{"id":416,"date":"2016-09-13T08:43:03","date_gmt":"2016-09-13T06:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=416"},"modified":"2016-09-13T08:48:08","modified_gmt":"2016-09-13T06:48:08","slug":"marxsche-krisentheorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=416","title":{"rendered":"Marxsche Krisentheorie"},"content":{"rendered":"<h5>Von Erwin Maurer<\/h5>\n<div>\n<h2>Vorwort<\/h2>\n<p>Die aktuelle Finanz- und Weltmarktkrise, ihr Verlauf seit 2007 und das lange Leugnen vieler &#8222;Experten&#8220;, dass die Krise des Finanzmarktes auch die reale Wirtschaft erfasst hat, waren der Anlass, mich erneut mit den Ausf\u00fchrungen von Marx zu Formen und Inhalten der kapitalistischen Krisen zu besch\u00e4ftigen. Als Ergebnis dieser Besch\u00e4ftigung habe ich im Folgenden versucht einmal zusammenzufassen, was Marx selbst zu Form und Inhalt der immer wieder auftretenden Krisen der kapitalistischen Wirtschaft sagt:<\/p>\n<h2>Verwandlung der M\u00f6glichkeit der Krisen zur Wirklichkeit &#8211; die Formen der Krise<\/h2>\n<p>Im Band 1 des &#8222;Kapital&#8220; (Kapitel: Geld und Warenzirkulation) macht Marx zwei Bemerkungen zur kapitalistischen Krise:<\/p>\n<p>&#8222;Die Zirkulation sprengt die zeitlichen, \u00f6rtlichen und individuellen Schranken des Produktenaustausches ebendadurch, da\u00df sie die hier vorhandne unmittelbare Identit\u00e4t zwischen dem Austausch des eignen und dem Eintausch des fremden Arbeitsprodukts in den Gegensatz von Verkauf und Kauf spaltet. Da\u00df die selbst\u00e4ndig einander gegen\u00fcbertretenden Prozesse eine innere Einheit bilden, hei\u00dft ebensosehr, da\u00df ihre innere Einheit sich in \u00e4u\u00dferen Gegens\u00e4tzen bewegt. Geht die \u00e4u\u00dferliche Verselbst\u00e4ndigung der innerlich Unselbst\u00e4ndigen, weil einander erg\u00e4nzenden, bis zu einem gewissen Punkt fort, so macht sich die Einheit gewaltsam geltend durch eine &#8211; Krise. Der der Ware immanente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen mu\u00df, von besondrer konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, von Personifizierung der Sache und Versachlichung der Personen &#8211; dieser immanente Widerspruch erh\u00e4lt in den Gegens\u00e4tzen der Warenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen. Diese Formen schlie\u00dfen daher die M\u00f6glichkeit, aber auch nur die M\u00f6glichkeit der Krisen ein. Die Entwicklung dieser M\u00f6glichkeit zur Wirklichkeit erfordert einen Umkreis von Verh\u00e4ltnissen, die vom Standpunkt der einfachen Warenzirkulation noch gar nicht existieren.<\/p>\n<p>Als Vermittler der Warenzirkulation erh\u00e4lt das Geld die Funktion des Zirkulationsmittels.&#8220; [1]<\/p>\n<p>Also: In der Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel und dem m\u00f6glichen Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf in der Warenzirkulation ist die M\u00f6glichkeit der Krise bereits angelegt, aber eben <b>nur<\/b> die M\u00f6glichkeit!<\/p>\n<p>&#8222;Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schlie\u00dft einen unvermittelten Widerspruch ein. Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder Ma\u00df der Werte. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbst\u00e4ndiges Dasein des Tauschwerts, absolute Ware. Dieser Widerspruch eklatiert in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise hei\u00dft. Sie ereignet sich nur, wo die prozessierende Kette der Zahlungen und ein k\u00fcnstliches System ihrer Ausgleichung v\u00f6llig entwickelt sind.&#8220; [2]<\/p>\n<p>In der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel ist also eine weitere Form der Krise angelegt.<\/p>\n<p>Diese Form ist bereits weiter entwickelt, als die Form der Krise, die aus dem m\u00f6glichen Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf entspringt.<\/p>\n<p>Beide Formen zeigen nur, dass die M\u00f6glichkeit von Krisen vorhanden sind, aber noch nicht, dass die Krisen wirklich sind, dass sie existieren.<\/p>\n<p>Auch ist, wenn die Form der Krisen festgestellt ist, noch nichts \u00fcber ihren Inhalt gesagt.<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich, warum es \u00fcberhaupt notwendig ist, sich mit den Formen der Krisen auseinanderzusetzen?<\/p>\n<p>Was haben die Formen der Krisen mit der Erkl\u00e4rung der Krisen &#8211; mit ihrem Inhalt &#8211; zu tun?<\/p>\n<p>Wie ist der Inhalt der Krisen zu begr\u00fcnden, wenn er nicht mit ihrer Form zusammen f\u00e4llt?<\/p>\n<p>Entweder die b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen leugnen den krisenhaften Verlauf der kapitalistischen Produktionsweise \u00fcberhaupt <b>oder<\/b>, wenn die Krise zur Tatsache geworden ist, wehren sie sich dagegen, die Krise aus den allgemeinen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wer zum Beispiel leugnet, dass Kauf und Verkauf in der Warenzirkulation auseinander fallen k\u00f6nnen, der leugnet diese Form der Krise und mit dieser m\u00f6glichen Form auch die Krise selbst.<\/p>\n<p>Wer z.\u00a0B. (wie Ricardo) nur die \u00dcberproduktion von Waren in einzelnen Produktionszweigen anerkennt (weil dies die notwendige Grundlage des Ausgleichsprozesses zur allgemeinen Profitrate ist) und somit Verteilungskrisen &#8211; bei Verletzung der Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise &#8211; f\u00fcr m\u00f6glich erachtet, der lehnt es ab, die Krise aus den allgemeinen Gesetzen der kapitalistischen Produktionsweise heraus zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit einer allgemeinen \u00dcberproduktion, sowohl von Waren als auch von Kapital, wird geleugnet, und die Krisen werden aus dem Zufall erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Andererseits besteht die Gefahr, die Krisen aus den Formen selbst zu erkl\u00e4ren, d. h. die Form der Krise, wie sie real erscheint (z. B. das Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf), mit dem Inhalt der Krise zu verwechseln oder Form und Inhalt in eins zu setzen.<\/p>\n<p>Marx geht auf diese \u00d6konomen unter Anderem in den &#8222;Theorien \u00fcber den Mehrwert&#8220; ein.<\/p>\n<p>Er sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Nicht besser sind \u00fcbrigens die \u00d6konomen (wie J.\u00a0St.\u00a0Mill z.\u00a0B.), die die Krisen aus diesen einfachen, in der Metamorphose der Waren enthaltnen <u>M\u00f6glichkeiten<\/u> [3] der Krise &#8211; wie in der Trennung von Kauf und Verkauf &#8211; erkl\u00e4ren wollen. Diese Bestimmungen, die die M\u00f6glichkeit der Krisen erkl\u00e4ren, erkl\u00e4ren noch lange nicht ihre Wirklichkeit, noch nicht, warum die Phasen des Prozesses in solchen Konflikt treten, da\u00df nur durch eine Krise, durch einen gewaltsamen Proze\u00df, ihre innere Einheit sich geltend machen kann. Diese <u>Trennung<\/u> erscheint in der Krise; es ist die Elementarform derselben. Die Krise aus dieser ihrer Elementarform <u>erkl\u00e4ren<\/u> hei\u00dft die Existenz der Krise dadurch erkl\u00e4ren, da\u00df man ihr Dasein in seiner abstraktesten Form ausspricht, also die Krise durch die Krise erkl\u00e4ren.&#8220; [4]<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf seiner Kritik an Ricardos Akkumulationstheorie &#8211; soweit es die Krisen betrifft &#8211; kommt Marx zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n<p>Er stellt fest, dass die abstrakteste Form der Krise ohne Inhalt zwar Voraussetzung der Krise ist, aber noch nicht erkl\u00e4rt, warum die Krise wird.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Und weiter ist Krise nichts als die gewaltsame Geltendmachung der Einheit von Phasen des Produktionsprozesses, die sich gegeneinander verselbst\u00e4ndigt haben.<\/p>\n<p>Allgemeine, abstrakte M\u00f6glichkeit der Krise &#8211; hei\u00dft nichts, als die <u>abstrakteste<\/u> Form der Krise, ohne Inhalt, ohne inhaltsvolles Motiv derselben. (&#8230;) Wodurch aber diese M\u00f6glichkeit der Krise zur Krise wird, ist nicht in dieser Form selbst enthalten; es ist nur darin enthalten, da\u00df die <u>Form<\/u> f\u00fcr eine Krise da ist.&#8220; [5]<\/p>\n<p>Umgekehrt kann aber auch <b>keine<\/b> Krise sein, ohne dass sie diese Formen annimmt.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;<u>Unter allen Umst\u00e4nden<\/u>: Wenn Kauf und Verkauf sich nicht gegeneinander festsetzen und daher nicht gewaltsam ausgeglichen werden m\u00fcssen &#8211; anderseits, wenn das Geld als Zahlungsmittel so funktioniert, da\u00df diese Forderungen sich aufheben, also nicht der in Geld als Zahlungsmittel an sich vorhandene Widerspruch sich verwirklicht -, diese beiden abstrakten Formen der Krise also nicht realiter als solche erscheinen, existiert keine Krise. Es kann keine Krise existieren, ohne da\u00df Kauf und Verkauf sich voneinander trennen und in Widerspruch treten oder da\u00df die im Geld als Zahlungsmittel erhaltenen Widerspr\u00fcche erscheinen, ohne da\u00df also die Krise zugleich in der einfachen Form &#8211; dem Widerspruch von Kauf und Verkauf, dem Widerspruch des Gelds als Zahlungsmittel &#8211; hervortritt.&#8220; [6]<\/p>\n<p>Wenn Marx also feststellt, dass diese beiden abstrakten Formen unabdingbar f\u00fcr die wirklichen Krisen sind, ohne dass damit bereits ein &#8222;begr\u00fcndeter Inhalt&#8220; [7] gegeben sei, so stellt sich die Frage: Woher und wie dieser Inhalt zu begr\u00fcnden ist?<\/p>\n<p>Klar ist, dass die einfache Geld- und Warenzirkulation und die Zirkulation des Geldes als Zahlungsmittel vorkommen, lange bevor die kapitalistische Produktion und damit die kapitalistischen Krisen vorkommen.<\/p>\n<p>Weiter ist klar, dass bei Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, die in der Waren- und Geldzirkulation entwickelten Widerspr\u00fcche sich selbst im Kapital reproduzieren, da &#8222;in der Tat nur auf Grundlage des Kapitals entwickelte Warenzirkulation und Geldzirkulation stattfindet.&#8220; [8]<\/p>\n<p>Daraus folgert Marx, dass die kapitalistischen Krisen nur aus der realen Bewegung des Kapitals zu entwickeln sind.<\/p>\n<p>Er sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Es handelt sich aber nun darum, die weitere Entwicklung der potentia Krisis (m\u00f6glichen Krise d.\u00a0V.) &#8211; die reale Krisis kann nur aus der realen Bewegung der kapitalistischen Produktion, Konkurrenz und Kredit, dargestellt werden &#8211; zu verfolgen, soweit sie aus den Formbestimmungen des Kapitals hervorgeht, die ihm als Kapital <u>eigent\u00fcmlich<\/u> und nicht in seinem blo\u00dfen Dasein als Ware und Geld eingeschlossen sind.