{"id":495,"date":"2016-09-14T09:49:17","date_gmt":"2016-09-14T07:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=495"},"modified":"2016-09-14T09:55:52","modified_gmt":"2016-09-14T07:55:52","slug":"ueber-die-amerikanischen-kriegsziele-im-nahen-osten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=495","title":{"rendered":"\u00dcber die amerikanischen Kriegsziele im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<h5>Von Heiner Karuscheit<\/h5>\n<div>\n<ol>\n<li>Der von der Bush-junior-Administration gegen den Irak geplante Krieg soll das geostrategische Grundproblem l\u00f6sen, vor dem die USA seit 1979 im Nahen Osten stehen. Seit dem Sturz des Schah-Regimes verf\u00fcgen die Vereinigten Staaten \u00fcber kein gen\u00fcgend stabiles bzw. starkes Statthalter-Regime mehr, auf das sie sich bedingungslos st\u00fctzen k\u00f6nnen. Israel ist nicht in der Lage, die Hegemonie \u00fcber die gesamte Region zu erlangen. Saudi-Arabien ist zu schwach und die innenpolitische Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit des K\u00f6nigshauses ist durch den islamischen Fundamentalismus eingeschr\u00e4nkt. In \u00c4gypten l\u00e4sst neben dem erstarkenden Islamismus auch der arabische Nationalismus eine blo\u00dfe Handlangerrolle nicht zu.<\/li>\n<li>Ziel der Cheney-Bush-Politik ist die Etablierung eines Statthalter-Regimes im Irak in vollst\u00e4ndiger Abh\u00e4ngigkeit von den USA, abgesichert durch die dauerhafte Stationierung amerikanischer Truppen, ggf. erg\u00e4nzt durch europ\u00e4ische Hilfstruppen. Von hier aus soll unter dem Deckmantel der &#8222;Demokratisierung&#8220; und &#8222;Modernisierung&#8220; auch in Saudi-Arabien ein US-h\u00f6riges, westlich-laizistisches Marionettenregime errichtet werden. In einem weiteren Schritt k\u00f6nnte dann ein Umsturz im Iran erfolgen, um die Kontrolle der Region und ihrer Erd\u00f6lreserven zu vervollst\u00e4ndigen.<\/li>\n<li>Die geplante Neuordnung des nah\u00f6stlichen Raums stellt gezielt oder ungezielt auch die Grenzen in Frage, die nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im Gefolge des Ersten Weltkriegs von den damaligen Kolonialm\u00e4chten Gro\u00dfbritannien und Frankreich gem\u00e4\u00df ihren Interessen gezogen wurden. Neben Kurden und anderen Kr\u00e4ften verfolgt insbesondere die T\u00fcrkei, die aufgrund ihrer geostrategischen Lage zur Kriegf\u00fchrung unentbehrlich ist, territoriale Ziele (\u00d6lquellen des Nordirak). Die endg\u00fcltige Neuordnung wird von den Zugest\u00e4ndnissen an die Kr\u00e4fte, die man zur Kollaboration braucht, sowie letztlich von der Entwicklung des Kriegstheaters selber abh\u00e4ngen.<\/li>\n<li>Die jetzt betriebene Politik basiert auf einem grundlegenden Wandel in der amerikanischen Au\u00dfenpolitik. Im Nahen Osten war zuvor versucht worden, Israel und die Pal\u00e4stinenser durch amerikanischen Druck zum Ausgleich zu zwingen (Oslo-Prozess), um so die amerikanische Position als Schiedsrichter zu stabilisieren. Dieser Ansatz wurde mit dem Amtsantritt der neuen Administration abgebrochen. Da die Bush-Regierung ihr politisches Schicksal an die Niederwerfung des Irak gekn\u00fcpft hat und innenpolitisch keine mehrheitsf\u00e4hige Alternative zu dem &#8222;gro\u00dfen Wurf&#8220;, den die kriegerische Neuordnung des Nahen Ostens verspricht, sichtbar ist, d\u00fcrfte der Krieg unabweisbar sein.<\/li>\n<li>In Israel-Pal\u00e4stina wird es bis dahin keine Friedensregelung geben. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass die Scharon-Regierung die Spannungen weiter sch\u00fcren wird, um im Windschatten des Kriegs einen vollst\u00e4ndigen Unterwerfungsfrieden durchzusetzen. Dieser k\u00f6nnte so aussehen, dass Jordanien zum Staat der Pal\u00e4stinenser gemacht wird und eine neue Massenvertreibung aus Israel und den von Israel beanspruchten Gebieten erfolgt.<br \/>\nDa umgekehrt nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass die USA je nach Entwicklung der Lage Israel opfern werden, um als Patron der arabischen Nation aufzutreten, wenn ihre Stellung nur so gesichert werden kann, ist es f\u00fcr die Regierung Scharon umso dringlicher, so schnell und so tiefgreifend wie m\u00f6glich vollendete Tatsachen zu schaffen, sobald der Krieg beginnt.<\/li>\n<li>Die Haupttriebkraft der Cheney-Bush-Politik ist in dem \u00f6konomisch-gesellschaftlichen Niedergang der USA zu suchen, der lange Zeit durch den Zufluss ausl\u00e4ndischen Kapitals in die USA \u00fcberdeckt wurde &#8211; mit der Folge einer ungeheuren Auslandsverschuldung (<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php\/die-new-economy-der-usa-krisenfreier-kapitalismus\/\" target=\"_blank\">Martin Schlegel: Die New Economy der USA &#8211; krisenfreier Kapitalismus?<\/a>). Nachdem in den letzten Jahrzehnten alle Versuche gescheitert sind (zuletzt noch unter Clinton), die us-amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren, um gegen die europ\u00e4ische und japanische Konkurrenz zu bestehen und so die eigene Vormachtstellung zu unterf\u00fcttern, hat sich mit dem Machtantritt der neuen Administration eine neue strategische Konzeption durchgesetzt.<br \/>\nDie Cheney-Bush-Regierung hat &#8222;die \u201astrategische Partnerschaft\u2018 mit den anderen f\u00fchrenden kapitalistischen Staaten (regionale Gleichgewichtspolitik mit amerikanischer Schiedsrichterrolle) durch die milit\u00e4rische Dominanz \u00fcber die restliche Staatenwelt&#8220; ersetzt (<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=484&amp;preview=true\" target=\"_blank\">Alfred Schr\u00f6der: Der 11. September, der Afghanistankrieg und die Linke<\/a>). Das heisst, dass milit\u00e4rische Mittel nicht l\u00e4nger als &#8222;ultima ratio&#8220; eingesetzt werden, um eine regionale Dominanz anderer Staaten zu verhindern, sondern zum Hauptmittel werden, um die wankende amerikanische Hegemonie zu sichern.<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Letzte \u00c4nderung: 21.03.2016 <\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Heiner Karuscheit Der von der Bush-junior-Administration gegen den Irak geplante Krieg soll das geostrategische Grundproblem l\u00f6sen, vor dem die USA seit 1979 im Nahen Osten stehen. Seit dem Sturz des Schah-Regimes verf\u00fcgen die Vereinigten Staaten \u00fcber kein gen\u00fcgend stabiles bzw. starkes Statthalter-Regime mehr, auf das sie sich bedingungslos st\u00fctzen k\u00f6nnen. 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