{"id":244,"date":"2016-09-12T09:21:16","date_gmt":"2016-09-12T07:21:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=244"},"modified":"2016-09-12T09:25:05","modified_gmt":"2016-09-12T07:25:05","slug":"4-fuer-ein-germanisches-reich-deutscher-nation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=244","title":{"rendered":"4. F\u00fcr ein germanisches Reich deutscher Nation"},"content":{"rendered":"<p>Das Lebensraumprinzip machte die blo\u00dfe Revision des 1. Weltkriegs f\u00fcr den Nationalsozialismus absolut unzureichend.<i> &#8222;Die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 ist ein politischer Unsinn von Ausma\u00dfen und Folgen, die ihn als Verbrechen erscheinen lassen.&#8220;<\/i> [95] In den Grenzen von 1914 unterlag das deutsche Volk denselben verh\u00e4ngnisvollen Zw\u00e4ngen wie vorher: durch den Mangel an Raum und daher an Brot h\u00e4tten die erforderlichen Lebensmittel und Rohstoffe nach wie vor gegen deutsche Industrieprodukte eingetauscht werden m\u00fcssen. \u00dcberindustrialisierung, R\u00fcckgang der Bauernschaft und Abh\u00e4ngigkeit vom Weltmarkt h\u00e4tten sich also fortgesetzt. Darum galt es, mit den bisherigen Traditionen der deutschen Au\u00dfenpolitik prinzipiell zu brechen und einen Weg einzuschlagen, der dem arischen Volksk\u00f6rper mit dem erforderlichen Ackerland auf Generationen hinaus die Zukunft sicherte.<\/p>\n<div>\n<p>Der notwendige Raum war nicht in neuen Kolonien zu suchen, nicht in &#8222;Kamerun&#8220; &#8211; f\u00fcr Hitler ein Synonym f\u00fcr den Erwerb von Bodenkolonien. &#8222;Allerdings, eine solche Bodenpolitik kann nicht etwa in Kamerun ihre Erf\u00fcllung finden, sondern heute fast ausschlie\u00dflich nur mehr in Europa.&#8220; [96] Kolonien waren allenfalls f\u00fcr den Anbau exotischer Fr\u00fcchte von Interesse, au\u00dferdem konnte die Forderung nach R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien als Verhandlungsgegenstand f\u00fcr einen Interessenausgleich mit Gro\u00dfbritannien dienen. Ernsthaft waren sie aber kein Zielpunkt der nationalsozialistischen Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<h3>Kein antiimperialistisches B\u00fcndnis mit Russland<\/h3>\n<p>Im Prinzip legte der Verzicht auf die Wiederaufnahme deutscher Kolonialpolitik ein B\u00fcndnis mit den erwachenden Kolonialv\u00f6lkern und mit Russland nahe, um Deutschland von den Fesseln des Versailler &#8222;Raubfriedens&#8220; &#8211; wie Lenin das von Frankreich und Gro\u00dfbritannien auferlegte Friedensdiktat nannte &#8211; zu befreien. Zugleich war auf diesem Weg ein partielles Zusammengehen auch mit den USA m\u00f6glich, da der kapitalistisch entwickeltste Staat unter der Leitlinie der &#8222;open door&#8220; eine Politik der Aufl\u00f6sung der Kolonialreiche zugunsten des freien Welthandels betrieb. Von der sowjetischen Politik durch den Vertrag von Rapallo im Ansatz versucht, w\u00e4re eine solche antikoloniale und antiimperialistische Ausrichtung die fortschrittlichste Variante der deutschen Au\u00dfenpolitik gewesen, gleich von welchen gesellschaftlichen Kr\u00e4ften getragen.<\/p>\n<p>Hitler war strikt gegen diese Linie. Er erw\u00e4hnte, dass die junge NSDAP schon in den Jahren 1920\/21 aufgefordert worden war, &#8222;zwischen ihr und den Freiheitsbewegungen anderer L\u00e4nder eine gewisse Verbindung herzustellen. Es lag dies auf der Linie des von vielen propagierten &#8218;Bundes der unterdr\u00fcckten Nationen&#8216;.&#8220; Haupts\u00e4chlich, so fuhr er fort, kamen die Aufforderungen von Vertretern einzelner Balkanstaaten sowie \u00c4gyptens und Indiens, die er als &#8222;schwatzhafte Wichtigtuer&#8220; ohne machtpolitischen R\u00fcckhalt abtat. &#8222;Es gab aber nicht wenig Deutsche, besonders im nationalen Lager, die sich von solchen aufgeblasenen Orientalen blenden lie\u00dfen&#8220;. [97]<\/p>\n<p>Schon aus rassischen Erw\u00e4gungen war er gegen derartige \u00dcberlegungen, denn als &#8222;v\u00f6lkischer Mann, der den Wert des Menschentums nach rassischen Grundlagen absch\u00e4tzt, darf ich schon aus der Erkenntnis der rassischen Minderwertigkeit dieser sogenannten &#8218;unterdr\u00fcckten Nationen&#8216; nicht das Schicksal des eigenen Volkes mit dem ihren verketten.&#8220; Machtpolitisch w\u00fcrde das bedeuten, die eigene St\u00e4rke an die Schw\u00e4che untauglicher Bundesgenossen zu binden und sich somit selber zu schw\u00e4chen. Am Beispiel Indiens verdeutlichte er seine Ablehnung. England w\u00fcrde Indien nur verlieren, wenn sich entweder seine Kolonialverwaltung rassisch zersetzen oder ein Aufstand der Inder erfolgreich sein w\u00fcrde. Beides w\u00e4re aber gleicherma\u00dfen undenkbar; die minderwertigen Inder seien v\u00f6llig au\u00dferstande, die britische Herrschaft zu st\u00fcrzen. Die Anh\u00e4nger einer solchen B\u00fcndnispolitik w\u00fcrden also einem Phantom hinterherlaufen &#8211; &#8222;ganz abgesehen davon, dass ich als Germane Indien trotz allem immer noch lieber unter englischer Herrschaft sehe als unter einer anderen.&#8220; [98]<\/p>\n<p>Vor allem h\u00e4tte eine antiimperialistische Politik des &#8222;Bundes der unterdr\u00fcckten Nationen&#8220; aus nationalsozialistischer Sicht eine vollst\u00e4ndige Verkehrung der Fronten bewirkt. Sie lief nicht nur auf das B\u00fcndnis mit Russland, sondern auch auf die Gegnerschaft der weltbeherrschenden See- und Kolonialmacht Gro\u00dfbritannien hinaus. Gro\u00dfbritannien aber galt nach den Erfahrungen des ersten Weltkriegs als kaum besiegbar und war au\u00dfenpolitisch der &#8222;germanische&#8220; Wunschpartner des Nationalsozialismus. Umgekehrt sch\u00e4tzte Hitler die Sowjetunion nicht nur als B\u00fcndnispartner f\u00fcr \u00e4hnlich untauglich ein wie eine indische Freiheitsbewegung, sondern war Russland vor allem das Objekt der geforderten Bodenpolitik. Denn f\u00fcr den Nationalsozialismus stand unumst\u00f6\u00dflich fest, dass das &#8222;Volk ohne Raum&#8220; sein territoriales Lebensrecht <i>im Osten<\/i> durchsetzen musste.