{"id":3163,"date":"2025-11-04T17:46:38","date_gmt":"2025-11-04T16:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3163"},"modified":"2025-11-04T17:46:38","modified_gmt":"2025-11-04T16:46:38","slug":"graeber-wengrow-anfaenge-eine-neue-geschichte-der-menschheit-fingerzeig-oder-doch-nur-ein-untaugliches-politisches-rezept","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3163","title":{"rendered":"Graeber \/ Wengrow: \u201eAnf\u00e4nge. Eine neue Geschichte der Menschheit\u201c;\u00a0 Fingerzeig oder doch nur ein (untaugliches) politisches Rezept?"},"content":{"rendered":"<p>Fritz G\u00f6tt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eANF\u00c4NGE. Eine neue Geschichte der Menschheit.\u201c\u00a0 titelt das Buch der Autoren Graeber \/ Wengrow. (1) Ich habe die Studie mit Interesse gelesen. Dennoch haben mich zentrale Schlussfolgerungen, methodische \u00dcberlegungen und einige Befunde im Buch nicht \u00fcberzeugt. Ausgew\u00e4hlte Probleme und Positionen der Studie sollen daher im Folgenden diskutiert werden. Eine vollst\u00e4ndige Rezension und Reflexion des Werkes, so w\u00fcnschenswert sie auch sein mag, sind auf wenigen Seiten nicht zu leisten. Mag ein Anderer, der sich dazu berufen f\u00fchlt, dieses nachreichen.<\/p>\n<p><strong>Ein Ritt durch die Weltgeschichte<\/strong><\/p>\n<p><strong> I. Die selbst gestellte Aufgabe der Autoren<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Autoren der Studie sind politische Aktivisten. Sie wollen nicht nur wissenschaftliche Aufkl\u00e4rung zur Weltgeschichte liefern, sondern politische Beitr\u00e4ge zur \u00dcberwindung des Kapitalismus leisten. Es gibt also gute Gr\u00fcnde f\u00fcr uns sich mit ihren Positionen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sind <strong>die Autoren<\/strong>: David Graeber ist Anthropologe und bekennender Anarchist. David Wengrow ist Arch\u00e4ologe und V\u00f6lkerkundler, mit libert\u00e4ren Neigungen. Beide Autoren sind durch einige wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen ausgewiesen bzw. bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Vorgehen im Buch ist durchaus originell: Sie stellen sich <strong>die Aufgabe <\/strong>\u201enicht neue Antworten auf soziale Ungleichheit zu finden\u201c, sondern umgekehrt, <strong>gesellschaftliche Zust\u00e4nde und Rezepte der Freiheit und Gleichheit in der Historie aufzusp\u00fcren und darzustellen<\/strong>, als Anregung f\u00fcr ein selbst bestimmtes neues Handeln. &#8211; Nat\u00fcrlich finden sie solche Gebilde &#8211; nicht in der Fantasie, sondern in der Wirklichkeit. Sowohl bei einigen (der letzten) J\u00e4ger- und Sammlergemeinschaften der Gegenwart (jedoch nicht bei allen), ja selbst in historisch nachweisbaren komplexen Gesellschaften der Vergangenheit unter den V\u00f6lkern der Welt. Viele Beispiele aus ihrem Repertoire k\u00f6nnen \u00fcberzeugen, einige \u00fcberzeugen mich hingegen nicht (ich komme darauf kurz zur\u00fcck). &#8211; Doch <strong>es hat sie gegeben: die klassenlosen oder flach geschichteten Gemeinschaften der<\/strong> <strong>Vergangenheit und Gegenwart<\/strong>. Die Autoren widersprechen mit ihrer Empirie und Erz\u00e4hlung b\u00fcrgerlichen Autoren, die sich Zivilisationen bzw. Gemeinschaften nur unter der Leitung und Herrschaft von Eliten oder herrschenden Klassen vorstellen k\u00f6nnen (und wollen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Streckenweise liest sich die Studie wie <strong>ein Buch gegen liebgewordene Gewissheiten<\/strong>, die u.a. mit den neuesten arch\u00e4ologischen Befunden der letzten drei\u00dfig Jahren konfrontiert werden. So nehmen die Autoren nicht nur etablierte historische Ansichten aufs Korn, sondern auch Modeautoren wie Yuval Noah Harari, mit ihren teils abstrusen Urteilen zur Menschheitsgeschichte. Das macht das Buch auch f\u00fcr den politisch und historisch interessierten Leser interessant.<\/p>\n<p><strong> II. Das libert\u00e4re Credo: Anarchie ist machbar, Herr Nachbar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Buch der Autoren umfasst viele Themenbereiche, so Fragen der Ethnologie, der Ur-,Vor- und Fr\u00fchgeschichte. (2) Sie hier ausf\u00fchrlich zu behandeln w\u00fcrde den Umfang meines kleinen Aufsatzes sprengen. Ich konzentriere mich im Folgenden auf Fragen des gesellschaftlichen \u00dcbergangs zur\u00a0\u00a0 Zivilisationsgeschichte und ihrer Entwicklung bei den Autoren. Mir geht es dabei nicht so sehr um eine umfassende Rezension des Buches oder ihrer Fragestellungen. Vielmehr werde ich die anstehenden Auffassungen der Autoren mit jenen der Marxisten vergleichen, denen ich eine h\u00f6here F\u00e4higkeit zur Erkenntnis der Wirklichkeit unterstelle. Was nicht hei\u00dft, das Positive in der Arbeit von Graeber und Wengrow einfach bei Seite zu wischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u00a0 <\/strong>Graeber und Wengrow widersprechen in ihrer Studie u.a. der These, die \u201eNeolithische Revolution\u201c\u00a0 d. h. der historische \u00dcbergang des Menschen von der aneignenden T\u00e4tigkeit (als J\u00e4ger und Sammler) zur produzierenden \u00d6konomie (Landwirtschaft und Viehzucht usw.),\u00a0 und sp\u00e4ter die \u201eSt\u00e4dtische Revolution\u201c in einigen Teilen der Welt (im \u201eAlten Orient\u201c vollzog sich die Urbanisation zwischen 5000 und 3000 v.u. Zt.) habe unmittelbar in die Klassengesellschaft und soziale Spaltung der Gemeinschaften eingem\u00fcndet. Das sei falsch. Der historische Prozess sei zeitlich gesteckt (3) und \u201a\u00f6rtlich\u2018 verschieden (4), ja vielf\u00e4ltig ausgepr\u00e4gt gewesen. Nicht immer sei man in die Stra\u00dfe der Klassengesellschaft eingebogen. Manche Lebensformen seien vor Ort spielerisch ausprobiert, eingerastet oder wieder verworfen worden. Und, na ja, manche Gemeinschaften seien wohl auch \u201azeitnah\u2018 zu Klassengesellschaften mutiert. Doch das Spielfeld sei eben divers gewesen. (Was &#8211; so gesagt &#8211; f\u00fcr eine gewisse Zeit auch stimmig ist und was dann sp\u00e4ter doch andere gesellschaftliche Gestalten annahm, n\u00e4mlich in Richtung Klassengesellschaft, d.V.). &#8211; Viele Arch\u00e4ologen werden die obige Aussage von Graeber und Wengrow wohl unterschreiben &#8211; doch dann endet der Konsens auch schon wieder bei Vielen. Das Terrain wird politisch heikel.