auf Beschluss der Partei. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1954 &#8211; 1956 wurde die restliche nationale Bourgeoisie Chinas \u201aausgekauft\u2018. Es war (wie oben aufgezeigt) eine schleichende Enteignung und politische Marginalisierung der Bourgeoisie, die als Klasse (langsam) aufh\u00f6rte zu existieren. Im Zuge der Entwicklung verloren auch die parteilosen Mitglieder im Staatsrat ihren Posten. Wer das als Parteimitglied innerhalb und au\u00dferhalb der KPCh kritisierte, verlor als \u201eRechtsabweichler\u201c seine Position. (Dok. bei G. Hillmann, 1967, S. 203 -207)<br \/>\nBeide Ma\u00dfnahmen, die \u00f6konomische und politische Ausschaltung der Nationalen Bourgeoisie <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>als Klasse<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> bedeutete letztlich das Ende der politischen \u201eNeuen Demokratie\u201c in China: f\u00fcr das Land ein bedeutender Einschnitt.<br \/>\nMeiner Ansicht nach war dieser <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vorzeitig, ja voreilig<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> vollzogene Akt ein politischer Fehler mit Langzeitfolgen. Warum? Nat\u00fcrlich lag Mao gegen\u00fcber seinen Kritikern mit der Auffassung richtig, dass es selbst noch im Sozialismus Klassen, Klassenwiderspr\u00fcche und Klassenkampf gibt und geben wird. Doch war der Umkehrschluss keineswegs zwingend, diese Nationale Bourgeoisie Chinas als Klasse zeitnah \u00f6konomisch wie politisch zu eliminieren.<br \/>\nZum Einen war die chinesische Bourgeoisie damals keineswegs durchg\u00e4ngig kapitalistisch, zum Anderen war sie (als nichtkapitalistische Unternehmer und H\u00e4ndler oder als Kapitalisten) zu diesem Zeitpunkt weder willens noch in der Lage, die bestehende Ordnung Chinas zu st\u00fcrzen (was Mao damals auch selber formulierte. Erst in der \u201eKulturrevolution\u201c wurde das Gegenteil pauschal behauptet). Die Volksbefreiungsarmee stand ja ebenfalls fest zur KPCh und ihrem Staat. Statt Tabula rasa zu machen, h\u00e4tte die KPCh unter Wahrung ihrer F\u00fchrung und Hegemonie daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, diese Nationale Bourgeoisie politisch reguliert und kontrolliert in den Dienst der Gesellschaft zu stellen; das Proletariat war zudem in seiner Substanz auszubauen und als Klasse in die wirkliche Lage zu versetzen, die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>politische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Anleitung der Gesellschaft und die der Produktion zu leisten;<br \/>\nweiterhin war das Kulturniveau des Volkes zu heben z.B. durch den weiteren Ausbau des Bildungssystems und der Alphabetisierung (denn 1949 waren 80% der Chinesen Analphabeten) usw. Anders gesagt: die Notwendigkeit, aber auch die M\u00f6glichkeiten der \u201eNeuen Demokratie\u201c f\u00fcr China, ja f\u00fcr die Sache des Sozialismus, waren noch keineswegs ersch\u00f6pft. Man h\u00e4tte an der \u201eNeuen Demokratie\u201c, d. h. an dem politischen B\u00fcndnis mit der Nationalen Bourgeoisie (also auch an ihrer Existenz) in einer <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratisch verfassten Republik <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">noch eine ganze Weile festhalten m\u00fcssen. &#8211; Doch die Parteif\u00fchrung entschied (fl\u00fcgel\u00fcbergreifend!) anders.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Zwischen 1951 bis 1956 wurde (wie oben beschrieben) die Genossenschaftsbewegung in China vorangetrieben, anf\u00e4nglich durchaus im verhaltenen Konsens von Partei und Bauernschaft. Erst als man daranging, die LPGs der h\u00f6heren \u201esozialistischen Stufe\u201c 1955 \u2013 1957 auf Biegen und Brechen durchzudr\u00fccken, entwickelten sich dazu weitere Widerspr\u00fcche in Gesellschaft und Partei.<br \/>\nDie Beschl\u00fcsse des 8. Parteitags der KPCh vom Sept. 1956 bremsten dann die Mao-Fraktion in ihrem Bestreben nach einer allzu raschen Kollektivierung ab: Die \u201eerste Periode der politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Stabilisierung und des Beginns sozialistischer Umgestaltung fand ihren Abschluss am 8. Parteitag der KPCh. Zu diesem Parteitag &#8211; der 7. hatte 11 Jahre zuvor stattgefunden &#8211; hatten die inzwischen 10,3 Millionen Mitglieder der KPCh 1.026 Delegierte entsandt, die erstmals in der Geschichte der Partei gew\u00e4hlt worden waren. Der Parteitag zog insgesamt eine erfolgreiche Bilanz, revidierte jedoch die Politik der beschleunigten Kollektivierung und Verstaatlichung und kehrte damit zur Generallinie von 1952, n\u00e4mlich einer schrittweisen sozialistischen Umgestaltung zur\u00fcck. Als Hauptaufgabe wurde die Entwicklung der nach wie vor r\u00fcckst\u00e4ndigen Produktivkr\u00e4fte, eben die Entwicklung Chinas zu einem fortgeschrittenen Industrieland, festgehalten. Der Parteitag kritisierte sog. Linke Abweichungen und setzte sich f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung innerparteilicher Demokratie, zum Schutz b\u00fcrgerlicher Rechte und zur Festigung der Gesetzlichkeit ein und lehnte Erscheinungen des Personenkultes &#8211; das bezog sich auf Mao Zedong &#8211; ab. So wurden im Parteistatut auch nicht mehr wie 1945 die Mao-Zedong-Ideen, sondern der Marxismus-Leninismus als ideologisch-theoretische Grundlage der KPCh bezeichnet. Alte Gegner Mao Zedongs \u2026. kehrten ins Zentralkomitee (ZK) zur\u00fcck. Mao Zedong blieb jedoch Vorsitzender des ZK.\u201c (M. Leutner, 1999, S.116)<br \/>\nDoch f\u00fcr Mao und Gefolgschaft waren die Kritiker und Bremser <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>in der Partei<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> schon bald nicht nur Rechtsopportunisten, sondern Feinde des sozialistischen Aufbaus. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3) China: 1957 \u2013 1962<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; \u201eNach dem 8. Parteitag setzten in der Diskussion um den zweiten F\u00fcnfjahresplan in der Spitze der KPCh Debatten um die weitere Ausgestaltung des sozialistischen Entwicklungsweges Chinas ein. W\u00e4hrend die Wirtschaftsfachleute entsprechend den Beschl\u00fcssen des Parteitages eine stetige Fortsetzung bisheriger Planpolitik, weitgehend orientiert am sowjetischen Modell, bef\u00fcrworteten, trat Mao Zedong und seine Anh\u00e4nger f\u00fcr eine st\u00e4rkere Intensivierung des Entwicklungstempos zum Sozialismus ein; dabei sollte an die Erfahrung angekn\u00fcpft werden, die in den von der KPCh in den vierziger Jahren kontrollierten Gebieten gemacht waren: Mobilisierung der Massen, Betonung von Ideologie und Propaganda, Orientierung an der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung als Haupttr\u00e4ger der Entwicklung. In den folgenden Jahren kristallisierten sich in der politischen Praxis zwei unterschiedliche Entwicklungsmodelle heraus: das Modell Mao Zedongs, das mit dem Gro\u00dfen Sprung \u2026, den Volkskommunen \u2026, der Massenmobilisierung und nicht zuletzt mit der Idee der permanenten Revolution und des Klassenkampfes verbunden werden kann, und das Modell seiner Gegenspieler, n\u00e4mlich zun\u00e4chst Peng Dehuais, sp\u00e4ter Liu Shaoqis und Deng Xiaopings, welches Kontinuit\u00e4t der Entwicklung, LPGs und Beibehaltung kleiner Privatzellen der Bauern, Parteiorganisation und -beschl\u00fcsse, materielle Anreize und wirtschaftlichen Aufbau in den Vordergrund stellte. In der politischen Praxis setzte sich zun\u00e4chst Maos Programm durch, wurde jedoch aufgrund des sich daraus entwickelnden volkswirtschaftlichen und politischen Desasters immer wieder in Richtung der Gegenlinie modifiziert, bis zum Ende der Periode beide Linien sich die Waage hielten, ehe Mao Zedong mit der Kulturrevolution seinen konsequentesten Versuch zur Umsetzung seiner Entwicklungskonzeption machen sollte.\u201c (M. Leutner, 1999, S.116-7) <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anfang 1957 sagte Mao: \u201eIn unserem Lande ist, was das Eigentum betrifft, die sozialistische Umgestaltung im wesentlichen vollzogen und sind die f\u00fcr die Periode der Revolution charakteristischen umfassenden und st\u00fcrmischen Klassenk\u00e4mpfe der Massen im wesentlichen beendet; \u00dcberreste der gest\u00fcrzten Klassen der Grundherren und Kompradoren sind aber noch vorhanden, die Bourgeoisie besteht noch, und das Kleinb\u00fcrgertum ist gerade erst im Begriff, sich umzuerziehen. Der Klassenkampf ist noch nicht zu Ende.\u201c<br \/>\nMitte 1957 hie\u00df es bei Mao: \u201eF\u00fcr sich allein genommen war die sozialistische Revolution von 1956 an der wirtschaftlichen Front (bez\u00fcglich des Eigentums an den Produktionsmitteln) noch nicht ausreichend, sie ist auch nicht abgesichert. \u2026 Auch an der politischen und ideologischen Front muss es noch eine durchgreifende sozialistische Revolution geben.\u201c (A. Werke V., S. 462 \/ 542)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Zugleich reagierte Mao Tse-tung mit einer Reihe bemerkenswerter Schriften und Reden auf einige Probleme und Ereignisse im Ostblock und in China, darunter die Arbeit \u201e\u00dcber die richtige Behandlung der Widerspr\u00fcche im Volk\u201c. Darin erkl\u00e4rte Mao u.a.: In unserem Land geh\u00f6rt der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie zu den Widerspr\u00fcchen im Volk. Der Klassenkampf zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie geh\u00f6rt im allgemeinen zum Klassenkampf innerhalb des Volkes, da der Charakter der nationalen Bourgeoisie in unserem Land zwiesp\u00e4ltig ist. In der Periode der sozialistischen Revolution beutet sie einerseits die Arbeiterklasse des Profits wegen aus, aber gleichzeitig unterst\u00fctzt sie die Verfassung und ist bereit, die sozialistische Umgestaltung zu akzeptieren. Der Widerspruch zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse, ein Widerspruch zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten, ist an und f\u00fcr sich ein antagonistischer. Aber unter den konkreten Bedingungen unseres Landes kann dieser antagonistische Klassenwiderspruch, wenn er richtig behandelt wird, in einen nichtantagonistischen umgewandelt und auf friedlichem Wege gel\u00f6st werden. Wenn wir ihn jedoch nicht richtig behandeln und uns gegen\u00fcber der nationalen Bourgeoisie nicht der Politik des Zusammenschlusses, der Kritik und der Erziehung bedienen, oder wenn die nationale Bourgeoisie diese Politik nicht akzeptiert, kann sich der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen Bourgeoisie in einen Widerspruch zwischen uns und dem Feind verwandeln. \/ Weiter hie\u00df es: Die Widerspr\u00fcche zwischen uns und dem Feind sind antagonistische Widerspr\u00fcche. Was die Widerspr\u00fcche im Volk betrifft, sind die unter den Werkt\u00e4tigen nicht antagonistisch, w\u00e4hrend die Widerspr\u00fcche zwischen den Klassen der Ausgebeuteten und Ausbeuter neben ihrem antagonistischen auch einen nichtantagonistischen Aspekt haben. Zu den Widerspr\u00fcchen im Volk geh\u00f6ren unter den gegenw\u00e4rtig in China bestehenden Verh\u00e4ltnissen: Widerspr\u00fcche innerhalb der Arbeiterklasse, Widerspr\u00fcche innerhalb der Intelligenz, Widerspr\u00fcche der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, Widerspr\u00fcche \u2026 usw., usw. Unsere Volksregierung ist eine Regierung, die wirklich die Interessen des Volkes vertritt und dem Volk dient, doch bestehen auch gewisse Widerspr\u00fcche zwischen der Regierung und den Volksmassen. Zu diesen Widerspr\u00fcchen geh\u00f6ren wechselseitige Widerspr\u00fcche zwischen den Interessen des Staates, der Kollektive und der Einzelpersonen, Widerspr\u00fcche zwischen Demokratie und Zentralismus, zwischen F\u00fchrenden und Gef\u00fchrten sowie Widerspr\u00fcche zwischen gewissen Funktion\u00e4ren des Staates mit b\u00fcrokratischem Arbeitsstil und den Massen. All das sind auch Widerspr\u00fcche im Volke. Allgemein gesagt, sind die Widerspr\u00fcche in Volke Widerspr\u00fcche auf dem Boden der grundlegenden Einheit der Interessen des Volkes. (siehe: Mao Tse-tung, A. Werke V.)