{"id":745,"date":"2017-08-08T19:10:12","date_gmt":"2017-08-08T17:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=745"},"modified":"2017-08-08T19:10:29","modified_gmt":"2017-08-08T17:10:29","slug":"745-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=745","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz G\u00f6tt<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-large;\"><b>Der erste Schritt auf einem langen Marsch: China 1911 &#8211; 1949<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: x-large;\">&#8211; Anmerkungen zur aktuellen Diskussion &#8211;<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Unter der Epoche der Chinesischen Revolution versteht man in der wissenschaftlichen Literatur (auch) die Zeit vom Sturz des chinesischen Kaiserreiches 1911 bis zum milit\u00e4rischen Sieg der chinesischen Kommunisten \u00fcber die Guomindang 1949. Mit der Gr\u00fcndung der Volksrepublik (1949) begann dann eine neue Etappe in der chinesischen Geschichte und Revolution.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Drei Arbeiten linker Autoren, Henning B\u00f6ke, Helmut Peters und Felix Wemheuer, habe ich zum Thema \u201aChinesische Revolution\u2018 durchgesehen. Nicht alles hat mich dabei \u00fcberzeugt. Einige Fragen und historische Verl\u00e4ufe sollen daher hier diskutiert werden. Dabei konzentriere ich mich auf wichtige Schl\u00fcsselfragen und Wendepunkte in der chinesischen Geschichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>I. Das Alte China an der Schwelle zur Neuzeit<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Vom 4. Jh. v.u.Z. bis zum Sturz des Kaiserreiches in der Revolution von 1911 bestand in China eine nicht-kapitalistische Gesellschaft eigener Bauart, die G\u00fcnter Lewin als \u201eVorkapitalistische Gesellschaftsformation in China\u201c bezeichnet hat. Ich habe dazu in der AzD Nr.79 Standpunkte referiert (F. G\u00f6tt, 2010). Diese Gesellschaft konnte und wollte aus sich heraus keine eigenen Keime des Kapitalismus hervorbringen. (siehe: G. Lewin, 1977 und 1979) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der Einbruch des ausl\u00e4ndischen Imperialismus bzw. des ausl\u00e4ndischen Kapitals in China im 19. Jh. modifizierte jedoch diese tradierte Gesellschaft und leitete einen sozialen Wandel ein, der sich im 20. Jh. beschleunigt fortsetzte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>II. China im 19. \/ Anfang des 20. Jahrhunderts:<br \/>\neine \u201ehalbkoloniale und halbfeudale Gesellschaft\u201c?<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Um den Kollaps des kaiserlichen <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>China<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">s<\/span><span style=\"font-size: large;\"><b> unter der Qing-Dynastie<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> im 20. Jh. zu verstehen, muss man (auch) auf seine Vergangenheit blicken:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; China wurde seit dem 17. Jh. von einer mandschurischen Dynastie regiert. Wer waren die Mandschu? Beileibe keine Steppennomaden, sondern ein kriegerisches Volk aus Hirten und Ackerbauern, J\u00e4gern und Fischern, urspr\u00fcnglich beheimatet in der Mandschurei, abstammend von den tungusischen Dschurdschen, schon staatlich organisiert und gepr\u00e4gt von der chinesischen Kultur. Die Mandschu drangen Anfang des 17. Jh. in die nord\u00f6stlichen Grenzregionen Chinas ein, die bisher von der chinesischen Ming-Dynastie gehalten wurde. 1644 eroberten sie im B\u00fcndnis mit s\u00fcd- und ostmongolischen St\u00e4mmen und einflussreichen chinesischen Kollaborateuren Peking. Unter dem dynastischen Namen Qing setzte man sich auf den chinesischen Drachenthron und trieb die Eroberung des Landes voran.<br \/>\n&#8211; Die Mandschu, die dann nicht mehr als 2% der Gesamtbev\u00f6lkerung im Reich ausmachten, bildeten in China eine bevorrechtigte Kriegerkaste. Alle Han-Chinesen und ethnischen Minderheiten wurden &#8211; mit Ausnahme der Mongolen, die einen Sonderstatus besa\u00dfen &#8211; als Untertanen betrachtet und behandelt. Nicht wenige Chinesen sahen diese Fremdherrscher als Usurpatoren, denen das \u201aMandat des Himmels\u2019 fehlte. Gleichwohl bem\u00fchten sich die siegreichen Mandschu-Kaiser, chinesischer als die Chinesen zu sein, blieben aber die Ordnungsmacht unter Wahrung ihrer eigenen Identit\u00e4t. So vertraten sie im Reich einen unnachgiebigen, strengen Staats-Konfuzianismus.<br \/>\n&#8211; Der Widerstand erodierte, Teile der chinesischen Elite sowie der Grundherren kollaborierten. Ein <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>sino-mandschurischer<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>Klassenstaat<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> entstand. Doch kraftvollen Mandschu-Kaisern folgten schon bald unf\u00e4hige Nachfolger nach, die ihren begrenzten Kredit im Volk verspielten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Unter der Qing-Dynastie (1644 \u2013 1911\/2) erreichte das Chinesische Reich seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung in der Geschichte. J. Osterhammel fand daf\u00fcr folgendes Bild: \u201eMan kann sich das Qing-Reich, stark vereinfacht, als ein Ineinander von drei konzentrischen Kreisen vorstellen. Den inneren Kreis bildete das Kernchina der achtzehn Provinzen s\u00fcdlich der Gro\u00dfen Mauer, also ungef\u00e4hr das Gebiet der Ming-Dynastie. Darum lagerte sich als zweiter Ring die koloniale Peripherie (Mongolei, Xinjiang, Tibet); die Mandschurei, die als d\u00fcnn besiedeltes Stammland der Dynastie einen Sonderstatus geno\u00df, und Taiwan, in dem die han-chinesische Besiedelung fr\u00fcher als in den anderen peripheren Gebieten eine wichtige Rolle spielte, sollen auch dazugerechnet werden. Den \u00e4u\u00dferen Ring schlie\u00dflich stellten die Tributstaaten dar (Korea, Vietnam, Siam\/Thailand, Burma, Nepal), die dem Kaiser als ihrem Oberherrn regelm\u00e4\u00dfig huldigten und von denen man erwartete, da\u00df sie ihre au\u00dfenpolitische Loyalit\u00e4t niemand anderem zukommen lie\u00dfen. Sie unterstanden keiner direkten chinesischen Verwaltung und waren der Sache nach, was Europ\u00e4er im 19. Jahrhundert eine \u201aEinflu\u00dfsph\u00e4re\u2019 nannten.\u201c (J. Osterhammel, 2000, S. 116) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch nicht jedes Volk und Reich ging freiwillig in dieses Imperium ein. Die Kehrseite der Medaille: der Vielv\u00f6lkerstaat der Qing war auch ein V\u00f6lkergef\u00e4ngnis. Au\u00dferdem war nicht jeder Erwerb f\u00fcr die Qing gewinnbringend. Manche Eroberungen belasteten den Staatshaushalt zus\u00e4tzlich.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Das etablierte Qing-Regime erwies sich in seiner Sp\u00e4tphase als unf\u00e4hig, das eigene Imperium, aber auch das Volk vor den Angriffen des ausl\u00e4ndischen Imperialismus zu sch\u00fctzen. Das und die sozial-\u00f6konomische Lage Chinas veranlasste unterschiedliche Kreise im 19. Jh., nach politischen Alternativen zu suchen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die Steuerlasten im 19. Jh. stiegen an: Steuern f\u00fcr die Hofhaltung der Mandschu, der \u201averfressenen gelben Ratten\u2018 , Steuern f\u00fcr die zerr\u00fctteten Staatsfinanzen als Folge der Opiumeinfuhr, Steuern f\u00fcr die (zumeist vom Ausland erzwungenen) Anleihen des Staates, f\u00fcr die Strafzahlungen an die imperialistischen Aggressoren und die damit verbundene Zinsknechtschaft gegen\u00fcber dem Ausland, Steuern f\u00fcr die Kriegskosten der niedergeschlagenen Volksaufst\u00e4nde usw. Das Volk hatte zu bluten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig war und ist China riesig. Aber nur rund 15% der Gesamtfl\u00e4che des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Unter der Qing-Regierung stieg die Bev\u00f6lkerungszahl im ganzen Reich langsam um das zwei- bis dreifache an, w\u00e4hrend sich die Ausweitung der Anbaufl\u00e4che auf ungen\u00fctzten B\u00f6den und die Leistungsf\u00e4higkeit der Landwirtschaft nur schleppend entwickelten. Dazu kamen die ungleiche private Bodenverteilung und -nutzung, ein Spiegelbild der Klassenrealit\u00e4ten in China, was alles die Besitz- und Ern\u00e4hrungsfrage versch\u00e4rfte und f\u00fcr soziale Spannungen sorgte. Eine staatliche Agrarreform im 19. Jh. unterblieb.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Zudem vernachl\u00e4ssigten die sp\u00e4ten Qing die wirtschaftliche Infrastruktur des Landes (Transport, Bew\u00e4sserung, Flutregulierung), aber auch die \u00f6kologische Ordnung sowie die Daseinsvorsorge f\u00fcr den Notfall, Aufgaben, die traditionell zur Legitimierung eines Regimes z\u00e4hlten. Das waren ebenfalls Gr\u00fcnde, den Qing das \u201aMandat des Himmels\u2019 zu verweigern oder abzuerkennen &#8211; ein Recht des Volkes, das die chinesische Philosophie seit Jahrtausenden kennt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche Chinas im 19. Jh. entluden sich im Inneren des Reiches durch eine Vielzahl lokaler oder regionaler Volksaufst\u00e4nde ethnischer oder sozialer Art. Allein der gescheiterte Taiping-Aufstand (1850-1864), gefochten unter einem religi\u00f6sen Banner mit seiner sozialrevolution\u00e4ren Sto\u00dfrichtung, forderte ca. 20. Mill. Tote. Er begann als Bauernaufstand, erfasste dann aber auch die gro\u00dfen St\u00e4dte. Auch er ver\u00e4nderte das Gesicht Chinas.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der milit\u00e4rischen Niederschlagung der Volksaufst\u00e4nde im 19. und Anfang des 20.Jh. bildeten sich aus der herrschenden Klasse auch jene sozialen Kreise und Kr\u00e4fte heraus, die nach dem Fall des Kaiserreiches (1911\/12) dann als Warlords mit ihren Privatarmeen noch chinesische Geschichte gestalten sollten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>China und sein Reich als Beute<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">China im 19. Jh. und noch im beginnenden 20. Jh. war das, was man eine \u201ehalbkoloniale Gesellschaft\u201c genannt hat (gibt es daf\u00fcr keine bessere Begrifflichkeit?): <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bereits im ersten <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Opiumkrieg <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">(1839 &#8211; 1842) hatte England die chinesischen M\u00e4rkte f\u00fcr sich gewaltsam ge\u00f6ffnet. Der Angriff auf die Kontinentalmacht China erfolgte von der ungesch\u00fctzten Seeseite her, mit \u00fcberlegener Schiffs- und Milit\u00e4rtechnologie. China musste kapitulieren (Frieden von Nanjing, 1842). China hatte danach f\u00fcnf H\u00e4fen f\u00fcr den britischen Handel zu \u00f6ffnen, w\u00e4hrend fr\u00fcher der Au\u00dfenhandel \u00fcber staatlich lizensierte und kontrollierte chinesische Kaufmannsfirmen nur in Kanton abzuwickeln war. Diese Monopolstellung wurde gebrochen. Hohe Kriegsentsch\u00e4digungen an den Gegner waren zu zahlen. Honkong ging als Handelsst\u00fctzpunkt an England. Die chinesischen Einfuhrz\u00f6lle wurden niedrig angesetzt, das Opiumeinfuhrverbot (aus Britisch Indien) geschliffen sowie die Gerichtsbarkeit \u00fcber englische Staatsangeh\u00f6rige in China an die englische Konsularvertretung \u00fcbertragen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Im zweiten Opiumkrieg (1856 &#8211; 1860) sattelte man noch einen drauf. Diesmal verb\u00fcndeten sich England und Frankreich im Waffengang gegen China. Im Ergebnis der Friedensverhandlungen hatte China 11 weitere H\u00e4fen f\u00fcr den <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>internationalen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Handel zu \u00f6ffnen.Wieder wurden hohe Kriegsentsch\u00e4digungen f\u00e4llig. Das britische Honkong wurde erweitert, die Zulassung westlicher Gesandter in Peking verf\u00fcgt (mit dem unmittelbaren Kommunikationsrecht mit der chinesischen Regierung), Ausl\u00e4nder erhielten die volle Reisefreiheit im Reich, der Jangtse wurde f\u00fcr ausl\u00e4ndische Handelsschiffe ge\u00f6ffnet, die uneingeschr\u00e4nkte christliche Missionst\u00e4tigkeit in China garantiert, die Anwerbung chinesischer Arbeiter nach \u00dcbersee offiziell gestattet. Ausl\u00e4nder durften sich nun in festgelegten St\u00e4dten, den sogenannten Konzessionen, niederlassen. Wandelte sich eine Niederlassung in eine Konzession, so behielt China zwar die formale Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber das nunmehr ausl\u00e4ndische Pachtgebiet, doch nach der Annahme des niedrig angesetzten Pachtgeldes hatte es im Vertragsgebiet nichts mehr zu sagen (Selbstverwaltung). Die Konzessionen mit ihren kommerziellen Aktivit\u00e4ten waren Brandbeschleuniger im Zerfallsprozess der alten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung Chinas. &#8211; Ein Vertragszusatz zum Friedensabkommen legalisierte zudem die Opiumeinfuhr und den Opiumhandel in China.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das waren nicht die letzten Anschl\u00e4ge auf das \u201aReich der Mitte\u2018. Dennoch wurde Chinas Kern nie kolonialisiert. Allerdings haben eine Reihe imperialistischer R\u00e4uber auch <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>kolonial motivierte Kriege und Erpressungen gegen China und seine Tributstaaten<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> gef\u00fchrt. So kam es, neben der Aggression auf das Reich mit seinen \u201arandst\u00e4ndigen\u2018 Gebietsabtrennungen, in kurzer Zeitspanne gleichfalls zur Aufl\u00f6sung des chinesischen Tributg\u00fcrtels, d.h. zur Abl\u00f6sung der Oberhoheit Chinas \u00fcber diese ausl\u00e4ndischen Gebiete. Zu den Tributstaaten Chinas z\u00e4hlten unter den sp\u00e4ten Qing immerhin Korea, die Ryukyu-Inseln, das Sulu-Archipel, Annam (Vietnam), Siam (Thailand), Burma und Laos. \u2013 Wer nun wissen will, wer sich hier mit wem gegen wen in Ostasien verb\u00fcndet hat, um sich auf Kosten Chinas und der V\u00f6lker Ostasiens den Bauch vollzuschlagen, lese (u.a.) P. Ostwald (1918). (Erg\u00e4nzend auch O. Franke, 1915; G.K. Kindermann, 2001). Ostwald ist ein waschechter deutscher Imperialist von echtem Schrot und Korn, der gerne Klartext (nat\u00fcrlich nicht \u00fcber sich, wohl aber \u00fcber andere) spricht, w\u00e4hrend b\u00fcrgerliche Autoren von heute zum gleichen Thema vielfach nur sch\u00f6nf\u00e4rbend schwafeln. \u2013 Platzmangel zwingt mich hier, die beiden Seiten der chinesischen Demontage mit wenigen Schlaglichtern anzudeuten, die allerdings nicht das ganze Problemfeld ausleuchten k\u00f6nnen: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>England<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> hatte den 1. und 2. Opiumkrieg gegen China gef\u00fchrt, das Land gewaltsam ge\u00f6ffnet und dabei u.a. das chinesische Hongkong als Hafen- und Handels-St\u00fctzpunkt annektiert. 1836 nun hatte England bereits die \u00f6stlichen Teile Nepals an sich gebracht, ab 1861 folgte die schrittweise Annektion von Sikkim, 1885\/6 wurde ganz Burma milit\u00e4risch besetzt und endg\u00fcltige Kolonie, 1910 Bhutan das Recht abgekauft, die eigenen ausw\u00e4rtigen Beziehungen zu lenken. 1904 standen britische Truppen in Lhasa (im chinesischen Tibet). Doch konnte man sich hier politisch erst nach der chinesischen Revolution von 1911 festsetzen. In China selber wurden die eigenen Vorrechte und St\u00fctzpunkte ausgebaut. Letztlich betrachtete England (von Britisch-Indien aus und als Seemacht) Alt-China und die angrenzenden Staaten als sein Revier. Doch die \u201aJagdgesellschaft\u2018 wurde schnell bunter.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1843 \u201aerwarb\u2018 England die Meistbeg\u00fcnstigung von China, eine Klausel, die dem \u201aVertragspartner\u2018 England automatisch alle Verg\u00fcnstigungen garantierte, die China etwaigen ausl\u00e4ndischen Handelspartnern gew\u00e4hrte. 1844 erpressten Frankreich (im Vertrag von Huangpu) und die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>USA <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">(im Vertrag von Wanghia) vom Reich ebenfalls die Meistbeg\u00fcnstigung. Das \u201aModell\u2018 machte international Schule und zog alsbald eine Kette weiterer ausl\u00e4ndischer Abschl\u00fcsse mit China nach sich. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Frankreich<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> war bereits Teilnehmer des 2. Opiumkrieges gegen das Reich. Doch hatte es danach ein imperialistisches Handikap: England behinderte das Entstehen einer starken territorialen Basis Frankreichs in China (das sich in Folge auf Konzessionen und Einflusssph\u00e4ren usw. vor Ort beschr\u00e4nken mu\u00dfte). Die kolonialen Ambitionen Frankreichs wurden nach Indochina abgedr\u00e4ngt: Zwischen 1858 und 1883 unterwarf Frankreich (in Etappen) das heutige Vietnam. Bereits 1863\/74 wurde dabei das selbst\u00e4ndige Kambodscha franz\u00f6sisches Protektorat. China, das Vietnam weiter als Tributstaat betrachtete, er\u00f6ffnete sp\u00e4ter auf franz\u00f6sische Provokationen hin den chinesisch-franz\u00f6sischen Krieg (1884\/5). Es unterlag trotz eines Teilsiegs. Im ausgehandelten Friedensvertrag verpflichtete sich China dann, zuk\u00fcnftig auf alle Interventionen in Vietnam zu verzichten. Frankreich aber verbandt seine kolonialen Erwerbungen 1887 zur \u201eIndochinesischen Union\u201c, der 1893 auch Laos (das Frankreich Siam abgepresst hatte) hinzugef\u00fcgt wurde. Franz\u00f6sisch-Indochina grenzte nunmehr ans \u201aReich der Mitte\u2018. Das er\u00f6ffnete neue Perspektiven des Zugriffs auf China, aber auch Konfliktfelder in der franz\u00f6sisch-englischen Rivalit\u00e4t vor Ort.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Portugal<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> eignete sich 1887 endg\u00fcltig das chinesische Macao als Kolonie an, nachdem dieser Flecken schon seit Jahrhunderten unter portugiesischem Einfluss gestanden hatte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Russland<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> besetzte in den \u201aWirren\u2018 der Opiumkriege und des Taiping-Aufstandes chinesische Gebiete an den Fl\u00fcssen Amur (mit einer direkten Landverbindung nach Korea) und Ussuri, ohne auf nennenswerten Widerstand zu sto\u00dfen. Chinas Zentralregierung hatte zu dieser Zeit andere Sorgen. Sp\u00e4ter folgte die Besetzung des Ili Gebietes ( in der Provinz Xinjiang). Der Hauptsto\u00df der russischen Ambitionen aber richtete sich auf die chinesische Mandschurei sowie auf einige eisfreie Handels- und Gebietsst\u00fctzpunkte an der asiatischen Atlantikk\u00fcste, womit Konflikte mit Japan, England und den USA vorpogrammiert waren. Viele seiner damaligen Erwerbungen verlor Russland sp\u00e4ter wieder im japanisch-russischen Krieg 1904\/5 an Japan. Daf\u00fcr engagierte sich Russland nach der chinesischen Revolution von 1911 verst\u00e4rkt in der chinesischen Mongolei.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Japan <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">besetzte 1879 den Inselstaat Ryukyu und wandelte ihn in die japanische Pr\u00e4fektur Okinawa um. Dabei war das K\u00f6nigreich seit Jahrhunderten ein Tributstaat Chinas.<br \/>\nEine erste Strafexpedition Japans gegen (die chinesische Provinz) Taiwan erfolgte im Jahre 1874 .<br \/>\n&#8211; 1871 scheiterten die USA milit\u00e4risch darin, Korea in \u201aden Welthandel\u2018 zu zwingen.<br \/>\n&#8211; Ab 1876 versuchte nun Tokio, sich in Korea einzunisten, keineswegs zur Freude des chinesischen Oberherren. 1882 gelang es, erste japanische Truppenkontingente in Seoul zu stationieren. Die Rivalit\u00e4t um die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Vor<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">herrschaft in Korea m\u00fcndete 1894\/5 in den ersten japanisch-chinesischen Krieg, den China mit \u201aPauken und Trompeten\u2018 verlor. Im Friedensschluss von Shimonoseki (1895) mu\u00dfte China die \u201evollst\u00e4ndige Unabh\u00e4nigkeit und Autonomie Koreas\u201c anerkennen (im Klartext: China hatte alle Vorrechte Japans in Korea zu akzeptieren), es hatte der Abtretung Taiwans und der Pescadoren-Inseln an Japan zuzustimmen (Japan nahm dann Taiwan gegen den Volkswiderstand milit\u00e4risch ein), Kriegsentsch\u00e4digung zu zahlen und vier chinesische St\u00e4dte f\u00fcr den japanischen Handel zu \u00f6ffnen.<br \/>\n&#8211; Weitere territoriale Abtrennungen verhinderte allerdings eine nachtr\u00e4gliche Intervention Russlands, Frankreichs und Deutschlands. Im russisch-japanischen Krieg 1904\/5, den Japan mit R\u00fcckendeckung Englands f\u00fchrte, wurde Russland geschlagen. Dabei ging es um die Herrschaft in Korea und die Vorherrschaft in der chinesischen Mandschurei. Im durch die USA vermittelten Friedensschluss von Portsmouth (1905) wurde Russland gezwungen, die von China gepachteten Gebiete auf der Liaotung- Halbinsel, insbesondere die der H\u00e4fen Port Arthur und Dairen abzutreten, die Rechte an der S\u00fcdmandschurischen Eisenbahnlinie auf Japan zu \u00fcbertragen. China wurde dazu nicht gefragt. Die Insel Sachalin wurde geteilt. Kriegsentsch\u00e4digungen mussten nicht gezahlt werden. Korea wurde 1910 \u201aoffiziell\u2018 japanische Kolonie.<br \/>\n&#8211; Im1. Weltkrieg besetzte Japan das chinesische Kiautschou (1914) und enteignete damit die deutsche Kolonie (und chinesisches Staatsgebiet).<br \/>\n&#8211; 1915 legte Japan China 21 Forderungen vor, deren Gesamtheit &#8211; bei vollst\u00e4ndiger Annahme &#8211; das Land in ein japanisches Protektorat verwandelt h\u00e4tte. Damit war jedem der Anspruch Japans auf China klar. Ein erneuter japanischer Waffengang um ganz China war absehbar.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">An dieser Stelle muss noch auf eine Besonderheit der japanischen Kolonialpolitik aufmerksam gemacht werden: \u201eJapan war die einzige Imperialmacht, die in ihrem Kolonialreich ebenso wie in den Zonen informeller Penetration planm\u00e4\u00dfig eine industrielle Kolonialwirtschaft aufbaute: Kohle, Eisen und Stahl in Korea und der Mandschurei, Zucker auf Taiwan, Baumwollverarbeitung in Shanghai und Nordchina. Sie sollte die \u00d6konomie der rohstoffarmen japanischen Inseln erg\u00e4nzen und dem geplanten von Japan dominierten asiatischen Gro\u00dfraum zu arbeitsteiliger Autarkie verhelfen.\u201c (J.Osterhammel) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Wirkung der japanischen Aggression auf China war zwiesp\u00e4ltig. Einerseits bewunderte man in den chinesischen Oppositionskreisen Japans eigenst\u00e4ndige Modernisierung, nachdem amerikanische Kriegsschiffe 1853\/54 seine Abgeschlossenheit \u201avor dem Welthandel\u2018 mit milit\u00e4rischen Drohgeb\u00e4rden ge\u00f6ffnet hatten. Andererseits f\u00fcrchtete man die wachsende Expansionskraft Japans gegen China. Nicht ohne Grund, wie der weitere Geschichtsverlauf zeigen sollte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1897 besetzte <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Deutschland<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> das chinesische Kiautschou, um es danach formal auf 99 Jahre zu pachten und seinen Einfluss mit Exklusivrechten in die Provinz Shantung auszudehnen. Deutschland verlor diese (de facto -) Kolonie im Zuge des 1. Weltkriegs (1914) milit\u00e4risch an Japan.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Chinas Niederlage im Japanisch-Chinesischen Krieg 1895, Deutschlands Aggressionsakt von 1897 gegen China sowie Chinas offensichtliche Schw\u00e4che l\u00f6sten <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>ein erneutes<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>Wettrennen auf die Reicht\u00fcmer<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>Chinas<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> aus: \u201e<\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Ru\u00dfland<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> besetzte Port Arthur und Talienwan und pachtete Liautung; die Mongolei und Mandschurei wurden definitiv russische Interessensph\u00e4re. <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>England<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> erwarb Weiheiwei, dehnte das Gebiet um Hongkong aus und lie\u00df sich seine Vorrechte im Jangtsetal verbriefen. <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Frankreich<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> stie\u00df aus Indochina nach Nordosten vor, Hainan geriet unter seinen Einflu\u00df; es gewann Vorrechte in J\u00fcnan, Kwangsi und Kwangtung und pachtete den besten Hafen s\u00fcdlich von Hongkong, Kwangschauwan. <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Japan<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> lie\u00df sich eine Sonderstellung in Fukien best\u00e4tigen.