{"id":2884,"date":"2025-06-24T14:43:11","date_gmt":"2025-06-24T12:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2884"},"modified":"2025-06-24T14:43:11","modified_gmt":"2025-06-24T12:43:11","slug":"diskussion-zu-der-deutsche-rassenstaat-vsa-2025","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2884","title":{"rendered":"Diskussion zu \u201eDer deutsche Rassenstaat\u201c (VSA 2025)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Brief an Heiner Karuscheit <\/strong>(Wilhelm Langthaler)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1) Auch aus anderen Schriften von Dir kenne ich deinen rigorosen Umgang mit verkrusteten (marxistischen) Kategorien. Diese m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcft, seziert und neu zusammengesetzt werden und damit wieder Konkretion zur\u00fcckzugewinnen. Diesen methodischen Ansatz sch\u00e4tze ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2) Deine Grundthese, dass 1918 die demokratische Revolution als Movens im Vordergrund stand, \u00fcberzeugt. Genauso wie die Kritik an KPD und Vorl\u00e4ufern, das nicht begriffen und damit eine historische Chance verspielt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3) Was weniger explizit drinnen ist und vielleicht nur eine Unterstellung aber doch anklingt, ist die starke Abtrennung der demokratischen von den sozialistischen Aufgaben. Mir schwebt da das russische Beispiel vor, dass eine praktisch rein demokratische Revolution von den Klassenkr\u00e4ften her schnell mit der Notwendigkeit des \u00dcbergangs zur Herrschaft des Proletariats hin zum Sozialismus konfrontiert wird, trotz des enormen demographischen \u00dcbergewichts der Bauernschaft. Noch viel st\u00e4rker und schneller w\u00e4re man in der Weimarer Republik mit der Erledigung der demokratischen Revolution an diese Frage gesto\u00dfen. Selbst in Griechenland 2015 w\u00e4re es so gewesen, wenn die Regierung den Mut gefasst h\u00e4tte, sich mit der EU anzulegen.<br \/>\nDurch den Sieg in Russland lag der \u00dcbergang zum Sozialismus bei Freund und Feind in der Luft. Und sei es nur als abstrakte Vorstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4) Das ist in dem Buch nicht so drinnen, aber mir ist es anderswo aufgefallen: die &#8222;rechte&#8220; Linie des Kremls gegen\u00fcber Deutschland nach dem 2.\u00a0Weltkrieg ist \u00fcberzeugend, aber bei dir scheint mir das manchmal eine Generallinie zu sein. F\u00fcr Griechenland, Jugoslawien aber auch Italien bin ich f\u00fcr die &#8222;linke&#8220; Linie, die aber nicht gleichbedeutend damit ist, die demokratischen Aufgaben geringzusch\u00e4tzen. Die rechte Linie hat historisch einmalige revolution\u00e4re Chancen verspielt. Aber das nur so nebenher. Wichtig, das ist je nach Land zu bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5) Was mir abgeht, ist die Behandlung\u00a0der f\u00fcr mich doch plausiblen These, dass eine der spezifischen Eigenheiten des Nationalsozialismus und Faschismus die Bereitschaft zur Massengewalt au\u00dferhalb der traditionellen Repressionsapparate ist, also die Charakterisierung als B\u00fcrgerkriegsarmee. Das behandelst du gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6) Du betonst die Eigenst\u00e4ndigkeit des Ph\u00e4nomens Nationalsozialismus. Gut. Und das konstitutive Moment des Rassismus mehr als des Nationalismus. Auch wenn ich da keinen unmittelbaren Einwand habe, muss man aufpassen, dass diese Eigenst\u00e4ndigkeit nicht zu weit geht. So politisch entmachtet die Bourgeoisie war, so hat sie das in Ermangelung von Alternativen akzeptiert. Darum scheint mir der Begriff des &#8222;Rassenstaates&#8220; zu weit zu gehen, insbesondere wenn wir unser gegenw\u00e4rtiges gesellschaftliches Umfeld sehen, das die Machtstruktur des Nationalsozialismus und die Verantwortung der Eliten verschleiern will.<\/p>\n<p>Willi Langthaler, Wien, 15. M\u00e4rz 2025<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Besprechung von Heiner Karuscheit: Der deutsche Rassenstaat <\/strong>(G.T.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist, im Wortsinn der AzD, eine solidarische Kritik an dem letzten Buch von Heiner Karuscheit \u201eDer deutsche Rassenstaat\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht in meinem Sinn, das Buch oder gar den Autor zu verunglimpfen. Es sei nochmals hervorgehoben, dies ist die beste Schrift zu der Thematik, die bislang im deutschsprachigen Raum erschienen ist, gerade weil es eben im Sinn der AzD Kritik m\u00f6glich macht und nicht Schwachstellen hinter einem Anmerkungsapparat oder einer \u201eWissenschaftlichkeit\u201c versteckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es handelt sich hier sowohl um Kritikpunkte als auch um Anmerkungen, aber auch um ernst gemeinte Fragen, die ich im Zuge der Ver\u00f6\ufb00entlichung nat\u00fcrlich ebenso an den verst\u00e4ndigen Leser richte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich richte mich mit den Zitaten nach dem Manuskript: \u201eNS Gesamt\u201c, welches mir freundlicherweise zur Verf\u00fcgung gestellt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> 1. \u201e\u2026au\u00dfenpolitisches Hauptziel zu verwirklichen, die Eroberung von \u201eLebensraum\u201c im Osten\u201c (S 3)<br \/>\n<\/em>Und damit ein Programm formulieren konnte, dem sich Junker als auch Montan- und die neuen Industrien anschlie\u00dfen konnten, da dieses Programm immer ein Kriegsprogramm war, von dem sich alle drei rivalisierenden Gruppen Gewinn und Machtzuwachs versprachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>2. \u201e\u2026industriell entwickeltsten Land Europas,\u201c ( S 3)<\/em><br \/>\nFraglos hat sich Deutschland im Zuge der bismarckschen Reichseinigung zu einer Industrienation entwickelt. Es aber als das industriell entwickeltste Land zu bezeichnen geht doch etwas \u00fcber die realen Verh\u00e4ltnisse hinaus. Gro\u00dfe Teile der National\u00f6konomie waren noch bis weit in die 1920 Jahre agrarisch gepr\u00e4gt und auch dort nicht als Agrarindustrie.