{"id":703,"date":"2017-08-08T12:35:19","date_gmt":"2017-08-08T10:35:19","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=703"},"modified":"2017-08-08T13:08:16","modified_gmt":"2017-08-08T11:08:16","slug":"703-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=703","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-size: 14pt; font-family: times new roman,times,serif;\">Heiner Karuscheit<\/span><\/p>\n<h1>Deutschland 1914<\/h1>\n<h2 class=\"western\">Vom Klassenkompromiss zum Krieg<\/h2>\n<p>Im Mittelpunkt dieser historischen Arbeit zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs steht der Gesellschaftsvertrag, der bis zu seiner Aufl\u00f6sung 1909 die Beziehungen zwischen den Klassen des Bismarck-Reichs bestimmte.<\/p>\n<p>Der Autor beschreibt die Konsequenzen der Doppelherrschaft, die der 1867\/71 zustande gekommene Klassenkompromiss hervorbrachte:<\/p>\n<ul>\n<li>Er analysiert Zusammensetzung und Programmatik der drei politisch-gesellschaftlichen Bl\u00f6cke, die miteinander um die Macht rangen,<\/li>\n<li>diskutiert das Ph\u00e4nomen, wieso die Rechtsentwicklung der Sozialdemokratie eine entscheidende Ursache f\u00fcr die Wendung zum Krieg war,<\/li>\n<li>widerlegt die g\u00e4ngige Geschichtsschreibung, der zufolge der Krieg durch die au\u00dfenpolitische Lage verursacht wurde, und<\/li>\n<li>begr\u00fcndet, warum die f\u00fcr den Waffengang notwendige Zustimmung der SPD-F\u00fchrung kein &#8222;Verrat&#8220; war, sondern die Folge einer fehlerhaften Gesellschaftsanalyse und Revolutionsstrategie.<\/li>\n<\/ul>\n<h2 class=\"western\">Vorbemerkung zum Buch<\/h2>\n<p>Der Krieg von 1914 bis 1918 leitete nicht nur einen Zyklus von Krieg und Revolution ein, der das Gesicht Europas vollst\u00e4ndig ver\u00e4nderte. Indem die Parteien der 2. Sozialistischen Internationale auf entgegen gesetzten Seiten in den Krieg traten, war sein Beginn gleichzeitig mit der bis dahin schwersten Niederlage der Arbeiterbewegung verkn\u00fcpft. Die Oktoberrevolution 1917, der Sieg der Sowjetunion 1945 und der Aufbau des Sozialismus im \u00f6stlichen Deutschland schienen diese Niederlage zun\u00e4chst mehr als wett zu machen. Aber als 1989 die DDR unterging und die anschlie\u00dfende Aufl\u00f6sung der Sowjetunion das &#8222;kurze&#8220; 20. Jahrhundert mit dem Triumph des Kapitalismus zu Ende gehen lie\u00df, stand der Marxismus erneut vor einem Tr\u00fcmmerhaufen, der nur diesmal um einiges gewaltiger war als 1914 &#8211; und genau so unbegriffen.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung mit diesem Problem f\u00fchrt zu der Fragestellung, warum das Deutsche Kaiserreich 1914 \u00fcberhaupt in den Krieg gegangen ist. Wurde es vom Kapital dort hineingetrieben? Aber welches Kalk\u00fcl soll daf\u00fcr ma\u00dfgeblich gewesen sein? Seit der Reichsgr\u00fcndung hatte die deutsche Wirtschaft einen unglaublichen Aufschwung genommen, Frankreich und Gro\u00dfbritannien \u00fcberholt und zusammen mit den USA die Spitze der kapitalistischen Weltwirtschaft \u00fcbernommen. Weit sicherer als durch eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung konnte man den Sieg im \u00f6konomischen Konkurrenzkampf erringen. Warum also der Krieg?<\/p>\n<p>Um darauf eine Antwort zu finden, untersucht die Publikation die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die das Kaiserreich bewegten, darin eingeschlossen die Politik der SPD, ohne deren Einverst\u00e4ndnis der Krieg nicht zu f\u00fchren war.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt ist der Klassenkonflikt, der im Preu\u00dfen der 60er Jahre als Verfassungsstreit ausgetragen wurde und viel harmloser wirkte als die Revolution von 1848\/49, dessen Ausgang aber die Geschicke Deutschlands und Europas bis ins 20. Jahrhundert hinein bestimmte. Wie ist es Bismarck seinerzeit gelungen, durch die L\u00f6sung der nationalen Frage die Beziehungen zwischen den Klassen so zu gestalten, dass die monarchisch-preu\u00dfische Ordnung erhalten blieb? Im Zentrum der Analyse steht dabei der Charakter des mit der Reichsgr\u00fcndung zustande gekommenen Gesellschaftsvertrags, auf dem der neue Nationalstaat sowohl konstitutionell als auch massenpolitisch ruhte und der eine Form der Doppelherrschaft etablierte, die alle gesellschaftlichen Kr\u00e4fte herausforderte.