{"id":2692,"date":"2023-05-26T18:07:05","date_gmt":"2023-05-26T16:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2692"},"modified":"2023-05-26T18:07:05","modified_gmt":"2023-05-26T16:07:05","slug":"ein-falsch-verstandener-lenin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2692","title":{"rendered":"Ein falsch verstandener Lenin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMal ganz davon abgesehen, dass Lenin pers\u00f6nlich sich mit seiner ber\u00fchmten br\u00fcsken Direktheit verbeten h\u00e4tte, von Leuten gefeiert zu werden, die ihn zum Professor f\u00fcr Global\u00f6konomie ernennen wollen &#8211; \u2026 die vor der heiklen Geschichte mit den Klasseninteressen in die Wertlehre fliehen, \u2026 oder vor der ganzen Revolutionsproblematik in eine ersch\u00f6pfende Untersuchung der internationalen Kreditbeziehungen \u2013 wer dergleichen tut, \u2026 versteht keinen Satz, den Lenin geschrieben hat. \u2026 Lenin (h\u00e4tte) sich lieber komplett geirrt, als nichts ausgerichtet zu haben. Das ist der Unterschied ums Ganze.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alfred Schr\u00f6der<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>Ukrainekrieg und Imperialismustheorie<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u00a01. <\/strong><strong>Einige politische Bemerkungen vorweg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist inzwischen mehr als ein Jahr her, dass Russland die Ukraine mit offen imperialer Begr\u00fcndung angriff. Putins Rechtfertigungen f\u00fcr diesen Krieg &#8211; ausf\u00fchrlich in meinem letzten Artikel zu diesem Thema zitiert \u2013 sind eindeutig und ganz im Geist der Romanow-Zaren formuliert. (<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2359\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2359<\/a>) Kurz gefasst: Die Ukraine ist eine Sch\u00f6pfung Lenins und der Bolschewiki und damit eigentlich keine eigenst\u00e4ndige Nation, sondern ein im Westen liegender Teil der russischen Nation, der zum Mutterland zur\u00fcckgef\u00fchrt werden muss, um die Fehler Lenins zu korrigieren. Putin formulierte dies in seiner Rede folgenderma\u00dfen: \u201eSeit jeher nannten sich die Bewohner der s\u00fcd\u00f6stlichen, historischen altrussischen Lande Russen und Orthodoxe. So war es vor dem 17.\u00a0Jahrhundert, als sich ein Teil dieser Gebiete wieder mit dem Russl\u00e4ndischen Staat vereinte, und so blieb es danach.\u201c F\u00fcr Putin wie f\u00fcr die Romanow-Zaren waren die Ukrainer danach schon immer Russen, obwohl sie in der wirklichen Geschichte erst im 17. Jahrhundert durch kriegerische Eroberung ins Zarenreich \u201eeingegliedert\u201c wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diese Aussage war kein Einzelfall. Auch zum Baltikum \u00e4u\u00dferte sich Putin eindeutig: Danach war auch das Baltikum lt. Putin im Nordischen Krieg durch Peter nur \u201ezur\u00fcckerobert\u201c worden und geh\u00f6rte schon immer zu Russland. Auf Russia Today wird er mit den Worten zitiert: \u201eDer Zar gr\u00fcndete die Stadt St.\u00a0Petersburg im Jahre 1703, nach der Eroberung des Gebietes w\u00e4hrend des Gro\u00dfen Nordischen Krieges. \u201aEr nahm nichts weg, er nahm etwas zur\u00fcck\u2018, sagte Putin und spielte damit auf einen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr die aktuelle Krise in der Ukraine an.\u201c (<a href=\"https:\/\/test.rtde.tech\/kurzclips\/video\/140783-putin-inspiriert-von-erfolgen-peters\/\">https:\/\/test.rtde.tech\/kurzclips\/video\/140783-putin-inspiriert-von-erfolgen-peters\/<\/a><u>)<br \/>\n<\/u>Und auf Russia Today findet sich am 22.09.2022 ein Artikel zur russischen Flagge mit ebensolchem historischem Bezug: \u201eDie wei\u00df-blau-rote Flagge bleibt in erster Linie ein Symbol der langen und vielleicht ber\u00fchmtesten \u00c4ra in der russischen Geschichte \u2013 der Zeit der imperialen Zaren. \u2026 Welches Schicksal auch immer Russland noch widerfahren mag, es w\u00e4re schwer vorstellbar, dies unter einer anderen Flagge erleben zu m\u00fcssen.\u201c (<a href=\"https:\/\/test.rtde.world\/russland\/148651-jesus-byzanz-und-slawisches-erbe\/\">https:\/\/test.rtde.world\/russland\/148651-jesus-byzanz-und-slawisches-erbe\/<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits geschah dieser russische \u00dcberfall nicht anlasslos und \u201eaus heiterem Himmel\u201c, sondern war Wochen zuvor von den USA angek\u00fcndigt worden, die ein vitales Interesse an diesem \u00dcberfall hatten und weiterhin haben. Und f\u00fcr diese Ank\u00fcndigung bedurfte es keiner prophetischen Gaben Washingtons oder herausragender Leistungen seiner \u201eDienste\u201c. Schlie\u00dflich waren die politischen Weichen zu diesem Konflikt von den USA seit 2014 gestellt worden. Die Ukraine wurde seit diesem Zeitpunkt von Teilen der NATO systematisch aufger\u00fcstet und durch die USA wurde ihr sogar eine m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Mitgliedschaft im NATO-B\u00fcndnis in Aussicht gestellt, dies gegen die erkl\u00e4rten Stellungnahmen Frankreichs und Deutschlands.<\/p>\n<p><strong>Die deutsche Bourgeoisie ohne Plan und Perspektive<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im selben Jahr hatte der damalige BRD-Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier, heute Bundespr\u00e4sident, in einer <u><a href=\"https:\/\/silo.tips\/download\/sddeutsche-zeitung-der-wirtschaftsgipfel-2014\">Rede<\/a> <\/u>auf dem\u00a0<em>SZ<\/em>-Wirtschaftsgipfel die Vision ge\u00e4u\u00dfert, dass \u201eDeutschland Europa anf\u00fchren, Russland europ\u00e4isieren und die USA multilateralisieren\u201c solle.