&#8220; [9]<\/p>\n<p>Was sind nun diese dem Kapital selbst eigent\u00fcmlichen Formbestimmungen?<\/p>\n<p>Eine dieser eigent\u00fcmlichen Formbestimmungen ist der Zirkulations- oder Reproduktionsprozess des Kapitals selbst. Dieser Gesamtreproduktionsprozess des Kapitals besteht als Einheit von Produktionsphase und Zirkulationsphase.<\/p>\n<p>In der m\u00f6glichen Trennung und gewaltsamen Wiederherstellung der Einheit dieser Phasen &#8222;ist eine weiter entwickelte M\u00f6glichkeit oder abstrakte Form der Krise&#8220; [10] vorhanden.<\/p>\n<p>Zum Beispiel kann eine Krise entstehen: Bei der R\u00fcckverwandlung des produzierten Werts in produktives Kapital oder durch Wertver\u00e4nderung in den Elementen des produktiven Kapitals (z.\u00a0B. bei Rohstoffen).<\/p>\n<p>Warum dies so ist, wird deutlich, betrachtet man den Zirkulationsprozess des Kapitals in der Formel:<\/p>\n<table border=\"0\" width=\"624\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"156\">G (Geld) &#8211; W (Ware) &lt;<\/td>\n<td valign=\"middle\" width=\"180\">PM (Produktionsmittel)<br \/>\nAK (Arbeitskraft)<\/td>\n<td width=\"288\">&#8230;P (Produktion) &#8230;W&#8216; (Ware +) &#8211; G&#8216; (Geld +)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei Stockung in einer der Phasen oder bei Ver\u00e4nderungen des Werts von Teilen des Kapitals, w\u00e4hrend des Zirkulationsprozesses kann die Reproduktion des Kapitals gef\u00e4hrdet sein oder sie wird nur auf kleinerer Stufenleiter m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Mit dem m\u00f6glichen Auseinanderfallen des kapitalistischen Reproduktionsprozesses ist nur eine weitere Form der Krise benannt. Diese Form ist zwar schon weitaus realistischer als die abstrakten Formen der einfachen Warenproduktion, aber die Frage nach dem Inhalt der Krise beantwortet sie nicht!<\/p>\n<p>Marx selbst verweist dazu in den &#8222;Theorien \u00fcber den Mehrwert&#8220; auf das Kapitel &#8222;Kapital und Profit&#8220; im Band 3 des &#8222;Kapital&#8220;.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die Bemerkung, dass die Entwicklung der m\u00f6glichen Krise in den Formbestimmungen des Kapitals zu verfolgen ist, soweit diese dem Kapital eigent\u00fcmlich sind, sagt er:<\/p>\n<p>&#8222;Der blo\u00dfe <u>Produktionsproze\u00df<\/u> (unmittelbare) des Kapitals kann an sich hier nichts Neues zuf\u00fcgen. Damit er \u00fcberhaupt existiert, sind seine Bedingungen unterstellt. Daher in dem ersten Abschnitt \u00fcber das Kapital &#8211; den <u>unmittelbaren<\/u> Produktionsproze\u00df &#8211; kein neues Element der Krise hinzuk\u00f6mmt. <u>An sich<\/u> ist es in ihm enthalten, weil der Produktionsproze\u00df Aneignung und daher Produktion von Mehrwert. Aber in dem Produktionsproze\u00df selbst kann dies nicht erscheinen, weil in ihm nicht die Rede von der <u>Realisierung<\/u> des nicht nur reproduzierten Werts, sondern Mehrwerts.<\/p>\n<p>Hervortreten kann die Sache erst im <u>Zirkulationsproze\u00df<\/u>, der an und f\u00fcr sich zugleich <u>Reproduktionsproze\u00df<\/u>.<\/p>\n<p>Es ist hier ferner zu bemerken, da\u00df wir den Zirkulationsproze\u00df oder Reproduktionsproze\u00df darstellen m\u00fcssen, <u>bevor<\/u> wir das fertige Kapital &#8211; <u>Kapital und Profit<\/u> &#8211; dargestellt haben, da wir darzustellen haben, nicht nur wie das Kapital produziert, sondern wie das Kapital produziert wird. Die wirkliche Bewegung aber geht aus von dem vorhandenen Kapital &#8211; die wirkliche Bewegung hei\u00dft die auf Grundlage der entwickelten, von sich selbst beginnenden, sich selbst voraussetzenden kapitalistischen Produktion. Der Reproduktionsproze\u00df und die in ihm weiter entwickelten Anlagen der Krisen werden daher unter dieser Rubrik selbst nur unvollst\u00e4ndig dargestellt und bed\u00fcrfen ihrer Erg\u00e4nzung in dem Kapitel &#8218;<u>Kapital und Profit<\/u>&#8218;&#8220;. [11]<\/p>\n<p>Damit sind die Kapitel im 3. Band des &#8222;Kapital&#8220; gemeint, in denen das Gesetz des &#8222;Tendenziellen Falls der Profitrate&#8220; und die Entwicklung der aus diesem Gesetz entstehenden Widerspr\u00fcche beschrieben sind.<\/p>\n<h2>Das Gesetz der kapitalistischen Akkumulation und des tendenziellen Falls der Profitrate<\/h2>\n<p>&#8222;Die Weltmarktkrisen&#8220;, sagt Marx, &#8222;m\u00fcssen als die reale Zusammenfassung und gewaltsamen Ausgleichung aller Widerspr\u00fcche der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie gefa\u00dft werden.&#8220; [12]<\/p>\n<p>Und dass:<\/p>\n<p>&#8222;die reale Krisis nur aus der realen Bewegung der Kapitalistischen Produktion, Konkurrenz und Kredit, dargestellt werden (kann).&#8220; [13]<\/p>\n<p>Wird nun aber &#8211; vor der Darstellung der realen Krise &#8211; versucht, die Krisen im Allgemeinen aus dem kapitalistischen Charakter der Produktionsweise zu erkl\u00e4ren, so muss zuallererst die Frage beantwortet werden, worin dieser kapitalistische Charakter besteht?<\/p>\n<p>Im 1. Band des &#8222;Kapital&#8220; im Kapitel &#8222;Das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation&#8220;, beschreibt Marx die &#8222;differentia spezifica&#8220; oder den kennzeichnenden Unterschied der kapitalistischen Produktion wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Arbeitskraft wird hier gekauft, nicht um durch ihren Dienst oder ihr Produkt die pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse des K\u00e4ufers zu befriedigen. Sein Zweck ist Verwertung seines Kapitals, Produktion von Waren, die mehr Arbeit enthalten, als er zahlt, also einen Wertteil enthalten, der ihm nichts kostet und dennoch durch den Warenverkauf realisiert wird. Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise. Nur soweit sie die Produktionsmittel als Kapital erh\u00e4lt, ihren eignen Wert als Kapital reproduziert und in unbezahlter Arbeit eine Quelle von Zuschu\u00dfkapital liefert, ist die Arbeitskraft verkaufbar.&#8220; [14]<\/p>\n<p>In diesem Zitat sind zwei wesentliche Momente der kapitalistischen Produktionsweise angesprochen:<\/p>\n<p>Es ist letztendlich nicht die Produktion von Gebrauchswerten der Zweck und das Motiv der kapitalistischen Produktionsweise, sondern einzig und allein die Produktion von Mehrwert, die Verwertung des eingesetzten bzw. vorgeschossenen Werts.<\/p>\n<p>Die Arbeiter k\u00f6nnen nur als Konsumenten eines Teils des von ihnen geschaffenen Produkts auftreten, soweit sie gleichzeitig ein Mehrprodukt bzw. einen Mehrwert produzieren, der dem Zweck und Motiv des Kapitals entspricht, also damit eine bestimmte Verwertung dieses Kapitals garantiert.<\/p>\n<p>Weiter ist die Frage zu stellen, mit welchen Mitteln das Kapital diese Plusmacherei, die Verwertung des Werts, erreicht?<\/p>\n<p>Die von Marx beschriebenen Methoden zur Produktion des absoluten und relativen Mehrwerts sind hinreichend bekannt bzw. sind im 1. Band des &#8222;Kapital&#8220; ausf\u00fchrlich beschrieben, wie<\/p>\n<ul>\n<li>Verl\u00e4ngerung des Arbeitstages,<\/li>\n<li>Intensivierung der Arbeit,<\/li>\n<li>Steigerung der Produktivkraft der Arbeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Konsequenzen f\u00fcr die Arbeiter, bei der Anwendung dieser Mittel durch das Kapital, hat Marx im allgemeinen Gesetz der kapitalistischen Akkumulation beschrieben.<\/p>\n<p>Die Erweiterung der kapitalistischen Produktion und damit die Vermehrung der Mehrwert produzierenden Bev\u00f6lkerung einerseits, bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivkraft, die wiederum zur \u00dcberfl\u00fcssigmachung der besch\u00e4ftigten Arbeiterbev\u00f6lkerung und zur Bildung einer industriellen Reservearmee f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Innerhalb des Rahmens der Akkumulationsbewegung des Kapitals wird letztendlich die Lohnrate bestimmt, und damit auch die Reproduktionsbedingungen der Arbeiterbev\u00f6lkerung. Die Lohnrate bzw. Lohnh\u00f6he wird im Wesentlichen geregelt durch das Verh\u00e4ltnis von Angebot und Nachfrage der Ware Arbeitskraft. Die Gr\u00f6\u00dfe der individuellen Reservearmee und ihre Bewegung zeigt genau dieses Verh\u00e4ltnis von Angebot und Nachfrage an. Dieses Verh\u00e4ltnis ist letztendlich abh\u00e4ngig von der Akkumulation des Kapitals.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zwischen Kapital, Akkumulation und Lohnrate beschreibt Marx wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Das Verh\u00e4ltnis zwischen Kapital, Akkumulation und Lohnrate ist nichts als das Verh\u00e4ltnis zwischen der unbezahlten, in Kapital verwandelten Arbeit und der zur Bewegung des Zusatzkapitals erforderlichen zusch\u00fcssigen Arbeit. Es ist also keineswegs ein Verh\u00e4ltnis zweier voneinander unabh\u00e4ngiger Gr\u00f6\u00dfen, einerseits der Gr\u00f6\u00dfe des Kapitals, andrerseits der Zahl der Arbeiterbev\u00f6lkerung, es ist vielmehr in letzter Instanz nur das Verh\u00e4ltnis zwischen der unbezahlten und der bezahlten Arbeit derselben Arbeiterbev\u00f6lkerung. W\u00e4chst die Menge der von der Arbeiterklasse gelieferten und von der Kapitalistenklasse akkumulierten, unbezahlten Arbeit rasch genug, um nur durch einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zuschu\u00df bezahlter Arbeit sich in Kapital verwandeln zu k\u00f6nnen, so steigt der Lohn, und alles andre gleichgesetzt, nimmt die unbezahlte Arbeit im Verh\u00e4ltnis ab. Sobald aber diese Abnahme den Punkt ber\u00fchrt, wo die das Kapital ern\u00e4hrende Mehrarbeit nicht mehr in normaler Menge angeboten wird, so tritt eine Reaktion ein: ein geringerer Teil der Revenue wird kapitalisiert, die Akkumulation erlahmt, und die steigende Lohnbewegung empf\u00e4ngt einen Gegenschlag. Die Erh\u00f6hung des Arbeitspreises bleibt also eingebannt in Grenzen, die die Grundlagen des kapitalistischen Systems nicht nur unangetastet lassen, sondern auch seine Reproduktion auf wachsender Stufenleiter sichern. [15]<\/p>\n<p>Konkreter betrachtet ist es aber nicht direkt das Verh\u00e4ltnis von bezahlter zu unbezahlter Arbeit, (also der Mehrwertrate m&#8216;) an dem der Kapitalist den Verwertungsgrad seines Kapitals misst, sondern er misst den Verwertungsgrad seines Kapitals an der Profitrate.<\/p>\n<p>Den Kapitalisten interessiert nicht in welchem Verh\u00e4ltnis der Mehrwert bzw. der Profit zu dem in L\u00f6hnen vorgeschossenen Teils des Kapitals steht, sondern in welchem Verh\u00e4ltnis sich sein Gesamtkapital verwertet.