{"id":3158,"date":"2025-11-04T17:47:12","date_gmt":"2025-11-04T16:47:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3158"},"modified":"2025-11-04T17:47:12","modified_gmt":"2025-11-04T16:47:12","slug":"heiner-karuscheit-h-k-der-deutsche-rassenstaat-1-und-das-imperialismusproblem-iii-2-ein-paar-anmerkungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3158","title":{"rendered":"Heiner Karuscheit (H.K.): Der deutsche Rassenstaat [1] und das \u201eImperialismusproblem III\u201c [2] \u2013 ein paar Anmerkungen"},"content":{"rendered":"<p>Karl-Heinz Goll, Oktober 2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum vorliegenden Text habe ich zun\u00e4chst bis zum Erscheinen der AZD 98 [2] abgewartet, weil f\u00fcr dieses Heft eine neuerliche \u201eKritik der Leninschen Imperialismustheorie\u201c angek\u00fcndigt war. Der Zusammenhang zwischen dem Buch [1] und dieser Kritik musste aufgegriffen werden. Ansonsten sind nachfolgend etliche Eigenzitate z.T. ohne besondere Quellenangabe aus meinen fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen enthalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorab zum Buch [1]: Teilweise ist es lesenswert und \u201elehrreich\u201c, wenn auch stark durchsetzt mit fragw\u00fcrdigen Thesen und falschen Schlussfolgerungen.<\/p>\n<p><strong>\u201ePositives\u201c und Kritik:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H.K. beginnt folgerichtig mit der gescheiterten b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848\/49: Sie \u201e<em>endete mit einer Niederlage, weil ein ma\u00dfgeblicher Teil des B\u00fcrgertums, voran die emporstrebende industrielle Bourgeoisie, es angesichts der sozialen Forderungen der Massen vorzog, an die Seite Preu\u00dfens zu treten um die Volksbewegung niederschlagen zu lassen \u2026.\u201c <\/em>\u2013 so H.K. Und weiter:<br \/>\n\u201e <em>\u2026 der 1862 \u2026 ernannte Bismarck \u2026 setzte den preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaat an die Spitze der Nationalbewegung und lie\u00df die junkerliche Armee in den Einigungskriegen von 1864 bis 1870 einen kleindeutschen Nationalstaat unter Ausschluss \u00d6sterreichs erk\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Staat charakterisierte Karl Marx 1875 folgenderma\u00dfen: <em>\u201e \u2026 als nichts anderes als ein mit parlamentarischen Formen verbr\u00e4mter, mit feudalem Beisatz vermischter und zugleich schon von der Bourgeoisie beeinflusster, b\u00fcrokratisch gezimmerter, polizeilich geh\u00fcteter Milit\u00e4rdespotismus\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em>Wohlgemerkt: 1875<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es weiterging, habe ich in [3 \u2013 AZD 93] folgenderma\u00dfen angedeutet: <em>\u201eHeiner Karuscheit macht m.E. einen grunds\u00e4tzlichen Fehler, wenn er die preu\u00dfische Staats- <\/em><u>und <\/u><em>Gesellschaftsordnung um 1900 als \u201avorb\u00fcrgerlich\u2018, \u201anicht von der Bourgeoisie beherrscht\u2018 definiert (u.a. AZD 88). Er macht keinen Unterschied zwischen Form und Inhalt, zwischen Staat und Gesellschaftsordnung, die er mit einem Bindestrich vermengt. \u00dcberspitzt k\u00f6nnte man so die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung als vorb\u00fcrgerliche Monarchie betrachten.\u201c <\/em>Und:<br \/>\n<em>\u201eEtwas schr\u00e4g bzw. submarin k\u00f6nnte man das B\u00fcrgertum des sp\u00e4ten Kaiserreiches mit einem Einsiedlerkrebs vergleichen, der mangels (demokratischer) Kruste mit seinem weichen Hinterleib in einem (preu\u00dfischen Milit\u00e4r- und Obrigkeits-) Schneckenpanzer steckt, ohne dass man ihn deswegen mit der Schnecke verwechseln sollte.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das deutsche Reich war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Monarchie mit schwindenden halbfeudalen Relikten, aber zunehmend bestimmt von den \u00f6konomischen Interessen der Bourgeoisie. Bismarck suchte durch Sozialreformen (Kranken- und Unfallversicherung, Renten- und Invalidenversicherung) sowie mit den Sozialistengesetzen zwischen 1878 bis 1890 \u201egegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie\u201c den wachsenden Einfluss der sozialistischen Arbeiterbewegung zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Trotz alledem erreichte die SPD sp\u00e4ter 1912 bei den Reichstagswahlen 35% der Stimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Optimismus der SPD, den Staat friedlich-parlamentarisch \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, war so gro\u00df, dass selbst Friedrich Engels 1891 zu h\u00f6chst fatalen Aussagen kam (MEW 22, S. 250 bis 251):<br \/>\n<em>\u201eDie sozialdemokratische Partei, die einen Bismarck gest\u00fcrzt, die nach elfj\u00e4hrigem Kampf das Sozialistengesetz gebrochen, die Partei, die wie die ansteigende Flut alle D\u00e4mme \u00fcberbraust, die sich \u00fcber Stadt und Land ergie\u00dft, bis in die reaktion\u00e4rsten Ackerbaudistrikte \u2013 diese Partei steht heute auf dem Punkt, wo sie mit fast mathematisch genauer Berechnung die Zeit bestimmen kann, in der sie zur Herrschaft kommt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Engels weiter: <em>\u201eDie Hauptst\u00e4rke der deutschen Sozialdemokratie liegt aber keineswegs in der Zahl ihrer W\u00e4hler. Bei uns wird man W\u00e4hler erst mit 25 Jahren, aber schon mit 20 Soldat. Und gerade die junge Generation es ist, die unsrer Partei ihre zahlreichsten Rekruten liefert, so folgt daraus, dass die deutsche Armee mehr und mehr vom Sozialismus angesteckt wird. Heute haben wir einen Soldaten auf f\u00fcnf, in wenigen Jahren werden wir einen auf drei haben, und gegen 1900 wird die Armee, fr\u00fcher das preu\u00dfischste Element des Landes, in ihrer Majorit\u00e4t sozialistisch sein. Das r\u00fcckt heran, unaufhaltsam wie ein Schicksalsschluss.