<br \/>\nAuf der anderen Seite gab es zwar seit dem 19. Jahrhundert eine sehr fortschrittliche Montan- und im weiteren Verlauf der Geschichte eine sehr innovative Chemie- und Elektroindustrie, aber bis weit in die 1920er hinein war die durchschnittliche deutsche pro-Kopf-Produktivit\u00e4t der beinahe aller anderen Industriestaaten weit unterlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>3. \u201eDoch wie l\u00e4sst sich die rassisch begr\u00fcndete, millionenfache T\u00f6tung von Arbeitskr\u00e4ften durch den NS-Staat mit dem Marxschen \u201eKapital\u201c vereinbaren, dem zufolge die Vernutzung lebendiger Arbeit das Lebenselixier des Kapitals ist?\u201c ( S 4)<\/em><br \/>\nEs l\u00e4sst sich aus diesem nat\u00fcrlich nicht direkt ableiten, da es sich dort um eine politische Aktion handelt, die in dem Fall, nicht einmal eine direkte Reaktion auf politische Bed\u00fcrfnisse ist, sondern pr\u00e4ventiv, sich aus der Notwendigkeit eines zu f\u00fchrenden Krieges ableitet.<br \/>\nDie Herstellung von Kriegst\u00fcchtigkeit ist eine politische Aufgabe, wie eben auch der Krieg selbst eine politische L\u00f6sung \u00f6konomisch bedingter gesellschaftlicher Probleme darstellt. \u00d6konomisch bedingt insofern, dass nat\u00fcrlich hinter den jeweils wirkenden Klassenkr\u00e4ften \u00f6konomische Konstellationen sich verbergen.<br \/>\nKriegst\u00fcchtigkeit wiederum bedingt die <u>unbedingte<\/u> Verl\u00e4sslichkeit (Staatstreue) der gesellschaftlichen Massen. F\u00fcnf Millionen Juden, aber auch Sinti und Roma, die vergleichbar heutiger arabischer Kommunit\u00e4ten, zum Beispiel eine eigene Gerichtsbarkeit etabliert hatten, sind f\u00fcr eine wirkliche Kriegst\u00fcchtigkeit verheerend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>4. \u201e\u2026sondern kann auch nicht erkl\u00e4ren, warum hochentwickelte kapitalistische L\u00e4nder wie die USA, Frankreich oder Gro\u00dfbritannien bis heute nicht dem Faschismus anheimgefallen sind.\u201c (S 4)<br \/>\n<\/em>Hier w\u00e4re zu problematisieren, ob \u00fcberhaupt eine allgemeine Regierungsform existiert, die sich als Faschismus abstrahieren l\u00e4sst.<br \/>\nWelche Gemeinsamkeiten hat der deutsche mit dem italienischen, dem griechischen, dem chilenischen, dem spanischen, dem argentinischem usw. Faschismus? Oder wenn man Thalheimer heranzieht, hat dann nicht zumindest auch Frankreich seinen \u201eFaschismus\u201c erlebt?<br \/>\nAls historischer Materialist andererseits ist man nat\u00fcrlich auch mit der Notwendigkeit konfrontiert, nicht nur die jeweils aktuellen Klassenverh\u00e4ltnisse miteinander zu vergleichen, sondern die historisch, \u00f6konomischen Bedingungen zu analysieren, die diese Klassenverh\u00e4ltnisse st\u00fctzen bzw. sie hervorgebracht haben. Dass die Definition der Komintern wenig weiterhilft, ist denke ich Konsens. Damit fehlt allerdings weiterhin eine tragf\u00e4hige Definition, wenn \u00fcberhaupt Faschismus als eine besondere Regierungsform konstatiert werden soll.<br \/>\nDie Unterscheidung zwischen Faschismus als Bewegung bzw. als Regierungsform schafft dabei, meines Erachtens, eher Verwirrung. Selbstverst\u00e4ndlich ist jede Regierungsform vor ihrer jeweiligen Durchsetzung immer von ihrer Konstituierung unterschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>5. \u201e\u2026begriff die deutsche Sozialdemokratie den Marxismus nicht als Theorie von Klassen und ihren K\u00e4mpfen, sondern als \u00f6konomische Theorie.\u201c (S 9)<\/em><br \/>\nDies v\u00f6llig korrekt und wird von mir geteilt, ist aber etwas verk\u00fcrzt; richtiger w\u00e4re es davon zu sprechen, dass die SPD \u00fcber keinen marxistischen Klassenbegriff verf\u00fcgte und deshalb der blinden \u00f6konomischen Bewegung einen Automatismus unterstellte.<br \/>\nErsteres allerdings l\u00e4sst sich nicht davon trennen, dass die real existierende Arbeiterklasse im deutschen Reich sich noch zu gro\u00dfen Teilen in einem sehr fr\u00fchem Entwicklungsstadium befand. Weitgehend war man vor allem noch zunftm\u00e4\u00dfigen Verh\u00e4ltnissen verhaftet. Man war nicht prim\u00e4r Arbeiter, sondern etwa Sattler oder Dachdecker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>6. \u201eIm Kommunistischen Manifest hatten Marx und Engels 1847 das baldige Verschwinden der kleinen Warenproduzenten, sprich der Hauptmasse der alten Gesellschaft, durch den Siegeszug der kapitalistischen Produktionsweise vorhergesagt.