{"id":2661,"date":"2023-04-13T23:56:37","date_gmt":"2023-04-13T21:56:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2661"},"modified":"2023-04-13T23:56:37","modified_gmt":"2023-04-13T21:56:37","slug":"imperialismus-kritik-nach-dem-steinbruchverfahren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2661","title":{"rendered":"Imperialismus-Kritik nach dem Steinbruchverfahren"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Die Fortsetzung einer verfehlten Debatte<\/strong><\/span><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alfred Schr\u00f6der<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgangspunkt aller Debatten der letzten Monate \u00fcber den \u201eImperialismus\u201c war der aktuelle Krieg in der Ukraine und wie er zu bewerten sei. Diese Bewertung bildet die Grundlage f\u00fcr die Politik der Kommunisten. Wir haben dazu wiederholt klar Position bezogen, u. A. mit den Forderungen: <strong>\u201eDeutschland raus aus der NATO \u2013 Nato raus aus Deutschland\u201c<\/strong> sowie der Forderung <strong>\u201eFrieden auf dem Boden des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker und Nationen\u201c. <\/strong>Da dieser Krieg ein reaktion\u00e4rer und imperialistischer Krieg von allen beteiligten Parteien ist, stehen wir auf dem Boden des <strong>revolution\u00e4ren Defaitismus<\/strong> und treten f\u00fcr die Niederlage der kriegsf\u00fchrenden Oligarchen in der Ukraine und Russland ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesen eindeutigen Positionen gibt es m.W. bisher <strong>keine einzige Kritik<\/strong> in der linken Debatte, obwohl es gro\u00dfe Unklarheiten \u00fcber die richtigen Forderungen innerhalb der Friedensbewegung gibt, wie gerade der Ostermarsch dieses Jahr erschreckend deutlich gemacht hat. Statt \u00fcber die politische Ausrichtung, diskutieren die wenigen verblieben Kommunisten lieber \u00fcber die richtige Auslegung der \u201eSchrift\u201c und ihre m\u00f6glichen Anwendungen zur Interpretation der Wirklichkeit. Dies betrachte ich als v\u00f6llig verfehlt und auch pers\u00f6nlich deprimierend. Deshalb vorweg etwas Methodisches.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Methodisches<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem letzten Artikel (\u201eEine verfehlte Debatte\u201c = <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2644\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2644<\/a>) war die <strong>Grundaussage<\/strong>, wie unsinnig es ist, die Wirklichkeit aus Zitaten der Klassiker zu interpretieren; wie verfehlt es ist, den besagten \u201eWerkzeugkasten\u201c (Corell, KAZ\/DKP) zu nutzen, um die aktuelle Politik zu legitimieren. Ein solches Verfahren verdeutlicht nur, dass man in der Wirklichkeit keine ausreichend belastbaren Tatsachen und Argumente f\u00fcr die eigene, darum zumeist fehlerhafte Position gefunden hat. Dann m\u00fcssen die Klassikerzitate herhalten, um eine wirklichkeitsferne Politik zu begr\u00fcnden. Die Exegese von Klassikertexten ist keine Verfahrensweise f\u00fcr die Anwendung der revolution\u00e4ren Theorie des Marxismus auf die gesellschaftliche Realit\u00e4t, sondern eine nicht umsonst religi\u00f6s und sektenhaft anmutende Diskreditierung derselben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das j\u00fcngste Beispiel daf\u00fcr liefert der Genosse H. aus Hannover. In dem Beitrag \u00fcber \u201eEine verfehlte Debatte\u201c hatte ich auf eine Aussage Lenins aus dessen Kritik an der Juniusbrosch\u00fcre Luxemburgs aufmerksam gemacht, worin Lenin sich gegen die schablonenhafte Verwendung des Begriffs \u201eImperialismus\u201c aussprach und verschiedene historische Kriege als \u201eimperialistisch\u201c charakterisierte. Dem setzt H. ein Zitat aus Lenins <em>Imperialismusschrift <\/em>entgegen, worin es hei\u00dft: &#8222;Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem j\u00fcngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber &#8218;allgemeine&#8216; Betrachtungen \u00fcber den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den \u00f6konomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalit\u00e4ten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des \u201agr\u00f6\u00dferen Rom mit dem gr\u00f6\u00dferen Britannien.