{"id":2635,"date":"2023-02-13T21:51:50","date_gmt":"2023-02-13T20:51:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635"},"modified":"2023-02-13T21:52:04","modified_gmt":"2023-02-13T20:52:04","slug":"die-kapitalisierung-der-udssr-und-einiges-zum-untergang-des-realsozialismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635","title":{"rendered":"Die Kapitalisierung der UdSSR  und einiges zum Untergang des Realsozialismus"},"content":{"rendered":"<p>K.H.Goll 25.10.2022<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Zeilen erf\u00fcllen allein schon der K\u00fcrze wegen nicht den Anspruch einer umfassenden Analyse. Sie widersprechen vor allem den Ansichten vieler Linken, welche das Ende einer sozialistischen UdSSR auf das Jahr 1989 datieren und\/oder den imperialistischen Charakter des heutigen Russland leugnen. Die Konterrevolution begann n\u00e4mlich bereits in den 60-iger Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein etwas l\u00e4ngerer Exkurs befasst sich mit der Politik von kommunistischen Parteien zum Kleinb\u00fcrgertum, zur Kleinproduktion mit der Folgerung (Hypothese), dass eine diesbez\u00fcglich vielfach falsche (idealistisch-voluntaristische) Politik stark zum historischen Untergang des Realsozialismus beigetragen hat. Mit der Kapitalisierung der UdSSR begann der Untergang des gesamten realsozialistischen Lagers mit all seinen Varianten, sozusagen das historische Scheitern des ersten kommunistischen Anlaufs der Menschheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Der russische Kapitalismus vor 1917<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu hat Lenin zwischen 1896 bis 1899 umfangreiche Untersuchungen angestellt und unter dem Titel \u201eDie Entwicklung des Kapitalismus in Russland\u201c auf \u00fcber 600 Seiten zusammengestellt. Dazu sei hier auf den Band 3 der Werke Lenins [1]) verwiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">(Dieser Text muss sich vielfach auf Lenin beziehen, weil dieser zweifellos <strong><u>der<\/u><\/strong> Theoretiker war, der die Strategie und Taktik der ersten zun\u00e4chst erfolgreichen sozialistischen Revolution ma\u00dfgeblich und entscheidend bestimmte.)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland befand sich vor der Revolution in einer Phase, die Lenin 1893 [2] folgenderma\u00dfen umschrieb: \u201e<em>\u2026 Abl\u00f6sung der Naturalwirtschaft durch die Warenwirtschaft und der Warenwirtschaft durch die kapitalistische Wirtschaft &#8230;<\/em>\u201c und: <em>\u201eVerarmung des Volkes &#8211;\u00a0 Wachstum des Kapitalismus \u2013 Erweiterung des Marktes \u2013 Entwicklung und Vertiefung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung&#8230;<\/em>\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Das Wertgesetz*) im Sozialismus<\/strong><\/span><\/p>\n<p class=\"Textbody\" style=\"margin: 0cm 0cm .0001pt 35.45pt;\"><span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: 'Arial',sans-serif; color: black;\">*) Das Wertgesetz lautet: Die <u>Substanz des Werts<\/u> ist und bleibt nichts anderes au\u00dfer <u>verausgabter Arbeitskraft.<\/u> Marx: <u>\u201eWert ist nichts als \u201efestgeronnene Arbeit\u201c<\/u>. Im entwickelten Kapitalismus wirkt das Wertgesetz nicht mehr in der einfachen Weise wie in der einfachen Warenproduktion. Es wirkt modifiziert \u00fcber die sogenannten Produktionspreise, bei denen die allgemeine Profitrate des gesellschaftlichen Gesamtkapitals den Zuschlag zu den Kostpreisen der Einzelkapitalien bestimmt \u2013 um so mehr, je mehr die kapitalistische Warenproduktion und Vergesellschaftung vorherrschen.<\/span><span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: 'arial\\, helvetica\\, sans-serif'; color: black;\"> Zur allgemeinen Profitrate &#8211; \u201e<\/span><span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: sans-serif; color: black;\">ein<\/span> <span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: sans-serif; color: black;\">nie festzustellender Durchschnitt ewiger<\/span> <span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: sans-serif; color: black;\">Schwankungen\u201c<\/span><span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: 'arial\\, helvetica\\, sans-serif'; color: black;\"> (Marx) \u2013[3] siehe auch <\/span><span style=\"font-size: 10.5pt;\"><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf\"><span style=\"color: windowtext; text-decoration: none; text-underline: none;\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/wp-content\/uploads\/Artikel-Imp-2022-1.pdf<\/span><\/a><\/span><span style=\"font-size: 10.5pt; font-family: 'arial\\, helvetica\\, sans-serif'; color: black;\">.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im sowjetischen \u201eLehrbuch der politischen \u00d6konomie\u201c [4], das 1954 (1 Jahr nach dem Tod Stalins) erschien, hie\u00df es in Bezug auf dessen Schrift zu den \u201e\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus in der UdSSR\u201c [5]:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">das Wertgesetz besteht und wirkt (seinerzeit) in der UdSSR;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">seine Wirkungssph\u00e4re erstreckt sich auf die Warenzirkulation, vor allem auf den Austausch von Waren des pers\u00f6nlichen Konsums und bewahrt hier innerhalb bestimmter Schranken die Rolle des Regulators;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">und weiter (Zitat): <em>\u201eAber die Wirkung des Wertgesetzes ist nicht auf die Sph\u00e4re der Warenzirkulation beschr\u00e4nkt. Sie erstreckt sich auch auf die Produktion. Allerdings hat das Wertgesetz in unserer sozialistischen Produktion keine regulierende Bedeutung, aber immerhin wirkt es auf die Produktion ein, und das darf man bei der Leitung der Produktion nicht au\u00dfer acht lassen. Es handelt sich darum, dass f\u00fcr die Konsumtion bestimmte Produkte, die f\u00fcr die Deckung des Aufwands an Arbeitskraft im Produktionsproze\u00df notwendig sind, bei uns produziert und realisiert werden als Waren, die der Wirkung des Wertgesetzes unterliegen. Hier zeigt sich gerade die Einwirkung des Wertgesetzes auf die Produktion. Im Zusammenhang damit haben in unseren Betrieben Fragen wie die der wirtschaftlichen Berechnung und der Rentabilit\u00e4t, der Selbstkosten, der Preise u. dgl. m. aktuelle Bedeutung. Deswegen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen unsere Betriebe nicht ohne Ber\u00fccksichtigung des Wertgesetzes auskommen.