\u00a0 Denn was in der Vergangenheit wirklich oder verg\u00e4nglich war, k\u00f6nnte gedanklich als Konstante der Geschichte auch f\u00fcr die Gegenwart die (drohende) Verg\u00e4nglichkeit des Kapitalismus anzeigen und zur eigenen Stellungnahme auffordern. Das Unbehagen nagt an den eigenen Interessen und Gewissheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theoretische \u00dcberlegungen und arch\u00e4ologische Befunde legen vor allem in den Anf\u00e4ngen der Zivilisation(en) z.B.\u00a0 im \u201ealten Orient\u201c in der Tat eine Vielfalt der \u201apolitischen\u2018 Ordnungen nahe. Das ist richtig. \u00dcber die Ursachen ihrer Gestalt und ihrer Verg\u00e4nglichkeit l\u00e4sst sich streiten. Bei Graeber und Wengrow wird die (politische) Lebensform jedoch selten aus den spezifischen Lebensbedingungen der Menschen \u201avor Ort\u2018 und somit aus ihren gegebenen naturhistorischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bez\u00fcgen, Instrumenten und Fertigkeiten sowie historischen Umst\u00e4nden abgeleitet, sondern weit h\u00e4ufiger als voraussetzungsloser Willensakt gedeutet \u2013 \u201evon uns selbst erdacht\u201c.\u00a0 Als g\u00e4be es keine \u201a\u00e4u\u00dfere Welt\u2018, keine treibenden Kr\u00e4fte, die den Lebenden gedanklich wie praktisch das Gesetz des Handelns (subjektiv) aufn\u00f6tigen w\u00fcrden. Das gibt die Basis f\u00fcr ihre (sp\u00e4tere) politische Interpretation als Anarchisten ab. Also: Du hast die freie Wahl im Leben &#8211; einst und jetzt. Unser Buch erinnert Dich durch seine (positiven historischen) Beispiele an eben diese M\u00f6glichkeiten und Spielformen. Jederzeit: Du hast die Wahl. Als Aussteiger oder als \u201aVertragspartner\u2018 in einer freien Gemeinschaft \/ Gesellschaft. &#8211; Das steht nicht wortw\u00f6rtlich so in ihrem Buch &#8211; aber es ergibt sich aus dem Inhalt.\u00a0 \u2013\u00a0 Marxisten sehen das anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in einem bekannten Zitat von Marx wird <strong>die unterschiedliche Herangehensweise<\/strong> an die Handlungsoptionen des historischen Menschen sichtbar: \u201eDie Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien St\u00fccken, nicht unter selbstgew\u00e4hlten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und \u00fcberlieferten Umst\u00e4nden\u201c. (5) &#8211; Kurz gesagt: Die\u00a0 Gedanken m\u00f6gen (zeitweise) \u201afrei\u2018 sein, die gesellschaftlichen Bez\u00fcge des\u00a0 Menschen und die herrschenden Umst\u00e4nde in Natur und Gesellschaft sind es nicht.\u00a0 Was ist da schon immer freigestellt?\u00a0 &#8211; Wir haben hier eine alte Problemstellung unter Philosophen (und Politikern) vor uns, die u.a. in der Rubrik \u201eFreiheit und Notwendigkeit\u201c auch heute noch kontrovers diskutiert wird. &#8211; Daf\u00fcr w\u00e4re jetzt ein praktisches Diskussions-Feld n\u00fctzlich, sagen wir am Gegenstand des \u201ealten Orients\u201c, (der ja auch bei Graeber und Wengrow h\u00e4ufig zitiert, aber nicht wirklich analysiert wird).\u00a0\u00a0 F\u00fcr eine solche Diskussion fehlt hier der Raum. (6) &#8211; Doch die <strong>Geschichtsphilosophischen<\/strong> <strong>Widerspr\u00fcche<\/strong> zwischen Marxismus und Anarchismus liegen noch tiefer. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sind die Autoren Graeber und Wengrow nicht blind. Sie wissen als M\u00e4nner vom Fach, dass sich viele <em>entwickelte <\/em>Zivilisationen &#8211; ob in den Anf\u00e4ngen egalit\u00e4r oder herrschaftsfrei\u00a0 &#8211;\u00a0 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter doch im Zustand einer Klassengesellschaft wiederfanden\u00a0 &#8211; eventuell einmal <em>zeitweilig<\/em> zur\u00fcckversetzt oder modifiziert, etwa durch soziale Unruhen, Bauernaufst\u00e4nde, Revolutionen, Invasionen von au\u00dfen, Naturkatastrophen usw.<br \/>\nDas selber eingebrockte \u201aSchicksal\u2018, so k\u00f6nnte man nun in Analogie auf Graeber und Wengrow mutma\u00dfen, hei\u00dft da wohl Klassenherrschaft; (nat\u00fcrlich in unterschiedlicher Form und mit verschiedenem Inhalt, den entsprechend jeweiligen Ausgangsbedingungen geschuldet, d.V.). Woher dieser \u201aKreislauf\u2018 jedoch kommt, k\u00f6nnen Graeber und Wengrow nicht wirklich erkl\u00e4ren (und was sie selber dazu als Deutung vorgeben, bed\u00fcrfte einer eigenst\u00e4ndigen Kritik).\u00a0 Zentral im eigenen Text ist f\u00fcr sie ja eh, Menschen zu ermutigen, das R\u00e4derwerk aus eigener Kraft zu verlassen. Darauf konzentriere ich mich hier als Diskutant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ansichtssache <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Buch der Autoren Graeber und Wengrow hat St\u00e4rken und Schw\u00e4chen<\/strong>. Stark ist es, wo es den Leser zu alternativen Lebens- und Gesellschaftsformen animieren m\u00f6chte sowie in den fachwissenschaftlichen Diskursen und in der Ideologiekritik. Schwach ist es hingegen in manchen Details und in den konzeptionellen Schlussfolgerungen bei der Geschichtsbetrachtung. Gehen wir in einige Details:<\/p>\n<p><strong>III. Nicht jedes Beispiel der Autoren \u00fcberzeugt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u00a0 <\/strong>Aus der F\u00fclle an Beispielen f\u00fcr eine klassenlose, herrschaftsfreie Gemeinschaft nenne ich im Folgenden &#8211; ohne Debatte: \u201eCatal H\u00f6y\u00fck\u00a0 \/ auch Catal H\u00fcy\u00fck geschrieben\u201c (im historischen Anatolien).\u00a0 Dann zeige ich auf einige historische <strong>\u201aWackelkandidaten\u2018<\/strong> bei den Autoren:\u00a0 <strong>Teotihuacan\u00a0 <\/strong>(in Mesoamerika) und <strong>Uruk<\/strong> (im heutigen Irak). Diese letztgenannten geschichtlichen Areale passen im eigenen Entwicklungsverlauf nicht wirklich in das Schema der Autoren. \u00dcber das Warum w\u00fcrde ich gerne diskutieren, doch es fehlt mir dazu der Platz. Ich verweise hier hilfsweise auf die angeh\u00e4ngte Literaturliste. (7)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte nicht missverstanden werden. Meine Vorbehalte gegen die obigen \u201aWackelkandidaten\u2018 in Punkto weltlicher Ordnung entwertet nicht die vielen zutreffenden Beispiele der Autoren Graeber und Wengrow f\u00fcr eine herrschaftsfreie oder egalit\u00e4re Gesellschaft in der Geschichte.