\u2018 Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik\u00a0der fr\u00fcheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals&#8220; (Lenin, Bd. 22, S. 264)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist genau das klassische Verfahren des \u201eWerkzeugkastenprinzips\u201c, fr\u00fcher hie\u00df dies \u201eSteinbruchverfahren\u201c. Es gef\u00e4llt dem Genossen nicht, dass Karuscheit und ich den Ukrainekrieg aus dem Vormachtstreben der USA in Europa und der gro\u00dfrussisch-imperialen Reaktion Russlands darauf hergeleitet haben und nicht aus dem Finanzkapital sowie der \u00f6konomischen Imperialismustheorie der II.\u00a0Internationale in ihrer Leninschen Auspr\u00e4gung. Aber das m\u00f6chte er so nicht offen kritisieren. Warum? Weil dies offensichtlich machen w\u00fcrde, dass der Genosse eigentlich eine Argumentation w\u00fcnscht, die die aktuellen Ereignisse aus \u2013 oder wenigstens in \u00dcbereinstimmung mit \u2013 den Zeilen der \u201eSchrift\u201c interpretieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen fordert er zum \u201eNachdenken\u201c \u00fcber ein Lenin-Zitat auf, das auf die Unterschiede zwischen der Kolonialpolitik des r\u00f6mischen Reiches, der kapitalistischen Kolonialpolitik und jener im Zeitalter des Imperialismus verweist. Nur zu diesen Themen haben weder der Genosse Karuscheit noch ich publiziert, noch haben diese Aussagen irgendetwas mit dem konkreten Ukrainekrieg und seinen Ursachen zu schaffen. Und \u00fcber den Imperialismus im \u201aAllgemeinen\u2018 haben wir uns ebenso wenig ge\u00e4u\u00dfert, stattdessen \u00fcber die konkreten politischen Ereignisse, die den Ukrainekrieg hervorgebracht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Ukrainekrieg \u2013 ohne Monopole, Finanzkapital und Kolonialpolitik<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In \u201eEine verfehlte Debatte\u201c schrieb ich: \u201eDer Ukrainekrieg l\u00e4sst sich mit imperialistischer Politik, wie wir sie seit wenigsten zweitausend Jahre kennen, ganz ohne eine \u00f6konomische Imperialismustheorie erkl\u00e4ren. Zwei Gro\u00dfm\u00e4chte oder B\u00fcndnisse f\u00fchren Krieg miteinander auf dem Territorium eines anderen Staates, wie z.B. im 30j\u00e4hrigen Krieg das Haus Habsburg gegen Frankreich in Deutschland mit deutschen und spanischen Truppen, w\u00e4hrend das katholische Frankreich die protestantischen deutschen F\u00fcrsten und das ebenso protestantische Schweden finanzierte, um das Reich und die Habsburger Monarchie zu schw\u00e4chen. Oder nehmen wir den gerade erw\u00e4hnten Siebenj\u00e4hrigen Krieg zwischen England und Frankreich, in dem England Preu\u00dfen finanzierte, um Frankreich einige Besitzungen in der Karibik, Nordamerika und in Indien abzunehmen usw.<br \/>\nUnd genau einen solchen Krieg sehen wir in der Ukraine. Die US-gef\u00fchrte NATO finanziert die Aufr\u00fcstung der Ukraine, wohlwissend, dass Russland diese NATO-Ausdehnung nicht hinnehmen wird. Da Russland \u2013 bedingt durch die eigene oligarchisch gepr\u00e4gte Herrschaft \u2013 darauf nicht nationalrevolution\u00e4r (Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker), sondern nur nationalistisch reaktion\u00e4r reagieren konnte, kam es zum jetzigen Ukraine-Krieg. Ausgefochten wird er auf ukrainischem Territorium mit dem massiven Einsatz von S\u00f6ldnerverb\u00e4nden und Vertrags- und Zeitsoldaten. Und dies von beiden Seiten. \u2026<br \/>\nDieser Krieg ist die <strong>Fortsetzung der<\/strong> <strong>Politik<\/strong> der US-gef\u00fchrten NATO einerseits und Russlands anderseits. Er bedarf zu seiner Erkl\u00e4rung keiner \u201e\u00f6konomischen Imperialismustheorie\u201c. Sie dient einzig dazu, mit theoretischen Konstrukten, die sich v\u00f6llig zu Unrecht auf Lenin berufen, die russische Aggression zu legitimieren.\u201c (Siehe: \u201eEine verfehlte Debatte\u201c.