<i> &#8222;Das Recht auf Grund und Boden kann zur Pflicht werden, wenn ohne Bodenerweiterung ein gro\u00dfes Volk dem Untergang geweiht erscheint.<\/i> Noch ganz besonders dann, wenn es sich dabei nicht um ein x-beliebiges Negerv\u00f6lkchen handelt, sondern um die germanische Mutter all des Lebens, das der heutigen Welt ihr kulturelles Bild gegeben hat. <i>Deutschland wird entweder Weltmacht oder \u00fcberhaupt nicht sein.<\/i> (&#8230;) <i>Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewu\u00dft einen Strich unter die au\u00dfenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem S\u00fcden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Osten. Wir schlie\u00dfen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen \u00fcber zur Bodenpolitik der Zukunft. <\/i>Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, k\u00f6nnen wir in erster Linie nur an <i>Russland<\/i> und die ihm untertanen Randstaaten denken.&#8220; [99]<\/p>\n<h3>Die Schl\u00fcsselrolle Gro\u00dfbritanniens<\/h3>\n<p>Von diesem Standpunkt aus analysierte Hitler den vorangegangen Weltkrieg und zog Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr das kommende Kriegsgeschehen. Zugunsten der Territorialpolitik gegen Russland h\u00e4tte der Friede mit Gro\u00dfbritannien um jeden Preis gewahrt werden m\u00fcssen. &#8222;Wenn europ\u00e4ische Bodenpolitik nur zu treiben war gegen Russland mit England im Bunde, dann war aber umgekehrt Kolonial- und Welthandelspolitik nur denkbar gegen England mit Russland.&#8220; Bei dieser Alternative war ihm, so die Aussage von <i>Mein Kampf<\/i>, schon vor dem Weltkrieg klar gewesen: &#8222;Englands Geneigtheit zu gewinnen, durfte dann aber kein Opfer zu gro\u00df sein. Es war auf Kolonien und Seegeltung zu verzichten, der britischen Industrie aber die Konkurrenz zu ersparen.&#8220; [100]<\/p>\n<p>Diese einzig richtige Alternative eines B\u00fcndnisses oder wenigstens Stillhalteabkommens mit Gro\u00dfbritannien war nicht zustandegekommen, weil die deutsche Hinwendung zum Weltmarkt die Konkurrenz mit den Engl\u00e4ndern gesch\u00fcrt hatte. Anstatt aber dann nicht nur eine halbe Schlachtschiffflotte zu bauen, sondern sich ganz auf diesen Kampf zu konzentrieren und Russland ruhigzuhalten, hatte die alte Reichsf\u00fchrung sich durch ihre Taktiererei Alle zu Feinden gemacht. Der einzige B\u00fcndnispartner bis zuletzt, der \u00f6sterreichische Vielv\u00f6lkerstaat, war eine &#8222;staatliche Mumie&#8220; gewesen, dessen einziger Wert im deutschen Bev\u00f6lkerungsteil bestanden hatte. Die verluderte Habsburgermonarchie aber hatte sich vor allem damit besch\u00e4ftigt, die fremden V\u00f6lkerschaften zu hofieren, und dadurch das Deutsche Reich wie ein M\u00fchlstein ins Verderben gezogen.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zu Gro\u00dfbritannien musste bei dieser Analyse zum Dreh- und Angelpunkt der k\u00fcnftigen Au\u00dfenpolitik werden. Von den artverwandten Germanenst\u00e4mmen der Angeln und Sachsen bewohnt, stand England Deutschland in Europa rassisch am n\u00e4chsten, musste sich allerdings noch von j\u00fcdischem Einfluss befreien, denn das &#8222;Finanzjudentum w\u00fcnscht, entgegen den Interessen des britischen Staatswohls, nicht nur die restlose wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands, sondern auch die vollkommene politische Versklavung.&#8220; [101]<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien war aus dem Weltkrieg, obzwar Siegermacht, geschw\u00e4cht hervorgegangen, w\u00e4hrend die Gegner das britischen Empire st\u00e4rker geworden waren. Die britischen Positionen in Asien wurden von den USA und Japan gleicherma\u00dfen bedroht. Im Washingtoner Flottenabkommen von 1922 hatte England auf den Grundsatz des &#8222;Zwei-M\u00e4chte-Standards&#8220; in der Seer\u00fcstung (die britische Flotte sollte mindestens so stark sein wie die der beiden n\u00e4chsten M\u00e4chte zusammengenommen) verzichten m\u00fcssen. Die Flottenst\u00e4rke zwischen Gro\u00dfbritannien, den USA, Japan, Frankreich und Italien wurde auf das Verh\u00e4ltnis 5\u00a0:\u00a05\u00a0:\u00a03\u00a0:\u00a01,75\u00a0:\u00a01,75 festgelegt. Gleichzeitig nahm die Antikolonialbewegung einen gro\u00dfen Aufschwung, nicht zuletzt dank der Unterst\u00fctzung der Sowjetunion, die eine Politik des B\u00fcndnisses der Arbeiterklasse mit den unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern praktizierte. W\u00fcrde auch Deutschland in offene Gegnerschaft zu England treten, w\u00fcrde dies nach Hitlers Analyse den Zusammenbruch des britischen Weltreichs bedeuten.<\/p>\n<p>Aber es gab keine prinzipiellen Interessengegens\u00e4tze. Deutschland konnte sich auf den Kontinent beschr\u00e4nken, auf Handels- und Flottenkonkurrenz ebenso wie auf neue Kolonien verzichten, ja den Engl\u00e4ndern sogar Hilfe bei der Verteidigung des Empire anbieten und damit die Positionen der wei\u00dfen Rasse in der Welt st\u00e4rken. Umgekehrt m\u00fc\u00dfte Gro\u00dfbritannien auf seine bisherige &#8222;balance of power&#8220;-Politik auf dem europ\u00e4ischen Kontinent verzichten, sprich Deutschland freie Hand auf dem Kontinent geben. Beide M\u00e4chte w\u00fcrden in ihren angestammten Sph\u00e4ren bleiben: England als Seemacht und Deutschland als Kontinentalmacht; Deutschland w\u00fcrde keine Weltpolitik und Gro\u00dfbritannien keine Kontinentalpolitik betreiben. Das schlo\u00df nicht aus, eine eigene Flotte aufzubauen und Kolonialambitionen anzumelden, aber im wesentlichen als Mittel zum Zweck, um die Engl\u00e4nder unter Druck zu setzen, und nicht als eigentliches Ziel.