{"id":234,"date":"2016-09-12T08:38:32","date_gmt":"2016-09-12T06:38:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=234"},"modified":"2016-09-12T09:11:35","modified_gmt":"2016-09-12T07:11:35","slug":"2-die-volksgemeinschaft-als-massenstaat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=234","title":{"rendered":"2. Die Volksgemeinschaft als Massenstaat"},"content":{"rendered":"<div>\n<h3>Rasse und Staat<\/h3>\n<p>Aus dem rassischen Ausgangspunkt resultierte ein eigenes Staatsverst\u00e4ndnis. Der Nationalsozialismus wandte sich strikt gegen die Anschauung, dass der Staat &#8222;ein Produkt wirtschaftlicher Notwendigkeiten, bestenfalls aber das nat\u00fcrliche Ergebnis politischen Machtdranges sei.&#8220; Im Gegenteil war der &#8222;Trieb der Arterhaltung (&#8230;) die erste Ursache zur Bildung menschlicher Gemeinschaften. Damit aber ist der Staat ein v\u00f6lkischer Organismus und nicht eine wirtschaftliche Organisation.&#8220; Gegen jede preu\u00dfisch begr\u00fcndete Staats\u00fcberh\u00f6hung war der Staat f\u00fcr Hitler nicht mehr als &#8222;ein Mittel zum Zweck. Sein Zweck liegt in der Erhaltung und F\u00f6rderung einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleichartiger Lebewesen. Diese Erhaltung selber umfasst erstlich den rassem\u00e4\u00dfigen Bestand und gestattet dadurch die freie Entwicklung aller in dieser Rasse schlummernden Kr\u00e4fte.&#8220; [40]<\/p>\n<p>War auch die Staatsbildung als solche ein gro\u00dfer, den Ariern geschuldeter Fortschritt, so galten die gegebenen Staaten dem Nationalsozialismus doch als k\u00fcnstliche politische Gebilde, weil eine v\u00f6lkisch-reinrassige Gemeinschaft, die &#8222;nat\u00fcrliche&#8220; Daseinsform des Menschen, nirgendwo (mehr) vorhanden war. \u00dcberall umschlossen die Staatsgrenzen unterschiedliche V\u00f6lkerschaften und war der arisch-germanische Rassekern nicht l\u00e4nger blutrein. Obwohl die Deutschen rassisch h\u00f6her als andere standen, war auch ihr Stamm vermischt mit anderem Blut. &#8222;Unser deutsches Volkstum beruht leider nicht mehr auf einem einheitlichen rassischen Kern.&#8220; Deshalb zielte der Auftrag der Vorsehung \u00fcber Deutschland und die Deutschen hinaus. &#8222;Wer von einer Mission des deutschen Volkes auf der Erde redet, muss wissen, dass sie nur in der Bildung eines Staates bestehen kann, der seine h\u00f6chste Aufgabe in der Erhaltung und F\u00f6rderung der unverletzt gebliebenen edelsten Bestandteile unseres Volkstums, ja der ganzen Menschheit sieht.&#8220; [41] Dieser Umwandlung die Bahn zu bereiten, oblag der nationalsozialistischen Bewegung. Ihre Aufgabe war es, &#8222;das granitene Fundament zu schaffen, auf dem dereinst der Staat bestehen kann, der nicht einen volksfremden Mechanismus wirtschaftlicher Belange und Interessen, sondern einen v\u00f6lkischen Organismus darstellt: <i>Einen germanischen Staat deutscher Nation.<\/i>&#8220; [42]<\/p>\n<p>Das neue Reich w\u00fcrde nicht nur andere Grenzen als das Bismarckreich haben, sondern vor allem ein Staat anderer Art sein, mit keinem der bisherigen Nationalstaaten vergleichbar. Der neue Staat war ein &#8222;v\u00f6lkischer&#8220; Staat, der neben den reinrassigen Deutschen auch die anderen Germanen umfasste und dem rassischen Lebensgesetz der Geschichte bewusst Rechnung trug. Die erste Aufgabe dieses v\u00f6lkischen Staates war der Kampf gegen die Juden. Schon im September 1919 schrieb Hitler in seiner ersten \u00fcberlieferten \u00c4u\u00dferung zu dieser Frage: &#8222;Der Antisemitismus aus rein gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfigen Gr\u00fcnden wird seinen letzten Ausdruck finden in der Form von Progromen. Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muss f\u00fchren zur planm\u00e4\u00dfigen gesetzlichen Bek\u00e4mpfung und Beseitigung der Vorrechte des Juden, die er zum Unterschied der anderen zwischen uns lebenden Fremden besitzt. (&#8230;) Sein letztes Ziel aber muss unverr\u00fcckbar die Entfernung der Juden \u00fcberhaupt sein.&#8220; Das war &#8211; zun\u00e4chst als Forderung &#8211; der Schritt von der spontanen Judenfeindschaft des Mittelalters zum staatlich organisierten, auf der Rassentheorie beruhenden Antisemitismus der Neuzeit.