{"id":502,"date":"2016-09-14T09:57:39","date_gmt":"2016-09-14T07:57:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=502"},"modified":"2016-09-14T09:57:39","modified_gmt":"2016-09-14T07:57:39","slug":"fuer-demokratie-und-freie-maerkte-oder-fuer-die-niederlage-der-usa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=502","title":{"rendered":"F\u00fcr &#8222;Demokratie und freie M\u00e4rkte&#8220; \u2013 oder f\u00fcr die Niederlage der USA?"},"content":{"rendered":"<div>\n<h1>&#8211; &#8222;Antideutsche&#8220; und Linke zum Irakkrieg &#8211;<\/h1>\n<h5>Von Heiner Karuscheit<\/h5>\n<h2>Vorbemerkung<\/h2>\n<p>Die bevorstehende Irak-Invasion der USA zwingt alle politischen Kr\u00e4fte, Position zu beziehen. Die Mehrheit der Linken distanziert sich von der amerikanischen Kriegsplanung vom Boden des Pazifismus oder der Demokratie aus. Stand beim Krieg um das \u00d6lscheichtum Kuwait vor zw\u00f6lf Jahren eher der Pazifismus im Vordergrund, weil der Irak seinerzeit mit der Besetzung Kuwaits das V\u00f6lkerrecht gebrochen und den USA damit einen Kriegsgrund geliefert hatte, so geht es diesmal eher um die Frage der Demokratie, weil der vorgesehene Krieg durch keinerlei Rabulistik als &#8222;Pr\u00e4ventivkrieg&#8220; gegen einen bevorstehenden \u00dcberfall durch den Irak deklariert werden kann, d.\u00a0h. schlicht v\u00f6lkerrechtswidrig ist. So ablehnend man dem Krieg der USA gegen\u00fcbersteht, so wenig will man allerdings auch mit dem Regime von Saddam Hussein zu tun haben. Die Entscheidung, ob man f\u00fcr oder wider Sieg oder Niederlage eine der beiden Parteien ist, wird daher umgangen.<\/p>\n<h2>Gegen Pazifismus und V\u00f6lkerrecht<\/h2>\n<p>G\u00e4nzlich anders verhalten sich die sog. &#8222;Antideutschen &#8222;, an der Spitze die &#8222;antideutschen Kommunisten&#8220; um die Zeitschrift BAHAMAS. Sie argumentieren inhaltlich, nicht formal. Weit vom Pazifismus entfernt, ist ihnen auch die Demokratie kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Der Irak unter Saddam Hussein ist f\u00fcr sie ein finsterer Terrorstaat, der vor allem dem sog. &#8222;Islamfaschismus&#8220; (gemeint sind die islamisch-fundamentalistischen Bewegungen), dem Hauptfeind jeden Fortschritts und insbesondere Israels, politische R\u00fcckendeckung gibt. Weil der Irak in den Augen der islamischen Welt ein &#8222;scheinbar unbesiegbarer Hort bewaffneten islamischen Widerstandes&#8220; sei und als &#8222;Turm in der Schlacht gegen Zionismus und Amerikanismus&#8220; gelte, soll er fallen. (<i>Krieg dem Baath-Regime, Waffen f\u00fcr Israel<\/i>; Erkl\u00e4rung der Bahamas-Redaktion vom Dezember 2002; BAHAMAS 39\/2002.)<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber w\u00fcrden die USA f\u00fcr die kapitalistische Modernisierung und damit f\u00fcr die Schaffung der Voraussetzungen des Kommunismus stehen. Das von dem US-Pr\u00e4sidenten in seinen Reden zur Einstimung auf den Irak-Krieg genannte Ziel f\u00fcr die nah\u00f6stliche Region: <i>&#8222;Demokratie und freie M\u00e4rkte&#8220;,<\/i> wird von ihnen geteilt, die dem entsprechende Umgestaltung des Nahen Ostens als Schritt voran bef\u00fcrwortet: &#8222;Das ist dann nicht schon die bessere Welt, aber eine, in der man \u00fcberhaupt wieder am schwierigen Unternehmen soziale Revolution arbeiten k\u00f6nnte.