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Will der Genosse H. dies, d.h. will er die russische Aggression legitimieren, dann sollte er das sagen und nicht zu einem nicht n\u00e4her bestimmten Nachdenken \u00fcber einige Zeilen des Lenintextes auffordern. Das in dem Kontext obiger Argumentation von mir angef\u00fchrte Leninzitat verweist nur darauf, dass auch dem russischen Revolution\u00e4r bekannt war, dass der Imperialismus als politisches Ph\u00e4nomen deutlich \u00e4lter ist als die \u00f6konomische Imperialismustheorie der II.\u00a0Internationale. Deshalb spricht Lenin \u2013 gerade in seiner Imperialismusschrift \u2013 wiederholt vom \u201ekapitalistischen Imperialismus\u201c, um auf diesen Tatbestand hinzuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Argumentation noch etwas klarer zu fassen: Karuscheit und ich haben den Charakter des aktuellen Krieges nicht aus der \u201eSchrift\u201c abgeleitet, sondern aus den Widerspr\u00fcchen zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten und ihrem Versuch, diese Widerspr\u00fcche durch einen imperialistischen Krieg zu l\u00f6sen, der nach dem Willen der USA ganz nebenbei auch noch die deutsch-franz\u00f6sische Vorherrschaft \u00fcber die EU beseitigen soll. Wer diesen Ansatz f\u00fcr falsch h\u00e4lt, mag ihn kritisieren &#8211; und wird in uns interessierte Diskutanten finden &#8211; aber bitte anhand von Tatsachen und nicht von Lenin-Zitaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der endlos \u201esterbende Kapitalismus\u201c der \u00f6konomischen Imperialismustheorie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Genosse H. hat Lenin und seiner in der Linken so beliebten Imperialismusschrift einen \u201eB\u00e4rendienst\u201c erwiesen, indem er gerade die oben zitierte Textstelle aus dem \u201eWerkzeugkasten\u201c ans Licht geholt hat. Das Anliegen des Genossen liegt auf der Hand. Er m\u00f6chte darauf hinweisen, dass der Imperialismus und seine jeweilige Kolonialpolitik nur dann richtig zu beurteilen sei, wenn man \u201eden radikalen Unterschied zwischen den \u00f6konomischen Gesellschaftsformationen\u201c \u2013 so das Lenin Zitat \u2013 herausarbeitet. Und Lenin geht davon aus, dass die Gro\u00dfm\u00e4chte sich seit der Jahrhundertwende im Zeitalter des Imperialismus befinden, den er in seiner Schrift folgenderma\u00dfen definierte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole.\u201c (LW 22, S. 302) Und weiter: \u201eWir haben gesehen, dass der Imperialismus seinem \u00f6konomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol \u2026 bedeutet den \u00dcbergang von der kapitalistischen zu einer h\u00f6heren \u00f6konomischen Gesellschaftsform. \u2026\u201c (S. 304) \u201eAus allem, was \u00fcber das \u00f6konomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, dass er charakterisiert werden muss als \u00dcbergangskapitalismus, oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus.\u201c (S. 307)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun stirbt dieser \u00f6konomisch hergeleitete Imperialismus schon deutlich l\u00e4nger als wir leben. Und doch erfreut er sich mit den \u00dcberf\u00e4llen auf Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Syrien, Ukraine etc. \u2013 um nur die letzten Jahrzehnte anzuf\u00fchren \u2013 ungebrochener Vitalit\u00e4t. W\u00e4re es deshalb nicht an der Zeit, mit dieser \u00f6konomistischen Verengung der Imperialismustheorie zu brechen, die ja augenscheinlich durch die Entwicklung der vergangenen hundert Jahre widerlegt wurde? W\u00e4hrend der Imperialismus als <em>politische<\/em> Triebkraft der Gro\u00dfm\u00e4chte fortexistiert, ist die <em>\u00f6konomische <\/em>Imperialismustheorie der II.\u00a0Internationale (und dazu geh\u00f6rt auch die Leninsche Spielart dieser Theorie) sowohl theoretisch widerlegt als auch politisch gescheitert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu die eine oder andere mit Fakten belegte Kritik aus der b\u00fcrgerlichen Forschung zum Zusammenhang von Imperialismus, Kolonialismus (und seinen Formen) sowie dem vom \u201eFinanzkapital\u201c betriebenen Kapitalexport. Ich werde hier weitgehend unkommentiert mit einigen Zitaten einen kurzen Einblick in den Stand der Forschung zu diesem Thema geben. Man muss diese Kritik nicht teilen, aber in der Sache sollte man dann in der Lage sein, die angef\u00fchrten Argumente widerlegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Ehrenrettung