<\/p>\n<p>Als bewusste Rassengemeinschaft w\u00fcrde der kommende germanische Staat ungeahnte Kr\u00e4fte entfalten und in nicht allzu ferner Zukunft, so prophezeite das Schlusswort von <i>Mein Kampf<\/i>, unvermeidlich auch die Weltherrschaft \u00fcbernehmen. &#8222;Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden.&#8220; [43] Dieser Kampf musste gegen die Zeit gef\u00fchrt werden, denn mit jedem Tag schritt die Rassenvergiftung voran und unterminierte die Blutskraft des Volkes. Darum musste schnell gehandelt werden, um zuerst das eigene Volk auf neue rassische und territoriale Grundlagen zu stellen und sodann in den endg\u00fcltigen Kampf um die Weltherrschaft einzutreten.<\/p>\n<h3>Der Bauer als Fundament der Gesellschaft<\/h3>\n<p>Die v\u00f6lkische Gesellschaftsordnung, die den neuen Staat tragen sollte, basierte auf dem Bauern. Im Lebenskampf eines Volkes stand der Kampf um das t\u00e4gliche Brot &#8222;an der Spitze aller Lebensnotwendigkeiten&#8220;. [44] Der Bauer gab dem Volk mit der Nahrung das Leben. Er zeichnete sich durch nat\u00fcrliche Kraft, Gesundheit und Z\u00e4higkeit aus. Das Ringen mit der unberechenbaren Natur forderte Tag f\u00fcr Tag neue Entscheidungen von ihm, die er pers\u00f6nlich zu verantworten hatten. Darum war sein &#8222;Pers\u00f6nlichkeitswert&#8220; sehr hoch. Gleichzeitig repr\u00e4sentierte er den rassisch artreinsten Teil des Volkes und war der Garant f\u00fcr soziale Stabilit\u00e4t. F\u00fcr Hitler stand au\u00dfer Frage, dass die &#8222;Erhaltung eines gesunden Bauernstandes als Fundament der gesamten Nation (&#8230;) niemals hoch genug eingesch\u00e4tzt werden (kann). Viele unserer heutigen Leiden sind nur die Folge des ungesunden Verh\u00e4ltnisses zwischen Stadt- und Landvolk. Ein fester Stock kleiner und mittlerer Bauern war noch zu allen Zeiten der beste Schutz gegen soziale Erkrankungen, wie wir sie heute besitzen.&#8220; [45]<\/p>\n<p>In ihrem elementaren Lebenskampf um das Brot stand die Nation am Abgrund, denn in Deutschland lebte ein Volk ohne Raum. Jedes Jahr, so f\u00fchrte Hitler aus, betrug die Bev\u00f6lkerungszunahme 900.000 Menschen. Das hatte schon vor dem ersten Weltkrieg die Politik beeinflusst. &#8222;Durch die rasende Vermehrung der deutschen Volkszahl vor dem Kriege trat die Schaffung des n\u00f6tigen t\u00e4glichen Brotes in immer sch\u00e4rfer werdender Art und Weise in den Vordergrund alles politischen und wirtschaftlichen Denkens und Handelns.&#8220; (MK 255) Nach den Gebietsverlusten aufgrund des Versailler Vertrags stellte sich die Ern\u00e4hrungsfrage noch dringender.<\/p>\n<p>Zwar w\u00e4re es vor\u00fcbergehend m\u00f6glich, die Lebensmittelerzeugung zu steigern. Die Mehrproduktion w\u00fcrde aber zum Teil durch gestiegene Bed\u00fcrfnisse aufgefangen werden und vor allem rasch an eine absolute Grenze sto\u00dfen, weil die Fruchtbarkeit des Bodens nicht uferlos gesteigert werden konnte. &#8222;Es wird bei allem Flei\u00dfe nicht mehr gelingen, mehr aus ihm herauszuwirtschaften, und dann tritt (&#8230;) das Verh\u00e4ngnis abermals in Erscheinung. Der Hunger wird zun\u00e4chst von Zeit zu Zeit, wenn Missernten usw. kommen, sich wieder einstellen. Er wird dies mit steigender Volkszahl immer \u00f6fter tun&#8220;. [46]<\/p>\n<p>Diese Worte spiegeln eine ernst zu nehmende \u00dcberzeugung wider. Der Hunger war im Krieg und in der Nachkriegszeit eine t\u00e4gliche Erfahrung f\u00fcr breite Massen des Volkes. Das Problem der westeurop\u00e4ischen Moderne der zweiten Jahrhunderth\u00e4lfte, auf dem Boden einer Bauernschutzpolitik mit den Folgen einer rapide steigenden Agrarproduktivit\u00e4t fertig zu werden, existierte in der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte nicht. Gleichzeitig priesen unz\u00e4hlige Familienmagazine und Heimatromane, von Hermann L\u00f6ns bis Peter Rosegger, die Idylle des reinen Landlebens gegen die Sittenverderbnis der Gro\u00dfst\u00e4dte und spiegelten wider, in welchem Ausma\u00df die Entscheidung zwischen &#8222;Agrar-&#8220; und &#8222;Industriestaat&#8220; im Bewusstsein breiter Massen noch offen war. Andere, hunderttausendfach verbreitete B\u00fccher wie &#8222;Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse&#8220; (1929) oder &#8222;Neuadel aus Blut und Boden&#8220; (1930) von Darr\u00e9, dem nationalsozialistischen Bauernf\u00fchrer, spitzten dieses Denken auf die Rassenfrage zu.