\u00a0 &#8211; Ich lehne auch die M\u00f6glichkeit nicht ab, dass die obigen \u201aWackelkandidaten\u2018 in ihren Anfangszeiten eine irgendwie gestaltete herrschaftsfreie Ordnung gebildet haben. Mir sind nur die bisher vorgelegten Begr\u00fcndungen und Beweise der Autoren zu d\u00fcnn. Zudem wird der Entwicklung dieser Areale in der weiteren Geschichte zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Denn beide Gesellschaften landeten sp\u00e4ter ebenfalls in autorit\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen. <strong>Die Beispiele gemahnen<\/strong> so oder so <strong>zur Vorsicht<\/strong>, nicht allzu schnell <strong>bei der Zuschreibung<\/strong> von Paradebeispielen f\u00fcr oder gegen etwas zu sein. Jeder neue \u201aSpatenstich\u2018 vor Ort, jeder neue Forschungsstand kann das Urteil in die eine oder andere Richtung ver\u00e4ndern. Man spricht im Zwischenergebnis oder im Zweifelsfall besser von der eigenen Arbeitshypothese als von gesicherten Tatsachen &#8211; wobei Unklarheiten und Widerspr\u00fcche in Material und Analyse nicht unter den Teppich zu kehren sind.<\/p>\n<p><strong> IV. Eine Frage an die Autoren Graeber und Wengrow &#8211; ohne Antwort: Was ist geschichtlich (<\/strong>wann<strong>) machbar, Herr Nachbar?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Rezension zum Buch der Autoren (in der linken Zeitschrift \u201eaK.\u201c) fand ich folgende Anmerkung: \u201eAuch die Antwort auf ihre Hauptfrage bleiben sie (die Autoren, d.V.) schuldig. Diese lautet: Wenn wir Menschen \u00fcber Zehntausende von Jahren immer wieder unsere politischen Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern konnten, warum leben wir im Westen seit 2000 Jahren in Klassenverh\u00e4ltnissen?\u201c (8) &#8211; Das ist ein berechtigter Hinweis des obigen Rezensenten im\u00a0 \u201eaK\u201c, wenngleich zu eng gefasst. Denn spezifische Klassenverh\u00e4ltnisse mit ihrer Ausbeuterordnung fanden und finden sich ja auch im Osten, z.B.\u00a0 zeitweilig im \u201eAlten-China\u201c oder in \u201eAlt-Persien\u201c, ja als Faktum bis in die heutige Gegenwart in Ost und West. &#8211; Der \u201eaK\u201c- Rezensent hat f\u00fcr seine Feststellung selber keine Erkl\u00e4rung, aber das Verdienst, ein Unbehagen zur Schrift in einen vorw\u00e4rtstreibenden Hinweis gekleidet zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx und Engels bieten hier (historische) Erkl\u00e4rungen und methodische Hinweise f\u00fcr unseren<em> eigenen<\/em> Forschungsweg.<\/p>\n<p><strong>Die marxistische Herangehensweise. Alles paletti? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> V. Marx und Engels \u00e4u\u00dfern sich: Warum Klassengesellschaft? Wann und durch wen \u00f6ffnet sich der Weg daraus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer (weiteren) wohlwollenden Rezension aus der Zeitschrift \u201ejunge Welt\u201c zum Buch von Graeber und Wengrow hei\u00dft es zur Sto\u00dfrichtung der Arbeit: \u201eDie Autoren \u2026 wehren sich dabei gegen einen in ihren Disziplinen vertretenen fehlgeleiteten Evolutionsgedanken: Ein teleologisches Geschichtsbild, das dazu f\u00fchrt, das historisch Entstehende als unvermeidlich zu sehen.\u201c (9) Das ist korrekt wiedergegeben. Aber ist diese Position der Autoren auch immer richtig und schl\u00fcssig? Man kann und sollte zweifeln und selber nachforschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Abhandlung der Autoren hat noch eine andere Seite: Sie grenzt sich vom \u201eHistorischen Materialismus\u201c der Marxisten ab. (10) Das ist vielleicht nicht f\u00fcr jeden Leser auf Anhieb einsehbar, zumal Graeber und Wengrow das Streitfeld nicht ausdr\u00fccklich thematisieren, sondern vorgeblich \u201astreifen\u2018. &#8211; Sehen wir uns deshalb einige allgemeine Aussagen der Klassiker des Marxismus an, um den Dissens zum <em>gegebenen<\/em> Anarchismus der Autoren zu verdeutlichen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0 <\/strong>\u00a0<strong>Marx und Engels<\/strong> haben sich in ihrer wissenschaftlichen \u201aKarriere\u2018 <strong>stets f\u00fcr Fragen der<\/strong> <strong>Menschheitsgeschichte interessiert<\/strong>, die bestehende wissenschaftliche Literatur ihrer Zeit dazu registriert und sie gegebenenfalls ausgewertet und bewertet.\u00a0 Kein Wunder, denn was war und heute ist, ist historisch geworden und weiter im Fluss. Sie selber begaben sich dabei auf eine lebenslange Forschungsreise, bei der sich ihre Positionen auch ver\u00e4ndert oder erweitert haben. Das kann uns hier aber nicht eingehend besch\u00e4ftigen. &#8211; Ich greife aus der F\u00fclle ihrer Arbeitsergebnisse die folgenden Fragen heraus: Warum haben sich menschliche Gemeinschaften im Stadium einer \u00f6rtlich und geschichtlich gegebenen Zivilisation in Klassen gespalten; worin sahen Marx und Engels die historischen Bedingungen zu einer Beseitigung der historisch entstandenen Klassen- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse (auf h\u00f6herem Niveau &#8211;\u00a0 im Sozialismus\/ Kommunismus).\u00a0 Ich werde dazu ihre ausgereiften Darlegungen und Problemstellungen in einem kurzen (und nicht ersch\u00f6pfenden) Auszug antippen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Marx und Engels ist die Durchsetzung von Klassenverh\u00e4ltnissen und der Ausbeuterordnungen, <strong><em>nach <\/em>dem Erl\u00f6schen der egalit\u00e4ren Urgesellschaft(en)<\/strong> kein Zufall.\u00a0 Ihnen lagen und liegen historische und \u00f6rtlich abzukl\u00e4rende <strong>(!)<\/strong> Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zugrunde. Engels hat sich dazu ausf\u00fchrlich in einer Reihe von Schriften &#8211; anf\u00e4nglich &#8211; <em>modellhaft <\/em>ge\u00e4u\u00dfert: Im \u201eAnti-D\u00fcring\u201c (1878) bzw. in der daraus abgeleiteten Kurzfassung \u201eDie Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft\u201c (1880\/83). Darin hei\u00dft es u.a.: \u201eDie Besitzergreifung der s\u00e4mtlichen Produktionsmittel durch die Gesellschaft hat, seit dem geschichtlichen Auftreten der kapitalistischen Produktionsweise, einzelnen wie ganzen Sekten \u00f6fters mehr oder weniger unklar als Zukunftsideal vorgeschwebt. Aber sie konnte erst m\u00f6glich, erst geschichtliche Notwendigkeit werden, als die tats\u00e4chlichen Bedingungen ihrer Durchf\u00fchrung vorhanden waren. Sie, wie jeder andere gesellschaftliche Fortschritt, wird ausf\u00fchrbar nicht durch die gewonnene Einsicht, dass das Dasein der Klassen der Gerechtigkeit, der Gleichheit etc. widerspricht, nicht durch den blo\u00dfen Willen, diese Klassen