{"id":2449,"date":"2022-08-05T14:00:46","date_gmt":"2022-08-05T12:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2449"},"modified":"2022-08-05T14:00:46","modified_gmt":"2022-08-05T12:00:46","slug":"asiatische-feudale-oder-kapitalistische-gesellschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2449","title":{"rendered":"Asiatische, feudale oder kapitalistische Gesellschaft?"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Vorbemerkung zur Neuver\u00f6ffentlichung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der hier neu ver\u00f6ffentlichte Aufsatz stammt aus dem von Heiner Karuscheit und mir ver\u00f6ffentlichten Buch \u201eVon der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus \u2013 Aufs\u00e4tze \u00fcber die Klassenkr\u00e4fte an den Wendepunkten der russisch-sowjetischen Geschichte\u201c von 1993. Der Text ist somit \u00fcber drei\u00dfig Jahre alt und spiegelt damit nicht den heute gegeben Forschungsstand zur russischen und sowjetischen Geschichte wider. Heiner und ich haben zu diesen Themen 2017 ein weiteres Buch \u201eDas Revolutionsjahr 1917\u201c im VSA-Verlag ver\u00f6ffentlicht, in dem wir unsere Positionen von 1993 weiterentwickelt und teilweise pr\u00e4zisiert haben.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Da die Ver\u00f6ffentlichung von 1993 vergriffen und auch antiquarisch kaum erh\u00e4ltlich ist, wird hier der Teil zur Geschichte Russlands und den damit verbundenen Fragen zur \u201easiatischen\u201c oder \u201efeudalen\u201c Pr\u00e4gung Russlands neu ver\u00f6ffentlicht, der im Buch von 2017 nicht weiter behandelt wurde. Zu diesem Teil des Buches gab es in der Vergangenheit Nachfragen und Bezugnahmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Text wird im Wesentlichen unver\u00e4ndert wiedergegeben, korrigierte Begrifflichkeiten bzw. \u00dcberleitungen sind in eckige Klammern gesetzt und so f\u00fcr den Leser kenntlich gemacht. Weiterhin wurden Zwischen\u00fcberschriften zur Gliederung des Textes eingef\u00fcgt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zwei Kapitel des Ursprungstextes wurden gek\u00fcrzt bzw. ganz gestrichen (\u201eEinige Bemerkungen zur weiteren Entwicklung des Moskauer Staates\u201c und \u201eDie Stalinsche Definition des Feudalismus\u201c), da sie entweder zu kursorisch oder weitgehend eine unn\u00f6tige Wiederholung von bereits behandelten Themen beinhalteten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Daf\u00fcr wurde ein Einschub aus meinem Artikel in den AzD Nr. 90 von Oktober 2019 aufgenommen und entsprechend kenntlich gemacht. Der Einschub wird dem deutlich \u00e4lteren Text von 1993 beigef\u00fcgt, um die dort offen gelassene Frage nach dem Ursprung der russischen Dorfgemeinde und die Positionen von Marx und Engels herauszuarbeiten. Zugleich macht dieser Einschub deutlich, dass die Herausbildung von Leibeigenschaft und Dorfgemeinde zeitlich sp\u00e4ter stattfand als in meinem Text von 1993 dargestellt. Zur Neuver\u00f6ffentlichung dieses drei\u00dfig Jahre alten Textes schien es mir sinnvoll, den Leser auf die M\u00e4ngel und Unzul\u00e4nglichkeiten des damaligen Textes gerade in der zentralen Frage \u2013 der russischen Dorfgemeinde und ihrer Entstehungsgeschichte \u2013 aufmerksam zu machen und auf den aktuelleren Forschungsstand hinzuweisen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><br \/>\nMeine Ausf\u00fchrungen in den AzD Nr. 90 st\u00fctzen sich dabei haupts\u00e4chlich auf die 2003 ver\u00f6ffentlichten Studien von Carsten Goerke zum \u201eRussischen Alltag\u201c in drei B\u00e4nden sowie Manfred Hildermeier, \u201eGeschichte Russlands\u201c, M\u00fcnchen 2013.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ebenso m\u00f6chte ich den an diesen Themen interessierten Leser auf eine weitere Ver\u00f6ffentlichung aus dem Jahr 2003 hinweisen:<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Michael Mitterauer, \u201eWarum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs\u201c, C.H. Beck, M\u00fcnchen 2003. Hier wird die Frage des europ\u00e4ischen Sonderwegs auch im interkulturellen Vergleich behandelt und deutlich umfassender als in meinem Text dargestellt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Alfred Schr\u00f6der<br \/>\nJuli 2022<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 18pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">I. Gorter, Pannekoek, Wittfogel und Dutschke &#8211; die &#8222;asiatische&#8220; Interpretation der russischen Revolution<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Selbst wenn man annehmen w\u00fcrde, dass es einer Handvoll von Revolution\u00e4ren gel\u00e4nge, dank einer besonderen Konstellation der Umst\u00e4nde die Macht infolge eines Staatsstreichs zu \u00fcbernehmen, so k\u00f6nnten sie doch angesichts der ungen\u00fcgenden Entwicklung des russischen Kapitalismus keine sozialistische Ordnung herbeif\u00fchren.&#8220; Das Ergebnis einer solchen Umw\u00e4lzung, schrieb Plechanow <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">prophetisch<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> in &#8222;Unsere Meinungsverschiedenheiten&#8220; (1885), w\u00e4re &#8218;&#8220;eine politische Missgeburt nach dem Muster des alten chinesischen oder persi\u00adschen Reichs, also ein Wiederaufguss des zaristischen Despotismus auf kom\u00admunistischer Grundlage.&#8220;<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Da die russische Oktoberrevolution g\u00e4nzlich andere Ergebnisse zeitigte als ihre politischen F\u00fchrer sie erhofft hatten, wurde sie unvermeidlich Zielscheibe von Kritiken im Geiste der zitierten &#8222;Prophetie&#8220; Plechanows. An die Stelle der europ\u00e4ischen Revolutionen, die die russische Erhebung h\u00e4tten &#8222;vollenden&#8220; sol\u00adlen, waren ja im 20. Jahrhundert die national- und sozialrevolution\u00e4ren Bewe\u00adgungen der &#8222;V\u00f6lker des Ostens&#8220; getreten. Geh\u00f6rte damit Russland und seine Revolution gar nicht zur Entwicklungsgeschichte des europ\u00e4ischen Kontinents, sondern vielmehr zu der Asiens? War die Geschichte Russlands wie auch sp\u00e4\u00adterhin die der Sowjetunion keineswegs durch die Orientierung an der europ\u00e4ischen Geschichte zu verstehen, sondern nur als eine spezifische Erscheinung der asiatischen Gesellschaftsstruktur und Geschichte zu erfassen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">War der europ\u00e4isch gepr\u00e4gte russische Marxismus &#8211; sicherlich von seinen Vertretern g\u00e4nzlich ungewollt, aber durch die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse bedingt &#8211; gezwungen, F\u00fchrer einer &#8222;asiatischen&#8220; Revolution zu werden, die auf dem Boden &#8222;asiatischer Produktionsverh\u00e4ltnisse&#8220; unvermeidlich zur Aufrichtung einer &#8222;asiatischen Despotie&#8220; f\u00fchren musste? Dieser Gedanke wurde wiederholt in die Debatte \u00fcber den Charakter der russischen Gesellschaft und die Entwicklung der Sowjetunion seit der Oktoberrevolution hineingetragen. Ihre theoretisch prominentesten Vertreter &#8211; zumindest im deutschsprachigen Raum &#8211; sind Karl A. Wittfogel und Rudi Dutschke. Vorl\u00e4ufer dieser Interpretation waren in der politischen Debatte die beiden &#8222;Linkskommunisten&#8220; der zwanziger Jahre, Gorter und Pannekoek. Im Folgenden sollen ihre jeweiligen Gedanken kurz vorgestellt werden, um anschlie\u00dfend die Realit\u00e4tstauglichkeit dieser Ans\u00e4tze an der russischen Geschichte zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gorter und Pannekoek<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zu Beginn der zwanziger Jahre, nach dem Ende des sog. &#8222;Kriegskommunismus&#8220;, der Zerschlagung des Kronst\u00e4dter Aufstands und der sich abzeichnenden Niederlage der westeurop\u00e4ischen Arbeiterbewegung bei ihrem revolution\u00e4ren Ansturm gegen die alten M\u00e4chte, formierte sich im euro\u00adp\u00e4ischen Marxismus eine linke Str\u00f6mung der Kritik am Bolschewismus. Einen interessanten Gedanken formulierte der holl\u00e4ndische R\u00e4tekommunist <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Herman <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gorter in seinem &#8222;Offenen Brief an den Genossen Lenin&#8220;:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Wenn man vom Osten Europas her nach Westen wandert, \u00fcberschreitet man an einer gewissen Stelle eine \u00f6konomische Grenze. Sie l\u00e4uft von der Ostsee zum Mittelmeer, ungef\u00e4hr von Danzig nach Venedig. Diese Linie scheidet zwei Welten voneinander. Denn westlich dieser Linie herrscht das Industrie-, Handels- und Finanzkapital, fast absolut (&#8230;) \u00d6stlich dieser Linie besteht weder diese riesige Entwicklung des konzentrierten Industrie-, Handels-, Transport- und Bankkapitals noch seine fast absolute Vorherrschaft, noch infolgedessen der festgef\u00fcgte moderne Staat. Es w\u00e4re ein Wunder, wenn die Taktik des revolution\u00e4ren Proletariats westlich dieser Linie dieselbe sein w\u00fcrde wie die im Osten.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gorters Schlussfolgerungen f\u00fcr die &#8222;Taktik&#8220; sollen uns im Folgenden nicht weiter interessieren. Der Ausgangspunkt seiner Argumentation, &#8222;die \u00f6konomische Grenze&#8220;, die Europa trennt und seinen Worten nach sogar &#8222;zwei Welten voneinander (scheidet)&#8220;, bleibt in seinem Text auf die obige Passage beschr\u00e4nkt. N\u00e4heres \u00fcber die Grundlagen dieser Spaltung erfahren wir bei seinem Kampfgef\u00e4hrten Pannekoek, der ihre Ursache in dem asiatischen Charakter Russlands ausmacht. &#8222;Russland ist nicht nur der \u00f6stliche Teil Europas, sondern &#8211; nicht nur geographisch, sondern auch \u00f6konomisch-politisch &#8211; in viel h\u00f6herem Ma\u00dfe der westliche Teil Asiens. Das alte Russland hatte mit Europa wenig gemeinsam; es war das am weitesten nach Westen liegende jener politisch-wirtschaftlichen Gebilde, die Marx als &#8222;Orientalische Despotien&#8220; bezeichnete und zu denen alle gro\u00dfen und alten Riesenreiche Asiens geh\u00f6rten. In ihnen erhob sich auf der Grundlage des Dorfkommunismus eines \u00fcberall nahezu gleichartigen Bauerntums eine unbeschr\u00e4nkte F\u00fcrsten- und Adelsmacht, die sich au\u00dferdem auf einen relativ geringen, aber wichtigen Handelsverkehr mit einfachem Handwerk st\u00fctzte.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Gorter konstatiert &#8222;zwei Welten&#8220; in Europa, ohne n\u00e4her auf ihre Geschichte und die Geschichte ihrer sozial\u00f6konomischen Struktur einzugehen. Warum gab es diese beiden unterschiedlichen Entwicklungen in Europa, die Gorter feststellt und die mit den Ereignissen des Jahres 1917 eine erneute Best\u00e4tigung erfahren hatten?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pannekoek verweist auf einen asiatischen Charakter Russlands in seiner sozia\u00adlen und politischen Struktur. Den Unterschied zwischen der \u00f6stlichen und der westlichen H\u00e4lfte des eurasischen Kontinents definiert er folgenderma\u00dfen: In den L\u00e4ndern Westeuropas &#8222;hat die alte b\u00fcrgerliche Produktionsweise und die damit zusammenh\u00e4ngende hochentwickelte b\u00fcrgerliche Kultur vieler Jahrhun\u00adderte dem Denken und F\u00fchlen der Volksmassen v\u00f6llig ihren Stempel aufge\u00adpr\u00e4gt. Dadurch ist der geistige und innere Charakter der Volksmassen hier ganz anders als in den \u00f6stlichen L\u00e4ndern, die diese Herrschaft b\u00fcrgerlicher Kultur nicht kannten. Und darin liegt vor allem der Unterschied in dem Verlauf der Revolution im Osten und im Westen. In England, Frankreich, Holland, Italien, Deutschland, Skandinavien lebte vom Mittelalter her ein kr\u00e4ftiges B\u00fcrgertum mit kleinb\u00fcrgerlicher und primitiv kapitalistischer Produktion; indem der Feudalismus zerschlagen wurde, wuchs auf dem Lande ein ebenso kr\u00e4ftiges, unabh\u00e4ngiges Bauerntum empor, das auch Meister in der eigenen kleinen Wirtschaft war. Auf diesem Boden entfaltete sich das b\u00fcrgerliche Geistesleben zu einer festen nationalen Kultur, vor allem in den K\u00fcstenstaaten England und Frankreich, die voran in der kapitalistischen Entwicklung schritten. Der Kapitalismus im 19. Jahrhundert hat mit der Unterwerfung der ganzen Wirtschaft unter seine Macht und mit der Hineinziehung der fernsten Bauernh\u00f6fe in seinen Kreis der Weltwirtschaft diese nationale Kultur gesteigert, verfeinert und mit seinen geistigen Propagandamitteln, Presse, Schule und Kirche, fest in die K\u00f6pfe der Massen eingeh\u00e4mmert. (&#8230;) Ganz anderes Material und andere Traditionen fand der Kapitalismus vor, als er in die \u00f6stlichen L\u00e4nder Europas eindrang. Hier, in Russland, Polen, Ungarn, auch in Ostelbien, war keine kr\u00e4ftige b\u00fcrgerliche Klasse, die von altersher das Geistesleben beherrschte; die primitiven Agrarverh\u00e4ltnisse mit Gro\u00dfgrundbesitz, patriarchalischem Feudalismus und Dorfkommunismus bestimmten das Geistesleben.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wir finden hier bereits fast den gesamten theoretischen Ansatz von der &#8222;ideologischen Hegemonie&#8220; A. Gramscis<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> vorweggenommen, der die europ\u00e4i\u00adsche kleinb\u00fcrgerliche Linke in den vergangenen 20 Jahren faszinierte und ihren \u00dcbergang zum Reformismus legitimieren sollte. Im Gegensatz zu Gramsci versuchte Pannekoek, seinen Gedanken auch materialistisch zu begr\u00fcnden. Im Westen Europas fu\u00dfe die &#8222;ideologische Hegemonie&#8220; der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bourgeoisie <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">auf der entwickelten kapitalistischen Produktionsweise, <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">die insbesondere die Agrarverh\u00e4ltnisse umgestaltet habe<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, w\u00e4hrend dieselben im Osten &#8222;primitiv&#8220;, vom &#8222;patriarchalischem Feudalismus und Dorfkommunismus&#8220; bestimmt gewesen seien. Dementsprechend schwach sei dort auch die &#8222;ideologische Hegemonie&#8220; der Bourgeoisie, dementsprechend leicht die &#8222;ideologische Hegemonie&#8220; f\u00fcr das Proletariat zu erringen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">So interessant und mit der Oberfl\u00e4che des gesellschaftlichen und politischen Lebens durchaus \u00fcbereinstimmend Pannekoeks Ansatz erscheint, so ist er doch theoretisch unbefriedigend. In ein und derselben Arbeit bezeichnet er die Verh\u00e4ltnisse in Russland einmal als &#8222;asiatisch&#8220;, Russland als &#8222;asiatische Despotie&#8220;; ein andermal kennzeichnet er sie als &#8222;patriarchalische(n) Feudalismus&#8220;, ohne diese Wirtschafts- bzw. Herrschaftsform n\u00e4her zu bestimmen. Ursache dieser theoretischen Oberfl\u00e4chlichkeit ist das gemeinsame Anliegen Gorters und Pannekoeks, ihre taktischen Schlussfolgerungen f\u00fcr den politischen Tageskampf theoretisch zu legitimieren. Ein weitergehendes theoretisches Interesse an der Frage der europ\u00e4ischen, russischen oder asiatischen Gesellschaftsstruktur lag bei beiden Autoren nicht vor. Beide, Gorter wie Pannekoek, vertieften ihren zitierten theoretischen Ansatz daher auch nicht weiter, da &#8211; in einer Zeit revolution\u00e4rer Massenk\u00e4mpfe &#8211; ihr Interesse verst\u00e4ndlicherweise hauptseitig den Fragen der Taktik und nicht der marxistischen Theorie galt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Wittfogel und die asiatische Produktionsweise<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was Gorter und Pannekoek nur konstatierten, versuchte Karl A. Wittfogel theo\u00adretisch zu begr\u00fcnden. Wittfogel und sp\u00e4ter in seinem Gefolge Rudi Dutschke brachte mit dem Gedanken einer &#8222;asiatischen Produktionsweise&#8220; und der &#8222;asiatischen Despotie&#8220; das Problem einer andersgearteten russischen Gesell\u00adschaft zur\u00fcck in die theoretische Debatte. Wittfogel hatte die sog. &#8222;hydraulischen Gesellschaften&#8220; n\u00e4her untersucht, in denen der Staat direkt aus der Stammesgesellschaft hervorw\u00e4chst und eine unabdingbare Notwendigkeit der Produktion (Wasserregulierung etc.) darstellt. In Russland war &#8211; wie wir noch sehen werden &#8211; die Staatsbildung keine Voraussetzung der agrarischen Produktion, ebenso wenig wie der Staat direkt aus der Stammesgesellschaft hervorwuchs. Wittfogel selbst rechnet daher den ersten russischen Staat, den &#8222;Kiewer Rus&#8220; (etwa 880 bis 1169), zur &#8222;fr\u00fchfeudalen und feudalen Welt Europas.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Trotzdem sucht er sein Modell der &#8222;hydraulischen Gesellschaften&#8220; der gro\u00dfen Flusskulturen, auf Russland zu \u00fcbertragen. Ansatzpunkt hierf\u00fcr bietet ihm die 240j\u00e4hrige Mongolenherrschaft (1240 bis 1480) nach dem Untergang des &#8222;Kiewer Rus&#8220;. Sie habe den asiatischen Despotismus und die &#8222;agrarmanageriale Gesellschaft&#8220; &#8211; bei Wittfogel nur ein anderer Ausdruck f\u00fcr seine &#8222;hydraulische Gesellschaft&#8220; &#8211; auch in Russland eingef\u00fchrt. So sei in Russland die asiatische Despotie <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">ohne die nat\u00fcrlichen Voraussetzungen<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> der hydraulischen Gesellschaften entstanden. In Wittfogels Worten: &#8222;Alle historisch bedeutsamen Agrardespotien, die keine hydraulischen Funktionen erf\u00fcllen, scheinen von hydraulischen Gesellschaften ihren Ausgang genommen zu haben. (&#8230;) In diesem Falle verwenden und \u00fcbertragen die Eroberer organisatorische und fiskalische Methoden der hydraulischen Staatskunst, obwohl sie selbst kaum Landwirtschaft treiben &#8211; nicht einmal in hydraulischer Form. Als Nomaden k\u00f6nnen sie unter Umst\u00e4nden diese Methoden auf Gebiete \u00fcbertragen, die von den politischen und kulturellen Grenzen der n\u00e4chsten gr\u00f6\u00dferen hydraulischen Zone weit entfernt sind. In der Eroberung Russlands durch die Mongolen geschah beides.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Mongolen werden so bei Wittfogel zu Begr\u00fcndern einer neuen Staats- und Gesellschaftsordnung in Russland, der &#8222;marginal-agrarmanagerialen Gesell\u00adschaft&#8220;. Dieses neue Wortunget\u00fcm bedeutet einzig, dass in Russland weder die nat\u00fcrlichen noch die gesellschaftlichen Voraussetzungen der &#8222;hydraulischen Gesellschaften&#8220; anzutreffen waren, die Entstehung eines vergleichbaren Gesellschafts- und Staatstypus aber der Randlage (marginal) zu eben jenen &#8222;hydraulischen Kulturen&#8220; geschuldet war, wobei die besagten Mongolen die Vermittlerrolle spielten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wittfogels Argumentation fehlt eine n\u00e4here Besch\u00e4ftigung mit den konkreten Fakten der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung Russlands. Seine These, dass Russland sich von einer feudalen Gesellschaft europ\u00e4ischen Typs (zwischen 900 und 1200) zu einer asiatischen Gesellschaft vermutlich chinesi\u00adschen Typs (von 1240 bis 1989) entwickelte, ist zweifelsfrei originell, stimmt aber, wie wir im Weiteren noch sehen werden, mit den Fakten der russischen Geschichte nicht \u00fcberein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Rudi Dutschke und der \u201easiatische Feudalismus und -Kapitalismus\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend Wittfogel wenigstens die sog. &#8222;hydraulischen Gesellschaften&#8220; unter\u00adsucht hatte und seine Ergebnisse m.E. unzul\u00e4ssig auf <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">die von ihm nicht unter\u00adsuchten russischen Verh\u00e4ltnisse<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> \u00fcbertrug, versuchte Rudi Dutschke, die Klassiker des Marxismus im Lichte der Wittfogelschen Analysen zu interpretieren. Ausgangspunkt hierf\u00fcr bildete ihm die Marxsche Schrift &#8222;Die Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts&#8220;,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> die in den osteurop\u00e4ischen Werkausgaben von Marx und Engels nicht enthalten ist. Marx schreibt hier: &#8222;Im blutigen Schlamme mongolischer Sklaverei, nicht in der rohen Pracht der Normannenzeit, steht die Wiege Moskaus, und das moderne Russland ist nichts anderes als eine Umgestaltung Moskaus.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Von dieser mit Marxscher Autorit\u00e4t fundierten mongolischen Gr\u00fcndung des modernen Russlands leitet Dutschke im Kontext von Wittfogel die asiatische Pr\u00e4gung der russischen Wirtschafts- und Staatsverh\u00e4ltnisse her.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das Fehlen der <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">entscheidenden<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Faktoren der asiatischen (hydraulischen) Gesellschaften in Russland versuchte Dutschke durch die Einf\u00fchrung zweier neuer Begriffe zu l\u00f6sen. An die Stelle der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>asiatischen Produktionsweise<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> tritt bei Dutschke die <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>halbasiatische<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, in Form des &#8222;asiatischen Feudalismus&#8220; und des &#8222;asiatischen Kapitalismus&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der sozial\u00f6konomische Inhalt jener neu aufgefun\u00addenen Gesellschaftsformationen (asiatischer Feudalismus, asiatischer Kapita\u00adlismus) bleibt dabei weitgehend im Dunkeln. \u00dcber die Besch\u00e4ftigung mit den Werken von Marx, Engels und Lenin hinaus hat sich auch Dutschke keineswegs die Aufgabe gestellt, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse Russlands in einem konkreten Vergleich zu den Verh\u00e4ltnissen im Westen Europas zu untersuchen. Dutschke beabsichtigte, aus dem &#8222;halbasiatischen&#8220; Charakter Russlands die seines Erachtens fehlerhafte Leninsche Parteitheorie zu erkl\u00e4ren, die f\u00fcr ihn die Quelle aller Fehlentwicklungen im revolution\u00e4ren Marxismus bildete. Dieser ideologisch eingeengte Ansatz Dutschkes und seine Beschr\u00e4nkung auf eine Interpretation verschiedener Textstellen von Marx und Lenin machen seine Arbeit f\u00fcr die Bestimmung des konkreten Charakters der russischen Verh\u00e4ltnisse weitgehend wertlos.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dutschkes Versuch, die Auffassung von Marx und Engels zu den gesellschaftli\u00adchen und politischen Verh\u00e4ltnissen in Russland zu rekonstruieren, f\u00fchrte ihn aber zu der interessanten Feststellung: &#8222;Beide konnten sich in letzter Konsequenz die Kategorie des Kapitalismus und der kapitalistischen Produktionsweise wie auch den Begriff des Feudalismus nur unter westeurop\u00e4ischen Verh\u00e4ltnissen vorstellen.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Warum Marx wie auch Engels sich den Feudalismus und die kapitalistische Produktionsweise nur unter den westeurop\u00e4ischen Verh\u00e4ltnissen &#8222;vorstellen&#8220; konnten, wie Dutschke es formuliert, diese Frage verfolgt er nicht weiter. Hier aber w\u00e4re ein erster Ansatz f\u00fcr eine L\u00f6sung der Frage nach dem Charakter der russischen Gesellschaftsordnung zu finden gewesen. Dutschke aber begn\u00fcgt sich mit jenen von ihm selbst nicht n\u00e4her spezifizierten Begriffsneusch\u00f6pfungen des &#8222;asiatischen Feudalismus&#8220; und des &#8222;asiatischen Kapitalismus&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aufgrund ihrer mangelnden Besch\u00e4ftigung mit den wirklichen \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen Russlands k\u00f6nnen weder Wittfogels noch Dutschkes Arbeiten die Frage des Charakters der russischen Gesellschaftsfor\u00admation befriedigend kl\u00e4ren. Ihr Verdienst besteht darin, den Blick erneut auf eine m\u00f6glicherweise andere \u00f6konomische und gesellschaftliche Entwicklung Russlands als Westeuropas gelenkt zu haben. Weiterhin trugen sie dazu bei, an die Auffassungen von Marx und Engels \u00fcber die Unterschiedlichkeit der \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Entwicklung Westeuropas gegen\u00fcber dem Rest der Welt zu erinnern, die der offizielle Marxismus der osteurop\u00e4ischen und asiatischen Staatenwelt weitgehend ignorierte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die sowjetische Geschichtsschreibung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Welche Gesellschaftsformation ist nun bestimmend f\u00fcr das vorrevolution\u00e4re Russland? Die offizielle sowjetische Geschichtsschreibung l\u00e4sst hier keinen Zweifel aufkommen. So lesen wir in einem popul\u00e4ren Dreiteiler &#8222;Geschichte der UdSSR&#8220;: &#8222;Die f\u00fcr die feudalen Verh\u00e4ltnisse charakteristischen gemeinsamen Z\u00fcge im Leben der V\u00f6lker, die das heutige Gebiet der UdSSR besiedelten, zeichneten sich mehr oder weniger deutlich gegen Mitte, besonders aber gegen Ende des 1. Jahrtausends ab. Transkaukasien und Mittelasien, die mit den Weltzentren der Sklavenhaltergesellschaft des antiken Europas und des Orients am engsten verbunden waren, gingen als erste, im 4. \u2013 6. Jh., zur Feudalordnung \u00fcber. Der altrussische Feudalstaat bildete sich sp\u00e4ter heraus &#8211; in der zweiten H\u00e4lfte des 1. Jahrtausends u. Z., d.h. ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit wie die westeurop\u00e4ischen Feudalstaaten.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dieses Geschichtsbuch legt uns somit nahe, dass die russische Geschichte am Ende des Altertums mit der westeurop\u00e4ischen Geschichte weitgehend parallel verlief. Ebenso wie im Westen des eurasischen Kontinents habe sich auch in Russland im 10. Jahrhundert eine feudale Gesellschaftsordnung herausgebildet. Hier wird &#8211; ganz in \u00dcbereinstimmung mit dem Marxismus-Kritiker Wittfogel &#8211; der &#8222;Kiewer Rus&#8220; als feudale Staatsgr\u00fcndung begriffen. Ein Zur\u00fcckbleiben Russlands hinter der Entwicklungsgeschwindigkeit des Westens wird dem 250j\u00e4hrigen Tatarenjoch angelastet. Deshalb bilde sich in Russland erst versp\u00e4tet, im 19. Jahrhundert, die kapitalistische Produktionsweise als vorherrschende heraus. Die Bauernbefreiung des Jahres 1861 wird zumeist als entscheidendes Datum angef\u00fchrt. Auch an dieser Stelle finden wir eine \u00dcbereinstimmung in der Argumentation &#8211; diesmal nicht mit Wittfogel, sondern mit Dutschke, f\u00fcr den das Jahr 1861 ebenfalls das Jahr des Umschwungs vom &#8222;asiatischen Feudalismus&#8220; zum &#8222;asiatischen Kapitalismus&#8220; darstellte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die hier kurz skizzierte Entwicklungsgeschichte Russlands ist mit gewissen Abweichungen Gemeingut fast aller marxistischen Str\u00f6mungen. Erst seit einiger Zeit, bedingt durch den Zerfall der Sowjetunion, entwickelt sich eine neue Debatte \u00fcber den Charakter der russischen Gesellschaft vor der Oktober\u00adrevolution. Wesentliche neue Gedanken sind bisher in dieser Debatte nicht auszumachen.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Letztlich reduziert sich die Besonderheit Russlands in der bisherigen marxisti\u00adschen Sicht auf jene durch das Tatarenjoch bedingte <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Verlangsamung<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> der gesellschaftlichen Entwicklung. Diese Auffassung h\u00e4lt aber weder den gesellschaftlichen noch den politischen Tatbest\u00e4nden der russischen Geschichte stand. Weder war die normannische Staatsgr\u00fcndung des &#8222;Kiewer Rus&#8220; feudal, noch kann man den Begriff der Feudalit\u00e4t umstandslos auf die zweite Staats\u00adgr\u00fcndung, den Aufstieg Moskaus zur vorherrschenden Macht in Russland, anwenden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenn aber weder im ersten Jahrtausend, noch am Ausgang des Mittelalters (um 1500) in Russland eine feudale Gesellschaft bestand, dann muss zweifelsfrei f\u00fcr Russland von einem anderen als dem westeurop\u00e4ischen Entwicklungsweg ausgegangen werden. Diese Problemstellung gilt es im Folgenden zu untersuchen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der &#8222;Kiewer Rus&#8220; &#8211; ein Feudalstaat?<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wir hatten weiter oben geschrieben, dass in der Antwort auf die Frage, weshalb Marx wie Engels die Feudalit\u00e4t als etwas spezifisch Westeurop\u00e4isches begriffen haben, &#8222;ein erster Ansatz f\u00fcr eine L\u00f6sung des Problems nach dem Charakter der russischen Gesellschaftsordnung zu finden gewesen&#8220; sei. Dies gilt es nun n\u00e4her darzulegen und dabei zu entwickeln, warum die Begr\u00fcnder des wissenschaftlichen Sozialismus die feudale Gesellschaftsordnung als westeurop\u00e4isches Ph\u00e4nomen begriffen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx definierte die Entstehung der Feudalit\u00e4t als einen spezifisch <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">westeurop\u00e4i\u00adschen<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Prozess, als er in dem Zusammentreffen von germanischer Heeresverfassung mit r\u00f6mischer Agrarkultur ihre eigentliche Geburtsstunde sah. &#8222;Die Feudalit\u00e4t&#8220;, schrieb Marx, &#8222;war keineswegs aus Deutschland fertig mitgebracht, sondern sie hatte ihren Ursprung von Seiten der Eroberer in der kriegerischen Organisation des Heerwesens w\u00e4hrend der Eroberung selbst, und diese entwickelte sich nach derselben durch die Einwirkung der in den eroberten L\u00e4ndern vorgefundenen Produktivkr\u00e4fte erst zur eigentlichen Feudalit\u00e4t. Wie sehr diese Form durch die Produktivkr\u00e4fte bedingt war, zeigen die gescheiterten Versuche, andre aus altr\u00f6mischen Reminiszenzen entspringende Formen durchzusetzen.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In derselben Arbeit entwickelt Marx diesen Gedanken an anderer Stelle noch etwas ausf\u00fchrlicher. Auch diese Passage wollen wir im Folgenden zusammen\u00adh\u00e4ngend anf\u00fchren, da der offizielle osteurop\u00e4ische Marxismus mit dieser Argu\u00admentation Marxens &#8222;auf Kriegsfu\u00df&#8220; steht: &#8222;Wenn das Altertum von der <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Stadt <\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">und ihrem kleinen Gebiet ausging, so ging das Mittelalter vom <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lande<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> aus. Die Vorgefundene d\u00fcnne, \u00fcber eine gro\u00dfe Bodenfl\u00e4che zersplitterte Bev\u00f6lkerung, die durch die Eroberer keinen gro\u00dfen Zuwachs erhielt, bedingte diesen ver\u00e4nderten Ausgangspunkt. Im Gegensatz zu Griechenland und Rom beginnt die feudale Entwicklung daher auf einem viel ausgedehnteren, durch die r\u00f6mischen Eroberungen und die anfangs damit verkn\u00fcpfte Ausbreitung der Agrikultur vorbereiteten Terrain. Die letzten Jahrhunderte des verfallenden r\u00f6mischen Reichs und die Eroberung durch die Barbaren selbst zerst\u00f6rten eine Masse von Produktivkr\u00e4ften; der Ackerbau war gesunken, die Industrie aus Mangel an Absatz verfallen, der Handel eingeschlafen oder gewaltsam unterbrochen, die l\u00e4ndliche und st\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung hatte abgenommen. Diese vorgefundenen Verh\u00e4ltnisse und die dadurch bedingte Weise der Organisation der Eroberung entwickelten unter dem Einflusse<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">der germanischen Heerverfassung das feudale Eigentum. Es beruht, wie das Stamm- und Gemeindeeigentum wieder auf einem Gemeinwesen, dem aber nicht wie dem antiken die Sklaven, sondern die leibeigenen kleinen Bauern als unmittelbar produzierende Klasse gegen\u00fcberstehen. Zugleich mit der vollst\u00e4ndigen Ausbildung des Feudalismus tritt noch der Gegensatz gegen die St\u00e4dte hinzu. Die hierarchische Gliederung des Grundbesitzes und die damit zusammenh\u00e4ngenden bewaffneten Gefolgschaften gaben dem Adel die Macht \u00fcber die Leibeignen.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">War das Altertum gepr\u00e4gt von seinen bedeutenden St\u00e4dten, die zugleich Zentren des Handels, der Produktion und des politischen Lebens waren, geht f\u00fcr Marx das europ\u00e4ische Mittelalter &#8222;vom Lande aus&#8220;. Damit wurden Ackerbau und Viehzucht sowie das Grundeigentum die Angelpunkte sowohl f\u00fcr die Produktion als auch f\u00fcr das politisch-milit\u00e4rische Leben. Die &#8222;industrielle&#8220; Produktion des Altertums verfiel mit den St\u00e4dten, ebenso der Handel, der sich auf \u00dcberreste des Fernhandels reduzierte. Der Bauer betrieb Subsistenz\u00adwirtschaft. Weder hatte er eine nahegelegene Stadt zu versorgen, noch lieferte eine Stadt ihm G\u00fcter f\u00fcr den eigenen Bedarf.