\u201c<br \/>\n<\/em>Doch das genaue Gegenteil dieser Engelsschen Visionen \u2013 eine sozialdemokratisch gef\u00fchrte Konterrevolution \u2013 trat ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die SPD \u201ehineingewachsen\u201c (H.K.) in den preu\u00dfischen Staat<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Massen sozialdemokratischer Funktion\u00e4re in den Gewerkschaften, den Sozialversicherungen, staatlichen Beh\u00f6rden (z.B. den \u201e12-Endern\u201c, in der Regel Unteroffiziers-Dienstgrade der laut Engels \u201esozialistisch angesteckten\u201c Reichswehr, die nach 12 Dienstjahren anschlie\u00dfend als Beamte zum Beispiel bei Finanz\u00e4mtern, Zoll, Justiz, Post, Bahn, \u00fcbernommen wurden) identifizierten sich weitestgehend mit dem preu\u00dfischen Staat, von dem sie glaubten, dass die SPD ihn in B\u00e4lde \u201e\u00fcbernehmen\u201c w\u00fcrde. Dessen revolution\u00e4res \u201eZerbrechen\u201c im Sinne von Marx war f\u00fcr sie undenkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Marx war klar, dass das Proletariat die b\u00fcrgerliche Staatsmaschine \u201enicht einfach in Besitz nehmen\u201c kann, sondern dass es diese im B\u00fcrgerkrieg \u201ezerschlagen\u201c, \u201ezerbrechen\u201c muss. Das Gegenteil wurde f\u00fcr die SPD zur Richtschnur ihrer staatstreuen Politik, was sp\u00e4ter &#8211; angefangen mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten, der \u201eBurgfriedenspolitik\u201c, der \u201eVaterlandsverteidigung\u201c \u2013 zum Ausdruck kam, womit sie 1914 die Proletarier in das V\u00f6lkergemetzel mobilisierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1918\/19: eine sozialdemokratisch gef\u00fchrte Konterrevolution<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die konterrevolution\u00e4re Rolle der sozialdemokratischen F\u00fchrung in der Novemberrevolution hat H.K. treffend herausgearbeitet. Nun mehr an Kritik:<\/p>\n<p><strong>H.K.`s undialektisches Entgegensetzen von Klassenkampf und \u00d6konomie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses (im marxistischen Sinn) metaphysische, schematische Verst\u00e4ndnis von Klassenkampf \u00e4u\u00dfert sich bei H.K. in verschiedenen Thesen. Es ist \u00fcberwiegend beschr\u00e4nkt auf Parteienkonstellationen in den Parlamenten, den Regierungen, dem politischen \u00dcberbau, w\u00e4hrend der dialektische Zusammenhang mit der \u00f6konomischen Basis als \u201e\u00d6konomismus\u201c abgetan wird. Als ob dieser unl\u00f6sbare Zusammenhang nicht schon aus dem Titel des Hauptwerkes von Marx\/Engels hervorginge: \u201eDas Kapital \u2013 Kritik der politischen \u00d6konomie\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Wikipedia wird das B\u00fcrgertum \u201echarakterisiert durch den Erwerb bzw. die Wahrung von Besitz, und zwar Besitz von Rechten, oder Besitz von materiellen G\u00fctern oder Besitz von Bildung\u201c. Man muss pr\u00e4zisieren: Besitz von Produktionsmitteln und muss hinzuf\u00fcgen, dass das b\u00fcrgerliche Klassenbewusstsein ganz allgemein die \u00dcberzeugung einer grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegenheit, ein elit\u00e4res Sendungsbewusstsein gegen\u00fcber den \u201eunteren\u201c Schichten impliziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besitzb\u00fcrgertum im Kapitalismus, marxistisch die Bourgeoisie, ist die Klasse, die die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die gesellschaftlichen Produktionsmittel aus\u00fcbt. Sie bestimmt im Kapitalismus letztlich, bzw. l\u00e4sst zu \u2013 auf die eine oder andere Weise \u2013 ob parlamentarisch oder per \u201eErm\u00e4chtigung\u201c \u2013 wer die staatliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, sprich Regierungsgewalt aus\u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Junkertum<\/strong><br \/>\nWohin der \u201ehistorische Untergang\u201c des Junkertums f\u00fchrte, dar\u00fcber gibt das Buch [1] wenig Auskunft. Lediglich die \u201e<em>\u2026 Weltmarktkonkurrenz des preiswerteren Getreides der amerikanischen Farmer &#8230;\u201c<\/em> wird genannt, die die nach H.K. immer selbst-gleichen Junker zwang, <em>\u201esich umso mehr an die Staatsmacht zu klammern\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei H.K. beherrscht das Junkertum als Klasse Deutschland mit dem preu\u00dfischen Hegemonialstaat, speziell in Gestalt des Milit\u00e4radels \u201ezusammen mit den von der Schwerindustrie bestimmten Nationalliberalen\u201c. Die Junker kommandierten nach H.K. quasi unwandelbar bis ins 3. Reich hinein die Armee \u201eals wichtigsten innenpolitischem Machtfaktor\u201c \u2013 was allerdings bei n\u00e4herer Betrachtung bez\u00fcglich der Nazizeit so einfach nicht stimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu H.K.`s Meinung (\u201ePakt mit dem Milit\u00e4radel\u201c) [1- S.85] beherrschte der Milit\u00e4radel alias Junkertum nur noch bedingt Hitlers Wehrmacht. Vielmehr kamen zahlreiche Gener\u00e4le aus b\u00fcrgerlichen bzw. kleinb\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen. Was besonders z\u00e4hlte, waren die Sporen, die im 1.\u00a0Weltkrieg verdient wurden. Es seien unter den Gener\u00e4len nur die Namen von Ludwig Beck, Alfred Jodl, Friedrich Fritz Fromm, Fritz Halder, Kurt Zeitzler, Wilhelm Burgdorf, Erwin Rommel, Friedrich Paulus genannt, eine Liste, die sich bis in nachrangige Posten beliebig verl\u00e4ngern lie\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H.K.`s zentrale These zum 1. Weltkrieg ist mehr als fragw\u00fcrdig, wonach der Krieg \u201ewesentlich ein Machtsicherungskrieg des untergehenden Junkertums\u201c gewesen sei, bzw., dass der junkerliche Milit\u00e4radel keine andere M\u00f6glichkeit mehr (sah), als \u201edie Flucht in einen Krieg, um seine Vormachtstellung zu behaupten\u201c. Dieser Nebenaspekt, der aber die Kriegsziele, besonders Annektionen, ignoriert, dient H.K. vor allem dem Zweck, \u00f6konomisch-imperialistische Kriegsgr\u00fcnde als \u201e\u00d6konomismus\u201c abzutun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im geradezu Ehrfurcht erregenden 5-seitigen Literaturverzeichnis zum Buch [1] fehlt das sehr wichtige Werk von Roger Pickering [4]. (Auch fehlt z.B. ein ebenfalls wichtiges Buch des Autors Ulrich Enderwitz: \u201eAntisemitismus und Volksstaat\u201c [7]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pickering [4] schreibt: \u201e<em>Der Reichstag war tief gespalten: Die Konservativen und die Rechtsliberalen, die Rechtsparteien, die den adligen Landbesitz und das Gro\u00dfb\u00fcrgertum repr\u00e4sentierten, forderten einen kompromisslosen Siegfrieden mit \u00fcppigen Gebietsgewinnen \u2026 Die meisten politischen und sozialen Eliten Vorkriegsdeutschlands waren in diesem Lager zu finden. Sie erwarteten, dass ein milit\u00e4rischer Triumph ihre eigene F\u00fchrungsposition rechtfertigen und Forderungen nach politischen und sozialen Reformen entkr\u00e4ften w\u00fcrde.