{"id":2878,"date":"2025-06-24T14:32:50","date_gmt":"2025-06-24T12:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2878"},"modified":"2025-06-24T14:33:29","modified_gmt":"2025-06-24T12:33:29","slug":"kritik-der-leninschen-imperialismustheorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2878","title":{"rendered":"Kritik der Leninschen Imperialismustheorie"},"content":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit \/ Alfred Schr\u00f6der<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits in der AzD-Nr. 96\/2023 wurde die Frage aufgeworfen, woher die ungebrochene Begeisterung f\u00fcr die Leninsche Imperialismustheorie in einem Teil der Linken unter Einschluss ihres kommunistischen Fl\u00fcgels kommt. Eine Begeisterung, die bis heute anh\u00e4lt und umso deutlicher auff\u00e4llt, da man sich von den sonstigen theoretischen und insbesondere revolution\u00e4ren Positionen Lenins l\u00e4ngst verabschiedet hat. Dies wurde mit dem offenen Ausbruch des Ukraine-Krieges \u00fcberdeutlich. Statt die Lenin-\/Liebknechtsche Position des revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus <em>gegen beide Kriegsparteien<\/em> zu beziehen und als deutscher Kommunist den Austritt aus der NATO sowie die Einstellung jeglicher Kriegsunterst\u00fctzung zu fordern, vertrat man entweder die offene Unterst\u00fctzung der russischen Seite, forderte Waffenstillst\u00e4nde oder verfiel gleich dem Pazifismus, wie die letzten Osterm\u00e4rsche verdeutlichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Un\u00fcbersehbar wurde diese Entwicklung im Zuge der Corona-Politik. Bei dem durch die Regierung betriebenen massiven Abbau demokratischer Grundrechte waren die Linke als Partei ebenso wie kommunistische Organisationen (DKP, MLPD etc.) in der vordersten Front mit dabei; sie k\u00e4mpften Hand in Hand mit der Bourgeoisie f\u00fcr Zwangsimpfungen, Kontakt- und Demonstrationsverbote und duldeten die Einschr\u00e4nkung der Pressefreiheit bis hin zur fast v\u00f6lligen Gleichschaltung der Medien ebenso wie die Diffamierung aller Kritiker dieser Politik als Schwurbler und Nazis (siehe dazu: <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2317\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2317<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Politik musste die oppositionellen Kr\u00e4fte geradezu notwendig in die Arme der AfD treiben, einer rechtsb\u00fcrgerlichen Partei mit einem v\u00f6lkischen Fl\u00fcgel, die im Gegensatz zum Gros der Linken die demokratischen Rechte verteidigte. Deren von der Linken mitverschuldete St\u00e4rkung dient nun als Grund f\u00fcr einen erneuten Schulterschluss mit den Herrschenden, indem man unter der Losung \u201eNie wieder ist jetzt\u201c gegen einen drohenden Faschismus in Gestalt der AfD demonstriert. Real bet\u00e4tigt man sich damit als Wassertr\u00e4ger f\u00fcr die \u201eSystemparteien\u201c, wie sie von der AfD genannt werden, die ihren privilegierten Zugang zu den Fleischt\u00f6pfen des Staats gegen eine Konkurrenzpartei verteidigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz all dieser tats\u00e4chlichen Rechtsentwicklung der Linken und der immer weiteren Entfernung von den revolution\u00e4ren Positionen Lenins verbleibt die ungebrochene Nibelungentreue zu seiner Imperialismustheorie.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Dies bedarf der Erkl\u00e4rung. Und die Erkl\u00e4rung ist so ern\u00fcchternd wie banal: Die Berufung auf die Leninsche Imperialismustheorie ist das letzte Feigenblatt geworden, die letzte \u201eeigenst\u00e4ndige\u201c theoretische Position, um nicht vollst\u00e4ndig in dem \u201elinksgr\u00fcnen\u201c Konsens der Mittelschichten aufzugehen, wozu man in der politischen Praxis der letzten Jahre immer mehr geh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I. Einleitung: Lenins Schwierigkeiten zu Kriegsbeginn<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin wurde davon genauso \u00fcberrascht wie alle anderen. Querelen und Fraktionsstreitigkeiten sowie die angeschlagene Gesundheit seiner Frau hatten ihn zum Bergurlaub im Sommer 1914 veranlasst. So wurde er vom unerwarteten Kriegsausbruch beim Wandern \u00fcberrascht. Am 6.\u00a0August erkl\u00e4rte \u00d6sterreich-Ungarn Russland den Krieg. \u201eDie Nachricht \u00fcberraschte Lenin in der Tatra, weit entfernt von seinem Heim in Krakau. Dieser Krieg, ein allgemeiner, universeller Krieg, totaler, allumfassender Krieg, war etwas v\u00f6llig Neues, nichts \u00c4hnliches gab es seit Napoleons Zeiten! Verwirrung und Erregung \u00fcberall.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Am folgenden Tag wurde er als \u201efeindlicher Ausl\u00e4nder\u201c verhaftet. Dank Intervention des \u00f6sterreichischen Sozialdemokraten Viktor Adler kam er \u2013 als bekannter Feind des russischen Zarismus \u2013 frei und konnte in die Schweiz ausreisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch \u00fcberraschender als der Kriegsausbruch war f\u00fcr Lenin das Verhalten der Parteien der II.\u00a0Internationale, allen voran der deutschen. \u201eAls Lenin die Nachricht las, dass die Sozialdemokraten im Reichstag f\u00fcr die Kriegskredite gestimmt hatten, wollte er es einfach nicht glauben. \u2026 Diese neuesten Meldungen, erkl\u00e4rte er, seien von der deutschen Regierung erfunden worden, um ihre Feinde zu t\u00e4uschen und Verwirrung in den Reihen der Sozialisten zu s\u00e4en. Selbst als er den Bericht im Vorw\u00e4rts sah, schloss er daraus, dass die ganze Nummer eine F\u00e4lschung des deutschen Generalsstab sei. \u2026 Dann aber erfuhr er, dass Plechanow in Paris zum Soldatenwerber geworden sei. \u00bbKann auch Plechanow ein Verr\u00e4ter sein?\u00ab, fragte er sich.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie diese kurze Schilderung deutlich macht, brach f\u00fcr Lenin im August 1914 eine Welt zusammen. Seine feste \u00dcberzeugung vom marxistischen und damit letztendlich auch revolution\u00e4ren Charakter der internationalen Sozialdemokratie \u2013 speziell der von Kautsky geschulten SPD \u2013 war falsch gewesen. Theoretische und politische Gewissheiten seiner eigenen bisherigen \u00dcberzeugung waren unhaltbar geworden. Jede weitere politische Arbeit bedurfte einer neuen theoretischen Grundlage. Das Scheitern der II.\u00a0Internationale durch ihren fast durchg\u00e4ngigen \u00dcbergang auf die Positionen ihrer jeweiligen Kriegsregierungen musste ebenso erkl\u00e4rt werden, wie die patriotische Begeisterung von bedeutenden Teilen der Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Probleme der Einsch\u00e4tzung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfangs schwankte Lenin noch, wie die Stellung zu dem Krieg bestimmt werden sollte. Schlie\u00dflich war nicht nur der Kriegsausbruch als solcher, sondern auch die Zusammensetzung der gegnerischen Bl\u00f6cke ungew\u00f6hnlich: mit der \u201eEntente\u201c standen auf der einen Seite zwei parlamentarisch regierte Staaten (Frankreich und Gro\u00dfbritannien) sowie der russische Zarismus, w\u00e4hrend auf der anderen Seite die monarchisch regierten \u201eMittelm\u00e4chte\u201c standen: \u00d6sterreich-Ungarn sowie das industriell hochentwickelte Deutsche Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfang September, wenige Wochen nach Kriegsbeginn, verabschiedete eine Gruppe russischer Sozialdemokraten im Exil die von Lenin entworfene Resolution \u201eDie Aufgaben der revolution\u00e4ren Sozialdemokratie im europ\u00e4ischen Krieg\u201c. Darin hie\u00df es: \u201eDer Europa und die ganze Welt erfassende Krieg tr\u00e4gt den klar ausgepr\u00e4gten Charakter eines b\u00fcrgerlichen, imperialistischen, dynastischen Krieges.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kennzeichnung des Kriegs mit drei unterschiedlichen Begriffen als \u201eb\u00fcrgerlich, imperialistisch, dynastisch\u201c trug der gesellschaftlichen Bandbreite der Kriegsstaaten Rechnung. \u00c4hnlich hie\u00df es in dem am 1. November ver\u00f6ffentlichten Manifest des Zentralkomitees der SDAPR: \u201eDas Anwachsen der R\u00fcstungen, die \u00e4u\u00dferste Zuspitzung des Kampfes um die M\u00e4rkte in der Epoche des j\u00fcngsten, imperialistischen Entwicklungsstadium des Kapitalismus in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern, die dynastischen Interessen der r\u00fcckst\u00e4ndigsten, der osteurop\u00e4ischen Monarchien mussten unvermeidlich zu diesem Krieg f\u00fchren und haben zu ihm gef\u00fchrt.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Damit wurden einerseits \u201efortgeschrittene\u201c L\u00e4nder wie die parlamentarisch regierten Frankreich und Gro\u00dfbritannien mit imperialistischen Interessen genannt, andererseits dynastische Interessen der \u201er\u00fcckst\u00e4ndigsten osteurop\u00e4ischen Monarchien\u201c, zu denen auf jeden Fall das russische Zarenreich geh\u00f6rte; gemeint war wahrscheinlich auch die Habsburgermonarchie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig spiegelt sich in dem Manifest die oben erw\u00e4hnte Unsicherheit wider, wenn es dort hie\u00df: \u201eBei der jetzigen Lage kann vom Standpunkt des internationalen Proletariats nicht bestimmt werden, die Niederlage welcher der beiden Gruppen von kriegsf\u00fchrenden Nationen das kleinere \u00dcbel f\u00fcr den Sozialismus w\u00e4re.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eFortgeschrittene\u201c und \u201er\u00fcckst\u00e4ndige\u201c L\u00e4nder<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unabh\u00e4ngig davon sch\u00e4tzte das Manifest den Krieg auf allen Seiten als reaktion\u00e4r ein, gleich ob die teilnehmenden L\u00e4nder einen Kampf um Kolonien, um Annexionen von Land des Gegners oder um die Sicherung der monarchischen Herrschaft f\u00fchrten. Nicht ein Staat verfolgte fortschrittliche Ziele, weshalb Lenin die Schlussfolgerung zog: \u201eDie Umwandlung des gegenw\u00e4rtigen imperialistischen Krieges in den B\u00fcrgerkrieg ist die einzig richtige proletarische Losung.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings unterschieden sich die Ziele des propagierten Regierungssturzes je nachdem, ob es sich um \u201efortgeschrittene\u201c oder \u201er\u00fcckst\u00e4ndige monarchistische\u201c L\u00e4nder handelte: \u201eDer B\u00fcrgerkrieg, zu dem die revolution\u00e4re Sozialdemokratie in der gegenw\u00e4rtigen Epoche aufruft, ist der bewaffnete Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie, f\u00fcr die Expropriation der Kapitalistenklasse in den fortgeschrittenen kapitalistischen L\u00e4ndern, f\u00fcr die demokratische Revolution in Russland (demokratische Republik, Achtstundentag, Konfiskation der Gutsbesitzerl\u00e4ndereien), \u00fcberhaupt f\u00fcr die Republik in den r\u00fcckst\u00e4ndigen monarchistischen L\u00e4ndern usw.