{"id":2750,"date":"2023-11-26T17:20:50","date_gmt":"2023-11-26T16:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2750"},"modified":"2023-11-26T17:24:25","modified_gmt":"2023-11-26T16:24:25","slug":"vorgeschichte-des-nationalsozialismus-das-scheitern-der-buergerlichen-revolution-in-deutschland","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2750","title":{"rendered":"Vorgeschichte des Nationalsozialismus &#8211; Das Scheitern der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Sechzehn Jahre nach dem Sieg der Oktoberrevolution in Russland bedeutete der Herrschaftsantritt des Nationalsozialismus in Deutschland 1933 eine schwere Niederlage f\u00fcr die kommunistische Weltbewegung. Zwei Jahre sp\u00e4ter definierte der VII.\u00a0Weltkongress der Kommunistischen Internationale den Faschismus als \u201eoffene, terroristische Diktatur der reaktion\u00e4rsten, chauvinistischsten und am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals\u201c bzw. k\u00fcrzer als \u201edie Macht des Finanzkapitals selbst\u201c.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt lag der Siedlungskrieg gegen die Sowjetunion mit der millionenfachen Vernichtung slawischer \u201eUntermenschen\u201c zwecks Gewinnung von \u201eLebensraum\u201c noch in der Zukunft; dasselbe war mit der Ausl\u00f6schung des europ\u00e4ischen Judentums der Fall. Au\u00dferdem siegte der Nationalsozialismus nur in Deutschland als dem einzigen kapitalistisch entwickelten Land, dagegen wurden weder die USA noch Frankreich oder Gro\u00dfbritannien faschistisch.<\/p>\n<p>Es gab also mehr als nur einen Grund, dar\u00fcber nachzudenken, ob die 1935 gegebene Definition geeignet war, die gesellschaftliche Realit\u00e4t auf den Begriff zu bringen. Doch eine tiefergehende Debatte fand bis heute nicht statt. Vielmehr wird in der Linken, speziell in den \u00dcberresten der kommunistischen Bewegung, weiterhin hartn\u00e4ckig an dem Begriff des Faschismus als Herrschaftsform des Finanzkapitals festgehalten, u.a. mit der Folge, dass regelm\u00e4\u00dfig die Gefahr einer Wiederkehr des Faschismus heraufbeschworen wird.<\/p>\n<p><strong>Die Frage eines deutschen \u201eSonderwegs\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie sah und sieht es demgegen\u00fcber in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung aus? Hier gewann seit den 60er Jahren des 20.\u00a0Jahrhunderts die Theorie von einem deutschen \u201eSonderweg\u201c in die Moderne an Einfluss, vertreten u.a. von Historikern wie Hans-Ulrich Wehler oder Heinrich August Winkler. Dieser Theorie zufolge war die NS-Herrschaft darauf zur\u00fcck zu f\u00fchren, dass im \u201eWesten\u201c b\u00fcrgerliche Revolutionen schon fr\u00fch eine Demokratie hervorgebracht hatten, w\u00e4hrend in Deutschland die Revolution von 1848\/49 fehlgeschlagen war und der deutsche Nationalstaat versp\u00e4tet und unter F\u00fchrung des preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaats hergestellt worden war.<\/p>\n<p>Aber war Deutschland nicht 1918\/19 ebenfalls zu einer Republik mit einer parlamentarischen Ordnung geworden und war damit nicht die entscheidende Besonderheit gegen\u00fcber Staaten wie Gro\u00dfbritannien oder Frankreich weggefallen, wie viele Kritiker argumentierten? Dieser Einwand brachte die Anh\u00e4nger der Sonderwegtheorie in eine schwierige Lage, da sie wie ihre Kritiker die Entstehung der Weimarer Republik mit einem Triumph der Demokratie, d.h. einem \u2013 wenngleich sp\u00e4ten \u2013 Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution gleichsetzten. Wenn das aber der Fall war, wie lie\u00df sich dann das Zustandekommen der NS-Herrschaft erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>An dieser Stelle verwiesen die Sonderwegvertreter auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde wie die Kriegsniederlage, die Weltwirtschaftskrise oder das pers\u00f6nliche \u201eCharisma\u201c Adolf Hitlers, um eine einigerma\u00dfen plausible Antwort zu geben. Dabei \u00fcbersahen sie das Entscheidende, n\u00e4mlich dass die Novemberrevolution Deutschland nur dem Schein nach auf den Weg der westlichen Nationalstaaten gef\u00fchrt hatte. Tats\u00e4chlich war sie dem Wesen nach fehlgeschlagen, denn von der Wirtschaft \u00fcber die sozialen Verh\u00e4ltnisse, den Staatsapparat, das Milit\u00e4rwesen, die Justiz, Universit\u00e4ten und die Kirchen setzte sich die alte Gesellschaftsstruktur unver\u00e4ndert fort, lediglich \u00fcberw\u00f6lbt von einer parlamentarischen Regierungsform. Das hei\u00dft:<em> die b\u00fcrgerliche Revolution war nicht nur 1848\/49 gescheitert, sie scheiterte in Deutschland 1918\/19 ein weiteres Mal, und die Republik ging nicht aus ihrem Sieg, sondern aus ihrer Niederlage hervor.<\/em> Der deutsche \u201eSonderweg\u201c endete 1918\/19 nicht &#8211; er setzte sich fort.<\/p>\n<p>Wenn wir den Nationalsozialismus, seinen Weg zur Macht und den Charakter seiner Herrschaft begreifen wollen, m\u00fcssen wir uns mit dem Werdegang der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland auseinandersetzen.<\/p>\n<p><strong>Das Scheitern der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Als der ostpreu\u00dfische Gutsbesitzer und Chef der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, in seiner Funktion als Reichspr\u00e4sident der Weimarer Republik den F\u00fchrer der NSDAP am 30.\u00a0Januar 1933 zum Reichskanzler ernannte, tat er das auf Betreiben von Klassenkr\u00e4ften, denen er selber zugeh\u00f6rte und die das Deutsche Reich bis zur Novemberrevolution 1918 beherrscht hatten.<\/p>\n<p>Gemeint ist das B\u00fcndnis von \u201eRoggen und Eisen\u201c \u2013 klassenpolitisch von Junkertum und Montanbourgeoisie: auf der einen Seite die kleinadeligen Gutsbesitzer \u00f6stlich der Elbe, die als Milit\u00e4radel die Armee befehligten und die langj\u00e4hrige Herrschaftsklasse Preu\u00dfens bildeten, auf der anderen Seite die Herren der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr, dem Zentrum und Motor des industriellen Aufstiegs Deutschlands.<\/p>\n<p>Formiert hatte sich diese Klassenkonstellation, die 1933 den kurzlebigen Parlamentarismus der Republik von Weimar zu Fall brachte, in der Revolution, die Mitte des 19. Jahrhunderts ganz Europa ersch\u00fctterte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Die Folgen der Niederlage von 1848\/49<\/strong><\/p>\n<p>Anders als in Frankreich oder England hatte die b\u00fcrgerliche Revolution, die in Deutschland 1848\/49 zum ersten Mal auf die Tagesordnung trat, eine doppelte Aufgabenstellung vor sich, denn sie musste sowohl die Demokratie als auch einen Nationalstaat erk\u00e4mpfen. Ihr Hauptgegner war der preu\u00dfische Milit\u00e4rstaat, der nach dem Sieg \u00fcber das napoleonische Frankreich als Mitglied der \u201eHeiligen Allianz\u201c von 1815 zusammen mit dem zaristischen Russland und der Habsburgermonarchie die monarchische Ordnung in Europa garantierte.<\/p>\n<p>Die Revolution endete mit einer Niederlage, weil ein ma\u00dfgeblicher Teil des B\u00fcrgertums, voran die emporstrebende industrielle Bourgeoisie, es angesichts der sozialen Forderungen der Massen vorzog, an die Seite Preu\u00dfens zu treten, um die Volksbewegung niederzuschlagen, anstatt den Kampf um Freiheit und Demokratie weiterzuf\u00fchren. Die verbindende Achse des Klassenb\u00fcndnisses, das sich damals herausbildete, war das gemeinsame Interesse, die Massendemokratie abzuwehren.<\/p>\n<p><strong>a) Die Reichseinigung als Antwort auf die Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Weil die deutsche Nationalbewegung sich nicht dauerhaft niederhalten lie\u00df und die Gefahr bestand, dass sie Preu\u00dfen auf Dauer \u00fcberwinden w\u00fcrde, setzte der 1862 zum Berliner Ministerpr\u00e4sidenten ernannte Bismarck in einem k\u00fchnen innen- wie au\u00dfenpolitischen Man\u00f6ver den preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaat an die Spitze der Nationalbewegung und lie\u00df die Armee in den Einigungskriegen von 1864 bis 1870 einen kleindeutschen Nationalstaat unter Ausschluss \u00d6sterreichs erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Die Schaffung eines gro\u00dfen nationalen Markts zusammen mit der Vereinheitlichung des b\u00fcrgerlichen Rechtswesens und einer gemeinsamen W\u00e4hrung verwirklichte die wirtschaftspolitischen Forderungen der Bourgeoisie, und b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte wurden an der Regierung beteiligt. Das Kaiserreich erhielt auch ein Parlament, den Reichstag, aber dieses Parlament war nicht \u201everantwortlich\u201c, d.h. es konnte die Regierung nicht bestimmen und besa\u00df keine Macht. Gleichzeitig f\u00fchrte Bismarck in einem besonderen Man\u00f6ver das allgemeine (M\u00e4nner-) Wahlrecht f\u00fcr die Reichstagswahl ein, was von den Kritikern der Sonderwegtheorie als Beweis f\u00fcr die \u201eModernit\u00e4t\u201c des Kaiserreichs im Vergleich zu den westlichen Nachbarl\u00e4ndern (wo sich das allgemeine Wahlrecht erst nach dem Weltkrieg durchsetzte), betrachtet wird. Tats\u00e4chlich diente dessen fr\u00fche Einf\u00fchrung in Preu\u00dfen-Deutschland dazu, die Bestrebungen der Bourgeoisie zu blockieren, \u00fcber das Parlament an die Macht zu gelangen, denn die B\u00fcrgerlichen strebten einen \u201everantwortlichen\u201c Reichstag nur auf Basis eines Zensus-Wahlrechts wie in den westlich-b\u00fcrgerlichen L\u00e4ndern an, um die Einflussnahme der Massen auf das Parlament zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Eine \u00fcberf\u00e4llige demokratische Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Der Reichstag war also nicht mehr als ein Feigenblatt, hinter dem sich die fortdauernde Vorherrschaft des Junkertums verbarg, das durch die milit\u00e4rischen Siege der von ihm gef\u00fchrten Armee fester im Sattel sa\u00df als zuvor. Anstatt in dem neuen Nationalstaat aufzugehen, wie es das Ziel der Revolution\u00e4re von 1848 gewesen war, dehnte der preu\u00dfische Milit\u00e4rstaat seine Herrschaft \u00fcber ganz Deutschland aus. Nach den Worten von Karl Marx war der neue Staat \u201enichts andres als ein mit parlamentarischen Formen verbr\u00e4mter, mit feudalem Beisatz vermischter und zugleich schon von der Bourgeoisie beeinflusster, b\u00fcrokratisch gezimmerter, polizeilich geh\u00fcteter Milit\u00e4rdespotismus.\u201c<\/p>\n<p>Im Ergebnis trug die bismarcksche Reichseinigung daher einen sowohl fortschrittlichen als auch reaktion\u00e4ren Charakter: sie verwirklichte die eine H\u00e4lfte der Ziele von 1848: die Gr\u00fcndung eines Nationalstaats, und warf die andere H\u00e4lfte, die Erk\u00e4mpfung der Demokratie, umso weiter zur\u00fcck<em>. <\/em>Dem entsprach der eigent\u00fcmliche Doppelcharakter des Kaiserreichs:<br \/>\nEs wurde zur st\u00e4rksten Wirtschaftsmacht Europas, war f\u00fchrend in Wissenschaft und Technik, und seine Universit\u00e4ten genossen Weltruf. Gleichzeitig war es ein Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat, der als einziger unter den kapitalistisch entwickelten Nationen Europas durch eine halbfeudale Klasse von Gro\u00dfgrundbesitzern gemeinsam mit der rechtsstehenden Fraktion der Gro\u00dfindustrie beherrscht wurde.