<\/p>\n<p>Indem die Au\u00dfenpolitik unter v\u00f6lkischen Gesichtspunkten durchdacht und v\u00f6llig neu ausgerichtet wurde, l\u00f6ste sich also das alte machtpolitische Dilemma des Reiches (Mittellage auf dem Kontinent mit England als au\u00dferkontinentalem Gegner) in Nichts auf. Denn wie der Weltkrieg wenige Jahre zuvor gezeigt hatte, war Deutschland in der Lage, es mit Frankreich und Russland gleichzeitig aufzunehmen und hatte nur das britische Engagement der gegnerischen Koalition das \u00dcbergewicht verschafft. Als eine Konsequenz daraus bestimmte nicht l\u00e4nger das &#8222;perfide Albion&#8220; aus dem vorangegangen Krieg das NS-Schrifttum.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Gegner auf dem Kontinent war Frankreich, aber nur deswegen, weil dieses &#8222;immer mehr der Vernegerung anheimfallende Volk&#8220; [102] sich jedem Ausbau der deutschen Stellung widersetzen w\u00fcrde: &#8222;So sehr wir heute auch alle die Notwendigkeiten einer Auseinandersetzung mit Frankreich erkennen, so wirkungslos bliebe sie in der gro\u00dfen Linie, wenn sich in ihr unser au\u00dfenpolitisches Ziel ersch\u00f6pfen w\u00fcrde. Sie kann und wird nur Sinn erhalten, wenn sie die R\u00fcckendeckung bietet f\u00fcr eine Vergr\u00f6\u00dferung des Lebensraumes unseres Volkes in Europa.&#8220; [103] Im Gegensatz zur Schwerindustrie, die vor allem den Gewinn der lothringischen Eisenerze anstrebte, war Elsa\u00df-Lothringen, d.\u00a0h. ein &#8222;Germanenzug nach Westen&#8220;, kein entscheidendes Kriegsziel der Nazis.<\/p>\n<p>Ebensowenig war ein erneuter Germanenzug nach S\u00fcden das Ziel. Deutschland hatte in Europa nur zwei m\u00f6gliche Verb\u00fcndete: England und Italien. [104] Italien war als Gegner Frankreichs der n\u00e4chste Partner f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Feind im Westen. Um es f\u00fcr ein Zusammengehen zu gewinnen, war allerdings auf die R\u00fcckgewinnung des von Deutschen bewohnten S\u00fcdtirols zu verzichten, [105] das nach dem Weltkrieg entgegen dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen von Italien einverleibt worden war. Auf Basis seiner germanisch-ostw\u00e4rtigen Orientierung konnte der Nationalsozialismus diesen Verzicht begr\u00fcnden, war allerdings vehementer Kritik von deutsch-nationaler Seite ausgesetzt. Aus diesem Grund sah sich Hitler zeitweise veranlasst, ein eigenes Buch zur Au\u00dfenpolitik zu schreiben, das &#8222;Zweite Buch&#8220; von 1928, das dann jedoch nicht ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<h3>Zwei Stufen zur Weltherrschaft<\/h3>\n<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika waren in verschiedener Hinsicht Hitlers Vorbild. Ihre kapitalistische Produktionsweise und demokratische Regierungsform lehnte er ab, bewunderte sie jedoch wegen des gewaltigen Lebensraums und ihres technischen Fortschritts. Das Territorium hatten die amerikanischen Farmer sich durch die Ausrottung der indianischen Urbev\u00f6lkerung angeeignet, so wie der germanische Lebensraum im Osten durch die Vernichtung der Slawen erobert werden musste. Den amerikanischen Aufstieg f\u00fchrte Hitler auf rassische Ursachen zur\u00fcck. Die Einwanderung von Engl\u00e4ndern, Deutschen und Skandinaviern hatte eine Auslese der T\u00fcchtigsten ins Land gebracht. Die amerikanischen Einwanderungsgesetze reservierten den nordischen V\u00f6lkern weiterhin die gr\u00f6\u00dften Kontingente, Romanen und Slawen sehr geringe und Japanern und Chinesen fast gar keine. Dadurch gelangten nach wie vor nur die rassisch wertvollsten Menschen in die USA. Au\u00dferdem gab es keine Standesschranken wie in Europa, so dass die Besten ungehindert aufsteigen konnten. Eine Folge waren die gewaltigen technischen Leistungen. Wenn Europa nicht bald aufwachte und seinerseits zu einer gezielten Rassenpolitik \u00fcberging, w\u00fcrde es hoffnungslos zur\u00fcckfallen. [106]<\/p>\n<p>Aber auch die neue Welt war umgarnt vom Weltjudentum. &#8222;Juden sind die Regenten der B\u00f6rsenkr\u00e4fte der amerikanischen Union. Jedes Jahr l\u00e4\u00dft sie mehr zum Kontrollherrn der Arbeitskraft eines Einhundertzwanzig-Millionen-Volkes aufsteigen; nur ganz wenige stehen auch heute noch, zu ihrem Zorne, ganz unabh\u00e4ngig da.&#8220; [107]<\/p>\n<p>Obwohl die Vereinigten Staaten noch wenige Jahre zuvor dem Weltkrieg gegen Deutschland die letzte Wende gegeben hatten, schwieg sich <i>Mein Kampf<\/i> zur au\u00dfenpolitischen Stellung der USA vollst\u00e4ndig aus. Dasselbe geschah mit Japan, das Hitler als Beispiel f\u00fcr eine passiv &#8222;kulturtragende&#8220; (also nicht kultur<i>sch\u00f6pferische<\/i>) Nation anf\u00fchrte. Dieses Schweigen \u00fcber zwei weltpolitisch entscheidende M\u00e4chte liegt in der auf Europa beschr\u00e4nkten Sichtweise von <i>Mein Kampf<\/i> begr\u00fcndet. Der Aufstieg des Reichs sollte sich nach der Vorstellung Hitlers in zwei Stufen vollziehen. In der ersten Stufe sollte Deutschland aus seiner jetzigen niedergedr\u00fcckten Stellung zur f\u00fchrenden Macht auf dem europ\u00e4ischen Festland werden. Der dazu in <i>Mein Kampf<\/i> entwickelte Plan trug rein kontinentalen Charakter. Mithilfe Italiens sollte Frankreich in Schach gehalten werden, das B\u00fcndnis mit England den Territorialgewinn im Osten sicherstellen. Die weltpolitische Zur\u00fcckhaltung in der ersten Stufe war geradezu die Bedingung f\u00fcr den Wiederaufstieg.<\/p>\n<p>Erst wenn die erste Stufe erreicht war, kam die Stunde der Weltpolitik. Durch seine kontinentaleurop\u00e4ische Stellung w\u00fcrde das neue Reich automatisch in den Kreis der Weltm\u00e4chte treten, neben ihm Gro\u00dfbritannien und die USA sowie dar\u00fcber hinaus Japan, Italien und gegebenenfalls Frankreich. Dann stand die zweite Stufe auf der Tagesordnung. Deren Inhalt war der Kampf um die Weltherrschaft, wobei aus dem k\u00fcnftigen Ringen der Giganten die rassisch wertvollste Macht als Sieger hervorgehen w\u00fcrde. Zuerst die Herrschaft in Europa, dann die Herrschaft in der Welt &#8211; so l\u00e4\u00dft sich dieser &#8222;Stufenplan&#8220; umrei\u00dfen. Als seine eigene Aufgabe betrachtete der Hitler von <i>Mein Kampf<\/i> das Erreichen der ersten Stufe, d.