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> In den \u201efortgeschrittenen kapitalistischen L\u00e4ndern\u201c ging es also um eine sozialistische Revolution (Enteignung der Kapitalisten), in den \u201er\u00fcckst\u00e4ndigen monarchistischen L\u00e4ndern\u201c dagegen um eine b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution und die Errichtung einer Republik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo aber geh\u00f6rte das Deutsche Kaiserreich hin, d.h. das Land, das im Zentrum des Kriegsgeschehens \u2013 und sp\u00e4ter der revolution\u00e4ren Nachkriegskrise \u2013 stand? Geh\u00f6rte es zu den \u201efortgeschrittenen\u201c oder zu den \u201er\u00fcckst\u00e4ndigen\u201c L\u00e4ndern\u201c? Stand es also vor einer proletarisch-sozialistischen oder einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution? Und wie war dies zu entscheiden: \u00f6konomisch oder politisch \u2013 nach dem Stand der Wirtschaft oder nach dem Stand der gesellschaftspolitischen Entwicklung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Klassenkonstellationen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Auseinandersetzung mit Plechanow berief Lenin sich auf Clausewitz, um den entscheidenden Ma\u00dfstab zur Beurteilung des Kriegs zu nennen: \u201eIn Anwendung auf die Kriege besteht der grundlegende Leitsatz der von Plechanow zugunsten der Bourgeoisie so schamlos entstellten Dialektik darin, dass \u201a<em>der Krieg eine blo\u00dfe<\/em> <em>Fortsetzung der Politik mit andern<\/em>\u2018 (n\u00e4mlich gewaltsamen) \u201a<em>Mitteln\u2018<\/em> ist. So lautet die Formulierung von Clausewitz &#8230; Und gerade das war stets der Standpunkt von Marx und Engels, die <em>jeden<\/em> Krieg als eine <em>Fortsetzung<\/em> der Politik der betreffenden interessierten M\u00e4chte \u2013 und der <em>verschiedenen<\/em> <em>Klassen<\/em> in ihnen \u2013 in dem betreffenden Zeitabschnitt auffassten.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kritik h\u00e4tte ein Ansatz sein k\u00f6nnen, sich von dem \u00f6konomisch gepr\u00e4gten Marxismus der Internationale zu l\u00f6sen. Doch Lenin vermochte es nicht, die Konstellation des Kriegs <em>klassenpolitisch<\/em> zu erkl\u00e4ren, weshalb er daran ging, die Erkl\u00e4rung in der \u00d6konomie zu suchen. Das Ergebnis war die Schrift \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c, in deren Vorwort er erkl\u00e4rte, dass die entscheidende Aufgabenstellung sei, \u201esich in der \u00f6konomischen Grundfrage zurechtzufinden, ohne deren Studium man nicht im geringsten verstehen kann, wie der jetzige Krieg und die jetzige Politik einzusch\u00e4tzen sind, n\u00e4mlich in der Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch deutlicher konnte man die Orientierung an der \u00d6konomie nicht formulieren, was bedeutete, dass er dem \u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der II.\u00a0Internationale verhaftet blieb \u2013 mit weitreichenden politischen Folgen f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des Kriegs sowie der revolution\u00e4ren Krise nach dem Krieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>II. Der Marxismus der II. Internationale<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die in der II.\u00a0Internationale dominierende Lesart begriff den Marxismus dem Wesen nach nicht als eine Theorie des Klassenkampfs, die sich auf die von Marx entwickelte Kritik der politischen \u00d6konomie st\u00fctzt. Vielmehr galt ihr der Marxismus als Lehre von \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die das baldige Ende des Kapitalismus und die Herrschaft der Arbeiterklasse herbeif\u00fchren w\u00fcrden, und zwar ohne Revolution, sondern vermittels parlamentarischer Mehrheiten.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><strong> \u00d6konomie statt Klassenkampf<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorreiter dieses Verst\u00e4ndnisses war die deutsche Sozialdemokratie. Sie repr\u00e4sentierte das Heimatland der Begr\u00fcnder des wissenschaftlichen Sozialismus und war die st\u00e4rkste, unbestritten f\u00fchrende Partei der II.\u00a0Internationale. Als ma\u00dfgeblicher Theoretiker und unangefochtene Autorit\u00e4t geh\u00f6rte ihr auch Karl Kautsky an, Herausgeber der Theoriezeitschrift \u201eNeue Zeit\u201c, in der die wichtigsten Debatten des wissenschaftlichen Sozialismus gef\u00fchrt wurden. Seine zahlreichen Publikationen wurden als g\u00fcltige Interpretation des Marxismus betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihm zur Seite trat Anfang des 20. Jahrhunderts der deutsch-\u00f6sterreichische Marxist Rudolf Hilferding. Sein 1910 erschienenes Werk \u201eDas Finanzkapital. Eine Studie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus\u201c galt bald nach Erscheinen als bedeutsame Fortf\u00fchrung der \u00f6konomischen Lehre von Karl Marx.<\/p>\n<p><strong>1871 &#8211; Sieg der \u00d6konomie \u00fcber den \u201eFeudalismus\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine zentrale Rolle bei der \u00f6konomistischen Auspr\u00e4gung des Marxismus spielte die Gr\u00fcndung des Deutschen Reichs 1871.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als zuvor in England und Frankreich war die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution in Deutschland 1848\/49 am preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaat gescheitert. Doch dann hatte die \u00d6konomie im Gefolge der Reichseinigung das Werk der Revolution vollbracht \u2013 so das Credo der internationalen Sozialdemokratie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grundlage dieser \u00dcberzeugung war der Aufschwung, den Deutschland nach der Nationalstaatsgr\u00fcndung erlebte, denn zusammen mit Wissenschaft und Technik setzte ein enormer Industrialisierungsschub ein, der das Deutsche Reich bald Frankreich und Gro\u00dfbritannien \u00fcberholen lie\u00df und an die Spitze in Europa setzte. Die Schlussfolgerung der deutschen und internationalen Sozialdemokratie daraus war, dass das Kapital die Macht \u00fcbernommen haben musste. F\u00fcr Kautsky hatte sich die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution durch die Reichseinigung erledigt, wie er in \u201eDer Weg zur Macht\u201c erkl\u00e4rte, und Rosa Luxemburg, der Kopf des linken SPD-Fl\u00fcgels, brachte den g\u00e4ngigen \u00d6konomismus auf den Punkt, indem sie 1899 schrieb, dass die \u201ewirtschaftliche Entwicklung \u2026 die Umgestaltung der ganzen politisch-administrativen Staatsmaschine aus einem halb- oder ganzfeudalen in einen kapitalistischen Mechanismus\u201c herbeigef\u00fchrt h\u00e4tte.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin teilte diese Einsch\u00e4tzung. Wie er Ende 1915 schrieb, datierte von 1871 bis 1914 \u201eeine Epoche des verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig \u201afriedlichen\u2018 Kapitalismus, als er in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern Europas den Feudalismus vollst\u00e4ndig besiegt hatte\u201c.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Auch f\u00fcr ihn markierte die Schaffung des deutschen Nationalstaats im Jahr 1871 also den \u2013 sogar \u201evollst\u00e4ndigen\u201c \u2013 Sieg des Kapitalismus \u00fcber den \u201eFeudalismus\u201c.<\/p>\n<p><strong>Eine schwerwiegende Fehlinterpretation <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich kann von einem \u201eSieg des Kapitalismus \u00fcber den Feudalismus\u201c keine Rede sein, jedenfalls nicht im politischen bzw. machtpolitischen Sinn. Vielmehr war es Bismarck gelungen, durch die Gr\u00fcndung des Deutschen Reichs die <em>nationalen <\/em>Ziele der Revolutionsbewegung von 1848 zu verwirklichen (in kleindeutscher Form) \u2013 um so die <em>demokratischen <\/em>Ziele umso wirksamer abzuwehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gest\u00fctzt auf ein B\u00fcndnis mit dem rechten Fl\u00fcgel der Bourgeoisie konnte der von der 48er Revolution ins Wanken gebrachte preu\u00dfische Milit\u00e4rstaat durch die Reichseinigungskriege von 1864 bis 1870\/71 seine Macht \u00fcber ganz Deutschland ausdehnen. W\u00e4hrend das weitergeltende Dreiklassenwahlrecht in Preu\u00dfen die fortdauernde Vorherrschaft des Junkertums in dem deutschen Hegemonialstaat sicherte, stand die Armee au\u00dferhalb der Verfassung und hatte die junkerliche Milit\u00e4rf\u00fchrung die selbst\u00e4ndige Entscheidungsgewalt \u00fcber einen Einsatz des Milit\u00e4rs im Innern. Der aufgrund des allgemeinen (M\u00e4nner-) Wahlrechts gew\u00e4hlte Deutsche Reichstag fungierte in dem 1871 gegr\u00fcndeten Nationalstaat als machtloses Pseudoparlament, als \u201eFeigenblatt des Absolutismus\u201c, wie Engels 1891 in seiner Beurteilung des Erfurter Programms eine Kritik Wilhelm Liebknechts wiederholte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet: das Jahr \u201e1871\u201c ebnete die Bahn f\u00fcr den Siegeszug des Kapitalismus in dem neuen Deutschen Reich, festigte aber zugleich die Herrschaft einer vorb\u00fcrgerlichen, junkerlich-agrarischen Klasse in dem Zentralstaat Europas. <em>Es war ein fundamentaler Irrtum zu glauben, dass die \u00d6konomie anstelle des Klassenkampfs das Werk einer gescheiterten demokratischen Revolution vollbringen w\u00fcrde<\/em>. Die damit verbundene \u00f6konomistische Lesart des Marxismus f\u00fchrte an entscheidenden Wendepunkten der Geschichte zu schwerwiegenden Fehlern der Arbeiterbewegung.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Kolonialer Imperialismus und ein drohender Krieg<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der so gegebenen ideologischen Basis aus interpretierte die Internationale den kolonialen Imperialismus, als Deutschland Mitte der 90er Jahre zur <em>Weltpolitik<\/em> \u00fcberging und mit der Forderung nach einem \u201ePlatz an der Sonne\u201c den Anspruch auf ein gro\u00dfes Kolonialreich erhob, wie Gro\u00dfbritannien und Frankreich es besa\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mehrzahl der f\u00fchrenden Theoretiker der Internationale erblickte darin den Beginn einer neuen Phase des Kapitalismus, hervorgerufen durch die \u00f6konomische Entwicklung. Sie waren im Gegensatz zu Marx der Auffassung, dass die kapitalistische Produktionsweise auf ihrer eigenen Basis nicht zur erweiterten Reproduktion f\u00e4hig sei. Um den zur Akkumulation erforderlichen Teil des Mehrwerts zu realisieren, sei das Kapital auf ausw\u00e4rtige, nichtkapitalistische Absatzm\u00e4rkte angewiesen. Die koloniale Eroberungspolitik der b\u00fcrgerlichen M\u00e4chte resultierte also aus \u00f6konomischen Zw\u00e4ngen, wie Kautsky bereits 1884 in der \u201eNeuen Zeit\u201c erkl\u00e4rte: die Kolonien seien \u201ezu einer Lebensbedingung des Kapitalismus geworden\u201c.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausf\u00fchrlich begr\u00fcndete Rosa Luxemburg die \u00f6konomische Triebkraft des Imperialismus in ihrem 1913 erschienenen Buch \u201eDie Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur \u00f6konomischen Erkl\u00e4rung des Imperialismus\u201c. Darin definierte sie den Imperialismus als den \u201epolitische(n) Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um die Reste des noch nicht mit Beschlag belegten nichtkapitalistischen Weltmilieus.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Daraus leitete sie die Ausweglosigkeit des Kapitalismus ebenso wie die Unvermeidbarkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichlautend schrieb der franz\u00f6sische Sozialist Paul Louis 1904: \u201eDer Imperialismus, der die letzte Karte der kapitalistischen Welt darstellt, der ihr als letzte Zuflucht vor Bankrott und elementarem Verfall erscheint, der sich ihr mit un\u00fcberwindlicher Schicksalhaftigkeit aufdr\u00e4ngt, ist gleichzeitig ein vortrefflicher, ein unvergleichlicher Sch\u00f6pfer der Revolution.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die koloniale Kriegsfurcht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser kolonial definierte Imperialismus bestimmte auch die Einsch\u00e4tzung der Gefahr eines Kriegs durch die Internationale.