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das politisch-milit\u00e4rische Leben der Gesellschaft &#8211; im Altertum st\u00e4dtisch organisiert &#8211; verlagerte sich nun auf das Land, wurde an den Grundbesitz gebunden. Diese Entwicklung vollzog sich &#8211; im Gegensatz zum Altertum &#8211; &#8222;auf einem viel ausgedehnteren (&#8230;) Terrain&#8220;, welches durch die Verbreitung der r\u00f6mischen Agrikultur &#8222;vorbereitet&#8220; war. Auf diesem Terrain siedelte der erobernde germanische Bauer neben r\u00f6mischen Kolonen. Beide waren sesshaft und betrieben eine individuelle Wirtschaft mit unterschiedlichen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen zum jeweiligen Grundherrn.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die germanische Heeresverfassung, die nach Marx neben den \u201evorgefundenen Verh\u00e4ltnissen&#8220; die Herausbildung des feudalen Eigentums begr\u00fcndete, kannte das Volksaufgebot (den Heerbann) und die Gefolgschaft des F\u00fcrsten. Mit der Sesshaftwerdung des germanischen Bauern verfiel der Heerbann und reduzierte sich das milit\u00e4rische Aufgebot auf die f\u00fcrstlichen Gefolgschaften sowie die neu entstandenen Gro\u00dfgrundbesitzer und ihre Dienstleute. In einer reinen Agrargesellschaft konnte nur der weitgehend arbeitsfreie Landbesitz die \u00f6konomische Grundlage des Heerwesens bilden. Die ehemaligen Gefolg\u00adschaften wurden f\u00fcr ihren Kriegsdienst mit Land &#8222;belehnt&#8220;, der ehemals freie germanische Bauer zu Abgaben und Arbeiten f\u00fcr den Kriegerstand verpflichtet.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Mit dem Niedergang des Heerbanns begann daher auch der Verfall der b\u00e4uerlichen Freiheiten bis hin zu Formen der Leibeigenschaft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Als weitere Besonderheit der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t f\u00fchrt Marx die Herausbil\u00addung der mittelalterlichen Stadt an. &#8222;Zugleich mit der vollst\u00e4ndigen Ausbildung des Feudalismus tritt noch der Gegensatz gegen die St\u00e4dte hinzu.&#8220; W\u00e4hrend im Altertum die Stadt das gesellschaftliche und politische Zentrum des umliegenden Landes darstellte, somit zum Lande hin offen war, stand die mittelalterliche europ\u00e4ische Stadt dem Lande abgeschlossen, mit Mauern und eigenem Recht gegen\u00fcber.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Da die Feudalit\u00e4t vom Lande ausging, bildete die Stadt einen Fremdk\u00f6rper in dieser Gesellschaft. Allerdings gewann die europ\u00e4ische Stadt jene Bedeutung, die sie in einen offenen Gegensatz zur feudalen Gesellschaft bringen sollte, erst mit der &#8222;vollst\u00e4ndigen Ausbildung des Feudalismus&#8220;. Aber nur im mittelalterlichen Europa bildete die Stadt einen Gegensatz zu der sie umgebenden politischen und gesellschaftlichen Ordnung, bildete sie einen eigenen Rechts- und Herrschaftsraum aus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Betrachten wir nun die russischen Verh\u00e4ltnisse im 8. und 9. Jahrhundert, um zu einer Antwort auf die Frage zu gelangen, inwieweit eine Herausbildung feudaler Verh\u00e4ltnisse dort zu diesem Zeitpunkt m\u00f6glich war. Wir werden dabei sehen, dass der in den beiden Marxzitaten beschriebene Prozess, der zur Herausbildung der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t f\u00fchrte, sich in Russland so gar nicht vollziehen konnte, da sowohl die nat\u00fcrlichen wie die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse von grundlegend anderer Art waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Normannen, die im 9. Jahrhundert ihren Eroberungszug in Russland begannen, trafen auf keinen durch die antike Welt gepr\u00e4gten Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte, wie ihn die Germanen im R\u00f6mischen Reich vorfanden. Roger Portal schreibt dazu: &#8222;Man ist sich heute darin einig, dass schon im 8. Jahrhundert die slawischen Gemeinwesen Osteuropas agrarischen Charakter hatten, wobei betont werden muss, dass der Ackerbau im S\u00fcden von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung war. Der Ackerbau als Grundlage aller T\u00e4tigkeit pr\u00e4gte das Gesicht dieser Gesellschaft. Imkerei, Fischerei oder Jagd (speziell auf Pelztiere) waren selten ausschlie\u00dfliche <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Quelle des <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Unterhalts, sondern im allgemeinen zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte, sie begr\u00fcndeten sogar Reichtum und bis zu einem gewissen Grad auch soziale Unterschiede. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Ackerbau blieb dagegen primitiv, auf der Stufe der Brandrodung, die eine Art Nomadentum mit Feldbau mit sich brachte<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (&#8230;) &#8222;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Derselben Auffassung \u00fcber den Entwicklungsstand der russischen Agrikultur zur Entstehungszeit des &#8222;Kiewer Rus&#8220; ist Richard <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">der auch die &#8222;Waldbrandwirtschaft&#8220; als grundlegende Methode der Bodenbearbeitung anf\u00fchrt.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Beide Autoren sehen diese Form der Agrikultur bis zum 15. bzw. 16. Jahrhundert als die in Russland vorherrschende Form; in abgelegeneren Regio\u00adnen sei sie bis ins 19. Jahrhundert anzutreffen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Auch die nat\u00fcrlichen Bedingungen der agrarischen Produktion unterscheiden sich in Russland grundlegend von denen Westeuropas. &#8222;Als erstes Faktum ist festzuhalten, dass die geographischen Bedingungen in Russland der <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">individuel\u00adlen<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> landwirtschaftlichen Bet\u00e4tigung ung\u00fcnstig sind. Es scheint eine allgemeine Regel zu geben, die besagt, dass n\u00f6rdliches Klima kollektiver landwirtschaftlicher Arbeit zutr\u00e4glich ist. (&#8230;) Dass dies so ist, hat viele Gr\u00fcnde, die aber letzten Endes alle mit der K\u00fcrze der landwirtschaftlich nutzbaren Zeit zusammenh\u00e4ngen. (&#8230;) Der unab\u00e4nderliche Umstand, dass in Russland alle Feldarbeit innerhalb von vier bis sechs Monaten getan werden muss, verlangt gro\u00dfe Arbeitsintensit\u00e4t und bewirkt die gemeinsame Nutzung menschlicher, tierischer und materieller Hilfskr\u00e4fte. Ein einzelner russischer Bauer, der mit seiner Frau, seinen minderj\u00e4hrigen Kindern und ein paar Pferden seinen Grund bewirtschaftet, kann es angesichts der klimatischen Bedingungen in der Waldzone einfach zu nichts bringen; er braucht die Hilfe seiner verheirateten Kinder und seiner Nachbarn. In der s\u00fcdlichen Zone Russlands wird der Druck, gemeinschaftlich zu arbeiten, etwas geringer; das erkl\u00e4rt, warum vor der Revolution die meisten Einzelgeh\u00f6fte (chutora) sich in der Ukraine und im Kosakenland fanden. Der kollektive Charakter der Bodenbewirtschaftung in Russland beeinflusste die Struktur der b\u00e4uerlichen Familie und des Dorfes.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der durch den Untergang des r\u00f6mischen Reiches vorgefundene Entwicklungs\u00adstand der Produktivkr\u00e4fte wie auch die klimatischen Bedingungen erm\u00f6glichten in Westeuropa die Herausbildung eines <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">individuell<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> wirtschaftenden Bauernstandes, der um die Jahrtausendwende bereits seit mehreren Jahrhunderten <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">sesshaft<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> war und eine Mehrfelderwirtschaft im Wesentlichen auf dem Boden der <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kleinfamilie<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> betrieb. Diesem &#8222;westeurop\u00e4ischen Bauern&#8220;, so unterschiedlich sein Entwicklungstand in den verschiedenen Regionen Westeuropas war, stand zu dieser Zeit ein noch immer der Brandrodung und dem Nomadentum verhafteter russischer Bauer gegen\u00fcber, dessen Produktionsbedingungen ihn an die Sippe bzw. sp\u00e4ter die Gro\u00dffamilie und die Dorfgemeinde banden. Seine Produktionsweise und seine Produktionsinstrumente (Hacke, sp\u00e4terhin der &#8222;Socha&#8220;, eine Art primitiver Hakenpflug &#8222;der das Erdreich nur aufsch\u00fcrfte, statt es umzupfl\u00fcgen&#8220;)<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> entsprachen dem Stand der germanischen St\u00e4mme zur Zeit C\u00e4sars und <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Tacitus,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"en-US\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\">25<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">nicht aber dem der westeurop\u00e4ischen Bauern zur Zeit Karls des Gro\u00dfen (768 &#8211; 814) oder der s\u00e4chsischen K\u00f6nige (916 &#8211; 1024).<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\">26<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Produktionsweise und Produktivkr\u00e4fte der russischen Bauerngemeinden zur Zeit des &#8222;Kiewer Rus&#8220; weisen Parallelen mit der Zeit der sich aufl\u00f6senden germanischen Stammesgesellschaften auf, nicht aber mit der sich nach der V\u00f6lkerwanderung in Westeuropa etablierenden Feudalordnung. Diese Form der landwirtschaftlichen Produktion ist in Russland bis ins 16. Jahrhundert vorherrschend geblieben; die Produktionsinstrumente \u00e4nderten sich nicht und speziell der Socha blieb &#8222;bis weit ins 19. Jahrhundert das Grundwerkzeug des russischen Bauern&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der Entwicklung, die die agrarische Produktion im Westen Europas im Zeitalter der Feudalit\u00e4t erf\u00e4hrt, steht die fast vollst\u00e4ndige Stagnation der russischen agrarischen Wirtschaftsweise bis ins 16. Jahrhundert gegen\u00fcber.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Das \u201eReich der St\u00e4dte\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der sesshafte, mit seiner Familie individuell wirtschaftende Bauernstand bildet die Grundlage der europ\u00e4ischen Feudalgesellschaft. Das Verh\u00e4ltnis Bauer\/Grundherr ist konstitutiv f\u00fcr die Feudalgesellschaft. Insofern spricht Marx mit Recht davon, dass die Feudalit\u00e4t im Gegensatz zum Altertum vom Lande ausgeht. Die Staatsgr\u00fcndung des &#8222;Kiewer Rus&#8220; ging allerdings nicht vom Lande aus, sondern wie im Altertum von den St\u00e4dten, konkret von jenen russischen Handelsst\u00e4dten, die entlang einer Fernhandelsstra\u00dfe Byzanz mit der Ostsee verbanden. Der Eroberungszug der Normannen bewegte sich von Norden nach S\u00fcden genau entlang dieser Handelsstra\u00dfe. &#8222;Derselbe magische Zauber, der andere nordische Barbaren zu dem Rom des Westens zog, zog die Wareger nach dem Rom des Ostens. Gerade die fortw\u00e4hrende Verlegung der russischen Hauptstadt &#8211; Rurik legte sie nach <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Novgorod, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Oleg <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">zur\u00fcck nach Kiew, und Svjatoslav sucht sie in Bulgarien zu errichten &#8211; beweist zweifellos, dass die Invasoren ihren Weg erst suchten und Russland nur als Durchgangsstation betrachteten, von der aus sie nach einem Reich im S\u00fcden auf die Suche gehen wollten.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\">28<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Grundlage der normannischen Herrschaft war die Oberhoheit \u00fcber diese St\u00e4dte. So spricht V. Gittermann in seiner dreib\u00e4ndigen &#8222;Geschichte Ru\u00dflands&#8220; auch bezeichnenderweise vom &#8222;Kiewer Rus&#8220; als &#8222;Reich der St\u00e4dte&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\">29<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Aufstieg und Fall dieses Reiches hingen engstens mit der Entwicklung der Handelsverbindung nach Byzanz zusammen. Als Byzanz w\u00e4hrend des vierten Kreuzzugs (1203\/04) erobert wurde, f\u00fchrte dies zu einem drastischen R\u00fcckgang des russischen Handels. &#8222;Kiew verlor seinen Glanz und begann zu verfallen&#8220;, beschreibt Gittermann<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\">30<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> die R\u00fcckwirkungen der Kreuzz\u00fcge auf den russischen Handel mit Byzanz. Diese f\u00fcr einen Feudalstaat v\u00f6llig untypische Entwicklung ist ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass der normannische Staat des &#8222;Kiewer Rus&#8220; keine feudale Grundlage besa\u00df, sondern dass der Kern dieses Gemeinwesens die Herrschaft \u00fcber eine Handelsstra\u00dfe war.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\">31<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Mit der Unterbrechung der Handelsstra\u00dfe zerfiel der Staat des &#8222;Kiewer Rus\u201c. Die nachfolgende Eroberung durch die Mongolen traf nur noch auf \u00dcberreste des &#8222;Reiches der St\u00e4dte&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die europ\u00e4ische Feudalit\u00e4t dagegen begann ihren Siegeszug auf den Ruinen der St\u00e4dte des Altertums, und am Ausgang des europ\u00e4ischen Mittelalters steht die Brechung der eigenst\u00e4ndigen politischen Macht und Bedeutung der euro\u00adp\u00e4ischen St\u00e4dte durch den Aufstieg der modernen Nationalstaaten. Ganz anders die Entwicklung in Russland. Hier bildeten die Fernhandelsst\u00e4dte die Grundlage der ersten Staatsbildung. Das Ende der alten Fernhandelsstra\u00dfe Ostsee &#8211; Byzanz lie\u00df die Bedeutung der russischen St\u00e4dte schwinden und leitete damit auch den Niedergang des Kiewer Staates ein. Die mongolische Eroberung trug mit dazu bei, die wirkliche Ursache des Niedergangs der ersten Staatsgr\u00fcndung auf russischem Boden zu verschleiern.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Das \u201eReich der D\u00f6rfer\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das Ende des &#8222;Kiewer Rus&#8220; war auch das Ende des &#8222;Reiches der St\u00e4dte&#8220;. Es begann eine neue Etappe der russischen Geschichte, das &#8222;Reich der D\u00f6rfer&#8220;. Gitterman beschreibt diese Entwicklung wie folgt: &#8222;Jetzt rodete man vor allem den Wald und widmete sich einer mit primitiven Mitteln betriebenen Landwirt\u00adschaft. Zur selben Zeit, da in Florenz und Venedig, in Paris und Lyon, in Augs\u00adburg und K\u00f6ln Handwerkerz\u00fcnfte und Kaufmannsgilden die Entwicklung West\u00adeuropas ma\u00dfgeblich zu beeinflussen begannen, wurde das altrussische Reich der St\u00e4dte durch ein Reich der D\u00f6rfer abgel\u00f6st, das russische Volk somit, nach einer kurzen Bl\u00fcte der Geldwirtschaft, auf die tiefere Stufe der Naturalwirtschaft zur\u00fcckversetzt.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dieses &#8222;Reich der D\u00f6rfer&#8220; entsprach aber dem tats\u00e4chlichen Entwicklungsstand der russischen Gesellschaft. Sie war agrarisch und naturalwirtschaftlich gepr\u00e4gt. Die Geldwirtschaft des &#8222;Kiewer Rus&#8220; war ein durch den Fernhandel gepr\u00e4gter Fremdk\u00f6rper jenseits der slawischen Ackerbaugemeinden, die ihren Tribut in Form von &#8222;Getreide, Pelze(n), Honig, Wachs&#8220; abzuliefern hatten. Die Naturalwirtschaft war auch im &#8222;Kiewer Rus&#8220; die &#8222;vorherrschende Wirtschaftsform&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a><\/span><\/span> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das &#8222;russische Volk&#8220; wurde somit nicht &#8211; wie Gittermann beschreibt &#8211; &#8222;auf die tiefere Stufe der Naturalwirtschaft zur\u00fcckversetzt&#8220;; es hatte auch zur Zeit des &#8222;Kiewer Rus&#8220; mit der Geldwirtschaft, die sich auf den Fernhandel und einzelne St\u00e4dte beschr\u00e4nkte, nichts zu schaffen gehabt. Die russische Gesellschaft und ihre Staatlichkeit waren mit dem Zerfall des &#8222;Kiewer Rus&#8220; zu ihren nat\u00fcrlichen Grundlagen zur\u00fcckgekehrt: agrarische Subsistenzwirtschaft auf gro\u00dffamili\u00e4rer und vermutlich dorfgemeinschaftlicher Grundlage ohne ernstzunehmenden staatlichen \u00dcberbau. Die Grundlagen f\u00fcr eine neue russische Staatlichkeit schufen erst die Mongolen durch die Einf\u00fchrung eines einheitlichen Steuersystems.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Weder die Entwicklung der Agrarwirtschaft noch das Gesicht der Bauernschaft oder der St\u00e4dte in Russland weisen somit Parallelen mit der Entwicklung West\u00adeuropas in der Zeit zwischen 800 und 1200 u. Z. auf. Vielmehr k\u00f6nnen wir nun sehen, dass die Differenzen deutlich \u00fcberwiegen. Dies trifft auch auf einen dritten Punkt, die Organisation des Staats- und Heerwesens, zu. Der sich in Westeuropa herausbildende Feudalstaat hat in der individuellen Bauernwirtschaft seine \u00f6konomische Grundlage. Otto Hintze schreibt dazu: <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Staat- und Heerwesen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Der Bauer, der kein blo\u00dfer Viehz\u00fcchter mehr ist, sondern seine Ackerwirtschaft zu besorgen hat, verw\u00e4chst mit seiner Scholle; er wird unabk\u00f6mmlich und also f\u00fcr den regelm\u00e4\u00dfigen Kriegsdienst \u00f6konomisch unbrauchbar; er entw\u00f6hnt sich &#8211; mit wenigen Ausnahmen &#8211; \u00fcberhaupt der Waffenf\u00fchrung; er wird unkriegerisch und bedarf des Schutzes, ganz besonders in unruhigen Zeiten. (&#8230;) Der alte fr\u00e4nkische Heerbann wird verdr\u00e4ngt durch einen neuen berufsm\u00e4\u00dfigen Kriegerstand von berittenen, hochausgebildeten Einzelk\u00e4mpfern, wie sie dem damaligen Bed\u00fcrfnis der Kriegsf\u00fchrung und der Fechtweise, namentlich seit dem Auftreten der Sarazenen, entsprachen. Dieses Kriegertum beruht auf einem typischen Privatvertrag, dessen notwendig zusammenh\u00e4ngende Elemente ein pers\u00f6nliches und ein dingliches Rechtsverh\u00e4ltnis sind: die Vasallit\u00e4t und das Benefizium.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\">34<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Vasallit\u00e4t bezeichnet Hintze im Folgenden zurecht als eine Abwandlung der altgermanischen freien Gefolgschaft. Es ist ein Dienstverh\u00e4ltnis, das auf dem Grundsatz gegenseitiger Treue beruht und dem Mann, neben dem Schutz durch den Herrn, auch den standesgem\u00e4\u00dfen Lebensunterhalt gew\u00e4hrt. Der Vasall erh\u00e4lt seinen Lebensunterhalt entweder am Hofe seines Herrn oder durch die Zuteilung eines Lehensgutes. &#8222;Ein solches Lehensgut, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>an dem kein volles Eigentum des Vasallen besteht<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, hei\u00dft Benefizium oder in der Volkssprache Feudum.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\">35<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dieses Lehenswesen bildete die Grundlage der feudalen Kriegsverfassung. &#8222;Die Grundherrschaft war von jeher die \u00f6konomische Basis f\u00fcr die privilegierten St\u00e4nde. Der Ritter konnte nicht als Bauer leben und arbeiten, sein Feudum war eine kleine Grundherrschaft von vier bis sechs Hufen, auf denen die Arbeit durch abh\u00e4ngige Leute verrichtet wurde. Die Grundherrschaft (&#8230;) ist das neue und charakteristische f\u00fcr die feudale Wirtschafts- und Sozialverfassung. (&#8230;) Die grundherrlich-b\u00e4uerliche Wirtschaftsweise hatte f\u00fcr das Mittelalter eine \u00e4hnliche Bedeutung wie die kapitalistische f\u00fcr die neuere Zeit. Sie bildet die \u00f6konomische Seite des Feudalismus und ist sein z\u00e4hester und dauerhaftester Bestandteil gewesen &#8222;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\">36<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> In der Folge f\u00fchrte die Grundherrschaft zur Aneignung obrigkeitlicher Rechte, deren wichtigstes die Rechtsprechung war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das hier von Otto Hintze gezeichnete Bild der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t fin\u00adden wir so in Russland nicht wieder. Roger Portal beschreibt die Organisation des Staats- und Milit\u00e4rwesens des &#8222;Kiewer Rus&#8220; folgenderma\u00dfen: &#8222;Die F\u00fcrsten sind umgeben von ihren Mannen, ihren Bojaren, der druzina, die die verschie\u00addenen Verwaltungsaufgaben wahrnimmt und aus der sich ihr Rat zusammen\u00adsetzt. Die Bojaren haben sich aus freien St\u00fccken den F\u00fcrsten verpflichtet; sie k\u00f6nnen sie verlassen, wann es ihnen gut scheint. Au\u00dferdem sind am Anfang die Bojaren noch keine Gro\u00dfgrundbesitzer; sie bilden eine bewegliche milit\u00e4rische Einheit, f\u00fcr deren Lebensunterhalt der F\u00fcrst sorgt und die nicht an einen festen Wohnsitz gebunden ist.\u201d<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk36470859\"><\/a><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was Roger Portal schildert, erinnert an die germanischen Gefolgschaften aus der Zeit der V\u00f6lkerwanderung. Diese bewaffneten Einheiten, durch Schwur mit ihrem jeweiligen Heerf\u00fchrer verbunden, ern\u00e4hrten sich durch Krieg und Pl\u00fcnderung bei benachbarten St\u00e4mmen. Das germanische Volksaufgebot, noch immer die Grundlage der kriegerischen Macht der germanischen St\u00e4mme, wurde dagegen nur zu defensiven Aufgaben, der Verteidigung des eigenen Territoriums aufgeboten. Genauso verhielt es sich beim Heerbann des &#8222;Kiewer Rus&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\">\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das Heer der Kiewer F\u00fcrsten bestand aus zwei ganz verschiedenen Teilen &#8211; oder konnte zumindest aus ihnen bestehen: aus der f\u00fcrstlichen Gefolgschaft und aus dem Aufgebot des Volkes (&#8230;) F\u00fcrst und Gefolgschaft waren miteinander sicher durch einen Eid, vermutlich durch einen regelrechten Vertrag verbunden. Da die Gefolgschaft in unmittelbarer Umgebung des F\u00fcrsten am Hofe lebte, stellte ihr Unterhalt in Friedenszeiten, wenn sie zahlreich war, ein schwieriges Problem dar. Nur bei st\u00e4ndigen Angriffsunternehmen mit reicher Beute war die Entlohnung der f\u00fcrstlichen Truppe sichergestellt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das Volksaufgebot stand nicht in der unmittelbaren Verf\u00fcgungsgewalt des F\u00fcrsten, sondern wurde von der altrussischen &#8218;Volksversammlung&#8216; einberufen und dem F\u00fcrsten jeweils aus besonderem Anlass und f\u00fcr einen besonderen Zweck zur Verf\u00fcgung gestellt (&#8230;) Es lag in der Natur dieser doppelten Heeresorganisation, dass die F\u00fcrsten Angriffskriege vorzugsweise mit ihrer Gefolgschaft, mitunter verst\u00e4rkt durch angeworbene Freiwillige aus dem Volke, f\u00fchrten, w\u00e4hrend das Volksaufgebot mehr zu defensiven Aufgaben im Falle drohender Gefahr herangezogen wurde.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Womit wir es beim Milit\u00e4rwesen des &#8222;Kiewer Rus&#8220; zu tun haben, ist die klassi\u00adsche Form der germanischen Gefolgschaften.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Insofern hier Vasallit\u00e4t auftritt, handelt es sich um ein &#8222;Vasallentum ohne Lehen, oder Lehen, die nur in Tribut bestanden&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Von einer feudalen Verfasstheit des Staatswesens oder des Heeres kann nicht die Rede sein.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\">41<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Gefolgschaft des &#8222;Kiewer Rus&#8220; oder der Waringer lebte von dem <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Tribut des eroberten Landes<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>ohne<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8211; wie es im Westen Europas geschah &#8211; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>eine neue gesellschaftliche Ordnung zu errichten<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. So wenig sich im Kiewer Russland der individuell wirtschaftende, sesshafte Bauer herausbildete, so wenig bildete sich zu dieser Zeit oder in den folgenden Jahrhunderten ein feudaler Ritterstand heraus. Das Heerwesen des &#8222;Kiewer Rus&#8220; verharrte bei den milit\u00e4rischen Gefolgschaften einerseits und beim slawischen Volksaufgebot andererseits. Zusammengehalten wurde dieses Staatswesen durch das gemeinsame Interesse der Gefolgschaft an der Bereicherung durch den Byzanzhandel und der Eintreibung des Tributes. Beides bildete die \u00f6konomische Grundlage der Gefolgschaften, die den Staat des &#8222;Kiewer Rus&#8220; geschaffen hatten. Mit dem Wegfall ihrer wichtigsten \u00f6konomischen Grundlage, dem Byzanzhandel, waren auch die Gefolgschaften nicht mehr zusammenzuhalten und zu ern\u00e4hren. Der von ihnen geschaffene Staat des &#8222;Kiewer Rus&#8220; musste zerfallen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Res\u00fcmee<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wir haben nun die Bauern, die St\u00e4dte und die Kriegerkaste des &#8222;Kiewer Rus&#8220; etwas n\u00e4her betrachtet. In allen drei Bereichen sind wir auf grundlegende Unterschiede zu der Entwicklung in Westeuropa gesto\u00dfen. Bei der F\u00fclle dieser Unterschiede von einer weitgehend identischen Gesellschaftsordnung sprechen zu wollen, ist wissenschaftlich unhaltbar. Die normannische Staatsgr\u00fcndung in Russland war nicht feudal, sie bildete auch im Laufe der kommenden Jahrhunderte keine feudalen Grundz\u00fcge heraus. Sie zerfiel mit dem Niedergang der alten Fernhandelsstra\u00dfe Byzanz &#8211; Ostsee, ohne eine progressive Entwicklung der slawischen Ackerbaugemeinden und ihrer Produktionsweise bewirkt zu haben. Da sie nicht an dem Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte des untergegangenen r\u00f6mischen Imperiums ankn\u00fcpfen konnte und erheblich ung\u00fcnstigere klimatische Bedingungen vorfand, vermochte die Normannenherrschaft weder im agrarischen Bereich zum individuell wirtschaftenden Bauern vorzusto\u00dfen, noch im milit\u00e4rischen Bereich zum gepanzerten Ritter, noch im staatlichen Bereich zu dem Personenverbandsstaat der klassischen Feudalit\u00e4t.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend sich in Westeuropa vom 10. Jahrhundert an sowohl die Ackerbau\u00adtechnik<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\">42<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> wie die Rolle und Bedeutung der St\u00e4dte rasch entwickelten, finden wir in Russland einerseits Stagnation (in der Agrarwirtschaft) und andererseits ab dem 12. Jahrhundert einen rapiden Niedergang der St\u00e4dte. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der &#8222;Kiewer Rus&#8220; hat somit nicht, wie die Feudalit\u00e4t in Westeuropa<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">eine progressive Entwicklung der Gesellschaft eingeleitet<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Die russische &#8222;Gesellschaft&#8220; (soweit es hier m\u00f6glich ist, von einer &#8222;Gesellschaft&#8220; zu sprechen) blieb, entsprechend dem Entwicklungsstand ihrer Produktivkr\u00e4fte und den klimatischen Verh\u00e4ltnissen der Region, eine &#8222;Gesellschaft&#8220; nomadisierender, slawischer Ackerbauergemeinden, die sich von Brandrodung zu Brandrodung durch das Riesenland bewegten und aus sich selbst heraus zu keiner progressiven Entwicklung f\u00e4hig waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Es bedurfte erst eines neuerlichen \u00e4u\u00dferen Ansto\u00dfes, um die vollst\u00e4ndige Stagnation der russischen Verh\u00e4ltnisse aufzubrechen. Der Mongoleneinfall schuf, wie wir weiter unten sehen werden, die M\u00f6glichkeiten zu einer neuen russischen Staatlichkeit jenseits dieser Ackerbaugemeinden. Insofern bildete der Mongolensturm keinen Einschnitt in eine bis dahin progressive gesellschaftliche Entwicklung, wie uns die sowjetische Geschichtsschreibung suggeriert, sondern trotz ihrer zerst\u00f6renden Momente geht aus der Mongolenherrschaft der erste Ansto\u00df zu einer progressiven Entwicklung Russlands hervor.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Der Aufstieg Moskaus \u2013 ein versp\u00e4teter Sieg der Feudalgesellschaft?<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">F\u00fcr die osteurop\u00e4isch-marxistische Geschichtsschreibung, die bereits zum Zeitpunkt der Existenz des &#8222;Kiewer Rus&#8220; feudale Verh\u00e4ltnisse in Russland vorfand, versteht es sich von selbst, dass das mittelalterliche Russland eine weitergehende feudale Entwicklung erf\u00e4hrt. So stellt die bereits zitierte &#8222;Geschichte der UdSSR&#8220; bereits f\u00fcr das 14. Jahrhundert und trotz der Mongolenherrschaft eine &#8222;weitere Entwicklung des Feudalismus&#8220; in Russland fest.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\">44<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend sich die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung weitgehend einig darin ist, der Kiewer Staatsgr\u00fcndung einen feudalen Charakter abzusprechen, f\u00e4llt ihr Urteil \u00fcber die zweite russische Staatsgr\u00fcndung, den Aufstieg Moskaus zur zentralen Macht in Russland, erheblich differenzierter aus. Otto Hintze beispielsweise macht im Moskauer Russland &#8222;Feudalismus im vollen Sinne, als System, wenn auch mit starken Abweichungen und Besonderheiten aus&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\">45<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> In \u00e4hnlicher Weise argumentiert G\u00fcnther St\u00f6kl: &#8222;Und was den Feudalismus betrifft, so l\u00e4sst sich nicht leugnen, dass die Verh\u00e4ltnisse im nachmongolischen Russland in manchem Vergleiche nahelegen: (&#8230;) Aber es ist sicher, dass in Russland die feudale Ordnung nicht ann\u00e4hernd so differenziert und durchentwickelt war wie im Westen, dass sie im allgemeinen der rechtlichen Festlegung entbehrte. Aufgrund der \u00c4hnlichkeiten l\u00e4sst sich f\u00fcr das nachmongolische mittelalterliche Russland vielleicht von einem Feudalismus besonderer, russischer Art sprechen, aber gemessen an dem abendl\u00e4ndischen Modell halten die Unterschiede den \u00c4hnlichkeiten zumindest die Waage.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\">46<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die \u00c4hnlichkeiten sieht St\u00f6kl in der Existenz einer &#8222;mehrstufigen Hierarchie der Vasallen und der f\u00fcrstlichen Beauftragten&#8220;, die weitgehend dem westeurop\u00e4i\u00adschen &#8222;Benefizium&#8220; und der &#8222;Commendatio&#8220; entsprochen h\u00e4tten.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\">47<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hintze sieht die Gemeinsamkeiten in der Existenz eines &#8222;Kriegsadels&#8220;, der von arbeitsfreien Renten lebt, die h\u00f6rige Bauern produzieren.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\">48<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend die [sowjetisch gepr\u00e4gte] Geschichtsschreibung eine durchg\u00e4ngig feudale Entwicklung Russlands sp\u00e4testens seit dem 10. Jahrhundert konstatiert, die angef\u00fchrten b\u00fcrgerlichen Historiker mit gewissen Einschr\u00e4nkungen ab dem 16. Jahrhundert eine Herausbildung feudaler Verh\u00e4ltnisse nicht ausschlie\u00dfen wollen, Wittfogel gar f\u00fcr das Ende des 1. Jahrtausends eine feudale und ab dem 13. Jahrhundert eine asiatische Gesellschaftsordnung in Russland ausmacht, verficht der Verfasser die Position, dass die russischen Verh\u00e4ltnisse weder asiatisch noch feudal waren. Vielmehr handelt es sich bei der russischen Gesellschaft um slawische Ackerbauern, die unter den Bedingungen des kontinentalen Klimas produzierten. Ohne wie die Germanen an das \u00f6konomische und kulturelle Erbe des r\u00f6mischen Reiches ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen, gelang es diesen Ackerbaugemeinden aus eigener Kraft <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, zur Weiterentwicklung ihrer Gemeinwesen und zur Staatsbildung fortzuschreiten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Elemente zur Staatsbildung mussten diesen Gemeinwesen von au\u00dfen aufgezwungen werden, zuerst &#8211; und, wenn wir von der Entstehung der orthodoxen Kirche absehen, weitgehend folgenlos f\u00fcr die russische Gesellschaft &#8211; durch die Normannen, sp\u00e4ter mit weitergehenden Folgen durch die Mongolen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aber weder schufen die Normannen einen germanisch-feudalen Staat auf russischem Boden, noch die Mongolen einen asiatischen Staat. Vielmehr schuf der im Gefolge der Mongolenherrschaft entstehende Moskauer Staat einen Heeres- und Verwaltungsapparat jenseits der slawischen Ackerbaugemeinden, der diese zur Sesshaftigkeit zwang und damit M\u00f6glichkeiten zu einer weitergehenden gesellschaftlichen Entwicklung er\u00f6ffnete. Dieser Staat aber musste immer im Gegensatz zu den b\u00e4uerlichen Gemeinwesen stehen, und in dem Moment, wo dieser die russische Gesellschaft fortw\u00e4hrend modernisierende Staat gezwungen wurde, den Bauern zur Grundlage seiner Heeresverfassung zu machen, hatte seine letzte Stunde geschlagen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die Tatarenherrschaft und die Steuer<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Um zu einem n\u00e4heren Urteil \u00fcber diese Einsch\u00e4tzungen zu gelangen, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf die weitere \u00f6konomische und gesellschaftli\u00adche Entwicklung Russlands unter der Tatarenherrschaft zu werfen. Die mongolische Eroberung zerst\u00f6rte den Rest der noch verbliebenen Stadtkultur des &#8222;Kiewer Rus&#8220;. Gittermann beschreibt dies folgenderma\u00dfen: &#8222;Wenn die Urkunden und Chroniken des 13. Jahrhunderts auch im oberem Wolga-Becken neue &#8218;St\u00e4dte&#8216; erw\u00e4hnen, so handelt es sich dabei um Siedlungen, die zur Abwehr mongolischer Horden befestigt worden waren, deren Einwohner jedoch in stark \u00fcberwiegender Mehrheit dem Ackerbau oblagen. Diese Fortifikationen Susdal-Russlands wiesen zu jener Zeit noch keine Mauern aus Stein auf; sie bestanden vielmehr aus Baumst\u00e4mmen und aufgesch\u00fctteten Erdw\u00e4llen. Steinerne Stadtbefestigungen wurden, mit Hilfe ausl\u00e4ndischer Architekten, erst sp\u00e4ter gebaut. Sogar im 17.