<\/p>\n<p>Nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr den Sturz Bismarcks und einer Charakteristik des Kaisertums von Wilhelm II. geht es um die wilhelminische Weltpolitik. Wie wirkte sie sich auf das Verh\u00e4ltnis zu den anderen Gro\u00dfm\u00e4chten aus, vor allem aber: welche innenpolitischen Kr\u00e4fte trieben sie voran, und wie ist es nachzuvollziehen, dass ein Steuerstreit im Jahr 1909 den Reichsgr\u00fcndungskompromiss zerbrechen lie\u00df?<\/p>\n<p>Mit den Auswirkungen der anschlie\u00dfenden Krise von Gesellschaft und Staat wird auch das Ph\u00e4nomen diskutiert, wieso die Rechtsentwicklung der SPD ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Wendung zum Krieg war. Nicht weniger erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist es, warum ausgerechnet der Reichskanzler Bethmann Hollweg, dessen erkl\u00e4rtes Ziel die Sicherung des europ\u00e4ischen Friedens war, den Weltkrieg durch seine Risikopolitik ausl\u00f6ste. War das ein Krieg des Industriekapitalismus um die Macht oder ein Krieg zur Aufrechterhaltung der alten Ordnung?<\/p>\n<p>In diesen Kontext wird die Entwicklung der Sozialdemokratie und ihrer politischen Programmatik eingebettet, beginnend mit der Einsch\u00e4tzung, die Friedrich Engels von Preu\u00dfen-Deutschland vertrat. Was hatte es mit dessen Hoffnung auf die Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution durch einen bonapartistisch herrschenden Bismarck auf sich, und was folgte daraus f\u00fcr die Revolutionsstrategie?<\/p>\n<p>\u00dcber das &#8222;Gothaer&#8220; und &#8222;Erfurter&#8220; Programm hinaus werden die weiteren Strategiedebatten analysiert, in denen die f\u00fchrenden Sozialdemokraten nach einer Br\u00fccke zwischen den Grunds\u00e4tzen der marxistischen Theorie und einer machttauglichen Politik suchten, angefangen von Bebels Katastrophentheorie \u00fcber Bernsteins Reformpolitik bis zu Kautskys &#8222;Weg zur Macht&#8220; und Luxemburgs Position. Wie beurteilten sie die gegebenen Klassenverh\u00e4ltnisse und wie gingen sie mit der Hegemoniefrage um, d. h. mit der Aufgabenstellung, anstelle einer aussichtslosen proletarischen Minderheitenrevolution zu einer revolution\u00e4ren Mehrheitspolitik zu gelangen?<\/p>\n<p>Im Hinblick auf den Krieg werden schlie\u00dflich die mit dem \u00dcbergang zur Kolonial- und Weltpolitik entwickelten Imperialismustheorien er\u00f6rtert. Von welchen unterschiedlichen Szenarien eines m\u00f6glichen Waffengangs ging die Parteif\u00fchrung aus, und wie kam es, dass sie Anfang August 1914 nach der urspr\u00fcnglichen Ablehnung binnen Tagesfrist umschwenkte und einem Krieg zustimmte, den seine Urheber u. a. mit der Absicht f\u00fchrten, die Arbeiterbewegung niederzuwerfen? In diesem Zusammenhang wird insbesondere begr\u00fcndet, wieso die Zustimmung zum Krieg kein &#8222;Verrat&#8220; der Parteif\u00fchrung war, sondern das Resultat einer Revolutionsstrategie, die auf einer grundlegenden Fehleinsch\u00e4tzung der Klassenkr\u00e4fte im Kaiserreich beruhte.<\/p>\n<p>Die hiermit vorgelegte Untersuchung des deutschen Wegs in den Krieg 1914 &#8211; 1918 ist als Auftakt zu einer gr\u00f6\u00dferen Arbeit geplant, welche die Wechselbeziehung zwischen der Etablierung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft und dem bisherigen Scheitern des Sozialismus zum Gegenstand hat. Als n\u00e4chstes wird es dabei um das Hegemonieproblem in der Republik von Weimar sowie um die NS-Herrschaft gehen.<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber dieses Buch (inklusive Leseprobe) und Bestellm\u00f6glichkeit:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vsa-verlag.de\/nc\/detail\/artikel\/deutschland-1914\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.vsa-verlag.de\/nc\/detail\/artikel\/deutschland-1914\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit Deutschland 1914 Vom Klassenkompromiss zum Krieg Im Mittelpunkt dieser historischen Arbeit zur Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs steht der Gesellschaftsvertrag, der bis zu seiner Aufl\u00f6sung 1909 die Beziehungen zwischen den Klassen des Bismarck-Reichs bestimmte. 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