&#8220; Diesen Traum der deutschen Bourgeoisie hat die USA \u2013 speziell mit ihrer Ukraine Politik \u2013 systematisch torpediert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Putins \u00dcberfall auf die Ukraine brachte die USA in die vorteilhafte Position, nicht nur Russland in der Ukraine ausbluten zu lassen, sondern ebenso die NATO wieder fester unter amerikanische Vorherrschaft zu pressen und die europ\u00e4ische Union, allen voran Deutschland, \u00f6konomisch und politisch entscheidend zu schw\u00e4chen. Wenn Deutschland die EU beieinander halten wollte \u2013 die Voraussetzung einer deutschen \u201eF\u00fchrungsrolle\u201c in der EU -, dann musste es auf Nordstream 2 und seine besonderen Beziehungen zu Russland verzichten, musste es dem Kurs der osteurop\u00e4ischen Vasallenstaaten der USA in der EU und der NATO folgen und statt g\u00fcnstigem russischem Gas deutlich teureres, \u00fcber den Atlantik zu transportierendes Fl\u00fcssiggas kaufen,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> sowie weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Russland verh\u00e4ngen. Damit wurde dem Gesch\u00e4ftsmodell der deutschen Bourgeoisie zur \u00f6konomischen Vorherrschaft in der EU die Grundlage entzogen und zugleich die Rolle der osteurop\u00e4ischen Verb\u00fcndeten der USA in der EU aufgewertet. Damit nicht genug, versprach die Regierung der BRD, zig Milliarden in amerikanische und israelische Waffensysteme zu investieren, die unvermeidlich die weitere Abh\u00e4ngigkeit von den USA auch milit\u00e4risch festschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Ukraine durch den Krieg verw\u00fcstet wird, wird Westeuropa durch die erzwungenen Wirtschaftssanktionen gegen Russland \u00f6konomisch ausgeblutet und politisch kastriert. Von der EU als eigenst\u00e4ndiger politischer Kraft, die ihre eigenen \u00f6konomischen und politischen Interessen <em>auch gegen die USA<\/em> vertreten kann, bleibt nur so viel \u00fcbrig, wie es die amerikanischen Dependancen in Warschau oder im Baltikum zulassen. Die Rettung des europ\u00e4ischen Zusammenhalts und die daraus abgeleitete \u201eF\u00fchrungsrolle der BRD\u201c in Europa l\u00e4sst sich die deutsche Bourgeoisie bisher einiges kosten, bis hin zur sozialen Stabilit\u00e4t der Republik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Entwicklung ist keineswegs im Interesse der deutschen Bourgeoisie und steht der Regierungskonzeption <em>einer \u00f6konomisch begr\u00fcndeten politischen Vorherrschaft in der EU<\/em> diametral entgegen. Trotzdem ist bislang eine neue politische Orientierung nicht zu erkennen. Die Herrschenden in der BRD sind rat- und konzeptlos. Die Zerstrittenheit der politischen Parteien und der Regierung in der Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine spiegelt das Fehlen einer neuen Au\u00dfen-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik der Bourgeoisie wider, nachdem der Ukrainekrieg der alten, oben skizzierten Politik die Gesch\u00e4ftsgrundlage entzogen hat. Und mit der Gr\u00fcnen Partei, als entschiedene transatlantische Kriegspartei, neben den langj\u00e4hrigen \u201eAtlantikern\u201c in den anderen b\u00fcrgerlichen Parteien, sind kaum parlamentarische Mehrheitsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Au\u00dfenpolitik der deutschen Bourgeoisie vorstellbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Umso deutlicher gilt es, der orientierungslos gewordenen deutschen Bourgeoisie das klare Programm aller demokratischen und fortschrittlichen Kr\u00e4fte entgegenzusetzen:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Austritt aus der NATO, NATO raus aus Deutschland!<br \/>\n&#8211; Ende aller Wirtschaftssanktionen gegen Russland und sofortige \u00d6ffnung von Nordstream 2.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><br \/>\n&#8211;\u00a0 Keine weiteren Waffenlieferungen an die Kriegsparteien.<br \/>\n&#8211; Frieden auf dem Boden der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker und Nationen, bis hin zum Recht auf Lostrennung, sowohl durch Russland als auch durch die Ukraine.<\/p>\n<p><strong>Statt revolution\u00e4rem Def\u00e4tismus &#8211; Kampf f\u00fcr eine multipolare Welt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Linke?<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Anstatt von der offenkundigen politischen Tatsache auszugehen, dass dieser Krieg von <em>beiden<\/em> beteiligten Seiten ein ungerechter, verbrecherischer Krieg um politische Einflusssph\u00e4ren in Europa ist, mit allen seinen \u00f6konomischen und milit\u00e4rischen Implikationen \u2013 daran hat Putin ebenso wenig Zweifel gelassen wie die USA gef\u00fchrte NATO mit ihren fortgesetzten \u201eOsterweiterungen\u201c \u2013, debattiert die Linke dar\u00fcber, ob nicht eine Seite der Kriegsparteien weniger \u201eimperialistisch\u201c als die andere Seite sei; ob nicht der Sieg der russischen Seite vorteilhafter f\u00fcr eine neue multipolare Weltordnung w\u00e4re, ob man nicht den schw\u00e4cheren \u201eImperialismus\u201c gegen den st\u00e4rkeren unterst\u00fctzen m\u00fcsste etc. Diese Debatten erinnern fatal an die \u201eHelden\u201c der II.