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1898 stie\u00dfen Gro\u00dfbritannien und Frankreich im \u201eScramble for Africa\u201c in Faschoda aufeinander, und sieben Jahre sp\u00e4ter beschwor das Vorgehen des Deutschen Kaiserreichs in der Marokkokrise 1905 die Gefahr einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chten herauf. Als Reaktion darauf verabschiedete die Internationale auf ihrem Stuttgarter Kongress 1907 eine Antikriegsresolution, die alle Parteien dazu verpflichtete, im Fall eines drohenden Kriegs \u201edurch die Anwendung der ihnen am wirksamsten erscheinenden Mittel den Ausbruch des Kriegs zu verhindern\u201c, andernfalls \u201ef\u00fcr dessen rasche Beendigung einzutreten\u201c.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1911 kam es erneut zu einer Marokko-Krise, als der deutsche Au\u00dfenminister Kiderlen-Waechter Frankreich zur Abtretung seiner mittelafrikanischen Besitzungen an Deutschland zwingen wollte. Doch als Gro\u00dfbritannien inmitten zunehmender Spannungen seine Schlachtflotte auslaufen lie\u00df, weil es keine Schw\u00e4chung Frankreichs zulassen wollte, machte der Kanzler Bethmann Hollweg zur Emp\u00f6rung der Bourgeoisie und der b\u00fcrgerlichen Presse, die lautstark zum Krieg aufriefen, einen R\u00fcckzieher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1912 debattierte daraufhin der Baseler Kongress der Internationale erneut die Gefahr von Imperialismus und Krieg und erkl\u00e4rte in einem Friedensmanifest: \u201eAls die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Frieden Europas betrachtet der Kongress die k\u00fcnstlich gen\u00e4hrte Gegnerschaft zwischen Gro\u00dfbritannien und dem Deutschen Reich\u201c. Daneben wurden zwar auch Konflikte auf dem Balkan erw\u00e4hnt, aber zum Schluss noch einmal bekr\u00e4ftigt, dass die \u201e\u00dcberwindung des Gegensatzes zwischen Deutschland auf der einen, Frankreich und England auf der anderen Seite &#8230; die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden beseitigen\u201c w\u00fcrde.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Umschwung zum realen Krieg<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur selben Zeit wurden in Deutschland die Weichen f\u00fcr einen Krieg gestellt, der v\u00f6llig anders geartet war, als von der Internationale angenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00dcbergang zur Weltpolitik war von der gro\u00dfen Bourgeoisie vorangetrieben worden, die nach Bismarcks Abdankung 1891 die M\u00f6glichkeit gesehen hatte, mit Hilfe des Imperialismus, gest\u00fctzt auf das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum und m\u00f6glichst auch die Arbeiterschaft, die Machtgewichte innerhalb des Klassenkompromisses von Junkertum und Bourgeoisie zu ihren Gunsten zu verschieben. \u201eIm Zeichen eines effizienten Imperialismus forderten die Nationalliberalen eine durchgreifende Modernisierung des politischen Systems, und insbesondere die Abl\u00f6sung der \u00fcberkommenen F\u00fchrungseliten durch die Spitzen des deutschen Wirtschaftsb\u00fcrgertums.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Real ber\u00fchrte die Weltpolitik die inneren Machtverh\u00e4ltnisse nicht. Die Junker hatten als agrarische Klasse kein Interesse am Imperialismus und \u00fcberlie\u00dfen die Au\u00dfenpolitik und sogar das Kanzleramt (mit B\u00fclow als Kanzler) der Bourgeoisie, solange ihre Vormachtstellung nicht infrage gestellt wurde, d.h. solange sie die Macht \u00fcber die Armee behielten, das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht nicht angetastet wurde und der Reichstag kein \u201everantwortliches\u201c Parlament wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch 1909 lie\u00df ein Steuerstreit um die Weiterfinanzierung des Schlachtflottenbaus den Reichsgr\u00fcndungskompromiss zerbrechen, mit der Folge, dass B\u00fclow zur\u00fccktreten musste und die Angriffe auf das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht sowie die au\u00dferverfassungsm\u00e4\u00dfige Stellung der Armee zunahmen. Bei der Reichstagswahl im Januar 1912 erlangte die SPD dann durch Wahlkreisabsprachen mit den linken Liberalen fast ein Drittel der Reichstagssitze und erlitt die konservative Junkerpartei eine schwere Niederlage. Nachdem ein anschlie\u00dfender Versuch zur Abschaffung des allgemeinen Reichstagswahlrechts fehlgeschlagen war, sah der junkerliche Milit\u00e4radel keine andere M\u00f6glichkeit mehr als die Flucht in einen Krieg, um seine Vormachtstellung zu behaupten. Das hei\u00dft, der 1871 angeblich besiegte \u201eFeudalismus\u201c ging daran, seine Herrschaft durch einen gro\u00dfen Sieg des preu\u00dfisch-deutschen Heers erneut zu befestigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sozialdemokratische Vaterlandspolitik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Vorbereitung darauf musste nicht nur das Heer vergr\u00f6\u00dfert werden, au\u00dferdem war ein solcher Krieg nur mit Unterst\u00fctzung der Arbeiterschaft zu f\u00fchren, und das hie\u00df, mit Zustimmung der SPD.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mariner\u00fcstung auf dem Boden der Weltpolitik hatten Bebel und die Mehrheit der Sozialdemokraten als \u201eimperialistisch\u201c bek\u00e4mpft und die entsprechenden Beschl\u00fcsse der Internationale mit herbeigef\u00fchrt. Doch bei einem Konflikt mit Russland hatten sie regelm\u00e4\u00dfig die Bereitschaft bekundet, die deutsche Kultur und die Errungenschaften der Sozialdemokratie gegen den \u201ebarbarischen Zarismus\u201c zu verteidigen. Insbesondere Bebel hatte nicht nur ein Mal im Reichstag verk\u00fcndet, dass er selber in einem solchen Krieg die \u201eFlinte auf den Buckel\u201c nehmen w\u00fcrde.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die preu\u00dfische Milit\u00e4rf\u00fchrung den Vertrauensleuten aller Parteien am 24.April 1913 in einer nicht\u00f6ffentlichen Sitzung des Reichstags-Haushaltsausschusses mitgeteilt hatte, dass das Heer angesichts der Aufr\u00fcstung Russlands und Frankreichs verst\u00e4rkt werden m\u00fcsse, erarbeitete Bebel im Anschluss eine Stellungnahme, die der SPD-Parteivorstand im Mai unter dem Titel \u201eEin ernstes Wort in ernster Zeit. Milit\u00e4rvorlage und internationale R\u00fcstungsindustrie\u201c als Flugschrift verbreiten lie\u00df. Darin hie\u00df es, dass \u201edie geographische und politische Lage des Reiches\u201c wegen eines m\u00f6glichen Angriffskriegs \u201enamentlich von Osten her &#8230; die Vorbereitung einer starken Schutzwehr notwendig macht\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Das war in verklausulierter Form die Vorwegnahme der sozialdemokratischen Zustimmung zu den Kriegskrediten am 14.\u00a0August 1914.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der linke Parteifl\u00fcgel reagierte nicht auf die Erkl\u00e4rung des Parteivorstands. Die Linken ma\u00dfen ihr keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung bei, weil sie auf koloniale Konflikte fixiert waren und der Aufr\u00fcstungsbeschluss nicht die Schlachtflotte betraf. Ein anderer Krieg als um Kolonien erschien ihnen jedoch fernliegend, zumal keine ernsthaften wirtschaftlichen Konflikte zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten existierten.. Vor allem war es f\u00fcr sie undenkbar, dass der preu\u00dfische Milit\u00e4radel in der Lage sein k\u00f6nnte, die Regierung in einen Krieg zu treiben, um die eigene Klassenexistenz und Herrschaftsstellung zu bewahren. Schlie\u00dflich war fl\u00fcgel\u00fcbergreifend sozialdemokratischer Konsens, dass in Deutschland der Kapitalismus herrschte, das ostelbische Junkertum aufgeh\u00f6rt hatte, als eigene Klasse zu existieren, und Kriege nur aus \u00f6konomischen Interessen der Bourgeoisie entstehen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schwierigkeiten Lenins und der Linken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dieser Krieg dann ausbrach, waren die Revolution\u00e4re in der Internationale wie paralysiert, denn nicht nur kam der Krieg v\u00f6llig unerwartet, auch war keine \u00f6konomische Ursache daf\u00fcr zu erkennen \u2013 der vertraute Marxismus lieferte keine Erkl\u00e4rung. Erst recht war der \u00dcbergang der meisten sozialdemokratischen Parteien auf die Seite ihrer kriegsf\u00fchrenden Regierungen nicht zu begreifen, weil man sie f\u00fcr revolution\u00e4r gehalten und ihre Entwicklung zum Reformismus nicht verstanden hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin war mit der erste f\u00fchrende Marxist, der eine revolution\u00e4re Antwort auf die Situation gab. Wie eingangs zitiert, formulierte er Ende August 1914 in der Resolution einer Gruppe russischer Sozialdemokraten, dass der gerade begonnene Krieg den \u201cCharakter eines b\u00fcrgerlichen, imperialistischen, dynastischen Krieges\u201c trug. Das reichte vorerst aus, um den Krieg auf allen Seiten f\u00fcr reaktion\u00e4r zu erkl\u00e4ren und die Arbeiterbewegung zum revolution\u00e4ren Sturz der jeweiligen Kriegsregierung aufzurufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings wies die Beschreibung den Mangel auf, dass sie keinen Kriegsgrund benennen konnte, weshalb Lenin daran ging, daf\u00fcr eine politische Erkl\u00e4rung zu finden. So notierte er u.a. Ende August\/Anfang September 1914 in einem seinerzeit nicht ver\u00f6ffentlichten Artikelentwurf zum Deutschen Kaiserreich: \u201eso ist der deutsche Imperialismus ebenfalls monarchistisch, hat feudal-dynastische Ziele, eine brutale Bourgeoisie, die weniger frei ist als in Frankreich.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Nachdem die ersten Kriegswochen gezeigt hatten, dass in Deutschland die junkerlich-preu\u00dfische Milit\u00e4rf\u00fchrung politisch wie milit\u00e4risch der Herr des Kriegs war (w\u00e4hrend in Gro\u00dfbritannien und Frankreich das Parlament das Zentrum der Macht war), schrieb er auf derselben Linie wenig sp\u00e4ter erneut in \u00e4hnlichem Sinn, dass die deutsche Bourgeoisie \u201evor den preu\u00dfischen Junkern mit Wilhelm\u00a0II. an der Spitze katzbuckelt\u201c.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Auch an anderer Stelle unternahm er zu dieser Zeit den Versuch, das Zustandekommen des Kriegs aus der Bewegung der Klassen heraus zu begreifen und berief sich bei diesem Bem\u00fchen gegen\u00fcber Plechanow auf Clausewitz, wie oben zitiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da er auf diesem Weg jedoch nicht weiterkam, ging er bald daran, die Ursache in den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der \u00d6konomie zu suchen, wie das dem vorherrschenden Marxismusverst\u00e4ndnis entsprach.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: line-through;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>III. Lenins Theorie des Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesem Zweck st\u00fctzte er sich insbesondere auf das 1910 erschienene Werk \u201eDas Finanzkapital\u201c von Rudolf Hilferding. Darin hatte der deutsch-\u00f6sterreichische Marxist die Theorie eines neuen Stadiums des Kapitalismus entwickelt, das nicht aus der Kolonialpolitik resultierte, sondern aus immanenten Ver\u00e4nderungen der kapitalistischen Produktionsweise, sprich aus der Durchsetzung von Monopolen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wesentlichen Inhalte dieser Schrift machte Lenin sich als Fundament f\u00fcr seine eigene Monopoltheorie zu eigen, um daraus die \u00f6konomische Ursache f\u00fcr Krieg und Imperialismus abzuleiten. Dar\u00fcber hinaus zog er eine F\u00fclle weiterer Publikationen und statistischer Daten heran.