\u201c (S 10)<br \/>\n<\/em>Was allerdings in diesem Zusammenhang \u201ebald\u201c bedeutet, ist umstritten. Dass seinerzeit ob der revolution\u00e4ren Stimmung einige Entwicklungsbedingungen au\u00dfer Acht gelassen wurden, kann sicher kritisiert werden, doch dass diese damals noch sehr junge Bewegung noch wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Zeitr\u00e4ume hatte, in denen sich gesellschaftliche Umw\u00e4lzungen vollziehen, kann ihr kaum vorgeworfen werden, wenn man bedenkt, wie noch heute von vielen \u201eLinken\u201c mit derartigen Zeitr\u00e4umen umgegangen wird. Wie oft schon stand der Untergang des Kapitalismus auf der aktuellen Tagesordnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> 7. \u201eIhre Anh\u00e4nger wiesen die Ziele und Werte der b\u00fcrgerlichen Revolution als \u201aundeutsch\u2018 zur\u00fcck und strebten einen artreinen deutschen \u201aRassestaat\u2018 an.\u201c (S 11)<br \/>\n<\/em>Derartige krude Theorien, die in der Regel dazu dienten, gemeinsame Interessen zu suggerieren, wo diese real nicht, oder unterschiedliche, wo die gemeinsamen vorhanden sind, finden sich in verschiedensten Bewegungen der Neuzeit, nicht nur bei Deutschen und Juden, sondern auch in der nordamerikanischen Geschichte, um etwa die Ausrottung der indianischen Bev\u00f6lkerung oder die Versklavung schwarzer Bev\u00f6lkerungsteile zu legitimieren. Aber auch etwa bei der Konstituierung des Staates Griechenland wurden durch die Briten Theorien in die Welt gesetzt, die suggerieren sollten, dass die peloponnesische Bev\u00f6lkerung sich auf die antiken Griechen zur\u00fcckf\u00fchren lie\u00dfe.<br \/>\nInteressant w\u00e4re hier herauszuarbeiten, ob und wie bewusst derartiges von welchen gesellschaftlichen Kr\u00e4ften benutzt wird, um ihre oftmals wesentlich greifbareren politischen und auch \u00f6konomischen Interessen zu verschleiern und durchzusetzen.<br \/>\nDass derartige Arbeiten heute gr\u00f6\u00dftenteils von \u201eThinktanks\u201c, \u201esozialen Netzwerken\u201c oder \u201eNGOs\u201c \u00fcbernommen werden, hat sich, denke ich sp\u00e4testens mit dem \u201earabischen Fr\u00fchling\u201c herumgesprochen.<br \/>\nOb und wieweit dies, zu damaligen Zeiten, von der \u201eWissenschaft\u201c und dem akademischen Betrieb geleistet wurde, ist ein noch immer zu wenig bearbeiteter Umstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>8. \u201eDrei Jahre sp\u00e4ter (1914) trieben Milit\u00e4radel und Bourgeoisie Bethmann Hollweg gemeinsam in einen Krieg, und dem doppelten Druck konnte der z\u00f6gerliche Reichskanzler nicht standhalten.\u201c (S 15-16)<\/em><br \/>\nHier findet sich die Blaupause f\u00fcr die dann ab Mitte der zwanziger einsetzende Bewegung, um Junker und Bourgeois noch ein letztes Mal zu einigen. Wobei im Folgenden meines Erachtens zu wenig Wert auf den Umstand gelegt wird, dass sich der Krieg f\u00fcr die deutsche Montan- als auch die aufstrebende Gro\u00dfindustrie als ein Hebel der Profitmaximierung darstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>9. \u201eNeu gegen\u00fcber 1848\/49 war die Forderung nach Sozialisierung der Schwerindustrie, die der industriellen Entwicklung entsprach. Sie h\u00e4tte den Ansatzpunkt f\u00fcr einen sp\u00e4teren \u00dcbergang zum Sozialismus f\u00fcr die im Besitz der Staatsgewalt befindliche Arbeitermacht bilden k\u00f6nnen.\u201c (S 19)<\/em><br \/>\nLetzteres erscheint mir allerdings als eine in der \u201eLinken\u201c weit verbreitete Illusion, die weder das unterentwickelte Klassenbewusstsein noch die seiner Zeit \u00f6konomische Unreife der deutschen Verh\u00e4ltnisse ber\u00fccksichtigt.<br \/>\nVielleicht h\u00e4tte es ja zu so etwas f\u00fchren k\u00f6nnen wie dem umgangssprachlichen Sozialismus, oder etwas, das sp\u00e4ter dann reales Dingsbums genannt wurde, aber nie zu etwas, was der Diktatur des Proletariats, wie sie Marx in der Kritik des Erfurter Programms skizziert hat, auch nur \u00e4hnlich werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>10. \u201eW\u00e4hrend sich Junkertum und Montanbourgeoisie daran machten, den Weimarer Parlamentarismus wieder zu beseitigen und ihre vorherige Machtstellung zur\u00fcckzuerobern, war es insbesondere das Kleinb\u00fcrgertum, das nach der Kriegsniederlage, dem Untergang des Kaiserreichs und dem Fehlschlag eines gesellschaftlichen Neuanfangs nach einer neuen Perspektive suchte und diese schlie\u00dflich im Nationalsozialismus fand.\u201c (S 25)<\/em><br \/>\nDabei ist allerdings auch zu ber\u00fccksichtigen, dass das Programm der NSDAP mehr oder minder bewusst mit \u201eKrieg um Lebensraum\u201c (und Rohstoffen) ein Angebot sowohl f\u00fcr die Junker als auch die verschiedenen Kapitale beinhaltete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>11. \u201eBesondere Resonanz fand das v\u00f6lkische Ideengut in den Freikorps, die im Auftrag der SPD-gef\u00fchrten Regierung von Offizieren des alten Heeres aufgestellt worden waren. Ein Gro\u00dfteil der Freikorps war vom Hass gegen die \u201eVaterlandsverr\u00e4ter\u201c beseelt.\u201c (S 29)<\/em><br \/>\nDazu fehlen nicht nur f\u00fcr die j\u00fcngeren Leser, sondern auch mir weitere Ausf\u00fchrungen. Welcher Beelzebub reitet eine SPD, derartige Vereine ins Leben zu rufen und sie dann noch, als schon erkennbar ist, welch ideologische Ausrichtung sie haben, zu unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>12. \u201eAu\u00dferdem sprach es sich gegen \u201eS\u00f6ldnertruppen\u201c aus, d.h. gegen das aus Berufssoldaten bestehende 100.000-Mann-Heer der Weimarer Republik, und forderte den Aufbau eines Volksheers.