\u00a0Internationale, die mit \u00e4hnlichen \u201eArgumenten\u201c ihren \u00dcbergang auf die Positionen einer der beiden Kriegsb\u00fcndnisse rechtfertigten. Ist ein Sieg des Wilhelminischen Deutschland nicht besser f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung der Menschheit und der Arbeiterbewegung im Besonderen, als ein Sieg des autokratischen russischen Zarismus? Oder gilt es doch umgekehrt f\u00fcr den Triumpf der parlamentarischen Demokratien Englands oder Frankreichs gegen den preu\u00dfischen Militarismus einzutreten? Dies waren die Debatten der Helden der II.\u00a0Internationale mit eifrigen und fehlerhaften R\u00fcckgriffen auf die Positionen von Marx und Engels aus der Zeit des 19.\u00a0Jahrhunderts und der nationalen Einigungskriege in Europa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demgegen\u00fcber standen damals Lenin und Liebknecht mit der Position des \u201erevolution\u00e4ren Def\u00e4tismus\u201c, die auf die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen B\u00fcrgerkrieg gegen die herrschenden Kriegstreiber zielte. \u201eDie Unterst\u00fctzung, Ausweitung und Vertiefung jeder Volksbewegung f\u00fcr die Beendigung des Krieges ist Pflicht der Sozialisten. Tats\u00e4chlich aber erf\u00fcllen diese Pflicht nur jene Sozialisten, die \u2013 wie Liebknecht \u2013 von der Rednertrib\u00fcne der Parlamente die Soldaten auffordern, die Waffen niederzulegen, die die Revolution und die Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen B\u00fcrgerkrieg f\u00fcr den Sozialismus propagieren.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Revolution\u00e4rer Defaitismus, B\u00fcrgerkrieg statt imperialer Raubkrieg, proletarische Revolution statt Pazifismus und Sozialchauvinismus; das ist der \u201ewahre Lenin\u201c, den es zum Ukraine-Krieg zu zitieren gilt. Und um auf das Eingangszitat von D.\u00a0Dath zur\u00fcckzukommen: \u201eDas ist der Unterschied ums Ganze.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die heilige F\u00fcnffaltigkeit der Leninschen Imperialismustheorie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen diskutieren Teile der Linken, welche der f\u00fcnf Leninschen Imperialismus-Kriterien auf Russland Anwendung finden k\u00f6nnen, weil nur dann dieser Krieg von beiden Seiten ein imperialistischer Krieg sei. Patrik K\u00f6bele, Parteivorsitzender der DKP: \u201eEs besteht unter uns Einigkeit, dass die Russische F\u00f6deration ein kapitalistisches Land ist. (\u2026) Diskussionen gibt es unter uns, ob sich die Russische F\u00f6deration bereits im imperialistischen Stadium der Entwicklung des Kapitalismus befindet.<br \/>\nIhr wisst, dass Lenin f\u00fcnf Merkmale f\u00fcr die Charakterisierung des Imperialismus benennt, von denen drei sich auf die Entwicklung der nationalen \u00d6konomie und zwei auf die Entwicklung internationaler Verh\u00e4ltnisse beziehen. Wenn wir die ersten drei Merkmale auf Russland anwenden, dann ist das erste \u2013 \u201aKonzentration der Produktion und des Kapitals und Bildung von Monopolen, von denen jeweils einige wenige ganze Industriezweige beherrschen\u2018 \u2013 in Russland sicherlich gegeben. Es spricht viel daf\u00fcr, dass das zweite \u2013 \u201adie Verschmelzung der Monopole in der Industrie und im Bankwesen zum Finanzkapital\u2018 \u2013 ebenfalls gegeben ist. (\u2026) Das dritte Charakteristikum, dass \u201ader Kapitalexport gegen\u00fcber dem Warenexport vorrangige Bedeutung gewinnt\u2018, scheint mir in Russland nicht erf\u00fcllt zu sein. Die Kapitalabfl\u00fcsse aus Russland gehen zu gro\u00dfen Teilen in Steuerparadiese wie Zypern, die Schweiz oder Luxemburg. Diese dienen nicht dazu, sich direkt in andere Kapitalien einzukaufen, wie es aus meiner Sicht beim von Lenin genannten Kapitalexport gemeint ist. Eines von drei Kriterien ist meines Erachtens nicht erf\u00fcllt. Ich neige deshalb zur Position, dass es sich bei Russland um ein kapitalistisches Land handelt, welches das imperialistische Stadium noch nicht erreicht hat.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier haben wir ein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie man das Hantieren mit der Theorie des Marxismus in eine der Religion entlehnte \u201eAuslegung der Schrift\u201c verwandelt. Ausgangspunkt der eigenen \u201eUntersuchung\u201c ist die \u201eSchrift\u201c und ihre als sakrosankt unterstellten Ausf\u00fchrungen. Anhand der Schrift und der dort getroffenen Aussagen wird dann die Wirklichkeit so interpretiert, wie es politisch w\u00fcnschenswert ist. Bei der DKP und weiteren Teilen der Linken besteht diese Interpretation in der Ignorierung des gro\u00dfrussischen Chauvinismus, wie ihn die Putin-Administration formuliert und au\u00dfenpolitisch umsetzt. Stattdessen wird der russische \u00dcberfall in dieser Bearbeitung zu einem Ringen f\u00fcr eine neue \u201emultipolare Weltordnung\u201c und die Aggression ist letztlich dem Kampf um diese neue Weltordnung geschuldet.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Und f\u00fcr diese \u201eHerleitung\u201c wird die Leninsche Imperialismustheorie mit ihrer \u201eF\u00fcnffaltigkeit\u201c der Grundlagen des Imperialismus genutzt. Das hat der vehemente Kritiker des gro\u00dfrussischen Chauvinismus \u2013 der Lenin Zeit seines Lebens war \u2013 wirklich nicht verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus ist kaum zu \u00fcbersehen, mit welch \u201e<em>wissenschaftlich exakten\u201c<\/em> Formulierungen diese Interpretation der Wirklichkeit von K\u00f6bele realisiert wird: \u201eEs spricht viel daf\u00fcr\u201c, oder \u201eIch neige deshalb zur Position\u201c, oder \u201escheint mir in Russland nicht erf\u00fcllt zu sein\u201c. Deutlicher kann man seine politische und theoretische Hilflosigkeit kaum artikulieren.