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende des Jahres 1915 begann er mit der Niederschrift einer \u201eBrosch\u00fcre \u00fcber den Imperialismus\u201c, wie er in einem Brief an Gorki schrieb.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Das Ergebnis war die Schrift \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c, die im Juni\/Juli 1916 fertiggestellt war, aber erst nach der Februarrevolution 1917 gedruckt werden konnte. Sie sollte \u201eden Zusammenhang und das Wechselverh\u00e4ltnis der <em>grundlegenden<\/em> \u00f6konomischen Besonderheiten des Imperialismus in aller K\u00fcrze und in m\u00f6glichst gemeinverst\u00e4ndlicher Form\u201c darstellen.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vorwort benannte er Hilferdings Werk als \u00f6konomische Richtschnur f\u00fcr seine Brosch\u00fcre, als \u201eh\u00f6chst wertvolle theoretische \u201aStudie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus\u2018, wie der Untertitel des Hilferdingschen Buches lautet.\u201c Nicht zuletzt lieferte dieser Untertitel ihm das Vorbild f\u00fcr die Titelgebung seines eigenen Textes \u00fcber den Imperialismus als \u201ej\u00fcngstes Stadium\u201c des Kapitalismus.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li><strong> Die \u00f6konomische Fundierung: Hilferdings \u201eFinanzkapital\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinem Werk hatte Hilferding es unternommen, die Ver\u00e4nderungen des Wirtschaftslebens zu erkl\u00e4ren, die in den vierzig Jahren seit Erscheinen von Band\u00a0I des \u201eKapitals\u201c von Karl Marx im Jahr 1867 eingetreten waren (Band II erschien 1885, Band III 1894, und die \u201eGrundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie\u201c 1941). Das waren im wesentlichen Strukturver\u00e4nderungen des gesellschaftlichen Produktionsk\u00f6rpers, die mit der Entstehung von Kartellen und Trusts einhergingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem die industrielle Anfangsphase des Kapitalismus vor allem von der Textilindustrie getragen worden war und Gro\u00dfbritannien umgew\u00e4lzt hatte, wurde die folgende Phase mit Kohle, Eisen und Stahl von der Schwerindustrie gepr\u00e4gt. Sie ging auf dem europ\u00e4ischen Kontinent mit einem Industrialisierungsschub einher, der in dem 1871 gegr\u00fcndeten Deutschen Reich zu einer gro\u00dfma\u00dfst\u00e4blichen Industrialisierung f\u00fchrte und von zwei parallelen Entwicklungen begleitet war: der Zunahme von Gro\u00dfbetrieben und der Entstehung von Kartellen. <a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Beides zusammengenommen gab Hilferding den Ansto\u00df, eine eigene Monopoltheorie zu entwickeln, deren Grundz\u00fcge wenige Jahre sp\u00e4ter von Lenin \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Betrieb von Zechen und Stahlwerken bedingte eine bis dahin ungekannte Gr\u00f6\u00dfe der industriellen Anlagen. \u201eBesonders ausgepr\u00e4gt war die Tendenz zum Gro\u00dfbetrieb im Bergbau und in der Eisen- und Stahlindustrie, wo 1907 knapp 60% (Bergbau) bzw. knapp 75% (Eisen- und Stahlindustrie) der Besch\u00e4ftigten in Gro\u00dfbetrieben arbeiteten.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Au\u00dferdem konnten derartige Betriebe in der Schwerindustrie umso gr\u00f6\u00dfere Konglomerate bilden, weil die Produktionsstufen von der Kohlef\u00f6rderung \u00fcber die Stahlherstellung bis zur Weiterverarbeitung und dem Verkauf als Endprodukt h\u00e4ufig in einer Hand lagen, so dass das Erzeugnis zwischenzeitlich im Produktionsverlauf keinen Warencharakter annahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gef\u00f6rdert wurde die Entstehung von Gro\u00dfunternehmen schlie\u00dflich dadurch, dass 1870 die staatliche Genehmigungspflicht f\u00fcr Aktiengesellschaften in Deutschland aufgehoben wurde, was die Ansammlung von Kapital erleichterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Kartellbewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hand in Hand damit entstanden in den kapitalistischen L\u00e4ndern vermehrt Kartelle.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Sie waren im eigentlichen Sinn keine \u201eMonopole\u201c, sondern hatten die Gestalt von Vereinbarungen zwischen selbst\u00e4ndigen Unternehmen zur Beschr\u00e4nkung des Wettbewerbs. \u201eEine Ausschaltung der scheinbar ruin\u00f6sen Konkurrenz zwischen Anbietern gleicher oder \u00e4hnlicher Produkte wurde eher durch die Bildung von Kartellen erreicht.\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In erster Linie wurden derartige Kartelle durch Wirtschaftskrisen hervorgebracht und dienten zur Preisabsprache. \u201eAls \u201aKinder der Not\u2018 war ihre Existenz gr\u00f6\u00dftenteils jedoch an eine konjunkturelle Abschwungphase gebunden. Die meisten Kartelle l\u00f6sten sich deshalb bei Besserung der Konjunktur wieder auf\u201c, weshalb \u201evon einer Ausschaltung der Konkurrenz durch die Bildung von Monopolen &#8230; in keiner der genannten Branchen die Rede sein\u201c kann.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorreiter dieser Kartellbewegung war neben den USA das Deutsche Reich, wobei die Kartelle allerdings \u201ekeineswegs typisch f\u00fcr die deutsche Volkswirtschaft insgesamt\u201c waren.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Lediglich das Rheinisch-Westf\u00e4lische Kohlensyndikat konnte \u00fcber lange Jahre eine erfolgreiche Monopolpolitik betreiben, war aber eine Ausnahme und konnte den deutschen Markt nicht vollst\u00e4ndig beherrschen.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Monopol und Konkurrenz <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Marx war es keine Frage gewesen, dass es einzelnen Kapitalen immer einmal wieder gelingen kann, eine Monopolstellung zu erringen und Extraprofite \u00fcber den Durchschnittsprofit hinaus zu erzielen, so dass es zeitweise zu St\u00f6rungen im Ausgleich der Profitrate kommt. Doch die Konkurrenz der Kapitale bewirkt ihm zufolge immer wieder eine \u201ebest\u00e4ndige Ausgleichung der best\u00e4ndigen Ungleichheiten\u201c, wobei es f\u00fcr die erzielte Wirkung unerheblich ist, ob 10 oder 100 Kapitale miteinander konkurrieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das betrifft auch den Umstand, wenn das fungierende Kapital \u201ein ausnahmsweis gro\u00dfen Massen in einer Hand konzentriert ist\u201c. Aber w\u00e4hrend Hilferding (und in der Folge Lenin) aus dem Anwachsen der fungierenden Gro\u00dfkapitale auf eine Monopolisierung und ein Ende der Konkurrenz schloss, unterlag es f\u00fcr Marx keinem Zweifel, dass auch in diesem Fall die Konkurrenz zwischen den Kapitalen danach strebt, \u201ediese Unterschiede mehr und mehr auszugleichen\u201c, also die Profitraten wieder zu egalisieren.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer 1912 erschienenen Studie \u201eDer Organisationszwang. Eine Untersuchung \u00fcber die K\u00e4mpfe zwischen Kartellen und Au\u00dfenseitern\u201c untersuchte der \u00d6konom Fritz Kestner die Kartellbewegung der Vorkriegszeit. Er gelangte zu dem Schluss: \u201eIn der weit \u00fcberwiegenden Mehrzahl der Industriezweige und des Handels ist zwar eine vor\u00fcbergehende, aber \u2026 keine dauerhafte Monopolisierung m\u00f6glich.\u201c<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> Seine Untersuchung stellte nicht mehr und nicht weniger als eine Best\u00e4tigung der Marxschen Ausf\u00fchrungen dar.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interpretation durch Hilferding <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen gelangte Rudolf Hilferding zu der \u00dcberzeugung, dass zentrale Aussagen der Marxschen \u201eKritik der politischen \u00d6konomie\u201c keine G\u00fcltigkeit mehr beanspruchen k\u00f6nnten. Er sah das \u201eCharakteristische des \u201amodernen\u2018 Kapitalismus\u201c im Unterschied zum alten, von Marx beschriebenen Konkurrenzkapitalismus in Konzentrationsvorg\u00e4ngen, die \u201ein der \u201aAufhebung der freien Konkurrenz\u2018 durch die Bildung von Kartellen und Trusts\u201c erscheinen w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Annahme, dass die Kartellbewegung seiner Zeit das Ende der Konkurrenz zur Egalisierung der Profitraten bedeuten w\u00fcrde, beruhte auf einem grundlegenden Fehlverst\u00e4ndnis der von Marx entwickelten Bewegungsgesetze des Kapitals. Wie Hilferding hatte auch der englische \u00d6konom David Ricardo die Konkurrenz als \u201e\u00e4u\u00dferlich und willk\u00fcrlich\u201c bzw. als eine \u201egedachte Voraussetzung\u201c des Kapitals betrachtet, wie Marx in der Auseinandersetzung mit ihm schrieb. Dem hielt Marx entgegen, dass die Konkurrenz aus dem Kapital selbst hervorgeht bzw. von ihm hervorgebracht wird \u2013 sie geh\u00f6rt zu den \u201eVerwirklichungsbedingungen des Kapitals, die es mehr und mehr produzieren muss\u201c.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Das hei\u00dft, sie ist \u201enicht die Voraussetzung f\u00fcr die Wahrheit der \u00f6konomischen Gesetze, sondern die Folge \u2013 die Erscheinungsform, worin sich ihre Notwendigkeit realisiert.\u201c<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Oder anders formuliert: \u201edie Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als \u00e4u\u00dfere Zwangsgesetze auf.\u201c<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Umkehrung dieses Zusammenhangs betrachtete Hilferding die Zw\u00e4nge der Konkurrenz als \u00fcberkommene \u00e4u\u00dfere Regeln, die durch bewusste Steuerung \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten. Auf dieser Basis konnte er seine Auffassung vom Ende der Konkurrenz begr\u00fcnden, mit der Schlussfolgerung: \u201eSo erlischt im Finanzkapital der besondere Charakter des Kapitals.\u201c<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herrschaft des Finanzkapitals<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Unverst\u00e4ndnis der Konkurrenz verkn\u00fcpfte sich bei ihm mit der Theorie, dass die unterschiedlichen Formen, die das Kapital in seinem Reproduktionskreislauf annimmt (als produktives -, Handels- und zinstragendes Kapital), unter der Regie der Banken miteinander verschmelzen w\u00fcrden, bis schlie\u00dflich ein einziges \u201eFinanzkapital\u201c entstand: \u201eIm Finanzkapital erscheinen alle partiellen Kapitalformen zur Totalit\u00e4t vereinigt.\u201c<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> In Gestalt dieses allm\u00e4chtigen Finanzkapitals w\u00fcrden die Banken die Herrschaft \u00fcber den Gesamtreproduktionsprozess des Kapitals \u00fcbernehmen, so die Behauptung Hilferdings.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei der Kartellbewegung fand sich der empirische Ansatzpunkt f\u00fcr die Theoriekonstruktion von der beherrschenden Rolle des zinstragenden Kapitals in Deutschland. Dessen wirtschaftliche R\u00fcckst\u00e4ndigkeit im Vergleich zu England hatte hier dazu gef\u00fchrt, dass sich im Zuge der Industrialisierung der im internationalen Vergleich ungew\u00f6hnliche Typus der <em>Universalbank<\/em> herausbildete, der die Aufgaben einer Depositen-, einer Beteiligungs- und einer Hypothekenbank miteinander vereinte.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a> Gleichfalls entstand in diesem Zusammenhang eine \u201esehr enge Verflechtung von Banken und Industrie\u201c, was Deutschland ebenso von anderen L\u00e4ndern unterschied.