{"id":2359,"date":"2022-06-17T11:44:49","date_gmt":"2022-06-17T09:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2359"},"modified":"2022-08-05T10:34:37","modified_gmt":"2022-08-05T08:34:37","slug":"der-ukraine-krieg-das-selbstbestimmungsrecht-der-nationen-und-ihre-kritiker","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2359","title":{"rendered":"Der Ukraine Krieg: Das Selbstbestimmungsrecht der Nationen und seine Kritiker"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"right\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;<span style=\"font-size: 10pt;\"><em>Ob es zum Beispiel der Ukraine beschieden sein wird, einen selbstst\u00e4ndigen Staat zu bilden, das h\u00e4ngt von 1000 Faktoren ab, die im Voraus nicht bekannt sind. Und ohne zu versuchen, ins Blaue hinein zu &#8218;raten&#8216;, <\/em><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-size: 10pt;\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">treten wir entschieden f\u00fcr das ein, was ausser Zweifel steht: das Recht der Ukraine auf einen solchen Staat.&#8220;<\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(Lenin, Anfang 1914, LW\u00a0Bd.\u00a020,\u00a0S. 416)<\/span><\/em><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 12pt;\">Alfred Schr\u00f6der<\/span><\/em><\/p>\r\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen<\/b><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Der russische Angriffskrieg gegen die von den USA aufger\u00fcstete und unterst\u00fctzte Oligarchen-Diktatur in der Ukraine hat \u00fcber 20 Jahre nach den Jugoslawienkriegen die Frage des Selbstbestimmungsrechts der Nationen erneut in das Zentrum der Debatte ger\u00fcckt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Wie damals erweisen sich die politischen Kr\u00e4fte, die sich selbst als Linke begreifen, ihrer Aufgabe nicht gewachsen. W\u00e4hrend ein Fl\u00fcgel die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen verwirft und sie als einmalige historische Notl\u00f6sung der Bolschewiki f\u00fcr \u00fcberholt erkl\u00e4rt, um die russische Intervention \u201emarxistisch\u201c zu legitimieren (Andreas Wehr), gelangen die offenen Kritiker des russischen Angriffskrieges sehr schnell zu politischen Positionen, die sie \u2013 wie wir unterstellen, ungewollt \u2013 an die Seite der NATO und der eigenen Bourgeoisie bringen.<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Ungewollt an der Seite der NATO<\/b><\/span><\/p>\r\n<p><a name=\"_Hlk105590894\"><\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"> Ein Beispiel f\u00fcr letzteres ist die Initiative f\u00fcr eine &#8222;neue Friedensbewegung&#8220;, hinter der die MLPD als treibende Kraft steht. Sie fordert: &#8222;Sofortiger Waffenstillstand und R\u00fcckzug aller russischen Truppen&#8220; (siehe Resolution der AKL vom 10.04.2022). Dies ist &#8211; eigentlich f\u00fcr jeden erkennbar &#8211; eine Nato-Forderung. Obwohl man davon ausgeht, dass Rivalit\u00e4ten imperialer M\u00e4chte dem Krieg zugrunde liegen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> stellt man Friedensforderungen auf, die einzig einer Seite der kriegf\u00fchrenden M\u00e4chte n\u00fctzen. Und pikanterweise handelt es sich bei dieser Seite um das von der NATO und der deutschen Bourgeoisie unterst\u00fctzte Lager der ukrainischen Oligarchen. Indem man die Forderung nach einem Waffenstillstand mit der Forderung nach einem R\u00fcckzug aller russischen Truppen koppelt, diesen R\u00fcckzug sozusagen als Ausgangspunkt f\u00fcr Friedensverhandlungen definiert, redet man einem Sieg der von der NATO unterst\u00fctzten Oligarchen-Herrschaft in der Ukraine das Wort.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">In dem aktuellen politisch-milit\u00e4rischen Umfeld des Ukraine-Krieges ist nicht die Losung nach einem \u201esofortige(n) Waffenstillstand und R\u00fcckzug aller russischen Truppen\u201c aufzustellen, sondern ein <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Friedenschluss auf dem Boden der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Nationen&#8220; <\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">zu fordern<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Nur im Kontext dieser Zielsetzung macht ein Waffenstillstand Sinn und kann einen Weg zum Frieden ebnen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Forderung richtet sich gegen beide Kriegsparteien. Von Russland verlangt sie die Anerkennung der Ukraine als selbstst\u00e4ndiger Nation mit dem Recht auf einen eigenst\u00e4ndigen Staat. Von der Ukraine verlangt sie die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der russischen Bev\u00f6lkerung im Donbass und auf der Krim <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>bis hin zur Lostrennung <\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">von der Ukraine und Anschluss an Russland (nicht nur national-kulturelle Autonomie innerhalb der Ukraine).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Ein R\u00fcckzug aller russischen Truppen ohne Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Nationen liefert die Ostukraine und die Krim, ganz unabh\u00e4ngig von dem Willen der dortigen Bev\u00f6lkerung und ohne Anerkennung ihres Rechts auf Selbstbestimmung, dem westlichen Milit\u00e4rb\u00fcndnis und seinen ukrainischen Handlangern aus. Zu dieser \u2013 von den Autoren vermutlich nicht gewollten \u2013 Position gelangt man in der politischen Praxis, wenn man die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen ignoriert, sie f\u00fcr eine \u00fcberholte, der Vergangenheit und politischen Notlagen geschuldeten Marotte Lenins h\u00e4lt, die heute keinerlei Bedeutung mehr besitzt.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Gegen die NATO und den Krieg ihrer ukrainischen Marionetten<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk106131606\"><\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"> Nicht besser die n\u00e4chste Forderung des Bremer Papiers, das zur Begr\u00fcndung einer \u201eneuen Friedensbewegung\u201c dienen soll: \u201eNATO-Truppen raus aus Osteuropa\u201c. Das, was die Autoren vermutlich als Zugest\u00e4ndnis an russische Vorbehalte gegen die fortw\u00e4hrende NATO-Ausdehnung nach Osten formulieren wollten, bedeutet im Umkehrschluss der obigen Forderung eine Anerkennung und stillschweigende Akzeptanz der NATO-Herrschaft \u00fcber den Rest des europ\u00e4ischen Kontinents, die gar nicht mehr erw\u00e4hnt wird. Dies liegt vermutlich ebenso wenig in der Absicht der Autoren, wie ihr ungewollter Schulterschluss mit den NATO-Parolen. Aber hier zeigt sich: Die \u201eneue Friedensbewegung\u201c hat Schwierigkeiten, Forderungen zu entwickeln, die sich sowohl gegen den russischen Angriffskrieg als auch \u2013 was das wichtigere von beiden darstellt \u2013 gegen die eigene Bourgeoisie und deren NATO-Mitgliedschaft richten.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Der NATO und besonders ihrer amerikanischen F\u00fchrungsmacht wird dieser politische R\u00fcckschritt gegen\u00fcber der Friedensbewegung der siebziger Jahre genehm sein: Die Existenz der US und NATO-Truppen im Westen und in der Mitte Europas wird nicht thematisiert, ihr Abzug ist keine Forderung der Friedensbewegung mehr. Eine demokratische und internationalistische &#8211; und erst recht eine offen revolution\u00e4re Position \u2013 muss v\u00f6llig andere Inhalte ins Zentrum der Politik r\u00fccken. Die BRD ist zentraler Bestandteil eines von den USA gef\u00fchrten imperialen B\u00fcndnissystems, das den Krieg der ukrainischen Oligarchen-Clique gegen das eigene Volk und gegen Russland anheizt, finanziert und milit\u00e4risch unterst\u00fctzt. Damit hat sich an den grundlegenden Positionen, die Liebknecht und Lenin bereits vor \u00fcber 100 Jahren verfochten, nichts ge\u00e4ndert. In einem imperialistischen Krieg \u201esteht der Feind im eigenen Land\u201c, ganz egal ob die BRD nun offen mitk\u00e4mpft oder \u201enur\u201c den Krieg finanziert (\u201eWirtschaftskrieg\u201c, wie Habeck es formulierte) und Waffen liefert. Somit kann die zentrale Friedensforderung in Deutschland nur gegen die eigene Bourgeoisie und ihre Mitgliedschaft in der Nato gerichtet sein:<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Deutschland raus aus der NATO &#8211; NATO raus aus Deutschland!