<\/p>\n<p>Daher ist auch &#8222;Die Profitrate (&#8230;) die treibende Macht in der kapitalistischen Produktion, und es wird nur produziert, was und soweit es mit Profit produziert werden kann.&#8220; [16]<\/p>\n<p>Die Profitrate (p&#8216;) dr\u00fcckt das Verh\u00e4ltnis des Mehrwerts oder Profits (m) zum vorgeschossenen Gesamtkapital (c + v = C) aus:<\/p>\n<table style=\"height: 66px;\" border=\"0\" width=\"275\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"63\" height=\"30\">\n<p align=\"center\">P&#8216; =<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"63\" height=\"30\">\n<p align=\"center\">m<\/p>\n<hr size=\"1\" width=\"63\" \/>\n<p align=\"center\">c + v<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"63\" height=\"30\">\n<p align=\"center\">=<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"63\" height=\"30\">\n<p align=\"center\">m<\/p>\n<hr size=\"1\" width=\"63\" \/>\n<p align=\"center\">C<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Bei gegebenem Arbeitstag, Arbeitslohn und gegebener Mehrwertrate (M&#8216; = m\/v = 100\u00a0%) h\u00e4ngt die Profitrate von der Gr\u00f6\u00dfe des konstanten Kapitals ab, das von einer gegebenen Arbeiterzahl in Bewegung gesetzt wird, z.\u00a0B. wenn:<\/p>\n<table border=\"1\" width=\"550\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"3\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">Konstantes<br \/>\nKapital (c)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">Variables<br \/>\nKapital (v)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">Gesamtkapital (C)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">Mehrwert (m)<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">Profitrate (p&#8216;)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">50<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">150<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">66 2\/3\u00a0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">200<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">300<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">33 1\/3\u00a0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">400<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">500<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"110\">\n<p align=\"center\">20\u00a0%<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Daraus ergibt sich:<\/p>\n<p>Dieselbe Rate des Mehrwerts (hier = 100\u00a0%) wird in einer fallenden Profitrate ausgedr\u00fcckt, wenn die oben dargestellte Reihe, die konkrete Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise widerspiegelt.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass das Verh\u00e4ltnis der angewandten Produktionsmittel zu der zu ihrer Anwendung notwendigen Arbeitskraft in verschiedenen Produktionszweigen nicht gleich ist.<\/p>\n<p>Dieses unterschiedliche Verh\u00e4ltnis &#8211; von Marx auch als unterschiedliche organische Zusammensetzung des Kapitals bezeichnet &#8211; ist ein wesentlicher Ausdruck f\u00fcr den Stand der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit in diesen verschiedenen Produktionszweigen.<\/p>\n<p>Weiter wissen wir, dass diese unterschiedlichen Profitraten der verschiedenen Produktionszweige, durch die Konkurrenz der Kapitale untereinander, zu einer allgemeinen Profitrate ausgeglichen werden.<\/p>\n<p>Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit stellt sich in der kapitalistischen Produktionsweise so dar, dass dieselben oder gar weniger Arbeiter f\u00e4hig sind, eine gr\u00f6\u00dfere Masse Produktionsmittel (z.\u00a0B. Maschinerie) in Bewegung zu setzen, um damit mehr Rohstoffe zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung stellt sich f\u00fcr das Kapital so dar, dass das konstante Kapital (und dort vor allem das fixe Kapital) im Verh\u00e4ltnis zum variablen Kapital immer gr\u00f6\u00dfer wird.<\/p>\n<p>Findet nun eine Steigerung der Produktivkraft der Arbeit in allen oder in den meisten Produktionszweigen statt, so muss auch die allgemeine Profitrate von dieser Entwicklung betroffen sein.<\/p>\n<p>Da die durchschnittliche organische Zusammensetzung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals &#8211; also das Verh\u00e4ltnis des konstanten (in Maschinerie und Rohstoffen ausgelegten) Teils des Kapitals zum variablen (in Arbeitsl\u00f6hnen ausgelegten) Teil &#8211; sich im Verlauf mehrerer Jahre durch Steigerung der Produktivkraft der Arbeit erh\u00f6ht, muss sich diese Steigerung der Produktivkraft der Arbeit umgekehrt in einer fallenden allgemeinen Profitrate ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Marx fasst diese Entwicklung wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Die progressive Tendenz der allgemeinen Profitrate zum Sinken ist also <u>nur ein der kapitalistischen Produktionsweise eigent\u00fcmlicher Ausdruck<\/u> f\u00fcr die fortschreitende Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit.&#8220; [17]<\/p>\n<p>Das Gesetz des fortschreitenden Falls der Profitrate schlie\u00dft aber keinesfalls aus, dass die Masse der vom gesellschaftlichen Gesamtkapital in Bewegung gesetzten und ausgebeuteten Arbeit w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Ebenso wenig ist damit ausgeschlossen, dass der vom Kapital angeeignete Mehrwert w\u00e4chst, selbst wenn L\u00e4nge und Intensit\u00e4t des Arbeitstags, sowie der Arbeitslohn und das Verh\u00e4ltnis von notwendiger Arbeit zur Mehrarbeit unver\u00e4ndert bleiben. Das kommt daher, dass nicht die in Bewegung gesetzte Arbeit absolut weniger wird, sondern nur im Verh\u00e4ltnis zum konstanten Kapital.<\/p>\n<p>Das variable Kapital steigt langsamer als das konstante Kapital und nimmt daher relativ zu diesem ab, obwohl es selbst dabei absolut noch steigen kann.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Die Anzahl der vom Kapital angewandten Arbeiter, also die absolute Masse der von ihm in Bewegung gesetzten Arbeit, daher die absolute Masse der von ihm aufgesaugten Mehrarbeit, daher die Masse des von ihm produzierten Mehrwerts, daher die absolute Masse des von ihm produzierten Profits kann also wachsen, und progressiv wachsen, trotz des progressiven Falls der Profitrate. Dies kann nicht nur der Fall sein. Es <u>muss<\/u> der Fall sein &#8211; vor\u00fcbergehende Schwankungen abgerechnet &#8211; auf Basis der kapitalistischen Produktion.&#8220; [18]<\/p>\n<p>Dass die Profitmasse nicht nur steigen kann, sondern steigen muss, liegt daran, dass &#8222;der kapitalistische Produktionsproze\u00df wesentlich zugleich Akkumulationsproze\u00df (ist).&#8220; [19]<\/p>\n<p>Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit f\u00fchrt nicht nur dazu, dass ein immer gr\u00f6\u00dferer Wertteil des Kapitals einfach reproduziert bzw. erhalten werden muss. In viel gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe noch als der Wert des konstanten Kapitals wird durch diesen Prozess die Masse der Gebrauchswerte gesteigert &#8211; wovon die Maschinen, die Produktionsmittel, ein Teil sind. Die zus\u00e4tzlich erforderlichen Arbeiter, die ben\u00f6tigt werden, um diese zus\u00e4tzlichen Produktionsmittel in Kapital zu verwandeln, h\u00e4ngen nicht ab vom Wert des konstanten Kapitals, sondern von seinem Gebrauchswert.<\/p>\n<p>Die Akkumulationsbewegung des Kapitals f\u00fchrt also dazu, immer mehr Arbeiter nachzufragen.<\/p>\n<p>Umgekehrt wird diese Nachfrage durch den gleichen Akkumulationsprozess abgeschw\u00e4cht oder sogar beseitigt. Durch die Anwendung der Methoden, die den relativen Mehrwert schaffen und erh\u00f6hen, wird gleichzeitig eine k\u00fcnstliche, relative Arbeiter\u00fcberv\u00f6lkerung geschaffen.<\/p>\n<p>Beide Erscheinungen &#8211; Steigerung der Nachfrage nach Arbeitern, bei gleichzeitigem \u00fcberz\u00e4hlig machen derselben &#8211; sind Ergebnis derselben Akkumulationsbewegung und der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Im Fortschritt des Produktions- und Akkumulationsprozesses <u>muss<\/u> also die Masse der aneignungsf\u00e4higen und angeeigneten Mehrarbeit und daher die absolute Masse des vom Gesellschaftskapital angeeigneten Profits wachsen. Aber dieselben Gesetze der Produktion und Akkumulation steigern, mit der Masse, den Wert des konstanten Kapitals in zunehmender Progression rascher als den des variablen, gegen lebendige Arbeit umgesetzten Kapitalteils. Dieselben Gesetze produzieren also f\u00fcr das Gesellschaftskapital eine wachsende absolute Profitmasse und eine fallende Profitrate.&#8220; [20]<\/p>\n<p>Die Frage, in welcher Form sich dies &#8222;zwieschl\u00e4chtige Gesetz&#8220; darstellen muss, w\u00e4re nun als n\u00e4chstes zu beantworten.<\/p>\n<p>Marx beantwortet diese Frage wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Damit der variable Bestandteil des Gesamtkapitals nicht nur absolut derselbe bleibe, sondern absolut wachse, obgleich sein Prozentsatz als Teil des Gesamtkapitals f\u00e4llt, mu\u00df das Gesamtkapital in st\u00e4rkrem Verh\u00e4ltnis wachsen, als der Prozentsatz des variablen Kapitals f\u00e4llt. Es mu\u00df so sehr wachsen, da\u00df es in seiner neuen Zusammensetzung nicht nur den alten variablen Kapitalteil, sondern noch mehr als diesen zum Ankauf von Arbeitskraft bedarf.&#8220; [21]<\/p>\n<p>Zur Illustration hier ein Rechenbeispiel:<\/p>\n<p>Ein Kapital von 1.000.000 bei einer Profitrate p&#8216; = 40\u00a0% ergibt 400.000 Profitmasse. F\u00e4llt die Profitrate p&#8216; auf 8\u00a0%, muss das Gesamtkapital auf das 5-fache steigen, wenn die Profitmasse gleich bleiben soll: Fall p&#8216; =\u00a040\/8 =\u00a05.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, bei sonst gleichen Bedingungen wirft ein Kapital C von 5.000.000 bei einer Profitrate p&#8216; =\u00a08\u00a0% auch eine Profitmasse von 400.000 ab. Das hei\u00dft weiter, dass wenn die Profitmasse absolut steigen soll, das Gesamtkapital um mehr als das 5-fache steigen muss.<\/p>\n<p>Allgemeiner ausgedr\u00fcckt hei\u00dft das:<\/p>\n<p>Diese doppelseitige Wirkung (Tendenz zum Fall der Profitrate bei gleichzeitigem Wachstum der absoluten Profitmasse) kann sich nur darstellen in einem Wachstum des Gesamtkapitals in rascherer Progression als die, worin die Profitrate f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Hieraus folgt nat\u00fcrlich auch, dass im Verlauf der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise eine immer gr\u00f6\u00dfere Kapitalmenge ben\u00f6tigt wird, um dieselbe oder eine wachsende Arbeitskraft zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Somit zeigt im Verlauf der Entwicklung auch dieses Gesetz, dass die steigende Produktivkraft der Arbeit auf kapitalistischer Grundlage mit Notwendigkeit eine permanente scheinbare \u00dcberv\u00f6lkerung erzeugt.