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Intellektuellen und Kritiker in China wurden folglich aufgefordert, ihre Meinung und Kritik frei zu \u00e4u\u00dfern (allerdings auch animiert, Selbstkritik zu \u00fcben), um den Sozialismus in China besser zu machen und seine Entwicklung voranzutreiben. Nicht alle Parteigr\u00f6\u00dfen waren mit dieser anvisierten, begrenzten Freigabe der Kritik einverstanden, bef\u00fcrchteten sie doch Turbulenzen in der Gesellschaft. Mao jedoch setzte die Ver\u00f6ffentlichung seiner Rede vom Feb. 1957 (allerdings in entsch\u00e4rfter Form) im Juni 1957 in schriftlicher Fassung durch, sowohl innerhalb wie au\u00dferhalb der Partei. Mao polemisierte dabei gegen jene Gen., die nur eine \u201eganz kleine Demokratie\u201c wagen wollten. Not t\u00e4te jedoch die \u201eganz gro\u00dfe Demokratie\u201c. Kein Marxist br\u00e4uchte die Wahrheit zu f\u00fcrchten. Nur Giftkr\u00e4uter seien auszurei\u00dfen. Nun nahmen viele Diskutanten den Ausspruch w\u00f6rtlich \u201eLasst hundert Blumen bl\u00fchen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Partei hatte eine Reflexion und Kritik zu Themen der Kunst und Wissenschaft erwartet, ja erhofft. Kritisiert wurden \u00f6ffentlich jedoch die gesellschaftlichen Missst\u00e4nde der Zeit, aber auch der politische F\u00fchrungsanspruch der KPCh wurde von nicht wenigen in Frage gestellt. F\u00fcr Mao (aber auch f\u00fcr die sog. \u201aPartei-Leninisten\u2018) schlug damit die Aussprache zur Verbesserung des Sozialismus in ihr Gegenteil um. Im Sommer 1957 wurde die durchaus ernst gemeinte Debatte erg\u00e4nzt und in eine Ausrichtungsbewegung umgekehrt, in eine Kampagne gegen die sog. \u201eB\u00fcrgerliche Rechte\u201c. Nun hatte man aber, ob bewusst oder unbewusst geplant, die \u201aSchlange\u2018 aus der H\u00f6hle gelockt. Wessen politische Meinung f\u00fcr zu leicht oder f\u00fcr falsch befunden wurde, unterlag nunmehr der \u201aUmerziehung\u2018. Daneben hagelte es Repressionen gegen die angeblichen oder echten Feinde des Sozialismus. 2. Mill. Menschen wurden \u00fcberpr\u00fcft, 300.000 &#8211; 550.000 Intellektuelle und Parteimitglieder als \u201erechte Elemente\u201c angegriffen und verfolgt, gema\u00dfregelt. Sie verloren ihre staatsb\u00fcrgerlichen Rechte, ihren Arbeitsplatz, ihre Position, landeten im Arbeitslager oder in der Verbannung. \u00dcber einzelne Hinrichtungen wird berichtet. Diese letztlich janusk\u00f6pfige Kampagne zerr\u00fcttete das Verh\u00e4ltnis von Partei und Intelligenz nachdr\u00fccklich. In der Partei aber ging fortan die Furcht um (z.B. in den sogenannten \u201eKampfversammlungen\u201c), den \u201eRechten Hut\u201c aufgesetzt zu bekommen. Misstrauen, Denunziation, Leisetreterei, aber auch vorrauseilender Gehorsam in Sache \u201aLinkswendung\u2018 haben sich in der Partei verst\u00e4rkt und ausgebreitet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1958 begann in China der \u201eGro\u00dfe Sprung nach vorne\u201c; der beschleunigte Aufbau des Sozialismus einschlie\u00dflich der darin enthaltenen Stahl- und Kommune-Kampagne. (siehe oben) \u00dcber die Beweggr\u00fcnde zu diesem Schritt gibt es viele Theorien, die hier nicht aufgeschl\u00fcsselt und bewertet werden k\u00f6nnen. (\u00dcbersicht u.a. bei Felix Wemheuer, 2004) <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F. Wemheuer selber favorisierte folgende Erkl\u00e4rung: \u201eViele Autoren haben sich dar\u00fcber den Kopf zerbrochen, warum Mao die angeblich erfolgreiche Politik von 1956\/57 durch den irrationalen &gt;Gro\u00dfen Sprung nach vorn&lt; ersetzte. Ich betrachte hingegen den &gt;Gro\u00dfen Sprung&lt; als Flucht nach vorn aus einer politischen und sozialen Krise der chinesischen Gesellschaft.\u201c (F. Wemheuer, 2010, S.87) Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf einige Tatsachen: 1957 erlebte China die gr\u00f6\u00dfte Streikwelle seiner j\u00fcngeren Geschichte; der \u201ezivilgesellschaftliche Protest\u201c nahm zu; unter den Bauern gab es eine gro\u00dfe Austrittswelle aus den neu gegr\u00fcndeten genossenschaftlichen Kollektiven; vielerorts hielten die Bauern Teile ihre Ernteertr\u00e4ge zur\u00fcck, da sie mit den niedrigen Ankaufspreisen des Staates nicht einverstanden waren; die Agrarproduktion stagnierte; Spannungen zwischen den mit Lebensmitteln bevorzugten St\u00e4dten und den Bauern traten auf; usw. (Alles das sind Tatsachen. Ob der Autor mit dieser Aufz\u00e4hlung aber <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>auch<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> subtil auf die russische Geschichte -Stichwort Geschichte der Zwangskollektivierung unter Stalin &#8211; anspielen m\u00f6chte, wei\u00df ich nicht. Ein solcher ahistorischer Analogieschluss auf die sowjetischen Entscheidungen w\u00e4re jedoch falsch; d. V.).<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei H. Peters hei\u00dft es hingegen bezogen auf die Volkskommunen: \u201eIn der Bildung von Volkskommunen sehe ich eine logische Fortsetzung der Politik Mao Zedongs seit 1953, beginnend mit dem Dorf auf der Grundlage einer immer weiter greifenden Abschaffung des Privateigentums (zun\u00e4chst noch begrenzt auf Produktionsmittel) st\u00e4ndig gr\u00f6\u00dfere Produktionseinheiten zu schaffen und ihre Entwicklung der zentralstaatlichen Leitung zu unterwerfen. Es war deshalb auch kein Zufall, dass die engere Parteif\u00fchrung in der ersten H\u00e4lfte 1958 nach der Bildung von Gro\u00dfgenossenschaften auf dem Lande diese Politik weiter voranzutreiben begann.\u201c (H. Peters, 2009, S. 231) Auch f\u00fcr diese Mutma\u00dfung spricht einiges.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In einer Fu\u00dfnote reflektierte der Autor H. Peters au\u00dferdem die grunds\u00e4tzlichen Weichenstellungen der Politik in China hin zum \u201e Abschluss des Sozialismus und \u00dcbergang zum Kommunismus\u201c : \u201eIch schlie\u00dfe nicht aus, dass die damit einsetzende Forcierung des \u00dcbergangs Chinas zum Kommunismus gewisserma\u00dfen in Konkurrenz mit den \u00dcberlegungen Chruschtschows stand, in der UdSSR zum Aufbau des Kommunismus \u00fcberzugehen.\u201c (ebenda S. 231)<br \/>\nF. Wemheuer meint hingegen: \u201e Die Entwicklung in der Sowjetunion nach dem 20.Parteitag spielte bei dieser Wende (von 1956\/57 zum \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c d.V.) nur eine untergeordnete Rolle.\u201c Allerdings l\u00e4sst der Autor dann den Leser im Unklaren, worin die \u201euntergeordnete Rolle\u201c der SU beim Kurswechsel in China, die er ja selber anspricht, bestehen k\u00f6nnte. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich sehe durchaus einen indirekten Einfluss Chruschtschows (und der SU) auf die Ereignisse in China. Es f\u00e4llt schwer, diesen Einfluss zu gewichten und eindeutig fest zu machen. Doch es gab ihn: Sowohl der sowjetische Politiker Chruschtschow wie sein chinesisches Gegenst\u00fcck Mao Tse-tung waren nach 1950 Vertreter einer <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>linken<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u201ekommunismuspolitischen Linie\u201c. Beide Pers\u00f6nlichkeiten konkurrierten um den \u201arichtigen Weg\u2018 zum Kommunismus in k\u00fcrzester Zeit, ja um die F\u00fchrung im Lager des Weltkommunismus. Ihre Ideologien, Mittel und Wege aber unterschieden sich. Dennoch trieben sie sich bei ihren Ank\u00fcndigungen und im Ma\u00dfnahmenkatalog voran &#8211; bei gegenseitiger Abneigung im privaten und politischen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dazu einige Beispiele:<br \/>\n&#8211; 1951 scheiterte Chruschtschow in der Sowjetunion mit seinem \u201eAgrostadt-Projekt\u201c am Einspruch Stalins und G.M. Malenkows. Der von Chruschtschow bereits in seiner Ukraine-Zeit entwickelte Plan sah vor, etwa 4 (verstreute) Kolchosen zu einem Gro\u00dfbetrieb zu vereinigen. Mit ihren 10.000 &#8211; 12.000 Menschen w\u00e4re, so die Idee, eine \u201eAgrostadt\u201c (mit entsprechenden Einrichtungen) im Entstehen begriffen. Eigene Baubrigaden der Kolchosen sollten hier mit Hilfe des Staates die Infrastruktur der Kleinst\u00e4dte erstellen. Was in der Ukraine angetestet worden war, sollte nun, so der Vorschlag, auf die armen Gebiete um Moskau \u00fcbertragen werden. Der Plan scheiterte am entschiedenen Widerstand Stalins. (R. Medwedjew, 1984, S. 81 &#8211; 83)<br \/>\nNach dem Tode Stalins 1953 forcierte Chruschtschow die Neulandgewinnung in Sibirien und in Kasachstan im gro\u00dfen Stil, gest\u00fctzt auf den Enthusiasmus der sowjetischen Jugend. Hier installierte er die gro\u00dfen Staatsg\u00fcter, die Sowchosen als politische Alternative zum Kolchos auf dem \u201eAltland\u201c.<br \/>\n&#8211; \u201eIm November 1957 nahm Mao Zedong an der Spitze einer Delegation an der Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien aller L\u00e4nder in Moskau teil. Auf dieser Konferenz ist er vom Sekret\u00e4r des ZK der sowjetischen Kommunisten Chruschtschow inspiriert worden, auf die Frage einer \u00dcberfl\u00fcgelung Englands und einer Einholung Amerikas zu sprechen zu kommen. Am 6.November hatte Chruschtschow auf der Versammlung des Obersten Sowjets bekanntgegeben, die Sowjetunion werde binnen 15 Jahren auf den wichtigsten Produktionsgebieten Amerika nicht nur einholen, sondern \u00fcbertreffen.