<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Die &#8222;alte Friedensbewegung&#8220; der 70er Jahre kannte diese Parole sehr wohl und diesseits wie jenseits des Atlantiks war ihr demokratischer und antiimperialistischer Charakter allen politischen Lagern klar. Mit Deutschland steht und f\u00e4llt die NATO-Vorherrschaft der USA \u00fcber Europa. Die \u201eneue Friedensbewegung\u201c der MLPD sowie die restliche Linke stellt diese Forderung gar nicht mehr.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Unterst\u00fctzung der Ukraine?<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Stattdessen verficht man die Parole \u201eDer zivile und milit\u00e4rische Widerstand gegen die Invasion und die Besatzung durch russische Truppen ist berechtigt.\u201c Das h\u00f6rt man gerne im Lager der NATO, der deutschen Bourgeoisie und der ukrainischen Oligarchen. Mit dem Aufruf zur Unterst\u00fctzung der Ukraine suchen die Herrschenden die eigene Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Krieg zu begeistern und die materielle Auspl\u00fcnderung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten f\u00fcr den NATO-Krieg als Unterst\u00fctzung des ukrainischen \u201eBefreiungskampfes\u201c zu verkaufen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wieder ist die \u201eneue Friedensbewegung\u201c mit dieser Position einer von der Regierung und der amerikanischen Milit\u00e4rallianz vorgegeben Propaganda gefolgt und hat damit einer von der NATO-Allianz betriebenen Meinungskampagne in den Medien nachgegeben. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Aber in diesem Krieg um imperiale Einflusssph\u00e4ren gibt es keine richtige Seite.<\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Die Unabh\u00e4ngigkeit und staatliche Selbstst\u00e4ndigkeit der Ukraine kann man nicht an der Seite der NATO und der ukrainischen Oligarchen verteidigen, die dieselbe 2014 an die Amerikaner verkauft haben und auch weiterhin verkaufen wollen, da sie nur so ihre Herrschaft \u00fcber die Ukraine aufrechterhalten k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Irgendwie f\u00fchlen dies die Vertreter der \u201eneuen Friedensbewegung\u201c auch und schreiben deshalb: \u201eDie F\u00fchrung des bewaffneten Widerstandes liegt allerdings in den H\u00e4nden der reaktion\u00e4ren Regierung Selenskyj, die versucht, den Krieg durch die st\u00e4rkere Einbeziehung der NATO auszuweiten. Wir lehnen eine Unterst\u00fctzung dieser Regierung ab.\u201c Nur hilft dieses Eingest\u00e4ndnis nicht aus dem von ihnen selbst verursachten Dilemma heraus. Wer aktiven milit\u00e4rischen Widerstand gegen die russische Aggression leisten will, begibt sich politisch unter die \u201eF\u00fchrung \u2026 der reaktion\u00e4ren Regierung\u201c, wie die Autoren richtig schreiben. Er st\u00e4rkt mit seinen Handlungen die Herrschaft der Oligarchen und ihrer Marionette Selenskyj. Er k\u00e4mpft nicht f\u00fcr Selbstst\u00e4ndigkeit der Ukraine, sondern f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Oligarchen-Herrschaft und f\u00fcr ihre weitere Einbeziehung in die amerikanische Einflusssph\u00e4re.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Deshalb gilt es z<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">us\u00e4tzlich zu den beiden bereits oben formulierten Forderungen (Selbstbestimmungsrecht und NATO-Austritt) auch in dieser Frage eine klare Position zu beziehen; gegen die Propaganda der NATO und der deutschen Bourgeoisie zur Unterst\u00fctzung des Ukrainekrieges. <\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Krieg der NATO-Marionette Ukraine!<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Die Unterst\u00fctzung einer der kriegsf\u00fchrenden Parteien ist, wie vor \u00fcber 100 Jahren auch heute, sowohl in den NATO-Staaten wie in der Ukraine oder in Russland, eine Parole der chauvinistischen Kriegstreiber. Der gegebene Ukraine-Krieg ist auf keiner Seite ein \u201egerechter Krieg\u201c, als Kommunist kann man nur <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>f\u00fcr die Niederlage aller Beteiligten<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> eintreten. Die Leninsche Position w\u00e4hrend des I. Weltkriegs ist auch f\u00fcr heutige Situation die einzig vertretbare: \u201eDie moderne Demokratie wird nur in dem Falle sich selbst treu bleiben, wenn sie sich keiner einzigen imperialistischen Bourgeoisie anschlie\u00dft, wenn sie sagt, dass \u201abeide das gr\u00f6\u00dfere \u00dcbel\u2018 sind, wenn sie in jedem Land die Niederlage der imperialistischen Bourgeoisie herbeiw\u00fcnscht.\u201c Und an anderer Stelle: \u201eDie Verfechter des Sieges der eigenen Regierung im gegenw\u00e4rtigen Krieg und die Anh\u00e4nger der Losung \u201aWeder Sieg noch Niederlage\u2018 stehen gleicherweise auf dem Standpunkt des Sozialchauvinismus. Die revolution\u00e4re Klasse kann in einem reaktion\u00e4ren Krieg nichts anderes als die Niederlage der eigenen Regierung w\u00fcnschen \u2026\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> <\/span><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>II. Putin, Wehr und Luxemburg gegen das Selbstbestimmungsrecht <\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Von den politisch hilflosen Kritikern der russischen Aggression, deren Forderungen bisher immer eine offene Flanke gegen\u00fcber der NATO und der eigenen Bourgeoisie aufweisen, nun zu den \u201eversch\u00e4mten Verteidigern\u201c der russischen Aggression.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Putins Kritik an der Leninschen Position<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Anders als die ehemalige Linke in Deutschland kennt Putin sehr wohl die Bedeutung der Leninschen Position zum Selbstbestimmungsrecht der Nationen. Deshalb hat er den \u201eStier bei den H\u00f6rnern gepackt\u201c und den russischen Angriffskrieg mit einem Frontalangriff auf die Leninsche Position zum Thema Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker gerechtfertigt (siehe: Vladimir Putin: Rede an die Nation vom 21.02.2022). (<\/span><span style=\"color: #000000; font-family: times new roman, times;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/zeitschrift-osteuropa.de\/blog\/putin-rede-21.2.2022\/\"><u>Zeitschrift OSTEUROPA | Dokumentation zeitschrift-osteuropa.de)<\/u><\/a><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Andreas Wehr, ein \u201cverst\u00e4ndnisvoller\u201d Interpret Putins, hat ihn auf Telepolis in seinem Artikel unter dem Titel &#8222;War Lenin schuld?&#8220; <span style=\"font-family: times new roman, times;\">(<\/span><\/span><span style=\"font-family: times new roman, times;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><u><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/War-Lenin-schuld-6669705.html\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/War-Lenin-schuld-6669705.html<\/a><\/u><\/span>)<\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">ausf\u00fchrlich und weitgehend kritiklos zitiert. Putin bedient sich in dieser Rede ganz offen einer gro\u00dfrussischen chauvinistischen Argumentation. \u201eAlso, dies zuerst: Die heutige Ukraine wurde voll und ganz und ohne jede Einschr\u00e4nkung von Russland geschaffen, genauer: vom bolschewistischen, kommunistischen Russland. Dieser Prozess begann im Grunde gleich<\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">nach der Revolution von 1917. Lenin und seine Mitstreiter gingen dabei \u00e4u\u00dferst r\u00fccksichtslos gegen Russland selbst vor, von dem Teile seiner eigenen historischen Gebiete abgetrennt und abgesto\u00dfen wurden. Die Millionen Menschen, die dort lebten, hat nat\u00fcrlich niemand gefragt.\u201d Diese Polemik Putins, die von A. Wehr kommentarlos \u00fcbernommen wird, bedarf einiger Korrekturen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Nicht gefragt wurden diese \u201eMillionen Menschen\u201c, als sie vom Zarismus annektiert wurden; \u00fcber ihren Beitritt zur 1922 gegr\u00fcndeten Union der Sowjetrepubliken konnten sie dagegen abstimmen, wurden also sehr wohl gefragt. Nicht die Bolschewiki haben somit \u201eMillionen Menschen\u201d von Russland \u201eabgetrennt und abgesto\u00dfen\u201d, sondern unter den Romanow-Zaren wurden \u201eMillionen Menschen\u201d samt den Territorien, auf denen sie lebten, erobert und russifiziert. Dies geschah unter dem Leitspruch \u201eOrthodoxie, Autokratie und Volkstum\u201c, dem politisch-ideologischen Banner des gro\u00dfrussischen Chauvinismus. Wobei mit Volkstum der religi\u00f6s-orthodoxe und zarentreue Gro\u00dfrusse gemeint war. <\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Putin formulierte dies in seiner Rede folgenderma\u00dfen: \u201eSeit jeher nannten sich die Bewohner der s\u00fcd\u00f6stlichen, historischen altrussischen Lande Russen und Orthodoxe. So war es vor dem 17.