<\/em>\u201c<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der Wirkungsbereich des (Mehrwert-)gesetzes wird immer mehr eingeschr\u00e4nkt.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Produktionsmittelindustrie, die Schwerindustrie gilt jenseits des Wertgesetzes <em>\u201edas Gesetz der planm\u00e4\u00dfigen (proportionalen) Entwicklung der Volkswirtschaft\u201c<\/em> nach den Pl\u00e4nen der KPdSU. Danach wird <em>\u201e&#8230;die Rentabilit\u00e4t nicht vom Standpunkt einzelner Betriebe oder Produktionszweige und nicht in der Perspektive eines Jahres, sondern vom Standpunkt der gesamten Volkswirtschaft und in der Perspektive, sagen wir, von zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren&#8230;\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit zur offiziellen \u00f6konomischen Konzeption der Sowjetunion bis zum Anfang der 50-iger Jahre des letzten Jahrhunderts. F\u00fcr den \u00dcbergang zum Kommunismus sah man eine historisch lange Entwicklungsperiode f\u00fcr unumg\u00e4nglich, ohne \u201eleichtsinnige \u00dcbereilung\u201c, in der eine Reihe von Voraussetzungen erreicht werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So nannte G. Malenko, der auf dem 19. Parteitag der KPdSU 1952 den Rechenschafts\u00adbericht des ZK vortrug [6], folgende Bedingungen f\u00fcr die <em>\u201eVorbereitung des \u00dcbergangs zum Kommunismus\u201c<\/em>:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">das bevorzugte Wachstum der Produktion von Produktionsmitteln;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">durch allm\u00e4hliche \u00dcberg\u00e4nge das Eigentum der Kolchosen auf das Niveau des allgemeinen Volkseigentums zu heben, die Warenproduktion einzuschr\u00e4nken und allm\u00e4hlich durch ein System des Produktenaustauschs zu ersetzen;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">ein hohes kulturelles Wachstum, eine allseitige Entwicklung der physischen und geistigen F\u00e4higkeiten und der Bildung;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">dazu m\u00fcssen der 6-Stundentag, eine Verbesserung der Wohnverh\u00e4ltnisse von Grund auf, eine Verdoppelung der Reall\u00f6hne erreicht werden;<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Letztenendes m\u00fcssen die Gegens\u00e4tze zwischen Stadt und Land sowie von k\u00f6rperlicher und geistiger Arbeit aufgehoben werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das wurde mit dem 20. Parteitag 1956 unter Chruschtschow im Wesentlichen ignoriert und \u00fcber Bord geworfen. Dabei muss man nicht \u2013 wie maoistische Kritiker \u2013 von einer b\u00f6sartigen Verschw\u00f6rung ausgehen. Vielmehr kamen idealistische, voluntaristisch-ultralinke Tendenzen zum Durchbruch, die schon seit Jahrzehnten in der kommunistischen Bewegung eine Rolle gespielt hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>\u201eKommunistischer Idealismus\u201c bzw. Voluntarismus<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Form des Idealismus bedeutet nicht die Erkl\u00e4rung des Geistigen, der Ideen, zur Ursache aller Erscheinungen und Entwicklungen (etwa nach dem Satz: \u201eam Anfang war das Wort \u2026\u201c &#8211; Joh.1\/1) oder dass die Wirklichkeit auf Ideen basiert oder dass die reale Welt nur als Objekt des Bewusstseins existiert. Das alles nicht (bzw. weniger). Dagegen geht es um die\u00a0 \u00dcberh\u00f6hung eines ideologisch begr\u00fcndeten Willens per Parteibeschl\u00fcssen zum Agens\u00a0 der Gesellschaft \u2013 losgel\u00f6st von bzw. im Widerspruch zu objektiven, materiellen Bedingungen. Beispielsweise u.a., indem man vom Willen der Menschen unabh\u00e4ngige \u00f6konomische Gesetze jenseits der objektiven Voraussetzungen per Beschl\u00fcssen willk\u00fcrlich \u00fcbergehen, gar abschaffen oder neue Gesetze erfinden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein solcher Idealismus zeigte sich auch z.B. in der deutschen Novemberrevolution und danach: <em>Die Revolution\u00e4re, die f\u00fcr die Ideale einer sozialistischen Republik nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution k\u00e4mpften, blieben in der R\u00e4tebewegung eine Minderheit. Sie untersch\u00e4tzten die noch unerledigten Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Revolution, die f\u00fcr den Sozialismus \u201eunreife\u201c Klassenstruktur und die Aktionsf\u00e4higkeit\u00a0 der sozialdemokratisch gef\u00fchrten Konterrevolution. Lenin kritisierte (teilweise) den zugrundeliegenden linken Radikalismus der deutschen Revolution\u00e4re [7]. Die KPD mit ihrem fortdauernden linken Sektierertum und ihrem Voluntarismus, die die Ideen von Sozialismus und Diktatur des Proletariats als unmittelbar auf der Tagesordnung<\/em> <em>verfolgte<\/em><em>,<\/em><em> konnte Massen r\u00fcckst\u00e4ndiger Arbeiter, Bauern und Millionen anderer kleiner Warenproduzenten nicht gewinnen und wurde letztlich vom Nazi-Faschismus \u00fcberrollt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Die voluntaristische Politik zu Kleinproduktion und\u00a0 Kleinb\u00fcrgertum<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin:<em> \u201e\u2026 die Kleinproduktion aber erzeugt unausgesetzt, t\u00e4glich, st\u00fcndlich, elementar und im Massenumfang Kapitalismus und Bourgeoisie. Aus allen diesen Gr\u00fcnden ist die Diktatur des Proletariats notwendig \u2026\u201c<\/em>\u00a0 (Lenin, \u201eDer\u00a0 \u201elinke Radikalismus \u2026\u201c &#8211; [7]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lenin pr\u00e4gte sch\u00e4rfste Worte gegen das\u00a0 Kleinb\u00fcrgertum und dessen Parteien w\u00e4hrend der Zeit der Doppelherrschaft bis zur Revolution wie z.B. noch im April 1918: <em>\u201eWir haben einen au\u00dferordentlich gef\u00e4hrlichen geheimen Feind, der gef\u00e4hrlicher ist\u00a0 als viele offene Konterrevolution\u00e4re: dieser Feind \u2013 ein Todfeind der sozialistischen Revolution und der Sowjetmacht \u2026 ist die Elementargewalt des Kleineigent\u00fcmers\u201c <\/em>[8]. Oder ebenda, S. 331: \u201e<em>\u2026 der Sieg \u00fcber Unordnung, Zerr\u00fcttung, Schlamperei ist wichtiger als alles andere, denn das Fortbestehen der kleinbesitzerlichen Anarchie ist die gr\u00f6\u00dfte, die schlimmste Gefahr \u2026\u201c<\/em> .