{"id":3091,"date":"2025-10-05T13:32:16","date_gmt":"2025-10-05T11:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3091"},"modified":"2025-10-05T14:14:49","modified_gmt":"2025-10-05T12:14:49","slug":"heiner-karuscheit-hk-der-deutsche-rassenstaat-1-und-das-imperialismusproblem-iii-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3091","title":{"rendered":"Heiner Karuscheit (HK.): \u201eDer deutsche Rassenstaat\u201c [1] und \u201eDas Imperialismusproblem III\u201c [2]"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Ein paar Anmerkungen <\/strong><\/span><\/p>\n<p>Karl-Heinz Goll,\u00a0 September 2025<\/p>\n<h3><strong> 1. Vorbemerkung<\/strong><\/h3>\n<p>Zum vorliegenden Text habe ich zun\u00e4chst bis zum Erscheinen der AZD 98 [2] abgewartet weil f\u00fcr dieses Heft eine neuerliche \u201eKritik der Leninschen Imperialismustheorie\u201c angek\u00fcndigt war. Der Zusammen\u00adhang zwischen dem Buch [1] und dieser Kritik musste aufgegriffen werden. Ansonsten sind nachfolgend etliche Eigenzitate z.T. ohne besondere Quellenangabe aus meinen fr\u00fcheren Beitr\u00e4gen enthalten.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Vorab zum Buch [1]:<\/span><br \/>\n<\/strong>Teilweise ist es lesenswert und \u201elehrreich\u201c, wenn auch stark durchsetzt mit fragw\u00fcrdigen Thesen und falschen Schlussfolgerungen.<\/p>\n<h3><strong> 2. Zun\u00e4chst etwas \u201ePositives\u201c:<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>2.1 &#8211; 1848 und danach<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>HK. beginnt folgerichtig mit der gescheiterten b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848\/49.<br \/>\n<em>Sie \u201eendete mit einer Niederlage, weil ein ma\u00dfgeblicher Teil des B\u00fcrgertums, voran die emporstrebende industrielle Bourgeoisie, es angesichts der sozialen Forderun\u00adgen der Massen vorzog, an die Seite Preu\u00dfens zu treten, um die Volksbewegung niederschlagen zu lassen \u2026\u201c\u00a0 &#8211; so HK. Und weiter:<br \/>\n<\/em><em>\u201e \u2026 der 1862 \u2026 ernannte\u00a0 Bismarck \u2026 setzte den preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaat an die Spitze der Nationalbewegung und lie\u00df die junkerliche Armee in den Einigungskrie\u00adgen\u00a0 von 1864 bis 1870 einen kleindeutschen Nationalstaat unter Ausschluss \u00d6ster\u00adreichs erk\u00e4mpfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diesen Staat charakterisierte Karl Marx 1875 folgenderma\u00dfen:<br \/>\n<em>\u201e\u2026 als nichts anderes als ein mit parlamentarischen Formen verbr\u00e4mter, mit feuda\u00adlem Beisatz vermischter und zugleich schon von der Bourgeoisie beeinflusster, b\u00fcrokratisch gezimmerter, polizeilich geh\u00fcteter Milit\u00e4rdespotismus\u201c.<\/em><br \/>\nWohlgemerkt: 1875.<\/p>\n<p>Wie es weiterging, habe ich in [3 \u2013 AZD 93]\u00a0 folgenderma\u00dfen angedeutet:<br \/>\n<em>&#8222;Heiner Karuscheit macht m.E. einen grunds\u00e4tzlichen Fehler, wenn er die preu\u00dfische Staats- <\/em><strong><em><u>und<\/u><\/em><\/strong><em> Gesellschaftsord\u00adnung um 1900 als \u201evorb\u00fcrgerlich\u201c, \u201enicht von der Bourgeoisie be\u00adherrscht\u201c definiert (u.a. AZD 88). Er macht keinen Unterschied zwischen Form und Inhalt, zwi\u00adschen Staat und Gesellschaftsordnung, die er mit einem Bindestrich vermengt. \u00dcberspitzt k\u00f6nnte man so die heutige Staats- <\/em><strong><em><u>und<\/u><\/em><\/strong><em> Gesellschaftsordnung Gro\u00dfbritanniens als vorb\u00fcrgerliche Monarchie betrachten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Und:<br \/>\n<\/em><em>\u201eEtwas schr\u00e4g bzw. submarin k\u00f6nnte man das B\u00fcrgertum des sp\u00e4ten Kaiserreiches mit einen Einsiedlerkrebs vergleichen, der mangels (demokratischer) Kruste mit seinem weichen Hinterleib in einem (preu\u00dfischen Milit\u00e4r- und Obrigkeits) Schneckenpanzer steckt, ohne dass man ihn deswegen mit der Schnecke verwechseln sollte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Das Deutsche Reich war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Monarchie mit schwindenden halb-feudalen Relikten, aber zunehmend bestimmt von den \u00f6konomischen Interessen der Bour\u00adgeoisie.<\/p>\n<p>Bismarck suchte durch Sozialreformen (Kranken- und Unfallversicherung, Renten- und Invalidenversicherung) sowie mit den Sozialistengesetzen zwischen 1878 bis 1890 \u201egegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie\u201c den wachsenden Einfluss der sozialistischen Arbeiterbewegung zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Trotz alledem erreichte die SPD sp\u00e4ter 1912 bei den Reichstagswahlen 35 % der Stimmen.<\/p>\n<p>Der Optimismus der SPD, den Staat friedlich-parlamentarisch \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen war so gro\u00df, dass selbst Friedrich Engels 1891 zu h\u00f6chst\u00a0 fatalen Aussagen kam (MEW22, 250 bis 251):<\/p>\n<p><em>\u201eDie Sozialdemokratische Partei, die einen Bismarck gest\u00fcrzt, die nach elfj\u00e4hrigem Kampf das Sozialistengesetz gebrochen, die Partei, die wie die ansteigende Flut al\u00adle D\u00e4mme \u00fcberbraust, die sich \u00fcber Stadt und Land ergie\u00dft, bis in die reaktion\u00e4rst\u00aden Ackerbaudistrikte &#8211; diese Partei steht heute auf dem Punkt, wo sie mit fast mathematisch genauer Berechnung die Zeit bestimmen kann, in der sie zur Herrschaft kommt.\u201c<\/em><em>\u00a0 <\/em>Und Engels weiter:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Hauptst\u00e4rke der deutschen Sozialdemokratie liegt aber keineswegs in der Zahl ihrer W\u00e4hler. Bei uns wird man W\u00e4hler erst mit 25 Jahren, aber schon mit 20 Sol\u00addat. Und da grade die junge Generation es ist, die unsrer Partei ihre zahlreichsten Rekruten liefert, so folgt daraus, dass die deutsche Armee mehr und mehr vom Sozialismus angesteckt wird. Heute haben wir einen Soldaten auf f\u00fcnf, in wenig Jahren werden wir einen auf drei haben, und gegen 1900 wird die Armee, fr\u00fcher das preu\u00dfischste Element des Landes, in ihrer Majorit\u00e4t sozialistisch sein. Das r\u00fcckt heran, unaufhaltsam wie ein Schicksalsschluss.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch das genaue Gegenteil dieser Engelsschen Visionen trat ein:<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>2.2 Die SPD \u201ehineingewachsen\u201c in den preu\u00dfischen Staat<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Massen sozialdemokratischer Funktion\u00e4re in den Gewerkschaften, den Sozialversicherungen, staatlichen Beh\u00f6rden (z.B. den \u201e12-Endern\u201c &#8211; in der Regel Unteroffiziersdienst\u00adgrade der laut Engels \u201esozialistisch angesteckten\u201c Reichswehr, die nach 12 Jahren anschlie\u00dfend als Beamte\u00a0 zum Beispiel bei Finanz\u00e4mtern, Zoll, Justiz, Post, Bahn \u00fcbernommen wurden) identifizierten sich weitestgehend mit dem preu\u00ad\u00dfischen Staat, von dem sie glaubten, dass die SPD ihn in B\u00e4lde parlamentarisch \u201e\u00fcbernehmen\u201c k\u00f6n\u00adnte. Dessen revolution\u00e4res \u201eZerbrechen\u201c im Sinne von Marx war f\u00fcr sie undenkbar.