von Hobson, Hilferding und Lenin sei vorweg darauf hingewiesen, dass den genannten Autoren die deutlich nach ihren Ver\u00f6ffentlichungen zusammengetragenen Daten nicht bekannt waren. F\u00fcr die heutigen Verfechter der \u00f6konomischen Imperialismustheorie ist diese Entschuldigung nat\u00fcrlich nicht mehr gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Monopolkapitalismus, Finanzkapital und Kolonien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBei der Verifizierung dieser These vom Zusammenhang zwischen Kapitalexport und Imperialismus anhand der historischen Tatsachen erweist sich ihre Schl\u00fcssigkeit sowohl aus chronologischen wie auch aus geographischen Gr\u00fcnden rasch als br\u00fcchig. Der russische, italienische und japanische Imperialismus lassen sich durch die Notwendigkeit von Kapitalexport \u00fcberhaupt nicht erkl\u00e4ren, denn diese L\u00e4nder hatten keinerlei \u00fcberfl\u00fcssiges Kapital zu exportieren, sondern mussten es vielmehr aus den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern importieren. Die Bildung von Finanzkapital datiert Lenin auf die Zeit nach 1900; die deutschen Kolonien wurden aber fast ausschlie\u00dflich in den beiden Jahrzehnten vor 1900 erworben.\u201c (und nicht nur die deutschen; A.S.)<br \/>\n\u201eIm Falle Frankreichs und Englands kann von der Herausbildung eines Monopolkapitalismus in nennenswertem Umfang nicht die Rede sein. Alle drei L\u00e4nder investierten ihr Auslandskapital, wie wir heute ziemlich genau wissen, nur zu einem Bruchteil in den eigenen Kolonien, zum ganz \u00fcberwiegenden Teil in nichtkolonialen Gebieten: Deutschland in \u00d6sterreich und der T\u00fcrkei; Frankreich in der T\u00fcrkei, auf dem Balkan, der Pyren\u00e4en-Halbinsel und vor allem in Russland; England in seinen \u00e4lteren Dominions, in den USA, in Argentinien und in China.<br \/>\nDer Anteil der deutschen Investitionen in den deutschen Kolonien an den gesamten Auslandsinvestitionen Deutschlands liegt, \u2026 f\u00fcr den Zeitraum bis 1914 bei 3,8 Prozent; Frankreich exportierte 1900 5,3 Prozent seines Auslandskapitals in seine Kolonien, 1914 8,8 Prozent; England platzierte 1913 47 Prozent seiner Auslandsinvestitionen im Empire, aber mit Einschluss der Dominions, die den Hauptteil absorbierten.\u201c (Winfried Baumgart: Deutschland im Zeitalter des Imperialismus 1890-1914, 4.\u00a0Auflage 1982, S.\u00a036)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuch was die weiteren \u00f6konomischen Argumente angeht, die vor allem von den F\u00fchrern der damaligen Kolonialbewegung und -agitation f\u00fcr den Erwerb von \u00fcberseeischen Territorien ins Feld gef\u00fchrt wurden, dass die Kolonien n\u00e4mlich <strong>Rohstoffquellen und Absatzm\u00e4rkte<\/strong> seien\u201c (siehe dazu auch Lenin, Bd. 22, S. 264-265; A.S.) \u201eoder in Zukunft zu solchen sich entwickeln w\u00fcrden, so erweisen sie sich bei ihrer Gegen\u00fcberstellung mit den Tatsachen in fast allen F\u00e4llen als propagandistische Verbr\u00e4mung, als nachtr\u00e4gliche Rechtfertigung, als Zukunftstr\u00e4ume oder als Selbstt\u00e4uschung. \u2026 F\u00fcr die deutsche Schwerindustrie waren die Schutzgebiete in Afrika \u201aKolonialreiche, die im Monde liegen\u2018; der Kohleindustrielle Emil Kirdorf wollte die deutsche Afrikapolitik auch nicht mit \u201aeiner Tonne Kohle\u2018 st\u00fctzen. \u2026<br \/>\nDer Anteil des Kolonialhandels am Gesamtau\u00dfenhandel fiel bei den drei L\u00e4ndern Deutschland, England und Frankreich stets recht bescheiden aus, von den anderen M\u00e4chten ganz zu schweigen. In Deutschland hat er bis zum Weltkrieg nie den l\u00e4cherlichen Satz von 0,5 Prozent \u00fcberschritten \u2026\u201c Winfried Baumgart: Deutschland im Zeitalter des Imperialismus 1890-1914, 4.\u00a0Auflage 1982, S.\u00a036-37)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas den Prozess der Finanzkapitalausbildung angeht, so ist er wieder nur auf Deutschland einigerma\u00dfen zutreffend. In Frankreich kam es gerade nicht zur Fusion von Industrie- und Bankkapital. Das Industriekapital hielt sich unabh\u00e4ngig von den Gro\u00dfbanken und wurde von der Industrie zu Eigeninvestitionen, kaum zum Export eingesetzt.