\u00a0h. die Schaffung eines germanischen Gro\u00dfreiches durch die rassische Umformung und kontinentaleurop\u00e4ische Ausdehnung Deutschlands. Die zweite Stufe lag in weiter Ferne und stellte sich wahrscheinlich erst seinen Nachfolgern. Daraus erkl\u00e4rt sich die weltpolitische Zur\u00fcckhaltung von <i>Mein Kampf<\/i>.<\/p>\n<p>Das unab\u00e4nderliche Ziel der ersten Stufe war die Eroberung von Lebensraum im Osten. &#8222;Wollte man in Europa Grund und Boden, so konnte dies im gro\u00dfen und ganzen nur auf Kosten Russlands geschehen. Dann musste sich das neue Reich wieder auf der Stra\u00dfe der einstigen Ordensritter in Marsch setzen, um mit dem deutschen Schwert dem deutschen Pflug die Scholle, der Nation aber das t\u00e4gliche Brot zu geben.&#8220; [108] In einer Grundsatzrede vor den Spitzen der Reichswehr im November 1937 gab Hitler die damit identischen Kriegsziele des Dritten Reichs bekannt: &#8222;Wenn die Sicherheit unserer Ern\u00e4hrungslage im Vordergrund st\u00e4nde, so k\u00f6nne der hierf\u00fcr notwendige Raum nur in Europa gesucht werden, nicht aber ausgehend von liberalistisch-kapitalistischen Auffassungen in der Ausbeutung von Kolonien. Es handele sich nicht um die Gewinnung von Menschen, sondern von landwirtschaftlich nutzbarem Raum. Auch die Rohstoffgebiete seien zweckm\u00e4\u00dfigerweise in unmittelbarem Anschlu\u00df an das Reich in Europa und nicht in \u00dcbersee zu suchen. [109]<\/p>\n<h3>Russland als unverr\u00fcckbares Siedlungsziel<\/h3>\n<p>Das vorgesehene Hauptkriegsobjekt wurde von Hitler als schwach eingesch\u00e4tzt, weil Russland als urspr\u00fcnglich germanische Staatsgr\u00fcndung durch die Oktoberrevolution von j\u00fcdisch-bolschewistischen Kr\u00e4ften \u00fcbernommen worden war. &#8222;Seit Jahrhunderten zehrte Russland von diesem germanischen Kern seiner oberen leitenden Schichten. Er kann heute als fast restlos ausgerottet und ausgel\u00f6scht gelten. So unm\u00f6glich es dem Russen an sich ist, aus eigener Kraft das Joch des Juden abzusch\u00fctteln, so unm\u00f6glich ist es dem Juden, das m\u00e4chtige Reich auf die Dauer zu erhalten. Er selbst ist kein Element der Organisation, sondern ein Ferment der Dekomposition. Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und das Ende der Judenherrschaft in Russland wird auch das Ende Russlands als Staat sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Best\u00e4tigung f\u00fcr die Richtigkeit der v\u00f6lkischen Rassentheorie sein wird.&#8220; [110]<\/p>\n<p>Seit diesen 1924 niedergeschriebenen S\u00e4tzen hatte sich an der getroffenen Einsch\u00e4tzung nichts Entscheidendes ge\u00e4ndert. Im Gegenteil hatte der im finnischen Winterkrieg 1939\/40 nur m\u00fchsam gegen einen winzigen Gegner errungene Sieg anscheinend demonstriert, dass die Rote Armee nach den S\u00e4uberungen im Offizierkorps kein ernstzunehmender Gegner war. Ihre Kampfkraft wurde \u00e4u\u00dferst gering bewertet. Als die Wehrmacht am 20. Juni 1941 nach Russland einbrach, erwarteten nicht nur Hitler und der deutsche Generalstab einen Sieg noch im selben Jahr; auch die f\u00fchrenden britischen und amerikanischen Milit\u00e4rs gingen vom baldigen Zusammenbruch des sowjetischen Widerstands aus.<\/p>\n<p>Der Lebensraum im Osten erf\u00fcllte alle Erfordernisse einer v\u00f6lkischen Politik. Neben deutschen Bauerns\u00f6hnen sollten auch die bisher nach Amerika auswandernden Norweger, Schweden, D\u00e4nen und Niederl\u00e4nder hier einen Bauernhof erhalten. Hitler erwartete einen &#8222;Strom von Menschen&#8220;, weil der Bauer dort seine Heimat finden w\u00fcrde, wo er fruchtbaren Boden bek\u00e4me. [111] Mit der millionenfachen Vergr\u00f6\u00dferung der Bauernschaft in dem neuen germanischen Reich war der Ausgleich gegen\u00fcber dem industrialisierten deutschen &#8222;Altreich&#8220; und der auch zahlenm\u00e4\u00dfige Vorrang des Landes gegen\u00fcber der Stadt sichergestellt. Die auf Generationen gesicherten Lebensmittel und Rohstoffe lie\u00dfen den neuen Staat unabh\u00e4ngig vom Weltmarkt werden und damit konnte die &#8222;Bedarfs- und Ausgleichswirtschaft&#8220; rundum Realit\u00e4t werden. Die slawische Restbev\u00f6lkerung schlie\u00dflich stand als Arbeitskr\u00e4ftereservoir f\u00fcr das &#8222;Herrenvolk&#8220; zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Seit sich im Winter 1942\/43 die endg\u00fcltige Kriegswende abzeichnete, bem\u00fchte sich Stalin um einen Separatfrieden mit Deutschland, weil er den Westm\u00e4chten mi\u00dftraute. Der z\u00f6gerliche Aufbau einer &#8222;zweiten Front&#8220; im Westen (erst im Juni 1944 fand die alliierte Landung in der Normandie statt) lie\u00df die sowjetische F\u00fchrung bef\u00fcrchten, dass die Westm\u00e4chte Russland und Deutschland sich zerfleischen lassen w\u00fcrden, um selber als lachende Dritte aus dem V\u00f6lkergemetzel hervorzugehen. &#8222;Wenn Briten und Amerikaner wie bisher auf einen vollen Einsatz ihrer Kr\u00e4fte im Westen des Kontinents, mit welchen Begr\u00fcndungen auch immer, verzichteten, dann musste der Vormarsch der Roten Armee von Stalingrad bis Berlin mit hohen Opfern erkauft werden und die Sowjetunion w\u00e4re bei Kriegsende so ersch\u00f6pft, dass die nun erst ihr volles Potential in die Waagschale werfenden USA als st\u00e4rkste &#8218;imperialistische&#8216; Macht den Frieden diktieren k\u00f6nnten. So lag es f\u00fcr Stalin nahe, auf dem H\u00f6hepunkt des Krieges den Versuch zu unternehmen, die Situation von 1939\/41 wiederherzustellen. Dies war die &#8218;Ratio&#8216; der viel er\u00f6rterten Friedensf\u00fchler, die Stalin von Ende 1942 bis zum Sommer 1944 mit abnehmenden Erfolgserwartungen nach Berlin hin\u00fcber ausstreckte.&#8220; [112]<\/p>\n<p>Alle Friedensbem\u00fchungen scheiterten an dem bedingungslosen Willen der Nationalsozialisten, den Lebensraumkampf bis zu Ende zu f\u00fchren. &#8222;Es war Hitler, der jede Diskussion dar\u00fcber ausschlo\u00df, weil f\u00fcr ihn der Ostkrieg sein eigentliches gro\u00dfes Ziel (&#8230;) war, in dem es, wie er immer wieder betonte, nur einen &#8218;klaren Sieg&#8216; oder &#8218;eine restlose Vernichtung&#8216; geben k\u00f6nne.