&#8220; (Erkl\u00e4rung der Bahamas-Redaktion; Nr. 39\/2002 vom Dezember 2002).<\/p>\n<p>Von dieser Position aus scheren sie sich keinen Deut um die Legalit\u00e4t eines US-Kriegs, sondern verteidigen den beabsichtigten Bruch des V\u00f6lkerrechts als notwendig. Im gleichen Atemzug distanzieren sie sich ebenso wie die US-Regierung von dem soeben gegr\u00fcndeten Internationalen Gerichtshof in Den Haag, weil dieser &#8211; so ihre wahrscheinlich zutreffende Einsch\u00e4tzung &#8211; nach Lage der Dinge zum gro\u00dfen Teil mit us-amerikanischen Kriegsverbrechen besch\u00e4ftigt sein wird, wenn er seine Arbeit ernst nimmt (Thomas Becher u. Horst Pankow: <i>Herrschaft des globalen Rechts. Die Ideologie des Internationalen Strafgerichtshofes und seine Profiteure<\/i>; BAHAMAS 39\/2002).<\/p>\n<h2>Ein Krieg der kapitalistischen Zentralmacht<\/h2>\n<p>In der dargelegten Konsequenz vertritt diese Position nur die Zeitschrift BAHAMAS, die sich die Interessen Israels vollst\u00e4ndig zu Eigen gemacht hat und als deutsches Sprachrohr der Scharon-Regierung fungiert. Die \u00fcbrigen &#8222;Antideutschen&#8220; identifizieren sich nicht ebenso widerspruchsfrei mit Israel, und da von dessen akuter Bedrohung keine Rede sein kann, f\u00fchlen sie sich eher &#8222;Zwischen allen Fronten&#8220;, wie es in einer Artikel\u00fcberschrift der &#8222;jungle world&#8220; vom 27.\u00a0November hei\u00dft (Nr. 49\/2002). Nicht einmal die Zeitschrift KONKRET, die noch vor 12 Jahren den amerikanischen Kuwait-Krieg gegen den Irak uneingeschr\u00e4nkt bef\u00fcrwortete, wagt sich heute so weit vor. Ihr Herausgeber Gremliza ruft stattdessen in langatmigen Ausf\u00fchrungen, bei denen das schlechte Gewissen aus jeder zweiten Zeile spricht (aus jeder Ersten spricht die b\u00f6se Absicht), dazu auf, die USA auf keinen Fall vorschnell zu verdammen, sondern gr\u00fcndlich nachzudenken, ernsthaft zu pr\u00fcfen und ausgewogen zu urteilen. Offen kriegstreiberisch tritt somit lediglich die BAHAMAS auf, w\u00e4hrend der Rest der &#8222;Antideutschen&#8220; die US-Invasion nur noch indirekt st\u00fctzt und sich um eine Wiederann\u00e4herung an die Linke bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der inhaltlichen Bewertung ihrer Stellungnahme ist an den Autoren der BAHAMAS bemerkenswert, dass sie das tun, wovor die Mehrheit der \u00fcbrigen Linken, darin eingeschlossen die meisten Organisationen mit kommunistischem Anspruch, zur\u00fcckscheut: sie formulieren als Ma\u00dfstab ihrer politischen Parteinahme, <i>was den Interessen der k\u00fcnftigen sozialen Revolution dient bzw. ihre Bedingungen verbessert, und was nicht<\/i>. So richtig dieser Ma\u00dfstab allerdings ist, so abwegig ist dessen Anwendung. Das Saddam-Hussein-Regime mag im Innern reaktion\u00e4r sein (weshalb sein Sturz eine Pflicht f\u00fcr die irakischen Kommunisten ist). Aber nicht der Irak ist die kapitalistische Zentralmacht, sondern die USA sind es. Sie sichern die b\u00fcrgerliche Gesellschaftsordnung weltweit ab und tun dies als F\u00fchrungsmacht der NATO speziell im entwickelten Europa. Dass ihre Niederlage den weltweiten Niedergang der kapitalistischen Ordnung bef\u00f6rdern und die Kampfbedingungen f\u00fcr soziale Umw\u00e4lzungen in den Industriestaaten verbessern w\u00fcrde, ist derma\u00dfen un\u00fcbersehbar, dass der Verdacht nahe liegt, dass die &#8222;antideutschen Kommunisten&#8220; bei allem progressiven Wortgeklingel ganz anderen Interessen als denen der sozialen Revolution verpflichtet sind.