<\/p>\n<p>F\u00fcr Marx war klar, dass das Proletariat die b\u00fcrgerliche Staatsmaschine \u201enicht einfach in Besitz nehmen\u201c kann kann, sondern dass es diese im B\u00fcrgerkrieg \u201ezerschlagen\u201c, \u201ezerbrechen\u201c muss (MEW 17, S. 336).)<\/p>\n<p>Das Gegenteil wurde f\u00fcr die SPD zur Richtschnur ihrer staatstreuen Politik, was sp\u00e4ter angefangen mit der Zu\u00adstimmung zu den Kriegskrediten, der \u201eBurgfriedens\u201cpolitik, der \u201eVaterlandsverteidigung\u201c zum Ausdruck kam, womit sie 1914 die Proletarier in das V\u00f6lkergemetzel mobilisierte.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>2.3 &#8211; 1918\/19: Eine sozialdemokratisch gef\u00fchrte Konterrevolution<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die konterrevolution\u00e4re Rolle der Sozialdemokratie in der Novemberrevolution hat H.K. treffend herausgearbeitet.<\/p>\n<h3><strong> 3. Nun mehr Kritik:<\/strong><\/h3>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.1 H.K.\u00b4s\u00a0 undialektisches Entgegensetzen von Klassenkampf und \u00d6konomie<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Dieses (in marxistischem Sinn) metaphysische, schematische Verst\u00e4ndnis von Klassenkampf \u00e4u\u00dfert sich in verschiedenen Thesen. Es ist \u00fcberwiegend beschr\u00e4nkt auf Parteienkonstellatio\u00adnen in den Parlamenten, den Regierungen, dem politischen \u00dcberbau, w\u00e4hrend der dialek\u00adtische Zusammenhang mit der \u00f6konomischen Basis als \u201e\u00d6konomismus\u201c abgetan wird. Als ob dieser unl\u00f6sbare Zusammenhang nicht schon aus dem Titel des Hauptwerkes von Marx\/Engels hervorgeht: \u201eDas Kapital \u2013 Kritik der politischen \u00d6konomie\u201c.<\/p>\n<p>Laut Wikipedia wird das B\u00fcrgertum \u201echarakterisiert durch den Erwerb bzw. die Wahrung von Besitz \u2013 und zwar Besitz von Rechten <u>oder <\/u>Besitz von materiellen G\u00fctern <u>oder<\/u> Besitz von Bildung\u201c (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B\u00fcrgertum\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCrgertum<\/a>). Man muss hinzuf\u00fcgen, dass das b\u00fcrgerliche Klassenbewusstsein ganz allgemein die \u00dcberzeugung einer grund\u00ads\u00e4tzlichen \u00dcberlegenheit, ein elit\u00e4res Sendungsbewusstsein gegen\u00fcber den \u201eunteren\u201c Schichten impliziert.<\/p>\n<p>Besitzb\u00fcrgertum im Kapitalismus, marxistisch die Bourgeoisie, ist die Klasse, die die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die gesellschaftlichen Produktionsmittel aus\u00fcbt. Sie bestimmt im Kapitalismus letztlich bzw. l\u00e4sst zu &#8211; auf die eine oder andere Weise (ob parlamentarisch, oder per \u201eErm\u00e4chtigung\u201c) &#8211; wer die staatliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, sprich Regierungsgewalt aus\u00fcbt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.2 Das Junkertum<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wohin der \u201ehistorische Untergang\u201c des Junkertums\u00a0 f\u00fchrte, dar\u00fcber gibt das Buch wenig Auskunft. Lediglich die \u201e\u2026 Weltmarktkonkurrenz des preiswerteren Getreides der amerikanis\u00adchen Farmer \u2026\u201c wird genannt, die die gem\u00e4\u00df HK immer selbst-gleichen Junker zwang, \u201esich umso mehr an die Staatsmacht zu klammern\u201c.<\/p>\n<p>Bei H.K. beherrscht das Junkertum mit Preu\u00dfen als Hegemonialstaat das Deutsche Reich als Klasse &#8211; speziell in Gestalt des Milit\u00e4radels \u201ezusammen mit den von der Schwerindustrie bestimmten Nationalliberalen\u201c. Die Junker kommandierten nach HK quasi unwandelbar bis ins 3. Reich hinein die Armee \u201eals wichtigstem innenpolitischen Machtfaktor\u201c \u2013 was allerdings bei n\u00e4herer Betrachtung\u00a0 bez\u00fcglich der Nazizeit so einfach nicht stimmt.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zu HK\u2019s Meinung (\u201ePakt mit dem Milit\u00e4radel\u201c) [1,\u00a0 S.85] beherrschte der Milit\u00e4radel alias Junker\u00adtum nur noch sehr bedingt\u00a0 Hitlers Wehrmacht. Vielmehr ka\u00admen zahlreiche Gener\u00e4le aus b\u00fcrgerlichen bzw. kleinb\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen. Was be\u00adsonders z\u00e4hlte, waren die Sporen, die im 1. Weltkrieg verdient wurden. Es seien unter den Gener\u00e4len nur die Namen von Ludwig Beck, Alfred Jodl, Friedrich Fritz Fromm, Fritz Hal\u00adder, Kurt Zeitzler, Wilhelm Burgdorf, Erwin Rommel, Friedrich Paulus genannt \u2013 eine Liste, die sich bis in nachrangige Posten beliebig verl\u00e4ngern lie\u00dfe.<\/p>\n<p>HK\u2019s zentrale These zum 1. Weltkrieg ist mehr als fragw\u00fcrdig, dass der Krieg \u201ewe\u00adsentlich ein Machtsicherungskrieg\u201c des untergehenden Junkertums\u201c gewesen sei bzw., dass \u201eder junkerliche Milit\u00e4radel keine andere M\u00f6glichkeit mehr (sah), als die Flucht in ei\u00adnen Krieg, um seine Vormachtstellung zu behaupten\u201c. Dieser Nebenaspekt, der aber die Kriegsziele, besonders Annexionen ignoriert, dient HK vor allem dem Zweck, die \u00f6konomisch\/imperialistischen Kriegsgr\u00fcnde als\u00a0 \u201e\u00d6konomismus\u201c abzutun.<\/p>\n<p>In dem geradezu Ehrfurcht erregenden 5-seitigen Literaturverzeichnis zum Buch [1] fehlt das sehr wichtige Werk von Roger Pickering [4]. (Auch fehlt z.B. ein ebenfalls\u00a0 wichtiges Buch des Autors Ulrich Enderwitz: \u201eAntisemitismus und Volksstaat\u201c [7].<\/p>\n<p>Pickering [4] schreibt:<br \/>\n\u201e<em>Der Reichstag war tief gespalten. Die Konservativen und die Rechtsliberalen, die Rechtsparteien, die den adligen Landbesitz und das Gro\u00dfb\u00fcrgertum repr\u00e4sentierten, forderten einen kompromisslosen Siegfrieden mit \u00fcppigen Gebietsgewin\u00adnen \u2026 Die meisten der politischen und sozialen Eliten Vorkriegsdeutschlands waren in diesem Lager zu finden. Sie erwarteten, dass ein milit\u00e4rischer Triumph ihre eigene F\u00fchrungsposition rechtfertigen und Forderungen nach politischen und sozialen Reformen ent\u00adkr\u00e4ften w\u00fcrde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gebietsgewinne, sprich Annexionen, nach denen die genannten Eliten gierten, betrafen besonders besetzte Gebiete im Westen (Belgien, Lothringen) und Im Osten (russische Gebiete in Polen, im Baltikum bis nach Rum\u00e4nien). Das war <strong>Imperialismus in Reinkultur<\/strong> und bedeutete keineswegs nur einen \u201eMachtsicherungskrieg\u201c des untergehenden Junkertums\u201c.