<\/p>\n<p>So konnte Hitler in <i>Mein Kampf<\/i> einen von ihm &#8222;politisches Testament der deutschen Nation&#8220; genannten Aufruf von sich geben, der am Ausgang des 20. Jahrhunderts l\u00e4cherlich wirkt, aber in den ersten Jahrzehnten das Denken von Millionen traf: &#8222;<i>Haltet das Reich nie f\u00fcr gesichert, wenn es nicht auf Jahrhunderte jedem Sprossen unseres Volkes sein eigenes St\u00fcck Grund und Boden zu geben vermag. Vergesst nie, dass das heiligste Recht auf dieser Welt das Recht auf Erde ist, die man selbst bebauen will, und das heiligste Opfer das Blut, das man f\u00fcr diese Erde vergie\u00dft<\/i>.&#8220; [47] Alle &#8222;blutreinen&#8220; Volkszugeh\u00f6rigen wurden hiermit als potenzielle Bauern angesprochen &#8211; was nicht hei\u00dft, dass sie dies auch in Wirklichkeit werden sollten.<\/p>\n<p>Das Parteiprogramm enthielt als b\u00e4uerliche Forderungen die &#8222;Brechung der Zinsknechtschaft&#8220;, die Verhinderung von Bodenspekulation und eine Bodenreform.<\/p>\n<p>Das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum mit Handwerk und Handel als Kern wurde in <i>Mein Kampf<\/i> nur gestreift. Zum kleinen Handel schwieg sich das Buch ganz aus, und \u00fcber das Handwerk hie\u00df es in Hitlers Buch: &#8222;Erst die Verwelschung unseres Lebens, die aber in Wahrheit eine Verjudung war, wandelte die einstige Achtung vor dem Handwerk in eine gewisse Verachtung jeder k\u00f6rperlichen Arbeit \u00fcberhaupt.&#8220; Au\u00dferdem beklagte er die zur\u00fcckgehenden Aufstiegsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Arbeiter, weil &#8222;das kleine Handwerk langsam abstirbt und damit die M\u00f6glichkeit der Gewinnung einer selbst\u00e4ndigen Existenz f\u00fcr den Arbeiter immer seltener wird&#8220;. [48] Das Parteiprogramm verlangte in den Punkten 16 und 25 die Schaffung eines gesunden Mittelstands und die Kommunalisierung der gro\u00dfen Warenh\u00e4user, die als zumeist &#8222;j\u00fcdische&#8220; Kaufh\u00e4user in der Kritik standen. Dar\u00fcber hinaus wurde ein Monopol des Kleingewerbes auf Staatsauftr\u00e4ge gefordert.<\/p>\n<h3>Die &#8222;soziale Frage&#8220;<\/h3>\n<p>Die Stellung zur Arbeiterklasse nahm in <i>Mein Kampf<\/i> breiten Raum ein. Der neue Staat war nicht ohne die deutsche Arbeiterklasse aufzubauen, geschweige denn ein neuer Krieg zu f\u00fchren. Schon der Parteiname zielte auf die Arbeiter, die allerdings in mehrfachem Sinn angesprochen waren: als &#8222;Arbeiter der Faust&#8220; galt sowohl der Handwerker als auch der Proletarier, und als &#8222;Arbeiter der Stirn&#8220; der Angestellte. Man m\u00fcsse &#8222;verlangen, dass jeder Volksgenosse sich dieses Namens nicht sch\u00e4mt, sondern stolz darauf ist, sich Arbeiter nennen zu d\u00fcrfen&#8220;, forderte Hitler. &#8222;Und unser Ziel ist es, gerade die Arbeiter, die man bisher als Arbeiter bezeichnete, f\u00fcr unsere Gedanken zu gewinnen. Jede Volksbewegung, die nicht Millionen hinter sich hat, ist wertlos, ist zwecklos.&#8220; [49] Das hie\u00df, die soziale Frage anzugehen, in Hitlers Worten: &#8222;die Bedeutung des sozialen Problems gerade f\u00fcr eine neue, ihrem Wesen nach revolution\u00e4re Partei&#8220; zu begreifen. [50] Nur wenn die Bewegung eine Politik f\u00fcr die Massen betrieb, waren die Massen f\u00fcr die Bewegung und den neuen Staat zu gewinnen.