<\/p>\n<p>Davon abgesehen w\u00fcrde ein US-Sieg auch f\u00fcr den Irak selber keinen Fortschritt bedeuten, wenn man die \u00f6konomischen und politischen Ziele betrachtet, die von der Cheney-Bush-Regierung in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die &#8222;Nach-Saddam-Hussein-Zeit&#8220; propagiert werden: <i>Demokratie und freie Marktwirtschaft<\/i>.<\/p>\n<h3>Fortschritt durch &#8222;freie M\u00e4rkte&#8220;?<\/h3>\n<p>Die erste Folge &#8222;freier M\u00e4rkte&#8220; im Irak betr\u00e4fe das bislang im Staatsbesitz befindliche Erd\u00f6l. Bekanntlich verf\u00fcgt der Irak nach Saudi-Arabien \u00fcber die weltweit gr\u00f6\u00dften bekannten Erd\u00f6lreserven, die zudem zu besonders niedrigen Kosten gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Zwar wird es eine Zeit lang dauern, bis die bestehenden Anlagen modernisiert und neue F\u00f6rderkapazit\u00e4ten aufgebaut sind, aber dann werden die \u00d6lpreise aller Voraussicht nach sinken. &#8222;Wahrscheinlich w\u00fcrde Irak das erste OPEC-Land, dessen \u00d6lindustrie nicht mehr in staatlicher Hand ist. Die \u00fcbrigen OPEC-Staaten w\u00e4ren mit einem Mitspieler konfrontiert, der F\u00f6rderung und Exporte massiv ausweitet, der seine \u00d6lf\u00f6rderindustrie nicht mehr kontrolliert und dessen Staatseinnahmen nur noch indirekt von der H\u00f6he des \u00d6lpreises bestimmt werden. Sie k\u00f6nnten dann ihre Bem\u00fchungen zur Stabilisierung der Preise durch Exportbeschr\u00e4nkungen getrost einstellen. Der von der OPEC derzeit m\u00fchsam bei etwa 25\u00a0$ gehaltene Roh\u00f6lpreis w\u00fcrde vermutlich unter 10\u00a0$ absinken. Genauer gesagt, die OPEC w\u00e4re tot.&#8220; (FTD 14. August 2002)<\/p>\n<p>Selbst wenn die hier vorhergesagte Privatisierung der \u00d6lquellen und auch ein Absturz des \u00d6lpreises in derartige Tiefen nicht erfolgen sollte, so verdeutlicht der Kommentar der Financial Times Deutschland, welche Perspektiven sich mit der \u00dcbernahme des Irak verbinden. Die Herrschaft \u00fcber dessen Erd\u00f6l und die damit einhergehende Kontrolle der \u00d6lpreise w\u00fcrde die OPEC untergraben und vor allem Saudi-Arabien als bisherige Schl\u00fcsselmacht f\u00fcr die \u00d6lpreise und die OPEC entmachten. &#8222;Die Kontrolle der irakischen Reserven ebnet so den Weg, Saudi Arabien vor die Wahl zu stellen: Befolgung der US-Vorgaben oder Ersetzung durch eine US-Interessen freundlicher gesonnene Regierung. (&#8230;) Am Ende dieses Weges soll die Unterwerfung der kompletten Region um den Persischen Golf stehen.&#8220; (J\u00fcrgen Wagner, <i>Irak als Vorspiel. Die Logik der US-\u00d6lstrategie<\/i>; in: &#8222;Z&#8220; Nr.\u00a052, S.