<\/p>\n<p>Der \u201ehistorische Untergang\u201c bestand darin, dass die Junker sich tendenziell zu\u00a0 einer Fraktion der Bourgeoisie entwickeln mussten. Diese Tatsache leugnet HK..<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.3 Das B\u00fcrgertum als herrschende Klasse der Nazi-Diktatur<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Laut HK war die NSDAP \u201ekeine b\u00fcrgerliche, sie war eine kleinb\u00fcrgerliche Partei.\u201c Das mag f\u00fcr die Entstehungszeit der NSDAP gelten. Dagegen hat der Autor Bernt Engelmann mehrere B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht, darunter 1978 den fast 600 Seiten langen Bericht: \u201eKrupp, die Geschichte eines Hauses; Legenden und Wirklich\u00adkeit\u201c [5].<\/p>\n<p>2022 erschien das Buch \u201eBraunes Erbe \u2013 die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmerdynastien\u201c [11] des Autors David de Jong. Es ist ein akribisch recherchiertes Werk \u00fcber die Familien Quandt, Flick, von Finck, Porsche-Piech und Oetker, deren Vertreter als Parteimitglieder engste Verbindungen zur NSDAP-F\u00fchrung unterhielten und sich besonders durch umfangreiche \u201eArisierungen\u201c j\u00fcdischer Firmen und Besitzt\u00fcmer enorm bereicherten.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Industrielle der Gro\u00dfbourgeoisie unterst\u00fctzten Hitler schon bei der \u201eMachtergreifung\u201c und mitfinanzierten die NSDAP. So ist der von Fritz Thyssen arrangierte Empfang vom 26. Januar 1932 im Industrieclub D\u00fcsseldorf ber\u00fcchtigt. auf dem Hitler erschien, redete und den gro\u00dfen Bossen von Rhein und Ruhr vorgestellt wurde. Auf S. 80 des Buches [1] beschreibt auch HK. <em>die \u201eungeteilte und z.T begeisterte Zustimmung der 650 Zuh\u00f6rer, unter denen sich so gut wie alle Wirtschaftsf\u00fchrer aus dem Montanbereich befanden\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das mittlere bis kleine B\u00fcrgertum reihte sich begeistert in die \u201eReichsarbeitsfront\u201c ein, als das schuldenfinanzierte Kriegsr\u00fcstungsprogramm der Nazis zu einem ungeahnten Aufschwung f\u00fchrte. Kleine Bauunternehmer z.B., die mit vielleicht 15 Arbeitern gerade noch mit M\u00fche und Not die Weltwirt\u00adschaftskrise \u00fcberstanden hatten, machten nun Profite teils mit \u00fcber 300 Leuten &#8211; z.T. Reichsarbeitsdienstler, Zwangsarbeiter und KZ-H\u00e4ftlinge &#8211; beispielsweise beim Bau des West- oder At\u00adlantikwalls.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.4 Eine \u201eneue Bourgeoisie\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Aus den Reihen der Nazi-Organisationen, z.B. aus dem \u201eStahlhelm\u201c, der SA und SS ka\u00admen \u201eAufsteiger\u201c, die sich einen b\u00fcrgerlichen Lebensstil leisten konnten, mit gro\u00dfz\u00fcgigen Wohnungen oder Villen, mit Dienstgesinde, Autos und weiteren Statussymbolen. Es waren Kader der Wehrmacht, \u201eWehrwirtschaftsf\u00fchrer\u201c, Nazi-Parteibonzen usw., die die Bourgeoi\u00adsie des Naziregimes komplettierten. Der z\u00fcgellose gro\u00dfb\u00fcrgerliche Prunk von Hermann G\u00f6ring sei nur als Beispiel genannt.<\/p>\n<p>Es war also eine bunte Mischung an Bourgeoisie, die\u00a0 die Machtergreifung des Nazi-Regimes erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.5 Nach 1945 &#8211; HK\u2019s groteske These<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Zitat von HK in der \u201eSchlussbetrachtung\u201c zu [1] :<br \/>\n<em>\u201eMit Adenauer an der Spitze erreichte die Bourgeoisie damit (mithilfe der USA), wozu sie selbst nicht imstande gewesen war: Sie konnte in der 1949 gegr\u00fcndeten Westrepublik <strong><u>zum ersten Mal in ihrer Geschichte <\/u>(!!) <\/strong>die Herr\u00adschaft \u00fcbernehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine solch geradezu groteske These\u00a0 kann man bestenfalls mit h\u00f6chster Heiterkeit verkraften.<\/p>\n<p>Karuscheit verwechselt wieder die Macht der Kapitalbesitzer mit der vom B\u00fcrgertum (s.o.) \u201eeingesetzten\u201c bzw. per \u201eMachtergreifung\u201c zugelassenen staatli\u00adchen Ge\u00adsch\u00e4ftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p>HK traut dem B\u00fcrgertum \u201e<em>nur prinzipiell, nicht in jedem Einzelfall\u201c <\/em>eine parlamentarisch\/demokratische Herrschaft zu. Faschismus schiebt er auf \u201eandere\u201c Klassen, wie den Nationalsozialismus aufs Kleinb\u00fcrgertum.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>3.6\u00a0 Kontinuit\u00e4t der Klassen- und Machtstrukturen in Westdeutschland und Gesamtdeutschland nach der Wiedervereinigung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus ging es den Siegerm\u00e4chten zun\u00e4chst vor allem darum, ein Wiedererstarken des deutschen Imperialismus und Militarismus nachhaltig zu verh\u00fcten \u2013 allerdings wesentlich bestimmt vom beginnenden kalten Krieg und der \u201eRollback\u201c-Politik des Westens gegen\u00fcber der Sowjetunion. Die Westm\u00e4chte etablierten 1949 die westdeutsche BRD nach der W\u00e4hrungsreform von 1948. Im Oktober 1949 folgte die Gr\u00fcndung der DDR unter sowjetischer Oberherrschaft.<\/p>\n<p>Die Einbindung und Einhegung der beiden deutschen Staaten in die jeweiligen Milit\u00e4rbl\u00f6\u00adcke NATO und Warschauer Pakt und der entsprechenden Wirtschaftsbl\u00f6cke war das Leit\u00admotiv der folgenden Entwicklungen. Dazu geh\u00f6rte die Integration Westdeutschlands in das Projekt Europa unter US-amerikanischer (und alliierter) Protektion, beginnend mit der Montanunion.<\/p>\n<p>Den Wiederaufstieg eines eigenst\u00e4ndigen und unkontrollierbaren Deut\u00adschen Imperialis\u00admus zu verhindern, ist,\u00a0 wie man heute sieht, nicht in jeder Hinsicht gelungen. Die Karriere des wiedervereinigten\u00a0 Deutschlands ist eher ver\u00adgleichbar mit einem Kuckucksei, aus dem sich ein \u00f6konomischer Riese mit militaristischem Programm auf dem Weg in die \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c heraus gepellt hat \u2013 allerdings in anhaltender US-Abh\u00e4ngigkeit. Die Unterw\u00fcrfigkeit ge\u00adgen\u00fcber den USA z\u00e4hlt zur DNA Nachkriegsdeutschlands (s. auch unten).