<\/p>\n<p>Mit der &#8222;Schaffung gesunder sozialer Verh\u00e4ltnisse&#8220; war es dem Nationalsozialismus genau so ernst wie mit der Eroberung von Lebensraum. Hitler gei\u00dfelte die Profitgier des B\u00fcrgertums, die zu unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen gef\u00fchrt hatte. Er trat f\u00fcr die &#8222;K\u00fcrzung der unmenschlich langen Arbeitszeit&#8220;, &#8222;Hebung der gesundheitlichen Verh\u00e4ltnisse in Werkst\u00e4tten und Wohnungen&#8220;, die &#8222;Beendigung von Kinderarbeit&#8220;, f\u00fcr &#8222;Sicherung und Schutz der Frau&#8220; ein, [51] um nur einige der in &#8222;Mein Kampf&#8220; erhobenen Arbeiterschutzforderungen zu nennen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verlangte er die kontinuierliche Steigerung des Konsums der Massen. Mit Blick auf die USA schrieb er in seinem <i>Zweiten Buch<\/i>: &#8222;So wie die Lebensbed\u00fcrfnisse des flachen Landes sich steigern durch langsame Kenntnisnahme und den Einfluss der Gro\u00dfst\u00e4dte, so steigert sich aber auch das Lebensbed\u00fcrfnis ganzer V\u00f6lker unter der Einwirkung des Lebens bessergestellter reicherer Nationen. (&#8230;) Die Meinung, man k\u00f6nne einem Volke von einer bestimmten Kulturf\u00e4higkeit und auch tats\u00e4chlicher kultureller Bedeutung auf die Dauer durch einen Appell an Erkenntnisse oder auch Ideale unter einem sonst allgemein g\u00fcltigen Lebensstandard halten, ist falsch. Insbesondere die breite Masse wird daf\u00fcr selten ein Verst\u00e4ndnis aufbringen.&#8220; [52] In einigen Jahren sollte zumindest jeder Facharbeiter sein eigenes Auto fahren. Auch die Haushaltsf\u00fchrung m\u00fcsse gr\u00fcndlich umgest\u00fclpt werden. In einem seiner Monologe im F\u00fchrerhauptquartier malte er das Bild eines modernen Haushalts: &#8222;Nicht nur, dass die Wohnbl\u00f6cke den Kindergarten in unmittelbarer N\u00e4he haben, die Hausfrau soll auch nicht mehr n\u00f6tig haben, das junge Volk selbst dahin zu bringen (&#8230;) Die Hausfrau soll weiter nicht mehr n\u00f6tig haben, Kehricht und K\u00fcchenabfall die Treppen herunterzuschleppen oder das Heizmaterial herauszubringen, das alles muss durch Ger\u00e4tschaften sich in der Wohnung selbst erledigen lassen.&#8220; [53]<\/p>\n<p>Um die sozialen Interessen der Arbeiterklasse durchzusetzen, hielt er es f\u00fcr &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220;, dass der &#8222;konzentrierten Kraft des Unternehmers allein die zur Einzelperson zusammengefasste Zahl der Arbeitnehmer gegen\u00fcbertreten kann, um nicht von Anbeginn schon auf die M\u00f6glichkeit des Sieges verzichten zu m\u00fcssen.&#8220; [54] Die Bef\u00fcrwortung von Gewerkschaften hatte allerdings zwei Schranken. Zum einen sollten sich die Gewerkschaften auf den \u00f6konomischen Kampf beschr\u00e4nken; die Hinwendung zu politischen Fragen erkl\u00e4rte er f\u00fcr einen j\u00fcdisch-marxistischen Irrweg. Zum andern waren die Gewerkschaften nur deswegen f\u00fcr den Arbeiter erforderlich, weil &#8222;die organisierte Volksgemeinschaft, der Staat, sich um ihn so gut wie gar nicht k\u00fcmmert&#8220; [55]. In dem Moment, wo der Staat ein anderer wurde und sich der Arbeiterinteressen annahm, wurden die Gewerkschaften \u00fcberfl\u00fcssig. Historisches Vorbild f\u00fcr die Stellung zum Proletariat war f\u00fcr Hitler der Umgang Preu\u00dfens mit seinen Staatsdienern &#8211; nach seinen Worten die ersten, die noch vor der Arbeiterklasse als neuer, besitzloser Stand ohne eigene Produktionsmittel aus Bauern und Handwerkern hervorgegangen waren. Insbesondere durch die Regelung der Altersversorgung &#8222;wurde ein ganzer Stand, der eigentumslos blieb, in kluger Weise dem sozialen Elend entrissen und dem Volksganzen eingegliedert.&#8220; [56]<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie, die Hitler als Besitz- und Bildungsb\u00fcrgertum fasste, hatte in ihrer Raffgier die Klassenspaltung verursacht, die Arbeiter dem Staat entfremdet und sie in die Arme des j\u00fcdischen Marxismus getrieben. Ohne eigene Ideale und ohne Weltanschauung au\u00dfer der der &#8222;Futterkrippe&#8220;, war das B\u00fcrgertum &#8222;f\u00fcr jede erhabene Aufgabe der Menschheit bereits wertlos geworden&#8220; und &#8222;eine vom Schicksal zum Untergang bestimmte Klasse, die nur leider ein ganzes Volk mit sich in den Abgrund rei\u00dft.&#8220; [57] Angeh\u00f6rige des B\u00fcrgertums durften nur in begrenzter Anzahl in die Bewegung aufgenommen werden, denn &#8222;mit der Aufnahme \u00fcberaus zahlreicher gem\u00e4\u00dfigt-b\u00fcrgerlicher Elemente wird sich die innere Einstellung der Bewegung immer nach diesen richten und so jede weitere Aussicht zum Gewinnen nennenswerter Kr\u00e4fte aus dem breiten Volke einb\u00fc\u00dfen.