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine f\u00fcr s\u00e4mtliche sozialistischen Anl\u00e4ufe letztlich verh\u00e4ngnisvolle Konsequenz einer Kanonisierung bzw. Dogmatisierung solcher S\u00e4tze war eine falsche Politik gegen\u00fcber dem Kleinb\u00fcrgertum als Ausdruck des \u201ekommunistischen Idealismus\u201c bzw. Voluntarismus in den L\u00e4ndern nach der kommunistischen Macht\u00fcbernahme. Man berief sich auf\u00a0 solche Zitate, um die Kleinproduktion zu bek\u00e4mpfen und sie in \u201eleichtsinniger \u00dcbereilung\u201c schnellstm\u00f6glich ohne R\u00fccksicht auf verheerende Folgen einzud\u00e4mmen bis abzuschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der relativen Stabilisierung der Sowjetmacht und dem \u00dcbergang zur \u201eneuen \u00f6konomischen Politik\u201c (N\u00d6P) hatte sich die Lage entscheidend ge\u00e4ndert, so dass sich (notwendigerweise) die Haltung zum Kleinb\u00fcrgertum \u00e4ndern musste \u2013 laut Lenin:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMan muss es verstehen, die am wenigsten proletarischen,\u00a0 die am meisten kleinb\u00fcrgerlichen Schichten der Werkt\u00e4tigen, die sich uns zuwenden, f\u00fcr uns zu gewinnen \u2026 Die Losung des Tages ist <u>nicht ihre Bek\u00e4mpfung, sondern ihre Gewinnung<\/u> \u2026\u201c<\/em> (Nov. 1918 \u2013 [9]).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies schrieb Lenin noch weit vor dem \u00dcbergang zur \u201eNeuen \u00f6konomischen Politik\u201c (N\u00d6P). Zu dieser grunds\u00e4tzlichen politischen Wende hie\u00df es 1921 in radikaler Selbstkritik: &#8222;<em>&#8230; begingen wir den Fehler, dass wir beschlossen, den unmittelbaren \u00dcbergang zur kommunistischen Produktion und Verteilung zu vollziehen&#8220;<\/em> [10]<em>. <\/em>In der Landwirtschaft hatte die \u201ekommunistische\u201c rigorose Ablieferungspflicht schwere Hungersn\u00f6te versch\u00e4rft; sie wurde abgeschafft und durch eine Naturalsteuer ersetzt. So musste sich die Politik zu den (kleinb\u00fcrgerlichen) Bauern grundlegend\u00a0 \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den \u201eAufs\u00e4tzen zur Diskussion\u201c (AZD Nr. 85 \u2013 [11]) hie\u00df es: <em>\u201eDer Preis f\u00fcr die proletarische Macht war eine antikapitalistische, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Agrarrevolution, die jeden direkten Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft versperrte.\u201c<\/em> Dazu l\u00e4sst sich einfach nur sagen: es ging nicht anders. Ein direkter (voluntaristischer) Weg w\u00e4re der \u201eleichtsinnig \u00fcbereilte\u201c direkte Weg in den Abgrund gewesen, der sich vor der Wende zur N\u00d6P aufgetan hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Leninsche Haltung zum Kleinb\u00fcrgertum erscheint janusk\u00f6pfig, sie ist widerspr\u00fcchlich \u2013 einerseits definiert er es zum Todfeind des Sozialismus, andererseits zum zu gewinnenden B\u00fcndnispartner der Arbeiterklasse. Beides ist h\u00f6chstens halbwegs erkl\u00e4rlich, wenn man die jeweilige politische Lage, die jeweils konkrete materielle Situation ber\u00fccksichtigt. Es ging einerseits im Wesentlichen um den Kampf gegen die konterrevolution\u00e4re Rolle kleinb\u00fcrgerlicher Parteien (Sozialrevolution\u00e4re, Menschewiki) in der Zeit um den Oktober 1917, andererseits um die B\u00fcndnispolitik nach der Revolution. Die B\u00fcndnispolitik mit den Bauernmassen und kleinb\u00fcrgerlichen Schichten war zwingend notwendig f\u00fcr s\u00e4mtliche (real-)sozialistischen L\u00e4nder nach der Macht\u00fcbernahme kommunistischer Parteien. Eine abrupte Abdrosselung der Kleinwirtschaft mit dem \u00dcbergang zu einer komplett planwirtschaftlichen, verstaatlichten\u00a0 Produktion und Verteilung war ohne katastrophale Folgen vollkommen unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im \u201eLinken Radikalismus\u201c [7]\u00a0 erg\u00e4nzte Lenin wenige Abs\u00e4tze nach dem obigen Zitat in Bezug auf die <em>\u201enichtproletarischen werkt\u00e4tigen Massen\u201c<\/em> , dass diese <em>\u201edurch die Richtigkeit der politischen F\u00fchrung \u2026 <strong><u>durch eigene Erfahrung<\/u><\/strong> \u2026\u201c<\/em> \u00fcberzeugt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleinb\u00fcrgerlichen Schichten (Bauern, H\u00e4ndler, Handwerker, Kleingewerbetreibende) \u00fcben bis heute \u2013 und betrieben erst recht in der nachrevolution\u00e4ren UdSSR, wie in allen ehemals sozialistischen L\u00e4ndern \u2013 eine auf historisch lange Zeit unverzichtbare Warenproduktion f\u00fcr den Austausch von Waren des pers\u00f6nlichen Konsums\u00a0 und pers\u00f6nlicher Dienstleistungen \u2013 siehe dazu das obige Kapitel \u201eDas Wertgesetz im Sozialismus\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den kapitalistischen L\u00e4ndern vollzog und vollzieht sich mit der st\u00fcrmischen Produktivit\u00e4tsentwicklung, der Industrialisierung und Konzentration ein zahlenm\u00e4\u00dfiger Schrumpfungsprozess kleinb\u00fcrgerlicher Betriebe, der bei den Bauern am drastischsten ausfiel. In der BRD sank allein seit 1975 die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von ca. 1 Million auf weniger als 300.000. Auch die Zahl beispielsweise von Einzelh\u00e4ndlern, handwerklichen B\u00e4ckern und Metzgern nimmt kontinuierlich ab. Das geschieht in einem jahrzehntelangen, durch Krisen jeweils beschleunigten historischen Prozess, in dem aber zugleich neue Industrien, \u201eStart-up\u00b4s\u201c und ein anschwellender Dienstleistungssektor neue Arbeitspl\u00e4tze \u201egeschaffen\u201c haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommunistischer Voluntarismus zeigte sich darin, durch vorzeitige \u201erealsozialistische\u201c Formen der Kollektivierung und