<\/p>\n<p>Scheinbar paradoxerweise wurden die Eliten, die oben beschriebene \u201ebunte Mischung\u201c des B\u00fcrgertums des 3. Reiches, abgesehen von einer geringf\u00fcgigen Dezimierung durch eine h\u00f6chst laxe \u201eEntnazifizierung\u201c, von den Westm\u00e4chten weitestgehend in das westdeutsche Establishment \u00fcbernommen. Das be\u00addeutete eine Kontinuit\u00e4t der alten Klassen- und Machtstrukturen. So wurde der Antikom\u00admunismus der Nazi &#8211; F\u00fchrungs\u00adschichten in den kalten Krieg eingebracht; geradezu ein WinWinDeal f\u00fcr die Westm\u00e4chte wie f\u00fcr die alte (west)deutsche Bourgeoisie. In der Wirt\u00adschaft, den politischen Parteien, in Verwaltung, Justiz etc. tummelten sich massenhaft demokratisch gewendete Kader des NS-Staates. Polizei und Geheimdienste blieben durchsetzt mit Ex-Nazis. Beispielsweise der BND ging aus der Organisation Gehlen hervor, mit der viele ehemalige Agenten der \u201eAbteilung Fremde Heere Ost\u201c des Oberkommandos des Nazi-Heeres quasi kollektiv \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p>Der niedergeschlagene imperialistische Wolf musste sich allerdings diverse Schafspelze \u00fcber\u00adstreifen, um wieder auf die Beine zu kommen und in der westlichen Welt salonf\u00e4hig zu werden, als da w\u00e4ren: pro-westlich (NATO-Mitgliedschaft) statt antiwestlich, proamerikanisch, kosmopolitisch statt nationalistisch, prozionistisch statt antisemitisch, demokratisch statt diktatorisch, marktwirtschaftlich statt kriegs-kommandowirtschaftlich\u2026<\/p>\n<p>Das pr\u00e4gt bis heute die deutsche Staatsr\u00e4son, quasi die DNA der Bundesrepublik obwohl auch hier (\u201eZeitenwende\u201c und Trump) inzwischen etwas ins Rutschen gekommen ist.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">3.7 \u201eErschreckendes Fazit\u201c: Dieselben sozialen Gruppen in Spitzenpo\u00adsitionen seit 100 Jahren<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Kontinuit\u00e4t der (b\u00fcrgerlichen) Eliten Deutschlands belegt auch neben [11] die soziologische Forschung:\u00a0 Die Untersuchung von Michael Hartmann, Professor f\u00fcr Soziologie und Elitenforscher zeigt: Der Anteil sozialer Aufsteiger hat sich seit \u00fcber 100 Jahren, n\u00e4mlich seit 1907 kaum ver\u00e4ndert. [Ulrike Hagen, Frankfurter Rundschau <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/ulrike-hagen-n8ie8mvmz.html\">v<\/a>om\u00a0 30.06.2025].<\/p>\n<h3><strong> 4. \u201eDas Imperialismusproblem\u201c; Die AZD-Kritik an Lenin<\/strong><\/h3>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>4.1 Kein deutscher Imperialismus?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten (sp\u00e4testens seit den 90-iger Jahren) ist die \u201eVerabschiedung von der Lenin\u00adschen Imperialismus-Theorie\u201c ein Leitmotiv der AZD. Neben berechtigter Kritik an der Schrift \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c hat sich HK. so weit verirrt, dass er sich <em>\u201edagegen ausspricht &#8230; angesichts des k\u00fcrzlich beschlossenen 100\u00a0Mrd. Aufr\u00fcstungs\u00adprogramms der Berliner Regierung &#8230; daraus gleich auf die Wiederauferstehung von Milita\u00adrismus, Imperialismus und Kriegsvorbereitung zu schlie\u00dfen\u201c<\/em>. [10]<\/p>\n<p>Ich habe dazu folgendes bemerkt [6, AZD 95 vom Oktober 22]:<br \/>\n<em>\u201eSchon den Terminus \u201eWiederauferstehung\u201c (von den Toten) kann ich nur so verstehen, dass es vor dem 100-Mrd. Schulden\u201cverm\u00f6gen\u201c nach HK\u00b4s Ansicht weder einen bundesdeutschen Militarismus noch Imperialismus noch Kriegsvorbereitungen gegeben hat. Und auch nach dem 100 Mrd.- Beschluss spricht er sich dagegen aus, auf eine Wiederauferstehung (von der vorhergehenden Nichtexistenz) \u201ezu schlie\u00dfen\u201c. Ohne hier langatmig auf eine solch verwunderliche Sichtweise zu entgegnen, sei hier zun\u00e4chst auf die umfangreichen Dokumentationen der \u201eInformationsstelle Militarisierung\u201c (<\/em><a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/\"><em>http:\/\/www.imi-online.de\/<\/em><\/a><em>) verwiesen.<br \/>\n<\/em><em>Einen schwachen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr HK\u00b4s Lesart k\u00f6nnte man in dem Sachverhalt vermuten, dass die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des deutschen Imperialismus in Gestalt der transatlantischen Superkoalition \u2013 CDU\/CSU, SPD+Gr\u00fcne \u2013 die deutsche \u201eSicherheit\u201c tief im neokonservativen Enddarm des US-Imperialismus sucht. Diese Rolle als Vasall der USA \u2013 geradezu masochistisch forciert durch die Ampel-Regierung \u2013 wird nun dem Modell Deutschland zum Verh\u00e4ngnis aufgrund der neokonservativen US-Strategie zur Ukraine und dem Sanktionsregime gegen Russland.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die US-amerikanische Strategie unter Biden zielte darauf ab, dass einerseits die Ukraine im Stellvertreterkrieg so lange weiterk\u00e4mpfen sollte, bis Russland als Machtkonkurrent am Ende ist und die USA die H\u00e4nde frei bekommen gegen China. Andererseits erreichten die USA mit ihrer Strategie bewusst und mit Erfolg, dass die Konkurrenten in Europa und speziell Deutschland durch die R\u00fcckwirkungen der Sanktionen empfindlich getroffen, von Russland abgeschnitten und in noch gr\u00f6\u00dfere Abh\u00e4ngigkeit von den USA gebracht wurden.<\/p>\n<p>Mit Trumps Zollpolitik und dem angestrebten \u201eDeal\u201c mit Putin kommen die EU und besonders Deutschland vom Regen in die Traufe.<\/p>\n<p>Logischerweise (keine Wiederauferstehung) d\u00fcrfte es nach HK eigentlich keinen deutschen Imperialismus (mehr) geben. Andererseits ist in den AZD immer wieder von Imperialismus (zumindest etwas versch\u00e4mt von \u201eimperialen M\u00e4chten\u201c)\u00a0 die Rede.<\/p>\n<p>Zur \u201eNationalen Sicherheitsstrategie Deutschlands\u201c habe ich einen Artikel geschrieben [8] mit dem Fazit:<br \/>\n\u201e<em>Denn wo Deutschland als Unterauftragnehmer der USA scheinbar paradoxerweise einem Wirtschaftskrieg, einem \u201efriendly fire\u201c seitens diesem \u201eengsten Verb\u00fcndeten\u201c ausgesetzt ist, bedingen die sonstigen Verstrickungen in die zahlreichen Widerspr\u00fcche und Konkurrenzverh\u00e4ltnisse eine wahre Strategie-Unf\u00e4higkeit, geradezu einen Masochismus eines ratlos hin- und her getriebenen angeknacksten Wirtschaftsriesen und Strategie-Zwerges. W\u00fcrden die Herrschenden nach imperialistischer Logik Ernst machen und w\u00fcrde Deutschland entgegen der hohlen Gro\u00dfmachtphantasien im \u201eglobalen machtpolitischen Konkurrenzkampf\u201c als \u201eGestaltungsmacht\u201c ernst genommen und einen wirklichen Platz an der Sonne als gro\u00dfer F\u00fchrungs-Player in NATO und EU einnehmen k\u00f6nnen, w\u00fcrde das nur durch noch heftigere, vielseitige Gegenreaktionen und versch\u00e4rfte Widerst\u00e4nde gef\u00e4hrlich durchkreuzt werden. &#8211;\u00a0 <strong>Das alles hei\u00dft mit Sicherheit alles andere als Sicherheit.