{"id":2619,"date":"2022-11-22T23:05:44","date_gmt":"2022-11-22T22:05:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2619"},"modified":"2022-11-22T23:05:44","modified_gmt":"2022-11-22T22:05:44","slug":"vom-monopol-zum-organisierten-kapitalismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2619","title":{"rendered":"VOM MONOPOL ZUM ORGANISIERTEN KAPITALISMUS"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu Hilferdings Monopoltheorie<br \/>\n<\/strong><em>Heiner Karuscheit<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Hilferdings Verst<\/strong><strong>\u00e4ndnis der \u00f6konomischen Bewegungsgesetze<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die monopolistische Vereinigung ist \u00f6konomische Herrschaftsorganisation&#8220;,<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> schreibt Hilferding. Das Monopol ist seiner Auffassung nach nicht l\u00e4nger den objektiven, blind wirkenden Gesetzen der kapitalistischen Warenproduktion unterworfen, sondern \u00fcbt &#8222;Herrschaft&#8220; aus; es agiert bewusst und planm\u00e4\u00dfig. &#8222;Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft&#8220;, fasst der \u00f6sterreichische Theoretiker seine Theorie in einem bekannten Satz zusammen, der u.a. von Lenin \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick scheint es, als ob Hilferding im Prinzip voll und ganz auf dem Boden der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie steht, sich aber gen\u00f6tigt sieht, sie hinter sich zu lassen, weil die Verh\u00e4ltnisse sich ge\u00e4ndert haben. Schlie\u00dflich behauptet er selber dies auch. Stimmt das &#8211; oder hat er von Anfang an einen fehlerhaften Begriff der Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise, so dass seine &#8222;Weiterentwicklung&#8220; der Marxschen Theorie in Wahrheit von vornherein <strong>neben<\/strong> Marx steht? Um das zu \u00fcberpr\u00fcfen, wird im folgenden zun\u00e4chst behandelt, was Hilferding \u00fcber Kapital und Konkurrenz, Wertgesetz und Krise denkt, bevor anschlie\u00dfend seine eigentliche Monopoltheorie untersucht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>a) Eine subjektive Auffassung der Kapitalbewegung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn und solange die Preise der Waren objektiv bestimmbar sein sollen, ist Bedingung wie Folge eine objektiv geregelte Profith\u00f6he, der <strong>Durchschnittsprofit<\/strong>. Wie fasst Hilferding diesen auf? Er behauptet, dass &#8222;die Tendenz nach der Gleichheit des Profits zun\u00e4chst individuelles Streben des Kapitalisten nach m\u00f6glichst hohem Profit ist&#8220;.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Gleichlautend f\u00fchrt er an anderer Stelle aus: &#8222;Das subjektive Streben nach m\u00f6glichst hohem Profit, das alle individuellen Kapitalisten beseelt, hat aber zum objektiven Resultat die Tendenz zur Herstellung der gleichen Durchschnittsprofitrate f\u00fcr alle Kapitale.&#8220;<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Der Durchschnittsprofit wird also Hilferding zufolge bewirkt durch die Konkurrenz. In einer Anmerkung erl\u00e4utert er diesen Gedanken: &#8222;Aus den Motiven der handelnden Wirtschaftssubjekte, die selbst aber durch die Natur der wirtschaftlichen Beziehungen determiniert werden, l\u00e4sst sich nie mehr als die Tendenz zur Herstellung der Gleichheit der \u00f6konomischen Bedingungen ableiten: gleiche Preise f\u00fcr gleiche Waren, gleicher Profit f\u00fcr gleiches Kapital, gleicher Lohn und gleiche Ausbeutungsrate f\u00fcr gleiche Arbeit. Aber zu den quantitativen Beziehungen selbst komme ich auf diese Weise, ausgehend von den subjektiven Beziehungen, nie. Ich muss vielmehr bereits die Gr\u00f6\u00dfe des gesellschaftlichen Gesamtprodukts kennen, bei dessen Verteilung jene Gleichheitstendenzen wirksam werden&#8220;.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet nach Hilferding: die Gesamtgr\u00f6\u00dfen der Produktion sind <strong>objektiv <\/strong>gegeben, w\u00e4hrend ihre konkrete Umverteilung <strong>subjektiv<\/strong> bedingt ist. Die gesell\u00adschaftliche Profitmasse &#8211; der Gesamtprofit &#8211; ist demzufolge als objektive Gr\u00f6\u00dfe vorhanden, aber ihre Verteilung auf die einzelnen Kapitalisten wird durch deren subjektives Gewinnstreben bewirkt. Dadurch werfen letztlich gleichgro\u00dfe Kapitalmassen gleiche Profite ab, auch wenn der eine Kapitalist aufgrund individueller F\u00e4higkeit mehr, der andere weniger Profit macht. Um es mit den Worten des Autors zu sagen: &#8222;Aus den Motiven der handelnden Wirtschaftsobjekte &#8230; l\u00e4sst sich nie mehr als die Tendenz zur Herstellung der Gleichheit der \u00f6konomischen Bedingungen ableiten&#8220; &#8211; aber auch nicht weniger; die subjektive Konkurrenz ist Ursache tendentiell gleicher Profite. Derartige Formulierungen sind keine einmaligen Ausrutscher; sie verraten ein von Grund auf verkehrtes Verst\u00e4ndnis der Konkurrenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als \u00e4u\u00dfere Zwangsgesetze auf&#8220;, sagt Marx demgegen\u00fcber.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Das hei\u00dft, das Gesetz der Durchschnittsprofitrate ist dem Kapital immanent; dass gleiche Kapitale gleiche Profite abwerfen, entspringt dem Wesen des Kapitals als solchem und wird nur vermittels der Konkurrenz in der \u00e4u\u00dferen Bewegung der Kapitale durchgesetzt. &#8222;Die Konkurrenz exequiert (f\u00fchrt aus, setzt durch; d.V.) die innren Gesetze des Kapitals; macht sie zu Zwangsgesetzen dem einzelnen Kapital gegen\u00fcber, aber sie erfindet sie nicht. Sie realisiert sie. Sie daher einfach aus der Konkurrenz erkl\u00e4ren wollen, hei\u00dft zugeben, dass man sie nicht versteht.&#8220;<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> In einer l\u00e4ngeren Auseinandersetzung \u00fcber den &#8222;Schein der Konkurrenz&#8220; schreibt Marx \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Profit, Preis und Konkurrenz: &#8222;Der Durchschnittsprofit muss bestimmt sein durch eine Durchschnittsrate des Profits; wie wird diese bestimmt? Durch die Konkurrenz unter den Kapitalisten? Aber diese Konkurrenz unterstellt schon das Dasein des Profits. Sie unterstellt verschiedne Profitraten und daher verschiedne Profite, sei es in denselben, sei es in verschiednen Produktionszweigen. Die Konkurrenz kann nur auf die Profitrate wirken, soweit sie auf die Preise der Waren wirkt. Die Konkurrenz kann nur bewirken, dass Produzenten innerhalb derselben Produktionssph\u00e4re ihre Waren zu gleichen Preisen verkaufen und dass sie innerhalb verschiedner Produktionssph\u00e4ren ihre Waren zu Preisen verkaufen, die ihnen denselben Profit geben&#8230; Die Konkurrenz kann daher nur Ungleichheiten in der Profitrate ausgleichen. Um ungleiche Profitraten auszugleichen, muss der Profit als Element des Warenpreises schon vorhanden sein. Die Konkurrenz schafft ihn nicht. Sie erh\u00f6ht oder erniedrigt, aber sie schafft nicht das Niveau, welches eintritt, sobald die Ausgleichung stattgefunden. Und indem wir von einer notwendigen Rate des Profits sprechen, wollen wir eben die von den Bewegungen der Konkurrenz unabh\u00e4ngige Profitrate kennen, welche ihrerseits die Konkurrenz reguliert. Die durchschnittliche Profitrate tritt ein mit dem Gleichgewicht der Kr\u00e4fte der konkurrierenden Kapitalisten gegeneinander. Die Konkurrenz kann dies Gleichgewicht herstellen, aber nicht die Profitrate, die auf diesem Gleichgewicht eintritt. Sobald dies Gleichgewicht hergestellt ist, warum ist nun die allgemeine Profitrate 10 oder 20 oder 100%? Von wegen der Konkurrenz. Aber umgekehrt, die Konkurrenz hat die Ursachen aufgehoben, die Abweichungen von den 10 oder 20 oder 100% produzierten. Sie hat einen Warenpreis herbeigef\u00fchrt, wobei jedes Kapital im Verh\u00e4ltnis zu seiner Gr\u00f6\u00dfe denselben Profit abwirft. Die Gr\u00f6\u00dfe dieses Profits selbst aber ist unabh\u00e4ngig von ihr. Sie reduziert nur alle Abweichungen immer wieder auf diese Gr\u00f6\u00dfe. Ein Mann konkurriert mit den andren, und die Konkurrenz zwingt ihn, seine Ware zu demselben Preis zu verkaufen wie jene. Warum aber ist dieser Preis 10 oder 20 oder 100? (&#8230;) Das einzige, was uns die Konkurrenz sagt, ist, dass diese Profitrate eine gegebne Gr\u00f6\u00dfe sein muss. Aber das wussten wir vorher, als wir von allgemeiner Profitrate und dem &lt;notwendigen Preis&gt; des Profits sprachen.&#8220;<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Durchschnittsprofit ist also <strong>nicht<\/strong>, wie Hilferding schreibt, das &#8222;objektive Resultat&#8220; der Konkurrenz, sondern ist als gegebene Gr\u00f6\u00dfe der Konkurrenz vorausgesetzt. Die Konkurrenz bewirkt die <strong>Schwankungen<\/strong> der Preise um die Werte resp. Produktionspreise herum, aber nicht diese Werte resp. Produktionspreise selbst. Sie bewirkt die <strong>Schwankungen<\/strong> des Profits der einzelnen Kapitale um den Durchschnittsprofit herum, aber nicht die durchschnittliche Profitrate selbst. Der Wert resp. Produktionspreis einer Ware bestimmt sich durch die zu ihrer Herstellung im gesellschaftlichen Durchschnitt erforderliche Arbeit. Das ist ein Ma\u00df, das dem individuellen Kapitalisten vorgegeben ist. Er kann es unterschreiten, indem er produktiver arbeitet, und \u00fcberschreiten, indem er unproduktiver arbeitet bzw. arbeiten l\u00e4sst als seine Konkurrenten. Im einen Fall erzielt er mehr als den gew\u00f6hnlichen Profit, im andern Fall weniger. Gleicherma\u00dfen ist die Rate des Durchschnittsprofits als Resultat aus der Gr\u00f6\u00dfe des gesellschaftlichen Gesamtkapitals sowie dem Umfang der jeweiligen Arbeiterbev\u00f6lkerung und dem Exploitationsgrad der Arbeit eine gegebene Gr\u00f6\u00dfe. Auf jedes Einzelkapital entf\u00e4llt im Grundsatz entsprechend seiner individuellen Gr\u00f6\u00dfe ein entsprechender Teil des gesellschaftlichen Gesamtprofits. Umfasst es 5% des Gesellschaftskapitals, hat es auch Anspruch auf 5% des Gesamtprofits. Ob es diesen Anspruch aber realisieren kann oder ob es weniger oder mehr Profit macht, h\u00e4ngt von seiner individuellen Produktivit\u00e4t im Vergleich zu den anderen Kapitalen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferding verkehrt das Verh\u00e4ltnis von Ursache und Wirkung. Er macht die allgemeine Profitrate, die der Konkurrenz <strong>zugrundeliegt<\/strong>, zu einer <strong>Wirkung<\/strong> der Konkurrenz, erkl\u00e4rt sie zu einem objektiven Resultat des subjektiven Strebens der individuellen Kapitalisten nach H\u00f6chstprofit. Damit wiederholt er dem Wesen nach seinen Fehler aus der Geldtheorie. Dort machte er den Wert des Geldes zu einem Resultat des Austauschs, anstatt zu begreifen, dass das Geld bereits Wert hat, bevor es in die Zirkulation tritt. \u00c4hnlich macht er hier den Durchschnittsprofit und -preis zum Resultat der Konkurrenz, anstatt zu begreifen, dass er der Konkurrenz vorausgesetzt ist. Dieser Ansatz l\u00e4uft darauf hinaus, dass die individuellen Kapitalisten die allgemeinen Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise nicht <strong>realisieren<\/strong>, sondern durch ihre Konkurrenz erst <strong>hervorbringen<\/strong>, auch wenn der Autor immer wieder etwas anderes versichert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Hilferding daher unter der Herrschaft der Monopole die Preise und Profite als etwas rein Subjektives und Willk\u00fcrliches beschreibt, findet sich der Ansatz daf\u00fcr bereits im gegebenen Verst\u00e4ndnis des &#8222;Konkurrenzkapitalismus&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einer anderen Seite aus offenbart sich dies in der Auffassung des Wertgesetzes. Hilferding schreibt: &#8222;Betrachtet man die Kompliziertheit der Proportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnisse, die in der doch anarchischen Produktion erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, so ist man zun\u00e4chst versucht, die Frage aufzuwerfen, wer f\u00fcr die Erhaltung dieser Verh\u00e4ltnisse Sorge tr\u00e4gt. Es ist klar, dass diese Funktion das Preisgesetz erf\u00fcllen muss, da ja die Preise die kapitalistische Produktion, regulieren&#8230; Auch daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines objektiven Wertgesetzes als einzig m\u00f6glichen Regulators der kapitalistischen Wirtschaft.&#8220;<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> Kommt es zu Abweichungen der Preise von den Werten resp. Produktionspreisen, so entstehen &#8222;St\u00f6rungen in der Regulierung der von der Preisgestaltung in ihrem Ausma\u00df und ihrer Richtung abh\u00e4ngigen Produktion.&#8220;<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> Die Krisentheorie, die in diesen S\u00e4tzen angelegt ist, wird uns sp\u00e4ter noch besch\u00e4ftigen. Im Augenblick ist das Wertgesetz wichtiger. Folgt man Hilferding, so besteht seine Funktion darin, mit Hilfe der Preise die Produktion in &#8222;Ausma\u00df und Richtung&#8220; zu bestimmen. Es sei &#8222;Regulator der kapitalistischen Wirtschaft&#8220;, indem und solange es daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, dass die Preise der Waren den Werten entsprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx folgend wird die Produktion jedoch dem Wesen nach durch das Wertgesetz reguliert, indem die <strong>Ausbeutung der Arbeitskraft, die Entwicklung des Verh<\/strong><strong>\u00e4ltnisses von bezahlter zu unbezahlter Arbeit, von relativem und absolutem Mehrwert, von Profitrate und -masse<\/strong> \u00fcber Akkumulation und Krise entscheidet. Die Gestaltung der Preise stellt nur die letzte Stufe dar, in der sich dies realisiert und das Wertgesetz <strong>in Erscheinung tritt<\/strong>. Die Preise <strong>vermitteln<\/strong> die Regulierung der Produktion durch das Wertgesetz, wie die Konkurrenz die Bewegung des Kapitals vermittelt. Wenn stattdessen die Preise als das <strong>Bestimmende<\/strong> angesehen werden, muss die Funktion des Wertgesetzes aus der Produktion in die Zirkulationssph\u00e4re hineinverlagert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Kapiteln von Band III des KAPITALs \u00fcber den &#8222;Schein der Konkurrenz&#8220; setzt Marx sich noch einmal zusammenfassend mit falschen Vorstellungen \u00fcber die Bewegung des Kapitals auseinander. Dort bemerkt er: &#8222;Der ganze kapitalistische Produktionsprozess ist ferner reguliert durch die Preise der Produkte.&#8220; Das benennt er als die in Erscheinung tretende Tatsache, die die Vorstellung der individuellen Kapitalisten pr\u00e4gt, und f\u00e4hrt darum fort: &#8222;Aber die regulierenden Produktionspreise sind selbst wieder reguliert durch die Ausgleichung der Profitrate und die ihr entsprechende Verteilung des Kapitals in die verschiednen gesellschaftlichen Produktionssph\u00e4ren.&#8220;<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Weiter entwickelt er die verschiedenen Bestimmungen, die &#8222;aus der Entwicklung des Kapitals als sich selbst verwertenden, Mehrwert erzeugenden Werts&#8220; hervorwachsen, bis in der letzten Stufenfolge die Marktpreise entstehen, die scheinbar die Produktion bestimmen. Im Einfluss dieser hin- und herschwankenden Marktpreise ist es, sagt Marx, dass &#8222;dem Kapitalisten in der Tat die Wertbestimmung allein erscheint&#8220;.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Aufgrund ihrer Bewegung trifft er seine Entscheidungen \u00fcber Ausma\u00df und Richtung der Produktion. Hilferding formuliert dies theoretisch, indem er die Erscheinung f\u00fcr das Wesen nimmt und die praktischen Erfahrungen des Kapitalisten f\u00fcr die ganze Wahrheit des Wertgesetzes ausspricht: die Preise regulieren die Produktion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was der Autor des FINANZKAPITALs bisher \u00fcber Konkurrenz und Wertgesetz zu sagen hatte, deutet ein subjektives, auf die Oberfl\u00e4che der Bewegung reduziertes Verst\u00e4ndnis der \u00f6konomischen Gesetze an. Eine n\u00e4here Betrachtung seiner Ausf\u00fchrungen zur Konkurrenz sowie daneben zur Krise soll uns Aufschluss dar\u00fcber geben, inwieweit die bisherigen Aussagen eine Ausnahme bilden oder aus einem durchg\u00e4ngig falschen Begriff des Kapitals hervorgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>b) Formen der Konkurrenz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx unterscheidet mehrere Arten der Konkurrenz voneinander, darunter als wichtigstes die Konkurrenz der einzelnen Kapitale innerhalb einer Produktionssph\u00e4re einerseits und die Konkurrenz zwischen verschiedenen Produktionszweigen als Anlagesph\u00e4ren f\u00fcr Kapital andererseits. Bleiben wir zun\u00e4chst bei der letztgenannten Form der Konkurrenz, weil Hilferding hieraus die weitestreichenden Ver\u00e4nderungen ableitet. Aus technischen Gr\u00fcnden haben die verschiedenen Produktionssph\u00e4ren eine unterschiedliche organische Zusammensetzung. In der einen Sph\u00e4re ist der Anteil des variablen Kapitals niedriger, in der anderen h\u00f6her. Durch die stoffliche Gestalt des Kapitals bedingt, unterscheidet sich die organische Zusammensetzung der Produktionszweige naturnotwendig voneinander. Da Mehrwert bzw. Profit aber nicht durch Maschinen, sondern durch die Anwendung menschlicher Arbeitskraft erzeugt wird, m\u00fcssten demzufolge die Profitraten in den verschiedenen Produktionssph\u00e4ren unterschiedlich hoch sein. Das widerspricht dem Wesen des Kapitals, als sich selbst verwertender Wert Profit zu hecken, gleichg\u00fcltig welche Gebrauchsgestalt es annimmt &#8211; ob f\u00fcr Arbeiter, Geb\u00e4ude, Maschinerie oder Rohstoffe verauslagt. Mit Hilfe der Konkurrenz, durch best\u00e4ndige Aus- und Einwanderung von Kapital wird diese stofflich gesetzte Schranke \u00fcberwunden und wirft das Kapital in den verschiedenen Produktionssph\u00e4ren gleiche Profite ab, gleich wie die organische Zusammensetzung ist. &#8222;Die Konkurrenz der Kapitalien sucht so jedes Kapital als St\u00fcck des Gesamtkapitals zu behandeln und danach seine Partizipation am Mehrwert und daher auch Profit zu regulieren (&#8230;) Es hei\u00dft dies aber zu deutsch nichts, als dass die Kapitalisten das Quantum unbezahlter Arbeit, das sie der Arbeiterklasse auspressen &#8211; oder die Produkte dieses Quantums Arbeit -, bestrebt sind (dies Streben ist aber die Konkurrenz), untereinander zu verteilen nicht in dem Verh\u00e4ltnis, worin ein <strong>besondres<\/strong> Kapital unmittelbar Surplusarbeit produziert, sondern im Verh\u00e4ltnis <strong>erstens<\/strong>, worin dies besondre Kapital einen aliquoten Teil des Gesamtkapitals bildet, <strong>zweitens<\/strong>, im Verh\u00e4ltnis, worin das Gesamtkapital selbst Surplusarbeit produziert. Die Kapitalisten teilen sich br\u00fcderlich-feindlich in die Beute der angeeigneten fremden Arbeit, so dass im Durchschnitt der eine soviel unbezahlte Arbeit aneignet wie der andre.&#8220;<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Form der Konkurrenz nennt Marx das &#8222;Grundgesetz&#8220; der Konkurrenz, &#8222;worauf die ganze kapitalistische Produktion beruht&#8220;,<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> denn dadurch wird das Wesen des Kapitals, sich unabh\u00e4ngig von seiner jeweils konkreten Gebrauchsgestalt zu verwerten, durchgesetzt. Alle Teile des gegebenen Kapitals werfen gleicherma\u00dfen Profit ab, m\u00f6gen sie nun die Gestalt von Maschinerie oder die von Menschen annehmen. Die Arbeitskraft wird ein Bestandteil des Kapitals wie Geb\u00e4ude und Rohstoffe auch. Nur noch gesamtgesellschaftlich und in den Sph\u00e4ren mittlerer Zusammensetzung ist der Profit mit dem Mehrwert identisch, in allen anderen Sph\u00e4ren nicht. Die Werte verwandeln sich in Produktionspreise, die ihrerseits zum Schwankungszentrum f\u00fcr die Marktpreise werden und denen nicht mehr anzusehen ist, dass sie aus der Vernutzung menschlicher Arbeitskraft herr\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon zu trennen ist die Konkurrenz der individuellen Kapitale <strong>innerhalb<\/strong> eines Produktionszweigs. Jede Sph\u00e4re hat Anspruch auf die gleiche Profitrate wie jede beliebige andere Sph\u00e4re. Wie aber innerhalb dieser Sph\u00e4re die Profite sich auf die einzelnen Kapitale verteilen, ist eine Frage der individuellen Produktivit\u00e4t. Durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte kann ein Kapital Extraprofit machen, durch das Zur\u00fcckbleiben hinter der Produktivit\u00e4tsentwicklung in seiner Sph\u00e4re ein anderes Kapital weniger als den Durchschnittsprofit abwerfen.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Nehmen wir ein Beispiel: Das gesellschaftliche Gesamtkapital betrage 1000. Es sei aufgeteilt auf die vier Produktionssph\u00e4ren A, B, C und D, die einen Umfang haben von A = 100, B = 200, C = 300 und D = 400. Die j\u00e4hrliche Profitrate betrage 20%, die zu verteilende Profitmasse eines Jahres bel\u00e4uft sich daher auf 200. Produktionssph\u00e4re A w\u00fcrde demzufolge Profite in H\u00f6he von 20 an sich ziehen, gleich wie viel oder wie wenig Arbeiter im Verh\u00e4ltnis zum konstanten Kapital dort t\u00e4tig sind. Produktionssph\u00e4re B w\u00fcrde 40, C w\u00fcrde 60 und D w\u00fcrde 80 an sich ziehen. Die Profitrate in allen Produktionssph\u00e4ren w\u00e4re gleich. Wie jedoch beispielsweise in Sph\u00e4re B, die bei einem Umfang von 200 aus 10 gleichgro\u00dfen Kapitalen von je 20 bestehen m\u00f6ge, die Profite verteilt werden, ist ein Frage der individuellen Produktivit\u00e4t. Im Prinzip h\u00e4tte jedes B-Einzelkapital Anspruch auf eine 20%ige Profitrate, dh. auf einen j\u00e4hrlichen Profit von 4. Da ihre Produktivit\u00e4t sich jedoch unterscheiden wird, machen einige Kapitale weniger, andere mehr Profit als 4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Prozess liegt die &#8222;<strong>entgegengesetzte<\/strong> Wirkung der Konkurrenz&#8220;<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a> zugrunde, die Marx in den Worten zusammenfasst: &#8222;Was die Konkurrenz in <strong>derselben<\/strong> Produktionssph\u00e4re bewirkt, ist Bestimmung des <strong>Werts der Ware in dieser Sph\u00e4re<\/strong> durch die durchschnittlich in derselben erheischten Arbeitszeit, also Herstellung des <strong>Marktwerts<\/strong>. Was die Konkurrenz zwischen den <strong>verschiednen<\/strong> Produktionssph\u00e4ren bewirkt, ist <strong>Herstellung derselben allgemeinen Profitrate<\/strong> in den <strong>verschiednen<\/strong> Sph\u00e4ren durch Ausgleichung der verschiednen Marktwerte zu Marktpreisen, die die <strong>Kostenpreise<\/strong> darstellen, die von den wirklichen Marktwerten verschieden. Die Konkurrenz in diesem zweiten Fall strebt also keineswegs, die Preise der Waren ihren Werten zu assimilieren, sondern umgekehrt ihre Werte auf davon unterschiedne Kostenpreise zu reduzieren, die Unterschiede ihrer Werte von den Kostenpreisen aufzuheben.&#8220;<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a> (Den &#8222;Kostenpreis&#8220; nennt Marx sp\u00e4ter &#8222;Produktionspreis&#8220;, der seinerseits zusammengesetzt ist aus dem Kostpreis &#8211; den Herstellungskosten &#8211; plus dem Durchschnittsprofit). <strong>Das einemal &#8211; zwischen den Sph\u00e4ren &#8211; setzt die Konkurrenz also gleiche Profite<\/strong> (eine gleiche Profitrate) <strong>durch; das anderemal &#8211; innerhalb einer Sph\u00e4re &#8211; bewirkt sie ungleiche Profite<\/strong> (eine ungleiche Profitrate).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist die &#8222;stete Tendenz&#8220; der Kapitalbewegung, &#8222;nur solche Surplusprofite zu dulden, wie sie unter allen Umst\u00e4nden, nicht aus dem Unterschied zwischen den Werten und den Produktionspreisen der Waren, sondern vielmehr aus dem allgemeinen, den Markt regelnden Produktionspreis und den von ihm unterschiednen individuellen Produktionspreisen entspringen; Surplusprofite, die daher auch nicht zwischen zwei verschiednen Produktionssph\u00e4ren, sondern innerhalb jeder Produktionssph\u00e4re stattfinden, also die allgemeinen Produktionspreise der verschiednen Sph\u00e4ren, d.h. die allgemeine Profitrate, nicht ber\u00fchren und vielmehr die Verwandlung der Werte in Produktionspreise und die allgemeine Profitrate voraussetzen.&#8220;<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Das bedingt die verschiedenen Arten der Konkurrenz: die Fischkonservenfabrik konkurriert nicht mit dem Batteriehersteller, sondern nur mit anderen Fischkonservenfabriken bzw. dar\u00fcber hinaus mit anderen Nahrungsmittelherstellern. Die Konkurrenz zwischen den Sph\u00e4ren ist eine Konkurrenz um Anlagesph\u00e4ren: <strong>freies<\/strong> Kapital muss sich entscheiden, ob es in der Fischbranche oder in der Batteriebranche angelegt werden will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese beiden Formen der Konkurrenz werden von Hilferding nirgends analytisch unterschieden. Er spricht zwar schon einmal von der Konkurrenz zwischen Produktionssph\u00e4ren und der Konkurrenz zwischen Einzelkapitalen, wirft aber beides unterschiedslos durcheinander. Von den Produktionssph\u00e4ren behauptet er beispielsweise, ihre organische Zusammensetzung wachse um so schneller, je h\u00f6her sie bereits sei, weil desto gr\u00f6\u00dfere Profite zu erwarten seien. &#8222;Denn je gr\u00f6\u00dfer die bereits angewendete Masse Maschinerie, Wissenschaft usw., desto gr\u00f6\u00dfer und h\u00e4ufiger die M\u00f6glichkeit rationellerer Einrichtung, verbesserter Technik, wissenschaftlicherer Verfahrungsweisen. Desto st\u00e4rker werden hier die Tendenzen zu h\u00f6herer organischer Zusammensetzung wirksam sein.