{"id":3270,"date":"2026-05-08T17:57:03","date_gmt":"2026-05-08T15:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3270"},"modified":"2026-05-08T17:57:46","modified_gmt":"2026-05-08T15:57:46","slug":"50-jahre-theoretischer-kampf-zur-azd-nr-100","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3270","title":{"rendered":"50 Jahre theoretischer Kampf \u2013 zur AzD-Nr. 100"},"content":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit und Alfred Schr\u00f6der<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 50 Jahren formierte sich in Gelsenkirchen ein Kreis revolution\u00e4rer Marxisten bzw. Kommunisten, der zur Keimzelle einer Gruppierung wurde, die drei Jahre sp\u00e4ter damit begann, die \u201eAufs\u00e4tze zur Diskussion\u201c herauszugeben, deren hundertste Ausgabe jetzt vorliegt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hintergrund war der beginnende Zerfall der westdeutschen ml-Bewegung, die ihrerseits aus der Jugend- und Studentenbewegung hervorgegangen war. F\u00fcr die MLer als <em>revolution\u00e4re <\/em>Bewegung war die DKP mit ihrer Strategie der \u201eantimonopolistischen Demokratie\u201c, d.h. eines friedlichen Wegs zum Sozialismus, keine Alternative. Unter dem Einfluss der \u201ePolemik \u00fcber die Generallinie\u201c verfochten sie die weltweite revolution\u00e4re Perspektive Mao Tsetungs und des damaligen Chinas gegen das sowjetisch gef\u00fchrte \u201eLager des Sozialismus\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Bewegung, die anfangs Zehntausende umfasste, geriet schon nach wenigen Jahren in eine Krise, weil der von ihr gesuchte Ansprechpartner, die Arbeiterklasse als entscheidende Kraft zum Umsturz der kapitalistischen Gesellschaft, eingebunden blieb in die Sozialpartnerschaft mit dem Kapital. Die Folge war, dass s\u00e4mtliche Organisationen der ml-Bewegung von der KPD\/ML, der KPD\/AO, dem KABD (heute MLPD), dem KBW oder dem KB in die Krise gerieten und eine wachsende Zahl von Ausscheidenden oder Ausgesto\u00dfenen nach einer Alternative suchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Theorie oder politische Praxis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grundlegende Gemeinsamkeit der Genossinnen und Genossen, die sich seinerzeit nach einer Zeit der Selbstverst\u00e4ndigung zur sp\u00e4teren Herausgabe der AzD zusammenschlossen, war die Erkenntnis, dass der Niedergang der Bewegung nicht aus Fehlern der Praxis resultierte, sondern in der Theorie zu suchen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei grenzten wir uns von der Str\u00f6mung der \u201ealten\u201c Hauptseite Theorie ab, die die theoretische Arbeit auf eine Klassenanalyse und ein Programm beschr\u00e4nken wollte, um so schnell wie m\u00f6glich wieder zur politischen Praxis zu gelangen. Dagegen traten wir f\u00fcr eine \u201eneue\u201c Hauptseite Theorie ein (NHT), da wir davon ausgingen, dass die vorhandenen M\u00e4ngel den Marxismus in seinem ganzen Umfang von der materialistischen Dialektik \u00fcber die politische \u00d6konomie bis zur Geschichte betrafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dieser Erkenntnis ausgehend, erarbeiteten wir zun\u00e4chst eine Reihe einzelner Schriften, darunter \u201e<em>Krieg und Frieden in Europa und die Ostpolitik der BRD<\/em>\u201c, \u201e<em>Anmerkungen zum dialektischen Materialismus<\/em>\u201c, \u201e<em>Eine Donquichotterie. Die Deutschherrenbrosch\u00fcre \u2013 der KBW im Kampf mit dem historischen Materialismus<\/em>\u201c, \u201e<em>\u00dcber die Entstehung des russischen Marxismus \u2013 die Gruppe &gt;Befreiung der Arbeit und ihr Programm<\/em>&lt;\u201c, \u201e<em>Deus ex machina \u2013 oder wie die KPD\/ML zu einem Programm kam<\/em>\u201c. Sp\u00e4ter kamen noch weitere Programmkritiken dazu: \u201e<em>Theorie und Programm im Verst\u00e4ndnis der KGBE<\/em>\u201c, \u201e<em>Das Programm des KBW oder der KBW als