\u00a0Jahrhundert, als sich ein Teil dieser Gebiete wieder mit dem Russl\u00e4ndischen Staat vereinte, und so blieb es danach.\u201c Diese zwei S\u00e4tze wurden von A.\u00a0Wehr nicht zitiert, vielleicht weil der dahinterstehende gro\u00dfrussische Chauvinismus mit begleitender Geschichtsrevision etwas zu offensichtlich ist? F\u00fcr Putin wie f\u00fcr die Romanow-Zaren waren die Ukrainer danach schon immer Russen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> obwohl sie in der wirklichen Geschichte erst im 17. Jahrhundert nach einem Krieg mit Polen-Litauen ins Zarenreich (durch den Frieden von Andrussow im Jahre 1667) \u201eeingegliedert\u201c wurden.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Trotzki beschreibt diesen Gedankengang treffend in seiner Geschichte der russischen Revolution (im Kapitel zur nationalen Frage): \u201eDie b\u00fcrgerliche Gleichberechtigung (der Februarrevolution; A.S.) brachte vor allem nichts den Finnen, die nicht Gleichstellung mit den Russen anstrebten, sondern Unabh\u00e4ngigkeit von Russland. Sie brachte nichts Neues den <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Ukrainern<\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> ein, die auch fr\u00fcher keine Einschr\u00e4nkungen gekannt hatten, <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>weil man sie zwangsweise f\u00fcr Russen erkl\u00e4rte<\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">.\u201c <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">(<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hervorhebung von mir, A.S.) Das Zarentum ehedem und Putin heute haben hier dieselbe Weltsicht: Die Ukrainer waren schon immer orthodoxe Russen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk106132127\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt;\"> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Lenins Position zu dieser Art gro\u00dfrussischem Chauvinismus war klar: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eDie Sozialisten k\u00f6nnen ihr gro\u00dfes Ziel nicht erreichen, ohne gegen jede Art von nationaler Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen. Sie m\u00fcssen daher unbedingt fordern, dass die sozialdemokratischen Parteien der <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>unterdr\u00fcckenden <\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">L\u00e4nder (insbesondere der sog. Gro\u00dfm\u00e4chte) das Selbstbestimmungsrecht der <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>unterdr\u00fcckten<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Nationen anerkennen und verfechten, und zwar ausdr\u00fccklich im politischen Sinne des Wortes, d. h. als Recht auf politische Losl\u00f6sung. Ein Sozialist, der \u2026 dieses Recht nicht verteidigt, ist ein Chauvinist.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> Wer nicht das Selbstbestimmungsrecht der unterdr\u00fcckten Nationen anerkennt und zwar einschlie\u00dflich ihres Rechts auf \u201eLosl\u00f6sung\u201c vom vorgegebenen \u201eGro\u00dfreich\u201c, ist \u2013 so Lenin \u2013 kein Sozialist, sondern ein Chauvinist. Und genau diese Position bezieht Putin im B\u00fcndnis mit der orthodoxen Kirche gegen\u00fcber der Ukraine, ankn\u00fcpfend an die zaristische Position, die Ukrainer schlichtweg als Russen wahrzunehmen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk106112187\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt;\"> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Und konkret auf die Ukraine bezogen erg\u00e4nzt ihn Trotzki folgenderma\u00dfen: \u201eIm April 1917 sagte Lenin: <\/span><sub><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201a<\/span><\/sub><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenn die Ukrainer sehen werden, dass bei uns die Sowjetrepublik ist, werden sie sich nicht lostrennen, wenn aber bei uns Miljukows<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> Republik sein wird, dann werden sie sich lostrennen.\u2018 Auch darin hatte er (Lenin; A.S.) recht. Die Geschichte hat eine unvergleichliche Nachpr\u00fcfung zweier Arten von Politik in der nationalen Frage geliefert. W\u00e4hrend \u00d6sterreich-Ungarn, dessen Proletariat im Geiste \u00e4ngstlicher Halbheit erzogen ward,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> bei der ersten ernsten Ersch\u00fctterung in St\u00fccke zerfiel, \u2026 entstand auf den Ruinen des Zaren-Russland ein neuer Nationalit\u00e4tenstaat, \u00f6konomisch und politisch durch die bolschewistische Partei innig verschmolzen.\u201c <\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><u><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/b2-kap16.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/b2-kap16.htm<\/a>)<\/u><\/span><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\">\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>und sein deutscher Interpret<\/b><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Diese Putinsche gro\u00dfrussische Geschichtsrevision l\u00e4sst A.\u00a0Wehr deshalb unkommentiert, weil sein Anliegen ein anderes ist. Er will Putin vor dem Vorwurf einer gro\u00dfrussischen nationalistischen Politik gegen linke Kritiker verteidigen, die \u201ees <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">sich mit ihrer pauschalen Kritik zu einfach (machen)\u201c. Nachdem der Autor Putins Geschichtsrevision ganz \u201epauschal\u201c und weitgehend kritiklos \u00fcbernommen hat, entwickelt er folgende Kritik an der Linken: \u201ePutin bezeichnete die leninistischen Prinzipien des Staatsaufbaus der Sowjetunion nicht nur als \u201aFehler\u2018 sondern weitaus schlimmer als einen Fehler\u2018. Dies f\u00fchrte zu Kritik bei nicht wenigen Linken, die darin lediglich eine typische russische nationalistische Position sehen konnten, die im Gegensatz zur leninistischen Nationalit\u00e4tenpolitik st\u00fcnde. Doch diese Kritiker machen es sich mit ihrer pauschalen Kritik zu einfach, denn die Haltung der Bolschewiki in dieser Frage war zum einen \u00fcber lange Zeit keineswegs eindeutig, zum anderen hatte keine Geringere als Rosa Luxemburg seinerzeit die Nationalit\u00e4tenpolitik der Bolschewiki einer gnadenlosen Kritik unterzogen, die der Putins von heute verbl\u00fcffend \u00e4hnelt. Luxemburg war mit den politischen Verh\u00e4ltnissen in der Region vertraut. Als sowohl deutsche wie auch polnische Sozialistin sprach sie Russisch und kannte viele der Bolschewiki pers\u00f6nlich.\u201c<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Hier gilt es zuerst eine unbelegte und in der Sache fehlerhafte Behauptung zur bolschewistischen Politik zu korrigieren. Wehrs Unterstellung, dass \u201edie Haltung der Bolschewiki\u201c in der Frage des Selbstbestimmungsrechts der Nationen \u201e\u00fcber lange Zeit keineswegs eindeutig\u201c gewesen sei, entbehrt jeder Grundlage. Von dem Programmparteitag 1903 (wo Plechanow diesen Programmpunkt verteidigte) bis zum neuen Parteiprogramm der KPR nach dem russischen Oktober blieb die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht der Nationen eine Grundlage der bolschewistischen Programmatik. Kritiken an dieser Position gab es, wie an vielen anderen Punkten des Programms, durchaus. In der Frage des Selbstbestimmungsrechts kam die Kritik vor allem von der SDKPiL,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> in der Rosa Luxemburg die f\u00fchrende theoretische und politische Position besa\u00df. Nur haben diese wiederholten Kritiken und die ebenso prompten Antworten (zumeist von Lenin) auf diese Kritiken nichts an der grunds\u00e4tzlichen Position und entsprechenden Programmatik der Bolschewiki in dieser Frage ge\u00e4ndert. Wehrs Unterstellung, dass die Haltung der Bolschewiki zum Selbstbestimmungsrecht \u201e\u00fcber lange Zeit keineswegs eindeutig\u201c gewesen sei, entspricht nicht den Tatsachen.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Warum Rosa Luxemburg?