&#8220;<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Das w\u00fcrde bedeuten, dass die technische Kluft zwischen den Branchen sich progressiv vertiefen m\u00fcsste. Eine solche These ist polit\u00f6konomisch schon im Ansatz verkehrt. F\u00fcr freies Kapital, das \u00fcber seine Anlagesph\u00e4re zu entscheiden hat, ist es gleichg\u00fcltig, welche organische Zusammensetzung die Produktionszweige haben: die Profitrate ist entscheidend, und die ist unabh\u00e4ngig von der gegebenen organischen Zusammensetzung. Wo die Profitrate am h\u00f6chsten steht, wird es sich anlegen. Gleichzeitig wird es sich nat\u00fcrlich auf dem h\u00f6chsten Stand der Technik anlegen, um gegen\u00fcber den anderen Kapitalen seiner Sph\u00e4re einen Extraprofit zu machen, aber das ist hier eine zweite Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die mit &#8222;Extraprofit&#8220; arbeitenden Branchen hohen technischen Standes f\u00fchrt Hilferding weiter aus: &#8222;Je gr\u00f6\u00dfer der in diesen Neuanlagen zu machende Extraprofit, desto mehr Kapital str\u00f6mt in diese Sph\u00e4ren. Eine Korrektur kann erst eintreten, bis die neuen Produkte dieser Sph\u00e4ren auf den Markt kommen und ihr \u00dcberangebot den Preis senkt. Unterdessen hat die Nachfrage dieser Sph\u00e4ren den Preis von Produkten anderer Sph\u00e4ren gleichfalls erh\u00f6ht und dort Kapitalzufuhr bewirkt, wenn auch in geringerem Ma\u00df, da dort wegen geringerer technischer Verbesserungen der Extraprofit geringer ist. Es hat dies wieder zur Folge, dass hier die Preissteigerung, da die Kapitalvermehrung nicht in gleicher Proportion zugenommen hat, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig st\u00e4rker ist. In der ersten Produktionssph\u00e4re ist der Extraprofit bedeutend, in der zweiten geringer; dies gleicht sich allm\u00e4hlich aus durch Verringerung des Extraprofits durch st\u00e4rkere Kapitalzufuhr dort und durch Preiserh\u00f6hung infolge relativ geringerer Zufuhr hier.&#8220;<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst einmal ist von dem &#8222;Extraprofit&#8220; die Rede, den eine ganze Sph\u00e4re anderen gegen\u00fcber aufgrund ihrer organischen Zusammensetzung (&#8222;technische Verbesserungen&#8220;) machen soll (&#8222;In der ersten Produktionssph\u00e4re ist der Extraprofit bedeutend, In der zweiten geringer&#8220;). Die h\u00f6here oder niedrigere Profitrate einer Branche im Vergleich mit anderen hat jedoch, um das zu wiederholen, erst einmal nichts zu tun mit ihrer h\u00f6heren oder niedrigeren organischen Zusammensetzung. Nur f\u00fcr die Profitraten der individuellen Kapitale <strong>innerhalb<\/strong> einer Sph\u00e4re ist die h\u00f6here oder niedrigere organische Zusammensetzung von ausschlaggebender Bedeutung f\u00fcr Extraprofit oder Verlust, insoweit damit eine h\u00f6here oder niedrigere Produktivit\u00e4t als bei den anderen Kapitalen verbunden ist. Darum hatten wir oben Marx sprechen lassen mit seiner Feststellung, dass die Konkurrenz das Mittel ist, Extraprofite <strong>zwischen<\/strong> den Sph\u00e4ren <strong>auszugleichen <\/strong>und f\u00fcr eine gleiche Profitrate zu sorgen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig innerhalb des jeweiligen Produktionszweigs Extraprofite &#8211; oder Verluste &#8211; eines Kapitals gegen\u00fcber seinen Konkurrenten <strong>bewirkt<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter sagt Hilferding, dass der hohe Extraprofit der ersten Sph\u00e4re viel neues Kapital dort hineinstr\u00f6men l\u00e4sst. Das bewirke eine Produktionserh\u00f6hung, bis schlie\u00dflich das steigende Warenangebot die Preise und damit die Extraprofite zum Sinken bringe. W\u00e4hrenddessen habe das neue Kapital, das in die erste Sph\u00e4re gestr\u00f6mt sei, durch seine Nachfrage nach Produkten anderer Sph\u00e4ren deren Preise erh\u00f6ht. Dadurch w\u00fcrden auch diese Sph\u00e4ren h\u00f6here Profite machen: wegen ihrer urspr\u00fcnglich niedrigeren Profite str\u00f6me das Kapital dorthin &#8222;in geringerem Ma\u00dfe&#8220; als in der ersten Sph\u00e4re, da in ihnen &#8222;wegen geringerer technischer Verbesserungen der Extraprofit geringer ist.&#8220; Das erweist sich als Gl\u00fccksfall, denn dadurch bleibt das Warenangebot eingeschr\u00e4nkt, so dass die Nachfrage der ersten Sph\u00e4re die Preise, der zweiten in die H\u00f6he treibt. In der ersten Sph\u00e4re erh\u00f6ht also &#8211; Hilferding zufolge &#8211; das einwandernde Kapital das Warenangebot so lange, bis der &#8222;Extraprofit&#8220; dieser Sph\u00e4re verschwindet, und in der zweiten Sph\u00e4re l\u00e4sst die Nicht-Zufuhr von Kapital umgekehrt die Nachfrage \u00fcber das Angebot so lange wachsen, bis die dadurch bewirkte Preissteigerung den Ausgleich geschafft hat: &#8222;In der ersten Produktionssph\u00e4re ist der Extraprofit bedeutend, in der zweiten geringer; dies gleicht sich allm\u00e4hlich aus durch Verringerung des Extraprofits durch st\u00e4rkere Kapitalzufuhr dort und durch Preiserh\u00f6hung infolge relativ geringerer Zufuhr hier.&#8220; Ohne dass ein Wechsel in der Produktivit\u00e4t des zweiten Produktionszweigs erfolgte, w\u00e4ren dort mit den Preisen die Profite gestiegen. Allein durch Preiswechsel infolge von Angebot und Nachfrage w\u00e4re also der Ausgleich der Profitraten erfolgt und Gerechtigkeit eingetreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Legen wir die Marxsche Theorie zugrunde, sieht der ganze Zusammenhang anders aus: arbeitet in einer Sph\u00e4re ein Kapital mit \u00fcberdurchschnittlicher Produktivit\u00e4t, kann es Extraprofite machen, weil es seine Waren zu denselben Preisen wie die anderen Kapitale verkaufen kann, sein Kostpreis (die Herstellungskosten) aber tiefer liegt. Oder aber es verkauft zu niedrigeren Preisen, um seine Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen. Verallgemeinert sich die produktivere Methode in dieser Sph\u00e4re, so sinkt die notwendige Arbeitszeit, die gesellschaftlich zur Herstellung der Ware (der Warenmasse) dieser Sph\u00e4re erforderlich ist. Die Profitrate des <strong>Gesamt<\/strong>kapitals dieser Sph\u00e4re kann die ganze Zeit \u00fcber dieselbe gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder aber &#8211; ein anderer Fall &#8211; eine ganze Sph\u00e4re macht h\u00f6here Profite als die anderen Sph\u00e4ren. Das kann seine Ursache darin haben, dass die Nachfrage nach dem Produkt dieser Sph\u00e4re durch andere Sph\u00e4ren oder durch individuelle Konsumenten gewachsen ist. Polit\u00f6konomisch bedeutet es, dass der Marktpreis \u00fcber dem Produktionspreis steht. Mit h\u00f6herer oder niedrigerer Produktivit\u00e4t der ganzen Sph\u00e4re h\u00e4tte dies &#8211; um es erneut zu betonen &#8211; prim\u00e4r gar nichts zu schaffen, <strong>sondern mit dem zu geringen Umfang an Kapital, das in der betreffenden Sph\u00e4re engagiert ist<\/strong>. Die Zufuhr von Kapital sorgt dann daf\u00fcr, dass infolge von Produktionserweiterung das Angebot sich mit der Nachfrage ausgleicht und der Marktpreis auf den Produktionspreis\/Marktwert zur\u00fcckf\u00e4llt. H\u00f6ren wir dazu Marx: &#8222;Das Verh\u00e4ltnis von Nachfrage und Zufuhr erkl\u00e4rt daher einerseits nur die Abweichungen der Marktpreise von den Marktwerten und andrerseits die Tendenz zur Aufhebung dieser Abweichung, d.h. zur Aufhebung der Wirkung des Verh\u00e4ltnisses von Nachfrage und Zufuhr. (&#8230;) Nachfrage und Zufuhr k\u00f6nnen die Aufhebung der durch ihre Ungleichheit hervorgebrachten Wirkung in sehr verschiedner Form durchf\u00fchren. Z.B f\u00e4llt die Nachfrage und daher der Marktpreis, so kann das dazu f\u00fchren, dass Kapital entzogen und so die Zufuhr vermindert wird. Es kann aber auch dazu f\u00fchren, dass der Marktwert selbst durch Erfindungen, die die notwendige Arbeitszeit verk\u00fcrzen, erniedrigt und dadurch mit dem Marktpreis ausgeglichen wird. Umgekehrt: Steigt die Nachfrage und damit der Marktpreis \u00fcber den Marktwert, so kann dies dazu f\u00fchren, dass diesem Produktionszweig zuviel Kapital zugef\u00fchrt und die Produktion so gesteigert wird, dass der Marktpreis selbst unter den Marktwert f\u00e4llt; oder es kann andrerseits zu einer Preissteigerung f\u00fchren, die die Nachfrage selbst zur\u00fccktreibt.&#8220;<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a> Immer bewirkt die Konkurrenz &#8211; hier in Gestalt von Angebot und Nachfrage &#8211; nur, dass &#8222;die bestimmten quantitativen Abweichungen der Marktpreise von den Marktwerten und weiter von den Produktionspreisen&#8220;<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a> ebenso ausgeglichen werden wie neu entstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferdings Sph\u00e4renkonstruktion ist dagegen von den verschiedensten Seiten aus verquer. Eingangs l\u00e4sst er die erste Sph\u00e4re Extraprofite machen, nicht weil dort zu wenig Kapital angelegt ist, sondern weil sie als Ganze produktiver arbeiten soll. Das ist die &#8222;h\u00f6here Produktivit\u00e4t&#8220; einer Brath\u00e4hnchenfabrik gegen\u00fcber einer Aluminiumh\u00fctte, die ein nicht vorhandenes direktes Konkurrenzverh\u00e4ltnis zwischen beiden unterstellt. Ausgerechnet dort, wo Nachfrage und Zufuhr (von Kapital) ihren Platz haben, bestimmt er sie falsch. Den fehlerhaften Ansatz verdoppelt er sodann, indem er die Extraprofite der ersten Sph\u00e4re nicht durch Verallgemeinerung der produktiveren Methode, sondern durch Zufuhr von Kapital zur\u00fcckgehen l\u00e4sst. In der zweiten Sph\u00e4re wiederum l\u00e4sst er die Preise allein aufgrund der wachsenden Nachfrage steigen, unabh\u00e4ngig von den gegebenen Produktionspreisen, dh. den realen Wertverh\u00e4ltnissen. Nicht die vorherrschenden Produktionsbedingungen regulieren dort den Preis, sondern die \u00e4u\u00dferliche Nachfrage der ersten Sph\u00e4re tut dies. Der Preis, der schlie\u00dflich f\u00fcr die Ware der zweiten Sph\u00e4re gebildet wird, hat kein immanentes Ma\u00df mehr, sondern gr\u00fcndet sich allein auf Nachfrage und Angebot. Diese beiden sind die Regulatoren, die in Hilferdings Darstellung dem Ausgleich der Profitraten zugrundeliegen. Das verweist einmal mehr auf das mittlerweile schon mehrfach festgestellte \u00e4u\u00dferliche Kapitalverst\u00e4ndnis des \u00d6sterreichers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angebot und Nachfrage bzw. Zufuhr und Nachfrage benennen eine bestimmte Form der Konkurrenz, n\u00e4mlich die zwischen Verk\u00e4ufern (bzw. Produzenten) und K\u00e4ufern (bzw. produktiven oder individuellen Konsumenten) einer Ware. Ihr gehen die anderen, zuvor beschriebenen Arten der Konkurrenz voraus. Damit Angebot und Nachfrage den Preis einer Ware auf dem Markt um den vorgegebenen Produktionspreis herum schwanken lassen, ist zweierlei vorausgesetzt: erstens ist <strong>innerhalb<\/strong> einer Produktionssph\u00e4re die Bildung eines gleichen <strong>Marktwerts<\/strong> als Durchschnittswerts der dort produzierten Waren vorausgesetzt; dh. es ist die Konkurrenz der in dieser Sph\u00e4re mit unterschiedlicher Produktivit\u00e4t agierenden Kapitale unterstellt.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a> Zweitens ist die Verwandlung dieses Marktwerts in den davon abweichenden <strong>Produktionspreis<\/strong> unterstellt, der den Durchschnittsprofit einschlie\u00dft; dh. es ist die Konkurrenz der Kapitalien um die Produktionszweige als Anlagesph\u00e4ren f\u00fcr Kapital vorausgesetzt.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a> Erst <strong>auf dieser Grundlage<\/strong> bzw. unter diesen Voraussetzungen kommen Angebot und Nachfrage zum Tragen; in der Konkurrenz zwischen Verk\u00e4ufern und K\u00e4ufern bewirken sie die Oszillation der t\u00e4glichen Marktpreise um die Produktionspreise, die Marx auch Marktproduktionspreise nennt. Es ist also nicht nur die Konkurrenz im allgemeinen, der Hilferding \u00fcberragende Bedeutung beimisst, sondern dar\u00fcber hinaus die \u00e4u\u00dferlichste Form der Konkurrenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was in der Formulierung des Wertgesetzes durch Hilferding angelegt war, hat sich wiederholt: die Preise regeln die Produktion. Die Theorie der &#8222;Bestimmung der Preise durch Nachfrage und Zufuhr und daneben Bestimmung der Nachfrage und Zufuhr durch die Preise&#8220; nannte Marx schlicht eine &#8222;Konfusion&#8220;.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a> Hilferding macht diese Konfusion zur Grundlage seiner Argumentation. Er beginnt mit dem an Marx erinnernden Satz, dass gr\u00f6\u00dfere Produktivit\u00e4t Extraprofite erzeugt, bringt diese Feststellung von vornherein in einem falschen Zusammenhang, und macht sodann Angebot und Nachfrage zum eigentlichen Regulator der Bewegung. Beim n\u00e4chsten Punkt wird sich zeigen, dass er daraus auch die kapitalistische Krise ableitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>c) Das Krisenverst<\/strong><strong>\u00e4ndnis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer Steile schreibt Hilferding, &#8222;die Krise bedeutet nichts anderes als den Moment, wo das Sinken der Profitrate eintritt.&#8220;<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a> Das ist ein Irrtum. Der Fall der Profitrate f\u00fchrt nicht direkt, sondern nur &#8222;in letzter Instanz&#8220; zur Krise. Er ist streckenweise sogar mit beschleunigter Akkumulation verkn\u00fcpft, solange die <strong>Profitmasse<\/strong> nur gen\u00fcgend anw\u00e4chst. Erst wenn das Wachstum der Masse des Profits den Fall der Rate nicht l\u00e4nger kompensieren kann, tritt die Krise ein. Dennoch ist der Gedanke, dass die Krise etwas mit der fallenden Profitrate zu tun hat, nicht dumm. Hilferding verfolgt ihn aber nicht weiter, sondern betreibt eine eigene Krisenkonstruktion, die weniger mit der Profitrate, aber daf\u00fcr um so mehr mit Angebot und Nachfrage zu tun hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie baut auf der oben vorgestellten These auf, wonach das Wertgesetz durch die Preisgestaltung die Produktion reguliert, der Produktionsprozess also so lange ungest\u00f6rt vor sich geht, wie die Preise der Waren den Werten entsprechen. Daraus folgert Hilferding im Umkehrschluss, Krisen m\u00fcssten sich &#8222;erkl\u00e4ren lassen durch die St\u00f6rung in der spezifischen Regulierung dieser Produktion, also durch eine St\u00f6rung in den Preisgestaltungen, so dass die Preise die Notwendigkeiten der Produktion nicht mehr richtig erkennen lassen. Da diese St\u00f6rung periodisch ist, muss auch die St\u00f6rung im Preisgesetz als periodisch auftretend nachgewiesen werden.&#8220;<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> Bedingt durch die Prosperit\u00e4t, l\u00e4sst er in den entwickeltsten Produktionszweigen die Preise den Werten davonlaufen. In diesen Sph\u00e4ren, behauptet er, tritt infolge &#8222;der Verschiebung des Verh\u00e4ltnisses von Angebot und Nachfrage, dadurch, dass das Angebot langsamer w\u00e4chst als die Nachfrage, zun\u00e4chst ein st\u00e4rkeres Steigen der Preise ein als in anderen Produktionszweigen.&#8220;<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a> Die ungleichm\u00e4\u00dfige Preisentwicklung verursacht schlie\u00dflich die Krise. &#8222;Denn all die erw\u00e4hnten Momente bedeuten Abweichungen der Marktpreise von den Produktionspreisen und dadurch St\u00f6rungen in der Regulierung der von der Preisgestaltung- in ihrem Ausma\u00df und ihrer Richtung abh\u00e4ngigen Produktion. Dass diese St\u00f6rungen schlie\u00dflich zur Absatzstockung f\u00fchren m\u00fcssen, ist klar.&#8220;<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferding l\u00e4sst die Krise also tats\u00e4chlich aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage und den dadurch bedingten Preisabweichungen hervorgehen. Das hei\u00dft, dass sie nicht aus dem Produktionsprozess, sondern aus der Zirkulation erw\u00e4chst oder, wie Hilferding sagt, dass sie &#8222;nur erkl\u00e4rt werden kann aus den spezifisch kapitalistischen\u00a0 Bedingungen der Warenzirkulation.&#8220;<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a> Denn Angebot und Nachfrage ber\u00fchren nicht die Produktion der Waren und damit die Schaffung von Wert und Mehrwert; sie betreffen den Umschlag der mit einem feststehenden Wert &#8211; darin eingeschlossen den Mehrwert &#8211; aus dem Produktionsprozess heraus\u00adtretenden Waren. &#8222;Aber im Zirkulationsprozess wird\u00a0 kein Wert produziert, also auch kein Mehrwert&#8220;, sagt Marx. &#8222;Es gehn nur Formver\u00e4nderungen derselben Wertmasse vor. Es geht in der Tat nichts vor als die Metamorphose der Waren, die als solche mit Wertsch\u00f6pfung oder Wertver\u00e4nderung nichts zu tun hat.&#8220;<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[30]<\/a> Die Hilferdingsche Krise resultiert also aus den zus\u00e4tzlichen Einfl\u00fcssen, die bei der <strong>Realisierung<\/strong> des in den Waren enthaltenen Werts und Mehrwerts in der Zirkulationssph\u00e4re wirken und die durch Angebot und Nachfrage dar\u00fcber ent\u00adscheiden, ob die produzierten Waren die Werte, die sie verk\u00f6rpern, realisieren k\u00f6nnen oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx hatte dar\u00fcber wiederum andere Auffassungen. F\u00fcr ihn ist die Krise dem Wesen nach eine Verwertungskrise des Kapitals. Aber &#8222;als Kapital existiert das Kapital&#8220;, formulierte er, &#8222;in der wirklichen Bewegung, nicht im Zirkulationsprozess, sondern nur im Produktionsprozess, im Ausbeutungsprozess der Arbeitskraft.&#8220;<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[31]<\/a> Die kapitalistische Krise als Krise des Kapitals zu begreifen hei\u00dft daher, ihren Ursprung dort auszumachen, wo das Kapital als solches existiert: im Ausbeutungsprozess. Auf einem bestimmten Punkt seiner Bewegung tritt sich das Kapital selber als Schranke entgegen. Es existiert zu viel davon, um sich aus\u00adreichend verwerten zu k\u00f6nnen, Indem das Kapital im Zuge seiner Akkumulation Bedingungen schafft, unter denen es nicht mehr gen\u00fcgend Mehrarbeit aneignen kann. Diese Verwertungskrise, in die das Kapital bei der Produktion seiner selbst periodisch ger\u00e4t, tritt im Zirkulationsprozess, dh. auf dem Markt, als allgemeine \u00dcberproduktion von Waren zutage.<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[32]<\/a> Hilferding l\u00e4sst die Krise jedoch nicht allein in der Zirkulation <strong>erscheinen<\/strong>, sondern behauptet, sie &#8222;<strong>ist<\/strong> ganz allgemein eine Zirkulationsst\u00f6rung.&#8220;<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[33]<\/a> Wenn man sie \u00fcber Angebot und Nachfrage aus den Einfl\u00fcssen des Marktes erkl\u00e4rt, ist dies logisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit verkn\u00fcpft sieht er die Krise konkret aus Disproportionen resultieren, die durch die unregelm\u00e4\u00dfige Preisbewegung hervorgerufen werden. Die Unterschiedlichkeit, in der die Preise von den Werten abweichen, muss &#8222;mit Notwendigkeit eine Verschiebung der Verh\u00e4ltnisse der Kapitalverteilung mit sich f\u00fchren&#8220;<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[34]<\/a>, schreibt er. &#8222;So entstehen im Ablauf der Konjunkturperiode Disproportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnisse durch St\u00f6rungen der Preisgestaltung&#8220;,<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[35]<\/a> die ihrerseits wieder die Preisgestaltung beeinflussen usw. bis die Krise ausbricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dem Wesen des Kapitals entspringende Krise resultiert jedoch ebensowenig aus Disproportionen der Kapitalverteilung wie aus gest\u00f6rter Preisgestaltung wie aus dem Zusammenhang beider, wenn auch derartige Disproportionen Krisen hervorrufen k\u00f6nnen. Eine St\u00f6rung, die auf &#8222;Disproportion zwischen der Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit unter die einzelnen Produktionssph\u00e4ren beruht&#8220;, ordnet Marx der Konkurrenz der Kapitalien um die Anlagesph\u00e4ren zu.<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[36]<\/a> Er bemerkt, dass die Ausgleichung der Profitraten, aus der die proportionale Verteilung des Gesellschaftskapitals auf die Produktionssph\u00e4ren resultiert, auch krisenhaft vor sich gehen kann.<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[37]<\/a> Die eigentliche Krise des Kapitals stellt sich aber nicht als <strong>besondere<\/strong> \u00dcberproduktion in einzelnen Sph\u00e4ren (resp. Unterproduktion in anderen Sph\u00e4ren) dar, sondern als eine <strong>allgemeine<\/strong> \u00dcberproduktion von Waren.<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[38]<\/a> Darin tritt die \u00dcberakkumulation des Kapitals an die Oberfl\u00e4che. Wie auch immer Hilferdings Ausf\u00fchrungen zur Krise daher genommen werden: sie haben nichts mit den immanenten Bewegungsgesetzen zu tun, die die Verwertung des Kapitals regeln, sondern ersch\u00f6pfen sich in den Ph\u00e4nomenen, die die wirkliche Bewegung sowohl in verkehrter Form zum Ausdruck bringen als auch verh\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fehlerhafte Krisenauffassung h\u00e4ngt damit zusammen, dass Hilferding den zweiten Band des KAPITALs f\u00fcr den Ort h\u00e4lt, wo Marx die Ableitung der Krise angelegt habe. Er erkl\u00e4rt, dass &#8222;eine Erkenntnis der Krisenursachen nur m\u00f6glich&#8220; sei, &#8222;wenn man sich die Ergebnisse der Marxschen Analyse vergegenw\u00e4rtigt&#8220;, die in Band II enthalten sind.<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[39]<\/a> Folgerichtig gibt er die Marxschen Reproduktionsschemata bzw. die &#8222;Gleichgewichtsbedingungen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses&#8220; wieder, bevor er das Kapitel \u00fcber die &#8222;Ursachen der Krise&#8220; beginnt. Auf der Ebene von Band II sind die Krisen jedoch nicht zu erkl\u00e4ren, weil dort im wesentlichen der &#8222;Zirkulationsprozess des Kapitals&#8220; abgehandelt wird, wie der Titel dieses Buchs lautet. Zwar wird namentlich im dritten Abschnitt die Einheit von Zirkulations- und Produktionsprozess dargestellt; das Kapital erscheint dort aber wesentlich noch nicht als prozessierendes Verh\u00e4ltnis, sondern in linearem Fortgang, indem die allgemeinen Elemente und Voraussetzungen seiner Akkumulation benannt werden. Von so entscheidenden Momenten des Gesamtreproduktionsprozesses wie dem Fall der Profitrate wird dabei abgesehen. Erst im dritten Buch werden die konkreten Formen entwickelt, die aus dem Bewegungsprozess des Kapitals, als ganzes betrachtet, hervorwachsen. Darum muss auch der theoretische Ansatzpunkt zur Erkl\u00e4rung der Krise in KAPITAL III gesucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der von Hilferding gew\u00e4hlten Ebene wird stattdessen nahegelegt, was er am Ende seiner Darstellung der Reproduktionsschemata schreibt: &#8222;Aber zugleich zeigen diese Schemata, dass in der kapitalistischen Produktion sowohl Reproduktion auf einfacher als auf erweiterter Stufenleiter ungest\u00f6rt vor sich gehen kann, wenn nur diese Proportionen erhalten bleiben.&#8220;<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[40]<\/a> Das bedeutet zum einen, dass der Autor eine schrankenlose Akkumulation des Kapitals f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, &#8222;wenn nur die Proportionen erhalten bleiben&#8220;, wenn es also gelingt, die Ausbildung von Disproportionen aufgrund einer fehlerhaften Preisgestaltung zu verhindern. Zum andern ist er auf dem Boden dieser Feststellung gezwungen, die Krisen, wenn sie \u00fcberhaupt noch stattfinden sollen, mit Missverh\u00e4ltnissen zwischen den Produktionssph\u00e4ren zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als das Buch mit dieser Feststellung erschien &#8211; im Jahre 1910 -, hielt sein Verfasser Krisen noch f\u00fcr unvermeidbar und leitete u.a. daraus die Notwendigkeit eines Sturzes des &#8222;Finanzkapitals&#8220; ab. Kaum zehn Jahre sp\u00e4ter erkl\u00e4rte er die Krisen durch den &#8222;organisierten Kapitalismus&#8220; f\u00fcr \u00fcberwunden und sah kein Bed\u00fcrfnis f\u00fcr eine revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung der Gesellschaft mehr. Der daf\u00fcr erforderliche theoretische Sprung war nicht gro\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Die Monopolisierung des produktiven Kapitals<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aussagen, mit denen wir uns bisher besch\u00e4ftigt haben, um Hilferdings Begriff der Bewegungsgesetze des Kapitals nachzuvollziehen, demonstrieren durchg\u00e4ngig ein subjektives Verst\u00e4ndnis, das sich auf die erscheinende Oberfl\u00e4che beschr\u00e4nkt und prinzipiell im Gegensatz zu Marx steht. In der eigentlichen Monopoltheorie, mit der das Ende des &#8222;Konkurrenzkapitalismus&#8220; begr\u00fcndet wird, muss sich zeigen, ob diese Linie fortgesetzt wird oder nicht. Da der Autor die Monopolisierung zun\u00e4chst im Bereich des produktiven Kapitals einsetzen l\u00e4sst, bevor er auf die Verschmelzung von Handel, Industrie und Banken zum Finanzkapital eingeht, wollen wir ihm hierin folgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>a) Die Herausbildung monopolistischer Vereinigungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Herausbildung von Monopolen nimmt im FINANZKAPITAL einen eigen\u00adt\u00fcmlichen Verlauf. In Fortf\u00fchrung der oben kritisierten Ausf\u00fchrungen behauptet Hilferding bei der Beschreibung von Zyklus und Krise, dass die am meisten entwickelten Sph\u00e4ren, die sogenannten &#8222;schweren&#8220; Industrien wie Kohle und Stahl, in der Prosperit\u00e4t \u00fcberdurchschnittliche Gewinne machen. Diese Gewinne hingen zusammen mit der Unregelm\u00e4\u00dfigkeit der Preisgestaltung, aus der Hilferding im vorigen Punkt Disproportion und Krise ableitete. Den Grund f\u00fcr die \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Konjunkturgewinne macht er im fixen Kapital aus.<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[41]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fixes Kapital ist nach Marx derjenige Teil des (konstanten) Kapitals, der als Arbeitsmittel (Geb\u00e4ude, Maschinerie) im Arbeitsprozess fixiert ist und seinen Wert nur allm\u00e4hlich an das Produkt abgibt.<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[42]<\/a> Die anderen Bestandteile des Kapitals, dh. sowohl das variable Kapital als auch die \u00fcbrigen Teile des konstanten Kapitals, die in jedem Produktionsgang ihren Wert vollst\u00e4ndig auf das Produkt \u00fcbertragen (Rohstoffe, Hilfsmittel) bilden im Gegensatz dazu das fl\u00fcssige oder zirkulierende Kapital.