&#8220; [58] Die b\u00fcrgerlichen &#8222;Parteikadaver&#8220; waren restlos zu vernichten, denn nur dann konnte der Kampf gegen den Marxismus zur Gewinnung der Arbeiterschaft erfolgreich gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Der Adel kam nicht besser, aber k\u00fcrzer weg als das B\u00fcrgertum. In fr\u00fcheren Zeiten hatte er als &#8222;Schwertadel&#8220; den Gemeinnutz vertreten. Seit geraumer Zeit war er jedoch durch die Hinwendung zum Finanzkapital hinter den &#8222;Geldadel&#8220; zur\u00fcckgetreten und rassisch verkommen, so dass er keinen F\u00fchrungsanspruch mehr erheben konnte [59].<\/p>\n<h3>Das Klassenwesen der Volksgemeinschaft<\/h3>\n<p>Der Nationalsozialismus trat f\u00fcr die Beseitigung aller Standesschranken und Klassenvorrechte ein. Bildungs- und Aufstiegsm\u00f6glichkeiten m\u00fcssten f\u00fcr die gesamte Jugend des Volkes gleich sein, nicht l\u00e4nger gebunden an Herkunft oder Geld des Elternhauses. Der v\u00f6lkische Staat &#8222;hat nicht die Aufgabe, einer bestehenden Gesellschaftsklasse den ma\u00dfgebenden Einfluss zu wahren, sondern die Aufgabe, aus der Summe aller Volksgenossen die f\u00e4higsten K\u00f6pfe herauszuholen und zu Amt und W\u00fcrden zu bringen.&#8220; [60] Das Parteiprogramm forderte den &#8222;gr\u00fcndlichen Ausbau unseres gesamten Volksbildungswesen&#8220; und &#8222;die Ausbildung besonders veranlagter Kinder armer Eltern ohne R\u00fccksicht auf deren Stand oder Beruf auf Staatskosten&#8220;, um &#8222;jedem f\u00e4higen und flei\u00dfigen Deutschen das Erreichen h\u00f6herer Bildung und damit das Einr\u00fccken in f\u00fchrende Stellung zu erm\u00f6glichen&#8220; (Pkt. 25).<\/p>\n<p>In der Volksgemeinschaft waren zwar nicht die \u00f6konomischen, wohl aber die politisch-gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft beseitigt. &#8222;Die Volksgemeinschaft sollte die Klassenspaltung aufheben, vor allem, indem die sozialen Belange des Arbeiters eine hervorragende Ber\u00fccksichtigung finden. Durch einen permanenten Umerziehungsprozess sollten bestehende Traditionen, Standesd\u00fcnkel und Vorurteile abgebaut werden. Damit verbunden war ein Egalisierungsprozess in s\u00e4mtlichen Lebensbereichen. Ankn\u00fcpfen konnte Hitler mit diesen Vorstellungen an die sehr popul\u00e4ren &#8218;Ideen von 1914&#8216;, d.\u00a0h. die Sch\u00fctzengraben-Gemeinschaft, die nun auf das gesamte staatliche und gesellschaftliche Leben \u00fcbertragen werden sollte.&#8220; [61]<\/p>\n<p>Zitelmann, der dies schreibt, erkl\u00e4rt den Klasseninhalt dieser Volksgemeinschaft f\u00fcr &#8222;modern&#8220;. Er stellt in seiner Untersuchung \u00fcber &#8222;Hitler als Revolution\u00e4r&#8220; fest, dass Hitler sich mit Arbeiterschaft und B\u00fcrgertum sehr viel ausf\u00fchrlicher als mit Bauern und Kleinb\u00fcrgern besch\u00e4ftigte. Da sich die \u00c4u\u00dferungen zu den Bauern vor allem in den Jahren 1925 bis 1928 h\u00e4uften, schlie\u00dft er daraus, dass sie mit einer vor\u00fcbergehenden Hinwendung in der Agrarkrise zwecks Stimmengewinn zu tun hatten, ihnen aber keine prinzipielle Orientierung zugrunde lag. Die im Ganzen intensivere Auseinandersetzung mit den modernen Klassen der Gesellschaft ist f\u00fcr ihn im Gegenteil ein Beweis, dass Hitler im Unterschied zu anderen Nazipolitikern eine &#8222;modernisierende&#8220; Politik vertrat.