\u201c (S 29)<br \/>\n<\/em>Umgekehrt hier, auch dies bedarf einiger Erl\u00e4uterung, warum sind es ausgerechnet Kleinb\u00fcrger, die eine origin\u00e4re Forderung der Arbeiterklasse formulieren und nicht die beiden \u201eArbeiterparteien\u201c SPD und KPD?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>13. \u201eSo lie\u00df er nach der Macht\u00fcbernahme auch den Bau eines preiswerten \u201eVolkswagens\u201c vorantreiben, der f\u00fcr die breite Masse erschwinglich sein sollte.\u201c (S.42)<\/em><br \/>\nDass es angesichts der US-Autoproduktion, der gro\u00dfen britischen und franz\u00f6sischen PKW-Produktion und, verbunden damit, der aufstrebenden deutschen Autoproduktion (z.B. Opel, wenn auch in amerikanischer Hand), unter Umst\u00e4nden vielleicht \u00f6konomische Gr\u00fcnde gegeben haben k\u00f6nnte, eine deutsche PKW-Produktion zu installieren, sollte zumindest eine \u00dcberlegung wert sein.<br \/>\nDa zudem die gr\u00f6\u00dfte folgende Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme \u2013 ausgerechnet der Stra\u00dfenbau, der entgegen aller Ger\u00fcchte milit\u00e4risch unerheblich war, von den Nazis initiiert wurde, weist vielleicht darauf hin, dass diesen ein Wirtschaftsmodell vorschwebte, welches nicht mehr die Montanindustrie als Zentrum kapitalistischer \u00d6konomie sah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>14. \u201eMit gen\u00fcgend Landfl\u00e4che und <u>Rohsto\ufb00en<\/u> erf\u00fcllte der Osten alle Anforderungen des k\u00fcnftigen Lebensraums.\u201c (S 44)<\/em><br \/>\nHier endlich der wesentliche Grund des \u00dcberfalls auf die SU. Nicht zuf\u00e4llig der, der auch heute noch das Herz des deutschen B\u00fcrgertums h\u00f6her schlagen l\u00e4sst.<br \/>\nEine kapitalistische National\u00f6konomie ohne den ungehinderten Zugriff auf wesentliche Rohstoffe aufzubauen, ist ein abenteuerliches Unterfangen. Es ist zwar, wie Japan und Deutschland nach dem Kriege bewiesen haben, nicht g\u00e4nzlich zum Scheitern verurteilt, bedingt aber doch Abstriche an der Souver\u00e4nit\u00e4t, die linke Sozialdemokraten bis heute umtreibt, aber auch von den Gr\u00fcnen genutzt wird, um ihre wirtschaftlich nicht tragf\u00e4hige Ausstiegsagenda wenigstens politisch zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Rohstoff kapitalistischer Produktion war seinerzeit \u00d6l, etwas, \u00fcber das die meisten wichtigen kapitalistischen Nationen NL, GB, FR, USA und selbst Italien verf\u00fcgten, nur eben Deutschland und Japan nicht. Den anderen kapitalistischen Nationen die Verf\u00fcgung \u00fcber diesen Stoff streitig zu machen war illusion\u00e4r. Rommels Afrika-Feldzug galt auch seinerzeit in deutschen Milit\u00e4rkreisen eher als Abenteuer. Einzig die russischen Vorkommen schienen f\u00fcr Deutschland erreichbar. Was dann aber den damaligen Krieg um \u201eLebensraum\u201c sehr nahe an die aktuelle Osterweiterung heranr\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>15. \u201eBesiedelung Nordamerikas durch europ\u00e4ische Siedler, denn auch dies sei nur durch die Ausrottung der Indianer m\u00f6glich gewesen\u201c (S 44)<br \/>\n<\/em>Ebenso die \u201eBesiedelung\u201c Australiens, S\u00fcdafrikas, Neuseelands etc. Ein durchaus \u00fcbliches Vorgehen der damals aufstrebenden kapitalistischen Nationen, dessen Selbstverst\u00e4ndlichkeit heute leider etwas in Vergessenheit ger\u00e4t. Die Deutschen haben, als Versp\u00e4tete, dies nur auf die Spitze getrieben. Trotzdem gilt noch heute hier in vielen Kreisen der Slave, der Russe, als Untermensch, wie in den USA der Schwarze.<br \/>\nDies h\u00e4tte etwas mehr behandelt werden k\u00f6nnen, um vielleicht dem M\u00e4rchen der Einzigartigkeit des deutschen Vernichtungskrieges etwas entgegen zu setzen und damit, unter Umst\u00e4nden, in die Diskussion etwas Rationalit\u00e4t hinein zu bekommen. Keine der gro\u00dfen kapitalistischen Nationen, bis auf Russland und China, hat seine National\u00f6konomie ohne die massenhafte Vernichtung \u201efremder\u201c V\u00f6lker aufgebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>16. \u201eRussland selber sch\u00e4tzte er als schwach ein, da es von j\u00fcdisch-bolschewistischen Kr\u00e4ften \u00fcbernommen worden war: \u201eDas Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch.\u201c (S 45)<\/em><br \/>\nNicht nur er, sondern alle f\u00fchrenden Politiker der gro\u00dfen kapitalistischen Nationen teilten diese Einsch\u00e4tzung, weshalb eben von keinem der reale Kriegsausgang vorhergesehen wurde.<br \/>\nDiese Fehleinsch\u00e4tzung durchzieht die westliche Geschichte von Napoleon bis heute. Sie beruht auf einem Unverst\u00e4ndnis russischer Gesellschaftlichkeit und Geschichte und einer westlichen \u00dcberheblichkeit, gegen die bis heute kein Kraut gewachsen zu sein scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>17. \u201e\u2026er besa\u00df auch einen scharfen politischen Verstand, der ihn dazu bef\u00e4higte, auf Basis einer Einsch\u00e4tzung der Republik von Weimar und der ma\u00dfgeblichen gesellschaftlichen Kr\u00e4fte eine politische Programmatik zu entwickeln, die eine Antwort auf die Krise von Staat und Gesellschaft gab und die Nationalsozialisten binnen weniger Jahre zu einer gewaltigen Massenbewegung werden lie\u00df<\/em>.