<br \/>\nAm 18. November sagte Mao auf der Konferenz in Moskau: \u201eGenosse Chruschtschow hat uns gesagt, die Sowjetunion k\u00f6nne binnen 15 Jahren Amerika \u00fcberholen. Auch wir k\u00f6nnen sagen, dass wir binnen 15 Jahren England ein- oder \u00fcberholen k\u00f6nnen.\u201c \u201c (Yang Jisheng, 2012, S. 374\/75)<br \/>\n&#8211; Mitte 1957 erkl\u00e4rte Chruschtschow, \u201e dass die Sowjetunion innerhalb von drei oder vier Jahren ebensoviel Fleisch, Milch und Butter pro Kopf der Bev\u00f6lkerung produzieren werde wie die Vereinigten Staaten\u201c. (R. Medwedjew, 1984, S. 160) Dies war eine der vielen vollmundigen Ank\u00fcndigungen Chruschtschows ohne reales Fundament. Weitere Versprechungen ohne Erfolgsaussichten folgten.<br \/>\n&#8211; Am Ende der zweiten H\u00e4lfte der 50er Jahre war Mao davon \u00fcberzeugt, dass China schneller zum Sozialismus gelangen k\u00f6nnte als die Sowjetunion, ja dass auch die soz. Aufbaugeschwindigkeit in China h\u00f6her sein k\u00f6nnte als in der SU. Nur die Begr\u00fcndungen daf\u00fcr wechselten. So hie\u00df es bei Mao: \u201eTrotz aller M\u00fchen und Anstrengungen gibt es ohne genossenschaftlichen Zusammenschluss keinen Ausweg f\u00fcr die Bauern. Die chinesischen Bauern sind noch besser als die Arbeiter Englands und Amerikas, deshalb kann man noch mehr, noch besser, noch schneller in den Sozialismus eintreten und braucht nicht st\u00e4ndig die Sowjetunion zum Ma\u00dfstab nehmen.\u201c (F. Wemheuer, 2010, S. 83\/4) Am 17. Mai 1958, auf der zweiten Sitzung des VIII. Parteitages der chinesischen KP, die den Weg zum \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c und zu den \u201eVolkskommunen\u201c freimachte, erkl\u00e4rte Mao u.a.: \u201eNehmen wir zum Beispiel den Klassenkampf, da haben wir Lenins Konzept verwendet und nicht Stalins. Stalin sagte in seinen \u201e\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus (in der UdSSR)\u201c (1952, d.V.), Reformen nach der Revolution seien von oben nach unten gesteuerte friedliche Reformen. Stalin hat keinen Klassenkampf von unten nach oben betrieben, in Osteuropa und Nordkorea lie\u00df er eine friedliche Bodenreform durchf\u00fchren, da wurden keine Grundbesitzer bek\u00e4mpft und keine Anti-Rechtskampagne zugelassen, lediglich von oben nach unten gegen die Kapitalisten gek\u00e4mpft. Wir haben von oben nach unten und zus\u00e4tzlich noch von unten nach oben &gt;Wurzeln geschlagen und Verbindungen hergestellt&lt; sowie den Klassenkampf durchgef\u00fchrt. \u2026 Warum ist die Geschwindigkeit unseres Aufbaus noch schneller als in der Sowjetunion? \u2026 Weil unsere Voraussetzungen verschieden sind: Ein Volk von 600 Millionen, der Weg den die Sowjetunion gegangen ist, die sowjetische technische Hilfe. Da m\u00fcssen wir uns doch um einiges schneller entwickeln als die Sowjetunion. Wir werden die Tradition der Oktoberrevolution und die Massenlinie Lenins weiter entwickeln, wir st\u00fctzen uns auf die Massen und auf dem Lande auf die armen Bauern, dieses Wort hat er allerdings nicht gesagt.\u201c (H. Martin, 1977, S. 123\/4)<br \/>\nChruschtschow griff am 18. Juni 1959 die \u201eVolkskommunen\u201c \u00f6ffentlich an und bezeichnete sie als linksradikal.<br \/>\n&#8211; \u201eAuf dem 21.Parteitag Anfang 1959 propagierte Chruschtschow die Entstehung neuer Agrost\u00e4dte, verk\u00fcndete die absehbare Umwandlung des Kolchos in allgemeines Volkseigentum und schlussfolgerte, dass die UdSSR in die neue Periode des umfassenden kommunistischen Aufbaus eingetreten sei. Als Richtschnur f\u00fcr die neue Etappe sollte ein neues Parteiprogramm erstellt werden, im Oktober 1961 verabschiedete der 22. Parteitag das Programm zum Aufbau des Kommunismus. In den n\u00e4chsten zehn Jahren sollten die USA in der Produktion pro Kopf der Bev\u00f6lkerung \u00fcberfl\u00fcgelt werden und im darauffolgenden Jahrzehnt der \u00dcbergang zur Verteilung der G\u00fcter nach Bed\u00fcrfnissen erfolgen. In diesem Zeitraum w\u00fcrde das Wohnungsproblem gel\u00f6st sein, k\u00f6nnten die Mieten wegfallen sowie Gas, Heizung, Verkehrsmittel und andere \u00f6ffentliche Leistungen kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Bis 1980 war der Kommunismus erreicht &#8211; so die Ank\u00fcndigung des neuen Parteiprogramms.\u201c (H. Karuscheit, 1999, S. 45\/6)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Parallelit\u00e4t gewisser Entwicklungen und Propagandaschlachten in der Sowjetunion und in China geben mir zu denken und verweisen, wie oben aufgelistet, auf eine gegenseitige Beeinflussung, trotz der tiefen politischen Differenzen. Der \u201eGro\u00dfe Sprung\u201c in China hatte mithin <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>viele<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> politische und sachliche Ursachen. Es d\u00fcrfte jedoch schwerfallen, statt einer Aufz\u00e4hlung einen entscheidenden Punkt zu benennen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; April 1956 finden sich bei Mao folgende Zeilen: \u201eUnsere zwei Schw\u00e4chen sind zugleich St\u00e4rken. Wie ich schon anderswo gesagt habe, sind wir erstens \u201earm\u201c und zweitens \u201eblank\u201c. Mit \u201earm\u201c meine ich, dass wir nicht viel Industrie haben und dass unsere Landwirtschaft unterentwickelt ist. Unter \u201eblank\u201c verstehe ich, dass wir wie ein unbeschriebenes Blatt sind. Unser kulturelles und wissenschaftliches Niveau ist nicht hoch. Vom Gesichtspunkt der Entwicklung aus betrachtet ist das keine schlechte Sache. Die Armen wollen Revolution, w\u00e4hrend es den Reichen schwerf\u00e4llt, Revolution zu machen. L\u00e4nder mit hohem wissenschaftlich-technischem Niveau sind h\u00f6chst arrogant. Wir aber sind wie ein unbeschriebenes Blatt, auf dem man gut schreiben kann.\u201c (A. Werke V., S. 344\/45) In einer \u00e4hnlichen Wortwahl wird Mao auch 1958 (sowie im sp\u00e4teren \u201eRoten Buch\u201c der Kulturrevolution, also nach 1965) zitiert. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Marxist wird diese Ansichten nicht teilen: Zum einen war China, mit seiner vieltausendj\u00e4hrigen Geschichte und gesellschaftlichen Entwicklung zu keiner Zeit ein unbeschriebenes Blatt, was im \u00dcbrigen auch f\u00fcr das entsprechende kulturhistorische Bewusstsein seiner Individuen, Schichten und Klassen gilt. Zudem: Die Gleichsetzung von arm und revolution\u00e4r versimpelt das Problem des individuellen Bewusstseins (in China und anderswo), da es die soziale Geschichte, die gesellschaftlich-historische Entwicklung des gesellschaftlichen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>agierenden<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Menschen ausblendet. \u2013 Diese oben zitierte ideologische Bilderwelt Maos sagt nichts \u00fcber China, aber viel \u00fcber das theoretische Niveau jener, die vorgaben, den historischen Materialismus verstanden zu haben. &#8211; W\u00e4hrend Mao (und die Maoisten) sich also in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jh. durchaus ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Machbarkeit von Politik unter wechselnden, ja widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnissen erarbeitet hatten, so wich bei ihnen dieser \u201aInstinkt\u2018 in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jh. zunehmend ideologischen Erw\u00e4gungen und Handlungen, mit einer geh\u00f6rigen Portion an Allmachtfantasien gegen\u00fcber der gesellschaftlichen Wirklichkeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Wie immer man die Gr\u00fcnde f\u00fcr den \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c (1958 &#8211; 1961\/62) in China sehen mag, im Ergebnis landete der \u201eGro\u00dfe Sprung\u201c mit seiner \u201aKommunismus\u2018-, Stahl- und Kommune-Kampagne (wie oben dargestellt) im Desaster, da zu dieser Zeit weder die mentalen noch die sachlichen Voraussetzungen f\u00fcr einen solchen Massenschritt und deren Konsolidierung gegeben waren. Obwohl bereits 1959 die Negativsignale und Ergebnisse dieser Massenkampagnen un\u00fcbersehbar waren, degradierte Mao seinen Kritiker General Peng Dehuais auf der Konferenz von Lushan (2. Juli &#8211; 16. Aug. 1959) und verbannte ihn in die letzte Reihe. Danach erfolgte eine Parteis\u00e4uberung und -Ausrichtung gegen die vielen \u201eKleinen Peng Dehuais\u201c, die als Nebenwirkung auch noch das ehrliche Berichtswesen und die \u201afreie\u2018 Aussprache in der Partei abw\u00fcrgte oder besch\u00e4digte. Dabei war die parteiinterne Kritik Peng Dehuais \u00fcber die Auswirkungen des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c noch moderat gewesen. (Text-Dok.: GNN, 1988, S. 40 &#8211; 42) <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die danach noch von Mao und Gefolgsleuten gesteigerte, dann aber abflauende Kampagne des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c schleppte sich weiter bis 1961\/62. Bis dahin waren (je nach Statistik und Autor) 15\u00a0&#8211;\u00a046 Mill. Menschen verhungert. Westliche Gr\u00e4uelpropaganda? Wohl kaum, daf\u00fcr sind zu viele Tatsachen durchgesickert. Zumindest 1959 &#8211; mitten in der Kampagne &#8211; war Mao noch zu einer begrenzten, wenngleich oberfl\u00e4chlichen Selbstkritik bereit. (Dok. in: H. Martin, M\u00e4rz 1977) Dann ging der \u201aZirkus\u2018 unter seinem Patronat (erst noch gesteigert, dann durch das <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>ZK<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> korrigiert, modifiziert und sich langsam abschw\u00e4chend) weiter. Im Scheitern &#8211; sowohl im Lauf wie im Abbruch &#8211; schob Mao dann den Basis- Kadern den Schwarzen Peter f\u00fcr die \u201aHauptfehler\u2018 zu. Frei nach der Melodie: Wenn die Linie richtig ist, entscheiden die Kader alles. Dass die eigene politische Linie des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c falsch war, kam ihm nicht in den Sinn.