\u201c (Winfried Baumgart: Der Imperialismus. Idee und Wirklichkeit der englischen und franz\u00f6sischen Kolonialexpansion 1880-1914. Wiesbaden 1975, S. 78)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn Frankreich gingen Warenausfuhr und Kapitalausfuhr eigene Wege. So war Russland vor dem Kriege der gr\u00f6\u00dfte Schuldner Frankreichs, aber nur sein zehntbester Handelspartner. Auf dem Balkan wurde das von Frankreich bereitgestellte Kapital zum Waffenkauf in Deutschland verwendet. Lenin scheint f\u00e4lschlich gerade Frankreich als bestes Beispiel f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung von Kapitalanleihen und Handelsgesch\u00e4ften anzusehen, wenn er sagt: \u201aDer Kapitalexport wird (f\u00fcr Frankreich) zu einem Mittel, den Warenexport zu f\u00f6rdern.\u2018 (siehe LW Bd. 22, S. 248; A.S.) Die Beispiele lie\u00dfen sich fortsetzen. Auch in England ist es zu einer Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital nicht gekommen. Auch hier benutzte die Industrie ihr Kapital zur Re-Investition \u2026\u201c (Winfried Baumgart: Der Imperialismus. Idee und Wirklichkeit der englischen und franz\u00f6sischen Kolonialexpansion 1880-1914. Wiesbaden 1975, S.\u00a078-79)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit die heute bekannten Fakten zur <strong>\u00f6konomischen<\/strong> Imperialismustheorie. Sie ist nicht nur praktisch-politisch gescheitert \u2013 durch die Fortexistenz eines quicklebendigen Imperialismus der Gro\u00dfm\u00e4chte, obwohl derselbe laut dieser Theorie seit \u00fcber 100 Jahren auf dem Sterbebett liegt und mit dem Tode ringt. Ebenso ist sie theoretisch durch eine gr\u00fcndliche Untersuchung der \u00f6konomischen und politischen Fakten von der b\u00fcrgerlichen Kritik widerlegt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Exegese und eine Frage an den Genossen H.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss einige Anmerkungen zum besagten Lenin-Zitat, das der Genosse H. gerne gr\u00fcndlicher durchdacht h\u00e4tte. Dort hei\u00dft es: \u201eSelbst die kapitalistische Kolonialpolitik\u00a0der fr\u00fcheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals&#8220;. (Lenin, LW\u00a022, S.\u00a0264) Da der Genosse uns keine weiteren Hinweise gibt, was uns das sagen soll, macht es Sinn, einen Blick auf die Kolonialpolitik des ausgehenden 19.\u00a0Jahrhunderts zu werfen, um zu verstehen, was Lenin mit diesen S\u00e4tzen gemeint haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Seiten vor obigem Zitat schreibt Lenin selbst zu diesem Thema: \u201eIn seinem Werk \u00fcber den Imperialismus hebt Hobson die Periode von 1884 \u2013 1900 als Periode verst\u00e4rkter \u201aExpansion\u2018 der wichtigsten europ\u00e4ischen Staaten hervor. Seiner Berechnung nach erwarb England w\u00e4hrend dieser Zeit 3,7 Millionen Quadratmeilen mit einer Bev\u00f6lkerung von 57 Mill.; Frankreich 3,6 Mill. Quadratmeilen mit einer Bev\u00f6lkerung von 36,5 Mill.; Deutschland 1 Mill. Quadratmeilen mit 14,7 Mill.; Belgien 900.000 Quadratmeilen mit 30 Mill. Und Portugal 800.000 Quadratmeilen mit 9 Mill Einwohnern. Die Jagd aller kapitalistischen Staaten nach Kolonien gegen Ende der 19. Jahrhunderts und besonders seit den achtziger Jahren ist eine allbekannte Tatsache in der Geschichte der Diplomatie und der Au\u00dfenpolitik.\u201c (LW\u00a022, S.\u00a0260)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War die Kolonialpolitik vor den 80er Jahren des 19. Jahrhundert gepr\u00e4gt von Handelsst\u00fctzpunkten und Siedlungskolonien, begann zu diesem Zeitpunkt die territoriale Aufteilung und Besetzung der L\u00e4nder Afrikas und Polynesiens. Hierzu Lenin: \u201eWir haben bereits gesehen, dass die Periode der h\u00f6chsten Entwicklung des vormonopolistischen Kapitalismus mit vorwiegend freier Konkurrenz, in die sechziger und siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts f\u00e4llt. Jetzt sehen wir, dass gerade nach dieser Periode ein ungeheurer Aufschwung der kolonialen Eroberungen beginnt \u2026\u201c (Ebenda)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und zur Abrundung dieser Darstellung auch noch eine b\u00fcrgerliche