Verstaatlichung die Kleinproduktion abzuw\u00fcrgen bzw. abzuschaffen, bevor \u00fcberhaupt die notwendigen Voraussetzungen (Produktivit\u00e4t, Produktionsmittel, Produktionsver\u00adh\u00e4ltnisse, Bildungsstand \u2026 &#8211; s. Zitat Malenko oben [6]) ausreichend entwickelt waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als konkretes Beispiel sei nur die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR genannt: die Gr\u00fcndung der LPG\u00b4s erfolgte als voluntaristische Kehrtwende nur wenige Jahre nach der Landaufteilung an Einzelbauern (\u201eJunkerland in Bauernhand\u201c) ohne ausreichend vorhandene Produktionsmittel zur Bewirtschaftung gro\u00dfer zusammengelegter Fl\u00e4chen und ohne \u00fcberzeugte \u201eFachkr\u00e4fte\u201c in ausreichender Zahl mit der Folge, dass Subbotniks, gar Schulklassen bei der Ernte aushelfen mussten, damit nicht z.B. die Kartoffeln auf den \u00c4ckern verfaulten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Folge der voluntaristischen Verstaatlichungspolitik war eine stagnierende Mangelwirtschaft, die letztlich alle Staaten in allen Varianten des Realsozialismus ergriff. Hier k\u00f6nnen nur weitere Analysen angeregt werden, nicht nur zu den Folgen in der UdSSR und der Staaten des Warschauer Paktes, sondern ebenfalls derjenigen in Cuba, Albanien oder Nordkorea, auch in China als Sonderfall.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In der \u201eGeschichte der Partei der Arbeit Albaniens\u201c [12] hie\u00df es beispielsweise zur Periode des <\/em><em>\u201evollst\u00e4ndigen Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft unter den Bedingungen der imperialistisch-revisionistischen Blockade 1960 \u2013 1965\u201c:<br \/>\n\u201eDurch die vollst\u00e4ndige \u00dcberf\u00fchrung der wichtigsten Produktions- und Verkehrsmittel \u2026 in das Staatseigentum und durch die Vollendung der sozialistischen Kooperation der Landwirtschaft \u2026 verschwanden im allgemeinen die verschiedenen Formen der Wirtschaft und an ihre Stelle trat das einheitliche sozialistische Wirtschaftssystem. Im Jahre 1960 erzeugte der sozialistische Sektor 99% der gesamten Industrieproduktion, 80% der gesamten landwirtschaftlichen Produktion und etwa 90% des Nationaleinkommens; er umfasste ferner 100% des Gro\u00dfhandels und 90% des Kleinhandels.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die negativen Folgen versuchte der \u201ekommunistische Idealismus\u201c durch permanente ideologische Kampagnen, durch moralische Mobilisierung und \u201esozialistische Erziehung\u201c bzw. Umerziehung der Massen zu bek\u00e4mpfen, aber auch\u00a0 durch eine umfassende Repression, wobei die STASI in der DDR als perfektioniertes Beispiel gelten kann. Man glaubte durch die \u201eHauptseite Ideologie\u201c, durch die <\/em><em>\u201eallseitige erzieherische T\u00e4tigkeit der Partei\u201c <\/em><em>Stagnation,<\/em> <em>Versorgungsm\u00e4ngel und ausbleibende<\/em> <em>Produktivit\u00e4tsfortschritte bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die \u201egro\u00dfe proletarische Kulturrevolution\u201c in China war die extremste Art einer solch idealistischen Kampagne.<\/em><em> (Ein Relikt des Maoismus ist in Deutschland die MLPD mit ihrem Sisyphoskampf gegen das \u201eSystem der kleinb\u00fcrgerlichen Denkweise\u201c, das laut der Vorsitzenden Gabi Fechtner (\u201eRote Fahne\u201c Nr. 16\/22) \u201einzwischen sogar zur haupts\u00e4chlichen Regierungsmethode wurde\u201c und dem man durch eine \u201esystematische Umerziehung der kleinb\u00fcrgerlichen Zwischenschichten zu einer proletarischen Denkweise durch praktische Zusammenarbeit\u201c laut Programm der MLPD zu Leibe r\u00fccken will.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Kluft zwischen ideologischer Propaganda und einer zunehmend tristen Realit\u00e4t wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Nicht <\/em><em>die \u201e\u00dcberzeugung von der Richtigkeit der politischen F\u00fchrung \u2026 <strong>durch eigene Erfahrung<\/strong> \u2026\u201c <\/em><em>wurde ma\u00dfgeblich<\/em><em>, <\/em><em>sondern ideologische \u201eErziehung\u201c und verst\u00e4rkte Repression gegen wachsende Unzufriedenheit und gegen die Verlockungen von \u201eFreedom &amp; Democracy\u201c der westlichen Konsumgesellschaften.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als Fazit sei also hier die Hypothese aufgestellt, dass ein gemeinsamer Grund f\u00fcr das Scheitern sowohl des Chruschtschowschen Realsozialismus als auch seiner entschiedenen Gegner (insbesondere des China Mao Tse Tungs und Enver Hoxhas Albanien) die falsche, voluntaristische Politik gegen\u00fcber der Kleinproduktion war durch die vorzeitige Kollektivierung und Verstaatlichung ohne notwendige Voraussetzungen. Selbstverst\u00e4ndlich kann dies nur ein &#8211; wenn auch sehr wichtiger \u2013 Einzelaspekt einer historischen Gesamtbetrachtung sein.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><em><strong>Die Arbeiterklasse im Realsozialismus<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zwischen der materiellen Lage der Arbeiterklasse im Realsozialismus unter den Bedingungen der stagnierenden Mangelwirtschaft einerseits &#8211; und der quasi staatsreligi\u00f6sen sozialistischen Propaganda und moralischen Dauermobilisierung andererseits &#8211; entstand eine tiefe Kluft, eine gro\u00dfe Entfremdung zwischen Arbeiterschaft und realsozialistischer Obrigkeit. Der Glaube an den \u201eimmer siegreichen Weg der Partei\u201c entschwand genauso wie der revolution\u00e4re Enthusiasmus der fr\u00fchen Jahre. Die Verh\u00e4ltnisse z\u00fcchteten geradezu Antikommunismus, der nat\u00fcrlich vom Westen im Zuge der imperialistischen Konkurrenz im kalten Krieg massiv befeuert wurde. Eine Kette von Ereignissen markiert den Niedergang: 17. Juni 1953 in Deutschland; Ungarnaufstand 1956; Berliner Mauerbau 1961, Prager Fr\u00fchling 1968; Solidarnosc in Polen 1980; Glasnost und Perestroika in Russland (zweite H\u00e4lfte der 80-iger Jahre) bis hin zur \u201eWende\u201c, dem Bankrott 1989.