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche Revolution war also durch die Reichseinigung nicht erledigt, sondern musste als <em>demokratische Revolution zum Sturz der preu\u00dfischen Milit\u00e4raristokratie und der mit ihr verb\u00fcndeten Montanbourgeoisie <\/em>weitergef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p><strong>b) Ein reaktion\u00e4res Herrschaftsb\u00fcndnis<\/strong><\/p>\n<p>Historisch war das Junkertum zum Untergang verurteilt. Die Produktionsverh\u00e4ltnisse auf den ostelbischen Gutswirtschaften fu\u00dften nicht auf freier Lohnarbeit, sondern trugen vorb\u00fcrgerlich-patriarchalischen Charakter und setzten der Produktivit\u00e4tsentwicklung Schranken. Die gutszugeh\u00f6rigen Landarbeiter mitsamt ihren Familien befanden sich in pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeit von ihren \u201eHerren\u201c, die auf den G\u00fctern nicht nur Arbeitgeber, sondern gleichzeitig Inhaber der unteren Gerichtsbarkeit und der Polizeigewalt waren und denen die \u201eGesindeordnung\u201c das Z\u00fcchtigungsrecht gegen\u00fcber ihrem \u201eGesinde\u201c gab. Durch die Verwendung von D\u00fcngemitteln und Maschinerie waren die Ertr\u00e4ge auf den getreideproduzierenden Gutswirtschaften bis zu einem gewissen Grad zu steigern, aber der Weltmarktkonkurrenz durch den zunehmenden Einsatz von Dampfschiffen insbesondere gegen das preiswertere Getreide der amerikanischen Farmer war man auf Dauer nicht gewachsen.<\/p>\n<p>Angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs mussten die Junker sich umso mehr an die Staatsmacht klammern, die Bismarck seiner Klasse durch die Herrschaftskonstruktion des Deutschen Reichs gesichert hatte: Politisch beherrschte \u201eihr\u201c Staat Preu\u00dfen als Hegemonialstaat das Deutsche Reich, w\u00e4hrend gleichzeitig ihre Herrschaft \u00fcber Preu\u00dfen durch das Dreiklassenwahlrecht gesichert wurde, das der konservativen Junkerpartei zusammen mit den von der Schwerindustrie bestimmten Nationalliberalen dauerhafte Mehrheiten im preu\u00dfischen Landtag sicherte.<\/p>\n<p>Insbesondere kommandierten sie als Milit\u00e4radel die preu\u00dfisch-deutsche Armee, die au\u00dferhalb der Verfassung stand. Sie war nicht nur der wichtigste innenpolitische Machtfaktor, au\u00dferdem verf\u00fcgten sie damit \u00fcber das Instrument, um ihre Vorherrschaft im Notfall durch einen Krieg gegen \u00e4u\u00dfere Feinde zu retten.<\/p>\n<p><strong>Die Bourgeoisie<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Reichseinigung versuchten die b\u00fcrgerlichen Liberalen zun\u00e4chst, die junkerliche Alleinverf\u00fcgung \u00fcber die Armee mit Hilfe des Haushaltsrechts zu brechen, um so an die Macht zu gelangen, wurden jedoch von Bismarck durch die Mobilisierung der \u00d6ffentlichkeit sowie eine Reichstagsaufl\u00f6sung und Neuwahlen zur\u00fcckgeschlagen. Als hinzu kam, dass die SPD trotz des Sozialistengesetzes von 1878 Stimmenzuw\u00e4chse erzielte, musste die Bourgeoisie bef\u00fcrchten, dass es ihr auf Dauer gelingen k\u00f6nnte, mit Hilfe des allgemeinen Wahlrechts \u00fcber den Reichstag an die Macht zu gelangen. Deshalb erkl\u00e4rten die Nationalliberalen in ihrer \u201eHeidelberger Erkl\u00e4rung\u201c von 1884, dass sie nicht l\u00e4nger die Verantwortlichkeit des Reichstags anstreben w\u00fcrden, und erkannten die au\u00dferverfassungsm\u00e4\u00dfige Stellung der Armee an, \u201eum die bestehende Ordnung vor den Gefahren der Revolution zu sch\u00fctzen\u201c.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Diese Eckpunkte bestimmten fortan das Zusammengehen des rechten Fl\u00fcgels der Bourgeoisie mit dem Milit\u00e4radel: die Ablehnung einer parlamentarischen Herrschaftsordnung und die Anerkennung der Souver\u00e4nit\u00e4t des Junkertums \u00fcber die Armee.<\/p>\n<p>Bismarcks Abdankung 1890 gab der Bourgeoisie die Gelegenheit, ihr wachsendes \u00f6konomisches Gewicht auf dem Umweg \u00fcber die Au\u00dfenpolitik zur Geltung zu bringen, ohne das Klassenb\u00fcndnis mit dem Junkertum als solches in Frage zu stellen. Unter Reichskanzler von B\u00fclow, der den Nationalliberalen nahestand, ging das Deutsche Reich Mitte der neunziger Jahre zur sog. \u201eWeltpolitik\u201c, d.h. zum Imperialismus \u00fcber. Es erhob den Anspruch auf ein gro\u00dfes Kolonialreich und lie\u00df binnen weniger Jahre, von Wilhelm\u00a0II. als \u201eFlottenkaiser\u201c gef\u00f6rdert, eine gewaltige Schlachtflotte bauen, um der weltumspannenden Seemacht Gro\u00dfbritannien die Anerkennung als gleichberechtigte Weltmacht abzutrotzen.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgerlicher Imperialismus <\/strong><\/p>\n<p>Getragen vom gesamten b\u00fcrgerlichen Lager (an der norddeutschen K\u00fcste auch von Teilen der Arbeiterschaft), zielte das Imperialismusprogramm innerpolitisch auf eine Machtverschiebung zugunsten der Bourgeoisie, nicht zuletzt dadurch, dass die Marine als b\u00fcrgerliche Waffengattung dauerhaft den gleichen Rang wie das junkerliche Heer einnehmen sollte. Ohne den Milit\u00e4radel offen herauszufordern und ohne den Weg \u00fcber den Reichstag mit seinem allgemeinen Wahlrecht gehen zu m\u00fcssen, er\u00f6ffnete die \u201eWeltpolitik\u201c scheinbar einen K\u00f6nigsweg zwischen Scylla und Charybdis, zwischen Junkertum und Sozialdemokratie, um sich auf dem Umweg \u00fcber die Au\u00dfenpolitik irgendwie an die Macht zu schleichen.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4radel tolerierte die \u201eWeltpolitik\u201c auf dem Boden des Reichsgr\u00fcndungskompromisses, so lange seine Alleinverf\u00fcgung \u00fcber das Heer und die Herrschaft \u00fcber Preu\u00dfen nicht in Frage gestellt wurden. Und da die Junkerpartei keinen gr\u00f6\u00dferen Ausbau des Heeres wollte, um dessen Zuverl\u00e4ssigkeit nicht durch zu viele st\u00e4dtisch-proletarische Wehrpflichtige zu gef\u00e4hrden, war die Finanzierung des Schlachtflottenbaus zun\u00e4chst konfliktfrei m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die seit Ende des Jahrhunderts erhobenen Kolonialanspr\u00fcche und der Bau der riesigen Schlachtflotte r\u00fcckten naturgem\u00e4\u00df ins Zentrum der deutschen und internationalen \u00d6ffentlichkeit. Da sowohl der Kanzler als auch der Kaiser die Weltpolitik vorantrieben, konnte es an der Oberfl\u00e4che so scheinen, als ob b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte an der Macht w\u00e4ren \u2013 jedoch nur, wenn man die Natur des Klassenkompromisses von Junkertum und Bourgeoisie und die damit zusammenh\u00e4ngende Herrschaftsstruktur des Deutschen Reichs nicht begriff. Real \u00e4nderte der Imperialismus an der gegebenen Machtverteilung nichts.<\/p>\n<p><strong>c) Ein wechselhaftes Kleinb\u00fcrgertum<\/strong><\/p>\n<p>Im <em>Kommunistischen Manifest<\/em> hatten Marx und Engels 1847 das baldige Verschwinden der kleinen Warenproduzenten, sprich der Hauptmasse der alten Gesellschaft, durch den Siegeszug der kapitalistischen Produktionsweise vorhergesagt. Doch trotz ihres zahlenm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckgangs machten Bauernschaft und st\u00e4dtisches Kleinb\u00fcrgertum noch lange den \u00fcberwiegenden Teil der Gesellschaft aus; erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Kapital sie bis auf einen Restbestand verdr\u00e4ngen bzw. vollst\u00e4ndig in seinen Kreislauf einbeziehen.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hielt die voranschreitende Aufl\u00f6sung der hergebrachten Produktions- und Lebensverh\u00e4ltnisse sie in einem Zustand latenter Unruhe, der sie f\u00fcr wechselnde politische \u00dcberzeugungen empf\u00e4nglich machte. Zwischen den anderen Klassen der Gesellschaft stehend, konnten ihre Millionenmassen insbesondere in Zeiten des Umbruchs ausschlaggebend sein f\u00fcr die Richtung, die die gesellschaftliche Entwicklung nehmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>So waren die kleinen B\u00fcrger 1848\/49 die Haupttr\u00e4ger der nationaldemokratischen Revolution gewesen und verharrten die linken Liberalen \u2013 meist in verschiedene Parteien gespalten \u2013 auch im Kaiserreich in Opposition gegen den preu\u00dfischen Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat. Auf der anderen Seite wurde die Mehrheit des Kleinb\u00fcrgertums durch die L\u00f6sung der nationalen Frage in den Klassenkompromiss von Junkertum und Bourgeoisie eingebunden, so dass sich das Kaiserreich \u00fcber lange Zeit auf eine zuverl\u00e4ssige soziale Basis st\u00fctzen konnte.<\/p>\n<p>Indessen lie\u00dfen die aus der Reichseinigung resultierenden Bindekr\u00e4fte, je l\u00e4nger die Nationalstaatsgr\u00fcndung zur\u00fccklag, desto mehr nach. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden neue gesellschaftliche Str\u00f6mungen im Kleinb\u00fcrgertum, die sich gleicherma\u00dfen gegen die Monarchie und die Kirchen, gegen Demokratie, Liberalismus und Marxismus richteten.<\/p>\n<p><strong>V\u00f6lkisch-rassistische Str\u00f6mungen<\/strong><\/p>\n<p>Vorweg geh\u00f6rte dazu die <em>v\u00f6lkische<\/em> Bewegung, die einen rassenbiologischen Volksbegriff in Verbindung mit einem antisemitisch-germanischen Ideengut vertrat.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Ihre Anh\u00e4nger wiesen die Ziele und Werte der b\u00fcrgerlichen Revolution als \u201eundeutsch\u201c zur\u00fcck und strebten einen artreinen deutschen \u201eRassestaat\u201c an. \u201eNeu an diesem Milieu, das sich insbesondere im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg und w\u00e4hrend des Krieges zu formieren begann, war die Verbindung von aggressivem Nationalismus, rassistischem und antisemitischem Gedankengut, unbedingter Feindschaft gegen\u00fcber der Sozialdemokratie und sozialen Ressentiments innerhalb von Bev\u00f6lkerungsschichten, die ihre Position langfristig durch den rapiden wirtschaftlichen und sozialen Wandlungsprozess bedroht sahen.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Politisch waren diese Str\u00f6mungen wenig einflussreich, da die \u201eV\u00f6lkischen\u201c zersplittert waren und sich durch ein lebhaftes Sektenwesen auszeichneten. Doch mit Hilfe einer breitgef\u00e4cherten Publizistik entfaltete ihr Gedankengut ideologisch eine erhebliche Breitenwirkung.<\/p>\n<p>Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa brachte die voranschreitende Industrialisierung neben einer organisierten Arbeiterbewegung neue Bewegungen unter den kleinen B\u00fcrgern hervor, die sich aus der vorhandenen politischen Ordnung l\u00f6sten und nach einer neuen Orientierung suchten. Regelm\u00e4\u00dfig vom Rassendenken beeinflusst, verfochten sie vielfach einen diffusen Begriff des \u201eSozialismus\u201c, der nichts mit den Zielen der marxistischen Arbeiterbewegung zu tun hatte, sondern in letzter Instanz die Gleichheit der kleinen Warenproduzenten widerspiegelte. Vorreiter dieser Entwicklung war zun\u00e4chst Frankreich, aber \u201eder nationale Sozialismus blieb nicht lediglich auf Frankreich beschr\u00e4nkt, wenn er auch in dieser Nation zuerst seine tiefsten Wurzeln schlug (&#8230;) Diese verschiedenen nationalen sozialistischen Bewegungen wussten nichts voneinander. Jede war eine Reaktion auf eine besondere Situation. Der Umstand, dass diese Reaktionen sich so \u00e4hnlich waren, ist von Bedeutung, weil er Teil jenes in ganz Europa stattfindenden Suchens nach einer egalit\u00e4ren Gemeinschaft im Geiste der Nation war.