<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[43]<\/a> Diese Unterscheidung resultiert aus dem verschiedenen <strong>Umschlag<\/strong> der verschiedenen Teile des im Produktionsprozess fungierenden Kapitals; sie &#8222;entspringt aus der Verschiedenheit der stofflichen Gestalten, worin das produktive Kapital existiert, und wovon ein Teil w\u00e4hrend der Bildung des einzelnen Produkts ganz konsumiert, ein andrer nur allm\u00e4hlich vernutzt wird.&#8220;<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[44]<\/a> Die Aufteilung in fixes und fl\u00fcssiges Kapital betrifft demgem\u00e4\u00df die <strong>stofflich bedingte Verschiedenheit des<\/strong> Umschlags <strong>der einzelnen Kapitalteile<\/strong>. Diese Bestimmung ber\u00fchrt nicht den <strong>Verwertungsprozess<\/strong>, der sich in den Begriffen des konstanten und variablen Kapitals ausdr\u00fcckt; die &#8222;differentia specifica&#8220; des Kapitals ist in ihr ausgel\u00f6scht, denn als &#8222;fl\u00fcssig&#8220; bzw. &#8222;zirkulierend&#8220; erscheint die Arbeit gleichwertig neben den Rohstoffen etc.<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[45]<\/a> Das festzuhalten ist deswegen wichtig, weil Hilferding einmal die Begriffe des konstanten und fl\u00fcssigen Kapitals unterschiedslos nebeneinander verwendet, dann aber in letzter Instanz das fixe Kapital zur entscheidenden Ursache der Monopolisierung macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedenfalls verhilft das fixe Kapital den schweren Industrien laut Hilferding vorerst zu \u00fcberh\u00f6hten Profiten: &#8222;Je gr\u00f6\u00dfer aber der Umfang des fixen Kapitals, desto l\u00e4nger die Zeit, n\u00f6tig, um Neuanlagen herzustellen, desto gr\u00f6\u00dfer auch daher der Unterschied der Zeit, w\u00e4hrend der in einzelnen Industriezweigen die Produktion erweitert werden kann. Je l\u00e4nger aber die Zeit zur Neuanlage, desto schwieriger die Anpassung an die Bed\u00fcrfnisse der Konsumtion; desto l\u00e4nger bleibt das Angebot hinter der Nachfrage zur\u00fcck, desto st\u00e4rker steigen hier die Preise&#8220;.<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[46]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx hat die Schwierigkeiten ebenfalls gesehen, die dem Ausgleich der Profitraten zum Durchschnittsprofit aufgrund des Beharrungsverm\u00f6gens des fixen Kapitals entgegenstehen, darauf jedoch eine andere Antwort gehabt als Hilferding. &#8222;Aber in jeder Sph\u00e4re der eigentlichen Produktion &#8211; Industrie, Ackerbau, Bergwerke etc. &#8211; bietet die \u00dcbertragung von Kapital aus einer Sph\u00e4re in die andre bedeutende Schwierigkeit, besonders wegen des vorhandnen fixen Kapitals. Zudem zeigt die Erfahrung, dass, wenn ein Industriezweig, z.B. die Baumwollindustrie, zu einer Zeit au\u00dferordentlich hohe Profite abwirft, er dann auch zu einer \u00e4ndern Zeit sehr geringen Profit oder gar Verlust bringt, so dass in einem gewissen Zyklus von Jahren der Durchschnittsprofit ziemlich derselbe ist wie in \u00e4ndern Zweigen. Und mit dieser Erfahrung lernt das Kapital bald rechnen.&#8220;<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\">[47]<\/a> Sofern es also aufgrund des fixen Kapitals zu zeitweise \u00fcberh\u00f6hten oder auch zu niedrigen Profiten kommt, gleicht sich dies \u00fcber die Jahre hinweg aus. Au\u00dferdem errichtet das Kapital durch seine Gebrauchsgestalt (das fixe Kapital) nicht nur Hindernisse der eigenen Verwertung, sondern schafft auch die Mittel, diese Hindernisse zu \u00fcberwinden. Was &#8222;Maschinen und andres fixes Kapital, Kohlen, Erze etc.&#8220; angeht, sagt Marx, kann &#8222;deren Vermehrung, die sonstigen Naturbedingungen vorausgesetzt, in einem industriell entwickelten Land in k\u00fcrzester Frist vor sich gehn&#8220;.<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\">[48]<\/a> Je mehr mit dem fixen Kapital die Schranken f\u00fcr gleiche Kapitalverwertung anwachsen, desto mehr wachsen dementsprechend die M\u00f6glichkeiten und Fertigkeiten des Kapitals, diese Schranken aufzuheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist von vornherein ein falscher Ansatz, die stoffliche Gestalt des Kapitals zum Ausgangspunkt f\u00fcr angeblich grundlegende Ver\u00e4nderungen im Produktionsprozess des Mehrwerts zu nehmen. Marx l\u00e4sst mit der Weiterentwicklung der kapitalistischen Produktionsweise die Wanderung von Kapital zwischen den Sph\u00e4ren nicht das einzige Mittel der Nivellierung der Profitraten bleiben. &#8222;Sobald die kapitalistische Produktion einen gewissen Entwicklungsgrad erreicht hat&#8220;, schreibt er, &#8222;geht die Ausgleichung zwischen den verschiednen Profitraten der einzelnen Sph\u00e4ren zu einer allgemeinen Profitrate keineswegs blo\u00df noch vor sich durch das Spiel der Attraktion und Repulsion, worin die Marktpreise Kapital anziehn oder absto\u00dfen. Nachdem sich die Durchschnittspreise und ihnen entsprechende Marktpreise f\u00fcr eine Zeitlang befestigt haben, tritt es in das <strong>Bewusstsein<\/strong> der einzelnen Kapitalisten, dass in dieser Ausgleichung <strong>bestimmte Unterschiede<\/strong> ausgeglichen werden, so dass sie dieselben gleich in ihrer wechselseitigen Berechnung einschlie\u00dfen. In der Vorstellung der Kapitalisten leben sie und werden von ihnen in Rechnung gebracht als Kompensationsgr\u00fcnde.&#8220;<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\">[49]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferding setzt sich mit diesen Gedanken nicht auseinander, sondern f\u00fchrt seine Konstruktion weiter. Bisher waren wir bei den <strong>\u00fcberdurchschnittlichen<\/strong> Profiten der schweren Industrien w\u00e4hrend der Konjunktur. Wie kommt es von dort zur Bildung von Monopolen? Der unbefangene Leser denkt wahrscheinlich, durch die Fixierung der \u00dcberprofite auf irgendeine Weise. Aber gefehlt; Hilferding schl\u00e4gt einen unerwarteten Umweg ein. Weil n\u00e4mlich hohe Gewinne zu erwarten sind, l\u00e4sst er viel Kapital in die am meisten entwickelten Produktionszweige str\u00f6men. Je h\u00f6her die Profitrate ist, &#8222;desto allgemeiner wird in solchen Industrien der Akkumulationsdrang&#8220;<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\">[50]<\/a>, schreibt er, und daraus resultiert die &#8222;Tendenz zu einer \u00dcberanlage, \u00dcberakkumulation des Kapitals in den Sph\u00e4ren h\u00f6chster organischer Zusammensetzung im Vergleich zu denen niedrigerer Zusammensetzung.&#8220;<a href=\"#_edn51\" name=\"_ednref51\">[51]<\/a> Das wiederum l\u00e4sst alles umschlagen. Sind die neuen Fabriken n\u00e4mlich fertig und fangen mit der massenhaften Produktion an, entsteht ein &#8222;Missverh\u00e4ltnis, das erscheint, wenn die Produkte der ersten Sph\u00e4ren auf den Markt gelangen. Der Absatz dieser neuen Produkte ist dadurch gehindert, dass die Produktion in den Sph\u00e4ren niederer Zusammensetzung nicht in gleicher Weise &#8230; vermehrt wurde.&#8220;<a href=\"#_edn52\" name=\"_ednref52\">[52]<\/a> Das hei\u00dft, die schweren Industrien finden f\u00fcr ihr gestiegenes Warenangebot nicht gen\u00fcgend Absatz in den anderen Sph\u00e4ren. Die Zufuhr liegt \u00fcber der Nachfrage und die Preise sinken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein R\u00fcckzug aus der Produktion ist aber, so Hilferding, wegen des Umfangs, in dem Kapital in Geb\u00e4uden und Maschinerie gebunden ist, nicht ohne weiteres m\u00f6glich. &#8222;Hier spielt das fixe Kapital weitaus die gr\u00f6\u00dfte Rolle, hier wird der Abfluss einmal angelegten Kapitals am schwierigsten.&#8220;<a href=\"#_edn53\" name=\"_ednref53\">[53]<\/a> Also muss weiter produziert werden und bleiben die Preise infolge des dauernden \u00dcberangebots im Keller. &#8222;Die starke Vermehrung der Produktion \u00fcberkompensiert die Wirkung auf die Profitrate; stand diese vorher \u00fcber dem Durchschnitt, so sinkt sie jetzt unter ihn.&#8220;<a href=\"#_edn54\" name=\"_ednref54\">[54]<\/a> Auf diese Weise entsteht nach Hilferding &#8222;in den entwickeltsten Sph\u00e4ren kapitalistischer Produktion, in den schweren Industrien&#8220; eine allgemeine Tendenz zu unterdurchschnittlichen Profiten. &#8222;Es wird gerade in diesen Sph\u00e4ren sich sehr leicht ein Zustand herausbilden, in dem durch l\u00e4ngere Zeit die Profitrate unter dem Durchschnitt steht.&#8220;<a href=\"#_edn55\" name=\"_ednref55\">[55]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;l\u00e4ngere Zeit&#8220;, von der Hilferding spricht, ist ein zyklus\u00fcbergreifender Zustand unterdurchschnittlicher Profite. Neben den eben genannten, permanenten Tendenzen, die diesen Zustand bewirken und die er &#8222;aus dauernd wirksamen Ursachen&#8220; erkl\u00e4rt,<a href=\"#_edn56\" name=\"_ednref56\">[56]<\/a> sieht er n\u00e4mlich weitere Momente, die in dieselbe Richtung wirken, sich aber auf &#8222;Bedingungen des industriellen Zyklus&#8220; beschr\u00e4nken.<a href=\"#_edn57\" name=\"_ednref57\">[57]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist die erste H\u00e4lfte von Hilferdings Herleitung der Monopoltheorie. Sehen wir einmal davon ab, dass die ganze Argumentation sich auf die stoffliche Gestalt, dh. die Gebrauchsform des Kapitals und die Wirkung von Angebot und Nachfrage st\u00fctzt. Lassen wir auch die von Marx erw\u00e4hnten Erfahrungen beiseite, aufgrund derer das Kapital mit den Auswirkungen des fixen Kapitals rechnen lernt. Warum werden dann trotzdem die konjunkturellen \u00dcberprofite der schweren Industrien nicht einfach durch h\u00f6here Verluste in der Krise ausgeglichen? Warum bringt die n\u00e4chste Prosperit\u00e4tsperiode nicht wieder \u00dcberprofite, die wiederum in der Krise ausgeglichen werden usw.? Woher sollen die <strong>dauerhaften, zyklus\u00fcbergreifenden \u00dcberprofite<\/strong> kommen, die irgendwann in ebenso dauerhafte, zyklus\u00fcbergreifende <strong>Unterprofite<\/strong> umschlagen? Selbst wenn f\u00fcr die Dauer eines ganzen Zyklus \u00fcber Prosperit\u00e4t und Krise hinweg \u00dcberakkumulation in einem Industriezweig unterstellt wird: wieso besteht die \u00dcberakkumulation auch im n\u00e4chsten Zyklus noch weiter, obwohl dieser ein gr\u00f6\u00dferes Produktionsvolumen mit sich bringt als sein Vorg\u00e4nger? Wieso reicht das \u00dcberma\u00df an fixem Kapital des vorigen Zyklus nicht gerade hin, um die gestiegenen Produktionsanforderungen des neuen Zyklus zu erf\u00fcllen? Wo kommt die Permanenz der \u00dcberakkumulation her, die sich von Zyklus zu Zyklus fortpflanzen und permanente Unterprofite bewirken soll? Dar\u00fcber gibt Hilferding keine n\u00e4here Auskunft. Der wiederholte Verweis auf das fixe Kapital und das Spiel von Angebot und Nachfrage reicht ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind jedoch noch nicht bei den Monopolen und ihren dauerhaften \u00dcberprofiten angelangt, sondern soeben bei dem geraden Gegenteil. Wie soll es weitergehen? Wie soll die Konkurrenz \u00fcberwunden werden, der Profit steigen und das Monopol entstehen? Dazu bemerkt Hilferding \u00fcber die schweren Industrien: &#8222;Es herrscht nicht nur der Gro\u00dfbetrieb, sondern diese kapitalstarken Gro\u00dfbetriebe werden einander immer gleichwertiger, die technischen und \u00f6konomischen Unterschiede, die einzelnen von ihnen eine \u00dcberlegenheit im Konkurrenzkampf gew\u00e4hren w\u00fcrden, werden immer geringer. Es ist kein Kampf von Starken und Schwachen, in dem diese vernichtet und damit der \u00dcberfluss an Kapital in dieser Sph\u00e4re beseitigt w\u00fcrde, sondern ein Kampf von Gleichen, der lange unentschieden bleiben mag, allen K\u00e4mpfenden gleiche Opfer auferlegt.&#8220;<a href=\"#_edn58\" name=\"_ednref58\">[58]<\/a> Das hat zur Folge, dass &#8222;gerade diese Industrien mit ihren gro\u00dfen fixen Kapitalmassen immer empfindlicher gegen die Konkurrenz und den durch sie bewirkten Fall der Profitrate&#8220; werden.<a href=\"#_edn59\" name=\"_ednref59\">[59]<\/a> Die Tendenz zu unterdurchschnittlichen Profiten l\u00f6st darum &#8222;nun ihrerseits dort, wo die Kapitalskraft hinreichend stark ist, die Gegentendenz zu ihrer \u00dcberwindung aus. Diese Gegentendenz f\u00fchrt schlie\u00dflich zur Aufhebung der freien Konkurrenz und damit zur Tendenz, die Ungleichheit der Profitrate dauernd zu gestalten.&#8220;<a href=\"#_edn60\" name=\"_ednref60\">[60]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich ist es geschafft. W\u00e4hrend andere, minder entwickelte Produktionszweige zwar ebenfalls Unterprofite machen, aber nicht gen\u00fcgend &#8222;Kapitalskraft&#8220; haben, um diesen Zustand zu \u00fcberwinden, weil die Betriebe zu klein und zersplittert sind,<a href=\"#_edn61\" name=\"_ednref61\">[61]<\/a> beenden die gebeutelten Gro\u00dfbetriebe der schweren Industrien ihre Konkurrenz, schlie\u00dfen sich zu monopolistischen Vereinigungen zusammen und erzielen fortan <strong>Monopolprofite<\/strong>. Das ist der Schlussstein in der Herleitung des Monopols.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder gibt es gar nicht gen\u00fcgend Fragen, die an diese Konstruktion zu richten sind: Wieso verschwinden die technischen und \u00f6konomischen Unterschiede zwischen den Kapitalen der entwickeltsten Produktionssph\u00e4ren? Seit wann ist &#8222;gleiche Gr\u00f6\u00dfe&#8220; ein Argument gegen die Konkurrenz? Warum stacheln die unterdurchschnittlichen Profite den Konkurrenzkampf nicht an, sondern lassen ihn beenden? Weshalb wird das \u00fcbersch\u00fcssige Kapital nicht durch Untergang eines Gro\u00dfbetriebs vernichtet? Was sind &#8222;Empfindlichkeit&#8220; und &#8222;Kapitalskraft&#8220; f\u00fcr polit\u00f6konomische Kategorien? Wenn die &#8222;Kapitalskraft&#8220; etwas mit der Gr\u00f6\u00dfe des fixen Kapitals zu tun hat &#8211; wieso bewirkt sie erst \u00fcberdurchschnittliche, dann unterdurchschnittliche und schlie\u00dflich Monopolprofite? Warum schlie\u00dfen die schweren Industrien sich nicht gleich zu Monopolen zusammen, sondern warten erst jahrzehntelange &#8211; da zyklus\u00fcbergreifende &#8211; Unterprofite ab? Weshalb ist die Kapitalskraft ausgerechnet in den Sph\u00e4ren &#8222;hinreichend stark&#8220;, die so lange Zeit hindurch unterprofitlich waren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den gestellten Fragen, von denen Hilferding nicht eine beantwortet, ist deswegen zu beharren, weil der Abschnitt im FINANZKAPITAL \u00fcber &#8222;Hindernisse in der Ausgleichung der Profitraten und ihre \u00dcberwindung&#8220;, dessen wichtigste Aussagen hier vorgestellt wurden, der einzige ist, in dem Hilferding versucht, eine <strong>polit\u00f6konomische<\/strong> Begr\u00fcndung f\u00fcr die <strong>gesetzm\u00e4\u00dfige <\/strong>Herausbildung von Monopolen zu geben. Ansonsten beschreibt er noch die Absprachen von Firmen, erz\u00e4hlt Geschichten von zustandegekommenen und wieder auseinandergegangenen Kartellen, zitiert Kapitalistenklagen \u00fcber zu niedrige sowie Lobpreisungen auf hohe Gewinne und beruft sich auf Adressb\u00fccher von Aufsichtsrats und Vorstandsmitgliedern. Polit\u00f6konomisch beschr\u00e4nkt sich seine Herleitung auf das Zusammenwirken von fixem Kapital mit der Konkurrenzwirkung von Angebot und Nachfrage. Beides ber\u00fchrt allein die \u00e4u\u00dferlichen Formen, die das Kapital in seinem Verwertungsprozess durchl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem entspricht die Definition, die der austromarxistische Theoretiker f\u00fcr die beiden von ihm benannten Formen des Monopols gibt: &#8222;Eine Interessengemeinschaft m\u00f6glichst aller Unternehmungen zum Zweck, durch m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Ausschlie\u00dfung der Konkurrenz die Preise und damit den Profit zu erh\u00f6hen, ist das <strong>Kartell<\/strong>. Das Kartell ist also eine <strong>monopolistische Interessengemeinschaft<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn62\" name=\"_ednref62\">[62]<\/a> W\u00e4hrend im Kartell die beteiligten Betriebe noch formell selbst\u00e4ndig sind, verschmelzen sie im &#8222;Trust&#8220; zu einem einzigen Betrieb: &#8222;Eine Fusion mit demselben Zweck, der durch dasselbe Mittel erreicht werden soll, ist der <strong>Trust<\/strong>. Der Trust ist also eine <strong>monopolistische Fusion<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn63\" name=\"_ednref63\">[63]<\/a> Neben diesen von dem b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen Liefmann \u00fcbernommenen Definitionen stellt Hilferding noch \u00fcber Seiten hinweg &#8222;Kombinationen&#8220;, &#8222;partielle Kombinationen&#8220;, &#8222;homosph\u00e4rische&#8220; Vereinigungen und &#8222;heterosph\u00e4rische&#8220; Verbindungen vor, die er ebenfalls von Liefmann entliehen hat. Wichtiger &#8211; und typisch &#8211; ist jedoch seine Auffassung vom &#8222;Monopol&#8220;. In beiderlei Gestalt &#8211; ob als Kartell oder als Trust &#8211; ist es nicht durch seine <strong>objektive Stellung<\/strong> definiert, sondern durch seinen &#8222;Zweck&#8220;, dh durch das <strong>subjektive Interesse seiner Tr\u00e4ger an der Ausschlie\u00dfung der Konkurrenz und der Erzielung hoher Preise<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>b) Der Nichtausgleich der Profitraten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die so zustandegekommenen Monopole ziehen die erh\u00f6hten Profite, um deretwillen sie sich zusammenschlossen, laut Hilferding auf Kosten des Profits anderer Industriezweige an sich. Um das dauerhaft zu tun und systematisch eine h\u00f6here Profitrate zu sichern, darf die Ausgleichung der Profitraten nicht l\u00e4nger erfolgen, und dazu muss der freie Fluss der Kapitale zwischen den Sph\u00e4ren unterbunden werden. Das geschieht auch. &#8222;Die Kartellierung bedeutet zun\u00e4chst eine \u00c4nderung der Profitrate auf Kosten der Profitrate der anderen kapitalistischen Industrien. Die Ausgleichung dieser Profitraten auf ein gleiches Niveau kann nicht erfolgen durch die Wanderung des Kapitals. Denn die Kartellierung bedeutet ja, dass die Konkurrenz des Kapitals <strong>um seine Anlagesph\u00e4ren<\/strong> gehemmt ist.&#8220;<a href=\"#_edn64\" name=\"_ednref64\">[64]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wie eine Schlussfolgerung aussieht, die sich auf ein neues Stadium der \u00f6konomischen Entwicklung bezieht, hat seinen Ursprung wiederum in dem zugrundeliegenden Kapitalverst\u00e4ndnis des Autors. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Hilferding die Ausgleichung der Profitraten nicht erst unter der Herrschaft der Monopole gehindert sieht. Seine Auffassung vom fixen Kapital l\u00e4sst ihn n\u00e4mlich schrei\u00adben, dass dessen Vorhandensein gegen\u00fcber der Tendenz zum Ausgleich der Profitraten &#8222;Hemmungen&#8220; errichtet, &#8222;<strong>die sich mit der Entwicklung des Kapitalismus steigern<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn65\" name=\"_ednref65\">[65]<\/a> Das w\u00fcrde bedeuten, dass der Profitratenausgleich nur bei <strong>nichtentwickeltem<\/strong> Kapitalverh\u00e4ltnis ungehindert stattfindet. Dementsprechend macht Hilferding, wie vorhin schon vermerkt, &#8222;in allen <strong>entwickelten<\/strong> kapitalistischen Produktionszweigen&#8220; Tendenzen aus, die eine &#8222;dauernde Senkung der Profitrate unter ihr Durchschnittsniveau hervorrufen und die nur \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen durch Beseitigung ihrer Ursache, der Konkurrenz&#8220;.<a href=\"#_edn66\" name=\"_ednref66\">[66]<\/a> In dieser Aussage ist zugleich die <strong>Konkurrenz die Ursache der ungleichen Profitraten<\/strong>; anstatt den Profitratenausgleich zwischen den Sph\u00e4ren zu vermitteln, verhindert oder erschwert sie ihn mindestens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser Konsequenz gelangt Hilferding konkret durch das fixe Kapital: wegen dessen Tr\u00e4gheit werden in den &#8222;entwickelten&#8220; Sph\u00e4ren, in der schweren Industrie, zuerst \u00fcber- und sodann unterdurchschnittliche Profite erzielt; die Konkurrenz, dh. in Hilferdings Verst\u00e4ndnis das subjektive Streben der einzelnen Kapitalisten nach H\u00f6chstprofit, f\u00fchrt dorthin. Auf den \u00f6konomischen Kern gebracht, w\u00fcrde das Kapital sich dieser Theorie zufolge <strong>um so weniger seinem Wesen gem<\/strong><strong>\u00e4\u00df verhalten<\/strong> und gleiche Profite abwerfen k\u00f6nnen, <strong>je ungehinderter die Konkurrenz stattf\u00e4nde<\/strong>, je freier es zwischen den Sph\u00e4ren wandern k\u00f6nnte. Ausgerechnet die entwickelten Sph\u00e4ren w\u00fcrden gegen\u00fcber den minder entwickelten weniger Profit machen, und urs\u00e4chlich w\u00e4re die Konkurrenz. Anstatt Instrument der Entwicklung des Kapitals zu sein, w\u00fcrde sie das Gegenteil bewirken. Unter diesen Umst\u00e4nden w\u00e4re es nur konsequent und richtig, die Konkurrenz zu beseitigen. Das Kapital w\u00fcrde damit ein Hindernis seiner eigenen Weiterentwicklung beseitigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In fr\u00fcher Zur\u00fcckweisung derartiger Auffassungen schrieb Marx \u00fcber die Profit\u00adratenausgleichung, sie &#8222;gelingt dem Kapital mehr oder minder, je h\u00f6her die kapi\u00adtalistische Entwicklung in einer gegebnen nationalen Gesellschaft ist: d.h. je mehr die Zust\u00e4nde des betreffenden Landes der kapitalistischen Produktionsweise angepasst sind.&#8220;<a href=\"#_edn67\" name=\"_ednref67\">[67]<\/a> Gehemmt sah er diese Bewegung, solange das Kapitalverh\u00e4ltnis nicht vollst\u00e4ndig durchgesetzt ist, denn &#8222;diese Ausgleichung selbst st\u00f6\u00dft auf gr\u00f6\u00dfre Hindernisse, wenn zahlreiche und massenhafte, nicht kapitalistisch betriebne Produktionssph\u00e4ren (z.B. Ackerbau durch Kleinbauern) sich zwischen die kapitalistischen Betriebe einschieben und mit ihnen verketten.&#8220;<a href=\"#_edn68\" name=\"_ednref68\">[68]<\/a> Die Konkurrenz innerhalb einer Produktionssph\u00e4re schafft schon fr\u00fch einen gleichen Marktpreis f\u00fcr die Waren s\u00e4mtlicher Einzelkapitale, die in dieser Branche produzieren. Damit jedoch alle Sph\u00e4ren unter den gleichen Bedingungen produzieren, die Marktwerte sich in Produktionspreise verwandeln und eine allgemeine Rate gleichen Profits sich herausbildet, &#8222;ist h\u00f6here Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise erforderlich als zu dem fr\u00fchern.&#8220;<a href=\"#_edn69\" name=\"_ednref69\">[69]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Marx dies schrieb, waren noch l\u00e4ngst nicht alle Bereiche der Gesellschaft von der kapitalistischen Produktionsweise erfasst und umgew\u00e4lzt. Aufgabe w\u00e4re es daher gewesen, zu untersuchen, inwieweit dies um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der Fall und von daher eine allgemeine Rate gleichen Profits m\u00f6glich war. Im Abschnitt \u00fcber die Krisen schreibt Hilferding, dass &#8222;die Krisen am st\u00e4rksten sich \u00e4u\u00dfern in den technisch entwickeltsten Produktionszweigen, also in den fr\u00fcheren Perioden vor allem in der Textil- (Baumwoll-)Industrie, sp\u00e4ter in den schweren Industrien.&#8220;<a href=\"#_edn70\" name=\"_ednref70\">[70]<\/a> Solange eine Sph\u00e4re noch nicht vollst\u00e4ndig von der kapitalistischen Produktionsweise ergriffen ist, ist sie auch nicht vollst\u00e4ndig den Turbulenzen einer allgemeinen Verwertungskrise ausgesetzt. Je mehr das Kapital sich ausbreitet, desto umfassender wird seine Krise. Die von dem Verfasser selber konstatierte Tatsache h\u00e4tte also Anlass sein k\u00f6nnen, den Stand der Durchsetzung des Kapitalverh\u00e4ltnisses in den verschiedenen L\u00e4ndern und Produktionssph\u00e4ren zur damaligen Zeit zu untersuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso deuten eine Reihe anderer Bemerkungen auf den konkreten historischen Entwicklungsstand der damaligen Zeit hin. Z.B. f\u00e4llt auf, dass die Monopolbildung zum ganzen Teil durch Hinweise auf den Kohle- und Erzbergbau begr\u00fcndet wird. Bei Rohstoffen, deren Lagerst\u00e4tten nicht beliebig vermehrbar sind &#8211; dh. in der extraktiven Industrie &#8211; kann aber leicht ein nat\u00fcrliches Monopol gebildet werden. Darauf weist Hilferding selber hin: &#8222;Die Festigkeit der Rohstoffsyndikate beruht wesentlich auf ihrer Monopolisierung der Naturbedingungen der Produktion, die ihnen zudem meist durch die Berggesetzgebung au\u00dferordentlich erleichtert wird.&#8220;<a href=\"#_edn71\" name=\"_ednref71\">[71]<\/a> Im Fall der Kohle kommt hinzu, dass die Konkurrenz durch nat\u00fcrliche Ersatzstoffe (Erd\u00f6l, Erdgas) seinerzeit in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte. Das h\u00e4tte ein Grund mehr sein k\u00f6nnen, zu untersuchen, wie weit die kapitalistische Durchdringung der Gesellschaft vorangekommen war. Nichts der\u00adgleichen erfolgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind aber noch nicht am Ende dieses Punktes angelangt. Soeben h\u00f6rten wir den Autor mit der Behauptung, dass die freie Kapitalwanderung zwischen den Sph\u00e4ren nicht l\u00e4nger stattfinde, weil die Konkurrenz &#8222;gehemmt&#8220; sei. F\u00fcr ihn stand im Hinblick auf die monopolisierten Produktionszweige fest, &#8222;dass die Aus- und Einwanderung von Kapital gerade in solchen Produktionszweigen kaum \u00fcbersteigbare Schranken finden w\u00fcrde.&#8220;<a href=\"#_edn72\" name=\"_ednref72\">[72]<\/a> H\u00f6ren wir ihn jetzt abermals: &#8222;Die Kartelle bewirken, dass die Konkurrenz <strong>innerhalb<\/strong> eines Produktionszweigs aufh\u00f6rt oder, besser gesagt, latent wird (&#8230;) Aber sie k\u00f6nnen <strong>nichts \u00e4ndern an der Konkurrenz der Kapitalien um die Anlagesph\u00e4ren<\/strong>&#8222;.