<\/p>\n<p>Wenn man nun die enorme Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte der gesellschaftlichen Arbeit seit Bestehen der kapitalistischen Produktionsweise betrachtet, stellt sich die Frage, warum der Kapitalismus auf Grundlage des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate nicht schon l\u00e4ngst zusammengebrochen ist.<\/p>\n<p>Schon Marx hat diese Frage aufgeworfen und gesagt, dass an die Stelle der Schwierigkeit, welche die \u00d6konomen vor ihm besch\u00e4ftigt hatte &#8211; n\u00e4mlich den Fall der Profitrate zu erkl\u00e4ren -, die umgekehrte Schwierigkeit getreten sei, n\u00e4mlich zu erkl\u00e4ren, warum dieser Fall nicht gr\u00f6\u00dfer und rascher ist.<\/p>\n<p>Die vorhandenen, dem Fall der Profitrate entgegenwirkenden Ursachen sind es, die diesem Gesetz erst den Charakter einer Tendenz geben, weshalb Marx den Fall der Profitrate als einen tendenziellen Fall bezeichnet.<\/p>\n<p>Als allgemeinste dieser entgegenwirkenden Ursachen beschreibt Marx die Erh\u00f6hung des Exploitationsgrades der Arbeit. Die Profitmasse kann nicht nur durch Steigerung der Arbeiterzahl erh\u00f6ht werden, sondern auch durch Erh\u00f6hung der Ausbeutungsrate. Dieselben Gesetze, die die Profitrate fallen lassen, erh\u00f6hen die Ausbeutungsrate. Aber die Erh\u00f6hung der Ausbeutungsrate kann den Fall der Profitrate nicht insgesamt kompensieren, da die t\u00e4gliche Mehrarbeitszeit nur in begrenztem Rahmen ausgedehnt werden kann. Die Steigerung der Ausbeutungsrate bewirkt aber, dass der Fall der Profitrate langsamer wird, dass er zur Tendenz wird:<\/p>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>Das Herunterdr\u00fccken des Arbeitslohns unter seinen Wert.<br \/>\nMarx bezeichnet dies als eine der bedeutendsten Ursachen, obwohl es mit der allgemeinen Analyse des Kapitals nichts zu tun hat.<\/li>\n<li>Die &#8222;Verwohlfeilerung&#8220; der Elemente des konstanten Kapitals.<br \/>\nWenn der Wert des konstanten Kapitals sinkt, weil wegen der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit Maschinen und Rohstoffe billiger eingekauft werden k\u00f6nnen, dann ist klar, dass dadurch die Profitrate steigen muss, bei gleich bleibendem Mehrwert.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Weiteren z\u00e4hlt Marx noch zu den entgegenwirkenden Ursachen:<\/p>\n<ol start=\"3\" type=\"1\">\n<li>Die relative \u00dcberbev\u00f6lkerung.<br \/>\nSie f\u00fchrt dazu, dass in bestimmten (meist r\u00fcckst\u00e4ndigen oder neuen) Branchen die Produktivit\u00e4t niedrig bleibt, weil es gen\u00fcgend Arbeitskr\u00e4fte auf dem Markt gibt.<\/li>\n<li>Den ausw\u00e4rtigen Handel.<br \/>\nSoweit der Au\u00dfenhandel die Waren, die als konstantes oder variables Kapital im Inland dienen, verbilligt, wirkt er steigernd auf die Profitrate. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wegen der anderen Produktionsbedingungen oft h\u00f6here Profitraten mit den im Ausland angelegten Kapitalen erzielt werden, was auch die Profitraten im Inland r\u00fcckwirkend erh\u00f6hen kann. Zu guter letzt f\u00f6rdert der Au\u00dfenhandel die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise im Inland, erh\u00f6ht die Kapitalzusammensetzung und f\u00f6rdert die Kapitalakkumulation. Diese wiederum produziert auf der anderen Seite die \u00dcberproduktion in Bezug auf das Ausland, was im weiteren Verlauf auch zu entgegen gesetzten Wirkungen f\u00fchrt.<\/li>\n<li>Die Zunahme des Aktienkapitals.<br \/>\nDieser Punkt kann heute sicherlich nicht mehr als entgegenwirkende Ursache betrachtet werden, da man das Aktienkapital bei der Berechnung der Durchschnittsprofitrate nicht mehr ignorieren kann, wie dieses Mitte des 19. Jahrhunderts noch m\u00f6glich war.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Marx selbst fasst das Ganze wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Und so hat sich denn im allgemeinen gezeigt, da\u00df dieselben Ursachen, die das Fallen der allgemeinen Profitrate hervorbringen, Gegenwirkungen hervorrufen, die diesen Fall hemmen, verlangsamen und teilweise paralysieren. Sie heben das Gesetz nicht auf, schw\u00e4chen aber seine Wirkung ab. Ohne das w\u00e4re nicht das Fallen der allgemeinen Profitrate unbegreiflich, sondern umgekehrt die relative Langsamkeit dieses Falls. So wirkt das Gesetz nur als Tendenz, dessen Wirkung nur unter bestimmten Umst\u00e4nden und im Verlauf langer Perioden schlagend hervortritt.&#8220; [22]<\/p>\n<p>Um aber die Krisen im Allgemeinen aus dem kapitalistischen Charakter der Produktionsweise zu erkl\u00e4ren, ist es notwendig, die Widerspr\u00fcche, die durch das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate hervorgebracht werden, ebenso genauer zu betrachten, wie die Form, in der sich diese Widerspr\u00fcche bewegen.<\/p>\n<p>Marx selbst beschreibt die Entfaltung der inneren Widerspr\u00fcche des Gesetzes im Kapitel 15 des 3. Band des &#8222;Kapital&#8220;.<\/p>\n<h2>Entfaltung der inneren Widerspr\u00fcche des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate und Darstellung der kapitalistischen Krisen &#8211; Konflikt zwischen Ausdehnung der Produktion und Verwertung<\/h2>\n<p>Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise f\u00e4llt die Rate des Profits, w\u00e4hrend seine Masse mit der zunehmenden Masse des angewandten Kapitals steigt. Dies h\u00e4ngt mit der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte zusammen.<\/p>\n<p>In der kapitalistischen Produktion zeigt sich die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft doppelt:<\/p>\n<ul>\n<li>In der Gr\u00f6\u00dfe der schon produzierten Produktivkr\u00e4fte, dem Wert- und Massenumfang der Produktionsbedingungen, der absoluten Gr\u00f6\u00dfe des schon akkumulierten produktiven Kapitals.<\/li>\n<li>In der relativen Kleinheit der zur Reproduktion und Verwertung dieses Kapitals notwendigen angewandten lebendigen Arbeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch bei der durch das Kapital angewandten Arbeit zeigt sich die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte in zweifacher Weise:<\/p>\n<ul>\n<li>Durch die Vermehrung der Mehrarbeit und das Steigen der Mehrwertrate.<\/li>\n<li>Durch die Verringerung der Anzahl der Arbeiter im Verh\u00e4ltnis zum gegebenen Kapital.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies sind die verschiedenen Erscheinungen, worin sich dasselbe Gesetz ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p>Masse des Mehrwerts (M) = Mehrwertrate (m&#8216;) x Variables Kapital (v)<\/p>\n<p>Aber die Kompensation der Verringerung der Arbeiterzahl durch die Erh\u00f6hung der Mehrwertrate hat ihre nicht \u00fcberschreitbare Grenze durch die L\u00e4nge des Arbeitstages (z.\u00a0B. k\u00f6nnen 2 Arbeiter \u00e0\u00a012\u00a0Std. =\u00a024 Std. Mehrarbeit liefern, w\u00e4hrend 24 Arbeiter \u00e0\u00a02\u00a0Std. =\u00a048\u00a0Std. Mehrarbeit liefern).<\/p>\n<p>Unter Akkumulationsbedingungen stellt sich das Ganze so dar:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Profitrate kann Fallen, obwohl die Masse des Profits mit zunehmender Masse des angewandten Kapitals w\u00e4chst.<\/li>\n<li>Mit gegebener Profitrate h\u00e4ngt die absolute Masse, mit der das Kapital w\u00e4chst, von der vorhandenen Gr\u00f6\u00dfe des Kapitals ab.<\/li>\n<li>Aber bei gegebener Gr\u00f6\u00dfe des Kapitals ist die Rate des Wachstums des Kapitals abh\u00e4ngig von der Profitrate.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt direkte und indirekte Wirkungen auf die Vermehrung des vorhandenen Kapitalwerts durch die Entwicklung der Produktivkraft.<\/p>\n<p>Marx beschreibt dies wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Direkt kann die Steigerung der Produktivkraft (die au\u00dferdem, wie erw\u00e4hnt, stets mit Entwertung des vorhandnen Kapitals Hand in Hand geht) die Wertgr\u00f6\u00dfe des Kapitals nur vermehren, wenn sie durch Erh\u00f6hung der Profitrate den Wertteil des j\u00e4hrlichen Produkts vermehrt, der in Kapital r\u00fcckverwandelt wird. Soweit die Produktivkraft der Arbeit in Betracht kommt, kann dies nur geschehn (denn diese Produktivkraft hat direkt nichts zu tun mit dem Wert des vorhandnen Kapitals), soweit dadurch entweder der relative Mehrwert erh\u00f6ht oder der Wert des konstanten Kapitals vermindert wird, also die Waren verwohlfeilert werden, die entweder in die Reproduktion der Arbeitskraft oder in die Elemente des konstanten Kapitals eingehn&#8220;. [23]<\/p>\n<p>&#8222;Aber indirekt tr\u00e4gt die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit bei zur Vermehrung des vorhandnen Kapitalwerts, indem sie die Masse und Mannigfaltigkeit der Gebrauchswerte vermehrt, worin sich derselbe Tauschwert darstellt, und die das materielle Substrat, die sachlichen Elemente des Kapitals bilden, die stofflichen Gegenst\u00e4nde, woraus das konstante Kapital direkt und das variable wenigstens indirekt besteht. Mit demselben Kapital und derselben Arbeit werden mehr Dinge geschaffen, die in Kapital verwandelt werden k\u00f6nnen, abgesehn von ihrem Tauschwert. Dinge, die dazu dienen k\u00f6nnen, zus\u00e4tzliche Arbeit einzusaugen, also auch zus\u00e4tzliche Mehrarbeit, und so zus\u00e4tzliches Kapital zu bilden. Die Masse Arbeit, die das Kapital kommandieren kann, h\u00e4ngt nicht ab von seinem Wert, sondern von der Masse der Roh- und Hilfsstoffe, der Maschinerie und Elemente des fixen Kapitals, der Lebensmittel, woraus es zusammengesetzt ist, was immer deren Wert sei. Indem damit die Masse der angewandten Arbeit, also auch Mehrarbeit, w\u00e4chst, w\u00e4chst auch der Wert des reproduzierten Kapitals und der ihm neu zugesetzte Surpluswert&#8220;. [24]<\/p>\n<p>Aber diese im Akkumulationsprozess eingeschlossenen Momente laufen nicht konfliktfrei, nicht ohne Widerspruch ab, da die verschiedenen gegenl\u00e4ufigen Tendenzen gleichzeitig wirken.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Diese verschiednen Einfl\u00fcsse machen sich bald mehr nebeneinander im Raum, bald mehr nacheinander in der Zeit geltend; periodisch macht sich der Konflikt der widerstreitenden Agentien in Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame L\u00f6sungen der vorhandnen Widerspr\u00fcche, gewaltsame Eruptionen, die das gest\u00f6rte Gleichgewicht f\u00fcr den Augenblick wiederherstellen.