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gebietsgewinne, sprich Annexionen, nach denen die genannten Eliten gierten, betrafen besonders besetzte Gebiete im Westen (Belgien, Elsa\u00df-Lothringen) und im Osten (russische Gebiete, Polen, im Baltikum bis nach Rum\u00e4nien). Das war Imperialismus in Reinkultur und bedeutete keineswegs nur einen \u201eMachtsicherungskrieg\u201c des \u201euntergehenden Junkertums\u201c. Der \u201ehistorische Untergang\u201c bestand darin, dass die Junker sich zu einer Fraktion der Bourgeoisie entwickeln mussten. Von dieser Tatsache will H.K. offenbar nichts wissen.<\/p>\n<p><strong>Das B\u00fcrgertum als herrschende Klasse der Nazi-Diktatur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut H.K. war die NSDAP \u201ekeine b\u00fcrgerliche, sie war eine kleinb\u00fcrgerliche Partei.\u201c Das mag f\u00fcr die Entstehungszeit der NSDAP gelten. Dagegen hat u.a. der Autor Bernt Engelmann mehrere B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, darunter 1978 den fast 600 Seiten langen Bericht: \u201eKrupp &#8211; die Geschichte eines Hauses; Legenden und Wirklichkeit\u201c [5].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2022 erschien das Buch: \u201eBraunes Erbe \u2013 die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien\u201c [11] des Autors David de Jong. Es ist ein akribisch recherchiertes Werk \u00fcber die Familien Quandt, Flick, von\u00a0Fink, Porsche-Piech und Oetker, deren Vertreter zumeist als Partei- und oft SS-Mitglieder engste Beziehungen zur NSDAP-F\u00fchrung unterhielten. Sie bereicherten sich besonders durch umfangreiche \u201eArisierungen\u201c j\u00fcdischer Firmen und Besitzt\u00fcmer sowie durch die massenhaft-brutale Ausbeutung von Fremdarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-H\u00e4ftlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fchrende Industrielle der Gro\u00dfbourgeoisie unterst\u00fctzten Hitler schon vor der Machtergreifung und mitfinanzierten die NSDAP. So ist der von Fritz Thyssen arrangierte Empfang vom 26. Januar 1932 im Industrieclub D\u00fcsseldorf ber\u00fcchtigt, auf dem Hitler erschien, redete und den gro\u00dfen Bossen von Rhein und Ruhr vorgestellt wurde. Auf S. 80 des Buches [1] beschreibt auch H.K. die <em>\u201eungeteilte und z.T. begeisterte Zustimmung der 650 Zuh\u00f6rer, unter denen sich so gut wie alle Wirtschaftsf\u00fchrer aus dem Montanbereich befanden:\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mittlere bis kleinere B\u00fcrgertum reihte sich begeistert in die \u201eReichsarbeitsfront\u201c ein, als das schuldenfinanzierte Kriegsr\u00fcstungsprogramm der Nazis zu einem ungeahnten Aufschwung f\u00fchrte. Kleinere Bauunternehmer z.B., die mit vielleicht 15 Arbeitern gerade noch mit M\u00fche und Not die Weltwirtschaftskrise \u00fcberstanden hatten, machten nun Profite teils mit \u00fcber 300 Leuten, z.T. Reichsarbeitsdienstler, Zwangsarbeiter und KZ-H\u00e4ftlinge, nur beispielsweise beim Bau des West- oder Atlantikwalls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u201eneue Bourgeoisie\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den Reihen der Nazi-Organisationen, z.B. aus dem \u201eStahlhelm\u201c, der SA und SS kamen \u201eAufsteiger\u201c, die sich einen b\u00fcrgerlichen Lebensstil leisten konnten, mit gro\u00dfz\u00fcgigen Wohnungen oder Villen, mit Dienstgesinde, Autos und weiteren Statussymbolen. Es waren Kader der Wehrmacht, \u201eWehrwirtschaftsf\u00fchrer\u201c, Nazi-Parteibonzen usw., die die Bourgeoisie des Naziregimes komplettierten. Der z\u00fcgellose gro\u00dfb\u00fcrgerliche Prunk von Hermann G\u00f6ring sei nur als Beispiel genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nach 1945 \u2013 H.K.`s groteske These<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zitat von H.K. aus der \u201eSchlussbetrachtung\u201c zu [1]: <em>\u201eMit Adenauer an der Spitze erreichte die Bourgeoisie damit <\/em>(mit Hilfe der USA), <em>wozu sie selbst nicht imstande gewesen war: sie konnte in der 1949 gegr\u00fcndeten Westrepublik <\/em><u>zum ersten Mal in ihrer Geschichte (!!)<\/u><em> die Herrschaft \u00fcbernehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solch geradezu groteske These kann man bestenfalls mit h\u00f6chster Heiterkeit verkraften. Karuscheit verwechselt wieder die Macht der Kapitalbesitzer mit der vom B\u00fcrgertum (s.o.) unter dem Wohlwollen der Westalliierten eingesetzten staatlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. HK traut dem B\u00fcrgertum \u201enur prinzipiell, nicht in jedem Einzelfall\u201c eine parlamentarisch-demokratische Herrschaft zu. Den deutschen Faschismus schiebt er aufs Kleinb\u00fcrgertum oder den preu\u00dfischen Milit\u00e4rdespotismus auf die Junker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kontinuit\u00e4t der Klassen- und Machtstrukturen in Westdeutschland und Gesamtdeutschland nach der Wiedervereinigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus ging es den Siegerm\u00e4chten zun\u00e4chst vor allem darum, ein Wiedererstarken des deutschen Imperialismus und Militarismus nachhaltig zu verh\u00fcten, allerdings wesentlich bestimmt vom beginnenden kalten Krieg und der Rollback-Politik des Westens gegen\u00fcber der Sowjetunion. Die Westm\u00e4chte etablierten 1949 die westdeutsche BRD nach der W\u00e4hrungsreform von 1948. Im Oktober 1949 folgte die Gr\u00fcndung der DDR unter sowjetischer Oberherrschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einbindung und Einhegung der beiden deutschen Staaten in die jeweiligen Milit\u00e4rbl\u00f6cke NATO und Warschauer Pakt sowie in die jeweiligen Wirtschaftsbl\u00f6cke war das Leitmotiv der folgenden Entwicklungen. Dazu geh\u00f6rte die Integration Westdeutschlands in das Projekt Europa unter US-amerikanischer (und alliierter) Protektion, beginnend mit der Montanunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wiederaufstieg eines eigenst\u00e4ndigen und unkontrollierbaren Deutschen Imperialismus zu verhindern ist, wie man heute sieht, nicht in jeder Hinsicht gelungen. Die Karriere des wiedervereinigten Deutschlands ist eher vergleichbar mit einem Kuckucksei, aus dem sich ein \u00f6konomischer Riese mit militaristischem Programm auf dem Weg in die \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c heraus gepellt hat, allerdings in