{"id":366,"date":"2016-09-13T08:05:05","date_gmt":"2016-09-13T06:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366"},"modified":"2022-08-05T09:40:37","modified_gmt":"2022-08-05T07:40:37","slug":"vorbemerkung-von-alfred-schroeder-zur-neuveroeffentlichung-2002","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366","title":{"rendered":"Vorbemerkung von Alfred Schr\u00f6der zur Neuver\u00f6ffentlichung (2002 und 2022)"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Als wir diesen Aufsatz im Jahr 2002 auf der Internetseite der Kommunistischen Debatte erneut ver\u00f6ffentlichten, versahen wir ihn mit nachfolgender kurzer Vorbemerkung zur Entstehungsgeschichte des Textes und seiner &#8211; unserer Auffassung nach \u2013 bereits damals vorhandenen Aktualit\u00e4t f\u00fcr die Auseinandersetzung innerhalb der Linken. Hier der Text der Vorbemerkung von 2002:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Die hier ver\u00f6ffentlichte Arbeit stammt aus den Jahren 1986 bis 1987. Sie wurde zuerst in den\u00a0<\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Aufs\u00e4tzen zur Diskussion<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0(AzD) Nr. 39 \u201eKapital und Monopol\u201c ver\u00f6ffentlicht. In der Vorbemerkung dieser AzD-Ausgabe verweist die Redaktion darauf, dass die dort ver\u00f6ffentlichten Artikel \u201eim Rahmen der Pol-\u00d6k-AG der AzD-Redaktion entstanden\u201c sind. Diese Arbeitsgruppe setzte sich kritisch mit der Leninschen Imperialismustheorie und der sogenannten \u201eStamokap-Theorie\u201c auseinander.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die neuerliche Ver\u00f6ffentlichung dieser Arbeit auf dieser Internetseite hat ihren aktuellen Anlass in der Wende der amerikanischen Au\u00dfenpolitik zu einer hegemonialen Kriegspolitik. In der Debatte zum Verst\u00e4ndnis der Grundlagen dieser amerikanischen Politik stellten und stellen sich eine Reihe von Fragen: Leben wir noch im \u201eZeitalter des Imperialismus\u201c? Ist die amerikanische Au\u00dfenpolitik \u201eimperialistisch\u201c? Ist die deutsche Au\u00dfenpolitik \u201eimperialistisch\u201c? Was ist unter \u201eimperialistischer Politik\u201c zu verstehen?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Da der Begriff \u201eImperialismus\u201c in der deutschen Linken inflation\u00e4r gebraucht wird und sein konkreter Inhalt dadurch beliebig wird, gewinnt die hier erneut ver\u00f6ffentlichte Arbeit Aktualit\u00e4t. Winter setzt sich mit zwei Grundthesen der\u00a0<\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Leninschen Imperialismustheorie<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0auseinander: dem \u201eMonopol\u201c als der \u201etiefste(n) \u00f6konomische(n) Grundlage des Imperialismus\u201c (Lenin) und dem Begriff des \u201eFinanzkapital\u201c. Da Lenin selbst den Imperialismus als \u201edas monopolistische Stadium des Kapitalismus\u201c definiert, steht und f\u00e4llt seine Imperialismustheorie letztlich mit der Monopoltheorie. Hier gibt die Arbeit Winters reichhaltiges Material, um die Richtigkeit oder Fehlerhaftigkeit der Leninschen Theorie zu \u00fcberpr\u00fcfen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712; font-size: 18pt;\"><b>Soweit die Vorbemerkung von 2002<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir haben uns aus zwei Gr\u00fcnden entschlossen, den Text erneut auf der Seite der Kommunistischen Debatte zu ver\u00f6ffentlichen. Zum ersten wies der Text von 2002 einige technische M\u00e4ngel auf; einzelne Teile fehlten und die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Nachpr\u00fcfung so wesentlichen Fu\u00dfnoten waren nicht mehr aufrufbar. Beide M\u00e4ngel sollten nun behoben sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der zweite Grund ist theoretisch-politischer Art. Der Ukraine-Krieg hat die Frage der Bedeutung der Leninschen Imperialismustheorie erneut in das Zentrum der Auseinandersetzung in den \u00dcberresten des linken politischen Spektrums ger\u00fcckt. Auf Lenins Schrift berufen sich sowohl die Kritiker der russischen Intervention in der Ukraine als auch der Fl\u00fcgel der russischen Kriegsunterst\u00fctzer. F\u00fcr die einen belegt die Schrift, dass die von den USA gef\u00fchrte NATO als imperialistisches Milit\u00e4rb\u00fcndnis per se einen ungerechten \u2013 weil imperialistischen Krieg \u2013 f\u00fchrt, der in der Ukraine einen Vorposten gegen Russland etablieren soll. Nur ist dies &#8211; <\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>ganz ohne die Leninsche Imperialismustheorie &#8211;<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\"> aus der bisherigen Politik und dem milit\u00e4rischen Handeln der USA zu belegen. Dieser wohlbekannten US-Gro\u00dfmachtpolitik unbedingt eine rein \u00f6konomische Grundlage zu unterstellen, ist eine Degradierung des Marxismus auf eine mechanisch-materialistische Geschichtsauffassung und Politik.