\u00a0Jahrhundert besa\u00df das moskowitische Reich, nach Kotoschichin, kaum 20\u00a0Ortschaften, die mit eigentlichen Mauern umgeben waren.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das von Gittermann gezeichnete Bild best\u00e4tigt den vollst\u00e4ndigen Untergang der russischen St\u00e4dte. Der Mongoleneinfall beendete den Niedergangsprozess dieser einstigen Handelsst\u00e4dte durch ihre fast vollst\u00e4ndige Zerst\u00f6rung.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\">50<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der Rus wurde zu einem &#8222;Reich der D\u00f6rfer&#8220;, zu einer reinen Agrargesellschaft. Das dar\u00fcber errichtete mongolische &#8222;Staatswesen&#8220; reduzierte sich auf die milit\u00e4rische und steuerliche Oberhoheit der Tataren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Neu an der mongolischen Herrschaft, sozusagen transferiert von den &#8222;hydraulischen Gesellschaften&#8220;, wie Wittfogel es behauptet, war die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Geldsteuer zum Unterhalt des tatarischen Heeres. Was somit an &#8222;asiatischer Produktionsweise&#8220; und &#8222;asiatischer Despotie&#8220; von den Mongolen nach Russland transferiert wurde, reduzierte sich auf die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Geldsteuer. Eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Struktur Russlands fand unter der mongolischen Herrschaft selbst noch nicht statt. Die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Geldsteuer legte aber den Grundstein f\u00fcr die sp\u00e4tere Ver\u00e4nderung der Agrar-, Heeres- und Staatsverfassung unter Iwan <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">III. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(1462-1505), Iwan IV. (1533-1584) und Boris Gudonow (1587-1605).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Geldsteuer aus einem fast reinen Agrarstaat herauszupressen, war in der Tat eine &#8222;Modernisierung&#8220; der russischen Verh\u00e4ltnisse, die auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Agrarverfassung bleiben konnte. Solange der Bauer nomadisierend war, besa\u00df er die M\u00f6glichkeit, sich seiner Steuerpflicht zu entziehen. Sein Grundherr, der Bojar, wurde darum von den Mongolen f\u00fcr die Aufbringung der Steuer verantwortlich gemacht. Nur wer den russischen Bauern sesshaft machte, konnte dauerhaft auf gesicherte Steuereink\u00fcnfte rechnen. Sesshaft machen bedeutete aber zugleich, die pers\u00f6nliche Freiheit der b\u00e4uerlichen Gro\u00dffamilie aufzuheben und ihre Produktionsweise umzugestalten; sie zu zwingen, von der Brandrodung zur Mehrfelderwirtschaft \u00fcberzugehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend die Mongolen die Form der agrarischen Produktion in Russland nicht ver\u00e4nderten und daran auch kein Interesse besa\u00dfen, gaben sie mit der zwangsweisen Einf\u00fchrung einer von allen Haushalten zu entrichtenden Geldsteuer letztendlich den entscheidenden Ansto\u00df zur sp\u00e4teren &#8222;Modernisierung&#8220; der russischen Verh\u00e4ltnisse durch die Moskauer Gro\u00dff\u00fcrsten. Deren Aufstieg begann im Scho\u00dfe der Tataren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Der Aufstieg Moskaus<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Moskau diente sich den Tataren sowohl als Steuereintreiber wie als Denunziant von Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen anderer F\u00fcrstent\u00fcmer an. Der Lohn f\u00fcr diese Dienste bestand in einem stetigen Machtzuwachs des Moskauer F\u00fcrsten auf Kosten der anderen russischen Bojaren.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\">51<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Mit dem Zerfall des Mongolenreiches, dem Auftreten <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Timurs <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">und innermongolischer Stammeskriege, kam f\u00fcr Moskau der Zeitpunkt, die Tatarenherrschaft abzusch\u00fctteln. Die Beibehaltung der allgemeinen Tatarensteuer wurde die eigentliche Grundlage der neuen Machtstellung Moskaus und des vom Moskauer F\u00fcrstentum geschaffenen russischen Staates. Sie erm\u00f6glichte es dem Moskauer Gro\u00dff\u00fcrsten, Ans\u00e4tze eines stehenden Heeres zu bilden und in Kriegs- und Krisenzeiten gr\u00f6\u00dfere Truppenaufgebote unter Waffen zu halten. Bereits unter dem Tatarenjoch hatte er das Eintreiben dieser Steuer genutzt, um Land zu annektieren sowie zu kaufen und so sein Territorium auf Kosten anderer Bojaren best\u00e4ndig auszudehnen. Gest\u00fctzt auf die milit\u00e4rische Macht wurde diese Politik nach der Absch\u00fcttelung der Mongolenherrschaft fortgesetzt. Insofern ist der Marxschen Feststellung, dass die Staatsgr\u00fcndung des modernen Russlands &#8222;in blutigem Schlamme mongolischer Sklaverei, nicht in der rohen Pracht der Normannenzeit&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> ihre Grundlage hat, zuzustimmen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Mit den letzten \u00dcberresten der russischen Handelsst\u00e4dte zerst\u00f6rte die Mongo\u00adlenherrschaft jegliche M\u00f6glichkeit zur Herausbildung eines st\u00e4dtischen B\u00fcrger- und Kleinb\u00fcrgertums. Der Fernhandel lag nicht mehr wie zur Zeit des &#8222;Kiewer Rus&#8220; in russischer, sondern in europ\u00e4ischer Hand. War die Grundlage des &#8222;Kiewer Rus&#8220; die Herrschaft \u00fcber eine lukrative Handelsstra\u00dfe von der Ostsee nach Byzanz gewesen, so er\u00f6ffnete die Mongolenherrschaft eine neue Han\u00addelsstra\u00dfe vom Schwarzen Meer nach China und Indien. Diesmal war sie milit\u00e4risch gesichert durch die Mongolen, die hierf\u00fcr Tributzahlungen bean\u00adspruchten, und \u00f6konomisch in der Hand der venezianischen und genuesischen Kaufleute. Der Siegeszug der Gesellschaften westeurop\u00e4ischen Typs dokumentiert sich in dieser Tatsache. Der Osten des eurasischen Kontinents war \u00f6konomisch bereits in einen von Westeuropa bestimmten Handelsprozess einbezogen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die handwerkliche Produktion, Grundlage f\u00fcr die Entstehung eines st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums in Westeuropa, vollzog sich in Russland im Rahmen der Gro\u00df\u00adfamilie oder der Dorfgemeinde. &#8222;Da der Bodenertrag im \u2019Reich der D\u00f6rfer\u2019 nur sp\u00e4rlich war, musste der Bauer sein Einkommen durch gewerbliche Nebenbe\u00adsch\u00e4ftigung zu vermehren suchen. W\u00e4hrend des langen Winters fand er dazu auch die n\u00f6tige Zeit. Unter Ausn\u00fctzung der lokalen Verh\u00e4ltnisse befasste er sich mit der Ausbeutung wilder Bienenv\u00f6lker (Zeidlerei), mit Bastsch\u00e4len und Bastflechten, mit Leinweberei, mit Salzsieden und Teergewinnung, mit der Herstellung von Schlitten, Bottichen, Eimern, h\u00f6lzernen L\u00f6ffeln, eisernen N\u00e4geln und mit \u00e4hnlichen Zweigen der Hausindustrie, deren Erzeugnisse auf lokalen M\u00e4rkten von Zeit zu Zeit sich absetzen lie\u00dfen. Sozusagen alle handwerklichen Arbeiten, deren der b\u00e4uerliche Haushalt bedurfte, wurden schlecht und recht von der Dorfbev\u00f6lkerung selbst besorgt. Dass sich unter solchen Verh\u00e4ltnissen ein besonderer Handwerkerstand &#8211; geschweige denn gar ein st\u00e4dtisches, \u00fcber Gewerbemonopole verf\u00fcgendes Zunftwesen &#8211; nicht zu entwickeln vermochte, liegt auf der Hand.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Insofern besiegelte die tatarische Eroberung eine Entwicklung, die sowohl durch den Stand der Produktivkr\u00e4fte als auch durch die klimatischen Verh\u00e4ltnisse Russlands und die ackerbauliche Struktur der slawischen St\u00e4mme vorgegeben war. Das Reich des &#8222;Kiewer Rus&#8220;, diese gl\u00e4nzende normannische Periode russischer Geschichte, war ein Fremdk\u00f6rper innerhalb der Geschichte dieser slawischen Agrargesellschaft. Das Neue und Weitertreibende der Tatarenherrschaft, die Einf\u00fchrung der Geldsteuer, war eine der Grundbedingungen zur Schaffung eines staatlichen \u00dcberbaus \u00fcber einer Agrargesellschaft, die aus sich heraus nicht zu eigener Staatlichkeit f\u00e4hig gewesen w\u00e4re.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Eine \u201efeudale Gesellschaft\u201c?<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Inwiefern kann man nun davon sprechen, dass dieser neugeschaffene Moskauer Staat eine feudale Grundlage besa\u00df? St\u00f6kl sah, wie wir anf\u00fchrten, \u00c4hnlichkeiten mit der westeurop\u00e4ischen Lehenspyramide, Hintze sah diese \u00c4hnlichkeiten in der Existenz eines von arbeitsfreien Renten lebenden &#8222;Kriegsadels&#8220;. Die von beiden Autoren aufgezeigten Parallelen mit der westeurop\u00e4ischen Entwicklung stimmen jedoch nur bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung \u00fcberein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zur Zeit des Niedergangs der Tatarenherrschaft war es in Russland noch immer \u00fcblich, dass der einzelne Bojar sich den F\u00fcrsten (Gro\u00dfbojaren) frei w\u00e4hlen konnte, in dessen Dienst er trat. &#8222;Und zwar&#8220;, wie St\u00f6kl selbst schreibt, &#8222;unabh\u00e4ngig davon, in welchem F\u00fcrstentum sein erblicher Grundbesitz lag. Sein Dienst galt als freiwillig und war nicht mit dem Grundbesitz als Verpflichtung verbunden.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Sein erworbenes St\u00fcck Land verpflichtete ihn gegen\u00fcber dem F\u00fcrsten, von dem er es erhalten hatte, zu nichts au\u00dfer gewissen Abgabepflichten. Der Grundbesitz eines russischen Bojaren war zu dieser Zeit faktisches <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Allod.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dies bedeutete in Russland, dass es freies Eigentum des jeweiligen Besitzers war, dass er es vererben und ver\u00e4u\u00dfern konnte und dass keinerlei Lehnsverpflichtungen im westeurop\u00e4ischen Sinne an den Landbesitz gekn\u00fcpft waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was wir hier noch antreffen, sind \u00dcberreste des germanisch-normannischen Gefolgschaftswesens, keineswegs aber die Herausbildung einer Lehenspyramide im westeurop\u00e4ischen Sinne. Verleihung von Land gegen dauerhafte Dienst- und Treuepflicht gegen\u00fcber dem Lehensgeber, diese typische Einrichtung der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t, bildete in der russischen Gesellschaft des 15. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Benefizium<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Commendatio,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> ohne Treueverh\u00e4ltnis zum Lehensgeber, sind eine Erfindung St\u00f6kls. Seine Beweisf\u00fchrung erm\u00f6glicht die Anwendung des Begriffs der Feudalit\u00e4t auf jedwede Gesellschaft mit hierarchischer Struktur und Vergabe von Steuer- und Landrechten. Mit Recht schreibt Richard <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes: <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Was finden wir in Russland? Von Vasallentum, in seinem eigentlichen Sinn, nichts. Man erwartete von der russischen Grundbesitzerklasse, den Bojaren, dass sie Kriegsdienste leisteten, aber es wurde von ihnen nicht verlangt, dies f\u00fcr einen bestimmten F\u00fcrsten zu tun. In der Beziehung zwischen dem F\u00fcrsten und dem Bojaren fand sich keine Spur wechselseitiger Verantwortung.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hintze bindet die Herausbildung einer russischen Feudalit\u00e4t an die Einrichtung der <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">pomestje,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> eines nicht erblichen Dienstadels, der Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts vom Moskauer Zarentum geschaffen wurde. Dieser Dienstadel sollte die Grundlage der schweren Reiterei des russischen Heeres bilden und war zugleich eine Waffe des Zaren im Kampf gegen die Gro\u00dfbo\u00adjaren. Die Landzuteilung an den Dienstadel erfolgte auf Kosten der Gro\u00dfbojaren, deren \u00f6konomische und politische Macht durch die Wegnahme bzw. Umverteilung ihrer Territorien gebrochen wurde. Dieser Prozess wurde unter <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ivan\u00a0<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">IV. zum Abschluss gebracht, indem er den Grundbesitz an die Dienstleistung band und eine gro\u00dfe Anzahl der Bojarengeschlechter liquidierte. &#8222;Grundbesitz und Dienstleistung, in Russland traditionell getrennt, wurden nun voneinander abh\u00e4ngig. In einem Land, das nur Allodialeigentum gekannt hatte, gab es fortan nur noch dienstbedingten Grundbesitz. Das Lehen, im mittelalterlichen, &#8218;feudalen&#8216; Russland unbekannt, erschien unter den Auspizien der absoluten Monarchie.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\">56<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was Hintze in Russland als Entstehung der Feudalit\u00e4t ausmacht: die Schaffung eines Dienstadels, wird deshalb von Richard <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">mit Recht ganz anders beurteilt. Er schreibt: &#8222;Der dienstbedingte Grundbesitz, wie er in Russland in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts aufkam, war keine feudale, sondern eine anti-feudale Einrichtung, von der absoluten Monarchie in der Absicht eingef\u00fchrt, die Klasse der &#8218;feudalen&#8216; F\u00fcrsten und Bojaren zu zerschlagen. &#8218;Als sie (die Freien in Russland) Vasallen waren, bekamen sie noch keine Entsch\u00e4digung vom Herrn, hatten keine Lehen, das hei\u00dft, sie lebten zum gr\u00f6\u00dferen Teil auf ihren Wotschinen (erblicher Grundbesitz, Allod, A. S.)&#8220;&#8218; schreibt Peter <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Struve. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8218;Und als sie Lehen in Form von Pomestjen zu erhalten begannen, h\u00f6rten sie auf, Vasallen, das hei\u00dft, Diener durch Vertrag zu sein.'&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\">57<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Bauern und Kosaken<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Mit der Beibehaltung und versch\u00e4rften Eintreibung der ehemals tatarischen Steuer wie der Schaffung eines neuen Dienstadels musste sich zugleich die rechtliche Stellung des russischen Bauern ver\u00e4ndern. Bis ins 16. Jahrhundert war die weitaus gr\u00f6\u00dfte Zahl der russischen Bauern frei, d.h. an keinerlei Herr\u00adschaft dauerhaft gebunden. Die Gro\u00dffamilien oder Dorfgemeinden gingen zeit\u00adlich befristete Vertr\u00e4ge mit dem jeweiligen Bojaren (Grundbesitzer) ein, die an bestimmten festgelegten Terminen in jedem Jahr gek\u00fcndigt werden konnten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Mit der Zerschlagung der Tataren-Khanate wurde die Besiedlung der fruchtbaren russischen Steppe im Osten und S\u00fcden m\u00f6glich. Da der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>nomadisierende<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ackerbau f\u00fcr den russischen Bauern seit Jahrhunderten Existenzgrundlage gewesen war, er\u00f6ffnete der milit\u00e4rische Sieg den Weg zur b\u00e4uerlichen Kolonisation dieser Regionen. Die Bauern verlie\u00dfen in Scharen ihren Grundherrn und siedelten in diesen noch nicht staatlich erschlossenen Regionen. Sie entflohen damit der [staatlichen] Steuer und der Abgabepflicht gegen\u00fcber einem Grundherrn. Das Land im S\u00fcden und Osten war &#8222;frei&#8220;, noch existierten in diesen Regionen weder eine Grundherrschaft noch Ans\u00e4tze einer staatlichen Verwaltung. Auf der Flucht vor der neu entstehenden russischen Staatlichkeit mit ihrer Steuerpflicht und der Auslieferung der Bauernfreiheiten an den neuen Dienstadel zog es den Bauern in die Weiten der russischen Steppe.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Um der Ausbeutung durch den Grundherrn zu entgehen, floh der Bauer in die Steppe, um dort ein nicht ungef\u00e4hrliches, aber freies Leben zu f\u00fchren in einer ziemlich weitgehenden Anpassung an die Kampfweise und Lebensgewohnhei\u00adten der tatarischen Kosaken. Dieses aus dem sozialen Protest st\u00e4ndig gen\u00e4hrte freie Kosakentum hatte seine Siedlungszentren, soweit von einer festen Siedlung in den Anfangszeiten \u00fcberhaupt gesprochen werden kann, am Unterlauf des Dnepr und des Don.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\">58<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Damit entwickelte sich in den kosakischen Siedlungsgebieten, die auch andere klimatische Verh\u00e4ltnisse aufweisen als der russische Norden und Westen, ein freies Bauerntum, das individuell wirtschaftete. Ohne an grundherrschaftliche Macht gebunden zu sein, \u00e4hnelte es der auch in den Randregionen Westeuropas anzutreffenden Wehrbauernschaft. F\u00fcr die dauerhafte Gestellung eigenst\u00e4ndiger Formationen im zaristischen Heer wurde ihnen eine weitgehende Selbstverwaltung einger\u00e4umt. Erst zur Zeit Katharinas II. (1762-1796) begann der russische Zarismus, systematisch die kosakischen Freiheiten einzuschr\u00e4nken, und versuchte, ihre Siedlungsgebiete mit seiner Staatsverwaltung zu \u00fcberziehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die gro\u00dfe Mehrzahl der russischen Bauernschaft aber wurde durch die Aufhe\u00adbung der Freiz\u00fcgigkeit, die bis ins 16. Jahrhundert unbestrittenes Recht der Bauern war, faktisch in die Leibeigenschaft \u00fcberf\u00fchrt. Dieser <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">faktischen<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Leibei\u00adgenschaft der russischen Bauernschaft entsprach eine fehlende rechtliche Absicherung ihres Status in zweifacher Hinsicht. Zum einen besa\u00df der russische Bauer keinerlei verbriefte Rechte. In der Praxis bedeutete dies, dass ihm jedermann ungestraft Unrecht antun konnte. Da er nicht gerichtsf\u00e4hig war, &#8222;war er allen Autorit\u00e4tspersonen gegen\u00fcber v\u00f6llig wehrlos.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Andererseits war sein Status als Leibeigener genauso wenig rechtlich gesichert, was eine dauerhafte Bedrohung der \u00f6konomischen Lage des Adels darstellte. &#8222;Eine der Anomalien der russischen Sozialgeschichte besteht darin, dass man die Leibeigenschaft trotz ihrer entscheidenden Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung des Landes immer in einem rechtlichen Zwielicht lie\u00df. Nie war ein Ukas ergangen, der Bauern zu Leibeigenen machte, niemals auch best\u00e4tigte ein Zar in dokumentarischer Form den Eigentumsanspruch der Grundbesitzer auf ihre Leibeigenen. Die Institution entwickelte sich in der Praxis aus einer Vielzahl von Ukasen und Gebr\u00e4uchen und wurde durch allgemeinen Konsens aufrechterhalten, doch ohne ausdr\u00fcckliche offizielle Sanktionen. Man ging immer von der &#8211; wiederum stillschweigenden &#8211; Voraussetzung aus, dass die Grundbesitzer ihre Leibeigenen nicht eigentlich als Eigentum besa\u00dfen, sondern sozusagen im Namen des Zaren verwalteten.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\">60<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Mit der Aufhebung der Freiz\u00fcgigkeit der Bauern musste sich auch ihre Produktionsweise ver\u00e4ndern. Das bis dahin \u00fcbliche System der Brandrodung beruhte darauf, den nach wenigen Jahren unfruchtbar gewordenen Boden zu verlassen, an einer anderen Stelle erneut vermittels Brandrodung eine entsprechend der Fruchtbarkeit drei- bis sechsj\u00e4hrige Bestellung des so neu erschlossenen Bodens durchzuf\u00fchren und dann wiederum weiterzuziehen. Mit der Aufhebung der b\u00e4uerlichen Freiz\u00fcgigkeit konnte eine nomadisierende Brandrodung nicht mehr die Grundlage der agrarischen Produktion bilden. Die russische Bauernschaft war nun gezwungen, zu einer Form der Mehrfelderwirtschaft \u00fcberzugehen, die eine Ersch\u00f6pfung des Bodens verhinderte. Ungef\u00e4hr zur Mitte des 16.\u00a0Jahrhunderts war ein allgemeiner \u00dcbergang zur Dreifelderwirtschaft feststellbar. An der Struktur der b\u00e4uerlichen Familie und der Dorfgemeinde \u00e4nderte sich wenig.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">F\u00fcr die Mehrzahl der b\u00fcrgerlichen Historiker f\u00e4llt die Entstehung der russischen Dorfgemeinde, des <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">mir<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, in diesen Zeitabschnitt. Ursache ihrer Entstehung sei die von den Tataren \u00fcbernommene Steuer und das vom Zarismus entwickelte System ihrer Eintreibung.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\">61<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> \u00dcber 99\u00a0% der russischen Bev\u00f6lkerung, also alle Personen, die weder dem Dienstadel noch der Geistlichkeit angeh\u00f6rten, hatten gegen\u00fcber dem Staat eine Reihe von Verpflichtungen, die sowohl in Geld als auch in Arbeit zu leisten waren. Diese Verpflichtungen wurden den einzelnen Regionen auferlegt. Sie mussten eine bestimmte Steuersumme aufbringen, bestimmte Wege- und Befestigungsbauten errichten und eine vorgegebene Anzahl Soldaten stellen. Diese Verpflichtungen wurden in den Regionen nicht dem Einzelnen auferlegt, sondern jeweils der kollektiven Gruppe, der der Einzelne angeh\u00f6rte, also der Stadt oder der Dorfgemeinde. Das jeweilige Kollektiv haftete f\u00fcr die Aufbringung der Leistung. &#8222;Alle Tjalgopflichtigen (so hie\u00df dieses &#8218;Steuersystem&#8216;, A.S.) bildeten Gemeinschaften, deren Mitglieder f\u00fcr die Aufbringung der ihrer Gruppe abgeforderten Zahlungen und Dienste gemeinsam verantwortlich waren. Dieses System behinderte die Entwicklung einer individualisierten Landwirtschaft (&#8230;).&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Mit der Begr\u00fcndung des Dienstadels und der Aufhebung der Freiz\u00fcgigkeit der Bauern findet eine bedeutsame Umstrukturierung der russischen Gesellschaft statt. Zum einen beginnt ein Prozess der Zerschlagung der alten Bojarenfamilien mit ihrem gro\u00dfen privaten Landbesitz, zum anderen entwickelt sich eine Zweiteilung der russischen Bauernschaft: es entstehen der freie &#8222;kosakierende&#8220; Bauer der Steppen und Grenzgebiete sowie der faktisch leibeigene Bauer der zentralrussischen Gebiete. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Teilen der russischen Bauernschaft lassen sich bis hin zur stalinschen Kollektivierung verfolgen. W\u00e4hrend der russische Bauer vom Gemeineigentum allen Landes ausgeht, verficht der Kosak das Prinzip des Privateigentums. Der kosakische Bauer wird somit &#8211; trotz aller kosakischen Unruhen &#8211; letztendlich zu einer dauerhaften St\u00fctze der zaristischen Herrschaft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bildete sich in Westeuropa der feudale Kriegerstand naturw\u00fcchsig aus den Gefolgschaften und einzelnen Vertretern der freien Bauernschaft, die in ihrer Gesamtheit den Anforderungen des Kriegsdienstes nicht mehr gewachsen war, so war der russische pomestje ein k\u00fcnstliches Produkt des Zarentums. Er wurde der russischen Gesellschaft von au\u00dfen, als Kopie einer in Westeuropa bereits \u00fcberlebten Heeresverfassung, \u00fcbergest\u00fclpt. Zwischen dem pomestje und dem Zaren gab es kein Lehensverh\u00e4ltnis im westeurop\u00e4ischen Sinne, sondern nur ein Dienstverh\u00e4ltnis, wie wir es auch zwischen einem [<\/span><\/span><span style=\"color: #202122;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Sipahi (osmanischer Lanzenreiter)]<\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">und dem Sultan im Osmanischen Reich antreffen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der pomestje war gegen\u00fcber dem Zaren genauso rechtlos wie es der Bauer war; besa\u00df er eine besondere Rechtsstellung in einer Region, war sie Ergebnis eines zaristischen Amtes (z. B. des Wojewoden, einer Art Provinzherrscher, der administrative, fiskalische, milit\u00e4rische und gerichtliche Funktionen aus\u00fcbte), dessen Inhaberschaft j\u00e4hrlich, allersp\u00e4testens zweij\u00e4hrig, gewechselt wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die russische &#8222;Feudalit\u00e4t&#8220; reduzierte sich auf die Einf\u00fchrung eines Dienstadels sowohl f\u00fcr den Heeresdienst als auch f\u00fcr die Staatsverwaltung. Der Dienst f\u00fcr den Staat wurde mit Land und Arbeitskr\u00e4ften entlohnt. Diese Ma\u00dfnahmen sind typisch f\u00fcr alle agrarisch gepr\u00e4gten L\u00e4nder mit einem akuten Mangel an Geld. Wir treffen sie im Heereswesen \u00fcberall, wo ein Volksaufgebot nicht mehr m\u00f6g\u00adlich und Geld f\u00fcr die Bezahlung gr\u00f6\u00dferer Berufsarmeen nicht vorhanden ist. Dies war beispielsweise in der Sp\u00e4tphase des R\u00f6mischen Reiches der Fall, ebenso wie in Byzanz oder im Osmanischen Reich. Die Parallelit\u00e4t zur westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t reduziert sich hier auf ein Element der Heeresverfassung. Staat und Staatsaufbau sowie die Stellung des Adels in diesem Staat sind von v\u00f6llig unterschiedlicher Gestalt. Die angef\u00fchrten Gesellschaften besa\u00dfen einen zentralisierten Staatsapparat. Dieser brachte den neuen Adel hervor, der Adel war ein Produkt dieses Staates und von seiner Existenz abh\u00e4ngig.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 18pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Einschub: Ursprung der russischen Dorfgemeinde<\/b><\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der nachfolgende Einschub ist meinem Artikel in den AzD Nr. 90 von Oktober 2019, S. 12 ff., entnommen. <\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Marx und die russische Dorfgemeinde<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zur Zeit Marxens war die russische Dorfgemeinde gerade erst \u201eentdeckt\u201c worden, durch den bereits erw\u00e4hnten preu\u00dfischen Regierungsrat Haxthausen und seine viel beachteten Ver\u00f6ffentlichungen dar\u00fcber. F\u00fcr die Slawophilen in der russischen Intelligenz war diese Dorfgemeinde Ausdruck der sozialen \u00dcberlegenheit der slawischen Rasse und Angelpunkt einer k\u00fcnftigen sozialen Neugestaltung des zaristischen Russlands. Nicht der qualvolle kapitalistische Weg des Westens w\u00e4re das Schicksal Russlands, sondern dank der \u201esozialistischen\u201c Struktur des russischen Dorfes (Gemeineigentum der Dorfgemeinde) k\u00f6nne Russland ohne wesentliche \u00f6konomische und soziale Umgestaltungen <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>allein durch die politische Revolution <\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(Bakunin)<\/span><\/span><i> <\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">direkt zum Sozialismus gelangen. Der russische Bauer war f\u00fcr sie \u201eder geborene Revolution\u00e4r\u201c. F\u00fcr diese Auffassungen bildete die \u201eEntdeckung\u201c der Dorfgemeinde als Umteilungsgemeinde die theoretische und politische Grundlage. Bis Mitte der 70er Jahre des 19.\u00a0Jahrhunderts standen Marx und Engels in heftiger Auseinandersetzung mit dieser Str\u00f6mung des Anarchismus (Bakunin) und den slawophilen \u201eRevolution\u00e4ren\u201c in Russland. Der Brief von Marx (an Engels), auf den sich Goehrke im obigen Zitat beruft, macht dies deutlich.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Auf dem Museum \u2026 u.a. die neuesten Schriften von old Maurer (dem alten bayrischen Staatsrat, der schon Rolle gespielt als einer der Regenten Griechenlands und die Russen mit zuerst, lang vor Urquhart, denunziert) geochst <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>\u00fcber deutsche Mark-, Dorf- etc. Verfassung<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Er zeigt ausf\u00fchrlich nach, dass das Privateigentum am Boden erst sp\u00e4ter entstand usw. Die bl\u00f6dsinnige westf\u00e4lische Junkeransicht, dass die Deutschen sich jeder f\u00fcr sich niedergelassen und erst nachher D\u00f6rfer, Gaue etc. gebildet, vollst\u00e4ndig widerlegt. Interessant gerade jetzt, dass die russische Manier der Wiederverteilung in bestimmten Terminen (in Deutschland erst j\u00e4hrlich) des Bodens sich in Deutschland stellenweis bis ins 18. und selbst 19. Jahrhundert erhielt. Die von mir aufgestellte Ansicht, dass \u00fcberall die asiatischen resp. indischen Eigentumsformen in Europa den Anfang bilden, erh\u00e4lt hier (obgleich Mauerer nichts davon wei\u00df) neuen Beweis. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>F\u00fcr die Russen verschwindet aber auch die letzte Spur eines Anspruchs of originality, selbst in this line. Was ihnen bleibt, ist, noch heute in Formen zu stecken, welche ihre Nachbarn seit langem abgestreift.<\/i><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die B\u00fccher des old Maurer (von 1854 und 1856 etc.) sind mit echt deutscher Gelehrsamkeit geschrieben\u00a0\u2026\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\">63<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (Hervorhebung von mir; A.S.) Dies schrieb Marx 1868. Die Spitze gegen die russischen Slawophilen ist nicht zu \u00fcberlesen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenige Jahre sp\u00e4ter hat Marx neue Informationen \u00fcber die russische Dorfgemeinde erhalten und bittet den russischen \u00dcbersetzer des Kapitals, Danielson, um Auskunft. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eIch w\u00e4re Ihnen sehr dankbar f\u00fcr einige Informationen \u00fcber Tschitscherin&#8217;s Auffassungen von der geschichtlichen Entwicklung des Gemeindeeigentums in Russland und \u00fcber seine Polemik in dieser Angelegenheit mit Bjeljajew.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\">64<\/a><\/span><\/sup><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Die Art, wie diese Form des Eigentums (geschichtlich) in Russland begr\u00fcndet wurde, ist nat\u00fcrlich eine Frage zweiten Ranges und hat \u00fcberhaupt nichts mit der Bedeutung dieser Einrichtung zu tun<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. (Hervorhebung von mir, A. S.) &#8230; Zudem spricht alle historische Analogie gegen Tschitscherin. Wie soll es m\u00f6glich sein, dass in Russland diese Institution als rein fiskalische Ma\u00dfnahme, als Begleiterscheinung der Leibeigenschaft eingef\u00fchrt worden sein soll, w\u00e4hrend sie \u00fcberall nat\u00fcrlich entstanden ist und eine notwendige Phase der Entwicklung freier V\u00f6lker bildete?\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\">65<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Nachfrage verdeutlicht, dass sich in Russland unterschiedliche Auffassungen zur Entstehungsgeschichte der russischen Dorfgemeinde herausbildeten. Marx \u2013 obwohl noch immer in offener Frontstellung zu den Slawophilen \u2013 h\u00e4lt die Entstehung der Dorfgemeinde aus \u201efiskalischen Ma\u00dfnahmen\u201c f\u00fcr unwahrscheinlich, da f\u00fcr ihn weiterhin das Gemeineigentum am Boden \u201e\u00fcberall nat\u00fcrlich entstanden ist und eine notwendige Phase der Entwicklung freier V\u00f6lker bildete\u201c. Aber noch immer war die \u201eFaktenlage\u201c, der Forschungsstand der damaligen Zeit \u00fcber die tats\u00e4chliche Entstehungsgeschichte, so sp\u00e4rlich, dass gesicherte Erkenntnisse nicht zu formulieren waren. Und so sprach nichts Ernsthaftes gegen die Hypothese von Marx und er konnte seinem Briefpartner (der Volkst\u00fcmler war) das Zugest\u00e4ndnis machen, dass die Entstehung der Dorfgemeinschaft eine Frage \u201ezweiten Ranges\u201c sei gegen\u00fcber der Bedeutung ihrer tats\u00e4chlichen Existenz. Wir werden sehen, dass auch diese Annahme falsch war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die wirkliche Geschichte der russischen Bauernschaft<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Einerseits l\u00e4sst man den Ausl\u00e4nder nicht das Dorf besuchen, damit er nicht etwas erblickt und es der Welt erz\u00e4hlt; anderseits wird der Russe vom Dorf ferngehalten, damit er nicht \u00fcberfl\u00fcssiges Licht in dasselbe hineintr\u00e4gt. Ist es da nicht verwunderlich, dass nicht nur Europa, sondern auch Russland das Dorf nicht kennt.