anhaltender US-Abh\u00e4ngigkeit. Die Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber den USA z\u00e4hlt zur DNA Nachkriegsdeutschlands (s. auch unten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scheinbar paradoxerweise wurden die Eliten, die oben beschriebene \u201ebunte Mischung\u201c des B\u00fcrgertums aus dem 3. Reich \u2013 abgesehen von einer geringf\u00fcgigen Dezimierung durch eine h\u00f6chst laxe \u201eEntnazifizierung\u201c von den Westm\u00e4chten weitestgehend in das westdeutsche Establishment \u00fcbernommen. Das bedeutete die Kontinuit\u00e4t der alten Klassen- und Machtstrukturen. So wurde der Antikommunismus der Nazi-F\u00fchrungsschichten wie des Personals des alten Staatsapparates in den kalten Krieg eingebracht \u2013 geradezu ein WinWin-Deal f\u00fcr die Westm\u00e4chte und die alte (west)deutsche Bourgeoisie. In der Wirtschaft, den politischen Parteien, in Verwaltung, Justiz etc. tummelten sich massenhaft demokratisch gewendete Kader des NS-Staates. Polizei und Geheimdienste blieben durchsetzt mit Ex-Nazis. Beispielsweise der BND ging aus der Organisation Gehlen hervor, mit der ehemalige Agenten der \u201eAbteilung fremde Heere Ost\u201c des Oberkommandos der Hitler-Wehrmacht quasi kollektiv \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der niedergeschlagene imperialistische Wolf musste sich allerdings diverse Schafspelze \u00fcberstreifen, um wieder auf die Beine zu kommen und in der westlichen Welt salonf\u00e4hig zu werden, als da w\u00e4ren: pro-westlich (NATO-Mitgliedschaft), US-H\u00f6rigkeit, kosmopolitisch statt national-chauvininistisch, pro-zionistisch statt antisemitisch, parlamentarisch statt diktatorisch, marktwirtschaftlich statt kriegs-kommandowirtschaftlich \u2026 Das pr\u00e4gt bis heute die deutsche Staatsr\u00e4son, sozusagen die DNA der Bundesrepublik, obwohl auch hier (\u201eZeitenwende\u201c und Trump) inzwischen etwas ins Rutschen gekommen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eErschreckendes Fazit\u201c: dieselben sozialen Gruppen in Spitzenpositionen seit 100 Jahren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kontinuit\u00e4t der (b\u00fcrgerlichen) Eliten Deutschlands belegt auch neben [11] die soziologische Forschung: Die Untersuchung von Prof. Michael Hartmann, Soziologe und Elitenforscher zeigt: der Anteil sozialer Aufsteiger hat sich seit \u00fcber 100 Jahren, n\u00e4mlich seit 1907, kaum ver\u00e4ndert. [Ulrike Hagen, Frankfurter Rundschau vom 30.06.2025].<\/p>\n<p><strong>\u201eDas Imperialismusproblem\u201c [2]; die AZD-Kritik an Lenin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kein deutscher Imperialismus? Seit Jahrzehnten (sp\u00e4testens seit den 90-iger Jahren) ist die \u201eVerabschiedung der Leninschen Imperialismustheorie\u201c ein Leitmotiv der AZD. Neben berechtigter Kritik an der Schrift \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c hat sich H.K. so weit verirrt, dass er sich \u201e<em>dagegen ausspricht \u2026 angesichts des k\u00fcrzlich beschlossenen 100-Milliarden Aufr\u00fcstungsprogramms der Berliner Regierung \u2026 daraus gleich auf die Wiederauferstehung von Militarismus, Imperialismus und Kriegsvorbereitung zu schlie\u00dfen <\/em>[10].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe dazu folgendes bemerkt [6, AZD vom Oktober 22]: <em>\u201eSchon der Terminus \u201eWiederauferstehung\u201c (von den Toten) kann ich nur so verstehen, dass es vor dem 100-Mrd. Schulden\u201cverm\u00f6gen\u201c nach H.K.`s Ansicht weder einen bundesdeutschen Militarismus noch Imperialismus noch Kriegsvorbereitungen gegeben hat. Und auch nach dem 100-Mrd.-Beschluss spricht er sich dagegen aus, auf eine Wiederauferstehung (von der vorhergehenden Nichtexistenz) \u201ezu schlie\u00dfen\u201c. Ohne hier langatmig auf eine solch verwunderliche Sichtweise zu entgegnen, sei hier zun\u00e4chst auf die umfangreichen Dokumentationen der \u201eInformationsstelle Militarisierung (<a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/\">http:\/\/www.imi-online.de\/<\/a>) verwiesen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Einen schwachen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr H.K.`s Lesart k\u00f6nnte man in dem Sachverhalt vermuten, dass die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des deutschen Imperialismus in Gestalt der transatlantischen Superkoalition \u2013 CDU\/CSU, SPD+Gr\u00fcne+FDP \u2013 die deutsche \u201eSicherheit\u201c tief im neokonservativen Enddarm des US-Imperialismus sucht. Diese Rolle als Vasall der USA \u2013 geradezu masochistisch forciert durch die Ampel-Regierung &#8211; wird nun dem Modell Deutschland zum Verh\u00e4ngnis aufgrund der neokonservativen US-Strategie zur Ukraine und dem Sanktionsregime gegen Russland.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die US-Strategie unter Biden zielte darauf ab, dass einerseits die Ukraine im Stellvertreterkrieg so lange weiterk\u00e4mpfen sollte, bis Russland als Machtkonkurrent am Ende ist und die USA die H\u00e4nde frei bekommen gegen China. Andererseits erreichten die USA bewusst und mit anhaltendem Erfolg, dass die Konkurrenten in Europa und speziell Deutschland durch die R\u00fcckwirkungen der Sanktionen empfindlich getroffen, von Russland abgeschnitten und in noch gr\u00f6\u00dfere Abh\u00e4ngigkeit von den USA gebracht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Trumps Zollpolitik und dessen angestrebten \u201eDeal\u201c mit Russland kommen die EU und besonders Deutschland vom Regen in die Traufe. Logischerweise (keine Wiederauferstehung) d\u00fcrfte es nach H.K. keinen deutschen Imperialismus (mehr) geben. Andererseits ist in den AZD immer wieder von Imperialismus die Rede (zumindest etwas versch\u00e4mt von \u201eimperialen M\u00e4chten\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur \u201eNationalen Sicherheitsstrategie Deutschlands\u201c habe ich einen Artikel geschrieben [8] mit dem Fazit:<br \/>\n<em>\u201eDenn wo Deutschland als Unterauftragnehmer der USA scheinbar paradoxerweise einem Wirtschaftskrieg, einem \u201efriendly fire\u201c seitens diesem \u201eengsten Verb\u00fcndeten\u201c ausgesetzt ist, bedingen die sonstigen Verstrickungen in die zahlreichen Widerspr\u00fcche und Konkurrenzverh\u00e4ltnisse eine wahre Strategie-Unf\u00e4higkeit, geradezu einem Masochismus eines ratlos hin-und her getriebenen, angeknacksten Wirtschaftsriesen und Strategie-Zwerges. W\u00fcrden die Herrschenden nach imperialistischer Logik Ernst machen und w\u00fcrde Deutschland entgegen der hohlen Gro\u00dfmachtphantasien im \u201eglobalen machtpolitischen Konkurrenzkampf\u201c als \u201eGestaltungsmacht\u201c ernst genommen und einen wirklichen Platz an der Sonne als gro\u00dfer \u201eF\u00fchrungs-Player\u201c in NATO und EU einnehmen k\u00f6nnen, w\u00fcrde das nur durch noch heftigere, vielseitige Gegenreaktionen und versch\u00e4rfte Widerst\u00e4nde gef\u00e4hrlich durchkreuzt werden. Das alles hei\u00dft mit Sicherheit alles andere als Sicherheit.