<\/p>\n<p><strong>Das Selbstbestimmungsrecht als demokratische Friedenslosung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt Schriftdeutungen und sophistischer Wortklaubereien zur\u00fcck zu den Tatsachen. Russland hat die Ukraine \u00fcberfallen, weil es nicht bereit war, eine weitere Ausdehnung der amerikanischen Einflusssph\u00e4re zu dulden. Da die russische Politik diese Ausweitung <em>nicht<\/em> auf demokratische oder revolution\u00e4re Weise mit der Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker und Nationen verhindern konnte und <em>wollte &#8211;<\/em> eine f\u00fcr den Mehrv\u00f6lkerstaat Ukraine sehr gef\u00e4hrliche Forderung -, blieb nur der imperiale Krieg zur Zerschlagung der Ukraine. Statt F\u00f6rderung der demokratischen Entwicklung in der Ukraine zur Zerschlagung der US-orientierten Oligarchen-Herrschaft schuf der russische Einmarsch <em>eine Verfestigung dieser Herrschaft<\/em> durch eine Nato-finanzierte Milit\u00e4rdiktatur, die oligarchisch gepr\u00e4gt und nur notd\u00fcrftig parlamentarisch verbr\u00e4mt ist; statt Unterst\u00fctzung des Rechts auf Selbstbestimmung f\u00fcr alle Nationalit\u00e4ten in der Ukraine f\u00f6rderte er den Nationalismus und Chauvinismus der Ukrainer ebenso wie in Russland, da man den Ukrainern dieses Recht absprach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Illustriert wird die Sprengkraft einer demokratischen und revolution\u00e4ren Politik in der Beilage der Marxistischen Bl\u00e4tter Nr. 4\/2022. In einem Interview mit dem griechischen Professor Dimitrios Patelis berichtet dieser von der Stimmung im Donbass und der Politik der russischen Bourgeoisie: \u201eNoch dazu konnte ich bei meinem Besuch im Donbass 2015 mit eigenen Augen sehen, wie \u2013 gelinde gesagt \u2013 unaufrichtig sich diese russische Bourgeoisie samt ihrem politischen Personal im Kreml gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung in den beiden Volksrepubliken verhalten hat, als diese \u00fcber Jahre hinweg gegen\u00fcber der Kiewer Junta aufbegehrte und sich der militanten und m\u00f6rderischen Aktionen gegen russischsprachige Mitb\u00fcrger zu erwehren versuchte. Als die fortschrittlichsten Kr\u00e4fte unter den Volksmilizen im Donbass schon tats\u00e4chlich einige erstaunliche Siege gegen die Nazi-Bataillone und Teile der damals noch ziemlich desorientierten ukrainischen Armee in Mariupol und Debalzewe errungen hatten, verschwanden auf mystische Weise nach und nach alle Leute, die noch irgendwelche klaren Vorstellungen vom einstiegen Ziel des bewaffneten antioligarchischen,\u00a0 antiimperialistischen, antifaschistischen Aufstands hegten, das mir damals vor Ort zum Beispiel eine Reihe von Bergarbeitern erkl\u00e4rten mit dem Satz: \u201aUnsere Heimat ist die Sowjetunion\u2018. Das war nat\u00fcrlich das letzte, was die F\u00fchrung der russischen Bourgeoisie in ihrer Nachbarschaft gebrauchen konnte.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die russische Politik selbst oligarchisch gepr\u00e4gt und damit reaktion\u00e4r ist, blieb auch nur eine reaktion\u00e4re, imperiale Politik als Antwort auf die imperiale Politik der USA und NATO \u00fcbrig. Dieser Krieg ist von allen beteiligten Seiten reaktion\u00e4r und dies trifft auch auf jene Kr\u00e4fte zu, die ihn \u201enur\u201c politisch, \u00f6konomisch und mit Waffen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dies festzustellen, bedarf es keinerlei R\u00fcckgriff auf die heilige F\u00fcnffaltigkeit der Leninschen Imperialismustheorie. Hier wird Lenin bem\u00fcht, um die Unterst\u00fctzung <em>einer<\/em> der beiden Kriegsparteien zu legitimieren. Hier wird die Imperialismustheorie bem\u00fcht, um den grossrussischen Chauvinismus salonf\u00e4hig zu machen und Lenins Position zum Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker und Nationen vergessen zu machen. W\u00e4hrend Putin offensiv die Leninsche Politik zur nationalen Frage kritisierte und dies in das Zentrum seiner ideologischen Kriegsbegr\u00fcndung r\u00fcckte \u2013 was von Andreas Wehr f\u00fcr die deutsche Linke mit Luxemburgs Kritik an Lenin und den Bolschewiki aufbereitet wurde \u2013, <em>schweigt<\/em> der Rest des linken Spektrums hartn\u00e4ckig zur nationalen Frage und ihrer politischen Sprengkraft in dem aktuellen Konflikt. Mit einer neuen Auslegung der Leninschen Imperialismustheorie ist dieser Krieg weder zu erkl\u00e4ren, noch zu legitimieren und erst recht nicht zu beenden. <em>F\u00fcr einen wirklichen Frieden bedarf es der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker und Nationen bis hin zum Recht auf Lostrennung, sowohl durch Russland als auch durch die Ukraine.