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4) China: 1962 \u2013 1965\/66<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; In der wiss. Literatur wird die folgende historische Periode zwischen 1962 und 1965 als (schrittweise) Phase der wirtschaftlichen Konsolidierung und Erholung in China gesehen, die ma\u00dfgeblich von der sog. Parteirechten um Liu Shaoqi und Deng Xiaoping gestaltet wurde. Diese Kader wurden von der Partei selbst vor den Karren gespannt. Ihr Ma\u00dfnahmenkatalog soll hier nur mit einem Beispiel aus dem Jahre 1962 illustriert werden: \u201eIm September 1962 stand auf dem 10. Erweiterten Plenum des 8. ZK der KPCh die grundlegende Revision der GS-Politik zu Debatte. Die sich nun um Liu Shaoqi und Deng Xiaoping gruppierenden Pragmatiker setzten in wesentlichen Punkten eine Best\u00e4tigung der bereits eingeleiteten Politik der Revision des GS durch. Das bedeutete planm\u00e4\u00dfige Entwicklung der Volkswirtschaft, Produktionssteigerung mittels materieller Anreize, Akzeptanz des privaten Hoflandes der Bauern und Dezentralisierung der Aufgaben in der VK (Volkskommune). Die Kollektiveinrichtungen wurden geschlossen. Die VK sollte in Zukunft lediglich Aufgaben der \u00f6ffentlichen Sicherheit, der Koordinierung und der Organisation \u00f6ffentlicher Arbeiten \u00fcbernehmen. Die PB (Produktionsbrigade), und nicht wie von den Pragmatikern gefordert der einzelne Haushalt, wurde zur Grundeinheit wirtschaftlicher Rechnungsf\u00fchrung. In der Industrie wurde die Schlie\u00dfung kleiner unrentabler Betriebe, die \u00fcberst\u00fcrzt in der sog. Stahlkampagne gegr\u00fcndet worden waren, und die R\u00fcckkehr zur leistungsbezogenen Entlohnung veranlasst.\u201c (M. Leutner, 1999, S. 121\/22)<br \/>\nIn den Augen der Maoisten aber mutierten diese \u201erechten\u201c Akteure im Laufe der Ereignisse zunehmend zu \u201eMachthabern in der Partei, die den kapitalistischen Weg gehen wollten\u201c und die es galt, (bis aufs \u201aMesser\u2018) zu bek\u00e4mpfen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Mao und die Maoisten nutzten die Zeiten der \u00f6konomischen \u201aEntspannung\u2018 dann zur Vorbereitung der \u201eGro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\u201c (1965\/66 -1976\/78), die letztlich weder etwas Proletarisches noch etwas Gro\u00dfartiges an sich hatte. Sie war dann der erneute Versuch, das maoistische Entwicklungskonzept in China auf Biegen und Brechen durchzusetzen. In ihrem Verlauf entmachtete man die sog. Parteirechte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5) China: 1965\/66 \u2013 1976\/78<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Konzipiert und organisiert wurde die \u201eKulturrevolution\u201c von den Maoisten als politische Revolution, als \u00dcberbaurevolution, d.h. als \u201eideologische Revolutionierung des chinesischen Volkes\u201c, kurz als Umerziehung des Volkes zu einem neuen, wachen, klassenk\u00e4mpferischen Bewusstsein, das der Notwendigkeit der ununterbrochenen Revolution entsprechen sollte. Gest\u00fctzt wurde die \u201eKulturrevolution\u201c auf dem Papier vom Proletariat, real aber getragen von anderen sozialen Kr\u00e4ften: \u201eDie chinesische Gesellschaft war Mitte der sechziger Jahre von tiefen Br\u00fcchen und Konflikten gekennzeichnet. An dieses Pulverfass legte Mao mit seiner radikalsten Massenbewegung die Lunte an. Neben der alten intellektuellen Elite, deren Kinder immer noch die Mehrheit der Studenten an den Elite-Hochschulen wie der Qinghua-Universit\u00e4t ausmachte, war eine neue Elite der Kaderkinder entstanden. Au\u00dferdem dr\u00e4ngten die Nachkommen der Arbeiter und Bauern an die Universit\u00e4ten und stellten das Privileg von Kindern aus dem Bildungsb\u00fcrgertum und von Revolutionsveteranen in Frage. Besonders der Nachwuchs aus Familien mit schlechtem Klassenstatus f\u00fchlte sich ausgeschlossen und wollte beweisen, dass auch er zu den roten Kindern Maos geh\u00f6rte. Durch die Verschickung von zwanzig Millionen Menschen aufs Land war der privilegierte Teil der industriellen Kernbelegschaften nach 1962 verkleinert worden. Millionen Arbeiter wurden nur noch als Kontraktarbeiter angestellt, die etwa 30 bis 40 Prozent der Belegschaften in der Industrie ausmachten. Viele von ihnen waren hellauf begeistert, als die Parteilinke das Kontraktsystem als &gt;kapitalistische Ausbeutung&lt; gei\u00dfelte. Durch den Kurs von Liu shaoqi und Deng Xiaoping war die Macht der Betriebsleiter au\u00dferdem enorm gest\u00e4rkt worden, was zu Unmut unter den Arbeitern f\u00fchrte.\u201c (F. Wemheuer, 2010, S. 110\/11) <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses unruhige Potenzial bildete neben der sich fraktionierenden Armee und Partei dann die enthusiastische Man\u00f6vriermasse auf dem politischen Schachbrett der Maoisten. Vorangetrieben wurde die Kampagne der \u201eKulturrevolution\u201c aber nicht vom Land, sondern von der Stadt (unter weitgehender Ausklammerung der Landwirtschaft und Schonung der industriellen Produktion). Doch schon bald lief die politische Massen-Bewegung aus dem Ruder. Der Verlauf soll uns hier im Detail nicht besch\u00e4ftigen. Ihre Entwicklung aber und das angerichtete Chaos m\u00fcndeten in b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde ein, die die Substanz und die Existenz der VR. China, aber auch die der KPCh bedrohten. Nur mit Hilfe der Armee und mit der Zwangsverschickung der rebellischen Jugend aufs Dorf konnten die Auseinandersetzungen und das politische Klima in China abgek\u00fchlt werden. Mit dem Tod Mao Tse-tungs im Sept. 1976 (einschlie\u00dflich der kurzen Zwischenperiode um die \u201eViererbande\u201c und mit dem folgenden, sp\u00e4ter entmachteten neuen ZK Vorsitzenden Hua Guofeng) endeten die Tage der \u201eKulturrevolution\u201c im Dez. 1978 &#8211; aber auch die des organisierten Maoismus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>IV. Meine Zwischenbilanz<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man den Anspruch des <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Revolution\u00e4rs<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mao Tse-tung ernst nimmt, dass <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sein<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Konzept des Klassenkampfes in den 50\/6oern und das der \u201epermanenten Revolution\u201c die Produktivkr\u00e4fte in China frei machen w\u00fcrde, so f\u00e4llt die historische Bilanz desastr\u00f6s aus: Setzt man n\u00e4mlich, wie dies J.Noth bereits Anfang der 80er tat, die politischen K\u00e4mpfe der Maoisten und die wirtschaftliche Entwicklung Chinas ins Verh\u00e4ltnis, so zeigt sich, \u201eeine verbl\u00fcffende Parallelit\u00e4t\u201c, n\u00e4mlich dass mit jeder politischen Kampagne der Maoisten ab Ende der 50er die Wirtschaftsleistungen im Lande einbrachen. (J.Noth, 1983) Dann holte man die zuvor disziplinierten \u201aParteirechten\u2018 mit ihren Rezepten zur\u00fcck, um nach einem erneuten wirtschaftlichen Aufschwung wieder zur \u201ahergebrachten\u2018 linksradikalen Politik zur\u00fcckzukehren. Mit den bekannten Ergebnissen. Die Bilanz aber lautete kurz: Menschenmassen wurden in der maoistischen Sprung- und Beschleunigungspolitik zerst\u00f6rt, die materiellen Produktivkr\u00e4fte keineswegs in die erhoffte H\u00f6he getrieben, dem sozialistischen und kommunistischen Gedanken eher geschadet als gen\u00fctzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich betrachte Mao Tse-tung trotz aller notwendigen Kritik als Revolution\u00e4r und Kommunisten, der Weltgeschichte mitgestaltet hat. Doch im Herbst seines Lebens fielen bei ihm Absicht und Ergebnis auseinander. Mao Tse-tung h\u00e4tte eine Maxime seiner \u201aVorbilder\u2018 ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen: \u201eNichts Gro\u00dfes wird ohne Leidenschaft vollbracht, aber keine Leidenschaft, kein Enthusiasmus kann etwas ins Leben rufen, dessen Zeit noch nicht gekommen ist.\u201c (frei nach G.W.F. Hegel). Mao Tse-tung trieb Ende der 50\/60er Jahre, ja bis zu seinem Lebensende nicht das gesellschaftlich M\u00f6gliche voran, er wollte der \u201aGeschichte\u2018 mit Wille und Entschlossenheit das zeitlich Unm\u00f6gliche, den Einstieg in den (Voll-) Kommunismus abtrotzen. Er setzte dabei auf seine Sprung- und Tempokonzeption, auf \u201aMasseninitiativen\u2018 und das Kampagnengewitter im \u201eKlassenkampf\u201c. Mao verwirklichte letztlich eine linksradikale Linie, die sich bereits in der Yan\u2018an-Periode der KPCh (und davor) aus den eigenen Erfahrungen und den ideologischen Kontroversen der Zeit herausgebildet hatte, sp\u00e4ter aber weiterentwickelt worden war, gegen die \u201aLeninisten\u2018 und \u201aParteirechten\u2018. Als Mao Tse-tung und die Maoisten dieses Konzept dann in den 50-70er Jahren auf die ver\u00e4nderten Bedingungen und Bed\u00fcrfnisse in China anwenden wollten, trafen sie auf eine andere Realit\u00e4t im Staatsgebiet. Sie reagierten mithin politisch falsch und f\u00fchrten China so ins Chaos und in die Besch\u00e4digung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der gescheiterte Maoistische Weg in China in der 2. H\u00e4lfte des 20. Jh. war dann die Voraussetzung f\u00fcr den (Wieder-) Aufstieg der sog. Parteirechten in China um Deng Xiaoping, deren (damalige und zuk\u00fcnftige) Partei- und Staatspolitik der Verfasser nicht weniger kritisch sieht als die der Maoisten selbst. Doch das ist eine andere Frage, die weiter zu untersuchen bleibt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">August 2013<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literaturhinweise und Quellenangabe: <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>&#8211; <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bergmann, Th. \/Menzel, U. \/Menzel-Fischer, U. (Hrsg.): LIU SHAOQI. Ausgew\u00e4hlte Schriften und Materialien. Band 2. Stuttgart: edition cordeliers, 1982<br \/>\n&#8211; Farner, Konrad u. Theodor Pinkus: Der Weg des Sozialismus. Quellen und Dokumente 1891 &#8211; 1962. Reinbek bei Hamburg: rowohlts deutsche enzyklop\u00e4die, 1964<br \/>\n&#8211; GNN (Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung) (Hrsg.): Antiimperialismus, Sozialismus, Kulturrevolution. Ausgew\u00e4hlte Dokumente. K\u00f6ln: Okt. 1988<br \/>\n&#8211; Goetz, John . Hans Leyendecker u. Bastian Obermayer: Heiliger Schein. Der Dalai Lama, h\u00f6chster Repr\u00e4sentant des reinen Pazifismus, wusste wohl doch mehr vom Treiben der CIA in Tibet, als er bisher zugegeben hat. Nun fallen gewaltige Schatten auf den Gottk\u00f6nig. in: SZ, 8. Juni 2012, S. 3 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b><br \/>\n&#8211;<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> G\u00f6tt, Fritz: Der erste Schritt auf einem langen Marsch: China 1911 &#8211; 1949. in: Aufs\u00e4tze zur Diskussion, Nr. 81, Jg. 32, Aug. 2012<br \/>\n&#8211; Heberer, Thomas u. R\u00fcdiger Weigelin: Gibt es einen chinesischen Weg zum Sozialismus? in: Klaus Fritsche (Hrsg.): Verlorene Tr\u00e4ume? Sozialistische Entwicklungsstrategien in der Dritten Welt. Stuttgart: Schmetterling Verl., 1989, S. 96 \u2013 121<br \/>\n&#8211; Hillmann, G\u00fcnter (Hrsg.): Selbstkritik des Kommunismus. Texte der Opposition. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1967<br \/>\n&#8211; Karuscheit, Heiner: Die Schl\u00fcsselkrise der 50er Jahre in der Sowjetunion; in: Aufs\u00e4tze zur Diskussion, Nr. 67 (Proletariat und Sozialismus in der Sowjetunion), Jg. 21, M\u00e4rz 1999, S. 10 \u2013 62<br \/>\n&#8211; Klein, Thoralf: Geschichte Chinas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn: Verl. F. Sch\u00f6ningh, 2007<br \/>\n&#8211; Lenin, W.I.: \u00dcber die Gewerkschaftsbewegung. 1895 &#8211; 1923. (Texte) Berlin: Verl. Trib\u00fcne, 1960<br \/>\n&#8211; Leutner, Mechthild: China unter Mao. Leitlinien der politischen Entwicklung 1949 &#8211; 1978. in: Sepp Linhart . Erich Pilz (Hrsg.): Ostasien Geschichte und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrh. Wien: Promedia 1999, S. 109 \u2013 132<br \/>\n&#8211; Loth, Wilfried: Die Teilung der Welt 1941 &#8211; 1955. M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuchverlag, 4. Aufl., Nov. 1983<br \/>\n&#8211; Martin, Helmut (Hrsg.): Mao intern. Unver\u00f6ffentlichte Schriften, Reden und Gespr\u00e4che Mao Tse-tungs 1946 &#8211; 1976. M\u00fcnchen: dtv, M\u00e4rz 1977<br \/>\n&#8211; Martin, Helmut (Hrsg.): Mao Tse-Tung. Das machen wir anders als Moskau! Kritik an der sowjetischen Polit\u00f6konomie. Reinbek b. Hamburg: rororo aktuell, Aug. 1977<br \/>\n&#8211; MAO TSETUNG: Ausgew\u00e4hlte Werke. Band V., Peking: Verlag f\u00fcr fremdsprachige Literatur, 1977<br \/>\n&#8211; Medwedjew, Roy: Chruschtschow. Eine poltische Biographie. Stuttgart . Herford: Seewald Verl., 1984<br \/>\n&#8211; McNeill, John R. u. Engelke, Peter: Mensch und Umwelt im Zeitalter des Anthropoz\u00e4n. in: Akira Iriye u. J\u00fcrgen Osterhammel (Hrsg.): Die globalisierte Welt. 1945 bis heute. (Geschichte der Welt. Bd. 6) M\u00fcnchen: C.H. Beck, 2013, hier S. 357 \u2013 534<br \/>\n&#8211; Noth, Jochen: Was macht Peking anders als Moskau? Staatsmonopolismus, Kapitalismus oder langsamer und schwieriger Weg zum Sozialismus? in: Kommune, Nr. 8, 1. Jg., Aug. 1983, S. 35 &#8211; 56<br \/>\n&#8211; Peters, Helmut: Die Volksrepublik China: Aus dem Mittelalter zum Sozialismus. Auf der Suche nach der Furt. Essen: Neue Impulse Verl. 2009<br \/>\n&#8211; Spence, Jonathan D.: Chinas Weg in die Moderne. M\u00fcnchen: C. Hanser Verlag, 1995<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>&#8211; <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weggel, Oskar: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. Stuttgart: Alfred Kr\u00f6ner Verl., 1989<br \/>\n&#8211; Wemheuer, Felix: Chinas \u201eGro\u00dfer Sprung nach vorne\u201c (1958 \u2013 1961). Von der kommunistischen Offensive in die Hungersnot &#8211; Intellektuelle erinnern sich. M\u00fcnster: Lit Verl., 2004<br \/>\n&#8211; Wemheuer, Felix: Mao Zedong. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 2010<br \/>\n&#8211; Wemheuer, Felix: Der Gro\u00dfe Hunger. Hungersn\u00f6te unter Stalin und Mao. Berlin: Rotbuch Verl., 2012<br \/>\n&#8211; Yang Jisheng: Grabstein. Die gro\u00dfe Chinesische Hungerkatastrophe 1958 -1962. Frankfurt \/M.: S.Fischer Verl., 2012<br \/>\n&#8211; Zeiler, W. Thomas: Offene T\u00fcren in der Weltwirtschaft. in: Akira Iriye u. J\u00fcrgen Osterhammel (Hrsg.): Die globalisierte Welt. 1945 bis heute. (Geschichte der Welt. Bd. 6) M\u00fcnchen: Verl. C.H. Beck, 2013, hier S. 183 \u2013 356<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Anhang G\u00f6tt: Aus einer ersten Diskussion zum Text<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lieber Gen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ich habe inzwischen den Wikipedia-Artikel zum \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorn\u201c in China durchgesehen, den Du mir als Kontrast und Spiegel zu meiner eigenen Analyse empfohlen hast. Man kann diesen Lexikon-Artikel (dein Zugriff Nov. 2013) durchaus als Bezugspunkt einer Diskussion heranziehen, stehenbleiben sollte man bei ihm nicht. Vor allem sollte man nicht jede seiner Aussagen f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen.<br \/>\nEinige Fragen zum \u201e Gro\u00dfen Sprung\u201c usw., die Du aufwirfst, habe ich mir auch gestellt und danach den Textinhalt meines Artikels so formuliert wie er nun einmal dasteht. Da wir bei der Sichtung der Literatur zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind, sollten wir den Widerspruch f\u00fcr eine erste Runde der Diskussion nutzen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Streitpunkte<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sieht man davon ab, dass Du meinen Text f\u00fcr \u201eschwer lesbar\u201c h\u00e4ltst \u201eweil die Darstellung zwischen verschiedenen Zeitebenen pendelt\u201c und Du \u201eSchwierigkeiten mit dem Verst\u00e4ndnis\u201c angibst , geht unsere Kontroverse im Kern wohl um die Frage, wie man die Politik Mao Tse-tungs und die seiner Anh\u00e4nger nach 1950 einzusch\u00e4tzen hat; speziell wirfst Du die Fragen nach Ursprung und Untergang des \u201eGro\u00dfen Sprungs nach vorne\u201c (1957 &#8211; 1962) und die nach der \u201eKulturrevolution\u201c (1966 &#8211; 1976\/78) in China auf. Da suchst Du nach alternativen Antworten, durch R\u00fcckgriff auf einen Wikipedia-Text und jenseits der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung, die Maos Politik unter dem Begriff einer \u201elinksradikalen menschenfeindlichen Politik\u201c zusammenfasse. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der von Dir ins Spiel gebrachte Wikipedia-Text zum \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c war mir in der Tat bis dato nicht bekannt, die darin enthaltenen Argumentationslinien in weiten Strecken schon. Aber h\u00e4lt der Text auch was er verspricht?<br \/>\nDer Wiki-Text d\u00fcrfte mehrere Autoren haben, darauf verweist die uneinheitliche Rechercheliteratur und die darauf fu\u00dfende Argumentation. Die dabei verwerteten Arbeiten sind, wie Du richtig anmerkst, sowohl alt wie neu. Die Neuen stammen vor allem aus dem englisch sprachigen Raum. Chinesische Neuerscheinungen (auf die sich z.B. H. Peters, 2009 st\u00fctzt) werden bei Wikipedia im Literaturverzeichnis nicht aufgef\u00fchrt, und wenn zitiert, dann aus zweiter Hand und mit der angloamerikanischen Brille gelesen. Nicht alle Arbeiten, die beim Portal angegeben werden, gelten auch unter Sinologen als seri\u00f6s. So die Mao-Biographie von J. Chang \/ J. Holliday (M\u00fcnchen, 2005). Ihr wurden inzwischen einige Verdrehungen und Verf\u00e4lschungen nachgewiesen. Doch das sagt nat\u00fcrlich nichts \u00fcber die anderen neu bei Wikipedia angef\u00fchrten Arbeiten. &#8211; Der Wikipedia-Text enth\u00e4lt zudem eine beeindruckende F\u00fclle an Daten, Fakten und Argumenten; ja Du h\u00e4ltst die Darstellung im Artikel f\u00fcr \u201edetaillierter und klarer\u201c als die meine (wobei ich anmerke, dass ich das Thema des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c nur gestreift habe). Doch nicht alles am Wiki-Artikel kann stimmen, was darzulegen einer eigenen Abhandlung bed\u00fcrfte.<br \/>\nLetztlich, so meine Meinung, m\u00fcssten alle Fakten, Mutma\u00dfungen und Hypothesen, sei es die von mir, sei es die aus anderer Feder auf den Pr\u00fcfstand, was weder ich noch irgendjemand aus unserem Kreis leisten kann. Da sind wir auf Hilfe von au\u00dfen angewiesen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anders als einige b\u00fcrgerliche Geschichtsschreiber spreche ich mich im eigenen Artikel weder gegen die Vollendung der \u201eNeudemokratischen Revolution\u201c in China aus noch verdamme ich das Wollen der chin. Kommunisten, zur sozialistischen Gesellschaftsordnung zu gelangen. Ich kritisiere, dass in der Politik der KPCh dem Sozialismus damals zu wenig Vorlauf und seiner Installierung zu wenig Anlauf einger\u00e4umt wurde. Einige Schritte und Mittel im Kampf um den Sozialismus waren unzeitgem\u00e4\u00df, falsch oder \u00fcberzogen. Konkret dazu: ich halte die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vorzeitige<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Aufk\u00fcndigung der \u201eNeuen Demokratie\u201c und die damit verkn\u00fcpfte Liquidierung der Nationalen Bourgeoisie als Klasse vor und zwischen 1954 &#8211; 56 in China f\u00fcr kontraproduktiv (zumal diese chinesische Bourgeoisie damals weder in der Lage noch kr\u00e4ftig genug war, die Neue Chinesische Ordnung zu st\u00fcrzen. Erst sp\u00e4ter wird ihr z.B. von den Vertretern der Kulturrevolution eine allzeit restaurative und konterrevolution\u00e4re Handlung unterstellt.); auch halte ich den Kurs des \u201eGro\u00dfen Sprungs nach vorn\u201c (wie sp\u00e4ter die \u201eKulturrevolution\u201c) f\u00fcr unzeitgem\u00e4\u00df und falsch. Sie haben dem sozialistischen Weg in China nicht gen\u00fctzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dazu <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>noch<\/b><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>mal einige Gedanken<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Auseinandersetzung um den chinesischen Weg zum Sozialismus begann fr\u00fch, viel fr\u00fcher als 1957\/58. 1953 war, folgt man der wiss. Literatur, die Konsolidierungsphase im Neuen China weitgehend abgeschlossen. Okt. 1952 stimmten Mao und Stalin darin \u00fcberein, den \u00dcbergang zum Sozialismus in China auf ca. 15 Jahre zu projektieren. Dabei vertrat Stalin die Auffassung, \u201eder \u00dcbergang solle allm\u00e4hlich erfolgen\u201c. (H. Peters, 2009, S. 158) Doch Mao begann bereits wenige Monate nach der Aussprache (Stalin war inzwischen verstorben) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>und gegen sie<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit seiner Politik der Beschleunigung &#8211; hin zum Sozialismus, mehr oder weniger gest\u00fctzt auf die sogenannte Masseninitiative unter Leitung der Partei. (Neue Dok. zur Stalin\/Mao Kontroverse sowie zur Parteiinternen Auseinandersetzung um die \u201eNeue Demokratie\u201c und den anvisierten Weg zum Sozialismus, in deutscher \u00dcbersetzung, bei A.V. Pantsov \/ St.I. Levine, Frankfurt\/M., 2013\/14.) Maos Beschleunigungspolitik blieb, wenngleich ohne konkrete Planung und durch innere (ideologische) und \u00e4u\u00dfere (gesellschaftspolitische) Anl\u00e4sse vorw\u00e4rtsgetrieben, eine Grundkonstante seines Handelns (Pragmatismus im Einzelnen inklusive). Im \u201aGegensatz\u2018 dazu stand Liu Shaoqi, der wohl eher den tradierten sowjetischen Vorstellungen einer schrittweisen Ann\u00e4herung an den Sozialismus von oben anhing, ein Denken, das aber auch starken linken Schwenks unterlag (was alles n\u00e4her zu untersuchen w\u00e4re). Diese Auseinandersetzung zwischen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>zeitweilig