abzuschaffen, sondern durch gewisse neue \u00f6konomische Bedingungen. Die Spaltung der Gesellschaft in eine ausbeutende und eine ausgebeutete, eine herrschende und eine unterdr\u00fcckte Klasse war die notwendige Folge der fr\u00fcheren geringen Entwicklung der Produktion. Solange die gesellschaftliche Gesamtarbeit nur einen Ertrag liefert, der das zur notd\u00fcrftigen Existenz aller Erforderliche nur um ein wenig \u00fcbersteigt, solange also die Arbeit alle oder fast alle Zeit der gro\u00dfen Mehrzahl der Gesellschaftsglieder in Anspruch nimmt, solange teilt sich diese Gesellschaft notwendig in Klassen. Neben der ausschlie\u00dflich der Arbeit fr\u00f6nenden gro\u00dfen Mehrheit bildet sich eine von direkt-produktiver Arbeit befreite Klasse, die die gemeinsamen Angelegenheiten der Gesellschaft besorgt: Arbeitsleitung, Staatsgesch\u00e4fte, Justiz, Wissenschaften, K\u00fcnste usw. Es ist also das Gesetz der Arbeitsteilung, das der Klassenteilung zugrunde liegt. Aber das hindert nicht, da\u00df diese Einteilung in Klassen nicht durch Gewalt und Raub, List und Betrug durchgesetzt worden und da\u00df die herrschende Klasse, einmal im Sattel, nie verfehlt hat, ihre Herrschaft auf Kosten der arbeitenden Klasse zu befestigen und die gesellschaftliche Leitung umzuwandeln in gesteigerte Ausbeutung der Massen. \/ Aber wenn hiernach die Einteilung in Klassen eine gewisse geschichtliche Berechtigung hat, so hat sie eine solche doch nur f\u00fcr einen gegebenen Zeitraum, f\u00fcr gegebene gesellschaftliche Bedingungen. Sie gr\u00fcndet sich auf die Unzul\u00e4nglichkeit der Produktion; sie wird weggefegt werden durch die volle Entfaltung der modernen Produktivkr\u00e4fte.\u201c (11)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum sollte \u201eheute\u201c also etwas m\u00f6glich sein, was \u201edamals\u201c noch nicht ging?\u00a0 Ich verweise hier auf folgende Positionen der Klassiker:\u00a0 Bereits im \u201eManifest der Kommunistischen Partei\u201c (1848) (sowie in sp\u00e4teren Schriften) hoben Marx + Engels die historischen Leistungen der Kapitalisten \/die der kapitalistischen Produktionsweise hervor: \u201eDie Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertj\u00e4hrigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskr\u00e4fte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen.\u201c, hie\u00df es hier. Freilich, ein so geschaffener materieller Reichtum, konzentriert in den H\u00e4nden des Kapitals, war gesellschaftlich produziert, aber kapitalistisch angeeignet.\u00a0 \/ Marx formulierte im Rohentwurf zum dritten Band des \u201eKapitals\u201c, geschrieben zwischen 1864 &#8211; 1867, auch: \u201eDie Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte der gesellschaftlichen Arbeit ist die historische Aufgabe und Berechtigung des Kapitals. Eben damit schafft sie unbewusst die materiellen Bedingungen einer h\u00f6heren Produktionsform\u201c.\u00a0 Engels, der diese Arbeit\/en und die daraus zitierte Passage von Marx posthum 1894 ver\u00f6ffentlichte, hat dem nicht widersprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits verwiesen Marx und Engels bereits zu Lebzeiten aber <em>auch<\/em> auf die Kehrseite der historischen Leistungs-Medaille des Kapitalismus als Gesellschaftsformation:\u00a0 auf die \u201ein der modernen Gesellschaft herrschenden Klassengegens\u00e4tze von Besitzenden und Besitzlosen, Lohnarbeitern und Bourgeois\u201c; auf die Ausbeutung der Arbeiterklasse, jener Kraft also, die bei steigender Kopfzahl (gemeinsam mit den Werkt\u00e4tigen) und bei einem erwachenden politischen Bewusstsein wohl zum Totengr\u00e4ber des Kapitalismus werden k\u00f6nnte;\u00a0 weiter auf die \u201ein der Produktion herrschenden Anarchie\u201c in der ganzen Gesellschaft, die sich ja in den zyklischen Wirtschafts-Krisen der kapitalistischen \u00d6konomien \u00e4u\u00dfert; desweiteren siehe ihre Verweise , auf die Verw\u00fcstungen in der Gattung Mensch und die der Natur durch eben diese kapitalistische\u00a0 Produktionsweise usw.\u00a0\u00a0 Marx und Engels haben das alles ausf\u00fchrlich in ihren Schriften entwickelt und begr\u00fcndet. Man muss es nur lesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz: \u201eIn gro\u00dfen Umrissen k\u00f6nnen asiatische, antike, feudale und modern b\u00fcrgerliche Produktionsweisen als progressive Epochen der \u00f6konomischen Gesellschaftsformationen bezeichnet werden. Die b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses \u2026\u201c, schrieb Marx 1859.\u00a0 &#8211; Doch zeigt(e) die Geschichte eben auch, dass sie alle nur eine begrenzte Daseinsberechtigung hatten und haben,\u00a0 als verg\u00e4ngliche Stufen im endlosen Entwicklungsgang der menschlichen Gesellschaft.<br \/>\nNach Engels jedenfalls hatte der Kapitalismus schon zu eigenen Lebzeiten seine progressive Rolle nachhaltig besch\u00e4digt, wenn nicht verwirkt. &#8211;\u00a0 Der Kapitalismus sei nunmehr reif f\u00fcr die Abwicklung &#8211; allgemein gesehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engels war optimistisch, was das absehbare Ende des Kapitalismus in den Zentren der Zeit <em>durch den Kampf der<\/em> <em>Werkt\u00e4tigen<\/em> betraf, doch wie man sp\u00e4ter erleben musste, ist die Frage nach seinem faktischen Ende nach wie vor offen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So oder so l\u00e4sst sich sagen:\u00a0 es schafft der (industrielle) Kapitalismus <em>in seiner Geschichte<\/em> und in seinen jeweiligen gesellschaftlichen Varianten (nat\u00fcrlich unbewusst) objektive (\u00f6konomische) Voraussetzungen, nicht nur diese oder jene Klassenherrschaft abzusch\u00fctteln, sondern jegliche zu schleifen.<br \/>\n<em>Jedoch<\/em> realisiert sich diese obige <em>M\u00f6glichkeit<\/em> <em>nicht <\/em>als \u201eselbst kommende \u00f6konomische Naturnotwendigkeit\u201c Richtung Sozialismus (wie einst von den politischen \u201eRevisionisten\u201c gesagt), noch im Selbstlauf, <em>sondern<\/em> &#8211; nach Marx und Engels &#8211; <em>nur<\/em> als bewusste politische Tat einer revolution\u00e4ren und lohnabh\u00e4ngigen Klasse, die zu sich selber gefunden hat &#8211; eben <em>durch <\/em>die soziale Revolution des Proletariats und der Werkt\u00e4tigen &#8211; sowie im Aufbau des Sozialismus\/Kommunismus. \u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Doch wie oben angemerkt steht der historischen Prognose aus der jeweiligen Linken zum angestrebten <em>politische<\/em>n Exitus des Kapitalismus durch die Tat der Werkt\u00e4tigen die Wirklichkeit gegen\u00fcber.