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine historisch-politische Darstellung zu den \u201eHalbheiten, Schw\u00e4chen und Erb\u00e4rmlichkeiten des ersten Sozialismusversuchs in Deutschland\u201c bietet das Buch von Heiner Karuscheit: \u201eSozialismus ohne Basis\u201c [13].<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Vielgestalt des B\u00fcrgerlichen<\/span> <\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laut Wikipedia wird das B\u00fcrgertum <em>\u201echarakterisiert durch den Erwerb bzw. die Wahrung von Besitz \u2013 und zwar Besitz von Rechten <strong><u>oder<\/u><\/strong> Besitz von materiellen G\u00fctern <strong><u>oder<\/u><\/strong> Besitz von Bildung\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B\u00fcrgertum\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B\u00fcrgertum<\/a>). Man muss hinzuf\u00fcgen, dass das b\u00fcrgerliche Klassenbewusstsein ganz allgemein die \u00dcberzeugung einer grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegenheit, ein elit\u00e4res Sendungsbewusstsein gegen\u00fcber den \u201eunteren\u201c Schichten impliziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier spielen auch hinter der (notwendigen) Avantgarderolle der Kommunisten an der Macht die \u201eVersuchungen\u201c eine Rolle, Privilegien zu beanspruchen und Machtmissbrauch, letztlich b\u00fcrgerliches Verhalten an den Tag zu legen. Partei- und Staatsapparat waren selbstverst\u00e4ndlich nicht\u00a0 frei von den ber\u00fchmten \u201eMuttermalen\u201c des Kapitalismus. Es ist signifikant, dass in s\u00e4mtlichen Parteitagsberichten und sonstigen Dokumenten realsozialistischer Parteien immer wieder vom \u201eentschlossenen Kampf\u201c (in Worten) gegen all die b\u00fcrgerlichen und kleinb\u00fcrgerlichen Relikte und Anfechtungen die Rede ist, w\u00e4hrend letztlich \u00fcberall dieser Hydra immer wieder neue K\u00f6pfe wuchsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besitzb\u00fcrgertum im Kapitalismus, marxistisch die Bourgeoisie, ist die Klasse, die die Verf\u00fcgungsge\u00adwalt \u00fcber die gesellschaftlichen Produktionsmittel aus\u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielfach wird behauptet, es h\u00e4tte in der Sowjetunion keine aktive Bourgeoisie mehr geben k\u00f6nnen, weil die alte enteignet, alles verstaatlicht oder kollektiviert war und es also keinen individuellen Besitz an Produktionsmitteln mehr gab. Aber bereits im\u00a0 Kapitalismus des 19. Jahrhunderts vollzog sich die Entwicklung vom Kapital besitzenden Bourgeois hin zu jenem, der nur noch Kapital verwaltet. Schon Marx schrieb von der \u201e<em>Verwandlung des wirklich fungierenden Kapitalisten in einen blo\u00dfen Dirigenten, Verwalter fremden Kapitals\u201c \u2026\u00a0 \u201edie Aufhebung\u00a0 des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst\u201c <\/em>[14]<em>. <\/em>Es ist also kein Mysterium, dass sich im Zuge der Libermannschen Wirtschaftsreformen (s.u.) in der sowjetischen Wirtschaft eine entsprechende b\u00fcrgerliche Schicht von Managern,<em> \u201eVerwaltern, blo\u00dfen Dirigenten\u201c<\/em> der staatlichen Betriebe etablieren konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Karrieristen des \u201egro\u00dfen Terrors\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sturz der zaristisch\/b\u00fcrgerlichen Klassenherrschaft in Russland und der anschlie\u00dfende B\u00fcrgerkrieg mussten mit blutiger Gewalt durchgek\u00e4mpft werden. Auch die Verteidigung des jungen sowjetischen Staates gegen die innere Konterrevolution, gegen imperialistische Interventionen und ausl\u00e4ndische Agenten war selbstverst\u00e4ndlich ohne revolution\u00e4re Gewalt, Gef\u00e4ngnis, Verbannungen und Tod unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1930-iger Jahren eskalierte allerdings ein Wahn, als Hybris des \u201ekommunistischen Idealismus\u201c in der KPdSU, man k\u00f6nne in kurzer Zeit die Bourgeoisie, die Vertreter des Zarismus, die Kulaken ebenso wie b\u00fcrgerliche Elemente in der Partei durch \u201eS\u00e4uberung\u201c, Lager-Verbannung und Liquidationen vollst\u00e4ndig vernichten und dagegen den \u201eneuen Menschen schaffen\u201c. Das war die Zeit des gro\u00dfen Terrors. Und damit \u00f6ffnete sich die Hintert\u00fcr f\u00fcr b\u00fcrgerliche Elemente in neuer Gestalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn man muss das Auftauchen des (Neu-)b\u00fcrgerlichen in der KPdSU auch von einer ganz anderen Seite her konstatieren, die in allen bisherigen Debatten kaum eine Rolle gespielt hat: Im Zuge der S\u00e4uberungen des \u201egro\u00dfen Terrors\u201c der 30-iger Jahre wurde ein Typus skrupelloser Karrieristen geradezu gez\u00fcchtet. Es waren Leute, die eine bedingungslose Linientreue an den Tag legten, stets und h\u00f6chst geschmeidig den Mantel nach dem Wind h\u00e4ngten und sich ebenso im Personenkult gegen\u00fcber Stalin geradezu \u00fcberschlugen. Gleichzeitig denunzierten sie Konkurrenten ihrer Karriere und lieferten sie ans Messer. Ein typischer Vertreter dieser Sorte war Nikita Chruschtschow, der sich bis ins enge Umfeld Stalins hocharbeitete und dessen Wohlwollen genoss. Zwei seiner Karrierespr\u00fcnge folgten dem Erschie\u00dfen seiner Vorg\u00e4nger. Chruschtschow war einer der aktivsten Betreiber des gro\u00dfen Terrors in Spitzen\u00e4mtern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das B\u00fcrgerliche hatte also auch in Gestalt solcher skrupellosen Karrieristen im Partei- und Staatsapparat Fu\u00df gefasst. Ihre 150-%-ige Linientreue \u00e4u\u00dferte sich in idealistischen Vorstellungen vom baldigen \u00dcbergang zum Kommunismus, einer weitestgehenden (b\u00fcrokratischen) Verstaatlichung, dem Erl\u00f6schen des Klassenkampfes, dem \u201egesetzm\u00e4\u00dfig\u201c unaufhaltsamen Sieg des sozialistischen Lagers und dem baldigen Zusammenbruch des Kapitalismus.