aber nicht immer <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">entgegengesetzten Konzepten wird die weitere Geschichte Chinas begleiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Du \u00e4u\u00dferst dich nicht dazu, warum man in China 1957\/58 zum \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c, d. h. zum beschleunigten Aufbau des Sozialismus \u00fcberging (einschlie\u00dflich der damit verkn\u00fcpften Kommune- und Stahlkampagne). Ich selber kann in dieser Zeit daf\u00fcr keinen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>zwingenden<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gesellschaftlich <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">erforderlichen Grund erkennen (wer da bessere oder anders lautende Informationen hat, soll mich \u00fcberzeugen). Hatte man bereits Mitte der 50er die nationale chinesische Bourgeoisie als Klasse beseitigt, so ging es beim \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c in der Landwirtschaft nunmehr darum, den Privatbesitz an Land und den Besitz privater Produktionsmittel aus der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung zu vergesellschaften sowie den Umbau Chinas zu einer Industriegesellschaft einzuleiten. Nicht erste Schritte zum Sozialismus, sondern der beschleunigte Aufbau war im Visier. Der konkrete Beschluss zum \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c jedenfalls war eine politische Entscheidung ohne zwingende Notwendigkeit. Die Gr\u00fcnde bleiben dunkel. Die damals existierenden gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche in China h\u00e4tten meiner Meinung nach auch anders behandelt werden k\u00f6nnen, ja m\u00fcssen, z.B. nach den anders lautenden Vorgaben des 8. Parteitages der KPCh (Sept. 1956). Bekanntlich wurden die Ergebnisse dieses Parteitages (wohl durch dieselben Delegierten) auf dem 2.Plenum des VIII. ZK (Mai 1958) dann offiziell umgesto\u00dfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>schrittweisen <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abbruch des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c und zu den mutma\u00dflichen Gr\u00fcnden des Scheiterns jedenfalls hast Du Dir eine Meinung gebildet. Du schreibst: \u201eZur Erkl\u00e4rung des Scheiterns gibt es offenkundig unterschiedliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze: erstens: Naturkatastrophen, zweitens: linke Fehler bei der Umsetzung, oder drittens: eine grunds\u00e4tzlich falsche Politik. Nach fl\u00fcchtiger Durchsicht des Wiki-Artikels neige ich zur ersten und zweiten Variante, w\u00e4hrend du die dritte Antwort favorisierst. \/ Wenn man den dritten Ansatz f\u00fcr richtig h\u00e4lt, ist der Weg offenkundig, dann ist die Kulturrevolution nur die Fortsetzung einer menschenverachtenden linksradikalen Politik.\u201c &#8211; Dein Erkl\u00e4rungsansatz beim Scheitern des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c \u00e4hnelt damit der Rechtfertigungslinie Mao Tse-tungs.<br \/>\nNun ja, auch ich sehe weiteren Forschungsbedarf zum \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c, folge aber nicht Deinen Arbeitshypothesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Warum scheiterte der \u201eGro\u00dfe Sprung nach vorn\u201c? Einige Argumente auf dem Pr\u00fcfstand<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur Erinnerung: 1954 sprachen die chin. Verfassung und der Volkskongress von einer \u201e\u00dcbergangsperiode\u201c in China , bei dem der Staat die Hauptaufgabe habe, die sozialistische Industrialisierung des Landes durchzuf\u00fchren und allm\u00e4hlich, sprich schrittweise die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft, des Handwerks sowie der kapitalistischen Industrie und des Handels zu bewerkstelligen bzw. sie langfristig zu vollenden.<br \/>\nWas konnte das f\u00fcr die Landwirtschaft bedeuten? Zum Beispiel: 1) die Industrialisierung des Landes durchf\u00fchren, um dann die Kollektivierung des Landes und des Besitzes vorzunehmen. Diese Variante wurde in der Partei allerdings fr\u00fch verworfen; oder 2) die schrittweise Verwandlung des nunmehr existierenden kleinbesitzenden landwirtschaftlich t\u00e4tigen Bauern in Angriff nehmen : a) zuerst seine Mauserung in einen Genossenschaftler (und zwar so, dass sich das Genossenschaftswesen nicht gegen\u00fcber dem Gesamtinteresse einer geplanten Gesellschaftsentwicklung durch den Staat verselbst\u00e4ndigt); b) dann die langsame Verwandlung des gemauserten Genossenschaftlers in einen Staatsangestellten, d.h. die \u00dcberf\u00fchrung seiner Produktionsmittel und seiner Landfl\u00e4che in Volkseigentum. Damit w\u00e4re man dem Idealbild einer \u201efreien Assoziation der Produzenten\u201c auf dem Lande, von dem Marx bez\u00fcglich des Sozialismus f\u00fcr Westeuropa und den USA sprach, ein St\u00fcck n\u00e4hergekommen. Erreicht h\u00e4tte man diesen Idealzustand noch lange nicht, wor\u00fcber man sich in China auch ein St\u00fcck bewusst war. Dieser Weg wurde angestrebt, aber dann zugunsten einer radikaleren Politik verlassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach der Revolution 1949 war die Ern\u00e4hrungslage in China immer noch prek\u00e4r, in einigen Lagen ausreichend, in anderen kritisch bis katastrophal. Ein Indikator daf\u00fcr war der schw\u00e4chelnde Getreideanbau.<br \/>\nGetreide war das Hauptnahrungsmittel in China. Die Ernteergebnisse lagen 1953-57 bei durchschnittlich 181,6 Mill. t j\u00e4hrlich. (M. Leutner, 1999, S. 120) 1958 war ein vergleichsweise gutes Jahr f\u00fcr die Lebensmittelproduktion. Statt 195 Mill. t wie 1957 konnten 200 Millionen t Getreide eingefahren werden. Ein Erfolg des Genossenschaftswesens, g\u00fcnstiger Naturumst\u00e4nde, oder von beidem etwas? Viele Parteimitglieder jedenfalls sahen schon so etwas wie eine Trendwende.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings verlie\u00dfen zu diesem Zeitpunkt bereits wieder Teile der Genossenschaftler die Kooperativen. F\u00fcr diese Personen waren die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr das \u00dcberschussgetreide zu niedrig angesetzt und die Quoten f\u00fcr die Pflichtabgaben an den Staat zu hoch geschraubt. Zudem hatte der (gesetzwidrige) Druck den \u201asozialistischen\u2018 Genossenschaften beizutreten seine negativen Spuren im Bewusstsein dieser Personengruppe hinterlassen. Sie wiedersetzten sich der Parteilinie. War dies also ein guter Zeitpunkt f\u00fcr das politische Kommune- Projekt? Konnte man \u00fcber das Projekt die Produktivkr\u00e4fte entfesseln und die renitenten Teile der Bauernschaft in die Knie zwingen? Diese Vorstellungen gab es wohl in den Reihen der Maoisten.<br \/>\nFreiwillig sollte der Schritt in die landwirtschaftlichen Kommunen erfolgen, hie\u00df es im entsprechenden ZK-Beschluss vom 29.8. 1958. In der Wirklichkeit aber vollzog sich die Umwandlung des noch keineswegs konsolidierten Genossenschaftswesens in die Kommune in rasenden Schritten, und \u00f6rtlich keineswegs immer aus Einsicht und ohne Zwang.<br \/>\nSo wurde das Kommune- Projekt der Kollektivierung einschlie\u00dflich der darin vollzogenen weitgehenden Abschaffung des privaten Hoflandes, inklusive der Widerspr\u00fcche innerhalb der Kommunen ein Va-banque-Spiel, das letztlich scheiterte. Noch dazu war parallel die Stahl- und Wasserbau-Kampagne angesetzt. Zu fr\u00fch, zu \u00fcberhastet, zu wenig durchdacht &#8230; politisch verfehlt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">War die Getreideproduktion 1959 schon um 30 Millionen t gegen\u00fcber 1958 auf 170 Millionen t abgesunken, so wurden 1960 nur noch 143,5 Millionen t eingebracht. Die Getreideproduktion lag damit noch unter dem Limit des Jahres 1951. Mit dem Jahr 1959 begannen die \u201edrei schwierigen Jahre\u201c f\u00fcr China.\u201c (H. Peters, 2009, S. 246) Doch nicht nur die Getreideproduktion brach ein: Die Zuckerproduktion ging von 1958 &#8211; 1962 von urspr\u00fcnglich \u201e0,90 Mio. t auf 0,34 Mio. , \u00d6lpflanzen von 4,77 Mio. t auf 2 Mio. , Schweine von 138 Mio. Stck auf 100 Mio.\u201c, usw. zur\u00fcck. (O. Weggel, 1989, S. 238) Die Lebensmittelrationen in China gingen Zug um Zug in den \u201aKeller\u2018. Die administrativ festgesetzten Abgabequoten der Bauern z.B. beim Getreide blieben jedoch hoch. \u201e1958 hatte der Staat bei einer guten Ernte 29,4 Prozent der Produktion aufgekauft, 1959 stieg die Quote auf 39,7 Prozent, was am R\u00fcckgang der Produktion lag, aber auch daran, dass die Industrieprojekte nicht gen\u00fcgend reduziert wurden. 1960, im Jahr des schlimmsten Massensterbens, mussten die Bauern 35,6 Prozent ihrer Ernte an den Staat abgeben.\u201c (F. Wemheuer, 2012, S. 192) Die industriellen Zentren und die St\u00e4dte hingegen blieben lange weitgehend gesch\u00fctzt. Die Landflucht und der Zuzug in die St\u00e4dte wurden nicht wirklich abgebremst, der Geburtenzuwachs nicht reguliert. China aber hungerte, vor allem auf dem Land. Die Hungertoten gingen in die Millionen. (u.a.: Yang Jisheng, 2012 \/ F. Wemheuer, 2012) Die politischen Korrekturen der Partei erfolgten viel zu sp\u00e4t oder zu z\u00f6gerlich, die ausl\u00e4ndischen Hilfsangebote wurden nur langsam akzeptiert, Getreide aus dem Ausland zu sp\u00e4t eingekauft. Einheimisches Getreide wurde selbst dann noch exportiert, als die Hungersnot am gr\u00f6\u00dften war, 1960, um weiter Maschinen einzuf\u00fchren oder Verpflichtungen zu erf\u00fcllen &#8211; hier h\u00e4tte man reduzieren m\u00fcssen. Vieles h\u00e4tte verhindert oder abgemildert werden k\u00f6nnen. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zeitgleich zur obigen Entwicklung ereigneten sich in China Naturkatastrophen gro\u00dfen Ausma\u00dfes, die Jahre anhielten; entweder fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfige D\u00fcrre oder \u00dcberschwemmungen. Wie schlimm das alles war, wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt.<br \/>\nDa beide Ereignisse, der \u201eGro\u00dfe Sprung\u201c und die Naturunbilden, zusammenfielen, lassen sich aus der Gemengelage und der galoppierenden Hungerkatastrophe auch unterschiedliche Schlussfolgerungen ableiten. &#8211; W\u00e4hrend Du das Scheitern des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c auf den Erkl\u00e4rungsansatz Naturkatastrophen und auf linke Fehler bei der Umsetzung der Neuen Generallinie zur\u00fcckf\u00fchrst, sehe ich das Grundproblem des Scheiterns in der Generallinie des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c selbst, deren Effekte durch die Naturkatastrophen weiter verschlimmert wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Welche Gegenargumente zur \u201areinen\u2018 naturbedingten Katastrophe in China finden sich in der Sinologischen Literatur (F. Wemheuer, 2004\/2010\/2012). Dazu einige Textausz\u00fcge:<br \/>\n&#8211; \u201eHeute gibt es weder in China noch im Westen einen ernst zu nehmenden Wissenschaftler, der Naturkatastrophen als Hauptgrund f\u00fcr die Hungersnot von 1959 bis 1961 sieht.