<\/p>\n<p>Dem liegt eine massive Fehldeutung zugrunde, die sich auf den \u00e4u\u00dferen Umfang statt auf den Inhalt der gemachten Aussagen st\u00fctzt. In Russland befasste sich Lenin vor und nach der Revolution von 1905 \u00fcber Jahre hinweg sehr viel ausf\u00fchrlicher und gr\u00fcndlicher mit der Bauernschaft als mit der Arbeiterklasse &#8211; nicht, weil er zu einem Bauernpolitiker geworden w\u00e4re, sondern weil er im Unterschied zu den anderen russischen Marxisten begriffen hatte, dass die L\u00f6sung der Agrarfrage und damit das B\u00fcndnis mit der Bauernschaft den Schl\u00fcssel zur proletarischen Machteroberung bildeten. Umgekehrt hatte Hitler die soziale Frage als Schl\u00fcssel f\u00fcr die Errichtung eines v\u00f6lkischen Massenstaats begriffen. Mit der b\u00e4uerlich-rassischen Fundierung, vor allem aber mit dem Herangehen an die <i>soziale Frage als Kernpunkt zur Gewinnung der Massenhegemonie<\/i> in seinem Werk setzte sich Hitler von dem handwerklich-st\u00e4ndisch gef\u00e4rbten 25-Punkte-Parteiprogramm ab. Damit ging die NSDAP zugleich \u00fcber die anderen v\u00f6lkischen Organisationen der 20er Jahre hinaus und konnte schlie\u00dflich die &#8222;Rechte&#8220; vollst\u00e4ndig dominieren.<\/p>\n<p>Die nationalsozialistische L\u00f6sung der sozialen Frage war nichtb\u00fcrgerlich. Nach dem 2. Weltkrieg gelang es der Bourgeoisie unter ver\u00e4nderten Bedingungen in Westdeutschland, das Konzept einer &#8222;sozialen Marktwirtschaft&#8220; durchzusetzen, das unter grunds\u00e4tzlicher Anerkennung der Erfordernisse der Kapitalbewegung die Ber\u00fccksichtigung von Arbeiterinteressen und die Integration der Gewerkschaften formulierte. Auf diesem Boden konnten zuerst die Unionsparteien und sodann die SPD (Godesberger Programm 1956) zu b\u00fcrgerlichen <i>Volksparteien<\/i> werden, die unter F\u00fchrung der Bourgeoisie die Integration auch von anderen Klassenkr\u00e4ften realisieren. In der Weimarer Republik gab es keine solchen Volksparteien. DDP und DVP waren auf das direkte Umfeld b\u00fcrgerlicher Schichten beschr\u00e4nkt, und das Zentrum war zwar klassen\u00fcbergreifend, blieb aber konfessionell an den Katholizismus gebunden. Daher konnte Hitler die b\u00fcrgerlichen Parteien als &#8222;politische Klubs&#8220; abtun, die nichts anderes &#8222;als Interessengemeinschaften bestimmter Berufsgruppen und Standesklassen&#8220; sind. [62] Damit war das Dilemma der Bourgeoisie in der Weimarer Republik treffend beschrieben.<\/p>\n<p>Das von Hitler formulierte Konzept des Nationalsozialismus hatte mit einer &#8222;sozialen Marktwirtschaft&#8220; nichts zu tun. Es ging an den Arbeiter einerseits als potentiellen Kleinproduzenten heran (daher die Klage dar\u00fcber, dass ein absterbendes Handwerk nicht mehr als &#8222;Br\u00fccke&#8220; zu einer selbst\u00e4ndigen Existenz f\u00fcr den Arbeiter dienen k\u00f6nne) und stellte ihm andererseits den Staat als Helfer <i>gegen<\/i> die Bourgeoisie zur Seite. Die Verbindung von Staat und Arbeiterklasse unter Ausschaltung der traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung wurde unmittelbar nach der Macht\u00fcbernahme in Gang gesetzt. Zeitgleich mit dem Verbot der Gewerkschaften wurde der 1.Mai zum gesetzlichen Feiertag erkl\u00e4rt &#8211; eine jahrzehntelang unerf\u00fcllte Forderung. Das &#8222;Gesetz \u00fcber Treuh\u00e4nder der Arbeit&#8220; entzog Werkt\u00e4tigen und Unternehmern die Verhandlungsfreiheit \u00fcber L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen und \u00fcbertrug deren Regelung staatlichen &#8222;Treuh\u00e4ndern der Arbeit&#8220;, die nur mit Best\u00e4tigung Hitlers ernannt werden konnten. Sie konzentrierten &#8222;Befugnisse und Vollmachten in ihren H\u00e4nden, durch die sie zu einer der wichtigsten wirtschaftlichen Machtpositionen im Dritten Reich aufstiegen.&#8220; [63] Sie sorgten keineswegs nur f\u00fcr einen Lohnstop im Interesse der Bourgeoisie, sondern stellten sich in Arbeitskonflikten h\u00e4ufig auf die Seite der Lohnabh\u00e4ngigen.<\/p>\n<p>Wenn man dar\u00fcber hinaus die mit Hitlers Billigung erfolgten Nachkriegsplanungen der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zur Kenntnis nimmt, die u.\u00a0a. eine einheitliche Sozialversicherung (unter Zerschlagung der st\u00e4ndisch gegliederten, ungleichen Renten- und Krankenversicherung), eine Altersrente f\u00fcr alle Volksgenossen sowie ein gewaltiges staatliches Wohnungsbauprogramm vorsahen, dann wird deutlich, dass die sozialen Zielsetzungen des Regimes keineswegs nur kriegsf\u00fchrungsbedingt waren.