Vorreiter des Plagiats\u201c sowie eine \u201eKritik des KABD-Programms\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>F\u00fcr die Einheit der ml-Bewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der theoretischen Arbeit sahen wir unsere praktische Aufgabe darin, auf die Einheit der ml-Bewegung hinzuwirken, deren Fehler und Schw\u00e4chen wir als \u201enaiven Opportunismus\u201c kritisierten, in Auseinandersetzung mit anderen Zirkeln, die ihr den revolution\u00e4ren Charakter absprachen und ihr \u201ekleinb\u00fcrgerlichen Sozialismus\u201c vorwarfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begriffen uns nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen, sondern wirkten <em>innerhalb<\/em> der ml-Bewegung mit dem Ziel, diese Bewegung zum Bewusstsein ihrer selbst zu bringen und auf diesem Weg zur Einheit zu gelangen. Dem diente u.a. die 1978 erschienene Schrift \u201eZur Geschichte der westdeutschen ml-Bewegung\u201c, die sich mit der klassenm\u00e4\u00dfigen Losl\u00f6sung der ml-Bewegung von der Jugend- und Studentenbewegung und den Aufgaben der \u201eHauptseite Theorie\u201c besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Studienbewegung des wissenschaftlichen Sozialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Elementarer Bestandteil unserer eigenen Selbstverst\u00e4ndigung war von Beginn an das Studium und die organsierte Schulung der Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus, aber auch des Wissens unserer Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb initiierten wir fr\u00fch eine Studienbewegung des wissenschaftlichen Sozialismus in Gestalt der \u201eMarx-Engels-Bildungsgesellschaft\u201c als Angebot an die anderen Organisationen und Zirkel, die f\u00fcr alle Interessierten offenstand. Sie f\u00fchrte \u00fcber viele Jahre ein umfangreiches Studienprogramm durch, das in Form mehrt\u00e4giger \u201eUrlaubsschulungen\u201c, aber auch in Abendkursen vor Ort sowie in Vortragsreihen angeboten wurde. Es umfasste die Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus (die sog. \u201eKlassiker\u201c), die Philosophie, die politische \u00d6konomie sowie die Geschichte. Dazu geh\u00f6rten:<br \/>\n&#8211;\u00a0 \u201eKapital\u201c-Schulungen bis hin zu den \u201eTheorien \u00fcber den Mehrwert\u201c;<br \/>\n&#8211;\u00a0 Materialismus und Dialektik bis hin zu Hegels \u201eWissenschaft der Logik\u201c;<br \/>\n&#8211; Geschichte und Geschichte der Arbeiterbewegung mit dem Schwerpunkt deutsche Geschichte und Geschichte der KPD;<br \/>\n&#8211; b\u00fcrgerliche Ver\u00f6ffentlichungen wie etwa das seinerzeit (1987) soeben erschienene Werk von Paul Kennedy \u00fcber \u201eAufstieg und Fall der gro\u00dfen M\u00e4chte\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gr\u00fcndung der \u201eAufs\u00e4tze zur Diskussion\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Februar 1978 erschien die Schrift \u201e<em>Unsere n\u00e4chsten Aufgaben \u2013 Zur Einsch\u00e4tzung und zu den Aufgaben der marxistisch-leninistischen Bewegung<\/em>\u201c. Darin setzten die Autoren sich mit dem Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis unter den gegebenen Umst\u00e4nden auseinander, konstatierten \u201edas Grundproblem der heutigen marxistisch-leninistischen Bewegung \u2013 den Mangel an Theorie\u201c, und forderten als Schlussfolgerung daraus \u201edie Schaffung einer theoretischen Zeitschrift des wissenschaftlichen Sozialismus\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dieser Basis erschien im M\u00e4rz 1979 unter dem Titel \u201eAufs\u00e4tze zur Diskussion\u201c zun\u00e4chst eine Sammlung einzelner Artikel sowie dann im Mai 1979 die erste regul\u00e4re Ausgabe der AzD, deren Namensgebung Programm war: die publizierten Beitr\u00e4ge erhoben und erheben nicht den Anspruch, Erkenntnisse letzter Instanz zu verbreiten, sondern sollen zur &#8211; durchaus