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was bleibt vom \u201eLeninismus\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der ungebrochenen Begeisterung f\u00fcr die Leninsche Imperialismustheorie in der Linken stellt sich die Frage, was denn au\u00dfer dieser Theorie heute noch vom \u201eLeninismus\u201c Bestandteil linker Ideologie und Politik ist? Bei genauerem Hinsehen werden wir wenig finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Parteitheorie und die Schrift \u201eWas tun\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> wurde als erstes kritisiert und verworfen, weil sie undemokratisch sei und den Weg zum Stalinismus geebnet h\u00e4tte. Als n\u00e4chstes wurde die demokratische Republik mit ihrer parlamentarischen Demokratie Bezugspunkt linker Politik und damit die Leninschen Positionen aus seiner Schrift \u201eStaat und Revolution\u201c sowie \u201eMarxismus und Staat\u201c als utopisch verworfen. Aber dabei blieb es nicht, denn auf einer schiefen Bahn rutscht man immer weiter nach unten. Im Zuge des Abbaus der in der Verfassung der BRD garantierten Grundrechte w\u00e4hrend der Corona-Politik durch die b\u00fcrgerlichen Parteien war die Linke \u2013 sowohl als Partei wie als rudiment\u00e4re Str\u00f6mung (DKP, MLPD etc.) \u2013 in der vordersten Front mit dabei. Hand in Hand mit der Bourgeoisie k\u00e4mpfte sie f\u00fcr Zwangsimpfungen, Demonstrationsverbote und weitere Einschr\u00e4nkung der Pressefreiheit bis hin zur fast v\u00f6lligen Gleichschaltung der Presse. (Siehe dazu: <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2317\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2317<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Abstinenz im Kampf um b\u00fcrgerliche Grundrechte ist es nur konsequent, dass die Linke der Leninschen Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker und Nationen bis heute ignorierend bis v\u00f6llig ablehnend gegen\u00fcbersteht. F\u00fcr einen Teil der Linken ist die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht historisch \u00fcberholt und\/oder der Not des russischen B\u00fcrgerkrieges geschuldet; f\u00fcr andere ist das Aufstellen dieser Forderung grunds\u00e4tzlich falsch und reaktion\u00e4r. Begr\u00fcndet werden diese Positionen mit Argumenten von Luxemburg, Putin oder A.\u00a0Wehr.<\/p>\n<p><strong>2. Warum die Imperialismustheorie?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum nach der Aufgabe aller dieser Positionen des \u201eLeninismus\u201c bis hin zum demokratischen Kampf diese ungebrochene Nibelungentreue zu seiner Imperialismustheorie? Woher ihre bis heute andauernde Beliebtheit zur Erkl\u00e4rung aller m\u00f6glichen Verbrechen, Milit\u00e4raktionen, politischer Einflussnahmen und Annexionen in der Welt durch eine einzige Theorie? Daf\u00fcr gibt es zwei wesentliche Gr\u00fcnde:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Imperialismustheorie ist eine <em>\u00f6konomische Theorie der II.\u00a0Internationale,<\/em> aus der sich sehr <em>unterschiedliche politische Schlussfolgerungen<\/em> \u2013 reformistische wie revolution\u00e4re \u2013 ziehen lassen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Sie hat den Vorzug, als Theorie und Politik einer neuen Etappe der kapitalistischen Entwicklung \u2013 der monopolistischen, die die konkurrenzkapitalistische (\u201eManchestertum\u201c bei Kautsky)<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> abgel\u00f6st haben soll \u2013 <em>G\u00fcltigkeit f\u00fcr die Gesamtheit der entwickelten kapitalistischen Staaten zu beanspruchen <\/em>und somit eine konkrete Analyse der Trieb- und Klassenkr\u00e4fte in den einzelnen Staaten \u00fcberfl\u00fcssig zu machen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Punkt gebracht wird dieser Gedanke im Einleitungssatz des Resolutionsentwurfs der linken Sozialdemokraten zur ersten Sozialistischen Konferenz (in Zimmerwald 1915): \u201eDer gegenw\u00e4rtige Krieg ist durch den Imperialismus erzeugt.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Weshalb also nach den tats\u00e4chlichen Verursachern, den Klassenkr\u00e4ften und ihren f\u00fchrenden politischen Repr\u00e4sentanten in den damaligen Gro\u00dfm\u00e4chten suchen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass die \u201emarxistischen\u201c Imperialismustheorien ihren Ursprung in der II.\u00a0Internationale haben, ist bis heute unbestritten. O\u00a0Bauer, K.\u00a0Kautsky, R.\u00a0Hilferding, R.\u00a0Luxemburg, N.\u00a0Bucharin \u2013 um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen \u2013 hatten sich <em>vor Lenin<\/em> mit dieser Frage besch\u00e4ftigt<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> und versucht, die neuere Entwicklung des Kapitalismus <em>\u00f6konomisch<\/em> zu interpretieren. Ausgangspunkt dieser \u00dcberlegungen war die \u201eseit 1873 einsetzende Abschw\u00e4chung der Geschwindigkeit der internationalen Wirtschaftsentwicklung, verbunden mit einem allgemeinen R\u00fcckgang der Preise und einem beachtlichen Abfall der Profitraten und Renditen. Die \u00dcberzeugung, dass die nationale Wirtschaft kolonialer Dependancen bed\u00fcrfe, wurde bald Allgemeingut der b\u00fcrgerlichen Schichten aller Industrienationen und kann keineswegs nur als Resultat interessenpolitischer Agitation der jeweils betroffenen Unternehmergruppen gelten. Allein, es ist charakteristisch, dass diese Auffassungen fast nirgends einer wirklichen \u00dcberpr\u00fcfung unterworfen wurden, sondern eigentlich mehr als nur g\u00e4ngige ideologische M\u00fcnze im Kampf f\u00fcr oder wider den Imperialismus dienten.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus und die b\u00fcrgerlichen Reaktionen darauf waren der <em>Ausgangspunkt<\/em> f\u00fcr die Imperialismusdebatte. Dies rief in der II.\u00a0Internationale das Bed\u00fcrfnis hervor, als Marxisten eine <em>\u00f6konomische<\/em> <em>Erkl\u00e4rung<\/em> f\u00fcr diese Entwicklung zu finden. Hilferding lieferte sie mit seiner Theorie von den Kartellen, Monopolen und dem \u00fcber das industrielle Kapital herrschenden \u201eFinanzkapital\u201c als Ursache der neueren \u00f6konomischen Entwicklung und der imperialistischen Politik.