{"id":742,"date":"2017-08-08T19:10:37","date_gmt":"2017-08-08T17:10:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=742"},"modified":"2017-08-08T19:10:37","modified_gmt":"2017-08-08T17:10:37","slug":"742-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=742","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz G\u00f6tt<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-large;\"><b>\u00dcber die Entwicklung der Gesellschaftsformationen in China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein neuer Diskussionsbeitrag zum alten China<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das Interesse an China nimmt auch in der Linken zu. Altkader wie Theodor Bergmann und Helmut Peters haben sich zu Teilproblemen der neueren Geschichte Chinas ge\u00e4u\u00dfert, j\u00fcngere Autoren wie Anton Pam und der wesens\u00adverwandte Felix Wemheuer sowie Henning B\u00f6ke haben zum gleichen Thema gearbeitet. Doch von einer wirklichen Debatte kann hier noch nicht gesprochen werden. Jeder publiziert f\u00fcr sich, ohne Bezug zu den Anderen. Das sollte sich \u00e4ndern. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ungewohnte Thesen<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In seinem Buch \u201eDie VR China: Aus dem Mittelalter zum Sozialismus. Auf der Suche nach der Furt.\u201c (2009) \u00e4u\u00dfert sich der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Gen. Helmut Peters <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">eingangs auch <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>zum Thema \u201aDas alte China\u2019<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">. Davon soll im weiteren (unter bewusster Ausklammerung der neueren Geschichte) gesprochen werden. Hier \u00fcberrascht der Autor mit folgenden Thesen:<br \/>\n&#8211; \u201eNach der Urgesellschaft hat sich im Gebiet des heutigen China keine Sklaven\u00adhaltergesellschaft, sondern eine Gesellschaft der asiatischen Produktionsweise herausgebildet.\u201c (S. 28)<br \/>\n&#8211; Im 7.-2. Jh. v.u.Z. \u201egingen in dieser Gesellschaft grundlegende Ver\u00e4nderungen vor sich. Es entstand privates Eigentum an Grund und Boden und es bildete sich ein einheitlicher despotischer Staat heraus. Es entstand eine neue Gesellschafts\u00adformation, die in der chinesischen Literatur als \u201efeudalistisch\u201c gekennzeichnet wird. \/ Diese Gesellschaft wies bestimmte \u00c4hnlichkeiten mit der voran\u00adgegangenen auf, die auf der asiatischen Produktionsweise beruht hatte.\u201c (S. 29)<br \/>\n&#8211; \u201eWenn ich von \u2026 (den, d.V.) Wesensmerkmalen des (europ\u00e4ischen) Feuda\u00adlismus ausgehe, sehe ich drei Aspekte, die ihn von der mittelalterlichen Gesell\u00adschaft Chinas grunds\u00e4tzlich unterscheiden: 1. die Verf\u00fcgung des Feudalherren \u00fcber den gesamten Boden als Obereigent\u00fcmer, 2. die H\u00f6rigkeit der Bauern (Leibeigenschaft) gegen\u00fcber dem Feudalherren und damit die Bindung des Bauern an den Boden und 3. das Recht des Feudalherren, von den h\u00f6rigen Bauern Frondienste einzufordern. \/ Es sind also \u00f6konomische und damit zusammenh\u00e4ngende rechtliche Momente, die den (europ\u00e4ischen) Feudalismus von der mittelalterlichen Gesellschaft Chinas unterscheiden. Aus all diesen Wesensunterschieden ergibt sich f\u00fcr mich, dass die letzte Gesellschaft nicht als Variante des (europ\u00e4ischen) Feudalismus angesehen werden kann. Erstaunlich ist, dass sich angesichts dieser un\u00fcbersehbaren Unterschiede die Behauptung von der Existenz im chinesischen Mittelalter so hartn\u00e4ckig h\u00e4lt.\u201c (S.31)<br \/>\n&#8211; \u201eSolange keine exakte Definition f\u00fcr die traditionelle chinesische Gesellschaft gefunden ist, werde ich von der traditionellen mittelalterlichen Ackerbaugesell\u00adschaft Chinas allgemein als von einer <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>vorkapitalistischen Gesellschaftsformation<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> sprechen.\u201c (S. 32)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das Buch von H. Peters ist im \u201aNeue Impulse Verlag\u2019 der DKP erschienen. Da die DKP in der Vergangenheit flei\u00dfig die Publikationen der DDR vertrieben hat, ist der obige, von mir nur angerissene Theseninhalt wohl auch eine kleine Provokation. Warum provokativ? Und wird das \u00fcberhaupt auffallen?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In den Standardwerken der Honecker-\u00c4ra wurde das Altertum Chinas (nach der Aufl\u00f6sung der Urgesellschaft) als Klassengesellschaft altorientalischen Typs beschrieben und das \u201aMittelalter\u2019 Chinas als Feudalgesellschaft gekennzeichnet. Peters vertritt dazu kontr\u00e4re Positionen. Woher stammen die Thesen-Inhalte bei Peters? Der Autor beruft sich auf neuere chinesische Arbeiten (aus den 80er Jah\u00adren) bzw. auf eigene Studien. Aber gab es nicht auch in der DDR \u00e4hnliche, wissenschaftlich fundierte Au\u00dfenseiter-Ansichten? Kaum denkbar, dass ihm diese entgangen sind. Gehen wir auf Spurensuche.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Zun\u00e4chst jedoch ein R\u00fcckblick auf die Klassiker:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>I. \u201aAsiatische Produktionsweise\u2019 und das alte China<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Von <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Karl Marx<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> stammt die Auffassung: \u201eIn gro\u00dfen Umrissen k\u00f6nnen asia\u00adtische, antike, feudale und modern b\u00fcrgerliche Produktionsweisen als progres\u00adsive Epochen der \u00f6konomischen Gesellschaftsformationen bezeichnet werden. Die b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses \u2026\u201c (K. Marx 1859) Marx und Engels hielten zeitlebens an dieser Meinung fest (Guhr 1972 \/ Sofri 1969). In der DDR blieb jedoch strittig, ob dies auch auf die Kategorie \u201easiatische Pro\u00adduktionsweisen\u201c zutraf. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nun kann man die obige Benennung der progressiven \u00f6konomischen Forma\u00adtionen in unterschiedlicher Weise lesen: als Aufz\u00e4hlung, als erg\u00e4nzbare Auf\u00adlistung, als Chronologie, als gesetzm\u00e4\u00dfige Abfolge usw. Marx hat dazu nur wenige Interpretationshilfen hinterlassen. Er sprach \u00fcbrigens nicht von <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>der <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">asia\u00adtischen (oder synonym gebrauchten orientalischen) Produktionsweise: Bei ihm stehen die Adjektive \u201easiatische\u201c \u201eantike\u201c \u201efeudale\u201c im Plural. F\u00fcr ihn gab es nicht eine, sondern gleich mehrere \u201easiatische Produktionsweisen\u201c. Alles hat eben Geschichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Marx sah die asiatischen Produktionsweisen in spezifischen Epochen des alten Indien, China usw. existent. Zu Lebzeiten sah er wohl nur noch die Ruinen des \u201aModells\u2019. Dieser Produktions- und Gesellschaftstypus der asiatischen Pro\u00adduktionsweisen fand sich historisch nicht nur in Asien. Hier wurde er erstmalig in Augenschein genommen. Daher der Taufname.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Eine konkrete historische Analyse zum Gegenstand legte Marx nicht vor. Nur einzelne oder allgemeine Bemerkungen und methodische \u00dcberlegungen sind \u00fcberliefert. (Hervorzuheben ist hier das Manuskript \u201eFormen, die der kapitalisti\u00adschen Produktion vorhergehen\u201c, 1857\/58 \/ sowie die Bemerkungen im \u201eKapital\u201c). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die umfangreichen Vorstudien zu den Formen und Entwicklungen des Grundeigentums bzw. der Grundrente, gedacht als analytische Einsch\u00e4tzungen im 2. und 3. Band des \u201eKapital\u201c konnten nicht mehr zum Abschluss gebracht werden. In diesen schriftlichen Fragmenten von Marx liegen ein Verm\u00e4chtnis und eine Aufgabenstellung f\u00fcr die weitere Forschung. Anzumerken bleibt, dass die bei Marx gelegentlich (aber nicht immer) anklingende Gleichsetzung von Indien und China in der Formationsfrage unhaltbar ist. Dies wird aber im Folgenden nicht weiter diskutiert.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Was ist die \u201aasiatische Produktionsweise\u2019 und was nicht?