kontroversen \u2013 Diskussion beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als faktischer H\u00f6hepunkt unserer Entwicklung fand im Januar 1982 eine NHT-Konferenz statt, an der ca. 100 Genoss(inn)en teilnahmen, darunter offiziell oder inoffiziell die Vertreter von fast einem Dutzend anderer Organisationen. Dokumentiert wurden die dort gef\u00fchrten Auseinandersetzungen in der im Mai 1982 erschienenen AzD-\u201eSondernummer zu unseren n\u00e4chsten Aufgaben\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ende der ml-Bewegung und Wandel der AzD<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bef\u00f6rdert durch die gemeinsame Krise, gaben verschiedene Organisationen (<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20241205103334\/https:\/www.mao-projekt.de\/BRD\/ORG\/BWK\/BWK_Linkliste.shtml\">BWK<\/a>, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20241205103334\/https:\/www.mao-projekt.de\/BRD\/NOR\/HBG\/Hamburg_Alles_wird_gut.shtml\">FAU\/R<\/a>, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20241205103334\/https:\/www.mao-projekt.de\/BRD\/ORG\/GRM\/KPD-ML_Linkliste.shtml\">KPD<\/a> und <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20241205103334\/https:\/www.mao-projekt.de\/BRD\/VLB\/VTK.shtml\">NHT<\/a>, sp\u00e4ter auch die GIM und andere Gruppierungen) ab April 1984 eine \u201eGemeinsame Beilage\u201c zu ihren Publikationen heraus, die nach einigen Jahren wieder eingestellt wurde, ohne die gew\u00fcnschte Einheit hergestellt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Resonanz auf Seiten der Arbeiterschaft hatte die aus der Jugend- und Studentenbewegung hervorgegangene revolution\u00e4re Bewegung keine Perspektive. Ihr Ende kam mit dem Aufschwung der \u201eneuen sozialen Bewegungen\u201c, d.h. der gesellschaftlichen Bewegung der neuen, lohnabh\u00e4ngigen Mittelschichten, die mit der im Januar 1980 gegr\u00fcndeten Partei \u201eDie Gr\u00fcnen\u201c organisatorische Gestalt annahm und einen Gro\u00dfteil ehemaliger MLer und anderer linker Kr\u00e4fte aufsaugte. Parallel dazu ging die ml-Bewegung unter, bis auf einige Sektenreste, die z.T. bis heute existieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Ende der ml-Bewegung verloren wir unseren Bezugspunkt, den seither nur noch die Linke im Allgemeinen bildet. Da die Bezeichnung als \u201eneue Hauptseite Theorie\u201c in der Folge keinen Sinn mehr machte, firmierten die lokalen Tr\u00e4gergruppen der AzD vor\u00fcbergehend (ab 1984) als \u201eKommunistische Gruppen\u201c, bis auch diese sich aufl\u00f6sten und seither nur noch ein \u00fcberregionaler Tr\u00e4gerkreis der Zeitschrift existiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Tr\u00e4gerkreis erlebte seither eine wechselvolle Geschichte von Krisen und Abspaltungen, doch trotz aller zwischenzeitlichen Schwierigkeiten ist es uns gelungen, die AzD bis heute als theoretische Zeitschrift des revolution\u00e4ren Marxismus herauszugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ergebnisse unserer Arbeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei unserer Gr\u00fcndung nannten wir den Mangel an Theorie als Grundproblem der damaligen marxistisch-leninistischen Bewegung und formulierten die Notwendigkeit, den Marxismus auf die H\u00f6he der Zeit zu bringen. Seither haben wir an der damals benannten Aufgabenstellung gearbeitet &#8211; mit gro\u00dfen M\u00fchen, teilweise im Zick-Zack oder mit dem R\u00fccken voran. Auf diesem Weg ist es uns trotz aller Schwierigkeiten gelungen, in einer Reihe wesentlicher Fragen tragf\u00e4hige Antworten zu erarbeiten, die ihren Niederschlag in den AzD oder in eigenst\u00e4ndigen Publikationen unserer Autoren gefunden haben:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Zur historischen Arbeiterbewegung: Oktoberrevolution und russisch-sowjetische Entwicklung, Ursachen des Scheiterns des Sozialismus in der