<\/p>\n<p>Nach einigen Jahren an der Macht hatte der Nationalsozialismus die Arbeiterklasse gewonnen &#8211; aber weder haupts\u00e4chlich durch seine Propaganda noch durch seinen inneren Terror. Beides war nur deswegen dauerhaft wirksam, weil es sich auf eine sozial fundierte Massenpolitik st\u00fctzen konnte. Das war auch der Hauptgrund, warum die alliierten Bombenteppiche im Krieg die st\u00e4dtischen Massen mit dem Regime zusammenschwei\u00dften, statt sie davon abzuspalten. Da die Arbeiterklasse die Novemberrevolution von 1918 noch in praktischer Erinnerung hatte, scheint auf den ersten Blick unerkl\u00e4rlich, warum bis zum letzten Kriegstag keine Massenbewegung gegen das Naziregime entstand. Die kritische Theorie kann das Verhalten der Massen bis heute nur mit &#8222;Handeln gegen die eigenen Interessen&#8220; erkl\u00e4ren, womit sie den eigenen erkenntnistheoretischen Idealismus beweist, aber sonst nichts.<\/p>\n<p>Im Unterschied zur Junkerherrschaft des vorangegangenen Kriegs empfanden die Massen die Naziherrschaft trotz aller auch vorhandenen Kritik nicht als arbeiterfeindlich, geschweige denn unertr\u00e4glich, weil sie positive praktische Erfahrungen damit verbanden. Vor allem die nachwachsende Arbeitergeneration machte derartige Erfahrungen mit der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220;. &#8222;Den meisten dieser Jungen scheint der Nationalsozialismus im Gegenteil neue R\u00e4ume erschlossen zu haben, im w\u00f6rtlichen wie im \u00fcbertragenen Sinne. Die Schranken der Arbeitermilieus, die mit Einschr\u00e4nkungen noch f\u00fcr ihre Eltern galten, scheinen f\u00fcr sie nicht nur gesprengt, sondern Ber\u00fchrungen zu anderen Klassen, Schichten und Milieus wurden ebenso m\u00f6glich wie das Kennenlernen neuer Orte und Lande. Vor allem HJ, BDM, Dienstverpflichtungen, Pflichtjahr, Kinderlandverschickung und Fronteinsatz waren die Vehikel in diese bisher weitgehend unbekannten R\u00e4ume. Neue, milieu\u00fcbergreifende Erfahrungen wurden gemacht. Auch die Aufstiegsm\u00f6glichkeiten wurden vielf\u00e4ltiger sowohl in der Bildung als auch in den NS-Organisationen und im Beruf. Hand in Hand mit dem Aufstiegsbewusstsein wuchs die Hoffnung auf Besserstellung durch pers\u00f6nliche Leistungen.&#8220; [64]<\/p>\n<h3>Der SS-Staat und Deutschland<\/h3>\n<p>In Abgrenzung zu den Kr\u00e4ften der &#8222;Reaktion&#8220; trat der Nationalsozialismus gegen die Wiedererrichtung der Monarchie und f\u00fcr eine &#8222;Republik&#8220; ein; nur war diese Republik nicht parlamentarisch. Hitler kritisierte die parlamentarische Demokratie als Zersetzungsinstrument der j\u00fcdischen Rasse, weil sie u.\u00a0a. &#8222;jede praktische Verantwortung&#8220; wegfallen lie\u00df, die &#8222;nur in der Verpflichtung einer einzelnen Person liegen (kann) und nicht in der einer parlamentarischen Schw\u00e4tzervereinigung.&#8220; Parlamente sollten vom Gemeinderat bis zum Reichstag erhalten bleiben, jedoch nur als Beratungs- und nicht als Entscheidungsorgane. &#8222;Dem steht gegen\u00fcber die wahrhaftige germanische Demokratie der freien Wahl des F\u00fchrers mit dessen Verpflichtung zur vollen \u00dcbernahme aller Verantwortung f\u00fcr sein Tun und Lassen. In ihr gibt es keine Abstimmung einer Majorit\u00e4t zu einzelnen Fragen, sondern nur die Bestimmung eines einzelnen, der dann mit Verm\u00f6gen und Leben f\u00fcr seine Entscheidung einzutreten hat.&#8220; [65]<\/p>\n<p>Die mit diesen Worten umrissene &#8222;personale&#8220; Herrschaftsform wurde nach einer \u00dcbergangszeit von einigen Jahren in Gestalt der SS-Herrschaft verwirklicht. Die SS verk\u00f6rperte eine neue Konzeption der Staatsmacht, &#8222;die dem Anspruch der F\u00fchrergewalt wirklich ad\u00e4quat war. Und zwar wurde f\u00fcr die Durchsetzung und Verwirklichung des au\u00dfernormativen F\u00fchrerwillens aus Teilen der SS eine neue, von der staatlichen Verwaltung v\u00f6llig unabh\u00e4ngige, von der Bindung an die staatlichen Normen im Prinzip befreite Exekutive errichtet. Diese <i>F\u00fchrerexekutive<\/i> wurde nicht nach dem Prinzip der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung t\u00e4tig, sondern ihre Maxime war allein der Wille des F\u00fchrers. Ihr wurden die eigentlich politischen Aufgaben \u00fcbertragen, auf die es Hitler ankam, insbesondere die Sicherung der Macht, Bev\u00f6lkerungspolitik, Besatzungspolitik, Verfolgung aller tats\u00e4chlichen und angeblichen Gegner des Regimes. (&#8230;) so wurde im Laufe der Jahre das Prinzip der F\u00fchrergewalt in reiner Form realisiert und der Prozess der Entstaatlichung des \u00f6ffentlichen Lebens vorangetrieben. Als F\u00fchrerexekutive das eigentliche, ad\u00e4quate Werkzeug der F\u00fchrergewalt gewesen zu sein, darin besteht die historische Bedeutung der SS.