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Marx sagte zur asiatischen Produktionsweise <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">: \u201eIn ihrem Kern ist sie eine Theorie des Wasserbaus: d.h. Merkmal des Ackerbaus, damit der wirt\u00adschaftlichen Grundlage, ist die planvolle Bew\u00e4sserung.\u201c ( Kuhn 1991, S. 339) Dennoch geistert diese auf Karl-August Wittfogel zur\u00fcckgehende <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Unterstellung<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> noch immer als \u201amarxistische\u2019 Position durch die sinologische Fachliteratur in Deutschland. Man darf wie in diesem Fall auch gut unterrichteten b\u00fcrgerlichen Sinologen wie Dieter Kuhn nicht alles glauben, trotz der Wertsch\u00e4tzung (die ich f\u00fcr diesen Autor durchaus empfinde). In Fragen des Marxismus h\u00e4lt man sich besser an das Original.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wie aber l\u00e4sst sich der marxistische Begriff \u201aasiatische Produktionsweise\u2019<\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: large;\">bestimmen? Als ihre Grundlage betrachtete Marx, so Richard Lorenz, \u201edie alte Dorfgemeinde mit ihrer Einheit von Agrikultur und Hausindustrie. F\u00fcr ihn ist die asiatische Produktionsweise eine besondere Realisierungsform gemein\u00adeigent\u00fcmlicher Grundverh\u00e4ltnisse; ihr wichtigstes gesellschaftliches Teilsystem ist die Gemeinde. Kennzeichnend f\u00fcr die asiatische Produktionsweise sind: Der gemeinschaftliche Besitz der Dorfgemeinde an Grund und Boden und das Ober\u00adeigentum des Herrschers; die Einheit von kleiner Agrikultur und h\u00e4uslichem Handwerk innerhalb der Dorfgemeinde; Produktion vorwiegend f\u00fcr den Selbst\u00adbedarf, im wesentlichen einfache Reproduktion, unterentwickelte Arbeitsteilung; die Grundrente ist zugleich Hauptelement der Staatssteuer; wirtschaftliche Stag\u00adnation; indifferente Einheit von Stadt und Land; die au\u00dfergew\u00f6hnliche Bedeu\u00adtung gro\u00dfer, gemeinsam durchgef\u00fchrter und vom Herrscher geleiteter \u00f6ffent\u00adlicher Arbeiten; \u00f6konomisches und politisches System der Despotie. Bestim\u00admend f\u00fcr die asiatische Produktionsweise ist Marx zufolge die kollektive Aus\u00adbeutung der autarken Dorfgemeinde durch den Staatsapparat.\u201c (Lorenz 1977, S.80)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Was bedeutet das f\u00fcr das alte China?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Betrachten wir die altchinesischen Verh\u00e4ltnisse<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> (das hei\u00dft in meiner Defi\u00adnition die von den Anf\u00e4ngen bis zum Untergang des chinesischen Kaiserreiches 1911) in einer Schrittfolge n\u00e4her; China hat eine <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>\u201a<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">vieltausendj\u00e4hrige\u2019 Geschichte:<br \/>\n&#8211; Hochneolithische Regional-Kulturen existierten ca. 5.000 &#8211; 3.000 vor unserer Zeitrechnung.<br \/>\n&#8211; Ca. 3.000 &#8211; 1.100 v.u.Z. befanden sich diverse nebeneinander oder nacheinan\u00adder gelagerte Kulturen in der \u00dcbergangsperiode vom Neolithikum zur Bronze\u00adzeit.<br \/>\n&#8211; Seit dem 2. Jahrtausend v.u.Z. d\u00fcrfte sich so etwas wie eine chinesische Leit\u00adkultur herausgebildet haben. Die Wissenschaft diskutiert da noch kontrovers \u00fcber die territoriale und politische Identit\u00e4t ihres Kerns.<br \/>\n&#8211; Nach G\u00fcnter Lewin bestanden die Grundlagen der Asiatischen Produktions\u00adweise in China sp\u00e4testens unter der Hochkultur der Shang (ca. 1600 &#8211; 1100 v.u.Z.) sowie zeitweilig unter der Zhou-Dynastie (1045 &#8211; 221 v.u.Z.). Dieser Auffassung folge ich. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die b\u00e4uerlichen Zhou waren Eroberer, die fr\u00fcher Vasallen bzw. Verb\u00fcndete der Shang gewesen waren. Der Eroberertross war aber nicht aus einem Guss. Den Kern bildeten die Zhou, die leidlich \u201asinisiert\u2019 (d.h. den Normen und Prak\u00adtiken der chinesischen Kultur angepasst), eine bunte Koalition aus mehr oder weniger barbarisch gepr\u00e4gten Invasoren anf\u00fchrten. Die Invasoren waren auf Beute, Weidegrund oder Lehen aus. Die Zhou-Herrscher mussten den eigenen Kriegs-\u201aAdel\u2019, die B\u00fcndnispartner und lokalen H\u00e4uptlinge nach dem Sieg belohnen und belehnen. Auch Teile des Shang- \u201aAdels\u2019 verblieben auf ihren Posten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das neue \u201aEinheits\u2019-Reich der Zhou trug von Anfang an Keime zentrifugaler Kr\u00e4fte und Entwicklungen in sich &#8211; politisch wie \u00f6konomisch; Vorg\u00e4nge, die das Territorium sp\u00e4ter zuerst in streitende Kleinreiche (unter der dynastischen H\u00fclle der Zhou) zerrissen, die religi\u00f6se und politische Hegemonie der Zhou kosteten und im Untergang der Dynastie endeten. Waren es am Anfang der Zhou-Dynas\u00adtie ca. 1400 Lehen (bzw. 1700, je nach Rechnung und Autor), so reduzierte sich das durch unz\u00e4hlige Kriege der Lehentr\u00e4ger untereinander. Aus der \u201aPeriode der streitenden Reiche\u2019 ging letztlich der Staat Qin als Sieger hervor, der die alten politischen Strukturen ausl\u00f6schte. Er erhob sich zum ersten Kaiserreich und Einheitsstaat Chinas (unter Qin Shi Huang Di). (221 &#8211; 207 v.u.Z.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wann entstand der Staat in China?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn hier von den geschichtlichen Anf\u00e4ngen der Zhou<\/span><i><b> <\/b><\/i><span style=\"font-size: large;\">und der Zhou-<\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Dy\u00adnastie,<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> und sp\u00e4ter vom <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Staatsgebilde<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Qin die Rede ist, so ist das kein Zufall, keine Sprachverwirrung. Warum? <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Man kann die \u201aAsiatische Produktionsweise\u2019 in China aus zwei Perspektiven betrachten: Als \u00f6konomische Formation oder aber auch als geschichtliche Epoche. Geschichtlich gesehen vollzog sich in der Zeit der \u201aAsiatischen Pro\u00adduktionsweise\u2019 in China der \u00dcbergang von der Urgesellschaft mit ihren egalit\u00e4\u00adren Verh\u00e4ltnissen zur voll ausgebildeten Klassengesellschaft. Die Stammes\u00adgemeinschaft z.B. der Zhou war keineswegs von Anfang an als Staat organisiert. Das gleiche galt f\u00fcr Qin und andere. Hier hat es Umw\u00e4lzungen gegeben sowohl sozial\u00f6konomischer wie politischer Art; Vorg\u00e4nge, die Jahrhunderte dauerten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wie kann man sich die allm\u00e4hliche Herausbildung der Klassenverh\u00e4ltnisse im alten China vorstellen (denn schriftliche chinesische Aufzeichnungen sind rar oder stammen aus sp\u00e4teren Zeiten)?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">M. Godelier schreibt: \u201eDurch die asiatische Produktionsweise hat uns Marx das Abbild von Gesellschaften gegeben, in deren Inneren einzelne Dorfgemein\u00adschaften der Macht einer Minderheit von Individuen unterworfen sind, die eine h\u00f6here Gemeinschaft repr\u00e4sentieren, die Ausdruck der realen oder eingebildeten Einheit der einzelnen Dorfgemeinschaft ist. Diese Herrschaft fasst anf\u00e4nglich in den Funktionen von gemeinsamem Interesse (religi\u00f6sen, politischen, wirtschaft\u00adlichen) Wurzel und wandelt sich allm\u00e4hlich in eine Herrschaft der Ausbeutung um, ohne dabei aufzuh\u00f6ren, eine in der Funktion wurzelnde Herrschaft zu sein. \u2026 Es gibt also Ausbeutung des Menschen, Auftreten einer Ausbeuterklasse, ohne dass es Privateigentum an Boden g\u00e4be.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach marxistischer Auffassung zeigt die Geschichte, dass der Staat als besonderer Apparat der Zwangsanwendung gegen Menschen erst dort und dann entsteht, wo die Teilung der Gesellschaft in Klassen in Erscheinung tritt, wo also Gruppen von Menschen sich die Arbeit anderer &#8211; in welcher Form auch immer &#8211; aneignen, kurz gegens\u00e4tzliche Klassen und ein Ausbeutungsverh\u00e4ltnis entstehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ans\u00e4tze zur Staatenbildung im marxistischen Sinne finden sich in einzelnen Gebieten Chinas jedenfalls erst seit dem 8. Jh. v.u.Z. (nach G. Lewin). Ange\u00adzeigt wird hier u.a., dass sich die Keime antagonistischer Klassenbildung in der chinesischen Gesellschaft entfaltet hatten. B\u00fcrgerliche Autoren hingegen neigen dazu, jede Vergemeinschaftungsform der Shang und Zhou als Staat zu kenn\u00adzeichnen &#8211; so in der \u201aWBG-Weltgeschichte\u2019 Darmstadt: 2009, Band 1\/2. Andere dr\u00fccken sich einfach um die Frage der Entstehung des irgendwie gestrickten Staates herum und siedeln ihn z.B. irgendwann in der Zhou-Zeit an.