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Im Umfeld dieser Bewegungen und unter ihrem Einfluss entstand Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts auch der Zionismus, der nach dem Beispiel der europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte die Schaffung eines eigenen j\u00fcdisch-v\u00f6lkischen Staats forderte. In Deutschland kn\u00fcpfte der Nationalsozialismus nach dem Ersten Weltkrieg an das v\u00f6lkische Ideengut an.<\/p>\n<p><strong>d) Die Verpreu\u00dfung der SPD<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung der Gesellschaft am bedeutsamsten war zun\u00e4chst das mit der Industrialisierung einhergehende Wachstum des Proletariats. Es fand seine politische Vertretung in der Sozialdemokratie, deren erste Parteiorganisation, der ADAV, von Ferdinand Lassalle gegr\u00fcndet wurde. Dieser vertrat nicht nur eine fehlerhafte Lohntheorie (das \u201eeherne Lohngesetz\u201c), sondern auch Vorstellungen von einem preu\u00dfischen Staatssozialismus, die das Gedankengut der entstehenden sozialdemokratischen Arbeiterpartei pr\u00e4gten und u.a. im Gothaer Programm von 1876 ihren Niederschlag fanden.<\/p>\n<p>Anfangs durch das Sozialistengesetz ausgegrenzt, breitete sich die Sozialdemokratie nach dessen Aufhebung 1890 umso rascher aus. Doch w\u00e4hrend sich immer mehr Arbeiter in Partei und Gewerkschaften organisierten, wuchs die SPD zur selben Zeit in den Staat hinein.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Dabei war das Entscheidende, dass dieser Staat kein b\u00fcrgerlicher Staat war, sondern ein durch das junkerliche Preu\u00dfen beherrschter Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat. Das hei\u00dft, die wachsende \u201eIdentifizierung der deutschen Sozialdemokratie mit \u2026 dem monarchisch-autorit\u00e4ren Staat\u201c hatte keine <em>Verb\u00fcrgerlichung<\/em> der Partei zur Folge, sondern ihre <em>Verpreu\u00dfung<\/em>.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die von Bismarck begonnene Arbeitersozialpolitik des Kaiserreichs f\u00f6rderte diesen Prozess. F\u00fcr manche Historiker ein Beweis f\u00fcr die \u201eModernit\u00e4t\u201c des Kaiserreichs im Vergleich zum Westen (weil der \u00dcbergang zu einem Sozialstaat dort erst nach dem Weltkrieg stattfand), r\u00fchrte der Unterschied in Wahrheit daher, dass der Einfluss der Bourgeoisie in den westlichen L\u00e4ndern eine Sozialstaatspolitik lange verhinderte. Dagegen war es in Deutschland der vormoderne preu\u00dfisch-deutsche Staat, der \u00f6ffentlich-rechtliche Arbeiterversicherungen gegen Unf\u00e4lle, Krankheit und zur Altersversorgung <em>gegen die Opposition der Bourgeoisie<\/em> einf\u00fchrte, um die Arbeiter an den monarchischen Staat heranzuf\u00fchren. Sch\u00e4tzungsweise jeder f\u00fcnfte sozialdemokratische Funktionstr\u00e4ger war schlie\u00dflich in den Sozialversicherungen und anderen halbstaatlichen Organisationen t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Getragen wurde die Entwicklung der SPD zu einer preu\u00dfisch-sozialpatriotischen Arbeiterpartei nicht zuletzt von ihrem Gewerkschaftsfl\u00fcgel. In der betrieblichen Realit\u00e4t des \u00f6konomischen Kampfes (nur) mit dem Kapital konfrontiert, erschien der Junkerstaat den Gewerkschaften im \u00f6konomischen Kampf als potentieller Helfer gegen das Kapital. Urspr\u00fcnglich schw\u00e4cher als die SPD und lediglich als \u201eRekrutenschule\u201c f\u00fcr die Partei betrachtet, hatten die Gewerkschaften seit Anfang des 20.\u00a0Jahrhunderts mehr als viermal so viele Mitglieder wie die SPD \u2013 1906 standen ca. 1,6 Millionen Gewerkschaftsmitglieder 384.000 Parteimitgliedern gegen\u00fcber. Hand in Hand damit vergr\u00f6\u00dferte sich ihr Einfluss in der Partei, bis der aus ihren Reihen stammende Friedrich Ebert 1913 die Nachfolge August Bebels als Parteivorsitzender antrat.<\/p>\n<p><strong>Grundlegende gesellschaftstheoretische M\u00e4ngel<\/strong><\/p>\n<p>Die Integration in den Junkerstaat wurde beg\u00fcnstigt durch gravierende Fehleinsch\u00e4tzungen der Gesellschaftsstruktur des Kaiserreichs und des Charakters seiner Klassen. So untersuchten b\u00fcrgerliche Gesellschaftswissenschaftler wie Max Weber oder Werner Sombart die ostelbische Agrarverfassung und kamen zu dem Ergebnis, dass die Junkerg\u00fcter <em>nichtkapitalistisch<\/em> betrieben wurden. Dagegen vertrauten die Sozialdemokraten auf den (im Erfurter Programm ausf\u00fchrlich dargestellten) Siegeszug der kapitalistischen Produktionsweise und unterstellten ohne Untersuchung, dass der Kapitalismus sich auf den Latifundien durchgesetzt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Dieser Annahme zufolge h\u00e4tten die Junker sich also in Agrarkapitalisten verwandelt, so dass sie keine eigenst\u00e4ndige Klasse mehr bilden konnten, sondern zu einer landbesitzenden Fraktion der Bourgeoisie geworden waren. Deutschland musste also auf jeden Fall unter b\u00fcrgerlicher Herrschaft stehen, so dass die Notwendigkeit einer nachholenden b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution nicht nur historisch-politisch, sondern auch aufgrund der \u00f6konomisch-sozialen Verh\u00e4ltnisse abwegig erschien.<\/p>\n<p>Zu dieser Sichtweise geh\u00f6rte, dass nicht nur die Gutsbesitzer als eigene Klasse negiert wurden, sondern auch die Millionenmassen der kleinen Warenproduzenten, obwohl sie nach wie vor die Mehrheit der Gesellschaft stellten. In der Revolution von 1848\/49 mochten sie eine entscheidende Rolle gespielt haben, aber da die Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution durch die Reichseinigung pass\u00e9 war, musste gem\u00e4\u00df den \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Geschichte als n\u00e4chstes der Sozialismus kommen, der alleine Sache des Proletariats war und das Kleinb\u00fcrgertum nichts anging \u2013 dessen Rolle war ausgespielt. Die Konsequenz war, dass das politische Tableau der Sozialdemokratie lediglich Proletariat und Bourgeoisie umfasste; Milit\u00e4radel und Kleinb\u00fcrgertum kamen darin nicht vor.<\/p>\n<p><strong>Die Fehlkonstruktion des Erfurter Programms<\/strong><\/p>\n<p>Die Fehler der sozialdemokratischen Gesellschaftstheorie kulminierten im Erfurter Programm von 1891. W\u00e4hrend die Lassalleschen Staatsvorstellungen undiskutiert geblieben waren, hatte es in der Zwischenzeit eine Auseinandersetzung \u00fcber seine Lohntheorie gegeben, mit der Konsequenz, dass die Fehler des Gothaer Programms auf \u00f6konomischem Gebiet durch den Marxismus ersetzt wurden und der von Kautsky formulierte Grundsatzteil des Programms die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise in konzentrierter Form wiedergab.<\/p>\n<p>Dagegen nahm das Programm in seinem politisch-gesellschaftlichen Teil weder eine Einsch\u00e4tzung der Reichsgr\u00fcndung noch der Klassenverh\u00e4ltnisse und Herrschaftsstruktur des Kaiserreichs vor. Ohne das offen auszusprechen, fu\u00dfte es auf der Grundannahme, dass sich die Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland mit der Bildung des Nationalstaats 1870 erledigt h\u00e4tte. Auf dieser Basis war kein Raum f\u00fcr die Erkenntnis, dass sie als demokratische Revolution weitergef\u00fchrt und abgeschlossen werden musste, bevor der Sozialismus auf die Tagesordnung treten konnte.<\/p>\n<p>Zwar verlangte Friedrich Engels in seiner Kritik des Erfurter Programms, die Forderung nach einer demokratischen Republik in das Programm aufzunehmen, doch Bebel und der Parteivorstand machten dagegen strafrechtliche Bedenken geltend. Sie nahmen nicht einmal die von Engels daraufhin vorgeschlagene und f\u00fcr \u201eunverzichtbar\u201c erkl\u00e4rte Ersatzformulierung in das Programm auf: \u201eKonzentration aller politischen Macht in den H\u00e4nden der Volksvertretung\u201c. Desgleichen wurde Engels\u2018 Hinweis, dass zusammen mit Preu\u00dfen auch die Kleinstaaterei abgeschafft werden m\u00fcsse, um einen deutschen Einheitsstaat zu schaffen, komplett negiert.<\/p>\n<p>In der Folgezeit er\u00f6rterte Kautsky verschiedentlich das Problem der demokratischen Republik und warf die Frage auf, ob das Proletariat vielleicht nur mit Unterst\u00fctzung des Kleinb\u00fcrgertums an die Macht gelangen k\u00f6nne. Weder er selbst noch erst recht die Parteif\u00fchrung vertieften diese Fragestellung jedoch.<\/p>\n<p><strong>Das sozialdemokratische Machtkonzept <\/strong><\/p>\n<p>Wie aber wollte die Partei an die Macht gelangen? Ein vor allem in S\u00fcddeutschland starker Parteifl\u00fcgel wollte dies mit Hilfe einer b\u00fcrgerlichen, demokratisch-reformistischen Politik erreichen. Eduard Bernstein, der Anf\u00fchrer dieser Richtung, stellte den Marxismus in \u00d6konomie und Philosophie in Frage, hob die St\u00e4rke und Bedeutung des Kleinb\u00fcrgertums hervor und trat f\u00fcr eine Demokratisierungspolitik gemeinsam mit den linken Liberalen gegen die fortdauernde Vormacht des Preu\u00dfentums ein. Die Durchsetzung dieser Richtung h\u00e4tte aus der SPD eine <em>b\u00fcrgerlich-reformistische<\/em> Arbeiterpartei gemacht, jedoch wurden ihre Positionen sowohl von dem Parteizentrum unter Bebel und Kautsky als auch von der revolution\u00e4ren Linken unter Luxemburg zur\u00fcckgewiesen; zwei Parteitage lehnten Bernsteins Auffassungen mit gro\u00dfer Mehrheit ab.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Stattdessen bildete sich auf dem Boden der fortschreitenden Integration in den Bismarck-Staat ein stillschweigendes Machtkonzept heraus, das an den Staatssozialismus Lassalles ankn\u00fcpfte und zur Richtschnur der Parteif\u00fchrung in der Novemberrevolution wurde. Nirgends schriftlich niedergelegt, besagte es, den alten Staatsapparat nicht zu zerschlagen und durch einen neuen Staatsapparat zu ersetzen, wie Marx und Engels das gefordert hatten, sondern den heimlich bewunderten \u201eJunkerstaat in seiner ganzen Sch\u00f6nheit\u201c, wie Bebel es nur halb ironisch formulierte, zu \u00fcbernehmen und in eigener Regie weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der revolution\u00e4re Fl\u00fcgel der Partei unter Luxemburg und Liebknecht hatte dem wenig entgegen zu setzen, weil er die grundlegende Einsch\u00e4tzung des Entwicklungsstandes der Gesellschaft teilte. Ohne den Charakter der anstehenden Revolution jemals thematisiert zu haben, hielten die Linken (wie die restliche Partei) die b\u00fcrgerliche Revolution f\u00fcr abgeschlossen und das Kaiserreich f\u00fcr einen b\u00fcrgerlichen Staat unter der Herrschaft der Bourgeoisie. Ihre \u201eBesonderheit\u201c bestand wesentlich in dem Beharren auf der \u00dcberzeugung, dass es illusorisch sei, auf friedlichem Weg zum Sozialismus zu gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Eine SPD-gef\u00fchrte Konterrevolution: die Niederlage von 1918\/19<\/strong><\/p>\n<p>Die mit der Reichsgr\u00fcndung etablierte Herrschaftskonstruktion konnte die innenpolitische Stabilit\u00e4t des Kaiserreichs nicht auf Dauer sichern. Als 1909 der Reichsgr\u00fcndungskompromiss zerbrach, wurde eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die wenige Jahre darauf in den Gro\u00dfen Krieg von 1914-18 m\u00fcndete, an dessen Ende die siebzig Jahre zuvor gescheiterte b\u00fcrgerliche Revolution erneut auf die Tagesordnung trat.