<a href=\"#_edn73\" name=\"_ednref73\">[73]<\/a> Das ist verbl\u00fcffend. Eben hatten die Kartelle ihre Produktionszweige noch durch &#8222;kaum \u00fcbersteigbare Schranken&#8220; abgesperrt, jetzt nicht mehr; eben war die Konkurrenz um die Anlagesph\u00e4ren noch gehemmt, jetzt findet sie unver\u00e4ndert statt! Das h\u00e4tte Konsequenzen, denn wenn ein Kapital in einem Produktionszweig neu angelegt wird, tritt es selbstredend auf dem h\u00f6chsten Stand der Technik in die Konkurrenz und lehrt ein Kartell das F\u00fcrchten. Die monopolistischen Vereinigungen w\u00e4ren ge\u00adstorben, bevor sie angefangen h\u00e4tten zu leben. Wie vereinbart sich das miteinander, wie l\u00f6st Hilferding den selbst aufgebauten Widerspruch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, der Autor selbst erkl\u00e4rt dazu gar nichts. Die L\u00f6sung liegt in der jeweils unterschiedlichen Thematik, die er behandelt. Die erste Aussage findet sich im Kapitel XI &#8222;Hindernisse in der Ausgleichung der Profitraten und ihre \u00dcberwindung&#8220;; dort beweist Hilferding mit ihr die Monopolbildung. Die zweite Aussage findet sich mehr als 100 Seiten sp\u00e4ter im Kapitel XX &#8222;Die \u00c4nderungen im Krisencharakter. Kartelle und Krisen&#8220;; dort soll sie einen bestimmten Krisenverlauf unter der Herrschaft der Kartelle bezeugen. Bei der Behandlung dieses Punkts werden wir darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>c) Eine eigent\u00fcmliche Au\u00dfenseitertheorie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst zu Hilferdings Zeiten kam es kaum vor, dass tats\u00e4chlich ein Kartell, geschweige denn ein Trust, einen Produktionszweig vollst\u00e4ndig beherrschte und also ein Monopol bildete. Andere Betriebe &#8211; &#8222;Au\u00dfenseiter&#8220;, wie Hilferding sie nennt &#8211; waren nach wie vor in der betreffenden Branche t\u00e4tig. Das wirft ein grunds\u00e4tzliches Problem auf. Wenn eine Mehrzahl selbst\u00e4ndiger Kapitale in einem Produktionszweig angelegt ist, kann eigentlich von einem &#8222;Monopol&#8220; keine Rede sein. Gleich ob dort statt f\u00fcnfzig nur noch f\u00fcnf Kapitale agieren &#8211; an der Konkurrenz \u00e4ndert sich dadurch nichts. Sie mag im Gegenteil sogar heftiger werden, weil jetzt relativ gr\u00f6\u00dfere Kapitalmassen im Kampf miteinander stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Problem begegnet der \u00f6sterreichische Polit\u00f6konom zum einen mithilfe von Definitionen. &#8222;Es ist dabei zu beachten, dass man es bereits dann mit einer monopolistischen Vereinigung zu tun hat, wenn diese f\u00fcr die Preisbestimmung auf dem Markte ausschlaggebend ist. Dass daneben noch einige selbst\u00e4ndige Unternehmungen existieren, die in ihren Preisen sich immer nach der Preisfestsetzung der Vereinigung richten, \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass in diesem Produktionszweig die freie Konkurrenz im theoretisch-\u00f6konomischen Sinne nicht mehr existiert. Um aber pedantische Bedenken nicht zu verletzen, nenne ich solche Vereinigungen nicht totale Interessengemeinschaften oder Fusionen, sondern monopolistische&#8220;, sagt er unter Berufung auf Liefmann.<a href=\"#_edn74\" name=\"_ednref74\">[74]<\/a> Durch diese Worte wird klarer, warum die Monopoldefinition nicht nach der <strong>Realit\u00e4t<\/strong>, sondern nach dem <strong>Zweck<\/strong> des Monopols erfolgt: weil die objektive, die &#8222;totale&#8220; Wirklichkeit Monopole nicht oder nur in seltenen Ausnahmen kennt, muss das &#8222;Monopol&#8220; als nicht-total, dh. als Nicht-Monopol gefasst werden und die &#8222;Zweckbestimmung&#8220;, die seine Gr\u00fcnder ihm geben, zur Definition dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben hat Hilferding noch andere Gr\u00fcnde f\u00fcr die Weiterexistenz von Au\u00dfenseitern parat. Ausgangspunkt ist der Markt. Monopolpreise f\u00fcr die von ihr hergestellten Produkte kann eine monopolistische Vereinigung nur erhalten, schreibt er, wenn sie den Markt beherrscht. In Zeiten guter Konjunktur, wenn die Nachfrage das Angebot \u00fcbersteige, sei der Preis des Monopolprodukts ohnehin der h\u00f6chstm\u00f6gliche; auch Au\u00dfenseiter seien dann geduldet.<a href=\"#_edn75\" name=\"_ednref75\">[75]<\/a> Was aber geschieht, wenn eine Krise eintritt und der Markt zusammenschrumpft, also die Nachfrage unter das Angebot f\u00e4llt? Was passiert mit den Monopolwaren, die weiterhin produziert, aber im bisherigen Umfang nicht l\u00e4nger ben\u00f6tigt werden? F\u00fchrt diese Situation nicht dazu, dass die Preise fallen, Konkurrenz sich breitmacht und das Kartell auseinanderfliegt? Darauf entgegnet Hilferding: &#8222;Dies ist der Moment, wo es sich zeigen muss, ob die Vereinigung den Markt beherrscht. Dies wird aber dann der Fall sein, wenn ihre Produktion zur Versorgung des Marktes unbedingt n\u00f6tig ist. Sie wird erst verkaufen, wenn ihr Preis bewilligt ist, und dieser Preis muss bewilligt werden, da die Zufuhr durch das Kartell dem Markte eben unentbehrlich ist.&#8220;<a href=\"#_edn76\" name=\"_ednref76\">[76]<\/a> Er geht also davon aus, dass es auch in der Krise noch so etwas wie einen &#8222;Sockelbedarf&#8220; und eine dem entsprechende &#8222;Sockelproduktion&#8220; geben muss. Dar\u00fcber hinaus behauptet er, mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion wachse &#8222;jener Anteil, der unter allen Umst\u00e4nden fortgef\u00fchrt werden muss und dessen Fortf\u00fchrung die fast v\u00f6llige Stockung des Produktions- und Zirkulationsprozesses einschr\u00e4nkt.&#8220;<a href=\"#_edn77\" name=\"_ednref77\">[77]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00e4ndert dennoch nichts daran, dass auch die monopolistische Vereinigung ihre Produktion verringern muss. Dies sei &#8222;am ehesten m\u00f6glich&#8220;, sagt Hilferding, &#8222;in jenen Produktionszweigen, wo die Einschr\u00e4nkung keine allzu schweren Opfer auferlegt, also besonders dort, wo die lebendige Arbeit einen Hauptposten bildet &#8211; der Verderb des konstanten Kapitals keine allzu gro\u00dfe Rolle spielt. Beides ist der Fall in der extraktiven Industrie. Erz und Kohle n\u00fctzen sich nicht ab, und die lebendige Arbeit spielt eine gro\u00dfe Rolle.&#8220;<a href=\"#_edn78\" name=\"_ednref78\">[78]<\/a> Der Leser ist ein weiteres Mal erstaunt. Oben hatten die &#8222;schweren&#8220; Industrien, zu denen Hilferding ausdr\u00fccklich die Kohle z\u00e4hlte, noch einen hohen Anteil konstanten (fixen) Kapitals und dementsprechend einen niedrigen Anteil variablen Kapitals gehabt; jetzt bildet auf einmal das variable Kapital den &#8222;Hauptposten&#8220;?! Wie erkl\u00e4rt sich dies? Es muss mit den Eigenarten Hilferdingscher Logik zu tun haben. Oben leitete er aus dem <strong>hohen<\/strong> Anteil konstanten bzw. konstanten fixen Kapitals, die Ent\u00adwicklung zum Monopol ab; jetzt soll umgekehrt ein <strong>niedriger<\/strong> Anteil konstanten Kapitals dem eben geschaffenen Monopol helfen, die Krise heil zu \u00fcberstehen. Denn, so ist offenkundig die \u00dcberlegung Hilferdings, Arbeiter k\u00f6nnen massenweise und schnell entlassen werden, w\u00e4hrend die Entlassung konstanten Kapitals Schwierigkeiten bereitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem sagte er soeben, dass in der extraktiven Industrie der Verderb des konstanten Kapitals keine allzu gro\u00dfe Rolle spiele, weil Kohle und Erz sich nicht abn\u00fctzen; das sei ein Grund, warum die Produktionseinschr\u00e4nkung dort einfach m\u00f6glich sei. Seit wann geh\u00f6rt das gesch\u00fcrfte Erz zum konstanten Kapital eines Erzbergwerks, die Kohle zum konstanten Kapital einer Kohlenzeche? Mit Marx waren wir bisher der Meinung, dass das konstante Kapital aus den Produktionsmitteln (Geb\u00e4ude, Einrichtungen, Maschinen, Hilfsmittel) besteht, die ben\u00f6tigt werden, um eine bestimmtes Produkt (hier: Kohle bzw. Erz) zu erzeugen. In diesem Fall liegt auf der Hand, dass das konstante Kapital einer Kohlenzeche wie z.B. der abgeteufte Schacht nicht ohne weiteres stillgelegt werden kann. Es ist immer eine Mindestanzahl von Arbeitern vonn\u00f6ten, um das Absaufen eines nicht betriebenen Schachts zu verhindern, weil sonst bei einer sp\u00e4teren Wiederinbetriebnahme erhebliche Kosten entstehen w\u00fcrden. Folgt man dagegen Hilferding und betrachtet als konstantes Kapital der Kohlenzeche die abzubauende Kohle, dann ist klar, dass <strong>dieses<\/strong> konstante Kapital ohne weiteres stillgelegt werden kann. Mit Hilfe solcher Definitionen k\u00f6nnte der monopolistisch betriebene Kohlebergbau die Krise also bequem \u00fcberstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber kommen wir zur\u00fcck zum eigentlichen Gang der Entwicklung. Trotz aller theoretischen Gewaltakte steht fest, dass jede Produktionseinschr\u00e4nkung mit Verlusten verkn\u00fcpft ist und das Ende eines Kartells heraufbeschw\u00f6rt. Das ist die Stunde der Au\u00dfenseiter. Wie w\u00e4re es, wenn das Monopol sich auf ein bestimmtes Ausma\u00df an Produktion verst\u00e4ndigen w\u00fcrde, das hinreicht, um den auch w\u00e4hrend einer Krise vorhandenen &#8222;Sockelbedarf&#8220; zu befriedigen? Den dar\u00fcber hinausgehenden Bedarf, den die Prosperit\u00e4t hervorbringt, k\u00f6nnten doch die Au\u00dfenseiter befriedigen?! Auf diese Weise w\u00e4re das Monopol nicht den Unbilden eines dauernden Wechsels von Produktionserweiterung und -einschr\u00e4nkung ausgesetzt. Es k\u00f6nnte seine Produktion \u00fcber den Zyklus hinweg auf einem Durchschnittsniveau stabilisieren und das anarchische Auf und Ab der kapitalistischen Produktionsweise zun\u00e4chst f\u00fcr sich selber abschaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sieht tats\u00e4chlich die L\u00f6sung Hilferdings aus. Die Verminderung der Produktion, sagt er, kann &#8222;das Kartell vermeiden, wenn es nur die durchschnittliche Nachfrage befriedigt, die Befriedigung der Konjunkturnachfrage aber den Outsidern \u00fcberl\u00e4sst. Dies ist aber nur dann m\u00f6glich, wenn diese erstens nicht mehr produzieren k\u00f6nnen, als diese zus\u00e4tzliche Nachfrage der guten Konjunktur erfordert &#8211; denn sonst best\u00e4nde die Gefahr, dass der Absatz des Kartells eingeengt wird -, zweitens aber, dass diese Au\u00dfenseiter zu h\u00f6heren Kosten als das Kartell produzieren.&#8220;<a href=\"#_edn79\" name=\"_ednref79\">[79]<\/a> Aber wie sind diese Bedingungen zu erf\u00fcllen? Wie ist den Au\u00dfenseitern zu untersagen, mehr zu produzieren, als das Kartell es w\u00fcnscht, und wie sind sie anzuhalten, unproduktiver zu arbeiten als das Kartell? Oder anders herum: warum soll das Kartell darauf verzichten, seine Produktion in der Prosperit\u00e4t auszudehnen und zus\u00e4tzliche Profite zu machen obwohl es doch der H\u00f6chstprofite wegen zustandegekommen ist? Darauf wird keine Antwort gegeben, vielleicht, weil &#8222;nur&#8220; zu kl\u00e4ren ist, wie Au\u00dfenseiter und Monopol dem Verwertungstrieb des Kapitals entsagen sollen und aufh\u00f6ren m\u00fcssen, sich als Kapital zu verhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen verk\u00fcndet Hilferding: &#8222;Mit anderen Worten: die Outsider sind es wesentlich, auf die alle Lasten der Konjunkturschwankungen abgew\u00e4lzt werden. Das Kartell realisiert w\u00e4hrend der Hochkonjunktur hohe Extraprofite, w\u00e4hrend der Depression normalen Profit, w\u00e4hrend die Konkurrenten ausgeschaltet werden. Unter solchen Bedingungen liegt es durchaus im Interesse der monopolistischen Vereinigung, das Bestehen von Outsidern nicht v\u00f6llig zu verhindern, wozu sie infolge ihrer \u00dcberlegenheit oft die Macht hat.&#8220;<a href=\"#_edn80\" name=\"_ednref80\">[80]<\/a> Damit ist allen Ernstes die unliebsame Tatsache gekl\u00e4rt, warum in so gut wie allen Produktionszweigen trotz behaupteter Monopolisierung weitere Kapitale existieren. Die monopolistische Vereinigung hat einfach ein &#8222;Interesse&#8220; an Au\u00dfenseitern, weil diese sie der Unbequemlichkeit von Produktions\u00e4nderungen entheben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Abschluss seiner Au\u00dfenseitertheorie bringt Hilferding noch einen empirischen Beleg. Aus vollen drei Jahren &#8211; 1902 bis 1904 &#8211; f\u00fchrt er die Zahlen der Roheisenproduktion an.<a href=\"#_edn81\" name=\"_ednref81\">[81]<\/a> Danach betrug 1902 der Anteil eines dort angesiedelten Kartells an der Gesamtproduktion 44,3%. 1903 sank er auf 39,9% ; 1904 stieg er wieder auf 43,9%, lag damit indes noch unter dem Jahresdurchschnitt von 1902. Weil 1904 aber laut Hilferding ein Depressionsjahr war und das Kartell seinen Anteil in diesem Jahr wieder ausweiten konnte, findet er darin eine Be\u00adst\u00e4tigung seiner Monopol- und Au\u00dfenseitertheorie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>d) Kartell und Krise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kapitalistische Krise unter den Bedingungen der freien Konkurrenz war f\u00fcr Hilferding eine Zirkulationsst\u00f6rung, geboren aus Preisabweichungen und Disproportionen. Wie steht es damit unter der Herrschaft der Monopole? Darauf geht DAS FINANZKAPITAL im XX.Kapitel ein: &#8222;Die \u00c4nderungen im Krisencharakter. Kartelle und Krisen&#8220;. Die entscheidende Ausgangsfrage stellt der Autor selber, n\u00e4mlich &#8222;ob die gro\u00dfe \u00c4nderung in der Organisationsform der Industrie, ob die Monopole durch ihre behauptete Aufhebung der regulierenden Kraft des kapitalistischen Mechanismus, der freien Konkurrenz, qualitative \u00c4nderungen in den Konjunkturerscheinungen verursachen k\u00f6nnen.&#8220;<a href=\"#_edn82\" name=\"_ednref82\">[82]<\/a> Darauf entgegnet er zun\u00e4chst mit einer prinzipiellen Feststellung: &#8222;Die St\u00f6rungen in der Preisregulierung, die schlie\u00dflich zu den Disproportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnissen und damit zu dem Widerspruch zwischen den Verwertungs- und Realisationsbedingungen f\u00fchren, werden durch die Kartelle nicht vermindert, sondern versch\u00e4rft.&#8220;<a href=\"#_edn83\" name=\"_ednref83\">[83]<\/a> Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrt er ebenso grunds\u00e4tzlich an: &#8222;Die Anarchie der Produktion wird nicht aufgehoben durch quantitative Verminderung der einzelnen Elemente bei gleichzeitiger Verst\u00e4rkung ihrer Wirksamkeit und deren Intensit\u00e4t; sie kann \u00fcberhaupt nicht ratenweise oder graduell aufgehoben werden. Geregelte und anarchische Produktion sind nicht quantitative Gegens\u00e4tze, so dass durch Anst\u00fcckelung von immer mehr &lt;Regelung&gt; aus der Anarchie bewusste Ordnung w\u00fcrde. Sondern ein solcher Umschlag kann nur pl\u00f6tzlich stattfinden durch die Unterstellung der gesamten Produktion unter die bewusste Kontrolle.&#8220;<a href=\"#_edn84\" name=\"_ednref84\">[84]<\/a> Mit Ausnahme dieses Gedankens sind die \u00fcbrigen Ausf\u00fchrungen abwegig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hochhalten der Preise durch die Monopole in der Krise, so setzt Hilferding mit seiner Darlegung ein, &#8222;versch\u00e4rft die Wirkung der Krise f\u00fcr alle nichtkartellierten oder nicht so fest kartellierten Industrien&#8220;, die auf die Monopolwaren angewiesen sind.<a href=\"#_edn85\" name=\"_ednref85\">[85]<\/a> Sie m\u00fcssen relativ mehr daf\u00fcr bezahlen und ihr krisenbedingt sowieso eingeschr\u00e4nkter Profit f\u00e4llt weiter. Demzufolge m\u00fcssen sie weitere Produktionseinschr\u00e4nkungen vornehmen und kaufen dem Monopol entsprechend weniger ab. Dieses mag zwar die Preise seiner Produkte hochhalten; der Absatz sinkt nichtsdestotrotz. Die dadurch erzwungene &#8222;Einschr\u00e4nkung der Produktion bedeutet aber weiteres Brachlegen von Kapital bei gleichbleibenden &lt;Generalunkosten&gt;, also weiteres Steigen der Selbstkostenpreise und daher neue Verminderung des Profits, selbst bei Aufrechterhaltung der hohen Preise.&#8220;<a href=\"#_edn86\" name=\"_ednref86\">[86]<\/a> Die hohen Preise locken ihrerseits Au\u00dfenseiter an, die mit niedrigeren Selbstkosten produzieren; &#8222;sie werden daher konkurrenzf\u00e4hig und beginnen das Kartell zu unterbieten. Das Kartell kann die Preise nicht mehr halten, und der Preissturz greift auch auf die kartellierte Industrie \u00fcber. Die k\u00fcnstlichen Eingriffe werden korrigiert, und die Preisgestaltung folgt den Gesetzen, die die Kartelle vergebens f\u00fcr sich auszuschalten trachteten. Auf Grundlage der neuen Preisgestaltung vollzieht sich eine neue Verteilung des Kapitals in die verschiedenen Produktionssph\u00e4ren, und allm\u00e4hlich stellen sich wieder Proportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnisse ein; die Depression ist \u00fcberwunden.&#8220;<a href=\"#_edn87\" name=\"_ednref87\">[87]<\/a> Soweit Hilferdings Auffassung von Monopol und Krise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Voraussetzung f\u00fcr diese Bewegung ist, dass die Wanderung von Kapital zwischen den Produktionszweigen ungehemmt stattfindet. So sagt Hilferding \u00fcber die Kartelle, &#8222;sie k\u00f6nnen nichts \u00e4ndern an der Konkurrenz der Kapitalien um die Anlagesph\u00e4ren&#8220;,<a href=\"#_edn88\" name=\"_ednref88\">[88]<\/a> auch wenn diese Aussage, wie bereits festgestellt, in diametralem Gegensatz zu dem steht, was er vorher \u00fcber die Herausbildung von Monopolen behauptet hatte. Ansonsten beschr\u00e4nkt sich seine Argumentation auf die Preisgestaltung durch Angebot und Nachfrage, ist aber in sich folgerichtig. Ihr zufolge m\u00fcsste angenommen werden, dass ein Monopol nur bis zur Krise existieren kann, denn seine &#8222;k\u00fcnstlichen Eingriffe&#8220; werden nach Hilferdings Worten durch die Krise korrigiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr noch folgt aus der Logik dieser S\u00e4tze: Wenn die Monopolpreise letzten Endes doch den &#8222;Gesetzen der Preisgestaltung&#8220; folgen, die die Kartelle &#8222;vergebens f\u00fcr sich auszuschalten trachteten&#8220;, dann m\u00fcsste hier <strong>der Preissturz gr\u00f6\u00dfer sein als in den nichtkartellierten Sph\u00e4ren<\/strong>, denn auch die Abweichung der Preise von den Werten war besonders gro\u00df. Das stimmt \u00fcberein mit Hilferdings grunds\u00e4tzlichen Vorstellungen zur Krise: wenn Voraussetzung f\u00fcr die \u00dcberwindung der Depression die Wiederherstellung von Proportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnissen ist, dann m\u00fcsste <strong>der monopolisierte Teil der Industrie von der Krise st\u00e4rker betroffen sein als die \u00fcbrigen Produktionssph\u00e4ren<\/strong>. Beides &#8211; Preissturz und Zusammenbruch &#8211; hinge miteinander zusammen. Beides w\u00e4re notwendig, um wieder gleiche Profitraten zwischen den Sph\u00e4ren herzustellen, da <strong>die von Hilferding als Vorbedingung f\u00fcr einen neuen Auf<\/strong><strong>schwung geforderte Proportionalit<\/strong><strong>\u00e4t der Produktionszweige nur die Wirkung gleicher Profitrate sein kann<\/strong>. Die Konkurrenz w\u00fcrde dort, wo sie zuvor gehemmt war, um so ungehemmter w\u00fcten, die Wirkungen der Krise die Monopole mit umso gr\u00f6\u00dferer Wucht treffen. So muss der unbefangene Leser auch die zu Beginn dieses Punktes zitierte Feststellung des Autors verstehen, dass die &#8222;St\u00f6rungen in der Preisregulierung durch die Kartelle nicht vermindert, sondern versch\u00e4rft&#8220; werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber h\u00f6ren wir dazu den Autor selber: &#8222;Die Kartelle heben also die Krisenwirkungen nicht auf. Sie modifizieren sie insofern, als sie die Wucht der Krise auf die nichtkartellierten Industrien abw\u00e4lzen.&#8220;<a href=\"#_edn89\" name=\"_ednref89\">[89]<\/a> Das ist eine unvermutete \u00dcberraschung. W\u00e4hrend wir annahmen, dass die Krise die Kartelle besonders hart trifft, w\u00e4lzt Hilferding ihre Wucht auf die nichtkartellierten Industrien ab. Ja noch mehr; er f\u00e4hrt fort: &#8222;Der Unterschied der Profitrate in den kartellierten und nichtkartellierten Industrien, der im Durchschnitt um so gr\u00f6\u00dfer ist, je fester das Kartell und je gesicherter sein Monopol, wird geringer w\u00e4hrend der Prosperit\u00e4t und gr\u00f6\u00dfer w\u00e4hrend der Depression.&#8220;<a href=\"#_edn90\" name=\"_ednref90\">[90]<\/a> Wir haben also alles genau verkehrt gesehen: der Graben zwischen Monopolkapital und normalem Kapital wird durch die Krise nicht eingeebnet, sondern im Gegenteil vertieft; die Unterschiede werden gr\u00f6\u00dfer statt kleiner. Wie dann allerdings die Proportionalit\u00e4tsverh\u00e4ltnisse wiederhergestellt werden sollen, die nach Hilferdings Krisentheorie Vorbedingung f\u00fcr den Wiederaufschwung sind, das bleibt das Geheimnis des Autors. Die offene Widersinnigkeit dieser Krisenvorstellung bildet einen der H\u00f6hepunkte des an Ungereimtheiten nicht armen FINANZKAPITALs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>e) Das Generalkartell<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Grenze des Monopolisierungsprozesses gibt es laut Hilferding nicht. Er be\u00adhauptet, &#8222;dass es eine absolute Grenze f\u00fcr die Kartellierung nicht gibt. Vielmehr ist eine Tendenz zu stetiger Ausbreitung der Kartellierung vorhanden. Die unabh\u00e4ngigen Industrien geraten, wie wir gesehen haben, immer mehr in Abh\u00e4ngigkeit von kartellierten, um schlie\u00dflich von ihnen annektiert zu werden.&#8220;<a href=\"#_edn91\" name=\"_ednref91\">[91]<\/a> Selbst wenn alle bisherigen Ausf\u00fchrungen Hilferdings akzeptiert worden w\u00e4ren, m\u00fcssten sp\u00e4testens jetzt Zweifel an der Tragf\u00e4higkeit seiner Theorie auftauchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prinzipiell muss die &#8222;absolute Grenze&#8220; f\u00fcr alle Verschiebungen innerhalb der verschiedenen Rubriken des Gesellschaftskapitals der gesellschaftliche Mehrwert sein, dh. die Profitmasse als Ganzes. Diese Grenze mag durch Senkung des Preises der Arbeitskraft unter den Wert hinausgeschoben werden, sie bleibt nichtsdestotrotz un\u00fcberschreitbar. Diesem Umstand trug Hilferding bislang insofern Rechnung, als er sagte, dass die monopolistischen Vereinigungen ihre \u00fcberdurchschnittlichen Profite auf Kosten der nichtkartellierten Industrien an sich z\u00f6gen. Die gegebene Profitmasse wurde also nur anders verteilt. Damit fand er sich wenigstens in einem Punkt in \u00dcbereinstimmung mit Marx, der \u00fcber eventuelle Monopole geschrieben hatte: &#8222;Der Monopolpreis gewisser Waren w\u00fcrde nur einen Teil des Profits der andern Warenproduzenten auf die Ware mit dem Monopolpreis \u00fcbertragen. Es f\u00e4nde indirekt eine \u00f6rtliche St\u00f6rung in der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen Produktionssph\u00e4ren statt, die aber die Grenze dieses Mehrwerts selbst unver\u00e4ndert lie\u00dfe. (&#8230;) Die Grenzen, innerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Warenpreise affizierte, w\u00e4ren fest bestimmt und genau berechenbar.&#8220;<a href=\"#_edn92\" name=\"_ednref92\">[92]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was aber geschieht, wenn die Monopolisierung mehr und mehr um sich greift? Woher sollen die Monopolprofite kommen, wenn immer weniger nichtkartellierte Industrien existieren? Der Profitkuchen mag verteilt werden, wie immer man will, es gibt nie mehr zu verteilen, als da ist. Solange die Monopolisierung nur die H\u00e4lfte aller Industriezweige erreicht, mag die Behauptung noch hingehen, dass die andere H\u00e4lfte der Kapitale die Monopolgewinne finanziert. Aber was danach? Kehren die Monopole ab einem bestimmten Ausma\u00df der Ausbreitung wieder zur Verteilung der Profite pro rata des angelegten Kapitals zur\u00fcck? Was w\u00e4re dann an ihnen noch &#8222;monopolistisch&#8220;, wenn sie alle lediglich noch den Durchschnitts\u00adprofit erhielten, weil keine nichtmonopolistischen Sph\u00e4ren mehr existieren &#8211; oder zu wenig davon, auf deren Kosten sie sich m\u00e4sten k\u00f6nnten? Oder stellte der gesellschaftlich gegebene Gesamtmehrwert von Anfang an keine Grenze f\u00fcr die Monopolprofite dar? Das w\u00fcrde bedeuten, dass sie nicht auf der Abpressung von Mehrarbeit beruhten; woher k\u00e4men sie dann? Die Behauptung einer grenzenlos m\u00f6glichen Kartellierung l\u00e4uft darauf hinaus, dass die Monopole mit ihrer Entstehung bereits aufh\u00f6ren, den Gesetzen der kapitalistischen Produktionsweise unterworfen zu sein. Dass Hilferding sie ihre \u00dcberprofite auf Kosten anderer Produktionszweige machen l\u00e4sst, steht im Widerpruch zu einer Kartellierung ohne Grenzen. Die immanente Logik eines uferlosen Monopolisierungsprozesses besagt, dass die Profite der Monopole nicht aus der Vernutzung der Ware Arbeitskraft resultieren, sondern eine andere Quelle haben m\u00fcssen, auch wenn v\u00f6llig offen bleibt, wo diese Quelle liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unber\u00fchrt von derartigen Fragen f\u00e4hrt der \u00f6sterreichische Theoretiker fort: &#8222;Als Resultat des Prozesses erg\u00e4be sich dann ein <strong>Generalkartell<\/strong>. Die ganze kapitalistische Produktion wird bewusst geregelt von einer Instanz, die das Ausma\u00df der Produktion in allen ihren Sph\u00e4ren bestimmt. Dann wird die Preisfestsetzung rein nominell&#8220;.<a href=\"#_edn93\" name=\"_ednref93\">[93]<\/a> Die Preise haben endg\u00fcltig keine objektive Grundlage mehr. &#8222;Der Preis h\u00f6rt auf, eine objektiv bestimmte Gr\u00f6\u00dfe zu sein, er wird ein Rechenexempel derjenigen, die ihn mit Willen und Bewusstsein bestimmen, wird an Stelle eines Resultats Voraussetzung, an Stelle eines Objektiven ein Subjektives, an Stelle eines vom Willen und dem Bewusstsein der Beteiligten Unabh\u00e4ngigen und Notwendigen ein Willk\u00fcrliches und Zuf\u00e4lliges.