&#8220; [25]<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich nun, wodurch und durch was diese allgemeinen Krisen der kapitalistischen Produktionsweise bedingt sind und warum sie im Allgemeinen immer wieder ausgel\u00f6st werden?<\/p>\n<h2>\u00dcberfluss an Kapital bei \u00dcberfluss an Bev\u00f6lkerung<\/h2>\n<p>Mit dem Fall der Profitrate w\u00e4chst das Kapitalminimum, das in der Hand des einzelnen Kapitalisten notwendig angewandt werden muss.<\/p>\n<p>Zum einen, weil der Kapitalist bei gesunkener Profitrate mehr Arbeiter ausbeuten muss, um selbst von der Mehrarbeit zu leben und sein Kapital noch vermehren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum anderen, weil bei entwickelter Produktivkraft erst ab einer bestimmten Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe eine Fabrik auch mit durchschnittlicher Produktivit\u00e4t arbeitet bzw. die durchschnittliche, gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit anwenden kann, was zu weiterer Konzentration des Kapitals f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die sich daraus ergebenden Bedingungen beschreibt Marx so:<\/p>\n<p>&#8222;Und gleichzeitig w\u00e4chst die Konzentration, weil jenseits gewisser Grenzen gro\u00dfes Kapital mit kleiner Profitrate rascher akkumuliert als kleines mit gro\u00dfer. Diese wachsende Konzentration f\u00fchrt ihrerseits wieder auf einer gewissen H\u00f6he einen neuen Fall der Profitrate herbei. Die Masse der kleinen zersplitterten Kapitale wird dadurch auf die Bahn der Abenteuer gedr\u00e4ngt: Spekulation, Kreditschwindel, Aktienschwindel, Krisen. Die sog. Plethora (\u00dcberfluss d. V.) des Kapitals bezieht sich immer wesentlich auf die Plethora von Kapital, f\u00fcr das der Fall der Profitrate nicht durch seine Masse aufgewogen wird &#8211; und dies sind immer die neu sich bildenden frischen Kapitalableger &#8211; oder auf die Plethora, welche diese, f\u00fcr sich selbst zur eignen Aktion unf\u00e4higen Kapitale den Leitern der gro\u00dfen Gesch\u00e4ftszweige in der Form des Kredits zur Verf\u00fcgung stellt. Diese Plethora des Kapitals erw\u00e4chst aus denselben Umst\u00e4nden, die eine relative \u00dcberbev\u00f6lkerung hervorrufen, und ist daher eine diese letztre erg\u00e4nzende Erscheinung, obgleich beide auf entgegengesetzten Polen stehn, unbesch\u00e4ftigtes Kapital auf der einen und unbesch\u00e4ftigte Arbeiterbev\u00f6lkerung auf der andren Seite.<\/p>\n<p>\u00dcberproduktion von Kapital, nicht von einzelnen Waren &#8211; obgleich die \u00dcberproduktion von Kapital stets \u00dcberproduktion von Waren einschlie\u00dft -, hei\u00dft daher weiter nichts als \u00dcberakkumulation von Kapital.&#8220; [26]<\/p>\n<p>Um zu verstehen was diese &#8222;\u00dcberakkumulation von Kapital&#8220; ist, setzt sie Marx absolut:<\/p>\n<p>&#8222;Es w\u00e4re eine absolute \u00dcberproduktion von Kapital vorhanden, sobald das zus\u00e4tzliche Kapital f\u00fcr den Zweck der kapitalistischen Produktion = 0. Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist aber Verwertung des Kapitals, d.\u00a0h. Aneignung von Mehrarbeit, Produktion von Mehrwert, von Profit. Sobald also das Kapital gewachsen w\u00e4re in einem Verh\u00e4ltnis zur Arbeiterbev\u00f6lkerung, da\u00df weder die absolute Arbeitszeit, die diese Bev\u00f6lkerung liefert, ausgedehnt, noch die relative Mehrarbeitszeit erweitert werden k\u00f6nnte (das letztre w\u00e4re ohnehin nicht tubar in einem Fall, wo die Nachfrage nach Arbeit so stark, also Tendenz zum Steigen der L\u00f6hne); wo also das gewachsene Kapital nur ebensoviel oder selbst weniger Mehrwertsmasse produziert als vor seinem Wachstum, so f\u00e4nde eine absolute \u00dcberproduktion von Kapital statt; d.\u00a0h., das gewachsene Kapital C + \u0394C produzierte nicht mehr Profit, oder gar weniger Profit, als das Kapital C vor seiner Vermehrung durch \u0394C.&#8220; [27]<\/p>\n<p>In der Wirklichkeit hei\u00dft das:<\/p>\n<p>Ein Teil des Kapitals liegt brach. Seine Verwertung ist erst nach Verdr\u00e4ngung der fungierenden Kapitale m\u00f6glich. Das andere (fungierende) Kapital verwertet sich zu niedrigerer Profitrate, wegen des Drucks des unbesch\u00e4ftigten Kapitals.<\/p>\n<p>Der Fall der Profitrate w\u00fcrde dabei nicht durch steigende Masse des Mehrwerts kompensiert. Diese Masse w\u00fcrde selbst fallen, da unter den vorhandenen Bedingungen weder die Anzahl der Arbeitskr\u00e4fte noch die Mehrwertrate gesteigert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die tats\u00e4chliche Entwertung der verschiedenen Kapitale findet nicht ohne Kampf statt. Die Profitrate sinkt dabei nicht wegen der Konkurrenz infolge der \u00dcberproduktion von Kapital, sondern umgekehrt, weil die gesunkene Profitrate und die \u00dcberproduktion von Kapital denselben Umst\u00e4nden entspringen, tritt der Konkurrenzkampf ein.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Eine Brachlegung von einem Teil des alten Kapitals m\u00fc\u00dfte unter allen Umst\u00e4nden stattfinden, eine Brachlegung in seiner Kapitaleigenschaft, soweit es als Kapital fungieren und sich verwerten soll. Welchen Teil diese Brachlegung besonders tr\u00e4fe, entschiede der Konkurrenzkampf. Solange alles gut geht, agiert die Konkurrenz, wie sich bei der Ausgleichung der allgemeinen Profitrate gezeigt, als praktische Br\u00fcderschaft der Kapitalistenklasse, so da\u00df sie sich gemeinschaftlich, im Verh\u00e4ltnis zur Gr\u00f6\u00dfe des von jedem eingesetzten Loses, in die gemeinschaftliche Beute teilt. Sobald es sich aber nicht mehr um Teilung des Profits handelt, sondern um Teilung des Verlustes, sucht jeder soviel wie m\u00f6glich sein Quantum an demselben zu verringern und dem andern auf den Hals zu schieben. Der Verlust ist unvermeidlich f\u00fcr die Klasse. Wie viel aber jeder einzelne davon zu tragen, wieweit er \u00fcberhaupt daran teilzunehmen hat, wird dann Frage der Macht und der List, und die Konkurrenz verwandelt sich dann in einen Kampf der feindlichen Br\u00fcder. Der Gegensatz zwischen dem Interesse jedes einzelnen Kapitalisten und dem der Kapitalistenklasse macht sich dann geltend, ebenso wie vorher die Identit\u00e4t dieser Interessen sich durch die Konkurrenz praktisch durchsetzte.&#8220; [28]<\/p>\n<p>Wie gleicht sich nun dieser Konflikt aus?<\/p>\n<p>Wie oben formuliert, kann sich das Gleichgewicht nur durch Brachlegung und teilweise Vernichtung von Kapital in gr\u00f6\u00dferem oder kleinerem Umfang wieder herstellen.<\/p>\n<p>Dies bezieht sich zum Teil auf Vernichtung des materiellen Kapitalbestandes bzw. der vorhandenen Kapitalsubstanz durch Stilllegung von Produktionsmitteln (sowohl fixes als auch zirkulierendes Kapital) oder gar durch Stilllegung ganzer Fabriken. Die Hauptwirkung hierbei w\u00e4re weniger die Kapitalvernichtung, sondern dass diese Produktionsmittel aufh\u00f6rten, als Produktionsmittel zu fungieren.<\/p>\n<p>Die Hauptzerst\u00f6rung von Kapital findet dagegen mit Bezug auf das Kapital statt, soweit es Werteigenschaft hat, also bei den Kapitalwerten.<\/p>\n<p>Marx beschreibt diesen Prozess der Zerst\u00f6rung von Kapital wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Die Hauptzerst\u00f6rung, und mit dem akutesten Charakter, f\u00e4nde statt mit Bezug auf das Kapital, soweit es Werteigenschaft besitzt, mit Bezug auf die Kapitalwerte. Der Teil des Kapitalwerts, der blo\u00df in der Form von Anweisungen auf k\u00fcnftige Anteile am Mehrwert, am Profit steht, in der Tat lauter Schuldscheine auf die Produktion unter verschiednen Formen, wird sofort entwertet mit dem Fall der Einnahmen, auf die er berechnet ist. Ein Teil des baren Goldes und Silbers (d.\u00a0h. Geld, d.\u00a0V.) liegt brach, fungiert nicht als Kapital. Ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren kann seinen Zirkulations- und Reproduktionsproze\u00df nur vollziehn durch ungeheure Kontraktion seiner Preise, also durch Entwertung des Kapitals, das er darstellt. Ebenso werden die Elemente des fixen Kapitals mehr oder minder entwertet. Es kommt hinzu, da\u00df bestimmte, vorausgesetzte Preisverh\u00e4ltnisse den Reproduktionsproze\u00df bedingen, dieser daher durch den allgemeinen Preisfall in Stockung und Verwirrung ger\u00e4t. Diese St\u00f6rung und Stockung paralysiert die mit der Entwicklung des Kapitals gleichzeitig gegebne, auf jenen vorausgesetzten Preisverh\u00e4ltnissen beruhende Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, unterbricht an hundert Stellen die Kette der Zahlungsobligationen an bestimmten Terminen, wird noch versch\u00e4rft durch das damit gegebne Zusammenbrechen des gleichzeitig mit dem Kapital entwickelten Kreditsystems und f\u00fchrt so zu heftigen akuten Krisen, pl\u00f6tzlichen gewaltsamen Entwertungen und wirklicher Stockung und St\u00f6rung des Reproduktionsprozesses und damit zu wirklicher Abnahme der Reproduktion.&#8220; [29]<\/p>\n<p>Gleichzeitig mit der Entwertung und Zerst\u00f6rung von Kapital finden aber gegenl\u00e4ufige Prozesse statt, die ein neues Gleichgewicht schaffen und den profitablen Reproduktionsprozess des Kapitals in einem neuen Zyklus vorbereiten:<\/p>\n<p>&#8222;Die Stockung der Produktion h\u00e4tte einen Teil der Arbeiterklasse brachgelegt und dadurch den besch\u00e4ftigten Teil in Verh\u00e4ltnisse gesetzt, worin er sich eine Senkung des Arbeitslohns, selbst unter den Durchschnitt, gefallen lassen m\u00fc\u00dfte; eine Operation, die f\u00fcr das Kapital ganz dieselbe Wirkung hat, als wenn beim Durchschnittslohn der relative oder absolute Mehrwert erh\u00f6ht worden w\u00e4re. (&#8230;)<\/p>\n<p>Der Preisfall und der Konkurrenzkampf h\u00e4tten andrerseits jedem Kapitalisten einen Stachel gegeben, den individuellen Wert seines Gesamtprodukts durch Anwendung neuer Maschinen, neuer verbesserter Arbeitsmethoden, neuer Kombinationen unter dessen allgemeinen Wert zu senken, d.\u00a0h. die Produktivkraft eines gegebnen Quantums Arbeit zu steigern, das Verh\u00e4ltnis des variablen Kapitals zum konstanten zu senken und damit Arbeiter freizusetzen, kurz eine k\u00fcnstliche \u00dcberbev\u00f6lkerung zu schaffen. Ferner w\u00fcrde die Entwertung der Elemente des konstanten Kapitals selbst ein Element sein, das Erh\u00f6hung der Profitrate einschl\u00f6sse. Die Masse des angewandten konstanten Kapitals, gegen das variable, w\u00e4re gewachsen, aber der Wert dieser Masse k\u00f6nnte gefallen sein. Die eingetretne Stockung der Produktion h\u00e4tte eine sp\u00e4tere Erweiterung der Produktion &#8211; innerhalb der kapitalistischen Grenzen &#8211; vorbereitet.