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die fr\u00fche Phase der Staatsentstehung in China ging einher mit der oben ange\u00adsprochenen Entstehung von Klassen sowie mit der Entwicklung der Produktiv\u00adkr\u00e4fte, des Handels, dem Zerfall der Zentralmacht der Zhou, der Abnabelung ihrer Vasallen und den kriegerischen Zusammenst\u00f6\u00dfen der Lehenstr\u00e4ger unter\u00adeinander. Von einer beschleunigten Herausbildung eines Staatswesens in China kann gesprochen werden, als sich durch den verst\u00e4rkten Druck barbarischer St\u00e4mme auf das Reich eine Milit\u00e4r- und Herrscherkaste in den konkurrierenden Landesteilen herausbildete. Wie gewaltig der Druck war, zeigte die Notwendig\u00adkeit, die Zhou-Hauptstadt (771 v.u.Z.) ins Landesinnere zu verlegen. &#8211; Innere und \u00e4u\u00dfere Entwicklung schaukelten sich hier wechselseitig h\u00f6her.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Produktivkr\u00e4fte ver\u00e4ndern sich<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In der Mittleren- und Endzeit der Zhou vollzog sich der \u00dcbergang von der Bronze- zur Eisenzeit in China. Damit ging auch eine beschleunigte Entwick\u00adlung der Produktivkr\u00e4fte im Land einher, was aber auch den sozialen Wandel befeuerte. Verwendet wird Eisen in China seit dem 6. Jh. v.u.Z., vor allem bei den Waffen. Sp\u00e4testens im 5. Jh. v.u.Z. finden sich eiserne Ackerbauger\u00e4te auch in der Landwirtschaft &#8211; neben den traditionellen alten Werkzeugen und Ger\u00e4ten aus Holz, Stein, Bambus usw.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Erst in den folgenden Jahrhunderten werden gr\u00f6\u00dfere Wasserbauprojekte in den Teilreichen in Angriff genommen. Anders gesagt: Weder die asiatische Pro\u00adduktionsweise noch die Anfangs-Genese des Staates in China haben ihren Ur\u00adsprung im \u00f6ffentlichen Hochwasserschutz oder im \u00f6ffentlichen Bau von Bew\u00e4s\u00adserungsanlagen. Umf\u00e4ngliche Ma\u00dfnahmen dieser Art sind erst mit Beginn des 5. Jh. v.u.Z. (arch\u00e4ologisch) nachweisbar (Lewin 1973\/78). &#8211; Zu diesem Zeitpunkt hatte die herrschende Gesellschaftsformation und die Staatlichkeit in China l\u00e4ngst Geschichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Zerfall der Dorfgemeinde und die Folgen<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits unter der Zhou &#8211; Dynastie kam es zur Erosion, dann zur Zersetzung der alten autarken Dorfgemeinde. Der Boden, bisher <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>gemeinschaftlicher<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Besitz des Dorfes, wurde mehr und mehr k\u00e4uflich und ver\u00e4u\u00dferbar. Privater Boden\u00ad<\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>besitz <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">in vielen Teilgebieten des Reiches entstand, ausgepr\u00e4gt in Qin. Mehr noch: mit der Gesetzgebung des Kanzlers Shang Yang im Staate Qin in der Mitte des 4. Jh. v.u.Z wurde die K\u00e4uflichkeit des Bodens gesetzlich fixiert (und legalisiert). Staatlich eingeleitet wurde hier auch die gleichm\u00e4\u00dfige Vergabe von Ackerland an prinzipiell gleichgestellte Bauern, um die Staatseinnahmen zu steigern. Die Agonie der \u201aasiatischen Produktionsweise\u2019 in China wird greifbar. Qin (aber auch andere \u201aReichsteile\u2019) vollzogen zudem die Abl\u00f6sung der alten Eliten. Mehr und mehr Macht ballte sich in der Hand des jeweiligen Herrschers, der nun \u00fcber den Apparat seiner Beamten das Land (sp\u00e4ter auch das Kaiser\u00adreich) regierte und das gesellschaftliche Mehrprodukt absch\u00f6pfte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die neuen Besitzverh\u00e4ltnisse <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>pers\u00f6nlich freier<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Bauern waren jedoch <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>kein<\/i><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><i>Privateigentum<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> an der Ackerkrume. Besitz und Privateigentum sind ja nicht das\u00adselbe. Als Besitzer des Bodens <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>verf\u00fcgte<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der nun selbst wirtschaftende Bauer \u00fcber sein St\u00fcck Acker, aber er hatte keine rechtliche Herrschaft \u00fcber ihn. Diese lag weiter beim Grundeigent\u00fcmer. Der entstandene despotische Staat blieb der Obereigent\u00fcmer des Landes, der den privaten Nutzern des Bodens auch entspre\u00adchende Gegenleistungen in Form von Abgaben und Dienstleistungen abver\u00adlangte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die (schleichende) Zerst\u00f6rung des Gemeineigentums der Dorfgemeinde, die K\u00e4uflichkeit des Bodens, die Mobilit\u00e4t der Bauern und deren Ungebundenheit an den jeweiligen Acker, ja die Zerst\u00f6rung der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>alten<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Dorfgemeinde selbst, bedeutete letztlich das Ende der asiatischen Produktionsweise in China, mithin ihres Grundwiderspruchs zwischen den Dorfgemeinschaften und der \u201ah\u00f6heren Einheit\u2019 (die h\u00e4ufig im Despoten personifiziert war). Lewin datiert diese Z\u00e4sur ins 4. Jh. v.u.Z., die ihren \u00e4u\u00dferen Ausdruck in den Reformen des Shang Yang gefunden hatte. &#8211; Man kann nun dar\u00fcber streiten, wann der \u201aUmschlagpunkt\u2019 der Entwicklung erreicht wurde: Ob mit den Reformen des Shang Yang (deren In\u00adhalte ich hier nur andeute) oder mit dem Wechsel im Kaiserreich des Qin Shi Huang Di oder doch erst in der nachfolgenden Han-Dynastie (206 v.u.Z. &#8211; 220 u.Z.). Dass er eintrat, steht f\u00fcr mich fest. Chinas Welt war im Wandel begriffen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>II. Eine Sklavenhaltergesellschaft hat es im alten China nie gegeben<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Bevor wir uns der Feudalismus-Debatte zu China in der Sp\u00e4tphase der DDR zuwenden, muss noch an eine \u00e4ltere Diskussion in der DDR erinnert werden: n\u00e4mlich jene \u00fcber die Existenz oder Nichtexistenz einer Sklavenhaltergesell\u00adschaft im Alten China.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem 2.Weltkrieg dominierte auch im SED-Staat die \u201aStalinsche Eintei\u00adlung der Formationsepochen\u2019 in gegebener Abfolge: Urgesellschaft, Sklaven\u00adhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus. Das wurde auch als geschichtlicher (gesetzm\u00e4\u00dfiger) Realablauf f\u00fcr China angenommen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Ersatzlos gestrichen war in diesem 5-Stufen-Schema der marxsche Begriff \u201easiatische Produktionsweisen\u201c. Der Terminus \u201eantike Produktionsweisen\u201c hin\u00adgegen wurde mit Sklavenhaltergesellschaft \u00fcbersetzt. Einige Sozialisten \/ Mar\u00adxisten aus der DDR haben dieser Handhabung und Einteilung f\u00fcr China wider\u00adsprochen. Ich verweise hier auf zwei Autoren: die Sinologen und Althistoriker Eduard Erkes und G\u00fcnter Lewin.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eduard Erkes stellt die Sklavenhaltergesellschaft im alten China in Frage<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Vor allem Erkes hat in der DDR mit dem Mythos einer Sklavenhaltergesell\u00adschaft in China aufger\u00e4umt. In seiner \u201eGeschichte Chinas von den Anf\u00e4ngen bis zum Eindringen des ausl\u00e4ndischen Kapitals\u201c schrieb er: Ich bin \u201ein manchen Punkten zu Ergebnissen gelangt, die von den herrschenden Auffassungen stark abweichen. So glaube ich z.B. aufgrund eingehender Analyse des literarischen wie des pal\u00e4ographischen Quellenmaterials nachgewiesen zu haben, dass eine Periode der Sklavenhaltergesellschaft in China nie existiert hat und auch nie existieren konnte, weil die Besonderheiten der chinesischen Produktionsweise die Verwendung unfreier Arbeit von jeher nicht gestattete.