&#8220;<a href=\"#_edn94\" name=\"_ednref94\">[94]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erinnern wir uns: Eingangs hatte Hilferding die Funktion des Wertgesetzes auf die Festlegung der Preise durch die Konkurrenz der Kapitalisten reduziert. &lt;Die Preise bestimmen die Produktion, und die Kapitalisten bestimmen durch ihre Konkurrenz die Preise&gt; &#8211; so stellte sich dies im Kern dar. Damals stand noch die Konkurrenz der Einzelkapitalisten zwischen den Preisen und ihrer willk\u00fcrlichen Festlegung. Jetzt ist die Konkurrenz beseitigt und der subjektiven Preisbestimmung steht nichts mehr im Wege. Das Kapital beherrscht die Gesellschaft &#8222;mit Willen und Bewusstsein&#8220;, ohne noch objektiven \u00f6konomischen Gesetzen unterworfen zu sein. Besonderer theoretischer Anstrengungen bedurfte es nicht, um zu diesem Ergebnis zu gelangen. Nur die Konkurrenz war auszuschalten. Damit sind wir am Ende des industriellen Monopolisierungsprozesses, nicht jedoch der Hilferdingschen Theorie angelangt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Vom Generalkartell zum organisierten Kapitalismus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung des <strong>produktiven<\/strong> Kapitals zu einem Generalkartell stellt nur einen Teil der Gesamtentwicklung dar, die Hilferding in allen Bereichen der Wirtschaft zu sehen meint. Was das Generalkartell in der Industrie, ist die Zentralbank beim Geldkapital. Am Ende des Ganzen steht schlie\u00dflich das &#8222;Finanzkapital&#8220;, das seinem Buch den Namen gegeben hat. Es geht aus der Verschmelzung von Industrie-, Handels- und Bankkapital hervor und steht unter der Vormundschaft der Banken. Nach dem ersten Weltkrieg wurde daraus der &#8222;organisierte Kapitalismus&#8220;, aus dem heraus wiederum das von den Gewerkschaften verfochtene Programm der &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220; entwickelt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>a) Die Unterwerfung des Handels durch das Industriekapital<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im selben Ma\u00dfe, wie die Industrie sich kartelliert, ordnet sie sich nach Hilferdings Auffassung den Handel unter. Die \u00f6konomische Begr\u00fcndung daf\u00fcr lautet: &#8222;Der Handelsprofit ist aber ein Teil des in der Produktion erzeugten gesamten Mehrwertes. Je gr\u00f6\u00dfer der Teil ist, der dem Handelskapital zuf\u00e4llt, desto geringer unter sonst gleichen Umst\u00e4nden der Anteil der Industriellen. Es besteht also ein Interessengegensatz zwischen Industrie- und Handelskapital. Aus diesen entgegengesetzten Interessen entspringt ein Kampf, der schlie\u00dflich mit der \u00dcberwindung des einen Teiles endet durch Entstehung kapitalistischer Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse.&#8220;<a href=\"#_edn95\" name=\"_ednref95\">[95]<\/a> Richtig an diesen S\u00e4tzen ist allein, dass der gesellschaftliche Mehrwert bzw. Gesamtprofit sich aufteilt auf die verschiedenen Formen, die das Gesellschaftskapital im Prozess seiner Gesamtreproduktion annimmt. Es findet also eine Aufteilung auf das industrielle, das kommerzielle und das zinstragende Kapital statt. Daraus erw\u00e4chst jedoch kein &#8222;Interessengegensatz&#8220; zwischen Handels- und Industriekapital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kaufm\u00e4nnischen Kapitale gehen gemeinsam mit den industriellen Kapitalen in die Ausgleichung der Profitrate ein.<a href=\"#_edn96\" name=\"_ednref96\">[96]<\/a> &#8222;Ob das Kapital innerhalb der Produktionssph\u00e4re industriell oder in der Zirkulationssph\u00e4re merkantil angelegt (ist), es wirft pro rata seiner Gr\u00f6\u00dfe denselben j\u00e4hrlichen Durchschnittsprofit ab&#8220;, stellt Marx fest.<a href=\"#_edn97\" name=\"_ednref97\">[97]<\/a> Im &#8222;Unternehmergewinn&#8220;, der beiden Kapitalformen gleicherma\u00dfen zuflie\u00dft, l\u00f6sen sich die Unterschiede zwischen ihnen auf. Der Profit, der auf das in Industrie und Handel angelegte Kapital f\u00e4llt, nimmt &#8222;die Form des industriellen resp. kommerziellen Profits an, oder, um ihn mit einem deutschen Ausdruck zu bezeichnen, der beides einschlie\u00dft, die Gestalt des Unternehmergewinns.&#8220;<a href=\"#_edn98\" name=\"_ednref98\">[98]<\/a> Das <strong>produktive<\/strong> industrielle und das <strong>zirkulierende<\/strong> kaufm\u00e4nnische Kapital bilden gemeinsam das <strong>fungierende<\/strong> Kapital, das von den aktiven Kapitalisten im Produktionsprozess verwendet wird und im Gegensatz zum passiven, blo\u00dfen Zins tragenden Geldkapital steht. Der &#8222;Zins flie\u00dft dem Geldkapitalisten, dem Leiher zu, der blo\u00dfer Eigent\u00fcmer des Kapitals ist, also das blo\u00dfe Kapitaleigentum vertritt vor dem Produktionsprozess und au\u00dferhalb des Produktionsprozesses; und der Unternehmergewinn flie\u00dft dem blo\u00df fungierenden Kapitalisten zu&#8220;.<a href=\"#_edn99\" name=\"_ednref99\">[99]<\/a> Sofern demgem\u00e4\u00df in der Zirkulation durchschnittlich h\u00f6here Profite als in der Produktionssph\u00e4re erzielt werden, hat das seine Ursache darin, dass verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig zu wenig kaufm\u00e4nnisches und zu viel industrielles Kapital existiert. Die notwendige Folge daraus ist eine Kapitalbewegung mithilfe der Konkurrenz, aus der die tendentielle Egalisierung der Profitraten zum Durchschnittsprofit hervorgeht. Durch Ab- bzw. Zufuhr von Kapital verringert sich das industrielle Kapital bzw. werden neue kommerzielle Kapitale gebildet oder die vorhandenen erweitert, bis die Profitraten ausgeglichen sind. Aber so wenig ein Gegensatz zwischen Aluminiumh\u00fctte und H\u00e4hnchenfabrik als Kapitalien aus verschiedenen industriellen Produktionszweigen besteht, so abwegig ist es, von einem &#8222;Interessengegensatz&#8220; zwischen der industriellen und der kaufm\u00e4nnischen Sph\u00e4re des Kapitals zu sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Unterwerfung des Handels unter die Industrie weiter zu begr\u00fcnden, beruft Hilferding sich au\u00dferdem auf die Zweckbestimmung des Monopols, durch Marktbeherrschung die Preise zu diktieren. &#8222;Die monopolistischen Vereinigungen aber haben die Tendenz, die Selbst\u00e4ndigkeit des Handels v\u00f6llig aufzuheben. Wir haben gesehen, dass eine wirkliche Kontrolle \u00fcber den Markt erst dann m\u00f6glich ist, wenn die Waren von einer Zentralstelle aus verkauft werden. (&#8230;) Die Preisfestsetzung <strong>muss also<\/strong> bis zum letzten Stadium von der monopolistischen Vereinigung aus ge\u00adschehen (&#8230;) Die monopolistische Vereinigung <strong>wird also<\/strong> die Tendenz verfolgen, die Selbst\u00e4ndigkeit des Handels aufzuheben. Nur dann <strong>wird <\/strong>das Kartell seinen Einfluss auf die Preisfestsetzung voll ausn\u00fctzen k\u00f6nnen. (&#8230;) Die Kartellierung <strong>wird also<\/strong> den Handel als Anlagesph\u00e4re des Kapitals aufheben. Sie schr\u00e4nkt die Handelsoperationen ein, beseitigt einen Teil derselben und vollzieht den \u00fcbrigen Teil durch eigene Lohnarbeiter, Verkaufsagenten des Kartells. Dabei kann sehr wohl ein Teil der bisherigen H\u00e4ndler zu solchen Verkaufsagenten gemacht werden. Das Kartell schreibt ihnen dann genau die Einkaufs- und Verkaufspreise vor, deren Differenz die Provision dieser &lt;H\u00e4ndler&gt; bildet. Die H\u00f6he dieser Provision ist also nicht mehr bestimmt durch die H\u00f6he des Durchschnittsprofits, sie ist ein Lohn, den das Kartell festsetzt.&#8220;<a href=\"#_edn100\" name=\"_ednref100\">[100]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits die Wortwahl (&#8222;muss also&#8220;, &#8222;wird also&#8220;) demonstriert die subjektive Vorgehensweise des Autors, der einen bestimmten Zweck des Monopols gesetzt hat und nunmehr der objektiven Realit\u00e4t die Tendenzen unterstellen muss, die zur Erreichung dieses Zwecks erforderlich sind. Die Folge ist, dass er &#8211; und im Prinzip jede Monopoltheorie &#8211; die Beseitigung des Handelskapitals behaupten muss, wenn die Monopole ihr Ziel, die willk\u00fcrliche Preisfestsetzung zwecks Erzielung von Monopolprofit, erreichen sollen. Eine derartige &#8222;Festsetzung&#8220; der Verkaufspreise ist n\u00e4mlich nur m\u00f6glich, wenn der Markt &#8222;beherrscht&#8220; wird, und zu diesem Zweck muss das vermittelnde Kaufmannskapital ausgeschaltet werden. Das bringt jedoch erneute theoretische Schwierigkeiten mit sich. Marx hat die Notwendigkeit des selbst\u00e4ndigen Kaufmannskapitals darin gesehen, &#8222;l. dass infolge der Teilung der Arbeit das Kapital, das sich ausschlie\u00dflich mit Kaufen und Verkaufen besch\u00e4ftigt, kleiner ist, als es w\u00e4re, wenn der industrielle Kapitalist den ganzen kaufm\u00e4nnischen Teil seines Gesch\u00e4fts selbst betreiben m\u00fcsste; 2. dass &#8230; das Warenkapital selbst rascher seine Metamorphose durchmacht, als es in der Hand des Produzenten tun w\u00fcrde; 3. dass, das gesamte Kaufmannskapital im Verh\u00e4ltnis zum industriellen Kapital betrachtet, ein Umschlag des Kaufmannskapitals nicht nur die Umschl\u00e4ge vieler Kapitale in einer Produktionssph\u00e4re, sondern die Umschl\u00e4ge einer Anzahl von Kapitalen in verschiednen Produktionssph\u00e4ren vorstellen kann.&#8220;<a href=\"#_edn101\" name=\"_ednref101\">[101]<\/a> Die Tendenz des Kapitals zu m\u00f6glichst rationeller Organisation von Produktion und Austausch durch Vorantreiben der Arbeitsteilung begr\u00fcndet demzufolge die selbst\u00e4ndige Existenzweise der kommerziellen Kapitale. W\u00fcrden die industriellen Kapitale die kaufm\u00e4nnischen Operationen selber durchf\u00fchren, w\u00e4re ein gr\u00f6\u00dferer Teil des Gesamtkapitals darin gebunden als es real der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unger\u00fchrt davon betreibt Hilferding seine Monopolkonstruktion weiter: &#8222;Diese Verringerung des Handelskapitals ist eine Verringerung von Unkosten. (&#8230;) Ist aber das Kapital verringert, so auch der darauf entfallende Profit, der, wie wir wissen, ein Abzug des industriellen Profits ist.&#8220;<a href=\"#_edn102\" name=\"_ednref102\">[102]<\/a> Was wir wissen, ist, dass eine solche Behauptung eine Milchm\u00e4dchenrechnung ist. W\u00fcrden die industriellen Monopole die Zirkulation ihrer Waren selber betreiben, m\u00fcssten sie einen Teil ihres ansonsten produktiv angelegten Kapitals zur Durchf\u00fchrung der daf\u00fcr erforderlichen Handelsoperationen einsetzen. Aus den von Marx benannten Gr\u00fcnden w\u00e4re dieser Teil des Kapitals gr\u00f6\u00dfer als bei der arbeitsteilig vom Handelskapital vorgenommenen Zirkulation. Es g\u00e4be also keine &#8222;Verringerung von Unkosten&#8220;, sondern das Gegenteil, die Vergeudung gesellschaftlicher Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Behauptungen beleuchten erneut die zugrundeliegende Vorstellung vom nichtmonopolistischen Kapitalismus, denn was Hilferding schreibt, ist darauf angelegt, die monopolistische &#8222;\u00dcberwindung&#8220; des Handelskapitals aus den Unzul\u00e4nglichkeiten des Konkurrenzkapitalismus herzuleiten. Folgte man Hilferding, m\u00fcsste man davon ausgehen, dass die Selbst\u00e4ndigkeit des Kaufmannskapitals von vornherein und grunds\u00e4tzlich unn\u00fctze Kosten verursacht, anstatt gesellschaftliche Arbeit ersparen zu helfen. Bei dieser Vorstellung des Kapitalverh\u00e4ltnisses ist es nur nat\u00fcrlich &#8211; wenn nicht gar h\u00f6chste Zeit, dass die Monopole endlich mit den unn\u00fctzen Profitfressern aufr\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben ist f\u00fcr die vorgetragene Argumentation typisch, dass Hilferding &#8222;das&#8220; Industrie- gegen &#8222;das&#8220; Handelskapital k\u00e4mpfen und es \u00fcberwinden l\u00e4sst. Die Formulierung unterstellt, was zu beweisen ist: sie setzt das Verschwinden der vielen miteinander konkurrierenden produktiven wie kommerziellen Kapitale voraus und unterstellt ein einheitliches industrielles Gesamtkapital ebenso wie ein einheitliches kaufm\u00e4nnisches Gesamtkapital, die nun beide gegeneinander &#8222;k\u00e4mpfen&#8220;. Auf dieser Grundlage f\u00e4llt es leicht, im n\u00e4chsten Schritt die Unterwerfung &#8222;des&#8220; Handelskapitals als des schw\u00e4cheren Teils zu behaupten, weil unter einigerma\u00dfen entwickelten kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen die Industrie mehr Kapital umfasst als der Kommerz. Mit der Entwicklung des Verkehrs- und Kommunikationswesens nimmt n\u00e4mlich das Verh\u00e4ltnis des kaufm\u00e4nnischen zum industriellen Kapital ab, wie dies bereits Marx festgestellt hat.<a href=\"#_edn103\" name=\"_ednref103\">[103]<\/a> Im \u00fcbrigen haben Industriekapitale, die anderen Zweigen Produktionsmittel liefern, dies teils schon immer durch direkten Verkauf ohne Dazwischentreten eines Kaufmanns bewerkstelligt.<a href=\"#_edn104\" name=\"_ednref104\">[104]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den objektiven Nachweis f\u00fcr die von ihm unterstellten Tendenzen f\u00fchrt Hilferding wiederum durch Beispiele auf subjektiver Ebene. Er zitiert haufenweise das pers\u00f6nliche Lamento von H\u00e4ndlern und Gro\u00dfh\u00e4ndlern \u00fcber den Bedeutungsverlust ihres Standes gegen\u00fcber der Industrie, darunter allein auf mehreren Seiten die Klagen von Kohlegro\u00dfh\u00e4ndlern aus D\u00fcsseldorf und Dortmund \u00fcber das Verhalten der Zechenbarone des Ruhrgebiets.<a href=\"#_edn105\" name=\"_ednref105\">[105]<\/a> Das verweist zum wiederholten Male auf die Rolle, die ein nat\u00fcrliches Monopol wie in der Kohlef\u00f6rderung evtl. zeitweise gehabt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>b) Der Weg zur Zentralbank<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parallel zur Kartellierung in Industrie und Handel sieht Hilferding denselben Prozess im Bereich des Geldkapitals ablaufen. Allerdings sind seine Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Monopolisierung der Banken \u00e4u\u00dferst mager. &#8222;Das banktechnische Prinzip gr\u00f6\u00dfter Sicherheit macht die Banken im vorhinein der Konkurrenz abge\u00adneigt&#8220;, enth\u00fcllt er dem Leser,<a href=\"#_edn106\" name=\"_ednref106\">[106]<\/a> um ihm die Beendigung der Bankenkonkurrenz nahezubringen. Welcher Kapitalist macht seine Profite nicht am liebsten mit &#8222;gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Sicherheit&#8220;? Welches Kapital begibt sich schon aus &#8222;Neigung&#8220; in die Konkurrenz? Wieder ist es eine subjektive Kategorie, die Hilferding an den Anfang stellt, wobei doch die entscheidende Frage nicht die nach den pers\u00f6n\u00adlichen W\u00fcnschen, sondern nach den objektiven M\u00f6glichkeiten ist, die das Ver\u00adhalten der handelnden Kr\u00e4fte bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des weiteren beruft er sich auf die Wechselwirkung, um das Ende der Konkurrenz unter den Geldkapitalisten zu begr\u00fcnden. Um n\u00e4mlich nicht in Abh\u00e4ngigkeit von den sich herausbildenden industriellen Monopolen geraten, schlie\u00dfen sich die Banken zusammen. &#8222;Die Kartellierung selbst bef\u00f6rdert so den Zusammenschluss der Banken, wie umgekehrt der Zusammenschluss der Banken die Kartellierung.&#8220;<a href=\"#_edn107\" name=\"_ednref107\">[107]<\/a> Am Ende winkt schlie\u00dflich, wie das Generalkartell in der Industrie, so eine Zentralbank beim zinstragenden Kapital. &#8222;Mit der Entwicklung des Bankwesens, mit der immer enger werdenden Verflechtung der Beziehungen zwischen Banken und Industrie verst\u00e4rkt sich die Tendenz, einerseits die Konkurrenz der Banken untereinander immer mehr auszuschalten, anderseits alles Kapital in der Form von Geldkapital zu konzentrieren&#8230; In letzter Instanz w\u00fcrde diese Tendenz dazu f\u00fchren, dass eine Bank oder eine Bankengruppe die Verf\u00fcgung \u00fcber das gesamte Geldkapital erhielte. Eine solche &lt;<strong>Zentralbank<\/strong>&gt; w\u00fcrde damit die Kontrolle \u00fcber die ganze gesellschaftliche Produktion aus\u00fcben.&#8220;<a href=\"#_edn108\" name=\"_ednref108\">[108]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist alles. Beim produktiven Kapital hat Hilferding noch den Versuch gemacht, eine polit\u00f6konomische Begr\u00fcndung f\u00fcr die Entwicklung des Monopols und die Tendenz zu einem Generalkartell zu geben, so oberfl\u00e4chlich dieser Versuch auch war. Beim Geldkapital fehlt selbst das. Der Verfasser des FINANZKAPITAL gibt keinen immanenten Grund f\u00fcr die Monopolisierung des zinstragenden Kapitals an, sondern beschr\u00e4nkt sich auf die Abneigung gegen die Konkurrenz sowie die Wechselwirkung. Weitergehend kann die Auseinandersetzung darum nicht gef\u00fchrt werden. Wir m\u00fcssen uns stattdessen der Frage zuwenden, wie es den zusammenwachsenden Banken gelingt, sich die Industrie untertan zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>c) Die Vorherrschaft der Banken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Industrie noch den Handel bezwingt, ger\u00e4t sie ihrerseits &#8222;immer mehr in Abh\u00e4ngigkeit &#8230; vom Bankkapital&#8220;, schreibt Hilferding.<a href=\"#_edn109\" name=\"_ednref109\">[109]<\/a> &#8222;Die Macht der Banken w\u00e4chst, sie werden die Gr\u00fcnder und schlie\u00dflich die Beherrscher der Industrie, deren Profite sie als Finanzkapital an sich rei\u00dfen&#8220;.<a href=\"#_edn110\" name=\"_ednref110\">[110]<\/a> Ein wichtiges Argument hierf\u00fcr ist das Verh\u00e4ltnis von Unternehmergewinn und Zins.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marx hat nicht nur den tendentiellen Fall der Profitrate nachgewiesen, sondern ist auch von der Tendenz eines langfristig fallenden Zinsfu\u00dfes ausgegangen.<a href=\"#_edn111\" name=\"_ednref111\">[111]<\/a> Ohne ihn direkt anzugreifen, bezeichnet Hilferding dies als unbewiesenes Dogma und behauptet, dass &#8222;der Zinsfu\u00df in entwickelten kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen sich wenig \u00e4ndert, die Profitrate dagegen sinkt&#8220;.<a href=\"#_edn112\" name=\"_ednref112\">[112]<\/a> Daraus folgert er, dass ein &#8222;immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie&#8230; nicht den Industriellen, die es an\u00adwenden&#8220;, geh\u00f6rt, sondern den Banken, denn es &#8222;muss die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren.&#8220;<a href=\"#_edn113\" name=\"_ednref113\">[113]<\/a> Ein empirischer Beleg f\u00fcr diese Behauptung wird nicht gegeben; keine einzige Zahl \u00fcber das an\u00adwachsende Fremdkapital in der Industrie ist zu finden. Er bezieht sich lediglich auf eine tabellarische Zusammenstellung von Diskonts\u00e4tzen aus einem Zeitraum von 55 Jahren,<a href=\"#_edn114\" name=\"_ednref114\">[114]<\/a> obwohl die &#8211; von ihm eine Seite weiter sogar wiedergegebene &#8211; Umrechnung auf den Jahrzehntetrend eher die Marxsche Feststellung belegt, n\u00e4mlich eine Abw\u00e4rtsbewegung des Diskontdurchschnitts.<a href=\"#_edn115\" name=\"_ednref115\">[115]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterstellt, es gibt tats\u00e4chlich einen wachsenden Anteil des zinstragenden Kapitals am gesellschaftlichen Profit, weil zwar die Profitrate, nicht aber die Zinsrate tendentiell sinkt. Der &#8222;\u00dcberbau&#8220; des Geldkapitals \u00fcber der produktiven Basis w\u00fcrde sich also vergr\u00f6\u00dfern. Wodurch aber und inwiefern w\u00fcrde ein grundlegender Wandel des Verh\u00e4ltnisses von produktivem und nichtproduktivem Kapital eintreten, und mit welchen Folgen? Das zinstragende Leihkapital akkumuliert zwar &#8222;auf Kosten zugleich der Industriellen und Kommerziellen&#8220;, schreibt Marx, ist im Ganzen jedoch abh\u00e4ngig von der Funktion des reproduktiven Kapitals. So verselbst\u00e4ndigt die Bewegung des Geldkapitals auch sein mag, seine Akkumulation bleibt immer ein &#8222;Spr\u00f6ssling&#8220; der wirklichen Akkumulation.<a href=\"#_edn116\" name=\"_ednref116\">[116]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verh\u00e4ltnis zueinander ist durch einen fundamentalen Unterschied gekennzeichnet. Das industrielle geht zusammen mit dem kaufm\u00e4nnischen Kapital in den Ausgleich der Profitraten ein, wie wir oben festgestellt haben. Die Konkurrenz sorgt daf\u00fcr, dass dem immanenten Gesetz der Kapitalverwertung Geltung verschafft wird und gleiche Kapitale gleiche Profite abwerfen, unabh\u00e4ngig davon, in welcher Sph\u00e4re sie angelegt sind. Ganz anders verh\u00e4lt es sich mit dem Zins. F\u00fcr seine Rate gibt es kein immanentes Gesetz. &#8222;Die Konkurrenz bestimmt hier nicht die Abweichungen vom Gesetz, sondern es existiert kein Gesetz der Teilung au\u00dfer dem von der Konkurrenz diktierten, weil &#8230; keine &lt;nat\u00fcrliche&gt; Rate des Zinsfu\u00dfes existiert. Unter der nat\u00fcrlichen Rate des Zinsfu\u00dfes versteht man vielmehr die durch die freie Konkurrenz festgesetzte Rate.&#8220;<a href=\"#_edn117\" name=\"_ednref117\">[117]<\/a> Alles das, was Hilferding \u00fcber Wert, Preis und Profit gesagt hat und was dort grundlegend falsch war, trifft auf den Zins zu. &#8222;Wo die Konkurrenz nicht nur die Abweichungen und Schwankungen bestimmt, wo also beim Gleichgewicht ihrer gegeneinander wirkenden Kr\u00e4fte \u00fcberhaupt alle Bestimmung aufh\u00f6rt, ist das zu Bestimmende etwas an und f\u00fcr sich Gesetzloses und Willk\u00fcrliches.&#8220;<a href=\"#_edn118\" name=\"_ednref118\">[118]<\/a> Die Zinsrate ist in der Tat das Resultat von Angebot und Nachfrage; sie wird durch die Konkurrenz als solche hervorgebracht. Je gr\u00f6\u00dfer die Nachfrage nach Geldkapital, desto h\u00f6her, und je reichlicher Angebot und Zufuhr von Geld, desto niedriger der Zinsfu\u00df. Hier ist die subjektive Konkurrenz der individuellen. Kapitalisten das Ma\u00dfgebliche und m\u00fcsste eigentlich Hilferdings Dom\u00e4ne liegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was es f\u00fcr die Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital hei\u00dft, dass zwischen Unternehmergewinn und Zins, zwischen Ausgleich der Profitraten und Bestimmung der Zinsrate ein prinzipieller Unterschied besteht, behandelt er jedoch mit keinem Satz. Wenn \u00fcberhaupt, d\u00fcrfte der Grund daf\u00fcr in seiner Auffassung der Konkurrenz zu suchen sein. Da er alle Gesetze der Kapitalbewegung aus der Konkurrenz hervorgehen l\u00e4sst, k\u00f6nnen f\u00fcr ihn keine grunds\u00e4tzlichen Unterschiede zwischen der Verwertungsweise des fungierenden und der des zinstragenden Kapitals bestehen. Darum kann ihm die behauptete Verschmelzung von Industrie und Banken auch keine gr\u00f6\u00dferen theoretischen Kopfschmerzen bereiten. Es scheint eben alles eins zu sein, und im Finanzkapital wird die Einheit praktisch hergestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben spielt der sogenannte &#8222;Gr\u00fcndergewinn&#8220; in Hilferdings Argumentation zur Herausbildung der Bankenherrschaft eine wichtige Rolle. Das ist der Gewinn, der bei Gr\u00fcndung einer Aktiengesellschaft anf\u00e4llt und von dem die Banken durch ihre Vermittlung der Aktienausgabe einen gro\u00dfen Teil einstreichen. Darauf wird hier nicht n\u00e4her eingegangen, sondern nur auf folgendes hingewiesen: in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts kam es zur geh\u00e4uften Gr\u00fcndung solcher AGs bzw. zur Umwandlung bestehender Familienbetriebe in AGs. Marx, der dies aufmerksam verfolgte, sah dabei &#8222;eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gr\u00fcndern und blo\u00df nominellen Direktoren&#8220; am Werk, &#8222;ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gr\u00fcndungen, Aktienausgabe und Aktienhandel.&#8220;<a href=\"#_edn119\" name=\"_ednref119\">[119]<\/a> Er war jedoch weit davon entfernt, daraus das Ende der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise abzuleiten, sondern erblickte darin ganz im Gegenteil deren Weiterentwicklung und Vollendung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Kapitel \u00fcber die Kartellierung der Industrie beschreibt Hilferding n\u00e4her, warum die Banken sich in den Monopolisierungsprozess einschalten. Wenn eine Bank mehreren miteinander konkurrierenden Betrieben Kredit gegeben habe, schade deren Konkurrenzkampf ihren Interessen, weil das Geld, das dem in der Konkurrenz unterliegenden Betrieb geliehen wurde, gef\u00e4hrdet sei. &#8222;Daher ist das Streben der Banken nach Ausschaltung der Konkurrenz zwischen Werken, an denen sie beteiligt ist, ein absolutes.&#8220; Dar\u00fcber hinaus habe jede Bank &#8222;das Interesse an m\u00f6glichst hohem Profit. Dieser wird unter sonst gleichen Umst\u00e4nden wieder den h\u00f6chsten Stand erreichen bei v\u00f6lliger Ausschaltung der Konkurrenz in einem Industriezweig. Daher das Streben der Banken nach Herstellung des <strong>Monopols<\/strong>. Es .treffen so die Tendenzen des Bankkapitals mit denen des Industriekapitals nach Ausschaltung der Konkurrenz zusammen.&#8220;<a href=\"#_edn120\" name=\"_ednref120\">[120]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Satz ist von <strong>einer Bank<\/strong> die Rede, im n\u00e4chsten Satz von &#8222;den Banken&#8220; bzw. von dem <strong>Bankkapital<\/strong>. Warum aber soll <strong>das<\/strong> Bankkapital an einem m\u00f6glichst hohen Profit <strong>der<\/strong> Industrie Interesse haben? Oder umgekehrt: welche Notwendigkeit besteht f\u00fcr ein Industriemonopol, sich den Banken unterzuordnen, wenn es Monopolprofite an sich zieht, seine Ertragslage mit Hilfe der Hilferdingschen Au\u00dfenseiter \u00fcber Konjunktur und Krise hinweg stabilisiert und keinerlei Kredite mehr ben\u00f6tigt, sondern im Gegenteil mit seinen Monopolprofiten eine eigene Bank gr\u00fcnden k\u00f6nnte? Noch grunds\u00e4tzlicher: die spezifische Frucht des Bankkapitals, der Zins, steht gemeinhin in einem umgekehrten Wechselverh\u00e4ltnis mit dem industriellen Profit. So &#8222;wird man finden, dass meist niedriger Stand des Zinses den Perioden der Prosperit\u00e4t oder des Extraprofits entspricht&#8220;,<a href=\"#_edn121\" name=\"_ednref121\">[121]<\/a> denn in solchen Zeiten kreditieren sich die Unternehmen im Vertrauen auf den Fortgang der Konjunktur gegenseitig. Die Nachfrage nach Geldkapital und damit die Zinsrate steht also niedrig. Umgekehrt ist es in der Krise, wo die Nachfrage nach Geld am h\u00f6chsten steht: &#8222;Der Zinsfu\u00df erreicht seine \u00e4u\u00dferste H\u00f6he w\u00e4hrend der Krisen, wo geborgt werden muss, um zu zahlen, was es auch koste.