<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Warum erg\u00e4nzt Wehr die oben zitierten Auffassungen Putins mit den Positionen Rosa Luxemburgs? In seinen Ausf\u00fchrungen legt er dem Leser nahe, dass es sich bei Rosa Luxemburg um eine Person handelt, die mit dem Sachverhalt und den politischen Akteuren bestens vertraut sei. <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eLuxemburg war mit den politischen Verh\u00e4ltnissen in der Region vertraut. Als sowohl deutsche wie auch polnische Sozialistin sprach sie Russisch und kannte viele der Bolschewiki pers\u00f6nlich.\u201c Wehr suggeriert: Mit R. Luxemburg haben wir es mit einer fachkundigen und gut vernetzten Politikerin zu tun, die uns ein unverstelltes Bild der Verh\u00e4ltnisse liefern kann. Es macht Sinn, ihren Einsch\u00e4tzungen zu folgen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Nun treffen die angef\u00fchrten \u201eQualifizierungsmerkmale\u201c auf eine andere Person in noch gr\u00f6\u00dferen Umfang zu: Leo Trotzki. Er wurde sogar in der Ukraine geboren, sprach neben russisch noch eine Reihe anderer Sprachen, war mindestens ebenso mit den politischen Verh\u00e4ltnissen in der Region vertraut \u201eund kannte viele Bolschewiki\u201c. (Wir zitieren nur Wehrs \u201eQualifizierungsmerkmale\u201c). Warum also Rosa Luxemburg? Die Antwort auf die diese Frage ist einfach. Mit Trotzkis Positionen zum Selbstbestimmungsrecht der Nationen kann man keinen gro\u00dfrussischen Annexionskrieg gegen die Ukraine rechtfertigen. Mit Rosa Luxemburgs Kritiken am Selbstbestimmungsrecht der Nationen allerding sehr wohl.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">R.\u00a0Luxemburg hat vor \u00fcber 100 Jahren &#8211; wie Putin heute &#8211; der ukrainischen Nation (und beileibe nicht nur der Ukraine),<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> das Recht auf eigenst\u00e4ndige staatliche Existenz abgesprochen. Mit den Zitaten von ihr soll dem schwer zu \u00fcbersehenden imperialen Charakter der Putinschen Ausf\u00fchrungen ein \u201elinker Anstrich\u201c verpasst werden.<\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201cIn ihrer Schrift &#8218;Die russische Revolution&#8216;, die sie im Herbst 1918 w\u00e4hrend ihrer Haft in Breslau verfasste, argumentierte Rosa Luxemburg ganz \u00e4hnlich wie Wladimir Putin heute. Ihre Kritik an der Nationalit\u00e4tenpolitik der Bolschewiki war sogar sch\u00e4rfer\u201d, schreibt Wehr. Wer will bei solch einer Kronzeugin Putin einen \u201eImperialisten\u201c nennen, wenn die internationalistische Luxemburg nicht nur \u201cganz \u00e4hnlich\u201d, sondern in ihrer Kritik \u201can der Nationalit\u00e4tenpolitik der Bolschewiki sogar sch\u00e4rfer (argumentierte)\u201d, so Wehr? Die des Imperialismus unverd\u00e4chtige Luxemburg soll die Positionen des offenen Gro\u00dfmachtpolitikers Putin in den Resten der ehemaligen Linken salonf\u00e4hig machen, der gro\u00dfrussische Chauvinismus Putins soll hinter den linksradikalen Kritiken Rosa Luxemburgs an den Bolschewiki verdeckt werden. In der Praxis enth\u00fcllt dieses Verfahren nur die Fehlerhaftigkeit von R.\u00a0Luxemburgs Positionen, die von A.\u00a0Wehr genutzt werden, einen chauvinistischen Eroberungskrieg zu legitimieren.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Rosa Luxemburg und die nationale Frage<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Bei seiner Begeisterung f\u00fcr Luxemburgs Kritiken am Bolschewismus \u201evergisst\u201c Wehr, dem Leser die eigentliche Position R. Luxemburgs zur nationalen Frage darzustellen. Rosa Luxemburg war Zeit ihres politischen Lebens Anh\u00e4ngerin der \u201enational-kulturellen Autonomie\u201c und damit Kritikerin des Selbstbestimmungsrechts der Nationen, insbesondere des Rechts auf eine eigene staatliche Existenz der unterdr\u00fcckten Nationen. Dies war f\u00fcr sie eine nationalistische Abweichung vom Marxismus. Schauen wir uns Luxemburgs Position etwas genauer an und zitieren dazu <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Prof. Dr. Ulla Plener, die in der Linken als Kennerin der Positionen Luxemburgs und Lenins in der nationalen Frage gilt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Rosas Luxemburgs Gegenforderung zum Selbstbestimmungsrecht der Nationen hie\u00df: national-kulturelle Autonomie. Im Einzelnen schrieb sie dazu \u2026 1906: \u201aDa unser Land innerhalb des russischen Reiches gewisserma\u00dfen eine besondere Einheit darstellt, die sich im kulturellen Leben und teilweise auch in sozial\u00f6konomischer Beziehung von den anderen Teilen des Reiches unterscheidet, fordert die Sozialdemokratie des K\u00f6nigreichs Polen und Litauens au\u00dfer der allgemeinen staatsb\u00fcrgerlichen Gleichberechtigung aller Nationen die <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Landesselbstverwaltung, d.h. Autonomie, f\u00fcr Polen<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">. Das w\u00fcrde bedeuten, dass alle Angelegenheiten, die speziell unser Land betreffen, vom Volk unseres Landes mit Hilfe eigener Beamter und eines eigenen Landesparlaments erledigt werden w\u00fcrden, das von der gesamten erwachsenen Bev\u00f6lkerung in allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen gew\u00e4hlt werden m\u00fcsste, und dass bei uns polnische Schulen, Gerichte und andere notwendige Institutionen eingef\u00fchrt w\u00fcrden, die in ihrer T\u00e4tigkeit dem polnischen Sejm unterstehen. Die Landesselbstverwaltung ist unerl\u00e4sslich sowohl f\u00fcr die Garantie einer gen\u00fcgenden Freiheit der kulturellen Entwicklung unserer Nationalit\u00e4t als auch f\u00fcr die wirksame Verteidigung der Klasseninteressen des polnischen Proletariats.\u2018\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Landesselbstverwaltung und Autonomie <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>innerhalb<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> des russischen Reiches, begleitet von \u201eeiner gen\u00fcgenden Freiheit der kulturellen Entwicklung unserer Nationalit\u00e4t\u201c <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>ohne das Recht auf eine eigenst\u00e4ndische staatliche Existenz Polens jenseits von Russland<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">, das ist das Programm von Luxemburg und der von ihr dominierten polnischen Fraktion der Sozialdemokratie. Und selbst dieses Recht auf Autonomie forderte sie nur f\u00fcr das K\u00f6nigreich Polen-Litauen, den \u00f6konomisch entwickelten Teil des polnischen Territoriums. Die Leugnung des Rechts auf Selbstbestimmung f\u00fcr alle anderen V\u00f6lker und Nationen, denen die Herausbildung eigener Nationalstaaten von den Gro\u00dfm\u00e4chten ihrer Zeit verwehrt wurde und die in der Herausbildung b\u00fcrgerlich-kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse dem Westen Europas hinterherhinkten, f\u00fchrte damals und f\u00fchrt auch heute in der politischen Praxis zur St\u00e4rkung des reaktion\u00e4ren b\u00fcrgerlichen und kleinb\u00fcrgerlichen Nationalismus. Es erm\u00f6glicht der nationalen Bourgeoisie der <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>unterdr\u00fcckten Nationen<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> das Kleinb\u00fcrgertum und Teile der Arbeiterklasse unter der Fahne der Nation zu sammeln umso ihre politische Hegemonie aufzurichten. Weiterhin st\u00e4rkt es auf der anderen Seite die chauvinistischen Kr\u00e4fte bei der <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>unterdr\u00fcckenden Nation<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> und bindet dort ebenso das Kleinb\u00fcrgertum an die herrschende Klasse. In beiden F\u00e4llen kann das Proletariat mit seinem internationalistischen Anspruch nicht zum F\u00fchrer einer Volksrevolution werden, ohne ein revolution\u00e4r-demokratisches Programm in der nationalen Frage zu verfechten. Die Anerkennung des Rechts auf Selbstbestimmung der Nationen bis hin zur Lostrennung ist diese revolution\u00e4r-demokratische Forderung um die Hegemonie der Bourgeoisie \u00fcber das Kleinb\u00fcrgertum und Teile der Arbeiterschaft in der nationalen Frage zu brechen. <\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk105684575\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt;\"> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">War dieses Kleinb\u00fcrgertum schon im Westen Europas die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Kraft bei der Erk\u00e4mpfung der nationalen Einheit, so erst recht je weiter man nach Osten kam und die St\u00e4dte im Meer der Bauernschaft untergingen. Die Politik Luxemburgs und der von ihr und L. Jogiches weitgehend dominierten <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">SDKPiL <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">st\u00e4rkte jene nationalistischen Tendenzen besonders in Polen, deren Bek\u00e4mpfung ihr eigentliches Anliegen war und schw\u00e4chte damit die Position des revolution\u00e4ren Proletariats.