\u201c (Erkes 1957, S. 8)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Position hat der Autor in verschiedenen Arbeiten n\u00e4her begr\u00fcndet. (vgl. Erkes 1952 \/ 53 \/ 57) Die speziellen Bodenverh\u00e4ltnisse in China sowie das Klima und die Landschaftsformen; die fast g\u00e4rtnerischen Anbautechniken; die komplizierten hydrotechnischen Anlagen, die qualifiziertes und kooperatives Arbeiten erforderten; \u2026 das alles verlangte nach Arbeitskr\u00e4ften, die ein pers\u00f6n\u00adliches Interesse an der Produktion hatten. Zwangs- und Sklavenarbeit war da eher unproduktiv und fand folglich in der Landwirtschaft keine Anwendung.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der einzige gegenteilige Versuch der Tuoba-Wei (einem nomadischen Eroberervolk), die Agrarproduktion vermittels Zwangsarbeit im soeben erober\u00adten Nordchina zu organisieren, scheiterte (im 5. Jh. u.Z.) an den Realit\u00e4ten. Das Ergebnis war eine gro\u00dfe Hungersnot. Es blieb beim einmaligen negativen \u201aExperiment\u2019 in China.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Halten wir fest: Es gab die (keineswegs rechtlosen) Sklaven im Alten China, (ja es gab sie noch als gesellschaftliche Randerscheinung in der republikani\u00adschen Phase des Landes). Aber die Sklaverei stand nicht im Mittelpunkt der materiellen Produktion. China war eine Ackerbaugesellschaft (Trockenbau sowie Nassreisanbau), doch hier fand die Sklavenarbeit keine Verwendung. Als Haus- und Luxussklaven waren Sklaven eine Randgruppe in der Produktions\u00adsph\u00e4re. &#8211; Das traf im \u00fcbrigen auch auf die staatlichen Zwangsarbeiter, das hei\u00dft, auf die zeitweilig dienstverpflichteten Kriegsgefangenen sowie auf die zur Ar\u00adbeit verurteilten einfachen Verbrecher zu. &#8211; Sklaven waren in China eine ausge\u00adbeutete Gesellschaftsgruppe, eine Schicht unter anderen, in ihrer Stellung zur Produktion nicht bestimmend f\u00fcr die Gesellschaftsformation(en) im Lande.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Exkurs: Biographisches zu E. Erkes<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der hier gew\u00fcrdigte <\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>Eduard Erkes<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>(1891-1958)<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> kam aus einer sozialdemo\u00adkratischen Familie und trat 1919 in die SPD ein. Er wurde ein engagierter Atheist und Sozialist. Erkes studierte V\u00f6lkerkunde, Geschichte und Sprach\u00adwissenschaft, vor allem Chinesisch mit Studienaufenthalten in China und Japan. Er promovierte 1913, habilitierte 1917 und wurde 1928 nach Widerst\u00e4nden au\u00dferordentlicher Professor. Daneben war er von 1921-1933 Kustos am Mu\u00adseum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig. Erkes war ein politisches \u00c4rgernis im aka\u00addemischen Betrieb der Weimarer Republik. &#8211; 1933 wurde ihm die Lehrerlaubnis an der Universit\u00e4t entzogen, Rede- und Publikationsverbot in Nazideutschland erteilt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In der Sowjetzone erlangte Erkes seine alten Positionen langsam wieder. 1945 trat er erneut der SPD bei. Er verblieb dort, bis er 1946 in die SED \u00fcber\u00adnommen wurde. Seinen Verstand gab er hier nicht ab. In der DDR bekannte sich Erkes zur marxistisch-leninistischen Geschichtsauffassung. Erkes sinologische Arbeiten waren mehr als Sprach-, Schrift- und Literaturverst\u00e4ndnis. Eduard Erkes, so schrieb eine Sch\u00fclerin sp\u00e4ter \u201ewar zugleich Ethnologe, Arch\u00e4ologe, Historiker und Kunstwissenschaftler\u201c. Dazu kamen p\u00e4dagogisches Geschick und demokratische Grund\u00fcberzeugungen. Seine Arbeiten hatten in der DDR der 50er Jahre eine gewisse akademische Resonanz. Als Hochschullehrer bereitete er hier manch kritischer und unkonventioneller Fragestellung zu China den Weg. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Erkes\u2019 Stern leuchtete in der DDR kurz. Und in Westdeutschland? Auf der 8. Jahrestagung der \u201aDeutschen Vereinigung f\u00fcr Chinastudien\u2019 (1997) veranlasste ein als Hagiographie aufgefasster wohlwollender Vortrag von G\u00fcnter Lewin zu Eduard Erkes verschiedene Teilnehmer zu Protesten. Doch war es wohl eher der \u201aL\u00e4rm im Spiegel\u2019, der hier zum Tragen kam. Denn Lewin f\u00fchrte die Intrigen gegen Erkes vor, nannte unverbl\u00fcmt Ross und Reiter, und das f\u00fcr das 3. Reich sowie f\u00fcr Ost- und Westdeutschland nach der Befreiung (Martin 1999). Wie ein Sprichwort sagt: getretene Hunde bellen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>III. Eine neue \u00f6konomische Formationsepoche<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die asiatische Produktionsweise in China ging nach dem 4. Jh. v.u.Z. unter. Was aber folgte? <\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: large;\">Lewin w\u00e4hlte f\u00fcr das Neue als provisorische Bezeichnung \u201e<\/span><span style=\"font-size: large;\"><b>vorkapitalistische Gesellschaftsformation in China<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">\u201c, dies auch in bewusster Abgrenzung zum Marxschen Feudalismusbegriff in Westeuropa.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In dieser nunmehr voll ausgebildeten chinesischen Klassengesellschaft blie\u00adben wichtige Z\u00fcge des Alten bestehen, so der zentralisierte despotische Staat, dessen \u00f6konomische T\u00e4tigkeit im Laufe der Zeit noch zunahm. Der Ausbeuter\u00adstaat verstand und verhielt sich weiter als Obereigent\u00fcmer des Bodens und des Landes, der mit Recht Steuern, Pacht und gewisse Dienstleistungen seiner Untertanen f\u00fcr sich einforderte. Dieser Klassenstaat erbrachte aber auch gesell\u00adschaftliche und kultische Gegenleistungen, die jedoch stets vom Grundsatz der Erhaltung des Systems bestimmt waren. Letztlich war dieser Moloch schon aus Eigeninteresse ein Schutzherr des kleinen Parzellen-Bauern sowie ein milit\u00e4ri\u00adscher Garant der b\u00e4uerlichen Produktionsweise gegen das Reiterkrieger-Noma\u00addentum an den Au\u00dfengrenzen \u2013 wenn er funktionierte und sich nicht am \u201aKorn\u00adspeicher\u2019 des Volkes \u00fcberfra\u00df.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der Grundwiderspruch dieser Epoche war nun ein anderer. Er lag \u201ezwischen der durch den Kaiser personifizierten Staatsgewalt und den P\u00e4chtern auf staat\u00adlichem Boden \u2026\/ Privater Grundbesitz und private Pachtverh\u00e4ltnisse spielten nur eine untergeordnete Rolle. Die Aneignung des Mehrprodukts durch den Staat erfolgte vorwiegend durch \u00f6konomischen Zwang, und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivit\u00e4t wurde durch materielle Anreize gef\u00f6rdert.\u201c (s. G. Lewin) Zugleich entwickelten sich in China verschiedene gesellschaft\u00adliche Nebenwiderspr\u00fcche (weiter): zwischen Staat und Gro\u00dfgrundbesitz, zwi\u00adschen Gro\u00dfgrundbesitzern und P\u00e4chtern\/freien Bauern, zwischen Bauern und Wucherern, zwischen Staat und Privathandel usw. Dazu weiter unten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wir haben also zu Beginn der neuen Qin- und Han-Zeit einen vergleichs\u00adweise hohen Stand der Produktivkr\u00e4fte in China. Als neuer Faktor tritt der von der alten Bauerngemeinde abgenabelte freie unmittelbare b\u00e4uerliche Produzent auf, jedoch unter der Fuchtel des wirtschaftspolitisch interessierten und aktiven, despotischen Staates (dem h\u00f6heren Eigent\u00fcmer des Landes) &#8211; eines Staates, der z.B. selbst Werkst\u00e4tten betrieb und den Bauern hochwertige Produktionsmittel und wissenschaftliche Kenntnisse zur Verf\u00fcgung stellte. In der (mal mehr, mal weniger vorhandenen) organisierten Kombination dieser Faktoren lag wohl der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Bl\u00fcte der chinesischen Kultur unter der Han- (206 v.u.Z. &#8211; 220 n.u.Z.), Tang- (618 &#8211; 907 u.Z.) und Sung-Dynastie (960 &#8211; 1279 u.Z.) &#8211; eine Bl\u00fcte, die Handelsreisende wie Marco Polo noch im Mittelalter in Erstaunen versetzten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch bereits in der Sung-Zeit begann der Abstieg. China verharrte nun bis zum Untergang des Kaiserreiches in einer <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>relativen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Stagnation der sozio\u00f6kono\u00admischen Entwicklung. \u00dcber die Gr\u00fcnde dieser Stagnation wird unter Gesell\u00adschaftswissenschaftlern lebhaft (und kontrovers) diskutiert. Sie sollen uns hier aber nicht weiter besch\u00e4ftigen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nichts bleibt so wie es ist <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen: Lewin konstatierte, dass die Aufl\u00f6sung der Ur\u00adgesellschaft in China und in Westeuropa andere Ergebnisse gezeitigt hatte: in China entstand eine \u201aasiatische-\u2019, in Europa entwickelte sich eine \u201aantike Pro\u00adduktionsweise\u2019 auf eigener Grundlage, so die Gesellschaften Griechenlands und Roms.