\u201c (S 46)<br \/>\nWesentlicher dabei allerdings, dass die NSDAP, mit ihrem Programm eines Krieges f\u00fcr Lebensraum und Rohstoffe sowohl die alten als auch die jungen aufstrebenden, deutschen Gro\u00dfkapitale hinter sich vereinigen konnte. <u>Allein<\/u> mit der Unterst\u00fctzung der Junker und der \u201eVolksmassen\u201c, die eine Bodenpolitik bef\u00fcrworteten, h\u00e4tte auch schon damals eine Partei diesen derartigen Siegeszug nicht vollbringen k\u00f6nnen.<br \/>\nOb dies einem \u201escharfen politischen Verstand\u201c geschuldet war oder eher einer Kleingangstermentalit\u00e4t, wie sie ihm von Brecht in Arturo Ui unterstellt wird, ist dabei durchaus diskussionsw\u00fcrdig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>18. \u201eDas bedeutete, die Schwerindustrie f\u00fcr den Nationalsozialismus zu gewinnen oder, wenn das nicht m\u00f6glich war, zumindest ein Verh\u00e4ltnis wohlwollender Neutralit\u00e4t herzustellen.\u201c (S 54)<br \/>\n<\/em>Der Begriff Schwerindustrie ist in diesem Zusammenhang etwas unklar. In Deutschland gibt es um diese Zeit die alte Stahl- und Kohle-Industrie und eine weitgef\u00e4cherte aufstrebende Industrie aus Chemie, Elektronik, Optik und Maschinenbau. Letztere befindet sich zum einen in Konkurrenz zu den alten Industrien, teilt aber durchaus einige ihrer Interessen. Sie verspricht sich wie diese durch einen Krieg ein Wachstum ihrer Profite. Dies ist erkennbar daran, dass sp\u00e4testens ab Mitte der zwanziger Jahre, also weit vor den Volksmassen, weite Teile auch dieser, wei\u00df Gott nicht reaktion\u00e4ren, Industrief\u00fchrer, bis auf wenige Ausnahmen (Bosch, Rosental), der NSDAP sehr aufgeschlossen gegen\u00fcberstehen. Allerdings erst in den drei\u00dfiger Jahren rechnet ein Herr Abs vor, dass mit der Einnahme Moskaus sich die Kosten des Krieges amortisiert h\u00e4tten. Eben diese Kapitalfraktion ist es, die, auch wenn Moskau nicht eingenommen wurde, als Gewinner aus diesem Krieg hervorging.<br \/>\nLetztere sind es auch, die nach 1945 unangefochten in der BRD ihre Aktivit\u00e4ten weiter ausbauen. Vertreten durch die nun \u00fcberkonfessionelle CDU wird dann auch, nach einer kurzen Anstandspause, die Ostexpansion als Kampf gegen die SU wieder zur Ma\u00dfgabe der Politik. Etwas, was nur in abgewandelter Form \u201eWandel durch Handel\u201c nun auch von der SPD mitgetragen wird.<br \/>\nOb dies eine Fortsetzung alter Politik oder rein zuf\u00e4llige Korrelation, mit an wesentlichen Stellen gleichem Personal, ist eine Frage die, so wie du argumentierst, leider offen bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>19. \u201eWie die Scha\ufb00ung eines Einheitsstaats war auch die Beseitigung des Einflusses der Kirchen durch Trennung von Staat und Kirche eine Forderung der b\u00fcrgerlichen Revolution gewesen. Jetzt ging wiederum der Nationalsozialismus an die Realisierung dieser Forderung.\u201c (S 60)<\/em><br \/>\nWas auch so gedeutet werden k\u00f6nnte, dass die NSDAP nun endlich die b\u00fcrgerliche Revolution vollendete. Etwas, was implizit den gesamten Text durchzieht, leider ohne dass es je offen benannt wird. Schade!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>20. \u201eDurch die Aufl\u00f6sung der b\u00fcrgerlichen Parteien verf\u00fcgte sie nun auch \u00fcber keine politische Repr\u00e4sentanz mehr, um in organisierter Form auf die Staatsgesch\u00e4fte Einfluss zu nehmen. Das hei\u00dft, in ihrer Gestalt als Inhaberin des Kapitals war sie zwar wirtschaftlich, aber nicht politisch formiert \u2013 sie war eine Klasse an sich, aber nicht f\u00fcr sich.\u201c (S 68)<\/em><br \/>\nWenn also das \u201eKapital\u201c nicht qua personem im Staatsapparat vertreten ist, verf\u00fcgt es \u00fcber keine politische Macht?<br \/>\nDie Politik der NSDAP hat, nicht zuf\u00e4llig, zu einem Aufschwung der deutschen Industrie gef\u00fchrt. Zwar hat die deutsche Industrie nach dem verlorenen Krieg erfolgreich das Ger\u00fccht in die Welt gesetzt, ihr sei an diesem nicht gelegen oder sie sei gar ein Gegner dieser Kriegspolitik gewesen, doch ist dies glaubhaft?<br \/>\nAuch heutige Politiker entstammen, in \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit, dem Kleinb\u00fcrgertum und nur die wenigsten steigen ins B\u00fcrgertum auf, ist dies ein Indiz daf\u00fcr, dass das B\u00fcrgertum nicht die Politik bestimmt?<br \/>\nEs sind nicht umsonst vor allem Juristen, der Berufsstand des Vertreters (Rechtsvertreter), die sich in bundesdeutschen Parlamenten tummeln. Es w\u00fcrde doch eher seltsam anmuten, wenn Personen wie Nathalie von Siemens oder Anton Pi\u00ebch im Kabinett ihre unterschiedlichen Positionen diskutierten.<br \/>\nEben die Klasse, die zwar auch im Parlament, aber vor allem im machtpolitisch relevanteren Milit\u00e4r verankert war, war die Feudalaristokratie. Eben dies hat sie allerdings nicht vor dem Untergang gerettet.