\u00a0 Ganz wie der oben zitierte Rezensent vom \u201eak.\u201c fragte: Warum leben wir dann im Westen \u2026 noch (immer) in Klassenverh\u00e4ltnissen?<br \/>\nDie Antwort steckt in der Realgeschichte, die wissenschaftlich zu analysieren w\u00e4re und dessen gesellschaftliche Resultate durch den bewussten Akt der Lebenden &#8211; wo immer m\u00f6glich &#8211; ver\u00e4ndernd zu gestalten sind.\u00a0 Geschichte wird gemacht.<\/p>\n<p><strong> VI. Nachtrag<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kehren wir noch einmal zu unseren Eingangsfragen &#8211; zu den Anf\u00e4ngen der Zivilisationsgeschichte und ihren Ausformungen &#8211; zur\u00fcck, und folgen dabei kurz einer weiteren Arbeit von <strong>F. Engels:\u00a0 1884 <\/strong>ver\u00f6ffentlichte er seine Schrift \u201e<strong>Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Im Anschluss an Lewis H. Morgans Forschungen<\/strong>.\u201c\u00a0 Dem zuvor abstrakten und konstruierten Modell, wie denn die Entstehung von Klassenverh\u00e4ltnissen aus dem Untergang der Urgesellschaft(en) zu erkl\u00e4ren sei plus den damit verkn\u00fcpften Fragen, wurde nun ein weiteres, ein historisch unterf\u00fcttertes, ein mit Leben gef\u00fclltes <em>erg\u00e4nzendes <\/em>Werk, zur Seite gestellt. Die Zeit schien daf\u00fcr reif. &#8211; Welche Materialien lagen dieser neuen Studie zugrunde:<br \/>\n*\u00a0 das Buch des amerikanischen Juristen und Wissenschaftlers Lewis H. Morgan, 1877 zur \u201eUrgesellschaft\u201c.\u00a0 (12) Nach Engels, weil dieser Autor\u00a0 \u201edie von Marx vor vierzig Jahren entdeckte materialistische Geschichtsauffassung in Amerika in seiner Art neu entdeckt\u201c habe, und \u201evon ihr, bei Vergleichung der Barbarei und der Zivilisation, in den Hauptpunkten zu denselben Resultaten gef\u00fchrt worden (sei) wie Marx\u201c.<br \/>\n*\u00a0 das Exzerpt von Karl Marx zum Buch Morgans, seine Anmerkungen dazu; weiter die sogenannten \u201eethnologischen Exzerpthefte\u201c von Marx, sowie verstreute Notizen des Autors zur historischen Formationsfrage; alles Dinge, die Engels im Nachlass seines inzwischen verstorbenen Freundes gefunden oder erneut aufgesp\u00fcrt hatte;\u00a0 Materialen, die jedoch nicht in seiner ganzen F\u00fclle und Fragestellungen in die Studie von Engels eingingen.<br \/>\n*\u00a0 Engels eigene Forschungen auf dem Gebiet der Geschichte Griechenlands und Roms, Altirlands, der alten Germanen, der Deutschen usw.<br \/>\n*\u00a0\u00a0 zeitgen\u00f6ssische Reisebeschreibungen, Analysen und Zeitungsmeldungen<br \/>\n*\u00a0 Nachtr\u00e4ge, die Engels sp\u00e4teren Auflagen seiner obigen Schrift beif\u00fcgte, und deren Quellen er hier auch anzeigte, um, wie er ausf\u00fchrte, dem \u201eheutigen\u201c Stand der Wissenschaft zu entsprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich traue mich nicht, die inhaltliche Seite dieser Studie zusammenzufassen und die Wertigkeit dieser Schrift einst und jetzt zu beurteilen. Andere urteilen schon. In einem Kommentar des SED-eigenen Dietz-Verlages Ost (von 1964) hei\u00dft es: \u201eDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats \u201c z\u00e4hlt zu den grundlegenden Werken des Marxismus. Diese Schrift ist eine wissenschaftliche Analyse der Geschichte der Menschheit in den fr\u00fchesten Etappen ihrer Entwicklung: sie deckt den Prozess des Zerfalls der Urgesellschaft und die Herausbildung der auf Ausbeutung beruhenden Klassengesellschaft auf, zeigt die allgemeinen Charakterz\u00fcge dieser Gesellschaft und legt die Besonderheiten in der Entwicklung der Familienverh\u00e4ltnisse in den verschiedenen sozial\u00f6konomischen Formationen dar. Sie enth\u00fcllt ferner die Entstehung und den Klassencharakter des Staates und weist die historische Notwendigkeit seines Absterbens nach dem endg\u00fcltigen Sieg der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft nach.\u201c (13)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann diesen SED-Kommentar durchaus kritisch lesen. Mich beschleicht jedenfalls stets das Gef\u00fchl, Engels werde hier ein allgemein-verbindlicher Fahrplan der menschlichen Geschichte jenseits von Raum und Zeit unterstellt. \u2013 Doch seit wann steht die Erde still?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engels bezog sich in seiner eigenen oben angef\u00fchrten Arbeit wesentlich auf die Schrift von Morgan zur \u201eUrgesellschaft\u201c und ihrer Aufl\u00f6sung etc., die er aber durch konkrete Beispiele illustrierte, erg\u00e4nzte, vertiefte und erweiterte. Kernaussagen von Morgan akzeptierte er. &#8211; Ein Zeitgenosse von Engels, der franz\u00f6sische Sozialist Paul Lafargue , charakterisierte die Arbeit von Morgan damals wie folgt: \u201eMorgan ist einer der seltensten Anthropologen, die f\u00fcr den Wilden und Barbaren nicht die stumpfsinnige Betrachtung des Philisters haben, und so hat er dann zuerst die zahlreichen, oft sich widersprechenden \u00fcber sie gesammelten Thatsachen in eine logische Ordnung eintheilen und\u00a0 die ersten Umrisse der Entwicklung des vorgeschichtlichen Menschen entwerfen k\u00f6nnen\u201c. (14) Was der Sache nahekommt. Kurz, Engels legte dem Leser, in Anschluss an Morgan, ein offenes und zeitbedingtes historisches Modell vor, das nach neueren Erkenntnissen (von uns) nat\u00fcrlich auch anders gefasst werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat hat <strong>Engels das Wissen seiner Epoche und seiner Person<\/strong> in dieses sein historisches Modell hineingelegt, es mit seinen methodischen \u00dcberlegungen verkn\u00fcpft. Aus heutiger Sicht, durch ein erweitertes, vielfach auch neueres Wissen, sind mache Passagen seiner Arbeit revisionsbed\u00fcrftig, andere Sachverhalte m\u00fcssten neben dem Erhaltenswerten erg\u00e4nzt werden. Wer sich da \u00fcber Engels\u00b4 Versuch echauffiert, sollte bedenken, dass auch die heute g\u00e4ngigen akademischen Modelle aus der Arch\u00e4ologie usw. selber unter Druck geraten sind. Sie werden in dieser Gestalt nicht \u00fcberleben. Neue Erkenntnisse zwingen eben alle Seiten zur Neu-Hypothesen- und Weiterentwicklung der konkreten Geschichtsdarstellung sowie der politischen Praxis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><strong>1895 starb Friedrich Engels<\/strong>. Die