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Die antike Produktionsweise in Europa ging nach der Zerschlagung des west-R\u00f6mischen Reiches durch Germanische Invasoren, nach dem Zusammen\u00adtreffen von germanischer Heeresverfassung mit der r\u00f6mischen Agrarkultur und dem daraus resultierenden Zustand der Produktivkr\u00e4fte unter. Hier entstand eine &#8211; \u00fcber die Gewalt vermittelte &#8211; Synthese aus germanischen und antiken Elemen\u00adten. Das Produkt war eine unter langwierigen Geburtswehen entstehende neue Produktionsweise und Gesellschaft: der europ\u00e4ische Feudalismus.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Aus dem Untergang der \u201aasiatischen Produktionsweise\u2019 in China hingegen ging weder eine Sklavenhalter-Gesellschaft noch ein Feudalismus hervor, son\u00addern ein selbstst\u00e4ndig Neues\/Anderes &#8211; die so genannte \u201aVorkapitalistische Gesellschaftsformation Chinas\u2019 (in der gewisse \u00dcberreste der asiatischen Pro\u00adduktionsweise fortwirkten). Ein weitgehender Bruch mit dem Alten wie in Europa erfolgte hier nicht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die neue Gesellschaftsformation darf nun nicht mit einer Vorstufe zum Kapitalismus verwechselt werden. \u201aOrganische\u2019 Voraussetzungen zur eigen\u00adst\u00e4ndigen Entwicklung des Kapitalismus in Altchina bestanden nicht, (wozu unten noch Einiges gesagt wird). Erst das Eindringen des ausl\u00e4ndischen \/ euro\u00adp\u00e4ischen Kapitals bzw. des ausl\u00e4ndischen Imperialismus im 19. und 20. Jahr\u00adhundert er\u00f6ffnete M\u00f6glichkeiten andersartiger Entwicklungen. &#8211; Insofern ist der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>historische Begriff<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> der \u201aVorkapitalistischen Gesellschaftsformation in China\u2019 eigentlich missverst\u00e4ndlich, handelt es sich bei diesem Alt-China doch um eine Nicht-Kapitalistische Gesellschaft eigener Bauart, die aus sich heraus keine eigenen Keime des Kapitalismus hervorbringen konnte und wollte. Lewin war sich dieser Problematik bewusst, fand aber f\u00fcr diesen Gesellschaftstypus in China keinen treffenden \/ konsensf\u00e4higen Neubegriff.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner Betrachtungsweise unterschied sich Lewin von anderen europ\u00e4\u00adischen Diskussionsteilnehmern der Zeit: Dem Ungarn Ferenc T\u00f6kei, der die asia\u00adtische Produktionsweise in der ganzen Zeitspanne des alten China (also bis zum Untergang des Kaiserreiches) &#8211; neben anderen Strukturen &#8211; existent sah, sowie vom DDR-Autor F. Felber, der in China &#8211; nach dem 2. Jh. u.Z. &#8211; einen Feudalismus (eigener Pr\u00e4gung) zu erkennen glaubte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Lewin ging mit seiner Positionierung auch \u00fcber Marx hinaus, dem ja zu seiner Zeit keine umfassende Geschichts- und Gesellschaftsanalyse zu China zur Verf\u00fcgung stand. Viele SED-Ideologen empfanden Lewins Position als aus\u00adgesprochenes Sakrileg, vers\u00fcndigte sich da doch einer am heiligen Sankt Marx. Ich selbst sehe Lewin in der Gefolgschaft marxistischer Ahnherren &#8211; ohne dass der Autor blindlings jeder \u00c4u\u00dferung der Veteranen Folge leistete. Die Wahrheit liegt eben in den Tatsachen. Das ist ein marxistisches Credo, dem jeder ernst zu nehmende Denker folgen muss.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Lewins Position war in der DDR inhaltlich umstritten. Wenige sind seiner Chronologie und Auffassung gefolgt. Mehr noch: die Mehrzahl der aktiven Autoren der Honecker-\u00c4ra verwarf die Kategorie \u201aAsiatische Produktionswei\u00adsen\u2019 (z.B. f\u00fcr Altchina der Shang und Zhou). Sie ersetzten diesen Formations\u00adbegriff durch die (Epochen-) Kennzeichnung \u201aKlassengesellschaft altorientali\u00adschen Typs\u2019. Zumeist wurde dabei aber nur das Etikett ausgetauscht, allerdings um den Preis einer \u201aVerw\u00e4sserung\u2019 marx\u2019scher Begriffe und Analysen. Jeden\u00adfalls sollte dieser Typus in China bis ins 4. Jh. v.u.Z., das Verfallstadium dann bis zum 2. Jh. u.Z. Bestand haben. Aus ihr &#8211; so die verbreitete Lehrmeinung &#8211; w\u00fcrde sich dann der \u00dcbergang zum Feudalismus (eigener Pr\u00e4gung) in China ergeben ohne Umweg \u00fcber die Sklavenhaltergesellschaft. Wodurch, blieb im Dunkeln. Der Feudalismus in China best\u00e4nde dann vom 2.\/3. Jh. u.Z. bis zum Ende des chinesischen Kaiserreiches 1911 und je nach Autor noch dar\u00fcber hinaus.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>IV. Feudalismus im \u201aMittelalter\u2019 Chinas? Eine Gegenposition von G. Lewin<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Erkes hatte die Kennzeichnung des Gesellschaftssystems der Zhou bzw. die der nachfolgenden kaiserlichen Epochen Chinas noch mit dem in seiner Zeit \u00fcblichen Allgemeinbegriff Feudalismus belegt, wenn auch mit bestimmten Ein\u00adschr\u00e4nkungen. Anders G\u00fcnter Lewin, der neben Sinologie auch Wirtschafts\u00adgeschichte studiert hatte. Er wollte die marxistische Methode und Begrifflichkeit auf China anwenden. Lewin verwarf (seit Mitte der 60er Jahre) die Anwendung der Kennzeichnung Feudalismus auf Alt-China grunds\u00e4tzlich. Aus seinen Unter\u00adsuchungen, so die zur sozial\u00f6konomischen Entwicklung der Song-Gesellschaft Chinas, entwickelte sich ein Streit unter Historikern der DDR. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Feudalismus mit Besonderheiten?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nat\u00fcrlich war auch den Opponenten Lewins in der DDR klar, dass der Ma\u00df\u00adstab des europ\u00e4ischen Feudalismus (entwickelt und zugeschnitten auf die Wirk\u00adlichkeit West- und einiger Teile Zentraleuropas) nicht einfach auf das mittel\u00adalterliche China anzuwenden war (siehe z.B. das Werk \u201aWeltgeschichte bis zur Herausbildung des Feudalismus\u2019 Berlin: 1977 \/ bzw. Felber 1986). Deshalb sahen diese Autoren in China einen Feudalismus mit Besonderheiten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Marx und Engels \u00fcber den Feudalismus<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Nun hatten Marx und Engels durchaus (sich entwickelnde) Vorstellungen \u00fcber das Wesen und die Genese des Feudalismus, den sie aber mit wenigen Ausnahmen auf Westeuropa beschr\u00e4nkt sahen. Allerdings standen die diversen vorkapitalistischen Produktionsweisen nicht im Brennpunkt ihres Interesses. Sie arbeiteten als Revolution\u00e4re am Sturz des Kapitalismus. Dem waren auch die theoretischen Arbeitsschwerpunkte untergeordnet. Einen zusammenfassenden Standpunkt, gar eine normative Arbeit (analog dem \u201eKapital\u201c) aus ihrer Feder zur Feudalismusdefinition und Geschichte wird man daher nicht finden. \u00dcberlie\u00adfert sind ihre Einzelaussagen und Analysen, die man im Zusammenhang des jeweiligen Forschungsstandes und des Untersuchungsfeldes lesen sollte. In den Schriften von Marx und Engels zu China f\u00e4llt das Wort Feudalismus jedenfalls nicht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Feudalismusdiskussion in der Honecker-\u00c4ra<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In der DDR gab es zu keiner Zeit ihrer Existenz einheitliche Meinungen zum \u201aallgemeinen\u2019 Feudalismusproblem (siehe z.B. die Dokumentation von M\u00fcller-Mertens Berlin: 1985, sowie den Sammelband \u201eFamilie, Staat und Gesell\u00adschafsformation\u201c, Herrmann (Hg.), K\u00f6ln: 1988).