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p><strong>Kautsky zur Geschichte des Imperialismusbegriffs<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuvor war der Imperialismus keineswegs allein \u00f6konomisch hergeleitet worden. Vielmehr diente er der Beschreibung bestimmter politischer und milit\u00e4rischer Aktivit\u00e4ten, die auf Gro\u00dfmachtpolitik, milit\u00e4rische Annexionen oder Kolonialpolitik abzielten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Geschichte des Imperialismusbegriffs schreibt Kautsky: \u201eEs gibt wenige Worte, die so allgemein als etwas Selbstverst\u00e4ndliches behandelt und vorgebracht werden wie heute das Wort Imperialismus. Und doch gibt es wenige Worte, die verschiedenartiger aufgefasst und gebraucht werden als dieses. \u2026<br \/>\nDas Wort wurde abgeleitet aus dem Lateinischen und bezeichnet politische Bestrebungen, die mit einem Weltreich oder Kaiserreich (imperium) zusammenh\u00e4ngen. Meines Wissens kam es zuerst auf in Frankreich unter dem Kaiserreich des ersten Napoleon, wo man dessen Politik damit bezeichnete. Darauf ist es wohl zur\u00fcckzuf\u00fchren, wenn heute unsere franz\u00f6sischen Genossen das Wort Imperialismus noch in einem \u00e4hnlichen Sinne, zur Bezeichnung des Strebens einer kaiserlichen Macht nach Weltherrschaft, auf Deutschland anwenden, wo sie dieses Streben zu finden glauben. \u2026 Sie gebrauchen das Wort in einem \u00e4hnlichen Sinne, in dem wir etwa von franz\u00f6sischem Bonapartismus oder russischem Zarismus reden.<br \/>\nEinen anderen Sinn erhielt das Wort in England in den neunziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Man bezeichnete damit das Streben, an Stelle des kleinen Britannien ein gr\u00f6\u00dferes Britannien zu setzen durch Kn\u00fcpfung eines Bandes zwischen England und den Kolonien. So sollte ein gro\u00dfes Reich (empire) geschaffen werden. Man bezeichnete also damit auch wieder eine besondere Art <em>Reichspolitik<strong>.<\/strong><\/em> Das Interesse f\u00fcr <em>Kolonien<\/em> war dabei das entscheidende. Namentlich durch besondere Ma\u00dfnahmen der <em>Zollpolitik<\/em> sollten sie enger mit dem Mutterland verbunden werden. Das wachsende Interesse f\u00fcr die Kolonien f\u00fchrte dann aber auch zu Erwerbungen neuer Gebiete, darob zu Gegens\u00e4tzen mit anderen M\u00e4chten und zu Flottenr\u00fcstungen.<br \/>\n\u00c4hnliche Tendenzen nach einem gro\u00dfen Kolonialreich und R\u00fcstungen waren zum Teil schon fr\u00fcher, zum Teil gleichzeitig auch bei anderen kapitalistischen M\u00e4chten aufgetreten. England gab nicht den Ansto\u00df zu dieser neuen Politik, lieferte aber den Namen. Sie wurde allgemein als Imperialismus bezeichnet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferdings Verdienst \u2013 so Kautsky \u2013 besteht darin, mit der Entdeckung des \u201eFinanzkapitals\u201c die Ursache f\u00fcr die <em>moderne<\/em> imperialistische Politik aufgedeckt zu haben. \u201eHilferding hat dann 1910<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> in seinem Werk \u00fcber das Finanzkapital zum ersten Mal gezeigt, wie die modernste Phase des Kapitals zur Beherrschung des industriellen Kapitals durch das Geldkapital, namentlich durch die Banken, f\u00fchren und den Charakter des industriellen Kapitals v\u00f6llig umgestalten musste. Er nannte diese neue \u00c4ra die des <em>Finanzkapitals<\/em>. Er bezeichnete damit das \u201aBankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist.\u2018 [Finanzkapital, S. 283]; (in der Ausgabe der EVA von 1974, S. 309)<br \/>\nEr h\u00fctete sich sehr wohl, das schon allbekannte Wort \u201aImperialismus\u2018 zur Bezeichnung dieser neuen Phase des Kapitalismus anzuwenden. Auch er bezeichnet mit dem Worte Imperialismus eine besondere <em>Art der Politik <\/em>und nicht eine \u201aWirtschaftsphase\u2018. Der Imperialismus ist ihm die vom Finanzkapital bevorzugte Politik. Ich glaube, wir haben alle Ursache, an dieser Unterscheidung von Finanzkapital als Ursache und Imperialismus als Wirkung festzuhalten.<br \/>\nSie entspricht dem Sprachgebrauch, der unter dem Imperialismus ein besonderes System der <em>Politik<\/em> versteht. \u00dcber die Einzelheiten dieser Politik gehen die verschiedenen Autoren, die vom Imperialismus handeln, auseinander, aber fast alle treffen sich darin, dass sie ihn als politisches System und nicht als \u201aWirtschaftsphase\u2018, nicht als \u201afortgeschrittenen, potenzierten Kapitalismus\u2018, sondern als die Politik der unter ihm herrschenden kapitalistischen Schichten betrachten. Der Imperialismus ist eine besondere Art kapitalistischer Politik ebenso wie das Manchestertum, das er abl\u00f6st. Auch dieses bezeichnete nicht eine bestimmte \u201aWirtschaftsphase\u2018, wenn es auch mit einer solchen notwendigerweise verbunden war.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies \u2013 insbesondere der letzte Abschnitt des langen Zitats &#8211; ist Kautskys Interpretation des Imperialismusbegriffs im <em>Krieg (1915)<\/em>. Zuvor hatte er ihn -genauso wie Hilferding &#8211; als Entwicklungsstufe des Kapitalismus gesehen, die unweigerlich von der Diktatur der \u201eKapitalmagnaten\u201c (Hilferding) in die Diktatur des Proletariats umschlagen w\u00fcrde. Nur, an die Stelle der Diktatur des Proletariats trat der Weltkrieg und mit ihm in Deutschland ab 1916 die Diktatur der Obersten Heeresleitung, gest\u00fctzt von der Sozialdemokratie. Von nun an wird der Imperialismus bei Kautsky eine von mehreren politischen M\u00f6glichkeiten des Kapitals, von einer Entwicklungsstufe der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Variante der kapitalistischen Politik.