Quelle: \u201eW\u00e4hrend \u2026 noch Mitte der achtziger Jahre von der Konsolidierung des bestehenden Empires (gesprochen wurde), hatte die weltpolitische Entwicklung dieses Programm und damit den Begriff des \u201atrue\u2018 imperialism bereits ausgeh\u00f6hlt: \u201aDas Zeitalter des Imperialismus\u2018 hatte begonnen. Die fast ausschlie\u00dflich \u00e4u\u00dferen, politischen und sozialen Faktoren, die es zun\u00e4chst bestimmen, wirken sich begriffsgeschichtlich erst sehr viel sp\u00e4ter aus. \u2026 Frankreich kompensierte seine Verluste in Europa (1870\/71) durch eine erhebliche Ausdehnung seines Kolonialbesitzes. Es annektierte 1881 Tunis, 1883-85 Annam und Tongking, 1885 Madagaskar, 1893 Laos. Damit war der Wettlauf nach den noch \u201efreien\u201c Teilen der Erde entfesselt, an dem sich das Deutsche Reich nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern beteiligte: 1884 Deutsch-S\u00fcdwestafrika, Togo und Kamerun, im Pazifik Kaiser-Wilhelm-Land und Bismarck-Archipel; 1885 Deutsch-Ostafrika, 1898 Kiautschou, 1899 die Marianen-, Karolinen- und Palau-Inseln.<br \/>\nNun ging auch England wieder zu einer zielbewussten Annexionspolitik \u00fcber: Nachdem es schon 1882 \u00c4gypten besetzt hatte, sicherte es sich 1884 Britisch-Neuguinea, Somaliland, einen Teil von Nigeria und durch Rhodes Initiative Betschuanaland, 1889\/90 das Maschona- und Matabelland (die drei letztgenannten Gebiete seit 1895 als \u201aRhodesia\u2018 zusammengefasst, zu dem 1898 noch das Barotseland geschlagen wurde). England (wie auch Deutschland) wurde durch private, nicht durch staatliche Initiative in diesen Wettlauf engagiert; wenn auch, nachdem er einmal in Gang war, der Staat mehr und mehr die Leitung der Expansion \u00fcbernahm.\u201c (Hans Werner Kettenbach: Lenins Theorie des Imperialismus, K\u00f6ln 1965, S.\u00a062 \u2013 63)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schlussfolgerung, die wir aus diesen Quellen ziehen k\u00f6nnen, ist eindeutig: Die Kolonialpolitik des <em>Kapitalismus<\/em> endete in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Danach begann bei Lenin die Kolonialpolitik des \u201e<em>Imperialismus<\/em>\u201c und des \u201eFinanzkapitals\u201c, in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung das \u201eZeitalters des Imperialismus\u201c. Ausgangspunkt ist in beiden F\u00e4llen eine tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderung in der Kolonialpolitik der Gro\u00dfm\u00e4chte, die die <strong>territoriale Besitzergreifung<\/strong> Afrikas und Ozeaniens beinhaltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun steht aber in der \u201eSchrift\u201c w\u00f6rtlich: \u201eDas 20. Jahrhundert ist also der Wendepunkt vom alten zum neuen Kapitalismus, von der Herrschaft des Kapitals schlechthin zur Herrschaft des Finanzkapitals.\u201c (LW 22, S.\u00a0229) Wie erkl\u00e4rt der Genosse H. diese erstaunliche Differenz? Die Kolonialpolitik \u00e4ndert sich bei den Gro\u00dfm\u00e4chten \u2013 sowohl nach Lenin als auch in der Wirklichkeit \u2013 ab den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Das \u201eFinanzkapital\u201c und der \u201ekapitalistische Imperialismus\u201c, die vermeintliche Ursache dieser neuen Kolonialpolitik in der \u00f6konomischen Imperialismustheorie bei Lenin, entstehen aber erst 20 Jahre sp\u00e4ter, n\u00e4mlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die These, dass es das Finanzkapital war, welches diese Ver\u00e4nderung bewirkt habe, steht im offensichtlichen Widerspruch zu Lenins Argumentation, die das Finanzkapital erst mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstehen l\u00e4sst. Seine Theorie kann die \u00c4nderung der Kolonialpolitik ab den 80er Jahren des 19.\u00a0Jahrhunderts nicht erkl\u00e4ren. Dieses Problem ist dem Genossen H. bei seinem Nachdenken \u00fcber das von ihm herausgesuchte Lenin-Zitat gar nicht aufgefallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hinweis zum Nachdenken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da es mir nicht um Textexegese, sondern um Erkenntnisgewinn geht, m\u00f6chte ich zum Abschluss einige Hinweise geben, wie das \u201eZeitalter des Imperialismus\u201c aus den Widerspr\u00fcchen zwischen den Klassen in den damaligen imperialen Gro\u00dfm\u00e4chten erkl\u00e4rt werden kann. Dazu stelle ich hier einen bisher unver\u00f6ffentlichten Text aus dem Jahr 2006 vor. Damals fand, organisiert von der AzD-Redaktion, ein Imperialismus-Seminar statt (mit Bericht in der AzD Nr.