\u201c (H.-U. Wehler, 1987, S. 264) Dies war noch immer keine grundlegende Parzellierung Chinas. Doch die Gefahr nahm zu, nur gebremst durch die Konkurrenz der imperialistischen R\u00e4uber untereinander.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Nach der Niederschlagung des vom Kaiserhaus und der chinesischen Reichsregierung halbherzig unterst\u00fctzten \u201eBoxeraufstandes\u201c gegen die ausl\u00e4ndischen \u201eTeufel\u201c (1900\/1) durch acht Feindstaaten verst\u00e4rkte sich der W\u00fcrgegriff um China noch weiter. Die chinesische Zentralregierung hatte nun (trotz ihres \u201aheimlichen\u2018 Verrats am Volksaufstand) als \u201aS\u00fchne\u2019 eine hohe <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>\u201eBoxerentsch\u00e4digung\u201c<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> (an England, Deutschland, Frankreich, \u00d6sterreich-Ungarn, Italien, Russland, die USA und Japan) zu zahlen, eine Belastung, die zwischen 1902 und 1910 etwa die H\u00e4lfte ihres Budgets ausmachte und formal bis Dezember 1940 zu zahlen war. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wandlung und Stillstand im Reich<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Eingriffe des ausl\u00e4ndischen Imperialismus in die Entwicklung Chinas hatten f\u00fcr das Land nat\u00fcrlich auch <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>gesellschaftliche Folgen<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">. Dazu weitere Schlaglichter: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die ausl\u00e4ndischen M\u00e4chte exportierten nach China nicht nur ihre Ideen, Waren und Kapitalien. Sie errichteten in den zwangsge\u00f6ffneten H\u00e4fen Gesch\u00e4fte und Werkst\u00e4tten (anf\u00e4nglich zur Eigenversorgung, um sie dann als \u201aGesch\u00e4ftsmodell\u2018 f\u00fcr China auszubauen). Vor allem nach 1895 beschleunigte sich die Entwicklung, da Ausl\u00e4ndern nun auch in den \u201eTreaty Ports\u201c gestattet war, eigene Industriebetriebe zu er\u00f6ffnen. Zudem wurden ausl\u00e4ndisch finanzierte Eisenbahntrassen (oftmals mit abgepressten Sondergenehmigungen) durch das Land gelegt und das \u201aHinterland\u2018 so f\u00fcr den Warenimport und den Binnenhandel erschlossen. Entlang diesen Trassen und St\u00fctzpunkten baute das Ausland dann seine sozial\u00f6konomischen Einflusszonen aus. 1907 hatte das ausl\u00e4ndische Kapital 84% der Schiffstransporte, 34% der Baumwollherstellung, 100% der Eisenverh\u00fcttung und 93% der Eisenbahnen Chinas unter seiner Kontrolle. Ausl\u00e4ndische Banken operierten im ganzen Reich, auch im Inlandsgesch\u00e4ft. Die Ausbeutung der lukrativen chinesischen Bodensch\u00e4tze geriet gleichfalls unter ausl\u00e4ndische Verf\u00fcgung, so bedeutende Kohlegruben oder Eisenerzlager durch Japan, Russland, Frankreich und England, oder Roh\u00f6lfelder durch die amerikanische Standard Oil Company. Die durchaus regional begrenzten industriellen Implantate, Einrichtungen und Einflusszonen des Auslandes ver\u00e4nderten in der Folge (allerdings ungleichm\u00e4\u00dfig) das Sozialgef\u00fcge und die Infrastruktur des Reiches, das seine alte Gestalt nicht bewahren konnte. So gerieten z.B. Inlands-St\u00e4dte wie Beijing, Xi\u2019an, Kaifeng, usw. langfristig ins \u00f6konomische Abseits, w\u00e4hrend traditionell periphere St\u00e4dte wie die H\u00e4fen Kanton, Shanghai, Qingdao, Tianjin sowie die entstehenden inl\u00e4ndischen Verkehrsknotenpunkte und Niederlassungen aufbl\u00fchten. Einige St\u00e4dte platzten geradezu aus allen N\u00e4hten. Shanghai als Beispiel hatte Mitte des 19. Jahrhunderts 500.000 Einwohner. 1843 gr\u00fcndeten Engl\u00e4nder hier eine Niederlassung, die nach den 1. Opiumkrieg zu einem Konzessionsgebiet mit englischer Gerichtsbarkeit und eigenen bewaffneten Einheiten ausgebaut wurde. Amerikaner, Franzosen und ab 1895 auch Japaner eiferten ihnen nach und nisteten sich hier ebenfalls ein. Ausl\u00e4nder kontrollierten diese Stadt. 1919 beherbergte die internationale Konzession Shanghai dann ungef\u00e4hr 2. Mio., 1928 bereits 3. Mio. Einwohner. Hier ballten sich der Handel, die industrielle Arbeit und die neuen Werkt\u00e4tigen. Das derartige \u201aK\u00fcstenenklaven\u2018 wie die Gro\u00dfst\u00e4dte Kanton und Shanghai zu \u201aSturmzentren\u2018 der gesellschaftlichen Auseinandersetzung werden sollten, ist also kein Zufall. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Nach den verlorenen \u201aOpiumkriegen\u2018 Mitte des 19. Jh. und den m\u00fchsam niedergeschlagenen Volksaufst\u00e4nden initiierten Provinzgouverneure und Mitglieder der herrschenden Klasse im Reich eine Bewegung zur \u201eSelbstst\u00e4rkung\u201c Chinas, was das Studium westlicher Technologien und Verwaltung einschlo\u00df. Bei den Investitionen sollten privatwirtschaftliche Initiative und staatliche Aufsicht zusammenwirken. Die Losung hie\u00df: \u201eChinesisches Wissen ist die Substanz, westliches Wissen dient der Nutzanwendung.\u201c<br \/>\n&#8211; Im Ergebnis entstanden u.a. einige Waffen- und Munitionsfabriken, eine Handelsdampfschiffartsgesellschaft (um dem Ausland Konkurrenz zu machen), eine Baumwollspinnerei in Shanghai (die sp\u00e4ter ungesch\u00fctzt abbrannte), Ans\u00e4tze eines nationalen Telefon- und Eisenbahnnetzes, neue Docks und eine begrenzte Anzahl moderner Kriegsschiffe. Doch sp\u00e4testens nach den Niederlagen im franz\u00f6sisch-chinesischen Krieg (1885) sowie im japanisch-chinesischen Waffengang ( von 1894\/95) zeigte sich, dass die letztlich individuellen Anstrengungen hinter den Erfordernissen der Zeit zur\u00fcckgeblieben waren. Was fehlte, war der gesamtstaatliche Wille zur \u00f6konomischen, sozialen und administrativen Neugestaltung im Reich. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Der verlorene Japanisch-Chinesische Krieg 1895 veranlasste wiederum eine junge Generation von Reformern, mit Vorschl\u00e4gen zur Verwaltungs- und Gesellschaftsreform an den Hof heranzutreten, um China zu st\u00e4rken. Sie konnten daf\u00fcr das Ohr des heranwachsenden Regenten erreichen, der aufgeschlossen reagierte. Doch sein Einflu\u00df am Hofe war gering. Der Gegenschlag erfolgte im September 1898 unter F\u00fchrung der alten Kaiserwitwe Xixi (1835 &#8211; 1908), deren Politik auf den Machterhalt der alten Ordnung und des Qing-Regimes zielte. Der junge Kaiser Guangxu wurde bis zu seinem Tode (1908) unter Hausarrest gestellt, der Thron endg\u00fcltig von der Witwe und den Konservativen im Staatsstreich okkupiert, sechs Reformer sofort hingerichtet. Wer sich nicht durch Flucht oder Unterwerfung der Verhaftung entzog, verlor sein Leben. Das Reichsgeb\u00e4ude stagnierte und \u00e4chzte unter der Last der Vergangenheit. Das <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>gesellschaftliche<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Reformlager aber spaltete sich in zunehmender Geschwindigkeit in Frustrierte und Revolution\u00e4re. Ihre politischen K\u00f6pfe agierten nun vom In- und Ausland aus auf eine Zeitenwende hin.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Zu sp\u00e4t erfolgte ein neuer staatlich gelenkter Reformanlauf im Reich vor und nach dem Tode der Xixi 1908, um den Druck aus dem gesellschaftlichen \u201aKessel\u2018 zu nehmen. Der Niedergang des \u201amonarchistischen\u2018 Systems war nicht aufzuhalten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kein Reich besteht ewig: Dem Kaiserreich folgt die Republik nach<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das geschundene Reich der Mitte war an der Schwelle zum 20. Jh. in das Stadium seines allseitigen Verfalls eingetreten. Doch die Aufl\u00f6sung des Systems kam nicht von den Randgebieten des Reiches, sondern erfolgte durch eine Milit\u00e4rrevolte mit anschlie\u00dfenden inneren Unruhen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1911<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> wurde das <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Kaiserreich in China gest\u00fcrzt<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">, 1912 die Republik ausgerufen, die jedoch gleich an Instabilit\u00e4t und politischen Fehlern litt. Ein Zeitzeuge kommentierte: \u201eDie Errichtung der Republik scheint nun einen noch tieferen Bruch mit der Vergangenheit zu bedeuten als alles vorher Geschehene. Ist dem aber wirklich so? \u2026 Die Stellung des Pr\u00e4sidenten, in dessen H\u00e4nden die gesamte Verfassungsgewalt liegt, der seine Minister, Beamte und Offiziere nach Gutd\u00fcnken ernennt und entl\u00e4\u00dft, der \u00fcber Heer und Finanzen verf\u00fcgt und der Volksvertretung gegen\u00fcber die weitgehendsten Machtbefugnisse hat, unterscheidet sich von der eines Monarchen eigentlich nur noch dem Namen nach. Und wenn der Pr\u00e4sident (der Republik, d. V.), wie J\u00fcan Shih-K\u2019ai das f\u00fcr seine Person schon durchgesetzt hatte, dazu auf Lebenszeit gew\u00e4hlt wird, so sieht man kaum, worin da noch ein Unterschied von dem Wahlkaisertum des Altertums besteht.\u201c (E. Erkes. 1919, S. 108\/9) 1914 putschte eben dieser Pr\u00e4sident (ein ehemaliger kaiserlicher General), um sich 1915 zum Kaiser auszurufen. 1916 war er am Ende. Doch die Turbulenzen gingen weiter. China war noch immer unter der ausl\u00e4ndischen Knute. Schon bald setzte das Zeitalter der chinesischen Milit\u00e4rmachthaber ein, der Warlords mit einem Flickenteppich von Herrschaftsgebieten. Das Reich zersplitterte &#8211; und erodierte: 1913 erkl\u00e4rte Tibet einseitig seine Unabh\u00e4ngigkeit. Es stand dann unter britischem Einfluss. 1924 wurde die sich von der Zentralgewalt abnabelnde \u201e\u00c4u\u00dfere Mongolei\u201c offiziell als autonome \u201eVolksrepublik Mongolei\u201c unabh\u00e4ngig. Sie geriet unter sowjetische Kontrolle. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Betrachten wir einige <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Entwicklungen<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>in China <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">n\u00e4her:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die chinesische Gesellschaft nach 1911 war weder feudalistisch (oder mit feudalen Resten gekennzeichnet, wie Stalin meinte) noch halbfeudal (d.h. ein Feudalismus mit beigemischten kapitalistischen Elementen, wie Mao Tse-tung mutma\u00dfte). Sie blieb das, was G. Lewin (vor dem Stichjahr 1911) eine \u201evorkapitalistische Gesellschaftsformation\u201c genannt hatte. (Nur der Autor H. Peters vertritt diese Einsch\u00e4tzung, allerdings h\u00e4tten seine Einlassungen eine st\u00e4rkere sozialwissenschaftliche Fundierung verdient.) In der Fl\u00e4che blieb China auch nach 1911 ein b\u00e4uerlich gepr\u00e4gtes, ungleich entwickeltes und mit einigen kommerziellen und industriellen Zentren und Flecken best\u00fccktes Land. Die kapitalistischen \u201aInseln\u2019 waren nicht pr\u00e4gend und \u00f6konomisch bestimmend f\u00fcr das Reich. Diese Gesellschaft wandelte seine Sozialstruktur nach dem Sturz des Kaiserlichen Regimes weiter. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Mit dem Wegfall des (mandschurischen) Kaiserhauses konnte sich das chinesische B\u00fcrgertum vor allem in den ausl\u00e4ndisch dominierten Bereichen (den Vertragsh\u00e4fen, Konzessionen, Bahnlinien, Bergwerken usw.) ungebremst entwickeln. Hier bildete sich (schon ab Mitte des 19. Jh.) ein weiterer Typus des Unternehmers heraus: der chinesische Kapitalist, verbunden mit dem ausl\u00e4ndischen Kapital und dem ausl\u00e4ndischen Imperialismus: der so genannte Komprador, der als Kontaktmann und Handelsvermittler zwischen China und den ausl\u00e4ndischen Handelsinteressen begann, der aber am Ende des 19.Jh. auch anfing auf eigene Rechnung zu operieren. Seine \u00f6konomischen und kommerziellen Interessen waren mit denen der klassischen Unternehmer und H\u00e4ndler Chinas nicht immer identisch.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Mit dem Kaiserhaus, dem Obereigent\u00fcmer von Grund und Boden, entfiel zugleich die letzte (formale) \u201aSchutzmacht\u2019 des kleinen Parzellenbauern, der als selbstwirtschaftender armer Bauer, P\u00e4chter (oder Landloser) unter verst\u00e4rkten Druck geriet oder verelendete. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die Binnenkonjunktur (plus Export) im Gefolge des 1.Weltkriegs bescherte dem chinesischen B\u00fcrgertum in den 20ern goldene Zeiten. Die Zahl der Lohn- und Industriearbeiter, der \u201aGegenpart\u2018 des B\u00fcrgertums in den Zentren stieg an: Massierungen von Arbeitern gab es in Shanghai, Kanton und Hongkong, in den Provinzen Hunan, Hupeh und Kiangsi, vor allem in den St\u00e4dten Wuhan, Changsha und in der N\u00e4he der Bergwerke von Hanyehp\u2018ing und Any\u00fcan, dazu kamen noch kleinere Gruppen in den industriellen Zentren der Provinzen Hopeh und der Mandschurei (nach J.P. Harrison, 1978). Eine syndikalistische Gewerkschafts- und eine ideologisch verschiedenartig gepr\u00e4gte Arbeiterbewegung entstanden hier, die sp\u00e4ter ihre Stimme erhoben. &#8211; Der Gro\u00dfgrundbesitz hatte M\u00f6glichkeiten, sich auf dem Land zu entfalten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre ging es auch in China bergab. Die gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche begannen erneut zu tanzen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Das Reich zerfiel mit der Beseitigung des Kaisertums. Der Zentral- und Einheitsstaat stand nur noch auf dem Papier. Diverse regionale Milit\u00e4rmachthaber und B\u00fcndnisse, die oben angesprochenen Warlords und politische Koalitionen konkurrierten nun (auch auf dem Schlachtfeld) in wechselnden Allianzen um die milit\u00e4rische und politische Hegemonie sowie um die Pfr\u00fcnde im Lande. Zwischen 1916 bis 1926 fanden alleine 22 einzelne Kriege und \u201aLandsknechtsz\u00fcge\u2019 statt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die \u201aGuomindang\u2019 (die \u201enationale Volkspartei\u201c = GMD) war eine dieser Kr\u00e4fte, die mit der Zeit \u00fcber das Schlachtfeld zur politischen und milit\u00e4rischen Hegemonialmacht Zentral-Chinas aufsteigen sollte. Unter Dr. Sun Yat-sen (1870 &#8211; 1925) mehr oder weniger b\u00fcrgerlich-demokratisch, wandelte sie sich im Laufe von wenigen Jahren zur reaktion\u00e4ren Staatspartei und Milit\u00e4rmacht unter General Chiang Kai-shek (das ist Jiang Jieshi, 1887 &#8211; 1975). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die GMD &#8211; das sei hier im Vorgriff benannt &#8211; kontrollierte dann von 1928 &#8211; 1949 die chinesische Zentralregierung (Ein-Parteien-Herrschaft). Allerdings hatte sie 1931 erst 14,6 % der Fl\u00e4che des Landes und 39 % seiner Bev\u00f6lkerung unter ihrer Kontrolle. Doch der blutige Kampf diverser Milit\u00e4rcliquen in wechselnden B\u00fcndniskonstellationen hielt auch zwischen 1927 &#8211; 1937 an. 1937 beherrschte die GMD dann etwa ein Viertel des Landes. Alleinherrscher in China wurde sie nie.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Meine offene Frage<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">: Welche Revolutionsstrategie w\u00e4re einer solchen Gesellschaft angemessen gewesen? F\u00fcr eine reine Bauernrevolution war die Zeit bereits zu weit fortgeschritten. F\u00fcr eine origin\u00e4r b\u00fcrgerliche Revolution war die Bourgeoisie zu schwach und zu uneinheitlich. F\u00fcr eine proletarische Revolution mit erg\u00e4nzendem Bauernkrieg war die Zeit noch nicht gekommen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Vielleicht kommt man einer Antwort n\u00e4her, wenn man <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>die ungel\u00f6sten Probleme der<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>\u201aRevolution von 1911\u2019<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> betrachtet:<br \/>\n1) China war noch immer eine \u201ehalbkoloniale Gesellschaft\u201c. Der ausl\u00e4ndische Imperialismus musste aus dem Land geworfen und Chinas volle Souver\u00e4nit\u00e4t erk\u00e4mpft werden.<br \/>\n2) Die chinesische Gesellschaft und der Staat bedurften einer grundlegenden Demokratisierung. Alle Reste des Kaisertums waren zu liquidieren, die Armee zu demokratisieren, die Privatarmeen aufzul\u00f6sen und der demokratischen Republik zu unterstellen. Die Warlords mussten ausgeschaltet werden. Gesellschaft und Wirtschaft mussten zudem modernisiert werden, der republikanische Staat konnte dabei ein Hebel sein.<br \/>\n3) Der chinesische Bauer, der die Masse der Bev\u00f6lkerung stellte, war nie Leibeigener oder H\u00f6riger wie sein europ\u00e4ischer \u201aBruder\u2019. Er entsprach auch nicht dem Typ des russischen Gemeindebauers (des \u201eobscina\u201c-Bauern), der zur St\u00fctze der Oktoberrevolution in Russland geworden war. Der chinesische Bauer war zwar pers\u00f6nlich frei, aber als Dorfarmer litt er unter der ungleichen Bodenverteilung, als P\u00e4chter unter der zu hohen Pacht, als Landloser fehlten ihm die Lebensgrundlagen. Alle b\u00e4uerlichen Glieder waren von der Gei\u00dfel des Wuchers, hoher Zinsen und erdr\u00fcckender staatlicher Steuern bedroht. Der Dorfarme, der Landlose, ja Teile der Mittelbauern hofften auf eine Boden- und Pachtreform (das hie\u00dfe jedem Pfl\u00fcger sein Feld, ertr\u00e4gliche Pacht, Zinsen und Steuern usw.). Aber w\u00fcrde man die Kraft zum eigenen Aufb\u00e4umen finden? Der niedergeschlagene Taiping-Aufstand des 19. Jh. und der erdrosselte Boxeraufstand des 20. Jh. sa\u00dfen den Menschen noch in den Knochen. Zwar gab es die regional verankerten Bauernvereinigungen sowie einige b\u00e4uerliche Geheimgesellschaften zur gegenseitigen Hilfe (mit Anti-Qing Gesinnung), doch war man r\u00e4umlich und ideologisch getrennt. Wer also konnte da der \u201aErl\u00f6ser\u2018 sein? Und die gro\u00dfen Grundherren? Sie f\u00fcrchteten den Bauernsturm, der, einmal entfesselt, unweigerlich zu einer Neuverteilung der Agrarfl\u00e4che \u00fcbergehen w\u00fcrde.<br \/>\n4) Die gro\u00dfe Bourgeoisie wollte ihr Gesch\u00e4ft mit oder ohne das ausl\u00e4ndische Kapital, mit oder ohne Schutzschirm des ausl\u00e4ndischen Imperialismus; vor allem aber sollte ihr niemand in die Suppe spucken. \u00d6konomisch war man noch schwach und von der internationalen Konkurrenz, dem ausl\u00e4ndischen Kapital bedroht. Wer war da der Besch\u00fctzer? Sah diese Bourgeoisie selber \u00fcber den Tellerrand Chinas, so sah man in Russland (1917) und Deutschland (1918) zwar ein antiimperialistisches Wollen, aber zugleich auch den eigenen drohenden Untergang in Gestalt des Bolschewismus. Wie sollte sie darauf reagieren?<br \/>\n5) Die junge Arbeiterklasse, die Werkt\u00e4tigen wollten das Tor zu politischen und sozialen Ver\u00e4nderung, ja zur Revolution in China ge\u00f6ffnet sehen. Doch war ihre Kopfzahl klein, gemessen an der Gesamtgesellschaft. Ihre politische Orientierung hatte eben erst begonnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Waren dies die Aufgaben und der Rahmen f\u00fcr eine anstehende b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution in China? Oder musste dieser Rahmen modifiziert, erweitert oder gar verlassen werden? (Leider stellt sich keiner der drei oben angesprochenen Autoren explizit diesen Fragen.) Welche Klasse, welche Partei war nun in dieser anstehenden Revolution der F\u00fchrer und wer der Gef\u00fchrte? Die politischen Rezeptb\u00fccher der Zeit jedenfalls erwiesen sich als Makulatur.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die politische Landschaft ver\u00e4ndert sich<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im April 1917 war China (d.h. eigentlich eine \u201aKoalition\u2018 der Milit\u00e4rmachthaber des S\u00fcdens und Nordens) endg\u00fcltig an der Seite der Entente in den 1. Weltkrieg eingetreten. Chinas Hoffnung war, als \u201aLohn\u2018 das Ende der \u201eungleichen Vertr\u00e4ge\u201c einzufahren und das deutsche \u201aPachtgebiet\u2018 Shangtung zur\u00fcckzuerhalten. Daf\u00fcr stellte man den Alliierten Arbeitskr\u00e4ftebataillone zur Verf\u00fcgung (ca. 200.000 Mann: in Frankreich, Russland und in Mesopotamien). Doch die Hoffnung trog. Auf der internationalen Konferenz von Versailles (1919) erhielt Japan und nicht China das Territorium Shangtung als Kriegsbeute zugesprochen, ausgerechnet jene Macht, die immer unverhohlener ihren Herrschaftsanspruch auf China formulierte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In China l\u00f6ste die \u201a\u00dcbereinkunft\u2018 die \u201e4. Mai-Bewegung\u201c aus: eine antiimperialistische Protestbewegung aus den Reihen der Studentenschaft und der Intellektuellen. Der begleitende Boykottaufruf gegen japanische Waren fand sowohl in der Schicht der Kaufleute wie in den neu gebildeten Arbeitervereinigungen ihren Wiederhall. Der chinesische Nationalismus erstarkte von neuem. In der revolution\u00e4ren \u201ab\u00fcrgerlichen\u2018 Opposition, speziell in der GMD Sun Yat-sens beschleunigte sich die Bereitschaft, die Unterst\u00fctzung der revolution\u00e4ren Sowjetunion zu suchen. In der Regierung der Warlords, formell eine der Siegerm\u00e4chte des 1. Weltkrieges, verweigerte man auf \u00f6ffentlichen Druck hin die Unterschrift unter den Vertrag von Versailles.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Boykottbewegung der Kaufleute gegen die japanischen Waren hielt sich ein Jahr lang. Der politische G\u00e4rprozess aber fand seine Fortsetzung in der modernistischen \u201eBewegung f\u00fcr Neue Kultur\u201c (1915 \u2013 1924), mit der die progressiven Kr\u00e4fte endlich die \u201aalten Z\u00f6pfe\u2018 des kulturell Gewesenen abschneiden wollten. Zeitgleich ersch\u00fctterte eine zunehmende Streikbereitschaft der Lohnarbeiter in den gro\u00dfen St\u00e4dten die Landschaft. Sie signalisierte das <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Entstehen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> einer gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung. \u2013 Neue Kr\u00e4fte, andere politische M\u00f6glichkeiten waren im Begriff zu entstehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die GMD als militanter Sammelpunkt diverser \u201ab\u00fcrgerlicher\u2018 Bef\u00fcrworter einer irgendwie gearteten Republik wurde bereits 1912 gegr\u00fcndet, dann mehrfach verboten, und wiederholt so 1914\/17 sowie 1923-24 auf ver\u00e4nderter Grundlage auch ideologisch reorganisiert. \u00dcber ihre Orientierung und Entwicklung wird unten noch einiges zu sagen sein. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die ersten marxistischen Studiengruppen in der Stadt entstanden 1918 in China. Hier wirkte das Echo der russischen Oktoberrevolution nach. Der Parteibildungsprozess des chinesischen Kommunismus begann Anfang der 20er Jahre. Die kleine Kommunistische Partei Chinas (KPCh) wurde 1921 aus der Taufe gehoben und mithilfe der russisch dominierten Kommunistischen Internationale (der KI \/ Komintern, die sich als kommunistische Weltpartei, als Organisator der Weltrevolution verstand) aufgebaut. Von der KPCh gingen dann weitere Impulse zur Entwicklung der chinesischen Gewerkschaftsbewegung in den gro\u00dfen St\u00e4dten aus. Ihr Einfluss darin wuchs, w\u00e4hrend der des Anarchismus abnahm. Erst sp\u00e4t entdeckten die chinesischen Marxisten den Bauern als ein (weiteres) Subjekt der Revolution. Die KPCh wurde 1922 eine Sektion der KI und damit weisungsabh\u00e4ngig.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die vorherrschende Linie der Komintern orientierte die KPCh auf eine b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution in China. Dazu sollte ein B\u00fcndnis mit der \u201ab\u00fcrgerlichen GMD\u2018 geschlossen werden, die formal den \u201edrei Volksprinzipien\u201c: \u201eVolksselbst\u00e4ndigkeit\u201c, &#8211; \u201eVolksherrschaft\u201c (Demokratie), &#8211; \u201eVolkswohlstand\u201c (Sozialismus) &#8211; verpflichtet war (formal deshalb, weil es sich bei der GMD selber um ein Konglomerat unterschiedlicher Interessen und Standpunkte handelte, die sich in der H\u00fclle der \u201aPrinzipien\u2019 bewegten).