&#8220;<a href=\"#_edn122\" name=\"_ednref122\">[122]<\/a> Also ausgerechnet in der Krise, wo die Konkurrenz am sch\u00e4rfsten ist, werden die h\u00f6chsten Zinsen gezahlt. Und da soll das Geldkapital ein Interesse an der Ausschaltung der industriellen Konkurrenz haben? Umgekehrt sind industrielle H\u00f6chstprofite gew\u00f6hnlich begleitet von einem niedrigen Zinsfu\u00df. Und da soll <strong>das<\/strong> Bankkapital ein &#8222;Interesse an m\u00f6glichst hohem Profit&#8220; <strong>der<\/strong> Industriekapitale haben? Ja es soll sogar die industrielle Monopolbildung bef\u00f6rdern, obwohl die gesicherte Ertragslage der Monopole zur Folge h\u00e4tte, dass deren Nachfrage nach Geldkapital verschwindet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Widersinnigkeiten, in die Hilferding hineinger\u00e4t, sind erneut das Produkt seiner Oberfl\u00e4chenbetrachtung. Nat\u00fcrlich kann eine Bank in eine industrielle Krise hineingerissen werden, wenn sie einem bankrotten Betrieb &#8211; oder mehreren &#8211; zu viel Kredit gegeben hat. Ebenso kann sie sich gegen eine bestimmte Konkurrenz in der Industrie wenden, wenn sie mehrere Betriebe derselben Produktionssph\u00e4re kreditiert hat und den Zusammenbruch eines dieser Betriebe drohen sieht. Aber gerade weil die an der Oberfl\u00e4che der \u00f6konomischen Bewegung agierenden Kr\u00e4fte h\u00e4ufig sich widersprechende Interessen haben, ist es notwendig, die immanenten Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu entwickeln, die letztlich das Geschehen bestimmen und das Chaos der Erscheinungen strukturieren. Hilferding macht das Gegenteil; er springt von den subjektiven Beweggr\u00fcnden eines konkurrierenden Einzelkapitals zur objektiven Bewegung des Gesamtkapitals und umgekehrt. Aus den m\u00f6glichen Interessen einer einzelnen Bank leitet er die Bewegung des Geldkapitals ab, und wo die Bewegungsgesetze des Bankkapitals und der Gegensatz zum produktiven Kapital zu entwickeln w\u00e4ren, spricht er von einzelnen Banken und Unternehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt einer in sich logischen theoretischen Erkl\u00e4rung wei\u00df er viele praktische Gr\u00fcnde f\u00fcr die \u00dcberlegenheit der Banken anzuf\u00fchren. U.a. sagt er, eine &#8222;gro\u00dfe Bank&#8220; k\u00f6nne f\u00fcr ein Industrieunternehmen &#8222;mittels ihres gro\u00dfen Kapitals die B\u00f6rse pr\u00e4parieren, und sie ist in der Lage, auch sp\u00e4terhin die Kursentwicklung der Aktien zu beherrschen.&#8220;<a href=\"#_edn123\" name=\"_ednref123\">[123]<\/a> Nat\u00fcrlich ist so etwas m\u00f6glich &#8211; in Grenzen. Gehen wir das Beispiel einmal durch. In der Regel ist der Aktienkurs nicht Produkt einer Bankenmanipulation, sondern Ausdruck der Konkurrenzposition des betreffenden Kapitals, bedingt durch seine Produktivit\u00e4t im Vergleich zu anderen Kapitalen. Nehmen wir jetzt an, dieser Betrieb w\u00fcrde in seiner Produktivit\u00e4tsentwicklung von den anderen Kapitalen \u00fcberholt; was w\u00e4re die Folge? Der Aktienkurs w\u00fcrde fallen oder mindestens nicht ebenso steigen wie bei den anderen Kapitalen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das k\u00f6nnte die &#8222;Hausbank&#8220; wahrscheinlich verhindern, indem sie die Aktien aufkauft, dadurch die Nachfrage vergr\u00f6\u00dfert und in der Folge den Aktienkurs in die H\u00f6he treibt. Vorausgesetzt, dies ist nicht gesetzlich verboten, k\u00f6nnte sie damit so lange fortfahren, bis sie s\u00e4mtliche Aktien in Besitz h\u00e4tte. Hilferding w\u00fcrde sagen, die Bank &#8222;beherrscht die Kursentwicklung der Aktien&#8220;. H\u00e4tte das jedoch irgend etwas an der Produktivit\u00e4t der Aktiengesellschaft ge\u00e4ndert? Das fiktive Kapital &#8211; die Aktie &#8211; w\u00fcrde zwar hoch stehen, das reale Kapital &#8211; das produzierende Unternehmen &#8211; aber mit Verlust arbeiten. Und was eine solche &#8222;Beherrschung des Aktienkurses&#8220; kostet, w\u00fcrde die Hausbank sp\u00e4testens merken, wenn sie die Verluste des jetzt ihr geh\u00f6renden Betriebs ausgleichen m\u00fcsste. Die Losl\u00f6sung des fiktiven Kapitals vom realen Kapital, die sich die Bank bei ihrer &#8222;Kursbeherrschung&#8220; zu nutze gemacht h\u00e4tte, k\u00e4me sie teuer zu stehen. Befolgte sie die Hilferdingschen Ratschl\u00e4ge, w\u00fcrde sie nach einem Satz von Marx dem Mann gleichen, der die Gesetze der Schwerkraft so lange leugnet, bis ihm das Dach seines Hauses \u00fcber dem Kopf zusammenpurzelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>d) Das Finanzkapital<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der wachsenden Macht der Banken l\u00e4sst Hilferding schlie\u00dflich das &#8222;Finanzkapital&#8220; hervorwachsen. Es sei urspr\u00fcnglich Geldkapital, das die Banken aufgrund ihres steigenden Anteils am gesellschaftlichen Profit nicht selber verwenden k\u00f6nnen, sondern den Industriellen leihen. Er sagt: &#8222;Ich nenne das Bankkapital, <strong>also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital<\/strong>&#8222;<a href=\"#_edn124\" name=\"_ednref124\">[124]<\/a><strong>. <\/strong>Das ist seine erste, von ihm hervorgehobene Definition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verleihung von Geld durch den Geldkapitalisten an den produktiven Kapitalisten weist eine Analogie zum einfachen Warentausch aus, bemerkt Marx. Es &#8222;wird auf der einen Seite ein wirklicher Gebrauchswert ver\u00e4u\u00dfert und auf der andren empfangen und verbraucht. Aber im Unterschied zur gew\u00f6hnlichen Ware ist dieser Gebrauchswert selbst Wert, n\u00e4mlich der \u00dcberschuss der Wertgr\u00f6\u00dfe, die durch den Gebrauch des Geldes als Kapital sich ergibt, \u00fcber seine urspr\u00fcngliche Wertgr\u00f6\u00dfe. Der Profit ist dieser Gebrauchswert. Der Gebrauchswert des ausgeliehenen Geldes ist: als Kapital fungieren zu k\u00f6nnen und als solches unter durchschnittlichen Umst\u00e4nden den Durchschnittsprofit zu produzieren.&#8220; Daraus folgt: &#8222;Diesen Gebrauchswert des Geldes als Kapital &#8211; die F\u00e4higkeit, den Durchschnittsprofit zu erzeugen &#8211; ver\u00e4u\u00dfert der Geldkapitalist an den industriellen Kapitalisten f\u00fcr die Zeit, w\u00e4hrend deren er diesem die Verf\u00fcgung \u00fcber das verliehne Kapital abtritt.&#8220;<a href=\"#_edn125\" name=\"_ednref125\">[125]<\/a> Was Hilferding daher als besondere Charakteristik des Finanzkapital benennt: &#8222;Kapital in der Verf\u00fcgung der Banken und in der Verwendung der Industriellen&#8220;<a href=\"#_edn126\" name=\"_ednref126\">[126]<\/a> &#8211; ist einfach die elementare Bestimmtheit des Geldes als Kapital. Warum es daf\u00fcr einer Umbenennung bedarf, ist aus der gegebenen Definition nicht ersichtlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An anderer Stelle findet sich eine andere Definition: &#8222;Das Finanzkapital bedeutet die Vereinheitlichung des Kapitals. Die fr\u00fcher getrennten Sph\u00e4ren des industriellen, kommerziellen und Bankkapitals sind jetzt unter die gemeinsame Leitung der hohen Finanz gestellt, zu der die Herren der Industrie und der Banken in inniger Personalunion vereint sind.&#8220;<a href=\"#_edn127\" name=\"_ednref127\">[127]<\/a> Dieses Finanzkapital ist aus der Monopolisierung von Industrie und Banken hervorgegangen: &#8222;Die Tendenz zur Herstellung eines Generalkartells und die Tendenz zur Bildung einer Zentralbank treffen zusammen, und aus ihrer Vereinigung erw\u00e4chst die gewaltige Konzentrationsmacht des Finanzkapitals. Im Finanzkapital erscheinen alle partiellen Kapitalformen zur Totalit\u00e4t vereinigt.&#8220;<a href=\"#_edn128\" name=\"_ednref128\">[128]<\/a> Dass das Generalkartell und mit ihm das Finanzkapital auf der Abschaffung des Wertgesetzes und der subjektiven Preisbestimmung beruht, wurde bereits er\u00f6rtert; jetzt geht es um die weiteren Konsequenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wichtigste Konsequenz ist das Verschwinden des Geldes. &#8222;Das Geld spielt dann keine Rolle. Es kann v\u00f6llig verschwinden&#8230; Mit der Anarchie der Produktion schwindet der sachliche Schein, schwindet die Wertgegenst\u00e4ndlichkeit der Ware, schwindet also das Geld. (&#8230;) Die Verteilung (der Produkte; d.V.) selbst ist bewusst geregelt und damit die Notwendigkeit des Geldes vor\u00fcber.&#8220;<a href=\"#_edn129\" name=\"_ednref129\">[129]<\/a> Das Geld nimmt also Abschied von der Gesellschaft, weil es nicht l\u00e4nger ben\u00f6tigt wird, um Ordnung in die anarchischen Produktions- und Verteilungsverh\u00e4ltnisse zu bringen. Das Verschwinden des Geldes hindert Hilferding aber nicht an der Feststellung: &#8222;Das Finanzkapital erscheint als Geldkapital und besitzt in der Tat dessen Bewegungsform G-G&#8216;, geldtragendes Geld, die allgemeinste und begriffsloseste Form der Kapitalbewegung.&#8220;<a href=\"#_edn130\" name=\"_ednref130\">[130]<\/a> Das eben erst aus der Gesellschaft verschwundene Geld taucht also pl\u00f6tzlich als Existenzform des Finanzkapitals wieder auf, m.a.W.: das Finanzkapital existiert als und in etwas, das nicht mehr existiert. Und dabei bleibt es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wir soeben h\u00f6rten, verwertet sich das Finanzkapital in der Bewegungsform G-G&#8216;. Nun existieren jedoch, wie wir ebenfalls vernommen haben, keine andere Kapitalformen mehr als das Finanzkapital. Geld ist somit die einzige Existenzweise des Kapitals \u00fcberhaupt. Das bedeutet, dass das Finanzkapital sich verwertet, ohne zuvor Warenform anzunehmen (G-W-G<sup>1<\/sup>), also ohne sich in die sachlichen Bestandteile der Produktion zu verwandeln. Geld, das hier die ausschlie\u00dfliche Daseinsform des Kapitals \u00fcberhaupt ist, vergr\u00f6\u00dfert sich demzufolge durch seine blo\u00dfe Existenz. Gleichzeitig ist dieses Geld aber bereits verschwunden, so dass nur die Schlussfolgerung \u00fcbrigbleibt, dass nichts das Nichtsein des Nichts ver\u00adgr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Geld verschwinde, erl\u00e4utert der Autor, &#8222;da es sich ja um Zuteilung von Sachen handelt und nicht um Zuteilung von Werten&#8220;. Dadurch ver\u00e4ndere die Produktionsweise ihren Charakter grundlegend. &#8222;Das Kartell verteilt das Produkt. Die sachlichen Produktionsmittel sind wiederproduziert worden und werden zu neuer Produktion verwendet. Von dem Neuprodukt wird ein Teil auf die Arbeiterklasse und die Intellektuellen verteilt, der Rest f\u00e4llt dem Kartell in beliebiger Verwendung zu.&#8220;<a href=\"#_edn131\" name=\"_ednref131\">[131]<\/a> Es findet also keine Produktion von Werten, sondern nur mehr von Gebrauchswerten statt, die anschlie\u00dfend zielgerichtet nach dem Willen des Finanzkapitals verteilt werden. Der Wert h\u00f6rt auf, die bestimmende Kategorie zu sein, und die kapitalistische Produktionsweise ger\u00e4t an ihr Ende. &#8222;So erlischt im Finanzkapital der besondere Charakter des Kapitals. Das Kapital erscheint als einheitliche Macht, die den Lebensprozess der Gesellschaft souver\u00e4n beherrscht&#8220;.<a href=\"#_edn132\" name=\"_ednref132\">[132]<\/a> Demgem\u00e4\u00df h\u00e4tte das Kapital sich selber abgeschafft und mit dem \u00dcbergang zur Gebrauchswertproduktion dem Kommunismus aufs erfreulichste vorgearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt ist zu fragen, was an dem neuen Gesellschaftsgebilde noch kapitalistisch ist, nachdem nur mehr Gebrauchswerte zur Befriedigung von Bed\u00fcrfnissen produziert werden. Doch was das f\u00fcr eine Gesellschaftsformation ist, die faktisch nicht mehr kapitalistisch, aber auch noch nicht kommunistisch sein soll, f\u00fchrt der Autor nicht n\u00e4her aus. Er sagt \u00fcber dieses Zwischending nur: &#8222;Es ist die bewusst geregelte Gesellschaft in antagonistischer Form. Aber dieser Antagonismus ist Antagonismus der Verteilung. Die Verteilung selbst ist bewusst geregelt und damit die Notwendigkeit des Geldes vor\u00fcber. Das Finanzkapital in seiner Vollendung ist losgel\u00f6st von dem N\u00e4hrboden, auf dem es entstanden. Die Zirkulation des Geldes ist unn\u00f6tig geworden, der rastlose Umlauf des Geldes hat sein Ziel erreicht, die geregelte Gesellschaft, und das Perpetuum mobile der Zirkulation findet seine Ruh&#8216;.&#8220;<a href=\"#_edn133\" name=\"_ednref133\">[133]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen S\u00e4tzen fassen sich die Fehler der kritisierten Theorie noch einmal zusammen: &lt;Durch die bewusste Regelung der Verteilung ist die Notwendigkeit des Geldes vor\u00fcber&gt; &#8211; das hei\u00dft, vorher war das Geld erforderlich, um f\u00fcr die <strong>unbewusste<\/strong> Verteilung der Produkte zu sorgen. Auf einen Satz konzentriert, ist das die von Kaminski kritisierte Auffassung; in ihr erscheint das Geld nicht als allgemeiner Ausdruck und Repr\u00e4sentant abstrakt menschlicher Arbeit, das <strong>deswegen<\/strong> die F\u00e4higkeit hat, den Austausch zu vermitteln, weil sich darin Waren gegen\u00fcbertreten, die menschliche Arbeit verk\u00f6rpern, sondern entspringt eigenst\u00e4ndig aus der Notwendigkeit, die Zirkulation zu organisieren. &lt;Das Ziel des rastlosen Geldumlaufs ist die geregelte Gesellschaft &#8211; das hei\u00dft, mit der &#8222;Erfindung&#8220; des Geldes h\u00e4tten die Menschen den ersten Schritt zur Abschaffung der Warenproduktion gemacht, aus dem alles weitere von selber folgt. Die voll\u00adst\u00e4ndige Ausbildung des Geld- und Kreditwesens bewirkt demgem\u00e4\u00df nicht die <strong>Vollendung<\/strong> der kapitalistischen Produktionsweise, sondern deren <strong>Beseitigung<\/strong>, weil ja das &#8222;Ziel&#8220; &#8211; dh. die vollst\u00e4ndige Durchsetzung &#8211; des Geldumlaufs die &#8222;geregelte&#8220;, gebrauchswertproduzierende Gesellschaft ist. &lt;Das Geld ist das perpetuum mobile der Zirkulation, das erst unter der Herrschaft des Finanzkapitals seine Ruhe findet&gt; &#8211; das hei\u00dft, im Geld und damit in der Zirkulation soll sich die treibende Kraft der gegebenen Produktionsweise finden (unter &#8222;Zirkulation&#8220; begreift Hilferding hier die Produktion mit). In Wahrheit spielt die Verwertung des Werts diese Rolle, und die hat ihren Ursprung in der Produktion, im Vernutzungsprozess der menschlichen Arbeitskraft. Dort sitzt das &#8222;perpetuum mobile&#8220;, das den Gesamtreproduktionsprozess, Zirkulation wie Produktion, in Gang h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was unter &#8222;Finanzkapital&#8220; zu verstehen sein soll, ist in Hilferdings Buch nicht eindeutig. Als Geldkapital &#8222;in der Verf\u00fcgung der Banken und Verwendung der Industriellen&#8220; erscheint das Finanzkapital einmal als bereits existierende Realit\u00e4t; als Zusammenschluss von Handel, Industrie und Banken tritt es das n\u00e4chstemal nur als langfristige Tendenz auf. An einer Stelle bemerkt Hilferding \u00fcber das Generalkartell: &#8222;An sich w\u00e4re ein Generalkartell \u00f6konomisch denkbar, das die Gesamtproduktion leitete und damit die Krisen beseitigte, wenn auch ein solcher Zustand sozial und politisch eine Unm\u00f6glichkeit ist, da er an dem Interessen\u00adgegensatz, den er auf die Spitze treiben w\u00fcrde, zugrunde gehen m\u00fcsste.&#8220;<a href=\"#_edn134\" name=\"_ednref134\">[134]<\/a>. Typisch ist wiederum die Abgrenzung. <strong>\u00d6konomisch<\/strong> sieht Hilferding das Generalkartell n\u00e4her und n\u00e4her r\u00fccken, nur <strong>politisch<\/strong> soll die stattfindende Entwicklung vorher unterbrochen werden, indem n\u00e4mlich das Vordringen des Finanzkapitals &#8222;die Herrschaft des Kapitals innerhalb des Landes immer unvereinbarer mit den Interessen der durch das Finanzkapital ausgebeuteten, aber auch zum Kampf aufgerufenen Volksmassen&#8220; macht, wie es in den Schlussworten seines Werks hei\u00dft. &#8222;In dem gewaltigen Zusammenprall der feindlichen Interessen schl\u00e4gt schlie\u00dflich die Diktatur der Kapitalmagnaten um in die Diktatur des Proletariats.&#8220;<a href=\"#_edn135\" name=\"_ednref135\">[135]<\/a> Wodurch die zunehmende Unvereinbarkeit der Interessen von Bourgeoisie und Proletariat gesetzm\u00e4\u00dfig verursacht sein soll, bleibt im Dunkeln. Die Logik der Hilferdingschen Ausf\u00fchrungen l\u00e4uft auf etwas ganz anderes hinaus, n\u00e4mlich auf die zunehmende \u00f6konomische und politische Beherrschung wie Befriedung der Gesellschaft durch das Finanzkapital. So erscheint der Satz von dem unvermeidbaren Zusammenprall der Klassen und der kommenden Diktatur des Proletariats <strong>nicht als immanente Konsequenz der vorliegenden Theorie, sondern als ein \u00e4u\u00dferlicher Zusatz<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir so weit, die eingangs gestellte Frage, ob und inwieweit Hilferding eine Weiterentwicklung der \u00f6konomischen Theorie des Marxismus auf deren eigenen Grundlagen vorgenommen hat, endg\u00fcltig zu beantworten. Diese Frage kann nur mit Entschiedenheit verneint werden. Es war in dem vorliegenden Artikel nicht m\u00f6glich, das Buch des \u00f6sterreichischen Theoretikers in seinem ganzen Umfang zu kritisieren. Die ausgelassenen Teile bieten jedoch kein anderes Bild als das wiedergegebene: In allen wesentlichen Fragen steht Hilferding fernab des wissenschaftlichen Sozialismus. Am Ende seines dritten Buches \u00fcber das Kapital schrieb Marx: &#8222;Die Vulg\u00e4r\u00f6konomie tut in der Tat nichts, als die Vorstellungen der in den b\u00fcrgerlichen Produktionsverh\u00e4ltnissen befangenen Agenten dieser Produktion doktrin\u00e4r zu verdolmetschen, zu systematisieren und apologetisieren. Es darf uns also nicht wundernehmen, dass sie gerade in der entfremdeten Erscheinungsform der \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse, worin diese prima facie abgeschmackt und vollkommene Widerspr\u00fcche sind &#8211; und alle Wissenschaft w\u00e4re \u00fcberfl\u00fcssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen -, wenn gerade hier die Vulg\u00e4r\u00f6konomie sich vollkommen bei sich selbst f\u00fchlt und ihr diese Verh\u00e4ltnisse um so selbstverst\u00e4ndlicher erscheinen, je mehr der innere Zusammenhang an ihnen verborgen ist, sie aber der ordin\u00e4ren Vorstellung gel\u00e4ufig sind.&#8220;<a href=\"#_edn136\" name=\"_ednref136\">[136]<\/a> Die Oberfl\u00e4chenbewegung des Kapitals wird von Hilferding in seinem Buch mit marxistischer Terminologie verbr\u00e4mt wiedergegeben; das Ergebnis ist nichts anderes als <strong>Vulg\u00e4rmarxismus<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>e) Organisierter Kapitalismus und Wirtschaftsdemokratie <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Polit\u00f6konomisch f\u00fchrte DAS FINANZKAPITAL un\u00fcbersehbar weg von Marx. Politisch schwankte sein Autor vor dem 1. Weltkrieg als Anh\u00e4nger des sogenannten &#8222;Zentrums&#8220; in der Sozialdemokratie noch zwischen revolution\u00e4ren und reformistischen Positionen. Beschleunigt durch Weltkrieg und Revolution, \u00e4nderte sich seine Haltung in den folgenden Jahren. Die Novemberrevolution von 1918 beseitigte den kaiserlichen Obrigkeitsstaat in Deutschland und lie\u00df eine demokratische Republik an seine Stelle treten. Die SPD bekam damit die Gelegenheit, Regierungsverantwortung zu \u00fcbernehmen. Unter dem Eindruck der Ereignisse nahm Hilferding von den politischen \u00dcberresten revolution\u00e4r-marxistischer Positionen endg\u00fcltig Abschied, entwickelte seine Auffassungen weiter zur Theorie des organisierten Kapitalismus und schuf die theoretischen Grundlagen f\u00fcr die gewerkschaftliche Strategie der Wirtschaftsdemokratie. Er wurde zum f\u00fchrenden Theoretiker der deutschen Sozialdemokratie in der Zwischenkriegszeit und \u00fcbernahm zweimal als Finanzminister des Deutschen Reiches die Aufgabe, den &#8222;organisierten Kapitalismus&#8220; zu verwalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im ersten Kriegsjahr 1915 entdeckte er &#8222;Keime zu einer Umwandlung der anarchisch-kapitalistischen in eine organisiert-kapitalistische Wirtschaftsordnung&#8220;.<a href=\"#_edn137\" name=\"_ednref137\">[137]<\/a> Nach dem Krieg sah er diese Keime gewaltig anwachsen. &#8222;War fr\u00fcher die treibende Kraft der kapitalistischen Entwicklung die freie Konkurrenz, so wird diese jetzt immer st\u00e4rker aufgehoben durch die kapitalistische Monopolbildung: In die Anarchie der kapitalistischen Produktionsweise schieben sich immer erfolgreicher Organisationstendenzen des Kapitals hinein.&#8220;<a href=\"#_edn138\" name=\"_ednref138\">[138]<\/a> Er benannte es als &#8222;das Entscheidende, dass wir augenblicklich in der Periode des Kapitalismus uns befinden, in der im wesentlichen die \u00c4ra der freien Konkurrenz, in der der Kapitalismus rein durch das Walten der blinden Marktgesetze beherrscht war, \u00fcberwunden ist, und wir zu einer kapitalistischen Organisation der Wirtschaft kommen, <strong>also von der Wirtschaft des freien Spiels der Kr\u00e4fte zur organisierten Wirtschaft<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn139\" name=\"_ednref139\">[139]<\/a> Ganz deutlich werdend, sagte er, &#8222;Organisierter Kapitalismus bedeutet also in Wirklichkeit <strong>den <\/strong><strong>prinzipiellen Ersatz des kapitalistischen Prinzips der freien Konkurrenz durch das sozialistische Prinzip planm<\/strong><strong>\u00e4\u00dfiger Produktion<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn140\" name=\"_ednref140\">[140]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser &#8222;organisierte Kapitalismus&#8220; ist unverkennbar weitestgehend identisch mit dem bisherigen &#8222;Finanzkapital&#8220;, das Hilferding im gleichen Atemzug als Einheitsform von Industrie, Handel und Banken wiederholt.<a href=\"#_edn141\" name=\"_ednref141\">[141]<\/a> Der Unterschied zu fr\u00fcher liegt denn auch nicht in der \u00f6konomischen Theorie, sondern in der <strong>Politik<\/strong>, konkret in der Haltung zum Staat. Inwieweit Hilferdings <strong>prinzipielle <\/strong>politische Auffassung vom Staat identisch geblieben ist, muss einer gesonderten Untersuchung vorbehalten bleiben.<a href=\"#_edn142\" name=\"_ednref142\">[142]<\/a> Fest steht jedenfalls, dass seine konkrete Haltung zum Staat sich ver\u00e4ndert hat, weil dieser <strong>konkrete<\/strong> Staat ein anderer geworden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgangspunkt daf\u00fcr sind die Ver\u00e4nderungen, die das Finanzkapital und der organisierte Kapitalismus mit sich gebracht haben: &#8222;Diese planm\u00e4\u00dfige, mit Bewusstsein geleitete Wirtschaft unterliegt in viel h\u00f6herem Ma\u00dfe der M\u00f6glichkeit der <strong>bewussten Einwirkung der Gesellschaft<\/strong>, das hei\u00dft nichts anderes, als Einwirkung durch die einzige bewusste und mit Zwangsgewalt ausgestattete Organisation der Gesellschaft, der Einwirkung durch den <strong>Staat<\/strong>.&#8220;<a href=\"#_edn143\" name=\"_ednref143\">[143]<\/a> Durch die Umwandlung des Kaiserreichs in eine Republik, die beherrschende Stellung des Parlaments und das allgemeine Wahlrecht sah Hilferding es jetzt im Gegensatz zu fr\u00fcher als m\u00f6glich an, den Staat als Instrument f\u00fcr den \u00dcbergang zum Sozialismus zu benutzen.<a href=\"#_edn144\" name=\"_ednref144\">[144]<\/a> Als Beweis daf\u00fcr nannte er die durch die Novemberrevolution erk\u00e4mpfte Sozialgesetzgebung, die Arbeitslosenversicherung und das Tarifvertragswesen. &#8222;Das bedeutet: immer mehr unterliegt die kapitalistische Gesellschaft dem zunehmenden Einfluss der Arbeiterklasse, immer mehr siegt das politische Prinzip der Arbeiterklasse, den Staat zu benutzen als Mittel zur Leitung und Beherrschung der Wirtschaft im allgemeinen Interesse.&#8220;<a href=\"#_edn145\" name=\"_ednref145\">[145]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die subjektive Fassung des Kapitalverh\u00e4ltnisses aus dem FINANZKAPITAL erfuhr nunmehr eine positive Umsetzung, schien doch die Regelung von Angebot und Nachfrage, der Sieg der Politik \u00fcber die \u00d6konomie, des Willens \u00fcber die blindwirkenden Gesetze, der Ordnung \u00fcber die Anarchie endg\u00fcltig. Die Arbeitslosenversicherung wertete Hilferding als &#8222;eine ganz bestimmte Regelung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.&#8220; Im Tarifvertragssystem und der Schiedsgerichtsbarkeit bei Arbeitsk\u00e4mpfen sah er &#8222;eine politische Lohnregelung und eine politische Arbeitszeitregelung.&#8220; F\u00fcr ihn stand fest, &#8222;dass der Wochenlohn ein politischer Lohn ist&#8220;, erk\u00e4mpft durch die SPD, so dass schlie\u00dflich die Arbeiterfrauen durch ihre Wahlentscheidung &#8222;\u00fcber Brot und Fleisch und die H\u00f6he des Lohnes&#8220; entscheiden w\u00fcrden.<a href=\"#_edn146\" name=\"_ednref146\">[146]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufbauend auf der Theorie des organisierten Kapitalismus propagierte er die Demokratisierung der Wirtschaft durch die sogenannte &#8222;Wirtschaftsdemokratie&#8220;. Der Kapitalismus stelle, so fasste er die Konsequenzen zusammen, &#8222;gerade wenn er zu seiner h\u00f6chsten Stufe einer von neuem organisierten Wirtschaft gelangt, das Problem der Wirtschaftsdemokratie&#8220;.<a href=\"#_edn147\" name=\"_ednref147\">[147]<\/a> Als Privateigentum sei nur noch die juristische Form der Unternehmen kapitalistisch; dem Inhalt nach sei die Wirtschaft bereits sozialistisch, da &#8222;organisiert&#8220; bzw. &#8222;geregelt&#8220;. Darum komme es nunmehr darauf an, die private Verf\u00fcgungsgewalt der Unternehmer als letzte Barriere gegen den Sozialismus gesetzlich einzuschr\u00e4nken und auf Dauer aufzuheben. Es gelte, mit der Sozialisierung von Schl\u00fcsselindustrien zu beginnen. Die Novemberrevolution und die Regierungsbeteiligung der SPD hatten daf\u00fcr seines Erachtens die Voraussetzungen geschaffen. Wieder stellen diese Gedanken eine direkte Fortsetzung der Ausf\u00fchrungen aus dem FINANZKAPITAL dar, diesmal umgesetzt in &#8222;Realpolitik&#8220;. Und wieder sind es die ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnisse, die den Konsequenzen, welche bereits in der Theorie angelegt sind, zum Durchbruch verhelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch die F\u00fchrung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB, insbesondere durch Naphtali und Tarnow, wurden die Gedanken zum organisierten Kapitalismus und zur Wirtschaftsdemokratie in die gewerkschaftliche Strategiebildung umgesetzt und schlie\u00dflich zum Gewerkschaftsprogramm erhoben.