<\/p>\n<p><strong>Das Scheitern der reformistischen Interpretation des Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist die historische Beschreibung der Urspr\u00fcnge des Begriffs Imperialismus und die Inhalte, die geschichtlich damit beschrieben werden, tendenziell richtig, aber historisch etwas zu kurz gegriffen,<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> so ist der Schluss seiner Ausf\u00fchrungen geradezu typisch f\u00fcr Kautsky. So, wie f\u00fcr ihn die Sozialdemokratische Partei eine revolution\u00e4re Partei ist, aber keine, die eine Revolution macht,<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> so ist der Imperialismus bei ihm \u201eeine besondere Art der kapitalistischen Politik\u201c, die aber <em>nicht<\/em> einer bestimmten Wirtschaftsphase geschuldet ist, obwohl sie \u201ewie das Manchestertum (notwendigerweise) mit einer solchen verbunden (war)\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky str\u00e4ubt sich vor den politischen Folgen der \u00f6konomischen Theorie des Finanzkapitals, die er ehedem mit Hilferding geteilt hatte. Er m\u00f6chte es dabei bewenden lassen, dass der Imperialismus nur eine \u201ebesondere Art der kapitalistischen Politik\u201c darstellt, begr\u00fcndet dies aber mit einer \u00f6konomischen Theorie (Hilferdings Theorie vom Finanzkapital), die \u2013 um mit Kautskys Worten zu sprechen \u2013 mit einer neuen Wirtschaftsphase \u201enotwendigerweise verbunden\u201c ist. Bei aller historischen Gelehrsamkeit Kautskys ist die Leninsche Schlussfolgerung aus der Hilferdingschen Theorie zwar nicht richtiger, daf\u00fcr aber deutlich schl\u00fcssiger: Ihm zufolge entspringen die zum Krieg f\u00fchrende Politik und auch der Krieg selber der neuen \u201eWirtschaftsphase\u201c, dem vom Finanzkapital beherrschten Imperialismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky formuliert obige Ausf\u00fchrungen im Jahr 1915, im zweiten Jahr des Weltkrieges. Den Unterschied zwischen dem Imperialismus als \u201eWirtschaftsphase\u201c und dem Imperialismus als \u201eeine besondere Art der kapitalistischen Politik\u201c entdeckt er zusammen mit Hilferding erst nach dem Ausbruch des Weltkrieges. Zuvor vertraten beide die Position, dass mit der Herausbildung des Imperialismus der Sozialismus als n\u00e4chste Entwicklungsetappe der Gesellschaft unausweichlich geworden sei.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferding selbst formuliert dies 1910 eindeutig: \u201eDas Finanzkapital in seiner Vollendung bedeutet die h\u00f6chste Stufe \u00f6konomischer und politischer Machtvollkommenheit in der Hand der Kapitaloligarchie. Es vollendet die Diktatur der Kapitalmagnaten. Zugleich macht es die Diktatur der nationalen Kapitalbeherrscher des einen Landes immer unvertr\u00e4glicher mit den kapitalistischen Interessen des anderen Landes und die Herrschaft des Kapitals innerhalb des Landes immer unvereinbarer mit den Interessen der durch das Finanzkapital ausgebeuteten, aber auch zum Kampf aufgerufenen Volksmassen. In dem gewaltigen Zusammenprall der feindlichen Interessen schl\u00e4gt schlie\u00dflich die Diktatur der Kapitalmagnaten um in die Diktatur des Proletariats.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hier so revolution\u00e4r formuliert erscheint, ist politisch nichts anderes als der Kautskysche \u201eWeg zur Macht\u201c von 1909, seine <em>\u201e<\/em><em>Politische(n) Betrachtungen \u00fcber das Hineinwachsen in die Revolution<\/em>\u201c. Der unvermeidliche Zusammenbruch des kapitalistischen Systems verschafft der Sozialdemokratie eine parlamentarische Mehrheit und erm\u00f6glicht so die Aufrichtung des Sozialismus. Die Diktatur der Kapitalmagnaten \u201e<em>schl\u00e4gt schlie\u00dflich<\/em> <em>um<\/em> in die Diktatur des Proletariats\u201c, ganz ohne Machteroberung und Revolution. Der Untergang des Kapitalismus und mit ihm des Finanzkapitals ist im \u201eBuch der Geschichte\u201c vorgezeichnet und somit unausweichlich. Als sozialdemokratischer Finanzminister in der Weimarer Republik konnte Hilferding die Richtigkeit seiner Theorie in der Praxis \u00fcberpr\u00fcfen. Er versagte nicht nur bei der Aufrichtung des Sozialismus oder gar der Diktatur des Proletariats \u2013 er versuchte es erst gar nicht. Die reformistische Interpretation der \u00f6konomischen Imperialismustheorie ist historisch gescheitert.<\/p>\n<p>Oktober 2022 \/ Mai 2023<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dietmar Dath: \u201eText und Tat\u201c in: Kritische Neuausgabe von \u201cLenin: Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c, Verlag 8. Mai: Berlin 2018, S. 17<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Habeck spricht von 60 Milliarden Euro f\u00fcr 2022 und \u00fcber 100 Milliarden in diesem Jahr 2023, die zus\u00e4tzlich zur Energieversorgung aufzuwenden w\u00e4ren. Wirtschaftsinstitute veranschlagen die Summen deutlich h\u00f6her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Auf diese popul\u00e4re Forderung antworteten interessierte NATO-Kreise mit der Sprengung beider Pipelines. Die \u201epolitische Sprengkraft\u201c dieser Forderung wurde durch diese Aktion f\u00fcr alle sichtbar. Inzwischen wissen wir, dass ein Strang der Nordstream 2 Pipeline noch intakt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> F\u00fcr viele von ihnen ist die Beschreibung \u201eehemalige Linke\u201c zutreffender.