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die ungleichen \u201aPartner\u2019: das B\u00fcndnis<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das B\u00fcndnis (die 1. Einheitsfront) der ungleichen Partner bot der KPCh Chancen, aber auch gro\u00dfe Unw\u00e4gbarkeiten:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die GMD<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> war keine einheitliche Organisation &#8211; weder politisch noch organisatorisch. Die GMD war gegen\u00fcber der \u00fcberkommenen Ordnung insgesamt revolution\u00e4r und stand f\u00fcr die nationale Unabh\u00e4ngigkeit und Einheit Chinas in einer \u201ab\u00fcrgerlichen\u2018 Republik unter zentraler Verwaltung. Dieses formale Ziel verband sie mit der KPCh. Teile der GMD lehnten jedoch ein politisches B\u00fcndnis mit der Sowjetunion und der KPCh ab. Die sozialen Interessen jener Grundherren, Kapitalisten und H\u00e4ndler, die sich dieser \u201arechten\u2018 Parteistr\u00f6mung zugeh\u00f6rig f\u00fchlten und deren S\u00f6hne dann als Offiziere in der Parteiarmee dienten, waren mit der sozialrevolution\u00e4ren Perspektive der KPCh nicht kompatibel. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Daneben gab es jedoch einen \u201alinken\u2019 Fl\u00fcgel in der GMD (aus denselben Kreisen), der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>moderate<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Sozialreformen in China nicht ablehnte; au\u00dferdem als \u201adritte Richtung\u2018 die charismatische F\u00fchrerpers\u00f6nlichkeit Dr. Sun Yat-sen. Die beiden Letzteren bef\u00fcrworteten ausdr\u00fccklich ein B\u00fcndnis mit der KPCh. Ausschlaggebend war dabei die Hoffnung auf Geld, Milit\u00e4rhilfe, sowjetische Ausbilder und logistische Unterst\u00fctzung aus der Sowjetunion f\u00fcr die noch immer desolate Partei, die auch &#8211; nach einigen Schwankungen der SU &#8211; gew\u00e4hrt wurde. Sun Yat-sen bildete das Scharnier zwischen den Parteifl\u00fcgeln der GMD und eine Achse zur KPCh. Sun Yat-sen\u2019s Pogramm selber war eklektisch aufgebaut. Neben nationalrevolution\u00e4ren und liberalen Elementen (die als Voraussetzung und Motor zu einer umfassenden Modernisierung von Staat und Gesellschaft gesehen wurden) enthielt das Ideenpaket auch sozialpolitische Forderungen und Rechte f\u00fcr die Bauern und Arbeiter (ein Denken, das allerdings auch Vorbehalte kannte: so sollten in der angestrebten Agrarreform anf\u00e4nglich lediglich Pacht und Zinsen gesenkt werden und erst sp\u00e4ter, in einer zweiten Phase die Landumverteilung erfolgen; usw.). Dieses personifizierte Programm Sun Yat-sen\u2018s bot allen Seiten in der GMD, aber auch der KPCh, Ankn\u00fcpfungspunkte und Interpretationsm\u00f6glichkeiten. Kein Parteifl\u00fcgel der GMD aber unterst\u00fctzte den Gedanken des Klassenkampfes, was sich sp\u00e4testens im Klassenkampf selber als politischer Sprengsatz zur KPCh erweisen sollte. Der Tod Sun Yat-sen\u2019s 1925 lie\u00df die Widerspr\u00fcche in der GMD offen aufbrechen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die KPCh<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> hingegen war klein, unerfahren, marxistisch bem\u00fcht und eben erst fl\u00fcgge geworden. Sie war zudem den (nicht immer hilfreichen) Ratschl\u00e4gen und Weisungen der KI unterworfen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">1923 hie\u00df es in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung von GMD und der SU: \u201eDr. Sun h\u00e4lt die Einf\u00fchrung des Kommunismus oder auch nur des Sowjetsystems in China nicht f\u00fcr m\u00f6glich, da hier die n\u00f6tigen Vorbedingungen f\u00fcr eine erfolgreiche Anwendung fehlen. Herr Joffe (der Vertreter der Sowjetunion, d.V.) schlie\u00dft sich voll und ganz dieser Ansicht an; er ist des weiteren der Meinung, da\u00df das wichtigste und dringendste Problem Chinas die Herstellung seiner nationalen Einheit und seiner vollkommenen nationalen Unabh\u00e4ngigkeit sei. Herr Joffe hat Dr. Sun im Hinblick auf diese gro\u00dfe Aufgabe der w\u00e4rmsten Sympathie des russischen Volkes f\u00fcr China und (seine) Hilfsbereitschaft versichert.\u201c (dokumentiert in: C. Brand u.a., 1955, S. 48) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Trotz erheblicher Widerspr\u00fcche und Widerst\u00e4nde in der Partei gab die KPCh dem Dr\u00e4ngen der Komintern nach und erkl\u00e4rte im Juni 1923: \u201eDie KMT sollte die Kerntruppe der nationalen Revolution sein und ihre F\u00fchrung \u00fcbernehmen \u2026\u201c. (dokumentiert in: W. Bauer, 1973, S. 22) &#8211; Gleichwohl war die revolution\u00e4re Arbeiterpartei KPCh (mit ihrem sozialpolitischem Minimalprogramm und ihrem Endziel des Sozialismus und Kommunismus) der Wahrer und Vertreter der sozialen und nationalen Arbeiter- und Bauerninteressen, was im Klassenkampf unweigerlich zu Spannungen und Problemen mit der GMD f\u00fchren sollte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das B\u00fcndnis<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> von KPCh und GMD wurde <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>zu den Bedingungen<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>der GMD<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> geschlossen: Die Kommunisten mussten individuell der GMD beitreten (was aus eigenem Entschluss nicht alle taten). Die Neumitglieder waren fortan dem Pogramm, Statut sowie der Parteidisziplin der GMD unterworfen, aber faktisch zu einer doppelten Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber zwei Parteien verpflichtet. Die kommunistische Arbeit und Propaganda fand folglich unter erschwerten, teils konspirativen Bedingungen statt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die selbst verordneten Schwerpunkte der kommunistischen Arbeit lagen weiterhin in den St\u00e4dten und in der Gewerkschaftsbewegung, sehr oft unter der Flagge der GMD. Ein revolution\u00e4res Agrarprogramm gab sich die KPCh in diesen Jahren nicht, obwohl dies durchaus den W\u00fcnschen der Komintern entsprochen h\u00e4tte. Es gab jedoch eine Str\u00f6mung in der chinesischen Partei, die sich in folgender Position gefiel: \u201e Der Haupttrupp der kommunistischen Bewegung mu\u00df aus Industriearbeitern bestehen. In einem Land wie China sind \u00fcber die H\u00e4lfte der Bauern kleinb\u00fcrgerliche landbesitzende Bauern, die hartn\u00e4ckig an der Idee des Privateigentums festhalten. Wie k\u00f6nnen die den Kommunismus annehmen?\u201c Dieses Denken war abstrakt und ahistorisch. Dabei schrumpfte die chinesische Bauernschaft auf eine politische Gr\u00f6\u00dfe, zu einem Waffentr\u00e4ger im nationalen Befreiungskampf zusammen. &#8211; Die eigene und eigentliche kommunistische Arbeit unter den Bauern wurde nur schleppend und inkonsequent betrieben &#8211; wohl auch um die GMD nicht zu verschrecken. Dabei h\u00e4tte klar sein k\u00f6nnen, dass demjenigen die gesellschaftliche Macht in China zufallen w\u00fcrde, der die Pacht bzw. die Zinsen auf dem Land senkte und die Agrarfl\u00e4che an die Bauern<\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>massen <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">\u00fcbergab. &#8211; Die Hoffnung der KPCh-F\u00fchrung war wohl, die GMD durch Unterwanderung und Massenbeeinflussung nach links zu treiben und den rechten Parteifl\u00fcgel zu isolieren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Vorsto\u00df der GMD-Parteiarmee von Kanton nach Shanghai \/ Nanking und die Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das B\u00fcndnis der ungleichen Partner ebnete der GMD den Weg zur Macht: 1926 verlie\u00df die GMD-Parteiarmee ihren damaligen St\u00fctzpunkt, die Gro\u00dfstadt Kanton (= Guangzhou) zum so genannten Nordfeldzug gegen verschiedene Milit\u00e4rmachthaber Zentral- und Nordchinas. Diese Kr\u00e4fte sollten nacheinander ausgeschaltet werden, um die Einheit des Landes wieder herzustellen. Die KPCh flankierte den milit\u00e4rischen Vormarsch mit Arbeiter-(General-)Streiks und Bauernerhebungen. Zwar war sie in der GMD-Parteiarmee mit Offizieren vertreten, doch hatte die KPCh auf ein eigenes Heer verzichtet.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das Ursprungskonzept der Komintern scheiterte endg\u00fcltig 1927 in den chinesischen Gro\u00dfst\u00e4dten. Chiang Kai-shek als Oberbefehlshaber der GMD-Parteiarmee sowie die rechte GMD-F\u00fchrung putschten mit der ihnen noch immer ergebenen Armee im soeben eroberten Shanghai sowie in anderen St\u00e4dten gegen\u00fcber ihren B\u00fcndnispartnern. Ihnen war die KPCh, nach eigenem Bekunden, zu m\u00e4chtig und einflussreich geworden. Sp\u00e4ter zog der linke Fl\u00fcgel der GMD in der Stadt Wuhan nach. Dabei st\u00fctzte sich die Konterrevolution neben den eigenen Kr\u00e4ften auf die Unterwelt des Jangtse-Tals (so auf die \u201eGr\u00fcne\u201c und \u201eRote\u201c Gilde bzw. Bande), auf Teile der Komprador-Bourgeoisie sowie auf das Wohlwollen der ausl\u00e4ndischen M\u00e4chte (z.B. durch den konterrevolution\u00e4ren Einsatz der englischen und japanischen Polizei in Shanghai). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh war auf diesen Schlag nicht vorbereitet. Warnsignale wurden \u00fcberh\u00f6rt. Die organisierte politische Arbeiterbewegung in den gro\u00dfen St\u00e4dten wurde fast vollst\u00e4ndig vernichtet, viele Arbeiterkader verhaftet und ausgel\u00f6scht (Massaker), verschiedene Gewerkschaften gedeckelt oder verboten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh verlor in den nachfolgenden Wirren und mit der anschlie\u00dfend eingeschlagenen Strategie der Aufst\u00e4nde in den St\u00e4dten, die im Desaster endete, ihre Verbindung zu den Arbeitermassen &#8211; und das f\u00fcr lange Zeit. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Amerikanische Historiker brachten ihre Genugtuung \u00fcber die Ereignisse von 1927 nachtr\u00e4glich so zu Papier: \u201eBis zum Fr\u00fchjahr 1927 hatten KMT und die KPC beide den Hauptzweck ihres B\u00fcndnisses erreicht und sich mit Hilfe des anderen Partners eine Stellung erobert, von der aus jede von ihnen den Versuch wagen konnte, die totale Macht an sich zu rei\u00dfen. Die KMT besa\u00df jetzt dank des Entgegenkommens der Russen einen Parteiapparat und eine Parteiarmee und dank der Unterst\u00fctzung der Kommunisten einen festen Halt bei den Massen.<br \/>\nDie Kommunisten ihrerseits hatten mit Hilfe der KMT-Armeen ihren Einflu\u00df auf gro\u00dfe Arbeiter- und Bauernorganisationen im S\u00fcden und in der Mitte Chinas ausgedehnt, Gebiete, die erst seit kurzem von der Herrschaft der Gener\u00e4le befreit waren.<br \/>\nSo hatte sich jeder eine Waffe gesichert, mit der er den anderen aus dem Feld schlagen konnte. Tschiang Kai-schek konnte die Massenbewegungen durch sein Milit\u00e4r in Schach halten und hoffen, sie ganz zu unterdr\u00fccken. Die Kommunisten konnten durch ihre Beherrschung der Massen die KMT-F\u00fchrung unterminieren und zu beseitigen hoffen. In dem China von 1927 hatte bei diesem Wettkampf die milit\u00e4rische Macht die gr\u00f6\u00dfere Chance. Die von den Kommunisten im Verlauf der \u201eGro\u00dfen Revolution\u201c von 1925 bis 1927 aufgezogenen Massenorganisationen wurden innerhalb weniger Wochen von den Bauernheeren der KMT-Gener\u00e4le zerschlagen. Das B\u00fcndnis endigte, wie beide Teile erwartet hatten, mit der Diktatur des einen; aber es waren diesmal die Kommunisten, die der Rache derer verfielen, die von ihnen als Opfer ausersehen waren.\u201c (C. Brand u.a., 1955, S.47) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die politisch durchblickenden K\u00f6pfe in der KPCh wussten von nun an, welches Schicksal die GMD mit ihrem zuk\u00fcnftigen Parteivorsitzenden Chiang ihnen zugedacht hatte. Sie w\u00fcrden sich nie mehr entwaffnen und von der GMD vereinnahmen lassen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Exkurs: Wie genau war die Klassenanalyse der KPCh?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i>R\u00fcckblickend <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">kann gesagt werden, dass die Klassenanalyse der chinesischen Gesellschaft durch die KPCh in den Anfangsjahren unzureichend war. Das trifft sowohl auf die Bauernschaft wie auf die Werkt\u00e4tigen, die Arbeiterklasse zu, ja betrifft selbst die nationale Bourgeoisie. Die eigene Klassenanalyse reichte aber noch aus, um nach den blutigen Lektionen in Shanghai (usw.) den nationalen und sozialen Volks- bzw. Bauernkrieg zu f\u00fchren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Mao Tse-tung war im \u00dcbrigen nicht der Erste und Einzige, der die Brisanz der Bauernfrage f\u00fcr das \u201aNeue China\u2018 erkannte, wie der Autor H. B\u00f6ke zu Recht angemerkt hat. 1922 begann P\u2019eng P\u2019ai (1896 &#8211; 1929), radikaler Sohn eines wohlhabenden Grundbesitzers, jenseits der KPCh mit dem Aufbau von revolution\u00e4ren Bauernvereinigungen in Hailufeng, die allerdings bereits 1924 blutig unterdr\u00fcckt wurden. P\u2018eng P\u2019ai trat 1924 nach seiner Flucht in Kanton der KPCh bei und wurde einer ihrer Funktion\u00e4re. Er nahm auch weiterhin hohe politische Funktionen in der (mehr oder weniger spontan) wachsenden Bauernbewegung ein. &#8211; Im Juni 1926 sollen 5.353 unabh\u00e4ngige, leicht vernetzte Bauernvereinigungen mit 980.000 Mitgliedern in ganz China bestanden haben. Um 1927 war die Bewegung auf 9 Mio. Mitglieder angewachsen, verteilt auf 16 Provinzen des Reiches, neben diversen b\u00e4uerlichen Geheimb\u00fcnden (J. P. Harrison, 1978, S. 122 \u2013 124). Die KPCh erfand dieses gesellschaftliche \u201aUnruhepotenzial\u2018 auf dem Lande nicht, sie fand es vor. &#8211; P\u2019eng P\u2019ai, dieser Praktiker des Klassenkampfes aber fiel als kommunistischer Funktion\u00e4r 1929 der GMD in die H\u00e4nde und wurde erschossen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Auch in der Fr\u00fchphase der revolution\u00e4ren GMD gab es noch Initiativen zu progressiver Bauernpolitik, die aber nach dem konterrevolution\u00e4ren Putsch Chiang Kai-sheks am 27. April 1927 in Shanghai versandeten und ins Gegenteil verkehrt wurden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Maos \u201eUntersuchungsbericht \u00fcber die Bauernbewegung in Hunan\u201c ( noch verfasst in seiner Doppelmitgliedschaft als Parteikommunist und als Gr\u00fcndungsmitglied des Ausschusses der nationalistischen Bauernbewegung bzw. als Leiter des Schulungsinstituts der Bauernbewegung der GMD) vom M\u00e4rz 1927 war jedoch der erste systematische Versuch, die Bauernbewegung in Hunan\/China zu analysieren und daraus politische Schlussfolgerungen abzuleiten. Emphatisch schrieb der Autor: \u201eW\u00e4hrend meiner k\u00fcrzlichen Reise in die Provinz Hunan untersuchte ich an Ort und Stelle die Lage\u2026 Ich sah und h\u00f6rte viel Erstaunliches \u2013 Dinge, die ich fr\u00fcher weder zu sehen noch zu h\u00f6ren Gelegenheit hatte\u2026 Mit dem ganzen Gerede gegen die Bauernbewegung mu\u00df rasch Schlu\u00df gemacht werden, und alle falschen Ma\u00dfnahmen der revolution\u00e4ren Beh\u00f6rden in bezug auf diese Bewegung m\u00fcssen schleunigst abge\u00e4ndert werden. Nur so kann man zur zuk\u00fcnftigen Entwicklung der Revolution beitragen. Denn der gegenw\u00e4rtige Aufschwung der Bauernbewegung ist ein gewaltiges Ereignis. Es dauert nur noch eine sehr kurze Zeit, und in allen Provinzen Mittel-, S\u00fcd- und Nordchinas werden sich Hunderte Millionen Bauern erheben; sie werden ungest\u00fcm und unb\u00e4ndig wie ein Orkan sein, und keine noch so gro\u00dfe Macht wird sie aufhalten k\u00f6nnen. Sie wird alle ihnen angelegten Fesseln sprengen und auf dem Weg der Befreiung vorw\u00e4rtsst\u00fcrmen. Sie werden allen Imperialisten, Milit\u00e4rmachthabern, korrupten Beamten, allen Tuhao und Li\u00e4schen das Grab schaufeln. Sie werden alle revolution\u00e4ren Parteien, alle revolution\u00e4ren Genossen \u00fcberpr\u00fcfen, um sie entweder zu akzeptieren oder abzulehnen. Soll man sich an ihre Spitze stellen, um sie zu f\u00fchren? Soll man hinter ihnen hertrotten, um sie wild gestikulierend zu kritisieren? Oder soll man ihnen in den Weg treten, um gegen sie zu k\u00e4mpfen? Es steht jedem Chinesen frei, einen dieser drei Wege zu w\u00e4hlen, aber der Lauf der Ereignisse wird dich zwingen, rasch deine Wahl zu treffen.\u201c (Mao Tse-Tung. Ausgew\u00e4hlte Werke = AW. I., S. 21\/22) Eine historische Analyse der Bauernfrage in China entwickelte das Papier jedoch nicht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die von P\u2019eng P\u2019ai, Mao Tse-tung und den Anderen begonnene Arbeit unter den Bauern (hier von mir nicht dargestellt) sollte sp\u00e4ter der in den St\u00e4dten geschlagenen KPCh Unterschlupf und Entfaltungsm\u00f6glichkeiten bieten. Doch wird der Verlauf des sozial-revolution\u00e4ren Krieges der KPCh auch zeigen, dass die sozialen und politischen Verh\u00e4ltnisse in China vielgestaltig waren. Pr\u00e4zisierungen und Kurskorrekturen in der Bauernpolitik (usw.) werden die Geschichte der KPCh begleiten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Unzul\u00e4nglich war auch die Erfassung und Beschreibung der kleinen chinesischen Arbeiterklasse und der zahlenm\u00e4\u00dfig beschr\u00e4nkten Werkt\u00e4tigen in ganz China in der Anfangsphase der KPCh (Literatur u.a.: G. Lewin,1972 \/ R. Lorenz (Hg.), 1977).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der Heroismus dieser jungen Avantgarde war jedoch atemberaubend und d\u00fcrfte das rosarote Bild einer \u201aerwachsenen\u2018 und starken Arbeiterklasse in der KPCh beeinflusst haben. &#8211; Leider fehlt mir hier der Raum, diesen Fragen nachzugehen. Dazu k\u00e4me ja auch noch das Problem, was sich nach dem \u201aStichtag 1927\u2018 in der Sozialstruktur der arbeitenden Klassen in China getan hat.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Gibt es nun einen Zusammenhang zwischen der falschen Gesellschaftsanalyse Chinas, die von einer halbfeudalen oder feudalistischen Gesellschaft ausgeht, sowie der unzureichenden Klassenanalyse der Komintern \/ KPCh in den 20er\/30er Jahren einerseits und den fr\u00fchen Niederlagen der Kommunisten in China andererseits? Ich meine ja. Denn die Fehlurteile beg\u00fcnstigten falsche strategische und politische Weichenstellungen und Handlungen der Kommunisten in China. So stellt sich die Frage nach der Richtigkeit der Revolutionsstrategie der Komintern in China explizit. Ich kann diesen Fragenkomplex leider nur anrei\u00dfen. &#8211; Es st\u00e4nde den <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>heutigen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Marxisten gut zu Gesicht, sich erneut diesen Problemen zu stellen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein arger Weg der Erkenntnis: die strategische Neuorientierung der KPCh<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der R\u00fcckzug der KPCh aufs Land<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">, der in Etappen verlief (von mir hier in der r\u00e4umlichen und zeitlichen Dimension nicht dargestellt), war dann nach der Niederschlagung der kommunistischen Aufst\u00e4nde in den St\u00e4dten eine pragmatische Notwendigkeit sowie Auftakt f\u00fcr politische Fraktionsk\u00e4mpfe und erzwungene Lernprozesse, denn nicht alle Genossen waren spontan bereit, ihre \u201aBauernblindheit\u2018 abzulegen. Zwei Bedingungen waren ausschlaggebend f\u00fcr das \u00dcberleben der KPCh: Zum einen die sich <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>langsam <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">herausbildende und verankernde \u201aMao-Strategie\u2018 der l\u00e4ndlichen Revolution <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>unter kommunistischer F\u00fchrung<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> (in der Partei erst vollst\u00e4ndig durchgesetzt zwischen 1935 &#8211; 43). Die Rest-KP zog sich als Kader in einer politisierten Bauernarmee ins chinesische Hinterland zur\u00fcck. Milit\u00e4rische Einkreisungsversuche und Ausrottungsfeldz\u00fcge der GMD bildeten dabei eine st\u00e4ndige Bedrohung. Mehrfach stand das \u00dcberleben der KPCh auf des Messers Schneide. Allerdings konnte die oben angezeigte Kurskorrektur &#8211; weg von den damals sinnlosen st\u00e4dtischen Aufst\u00e4nden und hin zur unterdr\u00fcckten Dorfarmut &#8211; nur wirksam werden, weil \u00e4u\u00dfere Faktoren das \u00dcberleben der KP im l\u00e4ndlichen Raum beg\u00fcnstigten: Die Gr\u00f6\u00dfe des Landes mit seiner Un\u00fcbersichtlichkeit und die politische Zersplitterung des Reiches, in der rivalisierende Milit\u00e4rmachthaber und Banden auf einem Mosaik von Herrschaftsfl\u00e4chen der KPCh Raum f\u00fcr Man\u00f6ver und isolierte Gefechte boten. Au\u00dferdem war die Zentralregierung in Nanking (d.h. der Milit\u00e4rmachthaber Chiang Kai-shek und seine GMD) zeitgleich noch immer in parallele \u201aGeneralskriege\u2018 (Kriege mit einzelnen Milit\u00e4rmachthabern) verwickelt und k\u00e4mpfte selber ums \u00dcberleben. Vor diesem Hintergrund konnte die \u201amaoistische\u2018 Strategie greifen, milit\u00e4rische und soziale St\u00fctzpunktgebiete bei den D\u00f6rfern zu errichten &#8211; und so zu \u00fcberleben. Einer geeinten, konzentrierten Staatsmacht h\u00e4tten die geschw\u00e4chte Partei und Bewegung damals wahrscheinlich nicht standhalten k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>III. Der japanische \u00dcberfall auf die Republik China und die Folgen<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u00dcberfall Japans auf die (Rest-)Mandschurei, Nord- und Zentralchina sowie auf S\u00fcdost- Asien leitete dann eine politisch-strategische Wende f\u00fcr die KPCh, aber auch f\u00fcr die GMD ein. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Japan<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> hatte sich Ende des 19. \/ Anfang des 20. Jh. Zug um Zug zu einer imperialistischen Macht gemausert. Nicht im Handel, sondern im Erwerb von Rohstoffquellen f\u00fcr die eigene Industrie sowie in der Aneignung von Land f\u00fcr die Ansiedelung japanischer Bauern wurde die Zukunft Gro\u00df-Japans gesehen. Wo? Auf dem asiatischen Festland und in S\u00fcdostasien. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">So eignete sich Japan immer gr\u00f6\u00dfere Gebiete in China an: 1931 erfolgte als n\u00e4chster Schritt die Besetzung der chinesischen Mandschurei, ohne dass die GMD-Truppen, besch\u00e4ftigt mit der Vernichtung des Kommunismus, nennenswerten Widerstand leisteten. China und die GMD verloren so schlagartig 11% ihres Territoriums, 40 % der chinesischen Waldfl\u00e4che, 35% der damals bekannten Kohle-, 50% der Erd\u00f6l- und 80% der Eisenvorr\u00e4te. 1932 zum eigenen Staat erkl\u00e4rt, wurde das japanische Protektorat dann 1934 als Kaiserreich Mandschukuo (das hei\u00dft Mandschustaat) in die Welt gesetzt, mit dem letzten chinesischen Kaiser mandschurischer Abstammung Pu Yi als japanische Marionette. Gleichzeitig ermunterte und unterst\u00fctzte Japan separatistische Kr\u00e4fte in der chinesischen Inneren Mongolei, die sp\u00e4ter Teil der japanischen \u201a5. Kolonne\u2019 in China wurden. 1932 erfolgte als weiterer Schritt ein erster Angriff japanischer Soldaten auf Shanghai, dem jedoch nach heftigen chinesischen Abwehrk\u00e4mpfen und internationalem Druck ein R\u00fcckzug folgte. Am 5. Mai 1932 gab es dann ein Waffenstillstandsabkommen mit der chinesischen Zentralregierung. Doch die Destabilisierung chinesischen Territoriums durch die japanische Armee ging weiter.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Am 7. Juli 1937 begann nach japanischen Provokationen der \u201aoffizielle\u2018 Chinesisch-Japanische Krieg. Peking und die K\u00fcstenst\u00e4dte fielen in die Hand der Japaner. Japan beherrschte nun bald gro\u00dfe Teile Nord- und Ostchinas, alle H\u00e4fen und die Transportlinien. Shanghai fiel im November1937, Nanking ein Monat sp\u00e4ter. Danach wurde der japanische Vormarsch langsam eingestellt und auf wenige lohnende Ziele begrenzt. Im Vordergrund standen die Konsolidierung des Eroberten sowie die Abwehr des chinesischen Partisanenkrieges. H\u00e4ufig mussten sich die Japaner allerdings auf die Sicherung der St\u00e4dte und die der Verkehrswege beschr\u00e4nken. (Zum Verlauf weiter unten.) 1940 gelang der japanischen Besatzungsmacht dann die Etablierung eines <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>nachhaltigen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> chinesischen Marionettenregimes (mit Sitz in Nanking). Sie konnte daf\u00fcr den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der GMD und innenpolitischen Rivalen Chiangs, den Milit\u00e4rmachthaber Wang Jingwei (1884-1944) als antikommunistische (\u201apro-asiatische\u2018) Gallionsfigur gewinnen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der Nationalist und Milit\u00e4rmachthaber Chiang Kai-shek aber <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>verweigerte sich <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">den Japanern sowie den Sirenenkl\u00e4ngen ihrer Kollaborateure. Die nationalchinesische GMD-Armee und die Zentralregierung verlagerten ihre Stellungen 1938\/39 in die Tiefe S\u00fcdwest-Chinas. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die GMD,<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> die chinesische Zentralregierung unter Chiang Kai-shek, setzte dem Vordringen Japans in China anf\u00e4nglich wenig entgegen (siehe oben). Die Vernichtung des Kommunismus hatte f\u00fcr sie Priorit\u00e4t. Die Leitlinie hie\u00df: zuerst Befriedung, dann Widerstand. Das beg\u00fcnstigte lange den Vormarsch der Japaner in die Fl\u00e4che des Landes. Durch die Verhaftung Chiangs (= \u201eXi\u2019an \u2013 Zwischenfall\u201c) am 12. Dez. 1936 erzwangen jedoch zwei aus Nordost-China vertriebene GMD-Gener\u00e4le mit ihren Mannschaften das Einverst\u00e4ndnis der Partei, in die offene Konfrontation mit Japan einzutreten und ein <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>milit\u00e4risches<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> B\u00fcndnis mit der KPCh gegen Japan zu schlie\u00dfen (die 2. nationale Einheitsfront). Die Auseinandersetzung begann im Juli 1937. Japan dehnte danach (wie beschrieben) den Krieg in China aus, da mit einer Kapitulation der Nationalregierung nicht mehr zu rechnen war. Doch Chiang Kai-shek und die GMD f\u00fchrten den Kampf <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>f\u00fcr sich<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> weiter als traditionellen Frontenkrieg. Sie erlitten dabei gegen\u00fcber den modern ausger\u00fcsteten Japanern gro\u00dfe territoriale und menschliche Verluste. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Um der Bombardierung und Unterwerfung seiner Hauptstadt Nanking zu entgehen, wurde der nationalchinesische Regierungssitz immer tiefer in den S\u00fcdwesten Chinas verlagert &#8211; entlang dem Flussbett des Jangtsekiang &#8211; zuerst in die Stadt Wuhan, die schon bald fiel, sp\u00e4ter in die fernwestliche \u201aFluchtburg\u2018, das st\u00e4dtische Chongping in der Provinz Sichuan, das durch nat\u00fcrliche Hindernisse weniger verletzlich schien. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Vertreibung und der Stellungswechsel hatte f\u00fcr die GMD Folgen: Sie verlor ihre Wurzeln in den K\u00fcstenst\u00e4dten und K\u00fcstenprovinzen Chinas. Vor allem aber verlor sie an Japan die Zolleinnahmen aus dem See- und Binnenhandel, die einen betr\u00e4chtlichen Teil ihres Staatshaushaltes ausgemacht hatten. &#8211; Mehrere Mio. Menschen aus vielen Teilen Chinas siedelten danach fluchtartig in die Gebirgsprovinzen des Westens \u00fcber, im m\u00fchsamen Tross ganze Industrieanlagen, Betriebe, Universit\u00e4ten mitf\u00fchrend. Dieser Teil des Reiches erlangte dadurch eine kurzzeitige Bl\u00fcte. Doch statt sich im neuen Herrschaftsgebiet mit den armen Bauern gutzustellen, betrieb die GMD auch weiterhin ihre alte reaktion\u00e4re Bauernpolitik. Sie setzte damit auch hier den Keim der Unzufriedenheit.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die KPCh <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">hatte bereits im Februar 1932 in ihrem weit abgelegenen l\u00e4ndlichen Basisgebiet, der chinesischen \u201eSowjetrepublik Jiangx\u201c, Japan den Krieg erkl\u00e4rt. (Damals umfasste diese R\u00e4terepublik in der gleichnamigen Provinz 50.000 qkm. Sie beherbergte 4,5 Mio. Menschen. Die Volksmacht verf\u00fcgte \u00fcber eine regul\u00e4re Streitmacht von 25.000 Mann, hatte aber nur 20.000 Gewehre. Ihr Vorsitzender war Mao Tse-tung = Mao Zedong). Doch war die Kriegserkl\u00e4rung an Japan, weitab vom eigentlichen Frontverlauf, wohl eher ein symbolischer Akt. Denn noch hatte die KPCh andere Sorgen. Schon seit Anfang der 30er Jahre wurde sie in ihren St\u00fctzpunktgebieten durch diverse Ausrottungsfeldz\u00fcge der GMD bedr\u00e4ngt. Der f\u00fcnfte, gro\u00df angelegte Versuch (Einsatz &#8211; je nach Rechnung und Autor &#8211; 700.000 oder 1 Mio. Soldaten und eine ver\u00e4nderte Milit\u00e4rstrategie der GMD) zwang die milit\u00e4rischen und politischen Hauptkr\u00e4fte der KPCh in den \u201eLangen Marsch\u201c, eine Flucht- und Ausweichbewegung weg von Jiangxi, der sie \u00fcber eine Strecke von nahezu 11.000 km (nach anderer Lesart 12.500 km) kreuz und quer durch elf chinesische Provinzen f\u00fchren sollte (1934 \u2013 35\/36). Nur ein Zehntel jener, die ihn begonnen hatten, \u00fcberlebte. Zwar stand die KPCh jetzt am Abgrund einer totalen Vernichtung, doch konnte sie dem W\u00fcrgegriff der GMD entkommen und ihre Identit\u00e4t bewahren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Chinas, in der Provinz Shaanxi in Yan\u2019an, schlugen die stark geschw\u00e4chte Rote Armee und die KPCh ihr neues <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Hauptquartier<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> auf. Yan\u2019an, das war ein kleiner Fleck auf der gro\u00dfen Landkarte Chinas, der etwa 1,5 Mio. Menschen ein k\u00e4rgliches Leben erlaubte. Hier verbanden sich die Partei und ihre Armee erneut mit der armen l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung und hielten so diesen St\u00fctzpunkt unangefochten bis M\u00e4rz 1947.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Am Ende des Langen Marsches d\u00fcrften die Kr\u00e4fte der Partei noch 40.000 K\u00f6pfe umfasst haben, verstreut auf ganz China &#8211; gut die H\u00e4lfte dieser Anh\u00e4nger konzentriert auf Yan\u2019an.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die zweite \u201anationale Einheitsfront\u2019 und ihre Widerspr\u00fcche<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Je tiefer Japan in China eindrang, umso mehr Gewicht und Zuspruch fand die Forderung aus der \u00d6ffentlichkeit nach einer neuen \u201eantijapanischen Einheitsfront\u201c. Auch die KPCh richtete sie fr\u00fchzeitig an die Adresse der GMD-<\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Mitglieder<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">. Die GMD-Parteiorganisation musste dem \u00f6ffentlichen und internen Druck 1936 nachgeben und in ein solches B\u00fcndnis einwilligen (siehe oben): Zwar widerwillig, aber \u201averbindlich\u2018. &#8211; Beide Vertragspartner blieben jedoch politisch wie organisatorisch autonom und nur formal einem gemeinsamen Milit\u00e4rkommando unterstellt. Alles andere w\u00e4re einem politischen Selbstmord der KPCh gleichgekommen. &#8211; Umgekehrt schluckte die KPCh die Kr\u00f6te einer nationalen Einheitsfront von oben (das hei\u00dft unter Einschluss von Chiang Kai-shek). Hier hatte die Komintern bei der KPCh nachgeholfen, ja, die KI h\u00e4tte eine st\u00e4rkere Ann\u00e4herung der KPCh an Chiang gern gesehen. Doch lie\u00df sich das in der KPCh (gegen die \u201aMao-Fraktion\u2018) nicht durchsetzen. In Folge des milit\u00e4rischen B\u00fcndnisses brach Chiang die Vorbereitungen auf einen 6. antikommunistischen Vernichtungsfeldzug ab und die Angriffe der GMD auf das Hauptquartier der KPCh h\u00f6rten <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>erst einmal<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> auf.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>nun entlastete<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> KPCh und ihre rote Armee standen vor einem grandiosen Comeback. Dazu musste die KPCh jedoch in ihrem neuen Herrschaftsgebiet die revolution\u00e4re Agrarreform abmildern. Man setzte mehr auf Pacht- und Zinssenkungen f\u00fcr die Bauern sowie auf eine progressive Besteuerung denn auf die gewaltsame Landumverteilung. Ma\u00dfstab war die \u00f6rtliche Machbarkeit der jeweiligen Ma\u00dfnahme: Eine taktische R\u00fccksichtnahme der KPCh, um die nationale Volksfront nicht zu gef\u00e4hrden. Erst mit dem Absterben der 2. Nationalen Einheitsfront &#8211; so 1941\/42 und nach 1946\/47 &#8211; versch\u00e4rfte die KPCh ihre Agrarreform und die Landumverteilung erneut. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Neue antijapanische St\u00fctzpunktgebiete unter kommunistischer Leitung entstanden in China &#8211; nerv\u00f6s be\u00e4ugt von der GMD. Im milit\u00e4rischen Kampf gegen Japan setzte die Rote Armee auf die Tiefe des Raumes als Waffe. Sie f\u00fchrte den Bewegungs- und Guerillakrieg gegen die japanischen Besatzer im l\u00e4ndlichen Raum &#8211; vor und hinter den japanischen Linien. Damit unterschied sie sich von der Milit\u00e4rstrategie der GMD, die weiter auf den Frontenkrieg setzte, und reduzierte die eigenen Verluste.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Yan\u2019an: <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Yan\u2019an, das kommunistische Hauptquartier, wurde zum politischen Anziehungspunkt des antijapanischen Volkswiderstandes. In Stichworten: &#8211; Die Rote Armee &#8211; regul\u00e4re Armee und Partisanen &#8211; rekrutierte sich aus dem Volk, vor allem aus der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung, erzogen und politisiert von der Partei. Ihre Reihen <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>in ganz<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> China f\u00fcllten sich in atemberaubender Schnelle: 1936 betrug die Zahl der \u00dcberlebenden des Langen Marsches 22.000, ein Jahr sp\u00e4ter hatte sich die regul\u00e4re Streitmacht verdoppelt, 1938 betrug sie 180.000 Mann, 1940 eine halbe Mio., im M\u00e4rz 45 \u00fcber achthunderttausend und \u00fcberschritt dann im laufenden Jahr die Mio.-Grenze. &#8211; Die in Yan\u2019an stationierten Teil-Kr\u00e4fte waren vor Ort zugleich k\u00e4mpfende Truppe wie landwirtschaftlich arbeitende K\u00f6rperschaft zur Eigenversorgung. &#8211; Die KPCh baute ihre Verbindung zur intellektuellen und literarischen Elite Chinas aus, die sie in ihre Reihen rief, die sie aber auch ideologisch beeinflusste. &#8211; Die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung in Yan\u2019an wurde mit der dort stationierten Roten Armee zu einer Kampf-, Lern-, und Produktionsgemeinschaft zusammengeschlossen und Teil der lokalen und regionalen Volksmacht. Die Ma\u00dfgabe der KPCh war, in den befreiten Gebieten die Organe der lokalen politischen Volksmacht in einer Art Drittelparit\u00e4t aufzubauen: 1\/3 Parteimitglieder, 1\/3 GMD- Anh\u00e4nger (eigentlich Dissidenten der GMD-Partei), 1\/3 Parteilose: Ein politisches Experiment und Laboratorium der Volksherrschaft in den l\u00e4ndlichen Gebieten &#8211; mit Langzeitwirkung. Die revolution\u00e4re Praxis wurde zum Lehrmeister der sich selbst befreienden Bauern und Kleinb\u00fcrger. &#8211; Die eigenen anschwellenden Parteireihen der KPCh wurden in Yan\u2019an politisch vereinheitlicht und ausgerichtet. &#8211; Die Mitgliederzahlen der KPCh <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>in ganz<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> China schossen in die H\u00f6he: Von etwa 20.000 im Jahre 1936 auf 200.000 im Jahre 1938. In den 40er Jahren waren 800.000 Gen. organisiert. Im April 1945 gab es 1,2 Mio. Mitglieder der Partei. &#8211; Die KPCh h\u00e4utete sich gezwungenerma\u00dfen. Sozial gesehen waren 9 von 10 Genossen Bauern, der Arbeiteranteil der Partei war gering. Bei den F\u00fchrungskadern dominierten die Altgenossen, die \u00dcberlebenden des Langen Marsches sowie die roten Intellektuellen. &#8211; Die KPCh l\u00f6ste sich langsam aus der Umklammerung ihrer Moskauer Nannys vor Ort, deren Positionen oft genug neben den chinesischen Realit\u00e4ten lagen. Die Selbstaufl\u00f6sung der sowjetisch dominierten Komintern im Mai 1943 erleichterte diesen Vorgang. &#8211; Die einflussreiche Mao-Fraktion in der KPCh gewann immer mehr an Boden. Mao Tse-tung wurde 1943 Vorsitzender des Politb\u00fcros und des Zentralkomitees, 1945 Parteivorsitzender. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Politische Perspektiven<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh verstand sich auch in den 40er Jahren als Vorhut der chinesischen Arbeiterklasse, die am Erfahrungsschatz der internationalen kommunistischen Bewegung partizipierte, sowie als Arm einer revolution\u00e4ren Bauernbewegung. Doch das politische Etappenziel im Reich (<\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>neben<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der Vertreibung des japanischen Imperialismus) hie\u00df erst einmal: eine <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratische<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>Republik<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> f\u00fcr China, frei von Fremdherrschaft, in den Worten Maos \u201e eine(r) neudemokratischen Gesellschaft unter der gemeinsamen Diktatur der vom chinesischen Proletariat gef\u00fchrten revolution\u00e4ren Klassen Chinas\u201c (Worte, die man 1945 so nicht mehr w\u00e4hlte), eines Klassenb\u00fcndnisses also aus Proletariat, Bauernschaft, Intelligenz und anderen kleinb\u00fcrgerlichen Schichten unter F\u00fchrung der KPCh . Mao Tse-tung entwickelte diesbez\u00fcglich 1940 konzeptionelle Vorstellungen in seiner Schrift \u201e\u00dcber die Neue Demokratie.\u201c, einer angedachten \u201aB\u00fcndnisplattform\u2019, die das Zeug zu einem zeitgem\u00e4\u00dfen hegemonialen Pogramm einer kommunistischen Partei \u00fcber das Kleinb\u00fcrgertum und die Bauern Chinas mitbrachte. (In dieser Wertung treffe ich mich wohl mit dem Autor Helmut Peters.) Das Konzept wurde sp\u00e4ter in der Schrift \u201e\u00dcber die Koalitionsregierung\u201c (Mao Tse-tung, 1945) weiterentwickelt. Zugleich verleugnete die KPCh ihr historisches Ziel des Sozialismus und Kommunismus nicht, dessen Wegmarken sie so kennzeichnete: \u201eDie chinesische Revolution zerf\u00e4llt, historisch betrachtet, in zwei Stufen, die demokratische und die sozialistische. Die erste Stufe ist nicht Demokratie im gew\u00f6hnlichen Sinne, sondern eine neue, besondere Art, eine Demokratie chinesischer Pr\u00e4gung &#8211; d. h., es ist die Neue Demokratie\u2026 Wenn die gegenw\u00e4rtige chinesische Gesellschaft also einen kolonialen, halbkolonialen und halbfeudalen Charakter hat, so mu\u00df die chinesische Revolution sich offenbar in zwei Stufen vollziehen. Auf der ersten mu\u00df sich diese koloniale, halbkoloniale und halbfeudalistische Gesellschaft in eine unabh\u00e4ngige, demokratische Gesellschaft verwandeln. Auf der zweiten mu\u00df die Revolution zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft fortschreiten. Wir befinden uns augenblicklich auf der ersten Stufe der chinesischen Revolution\u2026 Die erste Stufe, d.h. das erste Stadium der Revolution, bezweckt gewi\u00df nicht, eine kapitalistische Gesellschaft unter der Diktatur der chinesischen Bourgeoisie aufzubauen, und kann das auch nicht; seine Aufgabe ist vielmehr, eine neue demokratische Gesellschaft unter der vereinigten Diktatur aller revolution\u00e4ren Klassen aufzubauen \u2026 Die Neue Demokratie unterscheidet sich einerseits von der alten westlichen Form der b\u00fcrgerlich-demokratischen Republik, die unter der Diktatur der Bourgeoisie steht und veraltet ist, sie unterscheidet sich andererseits von der neuesten Republik im Sowjetstil, die unter der Diktatur des Proletariats steht\u2026 Sie ist die \u00dcbergangsform des Staates in den revolution\u00e4ren Kolonien und Halbkolonien.\u201c (nach Mao Dse-dung, 1940, in: W. Bauer, 1973, S. 49 \/ andere, redigierte Fassung \/ \u00dcbersetzung: Mao Tse-tung: \u201e\u00dcber die neue Demokratie\u201c, AW. II., S. 395 \u2013 449)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>IV. Wer \u00fcber die KPCh spricht, muss auch \u00fcber den Kontrahenten, die GMD unter Chiang Kai-shek reden<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">GMD und KPCh waren gesellschaftspolitische Antipoden. Sie wussten das und handelten entsprechend. Umso erstaunlicher ist, wie wenig Aufmerksamkeit die drei oben angesprochenen linken Autoren der GMD schenken:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bei H. B\u00f6ke (2007, S. 22 und 27) hei\u00dft es z.B.: Chiang Kai-shek \u201e hatte anfangs mit Sowjetrussland zusammengearbeitet, verb\u00fcndete sich aber mehr und mehr mit der Bourgeoisie und den Gro\u00dfgrundbesitzern und verfolgte eine zunehmende antikommunistische Linie.\u201c Weiter seine Ausf\u00fchrung zum Jahr 1927: \u201e Die Guomindang unter Chiang Kai-shek, auf die Mao zun\u00e4chst gro\u00dfe Hoffnungen setzte, kippte nach rechts.\u201c Das ist zwar alles richtig, aber bleibt beschreibend und erkl\u00e4rt nichts. Letztlich sagt der Autor hier nur, was Mao Tse-tung 1927 so ausgedr\u00fcckt hatte: \u201eDas gegenw\u00e4rtige Regime der neuen Milit\u00e4rmachthaber der Kuomintang bleibt immer noch das Regime der Kompradoren-klasse der Stadt und der Feudalklasse im Dorf; nach au\u00dfen hin hat es vor dem Imperialismus kapituliert, nach innen hat es die alten Milit\u00e4rmachthaber durch die neuen ersetzt und die wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdr\u00fcckung der Arbeiterklasse und der Bauernschaft noch mehr versch\u00e4rft. Die Kompradorenklasse und die Feudalherrenklasse haben die F\u00fchrung der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution \u2026 auf halbem Weg an sich gerissen und damit die Revolution sofort auf den Weg der Konterrevolution umgeleitet \u2026\u201c.(Mao Tse-tung, AW. I., 1968, S. 67)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bei O. Weggel, einem b\u00fcrgerlichen Historiker, werden da schon eher Triebkr\u00e4fte und Interessen innerhalb der GMD benannt. Der Autor benennt \u201ef\u00fcnf Hauptgruppen\u201c im \u201eWillensbildungsproze\u00df\u201c der GMD (d.h. in ihrer Ein-Parteien-Herrschaft). Da w\u00e4ren:<br \/>\n1) Die Finanzclique, \u201edie sich aus einflu\u00dfreichen Vertretern des Handels- und Industrieb\u00fcrgertums mehrerer K\u00fcstenst\u00e4dte zusammensetzte\u201c. (Weggel gibt die Pr\u00e4senz des \u201eGro\u00dfb\u00fcrgertums\u201c im Zentralkomitee (= ZEK) der GMD 1932\/35 mit 21%, 1935\/37 mit 25% an). Diese Kreise wollten \u201e vor allem g\u00fcnstigere Rahmenbedingungen f\u00fcr die Wirtschaft sowie Regierungssubventionen erk\u00e4mpfen.\u201c &#8211; Das dabei entstandene System der \u201eVerquickung von Privatinteressen und \u00f6ffentlichen Funktionen\u201c wurde dann in der Rotchinesischen Geschichtsschreibung als \u201eb\u00fcrokratischer Kapitalismus\u201c gekennzeichnet.<br \/>\n2) Die \u201eHuangpu- Clique\u201c, eine Bruderschaft ehemaliger Kadetten, jetzt Offiziere der GMD-Armee, die verl\u00e4ssliche Gefolgsleute Chiangs abgaben.<br \/>\n3) Drei Geheimdienste, \u201edie den \u00e4u\u00dfersten rechten Fl\u00fcgel bildeten\u201c. Einer zur \u00dcberwachung und Ausbildung der GMD, einer zur \u00dcberwachung und Bek\u00e4mpfung des kommunistischen Untergrundes (100.000 Agenten), ein weiterer, die \u201eBlauhemden\u201c, \u201ederen Gliederung dem Modell der damals im faschistischen Europa notorischen Braun- und Schwarzhemden nachempfunden war, und mit ihren rund 10.000 Mann eine Art Leibstandarte Jiang Jieshis bildeten.\u201c<br \/>\n4) Dann die \u201eWissenschaftsgruppe\u201c, die bei Weggel als \u201einstitutionalisierter Protest\u201c, als Dach, unter dem \u201esich der Sachverstand des damaligen China versammelte\u201c, verkauft wird: Kurz , die intellektuellen Lakaien und Fans Chiangs und der GMD.<br \/>\n5) Au\u00dferdem verschiedene Warlords und Provinzgouverneure, \u201edie fernab der Zentrale wie K\u00f6nige regierten, und die es bei Laune zu halten galt\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; \u201aVergessen\u2018 hat O. Weggel in seinem Reigen die Gro\u00dfgrundbesitzer, die, an ihrer Grundherrschaft bzw. an den annektierten Eigentumstiteln interessiert, bis zu Chiangs Ende dessen treue St\u00fctze blieben. Dieses \u201aVers\u00e4umnis\u2018 Weggels ist erstaunlich, gibt der Autor doch an anderer Stelle die Pr\u00e4senz des \u201eGrundbesitzertums\u201c im ZEK der GMD 1932\/35 mit 45%, 1935\/37 mit 38% an.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">All diese Kr\u00e4fte <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>innerhalb<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der GMD galt es auszubalancieren und einzubinden. Sie bildeten die Herrscherschicht und die Parasiten im GMD-Reich. \u2013 Eine solche Aufz\u00e4hlung ist zwar keine marxistische Polit- und Klassenanalyse, umkreist aber Klientel, St\u00fctzen und Einfl\u00fcsterer der GMD recht anschaulich. (O. Weggel, 1989, S. 73 \u2013 77 bzw. S. 79 und 83 ; \u00e4hnlich, aber differenzierter: J.P. Harrison, 1978) Die Auflistung Weggels ist noch nicht einmal vollst\u00e4ndig. Denn Chiang blieb auch der kriminellen \u201eGr\u00fcnen Bande\u201c verbunden, ebenso seinen wechselnden ausl\u00e4ndischen Unterst\u00fctzern &#8211; nat\u00fcrlich als Nationalist und Warlord. Die Darstellung Weggels (u.a.) zeigt uns \u201alediglich\u2018 die Verflechtung der Kr\u00e4fte mit ihren durchaus unterschiedlichen oder konkurrierenden Interessen; sie beschreibt ein reaktion\u00e4res B\u00fcndnis, das in der Person Chiang Kai-sheks seine durchaus eigenst\u00e4ndige politische Verk\u00f6rperung fand.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; F. Wemheuer vermerkt nun \u00fcber die GMD im antijapanischen Krieg um 1941 &#8211; 1943: \u201eAuch wenn die Guomindang standhielt, so gelang es ihr jedoch nicht, einen &gt; totalen Krieg &lt; zu organisieren und Massen aus ganz China f\u00fcr die Front zu mobilisieren. Dazu fehlte der GMD die Kontrolle \u00fcber die D\u00f6rfer und ein attraktives Pogramm sozialer Reformen.\u201c (F. Wemheuer, 2010, S. 60)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Da fragt man sich doch: Warum verweigerte \u201adas Dorf\u2019 die freiwillige Zusammenarbeit mit der GMD und was war das reale (\u201aunattraktive\u2018) Programm dieser Staatspartei? Statt Antworten verzeichnet die zitierte Schrift da nur Leerstellen. Das ist offensichtlich kein Problem knapper Zeilen. Hier h\u00e4tte F. Wemheuer eben soziale Verh\u00e4ltnisse, Klassenstandpunkte und Handlungen charakterisieren m\u00fcssen. Ohne sie ist eine politische Geschichtsschreibung, wie sie dieser Autor betreibt, ohne Tiefensch\u00e4rfe. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein reaktion\u00e4res Geb\u00e4ude<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">B\u00fcrgerliche Autoren, die der angesprochene F. Wemheuer h\u00e4tte auswerten k\u00f6nnen, charakterisieren <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>die gesellschaftspolitischen Ambitionen der GMD \u201aan der Macht\u2019<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> da schon mit deutlicheren Konturen. Hier zwei Beispiele: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; E. Pilz: \u201eDas Programm der GMD war insgesamt darauf gerichtet, in einem technokratischen Sinn zu modernisieren. Im landwirtschaftlichen Sektor wurde dabei einerseits an den wirklichen Problemen vorbeigeplant. Aufgrund von Geldmangel bzw. Desinteresse an den entscheidenden Schaltstellen blieb zudem die Modernisierung auf der Ebene von Forschungsprojekten und Durchf\u00fchrungsplanungen stecken. Die Bauernfrage meinte das Regime durch Aufrechterhaltung des Status quo regeln zu k\u00f6nnen. Was der l\u00e4ndlichen Entwicklung allerdings zugute kam, war der sehr beachtliche Aufwand f\u00fcr die Verbesserung der Infrastruktur: Weite Teile des chinesischen Hinterlandes wurden durch den Ausbau des Stra\u00dfen- und Bahnnetzes zumindest dem Informationsstrom des modernen st\u00e4dtischen Sektors angeschlossen. Auf diesen, vor allem den k\u00fcstennahen urbanen Bereich, konzentrierten sich die zahlreichen und gut ausgebildeten Spezialisten und Fachkr\u00e4fte in der GMD-B\u00fcrokratie vor allem: Hier fanden im Banken- und Finanzwesen, im Informationsbereich, in der Energieversorgung, in der industriellen Entwicklung, im Erziehungs-, Bildungs- und Wissenschaftssystem Modernisierungssch\u00fcbe statt. Das Problem dabei war die Abgehobenheit dieses hochqualifizierten und h\u00f6chstspezialisierten Sektors von der sozialen und \u00f6konomischen Realit\u00e4t Chinas. \u2026 Auch im st\u00e4dtischen Bereich fand Modernisierung deutliche Grenzen. Das Konzept eines Marktplatzes von Ideen, eines Diskurses zwischen unterschiedlichen, auch gegens\u00e4tzlichen Ideologien, der Integration eines m\u00f6glichst breiten Spektrums von Meinungen in die politischen Entscheidungsprozesse usw. waren der GMD-Ideologie unter Jiang nicht nur fremd, sie wurden im Kontext der politischen Entwicklung seit 1927 zu staatsgef\u00e4hrdenden Ideen hochstilisiert. Der Vorwand zur Unterdr\u00fcckung der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung, unabh\u00e4ngigen Presse und freien Organisation von B\u00fcrgerInnen war die tats\u00e4chliche oder konstruierte N\u00e4he zum Marxismus und\/oder Kommunismus, dem erkl\u00e4rten Feind Nr.1. Die Struktur des Nanjing-Regimes zeigt, da\u00df dieser \u201eConfucian Fascism\u201c \u2026 von seinem Selbstverst\u00e4ndnis her jedem Pluralismus abhold war. Jiang selbst umgab sich mit konzentrischen Kreisen von Organisationen ihm ergebener Parteimitglieder, von denen einige so geheim waren, da\u00df sie dem Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Jahrzehnte entgangen waren, mit deren Hilfe er sich aller unliebsamen, weil kritischen Elemente der Gesellschaft &#8211; seien es StudentInnen und ihre ProfessorInnen, JournalistInnen oder SchriftstellerInnen und ihre Verleger, Gewerkschafter, politische AktivistInnen \u2013 zu entledigen suchte. Wer sich regimekritisch \u00e4u\u00dferte, musste mit Behinderung, wirtschaftlichen Sanktionen, bis hin zur physischen Beseitigung durch gedungene Meuchelm\u00f6rder rechnen. Hier erreichte der Trend zur Repression bereits technokratisch hochentwickelte Formen.