DDR;<\/li>\n<li>Probleme der Revolutionstheorie \u2013 kontroverse Aussagen von Marx zum Verh\u00e4ltnis von Produktivkr\u00e4ften und Produktionsverh\u00e4ltnissen;<\/li>\n<li>Auseinandersetzung mit dem Imperialismusproblem: Kritik der Monopol- und Imperialismustheorie Lenins und des darauf gest\u00fctzten Begriffs des \u201eMarxismus-Leninismus\u201c;<\/li>\n<li>Charakter Deutschlands: Kaiserreich und NS-Herrschaft, Auseinandersetzung mit dem Begriff des \u201edeutschen Imperialismus\u201c;<\/li>\n<li>Frage des Sozialismus bzw. Kapitalismus in China;<\/li>\n<li>Analysen zu Grundfragen der au\u00dfen- und gesellschaftspolitischen Entwicklung.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit der Einschr\u00e4nkung der Demokratie in den Corona-Zeiten und dem Ukraine-Krieg bezieht die Zeitschrift dar\u00fcber hinaus vermehrt zu aktuellen politischen Ereignissen Stellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit unseren langj\u00e4hrig erarbeiteten Positionen befinden wir uns im Gegensatz zu einer Linken, die vom Imperialismusproblem \u00fcber den Untergang des Sozialismus bis zur Einsch\u00e4tzung der heutigen Bourgeoisie auf einem anderen Boden steht. Welche politischen Folgen die fehlende Aufarbeitung der historischen Ursachen f\u00fcr das Scheitern der Arbeiterbewegung hat, macht sich aktuell in der Faschismusfrage bemerkbar. Die \u00dcbernahme der verfehlten Faschismusmusdefinition Dimitroffs l\u00e4sst die Linken und Kommunisten an die Seite der Bourgeoisie treten, um das etablierte Parteiensystem unter der Fahne des Antifaschismus \u201egegen rechts\u201c, sprich gegen die AfD zu verteidigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile sind die AzD auch im Internet auf der Seite der \u201eKommunistischen Debatte\u201c vertreten: <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/<\/a>. Ziel dieses Internet-Projekts ist, \u201eeinen Beitrag zur Debatte \u00fcber die theoretischen und politischen Grundfragen der linken und kommunistischen Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik Deutschland zu leisten bzw. einer solchen Diskussion eine \u00f6ffentliche Plattform zur Verf\u00fcgung zu stellen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die gegebene Situation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Fortf\u00fchrung unserer Arbeit ist die Erkenntnis unabdingbar, dass es in der BRD seit Jahrzehnten an einer <em>revolution\u00e4ren<\/em> Klasse fehlt, weshalb bereits die damalige ml-Bewegung untergehen musste. Getragen von den Gewerkschaften, war die Arbeiterbewegung bisher durch die Sozialpartnerschaft fest eingebunden in die westdeutsche Gesellschaft, da sie verbunden war mit einer stetigen Verbesserung der Lebenssituation der Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig ist ein lohnabh\u00e4ngiges Kleinb\u00fcrgertum aufgestiegen: neue urbane Mittelschichten, von denen gro\u00dfe Teile im \u00f6ffentlichen Dienst oder staatsnahen Einrichtungen t\u00e4tig sind, so auch in den Ideologie-Apparaten wie dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie haben ihre politische Vertretung in den Gr\u00fcnen sowie der heutigen Linkspartei gefunden und sind in wechselnden Konstellationen in das Regierungssystem von Union, SPD und Gr\u00fcnen eingebunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnend mit dem neuen Jahrtausend haben das Kapital und die b\u00fcrgerlichen Parteien begonnen, sich von der Politik der Sozialpartnerschaft abzuwenden, begleitet von einem Abbau demokratischer Rechte w\u00e4hrend der staatlichen Corona-Politik und einer beginnenden Hochr\u00fcstung im Zeichen des Ukraine-Kriegs (ausf\u00fchrlich hierzu der Beitrag A.Schr\u00f6ders \u00fcber den \u201eNiedergang der Sozialpartnerschaft\u201c in diesen AzD).