<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur bedeutete das keineswegs eine Verschmelzung von Industrie und Banken bzw. die Unterwerfung des industriellen Kapitals unter die Herrschaft des zinstragenden Kapitals. Otto Jeidels, von dem Lenin in seiner Imperialismusschrift bemerkte, dass er \u201edie Dinge am eingehendsten studiert hat\u201c, f\u00fchrte seinerzeit eine Untersuchung des Verh\u00e4ltnisses der deutschen Gro\u00dfbanken zur Industrie durch.<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> In der Debatte \u00fcber die Monopoltheorie in den 70er\/80er Jahren des letzten Jahrhunderts hat Klaus Winter u.a. diese Untersuchung herangezogen, mit dem Ergebnis:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn vielf\u00e4ltiger Form weist er (Jeidels; d.V.) auf die Grenzen hin, innerhalb derer sich die Banken bewegen. Ihre Abh\u00e4ngigkeit von der Industrie tritt gerade da hervor, wo die gro\u00dfe Industrie am weitesten entwickelt ist. Die Macht, die sie durch die Verf\u00fcgung \u00fcber das disponible Kapital der Gesellschaft erhalten, bleibt gebunden an die wechselnden Verwertungsbedingungen eines Reproduktionsprozesses, den sie nicht bestimmen, dem sie sich aber anpassen m\u00fcssen. Von der Auffassung, die Banken k\u00f6nnten durch \u201abewusste Regelung\u2018 objektive Gesetze beschneiden, ist Jeidels weit entfernt. Auch einer \u201aVerschmelzung\u2018 von Bankkapital und Industriekapital in dem Sinne, dass die Banken selbst Industrielle werden oder \u00fcber das industrielle Kapital \u201averf\u00fcgen\u2018, hat er nicht das Wort geredet; \u201adie Gestalt dieser Kreditvermittlung und damit auch die Organisation der Banken haben sich mit der gro\u00dfkapitalistischen Industrieentwicklung ver\u00e4ndert, ihrem Wesen nach ist die Bank aber geblieben, was sie war: Kreditinstitut.\u2018 Ihrem Wesen nach bleibt die Bank au\u00dferhalb des unmittelbaren Reproduktionsprozesses, auf den sie im Wesentlichen reagiert; selbst ihr zielbewusstes Eingreifen in Richtung auf industrielle Konzentration besteht nur darin, dass \u201adie Gro\u00dfbanken die Politik der Industrie zu der ihrigen\u2018 machen.\u201c<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine neue Begr\u00fcndung f\u00fcr die Zusammenbruchstheorie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Kautsky als \u201evierter Band des Kapitals\u201c gefeiert, galt Hilferdings Werk bald nach Erscheinen als zeitgem\u00e4\u00dfe Modernisierung des Marxismus. Hatte Marx den \u201ealten\u201c Kapitalismus behandelt, so war Hilferding nach dieser Lesart sein Nachfolger, dem die Entschleierung des \u201eneuen\u201c Kapitalismus gelungen war. Das betraf insbesondere auch den bevorstehenden Zusammenbruch der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon bisher waren die Parteien der II.\u00a0Internationale vom gesetzm\u00e4\u00dfig vorgegebenen Ende des Kapitalismus ausgegangen. Der SPD-Vorsitzende Bebel k\u00fcndigte dies regelm\u00e4\u00dfig als \u201eKladderadatsch\u201c an, der die Sozialdemokratie an die Macht bringen w\u00fcrde, ohne dass es dazu einer Revolution bedurfte.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Nunmehr lieferte Hilferdings Monopolanalyse des \u201eneuen\u201c Kapitalismus die aktuelle wissenschaftliche Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Zusammenbruchstheorie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Schluss seines Buchs schrieb Hilferding, dass \u201edie Herrschaft des Kapitals &#8230; immer unvereinbarer (wird) mit den Interessen der durch das Finanzkapital ausgebeuteten, aber auch zum Kampf aufgerufenen Volksmassen. In dem gewaltigen Zusammenprall der feindlichen Interessen schl\u00e4gt schlie\u00dflich die Diktatur der Kapitalmagnaten um in die Diktatur des Proletariats.\u201c Wie der \u201eZusammenprall der Interessen\u201c das Proletariat ohne revolution\u00e4ren Sturz der bisherigen Staatsmacht an die Macht bringen sollte, lie\u00df der Autor unbeantwortet; der ebenso unvermittelte wie revolution\u00e4r klingende Schluss-Satz von der kommenden Diktatur des Proletariats war nicht mehr als eine verbalrevolution\u00e4re Leerformel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als f\u00fchrender sozialdemokratischer Wirtschaftsfachmann amtierte Hilferding in der Weimarer Republik zeitweise als Reichsfinanzminister.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Weiterf\u00fchrung durch Lenins Monopoltheorie<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis 1914 hatte Lenin dem Werk Hilferdings keine besondere Beachtung geschenkt. Das \u00e4nderte sich erst, als er mit dem Versuch einer klassenpolitischen Erkl\u00e4rung des Kriegs nicht weiterkam und daran ging, die Erkl\u00e4rung in der \u00d6konomie zu suchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar warf er dem Autor Tendenzen zur Vers\u00f6hnung des Marxismus mit dem Opportunismus vor und schloss sich in der Geldtheorie einer Kritik Kautskys an. Doch ansonsten lieferte ihm \u201eDas Finanzkapital\u201c das Fundament f\u00fcr seine eigene Monopol- und Imperialismustheorie, weshalb er es als \u201eh\u00f6chst wertvolle \u201aStudie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus\u2018\u201c lobte und sich in seiner Imperialismusschrift immer wieder darauf bezog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An erster Stelle stand f\u00fcr Lenin dabei das Verh\u00e4ltnis von Konkurrenz und Monopol, das er wie Hilferding mit den S\u00e4tzen definierte: \u201e\u00d6konomisch ist das Grundlegende in diesem Prozess die Abl\u00f6sung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion \u00fcberhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz.\u201c<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> Weil das Monopol tendenziell den \u201eAntrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt\u201c verschwinden lassen w\u00fcrde, hatte Hilferding im Finanzkapital den besonderen Charakter des Kapitals erl\u00f6schen lassen, was Lenin so ausdr\u00fcckte, dass der Imperialismus \u201esterbender Kapitalismus\u201c sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Hilferding lie\u00df auch Lenin seine eigene Monopoltheorie in der beherrschenden Rolle der Banken gipfeln, indem er eine \u201eimmer gr\u00f6\u00dfere Verschmelzung\u201c bzw. \u201eein Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital\u201c konstatierte, so dass mit der Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert die \u201eHerrschaft des Finanzkapitals\u201c angebrochen sei.<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Widersinnige Aussagen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer Stelle wich er allerdings von Hilferding ab, ohne das zu thematisieren. Nachdem er bis dahin die Monopolisierung und den Niedergang des Kapitalismus beschrieben hatte, behauptete er pl\u00f6tzlich: \u201e<em>Im gro\u00dfen und ganzen w\u00e4chst der Kapitalismus bedeutend schneller als fr\u00fcher<\/em>\u201c.<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a> Wahrscheinlich reflektierte diese Bemerkung die Tatsache, dass die aus Hilferdings Theoriekonstruktion folgende Stagnation des Kapitalismus in der wirtschaftlichen Realit\u00e4t nicht festzustellen war, weshalb Lenin hier unvermutet das Gegenteil dessen behauptete, was ansonsten aus der Monopoltheorie folgte und er selber geschrieben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur \u2013 wie lassen sich die widerspr\u00fcchlichen Aussagen miteinander vereinbaren? Wie kann die kapitalistische Produktionsweise auf dem Sterbebett liegen und gleichzeitig schneller wachsen als in ihrer Bl\u00fctezeit? Explizit \u00e4u\u00dferte Lenin sich zu diesem Widerspruch nicht. Stattdessen findet sich an anderer Stelle die Aussage: \u201cZugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen \u00fcber und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widerspr\u00fcche, Reibungen und Konflikte.\u201c<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a> Aber was bedeutet es, wenn die freie Konkurrenz <em>unter<\/em> und <em>neben<\/em> den Monopolen fortbesteht? Ist also der weiterexistierende <em>Konkurrenz<\/em>kapitalismus f\u00fcr das beschleunigte Wachstum verantwortlich? Wie kann dann aber der Kapitalismus gleichzeitig von den Monopolen beherrscht sein und im Sterben liegen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in diesem Zusammenhang von Lenin gemachte Verweis auf \u201ebesonders krasse und schroffe Widerspr\u00fcche\u201c gibt darauf keine Antwort, sondern formuliert das Problem nur mit anderen Worten. Die Monopoltheorie, die das Fundament der Imperialismusschrift bildet, widerspricht nicht nur den \u00f6konomischen Tatsachen und der Marxschen Theorie des Kapitals, sie ist auch in sich widersinnig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unwiderlegte Kritik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1976 bemerkte ein b\u00fcrgerlicher Kritiker der Imperialismustheorie: \u201eDie empirische Fundierung der Leninschen Monopolisierungsthese ist geradezu skandal\u00f6s: An Stelle systematischer und differenzierender Analysen werden durchwegs nur Einzeldaten pr\u00e4sentiert und f\u00fcr unzul\u00e4ssige Folgerungen missbraucht.\u201c <a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a> Von Seiten der Verteidiger der Monopoltheorie hat sich daran bis heute nichts ge\u00e4ndert. Eine konkrete Untersuchung, die die \u00f6konomischen Aussagen der Imperialismusschrift einordnet in den Kenntnisstand der Wirtschaftsgeschichte zu Kartellen und Trusts, existiert nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den b\u00fcrgerlichen Hauptautoren, auf die Lenin sich bei der Ausarbeitung der Monopoltheorie bezog, geh\u00f6rten sowohl Fritz Kestner (zur Frage von Kartellen und Konkurrenz) als auch Otto Jeidels (zur Frage von Banken und Finanzkapital), die wir beide oben zitiert haben. \u00dcber deren Untersuchungen bemerkt K.\u00a0Winter in seiner Schlussbewertung der Monopoltheorie: \u201eKestner und Jeidels kommt in diesem Zusammenhang insofern eine wichtige Rolle zu, als Lenin zentrale theoretische Aussagen auf deren Arbeiten st\u00fctzen will. Nimmt man deren Werke in ihrem ganzen Umfang und in ihrem eigenen Zusammenhang zur Kenntnis, so muss man feststellen, dass sie der Theorie eines neuen monopolistischen Stadiums grunds\u00e4tzlich widersprechen, vielmehr eine empirische St\u00fctze f\u00fcr die Richtigkeit des Marxschen \u201aKapitals\u2018 darstellen, von dessen Boden aus sie durchaus nachvollziehbar und begreifbar sind.\u201c<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> Indessen st\u00fctzte sich Lenin auf diese Werke, ohne wenigstens in einer Fu\u00dfnote darauf hinzuweisen, dass die Autoren zu anderen Schlussfolgerungen \u00fcber die Rolle von Kartellen und Banken gelangten als er.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Imperialismus und Krieg<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben Hilferdings \u201eFinanzkapital\u201c berief Lenin sich auf das 1902 erschienene Werk \u201eImperialism \u2013 a study\u201c des englischen Liberalen John A. Hobson, die erste ausf\u00fchrliche Darstellung und Kritik des zeitgen\u00f6ssischen Imperialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Basierend auf der Monopoltheorie konnte Lenin den Begriff des Imperialismus damit von der Kolonialpolitik l\u00f6sen, die f\u00fcr die sozialdemokratische Internationale im Zentrum gestanden hatte, und ihm einen umfassenden neuen Inhalt geben, indem er ihn als das monopolistische Stadium des Kapitalismus definierte: \u201eDer Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die \u00fcberallhin den Drang nach Herrschaft und nicht nach Freiheit tragen.