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr die anderen ist das unterstellte Fehlen einiger der \u201ef\u00fcnf heiligen\u201c Leninschen Imperialismuskriterien in Russland (Kapitalexport, Verschmelzung von Bank und Industriekapital etc.) Beleg genug, Russland vom Vorwurf eines imperialistischen Krieges freizusprechen und seinen Krieg gegen die Ukraine zu unterst\u00fctzen. Und dies, obwohl der russische Pr\u00e4sident diesen Krieg genau mit den chauvinistischen gro\u00dfrussischen Anspr\u00fcchen des Romanow-Zarismus begr\u00fcndet hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieser politische \u201eMissbrauch\u201c der Leninschen Schrift produziert umso absurdere Schlussfolgerungen, je weniger sich die Autoren mit den von Lenin selbst angef\u00fchrten \u00f6konomischen und theoretischen Grundlagen seiner Schrift besch\u00e4ftigt haben. Weil der Aufsatz von Klaus Winter genau dies aber \u2013 die Auseinandersetzung mit den Quellen und Ver\u00f6ffentlichungen, auf die Lenin sich beruft &#8211; in das Zentrum seiner Arbeit \u201e<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><b>Monopolkapitalismus und Finanzkapital\u201c <\/b><\/span><span style=\"font-size: medium;\">gestellt hat, ist die dort entwickelte Kritik an Lenins \u00f6konomischer Imperialismusanalyse weiterhin hoch aktuell.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: medium;\">Winter schlussfolgert aus seiner Analyse:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Nimmt man deren Werke\u201c (die von Lenin angef\u00fchrten wesentlichen b\u00fcrgerlichen Quellen zum Thema, A.S.) \u201ein ihrem ganzen Umfang und in ihrem eigenen Zusammenhang zur Kenntnis, so muss man feststellen, dass sie der Theorie eines neuen monopolistischen Stadiums grunds\u00e4tzlich widersprechen, vielmehr eine empirische St\u00fctze f\u00fcr die Richtigkeit des Marxschen \u201aKapitals\u2018 darstellen, von dessen Boden aus sie durchaus nachvollziehbar und begreifbar sind.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zu einem \u00e4hnlichen Befund f\u00fchrt die Lekt\u00fcre der \u201adeutschen Kreditbank\u2018 von Schulze-G\u00e4vernitz, von dem Lenin weniger die Darstellung des Kreditwesens selbst, als vielmehr die mit Hilferdings Theorie \u00fcbereinstimmende Interpretation der Bankenkonzentration \u00fcbernimmt, wie auch die Lekt\u00fcre von Lysis, dessen \u201aFinanzoligarchie\u2018 in Wirklichkeit nicht Ausdruck der von Lenin behaupteten \u201aVerschmelzung\u2018 von Banken und Industrie ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Leninsche Theorie des Monopolkapitalismus ist nicht nur mit der Marxschen \u00f6konomischen Theorie nicht vereinbar, ihr liegt auch keine hinreichende Untersuchung der Realit\u00e4t zugrunde.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"color: #352712;\"><span style=\"font-size: medium;\">Alfred Schr\u00f6der<br \/>\nAugust 2022<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die AzD kann <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=851\">hier<\/a> bestellt werden. Einzelne Nummern der \u00e4lteren Ausgaben sind allerdings vergriffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=363\">Zum Inhalt<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"right\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir diesen Aufsatz im Jahr 2002 auf der Internetseite der Kommunistischen Debatte erneut ver\u00f6ffentlichten, versahen wir ihn mit nachfolgender kurzer Vorbemerkung zur Entstehungsgeschichte des Textes und seiner &#8211; unserer Auffassung nach \u2013 bereits damals vorhandenen Aktualit\u00e4t f\u00fcr die Auseinandersetzung innerhalb der Linken. Hier der Text der Vorbemerkung von 2002: \u201eDie hier ver\u00f6ffentlichte Arbeit stammt &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vorbemerkung von Alfred Schr\u00f6der zur Neuver\u00f6ffentlichung (2002 und 2022)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-366","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=366"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2427,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/366\/revisions\/2427"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}