\u201c (E. Pilz, 1999, S. 81\/2)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; O. Ladst\u00e4tter: \u201eIn einem Land, dessen Bev\u00f6lkerung zu 80 Prozent aus Bauern bestand, spielte nat\u00fcrlich das Problem des Grundbesitzes und das des Pachtsystems eine zentrale Rolle. Wenngleich auch von der Regierung in Nanking einige Anstrengungen unternommen wurden, den Lebensstandard der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung zu heben, so waren diesen Bem\u00fchungen durch den Einflu\u00df m\u00e4chtiger Wirtschafts- und Finanzkreise in der Umgebung Jiang Jieshis (d.h. Chiang Kai-shek d.V.) sowie verschiedener Milit\u00e4rmachthaber, die ihre eigenen Interessen durch eine Landreform gef\u00e4hrdet sahen, doch relativ enge Grenzen gesetzt. Hinzu kam noch, da\u00df das politische Bewu\u00dftsein der Bauern durch eine Reihe von Aufkl\u00e4rungskampagnen von seiten der Kommunisten wie auch von seiten der Guomindang-Regierung selbst st\u00e4rker ausgebildet worden war und die breiten Massen der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung daher das Ausma\u00df ihrer Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung allm\u00e4hlich immer deutlicher zu erkennen begannen. Das Scheitern in der Frage der Landreform war dann auch eine der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die sp\u00e4tere Niederlage der Guomindang durch die Kommunisten.\u201c (O. Ladst\u00e4tter, 1983, S. 210)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Feststellung F. Wemheuers, dass die GMD keinen \u201etotalen Krieg\u201c gegen Japan in China f\u00fchrte, ist jedoch passend. Allerdings d\u00fcrfte eine Erkl\u00e4rung dieses Umstandes eigentlich keine Schwierigkeiten machen: Einen \u201etotalen Krieg\u201c kann man nur gest\u00fctzt auf die Massen f\u00fchren. Letztlich ist er ein konsequenter Volkskrieg, der sich radikaler Mittel bedient. Wer ihn f\u00fchren will, muss die Interessen der Massen vertreten, oder aber, er wird selber zertreten. Genau da lag das Problem Chiang Kai-sheks als Vorsitzender der GMD. Er musste f\u00fcrchten, dass die nunmehr bewaffneten armen Bauern die Gewehre (irgendwann) umdrehten und den Schusskanal gegen ihn und die eigenen Herren richteten. Eine Bef\u00fcrchtung, die prophetisch war und die angesprochenen politischen \u201aVers\u00e4umnisse\u2019 der GMD in Punkto Volkskrieg hinreichend erkl\u00e4rt: Chiang war weder in der Lage noch Willens, einen \u201etotalen Krieg\u201c gegen Japan zu f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch folgen wir nun dem konkreten Geschichtsverlauf weiter: Das geschrumpfte Herrschaftsgebiet der GMD hatte sich Anfang der 40er Jahre im S\u00fcdwesten Chinas stabilisiert. Aber wie? B. Tuchman schreibt dazu unter anderem: \u201e Die betonierten Maschinengewehr-Nester an den Stra\u00dfenecken in Chungking und Kunming waren nicht zum Gebrauch gegen die Japaner bestimmt. Die gro\u00dfe patriotische Welle der Jahre 1937 &#8211; 38, die den Japanern entgegengeschlagen war, hatte sich in Ersch\u00f6pfung, Unterdr\u00fcckung und Profitgier verlaufen.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>V. Die USA als ehrlicher Makler in China?<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem \u00dcberfall der Japaner auf Pearl Harbor (am 7. Dez. 1941) und dem offiziellen Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg ver\u00e4nderten sich die politischen Koordinaten, mithin die Kampfbedingungen in China erneut.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings waren die USA kein Neuling in China. Meine These dazu ist: Die USA waren in der chinesischen Geschichte bis 1940\/41 eine negative, im 2. Weltkrieg eine politisch widerspr\u00fcchliche, ab 1945\/46 eine konterrevolution\u00e4re Kraft. Doch der Reihe nach: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>US-Politik im Alten China:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die USA haben im Alten China keine Kolonialpolitik betrieben. (Das war ein g\u00e4nzlich anderes Verhalten als etwa auf den von ihnen eroberten Philippinen (1898 &#8211; 1946), ein Territorium,das den USA als Kolonie und Sprungbrett zur Eroberung ausl\u00e4ndischer M\u00e4rkte diente. Mit den Philippinen jedenfalls wurde die St\u00fctzpunktkette der USA bis an die chinesische Vorhoft\u00fcr getragen.) Praktisch vertraten die USA in China den Standpunkt der \u201eOffenen T\u00fcr\u201c, d.h. sie traten hier f\u00fcr offene M\u00e4rkte und gleiche und liberale Handelsm\u00f6glichkeiten <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>aller<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> ein, aus Eigennutz. Deshalb waren die USA auch ein Gegner kolonialer Ambitionen der anderen imperialistischen M\u00e4chte auf dem chinesischen Parkett, sie waren gegen eine Aufteilung Chinas, sie bevorzugten einen chinesischen Einheitsstaat unter chinesischer F\u00fchrung. Kurz, die USA waren gegen den europ\u00e4ischen oder japanischen Imperialismus und Kolonialismus in China, was den eigenen Handelsimperialismus gegen\u00fcber dem Reich nat\u00fcrlich nicht ausschloss.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; F\u00fcr die \u00d6ffnung der T\u00fcr mussten die Regierungen des chinesischen Kaiserhauses im 19. Jh. allerdings erst gef\u00fcgig gemacht werden. Die USA waren daher schon im 19. Jh. in China politisch wie milit\u00e4risch pr\u00e4sent: Mal gegen die, mal mit den anderen imperialistischen Konkurrenten, die sich hier eingenistet hatten (siehe oben). 1844, im Vertrag von Wanghia, erpressten die USA von der Qing-Regierung die Meistbeg\u00fcnstigung (siehe oben). War das herrschende chinesische Regime nun von den imperialistischen M\u00e4chten mit Drohungen und Aktionen weich geklopft und kooperationswillig, so wurde es gegebenenfalls durch wechselnde Allianzen gegen\u00fcber dem Volkszorn gest\u00fctzt. Soziale Volksbewegungen, die die kaiserliche Qing-Dynastie bedrohten und die den Hinauswurf der ausl\u00e4ndischen Barbaren, die Abschottung Chinas forderten, wurden gemeinsam mit der Reichsregierung milit\u00e4risch niedergeworfen: so der Taiping-Aufstand 1851-1864, hier gemeinsam mit England und Frankreich; so der Boxeraufstand 1900\/1, hier gemeinsam mit 8 Fremd-Staaten einschlie\u00dflich den USA. Dies lie\u00df sich das verb\u00fcndete Imperialistenpack dann teuer von der Reichsregierung bezahlen (Kriegsentsch\u00e4digungen) und mit weiteren Privilegien vergolden. Schon in diesem Stadium waren die USA also daran beteiligt, China in die Schuldknechtschaft zu treiben und seine Souver\u00e4nit\u00e4t einzuschr\u00e4nken. Allerdings folgte der Peitsche oft das \u201aZuckerbrot\u2018 nach: 1907 erlie\u00dfen die USA China die H\u00e4lfte ihres Anteils an der Boxerentsch\u00e4digung. Man empfahl sich, auch mit einer Kulturoffensive, als Freund Chinas. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; 1899 bzw. 1900 verpflichteten die USA einige ausl\u00e4ndische M\u00e4chte, wie England, Frankreich, Deutschland, Russland, Japan und Italien auf eine \u201eOpen-Door-Politik\u201c im Reich. Was praktisch bedeutete: offene T\u00fcren und M\u00e4rkte in China f\u00fcr alle; und da sich alle R\u00e4uber das Reich als territoriale Beute w\u00fcnschten, bekam es vorerst keiner (N\u00e4heres u.a. bei H.-U. Wehler, 1987). Doch handelten die USA schon bald wieder gegen ihren Mythos als antiimperialistische Kraft: Nach dem russisch-japanischen Krieg 1905 um die Kontrolle der Mandschurei und Koreas \u201estimmten jetzt auch die Westm\u00e4chte der japanischen Vorherrschaft \u00fcber Korea zu; die USA erkennen Japans Anspruch im Taft-Katsura-Memorandum vom 29.7.1905 an.\u201c (R. Z\u00f6llner, 2002, S. 114) Die USA blieben dieser \u201aprojapanischen\u2018, eigentlich einer nunmehr gegen die Sowjetunion in Ostasien gerichteten Linie auch auf der internationalen Konferenz von Versailles (1919) treu. Dort verschacherten sie mit den anderen West-M\u00e4chten aus handels- und au\u00dfenpolitischen Gr\u00fcnden ebenfalls fremdes Territorium, so das chinesische Shangtung mit der Stadt Kiautschou an Japan. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch nicht nur das chinesische Volk wurde in Versailles verprellt: \u201e1914 bis 1918 k\u00e4mpfte Japan an der Seite der Entente gegen Deutschland und besetzte die deutsche Kolonie in China (Tsingtao). An der Friedenskonferenz von Versailles nahmen zwar japanische Vertreter teil, aber neben den USA, Gro\u00dfbritannien und Australien nicht wirklich als gleichberechtigte Delegierte. Ein Vorsto\u00df Japans, in den Friedensvertrag und sp\u00e4ter in die Charta des V\u00f6lkerbundes einen Passus \u00fcber rassische Gleichberechtigung aufzunehmen, wurde von den Westm\u00e4chten rundweg abgelehnt, eine Dem\u00fctigung, die den beginnenden Ultra-Nationalismus in Japan anfachte. Japans Kriegsziele in China, die mit den sog. 21 Forderungen an die junge chinesischen Republik (seit 1911) China zu einem japanischen Protektorat gemacht h\u00e4tte wurde in Versailles ebenfalls von den Westm\u00e4chten blockiert, nur Japans Kolonialherrschaft \u00fcber Korea wurde best\u00e4tigt &#8211; eine koreanische Delegation fand kein Geh\u00f6r.\u201c (M.Pohl, 2002, S.71)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Die US-Politik im Neuen China:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der japanische Angriff auf Pearl Harbor (1941) und die US-Reaktion<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die USA waren \u00fcber die Entwicklung im China der 20er\/30er Jahre gut informiert. So hatten sie Kenntnisse \u00fcber die reaktion\u00e4re Sozial- und Innenpolitik der GMD unter Chiang Kai-shek (z.B. aus den Berichten des amerikanischen Milit\u00e4rattaches und sp\u00e4teren Vier-Sterne-Generals in China, Joseph W. Stilwell, der die Leiden des chinesischen Volkes an Chiang Kai-shek nicht ertragen konnte). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Das weitere Vordringen Japans in China wurde in Amerika mit wachsender Sorge registriert, drohte doch die Abschottung der Auslandsm\u00e4rkte f\u00fcr die eigenen US-Waren und Kapitalien gleich an zwei \u201aGegenk\u00fcsten\u2019: In Europa durch die Autarkie- und Machtpolitik des NS-Staates, vor allem bei einem Sieg Nazi-Deutschlands auf dem Kontinent und in China bzw. Asien durch das imperiale Japan. Die kapitalistische Handelsmacht USA war herausgefordert.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im April 1938 erhielt die Nationalregierung Chinas (das hei\u00dft praktisch die GMD) erstmals einen gr\u00f6\u00dferen Kredit f\u00fcr Waffenk\u00e4ufe in den USA. Offiziell hielten die USA jedoch den Anschein aufrecht, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas und Japans einzumischen. Doch politische Sorgen waren f\u00fcr die USA noch lange kein Hemmnis, sich das Gesch\u00e4ft mit dem rohstoffarmen Japan verderben zu lassen: \u201eDie wirtschaftlichen Beziehungen zu Japan blieben 1938 &#8230; noch durchaus freundlich, und die Vereinigten Staaten lieferten dem Inselreich 90 Prozent seiner Schrotteinfuhr, 91 Prozent seines Kupfers und zwei Drittel seines \u00d6ls. Als Tokio im Dezember 1938 sein &gt;Pogramm zur Neuordnung der Prosperit\u00e4t in Ostasien&lt; verk\u00fcndete, wurde man freilich in Washington nerv\u00f6s. 1939 k\u00fcndigte Au\u00dfenminister Hull den seit 1911 bestehenden Handelsvertrag. Obwohl die Lieferungen vorerst noch normal weitergingen \u2026\u201c (U. Sautter, 2006, S. 424) Und so fiel der Schrott Amerikas weiter in Gestalt japanischer Bomben auf die H\u00e4upter Chinas. Ende 1940 gew\u00e4hrten die USA der Nationalregierung dann erneut Kredite \u00fcber 75 Mio. Dollar. Insgeheim stimmte die Regierung Roosevelt dem Leasing von 100 amerikanischen Kampfflugzeugen f\u00fcr Chiang Kai-shek zu und gestattete die Beurlaubung und das Anwerben von 100 Piloten als S\u00f6ldner &#8211; aus dem aktiven Dienst der Luft- und Seestreitkr\u00e4fte der Army &#8211; f\u00fcr das \u201eFreie China\u201c (April 1941). Es erfolgte die Gr\u00fcndung einer \u201eAmerikanischen Milit\u00e4rmission f\u00fcr China\u201c zwecks Beratung der Nationalregierung und Koordinierung zuk\u00fcnftiger Milit\u00e4rhilfen. Die US-Regierung war somit l\u00e4ngst in den Krieg um China involviert, bevor die ersten japanischen Bomben auf das amerikanische Pearl Harbor fielen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-size: large;\">Auf den japanischen Einmarsch in Franz\u00f6sisch Indochina hin lie\u00df der Pr\u00e4sident dann aber im Sommer 1940 den zwischen Japan und den USA bestehenden Handelsvertrag auslaufen und unterwarf den Verkauf strategischer G\u00fcter an Japan gewisser Beschr\u00e4nkungen. Dadurch, da\u00df Japan den Dreim\u00e4chtepakt (mit Deutschland und Italien d.V.) unterzeichnete, verschlechterte sich die Lage f\u00fcr die Vereinigten Staaten, da nun die Probleme in Europa und im Pazifik vermengt wurden. Als im Sommer 1941 japanische Truppen in S\u00fcdindochina einr\u00fcckten, sperrten Amerika, England und Holland den gesamten Export nach Japan und schnitten damit den f\u00fcr Japan wesentlichen \u00d6l- und Kautschuknachschub ab. Japanische Milit\u00e4rbeamte rechneten aus, da\u00df die davon in Japan angelegten Reserven nur zwei Jahre reichen w\u00fcrden. F\u00fcr sie war die Situation untragbar. \u2026 Bis die Gespr\u00e4che zwischen (den Au\u00dfenministern d.V.) Nomura und Hull im Sommer 1941 stattfanden, waren beide L\u00e4nder in eine Sackgasse geraten. Die Vereinigten Staaten bestanden darauf, da\u00df Japan nicht nur Indochina, sondern auch China r\u00e4ume. Japan bestand darauf, da\u00df die Vereinigten Staaten aufh\u00f6rten, Chiang Kai-shek zu unterst\u00fctzen, die Hegemonie Japans im Fernen Osten anerkennten und das Embargo f\u00fcr \u00d6l, insbesondere das aus Indonesien, aufh\u00f6ben.\u201c (J.W. Hall, 1984, S. 340).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Damit lagen die Alternativen f\u00fcr Japan auf dem Tisch: Kapitulation oder Kampf. Der \u00dcberfall des imperialistischen Japan auf die amerikanische Basis Pearl Harbor (Hawaii) am 7. Dezember 1941 d\u00fcrfte Washington dann nicht wirklich \u00fcberrascht haben &#8211; bestenfalls der Zeitpunkt (vergl. H. Karuscheit, 2010, S. 42 ff.). Die USA verloren hier 19 Kriegsschiffe, 120 Flugzeuge, und 2400 Menschen. Noch waren die Kriegsziele Japans gegen\u00fcber Amerika begrenzt. Die USA sollten durch einen spektakul\u00e4ren Akt \u201alediglich\u2019 gen\u00f6tigt werden, die von Japan in Anspruch genommenen Interessensph\u00e4ren zu akzeptieren. Das ging bekanntlich schief. Der Attacke auf Pearl Harbor folgte die Kriegserkl\u00e4rung der USA an Japan, wie umgekehrt &#8211; auf Verlangen Japans &#8211; die von Deutschland und Italien am 11. Dezember 1941 an die Vereinigten Staaten. Der 2. Weltkrieg hatte nun weltumspannende Z\u00fcge. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Japan auf weiterem Angriffskurs und das drohende Menetekel \u201aan der Wand\u2019<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Unter dem ideologischen Banner einer \u201eNeuen Ordnung in Ostasien\u201c (auch als \u201eGro\u00dfasiatische Sph\u00e4re gemeinsamen Wohlstands\u201c bezeichnet) gingen die Vorst\u00f6\u00dfe des japanischen Milit\u00e4rs in S\u00fcdostasien weiter: \u201eIn rascher Folge \u00fcberrannten die Japaner die Philippinen, nahmen Hong Kong, Singapore und Indonesien ein. Bis M\u00e4rz 1942 standen japanische Truppen in Neuguinea und waren f\u00fcr den Angriff auf Australien bereit. Bis zum Mai hatten sie Burma erobert und erwogen die Unterwerfung Indiens.\u201c (J.W. Hall, 1984, S. 341) Erst Mitte 1942 begann sich das \u201aKriegsgl\u00fcck\u2019 Japans zu wenden. Den Anfang vom Ende machte die verlorene Luft- und Seeschlacht bei den Midwey-Inseln im Pazifik (Juni 1942). Es folgte dann das bekannte amerikanische Inselspringen, ein Waffengang, um ins Herz des Aggressors vorzusto\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kriegsschauplatz China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ende November 1941 trat die japanische Marionettenregierung des Chinesen Wang Jingwei (Nanking) dem Antikominternpakt bei. Dezember 1941, zwei Tage nach dem japanischen \u00dcberfall auf das amerikanische Pearl Harbor, erkl\u00e4rte die Nationalregierung Chinas (d. h. die GMD) Deutschland und Italien sowie Japan den Krieg: ein notwendiger, l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt. National-China wurde damit Bestandteil der Alliierten und ihres milit\u00e4rischen Versorgungssystems sowie Teil des globalen Pazifik-Krieges.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings d\u00fcrften die Vorstellungen der alliierten Akteure in China unterschiedlich gewesen sein: <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die UdSSR hatte bereits am 21. August 1937 angesichts des erneuten japanischen \u00dcberfalls auf China einen Nichtangriffspakt mit der chinesischen Republik geschlossen und der GMD-Regierung gro\u00dfz\u00fcgige Milit\u00e4r- und Finanzhilfe gew\u00e4hrt. Am 13. April 1941 folgte dann ein f\u00fcnfj\u00e4hriger Neutralit\u00e4tspakt mit Japan, um sich den R\u00fccken nach Asien angesichts der Kriegsgefahr an den europ\u00e4ischen Westgrenzen frei zu halten. Allerdings hatte bereits 1939 ein erfolgreicher sowjetischer Milit\u00e4rschlag an der mongolisch-sowjetischen Grenze die japanischen Ambitionen auf diese Gebiete gestoppt: ein milit\u00e4risches Desaster des japanischen Angreifers, das man in Tokio der Bev\u00f6lkerung wohlweislich verschwieg. Der \u201eGro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg\u201c gegen den Aggressor Hitler-Deutschland (22. Juni 1941 &#8211; 8. Mai 1945) band dann die sowjetischen Kr\u00e4fte vor allem an den Kriegsschauplatz Europa. Ihr China-Einsatz musste warten.<br \/>\n&#8211; England war zu jener Zeit daran interessiert, Japans Aggression in China zu binden, um einen Durchmarsch der japanischen Truppen in die englischen Kolonialgebiete nach Singapur, Burma \u2026 und in die Kronkolonie Indien auszuschlie\u00dfen.<br \/>\n&#8211; Die USA hingegen hatten l\u00e4ngerfristige, weitergehende strategische und handelspolitische Interessen in China. Sie hofften auf eine aktive Rolle der nationalchinesischen Regierung (der GMD) bei der Niederwerfung der japanischen Besatzer in China und in S\u00fcd-Ost-Asien (was der Kolonialmacht England so gar nicht Recht war, f\u00fcrchtete sie doch die Wiederauferstehung eines starken Chinas sowie das Ende des britischen Empire). Allerdings koppelte Washington seine Hilfen f\u00fcr Chiang Kai-shek nicht an die Gegenleistung zum entschiedenen Kampf gegen Japan &#8211; was die GMD auszunutzen verstand.<br \/>\n&#8211; Chiang selber hoffte auf eine Aufwertung der chinesischen Positionen im Westen sowie auf Geld und Waffen f\u00fcr sich. Doch war er nicht gewillt, einen \u201aamerikanischen bzw. alliierten Krieg\u2019, d.h. den totalen antijapanischen Krieg in China zu f\u00fchren. Die USA und die Alliierten &#8211; so das Kalk\u00fcl &#8211; sollten vielmehr Japan besiegen und so helfen, China zu befreien. Chiang wollte seine Armee behalten und nicht verschlei\u00dfen, um nach dem alliierten Sieg mit den Kommunisten und den anderen nationalen Widersachern im eigenen Land abzurechnen. Sein Beitrag gegen Japan auf chinesischem Boden blieb folglich hinter seinen M\u00f6glichkeiten und den milit\u00e4rischen Erfordernissen zur\u00fcck, was zu st\u00e4ndigen Reibereien mit dem alliierten Kommando f\u00fchrte.<br \/>\n&#8211; So hatte jeder seine Interessen und Vorbehalte. Und so konnte das Ergebnis auch niemanden befriedigen. Eine effektive Koordinierung, ja offensive F\u00fchrung der alliierten Kriegsanstrengungen in China und Burma (bzw. an den indischen Au\u00dfengrenzen) unterblieb. Hier standen sich die B\u00fcndnispartner selber im Wege. (N\u00e4heres bei B. Tuchman, 1988)<br \/>\n&#8211; Die britische Kolonie Burma aber fiel im Mai 1942; damit wurde der alliierte Nachschub f\u00fcr ganz China auf dem Landwege bis Anfang 1945 blockiert.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Politische Lager<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In Washington waren die Meinungen \u00fcber die \u201aQualit\u00e4ten\u2019 Chiangs gespalten. So antwortete der amerikanische Luftwaffen-General Chennault auf die Frage Pr\u00e4sident Roosevelts nach dem <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>pers\u00f6nlichen<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>Charakter<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Chiang Kai-sheks (1943): \u201eSir, ich halte den Generalissimus f\u00fcr einen der zwei oder drei gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen und politischen F\u00fchrer der Gegenwart. Er hat mir gegen\u00fcber niemals eine Verpflichtung gebrochen.\u201c; w\u00e4hrend der volkst\u00fcmliche amerikanische General Stilwell, zeitweilig Stabschef Chiangs, gallig anmerkte: \u201eEr ist ein wankelm\u00fctiger, trickreicher und unzuverl\u00e4ssiger alter Schurke, der nie sein Wort h\u00e4lt\u201c (zitiert bei: B. Tuchman, 1988, S. 448\/49). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Chiang bekam trotzdem sein amerikanisches Geld und die Waffen gegen Japan &#8211; aus politischen Gr\u00fcnden. Dass er das milit\u00e4rische Ger\u00e4t auch gegen die chinesischen Kommunisten einzusetzen gedachte, war Washington damals zwar nicht recht, man nahm es jedoch hin. (B. Tuchman, 1988, S. 264 und 272)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Am 11. Januar 1943 erhielt Chiang dann ein diplomatisches Geschenk: Die westlichen Staaten gaben viele ihrer Privilegien in China auf, wohl um das Land bei der alliierten Stange zu halten. (Das \u201aGeschenk\u2019 betraf jedoch nicht das britische Hongkong und das portugiesische Macao, die im westlichen Kolonialbesitz verblieben). Allerdings reagierte der Westen mit seinen Zugest\u00e4ndnissen an Chiang nur auf die Absicht der Japaner, wieder verst\u00e4rkt auf die antikoloniale Karte zu setzen: \u201e\u2026 am 21. Oktober (1943, d.V.) stellte sich der indische Nationalist Subhash Chandra Bose \u2026 in der japanischen Hauptstadt an die Spitze einer Regierung des &gt;Freien Indien&lt;. Es folgte am 30. Oktober der Abschlu\u00df eines Freundschaftsvertrages mit der Nanking-Regierung, in dem Japan auf seine Sonderrechte nach dem &gt;Boxer-Protokoll&lt; von 1901 verzichtete. Am 1. November begann in Tokio eine dreit\u00e4gige &gt;Gro\u00dfasiatische Konferenz&lt;, an der au\u00dfer Japan selbst Mandschukuo, Nanking-China, das mit Japan verb\u00fcndete Thailand, die Philippinen, Birma und Boses &gt;Freies Indien&lt; teilnahmen. Das Ergebnis blieb deklamatorischer Art: Die Teilnehmer verpflichteten sich zu einer engen Zusammenarbeit beim Aufbau einer gemeinsamen ostasiatischen Wohlstandssph\u00e4re und zur wechselseitigen Achtung ihrer Souver\u00e4nit\u00e4t. Mit der neuen Verbindlichkeit im Umgang mit verb\u00fcndeten und abh\u00e4ngigen Staaten reagierte Japan sowohl auf das Ausscheiden Italiens aus dem Lager der Achse wie auf eigene R\u00fcckschl\u00e4ge im Krieg mit den Westm\u00e4chten\u2026\u201c (H. A. Winkler, 2011, S. 1068\/69) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch das Bem\u00fchen Japans um einen Schulterschluss mit den unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern des Ostens hatte wenig Erfolg. Zu rigide und ausbeuterisch war das japanische Besatzerregime in vielen Teilen S\u00fcd- und Ostasiens vorgegangen und eine \u00c4nderung wurde nicht erwartet. Japan produzierte geradezu den Widerstand. So entstanden antijapanische Befreiungsbewegungen in den Philippinen, auf der malaiischen Halbinsel, in Franz\u00f6sisch Indochina, in Burma \u2026 Mit seiner doppelten Sto\u00dfrichtung der nationalen und sozialen Befreiung lieferte dieser Aufbruch dann auch sp\u00e4terhin Sargn\u00e4gel zum Untergang des holl\u00e4ndischen, franz\u00f6sischen und britischen Kolonialismus in Asien.