&#8220; [113] Noch am 3. August 1944, neun Monate vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, sagte der Reichsf\u00fchrer SS Himmler in einer Rede vor den Reichs- und Gauleitern der NSDAP aus Anlass des Aufstandsversuchs vom 20. Juli: &#8222;Das ist unverr\u00fcckbar, dass wir die Volkstumsgrenze um 500\u00a0km herausschieben, dass wir hier siedeln. Es ist unverr\u00fcckbar, dass wir ein germanisches Reich gr\u00fcnden werden. Es ist unverr\u00fcckbar, dass zu den 90 Millionen die 30 Millionen \u00fcbrigen Germanen dazukommen werden, so dass wir unsere Blutsbasis auf 120 Millionen Germanen vermehren. (&#8230;) Es ist unverr\u00fcckbar, dass wir diesen Siedlungsraum erf\u00fcllen, dass wir hier den Pflanzgarten germanischen Bluts im Osten errichten&#8220;. [114] Und Hitler selber notierte im Postskriptum zu seinem &#8222;politischen Testament&#8220; vom 29. April 1945: &#8222;Es muss weiterhin das Ziel sein, dem deutschen Volke Lebensraum im Osten zu gewinnen.&#8220;<\/p>\n<p>Unter diesem Lebengesetz hatte der Kampf im Osten von Beginn an prinzipiell anderen Charakter als im Westen. Der Unterschied lag nicht darin &#8211; wie Kommunisten bis heute meinen -, dass im Westen eine blo\u00df machtpolitische Auseinandersetzung zwischen imperialistischen M\u00e4chten stattfand, w\u00e4hrend im Osten der &#8222;Systemgegensatz&#8220; zwischen Kapitalismus und Kommunismus ausgetragen wurde. Der entscheidende Unterschied war, dass der Krieg im Osten als v\u00f6lkischer Vernichtungskrieg mit dem Ziel gef\u00fchrt wurde (in das jetzt auch das eroberte Polen einbezogen wurde), Platz f\u00fcr germanische Siedlerbauern zu schaffen. Die Landnahme setzte die Enthauptung der Ostv\u00f6lker durch physische Liquidierung ihrer f\u00fchrenden Schichten, der Intelligenz und &#8211; im Falle der Sowjetunion &#8211; der kommunistischen Funktion\u00e4re voraus, um die restliche Bev\u00f6lkerung teils zu vertreiben, teils zu versklaven und das Land von germanischen Wehrbauern besiedeln zu lassen (Generalplan Ost). &#8222;Im Osten ist H\u00e4rte mild f\u00fcr die Zukunft&#8220; war der Leitsatz, nach dem SS und Wehrmacht handelten, um die geplante &#8222;Volkskatastrophe&#8220; (Hitler) der Slawen herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<h3>Die Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums<\/h3>\n<p>Bis dahin hatten die Nationalsozialisten die N\u00fcrnberger Rassengesetze erlassen und eine rigorose Vertreibungspolitik gegen die Juden betrieben; er\u00f6rtert worden war auch, sie konzentriert in Madagaskar anzusiedeln. Jetzt gingen Spezialeinheiten der SS im Schutze der weitr\u00e4umig vorr\u00fcckenden Wehrmacht daran, die j\u00fcdische Ostbev\u00f6lkerung systematisch zu ermorden, und wurden die ersten Vernichtungslager eingerichtet. In diesem Zusammenhang wird regelm\u00e4\u00dfig die Reichstagsrede Hitlers vom 30. Januar 1939 zitiert. Darin f\u00fchrte er aus: &#8222;In der Zeit meines Kampfes um die Macht war es in erster Linie das j\u00fcdische Volk, das nur mit Gel\u00e4chter meine Prophezeiungen hinnahm, ich w\u00fcrde einmal in Deutschland die F\u00fchrung des Staates und damit auch des ganzen Volkes \u00fcbernehmen und dann unter vielen anderen auch das j\u00fcdische Problem zur L\u00f6sung bringen. Ich glaube, dass dieses damalige schallende Gel\u00e4chter dem Judentum in Deutschland unterdes wohl schon in der Kehle erstickt ist. Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem internationalen Finanzjudentum innerhalb und au\u00dferhalb Europas gelingen sollte, die V\u00f6lker noch einmal in einen Weltkrieg zu st\u00fcrzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der j\u00fcdischen Rasse in Europa!&#8220; [115]<\/p>\n<p>Auf diese Prophezeiung kam er im Laufe des Weltkriegs bei den verschiedensten Gelegenheiten, sowohl in \u00f6ffentlichen Reden als auch in internen \u00c4u\u00dferungen, immer wieder zu sprechen. Er habe die Juden ausdr\u00fccklich gewarnt; niemand k\u00f6nne ihm jetzt einen Vorwurf wegen der Umsetzung dieser Warnung machen. Darum wird in der Rede die verschl\u00fcsselte Ank\u00fcndigung der kommenden Massenmorde gesehen, sobald der Krieg Gelegenheit dazu geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bei genauerer Analyse des Wortlauts hat die Redepassage jedoch einen etwas konkreteren Inhalt, insofern die Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums nur unter einer Bedingung angedroht wird: n\u00e4mlich wenn es zu einem erneuten <i>Weltkrieg<\/i> kommt. Das war aber zum Zeitpunkt der Rede noch offen. W\u00fcrde es gelingen, den Sto\u00df gegen die Sowjetunion zu f\u00fchren, ohne dass Frankreich und die angels\u00e4chsischen Seem\u00e4chte eingriffen, blieb der Krieg ein reiner Kontinentalkrieg, wie in <i>Mein Kampf<\/i> entwickelt. Ausschlaggebend daf\u00fcr war das am Ende des ersten Weltkriegs von Frankreich und Gro\u00dfbritannien mit amerikanischer Unterst\u00fctzung aus der Taufe gehobene Polen, von dem in <i>Mein Kampf<\/i> keine Rede war. [116]<\/p>\n<p>Da Deutschland keine gemeinsame Grenze mit Russland hatte, musste zuerst der Nachbar im Osten gewonnen werden, sei es als besiegtes Land, sei es als Verb\u00fcndeter, um gegen Russland vorzugehen. An der Polenfrage entschied sich zugleich die Haltung der Westm\u00e4chte. Zum Erstaunen der Welt\u00f6ffentlichkeit (und zum Missfallen der junkerlichen &#8222;Konservativen&#8220; in Diplomatie und Reichswehr) hatte Hitler im Januar 1934 eine gegenseitige Nichtangriffserkl\u00e4rung mit Polen vereinbart und weiterhin versucht, engere Beziehungen herzustellen. Bei der Verwirklichung des M\u00fcnchener Abkommens vom Sommer 1938, das die sudetendeutschen Gebiete dem Reich und die Resttschechoslowakei seiner Gnade \u00fcbergab, sicherte sich Polen das &#8222;Teschener Gebiet&#8220;, indem es &#8211; vermutlich in Absprache mit Deutschland &#8211; seine Truppen dort einmarschieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend unternahm die Reichsf\u00fchrung den f\u00fcr den Charakter des k\u00fcnftigen Kriegs entscheidenden Schritt. Im Oktober 1938 unterbreitete sie der polnischen Regierung das Angebot einer &#8222;Globall\u00f6sung&#8220; aller offenen deutsch-polnischen Fragen. Darin wurde zum einen die Forderung nach Anschluss Danzigs ans Reich sowie einer exterritorialen Autobahn- und Eisenbahnverbindung nach Ostpreu\u00dfen erhoben. Viel wichtiger (und weitaus weniger bekannt) war jedoch die Tatsache, dass diese Forderungen eingebettet waren in die Aufforderung zum gemeinsamen Vorgehen gegen Russland. F\u00fcr diesen Fall wurde eine Ausdehnung Polens in die sowjetische Ukraine hinein in Aussicht gestellt.