\u201c<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a> Der so gefasste Imperialismus verk\u00f6rperte <em>grunds\u00e4tzlich<\/em> den Drang nach \u201eGewalt und Reaktion\u201c, nach Herrschaft und nicht nach Freiheit. Er beschr\u00e4nkte sich also nicht auf die Eroberung kolonialer Territorien, sondern strebte danach, \u201enicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar h\u00f6chst entwickelte Industriegebiete zu annektieren\u201c.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a> \u201eDie Besonderheit des Imperialismus ist die Herrschaft eben nicht des Industrie-, sondern des Finanzkapitals, das Streben, eben nicht nur Agrarl\u00e4nder, sondern beliebige L\u00e4nder zu annektieren.\u201c<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergab sich die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Krieg, nach der Lenin gesucht hatte. Da \u201eImperialismus \u00fcberhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion\u201c ist, war f\u00fcr den Gang in den Krieg kein besonderer Grund erforderlich, sondern war die Ursache auf grunds\u00e4tzlicher Ebene zu finden \u2013 im Imperialismus als solchem. Deshalb konnte er schreiben, dass seine Abhandlung \u00fcber den Imperialismus den Beweis erbringen w\u00fcrde, \u201edass der Krieg von 1914-1918 auf beiden Seiten ein imperialistischer Krieg (d.h. ein Eroberungskrieg, ein Raub- und Pl\u00fcnderungskrieg) war, ein Krieg um die Neuaufteilung der Welt, um die Verteilung und Neuverteilung der Kolonien, der \u201aEinflusssph\u00e4ren\u2018 des Finanzkapitals usw.\u201c<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Monopolistische Egalisierung aller Kriegsstaaten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erweiterte Imperialismusbegriff hatte zur Folge, dass Lenin die in den ersten Kriegswochen getroffene Unterscheidung der kriegf\u00fchrenden Staaten in \u201efortgeschrittene kapitalistische\u201c und \u201er\u00fcckst\u00e4ndige monarchistische L\u00e4nder\u201c fallen lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Basis der Monopoltheorie stellte er nunmehr fest, dass &#8222;ein Vergleich, sagen wir, der republikanischen amerikanischen Bourgeoisie mit der monarchistischen japanischen oder deutschen (zeigt), dass auch der st\u00e4rkste politische Unterschied in der Epoche des Imperialismus in hohem Grade abgeschw\u00e4cht wird &#8230;, weil es sich in allen diesen F\u00e4llen um eine Bourgeoisie mit ausgesprochen parasit\u00e4ren Z\u00fcgen handelt.\u201c<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Oder an anderer Stelle: \u201eDer Unterschied zwischen der republikanisch-demokratischen und der monarchistisch-reaktion\u00e4ren imperialistischen Bourgeoisie verwischt sich gerade deshalb, weil die eine wie die andere bei lebendigem Leibe verfault\u201c.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das traf auch auf das zaristische Russland zu, das Lenin in der Imperialismusschrift nicht behandelt hatte, weil die Schrift legal im Land erscheinen sollte. Nach der Februarrevolution 1917 schrieb er nunmehr im Vorwort zur russischen Ausgabe: \u201eDer aufmerksame Leser wird mit Leichtigkeit an Stelle Japans \u2013 Russland setzen\u201c.<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> Das hei\u00dft, <em>alle<\/em> am Krieg beteiligten M\u00e4chte trugen denselben monopolistisch-imperialistischen Charakter, ob es sich um Deutschland oder Russland, Gro\u00dfbritannien oder Japan, Frankreich oder die USA handelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00e4mtliche Erscheinungen des Kriegs konnten jetzt als \u201eimperialistisch\u201c erkl\u00e4rt werden, gleich ob es sich um den Frieden von Brest-Litowsk handelte (den die preu\u00dfisch-deutsche OHL Russland als \u201edynastischen\u201c Frieden zur St\u00e4rkung Preu\u00dfens diktierte), den Gang der USA in den Krieg oder die Aufteilung der deutschen Kolonien zwischen Frankreich und Gro\u00dfbritannien nach dem Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die so getroffene Festlegung lie\u00df keinen Raum mehr f\u00fcr die Fragestellung, ob und welche Klassenwiderspr\u00fcche innerhalb der kriegsbeteiligten L\u00e4nder urs\u00e4chlich f\u00fcr den Gang in den Krieg gewesen waren. Angefangen mit dem Weltkrieg diente der Begriff des \u201eImperialismus\u201c fortan als Universalschl\u00fcssel zur Erkl\u00e4rung jedweder Politik der kapitalistischen M\u00e4chte. Er tut dies bis heute.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Bestechung und der \u201eVerrat\u201c der II.\u00a0Internationale<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Monopoltheorie lieferte auch die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Zusammenbruch der II.\u00a0Internationale, f\u00fcr Opportunismus und Verrat. Die \u201e\u00f6konomischen Wurzeln dieser Erscheinung\u201c sah Lenin in den Monopolprofiten, denn es \u201eist klar, dass man aus solchem gigantischen <em>Extraprofit<\/em> \u2026 die Arbeiterf\u00fchrer und die Oberschicht der Arbeiteraristokratie bestechen kann.\u201c<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Bestechungsthese wiederholte er durchg\u00e4ngig als entscheidende Ursache, denn mit den Monopolprofiten \u201ebekommen die Kapitalisten eines Industriezweigs \u00f6konomisch die M\u00f6glichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vor\u00fcbergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen\u201c.<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> Die Folge war \u201edas B\u00fcndnis einer kleinen bevorrechteten Arbeiterschicht mit \u201aihrer\u2018 nationalen Bourgeoisie <em>gegen<\/em> die Masse der Arbeiterklasse\u201c.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Unterschiedliche Gr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch welchen Erkl\u00e4rungswert hat diese Bestechungsthese?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen waren es nicht nur kleine, \u00f6konomisch \u201ebestochene\u201c Minderheiten, die sich im Krieg auf die Seite der Herrschenden stellten, sondern weit gr\u00f6\u00dfere Teile des Proletariats. Zum andern waren daf\u00fcr je nach dem gegebenen Land unterschiedliche Gr\u00fcnde verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wurden in Gro\u00dfbritannien vor dem Weltkrieg wachsende Teile des Volkes, darunter auch viele Arbeiter, durch die sukzessive Ausdehnung des Wahlrechts an die parlamentarische Herrschaft der Bourgeoisie herangef\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus war in der Arbeiterschaft auf dem Boden des britischen Weltreichs der \u201eJingoismus\u201c verbreitet, die begeisterte Unterst\u00fctzung des Empire-Gedankens, worauf bereits Engels hingewiesen hatte.<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Frankreich war ein Fl\u00fcgel der Sozialisten unter Alexandre Millerand seit der Jahrhundertwende an der b\u00fcrgerlichen Regierung beteiligt, war also an die Seite der Bourgeoisie getreten. Angesichts der industriellen Zur\u00fcckgebliebenheit des Landes konnten bzw. k\u00f6nnen daf\u00fcr schwerlich \u201eMonopolprofite\u201c verantwortlich gemacht werden. Au\u00dferdem war die Forderung nach Revanche f\u00fcr den Verlust von Elsass-Lothringen nicht nur in der Bourgeoisie und dem Kleinb\u00fcrgertum, sondern auch in Teilen der Arbeiterschaft verbreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die deutsche Arbeiterbewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland wiederum f\u00fchrte die Integration der Arbeiterbewegung in den preu\u00dfisch-deutschen Obrigkeitsstaat nicht zur <em>Verb\u00fcrgerlichung <\/em>der Sozialdemokratie, sondern entsprechend den Gesellschaftsverh\u00e4ltnissen zu ihrer <em>Verpreu\u00dfung<\/em>. Im Krieg setzte sich diese Entwicklung fort, denn w\u00e4hrend in Gro\u00dfbritannien und Frankreich die Parteien der II.\u00a0Internationale qua Parlament und Regierungsbeteiligung mit der <em>Bourgeoisie<\/em> zusammenarbeiteten, etablierte die SPD-Parteif\u00fchrung Beziehungen zur <em>junkerlichen Obersten Heeresleitung<\/em>, dem Machtzentrum Deutschlands im Krieg.<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a> Das enger werdende Verh\u00e4ltnis gipfelte in dem \u201eEbert-Groener-Pakt\u201c zwischen dem SPD-Vorsitzenden und dem Chef der OHL, in dem beide Seiten die Niederschlagung der Novemberrevolution vereinbarten, da die SPD-F\u00fchrung den Bismarck-Staat nicht st\u00fcrzen, sondern unter ihrer Regierung fortf\u00fchren wollte und zu diesem Zweck die milit\u00e4rische Hilfe des Junkertums in Anspruch nahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jenseits der Vaterlandsverteidigung, an die in Frankreich wie in Deutschland Viele glaubten, bestimmten also unterschiedliche Klassenkonstellationen und Faktoren das Verhalten erheblicher Teile der Arbeiterschaft in den verschiedenen L\u00e4ndern. Die Bestechungsthese der Monopoltheorie war \u2013 und ist \u2013 au\u00dferstande, hierf\u00fcr eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Erkl\u00e4rung zu liefern.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Der Irrtum der Imperialismustheorie und die Komintern<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da aus der Monopolisierung folgte, dass der Kapitalismus seinem Ende entgegen ging, betonte Lenin auf den letzten Seiten seiner Schrift noch einmal, dass der Imperialismus \u201echarakterisiert werden muss als \u00dcbergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus.\u201c<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a> Tats\u00e4chlich schien sich die Schlussfolgerung vom nahenden Untergang des Kapitalismus am Ende des Weltkriegs auch zu bewahrheiten, als reihenweise Staaten, die am Krieg teilgenommen hatten, zusammenbrachen und eine revolution\u00e4re Krise Europa ersch\u00fctterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur begann damit <em>nicht<\/em> der weltweite Tod des Kapitalismus, wie Lenin meinte, denn die Staaten des \u201eWestens\u201c, <em>die eine b\u00fcrgerliche Revolution hinter sich hatten<\/em>, blieben in den Wirren der Zwischenkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend stabil. Dagegen brach die alte Ordnung in den L\u00e4ndern zusammen, die sich einer b\u00fcrgerlichen Revolution bis dahin erfolgreich widersetzt hatten: das waren das zaristische Russland, der preu\u00dfisch-deutsche Milit\u00e4rstaat und die \u00f6sterreichisch-ungarische Habsburgermonarchie. Historisch gesehen, waren dies die Staaten, die sich nach den napoleonischen Kriegen 1815 als \u201eHeilige Allianz\u201c zusammengeschlossen hatten, um demokratische und nationale Bestrebungen ihrer V\u00f6lker niederzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war den adelig-monarchischen Herrschaftskr\u00e4ften in den genannten L\u00e4ndern auch lange Zeit gelungen, indem sie einen Fl\u00fcgel der Bourgeoisie an der Macht beteiligt hatten, ohne die eigene Vorherrschaft, d.h. die Verf\u00fcgung \u00fcber den Staatsapparat und insbesondere die bewaffnete Macht, aufzugeben. Doch den Belastungen eines mehrj\u00e4hrigen Kriegs waren die vorb\u00fcrgerlichen Herrschaftsstrukturen nicht gewachsen. Der Zusammenbruch resultierte also <em>nicht<\/em> aus einer fortgeschrittenen monopolkapitalistischen \u00d6konomie \u2013 vielmehr konnte eine \u00fcberholte Gesellschaftsordnung dem angestauten Druck der bis dato aufgehaltenen b\u00fcrgerlichen Revolution nicht l\u00e4nger standhalten, die als erstes im Februar 1917 den russischen Zarismus aus dem Weg r\u00e4umte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zusammenbruch der alten Ordnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1918 wurde dann zu Beginn einer anlaufenden b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution wenige Tage nach der Habsburgermonarchie die preu\u00dfisch-deutsche Monarchie gest\u00fcrzt, als Arbeiter und Soldaten gemeinsam daran gingen, den alten Staatsapparat und die junkerliche Armee zu entmachten und eine neue demokratische Ordnung zu errichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indessen hatten die Linken in Deutschland kein Konzept f\u00fcr diese Revolution. Rosa Luxemburg, die mit Karl Liebknecht an der Spitze des Spartakus-Bunds stand, hing zwar nicht wie Lenin der Monopoltheorie an, war aber in der Tradition der II.