\u00a099,\u00a089)<\/p>\n<p>Von sinkenden \u00d6lpreisen w\u00fcrden alle Industriel\u00e4nder profitieren, vor allem aber die Vereinigten Staaten. Sie sind nicht nur in absoluten Zahlen der weltweit gr\u00f6\u00dfte Energieverbraucher (\u00fcber ein Viertel des weltweiten Energiebedarfs bei 5\u00a0% der Weltbev\u00f6lkerung), vor allem verbrennen sie auf Grund veralteter Industrieanlagen und ebenso r\u00fcckst\u00e4ndiger Ger\u00e4te der privaten Konsumtion (Automobile, Heizungs- und Klimaanlagen etc) weitaus mehr Erd\u00f6l pro Einwohner als beispielsweise die Europ\u00e4er. Sie haben das Klimaprotokoll von Kyoto nicht ratifiziert, weil sie sich au\u00dfer Stande sahen, die daraus resultierende umfassende Modernisierung ihrer Industrieproduktion vorzunehmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Irak w\u00fcrden sinkende \u00d6lpreise die Haupteinnahmequelle zur\u00fcckgehen lassen, die das Land f\u00fcr den Aufbau seiner Wirtschaft braucht. Aber auch von den Einnahmen aus dem \u00d6lverkauf abgesehen kann der Irak eine eigenst\u00e4ndige Industrie &#8211; gleich unter welchem Regime &#8211; nur dann entwickeln, wenn diese f\u00fcr geraume Zeit durch Schutzz\u00f6lle gegen die produktivere ausl\u00e4ndische Konkurrenz abgeschirmt wird. Die Herstellung &#8222;freier M\u00e4rkte&#8220; h\u00e4tte daher in jeder Hinsicht verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Entwicklungsm\u00f6glichkeiten des Landes und damit auf die Schaffung der &#8222;Voraussetzungen des Kommunismus&#8220;.<\/p>\n<h3>Karikatur einer &#8222;Demokratie&#8220;<\/h3>\n<p>Noch schlechter sieht es mit der angeblich erstrebten &#8222;Demokratie&#8220; aus. Ihre Gew\u00e4hrung aus amerikanischer Hand st\u00f6\u00dft auf ein un\u00fcberwindliches Hindernis: jede demokratisch gew\u00e4hlte Regierung im Irak, d.\u00a0h. jede Regierung, die sich auf die Massen st\u00fctzt, kann gar nicht anders, als den entscheidenden Reichtum des Landes, das Erd\u00f6l, vor dem Zugriff des Auslands zu bewahren. In der Vergangenheit hingen so gut wie alle nationalen Erhebungen gegen die Kolonialm\u00e4chte bzw. ihre Marionettenregierungen in der Region mit dem Bestreben nach Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die eigenen Reicht\u00fcmer zusammen. Dass sich daran bis heute wenig ge\u00e4ndert hat, ist auch der amerikanischen Politik bewusst. &#8222;Nach Medienberichten sollen bereits Planungen f\u00fcr eine Milit\u00e4rregierung vorliegen, \u00e4hnlich der in Deutschland oder in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg.&#8220; (FTD 5. Dezember 2002) Was den Irak also erwartet, ist das Schicksal eines Protektorats, das auf der Niederhaltung der Massen gr\u00fcndet, zu seinem \u00dcberleben auf die dauerhafte Pr\u00e4senz amerikanischer Truppen angewiesen ist und nicht einmal als Karikatur einer b\u00fcrgerlichen Demokratie eine Zukunft h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Frage der Demokratie ist noch von einer weiteren Seite aus zu betrachten. Historisch gesehen, befindet sich der Irak in der Etappe der b\u00fcrgerlichen Revolution, deren Vollendung noch bevorsteht. Ein elementarer Bestandteil dieser Revolution tr\u00e4gt nationaldemokratischen Charakter und zielt auf die Schaffung eines gesamtarabischen Nationalstaats, der die von den Kolonialm\u00e4chten Frankreich und Gro\u00dfbritannien nach dem Ersten Weltkrieg k\u00fcnstlich gezogenen Grenzen \u00fcberwindet und die arabische Nation eint.