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Innenpolitische Frontverl\u00e4ufe in China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Schon 1939\/40 war das Klima zwischen GMD und KPCh frostig geworden. Chiang ging erneut zur antikommunistischen Blockadepolitik in China \u00fcber (= milit\u00e4rische Belagerung und Einpferchung der Roten Armee sowie pers\u00f6nliche Verfolgung und Ermordung von Kommunisten). Zugleich lie\u00df sein milit\u00e4rischer Eifer gegen Japan auf chinesischem Boden nach. Beobachter sprachen vom \u201epassiven Hinhalten an ruhigen Fronten\u201c. Chiang begann sich im S\u00fcdwesten Chinas einzurichten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Stellung zu den kommunistischen \u201aVerb\u00fcndeten\u2019 in China legte Chiang Kai-shek 1941 \u00f6ffentlich so da: \u201eSie, meine Herren, denken, es sei wichtig, da\u00df ich die Japaner in diesen Jahren daran gehindert habe, sich weiter auszubreiten \u2026 Ich sage Ihnen, es ist noch wichtiger, da\u00df ich die Kommunisten daran gehindert habe, sich auszubreiten. Die Japaner sind eine Hautkrankheit, die Kommunisten sind ein Herzleiden. Sie sagen, sie wollen mich unterst\u00fctzen, aber insgeheim wollen sie mich nur st\u00fcrzen.\u201c (dokumentiert in: W. Bauer, 1973, S. 42) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im Januar 1941 nutzte Chiang die Chance, die kommunistische \u201eNeue 4.\u00a0Armee\u201c, die am s\u00fcdlichen Ufer des Gelben Flusses operierte, milit\u00e4risch aufzureiben. In gewisser Weise wiederholten sich hier die Ereignisse von Shanghai in den 20er Jahren. Die 2. Nationale Einheitsfront, das Zweckb\u00fcndnis der ungleichen \u201aPartner\u2019 stand nur noch auf dem Papier.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Zu dieser Zeit gab es in China also neben den Provinzen ohne zentralstaatliche Kontrolle drei ungleich gro\u00dfe und starke, rivalisierende Gebiets- und Machtzentren: Die von den japanischen Truppen besetzten und mit Hilfe chinesischer Kollaborateure verwalteten Hauptgebiete Chinas, die unter der Herrschaft der GMD verbliebenen Fl\u00e4chen im Westen und die von der KPCh angeleiteten oder beherrschten antijapanischen St\u00fctzpunktgebiete.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die sp\u00e4teren Kriegsereignisse warfen dann noch einmal ein Schlaglicht auf die Inkompetenz Chiang Kai-sheks und seiner GMD: \u201eDie Jahre 1944\/45 standen im Zeichen erneuter japanischer Gro\u00dfangriffe (auf China, d.V.), deren Ziel es war, einen in sich geschlossenen Korridor von der Mandschurei bis hinunter zum S\u00fcdchinesischen Meer herzustellen und &#8211; angesichts herber Niederlagen im Pazifik &#8211; wenigstens China zu einer soliden Basis f\u00fcr einen noch lange andauernden Krieg auszubauen. Der Feldzug entwickelte sich abermals zu einem Blitzkrieg und f\u00fchrte in der Zeit zwischen M\u00e4rz und Dezember 1944 erneut zu einer verheerenden Niederlage der GMD-Streitkr\u00e4fte, die jetzt ihre ganze Schw\u00e4che offenbarten, indem sie innerhalb von nur zehn Monaten etwa eine Mio. Soldaten und 2 Mio. qkm Territorium (Henan, Hubei, Hunan, Guangxi, Guandong und Guizhou) mit zusammen 60 Millionen Einwohnern verloren\u2026\u201c (O. Weggel, 1989, S. 118) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Diese St\u00e4rke der japanischen Armee bzw. die Schw\u00e4che Chiangs wurde dann auf der Alliierten Konferenz von Jalta (1945) zum Politikum und zu einem Faktor im sp\u00e4teren chinesischen B\u00fcrgerkrieg (doch dazu weiter unten). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das japanische Desaster<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">An dieser Stelle reicht es festzustellen, dass der alliierte Krieg in S\u00fcd-Ost-Asien dann nicht in China, sondern vor den \u201aToren Japans\u2019 und mit der amerikanischen Besetzung des japanischen Kernlandes entschieden wurde. GMD und KPCh hatten \u201alediglich\u2018 gro\u00dfe Teile der japanischen Milit\u00e4rmaschinerie auf dem chinesischen Festland gebunden. Sch\u00e4tzungen sprechen von 40 Prozent der milit\u00e4rischen Macht Japans: Also kein unbedeutender Beitrag Chinas im 2. Weltkrieg, der mit einem hohen Blutzoll des chinesischen Volkes bezahlt wurde. Die im Feld ungeschlagene japanische Invasionsarmee auf chinesischem Boden dann zu entwaffnen und heimzuschicken, wurde zur politisch-milit\u00e4rischen Herausforderung der Siegerm\u00e4chte nach Kriegsende.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>&#8211; Die US-Politik in China gleich nach 1945\/46:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Nach der bedingungslosen Kapitulation Japans<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> im August 1945 wurden die USA Kriegspartei im chinesischen B\u00fcrgerkrieg an der Seite der GMD &#8211; was im weiteren noch ausf\u00fchrlicher darzustellen ist. Noch immer behaupten b\u00fcrgerliche Historiker, die USA seien in diesen Konflikt hineingeschliddert und nur gezwungenerma\u00dfen Partei geworden. Dem ist nicht so, wie auch die Archive enth\u00fcllen. Die USA unter Pr\u00e4sident Harry S. Truman entschieden sich bewusst f\u00fcr Chiang Kai-shek und gegen die KPCh &#8211; wenn auch unter gelegentlichen Bauchschmerzen. Minderheitenpositionen wie die von General Stilwell, China angesichts des aufflammenden B\u00fcrgerkrieges zu verlassen, \u201eund zwar sofort\u201c, wurden abgelehnt.<br \/>\n&#8211; Gewaltige Summen flossen damals in die Taschen der GMD. Doch all das amerikanische Geld war letztlich nur \u201aSand gegen den Wind\u2018: B. Tuchmann schrieb sp\u00e4ter in ihrer Studie zur amerikanischen Politik in China 1911 -1945: \u201eAlle Bem\u00fchungen der Amerikaner, den Status quo aufrechtzuerhalten, konnten einem verbrauchten Regime weder St\u00e4rke noch Stabilit\u00e4t noch die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung verschaffen. Eine leere H\u00fclse lie\u00df sich ebenso wenig aufrechterhalten, wie man verhindern konnte, dass der \u201aAuftrag des Himmels\u2019 in periodischen Abst\u00e4nden an einen anderen Herrscher \u00fcberging. Am Ende ging China seinen eigenen Weg, als w\u00e4ren die Amerikaner nie dort gewesen.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch werfen wir im Folgenden noch einige Blicke auf die letzten Akte des chinesischen Dramas, da sie die Zukunft des Landes entschieden. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>VI. Der Eintritt der Sowjetunion in den Kampf um die Freiheit Ostasiens am 8.\u00a0August 1945 und die Folgen<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wann endete der 2. Weltkrieg? Nicht wenige werden auf diese Frage mit einem Hinweis auf die Kapitulation Hitler-Deutschlands antworten: Am 8. Mai 1945. Eine eurozentristische Sichtweise. Tats\u00e4chlich kapitulierte ein wichtiger Akteur des 2.Weltkriegs erst Monate sp\u00e4ter am 15. August 1945: Japan. Ebenso d\u00fcrfte vielen Betrachtern entgangen sein, dass die Sowjetunion am 8. August 1945 in den Krieg um Ostasien eintrat. Sowjetische Truppen eroberten in dessen Verlauf unter anderem die Mandschurei sowie den Norden Koreas. Die UdSSR wurde damit zu einem weiteren Faktor im Ringen um die innere Ordnung Chinas, ja Ostasiens. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Sowjetunion er\u00f6ffnete kurz vor Ende des 2. Weltkrieges eine neue Front gegen Japan &#8211; in China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits im Verlauf des 2. Weltkriegs war den Alliierten bewusst geworden, dass die Niederschlagung und Entwaffnung der japanischen Armee sowie ihrer Kollaborateure in China letztlich nur mit Unterst\u00fctzung der Sowjetunion m\u00f6glich war, da sich Chiang Kai-shek dazu als unf\u00e4hig gezeigt hatte. Zudem musste verhindert werden, dass sich die noch immer unbesiegte japanische Armee in China bei einer Kapitulation des Mutterlandes verselbstst\u00e4ndigte, um den Krieg auf eigene Rechnung weiterzuf\u00fchren (zumal die japanische Kriegerideologie des \u201eBushido\u201c den Begriff der Kapitulation eigentlich nicht kannte). &#8211; Auf der Konferenz von Jalta (4. &#8211; 11. Februar 1945) wurde daher (ohne Konsultation Chiang Kai-sheks) folgendes Abkommen geschlossen: \u201e Die Regierungschefs der drei Gro\u00dfm\u00e4chte \u2013 Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika und Gro\u00dfbritannien \u2013 sind \u00fcbereingekommen, da\u00df zwei oder drei Monate nach der Kapitulation Deutschlands und Beendigung des Krieges in Europa die Sowjetunion in den Krieg gegen Japan auf der Seite der Alliierten unter der Bedingung eintreten soll, da\u00df 1. der Status quo in der \u00c4u\u00dferen Mongolei (der mongolischen Volksrepublik) erhalten bleibt; 2. die fr\u00fcheren Rechte Ru\u00dflands, welche durch den t\u00fcckischen \u00dcberfall Japans im Jahre 1904 verletzt wurden, wiederhergestellt werden \u2026 Die Sowjetunion ihrerseits dr\u00fcckt ihre Bereitschaft aus, mit der Nationalregierung Chinas einen Freundschafts- und B\u00fcndnispakt zwischen der UdSSR und China zu schlie\u00dfen, um China mit ihren bewaffneten Streitkr\u00e4ften beizustehen mit dem Ziel, China vom japanischen Joch zu befreien.\u201c (dokumentiert in: Sch. Sanakojew u.a., 1978, S. 213\/14). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ihren Verpflichtungen zum Kampf kam die UdSSR mit der Kriegserkl\u00e4rung an Japan am 8. August 1945 nach. Der Einmarsch sowjetischer Truppen erfolgte am 9. August von Ost-Sibirien aus gegen die japanisch besetzte Mandschurei (Einsatz 1. Mio. Mann). &#8211; Am 10. August griffen dann auch mongolisch-sowjetische Verb\u00e4nde aus der Volksrepublik Mongolei die japanischen Besatzer in der Inneren (chinesischen) Mongolei an, um sich hier mit den roten Partisanen zu verbinden. Eine ganze Armee (80.000 Soldaten) durchquerte dabei die von den Japanern f\u00fcr un\u00fcberwindlich gehaltene W\u00fcste Gobi. Gro\u00dfe Teile der mongolischen Kollaborateure gingen daraufhin freiwillig mit ihren Waffen zu den Befreiern \u00fcber. (W. Heissig, 1979, S. 252\/53) &#8211; Die Lage der japanischen Armee in China, nun von vielen Seiten bedr\u00e4ngt, wurde ungem\u00fctlich. Dazu kam der Atombombenabwurf der Amerikaner auf Hiroshima (am 6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945), der das Aus auch im japanischen Mutterland stimulierte. Die USA setzten dabei zwei vermutlich unterschiedliche Typen der Atombombe ein, die sie damit grausam an der japanischen Bev\u00f6lkerung testeten. Sie demonstrierten zugleich der Sowjetunion ihre Machtf\u00fclle, um sie politisch einzusch\u00fcchtern und zu m\u00e4\u00dfigen. So oder so, der imperiale Traum von Gro\u00dfjapan endete f\u00fcr Japans politische Klasse im Desaster. Japan kapitulierte bekanntlich am 15. August 1945 bedingungslos.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wer bekam die japanischen Waffen? <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach der Kapitulation Japans stellte sich die Frage nach der Entwaffnung und Repatriierung der noch immer gefechtsf\u00e4higen japanischen Armee in ganz China (1,25 Mio. Mann) als dringliche Aufgabe. Wer aber sollte (und wollte) sich das milit\u00e4rische Ger\u00e4t aneignen?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-size: large;\">In Tokio erlie\u00df General MacArthur, als Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkr\u00e4fte in Ostasien, den Generalbefehl Nr.1, der die japanischen Truppen in China und diejenigen n\u00f6rdlich des 16. Breitengrades in Vietnam anwies sich nur den chinesischen Nationalisten zu ergeben, w\u00e4hrend diejenigen in der Mandschurei nur von den Truppen der Sowjetunion kapitulieren d\u00fcrften.\u201c (J.P. Harrison, 1978, S. 548) \u00c4hnliche Befehle ergingen von Chiang bereits am 11. August 1945 in China. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Ma\u00dfnahmenkatalog kanalisierte den Waffentransfer. Das meiste Ger\u00e4t gelangte so in die H\u00e4nde der GMD, nur ein kleiner Teil konnte von der KPCh konfisziert werden. Die Sowjetarmee \u00fcbergab (daraufhin?) die von ihr in der Inneren Mongolei erbeuteten japanischen Waffen an die KPCh (nach dem Zusammentreffen der nach Nordosten marschierenden Teile der chinesischen Volksbefreiungsarmee mit der russischen Sowjetarmee bei Kalgan). Vor allem die leichten japanischen Waffen und Transportmittel wechselten dabei den Besitzer. (Der amerikanische Historiker J. Spence vertritt hingegen die These von massiven Waffenlieferungen der Russen an Mao, einschlie\u00dflich schwerer Waffen, wie aus \u201esp\u00e4ter in Moskau ver\u00f6ffentlichten Zahlen\u201c hervorgehe (2003, S. 150). Leider legt er seine Quellen dazu nicht offen.) So oder so, b\u00fcrgerliche Historiker sehen in dem Akt der sowjetischen Waffen\u00fcbergabe stets eine Bevorzugung der KPCh. Tats\u00e4chlich stellte die UdSSR aber nur das bestehende Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen der GMD und der KPCh sicher &#8211; zumal die USA ihrerseits zu einer massiven Aufr\u00fcstung Chiangs \u00fcbergegangen waren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Run der Revolution\u00e4re auf die Mandschurei <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Weder die KPCh noch die GMD waren vor der Befreiung der Mandschurei mit nennenswerten Kr\u00e4ften in der Kolonie pr\u00e4sent gewesen, da sich dieser \u201aStaat\u2019 fest in der Hand japanischer Invasoren befunden hatte. Doch mit der Kapitulation Japans und dem Einmarsch sowjetischer Truppen in die Mandschurei r\u00fcckte nun auch dieser Teil Chinas in den Fokus der politischen Auseinandersetzungen. <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Beide<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> nationalchinesischen Konkurrenten setzten ihre Kr\u00e4fte in Bewegung: Zum einen lockten die verbliebenen Reste der Industrie f\u00fcr den zu erwartenden B\u00fcrgerkrieg; zum anderen war allen Seiten die geostrategische Lage dieses Landblocks f\u00fcr die Machtfrage in China klar. Die Mandschurei ragt ja wie ein gro\u00dfes Rechteck aus dem K\u00f6rper Chinas nach Nordosten: Angrenzend an die Sowjetunion Stalins, seitlich begrenzt von der Volksrepublik Mongolei, die damals unter sowjetischer Kontrolle war und seitlich flankiert vom Norden Koreas, wo jetzt sowjetische Truppen standen und die rote Guerilla des Kim Il Sung operierte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Eine \u00dcbernahme der Mandschurei durch die KPCh, deren Hauptkr\u00e4fte im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten China verweilten, h\u00e4tte somit einen geschlossenen Block kommunistischer Kr\u00e4fte sowie ein sicheres Hinterland f\u00fcr die KPCh geschaffen. Die Gefahr einer Zweiteilung Chinas war heraufbeschworen. Jeder geschichtsbewusste Chinese wusste zudem, dass der Norden Chinas h\u00e4ufiger zum Ausgangspunkt der Eroberung Westchinas geworden war. Vieles sprach also f\u00fcr die Absicht Chiangs, an der er geradezu besessen festhielt, sofort den Norden Chinas einschlie\u00dflich der Mandschurei einzunehmen. Nur eines sprach dagegen: die zahlenm\u00e4\u00dfige Schw\u00e4che und die begrenzte regionale Pr\u00e4senz der GMD.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht alle amerikanischen Milit\u00e4rberater Chiang Kai-sheks bef\u00fcrworteten daher diesen Schritt. Sie f\u00fcrchteten zu Recht eine \u00dcberdehnung seines Herrschaftsgebietes und eine Schw\u00e4chung seiner Kr\u00e4fte in der Fl\u00e4che. Doch Chiang war ein Spieler (und mittelm\u00e4\u00dfiger Milit\u00e4r), den solche Gedanken nicht anfochten. Noch aber sa\u00df die GMD nach ihrer Vertreibung aus den K\u00fcstenprovinzen Chinas im S\u00fcdwesten des Reiches fest. Hier half die USA-Regierung aus: \u201eIn nur wenigen Wochen bef\u00f6rderten die USA eine Million Regierungssoldaten nach Nord- und Nordostchina, wobei die nordchinesischen St\u00e4dte in der Regel aus der Luft, die nord\u00f6stlichen Stellungen aber \u00fcber See angegangen wurden. Daneben lie\u00dfen sich 80.000 US-Soldaten in f\u00fcnf Schl\u00fcsselst\u00e4dten entlang der Bohai-Bucht nieder. \/ Die erste Runde des Wettrennens ging unter diesen Umst\u00e4nden eindeutig an die GMD. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der nach dem pl\u00f6tzlichen Tod Roosevelts inzwischen an die Macht gelangte neue Pr\u00e4sident Truman begr\u00fcndete die Hilfsaktion seines Landes damit, dass \u201euns v\u00f6llig klar war, da\u00df ganz Nordchina von den Kommunisten \u00fcberrannt worden w\u00e4re, h\u00e4tten wir den Japanern befohlen, ihre Waffen sofort niederzulegen und zur K\u00fcste zu marschieren. Wir mu\u00dften deshalb eine Zwischenl\u00f6sung w\u00e4hlen und den Feind als Besatzer benutzen, bis wir die chinesischen Nationaltruppen nach Nordchina einflogen und Marineinfanteristen zur Bewachung der K\u00fcstenh\u00e4fen entsandt hatten. So wurde den Japanern befohlen, in ihren Stellungen auszuharren und die Ordnung aufrechtzuerhalten. Zur gegebenen Zeit w\u00fcrden Truppen unter Jiang Jieshi (das ist Chiang Kai-shek d.V.) erscheinen, die Japaner k\u00f6nnten sich ihnen dann ergeben, zu den H\u00e4fen marschieren, und wir w\u00fcrden sie zur\u00fcck nach Japan bef\u00f6rdern.\u201c (O. Weggel, 1989, S. 124)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Zeitweise behinderte die Sowjetunion die Anlandung der nationalchinesischen Truppen, indem sie den Hafen Dalian f\u00fcr alle Truppentransporte sperrte (was b\u00fcrgerliche Historiker gerne hervorheben). Als die USA ihre maritimen chinesischen Basen f\u00fcr den gleichen Zweck \u00f6ffneten, gestatte die Sowjetunion den Transport der GMD-Truppen auf dem Luft- und Landweg in die Mandschurei (was dieselben b\u00fcrgerlichen Historiker, aber auch einige SED-Apologeten gerne unterschlagen). Das Vordringen Chiangs in der Mandschurei wurde somit verz\u00f6gert, aber nicht blockiert. (J.P. Harrison, 1978, S. 561) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ende 1945 hatte die KPCh dann etwa 300.000 K\u00e4mpfer in der Mandschurei konzentriert, der hier die Soldaten der GMD sowie die n der GMD-Armee aufgehenden Kr\u00e4fte der japanischen Marionettenregierungen vor allem in den St\u00e4dten gegen\u00fcberstanden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nach dem japanischen Zusammenbruch: die Entsch\u00e4digungsfrage <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach ihrem Einmarsch in die japanische Kolonie Mandschurei betrachtete die Sowjetunion die dortige Industrie als Beute. In der Tat stellte sich, wie auch in Deutschland, die Entsch\u00e4digungsfrage gegen\u00fcber Japan. Es gab jedoch einen Unterschied. Die Alliierten hatten auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam feste Quoten der Abgaben Deutschlands an die Siegerm\u00e4chte vereinbart, es aber vers\u00e4umt, das Gleiche f\u00fcr Japan zu tun. Auch blieb die Frage der politischen Neuordnung und Verwaltung Japans unklar. Die Sowjetunion bediente sich also ungeniert an der nunmehr \u201aherrenlosen\u2019 Mandschurei, deren chinesische Souver\u00e4nit\u00e4t man allerdings anerkannt hatte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der mit den Kommunisten sympathisierende Journalist Israel Epstein schrieb 1950: \u201e Die Sowjetarmee entfernte keinerlei Fabrikeinrichtungen, die vor der japanischen Besetzung chinesisches Eigentum gewesen waren. Nach verschiedenen Sch\u00e4tzungen schaffte sie zwischen 10 und 25 Prozent des sp\u00e4ter von den Japanern errichteten Maschinenparks nach der Sowjetunion.\u201c Ob er damit Recht hatte, konnte ich nicht \u00fcberpr\u00fcfen. J.P. Harrison jedenfalls beziffert den Wert der gleich nach Kriegsende aus der Mandschurei entnommenen modernen Anlagen durch Russland auf 858 Mio. US- Dollar, damals eine gewaltige Summe (J.P. Harrison, 1978, S. 559\/60). F\u00fcr das strukturschwache China war das ein bedeutender materieller Aderlass &#8211; der weder unter Nationalisten noch unter Rotchinesen Begeisterung ausgel\u00f6st haben d\u00fcrfte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>VII. Warum siegte die Volksbefreiungsarmee (der KPCh) in Nordchina sowie in der Mandschurei \u00fcber die GMD (1945 &#8211; 1949)<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Beendigung des 2. Weltkriegs stellte sich die Frage nach der politischen und sozialen (Neu-) Ordnung in China erneut. Spannend war nur, ob es zur friedlichen Konkurrenz von GMD und KPCh oder zum gewaltsamen Zusammenprall der Kr\u00e4fte und Konzeptionen kommen w\u00fcrde. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das ver\u00e4nderte Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im Verlauf des antijapanischen Krieges war die KPCh zu einem ernstzunehmenden gesellschaftlichen Machtfaktor &#8211; neben der GMD &#8211; geworden: \u201e Im Fr\u00fchjahr 1945 behaupteten die Kommunisten, da\u00df sie \u00fcber eine Armee von 910000 Mann, eine Miliz von 2,22 Mill. Mann und ein Selbstverteidigungskorps aus 10 Mill. Mann in 19 befreiten Gebieten verf\u00fcgten. Diese Gebiete lagen in einer gleichen Anzahl von Provinzen und umfa\u00dften insgesamt 950000 qkm (ein Zehntel der gesamten Landesfl\u00e4che) in denen eine Bev\u00f6lkerung von 95,5 Mill. Menschen lebte.\u201c Sieben Basisgebiete lagen in Nordchina, zehn kleinere in Zentral- und zwei in S\u00fcdchina. ( J.P. Harrison, 1978, S. 548\/49)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die GMD hingegen verf\u00fcgte 1945 auf dem Papier \u00fcber 8 Mio. Soldaten, Mitte 1946 real \u00fcber 4.3 Mio. Mann. Sie verwies auf Parteimitglieder in ganz China (1937 sprach man von 300.000 Mitgliedern). Die GMD (plus Armee) war somit nominell st\u00e4rker als die KPCh mit ihren bewaffneten Einheiten. Ja, sie hatte erheblich mehr Fl\u00e4che Chinas und Einwohner (ca. 70% der Gesamteinwohnerschaft) unter ihrer Kontrolle. Die GMD stellte zudem die chinesische Zentralregierung. Sie verf\u00fcgte damit \u00fcber eine \u201asolide\u2018 Rekrutierungsbasis f\u00fcr Soldaten. Mit ihren Bajonetten beherrschte sie zudem den S\u00fcdwesten des Landes. Viele, doch nicht alle Warlords des Reiches z\u00e4hlten zu ihrer Gefolgschaft.<br \/>\n\u2013 Doch die Mehrzahl der Partei- und Staats-Soldaten bestanden aus zwangsrekrutierten Bauern, die f\u00fcr die alten Zust\u00e4nde und gegen ihre eigenen sozialen Interessen antreten sollten. Entsprechend schwach war ihre Kampfkraft und die Moral der Truppe. Die sozialen Zust\u00e4nde in den Rekrutierungslagern und in der Armee waren erb\u00e4rmlich. Teile des GMD-Offizierskorps waren korrupt, einige Kader unf\u00e4hig. Berichtet wird auch von kommunistischen \u201aSchl\u00e4fern\u2019 im Offizierskorps der GMD. Dazu kamen unz\u00e4hlige Widerspr\u00fcche in der Armee selbst: So war es nicht ohne Risiko, einen zwangsrekrutierten Soldaten aus dem S\u00fcden im kalten Nordosten Chinas einzusetzen, wie es auch umgekehrt problematisch war, einen ehemaligen Soldaten der Warlords des Nordostens f\u00fcr die Interessen der Milit\u00e4rclique des S\u00fcdens einzusetzen: Widerspr\u00fcche, die sich auf den Zusammenhalt der Armee auswirkten und die Desertation der Soldaten beg\u00fcnstigten. &#8211; Die GMD war ein Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die politische Offensive der KPCh 1945\/46 <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Am 25. August 1945, also gleich nach der japanischen Kapitulation, so eine sowjetische Arbeit, \u201ever\u00f6ffentlichte das Zentralkomitee der KP Chinas eine Deklaration \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Lage, in der es seine Bereitschaft erkl\u00e4rte, unter folgenden Bedingungen zu einem friedlichen \u00dcbereinkommen mit der Guomindang zu kommen: Einstellung der Kriegshandlungen gegen die Befreiten Gebiete; Anerkennung der Volksregierungen und der Volksbefreiungskr\u00e4fte der Befreiten Gebiete; Festlegung des Territoriums, wo die Volksstreitkr\u00e4fte die Kapitulation der japanischen Truppen entgegennehmen konnten; Aufl\u00f6sung der Marionettentruppen; Einberufung einer Beratung mit dem Ziel, eine demokratische Koalitionsregierung zu bilden und freie Wahlen zu einer Volksversammlung vorzubereiten.