<br \/>\nK\u00f6nnte angesichts dessen nicht umgekehrt argumentiert werden, die NSDAP verheizt die Feudalaristokratie in einem Krieg, der nur vordergr\u00fcndig um deren Interessen gef\u00fchrt wird, w\u00e4hrend sich das B\u00fcrgertum schadlos h\u00e4lt, und somit die kleinb\u00fcrgerliche NSDAP die Politik des aufstrebenden B\u00fcrgertums vollstreckt, welches nach dem verlorenen Krieg nun die ungeteilte Macht \u00fcbernimmt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21. \u201e<em>Die unproduktive, weit \u00fcberproportionale Verausgabung gesellschaftlicher Mittel f\u00fcr R\u00fcstungsg\u00fcter musste den Kreislauf des Kapitals je l\u00e4nger desto gravierender deformieren. Allein aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden war deshalb der \u00dcbergang zu einem Krieg unausweichlich, um dem sonst drohenden Kollaps zu entgehen<\/em>.\u201c (S 71)<br \/>\nHier sei die Frage gestattet, ob nicht R\u00fcstung und in Folge davon Krieg ein integraler Bestandteil kapitalistischer Reproduktion sind?<br \/>\nR\u00fcstungsproduktion, als unproduktive Verausgabung gesellschaftlicher Mittel, ist ein durch die Friedensbewegung propagierter Unsinn. Ein schlagkr\u00e4ftiges Milit\u00e4r ist im Sinne nationalstaatlicher Konkurrenz notwendiger Bestandteil kapitalistischer National\u00f6konomie. Ohne die F\u00e4higkeit, staatliche Interessen mit Gewalt oder der Drohung mit selbiger durchzusetzen, ist jede kapitalistische National\u00f6konomie zum Scheitern verurteilt.<br \/>\nDass R\u00fcstung und in der Konsequenz Krieg eine Form der Kapitalvernichtung darstellt, steht au\u00dfer Frage. Diese ist allerdings, wie auch Marx an verschiedenen Stellen ausf\u00fchrt, eine notwendige Erscheinung kapitalistischer Reproduktion.<br \/>\nIn dem hier beschriebenen Zusammenhang ist allerdings schon programmatisch, durch die \u201eLebensraum\u201c Forderung, eine kriegerische Auseinandersetzung explizit geplant. Jedem, sowohl den Bev\u00f6lkerungsmassen, als auch dem Adel oder dem B\u00fcrgertum war bewusst, dass diese einen Krieg impliziert.<br \/>\nDas nach dem verlorenen Krieg das Ger\u00fccht verbreitet wurde keinem w\u00e4re dies bewusst gewesen, ist doch zumindest f\u00fcr unsere Generation, die noch mit Zeitzeugen sprechen konnten, als L\u00fcge bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>22. \u201eDabei ging Hitler im Verh\u00e4ltnis zu den umgebenden Staaten mit einer beispiellosen Flexibilit\u00e4t vor und spielte sie gegeneinander aus, um eine M\u00e4chtekonstellation herzustellen, die einen Krieg gegen die Sowjetunion so risikoarm wie m\u00f6glich machen w\u00fcrde.\u201c (S 73)<\/em><br \/>\nDie bekannte Gegenthese lautet, die f\u00fchrenden kapitalistischen Staaten h\u00e4tten alles daf\u00fcr getan, Deutschland in einen Krieg gegen die SU zu hetzen in der Hoffnung, dass beide sich dabei zerfleischen, oder zumindest die SU dies nicht \u00fcberlebt. Sollte darauf in diesem Zusammenhang nicht zumindest kurz eingegangen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> 23. \u201eDamit war das (japanische) Kaiserreich angesichts seiner totalen Abh\u00e4ngigkeit von den \u00d6limporten faktisch vor die Alternative einer politischen Kapitulation vor Amerika oder aber eines gewaltsamen Gri\ufb00s nach den Rohsto\ufb00en in S\u00fcdostasien gestellt, d. h. eines Angri\ufb00skrieges gegen die USA und ihre Verb\u00fcndeten. (S 86)<br \/>\n<\/em>Auf welche seinerzeit nennenswerten \u00f6lproduzierenden L\u00e4nder konnte Japan durch milit\u00e4rische Auseinandersetzung die Hoffnung haben, zuzugreifen?<br \/>\nIm Indopazifischen Raum waren seinerzeit nur die Niederl\u00e4nder und die Briten mit recht bescheidenen Explorationsquellen t\u00e4tig. Wahrscheinlicher ist, dass Japan der geostrategischen Ausweitung der USA im Indopazifik etwas entgegensetzen wollte. Zudem bot sich nat\u00fcrlich dieser Schlag gegen die US-Flotte regelrecht an. Wie auf einem Silbertablett hatte die NAVY den Japanern einen nicht unma\u00dfgeblichen Teil ihrer Pazifikflotte vor der Haust\u00fcr, erreichbar durch die japanische Luftwaffe, kredenzt. Welcher Milit\u00e4r kann da nein sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>24. \u201eDiesen S\u00e4tzen zufolge war der Faschismus-Nationalsozialismus also ein Niedergangsprodukt des verfallenden Kapitalismus; er war die letzte Karte der Bourgeoisie, dazu gedacht, der Revolution zu entgehen, die jedoch allen Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen zum Trotz immer n\u00e4her r\u00fcckte.\u201c (S 98)<br \/>\n<\/em>Entgegen dieser Idee, die stark der seinerseits verbreitet idealistischen Herangehensweise verhaftet war, w\u00fcrde heute nicht nur der deutsche Faschismus, sondern auch der griechische, der spanische, der portugiesische, der chilenische, der argentinische usw. Faschismus als Geburtshelfer des b\u00fcrgerlichen Staates eher einen Sinn ergeben. Dabei bliebe nat\u00fcrlich die Frage zu kl\u00e4ren, welche vergleichbaren Regierungsformen in den urspr\u00fcnglichen b\u00fcrgerlichen Demokratien dessen Funktion \u00fcbernommen haben k\u00f6nnten, oder meinethalben, warum in diesen kein derartiger Geburtshelfer notwendig war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>25. \u201e\u2026au\u00dferdem waren die imperialistischen Gro\u00dfm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und Frankreich nicht nur durch den Krieg geschw\u00e4cht, sondern mussten ihre Kolonialreiche Schritt f\u00fcr Schritt vor dem Ansturm antiimperialistischer Befreiungsbewegungen aufgeben.