<\/p>\n<p>Ob im Falle eines US-Siegs die jetzigen Grenzen des Irak Bestand haben werden oder nicht, wird sich noch herausstellen. Wenn sie ge\u00e4ndert werden, dann jedenfalls nicht zu Gunsten der arabischen Einheit, sondern zwecks Verteilung der Kriegsbeute an die amerikanischen Verb\u00fcndeten. Jahrzehnte nach der Vertreibung der letzten englisch-franz\u00f6sischen Kolonialtruppen und dem Sturz ihrer Marionetten-Regierungen entsteht so erneut die Gefahr, dass sich eine ausl\u00e4ndische Macht mit Waffengewalt in einem Kerngebiet Arabiens festsetzt und die Weiterf\u00fchrung seiner b\u00fcrgerlich-nationaldemokratischen Revolution zur\u00fcckwirft.<\/p>\n<h3>Der amerikanische Niedergang<\/h3>\n<p>Angesichts des amerikanischen Kriegskurses ist es unumg\u00e4nglich, die Frage nach dessen Triebkr\u00e4ften zu stellen. Die &#8222;Antideutschen&#8220; werden nicht m\u00fcde, dazu als geschichtliche Analogie den 2.Weltkrieg anzuf\u00fchren, als die USA mit dem Schlachtruf &#8222;F\u00fcr Demokratie und offene M\u00e4rkte&#8220; in den Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland und das kaiserliche Japan eintraten. Der Vergleich hinkt indes auf s\u00e4mtlichen F\u00fc\u00dfen, besonders in der \u00d6konomie. Der amerikanische Kriegseintritt vor \u00fcber 60 Jahren und die aus dem Sieg gewonnene Hegemonie \u00fcber die kapitalistischen L\u00e4nder des Westens gr\u00fcndete sich auf \u00fcberlegene industrielle Produktivkr\u00e4fte, den sog. &#8222;Fordismus&#8220;, der die amerikanische Vormachtstellung auf quasi nat\u00fcrliche Weise untermauerte. Diese \u00dcberlegenheit ist in den Jahrzehnten nach dem 2.Weltkrieg verloren gegangen; der Vietnam-Krieg markiert den Umschlag. Mittlerweile sind die USA aus einem Gl\u00e4ubigerland zum weltgr\u00f6\u00dften Schuldnerland geworden, das seinen inneren Lebensstandard ebenso wie seine \u00e4u\u00dfere Machtstellung in stetig wachsendem Umfang vom Ausland finanzieren lassen muss (siehe <a href=\"file:\/\/\/Users\/pdietrich\/Documents\/kommmunistische%20debatte\/kapital\/new_economy2002.html\" target=\"_blank\">Martin Schlegel, Die New Economy der USA: krisenfreier Kapitalismus?<\/a>)<\/p>\n<p>Die letzte Pr\u00e4sidentschaft versuchte noch, die Vereinigten Staaten durch ein Programm der gesellschaftlichen Modernisierung (Reform der Krankenversicherung, des Bildungswesens und der Justiz) fort zu entwickeln. Diese Politik ist mit ihrem Protagonisten gescheitert, und damit verbindet sich ein sowohl innen- als auch au\u00dfenpolitischer Kurswechsel von gr\u00f6\u00dfter Tragweite. Zwar ist die grundlegende au\u00dfenpolitische Zielsetzung unter Bush junior dieselbe geblieben wie unter seinen Vorg\u00e4ngerregierungen Clinton und Bush senior, n\u00e4mlich <i>Sicherung der weltweiten amerikanischen Hegemonie<\/i>. Aber die zur Erreichung dieses Ziels eingesetzten Strategien unterscheiden sich substanziell voneinander.<\/p>\n<h3>Von der Kooperation zur Konfrontation<\/h3>\n<p>In der Vergangenheit erfolgte der Einsatz milit\u00e4rischer Macht als nachgeordnetes Mittel, um die Ausbildung regionaler Hegemonie durch eine fremde Macht zu verhindern bzw. ein bedrohtes regionales Gleichgewicht wiederherzustellen und so die <i>indirekte Herrschaft<\/i> zu sichern. Sowohl der Kuwait-Krieg von 1992 (gegen die drohende Vormachtstellung des Irak am Golf) als auch die Eins\u00e4tze in Jugoslawien (gegen die Ambitionen Deutschlands auf Hegemonie \u00fcber S\u00fcdosteuropa) folgten dieser Gleichgewichtsstrategie, die in Brzezinskis Buch <i>Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft<\/i> formuliert ist. Demgegen\u00fcber