<\/p>\n<p class=\"Textbody\" style=\"margin-bottom: 3.1pt;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b><span style=\"font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das Programm der Chruschtschowianer<\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"Textbody\" style=\"margin-bottom: 3.1pt; text-align: justify;\">Man glaubte mit raschen administrativen Schritten dem Kommunismus n\u00e4her zu kommen. So wurde bereits am 14. April 1956 mit einer Verordnung des ZK und des Ministerrats der KPdSU beschlossen, die Genossenschaften (Kooperative) des Handels und der Industrie <em>\u201ein die Zust\u00e4ndigkeit der staatlichen Stellen\u201c<\/em> zu \u00fcberf\u00fchren, sprich zu verstaatlichen. (Das entsprechende Dokument ist auf russisch unter\u00a0 <a href=\"https:\/\/docs.cntd.ru\/document\/901704896\">https:\/\/docs.cntd.ru\/document\/901704896<\/a> zu finden.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor Sava Djahov f\u00fchrt dazu in einem Artikel\u00a0 der \u201eAZD Nr. 93\u201c [15] weiter aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eZu diesem Zeitpunkt wurden <\/em>(noch)<em> ungef\u00e4hr 33% der Textilwaren, 40% der M\u00f6bel, 70% der K\u00fcchenger\u00e4te aus Metall und alles Spielzeug \u2026 von Genossenschaften hergestellt.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verstaatlichung ergriff auch kleine Einzelunternehmungen (Kleinh\u00e4ndler. Handwerker, Reparatur\u00addienste etc.). Mit Ausnahme des Agrarsektors wurde demnach <em>\u201eunter Chruschtschow praktisch die gesamte Wirtschaft der UdSSR verstaatlicht\u201c<\/em> [15].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das wurde als Fortschritt auf dem \u00dcbergang zum Kommunismus propagiert, w\u00e4hrend grunds\u00e4tzliche Voraussetzungen (Malenko \u2013 s.o. [6]) dazu historisch \u00fcberhaupt nicht erreicht waren. Als Ergebnis entstand durch die weitgehende Abschaffung der genossenschaftlichen Warenproduktion und der privaten Kleinwirtschaft durch ein ineffizientes Planungssystem ein chronischer Mangel an Konsumg\u00fctern, eine b\u00fcrokratische Mangelwirtschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sava Djahov [15] beschrieb das so: <em>\u201eDie totale Verstaatlichung hat katastrophale Konsequenzen gehabt und meiner Meinung nach das Ende der Sowjetunion eingeleitet. \u2026 Chruschtschow hat im Grunde versucht, die chaotische wirtschaftliche Aktivit\u00e4t der Menschen zu systematisieren und durch zentrale \u201ewissenschaftliche\u201c Planung zu ersetzen. Dadurch w\u00fcrgte er aber die Vitalit\u00e4t der sowjetischen Zivilgesellschaft ab, die bis dahin wirtschaftlich sehr aktiv war. Eben dadurch schufen Chruschtschows Reformen die Basis f\u00fcr die vielen Ineffizienzen, welche zuerst zu Stagnation und schlie\u00dflich zum Niedergang der UdSSR f\u00fchrten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">(Djahov sieht allerdings keine Alternative zur Marktwirtschaft, jedenfalls zu einer <em>\u201eweitgehend privatisierten, dezentral marktorientierten Abteilung II\u201c.<\/em> Er betrachtet ahistorisch die Marktwirtschaft \u201e<em>seit der Steinzeit\u201c<\/em> als <em>\u201enat\u00fcrliche Wirtschaftsform\u201c <\/em>ohne R\u00fccksicht auf die wirkliche Geschichte der Ware und des Geldes. Zitat Djahov: \u201e<em>Und die \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die zur Herausbildung des Kapitalismus gef\u00fchrt haben, stehen genauso wenig im Gegensatz zum Sozialismus. Im Gegenteil, im Sozialismus muss es darum gehen, Herr dieser Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu werden<\/em>\u201c (was richtig ist) <em>\u201eund diese auf die Spitze zu treiben!\u201c <\/em>Auch das Wertgesetz auf die Spitze, auch durch Libermann\u00b4sche Reformen auf die Spitze zu treiben? &#8211; Da fragt sich n\u00e4mlich, wohin das letztlich f\u00fchren soll bzw. gef\u00fchrt hat. Djahov kann sich anscheinend keine (historisch lange) Periode einer <em>\u201eVorbereitung des \u00dcbergangs zum Kommunismus\u201c <\/em>vorstellen mit einer Einschr\u00e4nkung und Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des Wirkungsbereiches des Wertgesetzes, einem \u00dcbergang zu einem System des Produktenaustauschs.)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Kapitalistische \u201eReformen\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Anspruch, den Karren wieder flott zu bekommen, Versorgungsdefizite, Stagnation und mangelnde Produktivit\u00e4t zu \u00fcberwinden, \u00fcbernahmen nun \u201eReformer\u201c, wie der \u00d6konom Libermann [16] die Regie &#8211; . Dessen Vorschl\u00e4ge liefen auf die Integration kapitalistischer Mechanismen wie die Motivation durch Profit in die Planwirtschaft hinaus. Libermann war aktiv an der Diskussion und Ausarbeitung der sowjetischen Wirtschaftsreformen von 1965 beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenher wurden die staatlichen Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) den Kolchosen \u00fcbereignet, so dass die wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsmittel wieder zu Objekten des Warenhandels wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem XXII. Parteitag der KPdSU 1961 wurde ein \u201eProgramm des Kommunismus\u201c beschlossen, begleitet von \u201elinken\u201c idealistischen Phrasen, die vom \u201eEinholen und \u00dcberholen\u201c des Westens, vom \u201eGulaschkommunismus\u201c und einer kommunistischen G\u00fcterverteilung in wenigen Jahren schw\u00e4rmten. Das Gegenteil trat ein \u2013 der Marsch in die\u00a0 Abw\u00e4rtsspirale war nicht mehr aufzuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Die Kapitalisierung Russlands<\/strong><\/span><\/p>\n<p>(Die nachfolgend kursiv gesetzten Zeilen sind Zitate aus [17]:)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit den 60-iger Jahren setzte sich in der KPdSU also das Gegenteil einer Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des Wert\u00adgesetzes durch. Die marktwirtschaftlichen \u201eReformen\u201c\u00a0 hatten <em>\u201eunter der Form der allgemeinen Verstaatlichung der Betriebe\u201c<\/em> &#8211; zunehmend bis zum Endstadium des Zerfalls der Sowjetunion &#8211; den staatlichen Betrieben <em>\u201epraktisch die Eigenhohheit \u00fcber die Investitionsmittel, die Produktions\u00adstruktur, den faktisch freien Verkauf ihrer Erzeugnisse, die Verwendung des Gewinns, der Preisgestaltung verschafft, sodass die von ihnen erzeugten Produkte den Charakter von Waren besa\u00dfen, deren Preise man zwar zu regulieren suchte, die sich aber munter an die ihnen anhaftenden Kapital-Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten hielten.