\u201c Wie schwierig es im 19. Jahrhundert gewesen war, ein genaueres Bild von der russischen Dorfgemeinde zu gewinnen, macht das obige Zitat aus dem Jahr 1906 deutlich. Carsten Goehrke, der es in seiner dreib\u00e4ndigen Geschichte des russischen Alltags anf\u00fchrt, f\u00fcgt noch hinzu: \u201eDie b\u00e4uerliche Welt Russlands zeigte sich also auch am Anfang des 20. Jahrhunderts Au\u00dfenstehenden immer noch als ein kaum zug\u00e4nglicher eigener Kosmos, und der Autokratie war es nur recht so.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\">66<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Von der \u201erussischen Bauernschaft\u201c zu sprechen ist irref\u00fchrend, da sie sowohl geographisch als auch sozial sehr unterschiedlich gepr\u00e4gt war. Stephen A.\u00a0Smith umrei\u00dft die ungef\u00e4hre zahlenm\u00e4\u00dfige und regionale Verteilung der unterschiedlichen Teile der russischen Bauernschaft zu Beginn des 20.\u00a0Jahrhunderts: <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201e1905 verf\u00fcgten in den 46 Provinzen des europ\u00e4ischen Teils von Russland 8,68 Millionen Haushalte \u00fcber Land, das formell der kommunalen Neuaufteilung unterstand, w\u00e4hrend 2,3 Millionen \u00fcber Landbesitz auf erblicher Basis verf\u00fcgten (das also vom Vater auf den Sohn \u00fcberging). \u2026 Im Baltikum gab es keine derartigen Dorfgemeinschaften, und in der Ukraine herrschte die Erbfolge vor.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\">67<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> In den zwei Jahrzehnten vor der Revolution sind also etwas mehr als ein Viertel der russischen Bauern <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Landeigent\u00fcmer<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und ann\u00e4hernd dreiviertel der Bauern sind <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>keine Eigent\u00fcmer<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> ihrer Ackerfl\u00e4chen. Sie besitzen sie durch die Dorfgemeinde, die Eigent\u00fcmerin des Bodens ist und \u00fcber seine Verteilung in der Dorfgemeinde entscheidet. Diese unterschiedlichen Eigentumsverh\u00e4ltnisse sind dazu regional deutlich geschieden. Die Ukraine, das Baltikum, teilweise Sibirien und verschiedene kosakische Siedlungsgebiete sind Regionen mit Privateigentum am Boden. Hier nimmt die Revolution einen anderen Verlauf als in den Gebieten der Umteilungsgemeinde. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">So kann auf den folgenden Seiten nur ein ganz kursorischer R\u00fcckblick auf die Geschichte der russischen Bauernschaft, haupts\u00e4chlich jener Bauern in den zentralrussischen Gebieten gegeben werden, um den Umfang dieser Rezension nicht zu sprengen. Hier und weiter s\u00fcdlich in dem zentralen Schwarzerdegebiet dominierte im 19. und 20. Jahrhundert die Umteilungsgemeinde, die auch im Zentrum der weiteren Darstellung stehen wird, da sie die entscheidende Kraft der b\u00e4uerlichen Agrarevolution 1917\/18 bildete. Der interessierte Leser wird allerding genug Quellenhinweise finden, um das Thema vertiefen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Sehr d\u00fcnn ist diese Quellenlage, wenn es um die Situation der Bauernschaft zur Zeit des Kiewer Rus geht. Gesicherte Hinweise aus Klosterakten gibt es erst ab dem 14. Jahrhundert. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Dort ist von einer Umteilungsgemeinde noch keine Rede.<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der Bauer sitzt auf einem durch Brandrodung (Schwendwirtschaft) geschaffenen Hof und ist im Regelfall auch Eigent\u00fcmer des Hofes, wobei das \u201eEigentum\u201c an Land von geringer Bedeutung war, da er aufgrund seiner Wirtschaftsweise alle 20 bis 30 Jahre \u201eumzog\u201c. Geographisch bedingt ist er zumeist Waldbauer, der seinen Lebensunterhalt durch Jagd, Fischfang, Zeidlerei etc. aufbesserte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Den Wald zu roden brauchte einen Arbeitsaufwand, der die Kr\u00e4fte eines einzelnen \u00fcberstieg. Daher kann man annehmen, dass anf\u00e4nglich die erwachsenen S\u00f6hne mithalfen, die neue Wirtschaft aufzubauen, bevor auch sie sich selbstst\u00e4ndig machten. Gelegentlich wurde auch ein Fremder als &#8218;Nachbar&#8216; (sosed) in Haus und Wirtschaft aufgenommen, um eine zus\u00e4tzliche Arbeitskraft zu gewinnen. \u2026 <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Streusiedlung und Schwendwirtschaft bedingten einander anf\u00e4nglich, denn da der Rotationszyklus der Schwend\u00e4cker zwanzig bis 30 Jahre betrug, ben\u00f6tigte schon ein einzelner Hof geeignete Waldreserven \u2026 Wegen des gro\u00dfen Arbeitsaufwandes und des Schrumpfens der Waldreserven d\u00fcrften die Bauern sehr bald dazu \u00fcbergegangen sein, die hofnahen Ackerl\u00e4ndereien dauernd zu bewirtschaften.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\">68<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wie l\u00e4sst sich der \u00f6konomische, der soziale und rechtliche Status des russischen Bauern im Sp\u00e4tmittelalter fassen? \u201eSo entstand im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>der Typus des grossrussischen Waldbauern<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, der an Bewegungsfreiheit, wirtschaftliche Eigeninitiative und Selbstst\u00e4ndigkeit gew\u00f6hnt war. Pers\u00f6nlich frei und an niemandes Weisungen gebunden entschied er selbst dar\u00fcber, ob er an einem Ort bleiben wollte oder nicht. Das Sp\u00e4tmittelalter war eine Zeit ungebremster b\u00e4uerlicher Mobilit\u00e4t. Zeigte sich der Siedelplatz gegen\u00fcber Kriegsz\u00fcgen als zu exponiert, als zu anf\u00e4llig f\u00fcr Missernten oder lagen die Abgaben zu hoch, suchte man sich einen anderen und nutzte die steuerfreien Jahre f\u00fcr Neusiedler. Diese Einstellung behielt der Bauer auch, wenn er sich auf dem Land eines Klosters oder weltlichen Grundherren niederlie\u00df. Zwar versuchten einzelne gro\u00dfe Kl\u00f6ster bereits seit der Mitte des 15. Jahrhundert die Freiz\u00fcgigkeit ihrer Hintersassen einzuschr\u00e4nken, aber erst die Gerichtsordnung von 1497 schrieb generell vor, dass Bauern das von ihnen bewirtschaftete Land nur zu einem einzigen Termin im Jahr \u2013 jeweils eine Woche vor und nach dem St. Georgstag im Herbst (26. November) verlassen d\u00fcrfen.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\">69<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der russische Bauer im 14.\u00a0Jahrhundert ist in der Regel pers\u00f6nlich frei, von \u201eungebremster b\u00e4uerlicher Mobilit\u00e4t\u201c, kennt zwar das \u201emir\u201c als unterste Verwaltungseinheit des zaristischen Staates, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>aber eben nicht als Umteilungsgemeinde.<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Steppe mit ihren fruchtbaren Schwarzerdeb\u00f6den war noch von den Tataren beherrscht und konnte noch nicht von den russischen Bauern besiedelt werden. In den nordrussischen Waldregionen war die Siedlungsdichte der Bauernschaft weiterhin gering. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Rodesiedlung aber war <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>gestreute Kleinsiedlung<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Repr\u00e4sentativ l\u00e4sst sich dies auf Grund der weitgehend erhaltenen Steuerkataster des ausgehenden 15.\u00a0Jahrhunderts f\u00fcr das Nowgoroder Land ermitteln, wo \u00fcber 89 Prozent aller Siedlungen nicht mehr als vier H\u00f6fe z\u00e4hlten, \u00fcber 40 Prozent aus lediglich einem Hof und 40 Prozent aus zwei H\u00f6fen bestanden. \u2026 Auch in den zentraler gelegenen Regionen des Nordost-Rus um Moskau pr\u00e4gte die Kleinsiedlung das Landschaftsbild. Steuerkataster aus dem 15.\u00a0Jahrhundert sind hier zwar nicht erhalten, doch lassen sich aus den Grundbesitzakten vor allem des Metropolitenhauses und der gro\u00dfen Kl\u00f6ster lokale Situationsbilder gewinnen. Selbst im Kreise Moskaus z\u00e4hlten von den 130 Siedlungen, die zu Beginn des 16.\u00a0Jahrhunderts im Besitz des Troize-Sergijew-Klosters standen, mehr als 45 Prozent nur einen bis zwei H\u00f6fe, mehr als drei Viertel hatten h\u00f6chstens f\u00fcnf H\u00f6fe.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\">70<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Unter diesen Bedingungen ist eine Umteilungsgemeinde in der b\u00e4uerlichen Praxis bereits wegen der Dorfgr\u00f6\u00dfe weder sinnvoll noch erkl\u00e4rbar, erst recht nicht aufgrund der Produktionsweise, die vielfach noch immer durch die Brandrodung gepr\u00e4gt ist.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die Entstehung der Umteilungsgemeinde und die \u201eau\u00dfer\u00f6konomische Gewalt\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wie nun ist aus dieser pers\u00f6nlich freien und von erheblicher Mobilit\u00e4t gepr\u00e4gten Bauernschaft die Umteilungsgemeinde mit leibeigener Bauernschaft entstanden? Dies geschah keineswegs durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, die sich bis weit in die Moderne im russischen Dorf kaum \u00e4nderten. Die \u00c4nderung der Produktionsverh\u00e4ltnisse und der rechtlichen Lage der Bauernschaft geschah durch \u201eau\u00dfer\u00f6konomische Gewalt\u201c, durch Eingriff des Staates, der Kl\u00f6ster und der gro\u00dfen Landbesitzer. Sie verwandelten den freien und \u00f6rtlich nicht gebunden russischen Bauer in einen unfreien, leibeigenen und dauerhaft an die Dorfgemeinde gefesseltes Ausbeutungsobjekt. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Dies begann im 18. Jahrhundert, und der Prozess dieser gewaltsamen Umwandlung dauerte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Je nach Region und Rechtstellung der Bauernschaft geschah diese Umwandlung schneller oder langsamer. Im Zentrum der Schwarzerdegebiete geschah es deutlich schneller als in den Randregionen, bei den Staatsbauern langsamer als bei den Gutsbauern.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aber dieser Eingriff der au\u00dfer\u00f6konomischen Gewalt hatte auch eine bedeutende gesellschaftspolitische Auswirkung, die von den b\u00fcrgerlichen Historikern wenig thematisiert wurde: Sie gab den landlosen und armen Bauern, also jenen Kategorien der Landbev\u00f6lkerung, mit denen Lenin sp\u00e4ter das klassenpolitische B\u00fcndnis suchte, Land auf Kosten der wohlhabenden und landbesitzenden Bauernschaft. Die zwangsweise Erschaffung der Umteilungsgemeinde durch Staat, Kirche und Grundbesitz hatte neben der Steuereffizienz im Interesse der Herrschenden auch diese zweite Seite, dem landarmen Dorfbewohner Land zu verschafften und entsprechend der Entwicklung seiner Familiengr\u00f6\u00dfe auch weiterhin zu garantieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Annahme von Marx, dass <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>\u201edie Art, wie diese Form des Eigentums (geschichtlich) in Russland begr\u00fcndet wurde, \u2026 eine Frage zweiten Ranges\u201c<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> sei, war darum unzutreffend. F\u00fcr die Masse der armen Bauernschaft war die Schaffung der Umteilungsgemeinde gegen die landbesitzende, wohlhabende Bauernschaft ein wesentlicher Fortschritt bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation. Dies erkl\u00e4rt, weshalb die gro\u00dfe Mehrheit der russischen Bauernschaft die Umteilungsgemeinde auch im 20. Jahrhundert mit \u201eZ\u00e4hnen und Klauen\u201c verteidigt hat. Folgen wir nun den b\u00fcrgerlichen Darstellungen aus verschiedenen Quellen, wie sie diesen Prozess der Entstehung der Umteilungsgemeinde schildern.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Alle Reformen (gemeint sind die Verwaltungs-, Armee- und Steuerreformen von Peter\u00a0I; A.S.) kosteten Geld \u2026 Um die Reform zu finanzieren, \u2026 wurde das gesamte Steuersystem von der bisherigen Steuer je Hof (auf dem sich ja eine gro\u00dfe Familie versammeln lie\u00df) auf eine Kopfsteuer umgestellt, die Bauern und Sklaven gleichsetzte und von &#8218;jeder m\u00e4nnlichen Seele&#8216; erhoben wurde. \u2026 Um die erh\u00f6hte Belastung durchzusetzen, mussten Gutsbesitzer und Staat die Gesamthaftung der b\u00e4uerlichen Gemeinden ausbauen. Da Steuer und Rekrutenaushebung Reiche und Arme in gleicher Weise trafen, wirkten sich Flucht oder Armut einer Familie, die einmal im staatlichen Register aufgenommen war, f\u00fcr alle im Dorf verheerend aus. Gutsbesitzer und Bauern gingen deshalb immer mehr dazu \u00fcber, den alten Dorfgemeinden eine neue Funktion zuzuweisen \u2013 das Land unter alle gleichm\u00e4\u00dfig zu verteilen. Daraus folgte, da die Familien unterschiedlich wuchsen, dass das Land nach gewissen Fristen wieder neu verteilt werden musste, wobei als Ma\u00df entweder jede (m\u00e4nnliche) &#8218;Seele&#8216; oder das &#8218;Joch&#8216; eines Ehepaares galten. Wo diese Regelung durchgesetzt wurde, verloren die Bauern also das private Besitzrecht am Boden.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\">71<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aus der untersten Verwaltungseinheit des russischen Staates, dem \u201aMIR\u2018, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>entstand nun zus\u00e4tzlich die Umteilungsgemeinde mit gemeinschaftlichem Bodeneigentum<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Dies geschah nat\u00fcrlich keineswegs so reibungslos und harmonisch, wie die Darstellung Noltes es nahelegt. Der Druck des Staates und der Grundbesitzer auf die Bauern nahm bei dieser Neuordnung erheblich zu, die Leibeigenschaft der Bauern und ihre Bindung an die Dorfgemeinde bildeten sich heraus, und die wohlhabenden Landeigent\u00fcmer wehrten sich entsprechend ihren M\u00f6glichkeiten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dies alles: die staatlichen (einheitlichen)<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\">72<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> wie die privaten (nach dem Grundherrn des zu bearbeitenden Landes differenzierten) Abgaben und Dienste organisierte und verteilte die Dorfgemeinde. Sie nahm nun in der Tat jene multifunktionale Form an, die ihr die Slawophilen um die Mitte des 19. Jahrhunderts zuschrieben. Geh\u00e4use der Selbstverwaltung war sie schon lange; diese Funktion d\u00fcrfte die \u00e4lteste gewesen sein und bis ins Mittelalter zur\u00fcckreichen. \u2026 Als Gesamteigent\u00fcmer und Organ der Um- und Zuteilung sowohl des Grund und Bodens als auch der staatlichen wie der privaten Abgaben und Leistungen aber nahm sie erst in den fr\u00fchen Dekaden des 18. Jahrhunderts Gestalt an.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\">73<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Einf\u00fchrung der Kopfsteuer samt der Regularisierung von bars\u0306c\u0306ina<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\">74<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und obrok<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\">75<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> gab diesem Prozess einen weiteren endg\u00fcltigen Schub. Denn nun bot es sich an, die erforderliche fiskalisch-\u00f6konomische Leistungsf\u00e4higkeit durch eine entsprechende Landausstattung sicherzustellen. Die Verwaltungsgemeinde wurde \u00fcber die Umteilungsgemeinde zur Solidarhaftungsgemeinde, der vor allem daran gelegen sein musste, nicht \u201asteuerf\u00e4hige\u2018 Armut zu vermeiden. Dass sie dar\u00fcber hinaus die Ausbildung bestimmter Denk- und Handlungsmuster beg\u00fcnstigte und eine spezifische d\u00f6rfliche Mentalit\u00e4t entstand, ergab sich mit erheblicher Zwangsl\u00e4ufigkeit. Und auch eine weitere, generelle Beschr\u00e4nkung der Freiz\u00fcgigkeit in Gestalt des 1719 verf\u00fcgten Passzwangs geh\u00f6rt nicht nur in den Kontext der Konskription und des Problems der Desertion. Vielmehr half sie den Dorfgemeinden, \u2026 ihren Steuerpflichten nachzukommen. Da der Fiskus seine Forderungen auf der Grundlage der Revisionsz\u00e4hlungen pauschal \u2026 an die obs\u0306c\u0306iny \u00fcbermittelte, hatten diese ein lebhaftes Interesse daran, ihre Mitglieder am Ort zu halten. \u2026 <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenn man daher auf die einst heftig diskutierte Frage nach der Entstehung der obs\u0306c\u0306ina, ihrem historischen Kontext und ihren Gr\u00fcnden, eine Antwort geben will, so l\u00e4sst sich am ehesten auf den Zusammenhang mit der Herausbildung der Leibeigenschaft bis hin zu ihrer fiskalischen Festschreibung unter Peter und seinen Nachfolgern verweisen: Die Dorfgemeinde in ihrer entwickelten Form des 19. Jahrhunderts war ihr Gesch\u00f6pf und ihre elementare, unverzichtbare Funktionseinheit. Endg\u00fcltig wurde die obs\u0306c\u0306ina nun zur geschlossenen d\u00f6rflichen Lebenswelt, zu jenem monadischen Kosmos, der wenig Kontakte nach au\u00dfen hatte und den Staat nicht nur als fremd, sondern vor allem als ausbeuterisch und bedrohlich betrachtete.\u201c<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\">76<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wie kurz dargestellt, ist es einer ganzen Reihe b\u00fcrgerlicher Wissenschaftler gelungen, die inzwischen zug\u00e4nglichen Quellen zu nutzen, um die wirkliche Geschichte der Dorfgemeinschaft <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>zu erforschen<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Sie sind heute in der Lage, eine komplett andere Geschichte der russischen Dorfgemeinde pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, als wir sie in den Schriften von Marx oder Lenin finden k\u00f6nnen. Und dazu konnten wir erkennen, dass die \u201euralte Institution\u201c der Umteilungsgemeinde gerade wenige Jahrzehnte vor ihrer \u201eEntdeckung\u201c durch Haxthausen ihre endg\u00fcltige Form gewonnen hatte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Ende des Einschubs aus den AzD Nr. 90]<\/b><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die Unterschiede zur europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Anders verlief die Entwicklung in der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t. Hier bestand der Staat aus der Lehenspyramide des Adels (Personenverbandsstaat). Der Adel konstituierte den Staat. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der westeurop\u00e4ische Adel war nicht abh\u00e4ngig vom Staat, die feudale Staatlichkeit war abh\u00e4ngig von der Bereitschaft des Adels, seinen Lehensverpflichtungen nachzukommen.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Staatlichkeit dieses Personenverbandsstaates endete bei den Rechten und Immunit\u00e4ten, die sich der Adel und die St\u00e4dte erstritten. Die Schw\u00e4che dieses feudalen Staatsgebildes erm\u00f6glichte erst den Aufstieg der europ\u00e4ischen St\u00e4dte zur \u00f6konomischen und politischen Selbst\u00e4ndigkeit, eine Unm\u00f6glichkeit in den zentralisierten Staaten des Ostens.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bildete der westeurop\u00e4ische Ritter die milit\u00e4rische und verwaltungstechnische Grundlage des feudalen &#8222;Personenverbandsstaates&#8220;, dessen innere Zerrissenheit und Schw\u00e4che gerade die Grundlage f\u00fcr das Aufkommen der &#8222;freien euro\u00adp\u00e4ischen Stadt&#8220; (F. Heer) war, so bildete der russische &#8222;Ritter&#8220; ein Organ der zentralistischen Macht des Zaren \u00fcber die gesamte Gesellschaft. &#8222;Der moskowitische Dienststand (&#8230;) ist ein einzigartiges Ph\u00e4nomen in der Geschichte der gesellschaftlichen Institutionen. Eigentlich ist er durch keine aus der abendl\u00e4ndischen Geschichte entlehnte Bezeichnung wie Aristokratie oder Landadel befriedigend zu definieren. Er bildete ein Reservoir von erfahrenen M\u00e4nnern, die der Staat f\u00fcr alle erdenklichen Aufgaben heranzog, zur Kriegsf\u00fchrung, in Verwaltung, Gesetzgebung, Rechtsprechung, Diplomatie, Handel und Gewerbe. Dass sie ihren Lebensunterhalt fast ausschlie\u00dflich aus der Nutzung des Landes und nach den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts durch die Ausbeutung der Arbeitskraft von Unfreien und Leibeigenen bezogen, ging auf eine Eigent\u00fcmlichkeit der russischen Geschichte zur\u00fcck, n\u00e4mlich den Mangel an Bargeld. Sp\u00e4ter dann, im 18. und 19. Jahrhundert, wurde der beamtete Zweig des Dienststandes besoldet, womit sich aber weder sein Charakter noch seine Funktion nennenswert ver\u00e4nderten. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Klasse hatte ihre Wurzeln nicht, wie der Adel sonst \u00fcberall in der Welt, im Land, sondern im Dienst f\u00fcr den Herrscher.\u201c<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\"><sup>77<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der \u00f6konomische Unterbau der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t, der Bauer auf seinem individuellen Hof, fehlte in Russland &#8211; mit den benannten Ausnahmen &#8211; ebenso wie das Handwerk und Handelskapital der westeurop\u00e4ischen Stadt. Damit fehlte aber in Russland das Entscheidende der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t, es fehlten alle jene Momente, die die Fortentwicklung der westeurop\u00e4ischen Gesellschaften erm\u00f6glichten. Dieselben sind nicht mit der \u00dcbernahme eines Elements der westeurop\u00e4ischen Heeresverfassung in die russische Gesellschaft zu verpflanzen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dass f\u00fcr Hintze die russische Gesellschaft seit dem 16. Jahrhundert feudale Z\u00fcge aufweist, liegt an der Begrenztheit seines Zugangs, der ausschlie\u00dflich staatsrechtliche Elemente und die Milit\u00e4rorganisation in den Blick nimmt. So gelangt er auch zu einem osmanischen und japanischen Feudalismus, bei dem ebenso \u00c4hnlichkeiten oder \u00dcbernahmen der Heeres- und Staatsverfassung feststellbar seien, ohne dass vergleichbare gesellschaftliche Grundlagen vorliegen. Was man einem b\u00fcrgerlichen Historiker, dessen Arbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, nur begrenzt zum Vorwurf machen kann, n\u00e4mlich das \u00dcbersehen der \u00f6konomischen Basis einer Gesellschaft, muss den &#8222;marxistischen&#8220; Feudalismus-Anh\u00e4ngern der osteurop\u00e4ischen Entwicklung unbedingt vorgeworfen werden: Sie ignorieren hartn\u00e4ckig, dass der russische Bauer von g\u00e4nzlich anderer <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Art <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">war als sein westeurop\u00e4ischer Widerpart, dass der russische St\u00e4dter und Kleinb\u00fcrger so gut wie nicht existierte und der russische &#8222;Ritter&#8220; nur eine um 500 Jahre versp\u00e4tete Kopie eines Teils der feudalen Heeresverfassung war, ohne jemals die historisch fortschrittliche Rolle des europ\u00e4ischen Ritters zu verk\u00f6rpern und ohne dessen Rechte gegen\u00fcber seinem Lehnsgeber zu besitzen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Gesellschaft und Staat<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Nach der &#8222;asiatischen&#8220; Modernisierung durch die Geldsteuer der Mongolen war die &#8222;europ\u00e4ische&#8220; Modernisierung Russlands durch die Schaffung eines Dienst\u00adadels das zweite Standbein des Zarentums. Beide Elemente wurden der russi\u00adschen Gesellschaft &#8222;von au\u00dfen&#8220; aufgezwungen, entsprangen nicht ihrer eigenen sozialen Struktur.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\">78<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Diese Einfl\u00fcsse aber machten Russland weder zu einer Gesellschaft asiatischen Typs, wie wir sie in China oder Indien finden, noch zu einem in der geschichtlichen Entwicklung zu sp\u00e4t gekommenen Feudalstaat westeurop\u00e4ischen Zuschnitts. Mit den asiatischen Gesellschaften hat Russland die schwache Entwicklung des Privateigentums &#8211; eine Folge der vielfach als feudal eingesch\u00e4tzten Reformen des 15. und 16. Jahrhunderts (Dienstadel, [beginnende] Aufhebung der Freiz\u00fcgigkeit der Bauern) &#8211; und die <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">patrimoniale <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Stellung des Herrschers<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\">79<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> gemeinsam. Von Europa entlehnte Russland seine <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Heeresreformen und sp\u00e4ter &#8211; im Zeitalter des europ\u00e4ischen Absolutismus &#8211; Momente der Staatsverwaltung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die russische Gesellschaft war trotz dieser \u00dcbernahmen weder asiatisch noch war sie feudal. Sie war eine Gesellschaft slawischer Ackerbauern unter den Bedingungen des kontinentalen Klimas. Aufgrund ihrer inneren Struktur war sie weitgehend unf\u00e4hig zu einer dauerhaften Staatsbildung. Die Elemente der Staatsbildung mussten der slawischen Ackerbaugesellschaft unter den Bedin\u00adgungen des Kontinentalklimas &#8222;von au\u00dfen&#8220; aufgezwungen werden. &#8222;Auf den ersten Blick betrachtet, hat die Natur Russland zur Existenz eines dezentralisierten Landes bestimmt, das aus einer Vielzahl in sich abgeschlossener Gemeinschaften besteht, die sich selbst verwalten. Hier spricht alles gegen eine Staatsbildung: Die Kargheit des Bodens, die weite Entfernung von den gro\u00dfen internationalen Handelsstra\u00dfen, die d\u00fcnne Bev\u00f6lkerung und ihre Mobilit\u00e4t.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote80sym\" name=\"sdfootnote80anc\">80<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> So wie die Moskauer Staatsgr\u00fcndung Russlands auf die tatarischen Einfl\u00fcsse zur\u00fcckgreifen kann, so weist sie in der Organisation des Heerwesens und sp\u00e4terhin (unter Peter) in der Staatsverwaltung europ\u00e4ische Einfl\u00fcsse auf.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Widerspr\u00fcchlichkeit zwischen russischer Gesellschaft und russischem Staat bildet die Grundlage f\u00fcr die unterschiedlichen Einsch\u00e4tzungen \u00fcber den Charakter der russischen Verh\u00e4ltnisse. Wittfogel und sp\u00e4ter in seinem Gefolge Dutschke betonen die asiatischen Einfl\u00fcsse, die [sowjetische] Geschichtsschreibung dagegen die europ\u00e4ischen Einfl\u00fcsse. So kommen die erstgenannten zur &#8222;asiatischen Despotie&#8220; und der osteurop\u00e4ische Marxismus zum &#8222;Feudalismus&#8220; der russischen Gesellschaft. In beiden F\u00e4llen wird die eigenst\u00e4ndige \u00f6konomische Struktur der russischen Gesellschaft missachtet.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 18pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">II. Die europ\u00e4ische Feudalit\u00e4t<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Sichtweise Lenins und fast des gesamten Marxismus zur Geschichte Russlands war um die Jahrhundertwende durch die europ\u00e4ische Entwicklung gepr\u00e4gt. Inwiefern Russland einen grunds\u00e4tzlich anderen Weg der gesellschaftlichen Entwicklung genommen hatte, wurde weder von Lenin noch von anderen f\u00fchrenden russischen Marxisten problematisiert. So schrieb beispielsweise Trotzki: &#8222;Die Grundelemente des russischen Feudalismus waren die gleichen wie im Westen&#8220;. Diesen Tatbestand hielt er f\u00fcr &#8222;unbedingt nachgewiesen&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote81sym\" name=\"sdfootnote81anc\">81<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Im vorigen Abschnitt haben wir das Problem des Charakters der russischen Gesellschaft behandelt [und kamen zu einem anderen Ergebnis]. Als eine Gesellschaft slawischer Ackerbauern war die russische Gesellschaft letztlich weder europ\u00e4ischen (feudal) noch asiatischen (hydraulische Gesellschaft) Zuschnitts. Sie war zweifelsfrei von den Einfl\u00fcssen der unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen beider Kontinente gezeichnet, ohne jedoch ihre bestimmende Eigent\u00fcmlichkeit als slawische Ackerbaugesellschaft zu verlieren. In der Oktoberrevolution, die mit ihrem &#8222;Dekret \u00fcber den Grund und Boden&#8220; faktisch ganz Russland zu einer Dorfgemeinde erkl\u00e4rte,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote82sym\" name=\"sdfootnote82anc\"><sup>82<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> wurde dieser Charakter der russischen Gesellschaft offenkundig.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Was im vorherigen Abschnitt am konkreten Fall Russlands er\u00f6rtert wurde, soll im Folgenden grunds\u00e4tzlicher aufgeworfen werden: die Frage nach dem Charakter der Gesellschaftsordnungen in Europa und im &#8222;Rest der Welt&#8220; seit der Jahrtausendwende. Dies kann in einem Buch \u00fcber die russische\/sowjetische Geschichte nur thesenhaft geschehen, ist aber zu einer Abgrenzung gegen\u00fcber dem osteurop\u00e4ischen Marxismus und seiner Interpretation sowohl der russischen Revolution im konkreten als auch seiner Gesellschaftslehre im Allgemeinen, notwendig. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Verfasser ist in dieser Frage &#8211; im Gegensatz zum osteurop\u00e4ischen Marxismus &#8211; der Ansicht, <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">dass einzig die europ\u00e4ische Gesellschaft zu einer progressiven Entwicklung f\u00e4hig war; w\u00e4hrend die anderen Regionen der Erde letztendlich durch Stagnation und Niedergang gekennzeichnet waren. Die allein in Europa sich herausbildende Feudalit\u00e4t war die Voraussetzung nicht nur f\u00fcr das Aufkommen &#8211; welches in vielen Gesellschaften zu beobachten war -, sondern auch f\u00fcr den Sieg der Bourgeoisie \u00fcber die feudale Gesellschaft und den europ\u00e4ischen Siegeszug \u00fcber die Erde.<\/span><\/span><\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Feudalit\u00e4t &#8211; ein Sonderfall der Geschichte<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Der Feudalismus ist nicht das Gesch\u00f6pf einer immanenten nationalen Entwicklung, sondern einer weltgeschichtlichen Konstellation (&#8230;). Wir m\u00fcssen das Vorurteil fahren lassen, das vielfach im Schwange geht, als ob er ein allgemeines Durchgangsstadium sei, das jedes Volk einmal durchmachen m\u00fcsse. So einfach liegt die Sache nicht.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote83sym\" name=\"sdfootnote83anc\">83<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> F\u00fcr Otto Hintze, von dem diese Zeilen stammen, sind zwei Gedanken zum Thema Feudalismus bedeutsam. Zum ersten ist f\u00fcr ihn der Feudalismus nicht das alleinige Produkt <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">der inneren Entwicklung eines einzigen Volkes,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> sondern nur als das Ergebnis eines <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zusammentreffens unterschiedlicher V\u00f6lker und Kulturkreise<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> m\u00f6glich.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Konkret entwickelt er diesen Gedanken am Beispiel der Entstehung der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t: &#8222;Wir sehen vielmehr an dem Beispiel des fr\u00e4nkischen Reiches und der r\u00f6misch-germanischen Welt, dass bei der Entstehung des Feudalismus zwei verschiedene Faktoren zusammenwirken, die wir auseinanderhalten m\u00fcssen: einmal ein in der Geschichte h\u00e4ufig und mit einer gewissen Regelm\u00e4\u00dfigkeit wiederkehrender, wir k\u00f6nnen sagen soziologischer Prozess, n\u00e4mlich der \u00dcbergang von einer lockeren Stammes- und Sippenverfassung zu einer festeren Staats- und Gesellschaftsordnung, wie sie bei v\u00f6lliger und endg\u00fcltiger Sesshaftigkeit einzutreten pflegt; und zweitens eine weltgeschichtliche F\u00fcgung &#8211; beim fr\u00e4nkischen Reiche der Kontakt mit der absterbenden Kultur und Zivilisation des r\u00f6mischen Reiches -, die diesen Prozess von seinem nat\u00fcrlichen, regelm\u00e4\u00dfigen Gange ablenkt und ihm die schicksalsvolle Richtung auf einen pl\u00f6tzlich, d. h. unvermittelt einsetzenden, viele Etappen \u00fcberfliegenden Imperialismus gibt, der nichts geringeres bezweckt, als dieses gewaltige Weltreich oder wenigstens seine abendl\u00e4ndische H\u00e4lfte durch eine heroische Kraftanstrengung jugendlich-roher kriegerischer St\u00e4mme zu unterwerfen und zu regieren (&#8230;) Meine These ist also die: Feudalismus im vollen Sinne stellt sich in der Regel nur da ein, wo die normale, direkte Entwicklung vom Stamm zum Staat abgelenkt wird durch eine weltgeschichtliche Konstellation, die zu einem \u00fcberst\u00fcrzten Imperialismus f\u00fchrt.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote84sym\" name=\"sdfootnote84anc\">84<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Feudalit\u00e4t im Sinne Hintzes hat also zwei Voraussetzungen: Einerseits ein Barbarenvolk auf der h\u00f6chsten Stufe der Barbarei (definiert durch die beginnende Sesshaftigkeit und den \u00dcbergang von der lockeren Stammes- und Sippenverfassung zu einer festeren Gesellschaftsordnung) und zweitens jene &#8222;weltgeschichtliche F\u00fcgung&#8220; des Zusammentreffens dieses kriegerischen Stammes mit der &#8222;absterbenden Kultur und Zivilisation&#8220; eines Weltreiches.