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>4.2 Imperialismus heute<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In [6] wurde von mir ein \u201eholzschnittartiger Versuch\u201c einer Definition von \u201eImperialismus heute \u2013 \u00fcber Lenin hinaus\u201c ver\u00f6ffentlicht. Dazu gab es von HK (auch von Alfred Schr\u00f6der), den Autoren von \u201eDas Imperialismusproblem III\u201c in AZD 98) bislang keine Stellungnahme.<\/p>\n<p>Man findet in den Artikeln der AZD auch so gut wie nichts zur Definition bzw. den allgemeinen polit\u00f6konomischen Merkmalen des heutigen Imperialismus.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>4.3 Das \u201eImperialismusproblem III\u201c [2] \u2013 falsche und berechtigte Kritik<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Diesen Text kann man als Res\u00fcmee aller bisherigen Artikel der AZD zur Leninschen Imperialismustheorie betrachten.<\/p>\n<p><strong>4.3.1 Metaphysik statt Dialektik<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em>Doch Lenin vermochte es nicht, die Konstellation des Krieges klassenpolitisch zu erkl\u00e4ren, weshalb er daran ging, die Erkl\u00e4rung in der \u00d6konomie zu suchen \u2026 \u201en\u00e4mlich in der Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus\u201c. \u2026 Noch deutlicher konnte man die Orientierung an der \u00d6konomie nicht formulieren, was bedeutete, dass er dem \u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale verhaftet blieb.\u201c<\/em><em> [2, S. 19]<\/em><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von Lenins Imperialismusschrift zeigen diese Formulierungen ein undialektisches, metaphysisches\u00a0 Auseinanderdividieren und Entgegensetzen der Kategorien \u201eKlas\u00adsenpolitik\u201c versus \u201e\u00d6konomie\u201c durch die Autoren. Die jeweilige \u00f6konomische Formation der Gesellschaft ist jedoch unl\u00f6sbar die Basis von Klassen und Klassenkampf, woraus\u00a0 die dia\u00adlektische Entwicklung folgt. Schon der Titel des marxistischen Hauptwerkes \u201eKapital\u201c \u2013 lau\u00adtet: \u201eKritik der politischen \u00d6konomie\u201c.<\/p>\n<p>Marx hat das Verh\u00e4ltnis Basis\/\u00dcberbau im Vorwort zur \u201eKritik der Politischen \u00d6konomie\u201c (MEW 13\/8) klar definiert. Engels hat das in der Einleitung zum \u201eAnti-D\u00fchring\u201c (MEW 20\/25)\u00a0 folgenderma\u00dfen ausgedr\u00fcckt:<br \/>\n<em>\u201eEs zeigte sich &#8230; dass also die jedesmalige \u00f6konomische Struktur der Gesellschaft die reale Grundlage bildet, aus der der gesamte \u00dcberbau der rechtlichen und politischen Einrichtungen sowie der religi\u00f6sen, philosophischen und sonstigen Vorstel\u00adlungsweise eines jeden geschichtlichen Zeitabschnittes in letzter Instanz zu erkl\u00e4ren sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Also auch die Klassenk\u00e4mpfe. Und daher ist auch die \u201eFrage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus\u201c in der \u201e\u00f6konomischen Struktur der Gesellschaft\u201c zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Wenn jemand die \u201eFrage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus\u201c aufwirft \u2013 was hat das mit dem \u201e\u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale\u201c zu tun? Da ist \u00fcberhaupt kein kein zwingender Zusammenhang zu erkennen. Im Gegenteil. Der fundamen\u00adtale Unterschied zwischen Lenin und der II. Internationale ist immerhin der, dass Lenin nicht die \u201efriedliche\u201c \u00dcbernahme des Staates durch Wahlen, sondern dessen Sturz f\u00fcr unumg\u00e4ng\u00adlich hielt. Lenin das \u201e\u00f6konomische Marxismusverst\u00e4ndnis der II. Internationale\u201c vorzuwerfen, ist nichts als Ausdruck der oben kritisierten Metaphysik der Autoren.<\/p>\n<p><strong>4.3.2 \u201eSterbender Kapitalismus\u201c \u2013 Epoche der proletarischen Revolution?<\/strong><\/p>\n<p><em>Es bleibt allerdings das Problem, ob die Imperialismusschrift\u00a0 auch r\u00fcckblickend nach \u00fcber 100 Jahren den Anspr\u00fcchen der Komintern und Lenins gen\u00fcgt. Man kann nur die v\u00f6llige Fehl\u00adanzeige konstatieren.\u00a0 Denn nach \u00fcber 100 Jahren haben\u00a0 Kapi\u00adtalismus und Imperialismus s\u00e4mtliche gescheiterten sozialistischen Anl\u00e4ufe \u00fcberdauert und in Form kapitalistischer Restau\u00adrationen Urst\u00e4nd gefeiert. Der Kommunismus ist marginalisiert und existiert im Westen nur noch in Ge\u00adstalt irrelevanter,\u00a0 meist \u201erevisionistischer\u201c bzw. idealistischer Sekten. Will man das imperialistische China, das\u00a0 fa\u00admilien-dynastische Nordkorea oder das dahinsiechende Cuba als \u201ekommunistisch\u201c betrach\u00adten, beglaubigt man damit den vollst\u00e4ndigen Bankrott der \u201eSache\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>4.4.1 \u201eKommunistischer Idealismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Diese Form des Idealismus bedeutet nicht die Erkl\u00e4rung des Geistigen, der Ideen, zur Ursache aller Erscheinungen und Entwicklungen oder dass die Wirklichkeit auf Ideen basiert oder dass die reale Welt nur als Ob\u00adjekt des Bewusstseins existiert. Das alles nicht (bzw. weniger). Dagegen geht es um die \u00dcberh\u00f6hung von Analysen bzw. ideologisch begr\u00fcndeten Parteibeschl\u00fcssen oder von Theoremen \u201eunfehlbarer F\u00fchrer\u201c zum Agens\u00a0 der Gesellschaft \u2013 losgel\u00f6st von bzw. im Widerspruch zu objektiven, materiellen Bedingungen. Beispielsweise u.a., indem man vom Willen der Menschen unabh\u00e4ngige \u00f6konomische Geset\u00adze jenseits der objektiven Voraussetzungen per Beschl\u00fcssen willk\u00fcrlich \u00fcbergehen, gar ab\u00adschaffen oder neue Gesetze erfinden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein solcher Idealismus zeigte sich auch z.B. in der deutschen Novemberrevolution und danach: Die Revolution\u00e4re, die f\u00fcr die Ideale einer sozialistischen Republik nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution k\u00e4mpften, blieben in der R\u00e4tebewegung eine Minderheit. Sie untersch\u00e4tzten die noch unerledigten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution, die f\u00fcr den Sozialismus \u201eunreife\u201c Klassenstruktur und die Aktionsf\u00e4higkeit\u00a0 der sozialdemokratisch ge\u00adf\u00fchrten Konterrevolution. Lenin kritisierte (in taktischer, nicht strategischer Hinsicht) den zugrun\u00addeliegenden linken Radikalismus der deutschen Revolution\u00e4re. Die KPD mit ihrem fortdau\u00adernden linken Sektierertum und ihrem Voluntarismus, mit der sie die Ideen von Sozialismus und Dik\u00adtatur des Proletariats als unmittel\u00adbar auf der Tagesordnung verfolgte, konnte Massen r\u00fcck\u00adst\u00e4ndiger Arbeiter, Bauern und Millio\u00adnen anderer kleiner Warenproduzenten nicht gewinnen und wurde letztlich vom Nazi-Faschis\u00admus \u00fcberrollt.