<\/p>\n<p>Das Angebot lief im Kern darauf hinaus, Polen aus einem britisch-franz\u00f6sisch-amerikanischen Sch\u00fctzling zu einem Vasallenstaat Deutschlands zu machen. Der polnische Staat blieb formal unabh\u00e4ngig und w\u00fcrde sich als Belohnung f\u00fcr den Frontenwechsel und die Kriegsteilnahme territorial vergr\u00f6\u00dfern, wurde aber vollst\u00e4ndig von Deutschland abh\u00e4ngig. Ein solches Herantreten an die polnische Frage war mit der nationalsozialistischen Ostorientierung vereinbar, weil f\u00fcr die vorgesehene Lebensraumerweiterung Polen selber zu klein war und nur Russland in Betracht kam. Stimmte Polen zu, musste Deutschland keinen Vorkrieg mit Frankreich f\u00fchren und hatten die angels\u00e4chsischen M\u00e4chte keinen Anlass zum Eingreifen. Anders ausgedr\u00fcckt: ein polnisches Ja zu dem deutschen Angebot machte eine europ\u00e4ische Begrenzung des Territorialkriegs gegen Russland m\u00f6glich, ein polnisches Nein lie\u00df einen erneuten Weltkrieg n\u00e4her r\u00fccken.<\/p>\n<p>Polen stimmte dem Angebot nicht sofort zu, wie Hitler offenbar erwartet hatte, sondern \u00e4u\u00dferte sich zur\u00fcckhaltend. Seine endg\u00fcltige Entscheidung hing vom Verhalten der Siegerm\u00e4chte des ersten Weltkriegs ab, darunter den USA. Die isolationistische Mehrheit in der us-amerikanischen Bev\u00f6lkerung und im Kongress wollte auf keinen Fall wieder eine Verwicklung in europ\u00e4ische Angelegenheiten wie im Weltkrieg zuvor, sondern sah die vitalen Interessen der USA beschr\u00e4nkt auf den amerikanischen Doppelkontinent. Eine Minderheit von &#8222;Internationalisten&#8220; mit Pr\u00e4sident Roosevelt an der Spitze bem\u00fchte sich dagegen mit aller Kraft, die Vereinigen Staaten in den k\u00fcnftigen europ\u00e4ischen Krieg hineinzuf\u00fchren, um die Festsetzung in Europa zu erreichen, die im vorangegangenen Weltkrieg nicht gegl\u00fcckt war. Zu diesem Zweck st\u00e4rkte Roosevelt nicht nur Frankreich und England den R\u00fccken, sondern lie\u00df auch Polen versichern, dass die USA in einem europ\u00e4ischen Krieg zwar nicht sogleich eingreifen k\u00f6nnten, diesen aber schlie\u00dflich entscheiden w\u00fcrden. [117]<\/p>\n<p>Die Nationalsozialisten konnten das seit Jahren z\u00f6gerliche Verhalten des artverwandten Gro\u00dfbritanniens, mit Deutschland zusammenzugehen, nur mit dem Einfluss des Finanzjudentums erkl\u00e4ren &#8211; warum sonst sollten die Engl\u00e4nder in einem erneuten Krieg mit Deutschland das Empire riskieren? Dasselbe betraf die Politik Roosevelts, der sich ungeachtet der Bev\u00f6lkerungsstimmung in Europa engagierte. Damit geriet Hitlers strategische Grundannahme einer kontinentalen Beschr\u00e4nkung der &#8222;ersten Stufe&#8220; in Gefahr. In dieser Situation richtete er darum seine Warnung an das &#8222;internationale Finanzjudentum <i>innerhalb<\/i> und <i>au\u00dferhalb<\/i> Europas&#8220;, sprich in Frankreich, Gro\u00dfbritannien <i>und den USA<\/i>, dass das europ\u00e4ische Judentum vernichtet w\u00fcrde, wenn der kommende Krieg als <i>Weltkrieg<\/i> gef\u00fchrt werden m\u00fcsste.<\/p>\n<h3>Weltkrieg statt Kontinentalkrieg<\/h3>\n<p>Die polnische Regierung lie\u00df sich auf das deutsche Angebot nicht ein, weil Polen sich selber als dritte Macht zwischen Deutschland und Russland sah. Dar\u00fcber hinaus gab es im gro\u00dfpolnischen Nationalismus Str\u00f6mungen, die auf eine Ausdehnung Polens nach Westen mindestens bis zur Oder und Nei\u00dfe hinarbeiteten. In hoffnungsloser \u00dcbersch\u00e4tzung der eigenen milit\u00e4rischen St\u00e4rke und der Kriegsbereitschaft der Verb\u00fcndeten ging man davon aus, dass ein Krieg gegen Deutschland mit einem baldigen gemeinsamen Sieg Polens und der Westm\u00e4chte enden w\u00fcrde und Polen dann die deutsche Grenze im Osten diktieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Als die polnische Weigerung sich definitiv abzeichnete &#8211; offiziell wurde die Ablehnung am 26. M\u00e4rz 1939 bekannt gegeben -, besetzten deutsche Truppen am 15. M\u00e4rz die Resttschechoslowakei und nahmen durch das Vorschieben der s\u00fcdlichen Flanke die milit\u00e4rische Ausgangsposition f\u00fcr einen Umfassungsangriff auf Polen ein. Als Antwort darauf gab Gro\u00dfbritannien am 31. M\u00e4rz eine f\u00f6rmliche Garantieerkl\u00e4rung f\u00fcr Polen ab. Dadurch verschloss sich der &#8222;K\u00f6nigsweg&#8220; f\u00fcr die Raumerweiterung im Osten. Im August d.\u00a0J. vereinbarten die UdSSR und Deutschland den Moskauer Vertrag, der Hitler die M\u00f6glichkeit gab, zuerst Polen und sodann Frankreich zu schlagen, um nach diesem Umweg im Juni 1941 die Sowjetunion anzugreifen, sein eigentliches Ziel.