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote85sym\" name=\"sdfootnote85anc\"><sup>85<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Aus dem Zitierten wird Hintzes zweite Grundthese deutlich. Wenn die Entstehung der Feudalit\u00e4t an das Zusammentreffen eines untergehenden Weltreiches mit einer &#8222;jugendlich-rohen&#8220; Kriegergesellschaft auf der Oberstufe der Barbarei gebunden ist, so kann sie kein notwendiges, allgemeines Entwicklungsschema der Menschheit darstellen, welches alle V\u00f6lker durchlaufen m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bei Hintze wird damit die Feudalit\u00e4t zu einem <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Sonderfall der Geschichte,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> zu einer Abweichung von der &#8222;normalen&#8220; Entwicklung, die f\u00fcr Hintze vom Stamm zum Staat f\u00fchrt. Die Feudalit\u00e4t dagegen f\u00fchre zum &#8222;\u00fcberst\u00fcrzten Imperialismus&#8220; und behindere die Ausbildung eines &#8222;normalen&#8220;, zentralisierten Staatsapparates. Bei der Feudalit\u00e4t haben wir es somit mit einer Gesellschaftsordnung zu tun, die einerseits &#8222;viele Etappen \u00fcberfliegend&#8220; einen Imperialismus hervorbringt, andererseits einer normalen Ausbildung des Staatsapparates, der Weiterentwicklung einer Stammesgesellschaft zum Staat, im Wege steht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Neben den angef\u00fchrten Besonderheiten, die Voraussetzung f\u00fcr die <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Entstehung <\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">einer feudalen Gesellschaftsstruktur sind, arbeitet Hintze auch die seiner Auffassung nach bestimmenden Momente einer Feudalgesellschaft heraus: &#8222;Das sind also die drei Faktoren, die als Gesamteffekt den Feudalismus hervorbringen &#8211; wir k\u00f6nnen auch sagen: die drei Funktionen, in denen der Feudalismus sich auswirkt:<br \/>\n1. die milit\u00e4rische: Aussonderung eines hochausgebildeten, dem Herrscher in Treue verbundenen berufsm\u00e4\u00dfigen Kriegerstandes, der auf Privatvertrag beruht und eine bevorrechtigte Stellung einnimmt,<br \/>\n2. die \u00f6konomisch-soziale: Ausbildung einer grundherrschaftlich\u00ad-b\u00e4uerlichen Wirtschaftsweise, die diesem privilegierten Kriegerstand ein arbeitsfreies Renteneinkommen gew\u00e4hrt,<br \/>\n3. lokale Herrenstellung dieses Kriegsadels und ma\u00dfgebender Einfluss oder auch selbstherrliche Absonderung in einem Staatsverband, der dazu pr\u00e4disponiert ist, durch eine sehr lockere Struktur, durch das \u00dcberwiegen der pers\u00f6nlichen Herrschaftsmittel \u00fcber die anstaltlichen. (&#8230;)<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ich bin nun der Meinung, dass man von Feudalismus schlechtweg, d.h. in vollem Sinne, im Sinne eines Verfassungssystems, nur da sprechen sollte, wo diese drei Faktoren, sich gegenseitig bedingend, zusammenwirken,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> wie es bei den Nachfolgestaaten des karolingischen Reiches der Fall war, nicht aber schon da, wo nur der eine oder andere dieser Faktoren oder gar nur ein Ansatz dazu nachgewiesen werden kann. Dergleichen Ans\u00e4tze finden sich zu allen Zeiten und bei vielen V\u00f6lkern.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote86sym\" name=\"sdfootnote86anc\">86<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Feudalit\u00e4t w\u00e4re also nur dort anzutreffen, wo alle drei von Hintze benannten Faktoren, besondere (bevorrechtete) Stellung eines auf &#8222;Privatvertrag&#8220; beruhenden Kriegerstandes, grundherrschaftlich-b\u00e4uerliche Wirtschaftsweise und &#8222;lockere Struktur&#8220; des Staatsverbandes (Personenverbandsstaat) existieren. Einzelne dieser Elemente seien bei vielen V\u00f6lkern zu verschiedenen Zeiten anzutreffen, nur die Gesamtheit dieser Faktoren aber erlaube es, von einer Feudalgesellschaft zu sprechen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx und Engels zur Entstehung der Feudalgesellschaft<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Ausf\u00fchrungen von Marx und Engels zur Entstehung der Feudalgesellschaft weisen in zentralen Punkten eine weitgehende \u00dcbereinstimmung mit den zitierten Auffassungen Otto Hintzes auf, ohne dass die beiden Begr\u00fcnder des wissenschaftlichen Sozialismus sich wie Hintze auf die staatsrechtliche Problematik dieser Frage konzentriert h\u00e4tten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx wie Engels gingen in ihren Arbeiten davon aus, dass die Ausbildung einer feudalen Gesellschaftsstruktur eine spezifisch europ\u00e4ische Besonderheit sei. Den Ursprung der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t sahen sie &#8211; nach einer Formulierung von Marx &#8211; im Zusammentreffen von &#8222;germanischer Heeresverfassung&#8220; und jenen &#8222;in den eroberten L\u00e4ndern vorgefundenen Produktivkr\u00e4ften&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote87sym\" name=\"sdfootnote87anc\">87<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Diese Formulierung entspricht weitgehend dem sp\u00e4ter (1928) von Hintze entwickelten Gedanken vom Zusammentreffen einer &#8222;absterbenden Kultur und Zivilisation&#8220; eines untergehenden Weltreiches mit der eines Barbarenvolkes auf der Oberstufe der Barbarei, bei beginnender Sesshaftigkeit und dem &#8222;\u00dcbergang von einer lockeren Stammes- und Sippenverfassung zu einer festeren Staats- und Gesellschaftsordnung&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wie nun sahen Marx und Engels die &#8222;germanische Heeresverfassung&#8220; und die &#8222;in den eroberten L\u00e4ndern vorgefundenen Produktivkr\u00e4fte&#8220;, die beide zusam\u00admengenommen erst die Herausbildung der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t erm\u00f6glicht h\u00e4tten. Die germanische Heeresverfassung kennt mit Sicherheit seit der Zeitenwende zwei Momente, den Heerbann des gesamten Volkes und die Gefolgschaften des Stammesadels.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote88sym\" name=\"sdfootnote88anc\">88<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Mit der Sesshaftigkeit des Stammes<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote89sym\" name=\"sdfootnote89anc\">89<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> einerseits und den wachsenden Anforderungen des Kriegswesens (Verpflegung, Ausr\u00fcstung und Dauer der Kriegsz\u00fcge) andererseits, verf\u00e4llt der Heerbann und werden die ehemaligen Gefolgschaften immer mehr zur eigentlichen Grundlage der kriegerischen Macht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Engels beschreibt diesen Prozess mit den Worten: &#8222;Die freien grundbesitzenden Bauern, die Masse des fr\u00e4nkischen Volkes (&#8230;), die urspr\u00fcnglich das ganze Heer und nach der Eroberung Frankreichs dessen Kern gebildet hatten, waren am Anfang des neunten Jahrhunderts so verarmt, dass kaum noch der f\u00fcnfte Mann ausziehen konnte. An die Stelle des direkt vom K\u00f6nig aufgebotenen Heerbanns freier Bauern trat ein Heer, zusammengesetzt aus den Dienstleuten der neuaufgekommenen Gro\u00dfen&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote90sym\" name=\"sdfootnote90anc\">90<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese &#8222;Dienstleute der neuaufgekommenen Gro\u00dfen&#8220; haben in den germani\u00adschen Gefolgschaften ihren historischen Ursprung. Sie bilden die Grundlage f\u00fcr das sich sp\u00e4ter herausbildende Rittertum, d.h. f\u00fcr den berittenen, sp\u00e4ter gepanzerten Krieger von Profession. Die Kampfweise des Ritters erforderte seine individuelle Ausbildung und dauerndes k\u00f6rperliches Training; seine Ausr\u00fcstung (Pferd, Ersatzpferd, Speer, Lanze, Schild, Panzerung, Verpflegung, Knappe und weitere Begleitung) entsprechende arbeitsfreie Eink\u00fcnfte. Das Berufskriegertum, in den germanischen Gefolgschaften bereits angelegt, erfuhr in der feudalen Kriegsverfassung in dem europ\u00e4ischen Ritter seine vollst\u00e4ndige Ausbildung und christliche Verbr\u00e4mung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die \u00f6konomische Grundlage des feudalen Berufskriegers waren arbeitsfreie Eink\u00fcnfte. Dieselben erwarb er entweder durch Landbesitz und die Abgabever\u00adpflichtung der dort ans\u00e4ssigen Bauern oder durch den Eintritt in die Gefolgschaft eines gr\u00f6\u00dferen F\u00fcrsten, immer begleitet von der Hoffnung, durch seinen Kriegsdienst in den Besitz von Land zu gelangen. Und hier sind wir bei dem Problem des Entwicklungsstandes der Produktivkr\u00e4fte. Engels spricht in Bezug auf die Produktivkr\u00e4fte zu Beginn der Feudalzeit davon, dass sie jenen glichen, die am Ende des r\u00f6mischen Reiches anzutreffen gewesen seien und deshalb &#8222;mit Notwendigkeit&#8220; \u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse hervorgebracht h\u00e4tten.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote91sym\" name=\"sdfootnote91anc\"><sup>91<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Zugleich arbeitet er aber auch in diesem Zusammenhang das qualitativ Neue der europ\u00e4ischen Gesellschaft seit dem neunten Jahrhundert heraus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dem Schein nach war also die Masse der Bev\u00f6lkerung nach vierhundert Jahren ganz wieder am Anfang angekommen. Das aber bewies zweierlei: Erstens, dass die gesellschaftliche Gliederung und die Eigentumsverteilung im sinkenden R\u00f6merreich der damaligen Stufe der Produktion in Ackerbau und Industrie voll\u00adst\u00e4ndig entsprochen hatte, also unvermeidlich gewesen war; und zweitens, dass diese Produktionsstufe w\u00e4hrend der folgenden vierhundert Jahre weder wesentlich gesunken war noch sich wesentlich gehoben hatte, also mit derselben Notwendigkeit dieselbe Eigentumsverteilung und dieselben Bev\u00f6lkerungsklassen wieder erzeugt hatte. Die Stadt hatte in den letzten Jahrhunderten des R\u00f6merreichs ihre fr\u00fchere Herrschaft \u00fcber das Land verloren und in den ersten Jahrhunderten der deutschen Herrschaft sie nicht wiedererhalten. Es setzt dies eine niedrige Entwicklungsstufe sowohl des Ackerbaus wie der Industrie voraus. Diese Gesamtlage produziert mit Notwendigkeit gro\u00dfe herrschende Grundbesitzer und abh\u00e4ngige Kleinbauern. Wie wenig es m\u00f6glich war, einerseits die r\u00f6mische Latifundienwirtschaft mit Sklaven, anderseits die neuere Gro\u00dfkultur mit Fronarbeit, einer solchen Gesellschaft aufzupfropfen, beweisen Karls des Gro\u00dfen ungeheure, aber fast spurlos vor\u00fcbergegangene Experimente mit den ber\u00fchmten kaiserlichen Villen. (&#8230;) Und doch war man w\u00e4hrend dieser vierhundert Jahre weitergekommen. Finden wir auch am Ende fast dieselben Hauptklassen wieder vor wie am Anfang, so waren doch die Menschen andere geworden, die diese Klassen bildeten. Verschwunden war die antike Sklaverei (&#8230;) Zwischen den r\u00f6mischen Kolonen und dem neuen H\u00f6rigen hatte der freie fr\u00e4nkische Bauer gestanden. (&#8230;) Die Gesellschaftsklassen des neunten Jahrhunderts hatten sich gebildet, nicht in der Versumpfung einer untergehenden Zivilisation, sondern in den Geburtswehen einer neuen. (&#8230;) Das Verh\u00e4ltnis von m\u00e4chtigen Grundherren und dienenden Bauern (&#8230;) war jetzt (&#8230;) Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung. Und dann, so unproduktiv diese vierhundert Jahre auch scheinen, <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">ein<\/span><\/span><\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> gro\u00dfes Produkt hinterlie\u00dfen sie: die modernen Nationalit\u00e4ten, die Neugestaltung und Gliederung der westeurop\u00e4ischen Menschheit f\u00fcr die kommende Geschichte. Die Deutschen hatten in der Tat Europa neu belebt, und darum endete die Staatenaufl\u00f6sung der germanischen Periode nicht mit normannisch-sarazenischer Unterjochung, sondern mit der Fortbildung der Benefizien und der Schutzergebung (Kommendation) zum Feudalismus.&#8220;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote92sym\" name=\"sdfootnote92anc\">92<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Untergang des R\u00f6mischen Reiches hat nach Engels mit Notwendigkeit die Herausbildung einer agrarisch gepr\u00e4gten Wirtschaftsweise von &#8222;m\u00e4chtigen Grundherren und dienenden Bauern&#8220; hervorgebracht. Die teilweise auf Sklaverei beruhende Wirtschaftsweise des R\u00f6mischen Weltreichs war \u00f6konomisch unhaltbar geworden und hatte sich mit dem Untergang des Reiches auch politisch \u00fcberlebt. An die Stelle der mit Sklavenarbeit betriebenen Latifundien trat das Kolonat, eine Bewirtschaftung durch weitgehend rechtlose, an die Scholle gefesselte und mit dem Boden verkaufbare Arbeitskr\u00e4fte. Dieselben Produktivkr\u00e4fte &#8211; die vierhundert Jahre sp\u00e4ter an der Wiege der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t noch immer pr\u00e4gend sind &#8211; bringen nun die b\u00e4uerlich-grundherrschaftliche Struktur der Landwirtschaft in Westeuropa hervor. Diese aber hatte nicht im r\u00f6mischen Kolonen, sondern im freien fr\u00e4nkischen Bauern mit seiner Markgenossenschaft ihr produktives und gesellschaftspr\u00e4gendes Fundament.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote93sym\" name=\"sdfootnote93anc\">93<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Damit wurde ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis (Gro\u00dfgrundbesitz\/Kolonat) welches in der antiken Gesellschaft eine &#8222;ausweglose Untergangsform&#8220; war, bei einem weitgehend identischen Stand der Produktivkraftentwicklung in seiner neuen Form am Ende der V\u00f6lkerwanderung als Verh\u00e4ltnis von Grundherr und Bauer, zum &#8222;Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung&#8220;, zur &#8222;Fortbildung (&#8230;) zum Feu\u00addalismus&#8220;. (Engels)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das Verh\u00e4ltnis Grundherr\/Bauer, welches die europ\u00e4ische Feudalit\u00e4t kenn\u00adzeichnet, erlebte im Laufe der sieben Jahrhunderte des europ\u00e4ischen Mittelalters (800-1500) manche Formver\u00e4nderung. Ausgangspunkt der Grundherrschaft ist die Verleihung bzw. Verschenkung von Land an die Notablen f\u00fcr Kriegsdienst und Verwaltungsaufgaben und die &#8222;Schutzbegebung&#8220; des nicht mehr dem Heerbann Folge leisten k\u00f6nnenden Bauern.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote94sym\" name=\"sdfootnote94anc\">94<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Somit wird die Grundherrschaft zu einer Herrschaft \u00fcber &#8222;Land und Leute&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Das Wort Grundherrschaft meint, dass diese Bauern nicht nur deshalb Abgaben und Dienstleistungen an ihren Grundherrn erbringen, weil sie nicht Eigent\u00fcmer des Bodens sind. W\u00e4re es nur so, dann k\u00f6nnten wir sie als P\u00e4chter bezeichnen. Die grundherrlichen Bauern sind aber nicht nur im Hinblick auf den von ihnen bewirtschafteten Boden vom Grundherrn abh\u00e4ngig, sie unterstehen dem Grundherrn und sind ihm zu Diensten und Abgaben auch insofern verpflichtet, als er im Bereich seiner Grundherrschaft Funktionen aus\u00fcbt, die wir heute staatliche Funktionen nennen w\u00fcrden. Der Grundherr sorgt f\u00fcr den Frieden in seiner Grundherrschaft, d. h. er sorgt f\u00fcr den geregelten Ausgleich von Konflikten unter den von ihm Abh\u00e4ngigen, er ist ihr Richter, und er sorgt f\u00fcr Schutz vor ausw\u00e4rtigen Angriffen, er f\u00fchrt Waffen. Oder, mit einem Ausdruck aus der Kirchenverfassung gesagt: die Grundherrschaft ist eine Art Immunit\u00e4t, d. h. ein Bezirk, in welchem der Herrscher, der K\u00f6nig oder der Herzog, keine Gewalt aus\u00fcbt, ein Bereich, in welchem die herrscherlichen Funktionen vom Grundherrn wahrgenommen werden, der deshalb auch die entsprechenden Abgaben und Dienstleistungen empf\u00e4ngt. Der Grundherr ist nicht nur Herr \u00fcber Grund und Boden, sondern auch \u00fcber die diesen bewirtschaftenden Menschen. Grundherrschaft ist &#8218;Herrschaft \u00fcber Land und Leute&#8216;.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote95sym\" name=\"sdfootnote95anc\">95<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zwei der drei von Otto Hintze angef\u00fchrten Faktoren, die seiner Auffassung nach zusammengenommen die Feudalit\u00e4t ausmachen w\u00fcrden (die bevorrechtete Stellung eines auf Privatvertrag beruhenden Kriegerstandes und die grundherrschaftlich-b\u00e4uerliche Wirtschaftsweise), haben wir in den Ausf\u00fchrungen von Marx und Engels zur Entstehung der europ\u00e4ischen Feudalgesellschaft ebenfalls auffinden k\u00f6nnen. Auf die dritte Besonderheit, die Lehenspyramide und den auf ihr beruhenden Personenverbandsstaat, werden wir im weiteren Verlauf der Darstellung noch eingehen. Wenden wir uns nun dem osteurop\u00e4ischen Marxismus und seiner Sicht der Feudalgesellschaft zu.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der osteurop\u00e4ische Marxismus oder das weltweite Auftreten der Feudal\u00adordnung<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Als Otto Hintze 1928 die eingangs dieses Kapitels zitierten Zeilen schrieb, hatte der osteurop\u00e4ische Marxismus noch kein eigenst\u00e4ndiges theoretisches Gesicht, die Konzeption, dass der Feudalismus keine europ\u00e4ische, sondern eine weltweite Erscheinung sei, hatte noch nicht das Attribut, eine &#8222;marxistische&#8220; Konzeption zu sein. In den f\u00fcnfziger Jahren dieses Jahrhunderts war die Situation bereits eine andere.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der osteurop\u00e4ische Marxismus hatte inzwischen ein eigenst\u00e4ndiges theoretisches und politisches Gesicht gewonnen. So hie\u00df es zum Thema Feudalismus in einem weit verbreiteten &#8222;Lehrbuch der Politischen \u00d6konomie&#8220; von 1954: <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Die Feudalordnung bestand, <\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">mit diesen oder jenen Besonderheiten, <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">in fast allen L\u00e4ndern.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Epoche des Feudalismus umfasst eine lange Periode. In China bestand die Feudalordnung mehr als zweitausend Jahre. In den L\u00e4ndern Westeuropas erstreckte sich der Feudalismus \u00fcber Jahrhunderte, vom Untergang des R\u00f6mischen Reiches (5. Jahrhundert) bis zu den b\u00fcrgerlichen Revolutionen in England (17. Jahrhundert) und in Frankreich (18. Jahrhundert); in Russland bestand der Feudalismus vom 9. Jahrhundert bis zur Bauernreform 1861, in Transkaukasien vom 4. Jahrhundert bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts, bei vielen V\u00f6lkern Mittelasiens vom 7.\/8. Jahrhundert bis zum Sieg der proletarischen Revolution in Russland.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote96sym\" name=\"sdfootnote96anc\">96<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In den offiziellen Lehrb\u00fcchern wie in den entsprechenden Sammelb\u00e4nden zur Geschichte bestimmter Regionen wird die Herausbildung einer Feudalgesell\u00adschaft auf fast allen Kontinenten der Erde festgestellt. Dem entsprechend m\u00fcs\u00adsen wir auch in allen diesen Regionen Parallelen zur europ\u00e4ischen Entwick\u00adlungsgeschichte ausmachen k\u00f6nnen. So hei\u00dft es z.B. in einer in der DDR erschienenen mehrb\u00e4ndigen Geschichte Afrikas: &#8222;In der Zeit seit dem 8.\/9. Jahrhundert hatte der Feudalismus welthistorisch die erste Klassen- und Ausbeutungsgesellschaft, wie sie im Alten Orient und in Gestalt der griechisch-r\u00f6mischen Sklaverei auftrat, bereits abgelegt, und er wurde f\u00fcr die gesellschaftliche Weiterentwicklung vieler Gebiete ausschlaggebend. Die konkreten nat\u00fcrlichen und historischen Bedingungen lie\u00dfen die feudalen Verh\u00e4ltnisse in einer Vielzahl paralleler Varianten und Formen reifen und schufen in Afrika gleichfalls Spezifika dieser sozial\u00f6konomischen Entwicklung.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote97sym\" name=\"sdfootnote97anc\">97<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Eine afrikanische Variante der Feudalit\u00e4t wird so auch im &#8222;subsaharischen Afri\u00adka&#8220; entdeckt. Der unleugbare Tatbestand einer weitgehenden gesellschaftlichen Stagnation in dieser Region wird den \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen der westeurop\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte zugeschrieben.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote98sym\" name=\"sdfootnote98anc\">98<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Tatsache, dass in diesen Regionen der Pflug nicht bekannt war, der Ackerbau als nomadisierende Brandrodung mit der Hacke betrieben wurde, dass das individuelle Eigentum kaum entwickelt war und die agrarische Produktion noch von &#8222;zahlreiche(n) urgesellschaftliche(n) Organisationsformen der patriarchalischen Sippe und der Gro\u00dffamilie&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote99sym\" name=\"sdfootnote99anc\">99<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> gepr\u00e4gt wurde, dies alles hielt keinen Geschichtsforscher des osteurop\u00e4ischen Marxismus von der Konstatierung feudaler Verh\u00e4ltnisse in Afrika ab.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das hier am Beispiel des s\u00fcdlichen Afrikas demonstrierte Vorgehen treffen wir in den entsprechenden B\u00fcchern \u00fcber die Geschichte Indiens, Chinas, Japans, Byzanz, des Osmanischen Reiches etc. durchg\u00e4ngig an. Die Feudalit\u00e4t als pro\u00adgressive Gesellschaftsformation hat in den Lehr- und Geschichtsb\u00fcchern des osteurop\u00e4ischen Marxismus die V\u00f6lker fast aller L\u00e4nder dieser Erde heimge\u00adsucht. Ausschlaggebend f\u00fcr die Konstatierung feudaler Verh\u00e4ltnisse ist in diesen Publikationen weder der Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte, noch ein bestimmtes Verh\u00e4ltnis zwischen dem agrarischen Produzenten und dem Aneigner seines Mehrproduktes, noch eine n\u00e4her bestimmte Form der Staatsverfasstheit, sondern einzig die Existenz sich verfestigender Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, die nicht entscheidend auf der Sklaverei oder dem industriellen Kapital beruhen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenn die Feudalit\u00e4t &#8211; ganz im Gegensatz zu den eingangs vorgestellten Gedanken Otto Hintzes und den durchaus \u00e4hnlichen Auffassungen von Marx und Engels &#8211; \u00fcberall die gesellschaftliche Entwicklung vorangetrieben haben soll (wie uns die osteurop\u00e4ischen Marxisten und ihre westlichen Anh\u00e4nger versichern), so bleibt die Frage nach den Ursachen des europ\u00e4ischen Siegeszugs \u00fcber den Rest der Welt am Ausgang des Mittelalters zu erkl\u00e4ren. Wenn dieser Siegeszug kein Produkt einer auf Europa beschr\u00e4nkten progressiven Gesellschaftsformation war, sondern diese Gesellschaftsformation sozusagen Gemeingut der Menschheit seit dem 9. Jahrhundert war, bedarf der europ\u00e4ische &#8222;Take-off&#8216; einer besonderen Erkl\u00e4rung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Weshalb war Europa zu einer &#8222;schnelleren&#8220; Entwicklung als die anderen &#8222;Feudalgesellschaften&#8220; bef\u00e4higt? In den marxistisch gepr\u00e4gten Geschichtsb\u00fc\u00adchern wird auf den Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte und die Konzentration des Kapitals verwiesen. Der &#8222;Fr\u00fchkapitalismus&#8220; der oberitalienischen und deutschen Handelsst\u00e4dte wird so zum Vorboten des europ\u00e4ischen Siegeszuges \u00fcber die Erde. Diese Argumentation hinkt und ist unbefriedigend.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zum einen erkl\u00e4rt sie nicht, warum nur in Europa eine solche Entwicklung der St\u00e4dte seit der Jahrtausendwende m\u00f6glich war. Zum anderen macht eine vergleichende Betrachtung von Europa, China und dem Osmanischen Reich zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert deutlich, dass weder von einem h\u00f6heren Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte in Europa die Rede sein kann, noch von einer st\u00e4rkeren Konzentration des Handels- und Geldkapitals.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Entwicklungsstand der au\u00dfereurop\u00e4ischen Weit<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die drei gro\u00dfen Entdeckungen des europ\u00e4ischen Mittelalters, das Schie\u00dfpulver mit seinen Folgen f\u00fcr das Kriegswesen, die Buchdruckerei mit ihren Folgen f\u00fcr die kulturelle Entwicklung und die entscheidenden Verbesserungen in der Hochsee-Schifffahrt, sind allen drei Kulturkreisen bekannt und haben zumeist sogar ihren Ursprung in der asiatischen oder islamischen Welt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">So schreibt Paul Kennedy mit Recht \u00fcber den Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte in China: &#8222;F\u00fcr Leser, die erzogen wurden, die &#8218;westliche&#8216; Wissenschaft zu bewundern, muss das eindrucksvollste Merkmal der chinesischen Zivilisation seine technologische Fr\u00fchreife sein. Schon fr\u00fch gab es riesige Bibliotheken. Druck mit beweglichen Lettern gab es bereits im China des 11.\u00a0Jahrhunderts, und schon bald erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern. Handel und Industrie waren, angeregt durch den Kanalbau und den Bev\u00f6lkerungsdruck, hochentwickelt. Die chinesischen St\u00e4dte waren viel gr\u00f6\u00dfer als die im mittelalterlichen Europa. (&#8230;) Papiergeld hatte den Handelsfluss und das Wachstum der M\u00e4rkte gef\u00f6rdert. In den letzten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts gab es in Nordchina bereits eine gewaltige Eisenindustrie. Sie produzierte etwa 125.000 t pro Jahr. (&#8230;) Bemerkenswert ist, dass diese Produktion weit h\u00f6her war, als die des britischen Eisenaussto\u00dfes zu Beginn der Industriellen Revolution sieben Jahrhunderte sp\u00e4ter! Auch waren die Chinesen wahrscheinlich die ersten, die echtes Schie\u00dfpulver erfanden; und Kanonen wurden bereits im sp\u00e4ten 14. Jahrhundert von den Ming benutzt,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote100sym\" name=\"sdfootnote100anc\">100<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> um die mongolischen Herrscher zu st\u00fcrzen (&#8230;) Der magnetische Kompass war eine weitere chinesische Erfindung, manche ihrer Dschunken waren so gro\u00df wie sp\u00e4ter die spanischen Galeonen.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote101sym\" name=\"sdfootnote101anc\">101<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u00c4hnliches lie\u00dfe sich \u00fcber die islamischen Gro\u00dfreiche seit dem 9. Jahrhundert zitieren. Maurice Lombard schreibt \u00fcber die Stadtentwicklung in der islamischen Welt: &#8222;Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert ist die Islamische Welt Schauplatz eines phantastischen urbanen Aufschwungs. Dieser Aufschwung macht sich zun\u00e4chst in der Gr\u00fcndung neuer St\u00e4dte bemerkbar, von denen einige schnell die gr\u00f6\u00dften der Welt werden. (&#8230;) Neben diesen neuen Ballungszentren, <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">die zum gr\u00f6\u00dften Teil ihre Rolle als Gro\u00dfst\u00e4dte bis heute bewahrt haben,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> werden alte st\u00e4dtische Zentren wiederbelebt; ihr Territorium, ihre Bev\u00f6lkerungszahl und ihr Einzugsgebiet erreichen Proportionen, die bis dahin unbekannt waren. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes urbanes Netz, das durch die Verbindung von Stadt zu Stadt so etwas wie ein Kommunikationssystem der Islamischen Welt darstellt und gleichzeitig <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">den Schaltkreis der gro\u00dfen Str\u00f6me der Kultur bildet.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Das ist ein Faktum, dessen Tragweite bisher weder gen\u00fcgend beachtet, noch ins rechte Licht ger\u00fcckt wurde; und doch <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u00fcberschreitet die Urbanisierungsbewegung bei weitem die des R\u00f6mischen Reiches nach Kraft und Umfang&#8220;.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote102sym\" name=\"sdfootnote102anc\">102<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Islamische Welt startete also ins zweite Jahrtausend nicht nur mit einer Kontinuit\u00e4t der Stadtentwicklung, die noch vom R\u00f6mischen, sp\u00e4ter Ostr\u00f6mischen Reich herr\u00fchrte, sondern erfuhr seit dem 8. Jahrhundert einen gewaltigen urbanen Aufschwung, der es zum &#8222;Schaltkreis der gro\u00dfen Str\u00f6me der Kultur&#8220; machte. In diesen islamischen Metropolen ballten sich sowohl das Geldkapital, wie die kulturellen und technischen Errungenschaften des Altertums. Alle produktionstechnischen und \u00f6konomischen M\u00f6glichkeiten des islamischen <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201cTake-offs&#8220; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">waren hier ebenso gegeben, wie in China zur Zeit der Ming-Dynastie. Was den Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte und erst recht den des Geld- und Handelskapitals anbelangte, erreichte Europa (und dies auch nur in einzelnen seiner Regionen) erst zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert das Niveau der islamisch-asiatischen Welt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die klassischen &#8222;marxistisch-leninistischen&#8220; Erkl\u00e4rungen verfangen also nicht, sie k\u00f6nnen keinen speziellen Grund daf\u00fcr angeben, warum gerade das \u00f6kono\u00admisch und politisch so zersplitterte Europa seinen Siegeszug gegen\u00fcber den zentralisierten Gro\u00dfreichen der asiatisch-islamischen Welt antreten konnte. B\u00fcrgerliche Historiker wie Kennedy oder <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">aber auch b\u00fcrgerliche Wirtschaftstheoretiker wie Sombart erkl\u00e4ren den europ\u00e4ischen Aufstieg vielfach gerade aus dieser Zersplitterung. Der Konkurrenzdruck treibe zur Entwicklung und Modernisierung, was in den zentralisierten Gro\u00dfreichen nicht gegeben sei.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote103sym\" name=\"sdfootnote103anc\">103<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Oder sie erkl\u00e4ren die europ\u00e4ische Entwicklung im Anschluss an Max Weber aus der Reformation, die das protestantische Arbeitsethos hervorge\u00adbracht und in der Folge auch die katholische Kirche und ihre Weltanschauung modernisiert habe. F\u00fcr Marxisten sind diese Erkl\u00e4rungen unbefriedigend, blei\u00adben sie doch auf der Ebene der Ideologie und der politischen Oberfl\u00e4che. Letztlich k\u00f6nnen sie keine \u00f6konomischen und sozialen Triebkr\u00e4fte f\u00fcr den europ\u00e4ischen \u201eTake-Off\u201c am Ausgang des Mittelalters benennen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Besonderheiten der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hier gilt es noch einmal, den Schritt zur\u00fcck zu machen zu den afrikanischen &#8222;Feudalgesellschaften&#8220; des 11. bis 15. Jahrhunderts, die wir vorhin bereits erw\u00e4hnt haben. Wenn wir diese Gesellschaften mit der europ\u00e4ischen Gesell\u00adschaft vergleichen, fallen bei genauerer Betrachtung eine F\u00fclle von Differenzen zur europ\u00e4ischen Feudalgesellschaft auf; Unterschiede, die aber ebenso zur sozialen Struktur der islamisch-asiatischen Gro\u00dfreiche bestehen, die zweifelsfrei \u00f6konomisch und kulturell deutlich fortgeschrittener waren als jene noch weitgehend der Urgesellschaft angeh\u00f6renden &#8222;Feudalreiche&#8220; Afrikas aus den M\u00e4rchenb\u00fcchern [des osteurop\u00e4ischen Marxismus].<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Im Folgenden soll nun versucht werden, \u00fcber den staatsrechtlich beschr\u00e4nkten Blickwinkel Otto Hintzes hinausgehend, zu einer Definition der entscheidenden Besonderheiten der europ\u00e4ischen Feudalordnung zu gelangen. Entscheidende Besonderheiten sind jene konstitutiven Momente, die die europ\u00e4ischen Gesell\u00adschaften zu einer progressiven Entwicklung bef\u00e4higten, die schlie\u00dflich zur Her\u00adausbildung kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse, zur &#8222;Europ\u00e4isierung der Erde&#8220; f\u00fchrten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die erste Besonderheit besteht m.E. in der Produktion des materiellen Lebens. Ackerbau und Viehzucht &#8211; ein feststehender und heute leicht abwertend belegter Begriff &#8211; sind als geschlossene Wirtschaftseinheit vermutlich eine europ\u00e4ische Besonderheit.