von ihm angesto\u00dfene Diskussion zur Urgesellschaft, genauer zu ihren Formen und Varianten, zur Zivilisationsgeschichte, zum Sozialismus, zum besonderen Revolutions-Problem Alt-Russlands usw. (auf der Methoden-Basis des \u201eHistorischen- und Dialektischen Materialismus\u201c) brach danach nicht ab. Sie f\u00fcllt inzwischen Bibliotheken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer waren die <strong>Diskutanten der \u201aersten Stunde\u2018<\/strong> <strong>nach dem Tode von Engels<\/strong>? Auf marxistischer Seite z.B. G.W.Plechanow (15) und Rosa Luxemburg; auf jener der sogenannten politischen und weltanschaulichen \u201eRevisionisten\u201c Autoren wie Karl Kautsky u.a.; dann weiter die Linkssozialisten; gefolgt von der bunten Schar der Partei-Kommunisten; usw. &#8211; Wer sich n\u00e4her mit ihren Arbeiten besch\u00e4ftigt, wird feststellen, dass fast alle Seiten (auch jene erkl\u00e4rten Marxisten) am \u201eHistorischen Materialismus\u201c herum geschraubt haben sowie selber Korrekturen am obigen geschichtlichen Modell zur Fr\u00fchgeschichte usw. von Engels vornahmen. Doch nur wenige dieser \u201aFreibeuter\u2018 wie Karl Kautsky haben das auch offengelegt. (16) Eine Bilanz ihres Bem\u00fchens &#8211; jenes im Guten wie im Schlechten &#8211; w\u00fcrde mich \u00fcberfordern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch <strong>im politisch gespaltenen Deutschland<\/strong> <strong>nach 1945<\/strong> fanden weitere Diskussionen statt.\u00a0 Zusammenfassende Bilanzen dieser Diskussionen in Ost (17) und West (18) stehen trotz erster Versuche aus. Ich habe daher vor der Materialf\u00fclle vorerst kapituliert. Und hoffe nat\u00fcrlich, dass sich aus meinem kleinen Aufsatz so etwas wie eine weitergehende Diskussion unter Genossen entwickeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>VII.\u00a0 Die Herausforderungen annehmen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u00a0 <\/strong>Graeber und Wengrow, auf die wir uns eingangs bezogen, sind respektable Libert\u00e4re. Sie werfen kein explosives Material in die herrschaftliche Runde, sondern (Geschichts-) Wissen und pers\u00f6nliche Anregungen in die gesellschaftliche Debatte, um \u201aeinfache\u2018 Menschen zu einer herrschaftsfreien Gesellschaft, zur Mitmenschlichkeit zu animieren &#8211; f\u00fcr einen selbstbestimmten Austritt aus der Sackgasse des Kapitalismus. Man muss nicht (und sollte nicht) alle Standpunkte und Gedankeng\u00e4nge der Autoren im angesprochenen Buch teilen. Aber man muss sich zu ihren sozialen Anliegen und politischen Ideen verhalten. Auch Marxisten stellen sich hier wie eh und je \u201aHausaufgaben\u2018. Von nichts kommt nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellenangabe \/Anmerkungen: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1)\u00a0 David Graeber + David Wengrow:\u00a0 Anf\u00e4nge. Eine neue Geschichte der Menschheit (2021); Stuttgart: Klett Cotta 2022<br \/>\n2)\u00a0 Zu den ersten (und keineswegs einzigen) Diskussionsbeitr\u00e4gen zum Buch im Internet siehe u.a.: Axel T. Paul:\u00a0 Neue Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht. Literaturessay zu \u201eAnf\u00e4nge. Eine neue Geschichte der Menschheit\u201c von David Graeber und David Wengrow.\u00a0 in:\u00a0 \u201eSoziopolis\u201c, 4. 4. 2022, S. 1 &#8211; 35 .\u00a0 \/\u00a0 Jule Govrin u. Janosch Steuwer (Gespr\u00e4ch):\u00a0 Pr\u00e4historie als Geschichte der Gegenwart? Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Anf\u00e4nge von David Graeber und David Wengrow.\u00a0 in: Geschichte der Gegenwart &#8211; <a href=\"https:\/\/geschichteder\">https:\/\/geschichteder<\/a>gegenwart.ch -.\u00a0 11. Dez. 2022.\u00a0 \/\u00a0 Mein Kommentar:\u00a0 Diese Stellungnahmen enthalten, neben einer (mehr oder weniger verhaltenen) W\u00fcrdigung oder Kritik der Arbeit von Graeber und Wengow eine Reihe kritischer Anmerkungen zur Studie der Autoren. &#8211; Ich habe einige Positionen bearbeitet und weitergehend debattiert.<br \/>\n3)\u00a0 &#8211; Stichwort \u201eprim\u00e4res Neolithikum\u201c; in unterschiedlichen R\u00e4umen und unterschiedlichen Zeiten, bei unterschiedlicher Auspr\u00e4gung bzw. Resultaten. Hier gebe ich als Literaturhinweis: \u201eUniversalhistorisch ist \u2026 festzuhalten, da\u00df neben dem fr\u00fchen vorderasiatischen autonomen Neolithisierungszentrum ein wenigstens partiell autonomes zweites Zentrum im Einzugsgebiet des Indus bestand, daneben ein ganz autonomes drittes, wenn auch mit Kontakten zum Westen, in Ostasien, sowie ein viertes, in sich vernetztes Doppelzentrum im Hochland von Mexiko und den Anden in Amerika und schlie\u00dflich ein f\u00fcnftes im subsaharischen Afrika.\u201c\u00a0\u00a0 aus: Hansj\u00fcrgen M\u00fcller-Beck: Die Steinzeit. Der Weg der Menschen in die Geschichte. M\u00fcnchen: Verlag C.H. Beck, 3 Aufl. 2004, S.112<br \/>\n4)\u00a0 &#8211; Beispiel Anatolien:\u00a0 Der t\u00fcrkische Arch\u00e4ologe Mehmet \u00d6zdogan schrieb 2007: \u201eDie Jungsteinzeit in Anatolien kann, der gleichzeitigen Kulturabfolge in anderen Regionen Vorderasiens entsprechend, in die zwei gro\u00dfen Abschnitte \u2026 eingeteilt werden: Auf die akeramische Stufe, die einen Zeitraum vom 11. Jt. bis zum Ende des 8. Jt. v. Chr. umfasste, folgte die keramisch-sp\u00e4tneolithische Stufe. Sie reichte bis etwa 6000 v. Chr.\u201c\u00a0 &#8211; Siehe im Detail und zur anhaltenden Diskussion:\u00a0 \u201eVor 12000 Jahren in Anatolien. Die \u00e4ltesten Monumente der Menschheit\u201c. Herausgegeben vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe; Konrad Theiss Verl., Stuttgart: 2007.\u00a0 \/\u00a0 Dagmar Schediwy: Wo die J\u00e4ger und Sammler wohnten. Im S\u00fcdosten Anatoliens errichteten J\u00e4ger und Sammler angeblich die ersten Tempel der Geschichte. Doch neuere Grabungen zeigen: Auf dem G\u00f6bekli Tepe haben die Wildbeuter vor rund 12000 Jahren auch Wohnh\u00e4user erbaut. Entwickelten sich die J\u00e4ger und Sammler wom\u00f6glich anders als gedacht zu sesshaften Bauern?\u00a0 in:\u00a0 Spektrum der Wissenschaft, Nr. 1, 2024, S. 70 &#8211; 78 \/ Beigef\u00fcgt ist dieser Arbeit: Joachim Willeitner: G\u00f6bekli Tepe ist nicht allein.