<\/em> <em>Die dem Staat zugedachte Rolle des Ausgleichs der Widerspr\u00fcche der Warenproduktion\u00a0 &#8211; <\/em>welch letztere<em> theoretisch geleugnet und mittels eines kaum zu \u00fcbertreffenden Kauderwelschs marxistischen Gepr\u00e4ges verschleiert wurden \u2013 schlug jedoch in ihr Gegenteil um. <\/em><em>Die mit der Warenproduktion verkn\u00fcpfte Widerspr\u00fcchlichkeit, die sich im Kapitalismus in wiederholten Krisen manifestiert, wurde &#8211; da der Markt sich nicht frei entfalten und die Krisen die Widerspr\u00fcche nicht ausgleichen konnten &#8211; nicht etwa abgeschw\u00e4cht, sondern im Gegenteil noch so weit verst\u00e4rkt, dass das gesamte System kollabierte und sich in einem gewaltsamen und chaotischen Prozess die Form neu schuf, die der Warenproduktion ad\u00e4quat ist: das private Eigentum an Produktionsmitteln.\u201c<\/em>\u00a0 Auch in Form von kapitalistischen Unternehmen, Konzernen und Staatsmonopolen, die von neub\u00fcrgerlichen \u201eVerwaltern und Dirigenten\u201c gemanaged werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die formal noch als Volkseigentum definierten Produktionsmittel rissen sich im vom Westen f\u00fcrsorglich betreuten Chaos der Jelzin-Zeit clevere Parteikarrieristen, F\u00fchrungskader in Wirtschaft, Chefs von Kombinaten und Betrieben, Geheim\u00addienstkader etc., Businessmen, Oligarchen\u00a0 in der einen oder anderen Form unter den Nagel, die heute im Wesentlichen die b\u00fcrgerliche Basis des russischen Imperialismus darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen den kapitalistischen (chruschtschow\/libermannschen) &#8222;Reformen&#8220; bis zum Systembankrott 1989 hatte die neue Bourgeoisie immerhin \u00fcber 2 Jahrzehnte Zeit, sich auszubreiten, zu etablieren und die kapitalistischen Startl\u00f6cher f\u00fcr die Wende zu besetzen. Hinzu kamen die &#8222;skrupellosen Karrieristen&#8220; aus Partei- und Staatsapparat sowie relikt\u00e4re altb\u00fcrgerliche Elemente, die insgesamt nach 1989 bis heute nochmal 3 Jahrzehnte hatten, um sich\u00a0 zu einer tollen Bourgeoisie auf der Basis einer &#8222;Marktwirtschaft vom Feinsten&#8220; auszuwachsen, eines Systems von Oligarchen mit m\u00e4rchenhaftem Reichtum, durchsetzt von Korruption bis mafi\u00f6sen Strukturen. Das gilt nicht nur hinsichtlich einer \u00f6konomischen Klassenanalyse sondern auch im Hinblick auf Kultur und Ideologie. Man denke an an das neureiche Geprotze in der Baukultur, die nostalgische Wiederbelebung religi\u00f6ser und kultureller Elemente\u00a0 aus der Zarenzeit\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings gelang unter Putin eine gewisse soziale Stabilisierung \u2013 finanziert vor allem durch immense Rohstoff- und Energieexporterl\u00f6se &#8211; und ein deutlicher Aufschwung des Lebensstandards aus dem Wende-Chaos, was eine recht breite Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung bewirkte. Auch eine gewachsene \u201eMittelschicht\u201c profitierte von dieser Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl der &#8222;heilig&#8220; gesprochene Zarismus, die orthodoxe Religion, pan-russischer Mystizismus (von Ideologen wie Solschenyizin, I.J. Iljin bis A.G. Dugin), auch noch die Weltkriegs\u00adzeit des gro\u00dfen vaterl\u00e4ndischen Krieges werden zu einer gro\u00dfrussisch-nationalistischen Mixtur auf- bzw. wiederaufbereitet, von der sich auch Putin als ehemaliger KGB-Agent leiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kapitalisierung der Sowjetunion hatte also alles in allem einen jahrzehntelangen &#8222;realsozialistischen&#8220; Vorlauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Der weitere Verlauf, grob skizziert<\/strong>:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor allem in der materiellen \/ gesellschaftlichen Lage der Menschen in den Staaten des Warschauer Paktes nach dem 2. Weltkrieg findet sich ein Schl\u00fcssel zur Erkl\u00e4rung der heutigen Konfrontationen. Im Vergleich zum relativ prosperierenden Westen wirkten sich die oben skizzierte Stagnation und Mangelwirtschaft nicht nur in der Sowjetunion, sondern selbstverst\u00e4ndlich im gesamten \u201eOstblock\u201c, aber auch in den \u00fcbrigen als sozialistisch bezeichneten L\u00e4ndern (Albanien, Cuba, Nordkorea, auch im Sonderfall China) aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der offizielle \u201eMarxismus-Leninismus\u201c war zu einer (idealistischen) Staatsreligion erstarrt, deren Himmel sich immer weiter und unglaubw\u00fcrdiger von der grauen Realit\u00e4t abgehoben hatte. In den europ\u00e4ischen Ex-Ostblockstaaten strebten clevere Apparatschiks zusammen mit altb\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften gen Westen, in die EU und NATO. Angezogen vom Glanz der westlichen Konsumgesellschaften und deren relativen Freiheiten folgten breite Massen der Bev\u00f6lkerung dem westlichen Weg. Sie empfanden die Wende auch als Befreiung von der sowjetischen Vorherrschaft, die vielfach als russische Fremdherrschaft erfahren wurde. Sie besteht f\u00fcr den angewachsenen Nationalismus \u2013 siehe z.B. Ukraine, Polen oder Baltikum etc. &#8211; bis heute als Angstprojektion fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend in einigen Staaten wie z.B. in Polen oder Tschechien ein relativ erfolgreicher kapitalistischer\u00a0 Aufschwung eintrat, weisen andere postsowjetische L\u00e4nder, wie sie einschl. Russland in der \u201eEurasischen Wirtschaftsunion\u201c zusammengeschlossen sind, z.T. stagnierende bis schillernde, autokratisch bis kleptokratisch gepr\u00e4gte Verh\u00e4ltnisse mit starker Ungleichheit, politischer Unterdr\u00fcckung und inneren Konflikten mit prowestlichen Str\u00f6mungen auf, wie beispielsweise in Belarus nach den letzten Wahlen oder in Kasachstan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Russland gelang es etatistischen Kr\u00e4ften unter Putin das teils vom Westen unterwanderte Chaos in eine Ordnung hin zu einer neu formierten (allerdings \u201eprek\u00e4ren\u201c) imperialistischen Macht zu \u00fcberf\u00fchren, mit einer Oligarchenwirtschaft &#8211; verbunden mit nationalistischer Tradi\u00adtions\u00adpflege. So hatte sich ein imperialistischer Konkurrent aus dem Gorbatschow-Jelzinschen Chaos aufgerappelt. Sp\u00e4testens da sind USA&amp;NATO zu ihrer Strategie der Osterweiterung ab 1999 \u00fcbergegangen. Diese Strategie, z.B. von Zbigniew Brzezinski, dem ehemaligen Sicherheitsberater von US-Pr\u00e4sident Jimmy Carter 1997 formuliert (&#8222;Die einzige Weltmacht&#8220; 1997) , enthielt ja den sch\u00f6nen Satz: <em>\u201eOhne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr.\u201c<\/em> Gegen\u00fcber dem System Putin gingen USA&amp;NATO zu ihrer antirussischen Strategie \u00fcber, als begonnen wurde, den &#8222;Ausverkauf&#8220; Russlands an den Westen zu stoppen, westlich orientierte Oligarchen und das Auslandskapital zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und (wieder) eigene imperialistische Interessen zu verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00e4den der jahrzehntelangen Stagnation und des finalen Zusammenbruchs waren allerdings so immens, dass der russische Imperialismus in der Defensive steckt, \u00f6konomisch sekund\u00e4r, mit einem BIP in der Gr\u00f6\u00dfenordnung Italiens und Milit\u00e4rausgaben von einem Bruchteil derjenigen der NATO \u2013 allerdings mit einem exquisiten hochtechnologischen bis atomaren Waffenarsenal. All diese Erblasten pr\u00e4gen die aktuelle imperialistische Gemengelage auch hinsichtlich des Ukraine-Krieges.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland als \u201eprek\u00e4re\u201c imperialistische Macht steckt in einer (im Oktober 2022) hoffnungslos erscheinenden Sackgasse, in der durch die NATO-Osterweiterung und die Aufr\u00fcstung der Ukraine zum antirussischen Frontstaat gestellten Falle eines ukrainischen Afghanistan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die (neokonservative) US-amerikanische Strategie zielt darauf ab, dass einerseits die Ukraine im Stellvertreterkrieg so lange weiter k\u00e4mpfen soll, bis Russland als Machtkonkurrent am Ende ist und die USA die H\u00e4nde frei bekommen gegen China. Andererseits erreichen die USA mit ihrer Strategie bewusst und mit Erfolg, dass die Konkurrenten in Europa und besonders Deutschland durch die R\u00fcckwirkungen der Sanktionen empfindlich getroffen, von Russland abgeschnitten und in noch gr\u00f6\u00dfere Abh\u00e4ngigkeit von den USA gebracht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weitere Kriegseskalation kann eigentlich nur durch eine Antikriegs-Massenmobilisierung \u00e4hnlich 1917\/18 gestoppt werden. Das hei\u00dft im Westen gegen die NATO und US-Pr\u00e4senz, in Deutschland gegen die US-Vasallenpolitik der transatlantischen Superkoalition aus Ampel+CDU\/CSU. In der Ukraine gegen das Selenski- und in Russland gegen das Putin-Regime. <strong>Und das auf der Basis von Streiks und Widerstand gegen die sozialen Folgen des Krieges.<\/strong> An den Kriegsfronten Verweigerung, Desertion und Verbr\u00fcderung \u00fcber den Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Je l\u00e4nger der Krieg dauert, umso dringlicher wird das werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>[1] Lenin, Werke Band 3<\/p>\n<p>[2] Lenin, Werke Band 1, S.95 f<\/p>\n<p>[3] Marx-Engels, Kapital, MEW 25, S. 171<\/p>\n<p>[4 Lehrbuch der politischen \u00d6konomie, Band 2, deutsche \u00dcbersetzung der russischen<br \/>\nAusgabe von 1954, Dietz-Verlag , Nachdruck ZAV 1971<\/p>\n<p>[5] J.W. Stalin, \u201eDie \u00f6konomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR\u201c<br \/>\n(Ausz\u00fcge:\u00a0 (<a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/st\/st_285.htm\">http:\/\/www.mlwerke.de\/st\/st_285.htm<\/a><\/p>\n<p>[6] G. Malenko, Rechenschaftsbericht an den XIX. Parteitag, Verlag f\u00fcr fremdsprachige<br \/>\nLiteratur, Moskau 1952, Nachdruck: Verlag Neue Einheit<\/p>\n<p>[7] Lenin, Werke Band 31, S.8 (Der linke Radikalismus &#8230;)<\/p>\n<p>[8] Lenin, Werke Band 27, S.222 und S. 331<\/p>\n<p>[9] Lenin, Werke Band 28, S.187<\/p>\n<p>[10] Lenin, Werke Band 33, S.44<\/p>\n<p>[11] Aufs\u00e4tze zur Diskussion (AZD) Nr. 85\/2017 \u2013 Kommentar von Alfred Schr\u00f6der zu N.Bucharin<\/p>\n<p>[12] Die Geschichte der Partei Albaniens, Tirana 1971<\/p>\n<p>[13] Heiner Karuscheit, \u201eSozialismus ohne Basis\u201c, Verlag am Park, ISBN 978-3-947094-85-1<\/p>\n<p>[14] Marx, Kapital III, MEW 25, S.554<\/p>\n<p>[15] Sava Djahov, \u201eSozialismus und Kapital\u201c, Aufs\u00e4tze zur Diskussion Nr. 93, Gelsenkirchen, \u2026\u2026.\u2026\u2026.(<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2099\">www.kommunistische-debatte.de\/page_id=851<\/a>)<\/p>\n<p>[16] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jewsei_Grigorjewitsch_Liberman\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jewsei_Grigorjewitsch_Liberman<\/a><\/p>\n<p>[17] Frithjof\u00a0 Rausch, \u201eDie Geschichte der Ware und des Geldes\u201c, zu finden unter: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0&#8230;<a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2003\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2003<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K.H.Goll 25.10.2022 Diese Zeilen erf\u00fcllen allein schon der K\u00fcrze wegen nicht den Anspruch einer umfassenden Analyse. Sie widersprechen vor allem den Ansichten vieler Linken, welche das Ende einer sozialistischen UdSSR auf das Jahr 1989 datieren und\/oder den imperialistischen Charakter des heutigen Russland leugnen. Die Konterrevolution begann n\u00e4mlich bereits in den 60-iger Jahren. Ein etwas l\u00e4ngerer &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2635\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Kapitalisierung der UdSSR  und einiges zum Untergang des Realsozialismus<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2635","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2635"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2643,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2635\/revisions\/2643"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}