<\/p>\n<p>War Lenin frei von diesem \u201ekommunistischen Idealismus\u201c? Er war ein Mensch seiner Zeit, in der durch den 1. Weltkrieg sich gewaltige revolution\u00e4re Bewegungen erhoben und unter Lenins F\u00fchrung die russische Oktoberrevolution siegte.<\/p>\n<p><strong>4<\/strong><strong>.4.2 Die AZD-Kritik an Lenins Imperialismusschrift\u00a0 &#8211; zum Teil berechtigt<\/strong><\/p>\n<p>Der \u201eAbschied\u201c von der Leninschen Imperialismustheorie, wird in den AZD seit Ende der 80-iger Jahre ventiliert. So wurden im August 22\u00a0 in der \u201eKommu\u00adnistischen Debatte\u201c Texte aus dem Jahr 1987 (AZD 39) wiederver\u00f6ffentlicht, die damals unter dem Titel \u201eKapital und Monopol \u2013 Zur Kritik der Monopoltheorie bei Hilferding und Le\u00adnin\u201c (<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=366<\/a>) er\u00adschienen sind und de\u00adren Schlussfolgerungen\u00a0 im Wesentlichen in [2] wiederholt sind.\u00a0 Diese sehr gr\u00fcndlichen Beitr\u00e4ge (132 Seiten) zu den Wider\u00adspr\u00fcchen zwischen Lenins Quellen (bes. Hilferding, Hob\u00adson) und der Marxschen Theorie weisen klar nachvollziehbare und zutreffende Kritik\u00adpunkte auf, auch an \u201eSchwankungen und Unsicherheiten\u201c Lenins selbst. Insbesondere wird anhand von Hil\u00adferdings Theorie des \u201eFinanzkapitals\u201c und seiner Monopoltheorie nachgewiesen, dass die\u00adse mit der Marxschen \u00f6konomischen Theorie, auch wegen eines falschen Verst\u00e4ndnisses von der Rolle der Kon\u00adkurrenz, nicht vereinbar sind. Da Lenin seine Imperialismusschrift teilweise auf Hilferdings \u201eFinanzkapital\u201c gest\u00fctzt hat, schlie\u00dfen die Autoren, dass auch die Leninsche Theorie des Im\u00adperialismus mit der Marxschen Theorie nicht vereinbar sei. Man wirft Lenin den Begriff <strong>\u201e\u00dcbergangskapitalismus\u201c<\/strong> vor, in dem \u201edie Warenproduktion be\u00adreits untergraben ist und die <strong>Hauptprofite den Genies der Finanzmachenschaften zufallen<\/strong>; ja man meint daraus den Schluss ziehen zu m\u00fcssen,\u00a0 <em>\u201edass es <\/em>(angeblich laut Lenin)<em> nicht mehr der Wert ist, der die Produktion bestimmt und regelt\u201c <\/em>(AZD 39\/91). Oder man unterstellt Lenin, dass er mit seiner Rede vom Monopolkapitalismus die \u201e<em>Aufhebung der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Warenproduktion\u201c <\/em>behauptet habe \u2013 krass \u00fcberspitzte St\u00fccke an Interpretationskunst.<\/p>\n<p>Marx wird\u00a0 gegen Lenin ausgespielt. Dabei wird ignoriert, dass schon Marx bemerkt hat (MEW 25\/454):<br \/>\n<em>\u201e<\/em><em>Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise inner\u00adhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst und daher ein sich selbst aufhebender Wider\u00adspruch, der prima facie als blo\u00dfer <strong>\u00dcbergangspunkt zu einer neuen Produktions\u00adform<\/strong> sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sph\u00e4ren das Monopol her und fordert daher die Staatseinmi\u00adschung heraus. Er re\u00adproduziert <strong>eine neue Finanzaristokratie<\/strong>, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projek\u00adtemachern, Gr\u00fcndern und blo\u00df nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gr\u00fcndungen, Aktienausgabe und Akti\u00adenhandel.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Und Engels f\u00fcg\u00adte als Beispiel hinzu, dass<em> \u201ein diesem Zweig, der die Grundlage der ganzen chemischen In\u00addustrie bildet, in England die Konkurrenz durch das Monopol er\u00adsetzt und der k\u00fcnftigen Ex\u00adpropriation durch die Gesamtgesellschaft, die Nation aufs er\u00adfreulichste vorgearbeitet.\u201c <\/em>Hatte damit Lenin nicht etwa schon Vordenker?<\/p>\n<p>HK setzt diesem Ausspielen Lenins gegen Marx sein Fazit obendrauf:<br \/>\n<em>\u201eEs ist deshalb an der Zeit, dass wir uns verabschieden, nicht von Lenin, der an der Seite des revolution\u00e4\u00adren Pro\u00adletariats den Kampf gegen den Opportunismus \u2026 der II. Internationale aufnahm, sondern von <strong><u>der<\/u><\/strong> (?) Imperialismustheorie.\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Konsequenter kann man das Kind nicht mit dem Bad aussch\u00fctten.<\/p>\n<p>Das <em>\u201eProblem des Imperialismus selber\u201c<\/em> muss statt dessen heute neu aufgerollt werden, dazu haben die AZD bislang kaum etwas geleistet.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ein paar grunds\u00e4tzliche Bemerkungen zum Umgang mit den sogenannten Klassikern:<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>4.5 Der \u201eUmgang\u201c mit den Klassikern<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Es gibt 2 Extreme, wie mit Lenin und den \u00fcbrigen \u201eKlassikern\u201c des Marxismus umgegan\u00adgen wird: auf der einen Seite betrachtet man sie als heilige, unfehlbare Propheten, denen (fast) alles (oft einseitig verzerrt, dogmatisch bzw. idealistisch) nachgebetet wird. Das an\u00addere Extrem bedeutet, wie z.B. bei Lenin, von dessen Imperialismustheorie man sich komplett verabschieden muss, ja dem man historische Niederlagen des Kommunismus ankreidet. Sozusagen ein positiver bzw. negativer theoretischer Personenkult.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Klassiker des sog. ML haben sich in manchen Fragen geirrt, haben Fehler selbstkritisch konstatiert und, so m\u00f6glich, korrigiert oder konnten sie nicht erkennen. Sch\u00f6n ist der diesbez\u00fcgliche Spruch von Engels zum 50. Geburtstag von Marx:<br \/>\n<em>&#8222;Was wir doch vor 25 Jahren f\u00fcr jugendliche Enthusiasten waren, als wir uns r\u00fchmten, um diese Zeit l\u00e4ngst gek\u00f6pft zu sein&#8220;<\/em> (MEW32\/80).<br \/>\nEngels hat selbstkritisch einger\u00e4umt, dass sie beide, Marx und Engels sich historisch geirrt hatten:<br \/>\n<em>&#8222;Die Geschichte hat uns &#8230; un\u00adrecht gegeben. Sie hat klargemacht, dass der Stand der \u00f6konomischen Entwicklung da\u00admals bei weitem nicht reif war f\u00fcr die Beseitigung der kapitalistischen Produktion&#8220; <\/em>(MEW22\/515).<br \/>\nUnd Engels lag v\u00f6llig daneben, als er 1895 glaubte, die SPD<br \/>\n&#8222;<em>stehe heute auf dem Punkt, wo sie mit fast mathematisch genauer Berechnung die Zeit bestimmen kann, in der sie zur Herr\u00adschaft kommt&#8220; <\/em><em>(MEW 22\/250).