\u201c (In den AW. IV. Maos, Peking 1969, wird diese Deklaration zwar erw\u00e4hnt, aber nicht wiedergegeben. Sie entzieht sich daher meiner \u00dcberpr\u00fcfung, d.V.) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Auch Chiang offerierte der KPCh zeitgleich und mehrfach ein Koalitionsangebot, wohl auf Druck der Amerikaner hin, die sich auch als Vermittler zwischen den Lagern anboten, was die KPCh zu seiner \u00dcberraschung auch annahm. Allerdings hatte das Ansinnen Chiangs eine andere Sto\u00dfrichtung als das der KPCh. Ihm ging es um die Ausschaltung des kommunistischen Einflusses in China sowie um Zeitgewinne f\u00fcr eine bessere r\u00e4umliche Positionierung seiner Kr\u00e4fte im zu f\u00fchrenden B\u00fcrgerkrieg. &#8211; Das Angebot der Kommunisten, zu einer demokratischen Koalitionsregierung zu kommen, lehnte Chiang dann nach vielen Winkelz\u00fcgen ab. &#8211; F. Wemheuer hat v\u00f6llig Recht, wenn er urteilt: \u201eWeder die Kommunisten noch die Guomindang hatten die Absicht, langfristig die Macht zu teilen. Zu unterschiedlich waren ihre Vorstellungen von einem neuen China.\u201c (F. W., 2010, S. 68) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch warum verweigerte Chiang letztlich seine Zustimmung zum Angebot? Warum zog er im Verlauf des politischen Pokers um die demokratische Koalitionsregierung den K\u00fcrzeren, d. h. warum \u201averlor er sein Gesicht\u2018 in der \u00d6ffentlichkeit? Um das zu verstehen, ist (u.a.) ein kurzer Blick in Maos Schrift \u201e\u00dcber die Koalitionsregierung\u201c (AW. III., 1969, redigierte Fassung, S. 239 &#8211; 319) n\u00fctzlich, die der oben angesprochenen Deklaration der KPCh vom August 1945 vermutlich zugrundelag. Denn hier umriss die Partei die politische Sto\u00dfrichtung ihres Angebotes.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das Papier, eigentlich eine Rede Maos auf dem VII. Parteitag der KPCh am 24. April 1945, rekapitulierte noch einmal die allgemeinen und <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>aktuellsten<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Vorstellungen der Partei \u00fcber die \u201eNeue Demokratie\u201c, Vorstellungen, die man in China nach der Zerschlagung der japanischen Aggression &#8211; ob mit oder ohne die gemeinsame demokratische Koalitionsregierung &#8211; schon bald umzusetzen gedachte:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Dem Bauern versprach das Papier: \u201eJedem Pfl\u00fcger sein Feld\u201c (was auf eine Enteignung und Zerschlagung der Grundherrenklasse hinauslief).<br \/>\n&#8211; Der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>nationalen B<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">ourgeoisie garantierte es die Existenz und gute Gesch\u00e4fte unter der Ma\u00dfgabe, dass diese sich dem internationalen Imperialismus verweigerte und sich dem demokratischen Neuaufbau Chinas verschrieb; dem Kapital und der Industrie der Kompradorenbourgeoisie allerding drohte sie mit der Verstaatlichung und der politischen Ausschaltung; dem internationalen Kapital wurden Gesch\u00e4fte beim Wiederaufbau Chinas angeboten, wenn es sich denn aus den inneren Angelegenheiten Chinas heraushielte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Dem Arbeiter, dem Proletariat stellte es in d\u00fcrren und unverbindlichen Worten eine lichtere Zukunft in Aussicht. So hie\u00df es im Text: \u201eWenn an die Stelle der Unterd\u00fcckung durch den ausl\u00e4ndischen Imperialismus und durch den eigenen Feudalismus eine gewisse Entwicklung des Kapitalismus tritt, so stellt das nicht nur einen Fortschritt, sondern auch einen unvermeidlichen Proze\u00df dar. Das kommt nicht nur der Bourgeoisie, sondern auch dem Proletariat zugute, und letzterem sogar noch mehr.\u201c Und an anderer Stelle: \u201eUnter dem neudemokratischen Staatssystem wird eine Politik der Regelung der Verh\u00e4ltnisse zwischen Arbeit und Kapital betrieben werden. Auf der einen Seite sch\u00fctzt man die Interessen der Arbeiter &#8211; es wird je nach den Umst\u00e4nden der Acht- bis Zehnstundentag eingef\u00fchrt und f\u00fcr eine angemessene Arbeitslosenunterst\u00fctzung und Sozialversicherung gesorgt, und es werden die Rechte der Gewerkschaft gewahrt. Auf der anderen Seite garantiert man einen rechtm\u00e4\u00dfigen Gewinn aus der vern\u00fcftigen Bewirtschaftung staatlicher, privater und genossenschaftlicher Unternehmen. Das alles soll bewirken, da\u00df sich sowohl der staatliche als auch der private Sektor und sowohl Arbeit als auch Kapital gemeinsam um die Entwicklung der Industrieproduktion bem\u00fchen.\u201c (D\u00fcrre Worte f\u00fcr eine kommunistische Partei, worin sich sp\u00e4tere politische Widerspr\u00fcche in der KPCh bereits andeuten, d.V.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Der \u00d6ffentlichkeit, dem Volk versprach das Papier eine gr\u00fcndliche Demokratisierung von Staat und Gesellschaft (was auf eine Aufl\u00f6sung der Ein-Parteienherrschaft der GMD hinauslief und der Demokratie, aber auch der KPCh die n\u00f6tigen Entfaltungsm\u00f6glichkeiten verschafft h\u00e4tte).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; China sollte als territorial geeinte und souver\u00e4ne demokratische Republik wiederauferstehen (das hie\u00df aber auch, auf absehbare Zeit kein Sozialismus, wobei die Frage, wann denn doch, ausgeblendet und umschifft wurde. Im Text hie\u00df es sogar: \u201eNur \u00fcber die Demokratie kann man zum Sozialismus gelangen \u2013 das ist ein unersch\u00fctterliches Gesetz des Marxismus.\u201c). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Auf die rhetorische Frage \u201eWof\u00fcr sind wir also?\u201c antwortete Mao im Text u.a.: \u201eWir sind daf\u00fcr, da\u00df nach der v\u00f6lligen Niederwerfung der japanischen Aggression eine Staatsordnung des demokratischen B\u00fcndnisses der Einheitsfront errichtet werden mu\u00df, die sich auf die \u00fcberwiegende Mehrheit des Volkes st\u00fctzt und unter F\u00fchrung der Arbeiterklasse steht. Eine solche Staatsordnung nennen wir eine neudemokratische Ordnung. \u2026Die Politik der Neuen Demokratie, f\u00fcr die wir eintreten, besteht darin, das fremde nationale Joch abzuwerfen sowie die einheimische feudalistische und faschistische Unterdr\u00fcckung zu beseitigen, danach nicht die politische Ordnung einer Demokratie alten Typus, sondern eine auf der Einheitsfront des B\u00fcndnisses aller demokratischen Klassen beruhende Ordnung zu errichten.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die Zeit einer noch andauernden japanischen Besatzung des Vaterlandes legte die Schrift allerdings ein abgespecktes Koalitionsprogramm vor, das zwar seine demokratischen Inhalte behielt, das sich im \u00f6konomischen und sozialen Ma\u00dfnahmenkatalog aber zur\u00fcckhielt. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das Papier \u201e\u00dcber die Koalitionsregierung\u201c vom April 1945, so haben die Recherchen des Sinologen H. Martin ergeben, existiert heute in vier abweichenden Fassungen: \u201eals Nachschrift dessen, was Mao tats\u00e4chlich auf dem Parteitag vortrug, zweitens als eine Version, die nur f\u00fcr Parteimitglieder bestimmt war, drittens als eine offene Version f\u00fcr die Au\u00dfenwelt, die 1945 nach dem Parteitag ver\u00f6ffentlicht wurde, und schlie\u00dflich viertens als nochmals redigierte Fassung des letztgenannten Textes im Zusammenhang mit dem entsprechenden Band der kanonisierten &gt; Ausgew\u00e4hlten Werke &lt; .\u201c Nur die harmloseste Variante des Papiers bekam die \u00d6ffentlichkeit damals zu Gesicht. Nicht nur die GMD, auch die KPCh verstand sich bereits aufs Tricksen und T\u00e4uschen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch die KPCh vergab sich damals nichts mit ihren Vorschl\u00e4gen und Angeboten: Sie hatte sich in der \u00d6ffentlichkeit als konsequente Kraft im antijapanischen Volkskrieg bewiesen. Sie hatte ihre sozialrevolution\u00e4re Ader gelebt. Nun bot sie also der GMD einen Verhandlungsfrieden und eine Koalitionsregierung nach und mit demokratischen Spielregeln an, ohne sich und die Befreiten Kern- Gebiete selber aufzugeben. Sie konnte in diesem politischen Poker, ob mit oder ohne Erreichen der demokratischen Koalitionsregierung, nur gewinnen. Denn sie hatte die Finger am Puls der Zeit &#8211; und Chiang, kein politischer Dummkopf, wusste, was ihm bl\u00fchte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem fast zeitgleich zum KPCh-Parteitag stattfindenden Parteikongress der GMD sprach Chiang in einem geheimen Bericht Klartext: \u201eDer Kern unserer Arbeit besteht heute in der Vernichtung \u2026 der kommunistischen Partei. Japan ist unser \u00e4u\u00dferer Feind. Die kommunistische Partei ist unser innerer Feind.\u201c (zitiert nach H. Peters, 2007, S. 112)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die \u00f6ffentlichen <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Koalitionsverhandlungen<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> unter Vermittlung der USA zogen sich von Ende August 1945 bis M\u00e4rz 1947 hin. Da hatte Japan l\u00e4ngst kapituliert. Das Klima der Verhandlungen wurde immer gereizter. Die regionalen K\u00e4mpfe flammten in Abst\u00e4nden wieder auf. F\u00fcr Chiang waren die Pr\u00e4missen der KPCh letztlich unannehmbar. Als zentrale Knackpunkte im Verhandlungsmarathon zur Koalitionsregierung kristallisierten sich zwei Vorbedingungen Chiangs heraus: a) die Forderung, Beamte oberhalb der Kreisebene in China nur von der Nationalregierung ernennen zu lassen und nicht der Volkswahl zu unterstellen, was auf eine Aufl\u00f6sung der Befreiten Gebiete hinauslief, und b) die Forderung Chiangs an die KPCh, sich aus allen Schl\u00fcsselstellungen in der Mandschurei zur\u00fcckzuziehen. Die KPCh war aber nur bereit, acht Basisgebiete vor der Haust\u00fcr Chiangs aufzugeben, was leichtfiel, da sie schlecht zu verteidigen waren, sowie die Armee proportional zu der der GMD abzubauen, was hie\u00df, die Waffen in der Hand der KPCh zu belassen. Letztlich scheiterten die Koalitionsverhandlungen an der Frage der Befreiten Gebiete und an der Mandschurei &#8211; mal abgesehen von dem Umstand, dass beide Seiten an der eigenen Macht\u00fcbernahme arbeiteten. So lehnte die GMD das Koalitionsangebot der KPCh nach vielem Hin und Her als Erste ab und Chiang stand vor der \u00d6ffentlichkeit mit dem \u201aSchwarzen Peter\u2018 des Kriegstreibers und Demokratiever\u00e4chters da.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das doppelte Spiel de<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">r <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>USA<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">1945 \/ 46\/47 bedr\u00e4ngten sowohl die SU als auch die USA die nationalchinesischen Kontrahenten, zu einer irgendwie gearteten Koalitionsregierung zu kommen. Dabei waren die Motive der Gro\u00dfm\u00e4chte keineswegs gleich: Der SU ging es anf\u00e4nglich darum, die nationale chinesische Einheitsfront im Kampf gegen Japan zu st\u00e4rken. An eine Siegeschance der KPCh \u00fcber Chiang in China glaubte man eh nicht. Darum dr\u00e4ngte man die KPCh, ihre Beziehung zu Chiang zu verbessern und ein Arrangement mit der GMD zu suchen &#8211; im Krieg und nach dem Kriege. &#8211; Die USA ihrerseits waren sp\u00e4testen nach der japanischen Niederlage davon \u00fcberzeugt, dass Chiang im Kampf gegen die KPCh nicht so einfach siegen k\u00f6nnte. Ein B\u00fcrgerkrieg mit ungewissem Ausgang sollte m\u00f6glichst vermieden werden. Auch war man daran interessiert, die GMD-Herrschaft in China zu zivilisieren um sie zu st\u00fctzen. So boten sich die USA als Vermittler zwischen der GMD und der KPCh an. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch die US-Regierung betrieb in den st\u00e4ndig unterbrochenen Koalitionsverhandlungen und den aufflammenden K\u00e4mpfen von Anfang an ein doppeltes Spiel. So beschrieb z.B. der dritte amerikanische Vermittler General Marshall gegen\u00fcber seinem Dienstherrn Truman seine Aufgabe in China so, \u201eda\u00df er, wenn die Kommunisten keine vern\u00fcnftigen Zugest\u00e4ndnisse machten, nationalistische Truppen nach Nordchina bringen lassen w\u00fcrde. Wenn andererseits der Generalissimus keine Zugest\u00e4ndnisse machte und damit alle Einigungsbem\u00fchungen scheiterten, k\u00f6nnten die Vereinigten Staaten ihn trotzdem nicht fallenlassen, \u201eweil die tragische Konsequenz ein geteiltes China und wahrscheinlich die erneute Machtergreifung der Russen in der Mandschurei w\u00e4re \u2026 das w\u00fcrde bedeuten, da\u00df wir unser wichtigstes Ziel im Pazifik-Krieg verfehlt h\u00e4tten\u201c. Er sah seine Aufgabe folglich darin, da\u00df unter den gegebenen Umst\u00e4nden \u201eder Generalissimus beim Transport von Truppen nach dem Norden Chinas weiter unterst\u00fctzt werden mu\u00dfte\u201c &#8211; zumindest so lange, bis die Evakuierung der Japaner abgeschlossen war. Truman und Byrnes waren einverstanden. \/ Das war im Grunde die Entscheidung f\u00fcr die Konterrevolution.\u201c (B. Tuchman, 1988, S. 630)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Exkurs: Das Dilemma der Sowjetunion<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die politische Situation der Sowjetunion &#8211; zeitweise im Besitz der Mandschurei &#8211; war zu diesem Zeitpunkt kompliziert. Einerseits war man mit Chiang Kai-shek verb\u00fcndet (Freundschaftsvertrag &#8211; gem\u00e4\u00df den Verpflichtungen von Jalta &#8211; am 14. August 1945), ja, man hatte Chiang stets hofiert und zum \u00c4rger der KPCh auch privilegiert materiell unterst\u00fctzt. Andererseits war man mit den chinesischen Kommunisten liiert, die allerdings nur mit einer kleinen rotlackierten Bauernarmee dazustehen schienen. Die SU reagierte auf diese Lage widerspr\u00fcchlich:<br \/>\n&#8211; Die Sowjetunion \u00fcbergab zwar ihre japanischen Beutewaffen aus der Inneren Mongolei bei Kalgan an die KPCh, aber sie r\u00fcstete die rote Volksbefreiungsarmee &#8211; meiner Kenntnis nach -nicht mit modernen und schweren Waffen auf.<br \/>\n&#8211; Sie verz\u00f6gerte zwar die Anlandung der GMD-Streitkr\u00e4fte im Nordosten Chinas, aber sie erlaubte schlie\u00dflich doch das Eintreffen dieser Truppen auf dem Luft- und Landwege nach Norden und in der Mandschurei, statt die KPCh hier in den Sattel zu heben.<br \/>\n&#8211; Die Sowjetunion (bzw. die KPdSU) war zwar mit den chinesischen Kommunisten liiert, aber im Freundschaftsvertrag mit Nationalchina band sie sich an Chiangs Legalit\u00e4t. So hei\u00dft es im Text des Freundschaftsvertrages, dass beide L\u00e4nder \u201esich verpflichten, kein B\u00fcndnis zu schlie\u00dfen und in keiner Weise an irgendeinem Zusammenschlu\u00df teilzunehmen, der gegen die andere hohe vertragsschlie\u00dfende Partei gerichtet ist\u201c und dass beide Seiten \u201e darin \u00fcbereinstimmen, in enger und freundschaftlicher Zusammenarbeit zusammenzuwirken \u2026 und gem\u00e4\u00df den Prinzipien gegenseitigen Respekts f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t und territoriale Integrit\u00e4t sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen vertragsschlie\u00dfenden Partei zu handeln.\u201c (Zitiert bei J.P. Harrison, 1978, S. 560)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">B\u00fcrgerliche Historiker sind sich darin einig, dass die Sowjetunion mehr f\u00fcr ihre kommunistischen Gesinnungsgenossen h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Worin lagen die Hemmnisse? Dieselben b\u00fcrgerlichen Historiker sagen z.B.:<br \/>\n&#8211; Es habe ein Misstrauen von Seiten Stalins gegen\u00fcber der KPCh bestanden. In der Tat lassen sich gewisse Vorbehalte zeitweilig nachweisen.<br \/>\n&#8211; Es habe in Moskau die Furcht gegeben, die USA k\u00f6nnten offen in den chinesischen B\u00fcrgerkrieg zugunsten der GMD eingreifen (und sich im R\u00fccken der Sowjetunion festsetzen, d.V.).<br \/>\n&#8211; Eine solche Mutma\u00dfung ist in der Tat nicht abwegig, standen doch US-Truppen zeitweilig in Japan sowie im S\u00fcden Koreas, ja, selbst in einigen K\u00fcstenst\u00e4dten Chinas. Harrison spricht von 113.000 stationierten Soldaten der US-Armee in Nord-China zu dieser Zeit. Es schien also ratsam, sich mit den Nationalisten in Nanking zu arrangieren und die eigene revolution\u00e4re Staatsmacht in Moskau vor b\u00f6sen \u00dcberraschungen im R\u00fccken zu sch\u00fctzen, zumal der \u201aKalte Krieg\u2018sich abzuzeichnen begann. Das gilt f\u00fcr die Zeit, als man noch vom \u00dcberleben des GMD-Regimes \u00fcberzeugt war. &#8211; Doch ob dies wirklich zu den \u00dcberlegungen in Moskau geh\u00f6rte, ist nicht belegt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ich kenne nur eine, wohl authentische \u00c4u\u00dferung Stalins zum Thema: \u201e Nach dem Krieg luden wir die chinesischen Genossen nach Moskau ein, und wir er\u00f6rterten die Lage in China. Wir erkl\u00e4rten ihnen unmi\u00dfverst\u00e4ndlich, unserer Auffassung nach h\u00e4tte eine (revolution\u00e4re) Erhebung in China keinerlei Aussicht, und die chinesischen Kommunisten sollten versuchen, zu einem modus vivendi mit Chiang Kai-shek zu gelangen, sich dessen Regierung anzuschlie\u00dfen und ihre Armee aufzul\u00f6sen. Die chinesischen Genossen stimmten hier (in Moskau) mit der Auffassung der sowjetischen Genossen \u00fcberein, gingen dann aber nach China zur\u00fcck und handelten ganz anders. Sie sammelten ihre Kr\u00e4fte, organisierten ihre Armee und schlagen nun, wie wir sehen, Chiang Kai-sheks Armee. Nun m\u00fcssen wir im Falle Chinas zugeben, da\u00df wir unrecht hatten.\u201c (zitiert bei J.P. Harrison, 1978, S. 568\/69). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der fl\u00e4chendeckende B\u00fcrgerkrieg in China beginnt <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die UdSSR zog im M\u00e4rz \/ April 1946 &#8211; vertragswidrig sp\u00e4t &#8211; aus der Mandschurei ab. Das er\u00f6ffnete ein neues Wettrennen der nationalchinesischen Konkurrenten in dieses Reichsgebiet.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Abzug der Sowjettruppen aus der Mandschurei und dem Aufk\u00fcndigen der Koalitionsverhandlungen f\u00fcr China durch Chiang Kai-shek forcierte die GMD den latenten B\u00fcrgerkrieg im Reich &#8211; und das in einem kriegsm\u00fcden Land. &#8211; Shanghai, Nanking und Peking hatte Chiang mit amerikanischer Hilfe bereits in der Tasche. &#8211; Auch die KPCh rang mit milit\u00e4rischen Mitteln um strategisch wichtige Positionen und St\u00e4dte in der Mandschurei. Es ist daher wenig sinnvoll nach <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>dem<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> \u201aAggressor\u2018 auf dem chinesischen Parkett zu suchen. Folgen wir besser den Ereignissen:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im M\u00e4rz \/ Mai 1946 brachte Chiang die gesamte Bahnlinie von Peking bis Chagchun in der Mandschurei unter seine Kontrolle. &#8211; Im Juni ging die GMD dann zu landesweiten Angriffen auf die St\u00fctzpunkte der KPCh \u00fcber. Der Schwerpunkt dieser Angriffswelle lag zuerst in Nordchina; Yan\u2019an wurde zudem bombardiert. &#8211; Die Kampfhandlungen l\u00f6sten keineswegs Freude bei Chiangs amerikanischen Verb\u00fcndeten aus. Sie versuchten, die GMD durch ein zeitweiliges Waffenembargo zu m\u00e4\u00dfigen und an den Verhandlungstisch zur\u00fcckzuholen. Doch knickte man in Amerika schon bald ein. Wieder setzte man auf das \u201aalternativlose\u2018 falsche Pferd, bis es zu sp\u00e4t war. &#8211; Vor allem die K\u00e4mpfe in Nord- und Nordost-China sollten sich f\u00fcr Chiang Kai-shek zum \u201achinesischen Stalingrad\u2018 entwickeln; Ereignisse, die hier nur skizziert werden k\u00f6nnen (N\u00e4heres z.B. bei J.P. Harrison, 1978 und O. Weggel, 1989). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In der wissenschaftlichen Literatur wird der intensivierte B\u00fcrgerkrieg in 3 Phasen unterteilt:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Anf\u00e4nglich hatte die GMD noch Erfolge vorzuweisen. Das kennzeichnete die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Phase <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">der Auseinandersetzung (Juni 1946 &#8211; Juni 1947). &#8211; Die K\u00e4mpfe vom November 46 &#8211; Februar 47 richteten sich dabei vor allem gegen die St\u00fctzpunktgebiete der KPCh in Ost- und Zentralchina, was die KPCh zwang, gro\u00dfe Teile S\u00fcdchinas aufzugeben. &#8211; Chiang gelang die R\u00fcck-Eroberung vieler St\u00e4dte in der Mandschurei, wobei er nun auch hier seine Unf\u00e4higkeit und Willk\u00fcrherrschaft demonstrierte. &#8211; Die KPCh hingegen infiltrierte die l\u00e4ndlichen mandschurischen Gebiete. Dort begann sie mit einer radikalen Bodenreform, die ihr schon bald die dortigen Bauernmassen zutreiben sollte. Wer Land und Freiheit aus der Hand der KPCh erhielt, war auch gewillt, seine \u201aS\u00f6hne und T\u00f6chter\u2018 in den Dienst der Revolution zu stellen. &#8211; Am 19. M\u00e4rz 1947 eroberte die GMD unter gro\u00dfen Kraftanstrengungen Yan\u2019an. Doch sollte sich dieser propagandistisch gefeierte Sieg als Pyrrhussieg erweisen. Die hier stationierte Revolutionsarmee hatte sich vorsorglich abgesetzt und nur \u201aleere Kommando-H\u00f6hlen\u2018 hinterlassen. Der Bewegungs- und Guerillakrieg wurde an anderer Seite wieder er\u00f6ffnet. Nordchina blieb ein Operationsgebiet der KPCh. &#8211; Der Angriff auf Yan\u2019an, darin waren sich die damaligen Beobachter einig, schloss die T\u00fcr zum Verhandlungsfrieden endg\u00fcltig. &#8211; Was die Volksbefreiungsarmee an einem Punkt verlor, glich sie an anderer Stelle z. B. in Nordost-China gleich mehrfach aus. Chiangs Kr\u00e4fte hingegen wurden hoffnungslos \u00fcberdehnt und damit verletzlich. Sie boten den K\u00e4mpfern der KPCh die n\u00f6tige Angriffsfl\u00e4che.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Schon im Juni 1947 konnte die KPCh zur strategischen Gegen-Offensive \u00fcbergehen. Die Losung hie\u00df: \u201eDie St\u00e4dte von den D\u00f6rfern her einkreisen\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Phase<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der Auseinandersetzung (Sommer 1947 bis Ende 1947) konzentrierte sich auf die gro\u00dfen Ebenen zwischen dem Gelben Fluss und dem Jangtse. &#8211; Die Truppenst\u00e4rke der GMD in ganz China sank bereits von 4,3 Mio. &#8211; so Mitte 1946 &#8211; auf 3,6 Mio. Mann ab, w\u00e4hrend sich die der KPCh von 1,2 auf 1,95 Mio. vermehrt hatte. &#8211; Strategisch bedeutend war zudem die Unterbrechung der Eisenbahnlinie von S\u00fcd- nach Nordostchina durch die roten K\u00e4mpfer. Diese Unterbrechung blockierte den Nachschub der GMD-Armee und reduzierte ihren Aktionsradius mehr und mehr auf die Verteidigung von Schl\u00fcsselstellungen sowie auf die der gro\u00dfen St\u00e4dte in Nord- und Nordostchina. &#8211; Das rote Umland belagerte hier die von der GMD besetzten St\u00e4dte, hungerte sie aus, bis sie sturmreif oder demoralisiert waren. Nicht wenige davon kapitulierten friedlich. Truppenteile des Gegners gingen freiwillig oder unfreiwillig in die Kriegsgefangenschaft, ja, abgespaltene Teile dieses Armeek\u00f6rpers gliederten sich aus eigenem Entschluss mit ihren Waffen in die Volksbefreiungsarmee ein.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Phase<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der Auseinandersetzung (1948 &#8211; 1949\/50) begann um die Jahreswende 1947\/48. Zu diesem Zeitpunkt lag die Kontrolle der l\u00e4ndlichen Gebiete Nordost-, Nord- und Zentralchinas bereits bei der Volksbefreiungsarmee. &#8211; Entlang der gro\u00dfen Eisenbahnlinien beherrschte Chiang allenfalls einen \u201aD\u00fcnnen Schlauch\u2018 an Fl\u00e4che, st\u00e4ndig bedroht durch Vorst\u00f6\u00dfe der Roten K\u00e4mpfer. &#8211; Nur die Gebiete s\u00fcdlich des Jangtse wurden noch durch Nanking (d.h. durch die GMD) kontrolliert. Doch auch hier hatte der Rote Widerstand seine Arbeit wieder aufgenommen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die Milit\u00e4rmacht der KPCh, daran muss hier noch einmal erinnert werden, bestand aus einer Partisanen- sowie aus einer \u00fcber die Jahre aufgebauten regul\u00e4ren Feldarmee. In drei Gefechten von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung bewies diese Volksbefreiungsarmee nun im weiteren Verlauf ihre erworbenen F\u00e4higkeiten. Das Abr\u00e4umen der GMD-Stellungen erfolgte dabei von Nord nach S\u00fcd:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Das erste Schlachtengeschehen (12.9.47 &#8211; 2.1.48) fand um die endg\u00fcltige Herrschaft im Nordosten, also um die Mandschurei statt und wurde von der Volksbefreiungsarmee bereits in Kesselschlachten ausgetragen.