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Lenin arbeitet dies in seiner Kritik an der Losung der \u201enational-kulturellen Autonomie\u201c heraus: \u201eDie Sozialisten beschr\u00e4nken sich nicht auf allgemein-demokratische Forderungen. Die Sozialisten k\u00e4mpfen gegen alle und jedwede Erscheinungsformen des b\u00fcrgerlichen Nationalismus, gegen die plumpen wie gegen die raffinierten. Gerade eine solche Erscheinungsform ist eben die Losung der \u201anational-kulturellen Autonomie\u2018, die das Proletariat und die Bourgeoisie einer Nation vereinigt und die Proletarier der verschiedenen Nationen voneinander trennt. \u2026<br \/>Die Einheit der Arbeiter aller Nationalit\u00e4ten bei vollst\u00e4ndiger Gleichberechtigung der Nationalit\u00e4ten \u2026 &#8211; das ist unsere Losung, wie es auch die Losung der gesamten internationalen revolution\u00e4ren Sozialdemokratie ist. Diese wahrhaft proletarische Losung erzeugt kein verlogenes Trugbild und keine Illusionen \u00fcber die \u201anationale\u2018 Einheit des Proletariats und der Bourgeoisie, w\u00e4hrend die Losung der \u201anational-kulturellen Autonomie\u2018 unvermeidlich ein solches Trugbild erzeugt und unter den Werkt\u00e4tigen eine solche Illusion weckt. \u2026<br \/>Die Einheit von unten, die vollst\u00e4ndige Einheit und Verschmelzung der sozialdemokratischen Arbeiter aller Nationalit\u00e4ten in s\u00e4mtlichen \u00f6rtlichen Arbeiterorganisationen \u2013 das ist unsere Losung. Nieder mit der b\u00fcrgerlichen, betr\u00fcgerischen und kompromisslerischen Losung der \u201anational-kulturellen Autonomie\u2018.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Luxemburg und der demokratische Kampf<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Die Differenzen zwischen Lenin und Luxemburg waren in dieser (wie auch in anderen Fragen) grunds\u00e4tzlicher Art und in der damaligen Sozialdemokratie der II. Internationale wohlbekannt. Und sie beschr\u00e4nkten sich keineswegs auf die Frage der Selbstbestimmung. Die Forderung des Rechts auf Selbstbestimmung ist \u2013 wie Lenin immer wieder betonte &#8211; ein Problem des demokratischen Kampfes. Dem Kampf um demokratische Rechte aber stand Luxemburg \u00e4hnlich ablehnend gegen\u00fcber wie dem Kampf um das Selbstbestimmungsrecht oder einer demokratischen Agrarreform.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">So formulierte sie in der Auseinandersetzung mit Eduard Bernstein: <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eDie Produktionsverh\u00e4ltnisse der kapitalistischen Gesellschaft n\u00e4hern sich der sozialistischen immer mehr, ihre politischen und rechtlichen Verh\u00e4ltnisse dagegen errichten zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen Gesellschaft eine immer h\u00f6here Wand. Diese Wand wird durch die Entwicklung der Sozialreformen wie der Demokratie nicht durchl\u00f6chert, sondern umgekehrt fester und h\u00f6her gemacht. Wodurch sie also niedergerissen werden kann, ist einzig der Hammerschlag der Revolution, d.h. die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> H. Karuscheit interpretiert diese Position in seiner Luxemburg-Kritik m.E. richtig, wenn er schreibt: \u201eDiese Aussage musste als Absage an den Sinn des demokratischen Kampfes \u00fcberhaupt verstanden werden\u201c,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> da f\u00fcr Luxemburg nur das direkte Ansteuern der sozialistischen Revolution eine legitime revolution\u00e4re Politik darstellte.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Diese Position Luxemburgs steht in einem deutlich erkennbaren Gegensatz zu den Auffassungen der Bolschewiki, allen voran Lenins. \u201eEs w\u00e4re ein gro\u00dfer Irrtum zu glauben, dass der Kampf um die Demokratie imstande w\u00e4re, das Proletariat von der sozialistischen Revolution abzulenken oder auch nur diese Revolution in den Hintergrund zu schieben, zu verh\u00fcllen und dergleichen. Im Gegenteil, wie der siegreiche Sozialismus, der nicht die vollst\u00e4ndige Demokratie verwirklicht, unm\u00f6glich ist, so kann das Proletariat, das den in jeder Hinsicht konsequenten, revolution\u00e4ren Kampf um die Demokratie nicht f\u00fchrt, sich nicht zum Siege \u00fcber die Bourgeoisie vorbereiten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Dies richtet sich direkt gegen die Positionen Luxemburgs zum demokratischen Kampf und zu ihrer Leugnung des Rechts auf nationale Selbstbestimmung f\u00fcr die unterdr\u00fcckten Nationen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Wehr l\u00e4sst seine Leser \u00fcber diese durchaus tiefgreifenden Differenzen und Debatten zwischen Luxemburg und den Bolschewiki im Unklaren. Und dass er Luxemburg als Kronzeugin f\u00fcr Putins gro\u00dfrussischen Nationalismus anzuf\u00fchren wei\u00df, spricht nicht f\u00fcr die Richtigkeit ihrer damaligen Auffassungen zur nationalen Frage.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>III. <\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Die Losung des Selbstbestimmungsrechts als Ergebnis der politischen und milit\u00e4rischen Schw\u00e4che der Bolschewiki?<\/b><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Das Triumvirat der Kritiker (Wehr, Luxemburg und Putin) erkl\u00e4rt die bolschewistische Politik in der nationalen Frage als Folge der politischen und milit\u00e4rischen Schw\u00e4che Russlands und der bolschewistischen Partei nach dem Oktoberumsturz. So schreibt Wehr:<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Sowohl Luxemburg als auch Putin sahen bzw. sehen also als entscheidenden Grund f\u00fcr die von beiden so heftig kritisierte Haltung der Bolschewiki zur Nationalit\u00e4tenfrage deren Schw\u00e4che, den Umsturz abzusichern. Deshalb glaubten Lenin, Trotzki und die anderen Revolution\u00e4re gezwungen zu sein, den verschiedenen V\u00f6lkerschaften am Rand Russlands ein Selbstbestimmungsrecht \u201abis einschlie\u00dflich der staatlichen Lostrennung von Russland\u2018 zuzugestehen. Aufgrund ihrer Schw\u00e4che akzeptierten sie auch den Diktatfrieden von Brest-Litowsk, den ihnen das Deutsche Reich und \u00d6sterreich-Ungarn im Fr\u00fchjahr 1918 auferlegte.\u201c (A.\u00a0Wehr)<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">W\u00e4hrend die Ausf\u00fchrungen zum Diktatfrieden von Brest-Litowsk als Ergebnis der milit\u00e4rischen Schw\u00e4che Russlands zutreffend sind,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> ist der Rest der Ausf\u00fchrungen eine unbelegte Unterstellung. Und hier wird auch deutlich, weshalb Wehr kein Wort zu den langj\u00e4hrigen politischen Differenzen in der nationalen Frage zwischen Luxemburg und den Bolschewiki verliert, die wir kurz umrissen haben. Dieses \u201eVerschweigen\u201c der Differenzen bildet eine notwendige Voraussetzung, um die Leninsche Position zum Selbstbestimmungsrecht als historisch bedingtes (opportunistisches) Taktieren einzuordnen, dem keinerlei prinzipielle Positionen zugrunde lagen. Wer diese Debatten kennt, ist sich dar\u00fcber im Klaren, dass die Bolschewiki 1917\/1918 in den Friedensverhandlungen keine anderen Positionen verfochten haben als jene, die sie seit 1903 durchg\u00e4ngig in ihrer Programmatik und Publizistik gefordert hatten. Hier gibt es kein opportunistisches Taktieren in der Frage des Selbstbestimmungsrechts zur Absicherung des \u201eUmsturzes\u201c.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk105846371\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt;\"> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Um diese Unterstellung weiter zu untermauern, zitiert Wehr noch einmal ausf\u00fchrlich R.