\u00a0Internationale und auf dem Boden ihrer eigenen Imperialismustheorie ebenso wie Lenin vom Ende des Kapitalismus-Imperialismus und dem sofortigen \u00dcbergang zum Sozialismus \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anstatt also die Novemberrevolution als demokratische Revolution zu Ende zu f\u00fchren, propagierten Spartakus\/KPD den Kampf f\u00fcr die Diktatur des Proletariats und den Sozialismus, darin eingeschlossen die Enteignung aller Agrarproduzenten (bis auf arme Bauern) \u2013 wodurch nicht nur die Masse der Bauernschaft, sondern das Kleinb\u00fcrgertum insgesamt auf die Seite der Konterrevolution getrieben werden musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne F\u00fchrung mit einem tauglichen politischen Konzept hatte die spontane Revolutionsbewegung gegen die im B\u00fcndnis mit der OHL stehende SPD-Spitze keine Chance. Weder konnte der obrigkeitliche Staatsapparat beseitigt werden noch wurden Junkertum und Schwerindustrie enteignet. Die neue parlamentarische Republik war nicht mehr als ein \u00dcberwurf \u00fcber den fortbestehenden Strukturen der alten Ordnung. Die <em>historisch \u00fcberf\u00e4llige b\u00fcrgerliche Revolution scheiterte in Deutschland also ein weiteres Mal<\/em>, und ihre Niederlage bildete den N\u00e4hrboden f\u00fcr den Aufstieg des Nationalsozialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Komintern und der weltweite Sieg des Sozialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungeachtet ihrer sonstigen Differenzen stimmte Lenin mit Luxemburg in der Frage der Aktualit\u00e4t der sozialistischen Revolution in Deutschland \u00fcberein, da f\u00fcr ihn feststand, dass \u201edas <em>aus<\/em> dem Kapitalismus hervorwachsende Monopol \u2026 <em>bereits<\/em> das Sterben des Kapitalismus, der Beginn des \u00dcbergangs in den Sozialismus\u201c ist.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dieser Annahme ausgehend war er davon \u00fcberzeugt, dass die europ\u00e4ische Nachkriegskrise das weltweite Ende des Kapitalismus und den Sieg des Sozialismus im internationalen Ma\u00dfstab bedeuten w\u00fcrde. Daher forderte er, den \u201eKampf f\u00fcr eine weltumspannende Sowjetrepublik\u201c zu f\u00fchren und \u201edie Arbeiterbewegung und die gesellschaftliche Entwicklung \u00fcberhaupt auf dem geradesten und raschesten Wege zum Sieg der Sowjetmacht und zur Diktatur des Proletariats in der ganzen Welt zu f\u00fchren\u201c.<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dieser Aufgabe nachzukommen, wurde Anfang M\u00e4rz 1919 in Moskau als Nachfolgerin der II.\u00a0Internationale die \u201eKommunistische Internationale\u201c gegr\u00fcndet. Sie sollte als \u201ewirklich leitende Zentralstelle \u2026 die internationale Taktik des revolution\u00e4ren Proletariats in seinem Kampf f\u00fcr eine weltumspannende Sowjetrepublik\u201c anleiten, wie Lenin postulierte.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der \u201elinke Radikalismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Leitfaden f\u00fcr diesen Kampf schrieb er im Fr\u00fchjahr 1920 \u201eDer \u201alinke Radikalismus\u2018, die Kinderkrankheit im Kommunismus\u201c, worin er die praktisch-politischen Schlussfolgerungen aus der Imperialismustheorie und dem vorausgesagten Ende des Kapitalismus zog. Zu diesem Zweck fasste er die langj\u00e4hrigen Erfahrungen der Bolschewiki im Prozess der russischen Revolution zusammen mit dem Ziel, den soeben gegr\u00fcndeten kommunistischen Parteien zu helfen, den Kampf um den Sozialismus mit der notwendigen taktischen Flexibilit\u00e4t zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schrift negierte, dass das grundlegende Problem der linksradikalen Politik nicht fehlendes taktisches Geschick war, sondern auf der Ebene der <em>Strategie<\/em> lag, n\u00e4mlich im Verh\u00e4ltnis von proletarischer zu b\u00fcrgerlicher Revolution und der Rolle des Proletariats als Hegemon einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution im B\u00fcndnis mit dem Kleinb\u00fcrgertum. Dagegen musste jeder direkte Anlauf zum Sozialismus durch eine nur-proletarische Revolution scheitern, mochte er taktisch noch so flexibel gehandhabt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konsequenzen dieser Fehlorientierung machten sich vor allem in Deutschland bemerkbar, wo die KPD als st\u00e4rkste kommunistische Partei au\u00dferhalb Russlands kurz vor dem Sieg zu stehen schien. Komintern und KPD-F\u00fchrung vermochten es indessen nicht, sich aus den Fesseln der Imperialismustheorie zu l\u00f6sen. W\u00e4hrend die NS-F\u00fchrung mit dem Konzept der Volksgemeinschaft ein Hegemonialprogramm entwickelte, das ihr zur Macht verhalf,<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a> hielten sie mit der Sozialismusstrategie an einer Niederlagenstrategie fest, die den revolution\u00e4ren Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung in die Isolierung f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlussbemerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Politisch brach Lenin mit der II.\u00a0Internationale und war so in der Lage, eine revolution\u00e4re Antwort auf den Weltkrieg zu geben sowie das russische Proletariat zum Sieg in der Oktoberrevolution zu f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um den Krieg zu erkl\u00e4ren, hielt er jedoch an dem \u00f6konomischen Marxismusverst\u00e4ndnis der Internationale fest, \u00fcbernahm Hilferdings Auffassungen zur Monopolisierung, die im Gegensatz zu Marx standen, und baute darauf seine Imperialismustheorie auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anstelle der vielf\u00e4ltigen \u2013 klassenbedingten, \u00f6konomischen, au\u00dfenpolitischen oder milit\u00e4rischen \u2013 Ursachen f\u00fcr die imperialistische Politik von Staaten definierte er &#8222;Imperialismus\u201c so als \u00f6konomisch gesetzm\u00e4\u00dfige Folge bzw. Charakteristik eines neuen Stadiums des Kapitalismus. Dieser monopolistische Imperialismus war f\u00fcr ihn ein sterbender Kapitalismus, der den \u00dcbergang in den Sozialismus bilden sollte und dessen Ableben er f\u00e4lschlicherweise mit dem Zusammenbruch der alten, vorb\u00fcrgerlichen Ordnung in der Mitte und im Osten Europas als Folge des Weltkriegs in eins setzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mittlerweile hat der von Lenin weltweit f\u00fcr sterbend erkl\u00e4rte Kapitalismus sein angek\u00fcndigtes Ableben bereits mehr als 100 Jahre \u00fcberdauert. Mindestens diese Tatsache sollte Grund genug sein, um die Leninsche Monopol- und Imperialismustheorie zu \u00fcberdenken. Sie ist ungeeignet, um den gegenw\u00e4rtigen Kapitalismus zu begreifen und den revolution\u00e4ren Marxismus auf die H\u00f6he der Zeit zu bringen.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Baumgart<\/strong>, Winfried (1975): Der Imperialismus: Idee und Wirklichkeit der englischen und franz\u00f6sischen Kolonialexpansion 1880-1914; Franz Steiner Verlag: Stuttgart<\/p>\n<p><strong>Baumgart<\/strong>, Winfried (1976): Deutschland im Zeitalter des Imperialismus (1890-1914); Ullstein: Frankfurt<\/p>\n<p><strong>Bley<\/strong>, Helmut (Hrsg) (2014): Bebel und die Strategie der Kriegsverh\u00fctung 1904-1913, Offizin-Verlag: Hannover<\/p>\n<p><strong>Geyer<\/strong>, Dietrich(1962): Lenin in der russischen Sozialdemokratie; B\u00f6hlau-Verlag: K\u00f6ln<\/p>\n<p><strong>Hallgarten, <\/strong>George W. F. (1951): Imperialismus vor 1914. Erster und zweiter Band; Beck: M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Hampe<\/strong>, Peter (1976): Die \u201e\u00f6konomische Imperialismustheorie\u201c. Kritische Untersuchungen; Beck: M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Hedeler<\/strong>, Wladislaw und <strong>K\u00fclow<\/strong>, Volker (Hrsg und Kommentatoren) (2018): Lenin: Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus. Kritische Neuausgabe mit Essays von Dietmar Dath und Christoph T\u00fcrcke; Verlag 8.Mai; Berlin<\/p>\n<p><strong>Hilferding<\/strong>, Rudolf (1910\/1955): Das Finanzkapital. Eine Studie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus; Nachdruck der Neuausgabe von 1947 mit einem Vorwort von Fred Oel\u00dfner; Dietz Verlag: Berlin. Im Internet unter: https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/hilferding\/1910\/finkap\/index.html<\/p>\n<p><strong>Hobsbawm<\/strong>, Eric J. (1995): Das imperiale Zeitalter 1875-1914; Fischer Taschenbuch: Frankfurt\/M<\/p>\n<p><strong>Jeidels<\/strong>, Otto (1913): Das Verh\u00e4ltnis der deutschen Gro\u00dfbanken zur Industrie mit besonderer Ber\u00fccksichtigung der Eisenindustrie; M\u00fcnchen und Leipzig = Duncker &amp; Humblot reprints, Band 24 (2017)<\/p>\n<p><strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner (2014): Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg; VSA: Hamburg<\/p>\n<p><strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner (2017): Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar; VSA: Hamburg<\/p>\n<p><strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner (2025): Der deutsche Rassenstaat. Volksgemeinschaft und Siedlungskrieg \u2013 NS-Deutschland 1933-1945; VSA: Hamburg<\/p>\n<p><strong>Kestner<\/strong>, Fritz (1912): Der Organisationszwang. Eine Untersuchung \u00fcber die K\u00e4mpfe zwischen Kartellen und Au\u00dfenseitern; Verlag C.