\u201c (S 99)<br \/>\n<\/em>Aus \u00f6konomistischer Sicht handelt es sich dabei eher endlich um die Herstellung des viel beschworenen freien Weltmarktes. Vor allem im Interesse des seinerzeitigen mit Abstand gr\u00f6\u00dften Warenproduzenten USA, f\u00fcr den sich anf\u00e4nglich viele dieser \u201eBefreiungsbewegungen\u201c funktionalisieren lie\u00dfen.<br \/>\nWarum diese sp\u00e4ter zuweilen \u00fcber das Ziel hinausschossen und damit auf Unterst\u00fctzung der SU oder Chinas angewiesen waren, ist im Einzelfall zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>26. \u201eNur durch die Brille des \u00d6konomismus betrachtet, konnte man diese Bourgeoisie als \u201eKapital\u201c ihrer wirtschaftlichen St\u00e4rke wegen zur herrschenden Klasse machen.\u201c (S 102)<\/em><br \/>\nOhne unseren alten Streit wieder aufzuw\u00e4rmen zu wollen, nat\u00fcrlich ist das Kapital keine Klasse und kann somit auch keine herrschende Klasse sein, Doch die, denen du hier \u00d6konomismus vorwirfst, sind f\u00fcr mich nat\u00fcrlich Idealisten reinsten Wassers, denen jedes tiefere Verst\u00e4ndnis kapitalistischer \u00d6konomie, oder gar der Dialektik von \u00d6konomie und Staat, von Basis und \u00dcberbau v\u00f6llig abgeht. Die eben in dem Sinn, wie du anmerkst, \u201edie Geschichte aus dem Begriff \u2026 konstruieren\u201c.<br \/>\nDass nichtsdestotrotz hier schon absehbar ist, dass die aufstrebende Bourgeoise, ob ihrer wirtschaftlichen St\u00e4rke, eben zur politisch f\u00fchrenden Kraft in Deutschland wird, zeigt der weitere Verlauf der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>27. \u201eAugust Thalheimer, neben Heinrich Brandler der f\u00fchrende Kopf der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO), verfocht eine andere Definition des Faschismus als (sp\u00e4ter) die Komintern, indem er sich auf die 1852 ver\u00f6\ufb00entlichte Schrift von Karl Marx \u201eDer achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte\u201c berief.\u201c(S. 102)<br \/>\n<\/em>Dazu nat\u00fcrlich vom mir die Frage, inwieweit du es als zielf\u00fchrend einsch\u00e4tzt, auf der Grundlage des \u201eDer achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte\u201c, eine allgemeine Theorie des Faschismus zu erarbeiten.<em><br \/>\n<\/em>Sicherlich ist diese Schrift eher als Glosse verfasst und keine theoretische Abhandlung, au\u00dferdem wird dort das Ph\u00e4nomen als Einzelerscheinung betrachtet, dennoch scheint es mir eine \u00dcberlegung wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>28. \u201eDie aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon hervorgehende deutsche Nationalbewegung strebte die Vereinigung aller Deutschen in einem demokratischen Nationalstaat an. Sie machte keinen Unterschied zwischen den Angeh\u00f6rigen der Nation, gleich welcher Glaubensrichtung sie angeh\u00f6rten, ob sie nun Katholiken oder Juden, Protestanten oder Atheisten waren.\u201c (S 105)<\/em><br \/>\nHier zum einen auf meine Bemerkung 6. verwiesen; politische Richtungen als Bewegungen unterscheiden sich immer von der dann konstituierten. Speziell in Deutschland, galt es ja, eine kapitalistische National\u00f6konomie erst einmal aufzubauen.<br \/>\nDeine Argumentation, oder die dahinterstehende Einsch\u00e4tzung, abstrahiert, meines Erachtens ungerechtfertigt, von den staatspolitischen Orientierungen auf die Ethnien, die in einem Staat beheimatet sind und damit nur vordergr\u00fcndig, konfessioneller Zugeh\u00f6rigkeit, innerhalb einer Nationalbev\u00f6lkerung, f\u00fcr den b\u00fcrgerlichen Nationalstaat.<br \/>\nInsbesondere im deutschen Reich war die Nationenbildung noch lange nicht abgeschlossen. Wenn Wilhelm II vor den ersten Weltkrieg verk\u00fcndete, er kenne keine Klassen mehr, sondern nur noch Deutsche, war zumindest der zweite Halbsatz, von einem preu\u00dfischen K\u00f6nig formuliert, blanker Euphemismus. Der Mann wusste so gut wie seine Zuh\u00f6rer, dass es sich um Bayern, Badener, Rheinl\u00e4nder, Westfalen, aber eben auch Juden, Polen usw. handelte, die sich wei\u00df Gott mehrheitlich prim\u00e4r nicht als Deutsche definierten. Aber auch nach dem 1. Weltkrieg konnte in Deutschland noch nicht von einer nach innen durchgesetzten Nation gesprochen werden. Vor allem die aus dem polnischen Raum zugewanderte j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung war nur zu geringem Teil in heutigem Sinn assimiliert. Wenn eine gro\u00dfe Volksgruppe innerhalb einer Nation existiert, die in weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe als z. B. heutige arabische Kommunit\u00e4ten eine eigene Gerichtsbarkeit praktizieren oder zu einem nicht unma\u00dfgeblichen Teil nicht einmal die deutsche Sprache nutzt, bedeutet dies im Kriegsfalle ein kaum zu kalkulierendes Risiko.<br \/>\nEben dieser Kriegsfall war aber f\u00fcr die NSDAP programmatisch geplant. \u00c4hnlich verhielt es sich \u00fcbrigens mit Sinti und Roma, die in diesem Zusammenhang oft unterschlagen werden.<br \/>\nDass eben diese Problematik, aufgrund der \u00f6konomisch notwendigen Einwanderungspolitik, auch heute wieder ein Problem darstellt, zeigt sich \u00fcberdeutlich in der momentanen Debatte zu einer deutschen \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c, die nicht zuf\u00e4llig zeitgleich mit einer Migrationsdebatte gef\u00fchrt wird.