\u00a0Luxemburg. <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">\u201eDass sich die milit\u00e4rische Niederlage in den Zusammenbruch und Zerfall Russlands verwandelte, daf\u00fcr haben die Bolschewiki einen Teil der Schuld. Diese objektiven Schwierigkeiten der Lage haben sich die Bolschewiki aber selbst in hohem Ma\u00dfe versch\u00e4rft durch eine Parole, die sie in den Vordergrund ihrer Politik geschoben haben: Das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Nationen oder was unter dieser Phrase in Wirklichkeit steckte: den staatlichen Zerfall Russlands. Die mit doktrin\u00e4rer Hartn\u00e4ckigkeit immer wieder proklamierte Formel von dem Recht der verschiedenen Nationalit\u00e4ten des Russischen Reichs, ihre Schicksale selbst\u00e4ndig zu bestimmen &#8218;bis einschlie\u00dflich der staatlichen Lostrennung von Russland&#8216;, war ein besonderer Schlachtruf Lenins und Genossen w\u00e4hrend ihrer Opposition gegen den Miljukowschen wie gegen den Kerenskischen Imperialismus, sie bildete die Achse ihrer inneren Politik nach dem Oktoberumschwung, und sie bildete die Plattform der Bolschewiki in Brest-Litowsk, ihre einzige Waffe, die sie der Machtstellung des deutschen Imperialismus entgegenzustellen hatten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Hier wird die politische Schw\u00e4che der Luxemburgischen Position der national-kulturellen Autonomie besonders deutlich. \u201eDass sich die milit\u00e4rische Niederlage in den Zusammenbruch und Zerfall Russlands verwandelte, daf\u00fcr haben die Bolschewiki einen Teil der Schuld\u201c, formuliert Luxemburg. Diese \u201eSchuld\u201c nehmen die Bolschewiki gerne auf sich, die dies keineswegs als Niederlage, sondern als Sieg begriffen haben. Die milit\u00e4rische Niederlage der zaristischen Armee f\u00fchrte zum \u201eZusammenbruch und Zerfall\u201c \u2013 und hier fehlt bei Luxemburg bezeichnenderweise das entscheidende Wort\u2013 des <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>zaristischen<\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Russlands. Und genau dies war das Ziel der Bolschewiki. Das V\u00f6lkergef\u00e4ngnis des Gro\u00dfrussischen Zarenreiches musste zerschlagen werden, um ein neues Russland m\u00f6glich zu machen sowie eine freiwillige Union von Sowjetrepubliken auf dem Boden des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker und Nationen. Hier wird der <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>revolution\u00e4r-demokratische Inhalt <\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">der Losung des Selbstbestimmungsrechts gegen\u00fcber der Forderung der national-kulturellen Autonomie deutlich. Nicht Erhalt des vom Zarismus geschaffenen russischen V\u00f6lkergef\u00e4ngnisses mit demokratischen Reformen (national-kulturelle Autonomie), sondern Zerschlagung dieses Staates, um eine F\u00f6deration selbstst\u00e4ndiger Nationen zu erm\u00f6glichen. Luxemburgs Kritik an den Bolschewiki in dieser Frage kann deshalb so trefflich von den Anh\u00e4ngern des gro\u00dfrussischen Chauvinismus zitiert werden.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Wehr zitiert Luxemburg so ausf\u00fchrlich, weil er mit ihren Aussagen die Putinsche Argumentation belegen will, dass die bolschewistische Nationalit\u00e4tenpolitik aus der politischen und milit\u00e4rischen Not gegen\u00fcber den Mittelm\u00e4chten entstanden sei. Dies ist nicht nur falsch, sondern aus der Feder Rosa Luxemburgs direkt peinlich. Der Konflikt in der Frage des Selbstbestimmungsrechts der Nationen zwischen den Bolschewiki und Luxemburg war 1918 bereits 15 Jahre alt und er begann bereits bei der Gr\u00fcndung der Bolschewiki als eigenst\u00e4ndige Fraktion 1903. Auf dem 2.\u00a0Parteitag, dem eigentlichen Gr\u00fcndungsparteitag der SDAPR 1903, unterband Luxemburg den Beitritt ihrer polnischen Fraktion SDKPiL \u2013 Sozialdemokratie des K\u00f6nigsreichs Polen und Litauen \u2013 zur SDAPR gerade wegen der Differenzen in der Frage des Selbstbestimmungsrechts der Nationen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> Dass sie sich 1918 an diese Differenzen nicht mehr erinnern kann, sondern so tut, als sei die bolschewistische Forderung eine aus dem Augenblick heraus aufgestellte (opportunistische) Notl\u00f6sung, um sie besser kritisieren zu k\u00f6nnen, stellt kein Ruhmesblatt in ihrer politischen Publizistik dar.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Brest Litowsk und das Selbstbestimmungsrecht<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Auch zu Brest-Litowsk wei\u00df Putin in seiner Rede \u201eNeues\u201c zu erz\u00e4hlen: \u201eNoch einmal die Frage: Wozu solche gro\u00dfz\u00fcgigen Geschenke, von denen nicht einmal die gl\u00fchendsten Nationalisten getr\u00e4umt hatten, und wozu wurde dann noch den Unionsrepubliken das Recht verliehen, ohne Voraussetzungen aus dem Staatsverband auszutreten? Auf den ersten Blick l\u00e4sst sich das \u00fcberhaupt nicht erkl\u00e4ren, es ist v\u00f6lliger Irrsinn. Aber das scheint nur auf den ersten Blick so. Es gibt eine Erkl\u00e4rung. Das Hauptziel der Bolschewiki nach der Revolution war, um jeden Preis an der Macht zu bleiben, wirklich um jeden Preis. Daf\u00fcr waren sie zu allem bereit: Sie lie\u00dfen sich auf die erniedrigenden Bedingungen des Friedens von Brest-Litowsk ein, in einer Zeit, als das Deutsche Kaiserreich und seine Verb\u00fcndeten sich milit\u00e4risch und \u00f6konomisch in schwierigster Lage befanden und der Ausgang des Ersten Weltkriegs faktisch entschieden war; und auf s\u00e4mtliche, auch die abwegigsten W\u00fcnsche und Forderungen der Nationalisten im eigenen Land.\u201c<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Putins Neuinterpretation der Geschichte macht auch vor dem Frieden von Brest-Litowsk nicht halt. So erkl\u00e4rt er uns, dass im Februar\/M\u00e4rz 1918 der Ausgang des Ersten Weltkriegs faktisch entschieden war. Und dies zu einem Zeitpunkt, als die Mittelm\u00e4chte im gesamten Osten der Front (auch auf dem Balkan) von Eroberung zu Eroberung schritten und im Mai 1918 einen weiteren Diktatfrieden mit Rum\u00e4nien schlie\u00dfen konnten. Im Westen standen die deutschen Truppen auf franz\u00f6sischem Boden und bereiteten eine Offensive vor, die die Entente von ihren Versorgungsh\u00e4fen abschneiden sollte und einem weiteren Vormarsch auf Paris den Weg bahnen sollte. Amerika hatte gerade erst begonnen, Truppen f\u00fcr eine Kriegsbeteiligung zu mobilisieren und erst wenige davon nach Frankreich schaffen k\u00f6nnen. Den damaligen politischen und milit\u00e4rischen Akteuren beider Seiten w\u00e4re Putins heutige Darstellung der Lage als gewagte Prognose erschienen, da der Ausgang des Weltkriegs nach dem Ausscheiden Russlands aus der Entente keineswegs \u201efaktisch entschieden\u201c war.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Putin gibt diese nachtr\u00e4gliche Lageeinsch\u00e4tzung der Situation im Fr\u00fchjahr 1918, um die bolschewistische Politik gerade in der Frage des Selbstbestimmungsrechts zu diskreditieren. Deshalb einige Worte zur Bedeutung dieser Losung bei den Verhandlungen in Brest-Litowsk. Es waren die Mittelm\u00e4chte selbst (konkret der \u00f6sterreichische Verhandlungsf\u00fchrer), die diese Losung in die Verhandlung einbrachten, was deutlich macht, wie popul\u00e4r diese Forderung nicht nur im Osten Europas war.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Recht bald allerdings f\u00fcllte die deutsche Generalit\u00e4t diese Forderung mit preu\u00dfischen Inhalten.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Generalmajor Max Hoffmann, der Chef des \u201aGeneralstabs Oberost\u2018, schreibt Winkler in seiner Geschichte des Westens \u201e(sorgte) f\u00fcr Klarheit. Die russische Seite verstehe offenbar den Verzicht auf gewaltsame Annexionen anders als die Mittelm\u00e4chte, sagte er. Diese best\u00fcnden auf der freiwilligen Losl\u00f6sung bestimmter Gebiete von Russland, das hei\u00dft Polens, Litauens und Kurlands. Die russische Delegation war emp\u00f6rt, drohte mit dem Abbruch der Verhandlungen und erreichte dann am 28. Dezember eine zehnt\u00e4gige Konferenzpause, in der sie neue Instruktionen einholen wollte. \u2026<br \/>Am 8. Januar 1918 kehrte die russische Delegation, diesmal unter der F\u00fchrung von Leo Trotzki, seit der Oktoberrevolution Volkskommissar f\u00fcr ausw\u00e4rtige Beziehungen, nach Brest-Litowsk zur\u00fcck. Trotzki nutzte die Chance, die Annexionspl\u00e4ne der Mittelm\u00e4chte \u00f6ffentlich anzuprangern, auf wirkliche und nicht blo\u00df scheinbare, manipulierte Selbstbestimmung der Litauer, Letten und Polen zu pochen und an die Friedenssehnsucht der V\u00f6lker, vor allem des deutschen Volkes, zu appellieren. Zusammen mit den inzwischen bekannt gewordenen Forderungen des Generals Hoffmann bewirkte das weltrevolution\u00e4re Pathos Trotzkis Massenaktionen in Deutschland und \u00d6sterreich, die die Bolschewiki mit h\u00f6chsten Erwartungen erf\u00fcllten. In Wien rief die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie f\u00fcr den 14.