\u00a0Heymann: Berlin<\/p>\n<p><strong>Marx<\/strong>, Karl (1953): Grundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie (Rohentwurf); Dietz Verlag: Berlin<\/p>\n<p><strong>Marx \/ Engels <\/strong>(1956ff): Gesammelte Werke (MEW); Dietz Verlag: Berlin<\/p>\n<p><strong>Mommsen<\/strong>, Wolfgang J. (1969): Das Zeitalter des Imperialismus. Fischer Taschenbuch: Frankfurt\/M<\/p>\n<p><strong>Mommsen<\/strong>, Wolfgang J. (Hg) (1971): Der moderne Imperialismus (Beitr\u00e4ge von B\u00f6hme, Ziebura, Mommsen etc); Kohlhammer: Stuttgart<\/p>\n<p><strong>Mommsen<\/strong>, Wolfgang J. (1977): Imperialismustheorien. Ein \u00dcberblick \u00fcber die neueren Imperialismusinterpretationen; Vandenhoeck und Ruprecht: G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Mommsen<\/strong>, Wolfgang J. (1979): Der europ\u00e4ische Imperialismus. Aufs\u00e4tze und Abhandlungen. (Vandenhoeck und Ruprecht: G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Pohl<\/strong>, Hans (1989): Aufbruch der Weltwirtschaft. Geschichte der Weltwirtschaft von der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg; Steiner: Stuttgart<\/p>\n<p><strong>Schmidt<\/strong>, Gustav (1989): Der europ\u00e4ische Imperialismus. Studienausgabe; Oldenbourg: M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Sch\u00f6llgen<\/strong>, Gregor (2000): Das Zeitalter des Imperialismus; Oldenbourg: M\u00fcnchen<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der<\/strong>, Hans-Christoph (1968): Sozialismus und Imperialismus. Die Auseinandersetzung der deutschen Sozialdemokratie mit dem Imperialismusproblem und der \u201eWeltpolitik\u201c vor 1914, Teil 1 (Teil 2 nicht erschienen); <a href=\"https:\/\/www.booklooker.de\/B%C3%BCcher\/Angebote\/verlag=Verlag+f%C3%BCr+Literatur+und+Zeitgeschehen+Hannover+\">Verlag f\u00fcr Literatur und Zeitgeschehen, Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Friedrich-Ebert Stiftung; <\/a>Hannover<\/p>\n<p><strong>Schr\u00f6der<\/strong>, Hans-Christoph (1973): Sozialistische Imperialismusdeutung. Studien zu ihrer Geschichte; Vandenhoek und Ruprecht: G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Wehler<\/strong>, Hans-Ulrich (1969\/1972): Bismarck und der Imperialismus; K\u00f6ln-Berlin<\/p>\n<p><strong>Wehler<\/strong>, Hans-Ulrich (1973)<strong>:<\/strong> Das deutsche Kaiserreich 1871-1918; G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Winkler<\/strong>, Heinrich August (1978): Revolution, Staat, Faschismus; Vandenhoeck &amp; Ruprecht: G\u00f6ttingen<\/p>\n<p><strong>Winter<\/strong>, Klaus: Monopolkapitalismus und Finanzkapital. Zur Problematik beider Begriffe in Lenins Imperialismusschrift; in: AzD 39\/ 1987 = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=363\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=363<\/a><\/p>\n<p><strong>Wolfe<\/strong>, Bertram D. (1965): Lenin, Trotzki, Stalin \u2013 Drei, die eine Revolution machten; EVA: Frankfurt<\/p>\n<p><strong>Ziebura<\/strong>, Gilbert: Sozial\u00f6konomische Grundfragen des deutschen Imperialismus vor 1914; in: Wehler: Sozialgeschichte heute. Festschrift f\u00fcr Hans Rosenberg; G\u00f6ttingen 1974, S.495-524; im Internet: <u><a href=\"https:\/\/digi20.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb00048635_00493.html\">https:\/\/digi20.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb00048635_00493.html<\/a><\/u><\/p>\n<p><strong>Ziegler<\/strong>, Dieter (2005): Das Zeitalter der Industrialisierung (1815-1914); in: Michael North (Hg): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Ein Jahrtausend im \u00dcberblick; Beck: M\u00fcnchen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In diesem Zusammenhang ist vor einigen Jahren sogar eine \u201eKritische Neuausgabe\u201c der Leninschen Imperialismusschrift erschienen, herausgegeben und kommentiert von Hedeler und K\u00fclow.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0 Wolfe 1965, S.\u00a0767<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebda, S. 788<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> LW Bd. 21, S. 1-2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Der Krieg und die russische Sozialdemokratie\u201c, LW 21, S.13<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebda, S. 19<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebda, S.20<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Resolutionen der Konferenz der Auslandssektionen der SDAPR vom 27.Februar bis 4.M\u00e4rz 1915 in Bern; LW\u00a021, S.149<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Der Zusammenbruch der II.\u00a0Internationale, Mai\/Juni 1915, LW 21, S.212-213; Hervorhebungen durch Lenin<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vorwort vom April 1917 zur russischen Ausgabe; LW 22, S.192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Sozialreform oder Revolution, 1898, zit. in: \u201eRosa Luxemburg \u2013 Das Scheitern eines Revolutionsprogramms\u201c, AzD 91, S.6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vorwort zu Bucharins Brosch\u00fcre \u201eWeltwirtschaft und Imperialismus\u201c, LW 22, S.102<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Zit. in: Schr\u00f6der 1975, S.107. Im Vorfeld des Weltkriegs schwenkte Kautsky zu einer anderen Erkl\u00e4rung um und vertrat jetzt, dass der Imperialismus <em>nicht<\/em> aus \u00f6konomischen Zw\u00e4ngen entstand, sondern lediglich eine besondere Art von Politik w\u00e4re. Mit dieser Erkl\u00e4rung des Imperialismus setzte sich Lenin in seiner Imperialismusschrift ausf\u00fchrlich auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Zit. in: Karuscheit 2014, S.170 f<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Zit. in: Lenin: Hefte zum Imperialismus, LW 39, S.242<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Braunthal 1, S.344<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebda, S.352 f; <a href=\"https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15078\">https:\/\/www.hohenlohe-ungefiltert.de\/?p=15078<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Mommsen 1979, S.184<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bley 2014 sowie H.Karuscheit: August Bebel als Vaterlandsverteidiger; in: AzD 88\/2018 = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1511\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1511<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Dokument 82\u00a0b in: Bley, S.\u00a0272<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Der europ\u00e4ische Krieg und der internationale Sozialismus, LW 21, S.8. Nach der Wendung zur \u00d6konomie im Zuge der Erarbeitung der Imperialismusbrosch\u00fcre spielten \u201efeudal-dynastische Ziele\u201c des Deutschen Kaiserreichs f\u00fcr ihn keine Rolle mehr; nunmehr schrieb er Ende 1915 zur deutschen Reichseinigung, dass der Kapitalismus mit dem Jahr 1871 in Europa den vollst\u00e4ndigen Sieg \u00fcber den Feudalismus davongetragen h\u00e4tte (LW 22, S.102).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Der Krieg und die russische Sozialdemokratie, September\/Oktober 1914; LW 21, S.14<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Die angefertigten Notizen und Exzerpte sind in LW 39 ver\u00f6ffentlicht<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> LW 35, S.187<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> LW 22, S.199<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Steiner 1989, S.153ff sowie Ziegler 2005<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Ziegler, S.247<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Siehe hierzu den \u00dcberblick in Hampe, S.68ff<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Ziegler, S.249<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Ziegler S.249<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Ziegler S.250<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Ziegler S.250<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> MEW 25, S.206, 657<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> zit. in: Klaus Winter, AzD 39, S.98<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Abgesehen von der Konkurrenz der Kapitale existieren mittlerweile in den meisten kapitalistischen L\u00e4ndern Kartellgesetze, mit denen der Staat in seiner Eigenschaft als ideeller Gesamtkapitalist verhindert, dass einzelne Kapitale eine \u201emarktbeherrschende Stellung\u201c einnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Hilferding, S.1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Marx: Grundrisse, S.454<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Ebda, S.450<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> MEW 23, S.618<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Hilferding, S.350<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Ebda<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Pohl, S.266<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Ebda, S.262<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Jeidels 1913 \/ 2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> Winter in AzD 39, S.118 = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=363\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=363<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> Bebel auf dem Erfurter Parteitag der SPD 1891: \u201eDie b\u00fcrgerliche Gesellschaft arbeitet so kr\u00e4ftig auf ihren eigenen Untergang los, dass wir nur den Moment abzuwarten brauchen, in dem wir die ihren H\u00e4nden entfallende Gewalt aufzunehmen haben \u2026 Ja, ich bin \u00fcberzeugt, die Verwirklichung unserer Ziele ist so nahe, dass nur Wenige in diesem Saale sind, die diese Tage nicht erleben werden.\u201c (Parteitagsprotokoll Erfurt 1891, S. 167, 172; zitiert in Geyer, S. 140)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> LW 22, S.270<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> LW 22, S.226, 229<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> LW 22, LW 22, S.306; Hervorhebung durch d.V.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> LW 22, S.270<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Hampe, S.73, Anm.119<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Klaus Winter in: AzD 39, S.131<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> LW 22 S. 270, 302<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> LW 22, S.273<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> LW 23, S.104<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Vorwort von 1920 zur franz\u00f6sischen und deutschen Ausgabe, LW 22, S.194<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> LW 22, S.306<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Oktober 1916, LW 23, S.103<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref59\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> LW 22, S.192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref60\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> LW 22, S.198<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref61\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> LW 22, S.306<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref62\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II.\u00a0Internationale: LW 22, S.111<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref63\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Siehe Lenin: Der Imperialismus \u2026; LW 22, S.288f<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref64\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> Auf Basis dieser Ann\u00e4herung \u00f6ffnete das Vaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz von 1916 den Gewerkschaften <em>gegen die Schwerindustrie<\/em> die Gro\u00dfbetriebe und wirkte die SPD-F\u00fchrung im Juli 1917 mit der OHL beim Sturz des inzwischen friedensbereiten Kanzlers Bethmann-Hollweg zusammen. (Karuscheit 1917, S.61ff)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref65\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> LW 22, S.307<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref66\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Oktober 1916; LW 23, S.104<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref67\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> Der \u201alinke Radikalismus\u2018, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Fr\u00fchjahr 1920; LW 31, S.79, 91<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref68\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> Ebda, S.79<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref69\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> Karuscheit 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit \/ Alfred Schr\u00f6der Vorbemerkung Bereits in der AzD-Nr. 96\/2023 wurde die Frage aufgeworfen, woher die ungebrochene Begeisterung f\u00fcr die Leninsche Imperialismustheorie in einem Teil der Linken unter Einschluss ihres kommunistischen Fl\u00fcgels kommt. 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