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> LW Bd. 22, S.179-180<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zitiert aus Andreas Wehr: \u201eRussland \u2013 ein imperialistisches Land?\u201c, Mai 2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Worin der Vorteil f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung der betroffenen L\u00e4nder bestehen soll, wenn mehrere M\u00e4chtebl\u00f6cke oder Gro\u00dfstaaten sich um Einflusssph\u00e4ren balgen, lassen die Propagandisten der Multipolaren Weltordnung im Dunklen. Au\u00dferdem war diese Konzeption \u2013 siehe Steinmeier-Zitat weiter oben \u2013 Grundlage der inzwischen gescheiterten deutschen Au\u00dfenpolitik, bevor die Amerikaner und Russen in der Ukraine \u201eernst machten\u201c. Kann die ehemalige au\u00dfenpolitische Orientierung des f\u00fcr die Linke zeitlosen und immer gleich r\u00e4uberischen \u201edeutschen Imperialismus\u201c heute eine erstrebenswerte Zielsetzung f\u00fcr den Rest der Welt sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Der Verfasser ist keineswegs der Auffassung, dass sich die Schrift \u00a0\u201eWas Tun\u201c auf die Begr\u00fcndung einer Parteitheorie reduzieren l\u00e4sst. Aber dies ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> \u201eDer Imperialismus ist eine besondere Art kapitalistischer Politik ebenso wie das Manchestertum, das er abl\u00f6st.\u201c Karl Kautsky, Zwei Schriften zum Umlernen, Die Neue Zeit, 1915, S. 110-111<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> LW Bd. 21, S. 348; lt. Anmerkung auf Seite 484 wurde diese Resolution von Lenin geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Siehe dazu: Wolfgang Mommsen: Imperialismustheorien: ein \u00dcberblick \u00fcber die neueren Imperialismusinterpretationen; Vandenhoek: 3. Auflage 1987, S. 27 ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebenda, S. 12<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Siehe hierzu die Kritiken in den AzD 39\/1989: Kapital und Monopol. Zur Kritik der Monopoltheorie bei Hilferding und Lenin<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Kautsky verweist auch auf eigene Artikel in der \u201eNeuen Zeit\u201c (1897\/98) \u00fcber \u201e\u00c4ltere und neuere Kolonialpolitik\u201c, die bereits einen Hinweis auf die gewachsene Bedeutung des Finanzkapitals enthalten h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Karl Kautsky: Zwei Schriften zum Umlernen; Die Neue Zeit, 1915, S. 110-111<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Der Begriff des \u201eImperialismus\u201c ist deutlich \u00e4lter als das franz\u00f6sische Kaiserreich Napoleons III. Und ebenso ist der imperialistische Krieg um Kolonien deutlich \u00e4lter als die kolonialpolitischen Differenzen am Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts. Dazu geh\u00f6ren z.B. die englisch-spanischen Kriege, die englisch-holl\u00e4ndischen oder \u2013 um ein historisch j\u00fcngeres und auch Deutschland betreffendes Beispiel zu w\u00e4hlen \u2013 der siebenj\u00e4hrige Krieg, der im Wesentlichen ein Kolonialkrieg zwischen England und Frankreich war. Dies alles waren imperialistische Kriege der Gro\u00dfm\u00e4chte zur Erweiterung ihrer politischen Einflusssph\u00e4ren.<br \/>\nDer entscheidende Unterschied zwischen den historischen imperialistischen Kriegen und den Kriegen des 19.\u00a0und 20.\u00a0Jahrhunderts bestand im Milit\u00e4rwesen. Seit der franz\u00f6sischen Revolution ist die Zeit der S\u00f6ldnerheere vorbei und Massenheere mit Wehrpflicht sind die Voraussetzung f\u00fcr die Kriegsf\u00e4higkeit der Gro\u00dfm\u00e4chte. Dies hat ganz wesentliche R\u00fcckwirkungen auf die Politik: Es gilt, die Massen f\u00fcr den imperialistischen Krieg \u2013 der nun gar nicht in ihrem Interesse liegt \u2013 zu gewinnen. Auf diesen Punkt geht Kautskys obige Beschreibung der Geschichte des Imperialismusbegriffs nicht ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Karl Kautsky: Der Weg zur Macht. Politische Betrachtungen \u00fcber das Hineinwachsen in die Revolution, erschienen 1909. Man beachte den Untertitel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Siehe dazu auch Lenins Kritik an diesem Positionswechsel in LW Bd. 22, S. 294<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Rudolf Hilferding: Das Finanzkapital, EVA 1974, S. 503<\/p>\n<h4><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMal ganz davon abgesehen, dass Lenin pers\u00f6nlich sich mit seiner ber\u00fchmten br\u00fcsken Direktheit verbeten h\u00e4tte, von Leuten gefeiert zu werden, die ihn zum Professor f\u00fcr Global\u00f6konomie ernennen wollen &#8211; \u2026 die vor der heiklen Geschichte mit den Klasseninteressen in die Wertlehre fliehen, \u2026 oder vor der ganzen Revolutionsproblematik in eine ersch\u00f6pfende Untersuchung der internationalen Kreditbeziehungen &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2692\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ein falsch verstandener Lenin<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2692","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2692"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2692\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2712,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2692\/revisions\/2712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}