<\/p>\n<p>In deren Gefolge fiel die Regierung der SPD zu, die sich indes aufgrund ihrer \u201eVerpreu\u00dfung\u201c nicht als Gegnerin des Bismarck-Reichs, sondern als dessen Erbin verstand. Deshalb entstand zwar eine parlamentarische Demokratie, aber hinter der republikanischen Fassade blieb nicht nur der preu\u00dfisch-deutsche Obrigkeitsstaat erhalten; au\u00dferdem \u00fcberstanden auch die ihn tragenden gesellschaftlichen Kr\u00e4fte den Umsturz unbeschadet und konnten anschlie\u00dfend daran gehen, ihre vorherige Machtstellung zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p><strong>a) Bruch des Klassenkompromisses, Krieg um die Macht<\/strong><\/p>\n<p>Eine Steuerfrage \u2013 historisch immer schon ein Scheidepunkt zwischen Feudalmacht und B\u00fcrgertum \u2013 brachte 1909 den Klassenkompromiss von Junkertum und Bourgeoisie ans Ende. Die Ursache daf\u00fcr war ein erbitterter Streit zwischen Konservativen und Liberalen um die Einf\u00fchrung neuer Steuern zur Finanzierung des Schlachtflottenbaus, der den sog. \u201eB\u00fclow-Block\u201c aus Konservativen, National- und Linksliberalen zerbrechen lie\u00df.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Die Folgen des Bruchs konnten kaum weitreichender sein: Nicht nur musste B\u00fclow, der Kanzler der Weltpolitik, zur\u00fccktreten und wurde durch Bethmann Hollweg ersetzt, vor allem wurde der Staat unregierbar, weil im Reichstag keine zuverl\u00e4ssigen Mehrheiten zur Verabschiedung von Gesetzen mehr zustande kamen. Gleichzeitig nahmen die Attacken auf das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht zu und wurde ein Ende der au\u00dferverfassungsm\u00e4\u00dfigen Stellung der Armee gefordert. Vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt war die Reichstagswahl 1912, denn als Folge des Bruchs von 1909 kamen die vorher \u00fcblichen Wahlkreisabsprachen der anderen Parteien gegen die SPD nicht mehr zustande. Im Gegenteil stimmten sich jetzt die linken Liberalen mit der SPD ab, so dass diese einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Wahlsieg erzielte, ein Drittel der Reichstagssitze erhielt und sich die Gefahr abzeichnete, dass es zu einer Parlamentarisierung des Reichs kommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Daraufhin versuchten Junker und Schwerindustrie zun\u00e4chst, aus Anlass eines Bergarbeiterstreiks den Ausnahmezustand ausrufen zu lassen, um das allgemeine Wahlrecht abzuschaffen, scheiterten jedoch an der Weigerung von Kaiser und Kanzler. Als dann noch im Gefolge der Zabern-Aff\u00e4re von 1913 die souver\u00e4ne Entscheidungsgewalt der Milit\u00e4rs \u00fcber einen Truppeneinsatz im Innern beschnitten wurde, war f\u00fcr sie endg\u00fcltig eine rote Linie \u00fcberschritten: um die bisherige Herrschaftsordnung zu retten, blieb nur noch die Flucht in einen Krieg \u00fcbrig.<\/p>\n<p>In der Marokkokrise 1911 hatte die Bourgeoisie vergeblich versucht, die Regierung Bethmann in einen Krieg zu dr\u00e4ngen, um ihr Ziel eines deutschen \u201eMittelafrika\u201c gegen Frankreich und Gro\u00dfbritannien zu erreichen. Damals hatte das Junkertum keinen Anlass gehabt, f\u00fcr die Bourgeoisie einen \u201eweltpolitischen\u201c Krieg um Kolonien zu f\u00fchren. Drei Jahre sp\u00e4ter trieben Milit\u00e4radel und Bourgeoisie die Regierung gemeinsam in einen Krieg, und dem doppelten Druck konnte der z\u00f6gerliche Reichskanzler Bethmann nicht standhalten. Am 14.\u00a0August 1914 erkl\u00e4rte Deutschland dem Zarenreich den Krieg.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Klassenkr\u00e4fte im Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Jenseits der gemeinsamen Siegeshoffnung verfolgten die den Krieg tragenden Klassen unterschiedliche Kriegsziele:<br \/>\n&#8211; F\u00fcr das untergehende Junkertum war der Krieg wesentlich ein <em>Machtsicherungskrieg<\/em>, der ihre Herrschaft durch einen gro\u00dfen Sieg der von ihnen gef\u00fchrten Armee noch einmal wie 1870\/71 gegen die Zeit retten sollte.<br \/>\n&#8211; F\u00fcr die Bourgeoisie handelte es sich um einen <em>imperialistischen<\/em> <em>Krieg<\/em>, den sie in Fortsetzung ihrer Weltpolitik mit dem Ziel f\u00fchrte, Mittelafrika zur deutschen Kolonie zu machen sowie durch die Gewinnung der belgisch\/franz\u00f6sischen Atlantikh\u00e4fen England dauerhaft Paroli bieten zu k\u00f6nnen. Allerdings spielte die b\u00fcrgerliche Schlachtflotte im Kriegsverlauf milit\u00e4risch genauso eine Nebenrolle wie politisch die Bourgeoisie. Mit dem von ihm kommandierten Heer war der Milit\u00e4radel sowohl milit\u00e4risch als auch politisch der Herr des wesentlich zu Land gef\u00fchrten Kriegs.<br \/>\n&#8211; Die Massen des Kleinb\u00fcrgertums, die zuvor begonnen hatten, sich aus der junkerlich-b\u00fcrgerlichen Hegemonie zu l\u00f6sen, schlossen sich im Krieg wieder den beiden Herrschaftsklassen an. Sie unterst\u00fctzten die kolonialimperialistischen Ziele der Bourgeoisie; aus ihren Reihen kamen aber auch v\u00f6lkisch gespeiste Forderungen nach einer Erweiterung des deutschen Lebensraums im Osten.<br \/>\n&#8211; Die Arbeiterschaft lie\u00df sich im Vertrauen auf \u201eihre\u201c Partei, die SPD, von der Notwendigkeit \u00fcberzeugen, das Vaterland gegen den reaktion\u00e4ren Zarismus zu verteidigen. Dabei verfolgte die sozialdemokratische Parteif\u00fchrung \u00fcber ihren Sozialpatriotismus hinaus ein weitergehendes Ziel: da der Krieg ohne die Arbeiterschaft nicht zu f\u00fchren war, besa\u00df sie einen wirkungsvollen Hebel, um nicht nur ihre Staatstreue unter Beweis zu stellen, sondern auch das Tor zur Regierungsmacht zu \u00f6ffnen.<br \/>\n&#8211; Die linke Parteiopposition um Rosa Luxemburg verurteilte die Politik der Vaterlandsverteidigung, erkl\u00e4rte sie aber f\u00fcr einen einmaligen Fehltritt der Parteif\u00fchrung, den die Mitgliedermassen bald wieder korrigieren w\u00fcrden; deshalb sah sie keinen Anlass, die Partei zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>Kriegsb\u00fcndnis zwischen SPD und OHL<\/strong><\/p>\n<p>Mit Kriegsbeginn ging die sozialdemokratische Parteispitze ein faktisches B\u00fcndnis mit der F\u00fchrung des Milit\u00e4radels ein, der Obersten Heeresleitung (OHL), um einen Sieg der deutschen Waffen sicherzustellen. Im Rahmen dieses B\u00fcndnisses, das sie in der Novemberrevolution unter umgekehrten Vorzeichen fortsetzte (Ebert-Groener-Pakt), verhinderte sie Streiks und Unruhen in der Arbeiterschaft, f\u00f6rderte die Kriegsbereitschaft und trug innenpolitisch die Milit\u00e4rdiktatur der OHL mit.<\/p>\n<p>Als Gegenleistung \u00f6ffnete das \u201eVaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz\u201c den Gewerkschaften die bis dahin versperrten schwerindustriellen Gro\u00dfbetriebe und bef\u00f6rderte sozialdemokratische Gewerkschaftsf\u00fchrer auf die Kommandoh\u00f6hen der staatlich organisierten Kriegswirtschaft. Von der Montanbourgeoisie aufs heftigste bek\u00e4mpft, wurde es als Stufe zur Regierungs\u00fcbernahme von der SPD als \u201eKriegssozialismus\u201c gefeiert.<\/p>\n<p>Die Parteispitze beteiligte sich 1917 auch am Sturz Bethmann Hollwegs, der mittlerweile an den deutschen Siegesaussichten zweifelte und nach der russischen Februarrevolution einen Remisfrieden mit der Entente schlie\u00dfen wollte. Doch die f\u00fchrenden SPDler gingen wie die Milit\u00e4rs davon aus, dass das Deutsche Reich nach dem Sturz des Zarismus einen Sieg \u00fcber die gegnerische Koalition davontragen w\u00fcrde und unterst\u00fctzten daher die OHL bei der Auswechselung des Kanzlers.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p><strong>Ebert als kaiserlicher Reichskanzler<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl die deutsche Armee sich nach der russischen Oktoberrevolution 1917 auf den Krieg an der Westfront konzentrieren konnte, reichten die milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte nicht f\u00fcr einen Sieg. Im September 1918 forderte die OHL die Regierung ultimativ auf, einen Waffenstillstand zu schlie\u00dfen, weil die Front gegen die alliierten Truppen nicht zu halten sei. Im selben Atemzug verlangte sie eine Parlamentarisierung der Monarchie, um den US-Pr\u00e4sidenten Wilson als Friedensvermittler f\u00fcr einen schonenden Frieden zu gewinnen.<\/p>\n<p>Als die verfassungs\u00e4ndernden \u201eOktoberreformen\u201c im Oktober 1918 weisungsgem\u00e4\u00df umgesetzt wurden, war f\u00fcr die SPD der Weg zur Regierungs\u00fcbernahme frei, weshalb die Parteif\u00fchrung immer darauf beharrte, dass die Novemberrevolution \u00fcberfl\u00fcssig gewesen sei (nach den Worten Eberts: \u201eich hasse sie wie die S\u00fcnde\u201c). Am Vormittag des 9.\u00a0November 1918 lie\u00df sich der SPD-Vorsitzende zum Reichskanzler ernennen, um die sprunghaft anwachsende Revolutionsbewegung in letzter Minute zu kanalisieren und die Monarchie unter sozialdemokratischer F\u00fchrung zu erhalten.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Damit hatte die Parteif\u00fchrung das von ihr verfolgte Ziel erreicht: <em>mit Ebert als kaiserlichem Reichskanzler stellte sie die Regierung des Bismarck-Reichs<\/em>.<\/p>\n<p>Am Nachmittag desselben Tages war es jedoch mit der Monarchie und somit auch Eberts Kanzlerschaft vorbei, weil der SPD-Fraktionsvorsitzende Philipp Scheidemann ohne Absprache mit der Parteif\u00fchrung die Republik ausrief.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Das hie\u00df f\u00fcr die SPD-F\u00fchrung gem\u00e4\u00df ihrem Machtkonzept jedoch nur, dass es ab jetzt darauf ankam, den preu\u00dfisch-deutschen Staat auch in nicht-monarchischer Form unter ihrer Regierung zu bewahren. Das wiederum bedeutete, ihn gegen die Revolution zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>b) Ein revolution\u00e4r-demokratischer Umsturz<\/strong><\/p>\n<p>Die Revolution lie\u00df sich durch die politischen Man\u00f6ver der SPD zun\u00e4chst nicht aufhalten. Von meuternden Kieler Matrosen ausgehend, fegte eine elementare Revolutionswelle die bis dahin unbesiegbar erscheinende preu\u00dfisch-deutsche Staatsmaschinerie binnen weniger Tage hinweg. Endlich schien sich zu verwirklichen, was 1848\/49 fehlgeschlagen war: Soldatenr\u00e4te \u00fcbernahmen die Herrschaft \u00fcber die Armee, und Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te entmachteten den obrigkeitlichen Polizei- und Verwaltungsapparat in der Heimat. Die alten Staatsorgane existierten zwar noch, besa\u00dfen aber keine Autorit\u00e4t mehr.<\/p>\n<p>Sozial wurde die Revolutionsbewegung haupts\u00e4chlich von Arbeitern getragen, sie mobilisierte aber auch viele Kleinb\u00fcrger. Unter roten Fahnen und sozialistischen Parolen trugen ihre Ziele wesentlich <em>demokratischen <\/em>Charakter; spontane Betriebsenteignungen gab es nicht. Neben der von den Arbeiterr\u00e4ten vorrangig geforderten Sozialisierung der Schwerindustrie ging es um die Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes, und w\u00e4ren diese Forderungen umgesetzt worden, h\u00e4tten die bisherigen Herrschaftsklassen ihren \u00f6konomisch-sozialen R\u00fcckhalt und somit ihre Machtbasis verloren. Jenseits dieser grundlegenden sozialen Ma\u00dfnahmen zielte die R\u00e4tebewegung vor allem darauf, den alten Staatsapparat zu zerschlagen und das preu\u00dfisch-deutsche Heer aufzul\u00f6sen, um diese Brutst\u00e4tte des Militarismus zu beseitigen; eine miliz\u00e4hnliche Volkswehr sollte an die Stelle des stehenden Heeres treten.