\u00a0 in: ebenda, S. 74 -75<br \/>\n&#8211; Stichwort \u201esekund\u00e4res Neolithikum\u201c: definiert als die Einwanderung neolithischer Bauern mit \u201aSack und Pack\u2018 in die bisher von archaischen J\u00e4gern und Sammlern belegten gro\u00dffl\u00e4chigen Landschaften; hier nenne ich als ein Beispiel: Svend Hansen \/ Barbara Helwing: Der Beginn der Landwirtschaft im Kaukasus.\u00a0 in: Gold &amp; Wein. Georgiens \u00e4lteste Sch\u00e4tze (Hg. L. Giemsch u. S. Hansen; Begleitband zur Sonderausstellung Arch\u00e4ologisches Museum Ffm 2019), N\u00fcnnerich-Asmus Verlag, Mainz: 2019, S. 26 &#8211; 41<br \/>\n5)\u00a0 Zitiert aus:\u00a0 Marx \/Engels: Ausgew\u00e4hlte Schriften: Band 1, Berlin: Dietz Verlag Berlin, 1964, S. 226<br \/>\n6)\u00a0 Siehe zum \u201eAlten Orient\u201c einige weltanschaulich keineswegs einheitliche \u00dcbersichtswerke: Von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Horst Klengel: Kulturgeschichte des alten Vorderasien. Berlin: Akademie-Verlag, 1989\u00a0 \/\u00a0 Hans J. Nissen+ Peter Heine: Von Mesopotamien zum Irak. (2003) Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 2014. \/\u00a0 Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Gro\u00dfen. (2004) M\u00fcnchen: Verlag\u00a0 C.H.Beck, 2. verb. Aufl., 2009<br \/>\n7)\u00a0 Das derzeitige Wissen\u00a0 zu:<br \/>\n&#8211; \u201eCatal H\u00fcy\u00fck\u201c, 7400 &#8211; 6000 v. u. Zt.; in Anatolien: &#8211;\u00a0 In einigem veraltet, aber immer noch lesenswert: James Mellaart: Catal H\u00fcy\u00fck. Stadt aus der Steinzeit. Bergisch Gladbach: 1967 \/\u00a0 Auf dem neuesten Stand die Arbeiten des Arch\u00e4ologen Jan Hodder zu Catal H\u00fcy\u00fck. Ausz\u00fcge seiner Schriften in deutscher \u00dcbersetzung bei:\u00a0 Dieter Reinisch (Hg.): Der Urkommunismus. Wien: Promedia, 2012, S. 155 &#8211; 163.\u00a0 \/ Siehe zudem die Literatur der Fu\u00dfnote 4<br \/>\n&#8211; \u201eTeotihuacan\u201c, 1. Jh. v. u. Zt. &#8211; 7. Jh. u. Z.; in Mesoamerika (Mexiko): Siehe z.B :\u00a0 Teotihuacan. Geheimnisvolle Pyramidenstadt. ; SOMOGY . Editions D Art,\u00a0 Ausstellung im Museum Rietberg Z\u00fcrich: 2010. (= Katalog)\u00a0 \/\u00a0 Antje Gunsenheimer u. Ute Sch\u00fcren: Amerika vor der europ\u00e4ischen Eroberung. Frankfurt\/M.:\u00a0 S. Fischer, (Neue Fischer Weltgeschichte, Band 16), 2016<br \/>\n&#8211; \u201eUruk\u201c, 5. Jt. v. u. Zt. &#8211; ca. 4\/5 Jh. n. u. Zt. ; s\u00fcdliches Babylonien (Irak):\u00a0 &#8211;\u00a0 Siehe z.B.:\u00a0 N. Cr\u00fcsemann\/ M. van Ess \/ M. Hilgert\/ B. Salje (Hrsg.):\u00a0 Uruk\u00a0 5000 Jahre Megacity. Begleitband zur Ausstellung \u201eUruk- 5000 Jahre Megacity\u201c Im Pergamon Museum &#8211; Staatliche Musen zu Berlin; Michael Imhof Verlag: 2013. \/\u00a0 Siehe des Weiteren die \u00dcbersichtswerke zum \u201eAlten Orient\u201c im Quellenverzeichnis Nr. 6<br \/>\n8)\u00a0 Simon Sutterl\u00fctti:\u00a0 Revoltierend, politisch und selbstverwaltet. Geschichte. David Graeber und David Wengrow erz\u00e4hlen eine andere Geschichte der Menschheit.\u00a0 in: \u201eak\u201c. , Nr. 679, 15. Feb. 2022, S. 30<br \/>\n9)\u00a0 Thomas Salter: Hochwertige organische Kost. Auf Weltreise: David Graeber und David Wengrow schreiben die Weltgeschichte um: in: \u201ejw\u201c 16. M\u00e4rz 2022, Nr. 63, S. 17<br \/>\n10)\u00a0 Engels vermerkte zur \u201ematerialistischen Geschichtsauffassung\u201c u.a.: \u201eDer durchgehende Grundgedanke des (kommunistischen) Manifestes: da\u00df die \u00f6konomische Produktion und die aus ihr mit Notwendigkeit folgende gesellschaftliche Gliederung einer jeden Geschichtsepoche die Grundlage bildet f\u00fcr die politische und intellektuelle Geschichte dieser Epoche; da\u00df demgem\u00e4\u00df (seit Aufl\u00f6sung des uralten Gemeinbesitzes an Grund und Boden) die ganze Geschichte eine Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen gewesen ist, K\u00e4mpfen zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden, beherrschten und herrschenden Klassen auf verschiedenen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung; da\u00df dieser Kampf aber jetzt eine Stufe erreicht hat, wo die ausgebeutete und unterdr\u00fcckte Klasse (das Proletariat) sich nicht mehr von der sie ausbeutenden und unterdr\u00fcckenden Klasse (der Bourgeoisie) befreien kann, ohne zugleich die ganze Gesellschaft f\u00fcr immer von Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung und Klassenk\u00e4mpfen zu befreien \u2026 \u201c. (1883) \/ \u201eHier die Antwort auf ihre Fragen! Unter den \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen, die wir als bestimmende Basis der Geschichte der Gesellschaft ansehen, verstehen wir die Art und Weise, worin die Menschen einer bestimmten Gesellschaft ihren Lebensunterhalt produzieren und die Produkte untereinander austauschen (soweit Teilung der Arbeit besteht). Also die <em>gesamte Technik<\/em> der Produktion und des Transports ist da einbegriffen. Diese Technik bestimmt nach unserer Auffassung auch die Art und Weise des Austausches, weiterhin der Verteilung der Produkte und damit, nach der Aufl\u00f6sung der Gentilgesellschaft, auch die Einteilung der Klassen, damit Staat, Politik, Recht etc. Ferner sind einbegriffen unter den \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen die <em>geographische Grundlage<\/em>, worauf diese sich abspielen, und die tats\u00e4chlich \u00fcberlieferten Reste fr\u00fcherer \u00f6konomischer Entwicklungsstufen, die sich forterhalten haben, oft nur durch Tradition oder vis inertiae (die Kraft der Tr\u00e4gheit), nat\u00fcrlich auch das diese Gesellschaftsform nach au\u00dfen hin umgebende Milieu. \u201c (1894)\u00a0 \/ Die hier zitierten Passagen aus: Marx\/Engels :\u00a0 Ausgew\u00e4hlte Schriften, Band 1+2, Berlin: Dietz Verlag Berlin, 1964<br \/>\n11)\u00a0 Zitiert aus: Marx \/Engels: Ausgew. Schr., 1964, Bd.2, S. 135 \u2013 136<br \/>\n12)\u00a0 Lewis Henry Morgan: Die Urgesellschaft. Untersuchungen \u00fcber den Fortschritt der Menschheit aus der Wildheit durch die Barbarei zur Zivilisation. (1877) Z\u00fcrich: 1884. (ff.) ; auch Neuausgabe, Wien: 1987<br \/>\n13)\u00a0 Redaktionelle Anmerkung des Dietz Verl., 1964,\u00a0 in:\u00a0 Marx\/Engels: Ausgew. Schr., Bd. 2, S. 504 \u2013 505<br \/>\n14)\u00a0 Paul Lafargue:\u00a0 Die Entwicklung des Eigentums. (Neue durchgesehene Auflage). Berlin: Verlag der Expedition des \u201eVorw\u00e4rts\u201c\u00a0 Berliner Volksblatt, 1893, S. 7<br \/>\n15)\u00a0 G.W. Plechanow:\u00a0 Zur Frage der Entwicklung der Monistischen Geschichtsauffassung (1894) Berlin: Dietz Verlag, 1956. \/ G.W. Plechanow: Grundprobleme des Marxismus. (1908) Berlin: Dietz Verlag, 1958<br \/>\n16)\u00a0 Karl Kautsky (Dargelegt von): Die Materialistische Geschichtsauffassung. Erster Band: Natur und Gesellschaft. Berlin: Verlag\u00a0 J.H.W. Dietz Nachf. 