<\/em><\/p>\n<p>Lenins radikale Selbstkritik bei der Wende zur N\u00d6P 1921 (4,5 Jahre nach der Imperialismusschrift \u2013 LW 33\/42)\u00a0 ist klassisch:<br \/>\n&#8222;<em>&#8230; begingen wir den Fehler, dass wir beschlossen, den unmittelbaren \u00dcbergang zur kommunistischen Produktion und Verteilung zu vollzie\u00adhen&#8220;<\/em>. Das war alles andere als eine Kleinigkeit, war doch dieser Fehler verbunden mit ei\u00adner <em>&#8222;Niederla\u00adge, die ernster war, als irgendeine Niederlage, die uns jemals von Koltschak, Denikin oder Pilsudski beigebracht wurde, &#8230; viel ernster, viel wesentlicher und gef\u00e4hrli\u00adcher \u2026&#8220; <\/em><em>(LW 33\/44).<\/em><\/p>\n<p>In der Landwirtschaft hatte die radikale Ablieferungspflicht schwere Hungersn\u00f6te ver\u00adsch\u00e4rft; sie wurde abgeschafft und durch eine Naturalsteuer ersetzt.<\/p>\n<p>Die Kritik an Lenin l\u00e4sst sich fortsetzen an seiner Rolle bei der &#8222;Zimmerwalder Linken&#8220;, die 1915 die noch unerledigten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution untersch\u00e4tzte. Auch da\u00adzu hat Lenin 1920 sich in <em>\u201e<\/em><em>Der \u201eLinke Radikalismus\u201c, die Kinderkrankheit im Kommunis\u00admus\u201c <\/em>\u00a0ge\u00e4u\u00dfert, was man auch als Selbstkritik im R\u00fcckblick auf Zimmerwald interpretieren kann<em>.<\/em><\/p>\n<p>Er hat beispielsweise 1919 in seiner Kritik an Bucharin pr\u00e4zisiert:<br \/>\n<em>\u201eReinen Imperialismus ohne kapitalistische Grundlage hat es niemals gegeben, gibt es nirgends und wird es nie\u00admals geben. &#8230; Nirgendwo auf der Welt hat der Monopolkapitalismus ohne freie Konkur\u00adrenz in einer ganzen Reihe von Wirtschaftszweigen existiert und wird er jemals existieren&#8220; <\/em><em>(LW 29\/150). Wer will, kann auch das als eine Selbstkritik zur Imperialis\u00admusschrift betrachten.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>4.6 Der Kontext 1916, Lenins Unklarheiten und der Abschied von Heiligkeiten<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Imperialismusschrift wurde 1916 geschrieben, im 1. Weltkrieg, als sich die revolution\u00e4\u00adre Situation abzeichnete. 1920 schrieb Lenin dazu:<br \/>\n<em>\u201eEs f\u00e4llt schwer, jetzt, in den Tagen der Freiheit, diese durch R\u00fccksicht auf die zaristische Zensur entstellten, zusammenge\u00adquetschten, in einen eisernen Schraubstock gepressten Stellen der Brosch\u00fcre wieder zu lesen \u2026\u201c <\/em>(LW 22\/191).<\/p>\n<p>In der Tat haben gewisse Schlussfolgerungen, Unklarheiten und \u00dcberspitzungen des Tex\u00adtes eine Grundlage geliefert f\u00fcr verschiedene grundfalsche Theoreme. So f\u00fcr die quasi \u201egesetzm\u00e4\u00dfige\u201c Gewissheit bis in die Tage Honneckers (\u201e<em>den Sozialismus in seinem Lauf h\u00e4lt weder Ochs noch Esel auf\u201c)<\/em>, dass der faulende Imperialismus unmittelbar der &#8222;Vor\u00adabend der sozia\u00adlen Revolution des Proletariats&#8220; sei. Das scheint heute auch nach \u00fcber 100 Jahren reichlich fern. Oder eine Grundlage f\u00fcr die &#8222;antimonopolistische Demokratie&#8220; der DKP, auch f\u00fcr die Agitation der MLPD, in der &#8222;DIE MONOPOLE&#8220; quasi der Satan schlechthin und die &#8222;Alleinh\u00aderrschaft des internationalen Finanzkapitals&#8220; der internationale Hauptfeind des international\u00aden Proletariats sind. Die in Wirklichkeit \u201eallein herrschende\u201c Konkurrenz der imperialistischen Staaten wie der Monopole untereinander ist dabei ul\u00adtraimperialistisch weggezaubert.<\/p>\n<p>Was bleibt da, wenn man wegen ihrer Fehler und Irrt\u00fcmer, ihrer im Nachhinein erkl\u00e4rbaren Fehlprognosen den &#8222;Klassikern&#8220; die Heiligkeit, die Eigenschaften als Wahrsager und unfehlb\u00adare Propheten absprechen muss?<\/p>\n<p>D<strong>ie Marxisten m\u00fcssen in selbstst\u00e4ndiger theore\u00adtischer Arbeit mit der marxschen Methodik an die jeweils aktuellen Entwicklun\u00adgen heran\u00adgehen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong> 5. Folgen<\/strong><\/h3>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>5.1 \u201eRevisionismus\u201c pur<\/strong><\/span><\/p>\n<p>In [2] wird v\u00f6llig richtig die \u201eBegeisterung f\u00fcr die Leninsche Imperialismustheorie\u201c in einem Teil der Linken unter Einschluss ihres \u201ekommunistischen Fl\u00fcgels\u201c konstatiert,<br \/>\n<em>\u201e\u2026 obwohl man sich von den sonstigen theoretischen und insbesondere revolution\u00e4ren Positionen Lenins l\u00e4ngst verabschiedet hat. Statt die Lenin\/Liebknechtsche Position des revolution\u00e4ren Defaitismus gegen beide imperialistischen Kriegsparteien im Ukraine-Krieg zu beziehen, vertrat man entweder die offene Unterst\u00fctzung der russischen Seite, forderte Waffenstillst\u00e4nde oder verfiel gleich dem Pazifismus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das kennzeichnet den marginalisierten Zustand der Linken (vielleicht abgesehen von der \u201ewoken\u201c Linkspartei) , erst recht der \u201ekommunistischen\u201c Splitterparteien bzw. idealistischen Sekten.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>5.2 Seit \u00fcber 100 Jahren \u201esterbender Kapitalismus\u201c?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Im Gegenteil:\u00a0 Es ist ein geradezu exponentielles\u00a0 \u201eWachstum\u201c des Kapitalismus, das bei gleichzeitig wachsender Ungleichheit und verelendeten Zonen den Globus mit inzwischen \u00fcber 8 Milliarden\u00a0 Men\u00adschen \u00fcberzogen hat. Man kann sehen, wie der\u00a0 tendenziell Fall der Profitrate die Kompensation durch gesteigerte Profitmassen hervorbringt. Durch die qua Konkurrenz st\u00e4ndige Produktivit\u00e4tssteigerung (per Automatisierung, Digitalisierung etc. &#8211; \u201emit immer weniger Leuten wird immer mehr produziert\u201c) ist in den einzelnen Waren immer weniger gesellschaftlich-durch\u00adschnittliche Arbeitszeit kristallisiert (was letzten Endes geringerem Profit pro einzelner Ware bedeutet); ergo: die Waren werden relativ immer billiger, was sich durch die gesteigerte (au\u00adtomatisierte) Massenproduktion wettmacht. Infolgedessen \u00fcberschwemmen ungeheuer an\u00adgeschwollene Warenfluten mit ihren Abfallprodukten aus den \u201ereichen\u201c Weltregionen den Globus, wof\u00fcr die die Ressourcen unwiderruflich gepl\u00fcndert, verheizt und vergeudet werden. Zugleich wird aber auch die Ware Arbeitskraft\u00a0 billiger, da diese sich mit den \u201ewohlfeile\u00adren\u201c Waren reproduziert, d.h. die sinkenden Warenwerte gehen einher mit relativ sinkenden L\u00f6hnen &#8211; was mehr oder weniger nominal durch die gleichzeitige \u201es\u00e4kulare Inflation\u201c \u00fcber\u00addeckt, vor allem auch durch erfolgreiche Lohnk\u00e4mpfe zeitweise konterkarriert wird.