<a href=\"#_edn148\" name=\"_ednref148\">[148]<\/a> &#8222;Die auf dem Hamburger ADGB-Kongre\u00df von 1928 zum gewerkschaftlichen Grundsatzprogramm erhobene Strategie der Demokratisierung der Wirtschaft war Zusammenfassung, Summe und getreues Spiegelbild sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Gesellschaftsanalyse&#8220;.<a href=\"#_edn149\" name=\"_ednref149\">[149]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Weise fanden Politik und Praxis von Sozialdemokratie und Gewerkschaften ihre tiefste polit\u00f6konomische Fundierung in Hilferdings FINANZKAPITAL. Wer der Sozialdemokratie die Hegemonie in der Arbeiterbewegung streitig machen wollte, war gen\u00f6tigt, das Hauptwerk ihres f\u00fchrenden Theoretikers zu kritisieren und damit ihr theoretisches Fundament zu zerst\u00f6ren. Ansonsten musste die Politik gegen\u00fcber der SPD und jede eigene Gewerkschaftspolitik von der Hand in den Mund leben und letztlich hilflos bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>f) Vom Zentristen zum Reichsfinanzminister<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeitgleich mit der Entwicklung seiner Theorie des organisierten Kapitalismus erreichte Hilferding den staatsoffiziellen H\u00f6hepunkt seiner politischen Laufbahn.<a href=\"#_edn150\" name=\"_ednref150\">[150]<\/a> Am 10. August 1877 in Wien als Sohn einer wohlhabenden j\u00fcdischen Kaufmannsfamilie geboren, hatte er zun\u00e4chst Medizin studiert und war Arzt geworden. Seinen Beruf \u00fcbte er indes nur selten und ungern aus. W\u00e4hrend des Studiums trat er dem Sozialistischen Studentenbund bei und war mit Otto Bauer und Gustav Eckstein befreundet, sp\u00e4ter f\u00fchrenden Politikern der \u00f6sterreichischen Sozialdemokratie. Schon 1902 als F\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hriger begann er, an der &#8222;Neuen Zeit&#8220;, dem von Karl Kautsky herausgegebenen theoretischen Organ der deutschen Sozialdemokratie, mitzuarbeiten. Vor allem mit \u00f6konomischen Fragen befasst, wurde er 1904 durch eine Streitschrift gegen den Marx-Kritiker Professor B\u00f6hm-Bawerk bekannt. Durch das 1910 erschienene FINANZKAPITAL sicherte er sich endg\u00fcltig den Ruf, f\u00fchrender Wirtschaftstheoretiker der Sozialdemokratie zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Politisch geh\u00f6rte er vor dem ersten Weltkrieg dem sogenannten &#8222;marxistischen Zentrum&#8220; um Kautsky an, das versuchte, die auseinanderstrebenden rechten und linken Fl\u00fcgel der deutschen und internationalen Sozialdemokratie miteinander zu vers\u00f6hnen. 1917 gr\u00fcndete sich diese Richtung in Deutschland als eigene Partei in Opposition zur SPD, als Unabh\u00e4ngige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD).<a href=\"#_edn151\" name=\"_ednref151\">[151]<\/a> Kriegsgegner von Anfang an, wechselte Hilferding 1918 dorthin \u00fcber und \u00fcbernahm die Redaktion der Berliner &#8222;Freiheit&#8220;, des faktischen Zentralorgans der USPD. Als Mitglied der ersten &#8222;Sozialisierungskommission&#8220;, die der deutsche R\u00e4tekongre\u00df im Dezember 1918 ins Leben rief, war er f\u00fchrend daran beteiligt, die R\u00e4tebewegung von der Machtfrage auf die folgenlose Debatte \u00fcber Umfang und Reihenfolge von &#8222;Sozialisierungsma\u00dfnahmen&#8220; hinzulenken. Als 1920 &#8211; diesmal von der Regierung &#8211; die zweite Sozialisierungskommission einberufen wurde, erhielt er die Gelegenheit, mit den Vertretern der Bourgeoisie und des Kapitals pers\u00f6nlich zusammenzuarbeiten. Wie schon zuvor die erste, so stellte auch die zweite Sozialisierungskommission ihre Arbeit nach einigen Monaten als sinnlos ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf. dem Parteitag der USPD im Herbst 1920 war Hilferding der Hauptredner gegen einen Anschluss an die Kommunistische Internationale und den Zusammenschluss mit der KPD, den die Mehrheit bef\u00fcrwortete. Mit der Rest-USPD 1922 zur SPD zur\u00fcckgekehrt, wurde er im Sommer 1923 zum erstenmal f\u00fcr einige Monate Reichsfinanzminister im ersten Kabinett Stresemann. Als der Sozialdemokrat Hermann M\u00fcller im Juni 1928 eine SPD-gef\u00fchrte Koalitionsregierung bildete, wurde Hilferding erneut als Finanzminister ins Kabinett berufen. In dieser Position \u00fcberraschte ihn 1929 die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Krise der kapitalistischen Produktionsweise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Es w\u00e4r zu sch\u00f6n gewesen, es hat nicht sollen sein&#8220;, hatte er im FINANZKAPITAL noch in einem letzten Anflug marxistischer \u00dcberzeugung gegen\u00fcber Behauptungen geschrieben, dass der Kapitalismus krisenfrei geworden sei.<a href=\"#_edn152\" name=\"_ednref152\">[152]<\/a> Mittlerweile selber zum Vertreter derartiger Auffassungen geworden, wollte es die Ironie der Geschichte, dass er ausgerechnet auf dem Gipfel seiner Karriere h\u00f6chst praktisch eines besseren belehrt wurde &#8211; und die Folgen zu sp\u00fcren bekam. Unter dem Druck des Reichsbankpr\u00e4sidenten Hjalmar Schacht musste er im Dezember 1929 zur\u00fccktreten. Zu einem \u00dcberdenken seiner Auffassungen f\u00fchrte weder das eine noch das andere. Er blieb fest auf dem Boden der b\u00fcrgerlichen Ordnung stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Jude und prominenter Gegner des Nationalsozialismus musste er im M\u00e4rz 1933 emigrieren. Vom Ausland aus trat er weiter gegen das NS-Regime ein &#8211; und wandte sich gleichzeitig gegen jede Zusammenarbeit mit der KPD. In Frankreich \u00fcberraschte ihn 1940 der deutsche Blitzkrieg. Am 10. Februar 1941 wurde er von der Vichy-Regierung gemeinsam mit dem SPD-Politiker Rudolf Breitscheid an die Gestapo ausgeliefert. Zwei Tage sp\u00e4ter starb er im Pariser Gef\u00e4ngnis La Sant\u00e9 in Gestapo-Haft, ob aufgrund von Folterungen oder durch Freitod, ist ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Das FINANZKAPITAL im historischen Urteil<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auseinandersetzung von Linken mit Hilferding ist bis heute durch einen merkw\u00fcrdigen Dualismus gepr\u00e4gt. Seine im FINANZKAPITAL niedergelegte Monopoltheorie galt und gilt als Vorbild einer marxistischen Analyse der \u00d6konomie des 20. Jahrhunderts. Seine Praxis, insbesondere seine politische T\u00e4tigkeit in der Weimarer Republik, wird dagegen als S\u00fcndenfall begriffen, als Verrat an den eigenen und eigentlichen sozialistischen Prinzipien. &#8222;Zwischen den St\u00fchlen&#8220; soll er gesessen haben, zerrissen durch die &#8222;Unvereinbarkeit von Theorie und Praxis&#8220;, wie der bezeichnende Titel einer Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber ihn lautet. Derartige Urteile nehmen nicht zur Kenntnis, dass Hilferdings Praxis der 20er Jahre durch die theoretische Arbeit der davorliegenden Jahre <strong>vorbereitet <\/strong>wurde. Nicht der &#8222;Verrat&#8220; an den eigenen Ideen stellt sich bei genauerem Hinsehen als das Bestimmende im Leben des Sozialdemokraten heraus, sondern die konsequente Fortschreibung und Umsetzung dieser Ideen. Der Bruch in den politischen \u00dcberzeugungen erscheint demgegen\u00fcber als minder bedeutsam. Hilferding ist sich selber in viel h\u00f6herem Grade treu geblieben, als es seine Kritiker von links wahrhaben wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grundlage f\u00fcr derartige Fehleinsch\u00e4tzungen wurde schon fr\u00fch gelegt, gleich nach Ver\u00f6ffentlichung seines Hauptwerks im Jahre 1910, als in der Folgezeit die meisten der f\u00fchrenden Vertreter der internationalen Arbeiterbewegung dazu Stellung nahmen. Ihre Urteile geben zugleich einen \u00dcberblick \u00fcber den Stand der \u00f6konomischen Theorie in der Zweiten Internationale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>a) Bernstein: blo<\/strong><strong>\u00dfe Hypothesen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Artikel &#8222;Das Finanzkapital und die Handelspolitik&#8220;, der 1911 in den &#8222;Sozialistischen Monatsheften&#8220; erschien, befasste sich Eduard Bernstein, der Stammvater des Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie, mit dem FINANZKAPITAL.<a href=\"#_edn153\" name=\"_ednref153\">[153]<\/a> So gut wie alle St\u00fctzpfeiler der Hilferdingschen Theorie erkl\u00e4rte er f\u00fcr nicht tragf\u00e4hig. Er verwies darauf, dass in jedem Land das Verh\u00e4ltnis von Industrie und Banken zueinander anders sei. Ohne n\u00e4here Untersuchung der nationalen Besonderheiten, die Hilferding nicht vorgenommen habe, sei der aus der Verschmelzung von Industrie und Banken gewonnene Begriff des Finanzkapitals eine unzul\u00e4ssige Verallgemeinerung. Dasselbe sei mit der Behauptung einer prinzipiellen Abl\u00f6sung des Freihandels durch den Schutzzoll der Fall. Bernstein sah zwar einzelne Ph\u00e4nomene In dieser Richtung, hielt es aber f\u00fcr falsch, daraus eine gesetzm\u00e4\u00dfige Entwicklung abzuleiten: &#8222;Hilferdings Satz von einem generellen Interesse des Finanzkapitals am Allerweltsschutzzoll ist nichts als Konstruktion auf der Basis von Einzelerschei\u00adnungen, die durchaus unzu\u00adl\u00e4nglich sind, eine so verallgemeinernde Theorie zu tragen.&#8220;<a href=\"#_edn154\" name=\"_ednref154\">[154]<\/a> Denselben Einwand erhob er gegen die Theorie des Kapitalexports, Hilferding zufolge ein Charakteristikum des Finanzkapitals. Ihm schien: &#8222;ohne einigerma\u00dfen verl\u00e4ssliches Tatsachenmaterial ist jede verallgemeinernde wirtschaftspolitische Folgerung, die auf das Vorkommen solcher Exporte sich st\u00fctzt, blo\u00dfe Hypothese und nicht mehr&#8220;.<a href=\"#_edn155\" name=\"_ednref155\">[155]<\/a> Mit dem Vorwurf, dass Hilferding keine statistischen Daten aufbringen w\u00fcrde und \u00fcber das &#8222;empirische Material &#8230; bei ihm so gut wie gar nichts zu finden&#8220; sei, gelangte er zu der Schlussfolgerung, dass der wesentliche Inhalt des Buches nur &#8222;als Theorie im Sinne logischer Spekulation&#8220; gelten k\u00f6nne.<a href=\"#_edn156\" name=\"_ednref156\">[156]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gegensatz zur Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie fiel Bernstein nicht auf, im Gegenteil. Selber seit Jahren Gegner der Marxschen Theorie im allgemeinen und der Dialektik im besonderen,<a href=\"#_edn157\" name=\"_ednref157\">[157]<\/a> erkl\u00e4rte er die Fehler Hilferdings daraus, dass der Autor in der Tradition des Marxschen Denkens stehe und sein Buch im wesentlichen mit Hilfe der &#8222;Methode der spekulativen Dialektik&#8220; zustandegebracht habe.<a href=\"#_edn158\" name=\"_ednref158\">[158]<\/a> Hilferdings FINANZKAPITAL wie Marxens KAPITAL tat er insoweit gleicherma\u00dfen als Produkt dialektischer Gedankenkonstruktionen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verriss des FINANZKAPITAL erstreckte sich auch auf die politischen Schlussfolgerungen bzw. war von den Differenzen gepr\u00e4gt, die zwischen dem rechten, revisionistischen Fl\u00fcgel und dem Zentrum bestanden. Die von Hilferding gegen Ende des Buchs ausgesprochene Warnung, dass die internationalen Widerspr\u00fcche auf ihre gewaltsame L\u00f6sung durch einen gro\u00dfen Krieg hintrieben, erkl\u00e4rte Bernstein wie die ganze Theorie f\u00fcr eine spekulative Deduktion und behauptete im Gegenteil, dass die Verh\u00e4ltnisse immer friedlicher w\u00fcrden, denn &#8222;\u00fcberall gewinnt die <strong>Vertragsidee<\/strong> im Streit mit den \u00fcberlieferten Kriegstendenzen an Boden.&#8220;<a href=\"#_edn159\" name=\"_ednref159\">[159]<\/a> Gegen\u00fcber der abstrakten Enthaltsamkeitsparole Hilferdings zur Au\u00dfenwirtschaftspolitik &#8222;Weder Schutzzoll noch Freihandel, sondern Sozialismus&#8220; forderte er, dass der Internationalismus der Arbeiterklasse sich in der handelspolitischen Richtlinie bet\u00e4tigen m\u00fcsse: &#8222;Niederrei\u00dfung der nationalen Zollmauern.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>b) Kautsky: eine Fortsetzung des Marxschen KAPITAL<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der theoretische Kopf der Zentristen, Karl Kautsky, rezensierte Hilferdings Werk in der &#8222;Neuen Zeit&#8220; unter dem Titel &#8222;Finanzkapital und Krisen&#8220;.<a href=\"#_edn160\" name=\"_ednref160\">[160]<\/a> Mit Hilferding politisch und theoretisch verbunden, war er voll des Lobs \u00fcber das Werk seines Genossen; es war f\u00fcr ihn eine &#8222;eingehende und ausreichende Untersuchung aufgrund unserer Theorie&#8220;, dh. auf Grundlage des Marxismus.<a href=\"#_edn161\" name=\"_ednref161\">[161]<\/a> &#8222;Ausgehend von den Marxschen Grundbegriffen&#8220; habe Hilferding die neuen Erscheinungen der kapitalistischen Produktionsweise gr\u00fcndlich erforscht und gekl\u00e4rt. Die Untersuchung der Kartelle, Trusts und Monopole schien ihm &#8222;aufs scharfsinnigste und eingehendste dargelegt&#8220;; er sah dadurch &#8222;eine F\u00fclle neuer Einsichten in die ver\u00adwickeltsten Zusammenh\u00e4nge&#8220; erschlossen.<a href=\"#_edn162\" name=\"_ednref162\">[162]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur einen Punkt gab es, in dem er seinem Landsmann nicht zu folgen vermochte. Das war die Geldtheorie. Nach einer Seite brachte er seine Kritik daran jedoch zu Ende; eine lange Auseinandersetzung er\u00fcbrige sich, weil die Geldtheorie praktisch und theoretisch ohne Wirkung bleibe.<a href=\"#_edn163\" name=\"_ednref163\">[163]<\/a> Erst als Hilferding einen l\u00e4ngeren Artikel &#8222;Geld und Ware&#8220; ver\u00f6ffentlichte,<a href=\"#_edn164\" name=\"_ednref164\">[164]<\/a> worin er seine fehlerhafte Geldtheorie weiter ausbreitete, sah Kautsky sich zu einer l\u00e4ngeren Replik unter dem Titel &#8222;Gold, Papier und Ware&#8220; veranlasst.<a href=\"#_edn165\" name=\"_ednref165\">[165]<\/a> Darin kritisierte er ausf\u00fchrlicher, dass bei Hilferding das Geld ohne Wert in die Zirkulation eingehe. Er legte dar, dass es nur darum allgemeines \u00c4quivalent werden k\u00f6nne, weil die abstrakt menschliche Arbeit als Grundlage der Vergleichbarkeit der Waren objektiv vorhanden sei. Das \u00fcberaus Wohlwollende Gesamturteil \u00fcber das FINANZKAPITAL nahm er jedoch in keinem Punkt zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Besprechung verwies Kautsky auf einen wichtigen Umstand. Der erste Band des KAPITAL, so f\u00fchrte er aus, habe gro\u00dfe Popularit\u00e4t unter den Arbeitern erworben und \u00a0erheblich tiefere Wirkungen als die beiden folgenden B\u00e4nde gehabt. Der Grund daf\u00fcr liege nicht allein daran, dass Band I vollst\u00e4ndig ausgearbeitet sei, w\u00e4hrend Band II und III unvollendet geblieben seien. Vielmehr werde in Band I die eigentliche Dom\u00e4ne des Klassenkampfs, die Ausbeutung und der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital, Proletariat und Bourgeoisie, untersucht. &#8222;Anders der zweite und dritte Band. Hier handelt es sich anscheinend nur um Gegens\u00e4tze der Ausbeuter untereinander und um Gebiete, auf denen der Arbeiter noch weit fremder war wie b\u00fcrgerliche Theoretiker. Hier halfen ihm die Erfahrungen aus seiner Klassenlage gar nichts.&#8220;<a href=\"#_edn166\" name=\"_ednref166\">[166]<\/a> Das sei der Hauptgrund, weshalb die beiden Nachfolgeb\u00e4nde des KAPITAL I keine gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit gefunden h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Kautsky \u00fcber das Interesse und den Kenntnisstand der damaligen organisierten Arbeiterbewegung schreibt, d\u00fcrfte zutreffen. Allerdings ist seine Feststellung nicht auf die Arbeiter zu beschr\u00e4nken, sondern muss &#8211; und zwar in erster Linie &#8211; auf die Theoretiker der Sozialdemokratie, Kautsky eingeschlossen, ausge\u00addehnt werden. Mindestens Band III des KAPITAL blieb ihnen eine terra incognita.<a href=\"#_edn167\" name=\"_ednref167\">[167]<\/a> Das spiegelt sich nicht zuletzt in Kautskys eigener Rezension wider. Soweit Kritik &#8211; wie in der Geldtheorie &#8211; angemeldet wird, \u00fcberschreitet sie thematisch nicht den Rahmen der In KAPITAL I behandelten Fragen. Alle weitergehenden Kritikpunkte wie die nach dem Verh\u00e4ltnis von Kapital und Konkurrenz, dem Ausgleich der Profitraten etc. spricht der Herausgeber der &#8222;Neuen Zeit&#8220;, dieser unbestritten f\u00fchrenden theoretischen Zeitschrift der inter\u00adnationalen Sozialdemokratie, nicht an. Sie scheinen ihm richtig behandelt. Die Ausf\u00fchrungen Hilferdings \u00fcber die Krisen erkl\u00e4rt er sogar &#8222;zu den besten und fruchtbarsten seines Buches&#8220;!<a href=\"#_edn168\" name=\"_ednref168\">[168]<\/a> Dagegen tut er die Fehler in der Geldtheorie, die im Kern auf einer falschen Auffassung des Wertgesetzes, dieses Herzst\u00fccks der Marxschen Politischen \u00d6konomie beruhen, mit einem Achselzucken ab, und demonstriert so zus\u00e4tzlich die eigene Geringsch\u00e4tzung der theoretischen Aus\u00adeinandersetzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Rezension bezeichnete Kautsky das FINANZKAPITAL wegen seiner Behandlung der Kartelle und Trusts als &#8222;eine Fortsetzung des Marxschen &lt;Kapital&gt;&#8220;.<a href=\"#_edn169\" name=\"_ednref169\">[169]<\/a> Au\u00dferdem lobte er seinen Landsmann, weil es ihm gelungen sei, &#8222;die Sch\u00e4tze zu heben und zu verwerten, die in dem zweiten und dritten Band des &lt;Kapital&gt; zu finden sind.&#8220;<a href=\"#_edn170\" name=\"_ednref170\">[170]<\/a> In Wirklichkeit hat Hilferding den theoretischen Reichtum des KAPITAL nicht gehoben, sondern versch\u00fcttet. Sein Werk \u00f6ffnete nicht den Zugang zur Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie, sondern verschloss ihn, und die Rezension leistete dem Beistand. Wer ihrer Bewertung folgte, musste glauben, durch die Lekt\u00fcre des leicht lesbaren FINANZKAPITAL der M\u00fche ent\u00adhoben zu sein, sich durch die komplizierten Zusammenh\u00e4nge von Band II und III des KAPITAL hindurcharbeiten zu m\u00fcssen. Er musste dar\u00fcber hinaus annehmen, dass die Kenntnis dieser B\u00fccher ohnehin \u00fcberfl\u00fcssig sei, da ja daraus nichts f\u00fcr die Praxis des Klassenkampfs, dh. f\u00fcr die vertiefte Erkenntnis des Gegensatzes zwischen Proletariat und Bourgeoisie, zu gewinnen war. Nur blutleere Theoretiker konnten sich danach noch ernsthaft mit der Weiterf\u00fchrung der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie \u00fcber KAPITAL I hinaus besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kautsky aber war der theoretische &#8222;Papst&#8220; der internationalen Sozialdemokratie, gleicherma\u00dfen anerkannt und gef\u00fcrchtet von &#8222;Rechten&#8220; wie &#8222;Linken&#8220;. Darum dokumentiert sein Urteil nicht allein das polit\u00f6konomische Niveau der II.Internationale, sondern trug zugleich dazu bei, es zu erhalten. Seine Worte, die eine deutliche Gering- bzw. Fehleinsch\u00e4tzung der Bedeutung von Band II und III des KAPITAL bekunden, haben durch die Organisationen der Arbeiterbewegung hindurch bis heute gewirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>c) Lenin: eine h<\/strong><strong>\u00f6chst wertvolle Studie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den &#8222;Heften&#8220; zum Imperialismus, den Vorarbeiten, die Lenin zu seiner eigenen Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber den Imperialismus anfertigte, wird mehrfach auf Hilferding Bezug genommen, au\u00dferdem findet sich dort ein eigenes Exzerpt zum FINANZKAPITAL.<a href=\"#_edn171\" name=\"_ednref171\">[171]<\/a> Darin erw\u00e4hnt der F\u00fchrer der SDAPR unter Hinweis auf die &#8222;Neue Zeit&#8220;, worin Hilferding und Kautsky die Debatte \u00fcber die Geldtheorie gef\u00fchrt hatten: &#8222;Bei Hilferding geht das Geld ohne Wert in die Zirkulation ein.&#8220;<a href=\"#_edn172\" name=\"_ednref172\">[172]<\/a> Eine weitergehende polit\u00f6konomische Auseinandersetzung und Kritik an Hilferding findet sich nirgends. Zusammenfassend nennt Lenin als &#8222;M\u00e4ngel <strong>Hilferdings<\/strong>: 1) Theoretischer Fehler in bezug auf das Geld. 2) Ignoriert (fast) die Aufteilung der Welt. 3) Ignoriert den Zusammenhang zwischen Finanzkapital und Parasitismus. 4) Ignoriert den Zusammenhang zwischen Imperialismus und Opportunismus.&#8220;<a href=\"#_edn173\" name=\"_ednref173\">[173]<\/a> Dem folgend weist er die polit\u00f6konomische Fundierung von Hilferdings Monopoltheorie auch nicht als unhaltbar zur\u00fcck, sondern spricht im Hinblick auf den Imperialismus von der &#8222;Unvollst\u00e4ndigkeit der Definition bei Hilferding&#8220;.<a href=\"#_edn174\" name=\"_ednref174\">[174]<\/a> Das hei\u00dft, dass das FINANZKAPITAL nach Lenins Meinung nicht von Grund auf zu <strong>kritisieren<\/strong>, sondern im wesentlichen zu <strong>erg<\/strong><strong>\u00e4nzen<\/strong> ist. <strong>Politisch<\/strong> ist die Abgrenzung Lenins allerdings scharf und un\u00fcbersehbar. Er bezeichnet &#8222;Kautsky, Hilferding &amp; Co. (+ engerer Freund = Trotzki)&#8220; als &#8222;Mahner der imperialistischen Bourgeoisie&#8220; bzw. als deren &#8222;Beschw\u00f6rer&#8220; oder &#8222;Reformatoren&#8220;.<a href=\"#_edn175\" name=\"_ednref175\">[175]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese durch die Vorarbeiten vorgezeichnete Linie bestimmt die in der ersten Jahresh\u00e4lfte 1916 geschriebene und Mitte 1917 ver\u00f6ffentlichte Brosch\u00fcre &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220;. Lenin \u00fcbernimmt ausdr\u00fccklich die Hilferdingsche Definition des &#8222;Finanzkapitals&#8220; als &#8222;Kapital in der Verf\u00fcgung der Banken und in der Verwendung der Industriellen&#8220;.<a href=\"#_edn176\" name=\"_ednref176\">[176]<\/a> Er bezeichnet sie nur als &#8222;insofern unvollst\u00e4ndig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, n\u00e4mlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, dass die Konzentration zum Monopol f\u00fchrt und gef\u00fchrt hat. Doch wird in der ganzen Darstellung Hilferdings \u00fcberhaupt und insbesondere in den zwei Kapiteln, die demjenigen, dem diese Definition entnommen ist, vorangehen, die Rolle der <strong>kapitalistischen Monopole<\/strong> hervorgehoben.&#8220;<a href=\"#_edn177\" name=\"_ednref177\">[177]<\/a> Der Satz, der Hilferdings subjektives Kapitalverst\u00e4ndnis in gewisser Hinsicht auf den Punkt bringt, wird von Lenin zustimmend zitiert: &#8222;&lt;Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft&gt;, sagt Hilferding mit Recht.&#8220;<a href=\"#_edn178\" name=\"_ednref178\">[178]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einleitung der Imperialismusbrosch\u00fcre fasst die Einsch\u00e4tzung des Hilferdingschen Werks zusammen. Dort schreibt Lenin, dass &#8222;der Autor in der Geldtheorie irrt und eine gewisse Neigung zeigt, den Marxismus mit dem Opportunismus zu vers\u00f6hnen&#8220;.<a href=\"#_edn179\" name=\"_ednref179\">[179]<\/a> Desungeachtet ist sein Gesamturteil \u00fcber das FINANZKAPITAL von Hochachtung gepr\u00e4gt; f\u00fcr ihn ist &#8222;dieses Werk eine h\u00f6chst wertvolle theoretische &lt;Studie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus&gt;, wie der Untertitel des Hilferdingschen Buches lautet.&#8220;<a href=\"#_edn180\" name=\"_ednref180\">[180]<\/a> Damit schloss sich der SDAPR-Vorsitzende polit\u00f6konomisch im wesentlichen der Beurteilung Kautskys an, auch wenn er das Buch des \u00d6sterreichers nicht zum vierten Band des KAPITAL machte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>d) Oel<\/strong><strong>\u00dfner: eine bedeutsame Weiterentwicklung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1947 wurde das FINANZKAPITAL vom Dietz-Verlag Berlin neu aufgelegt. Allein diese Tatsache zeigt, welche Wertsch\u00e4tzung die soeben aus dem Zusammenschluss von KPD und SPD hervorgegangene SED dem Werk entgegenbrachte. Das best\u00e4tigt sich, wenn man dazu das 30-seitige Vorwort liest, das Fred Oel\u00dfner, f\u00fchrender Polit\u00f6konom und zeitweise Mitglied des Politb\u00fcros der SED, zur Neuherausgabe verfasste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach seinem Urteil ist das Buch &#8222;nicht frei von theoretischen Fehlern, die es Hilferding unm\u00f6glich machten, das ganze Wesen des imperialistischen Stadiums des Kapitalismus zu verstehen.&#8220;<a href=\"#_edn181\" name=\"_ednref181\">[181]<\/a> Die Fehler sieht Oel\u00dfner zum einen in der Geldtheorie, die er unter Berufung auf Kautsky kritisiert. Zum zweiten wirft er Hilferding vor, bei der Herausbildung der Monopole nicht, wie Lenin, die Konzentration der Produktion in den Mittelpunkt zu stellen. Zum dritten grenzt er sich von der Erkl\u00e4rung der Krisen aus Disproportionalit\u00e4t ab und verweist stattdessen auf die Unterkonsumtion der Massen.<a href=\"#_edn182\" name=\"_ednref182\">[182]<\/a> Schlie\u00dflich h\u00e4lt er Hilferding entgegen, den Parasitismus des Finanzkapitals nicht zu ber\u00fccksichtigen und einen st\u00e4ndigen technischen Fortschritt zu unterstellen, anstatt, wie Lenin, die Tendenz zu Stagnation und F\u00e4ulnis herauszuarbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende kommt Oel\u00dfner zu dem gleichen Urteil wie vor ihm Kautsky und, mit Abstrichen, Lenin. Er bewertet DAS FINANZKAPITAL als &#8222;eine bedeutsame Weiterentwicklung der marxistischen \u00f6konomischen Theorie&#8220;<a href=\"#_edn183\" name=\"_ednref183\">[183]<\/a> und beschlie\u00dft sein Vorwort mit der Feststellung, &#8222;dass das Buch Rudolf Hilferdings trotz seiner theoretischen M\u00e4ngel ein &#8230; unerl\u00e4ssliches Hilfsmittel zum Verst\u00e4ndnis unserer Epoche ist. Man kann die \u00d6konomie und die sozialen Bewegungen unserer Zeit nicht richtig verstehen, ohne gr\u00fcndlich &lt;Das Finanzkapital&gt; studiert zu haben.