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Imperialismus heute: In [6] wurde von mir ein \u201eholzschnittartiger Versuch einer Definition von \u201eImperialismus heute &#8211; \u00fcber Lenin hinaus\u201c \u2013 ver\u00f6ffentlicht. Dazu gab es von H.K. (auch von Alfred Schr\u00f6der), den Autoren von \u201eDas Imperialismusproblem III\u201c [2 \u2013 AZD 98] bislang keine Stellungnahme. Man findet in den Artikeln dieser Autoren auch so gut wie nichts zur Definition bzw. den allgemeinen polit\u00f6konomischen Merkmalen des heutigen Imperialismus.<\/p>\n<p><strong>Das \u201eImperialismusproblem III [2] \u2013 falsche und berechtigte Kritik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Text kann man als Res\u00fcmee aller bisherigen AZD-Artikel zur Leninschen Imperialismus-Theorie betrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Metaphysik statt Dialektik<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDoch Lenin vermochte es nicht, die Konstellation des Krieges klassenpolitisch zu erkl\u00e4ren, weshalb er daran ging, die Erkl\u00e4rung in der \u00d6konomie zu suchen \u2026 n\u00e4mlich in der Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus \u2026 Noch deutlicher konnte man die Orientierung an der \u00d6konomie nicht formulieren, was bedeutete, dass er dem \u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale verhaftet blieb\u201c<\/em> [2, S.19].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabh\u00e4ngig von Lenins Imperialismusschrift zeigen diese Formulierungen ein undialektisches, metaphysisches Auseinanderdividieren und Entgegensetzen der Kategorien \u201eKlassenpolitik\u201c versus \u201e\u00d6konomie\u201c durch die Autoren. Die jeweilige \u00f6konomische Formation der Gesellschaft ist jedoch unl\u00f6sbar die Basis von Klassen und Klassenkampf, woraus die dialektische Entwicklung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verh\u00e4ltnis Basis-\u00dcberbau l\u00e4sst sich (laut Engels [MEW 20\/25) folgenderma\u00dfen ausdr\u00fccken: <em>\u201eEs zeigte sich \u2026 das also die jedesmalige \u00f6konomische Struktur der Gesellschaft die reale Grundlage bildet, aus der der gesamte \u00dcberbau der rechtlichen und politischen Einrichtungen sowie der religi\u00f6sen, philosophischen und sonstigen Vorstellungsweise eines jeden geschichtlichen Zeitabschnittes in letzter Instanz zu erkl\u00e4ren sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also auch die Klassenk\u00e4mpfe. Und daher ist auch die \u201eFrage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus\u201c in der \u201e\u00f6konomischen Struktur der Gesellschaft\u201c zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn jemand die \u201eFrage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus\u201c aufwirft \u2013 was hat das mit dem \u201e\u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale\u201c zu tun?\u00a0 Da ist kein zwingender Zusammenhang zu erkennen. Ein Blick in das Leninsche Heft von 1916 zeigt: nichts weist auf das \u201eMarxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale\u201c hin. Der fundamentale Unterschied zwischen Lenin und der II. Internationale ist immerhin der, dass Lenin nicht die friedliche \u00dcbernahme des Staates durch Wahlen, sondern dessen Sturz f\u00fcr unumg\u00e4nglich hielt. Lenin das \u201e\u00f6konomische Missverst\u00e4ndnis der II. Internationale\u201c vorzuwerfen, ist nur Ausdruck der oben kritisierten Metaphysik der Autoren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eSterbender Kapitalismus\u201c \u2013 Epoche der proletarischen Revolution ?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt allerdings das Problem, ob die Imperialismusschrift auch r\u00fcckblickend nach \u00fcber 100 Jahren den einstigen Anspr\u00fcchen Lenins und der Komintern gen\u00fcgt. Man kann nur die v\u00f6llige Fehlanzeige konstatieren. Denn nach \u00fcber 100 Jahren haben Kapitalismus und Imperialismus s\u00e4mtliche gescheiterten sozialistischen Anl\u00e4ufe \u00fcberdauert und in Form kapitalistischer Restaurationen Urst\u00e4nd gefeiert. Der Kommunismus ist marginalisiert und existiert im Westen nur noch in Gestalt irrelevanter, meist \u201erevisionistischer\u201c bzw. idealistischer Sekten. Will man das imperialistische China, das familien-dynastische Nord-Korea oder das dahinsiechende Cuba als \u201ekommunistisch\u201c betrachten, beglaubigt man den vollst\u00e4ndigen Bankrott der \u201eSache\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eKommunistischer Idealismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Spielart des Idealismus bedeutet nicht die Erkl\u00e4rung des Geistigen, der Ideen, zur Ursache aller Erscheinungen und Entwicklungen oder dass die reale Welt nur als Objekt des Bewusstseins existiert. Das alles nicht (bzw. weniger). Dagegen geht es um die \u00dcberh\u00f6hung von Analysen bzw. ideologisch begr\u00fcndeten Parteibeschl\u00fcssen oder Theoremen \u201eunfehlbarer F\u00fchrer\u201c zum Agens der Gesellschaft \u2013 losgel\u00f6st von bzw. im Widerspruch zu objektiven Bedingungen. Beispielsweise u.a., indem man vom Willen der Menschen unabh\u00e4ngige \u00f6konomische Gesetze jenseits der objektiven Voraussetzungen per Beschl\u00fcssen willk\u00fcrlich \u00fcbergehen, gar abschaffen oder neue Gesetze erfinden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solcher Idealismus zeigte sich auch z.B. in der deutschen Novemberrevolution und danach: die Revolution\u00e4re, die f\u00fcr die Ideale einer sozialistischen Republik nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution k\u00e4mpften, blieben in der R\u00e4tebewegung eine Minderheit. Sie untersch\u00e4tzten die noch unerledigten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution, die