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">In einer eher offizi\u00f6s formulierten Darstellung zum Stand der \u201aDebatte\u2019 hie\u00df es nun bei B.T\u00f6pfer \/ A.Laube (1981): es sei Zeit, \u201eeinige Ergebnisse und Wer\u00adtungen der bisherigen Diskussionen zu formulieren\u201c \u2026 \u201eZun\u00e4chst kann gesagt werden, dass trotz des teilweise heftigen Meinungsstreits ein weitgehendes Ein\u00adverst\u00e4ndnis \u00fcber die entscheidenden Wesensmerkmale des Feudalismus, insbe\u00adsondere des feudalen Produktionsverh\u00e4ltnisses, erreicht worden ist. St\u00e4rker als fr\u00fcher wird in diesem Zusammenhang das Aufkommen des Privateigentums am Boden als unerl\u00e4ssliche Voraussetzung f\u00fcr die Durchsetzung feudaler Produk\u00adtionsverh\u00e4ltnisse betont. Dies erleichtert eine Abgrenzung gegen\u00fcber fr\u00fchen bzw. altorientalischen Klassengesellschaften, f\u00fcr die zwar keineswegs mehr das Gemeindeeigentum, aber doch auch noch nicht das vollausgepr\u00e4gte Privat\u00adeigentum am Boden kennzeichnend war. Als entscheidende Wesensmerkmale des Feudalismus gelten sodann \u00fcbereinstimmend das Eigentum der herrschen\u00adden Klasse am Boden, dem damals wichtigsten Produktionsmittel, sowie die \u00dcberlassung von Bodenanteilen an die Bauern, die daf\u00fcr dem Feudalherrn Mehrarbeit leisten oder Mehrprodukt \u00fcberlassen mussten. Zugleich wird allge\u00admein angenommen, dass die Ausbeutung dieser \u00fcber Produktionsmittel verf\u00fc\u00adgenden und selbst\u00e4ndig wirtschaftenden Bauern nur unter Einsatz au\u00dfer\u00f6kono\u00admischer Zwangsmittel realisiert werden konnte, d. h. es ist charakteristisch, dass der Feudalherr dem feudalabh\u00e4ngigen Bauern &#8211; nicht nur dem Leibeigenen im strengen Sinn des Wortes &#8211; sowohl als Bodeneigent\u00fcmer als auch als Inhaber von Herrschaftsrechten gegen\u00fcbertrat. Das schlie\u00dft die Auffassung ein, dass die mittelalterliche Gerichtsbarkeit oder besser: Gerichtsherrschaft teilweise direkter Bestandteil des Ausbeutungs- bzw. Produktionsverh\u00e4ltnisses war. Somit ver\u00adschwimmen im Bereich der Gerichtsbarkeit die Grenzen zwischen Basis und \u00dcberbau, \u00e4hnlich wie es in der Feudalgesellschaft meist keine klare Grenze zwischen privatem und \u00f6ffentlichem Recht gibt.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Neben diesem \u201aweitgehenden Einverst\u00e4ndnis\u2019 blieben nach Meinung der Autoren \u201e eine Reihe wichtiger Probleme umstritten oder unzureichend gekl\u00e4rt. In der Frage, ob die drei Grundtypen vorkapitalistischer Klassengesellschaften als drei eigenst\u00e4ndige Gesellschaftsformationen oder als Entwicklungsstufen einer Gesellschaftsformation aufzufassen sind, bestehen nach wie vor Mei\u00adnungsverschiedenheiten \u2026 wobei die Mehrheit der DDR-Historiker den Feuda\u00adlismus als eigenst\u00e4ndige Formation auffassen und in den Gesamtdarstellungen entsprechend behandeln. \u2026 Unzureichend gekl\u00e4rt ist die Existenz feudaler bzw. der Charakter vorkapitalistischer Gesellschaftsstrukturen in asiatischen und afri\u00adkanischen Staaten.\u201c (in: M\u00fcller-Mertens, 1985, S. 304-307).<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der sogenannte Konsens der Ansichten zum Feudalismusproblem blieb in der DDR br\u00fcchig und keineswegs allgemeinverbindlich. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>China im \u201aMittelalter\u2019<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Was aber, wenn zentrale Kategorien des Feudalismusbegriffs auf Alt-China gar nicht zutrafen?<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Lewin <\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\">(1976) skizzierte seine Position unter Bezug auf seine Forschungen zur Gesellschaftsstruktur der fr\u00fchen Song-Zeit (960 &#8211; ca. 1010 u.Z.) kurz wie folgt:<br \/>\nBei der vorkapitalistischen Gesellschaft Chinas handelt es sich \u201eum eine antago\u00adnistische Gesellschaftsformation, die sich von den \u201etypischen\u201c vorkapitalisti\u00adschen in einigen wesentlichen Charakteristika unterscheidet. Das Eigentum an den Produktionsmitteln lag im wesentlichen bei dem durch den Kaiser und sei\u00adnen Hof personifizierten Staat, der nicht nur Obereigent\u00fcmer von Grund und Boden, sondern auch etlicher Produktions- und Handelsmonopole war. Es gab keine Feudalstrukturen mit Feudalherren und Vasallen &#8211; das chinesische Reich wurde von der Zentrale \u00fcber einen straff organisierten Beamtenapparat verwal\u00adtet. Die unmittelbaren Produzenten waren zum Gro\u00dfteil selbstwirtschaftende Bauern, die dem Staat Pacht und Steuern f\u00fcr den Boden zahlten, den sie bear\u00adbeiteten, an den sie jedoch nicht gebunden waren. Es gab eine Schicht von Gro\u00dfgrundbesitzern, die den Boden unter den gleichen Bedingungen wie die Staatsp\u00e4chter vom Staat erhielten und die zwar Landarbeiter besch\u00e4ftigten, \u00fcber diese jedoch keine au\u00dfer\u00f6konomischen Machtbefugnisse aus\u00fcbten. Selbstver\u00adst\u00e4ndlich gab die \u00f6konomische Besserstellung diesen Grundbesitzern auch gr\u00f6\u00ad\u00dferen Einfluss auf die Machtstruktur des Staates, und der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beam\u00adtenschaft war mit den Grundbesitzern eng verbunden. Allerdings war es eher die Regel, dass Beamte zu Grundbesitzer wurden (auf Grund von Korruption und ihrer einflussreichen Stellung), als dass die Zugeh\u00f6rigkeit zur Klasse der Grund\u00adbesitzer Voraussetzung f\u00fcr die Erlangung einer Beamtenstellung war. Der Staat war f\u00fcr die Organisierung der Produktion in der Landwirtschaft weitgehend ver\u00adantwortlich, indem er die Bew\u00e4sserungsanlagen schuf und unterhielt, in Notzei\u00adten Boden, Saatgut und Ger\u00e4te verteilte und Steuererlass gew\u00e4hrte sowie andere F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Landwirtschaft traf. Jede bedeutende Zunahme der Bodenkonzentration in den H\u00e4nden von Grundbesitzern f\u00fchrte zu Krisen\u00aderscheinungen, die sich in Landflucht, R\u00fcckgang der Steuereinnahmen, Schw\u00e4\u00adchung der Zentralgewalt usw. auswirkten und zu Bauernrevolten f\u00fchrten. Diese stellten periodisch das alte \u00f6konomische und politische Gleichgewicht wieder her, so dass man von einer relativen Stagnation in Form eines circulus vitiosus sprechen kann. Die in einem Aufstand siegreichen Bauern hatten keine andere M\u00f6glichkeit, als die alten Produktionsverh\u00e4ltnisse wieder neu zu beleben, zumal sie nicht Tr\u00e4ger von Produktivkr\u00e4ften sein konnten, die zu einer h\u00f6heren Gesell\u00adschaftsformation f\u00fchrten. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Handwerk und Manufakturen waren entweder direkt in staatlicher Hand oder unter fester staatlicher Kontrolle. Alle sich andeutenden H\u00f6herentwicklungen der Produktivkr\u00e4fte auf diesem Gebiet wurden entweder durch den Staatsapparat unterdr\u00fcckt oder von diesem in eigene Regie \u00fcbernommen. Die St\u00e4dte waren in erster Linie Sitz der kaiserlichen Beamten, und es gab keine kleineren Feudal\u00adherren, denen gegen\u00fcber die St\u00e4dte, etwa wie im mittelalterlichen Europa, eigene Privilegien durchsetzen konnten. Jeder Versuch des Aufbegehrens der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung wurde sofort mit der konzentrierten Staatsgewalt kon\u00adfrontiert, so dass es den wenigen Kaufleuten und selbst\u00e4ndigen Handwerkern oder gar Manufakturbesitzern v\u00f6llig unm\u00f6glich war, sich als Klasse f\u00fcr sich zu konstituieren. So gab es keine freien St\u00e4dte in China, die wie in Europa, mit ihren Z\u00fcnften und Gilden den Kern der keimenden b\u00fcrgerlichen Gesellschaft bilden konnten. Die chinesischen Z\u00fcnfte und Gilden wurden voll vom staatlichen Machtapparat kontrolliert und in dessen Funktionen eingebaut. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Bedingungen w\u00e4hrten im wesentlichen bis zum Eindringen der Euro\u00adp\u00e4er zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jh. fort, und auch Marx spricht unter Bezugnahme auf Augenzeugenberichte noch vom Fortbestehen des kaiserlichen Obereigentums an Grund und Boden sowie von der &#8218;Vereinigung kleiner Agri\u00adkultur mit h\u00e4uslicher Industrie&#8216;. Man kann also zusammenfassend feststellen, dass China weder eine Sklavenhalter- noch eine Feudalgesellschaft gekannt hat.\u201c So weit der Einblick in die Argumentation von G. Lewin.