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote104sym\" name=\"sdfootnote104anc\"><sup>104<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Historisch war dies eine Folge der Verschmelzung der Berg- und Nomadenv\u00f6lker mit den Ackerbauern der Flusst\u00e4ler. Diese Entwicklung ist eine historische Besonderheit Europas,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote105sym\" name=\"sdfootnote105anc\">105<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> da diese beiden Kulturen (Ackerbauern und viehz\u00fcchtende Nomaden) sich in der au\u00dfereurop\u00e4ischen Welt getrennt entwickelten und feindlich gegen\u00fcberstanden. Alle Gro\u00dfreiche Asiens beruhen letztendlich auf dem <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ackerbau<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote106sym\" name=\"sdfootnote106anc\"><sup>106<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und waren das best\u00e4ndige Opfer der sie alle 100 bis 200 Jahre \u00fcberfallenden Nomadenv\u00f6lker.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das spezielle, geschlossene Wirtschaftssystem Europas dagegen beschreibt <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">folgenderma\u00dfen: &#8222;Weizenanbau und Viehzucht sind also eng miteinander verbunden, nicht nur was die D\u00fcngung, sondern auch was die Bewirtschaftung der Felder betrifft, die nur mit Hilfe von Zugtieren bew\u00e4ltigt werden kann. Ohne zus\u00e4tzliche Hilfe kann der Mensch h\u00f6chstens zwei Hektar Land umgraben, er kann sich also unm\u00f6glich allein an die Bearbeitung des Ackerlandes machen. (&#8230;) Im Laufe der Zeit hat sich auf diese Weise im Getreideanbau Europas &#8211; mit regionalen Unterschieden &#8211; nach den Beobachtungen von Ferdinand Lot, &#8218;ein kompliziertes System von Beziehungen und Gewohnheiten herausgebildet, in dem alles bis ins Kleinste geregelt ist\u2019. Pflanzen, Tiere und Menschen &#8211; alles hat hier seinen bestimmten Platz. Ohne das Zusammenwirken von Bauern und Zugtieren, aber auch ohne die nach dem Almabtrieb auf den abgeernteten Feldern weidenden Tierherden und ohne die zur Erntezeit ins Land kommenden Saisonarbeiter, w\u00e4re der Getreideanbau undenkbar.&#8220; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">bewundert an diesem System &#8222;die Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlicher Arbeit und der Viehzucht sowie Verwendung der Tiere, diese f\u00fcr die l\u00e4ndlichen Gebiete des Okzidents und des Mittelmeerraums so charakteristische Verbindung&#8220;.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote107sym\" name=\"sdfootnote107anc\">107<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Diese auf Ackerbau- <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">und<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Viehzucht beruhende Gesellschaftsformation <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">schreitet mit Notwendigkeit zur Herausbildung von Privateigentum des Produzenten an seinem Ackerland &#8211; <\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">nicht an der gemeinsamen Viehweide &#8211; <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">fort.<\/span><\/span><\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Eine v\u00f6llig andere Produktionsweise liegt den auf der Reisproduktion beruhen\u00adden Reichen Asiens zugrunde. Der Reis spielt in dieser Region noch eine vergleichsweise bedeutendere Rolle f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung als Weizen und Roggen in Europa. In Europa lag der Anteil von Weizen und Roggen an der Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung zwischen 50 und 70 %, in Asien besa\u00df der Reis einen Anteil von deutlich \u00fcber 90 %.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">beschreibt die gesellschaftliche Organisation des Reisanbaus: &#8222;Alles in allem erfordert der Anbau von Reis einen ungeheuer gro\u00dfen Arbeitsaufwand und den Einsatz zahlloser Menschen. Zudem funktioniert das Ganze nur dann reibungslos, wenn die verschiedenen Teile der ganzen Bew\u00e4sserungsanlage genau aufeinander abgestimmt sind und einer st\u00e4ndigen \u00dcberwachung unterliegen. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Voraussetzung hierf\u00fcr ist eine festgef\u00fcgte Gesellschaft, die Autorit\u00e4t eines Staates<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und schlie\u00dflich ununterbrochene Arbeit. (&#8230;) <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Anbau von Reis f\u00fchrte regelm\u00e4\u00dfig zu einem Zusammenschluss mehrerer D\u00f6rfer, da einerseits die damit zusammenh\u00e4ngende Arbeit nur im Kollektiv zu bew\u00e4ltigen ist,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> anderseits die l\u00e4ndlichen Gebiete Chinas h\u00e4ufig von \u00dcberf\u00e4llen bedroht wurden, gegen\u00fcber denen der einzelne machtlos war. Dort, wo die Reisfelder gediehen sind, haben sich eine gro\u00dfe Bev\u00f6lkerungsdichte und starke gesellschaftliche Ordnungen herausgebildet.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote108sym\" name=\"sdfootnote108anc\">108<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Eine auf \u00dcberschwemmungs- oder Bew\u00e4sserungskulturen basierende Ackerbaugesellschaft bedarf nicht nur des Staates &#8211; f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Arbeiten -, sondern der Arbeit der gesamten Dorfgemeinde bei Auspflanzung und Ernte. Der Herausbildung individuellen Eigentums an Grund und Boden steht hier die fortgesetzte gesellschaftliche Form der Produktion entgegen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">So argumentiert auch Engels, wenn er schreibt: &#8222;Die Abwesenheit des Grundeigentums ist in der Tat der Schl\u00fcssel zum ganzen Orient. Darin liegt die politische und religi\u00f6se Geschichte. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aber woher kommt es, dass die Orientalen nicht zum Grundeigentum kommen, nicht einmal zum feudalen?<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ich glaube, es liegt haupts\u00e4chlich im Klima, verbunden mit den Bodenverh\u00e4ltnissen, speziell mit den gro\u00dfen W\u00fcstenstrichen, die sich von der Sahara quer durch Arabien, Persien, Indien und die Tatarei bis ans h\u00f6chste asiatische Hochland durchziehen. Die k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung ist hier erste Bedingung des Ackerbaus, und diese ist Sache entweder der Kommunen, Provinzen oder der Zentralregierung.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote109sym\" name=\"sdfootnote109anc\">109<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hier f\u00fchrt Engels die gemeinschaftliche Form der Produktion und Bew\u00e4sserung als Grundlage f\u00fcr den faktischen Staats- oder Gemeindebesitz an Grund und Boden im Osten an.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote110sym\" name=\"sdfootnote110anc\"><sup>110<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kommen wir nun zur zweiten Besonderheit der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t. Die weitgehend individuelle Form der agrarischen Produktion wirkt auch auf das Kriegswesen. Die verstreuten agrarischen Produzenten sind nicht in der Lage, Massenheere zu finanzieren und aufzustellen, wie wir sie vom Altertum oder den Gro\u00dfreichen des Ostens her kennen. Der europ\u00e4ische Krieger des Mittelalters ist der gepanzerte Reiter (Ritter), der sowohl in Ausr\u00fcstung wie Art der Kriegsf\u00fchrung sich deutlich von denen in der Regel auf Sklaverei oder Nomadenkriegern beruhenden <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Massenheeren<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> des asiatisch-islamischen Raumes unterscheidet.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In welchem Ma\u00dfe der europ\u00e4ische Ritter Produkt sowohl der schwachen \u00f6konomischen Grundlage der Feudalgesellschaft als auch Antwort auf die milit\u00e4rischen Erfordernisse des ausgehenden ersten Jahrtausends war, entwickelt Michael Howard: &#8222;Der Feudalismus war eine Antwort sowohl auf wirtschaftliche als auch auf milit\u00e4rische Erfordernisse. (&#8230;) Zu Anfang des 9. Jahrhunderts (war) Geld in Europa knapp geworden und daher Grund und Boden die einzige Quelle von Wohlstand. Au\u00dferdem machte die Vielfalt der Bedrohungen, deren sich die Karolinger zu erwehren hatten, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Beweglichkeit ihrer Kr\u00e4fte erforderlich, &#8211; eine mindestens ebensolche Beweglichkeit, wie sie die Wikinger dank ihrer wendigen Schiffe oder die Magyaren mit ihren robusten kleinen Pferden besa\u00dfen. Nur das Pferd konnte eine solche Beweglichkeit gew\u00e4hren. Und nachdem im 8. Jahrhundert bei den Franken der Steigb\u00fcgel in allgemeinen Gebrauch gekommen war, konnte das Pferd (&#8230;) auch zum Kampf benutzt werden. Geschwindigkeit konnte in Sto\u00dfkraft umgesetzt werden. Der Speer brauchte nicht mehr geworfen, sondern konnte als Lanze angelegt und in den K\u00f6rper des Gegners gerammt werden. Ein solcherma\u00dfen bewaffneter Reiter besa\u00df gegen\u00fcber einem zu Fu\u00df K\u00e4mpfenden einen ebensolchen Vorteil wie tausend Jahre sp\u00e4ter ein Sch\u00fctze mit einem Hinterladergewehr gegen\u00fcber einem nur mit einem Speer bewaffneten Feinde. (&#8230;) So war im 8. und 9. Jahrhundert der einzige ernstzunehmende Krieger &#8211; der einzige <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">miles <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(Soldat), der z\u00e4hlte &#8211; der bewaffnete Reiter, der Ritter.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote111sym\" name=\"sdfootnote111anc\"><sup>111<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das, was Michael Howard hier aus den Erfordernissen des Kriegswesens und der Entwicklung der Technik herleitete, entwickelt Hintze aus der Sozialstruktur der Gesellschaft mit denselben Argumenten wie wir sie bereits von Friedrich Engels kennen. &#8222;Milit\u00e4risch bedeutet das Feudalsystem die Verdr\u00e4ngung des alten Heerbannes, der in der Hauptsache Fu\u00dfvolk gewesen war, durch eine schwer ger\u00fcstete Reiterei, die nicht sowohl in taktischen Verb\u00e4nden durch den Schock des Massenangriffs, als vielmehr durch die pers\u00f6nliche Tapferkeit und Geschicklichkeit des einzelnen Ritters, im Einzelkampf also, ihre Erfolge erringt. Der alte Heerbann verschwand nicht v\u00f6llig, aber er verlor seine milit\u00e4rische Bedeutung. Mit den wirtschaftlich-sozialen Ver\u00e4nderungen seit der Besiedlung des gallischen Landes, mit der festeren Einwurzelung der Bev\u00f6lkerung in den Boden, mit der Entstehung grundherrlich-b\u00e4uerlicher Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse hatte der alte Kitt der germanischen Heere, der familienhaft-genossenschaftliche Zusammenhalt, seine Kraft verloren; und zur k\u00fcnstlichen Disziplinierung eines Fu\u00dfvolkes war in den naturalwirtschaftlichen Verkehrsverh\u00e4ltnissen der Zeit keine M\u00f6glichkeit vorhanden.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote112sym\" name=\"sdfootnote112anc\">112<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der berittene, sp\u00e4ter gepanzerte Einzelk\u00e4mpfer, der von einer abgabenpflichtigen Bauernschaft &#8211; die sich dadurch vom Milit\u00e4rdienst befreite &#8211; unterhalten wird, bildet die Grundlage des feudalen Heerwesen und des Staatsaufbaus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Damit aber sind wir bei der dritten Besonderheit der europ\u00e4ischen Feudalit\u00e4t, dem feudalen &#8222;Personenverbandsstaat&#8220;, dem europ\u00e4ischen Gegenst\u00fcck zu den zentralisierten Reichen des Ostens. Dass sich auf dem Boden der weiter oben geschilderten unterschiedlichen Formen der Agrarproduktion dauerhaft auch deutlich unterschiedliche Formen des Eigentums, des Milit\u00e4rwesens und der Staatsverwaltung herausbilden, liegt auf der Hand. Eine auf Ackerbau und Viehzucht beruhende Produktionsweise bedarf nicht jener staatlichen Zentralisation, die f\u00fcr die gro\u00dfen Bew\u00e4sserungs- und \u00dcberschwemmungskulturen Asiens, Nordafrikas und auch Lateinamerikas unumg\u00e4nglich f\u00fcr Produktion und Verwaltung waren. Die politische Zersplitterung Europas im Mittelalter ist in gewissem Sinne unausweichliche Folge dieser Form der agrarischen Produktion.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die europ\u00e4ische Feudalit\u00e4t besa\u00df nicht nur eine eigenst\u00e4ndige Wirtschaftswei\u00adse, bildete nicht nur einen besonderen Kriegertypus heraus, sondern ebenso eine besondere Form der Staatsverwaltung &#8211; soweit man in der Feudalit\u00e4t \u00fcber\u00adhaupt von einer solchen sprechen kann. Feudalit\u00e4t ist eine Form des &#8222;Personenverbandsstaats&#8220;, der erst am Ende seiner Existenz einen entwickelten Staatsapparat herausbildete. Grundlage des &#8222;Feudalstaates&#8220; ist die bereits beschriebene Grundherrschaft. Sie beruhte zumeist auf einem <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lehen,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> der Vergabe von Grundbesitz durch den F\u00fcrsten oder K\u00f6nig f\u00fcr geleistete und zuk\u00fcnftige Kriegsdienste. Dieser Landbesitz sollte dem Ritter ein arbeitsfreies Einkommen sichern und damit seinen fortgesetzten Kriegsdienst erm\u00f6glichen. Zugleich aber war er mit der Annahme des Lehens dem Lehensgeber verpflichtet, sowohl zum Kriegsdienst als auch zu Verwaltungsaufgaben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die so entstandene Lehenspyramide<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote113sym\" name=\"sdfootnote113anc\">113<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> war die Grundlage der feudalen Staatsverwaltung. Sie war funktionsf\u00e4hig, solange der Belehnte seinen Verpflichtungen nachkam, bzw. der Lehensgeber die Einhaltung der Verpflichtungen durchsetzen konnte. Verfiel die Macht des Lehensgebers, oder entwickelte sich die Macht des Lehensnehmers, z. B. durch die Annahme weiterer Lehen von anderen F\u00fcrsten, zerfiel der darauf beruhende Staatsaufbau.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In diesem System angelegt ist die Verselbst\u00e4ndigung des Lehens gegen\u00fcber dem Lehensherrn. Hat der Lehensmann einmal Land (oder einen Gerichtsbe\u00adzirk) zu seiner Verf\u00fcgung erhalten, f\u00e4llt es dem Lehensherrn von Generation zu Generation schwerer, seine Oberhoheit \u00fcber das Lehen zu behaupten. Solche Entwicklungen pr\u00e4gen das gesamte europ\u00e4ische Mittelalter, das deshalb eine Vielzahl von konkurrierenden Feudalherrschaften hervorgebracht hat. Unter diesen Bedingungen konnte sich kein starker Zentralstaat herausbilden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Vergleichen wir diese Staatsverwaltung bspw. mit dem chinesischen Gesell\u00adschaftsaufbau. Staat und Gesellschaft in China waren wesentlich durch die Beamtenschaft, die Mandarine, gepr\u00e4gt. Mit Hilfe eines Pr\u00fcfungssystems gelang es dem Kaisertum, sich unabh\u00e4ngig von einer rivalisierenden Aristokratie einen funktionierenden Herrschaftsapparat aufzubauen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wer in die Dienste des Kaisers treten wollte, musste sich einer Pr\u00fcfung unterziehen, deren Bestandteil u.a. die Kenntnis des konfuzianischen Systems war. Um die Pr\u00fcfung erfolgreich zu bestehen, war eine umfassende und langj\u00e4hrige Vorbereitung unabdingbar. Diese Vorbereitung erforderte einen erheblichen finanziellen Aufwand, der von der Familie des Pr\u00fcflings erbracht werden musste. Gelang es, die Pr\u00fcfung erfolgreich zu absolvieren und in die Reihen der Beamtenschaft aufzur\u00fccken, wurde zum einen das Ansehen der gesamten Familie gehoben. Wesentlicher noch war jedoch die Tatsache, dass der Beamte in kaiserlichem Dienst ein Verm\u00f6gen erwerben konnte. Dieses Verm\u00f6gen ersetzte der Familie die Auslagen f\u00fcr die Ausbildung des Pr\u00fcflings und vermehrte u.U. dar\u00fcber hinaus das Familienverm\u00f6gen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das chinesische Pr\u00fcfungssystem gew\u00e4hrleistete die Stabilit\u00e4t des Zentralstaats. Die feudale Zersplitterung des europ\u00e4ischen Raumes konnte auf diese Weise vermieden werden. Gleichzeitig widerstand das Pr\u00fcfungssystem aber jeder Ver\u00e4nderung. Die Beamtenschaft verhinderte aktiv das Aufkommen einer unabh\u00e4ngigen Handelsbourgeoisie, die ihre gesellschaftliche Monopolstellung bedroht h\u00e4tte. So wurde im 15.\u00a0Jahrhundert durch ein einfaches kaiserliches Edikt der florierende chinesische \u00dcberseehandel verboten. China isolierte sich vom Rest der Welt. Weite Teile des sonstigen Handels wurden zum Staatsmonopol gemacht. Gewinne aus dem Handel unterlagen einer hohen Besteuerung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Kaufleute waren darauf verwiesen, ihre Kinder auf das Pr\u00fcfungssystem zu orientieren. Sie wurden so Bestandteil der chinesischen Organisation von Staat und Gesellschaft und entfalteten niemals in diesem System Sprengkraft. Der Preis des chinesischen Zentralstaats war die Stagnation von Staat und Gesell\u00adschaft \u00fcber einen Zeitraum von fast einem Jahrtausend hinweg.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote114sym\" name=\"sdfootnote114anc\">114<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der hier als Beispiel geschilderte chinesische <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zentralstaat<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> erscheint als ein un\u00adgeheuer m\u00e4chtiges Gebilde gegen\u00fcber den europ\u00e4ischen Staaten des 12. bis 15.\u00a0Jahrhunderts. Die un\u00fcbersehbare innere Schw\u00e4che des feudalen Staates, angelegt im Lehenssystem, wurde aber die Grundlage der progressiven euro\u00adp\u00e4ischen Entwicklung. Nur sie erm\u00f6glichte das Aufkommen der St\u00e4dte, mit denen sp\u00e4ter das K\u00f6nigtum die Macht der feudalen Territorialherrscher brechen konnte. Die feudale Gesellschaftsordnung, diese &#8222;weltgeschichtliche F\u00fcgung&#8220; wie Hintze ihre Entstehung in Europa bezeichnet, diese Abweichung von der normalen Entwicklung, ist das Geheimnis des europ\u00e4ischen Aufstiegs ab der Jahrtausendwende. Mit der Entwicklung der feudalen Gesellschaft, mit der Entstehung der b\u00fcrgerlichen in ihrem Scho\u00df &#8211; und nur in diesem Scho\u00df konnte sie entstehen &#8211; begann der europ\u00e4ische Siegeszug \u00fcber die Erde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die \u00dcberwindung der feudalen Zersplitterung bedarf eines Moments, einer Kraft, die au\u00dferhalb dieser Form der Produktion und in einem gewissen Sinn auch au\u00dferhalb der feudalen Staatsverwaltung liegt: der europ\u00e4ischen Stadt. Damit sind wir bei der vierten un\u00fcbersehbaren europ\u00e4ischen Besonderheit, der Stadtentwicklung und ihrer speziellen Stellung im \u00f6konomischen und politischen System des Feudalismus. Auch die europ\u00e4ische Stadt ist einzigartig, sowohl in ihrer Entwicklung als auch ihrer Rechtsstellung. Nicht die Gr\u00f6\u00dfe der St\u00e4dte macht ihre Bedeutung f\u00fcr die europ\u00e4ische Entwicklung aus &#8211; hier waren die Metropolen Asiens und der islamischen Reiche immer deutlich gr\u00f6\u00dfer als die bedeutendsten europ\u00e4ischen St\u00e4dte des Mittelalters.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote115sym\" name=\"sdfootnote115anc\">115<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ihre einzigartige Stellung beruht auf der letztendlich durch die Form der agrarischen Produktion bedingten politischen Zersplitterung Europas. Sie erm\u00f6glichte es den St\u00e4dten, zu einer eigenst\u00e4ndigen, der agrarisch-feudalen Gesellschaft gegen\u00fcberstehenden Wirtschafts- und Rechtsform zu gelangen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die mittelalterliche europ\u00e4ische Stadt ist insofern <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bestandteil der Feudalit\u00e4t,<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> als sie sich nur in diesem durch die Feudalit\u00e4t gepr\u00e4gten Raum entwickeln kann. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Sie steht im Gegensatz zu dieser feudalen Gesellschaft, weil sich in ihr die Kr\u00e4fte und Mittel entwickeln, die zur \u00dcberwindung der feudalen Zersplitterung notwendig sind.<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Zutreffend definiert Friedrich Heer den Unterschied zwischen einer russischen und der europ\u00e4ischen Stadt. &#8222;Die russische Stadt entwickelt sich aus einer Burg (gorod = Stadt hei\u00dft diese Fluchtburg der St\u00e4mme urspr\u00fcnglich), in ihrer N\u00e4he lassen sich Handel- und Gewerbetreibende nieder: in der Vorstadt, im possad. Mit dem Handel befassen sich die h\u00f6chsten Schichten, die F\u00fcrsten und ihr Waffengefolge. Sp\u00e4ter betreiben die &#8218;G\u00e4ste&#8216;, privilegierte Kaufleute, Handel im Auftrag des Zaren (&#8230;) als eine Art Angestellte des Zaren. Der Moskauer Zar wird der gr\u00f6\u00dfte H\u00e4ndler seines Landes.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der Herrensitz in der Stadt, der Kreml, ist, entsprechend fr\u00fchmittelalterlichen westeurop\u00e4ischen Verh\u00e4ltnissen, streng getrennt durch Burg und Mauer von der &#8218;Vorstadt&#8216;, dem possad, dessen Kaufleute und Handwerker nie zu einer rechtlichen Einheit, zu einem B\u00fcrgerverband der Stadt aufsteigen. Es gibt in Russland kein Stadtb\u00fcrgertum westlicher Pr\u00e4gung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hier gibt es keine B\u00fcrgergemeinde, kein Stadtrecht, keinen Rechtssatz wie &#8218;Stadtluft macht frei&#8216;. In der Stadt, im possad, hausen freie und unfreie Leute. Der sp\u00e4ter in die Stadt ziehende Bauer bleibt ein Leibeigener, kann von seinem Herrn jederzeit auf das Land zur\u00fcckgeholt werden. Das st\u00e4dtische Handwerk ist k\u00fcmmerlich, wenig entwickelt. Das Gewerbe ist in Russland weithin eine b\u00e4uerliche T\u00e4tigkeit. In der Stadt kommt es deshalb auch zu keiner Bildung von Z\u00fcnften und Gilden. Ein und dieselbe Person ist da oft gleichzeitig Schneider, Schumacher, Bauer und Holzarbeiter. Stadt und Land gleiten ineinander \u00fcber, w\u00e4hrend in Westeuropa die Trennung des st\u00e4dtischen Rechts- und Friedensbezirkes vom Land den wesentlichen Unterschied ausmacht, den Aufstieg der St\u00e4dte begr\u00fcndet. Die adeligen Herren herrschen da, in der russischen Stadt, ebenso \u00fcber ihre Leute wie auf dem Land. Das Fehlen eines Stadtb\u00fcrgertums bildet zusammen mit der Untert\u00e4nigkeit der Bauern und des Adels &#8211; sie alle sind sp\u00e4ter &#8218;Seelen&#8216;, die dem Zaren geh\u00f6ren &#8211; das wichtigste Merkmal einer \u00f6stlichen Gesellschaftsordnung, die sich im Mittelalter wie nachher fundamental von der Westeuropas abhebt.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote116sym\" name=\"sdfootnote116anc\">116<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In \u00e4hnlicher Weise schildert <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">die &#8222;St\u00e4dte des Orients und des Fernen Ostens&#8220; im Unterschied zu der westeurop\u00e4ischen Stadt: &#8222;Die Stadt ist der Sitz der Beamten und der Grundbesitzer; Kaufleute und Handwerker spielen nur eine untergeordnete Rolle. Die Entwicklung eines B\u00fcrgertums ist hier mit manchen Schwierigkeiten verbunden (&#8230;). Ein Eigenleben der St\u00e4dte h\u00e4tte sich nur dann entwickeln k\u00f6nnen, wenn sich die Stadtbewohner und das Wirtschaftsleben frei h\u00e4tten entfalten k\u00f6nnen.&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote117sym\" name=\"sdfootnote117anc\">117<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dementsprechend war der Aufstieg der St\u00e4dte im Osten an die St\u00e4rke und Festigkeit der Zentralgewalt gebunden. War diese Zentralgewalt stark, wuchsen die St\u00e4dte; war sie schwach, zerfielen sie.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ganz anders die Entwicklung der St\u00e4dte im europ\u00e4ischen Mittelalter. F\u00fcr ihre Entfaltung war die Schw\u00e4che der staatlichen Macht geradezu das Lebenselixier. Deshalb brachten Italien und Deutschland zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert die entwickelsten Stadtkulturen Europas hervor.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote118sym\" name=\"sdfootnote118anc\">118<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Erst mit der Herausbildung der zentralisierten Staatsmacht am Ausgang des Mittelalters wurde die Macht und Bedeutung &#8222;der Glanzpunkt(e) des Mittelalters&#8220;, die Marx im &#8222;Bestand souver\u00e4ner St\u00e4dte&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote119sym\" name=\"sdfootnote119anc\">119<\/a><\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> in Europa sah, gebrochen. Die mittelalterlichen St\u00e4dte wurden vom absoluten K\u00f6nigtum unterworfen und waren nunmehr eine St\u00fctze der Zentralmacht, die in der Regel bereits die modernen europ\u00e4ischen Nationalstaaten repr\u00e4sentierte, gegen die feudale Zersplitterung. Die europ\u00e4ische Stadt, die nur unter den Bedingungen des &#8222;schw\u00e4chlichen&#8220; Personenverbandsstaates entstehen konnte, leistete so ihren Beitrag zur \u00dcberwindung einer feudalen Staatsstruktur.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hier w\u00e4re nun der Bogen zu schlie\u00dfen. Es ist eine schlichtweg falsche Annahme, dass sich die gesamte au\u00dfereurop\u00e4ische Welt auf einer progressiven, aus inneren Gegens\u00e4tzen gespeisten Entwicklung zur Moderne befunden habe, die durch den europ\u00e4ischen Kolonialismus abgeschnitten oder behindert worden sei. Vielmehr ist jene vom osteurop\u00e4ischen Marxismus als &#8222;reaktion\u00e4r&#8220; und &#8222;b\u00fcrgerlich&#8220; bezeichnete Auffassung von einem weitgehend station\u00e4ren Charakter fast aller au\u00dfereurop\u00e4ischen Gesellschaften wohl zutreffend.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Anschauung hat zumindest zwei offenkundige Vorz\u00fcge: Zum ersten kann sie den europ\u00e4ischen Aufstieg vom Ausgang des Mittelalters an erkl\u00e4ren,- ohne das Niveau der Produktivkr\u00e4fte und des Kapitals in den anderen entwickelten Regionen der Welt zu missachten &#8211; und zweitens entspricht sie &#8211; wie wir gesehen haben &#8211; sowohl den Tatsachen, wie auch den Auffassungen von Marx und Engels, die nie etwas anderes formuliert hatten, als die Feudalit\u00e4t als etwas spezifisch Europ\u00e4isches zu begreifen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Nicht der europ\u00e4ische Kolonialismus hat somit der dritten Welt den Weg in das industrielle Zeitalter verbaut, sondern im Gegenteil hat derselbe den station\u00e4ren Charakter dieser Gesellschaften aufgesprengt, wie Marx es am Beispiel Indiens und Chinas in einer ganzen Reihe von Artikeln erl\u00e4utert hat &#8211; und dieselben Staaten damit erstmals f\u00fcr eine &#8222;europ\u00e4ische&#8220; Entwicklung ge\u00f6ffnet.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 18pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Literatur<\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bach, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Petra, Erben der Europ\u00e4isierung der Erde. <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kommunistische Presse <\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(1993), Nr. 16<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Boockmann, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">H., Einf\u00fchrung in die Geschichte des Mittelalters. M\u00fcnchen 1988<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Friedrich, Die Geschichte der Zivilisation. M\u00fcnchen 1971<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">B\u00fcttner, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Thea, Afrika. Geschichte von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart. Teil <\/span><\/span><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">I. <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">K\u00f6ln 1979 (Nachdruck einer Ausgabe des Akademie-Verlags, Berlin \/ DDR)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Cahen, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Claude, Der Islam I Vom Ursprung bis zu den Anf\u00e4ngen des Osmanenreiches. Fischer Weltgeschichte Bd. 14, Frankfurt\/M. 1968<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Duby, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Georges, Krieger und Bauer. Die Entwicklung der mittelalterlichen Wirt\u00adschaft und Gesellschaft bis um 1200. Frankfurt\/M. 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dutschke, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Rudi, Versuch, Lenin auf die F\u00fc\u00dfe zu stellen. Berlin 1974<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Engels, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Friedrich, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates. MEW Bd. 21, Berlin (DDR) 1975<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Engels, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Friedrich, Herrn Eugen D\u00fchring&#8217;s Umw\u00e4lzung der Wissenschaft, MEW Bd. 20, Berlin (DDR) 1962<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Geschichte <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">der UdSSR in drei Teilen, Teil I, K\u00f6ln 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gittermann, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Valentin, Geschichte Ru\u00dflands, Bd. I, Hamburg 1949<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Goehrke, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Carsten, Zum gegenw\u00e4rtigen Stand der Feudalismusdiskussion in der Sowjetunion, in: Jahrb\u00fccher f\u00fcr Geschichte Osteuropas, N. F., Bd. 22 (1974), Heft 3<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gramsci, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Antonio, Philosophie der Praxis Eine Auswahl. Hrsg. von Christian Riechers, Frankfurt\/M. 1967<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Heer, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Friedrich, Mittelalter. M\u00fcnchen 1961<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hintze, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Otto, Staat und Verfassung. G\u00f6ttingen 1962<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Howard, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Michael, Der Krieg in der europ\u00e4ischen Geschichte. M\u00fcnchen 1981. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Keen, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Maurice, Das Rittertum. Hamburg 1991<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kennedy, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Paul, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aufstieg und Fall der gro\u00dfen M\u00e4chte. Frankfurt\/M. 1989. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kolakowski, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Leszek, Die Hauptstr\u00f6mungen des Marxismus. Bd. 2 <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kuczynski, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">J\u00fcrgen, Asche f\u00fcr Ph\u00f6nix. K\u00f6ln 1992<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lenin, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wladimir I., Dekret \u00fcber den Grund und Boden. LW Bd. 26, Berlin 1972<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Linden, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marcel van der, Von der Oktoberrevolution bis zur Perestrojka: der westliche Marxismus und die Sowjetunion. Frankfurt\/M. 1992<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lombard, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Maurice, Bl\u00fctezeit des Islam. Eine Wirtschafts- und Kulturgeschichte des <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">8.-11.