f\u00fcr den Sozialismus \u201eunreife\u201c Klassenstruktur und die Aktionsf\u00e4higkeit der sozialdemokratisch gef\u00fchrten Konterrevolution: Lenin kritisierte (in taktischer, nicht strategischer Hinsicht) den zugrundeliegenden linken Radikalismus der deutschen Revolution\u00e4re. Die KPD mit ihrem fortdauernden linken Sektierertum und ihrem Voluntarismus, womit sie die Ideen von Sozialismus und Diktatur des Proletariats als unmittelbar auf der Tagesordnung verfolgte, konnte Massen r\u00fcckst\u00e4ndiger Arbeiter, Bauern und Millionen kleiner Warenproduzenten nicht gewinnen und wurde letztlich vom Nazi-Faschismus \u00fcberrollt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War Lenin frei von diesem \u201ekommunistischen Idealismus\u201c? Er war ein Mensch seiner Zeit, in der durch den 1. Weltkrieg sich gewaltige revolution\u00e4re Bewegungen erhoben und unter Lenins F\u00fchrung die russische Oktoberrevolution siegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die AZD-Kritik an Lenins Imperialismusschrift \u2013 zum Teil berechtigt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eAbschied\u201c von der Leninschen Imperialismustheorie wird in den AZD seit Ende der 80-iger Jahre ventiliert. So wurden im August 22 in der \u201eKommunistischen Debatte\u201c Texte aus dem Jahr 1987 (AZD 39) wiederver\u00f6ffentlicht, die damals unter dem Titel \u201eKapital und Monopol \u2013 zur Kritik der Monopoltheorie bei Hilferding und Lenin (https\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366) erschienen sind und deren Schlussfolgerungen im Wesentlichen in [2] wiederholt sind. Dieser sehr gr\u00fcndliche Beitrag (132 Seiten) zu den Widerspr\u00fcchen zwischen Lenins Quellen (besonders Hilferding, Hobson) und der Marxschen Theorie weist klar nachvollziehbare und zutreffende Kritikpunkte auf, auch an \u201eSchwankungen und Unsicherheiten\u201c Lenins selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Lenin seine Schrift teilweise auf Hilferding gest\u00fctzt hat, schlie\u00dfen die Autoren, dass auch die Leninsche Theorie des Imperialismus mit der Marxschen Theorie nicht vereinbar sei. Man wirft Lenin den Begriff \u201e\u00dcbergangskapitalismus\u201c vor, in dem \u201edie Warenproduktion bereits untergraben ist und die Hauptprofite den Genies der Finanzmachenschaften zufallen\u201c; ja man meint daraus den Schluss ziehen zu m\u00fcssen, dass es (angeblich laut Lenin) nicht mehr der Wert sei, der die Produktion bestimmt und regelt (AZD 39\/91). Oder man unterstellt Lenin, dass er mit seiner Rede vom Monopolkapitalismus die \u201e<em>Aufhebung der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Warenproduktion\u201c <\/em>behauptet habe \u2013 krass \u00fcberspitzte St\u00fccke an Interpretationskunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx wird gegen Lenin ausgespielt. Dabei wird ignoriert, dass schon Marx bemerkt hat (MEW 25\/454): <em>\u201eEs ist dies die\u00a0 Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als blo\u00dfer \u00dcbergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als ein solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sph\u00e4ren das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er produziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektemachern, Gr\u00fcndern und blo\u00df nominellen Direktoren, ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gr\u00fcndungen, Aktienausgabe und Aktienschwindel.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Engels f\u00fcgt als Beispiel hinzu, dass \u201e<em>\u2026 in diesem Zweig, der die Grundlage der ganzen chemischen Industrie bildet, in England die Konkurrenz durch das Monopol ersetzt und der k\u00fcnftigen Expropriation durch die Gesamtgesellschaft, die Nation, aufs trefflichste vorgearbeitet.\u201c <\/em>Hatte Lenin damit nicht etwa schon Vordenker?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H.K. setzt diesem Ausspielen Lenins gegen Marx sein Fazit obendrauf: \u201eEs ist deshalb an der Zeit, dass wir uns verabschieden, nicht von Lenin, der an der Seite des revolution\u00e4ren Proletariats den Kampf gegen den Opportunismus \u2026 der II. Internationale aufnahm, sondern von <u>der<\/u> (?) Imperialismustheorie. Konsequenter kann man das Kind nicht mit dem Bad aussch\u00fctten. Das \u201eProblem des Imperialismus selber\u201c muss stattdessen heute neu aufgerollt werden; dazu haben die AZD bislang kaum etwas geleistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ein paar grunds\u00e4tzliche Bemerkungen zum Umgang mit den sogenannten \u201eKlassikern des Marxismus-Leninismus\u201c:<\/p>\n<p><strong>Der \u201eUmgang\u201c mit den Klassikern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt 2 Extreme, wie mit Lenin und den \u00fcbrigen \u201eKlassikern\u201c des Marxismus umgegangen wird: auf der einen Seite betrachtet man sie als heilige, unfehlbare Propheten, denen (fast) alles (oft einseitig verzerrt, dogmatisch bzw. idealistisch) nachgebetet wird. Das andere Extrem bedeutet, wie z.B. bei Lenin, dass man sich von dessen Imperialismustheorie komplett verabschieden muss, ja dem man historische Niederlagen des Kommunismus ankreidet. Sozusagen ein positiver bzw. negativer Personenkult.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00e4mtliche \u201eKlassiker\u201c des sogenannten ML haben sich in manchen Fragen geirrt, haben Fehler selbstkritisch konstatiert und \u2013 so m\u00f6glich \u2013 korrigiert oder konnten sie nicht erkennen. Sch\u00f6n ist der diesbez\u00fcgliche Spruch von Engels zum 50. Geburtstag von Marx: <em>\u201eWas wir doch vor 25 Jahren f\u00fcr jugendliche Enthusiasten waren, als wir uns r\u00fchmten, um diese Zeit l\u00e4ngst gek\u00f6pft zu sein\u201c<\/em> MEW 32\/515).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Engels hat selbstkritisch einger\u00e4umt, dass sie beide, Marx und Engels sich historisch geirrt hatten: <em>\u201eDie Geschichte hat uns \u2026 unrecht gegeben. Sie hat klargemacht, dass der Stand der \u00f6konomischen Entwicklung damals bei weitem nicht reif war f\u00fcr die Beseitigung der kapitalistischen Produktion\u201c<\/em> (MEW 22\/515). Und Engels lag v\u00f6llig daneben, als er 1895 glaubte, die SPD stehe <em>\u201eheute auf dem Punkt, wo sie mit fast mathematisch genauer Berechnung die Zeit bestimmen kann, in der sie zur Herrschaft kommt.