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Die in der DDR-Literatur immer wieder vagabundierende Aussage vom weltweiten Feudalismus im Mittelalter ist schlicht falsch. Ich halte die Charakte\u00adrisierung Alt-Chinas nach dem 4. Jh. v.u.Z. bis zum Untergang des Kaiser\u00adreiches 1911 u.Z. durch G. Lewin (als sogenannte \u201avorkapitalistische Gesell\u00adschaftsformation\u2019) f\u00fcr schl\u00fcssig und begr\u00fcndet. Wobei anzuf\u00fcgen ist, dass selbst unter der Fremdherrschaft der Mongolen (Yuan-Dynastie, 1279-1368 u.Z.) und der Mandschu (Qing-Dynastie, 1644\u20131911 u.Z.) diese Produktionsverh\u00e4ltnisse in China Bestand hatten &#8211; allen historischen Modifikationen zum Trotz. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Das alles sah man im offiziellen SED-Lehrbuch jedoch anders.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Exkurs: Biographisches zu G. Lewin<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>G\u00fcnter Lewin<\/b><\/span> <span style=\"font-size: large;\"><b>(1913-1998)<\/b><\/span><span style=\"font-size: large;\"> geh\u00f6rte zu den marxistischen Au\u00dfenseitern in der DDR-Historikerzunft. Einer, der als Marxist und SED-Mitglied hier zwar mitdiskutieren durfte, dessen Meinung im Lehrbuch aber nicht gefragt war.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Lewin studierte 1954-1959 Sinologie und Wirtschaftsgeschichte in Leipzig und Peking. Er war Lektor beim Fremdsprachenverlag Peking 1959\u20131961 und von 1962-1985 wiss. Mitarbeiter an der Karl-Marx-Universit\u00e4t Leipzig, Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften Lehr und Forschungsbereich S\u00fcd- und Ost\u00adasien (Dr. phil. 1970). 1985 ging er in den Ruhestand; jedoch gab es weiterhin publizistische Aktivit\u00e4ten. Lewins Spuren lassen sich im wissenschaftlichen Schrifttum der DDR mit etwas Aufwand verfolgen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Graue Eminenzen im Historikerbetrieb der DDR haben den direkten Schlag\u00adabtausch mit dem wehrhaften Lewin vermieden. Das \u00fcbernahm 1971 der pro\u00admovierte Sinologe Roland Felber (direkte Erwiderung Lewin 1971\/73). Felber hatte schon 1969 seine eigene Chronologie zu China wie folgt umrissen: \u201eers\u00adtens eine Periode, in der die \u201eAsiatische Produktionsweise\u201c bestimmend war (16. Jh. &#8211; 4. Jh. v.u.Z) und zweitens \u2026 die Periode vom 4. Jh. v.u.Z. bis zur Herausbildung feudaler Ausbeutungsformen im 2. Jh. u.Z.\u201c Mit diesem Schema ordnete sich Felber in die Linie der tonangebenden Historiker der DDR ein. Weitere Arbeiten des Autors folgten und empfahlen ihn f\u00fcr eine SED-Karriere.<br \/>\nEs lohnt, die Diskussion der Kontrahenten einzusehen und zu durchdenken.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Lewin hat \u00fcber die obige Kontroverse hinaus interessante Einzel\u00fcberlegun\u00adgen angestellt: zur Genese des Staates in China, zur Frage nach der \u201aasiatischen\u2019 und der\u201avorkapitalistischen Produktionsweise\u2019 in China, nach der Produktiv\u00adkraftentwicklung in diesen Formationen und nach der Rolle der Noma\u00adden\/Eroberer-Dynastien in der Geschichte Chinas, usw. Dies geschah in Einzel\u00adbeitr\u00e4gen (zu denen eine Bibliographie fehlt) wie in seinen systematisch angelegten Untersuchungen zur sozial\u00f6konomischen Entwicklung der Song-Gesellschaft (einer chinesischen Dynastie 960-1279 u.Z.). <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Lewin verstand seine Arbeiten als marxistische Beitr\u00e4ge, um den Charakter der verschiedenen \u00f6konomischen Gesellschaftsformationen Alt-Chinas aufzu\u00addecken. Ob der Autor auch zur neueren Geschichte Chinas wissenschaftlich gearbeitet hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Verschleierte Kontroversen<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">R. Felber (geb. 1937 &#8211; ?) machte sp\u00e4ter Karrierespr\u00fcnge in der Akademie. 1977 wurde er zum ordentlichen Prof. f\u00fcr die Geschichte Chinas an der Hum\u00adboldt Universit\u00e4t zu Berlin ernannt. Felber avancierte dann sp\u00e4ter zum Abtei\u00adlungsleiter Sektion Asienwissenschaften an der Humboldt-Universit\u00e4t. Er hatte damit eine entsprechende Richtlinienkompetenz zur SED-Ideologie. Felber schrieb im amtlichen Hochschullehrbuch \u201eAllgemeine Geschichte des Mittel\u00adalters\u201c (Berlin: 1985) das Kapitel \u201eChina in der Epoche des Feudalismus (3. &#8211; 15. Jh. u.Z.)\u201c. Kein Wort darin \u00fcber Differenzen im Lager der DDR-Sinologen. Der produktive Widerspruch war hier eingesargt: eine spezielle politische Mei\u00adnung quasi in den Rang einer offiziellen Auffassung erhoben: ein ja nicht un\u00fcb\u00adliches Verfahren im SED-Staat.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch theoretische Probleme lassen sich nun mal nicht aus der Welt hexen. Gesellschaftliche Widerspr\u00fcche leben in der Wirklichkeit weiter. Noch 1997, also nach dem Untergang der DDR, hat Felber auf der 8. Jahrestagung der \u201aDeutschen Vereinigung f\u00fcr Chinastudien\u2019 der westdeutschen Sinologenzunft den Parteisoldaten und SED-Hardliner gegeben (H. Martin 1999, S. 266-281). Kritische Untert\u00f6ne von G. Lewin zum Zustand der DDR-Sinologie in Leipzig auf derselben Tagung hingegen veranlassten Felbers geistigen Adjutanten Ralf Moritz zum Koller. Doch das ist hier ein abseitiges Thema. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>V. <\/b><\/i><\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Alte Fragen. Neue Antworten?<\/b><\/i><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Der oben eingangs zitierte Helmut Peters (geb. 1930) hat seine Bezugspunkte zur alten DDR-Diskussion nicht offen gelegt. Das k\u00f6nnte mit seiner fr\u00fcheren Stellung zusammen h\u00e4ngen, war er doch seinerzeit als Forschungsleiter an der Akademie f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften der SED und als Leiter der For\u00adschung zur VR China in der DDR besch\u00e4ftigt. Denkbar w\u00e4re auch eine falsche R\u00fccksichtnahme auf seine ehemaligen Weggef\u00e4hrten in der SED. Auff\u00e4llig bei ihm ist jedenfalls die \u201adezente\u2019 <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>ann\u00e4herungsweise <\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\">Verwendung jener Begriff\u00adlichkeiten und Positionen, die wir schon aus den Arbeiten von Erkes und Lewin zu Altchina kennen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Doch wichtiger als alle Spekulation \u00fcber die Herkunft und die Grenzen seiner Ideen ist die Tatsache, dass Peters die alten Fragen nach Geschichte und Politik in China wieder auf die heutige Tagesordnung gesetzt hat. Das ist &#8211; unabh\u00e4ngig vom Gehalt seiner \u00c4u\u00dferungen &#8211; ein Verdienst. Man kann gespannt sein, wer den Ball aufnimmt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Juni 2010<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur und Quellenangaben:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Erkes, Eduard: Das Problem der Sklaverei in China. (Berichte \u00fcber die Verhandlungen der S\u00e4chsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Band 100, Heft 1). Berlin: Akademie-Verlag, 1952 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Erkes, Eduard: Die Entwicklung der Chinesischen Gesellschaft von der Urzeit bis zur Gegenwart. (Berichte \u00fcber die Verhandlungen der S\u00e4chsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Band 100, Heft 4). Berlin: Akademie-Verlag, 1953<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Erkes, Eduard: Geschichte Chinas von den Anf\u00e4ngen bis zum Eindringen des ausl\u00e4ndischen Kapitals. Berlin: Akademie-Verlag, 2.Aufl., 1957<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Erkes, Eduard. Bibliographie: Ein wohl vollst\u00e4ndiges Verzeichnis seiner Arbeiten befindet sich in Ralf Moritz (Hrsg.): Sinologische Traditionen im Spiegel neuerer Forschung. Leipzig: Leipziger Universit\u00e4tsverlag, 1993, S.12 &#8211; 24. \/ Biographische Angaben und eine marxistische Wertung zu Erkes bei G\u00fcnter Lewin, in: Martin, 1999, S.449 \u2013 473<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Felber, Roland: \u201eAsiatische\u201c oder feudale Produktionsweise in China. in: Zeitschrift f\u00fcr Geschichtswissenschaft, 19, Berlin: 1971, S. 65 &#8211; 91<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Felber, Roland \/ Njammasch, Marlene: Besonderheiten und Gemeinsamkeiten in der Feudalismusentwicklung in Indien, China und Japan. Versuch einer vergleichenden Analyse. in: Jahrbuch f\u00fcr Geschichte des Feudalismus. Nr.10 . Berlin: Akademie &#8211; Verl. 