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem der Klassenkompromiss von Kapital und Arbeit jahrzehntelang die innere Stabilit\u00e4t der Bundesrepublik gesichert hat, hat dieser Wechsel gravierende Folgen, denn mit der auslaufenden Sozialpartnerschaft l\u00f6st sich die b\u00fcrgerliche Hegemonie \u00fcber die Republik auf und beginnt die Gesellschaft zu zerfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klassenpolitisch hat der Abbau der Sozialsysteme und die Verschlechterung der eigenen Lebenslage dazu gef\u00fchrt, dass die Arbeiterschaft begonnen hat, sich vom bisherigen Parteiensystem abzuwenden \u2013 bislang noch mit dem Ziel, in die Vergangenheit zur\u00fcckzukehren, dh. zur Sozialpartnerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Kampf \u201egegen rechts\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die SPD unter dem Einfluss der kleinb\u00fcrgerlich-mittelschichtigen Nach-68er-Generation aufgeh\u00f6rt hat, eine (b\u00fcrgerliche) Arbeiterpartei zu sein, und eine Alternative auf Seiten der Linken fehlt, schl\u00e4gt sich diese Abwendung in einer kontinuierlichen St\u00e4rkung der AfD nieder, einer rechtsb\u00fcrgerlichen Partei mit einem v\u00f6lkischen Minderheitsfl\u00fcgel. Sie dient als Sammelbecken der wachsenden Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung und ist mit ihren W\u00e4hlerzahlen mittlerweile zur st\u00e4rksten \u201eArbeiterpartei\u201c geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbunden damit ist eine sich vertiefende Krise der bisherigen Parteiendemokratie, die das jahrzehntelang eingespielte parlamentarische System in Gefahr bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dem entgegen zu treten, hat die Bourgeoisie zum \u201eKampf gegen rechts\u201c und \u201ef\u00fcr Demokratie\u201c aufgerufen, um das etablierte Parteienkartell gegen die AfD zu sch\u00fctzen. Dieser Aufforderung sind bis heute alle staatstragenden Kr\u00e4fte gefolgt, angefangen von den Parteien \u00fcber die Wirtschaftsverb\u00e4nde des Kapitals, die Gewerkschaften und die Kirchen bis hin zur Linkspartei, wobei die Massenbasis in diesem Kampf von den neuen urbanen Mittelschichten gestellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Linken au\u00dferhalb der Linkspartei haben sich mehrheitlich hier eingereiht. Nicht zuletzt auf dem Boden des nicht aufgearbeiteten Scheiterns der historischen Arbeiterbewegung bet\u00e4tigen sie sich unter dem Banner des \u201eAntifaschismus\u201c als Helfershelfer der Bourgeoisie, um den gegenw\u00e4rtigen Parlamentarismus \u201egegen rechts\u201c zu sichern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Zukunft der AzD<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was folgt daraus f\u00fcr die Fortsetzung unserer Arbeit? Zum einen ist es notwendig, weiterhin an den noch offenen Fragen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, zur Geschichte der BRD und ihrer klassenpolitischen Entwicklung zu arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zugleich aber gilt es, wie bereits in den letzten Nummern geschehen, Stellung zu beziehen zu den in Bewegung geratenen politischen Verh\u00e4ltnissen, in deren Zentrum gegenw\u00e4rtig der \u201eKampf gegen rechts\u201c steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Zielgruppe sind dabei die revolution\u00e4r-demokratischen und wenigen kommunistischen Kr\u00e4fte. Das bedeutet vor allem, die ideologische Auseinandersetzung mit der Linken zu f\u00fchren, um die Herausl\u00f6sung dieser Kr\u00e4fte aus der reaktion\u00e4ren kleinb\u00fcrgerlichen Hegemonie zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mangels vollst\u00e4ndiger schriftlicher Unterlagen m\u00fcssen die Autoren Teile der Anfangszeit aus dem bekannterma\u00dfen fehlerhaften Ged\u00e4chtnis rekonstruieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit und Alfred Schr\u00f6der Vor 50 Jahren formierte sich in Gelsenkirchen ein Kreis revolution\u00e4rer Marxisten bzw. 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