\u201c<\/em> (MEW 22\/515).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenins radikale Selbstkritik bei der Wende zur N\u00d6P 1921 (4,5 Jahre nach der Imperialismusschrift \u2013 LW 33\/42) ist klassisch: <em>\u201e\u2026 begingen wir den Fehler, dass wir beschlossen, den unmittelbaren \u00dcbergang zur kommunistischen Produktion und Verteilung zu vollziehen. Das war alles andere als eine Kleinigkeit, war doch dieser Fehler verbunden mit einer Niederlage, die ernster war, als irgendeine Niederlage, die uns jemals von Koltschak, Denikin oder Pilsudski beigebracht wurde, \u2026 viel ernster, viel wesentlicher und gef\u00e4hrlicher \u2026\u201c<\/em> (LW 33\/44).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Landwirtschaft hatte die radikale Ablieferungspflicht schwere Hungersn\u00f6te versch\u00e4rft; sie wurde abgeschafft und durch eine Naturalsteuer ersetzt. Die Kritik an Lenin l\u00e4sst sich fortsetzen an seiner Rolle bei der \u201eZimmerwalder Linken\u201c, die 1915 die in Deutschland noch unerledigten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution untersch\u00e4tzte.\u00a0 Auch dazu hat Lenin 1920 sich in \u201eDer linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus\u201c ge\u00e4u\u00dfert, was man auch als Selbstkritik im R\u00fcckblick auf Zimmerwald interpretieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin hat auch beispielsweise 1919 in seiner Kritik an Bucharin pr\u00e4zisiert: <em>\u201eReinen Imperialismus ohne kapitalistische Grundlage hat es niemals gegeben, gibt es nicht und wird es niemals geben, \u2026 Nirgendwo auf der Welt hat der Monopolkapitalismus ohne freie Konkurrenz in einer ganzen Reihe von Wirtschaftszweigen existiert und wird er jemals existieren\u201c<\/em> (LW 29\/150). Wer will, kann das als eine Selbstkritik zum Imperialismusheft betrachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Kontext 1916, Lenins Unklarheiten und der Abschied von Heiligkeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Imperialismusschrift wurde 1916 geschrieben, im 1.Weltkrieg, als sich bereits die revolution\u00e4re Situation abzeichnete. 1920 schrieb Lenin dazu: <em>\u201eEs f\u00e4llt schwer, jetzt, in den Tagen der Freiheit, diese durch R\u00fccksicht auf die zaristische Zensur entstellten, zusammengequetschten in einen eisernen Schraubstock gepressten Stellen der Brosch\u00fcre wieder zu lesen \u2026\u201c<\/em> (LW 22\/191)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat haben gewisse Schlussfolgerungen, Unklarheiten und \u00dcberspitzungen des Textes eine Grundlage geliefert f\u00fcr verschiedene grundfalsche Theoreme. So f\u00fcr die quasi \u201egesetzm\u00e4\u00dfige\u201c Gewissheit bis in die Tage Honeckers: <em>\u201eden Sozialismus in seinem Lauf h\u00e4lt weder Ochs noch Esel auf\u201c- <\/em>dass n\u00e4mlich der faulende Imperialismus unmittelbar der \u201eVorabend der sozialen Revolution des Proletariats\u201c sei. Das scheint heute auch nach \u00fcber 100 Jahren reichlich fern. Oder eine Grundlage f\u00fcr die \u201eantimonopolistische Demokratie\u201c der DKP, auch f\u00fcr die Agitation der MLPD, in der \u201eDIE MONOPOLE\u201c quasi der Satan schlechthin und die \u201eAlleinherrschaft des internationalen Finanzkapitals\u201c der internationale Hauptfeind des internationalen Proletariats sind. Die in Wirklichkeit \u201eallein herrschende\u201c Konkurrenz der imperialistischen Staaten wie der Monopole untereinander ist dabei ultraimperialistisch weggezaubert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bleibt da, wenn man wegen ihrer Fehler und Irrt\u00fcmer, ihrer im Nachhinein erkl\u00e4rbaren Fehlprognosen den \u201eKlassikern\u201c die Heiligkeit, die Eigenschaften als Wahrsager und unfehlbare Propheten absprechen muss? Die Marxisten m\u00fcssen in selbstst\u00e4ndiger theoretischer Arbeit mit der Marxschen Methodik an die jeweils aktuellen Entwicklungen herangehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Folgen &#8211; \u201eRevisionismus\u201c pur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In [2] wird v\u00f6llig richtig die \u201eBegeisterung f\u00fcr die Leninsche Imperialismustheorie\u201c in einem Teil der Linken unter Einschluss ihres \u201ekommunistischen Fl\u00fcgels\u201c konstatiert: <em>\u201e\u2026 obwohl man sich von den sonstigen theoretischen und insbesondere revolution\u00e4ren Positionen Lenins l\u00e4ngst verabschiedet hat. Statt die Lenin-Liebknechtsche Position des revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus gegen beide imperialistischen Kriegsparteien im Ukraine-Krieg zu beziehen, vertrat man entweder die offene Unterst\u00fctzung der russischen Seite, forderte Waffenstillst\u00e4nde oder verfiel gleich dem Pazifismus.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kennzeichnet den marginalen Zustand der Linken (vielleicht abgesehen von der \u201ewoken\u201c Linkspartei), erst recht der \u201ekommunistischen\u201c Splitterparteien bzw. idealistischen Sekten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit \u00fcber 100 Jahren \u201esterbender Kapitalismus\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenteil: Es ist ein geradezu exponentielles \u201eWachstum\u201c des Kapitalismus, das bei gleichzeitig wachsender Ungleichheit und verelendeten Zonen den Globus mit inzwischen \u00fcber 8 Milliarden Menschen \u00fcberzogen hat. Man kann feststellen, wie der tendenzielle Fall der Profitrate [MEW 25, 221 bis 277] die Kompensation durch gesteigerte Waren- und Profitmassen hervorbringt. Durch die qua Konkurrenz st\u00e4ndige Produktivit\u00e4tssteigerung (per Automatisierung, Digitalisierung etc., \u201emit immer weniger Leuten wird immer mehr produziert) ist in den einzelnen Waren immer weniger gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit kristallisiert (was letzten Endes geringeren Profit pro einzelner Ware bedeutet); ergo: die Waren werden relativ immer billiger, was sich durch die gesteigerte (automatisierte) Massenproduktion wettmacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Infolgedessen \u00fcberschwemmen ungeheuer angeschwollene Warenfluten mit ihren Abfallprodukten den Globus, wof\u00fcr die Ressourcen unwiderruflich gepl\u00fcndert, verheizt und vergeudet werden.