1986, S. 9 \u2013 27 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Guhr, G\u00fcnter: Die \u00f6konomische Gesellschaftsformation als Grundlage der marxistischen ethnographischen Strukturauffassung. (Stammesgesellschaften und \u00dcberg\u00e4nge zu fr\u00fchen Staatsgesellschaften) in: Jahrbuch des Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig. Band 28. (Hrsg. Direktor) Akademie-Verlag, Berlin: 1972, S. 89 \u2013 163<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Hermann, Joachim u. K\u00f6hn, Jens (Hrsg.): Familie, Staat und Gesellschafts\u00adformation. Berlin: Akademie-Verlag, 1988 (Anmerkung: dem Buchprojekt lag offensichtlich das Tagungs-Protokoll \u201eProduktivkr\u00e4fte und Produktionsverh\u00e4lt\u00adnisse in vorkapitalistischen Gesellschaftsformationen\u201c (Nov. 1984 in Dresden) zugrunde. Der Vergleich mit einem fr\u00fcheren Bericht zeigt, dass die Beitr\u00e4ge zum Buch in der Reihenfolge neu arrangiert wurden. Einiges wurde nicht gedruckt, andres neu hinzugef\u00fcgt. Die im Alt-Bericht angemerkte \u201elebhafte Dis\u00adkussion\u201c der Vortr\u00e4ge wurde im Buch nicht wiedergegeben. Der Band laut Klappentext \u201edokumentiert den gegenw\u00e4rtigen Forschungsstand\u201c; er ist somit ein echtes Spiegelbild \u201asp\u00e4tsozialistischer\u2019 Buch- und Kongresskultur in der DDR. Nicht uninteressant, aber frisiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Krader, Lawrence: Asiatische Produktionsweise. in: Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.): Historisch-kritisches W\u00f6rterbuch des Marxismus. Band 1. Hamburg: Argument, 1994, S. 628-638 (Anmerkung: Lexikalischer Artikel. Im Anhang gibt der Autor Titel an, die in der <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>westdeutschen<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Debatte der 70er eine Rolle gespielt haben) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Kuhn, Dieter: Das China der Aristokraten von den Anf\u00e4ngen bis zum 10. Jahrhundert nach Christus. Heidelberg: edition forum (W\u00fcrzburger Sinologische Schriften), 1991 (Anmerkung: Gr\u00fcndliche <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerliche<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> Geschichtsschreibung, wobei diese Arbeit zum Thema durch Gedankentiefe und Faktenreichtum aus der Masse der zeitgen\u00f6ssischen handels\u00fcblichen sinologischen Ware des deutschsprachigen Raumes herausragt. Mit dem Marxismus oder mit dem, was Kuhn daf\u00fcr h\u00e4lt, kann er als Buchautor nichts anfangen)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Zum Charakter der vorkapitalistischen Gesellschaftsformation in China. in: Ethnogr. &#8211; Arch\u00e4ol. Z. \/ 12, H. 3, Berlin: 1971, S. 383 &#8211; 423<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Die ersten f\u00fcnfzig Jahre der Song-Dynastie in China. Berlin: Akademie-Verlag, (Ver\u00f6ffentlichungen des Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig. Heft 23), 1973 (Anmerkung: Im Anhang zu dieser Dissertation (1970) werden wichtige Arbeiten von Lewin zwischen 1964 und 1970 im Wortlaut dokumentiert) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter: Zur Genese des Staats in China. in: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde Dresden. Forschungsstelle. Band 36. (Hrsg. Direktion), Berlin: Akademie-Verlag, 1978, S. 91 &#8211; 103 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter und Marianne: Gewerbe und Handel im China der Song-Zeit. Teil I : Ein staatliches Verlagssystem im mittelalterlichen China? in: Jahrbuch des Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig. Band 37. (Hrsg. Direktor), Akademie-Verlag, Berlin: 1987, S. 13 -75<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter und Marianne: Gewerbe und Handel im China der Song-Zeit. Teil II : Die chinesische Stadt. in: Jahrbuch des Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig. Band 38. (Hrsg. Direktor), Akademie-Verlag, Berlin: 1989, S. 128-176<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lewin, G\u00fcnter Bibliographie: Ein systematisches Verzeichnis seiner Aufs\u00e4tze fehlt. Lewin weist aber in den oben angezeigten Arbeiten (1973\/89) wichtige Beitr\u00e4ge aus. Andere muss man schlicht suchen, z.B. in: \u201aAbhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde Dresden\u2019; oder in: \u201aJahrb\u00fccher des Museums f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Leipzig\u2019. Einige Arbeiten sind auch im Ausland erschienen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Lorenz, Richard: Die traditionale chinesische Gesellschaft. Eine Interpretation sowjetischer Forschungsergebnisse. in: Richard Lorenz (Hrsg.): Umw\u00e4lzungen einer Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der chinesischen Revolution ( 1911-1949). Frankfurt\/M: edition suhrkamp, 1977 (Anmerkung: Nach seinem er\u00adzwungenen Abgang aus der DDR hat der Historiker Lorenz versucht, die sowje\u00adtische Diskussion (bzw. ausgew\u00e4hlte Arbeiten aus der DDR) zu Alt-China im Westen bekannt zu machen, mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Der lobenswerte Versuch krankt meiner Ansicht nach aber daran, eine kommentierte Bibliographie mit eigenen Interpretationen und politischen <\/span><span style=\"font-size: large;\"><i>Vorlieben<\/i><\/span><span style=\"font-size: large;\"> vermischt zu haben. Eine Trennung der Darstellungen w\u00e4re f\u00fcr die theoretische Debatte sinniger gewe\u00adsen.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Martin, Helmut und Hammer, Christiane (Hrsg.): Chinawissenschaften &#8211; Geschichte, Personen, Perspektiven. (Referate der 8. Jahrestagung 1997 der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Chinastudien \/ DVCS) Hamburg: Mitteilungen des Instituts f\u00fcr Chinakunde, 1999<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Marx, Karl: Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehen. (1857\/58) Berlin: Dietz Verlag, 1987 (Anmerkung: das Manuskript ist Teil einer gr\u00f6\u00dferen Arbeit: \u201eGrundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie (Rohent\u00adwurf), 1857-1858.\u201c Ihre Erstver\u00f6ffentlichung erfolgte 1939 in Moskau, ihre deutschsprachige Rezeption erst ab den 50er Jahren. Deutsche Ausgaben u.a.: MEW Bd. 42, S. 383 &#8211; 421 \/ Separatdruck: Grundrisse\u2026 Berlin: Dietz Verl., 1974. (Manuskript; hier S. 375-413). Alle Ausgaben enthalten das Vorwort von 1859.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; M\u00fcller-Mertens, Eckhard (Hrsg.): Feudalismus. Entstehung und Wesen. Ber\u00adlin: Akademie-Verlag, 1985 (Anmerkung: Dokumentation zentraler und kontro\u00adverser Aufs\u00e4tze der DDR-Diskussion zum \u201aFeudalismus\u2019 zwischen 1953 und 1981. \/ China und Indien sind nicht explizit Gegenstand der aufgelisteten Debatte.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Peters, Helmut: Die Volksrepublik China: Aus dem Mittelalter zum Sozia\u00adlismus. Auf der Suche nach der Furt. Essen: Neue Impulse Verlag, 2009 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; Sofri, Gianni: \u00dcber asiatische Produktionsweise. Zur Geschichte einer strittigen Kategorie der Kritik der politischen \u00d6konomie.(1969) Frankfurt\/M.: Europ\u00e4ische Verlagsanstalt, 1972<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; T\u00f6kei, Ferenc: Zur Frage der asiatischen Produktionsweise. (1960) Neuwied u. Berlin: Luchterhand, 1969<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz G\u00f6tt \u00dcber die Entwicklung der Gesellschaftsformationen in China Ein neuer Diskussionsbeitrag zum alten China Das Interesse an China nimmt auch in der Linken zu. Altkader wie Theodor Bergmann und Helmut Peters haben sich zu Teilproblemen der neueren Geschichte Chinas ge\u00e4u\u00dfert, j\u00fcngere Autoren wie Anton Pam und der wesens\u00adverwandte Felix Wemheuer sowie Henning B\u00f6ke haben &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=742\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":734,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-742","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/742","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=742"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/742\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":749,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/742\/revisions\/749"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}