<\/p>\n<p>An der Jahreswende 1944\/45 schlug mit der gegen die amerikanischen Invasionstruppen gerichteten Ardennenoffensive der Versuch fehl, die USA zum Ausscheiden aus dem Krieg zu bewegen (die Offensive spekulierte auf die nach wie vor nicht kriegsgeneigte \u00f6ffentliche Meinung in den USA, die bei hohen amerikanischen Verlusten Roosevelt zum R\u00fcckzug zwingen w\u00fcrde) und so das Kriegsgl\u00fcck doch noch zu wenden. Anschlie\u00dfend diktierte Hitler in den ersten Monaten des Jahres 1945 dem Sekret\u00e4r der Reichskanzlei Martin Bormann in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Reflexionen \u00fcber seine eigene Politik und die Vergangenheit und Zukunft Europas, die insgesamt als sein &#8222;Politisches Testament&#8220; bezeichnet werden. Als entscheidenden Fehler seinerseits benannte er dabei, das Ausma\u00df des j\u00fcdischen Einflusses in England, speziell auf den &#8222;Whiskys\u00e4ufer&#8220; Churchill, untersch\u00e4tzt zu haben. Den Krieg mit Amerika bezeichnete er als &#8222;tragische Verstrickung. Ebenso vernunftwidrig wie unsinnig&#8220;. Die Ursache f\u00fcr diese Verstrickung sah er darin, dass Roosevelt als der &#8222;Auserw\u00e4hlte des Weltjudentums&#8220; ausgerechnet zum selben Zeitpunkt wie er selber an der Macht war. Das best\u00e4tigt im Nachhinein, dass aus nationalsozialistischer Sicht das internationale Judentum f\u00fcr den Weltkrieg verantwortlich war. Daf\u00fcr musste es, wie angek\u00fcndigt, zur Rechenschaft gezogen werden.<\/p>\n<p>Es war also nicht der Antisemitismus im allgemeinen, der die Nazis zum Rassenmord schreiten lie\u00df. Das Wesen des Nationalsozialismus war die <i>Siedlungspolitik<\/i>. Dagegen war der Antisemitismus als solcher zwar ein untrennbarer Bestandteil der NS-Ideologie, musste aber nicht zwingend in Form des V\u00f6lkermords umgesetzt werden, sondern konnte auch weiterhin als Vertreibungspolitik praktiziert werden. Darum spricht vieles daf\u00fcr, dass es tats\u00e4chlich das Zustandekommen der &#8222;internationalen&#8220; Kriegskonstellation war, das die Nazif\u00fchrung dazu brachte, das &#8222;internationalistische Verschw\u00f6rervolk&#8220; daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen zu lassen. Darum wurden die europ\u00e4ischen Juden jetzt in den Vernichtungsprozess einbezogen, der die Volkskatastrophe der slawischen V\u00f6lker herbeif\u00fchren sollte. Nach dem Anfang in Russland wurde auf der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 die Ausrottung der Juden auch im mittleren und westlichen Teil des nationalsozialistischen Herrschaftsbereichs in Gang gesetzt. Und da sie rein zahlenm\u00e4\u00dfig in dem Geschehen dominierten, wurde es umso schwerer, hinter den Ziffern der gemeinsam ermordeten Juden und Slawen die agrarisch-b\u00e4uerliche Triebkraft der Vernichtungspolitik zu entdecken.<\/p>\n<p>Durch den Kriegsverlauf (Niederwerfung Polens und Frankreichs) befand sich der Nationalsozialismus 1941 nicht nur in der Ausgangslage, um seinen eigentlichen Krieg gegen Russland zu f\u00fchren; dieser Krieg musste jetzt auch gewonnen werden, um den Weltkrieg zu bestehen, der sich entgegen Hitlers Pl\u00e4nen entwickelt hatte. Die Blitzkriegsf\u00fchrung der Wehrmacht war nicht zuletzt \u00f6konomisch bedingt, weil Deutschland keinen l\u00e4nger w\u00e4hrenden Abnutzungskrieg durchstehen konnte. Daran \u00e4nderte sich trotz der Herrschaft \u00fcber Mitteleuropa von Frankreich bis Polen nichts Prinzipielles. Diese Stellung war nicht blockadefest. Das Verbleiben der Engl\u00e4nder im Krieg und das zunehmende Engagement der Amerikaner machte das Reich, je l\u00e4nger der Krieg dauern w\u00fcrde, umso abh\u00e4ngiger von russischen Lebensmittel- und Rohstofflieferungen. In einer ungeahnten Verk\u00fcrzung der Zeitspannen, in gewissem Sinn sogar einer Umkehr der Stufenplanung, f\u00fchrte das Reich bereits einen Weltkrieg, ohne zuvor das angestrebte Kontinentalimperium erobert und gesichert zu haben. Darum war der Barbarossa-Feldzug des Jahres 1941 zugleich eine Flucht nach vorn. Russland musste jetzt nicht mehr nur als Siedlungsobjekt unterworfen werden, sondern auch, um den Ermattungskrieg gegen die angels\u00e4chsischen Seem\u00e4chte zu bestehen.<\/p>\n<p>In der festen Annahme, dass der Russlandkrieg in l\u00e4ngstens vier Monaten siegreich beendet sei, gab die Reichsf\u00fchrung den sog. &#8222;Z-Plan&#8220; in Auftrag, der den Bau einer riesigen \u00dcberwasserflotte vorsah, und lie\u00df Pl\u00e4ne f\u00fcr einen &#8222;Weltblitzkrieg&#8220; ausarbeiten. Sie sahen die Eroberung der britischen Nahoststellung, die Festsetzung in Afghanistan mit Zielrichtung Indien, um &#8222;Druck auf Gro\u00dfbritannien auszu\u00fcben und es gleichsam in letzter Minute zum &#8218;Ausgleich&#8216; mit Hitler zu veranlassen&#8220;, [118] sowie den Aufbau einer strategischen Operationsbasis gegen die USA in Nordwestafrika und auf den vorgelagerten atlantischen Inselgruppen vor. Daraus resultiert einmal mehr die Schwierigkeit, den roten Faden in der Entwicklung des Kriegstheaters zu erkennen. Ohne Begriff von den Triebkr\u00e4ften des Nationalsozialismus musste es scheinen, als ob Hitler v\u00f6llig prinzipienlos teils jede sich bietende Gelegenheit zur Machterweiterung wahrnahm, teils zur Flucht nach vorn gezwungen wurde und auf diesem Weg auch den Griff nach der Weltherrschaft unternahm. Getrieben von reiner Machtgier (die Marxisten f\u00fcgten hinzu: im Interesse des Kapitals) schreckte er auch vor verbrecherischen Formen der Kriegf\u00fchrung wie in Russland und vor der irrationalen Judenvernichtung nicht zur\u00fcck. Erkl\u00e4ren konnte man damit letzten Endes nichts.