<\/p>\n<p>Und so w\u00fcrde der Zirkel von neuem durchlaufen. Ein Teil des Kapitals, das durch Funktionsstockung entwertet war, w\u00fcrde seinen alten Wert wiedergewinnen. Im \u00fcbrigen w\u00fcrde mit erweiterten Produktionsbedingungen, mit einem erweiterten Markt und mit erh\u00f6hter Produktivkraft derselbe fehlerhafte Kreislauf wieder durchgemacht werden.&#8220; [30]<\/p>\n<p>Wie man sieht sind es die Besonderheiten und Widerspr\u00fcchlichkeiten des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst, und der darin liegende innere Widerspruch zwischen dem Zwang zur Steigerung der Produktivkr\u00e4fte einerseits und den beschr\u00e4nkten Methoden und dem Zweck des Kapitals &#8211; sich auf m\u00f6glichst h\u00f6chsten Niveau zu verwerten &#8211; andererseits, der sich immer wieder durch Krisen l\u00f6sen muss.<\/p>\n<p>Marx selbst fasst diesen allgemeinen, der kapitalistischen Produktion inne liegenden Widerspruch, wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>&#8222;Der Widerspruch, ganz allgemein ausgedr\u00fcckt, besteht darin, da\u00df die kapitalistische Produktionsweise eine Tendenz einschlie\u00dft nach absoluter Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, abgesehn vom Wert und dem in ihm eingeschlo\u00dfnen Mehrwert, auch abgesehn von den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen, innerhalb deren die kapitalistische Produktion stattfindet; w\u00e4hrend sie andrerseits die Erhaltung des existierenden Kapitalwerts und seine Verwertung im h\u00f6chsten Ma\u00df (d.\u00a0h. stets beschleunigten Anwachs dieses Werts) zum Ziel hat. Ihr spezifischer Charakter ist auf den vorhandnen Kapitalwert als Mittel zur gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Verwertung dieses Werts gerichtet. Die Methoden, wodurch sie dies erreicht, schlie\u00dfen ein: Abnahme der Profitrate, Entwertung des vorhandnen Kapitals und Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte der Arbeit auf Kosten der schon produzierten Produktivkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Die periodische Entwertung des vorhandnen Kapitals, die ein der kapitalistischen Produktionsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate aufzuhalten und die Akkumulation von Kapitalwert durch Bildung von Neukapital zu beschleunigen, st\u00f6rt die gegebnen Verh\u00e4ltnisse, worin sich der Zirkulations- und Reproduktionsproze\u00df des Kapitals vollzieht, und ist daher begleitet von pl\u00f6tzlichen Stockungen und Krisen des Produktionsprozesses.<\/p>\n<p>Die mit der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte Hand in Hand gehende relative Abnahme des variablen Kapitals gegen das konstante gibt dem Anwachs der Arbeiterbev\u00f6lkerung einen Stachel, w\u00e4hrend sie fortw\u00e4hrend k\u00fcnstliche \u00dcberv\u00f6lkerung schafft. Die Akkumulation des Kapitals, dem Wert nach betrachtet, wird verlangsamt durch die fallende Profitrate, um die Akkumulation des Gebrauchswerts noch zu beschleunigen, w\u00e4hrend diese wieder die Akkumulation, dem Wert nach, in beschleunigten Gang bringt.<\/p>\n<p>Die kapitalistische Produktion strebt best\u00e4ndig, diese ihr immanenten Schranken zu \u00fcberwinden, aber sie \u00fcberwindet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerm Ma\u00dfstab entgegenstellen.<\/p>\n<p>Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: da\u00df das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint; da\u00df die Produktion nur Produktion f\u00fcr das Kapital ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel blo\u00dfe Mittel f\u00fcr eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses f\u00fcr die Gesellschaft der Produzenten sind. Die Schranken, in denen sich die Erhaltung und Verwertung des Kapitalwerts, die auf der Enteignung und Verarmung der gro\u00dfen Masse der Produzenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher best\u00e4ndig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden mu\u00df und die auf unbeschr\u00e4nkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte der Arbeit lossteuern. Das Mittel &#8211; unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte &#8211; ger\u00e4t in fortw\u00e4hrenden Konflikt mit dem beschr\u00e4nkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der best\u00e4ndige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverh\u00e4ltnissen.&#8220; [31]<\/p>\n<p>Damit wird deutlich, dass eine Beseitigung der kapitalistischen Krisen nur nach Abschaffung der kapitalistischen Produktion selbst m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2>Darstellung der Krisen und ihrer Erscheinungen sowie der kapitalistischen Zyklen<\/h2>\n<p>Bei der Darstellung der allgemeinen Krise und der \u00dcberproduktion des Kapitals hat Marx den gesamten Mehrwert oder Profit einer Nation zusammengefasst, um den inneren Widerspruch der kapitalistischen Produktion rein darzustellen.<\/p>\n<p>An einer anderen Stelle formuliert er diesen Widerspruch und die damit verbundenen Krisen konkreter:<\/p>\n<p>&#8222;Denken wir uns die ganze Gesellschaft blo\u00df aus industriellen Kapitalisten und Lohnarbeitern zusammengesetzt. Sehn wir ferner ab von den Preiswechseln, die gro\u00dfe Portionen des Gesamtkapitals hindern, sich in ihren Durchschnittsverh\u00e4ltnissen zu ersetzen, und die, bei dem allgemeinen Zusammenhang des ganzen Reproduktionsprozesses, wie ihn namentlich der Kredit entwickelt, immer zeitweilige allgemeine Stockungen hervorbringen m\u00fcssen. Sehn wir ab ebenfalls von den Scheingesch\u00e4ften und spekulativen Ums\u00e4tzen, die das Kreditwesen f\u00f6rdert. Dann w\u00e4re eine Krise nur erkl\u00e4rlich aus Mi\u00dfverh\u00e4ltnis der Produktion in verschiednen Zweigen und aus einem Mi\u00dfverh\u00e4ltnis, worin der Konsum der Kapitalisten selbst zu ihrer Akkumulation st\u00e4nde. Wie aber die Dinge liegen, h\u00e4ngt der Ersatz der in der Produktion angelegten Kapitale gro\u00dfenteils ab von der Konsumtionsf\u00e4higkeit der nicht produktiven Klassen; w\u00e4hrend die Konsumtionsf\u00e4higkeit der Arbeiter teils durch die Gesetze des Arbeitslohns, teils dadurch beschr\u00e4nkt ist, da\u00df sie nur solange angewandt werden, als sie mit Profit f\u00fcr die Kapitalistenklasse angewandt werden k\u00f6nnen. Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschr\u00e4nkung der Massen gegen\u00fcber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkr\u00e4fte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsf\u00e4higkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.&#8220; [32]<\/p>\n<p>In der Realit\u00e4t k\u00f6nnen sich die industriellen Kapitalisten den gesamten Mehrwert der Gesellschaft nicht allein aneignen. Sie haben ihn mit anderen Kapitalfraktionen zu teilen, die bestimmte Kapitalfunktionen \u00fcbernehmen und als ihr besonderes Gesch\u00e4ft betreiben, wie das Handelskapital, das Bank\u001e oder zinstragende Kapital und das in Grundeigentum angelegte Kapital.<\/p>\n<p>So wie die Konkurrenz den Ausgleich der unterschiedlichen Profitraten der verschiedenen Produktionszweige zur allgemeinen Profitrate bewirkt, so bewirkt sie auch die Verteilung des produzierten Mehrwerts unter die verschiedenen Kapitalfraktionen.<\/p>\n<p>Damit ist aber auch klar, dass der jeweilige Anteil des gesamtgesellschaftlichen Mehrwerts, der auf die verschiedenen Vertreter der unterschiedlichen Kapitalfunktionen f\u00e4llt, variieren kann. So k\u00f6nnen die Profite einzelner Kapitalfraktionen auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit \u00fcberdurchschnittlich hoch sein, in dem sie auf Kosten der anderen Kapitalfraktionen leben, wenn es ihnen gelingt, sich zeitweise dem Ausgleichsprozess des Kapitals zu entziehen. Dies kann einerseits durch eine Monopolstellung der Produktionsbedingungen selbst (wie z.\u00a0B. beim Grundeigentum) oder auch durch sonstige \u00f6konomische und politische Sonderstellung (z.\u00a0B. durch Gesetzgebung) geschehen. Insgesamt k\u00f6nnen sie aber nie mehr unter sich verteilen, als an Mehrwert in der Gesellschaft produziert wurde.<\/p>\n<p>Diese Wahrnehmung der verschiedenen Kapitalfunktionen durch verschiedene Teile der Kapitalistenklasse ist nicht nur historisch bedingt, sondern wird immer wieder im Verlauf der kapitalistischen Produktion erneuert.<\/p>\n<p>Einerseits verbessert sie durch die besondere Spezialisierung und die \u00d6konomisierung des Kapitaleinsatzes die Effizienz der kapitalistischen Produktion, erh\u00f6ht aber andererseits auch die Komplexit\u00e4t und die Anarchie der gesellschaftlichen Produktion.<\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich kurz auf die Besonderheit des Leihkapitals bei entwickeltem Kreditsystem eingehen, da im Kapitalismus alles Kapital und alle Einkommen Geldform annehmen, und, soweit sie nach und nach verzehrt werden, mindestens f\u00fcr eine gewisse Zeit als Leihkapital zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Was wird hierbei unter Leihkapital verstanden?<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Um die vorliegende Frage auf engere Grenzen zur\u00fcckzuf\u00fchren: Staatseffekten wie Aktien und andere Wertpapiere aller Art sind Anlagesph\u00e4ren f\u00fcr verleihbares Kapital, f\u00fcr Kapital, das bestimmt ist, zinstragend zu werden. Sie sind Formen, es auszuleihen. Aber sie sind nicht selbst das Leihkapital, das in ihnen angelegt wird. Andrerseits, soweit der Kredit direkte Rolle im Reproduktionsproze\u00df spielt: Was der Industrielle oder Kaufmann braucht, wenn er Wechsel diskontiert haben oder eine Anleihe aufnehmen will, sind weder Aktien noch Staatspapiere. Was er braucht, ist Geld. Er versetzt oder verkauft also jene Wertpapiere, wenn er das Geld sich anders nicht beschaffen kann. Es ist die Akkumulation dieses Leihkapitals, von der wir hier zu handeln haben, und zwar speziell von der des leihbaren Geldkapitals. Es handelt sich hier nicht um Anleihen von H\u00e4usern, Maschinen oder andrem fixen Kapital. Es handelt sich auch nicht um die Vorsch\u00fcsse, die sich Industrielle und Kaufleute untereinander in Waren und innerhalb des Zirkels des Reproduktionsprozesses machen; obgleich wir auch diesen Punkt vorher noch n\u00e4her untersuchen m\u00fcssen; es handelt sich ausschlie\u00dflich um die Geldanleihen, die durch die Bankiers, als Vermittler, den Industriellen und Kaufleuten gemacht werden.