1927 \/ Band Zwei: Der Staat und die Entwicklung der Menschheit.\u00a0 ebenda, 1927 \/ auch:\u00a0 Gek\u00fcrzte Ausgabe der Arbeit, unter gleichem Autorennamen und Titel, durch John H. Kautsky (Herausgegeben, eingeleitet und annotiert)\u00a0 Berlin-Bonn:\u00a0 Verlag\u00a0 J.H.W. Dietz Nachf., 1988<br \/>\n17)\u00a0 Die interessantesten Diskussionen zum Themenkomplex:\u00a0 Vor- und Fr\u00fchgeschichte bzw.\u00a0\u00a0 gesellschaftliche Formationsfrage, so mein Eindruck, fanden in den Anf\u00e4ngen und am Ende der DDR statt.\u00a0 \/ 1987, also noch vor dem Untergang der DDR, legte ein westdeutscher Historiker eine Beschreibung und Deutung der Ostdeutschen Diskussion zum Problemkomplex vor, nebst eigenen Anschauungen zur Marx-Interpretation. Die Studie hatte naturgem\u00e4\u00df L\u00fccken und Schw\u00e4chen, zumal sie von Au\u00dfen erfolgte. Die Resonanz der Arbeit in Ost und West war leider bescheiden. Siehe:\u00a0 Wolfgang Kunkel: Geschichte als Proze\u00df? Historischer Materialismus oder Marxistische Geschichtstheorie. Hamburg: VSA-Verlag, 1987.\u00a0 \/\u00a0 Zu den Sp\u00e4twerken der DDR &#8211; Geschichtsschreibung beim historischen Thema z\u00e4hlen u.a.:\u00a0 Von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Heinz Gr\u00fcnert:\u00a0 Geschichte der Urgesellschaft.\u00a0 Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1982\u00a0 \/\u00a0 Joachim Herrmann u. Jens K\u00f6hn (Hrsg.):\u00a0 Familie, Staat und Gesellschaftsformation. Grundprobleme vorkapitalistischer Epochen einhundert Jahre nach Friedrich Engels Werk \u201eDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats\u201c.\u00a0 Berlin: Akademie-Verlag, 1988\u00a0 \u2013\u00a0 Mein Kommentar: Die beiden angegebenen B\u00fccher geben die damals wohl mehr oder weniger geltende offizielle Linie der Partei SED wieder. Wissenschaftliche Widerspr\u00fcche oder Meinungsverschiedenheiten unter den Autoren selbst wurden dabei eher unter den Teppich gekehrt, bestenfalls angedeutet; marxistische Abweichler, die es ja auch noch unter ihnen gab, hatten hier keine wirkliche Stimme. &#8211; Frei war die Diskussion in der DDR eh meistens nicht. Selbst im Abgang kastrierte man sich.<br \/>\n18)\u00a0 Zur westdeutschen Debatte habe ich nur partielle Kenntnisse. \/ Im \u00f6sterreichischem Verlag Promedia erschien eine lesenswerte allgemeine Dokumentation zum Thema \u201eUrkommunismus\u201c in Textausz\u00fcgen:\u00a0 Dieter Reinisch (Hrsg.): Der Urkommunismus. Auf den Spuren der egalit\u00e4ren Gesellschaft. Wien: 2012. &#8211; Gegliedert ist die Dokumentation in die Abschnitte:\u00a0 Marxistische Vorstellungen vom Urkommunismus; Linke Nationalisten und der Urkommunismus; Forschung in der UdSSR und der DDR; Arch\u00e4ologen und Anthropologen \u00fcber den Urkommunismus; Erkenntnisse aus dem 21. Jahrhundert.\u00a0 &#8211; Das informative Vorwort des Arch\u00e4ologen und Publizisten D. Reinisch verweist auf einige Diskussionsstr\u00e4nge im Westen und Osten.\u00a0 \/\u00a0 In DKP-N\u00e4he, doch unter Vorbehalten, publizierten in Westdeutschland Margarete Tjaden-Steinhauer u. Karl Hermann Tjaden zu den oben angesprochenen (historischen) Fragen. Ihre Arbeiten liegen mir zur Einsch\u00e4tzung nicht vor.\u00a0 \/\u00a0 Auch in der sogenannten \u201eNeuen Linken\u201c\u00a0 &#8211;\u00a0 im Nachklang der 68er Bewegung &#8211;\u00a0 kam es zu einer Diskussion der angeschnittenen Fragen. Man arbeitete an der Rekonstruktion Marxscher Gedanken; Anthropologie, Ethnologie, Formationsfrage usw. An dieser Aussprache beteiligten sich auch Linkb\u00fcrgerliche Autoren. Hierbei sei an Autoren wie H-P. Harstick und Lawrence Krader erinnert, die wichtige Impulse setzten.\u00a0 Weitere Arbeiten aus dem franz\u00f6sischen, italienischen und englischsprachigen Bereich wurde \u00fcbersetzt, so spezielle \u00dcberlegungen von Maurice Godelier , Eric J. Hobsbawm, Gianni Sofri, usw.\u00a0 In der DDR-Diskussion kamen diese Arbeiten kaum vor.<br \/>\n*\u00a0 Registrieren sollten Marxisten auch eine interessante Str\u00f6mung in der neueren Arch\u00e4ologie- und akademischen Debatte Gesamtdeutschlands.\u00a0 Ihre Vertreter beziehen sich nicht auf den \u201eHistorischen Materialismus\u201c (den sie kaum richtig kennen oder missdeuten), sondern auf eine irgendwie (zumeist individuell) gefasste \u201eEvolutionstheorie\u201c in der Geschichtsbetrachtung. Nicht wenige der Autoren n\u00e4hern sich dabei dem geschichtlichen Materialismus an; sp\u00fcrbar das Anliegen, bei der Lebenswirklichkeit und Umwelt der Menschen anzusetzen und diese aus historischen Funden zu rekonstruieren.\u00a0 &#8211;\u00a0 Siehe als Beispiel aus dem Literaturfundus dieser Str\u00f6mung:\u00a0 Harald Meller u.a. (Hrsg.): \u00dcberschuss ohne Staat: politische Formen in der Vorgeschichte; 10. Mitteldeutscher Arch\u00e4ologentag vom 19. \u2013 21. Oktober 2017 in Halle (Saale). Verlag: Halle; Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege und Arch\u00e4ologie Sachsen-Anhalt., 2018<br \/>\n*\u00a0 Soeben erschienen ist als politischer Links-Beitrag: Stephan Kr\u00fcger: Epochen \u00f6konomischer Gesellschaftsformationen. Eckpunkte und Entwicklungslinien der Weltgeschichte. Hamburg : VSA.Verlag, (Kritik der Politischen \u00d6konomie und Kapitalismusanalyse, Band 7), 2023. <strong>\u00a0&#8211; <\/strong>Das Neunhundert-Seiten- Werk, so mein Kommentar, will erst einmal verdaut werden. Es d\u00fcrfte und wird wohl unter Linken und Marxisten <em>nicht ohne Grund<\/em> ein geteiltes Echo hervorrufen. Ein Echo, das vielleicht wirklich zu einer kontroversen und nachhaltigen Debatte \u00fcber die vorgelegten Ansichten unter Genossen animiert. Mal sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz G\u00f6tt \u201eANF\u00c4NGE. Eine neue Geschichte der Menschheit.\u201c\u00a0 titelt das Buch der Autoren Graeber \/ Wengrow. (1) Ich habe die Studie mit Interesse gelesen. Dennoch haben mich zentrale Schlussfolgerungen, methodische \u00dcberlegungen und einige Befunde im Buch nicht \u00fcberzeugt. Ausgew\u00e4hlte Probleme und Positionen der Studie sollen daher im Folgenden diskutiert werden. 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