\u201c<br \/>\n&#8211; \u201eDeutlich wird \u2026 durch alle Statistiken, dass das Ausma\u00df der Naturkatastrophen zwischen 1959 und 1961 keinesfalls einzigartig war. D\u00fcrren richten gr\u00f6\u00dferen Schaden als \u00dcberschwemmungen an. Die von D\u00fcrren betroffenen und zerst\u00f6rte Fl\u00e4che war 1978 gr\u00f6\u00dfer als 1960. 1978 kam es deswegen aber nicht zum Massensterben. \u2026 Auch 1962 \/ 1963 litt China noch unter schweren \u00dcberschwemmungen und D\u00fcrre. Die Hungersnot war aber beendet, weil die Regierung eine neue Politik betrieb. Die Ursachen f\u00fcr das Massensterben m\u00fcssen nicht in den nat\u00fcrlichen, sondern den politischen Faktoren gesucht werden.\u201c<br \/>\n\u201eDie Todesrate ging im Jahr 1961 zur\u00fcck, und schon 1962 erlebte China einen Geburtenboom. Mit Ausnahme der Provinz Sichuan war in diesem Jahr das Schlimmste \u00fcberstanden. Die Steigerung der Agrarproduktion kann das Ende der Hungersnot aber nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren. Die Getreideproduktion stieg 1961 um 2,8 Prozent und 1962, dem Jahr der Erholung um 8,5 Prozent. Sie war 1962 jedoch immer noch niedriger als 1959, dem ersten Jahr der Hungersnot, oder in irgendeinem Jahr zwischen 1952 und 1958. Der Grund daf\u00fcr, dass das Massensterben auf den D\u00f6rfern aufh\u00f6rte, bestand auch darin, dass die Bauern wieder mehr Getreide zur Verf\u00fcgung hatten. Au\u00dferdem wurden Teile der Stadtbev\u00f6lkerung durch Importe ern\u00e4hrt. Die 20 Millionen Menschen, die auf das Land zur\u00fcckgeschickt wurden, konnten sich nach einiger Zeit auch mit den Parzellen zur privaten Nutzung teilweise selbst versorgen, anstatt in den St\u00e4dten die h\u00f6heren Rationen zu konsumieren. Jeder Stadtbewohner, der wieder Bauer wurde, entlastete das staatliche Versorgungssystem. Au\u00dferdem war die Regierung bereit, weiter Getreide zu importieren.\u201c<br \/>\n&#8211; \u201eNaturkatastrophen waren nicht der entscheidende Ausl\u00f6ser der Hungersnot und wurden erst sp\u00e4ter als Entschuldigung vorgeschoben.\u201c<br \/>\nDiese Einsch\u00e4tzung teile ich, bin aber daf\u00fcr, das weiter zu untersuchen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben der Naturkatastrophen-Theorie werden bei Dir f\u00fcr das Scheitern des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c noch \u201elinke Fehler\u201c bei der Umsetzung der neuen Generallinie angef\u00fchrt. Welche das waren, sagst Du nicht.<br \/>\nIch stimme mit Dir wohl darin \u00fcberein, dass es eine linksradikale Str\u00f6mung oder auch Gruppenbildung im Funktion\u00e4rsk\u00f6rper der KPCh zu dieser Zeit gab. Differenzen ergeben sich da, wo Du Mao Tse-tung von dieser Str\u00f6mung abgrenzt, ihn fast in die Position eines Zentristen versetzt. Meiner Meinung nach war Mao aber der intellektuelle Kopf dieser linksradikalen Str\u00f6mung am Ende der 50er Jahre in der KPCh, einer, der Initiativen aus diesem Kreis aufnahm oder in sie einbrachte, der Noten verteilte und im Zweifelsfall auch Stoppzeichen setzte, wenn eine Kampagne aus dem Ruder zu laufen schien. Er war, wie man damals zu Recht sagte, der \u201eGro\u00dfe Steuermann\u201c. Mao war ein ma\u00dfgeblicher Architekt des \u201eGro\u00dfen Sprungs nach vorne\u201c, wie dann sp\u00e4ter auch der \u201eKulturrevolution\u201c.<br \/>\nTatsache ist jedoch auch, dass die Anf\u00e4nge und Verl\u00e4ufe des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c von den sp\u00e4teren Kritikern wie Liu Shaoqi und Deng Xiaoping mitgetragen wurden. Erst relativ sp\u00e4t schwenkten diese f\u00fchrenden Kader um. Linksradikale Positionen waren in der Partei zeitweilig ansteckend oder trafen auf einen Resonanzboden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich nehme Deinen Hinweis dabei durchaus ernst, dass die Kampagnen innerhalb des \u201eGro\u00dfen Sprungs\u201c regional unterschiedlich ausgepr\u00e4gt waren, je nachdem wer die politische F\u00fchrung \u201avor Ort\u2018 innehatte usw. Das ist Konsens. Umgekehrt solltest Du aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es selbst bei Wikipedia hei\u00dft, dass die besonders radikal auftretenden Provinzsekret\u00e4re der Partei zu den \u201eeifrigsten Anh\u00e4nger(n)\u201c Mao Tse-tungs z\u00e4hlten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nat\u00fcrlich habe ich mir ebenfalls die Frage gestellt, ob politische Bewegungen von unten, also aus der Arbeiterklasse oder aus der armen Bauernschaft in Richtung des \u201eGro\u00dfen Sprung nach vorne\u201c dr\u00e4ngten, also Bewegungen, die nicht aus dem Funktion\u00e4rsk\u00f6rper der KPCh entsprangen. \u00dcberzeugende Hinweise darauf habe ich nicht gefunden, was nicht hei\u00dfen muss, das es sie nicht gab (Wer da meint, besser informiert zu sein, m\u00f6ge mich belehren).<br \/>\nEs scheint doch wohl so, dass die Entscheidungen und Fraktionsk\u00e4mpfe in der KPCh-Spitze eine st\u00e4rkere Bedeutung f\u00fcr China hatten, w\u00e4hrend in der UdSSR f\u00fcr die russische KP die Klassenk\u00e4mpfe ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht hatten. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist, dass nach dem chin. B\u00fcrgerkrieg 1945 &#8211; 1949 mit seinen sozialen Umw\u00e4lzungen und den anschlie\u00dfenden politischen Umbr\u00fcchen nur die KPCh mit ihren Massenorganisationen als relevante organisatorisch-politische Kraft in der Fl\u00e4che des Landes \u00fcbrig blieb: Die Grundherrenklasse war liquidiert; die Bauernschaft wurde durch die Agrarrevolution mit ihrer Landumverteilung stark sozial homogenisiert und politisch deaktiviert, die traditionellen b\u00e4uerlichen Geheimgesellschaften wurden zerschlagen oder verboten, die kommunistische Partei war hingegen fl\u00e4chendeckend im Land vertreten und verankert; die ehemals herrschende Klasse Chinas, organisiert in der GMD war \u00f6konomisch und politisch enthauptet und die F\u00fchrung im Ausland; die Nationale Bourgeoisie, demokratisch gewendet, war politisch aufgesplittert und in der Bedeutung marginalisiert, dann Mitte der f\u00fcnfziger Jahre als Klasse gar beseitigt; Widerst\u00e4nde wurden gebrochen; die Arbeiterbewegung spielte in diesem Zeitabschnitt wohl keine Rolle, obwohl die KPCh in ihrem Namen operierte. Nur die KPCh beherrschte das politische Tableau der Zeit, sie war der entscheidende Austragungsort der politischen Richtungsentscheidungen, der F\u00fchrungszirkel der KPCh mit seinen politischen Str\u00f6mungen war darin zentral. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der politischen Vereinzelung des Land besitzenden Bauern verschwanden nat\u00fcrlich nicht seine sozialen Interessen und Bed\u00fcrfnisse, sie erschwerten aber dessen Durchsetzung. Der Partei erwuchs damit ein gro\u00dfer politischer Handlungsspielraum. Diese Konstellation d\u00fcrfte auch die Vorstellungen Maos unterst\u00fctzt haben, China sei \u201ewie ein unbeschriebenes Blatt, auf dem man gut schreiben kann.\u201c Doch war dieser Spielraum nicht grenzenlos.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der \u201eDialektik\u201c Maos gibt es des Weiteren folgende Gedanken: \u201eWenn sich ohne eine \u00c4nderung der Produktionsverh\u00e4ltnisse die Produktivkr\u00e4fte nicht weiterentwickeln k\u00f6nnen, dann spielt die \u00c4nderung der Produktionsverh\u00e4ltnisse die haupts\u00e4chliche, entscheidende Rolle \u2026. Wenn der \u00dcberbau (Politik, Kultur usw.) die Entwicklung der \u00f6konomischen Basis behindert, dann werden politische und kulturelle Umgestaltung zum Haupts\u00e4chlichen, Entscheidenden.\u201c (siehe: \u201e\u00dcber den Widerspruch\u201c, 1937\/68, Kapitel IV.) In diesem Text findet sich im Weiteren eine einfache, zu einfache \u201aGleichung\u2018: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein und das gesellschaftliche Bewusstsein bestimmt das Sein. Formal erkennt Mao an, \u201edass im Gesamtverlauf der historischen Entwicklung das Geistige vom Materiellen, das gesellschaftliche Bewusstsein vom gesellschaftlichen Sein bestimmt wird \u201c, um dann fortzufahren: \u201edoch gleichzeitig erkennen wir an und m\u00fcssen wir anerkennen, dass das Geistige auf das Materielle, das gesellschaftliche Bewusstsein auf das gesellschaftliche Sein, der \u00dcberbau auf die \u00f6konomische Basis zur\u00fcckwirkt.\u201c Wer also diese R\u00fcckwirkung des Geistes leugne und nicht akzeptiere, der sei nur ein Vertreter des mechanischen Materialismus. &#8211; Das ist zwar nicht falsch, es kann aber die Idee, unser Bewusstsein nur zu bestimmten Zeiten und materiellen Bedingungen Wirkungskraft entfalten. Sonst erh\u00e4lt die \u201aFormel\u2018 den Charakter von Beliebigkeit; und es liegt die linke Versuchung nahe, mit dem menschlichen Willen \u201edie H\u00f6hen zu erklimmen\u201c. &#8211; Was ist aber, wenn die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr einen solchen Schritt und Ma\u00dfnahmenkatalog noch gar nicht reif sind? Dann haben wir eine schiefe Bahn abw\u00e4rts, und Jene, die zu fr\u00fch oder zu radikal aufbrachen, bestraft das Leben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Tatsache ist, Teile der Bauernschaft verstanden die Idee der \u201epermanenten Revolution\u201c Maos nicht. Denn sie hatten mit dem neuen Landbesitz durch die revolution\u00e4ren Landreformen auch das, wovon sie immer getr\u00e4umt hatten: eigenes Land zur Bewirtschaftung, Besitztitel, die man nicht einfach aufzugeben gedachte. Einer mutma\u00dflichen Enteignung oder gro\u00dfen Absch\u00f6pfung wie im \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c setzten diese Teile der Landbev\u00f6lkerung deshalb (einen zumeist passiven) Widerstand entgegen. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch die b\u00e4uerlichen Miniparzellen, die dem armen Bauern, ja selbst dem einfachen Mittelbauern nur ein k\u00e4rgliches Leben erlaubten, boten der Partei und dem Staat nat\u00fcrlich auch neue Ans\u00e4tze zur individuellen und sozialen Bewusstseinserweiterung: So konnten sie die erreichten oder traditionell vorhandenen kooperativen Strukturen und Bewegungen in der Gesellschaft verst\u00e4rken und mit Hilfe des Staates ausbauen. Der Staat konnte das kulturelle Niveau der Gesellschaft heben. Die Industrialisierung Chinas und die Mechanisierung der Landwirtschaft waren weitere langfristig wirksame Hebel, die gesellschaftlichen Strukturen und das Denken umzuw\u00e4lzen. Alles war angedacht und eingeleitet, doch notwendiger Weise nur in Schritten zu realisieren. Eine schnelle und auf Zwang gegr\u00fcndete Ver\u00e4nderung des sozialen Lebens und Bewusstseins war nicht m\u00f6glich ohne Sch\u00e4den zu setzen. Das geschah aber meinem Eindruck nach im \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c und in der \u201eKulturrevolution\u201c unter der Flagge des \u201aKlassenkampfes\u2018. Die Geschichte hat ihre Rechnung daf\u00fcr pr\u00e4sentiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie passen zu dieser Diagnose folgende Erscheinungen:<br \/>\n&#8211; In den Schriften Maos gibt es immer wieder Passagen, wonach so und soviele Prozent der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr oder gegen die neue Politik der Partei seien. Stets war es hier die \u00fcbergro\u00dfe Masse, die hinter der Partei oder der Linken stand. Doch blieb dabei stets unklar, wer diesen Zahlenspiegel erfragt hatte. Die Partei, der Geheimdienst oder wer? Wurden die Zahlen gegengecheckt oder sind sie doch nur ein Fantasieprodukt des Autors, um die eigene politische Linie zu legitimieren?<br \/>\n&#8211; Skeptisch, ja kritisch, sollte man auch an jene Brosch\u00fcren und k\u00fcnstlerischen Erzeugnisse aus dem \u201eGro\u00dfen Sprung\u201c oder aus der \u201eKulturrevolution\u201c herangehen, die uns stets l\u00e4chelnde Menschen bei schwerem Arbeitseinsatz im Kampagnengewitter der Partei vorf\u00fchren. Was war hier Propaganda, was Realit\u00e4t? Arbeit unter wehenden roten Fahnen sagt ja noch nichts \u00fcber die Motivation der Schaffenden aus. Rot galt in China seit altersher als \u201elebensspendende Farbe\u201c oder als der \u201evirtuelle Beginn einer Epoche\u201c, w\u00e4hrend man sie im Westen stets als politisches Symbol begriff. Was waren diese Arbeitseins\u00e4tze also, echte Begeisterung f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus oder doch \u201anur\u2018 die Ableistung von Arbeitspflichten gegen\u00fcber dem Staat, so wie dies schon Generationen Werkt\u00e4tiger vor ihnen in China taten? Aufbauwille oder Zwangsarbeit? Auf wie viel Zuspruch konnte sich die KPCh also wirklich st\u00fctzen? Und reagierte sie auf die Widerspr\u00fcche im Volk immer richtig?<br \/>\nSo oder so, zu all diesen Fragen besteht Forschungsbedarf. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wer untersucht, kann der irren?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Du schreibst: \u201eDar\u00fcber hinaus: Wenn man davon ausgeht, dass die chinesische Revolution kein Zufall ist, muss man feststellen, dass Mao und die \u201eMaoisten\u201c einen jahrzehntelangen erfolgreichen B\u00fcrgerkrieg f\u00fchren, also offensichtlich keine Idioten sind, sondern die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse einzusch\u00e4tzen wissen und darauf die richtigen strategischen Antworten geben (unabh\u00e4ngig davon, dass sie dabei Fehler machen und die theoretische Begrifflichkeit vielleicht zu hinterfragen ist). Dagegen entpuppen sich die Gegner Maos bzw. die alternativen Strategien als Irrweg.<br \/>\nWenn das aber so ist, hei\u00dft das nicht, dass Mao ein realistisch denkender Politiker war, der die vorhandenen Klassenkr\u00e4fte richtig einsch\u00e4tzte und &#8211; im Gegensatz zu anderen Revolutionsf\u00fchrern &#8211; ein offenkundig realit\u00e4tstaugliches politisches Programm vertreten und durchgesetzt hat (oder meinst du, dass die Revolution auch mit einem anderen Konzept und einer anderen F\u00fchrung gesiegt h\u00e4tte?)<br \/>\nWie kommt es dann, dass derselbe Mao sich bald darauf von einem n\u00fcchternen Strategen zu einem linksradikalen, realit\u00e4tsverweigernden Abenteurer entwickelt, der die ganze Gesellschaft unter Inkaufnahme von Millionen Toten an die Wand f\u00e4hrt?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zugegeben, diese Argumentationskette ist in sich logisch, aber sie geht von falschen Vorstellungen aus:<br \/>\nZun\u00e4chst, ich betrachte Mao und die Maoisten keineswegs als \u201eIdioten\u201c. Auch verneine ich nicht, dass die KPCh Untersuchungen zur den \u201egesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen\u201c vorgenommen hat. Ich stelle aber Fragen nach der Qualit\u00e4t dieser Untersuchungen im Einzelnen und nach den daran gekn\u00fcpften Schlussfolgerungen. Da \u00fcberzeugt nicht alles. Ich verweise hier z. B. auf Maos Untersuchung \u00fcber \u201eDie (Alt) Chinesische Gesellschaft\u201c von 1939 (A. Werke Band II, S. 353 &#8211; 364), eine Analyse, die \u00fcber weite Strecken falsch, d\u00fcrftig und schablonenhaft ist; oder, auf seine \u201aZwei Spatzen Theorie\u2018 von 1956 (A. Werke Band V, S. 365 &#8211; 371), also seine Anregungen an \u201eVertreter einiger komm. Parteien\u201c Lateinamerikas, um an die zuk\u00fcnftige Revolution dieses Kontinents heranzukommen; eine Arbeitsanleitung, die fast ganz ohne Analyse <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der Geschichte <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Bauernfrage in so unterschiedlichen L\u00e4ndern und Kontinenten wie China und S\u00fcdamerika auskommt. &#8211; Ich k\u00f6nnte die Negativliste hier weiter verl\u00e4ngern. Dein \u201aUrvertrauen\u2018 in die Untersuchungst\u00e4tigkeit der Alten KPCh und ihrer K\u00f6pfe kann ich nicht nachvollziehen. Man sollte die Ergebnisse ihrer Anstrengungen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>einzeln pr\u00fcfen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, die Schlussfolgerungen allemal.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Text verkn\u00fcpfst Du nun den Sieg der KPCh im chinesischen B\u00fcrgerkrieg, mit ihrer F\u00e4higkeit \u201edie gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse einzusch\u00e4tzen\u201c. Zwar gestehst du auch einzelne Fehler zu. Doch ist mir die Bilderfolge zu glatt.<br \/>\nWir beide gehen davon aus, dass die \u201echinesische Revolution kein Zufall war\u201c. War der Sieg der Revolution von 1949 damit vorgezeichnet? Nein, war er nicht. Es gab innere und \u00e4u\u00dfere Faktoren und Umst\u00e4nde, die es der KPCh erm\u00f6glichten zu siegen. Doch war der Weg, die Widerspr\u00fcche richtig zu behandeln, steinig. Nicht immer fanden die diversen F\u00fchrer der Partei die richtigen Antworten zur L\u00f6sung der Aufgaben. \u00dcberspitzt gesagt: Die KPCh siegte trotz ihrer Fehler und Irrt\u00fcmer, weil sie als einzige Kraft die Brisanz der Bauernfrage f\u00fcr den sozialrevolution\u00e4ren Befreiungskrieg in China erkannte. Letztlich eine Gesamtleistung der Partei (und nicht nur Maos) nach langem Ringen mit sich selbst. Der japanische \u00dcberfall auf China gab der KPCh zudem die M\u00f6glichkeit, die soziale Frage mit dem nationalen Befreiungskrieg zur demokratischen Volksrevolution zu verkn\u00fcpfen. Die Unf\u00e4higkeit der GMD (der \u201eNationalen Volkspartei\u201c unter dem Milit\u00e4rmachthaber Chiang Kai-shek), das eigene reaktion\u00e4re Korsett im B\u00fcrgerkrieg abzulegen (Ausdruck ihrer inneren Konstellation als Organ der herrschenden Klasse) tat ein \u00dcbriges. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weil die KPCh letztlich im Volkskrieg \u00fcber die GMD milit\u00e4risch siegte, soll sie sp\u00e4ter nicht mehr geirrt haben? Doch sie konnte im Konkreten auch irren. Auff\u00e4llig an Deinem \u201aZirkelschluss\u2018 ist, dass Du nur das \u201a\u00e4u\u00dfere\u2018 Agieren der KPCh <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>im Befreiungskrieg<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> in den Blick nimmst. Doch gab es auch ein Innenleben der Partei und ein \u201aBinnenverh\u00e4ltnis\u2018 in den Befreiten Gebieten, in der nicht alles so glatt, korrekt und richtig lief wie die Parteioffizielle Geschichtsschreibung suggeriert; Tatsachen, \u00fcber die wir auch forschen und streiten sollten. Ich meine hier das Agieren der Partei und ihrer K\u00f6pfe in der Ersten Chinesischen Sowjetrepublik in Jiangxi, zur Politik in Yan\u2019an und in den Linienk\u00e4mpfe nach 1949.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1949 und sp\u00e4ter gab es zudem keine Blaupause f\u00fcr den Weg in den chin. Sozialismus. Es gab nur einige Erfahrungen aus der Sowjetunion. Eigene Fehler der Partei und ihrer K\u00f6pfe in g\u00e4nzlich anderem Umfeld waren daher unvermeidlich. Sie jedoch nachtr\u00e4glich zu adeln, w\u00e4re str\u00e4flich. Vielmehr gilt es aus ihnen zu lernen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Unsere Diskussion muss weitergef\u00fchrt werden <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich denke, wir stehen erst am Anfang weiterer Diskussionen und Untersuchungen zur chinesischen Geschichte. Wir sollten dabei keine Scheu haben, unsere tastenden Schritte vorzuzeigen. Dass dabei linke Wadenbei\u00dfer auftreten werden, die schon immer meinten, alles richtig zu sehen, nehme ich bewusst in Kauf. Zumal ich den Widerspruch als Erkenntnismittel akzeptiere.<br \/>\nZudem erinnere ich daran, dass die obigen Problemstellungen nur eine Etappe auf unserem selbst gestecktem Ziel darstellen, die weitergehenden Fragen zu kl\u00e4ren: Sucht die heutige Staats- und Parteif\u00fchrung in China noch nach der Furt zum Sozialismus oder ist sie l\u00e4ngst im Kapitalismus angekommen? Herrscht die Kapitalistische Produktionsweise bereits im heutigen China, wie so viele Linke mutma\u00dfen, ohne den wissenschaftlichen Beweis daf\u00fcr anzutreten, oder herrscht sie nicht? Hierzu eine Diskussion loszutreten ist sinnvoll.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz G\u00f6tt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-US\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz G\u00f6tt \u00dcber das Scheitern des maoistischen Entwicklungsweges in China: 1949 \u2013 1978 Eine Gefahr, vielleicht sogar die gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr einen Revolution\u00e4r ist, Revolution mit einem gro\u00dfen R zu schreiben und dabei die gesellschaftlichen Realit\u00e4ten aus den Augen zu verlieren. Der vorliegende Beitrag nun versucht zu ergr\u00fcnden, ob auch die KPCh unter Mao Tse-tung nach &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=752\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":734,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-752","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=752"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1131,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/752\/revisions\/1131"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}