&#8220; [33]<\/p>\n<p>Dieses Leihkapital hat eine gewisse Selbst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber dem Reproduktionsprozess des Kapitals.<\/p>\n<p>Im Verlauf des konjunkturellen Zyklus verl\u00e4uft die Bewegung des Leihkapitals sogar in umgekehrter Richtung wie die Bewegung des industriellen Kapitals. Aber auch die Akkumulation dieses Leihkapitals koppelt sich mit Entwicklung der kapitalistischen Produktion von der Akkumulation des produktiven und Warenkapitals ab.<\/p>\n<p>Marx beschreibt diesen Prozess wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Die Akkumulation aller Geld verleihenden Kapitalisten geschieht selbstredend stets unmittelbar in der Geldform, w\u00e4hrend wir gesehn haben, da\u00df die wirkliche Akkumulation der industriellen Kapitalisten in der Regel durch Vermehrung der Elemente des reproduktiven Kapitals selbst sich vollzieht. Die Entwicklung des Kreditwesens und die ungeheure Konzentration des Geld verleihenden Gesch\u00e4fts in den H\u00e4nden gro\u00dfer Banken mu\u00df also an und f\u00fcr sich schon die Akkumulation des leihbaren Kapitals beschleunigen als eine von der wirklichen Akkumulation verschiedne Form. Diese rasche Entwicklung des Leihkapitals ist daher ein Resultat der wirklichen Akkumulation, denn sie ist die Folge der Entwicklung des Reproduktionsprozesses, und der Profit, der die Akkumulationsquelle dieser Geldkapitalisten bildet, ist nur ein Abzug von dem Mehrwert, den die Reproduktiven herausschlagen (zugleich Aneignung eines Teils des Zinses von fremden Ersparungen). Das Leihkapital akkumuliert auf Kosten zugleich der Industriellen und Kommerziellen. Wir haben gesehn, wie in den ung\u00fcnstigen Phasen des industriellen Zyklus der Zinsfu\u00df so hoch steigen kann, da\u00df er f\u00fcr einzelne, besonders nachteilig gestellte Gesch\u00e4ftszweige den Profit zeitweilig ganz verschlingt. Gleichzeitig fallen die Preise der Staatseffekten und andren Wertpapiere. Dies ist der Moment, wo die Geldkapitalisten diese entwerteten Papiere massenhaft aufkaufen, die in den sp\u00e4tern Phasen bald wieder auf und \u00fcber ihre normale H\u00f6he steigen. Dann werden sie losgeschlagen und so ein Teil des Geldkapitals des Publikums angeeignet. Der Teil, der nicht losgeschlagen wird, wirft h\u00f6here Zinsen ab, weil unter dem Preis gekauft. Allen Profit aber, den die Geldkapitalisten machen und den sie in Kapital r\u00fcckverwandeln, verwandeln sie zun\u00e4chst in leihbares Geldkapital. Die Akkumulation des letzteren, als unterschieden von der wirklichen Akkumulation, obgleich deren Spr\u00f6\u00dfling, folgt also schon, wenn wir nur die Geldkapitalisten, Bankiers etc. selbst betrachten, als Akkumulation dieser besonderen Klasse von Kapitalisten. Und sie mu\u00df wachsen mit jeder Ausdehnung des Kreditwesens, wie es die wirkliche Erweiterung des Reproduktionsprozesses begleitet.&#8220; [34]<\/p>\n<p>Weiter weist Marx darauf hin, dass &#8222;in L\u00e4ndern von entwickeltem Kredit wir annehmen (k\u00f6nnen), da\u00df alles zur Verleihung disponible Geldkapital in der Form von Depositen bei Banken und Geldverleihern existiert.&#8220; [35]<\/p>\n<p>Und er sagt weiter:<\/p>\n<p>&#8222;Mit dem Wachstum des stofflichen Reichtums w\u00e4chst die Klasse der Geldkapitalisten; es vermehrt sich einerseits die Zahl und der Reichtum der sich zur\u00fcckziehenden Kapitalisten, der Rentiers; und zweitens wird die Entwicklung des Kreditsystems gef\u00f6rdert und damit die Zahl der Bankiers, Geldverleiher, Finanziers etc. vermehrt. &#8211; Mit der Entwicklung des disponiblen Geldkapitals entwickelt sich die Masse der zinstragenden Papiere, Staatspapiere, Aktien etc., wie fr\u00fcher entwickelt. Aber damit zugleich die Nachfrage nach disponiblem Geldkapital, indem die Jobbers, die in diesen Papieren Spekulationsgesch\u00e4fte machen, eine Hauptrolle im Geldmarkt spielen.&#8220; [36]<\/p>\n<p>Mit ihrer besonderen Rolle und der damit verbundenen Machtstellung ist es dieser Klasse von Geldkapitalisten unter bestimmten Voraussetzungen auch m\u00f6glich, sich nicht nur einen gr\u00f6\u00dferen Teil des Mehrwerts, sondern sogar Profit aus geborgtem fremdem Kapital anzueignen.<\/p>\n<p>Marx sagt:<\/p>\n<p>&#8222;Die M\u00f6glichkeit l\u00e4nger dauernden hohen Zinsfu\u00dfes &#8211; wir sprechen hier nicht von der Phase der eigentlichen Klemme &#8211; ist gegeben mit hoher Rate des Profits. Es ist aber m\u00f6glich, da\u00df diese hohe Profitrate, nach Abzug der hohen Zinsrate, nur eine niedrige Rate des Unternehmergewinns \u00fcbrigl\u00e4\u00dft. Diese letztere mag einschrumpfen, w\u00e4hrend die hohe Profitrate fortdauert. Es ist dies m\u00f6glich, weil die einmal in Angriff genommenen Unternehmungen fortgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. In dieser Phase wird stark mit blo\u00dfem Kreditkapital (fremdem Kapital) gearbeitet; und die hohe Profitrate kann stellenweise spekulativ, prospektiv sein. Hohe Zinsrate kann gezahlt werden mit hoher Profitrate, aber abnehmendem Unternehmergewinn. Sie kann gezahlt werden &#8211; und dies ist z.\u00a0T. der Fall in Zeiten der Spekulation &#8211; nicht aus dem Profit, sondern aus dem geborgten fremden Kapital selbst, und dies kann eine Zeitlang fortdauern.&#8220; [37]<\/p>\n<p>Diese besondere Akkumulation des Leihkapitals f\u00fchrt nicht nur zur Bildung der Klasse der Geldkapitalisten, sondern sie ist auch ein eigenst\u00e4ndiges Moment in den kapitalistischen Krisen:<\/p>\n<p>Marx f\u00fchrt dazu aus:<\/p>\n<p>&#8222;Die Akkumulation des Leihkapitals besteht einfach darin, da\u00df Geld sich als verleihbares Geld niederschl\u00e4gt. Dieser Proze\u00df ist sehr verschieden von der wirklichen Verwandlung in Kapital; es ist nur die Akkumulation von Geld in einer Form, worin es in Kapital verwandelt werden kann. Diese Akkumulation kann aber, wie nachgewiesen, Momente ausdr\u00fccken, die von der wirklichen Akkumulation sehr verschieden sind. Bei best\u00e4ndiger Erweiterung der wirklichen Akkumulation kann diese erweiterte Akkumulation von Geldkapital teils ihr Resultat sein, teils das Resultat von Momenten, die sie begleiten, aber ganz von ihr verschieden sind, teils endlich auch das Resultat sogar von Stockungen der wirklichen Akkumulation. Schon weil die Akkumulation von Leihkapital angeschwellt wird durch solche, von der wirklichen Akkumulation unabh\u00e4ngige, aber dennoch sie begleitende Momente, mu\u00df in bestimmten Phasen des Zyklus best\u00e4ndig Plethora von Geldkapital stattfinden und diese Plethora mit der Ausbildung des Kredits sich entwickeln. Mit ihr mu\u00df sich also zugleich die Notwendigkeit entwickeln, den Produktionsproze\u00df \u00fcber seine kapitalistischen Schranken hinauszutreiben: \u00dcberhandel, \u00dcberproduktion, \u00dcberkredit. Gleichzeitig mu\u00df dies stets in Formen geschehn, die einen R\u00fcckschlag hervorrufen.&#8220; [38]<\/p>\n<p>Mit der entwickelten kapitalistischen Produktion und dem vollst\u00e4ndig herausgebildeten Kreditsystem vollzieht sich die Kapitalproduktion also in immer wiederkehrenden krisenhaften Zyklen.<\/p>\n<p>Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Die n\u00e4chste Krise kommt bestimmt.<\/p>\n<p>Damit wei\u00df man also, dass am Ende eines industriellen Zyklus die n\u00e4chste Krise mit absoluter Sicherheit wieder ausbrechen wird, aber man wei\u00df nicht genau wann. Zwar wird in der Regel die L\u00e4nge des jeweiligen Konjunkturzyklus durch die zyklische Erneuerung der Produktionsmittel, insbesondere des fixen Kapitals, bestimmt, aber meist ist der konkrete Ausbruch dann doch \u00fcberraschend, weil er sich nicht vorher ank\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die konkrete, vorherige Bestimmung des Beginns, des Verlaufs und der Tiefe der n\u00e4chsten, konkreten Krise ist entsprechend schwierig, da nicht von vorne herein klar ist, wann genau der Reproduktionsprozess des Kapitals massenhaft unterbrochen wird, wann bestimmte Zahlungsverpflichtungen nicht mehr eingehalten werden k\u00f6nnen und wie gro\u00df zu dem konkreten Zeitpunkt die \u00dcberproduktion von Kapital ist bzw. sein wird, damit es zum Krach kommt, bzw. wann genug Kapital vernichtet ist, damit ein neuer Aufschwung beginnen kann.<\/p>\n<p>Marx sagt, nachdem er den kommerziellen Kredit, der den Reproduktionsprozess des Kapitals beschleunigt, im Verlaufe des industriellen Zyklus analysiert hat:<\/p>\n<p>&#8222;Es kommt aber nun zu diesem kommerziellen Kredit der eigentliche Geldkredit hinzu. Das Vorschie\u00dfen der Industriellen und Kaufleute untereinander verquickt sich mit dem Vorschie\u00dfen des Geldes an sie seitens der Bankiers und Geldverleiher. Beim Diskontieren der Wechsel ist der Vorschu\u00df nur nominell. Ein Fabrikant verkauft sein Produkt gegen Wechsel und diskontiert diesen Wechsel bei einem bill-broker. In der Tat schie\u00dft dieser nur den Kredit seines Bankiers vor, der ihm wieder das Geldkapital seiner Depositoren vorschie\u00dft, die gebildet werden von den Industriellen und Kaufleuten selbst, aber auch von Arbeitern (vermittelst Sparbanken), von Grundrentnern und den sonstigen unproduktiven Klassen. So wird f\u00fcr jeden individuellen Fabrikanten oder Kaufmann sowohl die Notwendigkeit eines starken Reservekapitals umgangen, wie die Abh\u00e4ngigkeit von den wirklichen R\u00fcckfl\u00fcssen. Andrerseits aber kompliziert sich teils durch einfache Wechselreiterei, teils durch Warengesch\u00e4fte zum Zweck der blo\u00dfen Wechselfabrikation der ganze Proze\u00df so sehr, da\u00df der Schein eines sehr soliden Gesch\u00e4fts und flotter R\u00fcckfl\u00fcsse noch ruhig fortexistieren kann, nachdem die R\u00fcckfl\u00fcsse in der Tat schon l\u00e4ngst nur noch auf Kosten teils geprellter Geldverleiher, teils geprellter Produzenten gemacht worden sind. Daher scheint immer das Gesch\u00e4ft fast \u00fcbertrieben gesund gerade unmittelbar vor dem Krach. (&#8230;) Das Gesch\u00e4ft ist immer kerngesund und die Kampagne im gedeihlichsten Fortgang, bis auf einmal der Zusammenbruch erfolgt.