\u00a076) wo ich zum Thema Imperialismustheorie referierte. Mein Referat von damals liegt heute nur noch als schriftliche Zitatensammlung zum Thema und nicht mehr als vollst\u00e4ndige Text-Datei vor. Das Fazit meines damaligen Referates \u2013 so wie es mir noch vorliegt &#8211; stelle ich an den Schluss dieses Textes. Die S\u00e4tze sind nicht vollst\u00e4ndig ausformuliert (da Referat), die inhaltlichen Positionen aber deutlich erkennbar. Sie spiegeln nicht mehr im <strong>Einzelnen<\/strong> <strong>meine heutigen Auffassungen<\/strong> zum Thema wider, zeigen aber die Richtung an, in der ich weiterhin eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das \u201eZeitalter des Imperialismus\u201c zu finden meine.<br \/>\nVielleicht ist das ein Ansatz zum \u201eNachdenken\u201c \u2013 nicht \u00fcber ein einzelnes Leninzitat, sondern \u00fcber die tats\u00e4chliche Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eThesen zum Imperialismus\u201c \u2013 2006 \u2013 Fazit des Referates<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Sowohl in der marxistischen Theorie und Politik (zur marxistischen Unklarheit siehe die entsprechenden Kautsky-Zitate), als auch in der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft und Politik des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts keine einheitliche Definition dessen, was denn Imperialismus sei.<br \/>\n<strong>Inflation\u00e4rer Gebrauch des Begriffes \u201eImperialismus\u201c \u2013 ohne dass eine einheitliche F\u00fcllung des Begriffs gegeben war<\/strong>. Bedeutsam aber, dass \u201edie \u00dcberzeugung, dass die nationale Wirtschaft kolonialer Dependancen bed\u00fcrfe, bald Allgemeingut der b\u00fcrgerlichen Schichten aller Industrienationen (wurde) und keineswegs nur als Resultat interessenpolitischer Agitation der jeweils betroffenen Unternehmensgruppen gelten kann). Allein, es ist charakteristisch, dass die Auffassungen fast nirgends einer wirklichen \u00dcberpr\u00fcfung unterworfen wurden\u201c (Mommsen). Gebrauch wie heute der Begriff Globalisierung \u2013 als Kampfparole bestimmter sozialer Gruppen?<br \/>\nUnklarheiten \u00fcber diesen Begriff auch bei Marxisten (siehe Kautskys Schilderung). Vereinheitlichung dann ab 1917 mit Lenins Schrift, die aber v\u00f6llig andere Absicht hat: dabei \u201ehandelt es sich prim\u00e4r um eine polemische Kampfschrift von nur begrenzt theoretischem Niveau, die sich insbesondere gegen die sozialchauvinistischen Tendenzen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie richtete, dar\u00fcber hinaus aber auf ihre Weise die Frage zu beantworten suchte, weshalb die Revolution in den am h\u00f6chsten entwickelten kapitalistischen Gesellschaften ausgeblieben sei.\u201c (Mommsen) M.E. Versuch der \u00f6konomischen Begr\u00fcndung f\u00fcr den \u201eVerrat\u201c der SD und der ihr folgenden Arbeiterschichten.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li>Jede direkt \u00f6konomistische Imperialismustheorie (Finanzkapital Handelskapital, Industriekapital oder diverse B\u00fcndnisse derselben) muss verworfen werden. Motive wie gesellschaftliche Umsetzbarkeit sind nicht nachweisbar. Keine Rohstoffabh\u00e4ngigkeit, noch nach Anlagem\u00f6glichkeiten suchendes Kapital als Triebkraft f\u00fcr koloniale Annexion nachweisbar. Sicherung des Absatzmarktes f\u00fcr England wird von Hobsbawm behauptet, aber auch hier vielfach ins informelle Empire.