<\/p>\n<p>Diese und andere Forderungen bestimmten die Diskussionen und Beschl\u00fcsse des Reichsr\u00e4tekongresses, der als Zentralversammlung der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te vom 16.\u00a0bis 21.\u00a0Dezember 1918 in Berlin tagte und als Vertretung der R\u00e4tebewegung zu dieser Zeit das unbestrittene zentrale Machtorgan in Deutschland war. \u201eDie Revolution hatte ein Programm, auch wenn es angesichts des spontanen Charakters der Bewegung nicht immer scharf formuliert war. Dieses Programm war die Abschaffung des Obrigkeitsstaats und eine tiefgreifende demokratische Umgestaltung der politischen, sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Dem Wesen nach war die Novemberrevolution eine <em>demokratische Revolution<\/em>, die sich gegen den preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat unter der Herrschaft des Junkertums und der mit ihm verb\u00fcndeten Montanbourgeoisie richtete.<\/p>\n<p><strong>Ein hoffnungsvoller Aufbruch<\/strong><\/p>\n<p>Die von der Revolutionsbewegung verfolgten Ziele deckten sich weitgehend mit den Forderungen, die seit 1848\/49 Grundbestandteil einer b\u00fcrgerlichen Revolution gegen die preu\u00dfische Milit\u00e4rmonarchie waren. Neu war die Sozialisierung der Schwerindustrie; sie entsprach der industriellen Entwicklung und h\u00e4tte den Ansatzpunkt f\u00fcr einen sp\u00e4teren \u00dcbergang zum Sozialismus bilden k\u00f6nnen. Die spontane Bewegung ging also von sich aus an die <em>Vollendung der \u00fcberf\u00e4lligen b\u00fcrgerlichen Revolution als demokratische Revolution<\/em> \u2013 nicht weniger, aber auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rte der Beschluss des R\u00e4tekongresses \u00fcber die k\u00fcnftige Staatsform. Nur eine Minderheit stimmte f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines R\u00e4tesystems, die gro\u00dfe Mehrheit beschloss f\u00fcr den 19.\u00a0Januar 1919 Wahlen zu einer Nationalversammlung, welche die Verfassung f\u00fcr eine parlamentarische Demokratie ausarbeiten sollte.<\/p>\n<p>Trotz der Kriegsniederlage befand sich die deutsche Gesellschaft im Aufbruch, denn der jahrelange Krieg war vor\u00fcber und zusammen mit dem preu\u00dfischen Militarismus schien auch der reaktion\u00e4re Obrigkeitsstaat \u00fcberwunden. Die Wahlen zur Nationalversammlung verliehen dem Ausdruck. Vom Vertrauen der Arbeitermassen getragen, erhielt die SPD mit dem Bekenntnis zur Republik und zur Demokratie 37,9\u00a0% der Stimmen, das waren drei Prozentpunkte mehr als 1912. Die beiden anderen Parteien der sog. \u201eWeimarer Koalition\u201c, Zentrum und DDP, erhielten mit zusammen 38,3% noch einmal so viele Stimmen, so dass insgesamt mehr als drei Viertel der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler f\u00fcr die Republik stimmten. Die USPD erhielt 7,6%, w\u00e4hrend die soeben gegr\u00fcndete KPD an der Wahl nicht teilnahm.<\/p>\n<p><strong>Linkswendung des Kleinb\u00fcrgertums<\/strong><\/p>\n<p>Im Gefolge der Arbeiterschaft vollzogen die Massen des Kleinb\u00fcrgertums eine fundamentale Linkswendung, wof\u00fcr die Deutsche Demokratische Partei stand. Im Dezember 1918 in der Tradition von 1848\/49 als Nachfolgerin der Fortschrittlichen Volkspartei gegr\u00fcndet, forderte ihr Gr\u00fcndungsprogramm die vollst\u00e4ndige Demokratisierung des Staatswesens und pl\u00e4dierte anstelle eines Berufsheers f\u00fcr ein Milizsystem auf Basis der allgemeinen Wehrpflicht, um den Militarismus zu beseitigen \u2013 das war identisch mit den Forderungen des R\u00e4tekongresses.<\/p>\n<p>Im Interesse der b\u00e4uerlichen und st\u00e4dtisch-kleinb\u00fcrgerlichen Klientel der DDP verlangte das Programm dar\u00fcber hinaus sowohl die Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes und seine Verteilung an selbstwirtschaftende Bauern und Landarbeiter als auch ein Vorgehen des Staats gegen Monopole, Trusts und Kartelle, um Handwerk und Kleinhandel zu sch\u00fctzen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Mit diesem Programm erhielten die Linksliberalen bei der Wahl zur Nationalversammlung knapp 19% der Stimmen, viermal mehr als die rechtsliberale DVP Stresemanns (vorher \u201eNationalliberale\u201c) mit lediglich 4,4%. Dar\u00fcber hinaus bekam die gro\u00dfenteils von katholischen Bauern und Handwerkern, aber auch von Arbeitern gew\u00e4hlte Zentrumspartei mit einem Bekenntnis gegen das Preu\u00dfentum und f\u00fcr die demokratische Republik knapp 20% der Stimmen. Das hei\u00dft: neben der Arbeiterschaft <em>strebte auch<\/em> <em>die gro\u00dfe Mehrheit des Kleinb\u00fcrgertums nach dem Krieg einen grundlegenden gesellschaftlichen Neuanfang an<\/em>.<\/p>\n<p><strong>c) Eine sozialdemokratisch gef\u00fchrte Konterrevolution<\/strong><\/p>\n<p>Umsetzen lie\u00dfen sich die angestrebten Ziele nur durch die Arbeiterbewegung, denn auf sich allein gestellt war das demokratische Kleinb\u00fcrgertum dazu nicht in der Lage \u2013 das unterschied 1918\/19 von 1848\/49. Mit dem Sturz der Hohenzollernmonarchie im November 1918 hatten die revolution\u00e4ren Arbeiter auch bewerkstelligt, was den Kleinb\u00fcrgern seinerzeit misslungen war, und somit das erste Hindernis auf dem Weg zur Umsetzung der demokratischen Revolution beseitigt.<\/p>\n<p>Der Aufbruch in eine neue Zeit w\u00e4hrte indes nicht lange, denn mit der Entstehung der Republik wurde zugleich der Grund f\u00fcr ihr baldiges Ende gelegt. Bewerkstelligt wurde dies von der SPD. Sie hatte die revolution\u00e4re Bewegung zwar nicht verhindern k\u00f6nnen, aber der preu\u00dfisch-deutsche Staat existierte nach wie vor, und diesen galt es nach ihrem Machtkonzept vor der Zerschlagung zu bewahren, um ihn unter eigener Herrschaft weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Um dies zu erreichen, ging die SPD-Spitze zweigleisig vor:<br \/>\nZum einen setzte sie sich an die Spitze der Bewegung, um diese von der Revolution wegzuleiten; mit dieser Zielsetzung bildete sie zusammen mit der USPD, der die revolution\u00e4rsten Teile der Arbeiterbewegung anhingen, am Tag nach Ausrufung der Republik eine sog. \u201eRevolutionsregierung\u201c aus je drei Vertretern beider Parteien, den sog. \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c.<br \/>\nZum andern setzte sie die im Krieg begonnene Kooperation mit den bisherigen Tr\u00e4gern des Milit\u00e4rstaats fort, um diejenigen Teile der Revolutionsbewegung, die sich politisch nicht neutralisieren lie\u00dfen, milit\u00e4risch zu bezwingen.<\/p>\n<p><strong>Rettung des untergehenden Staats<\/strong><\/p>\n<p>Noch am Abend des 10.\u00a0November, als soeben der \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c gebildet worden war, traf Ebert mit dem OHL-Vorsitzenden General Groener eine geheim gehaltene Vereinbarung, schnellstm\u00f6glich wieder \u201egesetzm\u00e4\u00dfige Zust\u00e4nde\u201c gegen die revolution\u00e4re Bewegung herzustellen (Ebert-Groener-Pakt).<\/p>\n<p>Da es aufgrund des in Aufl\u00f6sung befindlichen kaiserlichen Heeres nicht mehr gen\u00fcgend zuverl\u00e4ssige Truppenteile gab, stellte die OHL im Rahmen dieser Vereinbarung \u201eFreikorps\u201c auf, die in der Zeit zwischen dem Auseinanderfallen der kaiserlichen Wehrpflichtarmee und dem Neuaufbau des neuen, vom Versailler Vertrag zugestandenen 100.000-Mann-Heeres die Tr\u00e4ger der bewaffneten Macht in Deutschland waren. Das waren bis zu 400.000 Mann, deren Finanzierung von der SPD gesichert wurde und die auf Befehl des SPD-Manns Gustav Noske, des f\u00fcr Heer und Marine zust\u00e4ndigen Volksbeauftragten, die Revolutionsbewegung niederschlugen, aber auch im Baltikum gegen die Rote Armee und in den bewaffneten nationalen Auseinandersetzungen in Schlesien eingesetzt wurden.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis mit der OHL war f\u00fcr die Parteif\u00fchrung naheliegend, da beide Seiten das gemeinsame Interesse einte, die bisherige Staatsordnung unter republikanischem Vorzeichen zu bewahren. Dabei waren die Sozialdemokraten \u00fcberzeugt, auf dem Boden des Parlamentarismus dauerhaft die Oberhand \u00fcber ihren B\u00fcndnispartner behalten zu k\u00f6nnen. Sie hatten bis dahin von Wahl zu Wahl immer mehr Stimmen gewonnen und gingen davon aus, dass sie als st\u00e4rkste politische Kraft dauerhaft den Reichstag dominieren und die alten Herrschaftskr\u00e4fte im Griff behalten w\u00fcrden. Dass sich das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis wieder umkehren k\u00f6nnte und der Milit\u00e4radel in der Lage sein w\u00fcrde, den Parlamentarismus zu st\u00fcrzen, lag jenseits ihres Vorstellungsverm\u00f6gens.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p><strong>Schonung des gro\u00dfen Kapitals<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur der Milit\u00e4radel, auch das gro\u00dfe Kapital ging unbeschadet aus dem Novemberumsturz hervor, denn die sozialdemokratische Gewerkschaftsf\u00fchrung unterlief die Sozialisierungsforderung des R\u00e4tekongresses durch das sog. \u201eStinnes-Legien-Abkommen\u201c, das am 15.\u00a0November 1918, f\u00fcnf Tage nach dem Ebert-Groener-Pakt, unterzeichnet wurde.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Die drohende Enteignung zwang die Schwerindustriellen lediglich, den Gewerkschaften weit \u00fcber das zwei Jahre zuvor erlassene Hilfsdienstgesetz hinaus entgegenzukommen. Neben dem Acht-Stunden-Tag und der Einrichtung von Betriebsr\u00e4ten mussten sie die Gewerkschaften als offizielle Tarifpartner anerkennen und der Einrichtung einer \u201eZentralarbeitsgemeinschaft\u201c von Arbeitgebern und Gewerkschaften zustimmen, die eine dauerhafte Sozialpartnerschaft etablieren sollte. F\u00fcr den Fall des Fehlschlags von Tarifverhandlungen wurde in dem Abkommen eine staatliche Zwangsschlichtung vereinbart.<\/p>\n<p>Den Verzicht auf die Sozialisierung der Montanbetriebe begr\u00fcndeten SPD und Gewerkschaften mit der Wirtschaftslage nach der Kriegsniederlage, weshalb keine Zeit f\u00fcr gesellschaftliche Experimente sei. Aus demselben Grund wiesen sie auch die Forderung nach Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes zur\u00fcck, weil dadurch die Lebensmittelversorgung der hungernden Bev\u00f6lkerung in Gefahr geraten w\u00fcrde. Der \u00dcbergang zum Sozialismus m\u00fcsse auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verschoben werden.<\/p>\n<p><strong>d) Weiterbestehen der alten Ordnung<\/strong><\/p>\n<p>Weil die spontane Revolutionsbewegung keine politische F\u00fchrung mit einem tauglichen Programm besa\u00df, war sie gegen den koordinierten Zangenangriff der neuen und alten Machthaber hilflos. W\u00e4hrend die SPD-F\u00fchrung die R\u00e4te politisch ausman\u00f6vrierte, zerschlugen die Freikorps den Arbeiterwiderstand gegen die Restauration der alten Verh\u00e4ltnisse milit\u00e4risch, und die notwendige soziale Umw\u00e4lzung unterblieb vollst\u00e4ndig:<br \/>\n&#8211; Die Eigentumsverh\u00e4ltnisse beim Gro\u00dfgrundbesitz und in der gro\u00dfen Industrie blieben unangetastet, nicht einmal die F\u00fcrstenh\u00e4user wurden entsch\u00e4digungslos enteignet;<br \/>\n&#8211; in Form der Reichswehr blieb der Kern des preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4rstaats bestehen;<br \/>\n&#8211; der Verwaltungsapparat \u00fcberdauerte den Umsturz unver\u00e4ndert; zur Absicherung des obrigkeitlichen Beamtenstaats lie\u00df die SPD sogar die \u201ehergebrachten Grunds\u00e4tze des Berufsbeamtentums\u201c in die Weimarer Verfassung hineinschreiben;<br \/>\n&#8211; Staat und Kirche wurden nicht getrennt;<br \/>\n&#8211; Dar\u00fcber hinaus verhinderten die Sozialdemokraten die Zerschlagung des Staates Preu\u00dfen, die seit 1848 von allen fortschrittlichen Kr\u00e4ften nicht nur wegen dessen reaktion\u00e4ren Charakters, sondern auch wegen seiner erdr\u00fcckenden Gr\u00f6\u00dfe mit zwei Dritteln des Territoriums und der Bev\u00f6lkerung des Reichs gefordert wurde. Aber w\u00e4hrend im S\u00fcden Deutschlands die Katholikenpartei dominierte, rechneten sie nach den Wahlergebnissen der Vorkriegszeit in Preu\u00dfen mit dauerhaften Mehrheiten, weshalb sie das Land, das als deutscher Hegemonialstaat bis 1918 in der Hand des Junkertums gewesen war, nun als eigene Machtbastion erhalten wollten.