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Jahrhunderts. Frankfurt\/M. 1992<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Karl; <\/span><\/span><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Engels, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Friedrich, Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, Berlin (DDR) 1983<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Karl, Das Kapital. Erster Band. MEW Bd. 23, Berlin (DDR) 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Karl, Die Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts. Berlin 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Matuz, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Josef, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Darm\u00adstadt 1985<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Neander, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Irene, Russische Geschichte in Grundz\u00fcgen. Darmstadt 1988<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pannekoek, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Anton; <\/span><\/span><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gorter, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Herman, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Organisation und Taktik der proletarischen Revolution. Frankfurt 1969<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Richard, Ru\u00dfland vor der Revolution. M\u00fcnchen 1984<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Politische <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u00d6konomie (Lehrbuch), Berlin (DDR) 1971 (Nachdruck einer im Dietz Verlag erschienenen \u00dcbersetzung der russischen Ausgabe von 1954)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Portal<\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, Roger, Die Slawen. M\u00fcnchen 1971<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Runciman, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Steven, Die Eroberung von Konstantinopel 1453. M\u00fcnchen 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Stalin, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Josef W., Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki). Kurzer Lehrgang Stuttgart 4. Auflage 1974<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Stern, L., <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Deutschland in der Feudalepoche von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Berlin (DDR) 1978<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">St\u00f6kl, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">G\u00fcnther, Russische Geschichte. Stuttgart 1990<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Suchanow, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Nicolai, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">1917 &#8211; Tagebuch der russischen Revolution. M\u00fcnchen 1967<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Trotzki, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Leo, Geschichte der russischen Revolution in 3 B\u00e4nden, Band 1. Frankfurt 1973<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wittfogel, <\/span><\/span><\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Karl <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">A., <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Orientalische Despotie. Frankfurt\/M Berlin Wien 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 14pt;\"><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Z. <\/span><\/span><\/b><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(Zeitschrift Marxistische Erneuerung),<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Nr. 12, Dezember 1992<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Leszek Kolakowski, Die Hauptstr\u00f6mungen des Marxismus. Bd. 2, S. 375<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Herman <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gorter, Offener Brief an den Genossen Lenin, in: A. Pannekoek, H. Gorter, Orga\u00adnisation und Taktik der proletarischen Revolution. Frankfurt 1969, S. 178.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Pannekoek, Weltrevolution und Kommunistische Taktik, in: ebd. S.159<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ebd. S. 131 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Antonio Gramsci, Philosophie der Praxis. Eine Auswahl, hrsg. von Christian Riechers, Frankfurt\/M. 1967<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Karl A. Wittfogel, Die Orientalische Despotie. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Frankfurt\/M. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Berlin Wien 1977, S. 261.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ebd., S. 250-251<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Karl Marx, Die Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts. Berlin 1977.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 81<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Rudi Dutschke, Versuch, Lenin auf die F\u00fc\u00dfe zu stellen. Berlin 1974, S. 55ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Eine kurze, aber treffende Zusammenfassung der Kritiken an Dutschkes Position gibt Marcel van der Linden, in: Von der Oktoberrevolution bis zur Perestroika: der westliche Marxismus und die Sowjetunion, Frankfurt\/M. 1992, S. 177ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dutschke, a.a.O., S. 55<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Geschichte der UdSSR in drei Teilen. Teil I, K\u00f6ln 1977, S. 22.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Z.<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (Zeitschrift Marxistische Erneuerung), Nr. 12, Dezember 1992, S. 34 &#8211; 54. Der Beitrag von Michael Schneider besitzt die Originalit\u00e4t, alle Argumente und Schlussfolgerungen Dutschkes zu wiederholen und dies als neue Erkenntnis \u00fcber einen niemals vorhandenen Sozialismus in der UdSSR zu verkaufen.<br \/>\nErnsthafter ist die Arbeit von J. Kuczynski, \u201eAsche f\u00fcr Ph\u00f6nix\u201c, K\u00f6ln 1992. Kuczynski unterstellt, dass der Sozialismus im 20. Jahrhundert ebenso wie das r\u00f6mische Kolonat und die oberitalienischen St\u00e4dte &#8222;Fr\u00fchformen&#8220; der jeweils anstehenden neuen Gesellschaftsformation gewesen seien, die der noch immer vorhandenen St\u00e4rke der alten Weltordnung unterlagen. Unbewiesen und m. E. falsch ist Kuczynskis Annahme, dass es vom r\u00f6mischen Kolonat einen direkten Weg zur Feudalit\u00e4t gegeben habe.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ebenso f\u00fchrte von den oberitalienischen St\u00e4dten kein direkter Weg zum modernen Kapitalismus. Im Gegenteil, die Niederwerfung der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">[<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">politischen Macht und Eigenst\u00e4ndigkeit der] fr\u00fchkapitalistischen St\u00e4dte der Feudalgesellschaft war eine der Voraussetzungen der Entstehung der modernen Nationalstaaten Europas. Beide Erscheinungen, das Kolonat und die fr\u00fchkapitalistischen St\u00e4dte, so bedeutsam beide in ihren jeweiligen Zeitabschnitten waren, bildeten doch letztendlich Sackgassen der gesellschaftlichen Entwicklung. Ihre \u00dcberwindung war jeweils Voraussetzung der europ\u00e4ischen Modernisierung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Marx, Engels, Die deutsche Ideologie. MEW Bd. 3, Berlin (DDR) 1983, S. 64f<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 24<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Daf\u00fcr, dass die deutschen Barbaren die R\u00f6mer von ihrem eigenen Staat befreiten, nahmen sie ihnen zwei Drittel des gesamten Bodens und teilten ihn unter sich. Die Teilung geschah nach der Gentilverfassung; bei der verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringen Zahl der Eroberer blieben sehr gro\u00dfe Striche ungeteilt, Besitz teils des ganzen Volks, teils der einzelnen St\u00e4mme und Gentes. In jeder Gens wurde das Acker- und Wiesenland unter die einzelnen Haushaltungen zu gleichen Teilen verlost; ob in der Zeit wiederholte Aufteilungen stattfanden, wissen wir nicht, jedenfalls verloren sie sich in den R\u00f6merprovinzen bald, und die Einzelanteile wurden ver\u00e4u\u00dferliches Privateigentum, Allod. (&#8230;) Je l\u00e4nger die Gens in ihrem Dorfe sa\u00df und je mehr Deutsche und R\u00f6mer allm\u00e4hlich verschmolzen, desto mehr trat der verwandtschaftliche Charakter des Bandes zur\u00fcck vor dem territorialen; die Gens verschwand in der Markgenossenschaft.&#8220; Engels, Der Ursprung der Familie des Privateigentums und des Staates. MEW Bd. 21, S. 145\/46.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eDie freien grundbesitzenden Bauern, die Masse des fr\u00e4nkischen Volks wurde durch die ewigen B\u00fcrger- und Eroberungskriege, (\u2026) ganz so ersch\u00f6pft und heruntergebracht wie fr\u00fcher die r\u00f6mischen Bauern in den letzten Zeiten der Republik. Sie, die urspr\u00fcnglich das ganze Heer und nach der Eroberung Frankreichs dessen Kern gebildet hatten, waren am Anfang des neunten Jahrhunderts so verarmt, dass kaum noch der f\u00fcnfte Mann ausziehen konnte. An die Stelle des direkt vom K\u00f6nig aufgebotenen Heerbanns freier Bauern trat ein Heer, zusammengesetzt aus den Dienstleuten der neuaufgekommenen Gro\u00dfen (&#8230;) Nach der Eroberung des R\u00f6merreichs bildeten diese Gefolgsleute der K\u00f6nige neben den unfreien und r\u00f6mischen Hofbedienten den zweiten Hauptbestandteil des sp\u00e4teren Adels.&#8220; Ebd., S. 147<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> \u201eDie griechische und r\u00f6mische Stadt der Antike \u00f6ffnet sich zum Land hin, das gegen\u00fcber der Stadt eine untergeordnete Rolle spielt. (\u2026) Die mittelalterliche Stadt geh\u00f6rt zum Typ einer geschlossenen Stadt; sie ist eine Einheit f\u00fcr sich, ein winziges kleines \u201aVaterland\u2018. Wenn man ihre Festungsanlagen passiert, so hat das die gleiche Bedeutung, als wenn man heute die Grenzen eines schwer zug\u00e4nglichen Landes \u00fcberschreitet. Auf der anderen Seite der Grenze befindet man sich unter dem Schutz der Stadt. Der Bauer, der sein Land verl\u00e4sst und sich in die Stadt begibt, wird dort sofort ein anderer Mensch: Er ist frei, d.h. von seinem Frondienst und der verhassten Knechtschaft entbunden (\u2026)\u201c<br \/>\nBraudel, F., Die Geschichte der Zivilisation, M\u00fcnchen 1971, S. 603\/604.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">23<\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Roger Portal, Die Slawen. M\u00fcnchen 1971, S. 41 (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Richard <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ru\u00dfland vor der Revolution. M\u00fcnchen 1984, S. 35-36.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 25-26.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Zum Charakter der b\u00e4uerlichen Familie in Westeuropa schreibt Georges Duby: \u201cDie Struk\u00adturen der b\u00e4uerlichen Familie sind schwer auszumachen. Die aufschlussreichsten Hinweise <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">stammen aus der Karolingerzeit. In den Inventarien der Grundherrschaften werden h\u00e4ufig und mit gro\u00dfer Sorgfalt alle diejenigen Personen aufgez\u00e4hlt, die auf den abh\u00e4ngigen kleinen H\u00f6fen lebten. Sie vermitteln das Bild von Familien, die sich jeweils auf Vater, Mutter und Kinder beschr\u00e4nkten. Manchmal geh\u00f6rten auch unverheiratete Br\u00fcder und Schwestern dazu, aber nur selten entferntere Verwandte. Die verheirateten S\u00f6hne gr\u00fcnde\u00adten wahrscheinlich meistens ein eigenes Heim. (&#8230;) Dennoch scheint es ausgeschlossen, f\u00fcr diese Zeit die Existenz zahlenm\u00e4\u00dfig gro\u00dfer, nach patriarchalischem Muster organisier\u00adter Familienverb\u00e4nde anzunehmen. In ihrer Gr\u00f6\u00dfe unterscheiden sich die damaligen Bauernhaushalte wahrscheinlich kaum von denen, die heutzutage in Europa \u00fcberall dort zu finden sind, wo sich die traditionellen l\u00e4ndlichen Strukturen erhalten haben.&#8220; (Georges Duby. Krieger und Bauer. Die Entwicklung der mittelalterlichen Wirtschaft und Gesellschaft bis um 1200. Frankfurt\/M. 1977, S. 47.)<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend Duby die b\u00e4uerliche Kleinfamilie als agrarische Produktionseinheit f\u00fcr den euro\u00adp\u00e4ischen Westen bereits zur Karolingerzeit belegen kann, wird in Russland noch 1861 bei der sog. Bauernbefreiung von der patriarchalisch strukturierten b\u00e4uerlichen <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i><b>Gro\u00dffamilie <\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">ausgegangen. &#8222;Der traditionelle Typus der b\u00e4uerlichen Familie in Russland, wie er bis vor einem Jahrhundert vorherrschend war, war die sogenannte Gro\u00dffamilie; sie bestand aus Vater, Mutter, Kindern und verheirateten S\u00f6hnen mit deren Frauen und Nachwuchs. Ihr Oberhaupt (&#8230;) war fast immer der Vater (&#8230;), seine Autorit\u00e4t, urspr\u00fcnglich aus dem Gewohnheitsrecht abgeleitet, erhielt in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts juristischen Status, als die l\u00e4ndlichen Gerichte bei Rechtsstreitigkeiten innerhalb der Familie sein Urteil als bindend anerkannten. Alles war Gemeinbesitz.&#8220; (Pipes, a.a.O., S. 26\/27.)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Pipes, a.a.O. S. 19<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;W\u00e4hrend bei C\u00e4sar die Deutschen teils eben erst zu festen Wohnsitzen gekommen sind, teils noch solche suchen, haben sie zu <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Tacitus&#8216; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zeit schon ein volles Jahrhundert der Ans\u00e4ssigkeit hinter sich; dementsprechend ist der Fortschritt in der Produktion des Lebensunterhalts unverkennbar.&#8220; Engels, MEW Bd. 21, S. 137.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Wenn es vorher&#8220; (gemeint ist vor dem Ende des 12. Jahrhunderts, A. S.) &#8222;eine Perfektio\u00adnierung gegeben hat, so bezieht sie sich auf das Werkzeug selbst, auf das wichtigste R\u00fcstzeug, das dem Bauern f\u00fcr die Bearbeitung des Bodens zur Verf\u00fcgung stand (&#8230;). Was die Entwicklung der Technik angeht, so steht die Vermutung, dass der Pflug perfektioniert wurde, gewiss im Zentrum dieser quellenarmen Zeit der Landwirtschaftsgeschichte. Zun\u00e4chst einmal k\u00f6nnen wir annehmen, dass die St\u00e4rke des Gespanns, das den Pflug zu ziehen hatte, zunahm. (&#8230;) Hinzu kommt, dass im Laufe des 11. Jahrhunderts mit Sicherheit auch bessere Methoden zum Einspannen der Zugtiere entwickelt wurden. So wurde etwa das Stirnjoch f\u00fcr die Ochsen erfunden, mit dessen Hilfe ihre Zugkraft besser genutzt werden konnte. Schlie\u00dflich beschlossen die Landwirte einiger Provinzen, f\u00fcr die Ackerarbeit Pferde statt Ochsen zu verwenden (&#8230;) Der Vorteil der Pferde war ihre Schnelligkeit. Spannte man sie vor den Pflug, ging die Bodenbearbeitung wesentlich rascher voran, so dass die Pflugarbeit vermehrt und zugleich das Eggen als neue Praxis eingef\u00fchrt werden konnte. (&#8230;) Es ist anzunehmen, dass der Pflug selbst w\u00e4hrend dieser Zeit (&#8230;) ebenfalls technische Verbesserungen erfahren hat. Zu der blo\u00df aus Holz beste\u00adhenden Konstruktion der Karolingerzeit kamen Eisenelemente hinzu, die die Wirkung der entscheidenden Teile, des Pflugmessers, der Schar und des Streichbretts, wesentlich erh\u00f6hten. Nach dem Jahr 1000 sind die Fortschritte der Metallurgie in ganz Europa nicht mehr zu \u00fcbersehen.&#8220; (Duby, a.a.O., S. 252ff.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000; font-size: 12pt;\"> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">W\u00e4hrend Duby hier sehr vorsichtig und zur\u00fcckhaltend bei der Darstellung des technischen Fortschritts formuliert, sind die entsprechenden Ausf\u00fchrungen in der DDR-Geschichtsschreibung bestimmter. &#8222;Immerhin kann es als sicher gelten, dass der schon (&#8230;) um die Mitte des 1. Jahrhunderts erw\u00e4hnte &#8218;plaumorati&#8216;, der R\u00e4derpflug, zum schweren Bodenwendepflug mit Streichbrett weiter verbessert und vervollkommnet, mit Sech oder Kolter und Eisen\u00adschar versehen, seit dem 8 \/9. Jh. in Nordwesteuropa zwar h\u00e4ufiger auftrat, den leichteren und weniger komplizierten W\u00fchl- und Hakenpflug aber blo\u00df langsam verdr\u00e4ngte. Gegen\u00ad\u00fcber dem einfachen alten Haken, der den Boden nur recht oberfl\u00e4chlich durchw\u00fchlte, bot der Wendepflug manche Vorteile. (&#8230;) Bald blieb daher den weniger komplizierten Ger\u00e4ten vorwiegend die Bearbeitung der \u00e4lteren, leichteren Kulturb\u00f6den \u00fcberlassen, w\u00e4hrend der schwere Wendepflug vor allem bei der Kultivierung und Melioration neuer, bisher unangebauter Fl\u00e4chen unsch\u00e4tzbare Dienste leistete.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aber der schwere, tiefergehende Pflug erforderte auch eine sehr viel h\u00f6here Zugleistung und folglich einen gr\u00f6\u00dferen Zugviehbestand sowie die gr\u00fcndlichere Ausnutzung der Leistungskraft der Tiere. Die Verbreitung des schweren massiven Wendepflugs mit Radvorgestell hatte deshalb zumeist den \u00dcbergang zu einer ver\u00e4nderten Anspannungsmethode, der Kummetanschirrung zur Folge, die zwischen Rhein und Elbe seit dem 10. Jh. h\u00e4ufi\u00adgere Anwendung fand und \u00fcberhaupt erst die Einbeziehung des Pferdes in das Wirt\u00adschaftsleben der<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">feudalen Gesellschaft gestattete.&#8220; (Stern, L., Deutschland in der Feudal\u00adepoche von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, Berlin (DDR) 1978, S. 19-20.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Pipes, a.a.O.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Marx, Geheimdiplomatie, a.a.O., S. 80.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Valentin Gittermann, Geschichte Ru\u00dflands. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Band <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">I, Hamburg 1949, S. 37.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 76.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Insofern weist der &#8222;Kiewer Rus&#8220; Parallelen (sowohl inhaltlich wie zeitlich) mit den islamisch-arabischen Staatsgr\u00fcndungen auf. Siehe dazu: <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Maurice <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lombard, Bl\u00fctezeit des Islams. Eine Wirtschafts- und Kulturgeschichte des 8. &#8211; 11. Jahrhunderts. Frankfurt\/M. 1992.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gittermann, a.a.O., S 87.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Portal, a.a.O., S. 62-63<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Otto Hintze, Staat und Verfassung. G\u00f6ttingen 1962, S. 89f. (Hervorhebung von mir, A.S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 90.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 92<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Portal, a.a.O., S.62<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">G\u00fcnther St\u00f6kl, Russische Geschichte. Stuttgart 1990, S. 82<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> \u201eDer<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Kriegsf\u00fchrer, der sich einen Ruf erworben, versammelte eine Schar beutelustiger junger M\u00e4nner um sich, ihm zu pers\u00f6nlicher Treue, wie er ihnen, verpflichtet. Der F\u00fchrer verpflegte und beschenkte sie, ordnete sie hierarchisch; eine Leibgarde und schlagfertige Truppe zu kleineren, ein fertiges Offizierskorps f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Ausz\u00fcge. Schwach wie diese Gefolgschaften gewesen sein m\u00fcssen und auch z.B. bei Odovaker in Italien sp\u00e4ter erscheinen, so bildeten sie doch schon den Keim des Zerfalls der alten Volksfreiheit und bew\u00e4hrten sich als solche in und nach der V\u00f6lkerwanderung. (\u2026) Sie (konnten), wie schon Tacitus bemerkt, zusammengehalten werden nur durch fortw\u00e4hrende Kriege und Raubz\u00fcge. Der Raub wurde Zweck. Hatte der Gefolgsherr in der N\u00e4he nichts zu tun, so zog er mit einer Mannschaft zu anderen V\u00f6lkern, bei denen es Krieg und Aussicht auf Beute gab (\u2026).\u201c Engels, F.; MEW Bd. 21, S. 139.<\/span><\/span><\/p>\n<p>So ging der Kiewer Staatsgr\u00fcndung durch die Normannen zuerst die fortgesetzte Pl\u00fcnderung der Handelsstra\u00dfe durch die sp\u00e4teren Staatsgr\u00fcnder voraus. Aus der Pl\u00fcnderung erwuchs der st\u00e4ndige Tribut f\u00fcr den milit\u00e4rischen Schutz dieser Handelsverbindung, aus dem Schutz der Handelsverbindung die Herrschaft \u00fcber die Fernhandelsst\u00e4dte, deren Gesamtheit das \u201eReich der St\u00e4dte\u201c \u2013 bezeichnenderweise ein normannischer Begriff \u2013 den Staat des \u201eKiewer Rus\u201c ausmachte.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, Geheimdiplomatie, a.a.O., S. 79<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Aus den Rechtsdenkm\u00e4lern des Kiewer Reiches erfahren wir, dass der Besitz an Grund und Boden neben dem Handel immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung gewann, sowohl f\u00fcr den F\u00fcrsten selbst als auch f\u00fcr seine Gefolgschaft. <\/span><\/span><i><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ein Feudalsystem wie im Westen ging daraus jedoch nicht hervor, schon weil der Grundbesitz uneingeschr\u00e4nkt erblich und nicht an den Dienst bei einem bestimmten F\u00fcrsten gebunden war.<\/span><\/span><\/b><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Beim Wechsel des Dienstverh\u00e4lt\u00adnisses konnte der Angeh\u00f6rige der &#8218;druzina&#8216; (Gefolgschaft, A. S.) und sp\u00e4ter der Bojare auch seinen Grundbesitz mitnehmen, was erst die Moskauer Zaren mit drakonischen Ma\u00dfnahmen unterbanden.&#8220; (Neander, Irene; Russische Geschichte in Grundz\u00fcgen. Darm\u00adstadt 1988, S. 29\/30.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Zur Entwicklung der agrarischen Produktionsinstrumente und ihren Auswirkungen auf die soziale und politische Lage der Bauernschaft siehe: Duby, a.a.O., S. 255ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Nach wie vor bleibt das Problem bestehen, ob die Mongolenherrschaft wirklich die ent\u00adscheidende Ursache f\u00fcr die wirtschaftliche und politische Sp\u00e4tentwicklung des Landes gewesen ist. F\u00fcr den Verfall des Staats von Kiew sind die Mongolen nicht verantwortlich zu machen. Was aber das Schicksal des neuen F\u00fcrstentums Susdal-Wladimir&#8220; (aus dem der sp\u00e4tere Moskauer Staat hervorging) &#8222;angeht, so ist nicht mit Sicherheit zu behaupten, dass es ohne die Mongolen g\u00fcnstiger verlaufen w\u00e4re. Die Besetzung der Steppen durch die Mongolen, die einen Teil des russischen Volkes zwang, auf verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig beschr\u00e4nktem Raum, noch vermehrt durch Fl\u00fcchtlinge zu siedeln und damit seine Bev\u00f6lkerungsdichte zu verst\u00e4rken, hat die g\u00fcnstigsten Voraussetzungen f\u00fcr eine Staatsgr\u00fcndung geschaffen. Schlie\u00dflich hat die Autorit\u00e4t des Khans den Aufl\u00f6sungstendenzen, die aus den gegenseitigen K\u00e4mpfen der F\u00fcrsten resultierten, entgegengewirkt, indem er die Politik der F\u00fcrsten von Wladimir st\u00fctzte.&#8220; (Portal, a.a.O., S. 80\/81) Obwohl Portal die Bedeutung der mongolischen Steuer f\u00fcr die Moskauer Staatsgr\u00fcndung unzureichend erkennt, muss auch er einen positiven Einfluss der Mongolen auf die neuerliche (Moskauer) Staatsgr\u00fcndung zugestehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Geschichte der UdSSR. Bd. I, a.a.O., S. 62<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hintze, a.a.O., S. 99<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> St\u00f6kl, a.a.O., S. 147\/148.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd. \/ Anmerkung: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Es darf aber als gesichert gelten, dass das fr\u00e4nkische Lehnswesen Elemente der sp\u00e4tr\u00f6mischen <\/span><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Commendatio<\/span><\/em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (Ergebenheit in ein pers\u00f6nliches Schutzverh\u00e4ltnis) mit Teilen des auf Treue basierenden germanischen Gefolgschaftswesens verband.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hintze, a.a.O., S. 99.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Gittermann, a. a. O., S. 87<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Die St\u00e4dte, die im Kiewer Reich eine so gro\u00dfe Rolle gespielt hatten, waren hier im Nord\u00adosten ohnehin meist f\u00fcrstliche Gr\u00fcndungen ohne bedeutende eigene Rechte und Funktio\u00adnen. Sofern sie noch aus alter Zeit stammten, waren sie durch Zerst\u00f6rung und Niedergang des Handels so geschw\u00e4cht, dass sie dem F\u00fcrstenhader keine eigenen Kr\u00e4fte ent\u00adgegensetzen konnten.&#8220; Neander, a.a.O., S. 50\/51.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Die Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber der Goldenen Horde brachte den Moskauer F\u00fcrsten man\u00adchen pers\u00f6nlichen Gewinn gegen\u00fcber ihren russischen Rivalen, aber letztlich auch Vortei\u00adle f\u00fcr das ganze Land. Vor allem aber wurde dadurch, dass Iwan I. von Moskau (1328-41) das alleinige Recht zur Eintreibung des Tributs f\u00fcr den Tatarenkhan erhielt, den \u00dcbergrif\u00adfen einzelner H\u00e4uptlinge und willk\u00fcrlichen Einf\u00e4llen tatarischer Horden auf russisches Gebiet eine Schranke gesetzt. Die Steuerlast wurde dadurch zwar nicht geringer und Iwan unterlie\u00df es dabei nicht, die anderen L\u00e4nder st\u00e4rker heranzuziehen als sein eigenes (&#8230;). Die Mehrung ihrer &#8218;Hausmacht&#8216; gelang den Moskauer F\u00fcrsten sogar weitgehend ohne kriegerische Verwicklungen. Aus den Tributeinnahmen Iwans I. mag gut ein Teil in seine eigene Kasse geflossen sein, was ihn und seine Nachfolger in den Stand setzte, L\u00e4nde\u00adreien, ja ganze St\u00e4dte zu kaufen, andere erhielten sie als Erbschaft oder Heiratsgut.&#8220; Neander, a.a.O., S. 52\/53. Neander gibt hier, wie in weiten Teilen ihres Buches, eine besch\u00f6nigende und rechtfertigende Darstellung des Moskauer Zarentums.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, Geheimdiplomatie, a.a.O., S. 81<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Gittermann, a. a. O., S. 87<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> St\u00f6kl, a. a. O., S. 146<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"en-US\">Pipes, <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\">a.a.O., S. 59<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><b><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> Ebd., S. 97<\/span><\/span><\/span><\/b><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> Ebd., S. 61<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> St\u00f6kl, a.a.O., S. 236<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Pipes, S. 159<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 184\/185.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Unter Historikern ist die Datierung der Entstehung der russischen Dorfgemeinde umstrit\u00adten. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">vertritt die Auffassung, dass eine Mehrheit [der Historiker] der Position zuneige, den Ursprung der russischen Dorfgemeinde aus dem zaristischen Steuersystem abzuleiten, da sie zuvor schriftlich nicht belegt sei. Demnach w\u00e4re die russische Dorfgemeinde ein Produkt der letzten Jahrhunderte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Problematisch an dieser Position ist zweierlei. Erstens wird durch diese Argumentation die Existenz einer Dorfgemeinde nur f\u00fcr Russland erkl\u00e4rt. Zweitens wird die Entstehung der Dorfgemeinde hauptseitig politisch hergeleitet, ohne dass ihre Wurzeln in den Produk\u00adtionsbedingungen der slawischen Ackerbaugemeinden ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden. Tats\u00e4chlich lassen sich Formen dorfgemeinschaftlichen Lebens aber sowohl im <\/span><\/span><i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">s\u00fcd- wie im ostslawischen<\/span><\/span><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Raum, also nicht nur in Russland, nachweisen. Klima wie Entwicklungsstand der Produktivkr\u00e4fte lassen eine andere Form der agrarischen Produktion als die genossenschaftliche Produktion w\u00e4hrend des gesamten Mittelalters kaum denkbar erscheinen. Nur bei den Westslawen (Polen, Tschechen, Slowaken etc.) finden wir, teil\u00adweise auf Grund anderer klimatischer Bedingungen, sicherlich aber auch durch eine weit\u00adgehende Einbeziehung dieser Regionen in jenen von der westeurop\u00e4ischen Feudalit\u00e4t gepr\u00e4gten Entwicklungsprozess, eine durch die b\u00e4uerliche Einzelwirtschaft auf Basis der Kleinfamilie gepr\u00e4gte Wirtschaftsweise.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> Pipes, a. a. O., S. 107<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"fr-FR\"> MEW Bd. 32, S. 42-43<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Der Herausgeber des Briefwechsels verweist darauf, dass diese Auseinandersetzung im Jahr 1856 in verschiedenen russischen Zeitschriften gef\u00fchrt wurde. \u201eW\u00e4hrend Tschitscherin \u2026 in der Agrarkommune eine staatliche Verwaltungseinrichtung j\u00fcngeren Datums sah, betrachtete Bjeljajew \u2026 sie als uralte slawische Volkseinrichtung.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, 22.03.1873: Die Briefe von Karl Marx und Friedrich Engels an Danielson, Leipzig 1929, S. 14<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 2, S. 178<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Smith, S. 37-38.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 1, S. 181<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd, S. 179<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd, S.178<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Nolte, S. 97<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Gemeint sind die Kopfsteuer und die Rekrutensteuer (Abstellung von Rekruten in bestimmter Anzahl f\u00fcr die Armee).<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hildermeier 2013, S. 596<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Fronleistungen.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> B\u00e4uerlicher Zins<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hildermeier 2013, S. 596-597<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a> <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ebd., S. 105 -106 (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Dass der moskowitische Staat von Anfang an despotische Z\u00fcge aufwies und seine Regie\u00adrungsformen dem straff zentralistisch regierten Mongolenstaat entlieh, steht au\u00dfer allem Zweifel.&#8220; Neander, a.a.O., S. 43.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Es bietet erhebliche Vorteile, die Bezeichnung <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8218;patrimonial&#8216; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">beizubehalten, wenn man ein Regime definieren will, in dem die Souver\u00e4nit\u00e4ts- und Eigentumsrechte bis zur Ununter\u00adscheidbarkeit ineinander \u00fcbergehen und politische Macht in der gleichen Weise ausge\u00fcbt wird wie wirtschaftliche. (&#8230;) Das <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">patrimoniale <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Regime ist eine Regierungsform aus eige\u00adnem Recht (&#8230;). Konflikte zwischen Souver\u00e4nit\u00e4t und Eigentum entstehen hier nicht, ja k\u00f6nnen nicht entstehen, weil sie, wie im Fall einer primitiven, von einem Pater familias <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">gef\u00fchrten Familie, ein und dasselbe sind. Ein Despot verletzt Eigentumsrechte seiner Untertanen; ein patrimonialer Herrscher erkennt nicht einmal ihre Existenz an. Infolgedes\u00adsen kann es unter einem patrimonialen Regime keinen klaren Unterschied zwischen Staat und Gesellschaft geben, denn eine solche Unterscheidung postuliert das Recht von Personen neben dem Souver\u00e4n, Kontrolle \u00fcber Sachen und <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(dort <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">wo Sklaverei besteht) \u00fcber Menschen auszu\u00fcben. In einem <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">patrimonial <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">regierten Staat gibt es keine formellen Einschr\u00e4nkungen politischer Herrschaft. (&#8230;) Mit dem patrimonialen System ist am besten der Herrschaftstypus definiert, der sich zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert in Russland herausbildete&#8220;. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Pipes, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">a.a.O., S. 32\/33.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote80\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote80anc\" name=\"sdfootnote80sym\">80<\/a><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">66<\/span><\/sup><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 28\/29.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote81\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote81anc\" name=\"sdfootnote81sym\">81<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution in 3 B\u00e4nden. Band 1, Frankfurt 1973, S. 14<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote82\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote82anc\" name=\"sdfootnote82sym\">82<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> In dem diesem Dekret beigef\u00fcgten \u201eB\u00e4uerliche(n) W\u00e4hlerauftrag zur Bodenfrage\u201c hei\u00dft es: \u201e1. Das Privateigentum am Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben, der Boden darf weder verkauft noch gekauft, weder in Pacht gegeben noch verpf\u00e4ndet, noch auf irgendeine andere Weise ver\u00e4u\u00dfert werden. (\u2026) 6. Das Recht auf Bodennutzung erhalten alle B\u00fcrger des Russischen Staates (ohne Unterschied des Geschlechts), die den Boden selbst, mit Hilfe ihrer Familie, oder genossenschaftlich bearbeiten wollen, und zwar nur so lange, wie sie imstande sind ihn zu bearbeiten. <\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lohnarbeit wird nicht zugelassen. (&#8230;) 7. Die Bodennutzung muss ausgleichend sein, d. h., der Boden wird je nach den \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen auf Grund der Arbeitsnorm oder Ver\u00adbrauchsnorm unter die Werkt\u00e4tigen aufgeteilt.