\u00a0Januar zu Gro\u00dfkundgebungen auf; am gleichen Tag begann eine Welle von Streiks, die gro\u00dfe Teile des Landes erfassten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\">Hier wird die revolution\u00e4re Sprengkraft der Losung vom Selbstbestimmungsrecht der Nationen deutlich. Eine Forderung nach national-kultureller Autonomie, wie Luxemburg und der Austro-Marxismus sie aufstellten, konnte keineswegs eine solche Wirkung auf die werkt\u00e4tigen Massen hervorrufen, die Theorie selbst fand mit dem Habsburgerreich ihr verdientes politisches Ende.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"><b>Die ukrainische \u201eSchrulle\u201c und kleinb\u00fcrgerliche \u201eFatzkerei\u201c<\/b><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk105850511\"><\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 14pt;\"> Wehr stellt Luxemburgs Kritik am ukrainischen Nationalismus (\u201eam Nationalismus der Ukraine lie\u00df Rosa Luxemburg kein gutes Haar\u201c) ausf\u00fchrlich dar. Er zitiert sie mit den Worten: \u201eDer ukrainische Nationalismus war in Russland ganz anders als etwa der tschechische, polnische oder finnische, nichts als eine einfache Schrulle, eine Fatzkerei von ein paar Dutzend kleinb\u00fcrgerlichen Intelligenzlern, ohne die geringsten Wurzeln in den wirtschaftlichen, politischen oder geistigen Verh\u00e4ltnissen des Landes, ohne jegliche historische Tradition, da die Ukraine niemals eine Nation oder einen Staat gebildet hatte, ohne irgendeine nationale Kultur, au\u00dfer den reaktion\u00e4r romantischen Gedichten Schewtschenkos. Es ist f\u00f6rmlich, als wenn eines sch\u00f6nen Morgens die von der Wasserkante auf den Fritz Reuter hin eine neue, plattdeutsche Nation und Staat gr\u00fcnden wollten. Und diese l\u00e4cherliche Posse von ein paar Universit\u00e4tsprofessoren und Studenten bauschten Lenin und Genossen durch ihre doktrin\u00e4re Agitation mit dem &#8218;Selbstbestimmungsrecht usw.&#8216; k\u00fcnstlich zu einem politischen Faktor auf. Sie verliehen der anf\u00e4nglichen Posse eine Wichtigkeit, bis die Posse zum blutigsten Ernst wurde: n\u00e4mlich nicht zu einer ernsten nationalen Bewegung, f\u00fcr die es nach wie vor gar keine Wurzeln gibt, sondern zum Aush\u00e4ngeschild und zur Sammelfahne der Konterrevolution! Aus diesem Windei krochen in Brest die deutschen Bajonette.\u201c Gemeint sind die russischen Friedensverhandlungen mit den Mittelm\u00e4chten in Brest-Litowsk und die vermeintlich schwierige Situation, in die Trotzki durch die verfehlte Nationalit\u00e4tenpolitik der Bolschewiki geraten sei. Wie er mit diesen Schwierigkeiten in Brest-Litowsk umging, kann man bei Trotzki in seiner Biographie \u201eMein Leben\u201c selbst nachlesen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Zur\u00fcck zu V. Putin, seinem Interpreten Andreas\u00a0Wehr und der von letzterem so ausgiebig zitierten Rosa Luxemburg, die gemeinsam mit ihren Ausf\u00fchrungen die Legitimit\u00e4t eines eigenst\u00e4ndigen ukrainischen Staates in Frage stellen. Da ich nicht die Absicht habe, N\u00e4heres zur tats\u00e4chlichen, nicht besonders ruhmreichen oder gar fortschrittlichen Geschichte der Ukraine zu schreiben, schlie\u00dfe ich meine Kritik mit einem weiteren Zitat von<\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"> Trotzki, diesmal aus seiner \u201eGeschichte der russischen Revolution\u201c. Hier setzt er sich mit den oben zitierten Positionen Rosa Luxemburgs auseinander und verteidigt die Notwendigkeit des Selbstbestimmungsrechts gerade am Beispiel der Ukraine.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_Hlk105596084\"><\/a><span style=\"font-size: 14pt;\"> \u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Wenn Rosa Luxemburg, in ihrer posthumen Polemik gegen das Programm der Oktoberumw\u00e4lzung behauptet, der ukrainische Nationalismus, fr\u00fcher nur \u201eSchrulle\u201c eines Dutzend kleinb\u00fcrgerlicher Intellektueller, sei k\u00fcnstlich aufgegangen auf der Hefe der bolschewistischen Formel vom Selbstbestimmungsrecht, so war sie trotz ihrem hellen Kopfe schwerstem historischem Irrtum verfallen: die ukrainische Bauernschaft hatte in der Vergangenheit aus dem Grunde nationale Forderungen nicht erhoben, aus dem sie sich \u00fcberhaupt nicht bis zur Politik erhoben hatte. Das Hauptverdienst der Februarumw\u00e4lzung, vielleicht das einzige, aber v\u00f6llig hinreichende, bestand gerade darin, dass es den unterdr\u00fccktesten Klassen und Nationalit\u00e4ten Russlands endlich die M\u00f6glichkeit gegeben hatte, laut ihre Stimme zu erheben. Das politische Erwachen der Bauernschaft konnte aber nicht anders vor sich gehen als vermittels der eigenen Sprache mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen in Bezug auf Schule, Gericht, Selbstverwaltung. Sich dem zu widersetzen, h\u00e4tte den Versuch bedeutet, die Bauernschaft in das Nichtsein zur\u00fcckzusto\u00dfen &#8230;<br \/>Wie sich auch die weiteren Schicksale der Sowjetunion gestalten m\u00f6gen \u2026 <\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><i>Lenins Politik in der nationalen Frage wird f\u00fcr immer in das eherne Inventar der Menschheit eingehen<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">.\u201c (Hervorhebungen von mir; A.S.) <\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><u><a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/b2-kap16.htm\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1930\/grr\/b2-kap16.htm<\/span><\/a><\/u><\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><u>) <\/u><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/span><\/span><\/p>\r\n<div id=\"sdfootnote1\" style=\"text-align: justify;\">\r\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: times new roman, times;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">1<\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: times new roman, times; font-size: 10pt;\"> Siehe dazu: https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=469<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> \u201e<span style=\"color: #000000;\">Dieser Krieg ist ein imperialistischer Krieg durch eine kapitalistische Regionalmacht gegen einen kleineren Staat. \u2026<\/span><i> <\/i><span style=\"color: #000000;\">Es handelt sich gleichzeitig um einen Stellvertreterkrieg, in dem die kapitalistische ukrainische Regierung die geostrategischen Interessen des westlichen Imperialismus repr\u00e4sentiert.\u201c (AKL) Als zweitgr\u00f6\u00dfte Atommacht mit Sitz und Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat kann man Russland nicht einfach auf eine \u201eRegionalmacht\u201c reduzieren. Und erst recht fragw\u00fcrdig ist es, die Ukraine als \u201ekleineren Staat\u201c zu definieren, obwohl sie fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig deutlich gr\u00f6\u00dfer als die BRD oder Frankreich ist. <\/span><span style=\"color: #202122;\">Mit einer Fl\u00e4che von 603.700 Quadratkilometern ist sie nach <\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russland\" target=\"Russland\" rel=\"noopener\"><span style=\"color: #000000;\">Russland<\/span><\/a><\/span>\u00a0<span style=\"color: #202122;\">der zweitgr\u00f6\u00dfte Staat Europas und der gr\u00f6\u00dfte, dessen Gebiet zur G\u00e4nze innerhalb des Kontinents liegt.<\/span><span style=\"color: #202122;\"> Da sie <\/span><span style=\"color: #000000;\">in den letzten Jahren reichlich aufger\u00fcstet wurde, kann man davon ausgehen, dass ihre Truppenst\u00e4rke inzwischen der Gr\u00f6\u00dfe der Bundeswehr entspricht, wenn nicht sogar \u00fcbertrifft. Da in der Ukraine momentan die allgemeine Wehrpflicht Gesetz ist, kann sie jederzeit weiter gesteigert werden, wenn die NATO daf\u00fcr die Waffen und ausreichend Munition liefert. Die zitierte Textstelle dokumentiert, dass man sprachlich die Einordnungen der herrschenden Kriegspropaganda unhinterfragt \u00fcbernimmt.