<\/p>\n<p>Es wurde also weder der alte Staatsapparat zerschlagen und ein neuer aufgebaut noch fand ein sozialer Umsturz statt \u2013 das Wesen jeder Revolution, die diesen Namen verdient. Weil sich der \u00dcbergang in die Republik auf die Erweiterung der Rechte des Reichstags sowie die Ausdehnung des allgemeinen Wahlrechts auf Frauen beschr\u00e4nkte, war \u201edie demokratisch-parlamentarische Staatsform der Weimarer Republik \u2026 auf keine ihr entsprechende gesellschaftliche Struktur gegr\u00fcndet.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Die alte Ordnung setzte sich in neuem Gewand fort.<\/p>\n<p><strong>Fortsetzung des deutschen \u201eSonderwegs\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Von Beginn an musste die Republik sich des von den Rechtskr\u00e4ften erhobenen Vorwurfs erwehren, sie sei ein Gesch\u00f6pf der Siegerm\u00e4chte. Wollte sie das erfolgreich tun, h\u00e4tte sie sich auf ein eigenes Geburtsrecht berufen m\u00fcssen, und das konnte nur das Recht der Revolution sein. Aber den Vertretern der Republik lag nichts ferner als dies.<\/p>\n<p>Aus Anlass des zehnj\u00e4hrigen Jahrestags der Republikgr\u00fcndung gab die Reichsregierung einen dickleibigen Jubil\u00e4umsband \u201eZehn Jahre deutsche Geschichte 1918-1928\u201c heraus, zu dem sowohl der damalige Reichskanzler Hermann M\u00fcller von der SPD als auch der Au\u00dfenminister Gustav Stresemann von der DVP ein Geleitwort beisteuerten \u2013 also sowohl ein Vertreter der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung als auch ein Vertreter des B\u00fcrgertums.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> In den Texten wurde jeder Vergleich der Novemberrevolution mit der franz\u00f6sischen Revolution von 1789 zur\u00fcckgewiesen; zugleich stellte nicht <em>ein<\/em> Beitrag einen Bezug zur deutschen b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848\/49 her. Vielmehr wurde als Kernpunkt der Novemberereignisse hervorgehoben, dass es gelungen sei, die Grundlagen des Bismarck-Reichs gegen die Revolution zu erhalten. Gustav Noske, der Schl\u00e4chter der Novemberrevolution, war Autor des Beitrags, der unter dem Titel \u201eDie Abwehr des Bolschewismus\u201c die Entstehung des Weimarer Staats als Ergebnis des Kampfes gegen die Revolutionsbewegung wiedergab.<\/p>\n<p>Das Werk dokumentierte den Charakter der Republik als Produkt nicht einer siegreichen Revolution, sondern einer <em>Konterrevolution<\/em>. 1848\/49 hatte die revolution\u00e4re Freiheitsbewegung eine Niederlage erlitten, weil der rechte Fl\u00fcgel des B\u00fcrgertums gemeinsame Sache mit dem preu\u00dfischen Milit\u00e4rstaat gemacht hatte. 1918\/19 verhinderte der rechte Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung im B\u00fcndnis mit dem Junkertum den demokratisch-sozialen Umsturz \u2013 <em>die historisch \u00fcberf\u00e4llige b\u00fcrgerliche Revolution scheiterte ein weiteres Mal, <\/em>und der deutsche \u201eSonderweg\u201c setzte sich fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Die Voraussetzung des NS-Aufstiegs \u2013 eine Republik ohne Basis<\/strong><\/p>\n<p>Das Scheitern der Revolution hatte zur Folge, dass der Staat von Weimar keine hinreichende gesellschaftliche Grundlage besa\u00df. 1909 hatte der Bruch des Reichsgr\u00fcndungskompromisses eine Hegemoniekrise verursacht, aus der 1914 der Erste Weltkrieg entsprang. Da aus Krieg und Revolution kein neuer \u201econtrat social\u201c hervorging, der die Verh\u00e4ltnisse stabilisieren konnte, setzte sich die Krise von Gesellschaft und Staat in der Weimarer Republik fort und schuf die Voraussetzungen f\u00fcr den Aufstieg des Nationalsozialismus und seine Macht\u00fcbernahme 1933.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Junkertum und Montanbourgeoisie daran machten, den Weimarer Parlamentarismus wieder zu beseitigen und ihre vorherige Machtstellung zur\u00fcckzuerobern, war es insbesondere das Kleinb\u00fcrgertum, das nach der Kriegsniederlage, dem Untergang des Kaiserreichs und dem Fehlschlag eines gesellschaftlichen Neuanfangs nach einer neuen Perspektive suchte und diese schlie\u00dflich im Nationalsozialismus fand.<\/p>\n<p><strong>a) Wiederauferstehung von Junkertum und Bourgeoisie<\/strong><\/p>\n<p>Da die bisherigen Herrschaftskr\u00e4fte sowohl ihre soziale Basis als auch die meisten ihrer Machtpositionen in Gesellschaft und Staat behalten hatten, unternahmen sie gleich nach dem Abflauen der Revolutionsbewegung mit dem Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch einen ersten Versuch, den neuen Staat wieder zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Als am 13.\u00a0M\u00e4rz 1920 Freikorpseinheiten in Berlin einmarschierten, das Regierungsviertel besetzten und die Regierung f\u00fcr abgesetzt erkl\u00e4rten, erwarteten die Putschisten, dass die Reichswehrf\u00fchrung an ihre Seite treten w\u00fcrde, weil die Ziele beider Seiten identisch waren. Doch die Weltkriegssiegerm\u00e4chte hatten klar gemacht, dass sie keinen Rechtsputsch dulden w\u00fcrden, dessen Tr\u00e4ger den Friedensvertrag nicht anerkannten und Revanche f\u00fcr Versailles forderten. Und da die Alliierten milit\u00e4risch weit \u00fcberlegen waren, ihre Truppen das Rheinland besetzt hielten und dessen Abspaltung vom Reich drohte, blieb die Reichswehr unter General v.Seekt neutral und verweigerte auch die Berliner Ministerialverwaltung die Zusammenarbeit mit den Putschkr\u00e4ften.<\/p>\n<p><strong>Die Reichswehr als \u201eStaat im Staat\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite weigerte sich die Reichswehr gleichzeitig, die Staatsf\u00fchrung zu verteidigen (mit der Begr\u00fcndung \u201eReichswehr schie\u00dft nicht auf Reichswehr\u201c), so dass die SPD gezwungen war, wider Willen einen Generalstreik zu ihrer Rettung auszurufen, der nach einigem Z\u00f6gern von USPD und KPD mitgetragen wurde, das \u00f6ffentliche Leben stilllegte und die Putschkr\u00e4fte zum Aufgeben brachte. Es konnte daher so scheinen, als ob die Demokratie einen Sieg davongetragen h\u00e4tte, doch in Wirklichkeit war das Gegenteil der Fall: Obwohl das Milit\u00e4r nicht mehr wie im Kaiserreich au\u00dferhalb der Verfassung stand, hatte es der Regierung den Gehorsam verweigert, ohne dass sich daraus Konsequenzen ergaben. Weder wurde v.Seekt durch einen republiktreuen General ersetzt, geschweige denn wegen Befehlsverweigerung vor Gericht gestellt. Nur wenig mehr als ein Jahr nach seinem Sturz hatte der preu\u00dfisch-deutsche Milit\u00e4radel also die au\u00dferfassungsm\u00e4\u00dfige Stellung des Milit\u00e4rs wiedererlangt und bestimmte aus eigener Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber den Einsatz der bewaffneten Macht.<\/p>\n<p>Als \u201eStaat im Staat\u201c arbeitete die Reichswehr in den kommenden Jahren darauf hin, die Republik zu beseitigen, sobald die Umst\u00e4nde dies zulie\u00dfen &#8211; und das bedeutete: sobald mit dem Versailler Friedensvertrag die Eingriffsrechte der alliierten Siegerm\u00e4chte endeten. Als dann 1925 mit Paul von Hindenburg der ehemalige Chef der Obersten Heeresleitung zum Reichspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde, war das Junkertum im Besitz einer zweiten zentralen Machtposition, um sein Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Die Bourgeoisie ohne Hegemonialkonzept<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik der Bourgeoisie war mehr als zwei Jahrzehnte lang durch den Imperialismus bestimmt worden; er hatte das gesamte b\u00fcrgerliche Lager unter F\u00fchrung der Nationalliberalen geeint und die Gefolgschaft des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums gesichert. Jetzt war nicht nur das Kleinb\u00fcrgertum in der Novemberrevolution an die Seite der Arbeiterbewegung getreten, au\u00dferdem fehlten f\u00fcr eine Neuauflage der Imperialismuspolitik alle Voraussetzungen, da das Reich seine Kolonien abgeben musste, die Schlachtflotte zerst\u00f6rt war und der Versailler Vertrag den Bau neuer Schlachtschiffe verbot.<\/p>\n<p>\u00dcber ein konsensf\u00e4higes neues politisches Konzept als Ersatz verf\u00fcgte die Bourgeoisie nicht. Ein Fl\u00fcgel, der vor allem in der Chemie und Elektroindustrie zu Hause war, pl\u00e4dierte f\u00fcr einen Sozialkompromiss mit der Arbeiterschaft und einen Br\u00fcckenschlag zur Sozialdemokratie, verbunden mit der Anerkennung der parlamentarischen Republik. Das h\u00e4tte die \u201esoziale Marktwirtschaft\u201c vorweggenommen, die nach dem 2.\u00a0Weltkrieg in der Bonner Republik die b\u00fcrgerliche Hegemonie \u00fcber die Arbeiterschaft sicherte. Eine solche Politik war jedoch nicht mehrheitsf\u00e4hig, denn gest\u00fctzt auf ihr wirtschaftliches \u00dcbergewicht blieb die Montanbourgeoisie im b\u00fcrgerlichen Lager tonangebend. Sie lehnte einen Klassenkompromiss mit der Arbeiterschaft ebenso ab wie den mit dem allgemeinen Wahlrecht verkn\u00fcpften Parlamentarismus und k\u00e4mpfte gemeinsam mit dem herrschaftsgewohnten preu\u00dfischen Milit\u00e4radel f\u00fcr die R\u00fcckkehr zu den alten Machtverh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<p>Sobald die Enteignungsgefahr durch die R\u00e4tebewegung vor\u00fcber war, unterlief die Schwerindustrie das Stinnes-Legien-Abkommen, stellte den Achtstundentag in Frage und sabotierte die Zentrale Arbeitsgemeinschaft, bis der ADGB sich Anfang 1924 gen\u00f6tigt sah, aus ihr auszutreten. Au\u00dferdem ging sie daran, das System der staatlichen Zwangsschlichtung bei Tarifkonflikten anzugreifen, das ihre \u201eHerr-im-Hause\u201c-Politik einschr\u00e4nkte und dem Weimarer Staat eine St\u00fctze in der Arbeiterschaft verschaffte.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche Schw\u00e4che verk\u00f6rperte sich in der Partei der Nationalliberalen, die als Tr\u00e4gerin des Klassenkompromisses mit dem Junkertum \u00fcber Jahrzehnte hinweg die b\u00fcrgerliche F\u00fchrungspartei gewesen war. Nach dem Ende der Monarchie unter F\u00fchrung Stresemanns als Deutsche Volkspartei DVP neu gegr\u00fcndet, wechselte ein Teil ihres rechten Fl\u00fcgels zur Deutschnationalen Volkspartei DNVP \u00fcber, einem Zusammenschluss der beiden konservativen Parteien des Kaiserreichs. Doch trotz des Aderlasses blieben die verbliebenen Montanindustriellen in der geschw\u00e4chten Partei weiterhin tonangebend. Die DVP lehnte die Republik ab und war lediglich bereit, sie als Fakt anzuerkennen, um je nach Gegebenheit auf die Regierungspolitik einwirken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>b) Abwendung der Massen von der Republik<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die bisherigen Herrschaftsklassen ihre Stellung konsolidierten, wandten sich die Massen von der Republik ab. Der Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch erwies sich auch hier als Markstein, denn die Putschf\u00fchrer hatten nicht einfach kapituliert, sondern mit der Regierung ausgehandelt, dass das Mandat der Nationalversammlung vorzeitig beendet wurde und umgehend Neuwahlen stattfanden.