&#8220; Zit. nach: LW Bd. 26, S. 250\/251<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote83\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote83anc\" name=\"sdfootnote83sym\">83<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hintze, a.a.O., S. 100.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote84\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote84anc\" name=\"sdfootnote84sym\">84<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 100\/101. Was h\u00e4tte die deutsche Linke doch f\u00fcr eine Freude am Werk Otto Hin\u00adtzes, w\u00fcrde sie es nur kennen. Hier f\u00e4nde sie Material &#8211; und gar b\u00fcrgerliches Material &#8211; welches es ihr erm\u00f6glichen w\u00fcrde, eines ihrer Lieblingsdogmen &#8211; das von der besonderen Aggressivit\u00e4t des deutschen Imperialismus &#8211; bereits aus der europ\u00e4ischen Fr\u00fchgeschichte herleiten zu k\u00f6nnen. Der &#8222;\u00fcberst\u00fcrzte Imperialismus\u201d st\u00e4nde damit sozusagen an der Wiege der deutschen Nation, die Junker des Kaiserreichs und das nationalsozialistische Regime w\u00e4ren nur Sp\u00e4tfolgen einer f\u00fcnfzehn Jahrhunderte dauernden Fehlentwicklung der Deutschen. Dass theoretisches Desinteresse auch positive Seiten haben kann, erleben wir an dieser Frage. Eine politische Aufarbeitung Hintzes durch die deutsche Linke blieb uns bisher erspart.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote85\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote85anc\" name=\"sdfootnote85sym\">85<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Denselben Gedanken finden wir bei Engels: &#8222;Alles, was die Deutschen der R\u00f6merwelt Lebenskr\u00e4ftiges und Lebenbringendes einpflanzten, war Barbarentum. In der Tat sind nur Barbaren f\u00e4hig, eine an verendender Zivilisation laborierende Welt zu verj\u00fcngen. Und die oberste Stufe der Barbarei, zu der und in der die Deutschen sich vor der V\u00f6lkerwanderung emporgearbeitet, war gerade die g\u00fcnstigste f\u00fcr diesen Prozess. Das erkl\u00e4rt alles.&#8220; Engels, F., MEW Bd. 21, S. 151<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote86\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote86anc\" name=\"sdfootnote86sym\">86<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 95\/96, Hervorhebung von mir, A. S.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote87\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote87anc\" name=\"sdfootnote87sym\">87<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Marx, MEW Bd. 3, S. 24 und 64.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote88\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote88anc\" name=\"sdfootnote88sym\">88<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Der Kriegsf\u00fchrer, der sich einen Ruf erworben, versammelte eine Schar beutelustiger junger M\u00e4nner um sich, ihm zu pers\u00f6nlicher Treue, wie er ihnen, verpflichtet. Der F\u00fchrer verpflegte und beschenkte sie, ordnete sie hierarchisch; eine Leibgarde und schlagfertige Truppe zu kleineren, ein fertiges Offizierskorps f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Ausz\u00fcge. Schwach wie diese Gefolgschaften gewesen sein m\u00fcssen (&#8230;), so bildeten sie doch schon den Keim des Verfalls der alten Volksfreiheit und bew\u00e4hrten sich als solche in und nach der V\u00f6lkerwan\u00adderung. Denn erstens beg\u00fcnstigten sie das Aufkommen der k\u00f6niglichen Gewalt. Zweitens aber konnten sie (&#8230;) zusammen-gehalten werden, nur durch fortw\u00e4hrende Kriege und Raubz\u00fcge. (&#8230;) Nach Eroberung des R\u00f6merreichs bildeten diese Gefolgsleute der K\u00f6nige neben den unfreien und r\u00f6mischen Hofbedienten den zweiten Hauptbestandteil des sp\u00e4teren Adels.&#8220; Engels, F., MEW Bd. 21, S. 139\/140.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote89\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote89anc\" name=\"sdfootnote89sym\">89<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Es findet jedoch schon w\u00e4hrend des fr\u00fchen Mittelalters ein Wandel statt. Der Anteil des Ackerbaus an der landwirtschaftlichen Produktion w\u00e4chst, und die Bodennutzung wird intensiver, vor allem dadurch, dass man an Stelle des leichten, den Boden nur ritzenden Hakenpfluges schwerere, schollenbrechende Pfl\u00fcge zu benutzen lernt. Die intensivere Bodenbearbeitung aber hat einen erh\u00f6hten Zeitaufwand zur Folge, so dass der Ackerbauer nun weniger f\u00fcr andere Aufgaben zur Verf\u00fcgung steht. Und das hei\u00dft, <\/span><\/span><i><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">es wurde schwieri\u00adger f\u00fcr ihn, Kriegsdienst zu leisten.&#8220;<\/span><\/span><\/b><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Boockmann, H., Einf\u00fchrung in die Geschichte des Mittelalters. M\u00fcnchen 1988, S. 31. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote90\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote90anc\" name=\"sdfootnote90sym\">90<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Engels, F., MEW Bd. 21, S. 147.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote91\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote91anc\" name=\"sdfootnote91sym\">91<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die von Engels hier angesprochenen Entwicklung im untergehenden R\u00f6mischen Reich schildert er selbst folgenderma\u00dfen: \u201eIn Italien waren die seit Ende der Republik fast das ganze Gebiet einnehmenden ungeheuren G\u00fcterkomplexe (Latifundien) auf zweierlei Weise verwertet worden. Entweder als Viehweide, wo die Bev\u00f6lkerung durch Schafe und Ochsen ersetzt war, deren Wartung nur wenige Sklaven erforderte. Oder als Villen, die mit Massen an Sklaven Gartenbau in gro\u00dfem Stil trieben, teils f\u00fcr den Luxus des Besitzers, teils f\u00fcr den Absatz auf st\u00e4dtischen M\u00e4rkten. Die gro\u00dfen Viehweiden hatten sich erhalten und wohl noch ausgedehnt; die Villeng\u00fcter und ihr Gartenbau waren verkommen mit der Verarmung ihrer Besitzer und dem Verfall der St\u00e4dte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die auf Sklavenarbeit gegr\u00fcndete Latifundienwirtschaft rentierte sich nicht mehr; sie war aber damals die einzig m\u00f6gliche Form der gro\u00dfen Agrikultur. Die Kleinkultur war wieder die allein lohnende Form gewor\u00adden. Eine Villa nach der anderen wurde in kleine Parzellen zerschlagen und ausgegeben an Erbp\u00e4chter, die eine bestimmte Summe zahlten, oder partiarii, mehr Verwalter als P\u00e4chter, die den sechsten oder gar nur neunten Teil des Jahresprodukts f\u00fcr ihre Arbeit erhielten. Vorherrschend aber wurden diese kleinen Ackerparzellen an Kolonen ausgetan, die daf\u00fcr einen bestimmten j\u00e4hrlichen Betrag zahlten, an die Scholle gefesselt waren und mit ihrer Parzelle verkauft werden konnten; sie waren zwar keine Sklaven, aber auch nicht frei, konnten sich nicht mit Freien verheiraten, und ihre Ehen untereinander werden nicht als vollg\u00fcltige Ehen, sondern wie die der Sklaven als blo\u00dfe Beischl\u00e4ferei (contubemium) angesehen. Sie waren die <\/span><\/span><i><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Vorl\u00e4ufer<\/span><\/span><\/b><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> der mittelalterlichen Leibeignen. Die antike Sklaverei hatte sich \u00fcberlebt. Weder auf dem Lande in der gro\u00dfen Agrikultur noch in den st\u00e4dti\u00adschen Manufakturen gab sie einen Ertrag mehr, der der M\u00fche wert war &#8211; der Markt f\u00fcr ihre Produkte war ausgegangen.&#8220; Engels, F., MEW Bd. 21, S. 143\/144. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Aus Stellen wie dieser folgert J\u00fcrgen Kuczynski, dass es sich beim Kolonat um eine fr\u00fche Form der feudalen Gesellschaft gehandelt habe. (Siehe dazu: Kuczynski, J., Asche f\u00fcr Ph\u00f6nix. K\u00f6ln 1992, S. 17 &#8211; 44.) Die Kolonen waren, wie Engels richtig bemerkte, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i><b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Vorl\u00e4ufer&#8220;<\/span><\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> der mittelalterlichen Leibeigenen; Gesellschaften mit einer durchs Kolonat gepr\u00e4gten Agrarverfassung sind damit aber nicht notwendig &#8222;Fr\u00fchformen der Feudalit\u00e4t\u201d. Kuczynski \u00fcbersieht bei seiner Argumentation, dass die geschilderten \u00f6konomischen Ver\u00adh\u00e4ltnisse nur eine, aber f\u00fcr sich alleine v\u00f6llig unzureichende Voraussetzung f\u00fcr die Her\u00adausbildung einer feudalen Gesellschaft sind. Das Hinzutreten der &#8222;Germanischen Heeres\u00adverfassung&#8220;, weiterhin die durch den Ackerbau und die Heeresverfassung bedingte Her\u00adausbildung des <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i><b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Ritters,<\/span><\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> jener speziellen Form des feudalen Kriegers und die Formung des Staatsapparates vermittels der Lehenspyramide (Personenverbandsstaat) sind weitere unabdingbare Bestandteile einer feudalen Gesellschaft. Nur wo eine Gesellschaft alle diese Elemente hervorbrachte, damit tats\u00e4chlich und nicht nur im \u201eosteurop\u00e4isch-marxistischen\u201c Sinne feudal war, lieferte sie auch aus sich heraus die Anst\u00f6\u00dfe zur Entwicklung des modernen Kapitalismus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote92\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote92anc\" name=\"sdfootnote92sym\">92<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Engels, F., MEW Bd. 21, S. 148\/149<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote93\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote93anc\" name=\"sdfootnote93sym\">93<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">&#8222;Wenn sie wenigstens in dreien der wichtigsten L\u00e4nder, Deutschland, Nordfrankreich und England, ein St\u00fcck echter Gentilverfassung in der Form der Markgenossenschaft in den Feudalstaat hin\u00fcberretteten und damit der unterdr\u00fcckten Klasse, den Bauern, selbst unter der h\u00e4rtesten mittelalterlichen Leibeigenschaft, einen lokalen Zusammenhalt und ein Mittel des Widerstandes gaben, wie es weder die antiken Sklaven fertig vorfanden noch die modernen Proletarier &#8211; wem war das geschuldet, wenn nicht ihrer Barbarei, ihrer aus\u00adschlie\u00dflich barbarischen Ansiedlungsweise nach Geschlechtern?&#8220; Ebd., S. 150.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote94\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote94anc\" name=\"sdfootnote94sym\">94<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Ein Teil der Freien hat sich diesen ver\u00e4nderten Anforderungen (gemeint sind die Anforde\u00adrung des Kriegsdienstes, A. S.) offensichtlich dadurch entzogen, dass er seinen Rechtssta\u00adtus aufgab und sich einem Herrn unterstellte, einem Adligen oder auch einer Kirche (&#8230;) Er erhielt von seinem neuen Herrn seinen Besitz dann zur Bewirtschaftung zur\u00fcck und musste ihm Abgaben und Dienste leisten. Aus dem Freien wurde damit zwar kein servus, kein Unfreier im antiken und fr\u00fchmittelalterlichen Sinne, kein Rechtloser also, \u00fcber den sein Herr nach Belieben verf\u00fcgen konnte, sondern eine Person mit eingeschr\u00e4nktem Rechts\u00adstatus, ein H\u00f6riger\u201d. Boockmann, a.a.O., S. 32.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote95\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote95anc\" name=\"sdfootnote95sym\">95<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Boockmann, a.a.O., S. 32\/33.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote96\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote96anc\" name=\"sdfootnote96sym\">96<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Politische \u00d6konomie (Lehrbuch), deutsche \u00dcbersetzung der russischen Ausgabe von 1954. Berlin\/DDR 1971, S. 48\/49. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote97\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote97anc\" name=\"sdfootnote97sym\">97<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> B\u00fcttner, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">T., <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Afrika. Geschichte von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart. Teil I, K\u00f6ln 1979, S. 117 (Nachdruck einer Ausgabe des Akademie-Verlages Berlin \/ DDR).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote98\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote98anc\" name=\"sdfootnote98sym\">98<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dementsprechend wird in besagtem Geschichtsbuch argumentiert: &#8222;Immer noch behaup\u00adten sich b\u00fcrgerliche Ansichten, die bez\u00fcglich des subsaharischen Afrika von einer \u00fcber Jahrhunderte dauernden Stagnation auch seit den fr\u00fchen Staatenbildungen sprechen. Es werden nicht nur die verheerenden<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Auswirkungen der mit den Portugiesen beginnenden europ\u00e4ischen Kolonisation und des transatlantischen kapitalistischen Sklavenhandels geleugnet, dar\u00fcber hinaus wird die innere gesellschaftliche Entwicklung als &#8218;jeglicher Dynamik fremd\u2019 und das Niveau stammesm\u00e4\u00dfig-patriarchalischer Beziehungen nicht \u00fcberschreitend dargestellt (&#8230;) Seit dem ersten Jahrtausend haben zahlreiche V\u00f6lker Afri\u00adkas bedeutsame Staaten auf der Basis von Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen und fr\u00fchen Klas\u00adsengesellschaften begr\u00fcndet, und durchaus eine Aufw\u00e4rtsentwicklung durchlaufen. Sie wurden jedoch h\u00e4ufig durch &#8218;\u00e4u\u00dferen&#8216; Einfluss, vor allem durch die Auswirkungen der seit Ende des 15. Jahrhunderts beginnenden europ\u00e4ischen Kolonisation, aber auch aus innergesellschaftlichen Gr\u00fcnden abgebrochen oder deformiert.&#8220; (Ebd., S. 116\/117)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote99\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote99anc\" name=\"sdfootnote99sym\">99<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 122<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote100\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote100anc\" name=\"sdfootnote100sym\">100<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Bei den Osmanen wurden Kanonen erstmals 1385 bei Konya durch <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Murat <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">I. eingesetzt. Siehe dazu: Matuz, J., Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Darmstadt 1985, S. 38. Die artilleristische \u00dcberlegenheit des Osmanischen Heeres gegen\u00fcber den byzantinischen Verteidigern war eine entscheidende Voraussetzung f\u00fcr die Eroberung Kon\u00adstantinopels 1453. (Siehe dazu: Runciman, Die Eroberung Konstantinopels 1453. M\u00fcnchen 1977.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote101\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote101anc\" name=\"sdfootnote101sym\">101<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Kennedy, P., Aufstieg und Fall der gro\u00dfen M\u00e4chte. Frankfurt\/M. 1989, S. 32\/33.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote102\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote102anc\" name=\"sdfootnote102sym\">102<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lombard, M., Bl\u00fctezeit des Islam. Frankfurt\/M., S. 129. (Hervorhebung von mir, A.S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote103\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote103anc\" name=\"sdfootnote103sym\">103<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Es war eine Kombination von wirtschaftlichem Laisser-faire, politischem und milit\u00e4ri\u00adschem Pluralismus und intellektueller Freiheit &#8211; wie rudiment\u00e4r jeder Faktor im Vergleich zu sp\u00e4teren Zeitaltern auch erscheinen mag -, die in st\u00e4ndiger Interaktion standen, um das \u201aEurop\u00e4ische Wunder\u2018 zu schaffen. Da das Wunder historisch einmalig ist, scheint es plausibel, anzunehmen, dass nur eine Entsprechung aller Komponenten anderswo ein \u00e4hnliches Resultat produziert h\u00e4tte. Weil diese Mischung entscheidender Zutaten weder in Ming-China, noch in anderen zuvor untersuchten Gesellschaften existierte, schienen sie stillzustehen, w\u00e4hrend Europa sich auf die Mitte der Weltb\u00fchne zubewegte.&#8220; Kennedy, a.a.O., S. 68.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote104\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote104anc\" name=\"sdfootnote104sym\">104<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Der entwickelten Form der Reisproduktion in China ist die Verbindung von Ackerbau und Viehzucht, die f\u00fcr Europa typisch ist, v\u00f6llig fremd. So schreibt <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">dazu: \u201cWaldwirtschaft und Viehzucht sind den Chinesen unbekannt (sie trinken keine Milch, essen keinen K\u00e4se und nur sehr wenig Fleisch), der Versuch einer Integration der Berg\u00adv\u00f6lker in das allgemeine Leben wurde im Gegensatz zu Europa nie unternommen. (&#8230;) Im S\u00fcden des Landes ist den Chinesen die Nutzbarmachung der Gebirgsregionen nicht etwa misslungen: Man hat im Gegenteil noch nicht einmal den Versuch dazu unternommen. Nachdem man fast alle Haustiere vertrieben und seine T\u00fcr vor den armseligen Bergv\u00f6l\u00adkern der Trockenreiskulturen verschlossen hat, geht es aufw\u00e4rts; aber der Chinese muss die ganze Arbeit allein bew\u00e4ltigen, (\u2026) Die Wasserb\u00fcffel helfen dem Bauern nur bei der Feldarbeit; Pferde, Maultiere und Kamele gibt es nur im Norden, der aber nicht mehr zu den eigentlichen Reisl\u00e4ndern Chinas z\u00e4hlt.&#8220; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">F., Die Geschichte der Zivilisation. M\u00fcnchen 1971, S. 162\/163 <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr den arabisch-\u00adislamischen Raum. Hier &#8222;spielte die Viehzucht eine geringere Rolle als in Europa, denn obwohl man die Tiere bei der Feldbestellung und bei dem Betrieb der Wasserhebema\u00adschinen heranzog, ben\u00f6tigte sie der Orient doch weniger als der Westen, wo mehr schwerer Boden zu bearbeiten war; auch D\u00fcnger wurde, au\u00dfer in Gebieten, wo Nomaden ihn billig lieferten, kaum benutzt (&#8230;) Esel und Maultiere brauchte man f\u00fcr den Transport von Lasten und M\u00e4nnern (nicht Frauen); Schweine waren vom Islam verp\u00f6nt&#8220;. (Cahen, Claude, Der Islam I. Vom Ursprung bis zu den Anf\u00e4ngen des Osmanen Reiches. Fischer Weltgeschichte Bd. 14) Frankfurt\/M. 1968, S. 147\/148<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote105\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote105anc\" name=\"sdfootnote105sym\">105<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;In Europa gibt es keine solchen &#8218;wilden&#8216; V\u00f6lker, hier wurden die Bergbewohner sehr fr\u00fch unterworfen, ohne dass man sie wie in Ostasien als Parias behandelte.&#8220; (Braudel, S. 52) Auch bei Marx ein Hinweis zu diesem Problem: &#8222;Es lassen sich \u00fcbrigens 1. allgemeines Ver\u00adh\u00e4ltnis nachweisen bei allen orientalischen St\u00e4mmen, zwischen dem <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">settlement <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(der Sesshaftigkeit, A. S.) des einen Teils derselben und der Fortdauer im Nomadisieren bei dem andern, seit die Geschichte geschieht.&#8220; (Marx, K., Brief an F. Engels vom 02.06.1853, MEW Bd. 28, S. 251)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote106\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote106anc\" name=\"sdfootnote106sym\">106<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Dies spiegelt sich auch in der jeweiligen Ern\u00e4hrung wider. So schreibt Lombard: \u201eDie Ern\u00e4hrung der sesshaften V\u00f6lker des Orients und des Mittelmeers ist im Wesentlichen vegetarisch. Sie basiert auf Getreide \u2013 Mehl, Brot, verschiedene Brei- und Teigarten \u2013 auf den Oliven, deren \u00d6l das in der K\u00fcche verwendete Fett schlechthin liefert, auf Gem\u00fcse und Fr\u00fcchten (\u2026). Die Ern\u00e4hrung der Nomadenv\u00f6lker Zentralasiens, des Iran, Arabiens und der Sahara beruht im Gegensatz dazu auf den Produkten der Herden, auf Fleisch- und Milcherzeugnissen.\u201c Lombard, a. a. O. S.168.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Anders dagegen die Essgewohnheiten in <span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Europa. &#8222;Der luxuri\u00f6se Fleischkonsum im 15. und 16. Jahrhundert scheint indes nicht nur ein Privileg reicher Leute gewesen zu sein. (&#8230;) &#8218;Im Jahr 1550&#8216; schreibt Heinrich M\u00fcller, &#8218;a\u00df man bei den schw\u00e4bischen Bauern anders, als es heute der Fall ist. Damals gab es jeden Tag Fleisch und Essen in H\u00fclle und F\u00fclle; an der Kirmes und an Feiertagen bogen sich die Tische unter der Last&#8216;. (&#8230;) &#8218;Zur Zeit meines Vaters&#8216;, schreibt 1560 ein normannischer Edelmann, &#8218;gab es alle Tage Fleisch, die Teller liefen \u00fcber&#8216;. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Braudel, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">a.a.O., S. 196 -199.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Derselbe schreibt \u00fcber den Fleischkonsum in Asien: &#8222;&#8218;Die Bewohner Japans&#8216;, berichtet 1609 ein Spanier, &#8218;essen nur Rebh\u00fchner, die sie auf der Jagd erlegt haben.&#8216; In Indien verschm\u00e4hen die Einwohner gl\u00fccklicherweise fleischliche Nahrung. Die Soldaten des Gro\u00dfmoguls Aureng Zeb stellen nach Aussagen eines franz\u00f6sischen Arztes im all\u00adgemeinen wenig Anspr\u00fcche: &#8218;Wenn sie nur ihre kicheris oder Reismischung und anderes Gem\u00fcse bekommen, \u00fcber das sie rote Butter gie\u00dfen, sind sie schon zufrieden\u2018. In China wird nur ganz selten Fleisch gegessen. Der t\u00e4glichen Reismahlzeit wird manchmal etwas Fisch zugesetzt \u2026\u2018 &#8222;. Ebd., S. 203. Die angef\u00fchrten unterschiedlichen Ern\u00e4hrungsgewohnheiten d\u00fcrften ihren Ursprung in der jeweiligen Form der landwirtschaftlichen Produktion haben. Nur eine geschlossene Wirtschaftseinheit von Ackerbau <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i><b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">und<\/span><\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Viehzucht ist in der Lage, den Fleischkonsum breiter l\u00e4ndlicher Bev\u00f6lkerungsteile im Mittelalter sicherzustel\u00adlen. Zugleich erkl\u00e4rt dies die weitgehend vegetarische Ern\u00e4hrung der sesshaften Acker\u00adbaukulturen Asiens.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote107\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote107anc\" name=\"sdfootnote107sym\">107<\/a><span style=\"color: #000000;\"><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"it-IT\">102<\/span><\/span><\/sup><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"it-IT\">Braudel, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"it-IT\">a.a.O., S. 117<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote108\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote108anc\" name=\"sdfootnote108sym\">108<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd., S. 155. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote109\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote109anc\" name=\"sdfootnote109sym\">109<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Engels, F., Brief an Marx vom 06.06.1853, MEW Bd. 28, S. 259. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote110\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote110anc\" name=\"sdfootnote110sym\">110<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Eine vom osteurop\u00e4ischen Marxismus besonders gern zitierte Stelle aus F. Engels Schrift \u201eAnti-D\u00fchring\u201c scheint obige Ausf\u00fchrungen einzugrenzen. Engels spricht davon, dass \u201eerst die T\u00fcrken im Orient in den von ihnen eroberten L\u00e4ndern eine Art grundherrlichen Feudalismus eingef\u00fchrt\u201c (h\u00e4tten), w\u00e4hrend sonst \u201eim ganzen Orient, wo die Gemeinde oder der Staat Grundeigent\u00fcmer ist, sogar das Wort Grundherr in den Sprachen (fehle)&#8220;. Engels, MEW Bd. 20, S. 164. Zu dieser Aussage gelangte Engels in einer Pole\u00admik gegen Eugen D\u00fchring, der die Entwicklung der Landwirtschaft an die Existenz von gro\u00dfem Grundeigentum und seiner Bearbeitung von abh\u00e4ngigen Knechten band. Demge\u00adgen\u00fcber betonte Engels sowohl die Existenz selbst\u00e4ndiger Bauern wie die Nichtexistenz des privaten Grundherrn im ganzen Orient.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die von Engels vermutete Ausnahme von dieser den &#8222;Osten&#8220; insgesamt kennzeichnenden Erscheinung unter der t\u00fcrkischen Herrschaft war so nichtzutreffend. &#8222;Der Boden, das Hauptproduktionsmittel, geh\u00f6rte seit Mehmet II. (1451 &#8211; 1481) zum gr\u00f6\u00dften Teil dem Staat. Der Privatbesitz an Boden <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>(<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">m\u00fclk)<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> spielte seither nur noch eine untergeordnete Rolle. Das vererbbare private Grundeigentum d\u00fcrfte kaum mehr als 5 -10 % der Gesamt\u00adbodenfl\u00e4che ausgemacht haben. (&#8230;) Der staatliche Bodenbesitz (\u2026) wurde durch den Fiskus verwaltet und zu einem guten Teil in kleineren oder gr\u00f6\u00dferen St\u00fccken in der Form von Pfr\u00fcnden haupts\u00e4chlich milit\u00e4rischen, seit Beginn des 16. Jahrhunderts aber auch zivilen Bediensteten zur Nutznie\u00dfung \u00fcbertragen.&#8220; Matuz, a.a.O., S. 104. Der jewei\u00adlige Nutznie\u00dfer gelangte bei diesem System nicht in den Besitz des Bodens, er konnte seine Pfr\u00fcnde weder verkaufen noch verschenken, bei seinem Tod fielen sie an den Staat zur\u00fcck. Weiterhin besa\u00df er keine Rechtsimmunit\u00e4t und die Abgaben leistenden Bauern unterstanden nicht seiner Gerichtsbarkeit und waren nicht leibeigen. &#8222;Allod und Fronhof waren im osmanischen Timar System&#8220; &#8211; dies war die Bezeichnung des Pfr\u00fcndensystems \u2013 \u201eunbekannt. So ist es kaum verwunderlich, dass der Pfr\u00fcndner sich um die Landwirtschaft gar nicht k\u00fcmmerte: er erschien bei den Bauern lediglich, um die ihm zugewiesene Rente und die staatlichen Steuern einzutreiben; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">letztere hatte er an den Fiskus weiterzuleiten<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i><b>.&#8220;<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Ebd. S. 105<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote111\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote111anc\" name=\"sdfootnote111sym\">111<\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Howard, M., Der Krieg in der europ\u00e4ischen Geschichte, M\u00fcnchen 1981, S. 10\/11. Die historische Datierung des \u00dcbergangs vom Speerwurf zum Lanzensto\u00df ist umstritten. So vertritt Maurice <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Keen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">die Ansicht, dass der Lanzensto\u00df erst zur Mitte des 11. Jahrhunderts \u00fcbliche Kampfweise des Ritters wurde. &#8222;Das 11. Jahrhundert war eine wichtige Epoche der mittelalterlichen Milit\u00e4rgeschichte und insbesondere der Kavallerietaktik. Die Einf\u00fchrung des Steigb\u00fcgels (eine Erfindung des Ostens) in Europa hat seit dem fr\u00fchen 8. Jahrhundert die Bedeutung der Reiterei betr\u00e4chtlich gesteigert. Steigb\u00fcgel gaben dem bewaffneten Krieger eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Sattelfestigkeit und erm\u00f6glichten eine bessere F\u00fchrung des Pferdes. Es scheint aber, dass sich erst im 11. Jahrhundert, als Ergebnis weiterer technischer Neuerungen, eine Taktik entwickelte, bei der ein Angriff der schweren Reiter mit eingelegter Lanze zum richtigen Zeitpunkt den Ausgang der Schlacht entscheiden konnte. Nach anderen Auffassungen soll es sich bei dieser Taktik bereits um eine fr\u00fchere, mit der Einf\u00fchrung des Steigb\u00fcgels parallelen Erscheinung gehandelt haben. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i><b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Es deutet aber vieles darauf hin, dass erst in der Zeit nach 1000, vielleicht erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts, diese Kampfweise &#8211; lange Zeit die klassische Taktik mittelalterlicher Kriegsf\u00fchrung &#8211; zum ersten Mal angewendet wurde &#8222;<\/span><\/b><\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (Hervorh. von mir, A. S.) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Keen, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">M., Das Rittertum, Hamburg 1991, S. 41. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Keen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">st\u00fctzt sich bei seiner Argumentation auf mittelalterliche Bild- und Literaturzeugnisse, die eine sp\u00e4tere Datierung nahelegen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote112\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote112anc\" name=\"sdfootnote112sym\">112<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Hintze, a.a.O., S. 62. (Hervorhebung von mir, A. S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote113\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote113anc\" name=\"sdfootnote113sym\">113<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Zur Entstehung der Lehenspyramide und ihrer weiteren Entwicklung siehe Boockmann, a.a.O., S. 36ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote114\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote114anc\" name=\"sdfootnote114sym\">114<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> vgl. Bach, P., Erben der Europ\u00e4isierung der Erde, in: <\/span><\/span><i><b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Kommunistische Presse<\/span><\/span><\/b><\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> (1993), Nr. 16. Die Ausf\u00fchrungen zur chinesischen Gesellschaftsordnung wurden diesem Aufsatz weitgehend entnommen<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>.<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote115\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote115anc\" name=\"sdfootnote115sym\">115<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;Lange Zeit gab es gro\u00dfe St\u00e4dte nur im Fernen Osten. Marco Polo berichtet erstaunt: Der Osten ist die Heimat der Kaiserreiche und der riesigen St\u00e4dte. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts, mehr noch in den folgenden zwei Jahrhunderten entstehen auch im Abendland gro\u00dfe St\u00e4dte. (&#8230;) Europa holt damit einen R\u00fcckstand auf, beseitigt einen Mangel (&#8230;).&#8220; (Braudel, S. 617)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote116\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote116anc\" name=\"sdfootnote116sym\">116<\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Heer, F., Mittelalter. Z\u00fcrich 1961, S.159-60.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote117\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote117anc\" name=\"sdfootnote117sym\">117<\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"it-IT\">Braudel, a.a.O., S. 615.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote118\" style=\"text-align: justify;\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote118anc\" name=\"sdfootnote118sym\">118<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> &#8222;In ganz Europa gab es nur zwei L\u00e4nder, in denen das K\u00f6nigtum und die ohne es damals unm\u00f6gliche nationale Einheit gar nicht oder nur auf dem Papier bestanden: Italien und Deutschland.&#8220; (Engels; MEW Bd. 21, S. 401)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote119\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Arial, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote119anc\" name=\"sdfootnote119sym\">119<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> MEW Bd. 23, S. 743 <\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung zur Neuver\u00f6ffentlichung Der hier neu ver\u00f6ffentlichte Aufsatz stammt aus dem von Heiner Karuscheit und mir ver\u00f6ffentlichten Buch \u201eVon der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus \u2013 Aufs\u00e4tze \u00fcber die Klassenkr\u00e4fte an den Wendepunkten der russisch-sowjetischen Geschichte\u201c von 1993. 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