&#8220; [39]<\/p>\n<p>Beendet wird die Krise nur durch Kapitalvernichtung in bestimmtem Umfang. Wie gro\u00df dieser Umfang sein wird ist zu Beginn der Krise unklar. Wer, wie viel Kapital dabei verliert entscheidet die Konkurrenz unter den Kapitalisten, wie bereits oben ausgef\u00fchrt. Die Verl\u00e4ufe der Krisen zeigen daher, jeweils abh\u00e4ngig von den konkreten Bedingungen und den \u00f6konomischen und politischen Entscheidungen der handelnden Personen, unterschiedliche Tiefen und L\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Daher stellt die Marx&#8217;sche Analyse der kapitalistischen Krisen nur das Handwerkszeug zur Verf\u00fcgung. Sie liefert keine Erkl\u00e4rung der heutigen Weltwirtschaftskrise. Sie hilft aber, Fehler bei der notwendigen Analyse dieser Krise zu vermeiden. Die reale Krise kann nur aus der realen Bewegung der aktuellen Konkurrenz- und Kreditverh\u00e4ltnisse erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Dabei ist u.\u00a0a. die Entwicklung der Verh\u00e4ltnisse von Lohn- zu Gewinnquote, von Produktions- zu Konsumtionsmittelindustrie und von Industrie- zu Finanzkapital zu untersuchen. Aber auch die Rolle des Au\u00dfenhandels, sowie der Finanz-, Geld- und Wirtschaftspolitik, und die Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber fr\u00fcher sind zu bewerten. Au\u00dferdem m\u00fcssen die Rolle des Staates und die Ver\u00e4nderungen durch die Herausbildung des heutigen Sozialstaats untersucht werden. Letztendlich sind die Ver\u00e4nderungen in der kapitalistischen \u00d6konomie selbst, wie Unternehmensformen, W\u00e4hrungssysteme und die Eingriffsm\u00f6glichkeiten der staatlichen Politik, auch wegen der Erfahrungen aus fr\u00fcheren Krisen, zu ber\u00fccksichtigen. Diese konkreten Untersuchungen m\u00fcssen immer wieder geleistet werden, nicht nur weil jede Krise unterschiedlich verl\u00e4uft, sondern auch weil viele dieser Ver\u00e4nderungen Marx noch nicht bekannt waren. Viele dieser Untersuchungen liegen heute schon vor und sind nur entsprechend zu bewerten. Also: Packen wir es an, auch wenn dies leichter gesagt als getan ist.<\/p>\n<p>Dass aber viele Erscheinungen der aktuellen Krise nicht neu sind, wird deutlich, wenn man die geraffte Beschreibung der Weltwirtschaftskrisen in der Mitte des 19. Jahrhunderts liest, die Marx im 3. Band des Kapitals gibt. Viele der dort beschriebenen Erscheinungen konnten und k\u00f6nnen wir zurzeit wieder beobachten.<\/p>\n<p>Zur Illustration daher zum Abschluss noch zwei Zitate:<\/p>\n<p>&#8222;In einem Produktionssystem, wo der ganze Zusammenhang des Reproduktionsprozesses auf dem Kredit beruht, wenn da der Kredit pl\u00f6tzlich aufh\u00f6rt und nur noch bare Zahlung gilt, mu\u00df augenscheinlich eine Krise eintreten, ein gewaltsamer Andrang nach Zahlungsmitteln. Auf den ersten Blick stellt sich daher die ganze Krise nur als Kreditkrise und Geldkrise dar. Und in der Tat handelt es sich nur um die Konvertibilit\u00e4t der Wechsel in Geld. Aber diese Wechsel repr\u00e4sentieren der Mehrzahl nach wirkliche K\u00e4ufe und Verk\u00e4ufe, deren das gesellschaftliche Bed\u00fcrfnis weit \u00fcberschreitende Ausdehnung schlie\u00dflich der ganzen Krisis zugrunde liegt. Daneben aber stellt auch eine ungeheure Masse dieser Wechsel blo\u00dfe Schwindelgesch\u00e4fte vor, die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital getriebne, aber verungl\u00fcckte Spekulationen; endlich Warenkapitale, die entwertet oder gar unverk\u00e4uflich sind, oder R\u00fcckfl\u00fcsse, die nie mehr einkommen k\u00f6nnen. Das ganze k\u00fcnstliche System gewaltsamer Ausdehnung des Reproduktionsprozesses kann nat\u00fcrlich nicht dadurch kuriert werden, da\u00df nun etwa eine Bank, z. B. die Bank von England, in ihrem Papier allen Schwindlern das fehlende Kapital gibt und die s\u00e4mtlichen entwerteten Waren zu ihren alten Nominalwerten kauft.&#8220; [40]<\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p>&#8222;Aus dem Gesagten ergibt sich, da\u00df das Warenkapital seine Eigenschaft, potentielles Geldkapital darzustellen, in der Krise und \u00fcberhaupt in Gesch\u00e4ftsstockungen in gro\u00dfem Ma\u00df verliert. Dasselbe gilt von dem fiktiven Kapital, den zinstragenden Papieren, soweit diese selbst als Geldkapitale auf der B\u00f6rse zirkulieren. Mit dem steigenden Zins f\u00e4llt ihr Preis. Er f\u00e4llt ferner durch den allgemeinen Kreditmangel, der ihre Eigner zwingt, sie massenweis auf dem Markt loszuschlagen, um sich Geld zu verschaffen. Er f\u00e4llt endlich bei Aktien, teils infolge der Abnahme der Revenuen, worauf sie Anweisungen sind, teils infolge des Schwindelcharakters der Unternehmungen, die sie oft genug repr\u00e4sentieren. Dies fiktive Geldkapital ist in Krisen enorm vermindert und damit die Macht seiner Eigner, Geld darauf im Markt aufzunehmen. Die Verminderung der Geldnamen dieser Wertpapiere im Kurszettel hat jedoch nichts zu tun mit dem wirklichen Kapital, das sie vorstellen, dagegen sehr viel mit der Zahlungsf\u00e4higkeit seiner Eigner.&#8220; [41]<\/p>\n<h2>Anmerkungen<\/h2>\n<ol start=\"1\" type=\"1\">\n<li>Marx: Das Kapital: I. Band: Der Produktionsproze\u00df des Kapitals, S. 120. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 205 (vgl. MEW Bd. 23, S. 127 &#8211; 128).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: I. Band: Der Produktionsproze\u00df des Kapitals, S. 154. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 239 (vgl. MEW Bd. 23, S. 151 &#8211; 152).<\/li>\n<li>Alle Unterstreichungen in Zitaten sind Hervorhebungen im Original.<\/li>\n<li>Marx: Theorien \u00fcber den Mehrwert, MEW Bd. 26.2, S. 502.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 510.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 512 &#8211; 513.<\/li>\n<li>Marx: ebenda.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 513.<\/li>\n<li>Marx: ebenda.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 514.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 513 &#8211; 514.<\/li>\n<li>Marx: ebenda, S. 513.<\/li>\n<li>Marx: ebenda.<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: I. Band: Der Produktionsproze\u00df des Kapitals, S. 84. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 949 (vgl. MEW Bd. 23, S. 647).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: I. Band: Der Produktionsproze\u00df des Kapitals, S. 88. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 952 &#8211; 953 (vgl. MEW Bd. 23, S. 649),<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 95. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3087 (vgl. MEW Bd. 25, S. 269).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 4. Di-gitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 2996 (vgl. MEW Bd. 25, S. 223).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 14. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3006 (vgl. MEW Bd. 25, S. 228).<\/li>\n<li>Marx: ebenda.<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 16. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3008 (vgl. MEW Bd. 25, S. 229).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 24. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3016 (vgl. MEW Bd. 25, S. 232 &#8211; 233).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 54. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3046 (vgl. MEW Bd. 25, S. 249).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 72 &#8211; 73. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3064 &#8211; 3065 (vgl. MEW Bd. 25, S. 258).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 74. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3066 (vgl. MEW Bd. 25, S. 258 &#8211; 259).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 75. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3067 (vgl. MEW Bd. 25, S. 259).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 78 &#8211; 79. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3070 &#8211; 3071 (vgl. MEW Bd. 25, S. 261).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 79 &#8211; 80. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3071 &#8211; 3072 (vgl. MEW Bd. 25, S. 261 &#8211; 262).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 82 &#8211; 83. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3074 &#8211; 3075 (vgl. MEW Bd. 25, S. 263).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 85 &#8211; 86. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3077 &#8211; 3078 (vgl. MEW Bd. 25, S. 264 &#8211; 265).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 87. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3079 (vgl. MEW Bd. 25, S. 265).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 75 &#8211; 77. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3067 &#8211; 3069 (vgl. MEW Bd. 25, S. 259 &#8211; 260).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 273 ff. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3503 (vgl. MEW Bd. 25, S. 500 ff.).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 263. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3493 (vgl. MEW Bd. 25, S. 495 &#8211; 496).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 308 &#8211; 309. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3538 &#8211; 3539 (vgl. MEW Bd. 25, S. 519).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 303. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3533 (vgl. MEW Bd. 25, S. 516).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 322. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3552 (vgl. MEW Bd. 25, S. 527).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 325 &#8211; 326. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3555 &#8211; 3556 (vgl. MEW Bd. 25, S. 528 &#8211; 529).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 317 &#8211; 318. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3547 &#8211; 3548 (vgl. MEW Bd. 25, S. 523 &#8211; 524).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 274 &#8211; 275. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3504 &#8211; 3505 (vgl. MEW Bd. 25, S. 501 &#8211; 502).<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: MEW Bd. 25, S. 507.<\/li>\n<li>Marx: Das Kapital: III. Band: Der Gesamtproze\u00df der kapitalistischen Produktion, S. 291. Digitale Bibliothek Spektrum Band 4: Marx: Das Kapital, S. 3521 (vgl. MEW Bd. 25, S. 510).<\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Letzte \u00c4nderung: 21.03.2016 <\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Erwin Maurer Vorwort Die aktuelle Finanz- und Weltmarktkrise, ihr Verlauf seit 2007 und das lange Leugnen vieler &#8222;Experten&#8220;, dass die Krise des Finanzmarktes auch die reale Wirtschaft erfasst hat, waren der Anlass, mich erneut mit den Ausf\u00fchrungen von Marx zu Formen und Inhalten der kapitalistischen Krisen zu besch\u00e4ftigen. 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