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"3\">\n<li>Das Ph\u00e4nomen des \u201eImperialismus\u201c muss f\u00fcr die drei Hauptprotagonisten \u2013 England, Deutschland, Frankreich \u2013 <strong><em>jeweils konkret untersucht<\/em><\/strong> Eventuell ist eine Betrachtung der Sonderf\u00e4lle USA und Japan n\u00f6tig. Das deutsche Kaiserreich betreibt keine \u201eimperiale\u201c oder \u201eimperialistische\u201c Politik. Wehler bemerkt zurecht, dass f\u00fcr das deutsche Kaiserreich beispielsweise von \u201eBismarcks Kolonialpolitik\u201c bis 1890 und anschlie\u00dfend von \u201eFlotten- und Weltpolitik\u201c gesprochen wird. M\u00f6glicherweise in England \u2013 dem Ausgangspunkt der Imperialismus-Idee \u2013 der Inhalt des Imperialismusbegriffs etwas klarer: Angliederung bzw. Verschmelzung ausl\u00e4ndischer (\u00fcberseeischer) Territorien an das Mutterland, um den Bedeutungsverlust Englands gegen\u00fcber den Kolonialm\u00e4chten zu kompensieren (bedingt durch Eisenbahn gegen Schifffahrt). <strong>Dies aber nie beherrschender Inhalt der englischen Politik<\/strong>, sondern letztlich nur die Sicherung Indiens.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li>Welche Gemeinsamkeiten weisen bei allen Unterschieden die entsprechenden Staaten auf:<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"list-style-type: lower-alpha;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">Abwendung vom Liberalismus in der Wirtschaftspolitik <strong><em>und Hinwendung zum Interventionsstaat<\/em><\/strong>, mit Protektionismus (Deutschland, Frankreich?) Wachsende Rolle des Staates im politischen und wirtschaftlichen Geschehen. Hier stellt sich die Frage warum? W\u00e4chst dieses Bed\u00fcrfnis <strong>hauptseitig<\/strong> aus der Produktion oder hauptseitig aus den anwachsenden gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen?<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Hereindr\u00e4ngen der Massen in die Politik, Ausdehnung oder verst\u00e4rkte Ausnutzung des Wahlrechts. (\u201epolitischer Massenmarkt\u201c)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Anwachsen der sozialistischen Str\u00f6mungen in der Industriearbeiterschaft und au\u00dferhalb Deutschlands auch im Kleinb\u00fcrgertum.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Dies legt nahe, in der Ideologie des Imperialismus (insbesondere da er sich politisch mit Nationalismus und Kolonialismus vermengt), ein Instrument zur Einbindung der Mittelschichten und besser gestellten Teilen der Arbeiterklasse in die Hegemonie der herrschenden Schichten (Grundbesitz und Schwerindustrie) zu sehen. Diese <strong>Ideologie<\/strong> ist allerdings f\u00fcr die entscheidenden Fragen der Au\u00dfenpolitik <strong>ohne Bedeutung<\/strong>, sie ist ein Instrument der Innenpolitik, das auf die Au\u00dfenpolitik zur\u00fcckwirkt, sie aber nicht bestimmt. \u2026\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss meines Referates folgende Feststellung zum Kaiserreich:<br \/>\n\u201eIn Deutschland speziell ist der Imperialismus historisch ein Kampfbegriff von Teilen der Bourgeoisie und des intellektuellen Kleinb\u00fcrgertums (Max Weber, Naumann etc.) zur \u201eModernisierung\u201c der Gesellschaft in ihrem Sinne: Machtgewinn im Staate ohne Entmachtung der Junker, ohne Erk\u00e4mpfung des Parlamentarismus, ohne Demokratisierung der Gesellschaft, also gegen die sich entwickelnde Arbeiterschaft. Der \u201eImperialismus\u201c und die Flottenpolitik ist ihr Panier zur Erschleichung der Macht ohne eigenst\u00e4ndiges gesellschaftspolitisches Programm und ohne Klassenkampf. Der Marxismus der II. Internationale hat ihre Phrasen gefressen und nichts begriffen.\u201c<\/p>\n<p>April 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fortsetzung einer verfehlten Debatte &nbsp; Alfred Schr\u00f6der Ausgangspunkt aller Debatten der letzten Monate \u00fcber den \u201eImperialismus\u201c war der aktuelle Krieg in der Ukraine und wie er zu bewerten sei. Diese Bewertung bildet die Grundlage f\u00fcr die Politik der Kommunisten. Wir haben dazu wiederholt klar Position bezogen, u. A. mit den Forderungen: \u201eDeutschland raus aus &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2661\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Imperialismus-Kritik nach dem Steinbruchverfahren<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2661","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2661"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2677,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2661\/revisions\/2677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}