\u00a0 Zugleich wird aber auch die Ware Arbeitskraft billiger, da diese sich mit den \u201ewohlfeileren\u201c Waren reproduziert, d.h. die sinkenden Warenwerte gehen einher mit relativ sinkenden L\u00f6hnen \u2013 was mehr oder weniger nominal durch die gleichzeitige \u201es\u00e4kulare Inflation\u201c \u00fcberdeckt, auch durch erfolgreiche Lohnk\u00e4mpfe zeitweise konterkariert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kapital strebt \u2013 getrieben von wachsender Produktivit\u00e4t nach dem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate \u2013 nach grenzenloser internationaler Expansion und Akkumulation, jedoch eingebannt in die staatlichen Formen. Dieser Expansionsdrang, dieser innere Druck auf die staatliche Organisation muss daher unbedingt durch eine mehr oder weniger expansive, aggressive imperialistische Politik der konkurrierenden Staaten gegeneinander zum Ausdruck kommen \u2013 je nach dem Ma\u00df ihrer kapitalistischen und milit\u00e4rischen Potenziale bis zum Krieg als ultima Ratio des Imperialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer mehr Staaten haben inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, mit dem sie am globalen Konkurrenzkampf um Rohstoffe, Absatzm\u00e4rkte, Kapitalexport, milit\u00e4rische R\u00fcstung und Einflusszonen teilnehmen. Entgegen dem Euphemismus von einer \u201efriedlichen multipolaren Welt\u201c handelt es sich tats\u00e4chlich um eine multi-imperialistische Welt der heftigsten Konkurrenz, des Wettr\u00fcstens und der Kriege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der revolution\u00e4re Optimismus, von dem Lenin vor \u00fcber 100 Jahren erf\u00fcllt war, hat sich \u201ein Luft aufgel\u00f6st\u201c. Es sind komplexe Ursachen, zu denen der \u201ekommunistische Idealismus\u201c (s.o.) z\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein entscheidender Wendepunkt war der Machtantritt der Chruschtschowianer in der Sowjetunion, mit der die Konterrevolution, die Kapitalisierung der UdSSR etwa in den 60-iger Jahren des letzten Jahrhunderts begann. Dazu verweise ich auf meinen diesbez\u00fcglichen Artikel [8]. Mit der Kapitalisierung der UdSSR begann der Untergang des gesamten realsozialistischen Lagers mit all seinen Varianten, sozusagen das historische Scheitern des ersten kommunistischen Anlaufs der Menschheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aussichten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierzu empfehle ich der K\u00fcrze halber das Schlusskapitel meines Textes: \u201eDer tendenzielle Fall der Profirate und Imperialismus heute \u2013 Kapitalismus ohne Ende?\u201c: <u><a href=\"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf\">http:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf<\/a><\/u>.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><em>[1] \u00a0\u00a0\u00a0 Heiner Karuscheit: \u201eDer deutsche Rassenstaat \u2013 Volksgemeinschaft &amp; Siedlungskrieg\u201c. NS-Deutschland 1933-1945\u201c, VSA-Verlag Hamburg, 2025<\/em><\/p>\n<p><em>[2]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 98, Juni 2025 = <\/em><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2861\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2861<\/a><\/p>\n<p><em>[3]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 93, Mai 2021 = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2077\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2077<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>[4]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Roger Chickering: \u201eDas Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg\u201c, Becksche Reihe; Verlag C.H.Beck, M\u00fcnchen 2002<\/em><\/p>\n<p><em>[5]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bernt Engelmann: \u201eKrupp \u2013 Die Geschichte eines Hauses \u2013 Legenden und Wirklichkeit\u201c, Wiihelm Goldmann Verlag, August 1978<\/em><\/p>\n<p><em>[6]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 95, Oktober 2022 = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2537\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2537<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>[7] \u00a0\u00a0\u00a0 Ulrich Enderwitz: \u201eAntisemitismus und Volksstaat, zur Pathologie kapitalistischer Krisenbew\u00e4ltigung\u201c, &#8211;\u00a0 Ca ira \u2013 Verlag 1998 = <a href=\"http:\/\/reichtum-und-religion.de\/antisemitismus\/antisemitismus-node1.html\">http:\/\/reichtum-und-religion.de\/antisemitismus\/antisemitismus-node1.html<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>[8]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 K.-H.Goll: \u201eDie nationale Sicherheitsstrategie Deutschlands\u201c = http:\/\/www.kommunistische Debatte.de\/?page_id=2800<\/em><\/p>\n<p><em>[9] \u00a0\u00a0\u00a0 K.-H.Goll: \u201eDie Kapitalisierung der UdSSR und einiges zum Untergang des Realsozialismus\u201c = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>[10] \u00a0 Heiner Karuscheit: \u201eDer Ukraine-Krieg und die Frage des deutschen Imperialismus\u201c = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2382\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2382<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>[11]\u00a0\u00a0 David de Jong: \u201eBraunes Erbe \u2013 die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien\u201c.\u00a0 2022, Kiepenheuer und Witsch, deutsche \u00dcbersetzung des Titels: \u201eNazi Billionairs\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl-Heinz Goll, Oktober 2025 &nbsp; Vorbemerkung Zum vorliegenden Text habe ich zun\u00e4chst bis zum Erscheinen der AZD 98 [2] abgewartet, weil f\u00fcr dieses Heft eine neuerliche \u201eKritik der Leninschen Imperialismustheorie\u201c angek\u00fcndigt war. Der Zusammenhang zwischen dem Buch [1] und dieser Kritik musste aufgegriffen werden. Ansonsten sind nachfolgend etliche Eigenzitate z.T. ohne besondere Quellenangabe aus meinen &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3158\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Heiner Karuscheit (H.K.): Der deutsche Rassenstaat [1] und das \u201eImperialismusproblem III\u201c [2] \u2013 ein paar Anmerkungen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3158","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3158"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3182,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3158\/revisions\/3182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}