&#8220;<a href=\"#_edn184\" name=\"_ednref184\">[184]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Kautskys Rezension das theoretische Niveau der II.Internationale vor dem 1.Weltkrieg, so beleuchtet Oel\u00dfners Vorwort das polit\u00f6konomische Niveau der Kommunisten in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Auch wenn die vertretenen Auffassungen nicht ganz miteinander identisch sind, zieht sich hier polit\u00ad\u00f6konomisch ein roter Faden von Hilferding und Kautsky \u00fcber Lenin bis zur SED Fred Oel\u00dfners. Mit dessen Vorwort werden schlie\u00dflich auch die theoretischen Voraussetzungen charakterisiert, auf deren Boden in den 50er und 60er Jahren die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus entwickelt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>e) Eine Hilferding-Kritik aus der westdeutschen Linken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zuge der Neuentdeckung der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie, die in Westdeutschland im Gefolge der Jugend- und Studentenbewegung zu verzeichnen war, kam es in einem Teil der westdeutschen Linken zu einer grunds\u00e4tzlich-theoretischen Auseinandersetzung mit der Monopol- und der Stamokap-Theorie. Ein Ergebnis dieser Kritikwelle, die ihren H\u00f6hepunkt Mitte der 70er Jahre erreichte, war das 1974 erschienene Buch &#8222;Monopol und Staat. Zur Marx-Rezeption in der Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus&#8220;.<a href=\"#_edn185\" name=\"_ednref185\">[185]<\/a> Darin ist u.a. ein Aufsatz von Reinhard Schimkowsky enthalten &#8222;Zur Marx-Rezeption bei Hilferding. Die Bestimmungen von Konkurrenz und Monopol im &lt;Finanzkapital&gt;&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den methodischen Hauptfehler sieht Schimkowsky darin, dass Hilferding den Unterschied zwischen allgemeiner Theorie und konkret-historischer Analyse \u00fcbersehen habe. &#8222;Das KAPITAL wird als eine historische Darstellung und nicht als Darstellung der allgemeinen Bewegungsgesetze des Kapitals begriffen.&#8220;<a href=\"#_edn186\" name=\"_ednref186\">[186]<\/a> Hilferding &#8211; und nach ihm Lenin &#8211; habe nicht erfasst, dass Marx die allgemeinen Gesetze der Bewegung des Kapitals entwickelt habe, die nicht auf ein spezifisches historisches Stadium des Kapitalismus zu beschr\u00e4nken seien. Selber spricht Schimkowsky jedoch ebenfalls von der Entwicklung von &#8222;Monopolen&#8220; und vom &#8222;Konkurrenzkapitalismus&#8220; als einem eigenen Stadium, ohne dass deutlich w\u00fcrde, wie dies gemeint ist.<a href=\"#_edn187\" name=\"_ednref187\">[187]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhaltlich stellt er den Ausgleich der Profitraten und das Kreditwesen in den Mittelpunkt seiner Kritik. Das Verh\u00e4ltnis von Kapital und Konkurrenz wird nicht n\u00e4her betrachtet; es wird nicht erw\u00e4hnt, dass Hilferding die Konkurrenz nicht als Exekutor immanenter Bewegungsgesetze begreift, sondern die Kapitalbewegung aus der Konkurrenz hervorgehen l\u00e4sst. Insbesondere wird der subjektive Wert- und Geldbegriff des \u00f6sterreichischen Theoretikers nicht herausgearbeitet, der letztlich den anderen Fehlern zugrundeliegt. Aus diesem Grunde enth\u00e4lt die Kritik zwar richtige Momente, wird aber nicht weit genug vorangetrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachbemerkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vorgelegte Auseinandersetzung mit Hilferding tr\u00e4gt prinzipiellen Charakter. Sie beschr\u00e4nkt sich darauf, die Hilferdingschen Ausf\u00fchrungen der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie gegen\u00fcberzustellen. Mit dieser Elle gemessen ergibt sich, dass die vorgestellte Theorie in allen wichtigen Punkten jenseits von Marx steht. Eine solche Kritik hat jedoch Grenzen. Sie ist abstrakt, letztlich dogmatisch, und damit einseitig, weil nicht <strong>erkl\u00e4rt<\/strong> wird, wie die kritisierten Anschauungen entstanden sind und was sich in ihnen widerspiegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilferdings Auffassungen von Geld und Kredit, Konkurrenz und Monopol sind nicht vom Himmel gefallen. Sie d\u00fcrften von der seinerzeitigen b\u00fcrgerlichen National\u00f6konomie bzw. einer ihrer Schulen beeinflusst sein. Diese Querverbindungen w\u00e4ren n\u00e4her zu betrachten. Au\u00dferdem ist das allgemeine theoretische Milieu der II.Internationale und speziell der deutsch-\u00f6sterreichischen Sozialdemokratie weitergehend zu untersuchen, als dies hier geschieht. Bernsteins und Kautskys Stellungnahmen zum FINANZKAPITAL geben nur Hinweise. Schlie\u00dflich sind vor allem die realen Verh\u00e4ltnisse der Zeit um die Jahrhundertwende zu ber\u00fccksichtigen. Sie bilden die objektive Unterlage f\u00fcr die damalige theoretische Diskussion, sei es der Reaktion\u00e4re und B\u00fcrgerlichen, sei es der Marxisten. In dieser Richtung muss weitergearbeitet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Rudolf Hilferding, Das Finanzkapital. Eine Studie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus, EVA, Frankfurt 1974, S.279; k\u00fcnftig zitiert als: Hilferding. Neben der EVA-Ausgabe wird hinter einem Schr\u00e4gstrich zus\u00e4tzlich aus der Ausgabe Dietz Verlag, Berlin 1955, zitiert; hier also: Hilferding, S.279\/301<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Hilferding, S.251\/268<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> ebda, S.246\/264<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> ebda, Anm.2, S.2477 Anm.1, S.264<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Karl Marx, Das Kapital Band I;\u00a0 MEW 23, S.618; s.a. S.286<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Marx, Grundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie = GR, S.638<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> MEW 25, S.872 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Hilferding, S.348\/379<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> ebda, S.360\/393<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> MEW 25, S.889<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> ebda, S.879<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> MEW 26\/2, S.23<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> MEW 25, S.47<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> vgl.\u00a0 MEW 23, S.336 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> MEW 26\/2, S.204<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> ebda, S.205<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> MEW 25, S.769<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> Hilferding, S.354\/386<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> ebda, S.354f\/386f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> MEW 25, S.200<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> ebda, S.205<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> vgl. ebda. S. 187 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> vgl. ebda, S.219<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> ebda, S.201<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> Hilferding, S.349\/380<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> ebda, S.348\/379<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> ebda, S.355\/387<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> ebda, S.360\/393<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> ebda, S.332\/362<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[30]<\/a> MEW 25, S.291<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[31]<\/a> ebda, S.355<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[32]<\/a> vgl. MEW 26\/2, S.513<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[33]<\/a> Hilferding, S.332\/362; Hervorhebung durch mich; d.V.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[34]<\/a> ebda, S.354\/385<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[35]<\/a> ebda, S.360\/393<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\">[36]<\/a> MEW 26\/2, S.521<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[37]<\/a> vgl. ebda, S.522<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[38]<\/a> vgl. ebda, S.528-535<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[39]<\/a> Hilferding, S.333\/362<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[40]<\/a> ebda, S.347\/378<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[41]<\/a> vgl. ebda, S. 355\/387<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[42]<\/a> vgl. MEW 24, S.159<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[43]<\/a> vgl. ebda, S.165<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[44]<\/a> ebda. S.167<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[45]<\/a> vgl. ebda, S.226<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\">[46]<\/a> Hilferding, S.355\/387<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\">[47]<\/a> MEW 25, S.218<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\">[48]<\/a> ebda, S.128<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\">[49]<\/a> ebda, S.219<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\">[50]<\/a> Hilferding, S.355\/387<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[51]<\/a> ebda, S.356\/388<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[52]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\">[53]<\/a> ebda, S.254\/272<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[54]<\/a> ebda, S.253\/271<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref55\" name=\"_edn55\">[55]<\/a> ebda. S.254\/273<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref56\" name=\"_edn56\">[56]<\/a> ebda, S.260\/279<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref57\" name=\"_edn57\">[57]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref58\" name=\"_edn58\">[58]<\/a> ebda, S.254\/272<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref59\" name=\"_edn59\">[59]<\/a> ebda, S.255\/273<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref60\" name=\"_edn60\">[60]<\/a> ebda, S.256\/274<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref61\" name=\"_edn61\">[61]<\/a> vgl. ebda, S.255\/273f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref62\" name=\"_edn62\">[62]<\/a> ebda, S.267\/286<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref63\" name=\"_edn63\">[63]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref64\" name=\"_edn64\">[64]<\/a> ebda, S.316\/342<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref65\" name=\"_edn65\">[65]<\/a> ebda, S.253\/271; Hervorhebung durch mich; d.V.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref66\" name=\"_edn66\">[66]<\/a> ebda. S.260\/279<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref67\" name=\"_edn67\">[67]<\/a> MEW 25, S.206<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref68\" name=\"_edn68\">[68]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref69\" name=\"_edn69\">[69]<\/a> ebda, S.190<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref70\" name=\"_edn70\">[70]<\/a> Hilferding, S.356\/388<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref71\" name=\"_edn71\">[71]<\/a> ebda, S.273\/294<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref72\" name=\"_edn72\">[72]<\/a> ebda, S.314\/341<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref73\" name=\"_edn73\">[73]<\/a> ebda, S.401f\/439; Hervorhebung durch mich;\u00a0 d.V.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref74\" name=\"_edn74\">[74]<\/a> ebda, S.266\/286, Anm.1<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref75\" name=\"_edn75\">[75]<\/a> vgl. ebda, S.269\/289<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref76\" name=\"_edn76\">[76]<\/a> ebda, S.269f\/289 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref77\" name=\"_edn77\">[77]<\/a> ebda, S.391\/427<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref78\" name=\"_edn78\">[78]<\/a> ebda, S.270\/290<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref79\" name=\"_edn79\">[79]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref80\" name=\"_edn80\">[80]<\/a>\u00a0 ebda, S.270 f\/290 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref81\" name=\"_edn81\">[81]<\/a> vgl. ebda, S.272\/292 Anm.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref82\" name=\"_edn82\">[82]<\/a> ebda, S.400\/437<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref83\" name=\"_edn83\">[83]<\/a> ebda, S.401\/439<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref84\" name=\"_edn84\">[84]<\/a> ebda, S.402\/440<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref85\" name=\"_edn85\">[85]<\/a> ebda, S.403\/441<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref86\" name=\"_edn86\">[86]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref87\" name=\"_edn87\">[87]<\/a> ebda, S.404\/442<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref88\" name=\"_edn88\">[88]<\/a> ebda, S.402\/439<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref89\" name=\"_edn89\">[89]<\/a> ebda, S.404\/442<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref90\" name=\"_edn90\">[90]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref91\" name=\"_edn91\">[91]<\/a> ebda, S.321\/349<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref92\" name=\"_edn92\">[92]<\/a> MEW 25, S.869<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref93\" name=\"_edn93\">[93]<\/a> Hilferding, S.321 f\/349<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref94\" name=\"_edn94\">[94]<\/a> ebda, S.313\/339 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref95\" name=\"_edn95\">[95]<\/a> ebda. S.287\/310<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref96\" name=\"_edn96\">[96]<\/a> vgl. MEW 25, S.292-313 (17.Kap.: Der kommerzielle Profit)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref97\" name=\"_edn97\">[97]<\/a> ebda, S.350<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref98\" name=\"_edn98\">[98]<\/a> ebda, S.386<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref99\" name=\"_edn99\">[99]<\/a> ebda. S.387 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref100\" name=\"_edn100\">[100]<\/a> Hilferding, S.288 f\/311\u00a0 f; Hervorhebung durch mich;\u00a0 d.V.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref101\" name=\"_edn101\">[101]<\/a> MEW 25, S.286 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref102\" name=\"_edn102\">[102]<\/a> Hilferding, S.292\/316<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref103\" name=\"_edn103\">[103]<\/a> vgl. MEW 25, S.322; MEW 26\/2, S.484<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref104\" name=\"_edn104\">[104]<\/a> vgl. MEW 24, S.114<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref105\" name=\"_edn105\">[105]<\/a> vgl. Hilferding, S.295-298\/319-322<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref106\" name=\"_edn106\">[106]<\/a> ebda, S.242\/257<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref107\" name=\"_edn107\">[107]<\/a> ebda, S.306\/332<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref108\" name=\"_edn108\">[108]<\/a> ebda, S.243\/258<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref109\" name=\"_edn109\">[109]<\/a>\u00a0 ebda, S.309\/336<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref110\" name=\"_edn110\">[110]<\/a> ebda, S.310\/337<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref111\" name=\"_edn111\">[111]<\/a> vgl. MEW 25, S.373\u00a0 f, 637<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref112\" name=\"_edn112\">[112]<\/a> Hilferding, S.133\/133<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref113\" name=\"_edn113\">[113]<\/a> ebda, S.309\/335<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref114\" name=\"_edn114\">[114]<\/a> ebda, S.131f\/131<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref115\" name=\"_edn115\">[115]<\/a> vgl. die Tabelle ebda, S.133\/132 Anm<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref116\" name=\"_edn116\">[116]<\/a> MEW 25, S.519<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref117\" name=\"_edn117\">[117]<\/a> ebda, S.369<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref118\" name=\"_edn118\">[118]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref119\" name=\"_edn119\">[119]<\/a> ebda, S.454<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref120\" name=\"_edn120\">[120]<\/a> Hilferding, S.257\/275<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref121\" name=\"_edn121\">[121]<\/a> MEW 25, S.372<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref122\" name=\"_edn122\">[122]<\/a> ebda, S.373<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref123\" name=\"_edn123\">[123]<\/a> Hilferding, S.123\/121<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref124\" name=\"_edn124\">[124]<\/a> ebda, S.309\/335<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref125\" name=\"_edn125\">[125]<\/a> MEW 25, S.364<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref126\" name=\"_edn126\">[126]<\/a> Hilferding, S.309\/336<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref127\" name=\"_edn127\">[127]<\/a> ebda, S.406\/445<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref128\" name=\"_edn128\">[128]<\/a> ebda, S.322\/350<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref129\" name=\"_edn129\">[129]<\/a> ebda, S.322\/349 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref130\" name=\"_edn130\">[130]<\/a> ebda, S.322\/350<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref131\" name=\"_edn131\">[131]<\/a> ebda, S.322\/349<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref132\" name=\"_edn132\">[132]<\/a> ebda, S.323\/350<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref133\" name=\"_edn133\">[133]<\/a> ebda, S.322\/349 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref134\" name=\"_edn134\">[134]<\/a> ebda. S.402 f\/440<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref135\" name=\"_edn135\">[135]<\/a> ebda, S.507\/562<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref136\" name=\"_edn136\">[136]<\/a> MEW 25, S.825<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref137\" name=\"_edn137\">[137]<\/a> Arbeitsgemeinschaft der Klassen?, 1915, Raubdruck o.O., o.J.; zitiert nach: Monopol und Staat, hrsg. von R. Ebbighausen, Frankfurt 1974, S.280<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref138\" name=\"_edn138\">[138]<\/a> Hilferding auf dem Heidelberger Parteitag der SPD 1925; Protokoll, Dietz-Nachf. Berlin-Bonn-Godesberg 1974, S.278<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref139\" name=\"_edn139\">[139]<\/a> Hilferding auf dem Kieler Parteitag der SPD 1927; Protokoll, Berlin 1927, S.166<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref140\" name=\"_edn140\">[140]<\/a> ebda, S.168<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref141\" name=\"_edn141\">[141]<\/a> vgl. Heidelberger Parteitag, Protokoll, aaO, S.279<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref142\" name=\"_edn142\">[142]<\/a> vgl. hierzu Wilfried Gottschalch, Strukturver\u00e4nderungen der Gesellschaft und politisches Handeln in der Lehre von Rudolf Hilferding, Berlin(West) 1962; Cora Stephan, Geld- und Staatstheorie in Hilferdings Finanzkapital, 1974<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref143\" name=\"_edn143\">[143]<\/a> Kieler Parteitag, Protokoll, aaO, S.168<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref144\" name=\"_edn144\">[144]<\/a> vgl. ebda, S.172 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref145\" name=\"_edn145\">[145]<\/a> ebda, S.171<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref146\" name=\"_edn146\">[146]<\/a> ebda, S.169, 170<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref147\" name=\"_edn147\">[147]<\/a> Hilferding, Probleme der Zeit, in: DIE GESELLSCHAFT, l. Jg 1924, S.3<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref148\" name=\"_edn148\">[148]<\/a> vgl. hierzu u.a. Franz Ritter, Theorie und Praxis des demokratischen Sozialismus in der Weimarer Republik, Campus\u00a0 1981<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref149\" name=\"_edn149\">[149]<\/a> ebda, S.115<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref150\" name=\"_edn150\">[150]<\/a> die folgenden biographischen Angaben st\u00fctzen sich auf:\u00a0 Alexander Stein, Rudolf Hilferding und die deutsche Arbeiterbewegung, Hannover 1946; Cora Stephan (Hg), Zwischen den St\u00fchlen oder \u00fcber die Unvereinbarkeit von Theorie und Praxis. Schriften Rudolf Hilferdings 1904-1940<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref151\" name=\"_edn151\">[151]<\/a> zur USPD vgl.\u00a0 Hartfrid Krause, USPD.\u00a0 Zur Geschichte der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Frankfurt-K\u00f6ln 1975<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref152\" name=\"_edn152\">[152]<\/a> Hilferding, S.401\/438<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref153\" name=\"_edn153\">[153]<\/a> Eduard Bernstein, Das Finanzkapital und die Handelspolitik, in: Sozialistische Monatshefte, 1911, 2. Band, S.947-955<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref154\" name=\"_edn154\">[154]<\/a> ebda, S.951 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref155\" name=\"_edn155\">[155]<\/a> ebda, S.953<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref156\" name=\"_edn156\">[156]<\/a> ebda, S.950 f<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref157\" name=\"_edn157\">[157]<\/a> vgl. dazu Bo Gustavsson, Marxismus und Revisionismus. Eduard Bernsteins Kritik des Marxismus und ihre ideengeschichtlichen Voraussetzungen (Zwei Teile), Frankfurt 1972<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref158\" name=\"_edn158\">[158]<\/a> Bernstein, aaO, S.953<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref159\" name=\"_edn159\">[159]<\/a> ebda, S.955<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref160\" name=\"_edn160\">[160]<\/a> K. Kautsky, Finanzkapital und Krisen, in: Neue Zeit, Jg 1910-11, I. Band, S.764-772, 797-804, 838-846, 874-883<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref161\" name=\"_edn161\">[161]<\/a> ebda, S.765<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref162\" name=\"_edn162\">[162]<\/a> ebda, S.770, 767<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref163\" name=\"_edn163\">[163]<\/a> vgl. ebda, S.772<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref164\" name=\"_edn164\">[164]<\/a> R. Hilferding, Geld und Ware, in: NEUE ZEIT, Jg.1911-12,\u00a0 l. Bd, S.773-782<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref165\" name=\"_edn165\">[165]<\/a> K. Kautsky, Gold, Papier und Ware, in: Neue Zeit, Jg. 1911-12, I. Band, S.837-847, 886-893<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref166\" name=\"_edn166\">[166]<\/a> K. Kautsky, Finanzkapital und Krisen, aaO, S.766<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref167\" name=\"_edn167\">[167]<\/a> vgl. hierzu Henryk Grossmann, Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems. Zugleich eine Krisentheorie, Leipzig 1929, S.192 ff; H.Karuscheit, \u00fcber die Aufnahme des KAPITALS in der Arbeiterbewegung, in: AzD 28, S.5 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref168\" name=\"_edn168\">[168]<\/a> K. Kautsky, Finanzkapital und Krisen, aaO, S.772<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref169\" name=\"_edn169\">[169]<\/a> ebda, S.765<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref170\" name=\"_edn170\">[170]<\/a> ebda, S.766<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref171\" name=\"_edn171\">[171]<\/a> Lenin Werke (LW) Band 39, S.330-336<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref172\" name=\"_edn172\">[172]<\/a> ebda, S.331; vgl. S.766<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref173\" name=\"_edn173\">[173]<\/a> ebda, S.186<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref174\" name=\"_edn174\">[174]<\/a> ebda, S.225<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref175\" name=\"_edn175\">[175]<\/a> ebda, S.629<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref176\" name=\"_edn176\">[176]<\/a> LW 22, S.230<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref177\" name=\"_edn177\">[177]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref178\" name=\"_edn178\">[178]<\/a> ebda, S.267<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref179\" name=\"_edn179\">[179]<\/a> ebda, S.199<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref180\" name=\"_edn180\">[180]<\/a> ebda<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref181\" name=\"_edn181\">[181]<\/a> Fred Oel\u00dfner, Vorwort zur Neuherausgabe, in: Hilferding (Dietz-Verlag 1955), aaO, S.XVIII<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref182\" name=\"_edn182\">[182]<\/a> ebda, S.XXVIII ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref183\" name=\"_edn183\">[183]<\/a> ebda, S.VI<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref184\" name=\"_edn184\">[184]<\/a> ebda, S.XXXV<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref185\" name=\"_edn185\">[185]<\/a> Rolf Ebbighausen (Hrsg), Monopol und Staat, Frankfurt 1974<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref186\" name=\"_edn186\">[186]<\/a> R. Schimkowsky, in: ebda, S.210<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref187\" name=\"_edn187\">[187]<\/a> vgl. ebda, S.208 f<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Hilferdings Monopoltheorie Heiner Karuscheit &nbsp; 1. Hilferdings Verst\u00e4ndnis der \u00f6konomischen Bewegungsgesetze &#8222;Die monopolistische Vereinigung ist \u00f6konomische Herrschaftsorganisation&#8220;,[1] schreibt Hilferding. Das Monopol ist seiner Auffassung nach nicht l\u00e4nger den objektiven, blind wirkenden Gesetzen der kapitalistischen Warenproduktion unterworfen, sondern \u00fcbt &#8222;Herrschaft&#8220; aus; es agiert bewusst und planm\u00e4\u00dfig. &#8222;Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft&#8220;, fasst der &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2619\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VOM MONOPOL ZUM ORGANISIERTEN KAPITALISMUS<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2619","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2619"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2622,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2619\/revisions\/2622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}