<\/span><\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Dieser Position (national-kulturelle Autonomie) h\u00e4ngen die Verfasser des Bremer Papiers an, vermutlich ebenso unbewusst, wie sie eingangs die Nato-Forderung aufgestellt haben. Am Ende ihres Textes schreiben sie: &#8222;F\u00fcr das Recht auf Selbstbestimmung der Bev\u00f6lkerung der Ukraine sowie der Menschen in der Ostukraine und auf der Krim. Garantierte Rechte f\u00fcr alle Minderheiten, gegen jede Diskriminierung!&#8220;<br \/>Das Selbstbestimmungsrecht schlie\u00dft das <b>Recht auf Lostrennung <\/b>vom gegebenen Staat ein, wie Lenin in der Auseinandersetzung mit R. Luxemburg immer wieder hervorgehoben hat. Die &#8222;national-kulturelle Autonomie&#8220; beinhaltet stattdessen nur &#8222;Rechte f\u00fcr Minderheiten&#8220; innerhalb des gegebenen Gesamtstaates und spricht sich gegen Diskriminierungen nationaler Minderheiten aus. Der Verdacht liegt nahe, dass den Autoren dieser Unterschied gar nicht bewusst ist.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Lenin Werke, Bd. 21, <span style=\"color: #000000;\">S. 133 und S. 316<\/span><\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Nach neuesten Pressemeldungen (BILD vom 11.06.22) war auch das Baltikum lt. Putin im Nordischen Krieg durch Peter nur \u201ezur\u00fcckerobert\u201c worden, und geh\u00f6rte schon immer zu Russland. Auf Russia Today wird Putin mit den Worten zitiert: <span style=\"color: #000000;\">\u201eDer Zar gr\u00fcndete die Stadt St. Petersburg im Jahre 1703, nach der Eroberung des Gebietes w\u00e4hrend des Gro\u00dfen Nordischen Krieges. \u201aEr nahm nichts weg, er nahm etwas zur\u00fcck\u2018, sagte Putin und spielte damit auf einen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr die aktuelle Krise in der Ukraine an. Alle erkannten es als zu Schweden geh\u00f6rig an. Allerdings lebten dort seit jeher die Slawen zusammen mit den finno-ugrischen V\u00f6lkern, und dieses Gebiet stand unter der Kontrolle Russlands.\u201c (<\/span><span style=\"color: #0000ff;\"><u><a href=\"https:\/\/deref-web.de\/mail\/client\/9phYl9qRNjU\/dereferrer\/?redirectUrl=https%3A%2F%2Ftest.rtde.tech%2Fkurzclips%2Fvideo%2F140783-putin-inspiriert-von-erfolgen-peters%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/test.rtde.tech\/kurzclips\/video\/140783-putin-inspiriert-von-erfolgen-peters\/<\/a>)<\/u><\/span><\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> LW Bd. 21, S. 317-318.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> F\u00fchrender politischer Kopf der russischen \u201eKadettenpartei\u201c, einer b\u00fcrgerlich-nationalistischen Oppositionspartei unter dem Zarismus und Regierungspartei nach der Februarrevolution. Miljukow besetzte in der 1. Provisorischen Regierung das Au\u00dfenministerium und forderte die Eroberung der Dardanellen als Kriegsziel f\u00fcr Russland. <\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> In der \u00d6sterreichischen Sozialdemokratie war die Theorie der \u201enational-kulturellen Autonomie\u201c f\u00fcr den Habsburger Vielv\u00f6lkerstaat entwickelt worden.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Sozialdemokratie des K\u00f6nigsreichs Polen und Litauen<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> \u201eDer Nationalismus ist augenblicklich Trumpf. Von allen Seiten melden sich Nationen und Nati\u00f6nchen mit ihren Rechten auf Staatenbildung an. Vermoderte Leichen steigen aus hundertj\u00e4hrigen Gr\u00e4bern, von neuem Lenztrieb erf\u00fcllt, und \u201ageschichtslose\u2018 V\u00f6lker, die noch nie selbstst\u00e4ndige Staatswesen bildeten, versp\u00fcren einen heftigen Drang zur Staatenbildung. Polen, Ukrainer, Wei\u00dfrussen, Litauer, Tschechen, Jugoslawen, zehn neue Nationen des Kaukasus. Zionisten errichten schon ihr Pal\u00e4stina-Ghetto, vorl\u00e4ufig in Philadelphia \u2013 auf dem nationalistischen Blocksberg ist heute Walpurgisnacht. \u2026 Aber der Nationalismus ist nur die Formel. Der Kern, der historische Inhalt, der dahintersteckt, ist so mannigfaltig und beziehungsreich, wie die Formel der \u201anationalen Selbstbestimmung\u2018, unter der er sich verbirgt, hohl und d\u00fcrftig ist.\u201c (Rosa Luxemburg Gesammelte Werke Bd. 4, S. 368.)<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> Siehe dazu, <i>Z<\/i> Nr.109, S. 71, Anmerkung am Seitenende.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><a name=\"_Hlk106110216\"><\/a><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"> <a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Prof. Dr. Ulla Plener, Rosa Luxemburg und Lenin \u00fcber die nationale Frage \u2026 in <i>Z<\/i> Nr.109, S. 74. Frau Plener ist in diesem Artikel sehr bem\u00fcht, die Differenzen zwischen Lenin und Luxemburg in der Frage des Selbstbestimmungsrechts der Nationen weitgehend zu verwischen (sie sozusagen auf Polen zu begrenzen) und stattdessen die \u00dcbereinstimmung der beiden Kontrahenten in dieser Frage zu betonen. Dies trifft allerdings nicht die Realit\u00e4t. Die Differenz war grundlegend und beiden Kontrahenten bewusst.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Lenin Bd. 19, S. 99-101<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Rosa Luxemburg, GW 1\/1, Berlin 1972, S. 400<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Heiner Karuscheit, AzD Nr. 91, S. 10<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> LW, Bd. 22, S. 145<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> An anderer Stelle ebenso deutlich: \u201eDie Herrschaft des Finanzkapitals, wie des Kapitals \u00fcberhaupt, ist durch keinerlei Umgestaltungen auf dem Gebiet der politischen Demokratie zu beseitigen. Und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen liegt ganz und ausschlie\u00dflich auf diesem Gebiete. Aber diese Herrschaft des Finanzkapitals hebt nicht im mindesten die Bedeutung der politischen Demokratie als einer freieren, weiteren und klareren Form der der Klassenunterdr\u00fcckung und der Klassenk\u00e4mpfe auf.\u201c (LW, Bd. 22, S. 146)<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> Das, was von der zaristischen Armee nach den Massendesertionen \u00fcbriggeblieben war, wurde im Januar 1918 aufgel\u00f6st. Die neue \u201eRote Armee\u201c wurde erst im Februar 1918 gegr\u00fcndet. Das revolution\u00e4re Russland besa\u00df zum Zeitpunkt der Brest-Litowsker Verhandlungen keine Armee zur Verteidigung der Revolution<\/span><\/p>\r\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times; font-size: 10pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> Rosa Luxemburg: Die russische Revolution; in: Politische Schriften III, Frankfurt 1971, 3. unver\u00e4nderte Auflage, S. 120<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a> Eine ausf\u00fchrliche Schilderung dazu in LW Bd. 20, S. 448 ff; oder in Ernst Piper, Rosa Luxemburg, Ein Leben, M\u00fcnchen 2018, ab S. 120 ff.<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a> \u201eIn England waren zu Ostern 1916 die Iren f\u00fcr ihre Unabh\u00e4ngigkeit aufgestanden, die Araber liefen den T\u00fcrken davon, Slowenen und Kroaten konspirierten mit Serbien \u00fcber die Errichtung einer s\u00fcdslawischen &lt;jugoslawischen&gt; F\u00f6deration, Tschechen und Slowaken planten eine Tschechoslowakei. Kein Wunder, dass der Graf Czernin, \u201aein kluger, vornehmer Mann\u2018, Max Hoffmann, seinem Partner in Brest-Litowsk, \u201amit g\u00e4nzlich verbrauchten Nerven\u2018 begegnete. Der Krieg, 1914 begonnen, die V\u00f6lker der Monarchie beieinanderzuhalten, hatte 1917 kaum noch Halt \u00fcbriggelassen. \u201aIch darf das Wort Selbstbestimmung gar nicht in die Debatte werfen\u2018, fl\u00fcsterte Czernin dem nervenlosen Generalmajor zu. \u201aSonst kommen mir die Tschechen, die Ruthenen, die Jugoslawen und wollen Selbstbestimmung.\u2018\u201c (J\u00f6rg Friedrich, 14\/18, Der Weg nach Versailles, Berlin 2014, S. 828)<\/span><\/p>\r\n<p class=\"sdfootnote\"><span style=\"font-size: 11pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens, M\u00fcnchen 2011, S. 72-73.<\/span><\/p>\r\n<div id=\"sdfootnote23\">\r\n<p class=\"sdfootnote\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 11pt; font-family: times new roman, times;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1929\/leben\/31-brest.htm\">https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1929\/leben\/31-brest.htm<\/a><\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ob es zum Beispiel der Ukraine beschieden sein wird, einen selbstst\u00e4ndigen Staat zu bilden, das h\u00e4ngt von 1000 Faktoren ab, die im Voraus nicht bekannt sind. 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