{"id":3204,"date":"2025-11-19T14:20:43","date_gmt":"2025-11-19T13:20:43","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3204"},"modified":"2025-11-19T14:33:04","modified_gmt":"2025-11-19T13:33:04","slug":"schlegel-zu-den-anmerkungen-von-englisch-zum-artikel-in-der-azd-99","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3204","title":{"rendered":"Schlegel zu den Anmerkungen von Englisch zum Artikel in der AzD 99"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Manfred,<\/p>\n<p>manches in Deiner Kritik an meinem Chinaartikel in der AzD 99 hat in mir den Eindruck erweckt, dass Du ihn nicht verstanden hast. Du schreibst etwa: \u201eSchlegel beschreibt drei Phasen der Reform des chinesischen Staatssozialismus nach der Mao-\u00c4ra, angefangen mit der experimentellen \u00d6ffnung und Modernisierung in der <strong>1. Phase (1978 \u2013 1988)<\/strong> hin zu einem staatskapitalistischen Projekt (<strong>2. Phase: 1992 &#8211; 2005<\/strong>) der Partei, die keine Klassenpartei mehr sein will, sondern eine harmonische Entwicklung f\u00fcr das ganze Volk anstrebt. Die <strong>3. Phase<\/strong> gilt \u201e<strong>etwa ab 2015<\/strong> mit dem 10-Jahres-Programm \u201a<em>Made in China<\/em>\u2018 \u201c (Schlegel), nachdem die nachholende Industrialisierung des Landes abgeschlossen ist, und Kurs auf die Entwicklung zu einem starken sozialistischen Staat mit weltweit f\u00fchrender \u00d6konomie und geteiltem Wohlstand bis zum 100-j\u00e4hrigen Bestehen der Volksrepublik China im Jahr 1949 genommen wird.\u201c Das mag vielleicht Deine Vorstellung von der chinesischen Entwicklung seit 1978 sein, hat aber nun wirklich nichts mit meinem Artikel zu tun. Ich habe die Etappencharakterisierung Naughtons im \u00dcbrigen nur angef\u00fchrt, weil sie hilft, gewisse Zeitabschnitte durch markante Ereignisse zu unterscheiden. Mir selbst war die Darstellung des kontinuierlichen Wegs Chinas zum Kapitalismus wichtig. Den Unterschied zwischen der Transformation Russlands und Chinas zum Kapitalismus habe ich im Kapitel zur Schocktherapie und zum gradualistischen Weg nochmals aufgegriffen.<\/p>\n<p>Zu einem anderen Punkt. Ich habe in dem Artikel bewusst ein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung in China hin zu einer Dominanz der Lohnarbeit gelegt. Zum einen, weil sie ein eindeutiges Merkmal f\u00fcr die Entstehung kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse ist, aber auch, weil diese Entwicklung im Vergleich zu anderen Merkmalen relativ unzweifelhaft nachzuweisen ist. Du widmest Dich dem Thema so: \u201eAus meiner Sicht ist auch die nominell \u201esozialistische Arbeit in zentral administrierten Staatsbetrieben\u201c <u>abstrakte Arbeit <\/u>f\u00fcr Lohn in Geldform als Wert-Bezugsschein f\u00fcr Marktprodukte.\u201c Bist Du der Meinung, es g\u00e4be in China zwei unterschiedliche Arten von Entlohnungssystemen f\u00fcr Staats- und Privatindustrie, wobei erstere Bezugsscheine darstellen und letztere nicht? Ich frage mich auch, ob Du an jeden Staat mit relevantem Staatsanteil an der Produktion denselben Ma\u00dfstab wie an China anlegst und ihn als potentiellen \u00dcbergangskandidaten zum Sozialismus betrachtest.<\/p>\n<p>Zu einem weiteren Punkt, dem Thema Wanderarbeiter. Du schreibst: \u201cWestliche Studien kommen nicht immer zu validen Ergebnissen. Beispiel: <strong>kleinb\u00e4uerliche Wanderarbeiter in China, <\/strong>deren Lage sie nach 1992 (Naughton) angeblich zu Verlierern der Reformpolitik machte. Materiell gesehen ist dies falsch. Die \u201eBauernarbeiter\u201c (\u201eNongmin Gong\u201c) konnten sich im Verh\u00e4ltnis zu ihrer landwirtschaftlichen Subsistenz-Kleinproduktion vorher deutlich verbessern; die Gro\u00dfeltern f\u00fchrten den Hof weiter und betreuten die Enkel, w\u00e4hrend die Eltern in die Sonderwirtschaftszonen gingen. \u00c4hnlich wie unsere Migranten k\u00f6nnen sie \u00fcberdurchschnittliche Eink\u00fcnfte im Vergleich zu denen ihrer Heimatregion erzielen und waren in der Krise eben nicht doppelt-freie Lohnarbeiter, sondern hatten finanzielle R\u00fccklagen gebildet. Sie behielten au\u00dferdem das Anrecht auf ihre b\u00e4uerliche Parzelle.\u201c<\/p>\n<p>Zum einen, Naughton hat nicht die Wanderarbeiter, sondern die Arbeiter in den Staatsbetrieben als die Verlierer seiner zweiten Etappe bezeichnet, weil in dieser Etappe der Schwerpunkt der Regierung auf der Zerschlagung und Umwandlung der Staatsbetriebe lag. Zum anderen, Du beschreibst eine Idylle des Wanderarbeiterlebens, die es nicht gab und gibt. Es ist, wie in dem Artikel beschrieben, die nach wie vor vorhandene Armut der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung und die sich kontinuierlich erneuernde \u00dcberbev\u00f6lkerung auf dem Land, die Teile der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung in prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse in den St\u00e4dten treibt. Die Transfers der Wanderarbeiter in ihre Heimatd\u00f6rfer dienen nicht nur dazu, die materiellen Verh\u00e4ltnisse ihrer Familien zu verbessern, sondern auch dazu, eine Schulbildung der Kinder und eine Gesundheitsversorgung der Familie zu erm\u00f6glichen. Diese Sozialleistungen fielen nach der Agrarreform erst ganz weg und wurden bisher nur rudiment\u00e4r wieder aufgebaut. Insgesamt ist der chinesische Sozialstaat noch unter dem Standard, den sich die Arbeiterklasse in anderen L\u00e4ndern erk\u00e4mpft hat. Insbesondere fallen oft Wanderarbeiter aus Sozialversicherungsleistungen heraus, weil sie keine Arbeitsvertr\u00e4ge besitzen. Das ist ebenso wie die Frage, wie es in Wirklichkeit um das Anrecht zur Pacht der b\u00e4uerlichen Parzellen und bei der Entwicklung der doppelt-freien Lohnarbeit steht, in meinem Artikel nachzulesen.<\/p>\n<p>Damit will ich es erstmal in meiner Antwort auf Deine Kritik an meinem Artikel belassen.<\/p>\n<p>Gru\u00df,<br \/>\nMartin Schlegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Manfred, manches in Deiner Kritik an meinem Chinaartikel in der AzD 99 hat in mir den Eindruck erweckt, dass Du ihn nicht verstanden hast. Du schreibst etwa: \u201eSchlegel beschreibt drei Phasen der Reform des chinesischen Staatssozialismus nach der Mao-\u00c4ra, angefangen mit der experimentellen \u00d6ffnung und Modernisierung in der 1. 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