<\/p>\n<p>Das Kapital strebt \u2013 getrieben von wachsender Produktivit\u00e4t nach dem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate &#8211; nach grenzenloser internationaler Expansion und Akkumulation, jedoch eingebannt in die staatlichen Formen. Dieser Expansionsdrang, dieser innere Druck auf die staatliche Organisation muss daher unbedingt durch eine mehr oder weniger expansive, aggressive imperialistische Politik der konkurrierenden Staaten gegeneinander zum Aus\u00addruck kommen je nach dem Ma\u00df ihrer kapitalistischen und milit\u00e4rischen Potenziale bis zum Krieg als ultima Ratio des Imperialismus.<\/p>\n<p>Immer mehr Staaten haben einen Entwicklungsstand erreicht, mit dem sie am globalen Konkurrenzkampf um Rohstoffe, Absatzm\u00e4rkte, milit\u00e4rische R\u00fcstung und Einflusszonen teilnehmen. Entgegen dem Euphemismus\u00a0 von einer \u201efriedlichen multipolaren Welt\u201c handelt es sich um eine <strong>multi-imperialistische Welt der heftigsten Konkurrenz, des Wettr\u00fcstens und der Kriege.<\/strong><\/p>\n<p>Der revolution\u00e4re Optimismus, von dem Lenin vor \u00fcber 100 Jahren erf\u00fcllt war, hat sich \u201ein Luft aufgel\u00f6st\u201c. Es sind komplexe Ursachen, zu denen der \u201ekommunistische Idealismus\u201c (s.o.) z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ein entscheidender Wendepunkt war der Machtantritt der Chruschtschowianer in der Sowjetunion, mit der die Konterrevolution, die Kapitalisierung der UdSSR etwa in den 60-iger Jahren des letzten Jahrhunderts begann. Dazu verweise ich auf meinen diesbez\u00fcglichen Artikel [9].<\/p>\n<p>Mit der Kapitalisierung der UdSSR begann der Untergang des gesamten realsozialistischen Lagers mit all seinen Varianten, sozusagen das historische Scheitern des ersten kommunistischen Anlaufs der Menschheit.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>5.3 Aussichten<\/strong><\/span><\/p>\n<p><em>Hierzu verweise ich auf das Schlusskapitel meines Textes \u201eDer tendenzielle Fall der Profitrate und Imperialismus heute- Kapitalismus ohne Ende?\u201c: <\/em><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf<\/a><em> .<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Literatur<\/strong><\/h3>\n<p>[1] \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Heiner Karuscheit: \u201eDer deutsche Rassenstaat \u2013 Volksgemeinschaft &amp; \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Siedlungskrieg\u201c, NS-Deutschland 1933-1945, VSA-Verlag Hamburg, 2025<\/p>\n<p>[2]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 98, Juni 2025 &#8211;<em><br \/>\n<\/em><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2861\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2861 <\/a><\/p>\n<p>[3]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 93, Mai 2021 &#8211;<em><br \/>\n<\/em><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2077\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2077<\/a><\/p>\n<p>[4]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Roger Chickering \u201eDas Deutsche Reich und der Erste Weltkrieg\u201c, Becksche Reihe, \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Verlag C.H.Beck, M\u00fcnchen 2002<\/p>\n<p>[5]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Bernt Engelmann \u201eKrupp \u2013 Die Geschichte eines Hauses \u2013 Legenden und \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wirklichkeit\u201c, Wiihelm Goldmann Verlag, August 1978<\/p>\n<p>[6]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 AZD (Aufs\u00e4tze zur Diskussion) Nr. 95, Oktober 2022 &#8211;<em><br \/>\n<\/em><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2537\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2537<\/a><\/p>\n<p>[7] \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ulrich Enderwitz \u201eAntisemitismus und Volksstaat, zur Pathologie kapitalistischer \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Krisenbew\u00e4ltigung\u201c, &#8211;\u00a0 Ca ira \u2013 Verlag 1998 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/reichtum-und-religion.de\/antisemitismus\/antisemitismus-node1.html\">http:\/\/reichtum-und-religion.de\/antisemitismus\/antisemitismus-node1.html<\/a><\/p>\n<p>[8]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 K.-H.Goll, \u201eDie nationale Sicherheitsstrategie Deutschlands\u201c &#8211;<em><br \/>\n<\/em><em>\u00a0http:\/\/www.kommunistische Debatte.de\/?page_id=28<\/em><em>00<\/em><\/p>\n<p>[9] \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 K.-H.Goll, \u201eDie Kapitalisierung der UdSSR und einiges zum Untergang des \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Realsozialismus\u201c \u00a0<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635<\/a><\/p>\n<p>[10] \u00a0\u00a0\u00a0 Heiner Karuscheit, \u201eDer Ukraine-Krieg und die Frage des deutschen Imperialismus\u201c \u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2382\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2382<\/a><\/p>\n<p>[11]\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 David de Jong, \u201eBraunes Erbe \u2013 die dunkle Geschichte der reichsten deutschen \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Unternehmerdynastien\u201c.\u00a0 2022, Kiepenheuer und Wisch, deutsche \u00dcbersetzung des \u00a0\u00a0\u00a0 Titels: \u201eNazi Billionairs\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Anmerkungen Karl-Heinz Goll,\u00a0 September 2025 1. Vorbemerkung Zum vorliegenden Text habe ich zun\u00e4chst bis zum Erscheinen der AZD 98 [2] abgewartet weil f\u00fcr dieses Heft eine neuerliche \u201eKritik der Leninschen Imperialismustheorie\u201c angek\u00fcndigt war. Der Zusammen\u00adhang zwischen dem Buch [1] und dieser Kritik musste aufgegriffen werden. Ansonsten sind nachfolgend etliche Eigenzitate z.T. ohne besondere &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=3091\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Heiner Karuscheit (HK.): \u201eDer deutsche Rassenstaat\u201c [1] und \u201eDas Imperialismusproblem III\u201c [2]<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3091","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3091"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3091\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3097,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3091\/revisions\/3097"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}