verfolgt die Cheney-Bush-Administration keine Gleichgewichtspolitik mehr, sondern setzt vorrangig auf den Gebrauch milit\u00e4rischer Machtmittel zwecks Gewinnung der direkten Kontrolle \u00fcber das \u00d6l und dessen Transportwege. Dabei ist die Gewinnung eines neuen St\u00fctzpunkts am Golf als Ersatz f\u00fcr den vor \u00fcber 20 Jahren verloren gegangenen Iran nur der erste Schritt. Gest\u00fctzt auf die Kombination von <i>Herrschaft \u00fcber das \u00d6l und vorbeugend eingesetzter Milit\u00e4rmacht<\/i> sollen alle potenziell konkurrenzf\u00e4higen M\u00e4chte auf lange Sicht in Schach gehalten werden. Der &#8222;Unilateralismus&#8220; (ohne oder gar gegen die UNO) an Stelle des &#8222;Multilateralismus&#8220; (mit der UNO bzw. der NATO als Schaltzentren), wie dieser Wechsel von der politischen Wissenschaft bezeichnet wird, spiegelt den \u00dcbergang von kooperativen Formen der Hegemoniesicherung zu einer Politik der Konfrontation wider.<\/p>\n<p>Dieser Kurs bedingt den Abschied von den b\u00fcrgerlichen Verkehrsformen des internationalen Rechts, wie sowohl der geplante v\u00f6lkerrechtswidrige Krieg gegen den Irak als auch die Ablehnung des Internationalen Gerichtshofs zeigen. Im Innern geh\u00f6rt dazu die Einschr\u00e4nkung demokratischer Rechte, die aus dem &#8222;Kampf gegen den Terror&#8220; resultiert und gegenw\u00e4rtig im Aufbau eines sog. Heimatschutzministeriums gipfelt. In seiner j\u00fcngsten Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber die &#8222;Weltpolitik im Umbruch&#8220; sieht der b\u00fcrgerliche Amerikaforscher Ernst Otto Czempiel, dem durchaus kein &#8222;Antiamerikanismus&#8220; vorzuwerfen ist, die USA langsam in ein Stadium eintreten, &#8222;in dem eine expansionistische, gewaltgest\u00fctzte Au\u00dfenpolitik eng verbunden einhergeht mit der Ausbildung autorit\u00e4rer Regierungsstrukturen&#8220;.<\/p>\n<p>Die sich hier abzeichnende Entwicklung bedarf weiterer Untersuchungen, um zu einer tiefergehenden Einsch\u00e4tzung zu gelangen. Unabh\u00e4ngig davon ist auf die Frage nach der Stellung zu dem herannahenden Krieg jedoch zu antworten, dass vom Boden des revolution\u00e4ren Marxismus aus nur die Niederlage der USA und der Sieg des Irak bef\u00fcrwortet werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Letzte \u00c4nderung: 21.03.2016 <\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; &#8222;Antideutsche&#8220; und Linke zum Irakkrieg &#8211; Von Heiner Karuscheit Vorbemerkung Die bevorstehende Irak-Invasion der USA zwingt alle politischen Kr\u00e4fte, Position zu beziehen. Die Mehrheit der Linken distanziert sich von der amerikanischen Kriegsplanung vom Boden des Pazifismus oder der Demokratie aus. Stand beim Krieg um das \u00d6lscheichtum Kuwait vor zw\u00f6lf Jahren eher der Pazifismus im &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=502\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">F\u00fcr &#8222;Demokratie und freie M\u00e4rkte&#8220; \u2013 oder f\u00fcr die Niederlage der USA?<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-502","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=502"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":503,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/502\/revisions\/503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}