<\/p>\n<h3>Das Scheitern des Siedlungskriegs<\/h3>\n<p>In der ganzen Zeit machte sich die ungeliebte Notwendigkeit, gegen die Engl\u00e4nder Krieg zu f\u00fchren, anstatt gemeinsam mit ihnen den arischen Lebenskampf zu bestehen, immer wieder bemerkbar. Zun\u00e4chst hoffte Hitler nach den Siegen \u00fcber Polen und Frankreich, Gro\u00dfbritannien zu einer anderen Politik zu bewegen. Aber selbst die gro\u00dfz\u00fcgige Geste am Ende des deutsch-franz\u00f6sischen Kriegs, die deutschen Panzerspitzen vor D\u00fcnkirchen anzuhalten, um dem britischen Expeditionskorps die Gelegenheit zur R\u00fcckkehr nach England zu geben, wurde nicht honoriert. Dennoch ging er weiterhin von einem kurzen Schlagabtausch zwischen &#8222;Gentlemen&#8220; aus, in der Erwartung, die beiden Gegner w\u00fcrden sich bei ihrem Duell so sch\u00e4tzen lernen, dass die Engl\u00e4nder nach einem Ko-Schlag an die Seite Deutschlands gegen die USA treten w\u00fcrden, um dort den Einfluss des Judentums zu brechen. Die zum Aufstand gegen ihre Kolonialherren bereiten Araber und Inder wurden hingehalten, weil Hitler nach wie vor gegen die Zerschlagung des Empire war. Alles, was die Arier jetzt verloren, m\u00fcssten sie sp\u00e4ter wieder erobern. Nachdem das Zusammengehen mit Japan aus einem Mittel, um Gro\u00dfbritannien und die USA unter Druck zu setzen, zu einem realen Kriegsb\u00fcndnis geworden war, sinnierte Hitler dar\u00fcber, dass mit seiner Hilfe wichtige Positionen der Arier in Ostasien verloren gingen und dass unweigerlich der Zeitpunkt des Kampfes gegen die gelbe Rasse herannahen w\u00fcrde. Von den Juden befreit, die ihre &#8222;Wirtsv\u00f6lker&#8220; gegeneinander hetzten, w\u00fcrde es am Ende des gro\u00dfen Kriegs eine gemeinsame Weltherrschaft der arischen Kernv\u00f6lker in Europa und den USA unter germanischer F\u00fchrung geben. [119]<\/p>\n<p>Zwei grundlegende Fehleinsch\u00e4tzungen brachten die nationalsozialistische Strategie zu Fall. Grunds\u00e4tzlich hatte Hitler mit seiner Annahme v\u00f6llig recht, dass eine erneute britisch-deutsche Auseinandersetzung das Ende der britischen Weltmachtstellung bedeuten w\u00fcrde. In der Tat sank Gro\u00dfbritannien durch den Weltkrieg zu einem Juniorpartner der USA herab, der zuerst seine Handlungsfreiheit und sodann das Empire verlor. Hitlers Schlussfolgerung, dass England darum an die Seite Deutschlands treten m\u00fcsse, war trotzdem falsch. Den Engl\u00e4ndern war klar, dass jeder erneute gr\u00f6\u00dfere Krieg sie das Empire kosten k\u00f6nne. Darum betrieben sie in den 30er Jahren eine europ\u00e4ische Friedenspolitik um fast jeden Preis. Der kritische Punkt war erreicht, als sich zeigte, dass die weitere Erhaltung des Friedens nur um den Preis Hitlers zu haben war: die Entstehung eines kontinentaleurop\u00e4ischen Gro\u00dfreichs, auf dessen Wohlwollen Gro\u00dfbritannien k\u00fcnftig angewiesen war. Solcherart vor die Wahl gestellt zwischen dem Erhalt der Empire und dem Erhalt ihrer Unabh\u00e4ngigkeit, entschlossen sie sich, lieber das Empire zu riskieren und den Kampf aufzunehmen.<\/p>\n<p>Die andere und letztlich t\u00f6dliche Fehleinsch\u00e4tzung betraf die Sowjetunion. Bei einem Sieg im Osten h\u00e4tte der nationalsozialistische Staat den Krieg mit den angels\u00e4chsischen M\u00e4chten auf unabsehbare Zeit weiterf\u00fchren und zumindest auf ein &#8222;Patt&#8220; hoffen k\u00f6nnen. Aber die Sowjetunion war nicht die erwartete leichte Beute. Durch die Kollektivierung und Industrialisierung seit Ausgang der 20er Jahre hatte sie die f\u00fcr die F\u00fchrung eines modernen Kriegs unabdingbare gro\u00dfe Industrie geschaffen. Im Unterschied zu den Westm\u00e4chten nahm die sowjetische F\u00fchrung <i>Mein Kampf<\/i> auch ernst. &#8222;Die These von der zu geringen und zu sp\u00e4ten Beachtung von Hitlers Buch scheint nach allem, was wir feststellen konnten, soweit die Westm\u00e4chte, einschlie\u00dflich der USA, in Frage kommen, im wesentlichen zutreffend.&#8220; Dagegen hatten Stalin und wahrscheinlich die ganze sowjetische F\u00fchrung Hitlers Buch in russischer \u00dcbersetzung vollst\u00e4ndig gelesen. [120] Seit Mitte der 30er Jahre bereitete sich der Sowjetstaat politisch und milit\u00e4risch auf den herannahenden Krieg vor. Die Nazis begriffen nicht, dass die S\u00e4uberungen im Offizierskorps Ende der 30er Jahre die Rote Armee zwar vor\u00fcbergehend schw\u00e4chten, dauerhaft aber die Voraussetzung daf\u00fcr waren, durch Einbeziehung der Millionenmassen der Kolchosbauern die bis dahin bestehende Kaderarmee in ein Massenheer umzuwandeln.<\/p>\n<p>Nur einem Zweifrontenkrieg w\u00e4re die Sowjetunion m\u00f6glicherweise nicht gewachsen gewesen. Es muss offen bleiben, welche Auswirkungen ein japanischer Angriff im Fernen Osten in der Kriegslage des Sp\u00e4tsommers 1941 gehabt h\u00e4tte, als der Sowjetstaat am Rande der Niederlage stand. Es gab kein &#8222;historisches Gesetz&#8220;, das die Niederlage des Nationalsozialismus und das \u00dcberleben des Arbeiter- und Bauernstaats garantierte. Aber der &#8222;Antikomintern-Pakt&#8220; zwischen Deutschland, Japan und Italien war das Papier kaum wert, auf dem er stand. So konnte die UdSSR nach den gewaltigen Verlusten der ersten Monate ihre Streitkr\u00e4fte reorganisieren. Sie \u00fcberfl\u00fcgelte das Reich letztlich in der R\u00fcstung wie in der Kampfkraft der Armee und h\u00e4tte auch ohne die Hilfslieferungen aus dem Westen und ohne dessen milit\u00e4risches Eingreifen den Sieg errungen.<\/p>\n<p>Die unerwartete Versteifung des Widerstands, der sich u.\u00a0a. im Aufflammen des Partisanenkriegs zeigte, war nicht zuletzt eine Folge der deutschen Besatzungspolitik, die gezielt auf die geplante Volkskatastrophe hinarbeitete, um das Land siedlungsreif zu machen. Darum wurde auch der Aufbau einer Armee aus kriegsgefangenen Sowjetsoldaten immer wieder verz\u00f6gert, bis es zu sp\u00e4t war, als dass die schlie\u00dflich ab Oktober 1944 aufgestellte &#8222;Wlassow-Armee&#8220; noch kriegswirksam werden konnte. Die Nazif\u00fchrung wollte keinerlei Bedingungen in Kauf nehmen, die eine an der Seite Deutschlands siegreiche russische Exilarmee stellen w\u00fcrde. Sie wollte schrankenlose Handlungsfreiheit f\u00fcr das Herrenvolk beim Aufbau des germanischen Ostimperiums. Die b\u00e4uerlich-rassische Antriebskraft des Siedlungskriegs verhinderte zugleich seinen Erfolg.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=248&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Lebensraumprinzip machte die blo\u00dfe Revision des 1. 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