<\/p>\n<p>Am 6.\u00a0Juni 1920 fanden diese Wahlen statt und waren f\u00fcr die Parteien der Republik vernichtend. Hatten sie bei der Wahl zur Nationalversammlung anderthalb Jahre zuvor 76,2% der Stimmen erhalten, so stimmten jetzt nur noch 43,6% f\u00fcr sie, und dabei blieb es bei allen folgenden Wahlen: es gelang der \u201eWeimarer Koalition\u201c zu keinem Zeitpunkt mehr, die Mehrheit des Wahlvolks zur\u00fcck zu gewinnen. Das hei\u00dft, die parlamentarische Demokratie hatte bereits nach etwas mehr als einem Jahr ihren R\u00fcckhalt in den Massen verloren und verf\u00fcgte auch \u00fcber keine republiktreuen Truppen. Weder politisch noch milit\u00e4risch in der Lage, sich aus eigener Kraft zu erhalten, sicherten vorl\u00e4ufig nur die Vorbehaltsrechte der westlichen Alliierten aus dem Versailler Vertrag ihre Weiterexistenz.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Verluste erlitt die SPD, der Millionen von Arbeitern den R\u00fccken kehrten, so dass ihr Stimmenanteil von 37,9\u00a0% auf 21,6% fast halbiert wurde. Die Wahl beendete ihren jahrzehntelangen Aufstieg und entzog ihrer Machtkonzeption auf einen Schlag den Boden, denn sie verlor damit die beherrschende Stellung im Parlament. Nur einmal noch konnte sie \u2013 auf Gnaden der DVP \u2013 in der Sondersituation von 1928 bis 1930 eine Regierung bilden, als es mit dem Young-Plan um die Demontage des Versailler Vertrags ging. Dar\u00fcber hinaus konnte sie lediglich im Land Preu\u00dfen durchg\u00e4ngig an der Regierung bleiben, bis sie 1932 auch dort entmachtet wurde.<\/p>\n<p>Die SPD war jedoch keine Partei wie die anderen. Sie hatte die Weimarer Republik aus der Taufe gehoben, ihr die Gestalt gegeben und war <em>die<\/em> <em>Staatspartei Weimars<\/em> schlechthin. Durch ihre Politik in der Novemberrevolution hatte sie nicht nur ihr eigenes Grab und das der Republik geschaufelt, sondern mit der Rettung des preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4rs auch ihren k\u00fcnftigen Totengr\u00e4ber bestellt.<\/p>\n<p><strong>Niedergang der demokratischen Liberalen<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die SPD wurde in der Reichstagswahl 1920 von der Arbeiterschaft f\u00fcr ihre Konterrevolutionspolitik abgestraft, auch die linksliberale DDP verlor mehr als die H\u00e4lfte ihrer W\u00e4hlerschaft und st\u00fcrzte von 18,6 auf 8,4\u00a0% der Stimmen ab, w\u00e4hrend im Gegenzug die DVP auf 14\u00a0% anwuchs. In nur wenig mehr als einem Jahr war also ein Gro\u00dfteil der liberalen W\u00e4hler von Bef\u00fcrwortern des demokratischen Umsturzes zu Gegnern der Republik geworden, so dass sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse innerhalb des b\u00fcrgerlich-liberalen Lagers wieder umgekehrt hatten.<\/p>\n<p>Die Abwendung von der parlamentarischen Demokratie wurde durch die Inflationspolitik der Republik weiter gef\u00f6rdert. Viele Selbst\u00e4ndige hatten im Krieg Kriegsanleihen gezeichnet, teils aus nationaler Begeisterung, aber auch zur Sicherung ihrer Altersversorgung. Als die kriegsbedingten Staatsschulden durch die Inflation wegschmolzen wie Butter an der Sonne, ohne dass die Republik den kleinen Anleihegl\u00e4ubigern einen Ausgleich gew\u00e4hrte, sahen sich diese im Alter der Armut ausgesetzt und hatten einen Grund mehr, sich gegen den Weimarer Staat zu wenden. Der Niedergang des linksb\u00fcrgerlichen Fl\u00fcgels setzte sich ohne Unterbrechung fort. Bei der Reichstagswahl 1928 erhielt die DDP 4,9% der Stimmen, 1932 noch 1,0%, und 1933 stimmten ihre letzten Vertreter im Reichstag f\u00fcr das von Hitler eingebrachte Erm\u00e4chtigungsgesetz und damit f\u00fcr das Ende der Republik.<\/p>\n<p>In der Revolution von 1848\/49 hatte das Kleinb\u00fcrgertum mit seinem Kampf f\u00fcr einen deutschen Nationalstaat und die Demokratie die preu\u00dfische Milit\u00e4rmonarchie an den Rand einer Niederlage gebracht, und 1918\/19 focht es an der Seite der Arbeiterbewegung f\u00fcr die Durchsetzung einer revolution\u00e4ren Demokratie. 1933 bildete dasselbe Kleinb\u00fcrgertum die Hauptst\u00fctze des Nationalsozialismus, als dieser die Macht \u00fcbernahm und daran ging, in Deutschland einen Staat zu errichten, der dem Rad der Geschichte jenseits des von der b\u00fcrgerlichen Revolution eingeschlagenen Wegs eine andere Richtung geben sollte.<\/p>\n<p><strong>c) Rechtswendung des Kleinb\u00fcrgertums<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Erstarken der Rechtskr\u00e4fte lebte auch die v\u00f6lkische Bewegung auf. Deren Anh\u00e4nger fanden sich \u201ebesonders in den urbanen und industriellen Ballungszentren, namentlich in der \u201agebildeten, hyperideologischen Mittelschicht\u2018. Auffallend viele Journalisten, Publizisten, Schriftsteller, Lehrer, Professoren, Beamte, Offiziere, Pfarrer, \u00c4rzte und Rechtsanw\u00e4lte standen in vorderster v\u00f6lkischer Reihe, als \u201aSystembauer\u2018, Ideologieproduzenten und insbesondere als Multiplikatoren der Weltanschauung.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ankn\u00fcpfend an das Gedankengut der Vorkriegszeit stellten sie der franz\u00f6sischen Revolution von 1789 die \u201eIdeen von 1914\u201c entgegen, als sich das deutsche Volk zu Kriegsbeginn scheinbar \u00fcber alle Klassen- und Standesschranken hinweg \u201ewie ein Mann\u201c gegen den heimt\u00fcckischen \u00dcberfall der Entente erhoben hatte. Sie machten f\u00fcr die Kriegsniederlage undeutsche, marxistisch-internationalistische Kr\u00e4fte verantwortlich und erkl\u00e4rten die Republik zu einer den Deutschen aufgezwungenen Demokratie der Alliierten. \u201eDas liberale parlamentarische System galt als eine vom Westen aufgepfropfte, der deutschen politischen Tradition fremde Verfassung, als Ausfluss der Ideen von 1789, gegen die man im Ersten Weltkrieg angetreten war und deren Durchsetzung angeblich zur dauernden Knebelung der nationalen Kraft Deutschlands f\u00fchren musste.\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Fr\u00fcher randst\u00e4ndig und insbesondere in den agrarischen Klassen verbreitet, diente der Antisemitismus nun dazu, im zersetzenden Einfluss des Judentums eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Kriegsniederlage zu finden. \u201eDer Antisemitismus wurde das entscheidende ideologische Bindeglied der verschiedenen, sich oftmals bek\u00e4mpfenden nationalistischen und v\u00f6lkischen Gruppierungen, die gemeinsame ideologische Plattform f\u00fcr den Kampf gegen die parlamentarisch-demokratische Neuordnung.\u201c<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Besondere Resonanz fand das v\u00f6lkische Ideengut in den Freikorps, die im Auftrag der SPD-gef\u00fchrten Regierung von Offizieren des alten Heeres aufgestellt wurden. Ein Gro\u00dfteil der Freikorps war vom Hass gegen die \u201eVaterlandsverr\u00e4ter\u201c beseelt, die dem k\u00e4mpfenden deutschen Heer 1918 in den R\u00fccken gefallen waren, und dazu wurde auch die SPD gez\u00e4hlt, die durch die Revolution an die Macht gelangt war. Mit diesen Freikorpsangeh\u00f6rigen hatten Ebert und Co. sich ihre geschworenen Feinde herangez\u00fcchtet, einen Gewalthaufen milit\u00e4risch ausgebildeter und v\u00f6lkisch entschlossener M\u00e4nner, die auf die Stunde der Abrechnung mit der Weimarer Demokratie und der SPD warteten.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcndung der NSDAP<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Milieu aus v\u00f6lkischen und militant nationalistischen, republikfeindlichen Gruppierungen gr\u00fcndete sich in M\u00fcnchen Anfang 1919 als eine von vielen gleichartigen Organisationen die <em>Deutsche Arbeiterpartei<\/em> DAP, die sich ein Jahr sp\u00e4ter in <em>Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei<\/em> umbenannte und als Parteiprogramm ein 25-Punkte-Programm verabschiedete.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Programm wandte sich zum Schutz von Handwerk und Kleinhandel gegen Trusts und die gro\u00dfen Warenh\u00e4user und verlangte eine Bodenreform incl. der unentgeltlichen Enteignung von Boden f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Zwecke. Daneben trat es f\u00fcr einen gro\u00dfz\u00fcgigen Ausbau der Altersversorgung sowie der Volksbildung ein, darin eingeschlossen die staatliche F\u00f6rderung der Kinder armer Eltern ohne R\u00fccksicht auf deren Stand. Au\u00dferdem sprach es sich gegen \u201eS\u00f6ldnertruppen\u201c aus, d.h. gegen das aus Berufssoldaten bestehende 100.000-Mann-Heer der Weimarer Republik, und forderte den Aufbau eines Volksheers.<\/p>\n<p>Zu einem erheblichen Teil wies das Programm also Gemeinsamkeiten mit dem Gr\u00fcndungsprogramm der DDP auf, was auf die gemeinsame soziale Basis beider Organisationen im Kleinb\u00fcrgertum verweist. Jenseits davon war es v\u00f6lkisch und antisemitisch ausgerichtet. Es verlangte, das \u201eSittlichkeits- und Moralgef\u00fchl der germanischen Rasse\u201c zu sch\u00fctzen und den \u201ej\u00fcdisch-materialistischen Geist\u201c zu bek\u00e4mpfen, weshalb als \u201eVolksgenosse\u201c nur gelten sollte, wer \u201edeutschen Blutes\u201c sei; Juden d\u00fcrften daher keine Staatsb\u00fcrger sein.<\/p>\n<p>Mit dieser Partei trat Adolf Hitler zun\u00e4chst als V-Mann der Reichswehr in Kontakt, wurde im September 1919 Mitglied und im Juli 1921 ihr Vorsitzender. Als der junkerliche Reichspr\u00e4sident diesem Mann 1933 mit Zustimmung der Bourgeoisie die Kanzlerschaft \u00fcbergab, konnte der Nationalsozialismus daran gehen, in radikaler Abkehr vom Weg der b\u00fcrgerlichen Revolution einen neuen Staat zu errichten &#8211; einen Rassenstaat deutscher Nation.<\/p>\n<p>Die b\u00fcrgerliche Produktionsweise blieb davon unber\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Baden<\/strong>, Max von: Erinnerungen und Dokumente, neu hrsg. von Golo Mann und Andreas Burckhardt. Mit einer Einleitung von Golo Mann; Stuttgart 1968<br \/>\n<strong>Breuer<\/strong>, Stefan: Nationalismus und Faschismus. Frankreich, Italien und Deutschland im Vergleich, Darmstadt 2005<br \/>\n<strong>Breuer<\/strong>, Stefan: Die V\u00f6lkischen in Deutschland. Kaiserreich und Weimarer Republik; Wiss. Buchges.: Darmstadt 2008<br \/>\n<strong>Grebing<\/strong>, Helga: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung; dtv: M\u00fcnchen 1970<br \/>\n<strong>Herbert<\/strong>, Ulrich: Geschichte Deutschlands im 20.