<br \/>\n&#8211; Bei der 2. Schlacht (7.11.48 &#8211; 10.1.49) ging es darum, die Pforte nach Zentral- und S\u00fcdchina aufzusto\u00dfen und Nanking f\u00fcr einen sp\u00e4teren Angriff milit\u00e4risch zu entbl\u00f6\u00dfen.<br \/>\n&#8211; Die 3. Schlacht (5.12.48 &#8211; 31.1.49) fand fast zeitgleich mit der 2. statt. Hier ging es um die endg\u00fcltige Herrschaft in Nordchina und den Zugriff auf Peking und Tianjin (an der Bohai-Bucht). &#8211; Im April 1948 hatten Abteilungen der Volksbefreiungsarmee bereits Yan\u2019an zur\u00fcckerobert. &#8211; In Peking zog man am 31. Jan. 1949 ein, friedlich, denn die GMD-Besatzung kapitulierte kampflos. Mao rief hier am 1. Okt. 1949 die Volksrepublik China aus. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Alle drei gro\u00dfen Schlachten der Jahre 1948\/49 gingen f\u00fcr die GMD verloren. Dabei wurden ca. 1,5 Mio. Soldaten Nankings ausgeschaltet. Nach Sch\u00e4tzungen lag die Truppenst\u00e4rke Chiangs danach nur noch bei 1,5 Mio. Mann (Hilfstruppen eingerechnet).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach rotchinesischen Angaben verlor die Nationalregierung zwischen Mitte 1946 und Ende 1948 ganze 4,9 Mio. Mann, drei Viertel davon \u00dcberl\u00e4ufer und Kriegsgefangene. 105 der insgesamt 869 Gener\u00e4le Chiangs wechselten zudem die Seite. Die GMD-Armee zerlegte sich. Selbst unter den \u201averl\u00e4sslichen\u2018 Warlords begann die Gefolgschaft zu Chiang zu br\u00f6ckeln.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Und in den GMD- besetzten St\u00e4dten? Auch hier schmolz die Zustimmung f\u00fcr Chiang und seine Clique dahin. Im ganzen GMD-Land galoppierte die Inflation, grassierte die Korruption. Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr Lebensmittel ver\u00e4rgerten und bedr\u00fcckten die Bev\u00f6lkerung und eine missratene W\u00e4hrungsreform (1948) ruinierte den chinesischen Mittelstand. Selbst die demokratische (nichtkommunistische) Opposition, als Parteistr\u00f6mung des 3.Weges l\u00e4ngst verboten, wurde hier in die Illegalit\u00e4t abgedr\u00e4ngt. Die KPCh mit ihrer Parole der \u201eNeuen Demokratie\u201c empfahl sich da als gesellschaftliche Alternative. Alles Andere, nur nicht die GMD wurde zur einflussreichen politischen Stimmung in den St\u00e4dten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\u201a<span style=\"font-size: large;\"><b>Mandschurische Bilanzen\u2018<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">F. Wemheuer schreibt angesichts des Vordringens der KPCh in China: \u201eDie Mandschurei als Waffenschmiede sollte den Kommunisten im chinesischen B\u00fcrgerkrieg zum Sieg verhelfen. Mit der schwerindustriellen Basis im R\u00fccken konnte die Volksbefreiungsarmee die bewegliche Guerillataktik durch konventionelle Offensiven mit modernen Waffen wie Panzern und Kampfflugzeugen ersetzen.\u201c ( F. Wemheuer, 2010, S. 69) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Hat der Autor in diesem speziellen Fall Recht? Als ich seine These das erste Mal las, fielen mir spontan folgende Zeilen aus einem Brecht-Gedicht ein: \u201eGeneral, dein Tank ist ein starker Wagen. Er bricht einen Wald und zermalmt 100 Menschen. Aber er hat einen Fehler: Er braucht einen Fahrer.\u201c &#8211; Es ist doch so: Waffen und Industrieanlagen sind f\u00fcr eine moderne Kriegsf\u00fchrung wichtig. Das festzustellen ist ebenso banal wie die Feststellung, dass mit einem Dreschflegel kein Panzer zu knacken ist. Zu bedenken ist aber auch: China war damals ein vormodernes, ein in sich ungleich entwickeltes Land. Anders gesagt: Dieses China war noch immer eine weitgehend vorkapitalistische Gesellschaft, aber ein Land, das sich im Umbruch befand, in dem nun Krieg mit zum Teil importierten Waffen und Strategien gef\u00fchrt wurde. Aber auch hier galt: Waffen und Industrieanlagen sind nur Instrumente. Ohne bewegende Kr\u00e4fte sind diese Dinge nichts, nichts als ein Haufen Schrott. Der Held unserer Geschichte ist daher das durch die KPCh angeleitete chinesische Volk. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Meine These dazu lautet: Die KPCh gewann den Kampf um die K\u00f6pfe in der Mandschurei, erst auf dem Land, dann in den St\u00e4dten, die von den roten Bauernmassen und ihrem bewaffneten Arm unter F\u00fchrung der KPCh eingekreist wurden. Innerhalb von 3 Jahren wurde die ehemalige Kolonie Japans ein \u201arotes Meer\u2019, in der die hierher entsandten Kernkr\u00e4fte der GMD ertranken; ein Prozess, der durch harte politische Arbeit der Kommunisten in allen Kreisen der Gesellschaft und durch eine revolution\u00e4re Agrarreform der KPCh erk\u00e4mpft wurde.<br \/>\n&#8211; Die Waffen der Volksbefreiungsarmee stammten dabei vor allem aus Beutegut, wobei die Amerikaner unfreiwillig die gr\u00f6\u00dften Lieferanten wurden. Denn diese Waffen nahmen die K\u00e4mpfer mit dem roten Stern der GMD-Armee ab. Was die Sowjetunion an japanischem Milit\u00e4rgut der roten Volksbefreiungsarmee bei Kalgan 1945\/46 \u00fcbergeben hatte, war zwar hilfreich, aber entschied nicht den B\u00fcrgerkrieg. Ebenso wenig das industrielle (Rest-)Potenzial der Mandschurei. Letztlich war es der bewaffnete, organisierte, interessensgeleitete Wille und Heroismus der Massen, der die Machtfrage zugunsten der KPCh in der Mandschurei und dann in ganz China entschied. Doch war der Weg dahin steinig.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die R\u00fcckkehr der KPCh in die St\u00e4dte: \u201e als w\u00e4ren sie N\u00e4gel, die man nacheinander herauszieht \u201c (Zhou Enlai) \/ Die Gewerkschaften erleben ihren zweiten Fr\u00fchling<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den St\u00e4dten entwickelte die KPCh nach dem 2. Weltkrieg neue St\u00e4rken. Bereits oben wurden dazu einige Fakten benannt. Im Folgenden soll das Bild weiter vervollst\u00e4ndigt werden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ab 1946, nach einem kurzen Intermezzo mit der SU und der GMD, war die abgelegene mandschurische Gro\u00dfstadt Harbin in der Hand der KPCh. Harbin wurde zu einem politischen Laboratorium und Vorbild der Volksherrschaft in den eroberten St\u00e4dten f\u00fcr die chinesischen Kommunisten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem 2. Weltkrieg beherrschte die KPCh nach eigenen Angaben bereits eine zunehmende Anzahl urbaner Zentren. Dem lag die folgende Kampftaktik zugrunde: \u201eErst kleine St\u00e4dte, mittelgro\u00dfe St\u00e4dte und ausgedehnte l\u00e4ndliche Gebiete, dann die Gro\u00dfst\u00e4dte einnehmen \u2026Das Hauptziel ist, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten, nicht St\u00e4dte und Gebiete zu halten oder einzunehmen.\u201c (Mao Tse-tung, 1947) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der Eroberung von Metropolen folgte die nationale (Neu-)Gr\u00fcndung demokratischer Massenorganisationen, so der Jugend, der Frauen, der Intelektuellen sowie demokratischer Konsultationsorgane durch die KPCh.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Vom erw\u00e4hnten Harbin gingen wichtige Impulse zur Reorganisation der chinesischen Gewerkschaftsbewegung aus. &#8211; Die Re-Vitalisierung dieser Bewegung hatte jedoch schon im antijapanischen Befreiungskrieg begonnen: Als Untergrundbewegung im japanisch besetzten Vaterland; in den befreiten Roten Gebieten, ermuntert durch die KPCh; unter den wachsamen Augen der GMD-Geheimpolizei in deren Herrschaftsgebieten. Chiang lie\u00df die \u201eChinesische Arbeitervereinigung\u201c (gegr\u00fcndet August 1938 in Hankow, jedoch auch arbeitend in Shanghai, 1943 = 400.000 Mitglieder) dann im Dezember 1946 als unsicheren Kantonisten verbieten und durch einen systemh\u00f6rigen Verband ersetzen, was deren oppositionelle Gewerkschaftskader in den Untergrund und an die Seite der KPCh trieb. &#8211; 1947\/48 begann die KPCh die Wiederbelebung der st\u00e4dtischen Gewerkschaftsbewegung voranzutreiben: \u201eAnl\u00e4\u00dflich des 6. Gesamtchinesischen Arbeiterkongresses im August 1948 in Harbin entstand der Gesamtchinesische Arbeiterbund aufs neue, der seit 1949 ca 2.373.000 Mitglieder z\u00e4hlte. An der Spitze stand der kommunistische Drucker Ch\u2019en Y\u00fcn, aber auch Chu Hs\u00fceh-fan (ein politischer Reformist, d.V.). Das neue Regime konnte mit echter Unterst\u00fctzung aus gewerkschaftlichen Kreisen rechnen.\u201c (A. Roux, in: W. Franke, Chinahandbuch, 1974, S. 448) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Tats\u00e4chlich erweiterte die KPCh ihre politische und soziale Basis in ganz China &#8211; auch in den Reihen der Werkt\u00e4tigen: \u201eWenn man die Rolle der Arbeiterklasse im revolution\u00e4ren Prozess am Vorabend des Sieges der Kommunisten betrachtet, steht man vor zwei Tatsachen \u2026Tatsache ist, da\u00df es im Jahr 1948 keinen Aufstand in den St\u00e4dten gab; der Sieg der Kommunisten war ein Sieg der Roten Armee. Ebenso ist es eine Tatsache, da\u00df die 3 Mill. Arbeiter mit den Kommunisten sympathisierten, was entfernt an die ruhmreichen Jahre 1925 &#8211; 1927 erinnert.\u201c (A. Roux, in: ebenda, S. 40).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">1948 waren 3,1 Mio. Menschen kommunistische Parteimitglieder in China, 1949 waren es 4,6 Mio. Die Volksbefreiungsarmee &#8211; Regul\u00e4re und Guerillas &#8211; wuchs von 1,95 Mio. Mann im Jahre 47 auf 2,8 Mio. im Juni 1948, um im Juni 1949 die Marke von 4 Mio. K\u00e4mpfern zu \u00fcberschreiten (1950 = 5 Mio.). &#8211; Man stand Gewehr bei Fu\u00df, um den letzen Schlag gegen das morsche Herrschaftsgeb\u00e4ude Chiangs zu f\u00fchren<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>VIII. Das Endspiel: \u201eAuch eine Schlange, die sich in die Luft erhebt, muss zu Staub zerfallen\u201c (chinesische Spruchweisheit)<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Im April 1949 schickte England vier Kriegsschiffe den Jangtse hinauf. Die KPCh wertete das als milit\u00e4rische Provokation und Versuch der Intervention. Die Volksbefreiungsarmee nahm die Flottille aus englischen und GMD-Schiffen unter Beschuss und kaperte eines der britischen Kriegsschiffe. Diesmal endete Englands Kanonenbootpolitik anders als in den Opiumkriegen des 19. Jahrhunderts &#8211; in der Blamage. Sp\u00e4ter wird der Historiker J.D. Spence anmerken: \u201eder unerh\u00f6rte antiimperialistische Affront blieb unger\u00e4cht\u201c. Klar warum: Im britischen Unterhaus verklang die Forderung und Ansprache des englischen Premierministers W. Churchills ungeh\u00f6rt, \u201emindestens einen, wenn nicht gar zwei Flugzeugtr\u00e4ger in die chinesischen Gew\u00e4sser (zu) schicken \u2026 um mit Waffengewalt Vergeltung zu \u00fcben.\u201c (W. Churchill, zitiert bei Mao Tse-Tung, AW. IV. Anmerkungen d. Red., S. 429).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In der Tat, in China wurde dem britischen L\u00f6wen das Gebiss ramponiert. Mao Tse-tung als Sprecher des Oberkommandos der Volksbefreiungsarmee rechtfertigte am 30. April 1949 die Haltung seiner zuk\u00fcnftigen Staatsmacht so: \u201eDer Yangtse ist ein inl\u00e4ndischer Wasserweg Chinas; welches Recht habt ihr Engl\u00e4nder, eure Kriegsschiffe in diesen Strom einlaufen zu lassen? Ihr habt kein solches Recht. Das chinesische Volk mu\u00df sein Territorium und seine Souver\u00e4nit\u00e4t verteidigen und wird niemals Eingriffe fremder Regierungen gestatten. \u2026 die Volksbefreiungsarmee fordert, da\u00df England, die USA und Frankreich schnellstens ihre bewaffneten Kr\u00e4fte &#8211; ihre Kriegsschiffe, Milit\u00e4rflugzeuge und Marineinfanterie, die in den Fl\u00fcssen Yangtse und Huangpu und in anderen Gegenden Chinas stationiert sind &#8211; von den Binnen- und Territorialgew\u00e4ssern, dem Landgebiet und dem Luftraum Chinas abziehen und da\u00df sie davon ablassen, dem Feind des chinesischen Volkes zu helfen, einen B\u00fcrgerkrieg zu f\u00fchren.\u201c ( Mao Tse-Tung, AW. IV., 1969, S. 427\/28) &#8211; Der rote Drache hatte seinen Flug begonnen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Angriff der Revolutionsarmee auf die letzten GMD-Bastionen Zentral- und S\u00fcd-Chinas<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> erfolgte am 21. April 1949. Die Volksbefreiungsarmee \u00fcberschritt auf breiter Front den Jangtse. Das Endspiel war er\u00f6ffnet.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Was folgte, war das Ausk\u00e4mmen der verbliebenen letzten Positionen der GMD auf dem chinesischen Festland. Das Hauptaugenmerk richtete sich dabei bereits auf die gro\u00dfen St\u00e4dte Chinas. Nanking fiel am 23. April, Shanghai am 27. Mai, Kanton am 14. Oktober 1949 \u2026; ein rasanter Siegeszug, der ohne Unterst\u00fctzung aus dem st\u00e4dtischen Milieu kaum m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. \u2013 Was von der GMD-Armee noch \u00fcbrig war (nach unterschiedlichen Rechnungen etwa 600.000 bis 1. Mio. Mann sowie 1. Mio. Zivilisten), wurde nach Taiwan abgedr\u00e4ngt (Flucht). &#8211; Die Abschirmung dieses R\u00fcckzugsgebietes durch die US-Flotte verhinderte allerdings die bereits geplante Invasion der Insel durch die Rote Volksbefreiungsarmee (1950). Die chinesische Provinz Taiwan blieb danach lange eine Milit\u00e4rdiktatur der GMD, die darauf hoffte, erneut das Festland zu betreten und die Revolution niederzuschlagen. F\u00fcr Chiang Kai-shek jedoch wurde der Fluchtpunkt Taiwan zu einer Reise ohne Wiederkehr. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh hingegen begann ihre Herrschafts- und Verwaltungsbasis vom Dorf in die St\u00e4dte Chinas zu verlagern.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>IX. Die Chinesische Revolution: (nur) eine Bauernrevolution unter F\u00fchrung der Kommunistischen Partei ?<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Keiner der drei oben erw\u00e4hnten linken Autoren versucht sich an einer historischen Einordnung der Chinesischen Revolution. Was aber war sie, die Revolution von 1911 &#8211; 1949? <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; China war bis zu seiner Befreiung eine \u201ehalbkoloniale Gesellschaft\u201c, die Mandschurei und Taiwan sogar eine Kolonie Japans. Auch im chinesischen B\u00fcrgerkrieg 1945 &#8211; 1949 schwang die nationale Frage mit. Die USA traten hier offen als weiterer Akteur in der Unterwerfung des Landes auf &#8211; an der Seite der GMD. (Ziel der USA: Niederschlagung der sozialen Revolution und indirekte Sicherung ihres politischen Einflusses nebst Offenhaltung des chinesischen Marktes f\u00fcr die USA vermittels der GMD) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bei Mao Tse-tung und der KPCh aber fielen die soziale Revolution der Arbeiter und Bauern und der nationale Befreiungskrieg in eins; mochte der Stellenwert beider und die Formen des Kampfes auch in den Etappen ihrer historischen Austragung variieren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die \u201aFormel\u2019 m\u00fcsste also lauten: Chinesische Bauernrevolution <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>unter F\u00fchrung der<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>Kommunistischen Partei <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">plus nationaler Befreiungskrieg &#8211; unter den damals gegebenen nationalen und internationalen Umst\u00e4nden &#8211; ist gleich Sieg im Volkskrieg. Das war die Chinesische Revolution von 1911 bis 1949: eine Revolution, deren Charakter ich als demokratische Volksrevolution unter F\u00fchrung der Kommunistischen Partei kennzeichnen w\u00fcrde. Wobei, das d\u00fcrfte die obige Darstellung gezeigt haben, weder der Weg der Revolution unvermeidlich noch der beschriebene Sieg der KPCh vorherbestimmt waren.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die KPCh, jetzt Herrscher Chinas und des revolution\u00e4ren Staatsapparates, stand nunmehr vor der schwierigen Aufgabe, in einem \u00f6konomisch zur\u00fcckgebliebenen Land an der Seite der Sowjetunion ihren Traum vom zuk\u00fcnftigen Sozialismus in die Realit\u00e4t umzusetzen. Der dabei eingeschlagene Weg und das weitere Schicksal Chinas sind jedoch nicht mehr Gegenstand meiner Anmerkungen zur Geschichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Juni 2012<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literaturauswahl und Quellenangabe:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Bauer, Wolfgang: China &#8211; Vom Ende des Kaiserreichs zur neuen Weltmacht. Stuttgart: E. Klett Verl., (Quellen- und Arbeitshefte zur Geschichte und Politik), 3. Neub. Aufl., 1973 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; B\u00f6ke, Henning: Maoismus. China und die Linke &#8211; Bilanz und Perspektive. Stuttgart: Schmetterling Verl., 2007<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Brand, C. \/ Schwarz, B. \/ Fairbank J. (Bearbeiter): Der Kommunismus in China. Eine Dokumentar-Geschichte. M\u00fcnchen: R. Oldenbourg Verl., 1955 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Dabringhaus, Sabine: Geschichte Chinas 1279 &#8211; 1949. M\u00fcnchen: R. Oldenbourg Verl., 2006<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Erkes, Eduard: China. Gotha: Verlag F.A. Perthes, 1919 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Franke, Otto: Die Gro\u00dfm\u00e4chte in Ostasien. in: Otto Hinze, u.a. (Hrsg.): Deutschland und der Weltkrieg. Leipzig u. Berlin: B.G. Teubner, 1915, S. 435 &#8211; 460<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Franke, Wolfgang unter Mitarbeit von B. Staiger (Hrsg.): China Handbuch. (Eine Ver\u00f6ffentlichung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ostasienkunde in Verbindung mit dem Institut f\u00fcr Asienkunde). D\u00fcsseldorf: Bertelsmann Universit\u00e4tsverlag, 1974 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; G\u00f6tt, Fritz: \u00dcber die Entwicklung der Gesellschaftformationen in China &#8211; Ein neuer Diskussionsbeitrag zum alten China. in: Aufs\u00e4tze zur Diskussion. 30. Jg., Dez. 2010, Nr.79, S. 5 &#8211; 24<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Harrison, James P.: Der lange Marsch zur Macht. Die Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas von ihrer Gr\u00fcndung bis zum Tode von Mao Tse-tung. Stuttgart . Z\u00fcrich: Belser Verl., 1978<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Heissig, Walther: Die Mongolen. Ein Volk sucht seine Geschichte. D\u00fcsseldorf u. Wien: Econ Verl., 1979 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Karuscheit, Heiner: Bye bye, USA. Aufstieg und Fall von Finanzkapital und Milit\u00e4rmacht. Berlin: Kai Homilus Verl., 2010 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Kindermann, Gottfried-Karl: Der Aufstieg Ostasiens in der Weltpolitik 1840 bis 2000. Stuttgart \/ M\u00fcnchen: Deutsche Verlags-Anstalt, 2001 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Klein, Thoralf: Geschichte Chinas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn . M\u00fcnchen . Wien . Z\u00fcrich: F. Sch\u00f6ningh \/ UTB, 2. durchges. Aufl., 2009 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"it-IT\">&#8211; Ladst\u00e4tter, Otto: China. in: Ladst\u00e4tter . <\/span><\/span><span style=\"font-size: large;\">Linhart: China und Japan. Die Kulturen Ostasiens. (1983) Wien: Gondrom Verl, o.J., S. 11 &#8211; 242 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Zur Definition des Begriffs &gt; Arbeiterklasse &lt; in China (1917 bis 1949). in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universit\u00e4t Leipzig, Gesellschafts- und Sprachwisenschaftliche Reihe (1972), Nr. 6, S. 547 &#8211; 552 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Probleme der uni- oder multilinearen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. in: Engelberg u. W. K\u00fcttler: Probleme der geschichtswissenschaftlichen Erkenntnis. K\u00f6ln: Pahl-Rugenstein Verl., 1977 . S. 103 &#8211; 114 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Zur sozial\u00f6konomischen Typologie des chinesischen Mittelalters (das Problem der \u201eKeime des Kapitalismus\u201c). in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde Dresden , -Forschungsstelle- , Bd. 37. Berlin: Akademie-Verl., 1979. S. 99 \u2013 112<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Linhart, Sepp . Pilz, Erich (Hrsg.): Ostasien. Geschichte und Gesellschaft im 19.und 20. Jahrhundert. Wien: Promedia, 1999<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lorenz, Richard (Hrsg.): Umw\u00e4lzung einer Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der chinesischen Revolution (1911 &#8211; 1949). Frankfurt\/M.: edition suhrkamp, 1977<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Mao Tse-Tung: Ausgew\u00e4hlte Werke:<br \/>\nBand I. Verlag f\u00fcr fremdsprachige Literatur, Peking: 1968<br \/>\nBand II. ebenda, 1968<br \/>\nBand III. ebenda, 1969<br \/>\nBand IV. ebenda, 1969<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Osterhammel, J\u00fcrgen: Shanghai, 30. Mai 1925. Die chinesische Revolution. M\u00fcnchen: Deutscher Taschenbuch Verl., 1997<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Osterhammel, J\u00fcrgen: China: Niedergang und Neubildung eines Vielv\u00f6lkerreiches. in: Richard Lorenz (Hrsg.): Das Verd\u00e4mmern der Macht. Vom Untergang gro\u00dfer Reiche. Frankfurt\/M.: Fischer Taschenbuch Verl., 2000 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Ostwald, Paul: Die Gro\u00dfm\u00e4chte in Ostasien. Langensalza: Verl. Wendt &amp; Klauwell, 1918 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Peters, Helmut: Die Volksrepublik China: Aus dem Mittelalter zum Sozialismus. Auf der Suche nach der Furt. Essen: Neue Impulse Verl., 2009<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Pilz, Erich: Nationalstaat, \u201eZivilgesellschaft\u201c und die Bauernfrage: Markierungen auf dem Weg der Republik China 1911 &#8211; 1949. in: S. Linhart . E. Pilz (Hrsg.): Ostasien. Wien: 1999. S. 67 \u2013 87 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Pohl, Manfred: Geschichte Japans. M\u00fcnchen: C. H. Beck, 2002<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Sanakojew, Sch. P. und B.L. Zybulewski (Hrsg.): Teheran. Jalta. Potsdam. Dokumentensammlung. Frankfurt \/M.: R\u00f6denberg-Verl., 1978 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Sautter, Udo: Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart: A. Kr\u00f6ner Verl., (7. \u00fcberarb. u. erw. Aufl.), 2006 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Spence, Jonathan D. : Chinas Weg in die Moderne. M\u00fcnchen.Wien: Carl Hanser Verl., 1995<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Spence, Jonathan: Mao. M\u00fcnchen: Claassen, 2003<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Staiger \/ Friedrich \/ Sch\u00fctte (Hrsg.): Das gro\u00dfe China-Lexikon. (Eine Ver\u00f6ffentlichung des Instituts f\u00fcr Asienkunde Hamburg). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2003<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Weggel, Oskar: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. Stuttgart: Kr\u00f6ner, 1989<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Wehler, Hans-Ulrich: Der Aufstieg des amerikanischen Imperialismus. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1987 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Wemheuer, Felix: Mao Zedong. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verl., 2010 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Winkler, Heinrich August: Geschichte des Westens. Die Zeit der Weltkriege 1914 &#8211; 1945. M\u00fcnchen: C.H. Beck, 2011<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Z\u00f6llner, Reinhard: Einf\u00fchrung in die Geschichte Ostasiens. M\u00fcnchen: Iudicium Verl., 2002<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz G\u00f6tt Der erste Schritt auf einem langen Marsch: China 1911 &#8211; 1949 &#8211; Anmerkungen zur aktuellen Diskussion &#8211; Unter der Epoche der Chinesischen Revolution versteht man in der wissenschaftlichen Literatur (auch) die Zeit vom Sturz des chinesischen Kaiserreiches 1911 bis zum milit\u00e4rischen Sieg der chinesischen Kommunisten \u00fcber die Guomindang 1949. 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