<br \/>\nViele heute hier lebende Menschen, die h\u00e4ufig ethnisch Syrer, T\u00fcrken, Pakistaner usw. sind, sind diesem Staat gl\u00fccklicherweise nicht so weit verbunden, dass sie f\u00fcr diesen in einem Krieg ihr Leben riskieren w\u00fcrden.<br \/>\nAuch der faschistische Putsch in der Ukraine war darauf angewiesen, die ethnischen Russen zu eliminieren, ehe er in einen Krieg gegen Russland eintritt, was gl\u00fccklicherweise vereitelt werden konnte.<br \/>\nInsbesondere den USA ist im Vietnamkrieg dieser Umstand derma\u00dfen auf die F\u00fc\u00dfe gefallen, dass sie sich seit dem, bez\u00fcglich des Einsatzes von Bodentruppen, in ihren diversen Kriegen doch sehr zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>29. \u201eDie im August 1789 von der franz\u00f6sischen Nationalversammlung verabschiedete \u201eErkl\u00e4rung der Menschen- und B\u00fcrgerrechte\u201c verk\u00fcndete diese Freiheit und Gleichheit als allgemeing\u00fcltiges Gesetz.\u201c (S 106)<\/em><br \/>\nAuch dieses \u201eallgemeing\u00fcltige Gesetz\u201c erfuhr nat\u00fcrlich in der Praxis \u00fcberall seine Einschr\u00e4nkungen. Weder in den USA galt dies f\u00fcr alle Menschen, noch f\u00fcr spanisch oder portugiesisch Amerika, oder die franz\u00f6sische Karibik. Geschweige denn in Afrika oder Indonesien. Insofern ist der deutsche Umgang nur in der heutigen Propaganda ein Zivilisationsbruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>30. \u201eDie \u201eSingularit\u00e4t\u201c dieses Staates resultierte nicht erst aus dem industrialisierten Massenmord an den europ\u00e4ischen Juden, sie wurzelte in seinem Wesen als Rassenstaat\u201c (S 107)<br \/>\n<\/em>Die vielbeschworene \u201eSingularit\u00e4t\u201c dieses Staates scheint mir, in nicht unerheblichem Ma\u00dfe, Propaganda. Bei dieser wird offensichtlich versucht zu verschleiern, was von anderen \u201ezivilisierten\u201c Staaten in Afrika, Indien, China oder auf dem amerikanischen Doppelkontinent veranstaltet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>31. \u201eZugleich setzten die USA auf dem Boden des Parlamentarismus einen Fl\u00fcgel der Bourgeoisie aus der Zentrumspartei an die Regierung, der bis dato nur eine Nebenrolle gespielt hatte.\u201c (S 108)<\/em><br \/>\nRichtiger: Eine Bourgeoisie, die bis dato, oder auch bis 33, <u>politisch<\/u> nur eine Nebenrolle gespielt hatte. Die aber schon und gerade unter dem Nationalsozialismus \u00f6konomisch immer gr\u00f6\u00dferes Gewicht gewonnen hatte. Insofern sei die Frage erlaubt, inwieweit die NSDAP nicht auch ein Geburtshelfer der bundesrepublikanischen Industriestruktur gewesen ist.<br \/>\nOb dieses politische Gewicht einzig auf die USA zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, oder ob nicht dieser Fl\u00fcgel der Bourgeois politisch die Stellung einforderte, die ihm ob seines \u00f6konomischen Gewichts zustand, ist zumindest ein Umstand, der in Betracht gezogen werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>32. \u201eNicht nur verschwand die Klasse der junkerlichen Gro\u00dfgrundbesitzer,\u201c (S 108)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies erscheint hier an dieser Stelle recht unvermittelt und l\u00e4sst schon die Frage aufscheinen, wohin und vor allem warum sie verschwunden sind. Eine Klasse, die eben noch die herrschende Klasse war, mit der sich die NSDAP arrangieren musste um an die Macht zu kommen, ist 12 Jahre sp\u00e4ter pl\u00f6tzlich verschwunden und, was hier nicht einmal erw\u00e4hnt wird, ihrer \u00f6konomischen Basis beraubt.<br \/>\nHatten die Nazis einen Anteil an dem Verschwinden? War dies einzig das Werk der roten Armee? Oder waren es gar die USA, die ja f\u00fcr so vieles verantwortlich sind? Was war da geschehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>33. \u201eF\u00fcr die Wiederkehr eines neuen, wie immer gearteten \u201aFaschismus\u2018 fehlen sowohl sozial als auch historisch-politisch alle ma\u00dfgeblichen Voraussetzungen.\u201c (S 108)<br \/>\n<\/em>Eine Einsch\u00e4tzung, die ich teile, aber, und dies bleibt bei dir leider im Dunkel, es fehlt die polit\u00f6konomische Notwendigkeit eines erneuten Faschismus. Dies bleibt bei dir im Dunkel, weil bei dir selbiger eben keinen Bezug zur \u00d6konomie hat und er somit, wie auch in der b\u00fcrgerlichen Propaganda, als rein politisches Ph\u00e4nomen und damit als Singularit\u00e4t erscheint.<\/p>\n<p>G.T., Mai 2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brief an Heiner Karuscheit (Wilhelm Langthaler) 1) Auch aus anderen Schriften von Dir kenne ich deinen rigorosen Umgang mit verkrusteten (marxistischen) Kategorien. Diese m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcft, seziert und neu zusammengesetzt werden und damit wieder Konkretion zur\u00fcckzugewinnen. Diesen methodischen Ansatz sch\u00e4tze ich. 2) Deine Grundthese, dass 1918 die demokratische Revolution als Movens im Vordergrund stand, \u00fcberzeugt. Genauso &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2884\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Diskussion zu \u201eDer deutsche Rassenstaat\u201c (VSA 2025)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2884","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2884"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2890,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2884\/revisions\/2890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}