\u00a0Jahrhundert; Beck: M\u00fcnchen 2017<br \/>\n<strong>K\u00e4ppner<\/strong>, Joachim: 1918. Aufstand f\u00fcr die Freiheit. Die Revolution der Besonnenen: Piper; M\u00fcnchen 2017<br \/>\n<strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner: Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg; VSA: Hamburg 2014<br \/>\n<strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner: Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar; VSA: Hamburg 2017<br \/>\n<strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner \/ <strong>Wegner<\/strong>, J\u00f6rn \/ <strong>Wernecke<\/strong>, Klaus \/ <strong>Wollenberg<\/strong>, J\u00f6rg: Macht und Krieg. Hegemoniekonstellationen und Erster Weltkrieg; VSA: Hamburg 2015<br \/>\n<strong>Karuscheit<\/strong>, Heiner \/ <strong>Sauer<\/strong>, Bernhard \/ <strong>Wernecke<\/strong>, Klaus: Vom \u201eKriegssozialismus\u201c zur Novemberrevolution; VSA: Hamburg 2018<br \/>\n<strong>Kolb<\/strong>, Eberhard \/ <strong>Schumann<\/strong>, Dirk: Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundrisse der Geschichte, Band 16); Oldenbourg: M\u00fcnchen 2013<br \/>\n<strong>Kl\u00f6nne<\/strong>, Arno: Die deutsche Arbeiterbewegung vor 1914 \u2013 eine Friedensbewegung? In: Heiss, Gernot\/ Lutz, Heinrich: Friedensbewegungen: Bedingungen und Wirkungen, S.\u00a0136-151; M\u00fcnchen 1984<br \/>\n<strong>Kl\u00f6nne<\/strong>, Arno: Die deutsche Arbeiterbewegung. Geschichte, Ziele, Wirkungen; M\u00fcnchen 1989<br \/>\n<strong>Longerich,<\/strong> Peter: Deutschland 1918-1933. Die Weimarer Republik. Handbuch zur Geschichte; Fackeltr\u00e4ger-Verlag: Hannover 1995<br \/>\n<strong>Longerich,<\/strong> Peter: Hitler. Biographie; Siedler Verlag: M\u00fcnchen 2015<br \/>\n<strong>MEW<\/strong> = Karl Marx und Friedrich Engels: Gesammelte Werke, Berlin 1956 ff<br \/>\n<strong>Miller<\/strong>, Susanne: Die B\u00fcrde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918\u20131920 = Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 63, Droste, D\u00fcsseldorf 1978<br \/>\n<strong>Mommsen<\/strong>, Hans: Aufstieg und Untergang der Republik von Weimar; Ullstein: Berlin 2009<br \/>\n<strong>Mosse<\/strong>, George L.: Rassismus: Krankheitssymptom in der europ\u00e4ischen Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts; Athen\u00e4um Verlag: K\u00f6nigstein\/Ts. 1978<br \/>\n<strong>Niess<\/strong>, Wolfgang: Die Revolution von 1918\/19 in der deutschen Geschichtsschreibung. Deutungen von der Weimarer Republik bis ins 21.Jahrhundert; Europa-Verlag: Berlin 2013<br \/>\n<strong>Nipperdey<\/strong>, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1918, Band II: Machtstaat vor der Demokratie; Beck: M\u00fcnchen 1998<br \/>\n<strong>Puschner<\/strong>, Uwe: Die v\u00f6lkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache &#8211; Rasse \u2013 Religion; Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 2001<br \/>\n<strong>Rosenberg<\/strong>, Arthur: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik, Teil 1 und 2 in einem Band; Syndikat\/EVA: Frankfurt\/M 1983<br \/>\n<strong>R\u00fcrup<\/strong>, Reinhard: Probleme der Revolution in Deutschland 1918\/19; Franz Steiner Verlag: Wiesbaden 1968<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Karuscheit 2014, S.\u00a0101ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Breuer 2008 und Puschner<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Longerich 1995, S.213; s.a. Nipperdey 1998: Machtstaat, S. 602ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Mosse 1978, S. 148, 150<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Karuscheit: Die SPD und der Junkerstaat; in: Karuscheit u.a. 2018<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Grebing 1970, S.\u00a0138f<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> In der Linken wird der sozialdemokratische \u201eVerrat\u201c an der Novemberrevolution bis heute darauf zur\u00fcckgef\u00fchrt, dass die SPD in der Vorkriegszeit <em>verb\u00fcrgerlicht <\/em>sei, weil sich die offiziell zur\u00fcckgewiesenen Positionen Bernsteins hinterr\u00fccks durchgesetzt h\u00e4tten. Diese Erkl\u00e4rung ist auch in dem Buch \u201cDeutschland 1914 \u2013 Vom Klassenkompromiss zum Krieg\u201c enthalten (S.\u00a0186). Die vertiefte Besch\u00e4ftigung mit dem Thema, angeregt u.a. durch die Arbeiten von Grebing und Kl\u00f6nne, hat den Autor zu der Erkenntnis gef\u00fchrt, dass die Anpassung an den Staat, dem Charakter des Kaiserreichs entsprechend, nicht die <em>Verb\u00fcrgerlichung<\/em>, sondern die <em>Verpreu\u00dfung<\/em> der SPD zur Folge hatte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Karuscheit 2014, S. 179ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ein Vergleich der Ausgangslage von 1914 mit der von 1911 hat immer schon Fragen aufgeworfen. 1911 stand das Kaiserreich in der Marokko-Krise lediglich Frankreich und Gro\u00dfbritannien gegen\u00fcber, weil Russland erkl\u00e4rte, dass es einen Krieg um Kolonien nicht als B\u00fcndnisfall betrachten w\u00fcrde. Dementsprechend hoch w\u00e4ren die deutschen Siegesaussichten gewesen, weshalb die Organe der Bourgeoisie den Kanzler Bethmann auch aufs heftigste attackierten und der Feigheit ziehen. Dagegen ging Deutschland drei Jahre sp\u00e4ter in einen viel riskanteren Zweifrontenkrieg, in dem das Zarenreich auf der Seite der Westm\u00e4chte stand.<\/p>\n<p>Erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich dies nur, wenn man begreift, dass der entscheidende Grund f\u00fcr den Krieg nicht aus der au\u00dfenpolitischen Lage, sondern aus den innergesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen resultierte: die Junker waren 1911 nicht bereit zu einem Krieg, der allein im Interesse der Bourgeoisie lag. Dagegen erschien ihnen der Krieg 1914 als letzter Ausweg aus ihrer immer bedrohlicher werdenden Lage.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Karuscheit 2017, S.50ff. Da nach der russischen Februarrevolution die Kriegsm\u00fcdigkeit des Volkes sprunghaft angewachsen war, stellte die SPD-F\u00fchrung parallel zum Kanzlersturz die Fortf\u00fchrung des Kriegs noch durch ein besonderes politisches Man\u00f6ver sicher: sie verabschiedete zusammen mit dem Zentrum und den Linksliberalen eine Friedensresolution des Reichstags, die einen Frieden \u201eohne Annexionen und Kontributionen\u201c forderte \u2013 das war der Frieden, den Bethmann mit den Kriegsgegnern hinter verschlossenen T\u00fcren dabei war zu verhandeln. Da Bethmanns Nachfolger Michaelis statt einer Fortf\u00fchrung der Gespr\u00e4che die Kriegsf\u00fchrung verst\u00e4rkte und die Alliierten auf die Resolution nicht reagierten, konnte die SPD erkl\u00e4ren, dass der Gegner die zum Frieden ausgestreckte Hand des deutschen Volkes ausgeschlagen h\u00e4tte, so dass nichts anderes \u00fcbrigblieb, als den Kampf fortzusetzen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Bereits am 6.\u00a0November 1918 hatten sich angesichts der zunehmenden Unruhen die bisherigen und k\u00fcnftigen Inhaber der Macht getroffen, um \u00fcber die Verhinderung der Revolution zu beraten. Max von Baden, der noch amtierende Reichskanzler, beschrieb das Verh\u00e4ltnis zwischen den Beteiligten wie folgt: \u201eGegen Mittag kamen, wie verabredet, die sozialdemokratischen Parteif\u00fchrer und Gewerkschaftler in die Reichskanzlei, um sich mit dem General Groener auszusprechen: Scheidemann, Bauer, Legien, Robert Schmidt, David, S\u00fcdekum, Ebert waren erschienen \u2026 Vom ersten Augenblick \u2026 war das alte Vertrauen da. Es war, als wollten die Herren sagen: Wir, die Arbeiterf\u00fchrer und der General, haben schon einmal im Interesse des Landes unsere Bundesgenossenschaft bew\u00e4hrt. Wir sind gekommen, um sie in dieser Stunde zu erneuern.\u201c (Baden, S.\u00a0591) Vier Tage sp\u00e4ter bekr\u00e4ftigte der \u201eEbert-Groener-Pakt\u201c die Bundesgenossenschaft der beiden politischen Lager.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Scheidemann war ein innerparteilicher Konkurrent Eberts und rief die Republik im Alleingang aus, mit der Begr\u00fcndung, dass er der Ausrufung einer <em>sozialistischen<\/em> Republik durch Karl Liebknecht (die kaum Resonanz fand) zuvorkommen musste. Dahinter konnte die Parteif\u00fchrung anschlie\u00dfend nicht zur\u00fcck, doch Scheidemann wurde, sobald die Umst\u00e4nde es zulie\u00dfen, aus der Berliner Reichspolitik nach Kassel als Oberb\u00fcrgermeister abgeschoben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> R\u00fcrup, S.50; der revolution\u00e4r-<em>demokratische <\/em>Grundzug der R\u00e4tebewegung wird mittlerweile von der Revolutionsforschung kaum noch bestritten; vgl. Kolb\/Schumann, S.\u00a015f; Niess 2013 und K\u00e4ppner 2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Gr\u00fcndungsprogramm der DDP: www.1000dokumente.de\/index.html?c=dokument_de&amp;dokument=0002_ddp&amp;l=de<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Die Zusammenarbeit der SPD-F\u00fchrung mit der OHL hat immer schon Fragen nach ihrer Mitverantwortung f\u00fcr den sp\u00e4teren Untergang der Republik aufgeworfen, insbesondere nachdem die Revolutionsforschung nachgewiesen hat, dass die als Rechtfertigung angef\u00fchrte bolschewistische Gefahr ein \u201epropagandistischer Popanz\u201c war, wie Wolfram Wette es formulierte.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt unter dem Einfluss SPD-naher Historiker\/-innen hat die Geschichtsschreibung daf\u00fcr die Begr\u00fcndung der sozialdemokratischen \u201eMachtscheu\u201c gefunden: Ebert und Co. sollen die Zusammenarbeit mit den alten Eliten gesucht haben, weil sie von der unverhofft zugefallenen Herrschaft \u00fcberfordert waren (wegweisend daf\u00fcr Susanne Miller: Die B\u00fcrde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918\u20131920; D\u00fcsseldorf 1978). Diese Erkl\u00e4rung negiert nicht nur die Verpreu\u00dfung der SPD, sie negiert auch, dass die Parteif\u00fchrung mit der \u00dcbernahme des Bismarck-Staats ein klares Machtkonzept verfolgte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Hugo Stinnes war der Sprecher der (Schwer-)Industrie und Carl Legien Gewerkschaftsvorsitzender<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Grebing 1970, S.155<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Otto Stollberg Verlag, Berlin 1928<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Uwe Puschner: Die v\u00f6lkische Bewegung; Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung =\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/230022\/die-voelkische-bewegung\">http:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/230022\/die-voelkische-bewegung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Hans Mommsen 2009, S.243<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Bernhard Sauer: Freikorps und Antisemitismus in der Fr\u00fchzeit der Weimarer Republik, S.2 = <a href=\"http:\/\/www.bernhard-sauer-historiker.de\/sauer_heft1_2008.pdf\">http:\/\/www.bernhard-sauer-historiker.de\/sauer_heft1_2008.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> 25-Punkte-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (24.02.1920); <a href=\"http:\/\/www.documentarchiv.de\/wr\/1920\/nsdap-programm.html\">http:\/\/www.documentarchiv.de\/wr\/1920\/nsdap-programm.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit Vorbemerkung Sechzehn Jahre nach dem Sieg der Oktoberrevolution in Russland bedeutete der Herrschaftsantritt des Nationalsozialismus in Deutschland 1933 eine schwere Niederlage f\u00fcr die kommunistische Weltbewegung. 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