&#8220; [66]<\/p>\n<p>Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die gegenseitige Paralyse der Klassen am Ende der Weimarer Republik, die es unm\u00f6glich machte, Deutschland auf dem Boden des Parlamentarismus weiter zu regieren. Wegen des Gleichgewichts der Klassen wies die Macht Hitlers \u00c4hnlichkeiten mit dem Bonapartismus auf, worauf Brandler und Thalheimer zu recht hinwiesen. Weder begriffen sie jedoch den eigenen Klassencharakter dieses &#8222;Bonapartismus&#8220;, sondern fassten ihn als (indirekte) Herrschaft des <i>Gro\u00dfkapitals<\/i> auf, noch erkannten sie, dass das Wesen des Nationalsozialismus nicht darin bestand, den bestehenden <i>deutschen<\/i> Staat mit terroristischen Mitteln jenseits der vorhandenen Gesetzlichkeit zu sichern und territorial auszudehnen, sondern dass er auf die Errichtung eines neuen <i>germanischen<\/i> Staats zielte. Dazu war die SS auf milit\u00e4rischem Gebiet in Gestalt der Waffen-SS das entscheidende Instrument.<\/p>\n<p>Es besteht &#8222;kein Zweifel, dass das Konzept f\u00fcr einen langfristigen, breitangelegten Ausbau der SS auf supranationaler, pangermanischer Grundlage bereits <i>vor<\/i> Beginn des Kriegs gegen die Sowjetunion festlag. Es ist mithin nicht erst als eine Folge der ungeahnt verlustreichen Schlachten der Ostfront anzusehen.&#8220; [67] In den Waffen-SS-Divisionen Wiking, Nordland, Nederland, Langemarck und Wallonie dienten Norweger, D\u00e4nen, Niederl\u00e4nder, Luxemburger, Flamen. Mit ihnen sollte die SS zur Keimzelle des k\u00fcnftigen germanischen Staats werden, der ihre V\u00f6lker gleichberechtigt mit den blutreinen Deutschen umfassen sollte und als dessen Schmiede der Lebensraum im Osten gedacht war. &#8222;Die SS hatte gute Gr\u00fcnde, sich zum Vorreiter einer konsequenten Germanisierungspolitik aufzuschwingen. Denn f\u00fcr Himmler war die Integration des &#8218;germanischen&#8216; Westens die notwendige Erg\u00e4nzung zur Unterwerfung des slawischen Ostens. Beide Ziele standen in einem geradezu interdependenten Verh\u00e4ltnis zueinander: die Eroberung und Besiedlung Osteuropas war undenkbar ohne eine erhebliche &#8218;Verbreiterung der germanischen Blutsbasis&#8216;; diese wiederum konnte ihrerseits nur durch eine imperiale Zukunftsvision Sinn und Ziel gewinnen. Es war darum nur konsequent, dass den am &#8218;Kreuzzug gegen den Bolschewismus&#8216; teilnehmenden &#8218;germanischen&#8216; Freiwilligen f\u00fcr die Nachkriegszeit z.B. das gleiche Siedlungsrecht in den eroberten Ostgebieten zugestanden wurde wie ihren deutschen Kameraden.&#8220; [68]<\/p>\n<p>So wie Preu\u00dfen 70 Jahre zuvor im Kampf den deutschen Staat geschaffen hatte, sollte Deutschland jetzt das germanische Europa schaffen &#8211; und darin aufgehen. Dazu sollten offenbar neben Deutschland und dem germanischen Osten zumindest D\u00e4nemark, Norwegen, die Niederlande, Luxemburg und der fl\u00e4mische Teil Belgiens geh\u00f6ren. Darum lie\u00df die SS das Deutsche Reich mehr und mehr hinter der Fahne Europas zur\u00fccktreten. Wie auf anderen Gebieten waren auch hier die Europaparolen keine blo\u00dfe Propaganda, sondern beruhten auf einem realen Kern. Die oben benannte &#8222;Entstaatlichung der \u00f6ffentlichen Gewalt&#8220; bzw. die &#8222;Befreiung der Exekutive von staatlichen Normen&#8220; hatte insofern einen konkreten staatsrechtlichen Hintergrund: sie bedeutete den Ausbruch aus den Fesseln der <i>deutschen<\/i> Staatlichkeit mit dem Ziel der Errichtung eines <i>germanischen<\/i> Imperiums. Die dabei entscheidenden Herrschaftsbereiche, &#8222;Sicherung der Macht, Bev\u00f6lkerungs- und Besatzungspolitik&#8220;, wie Buchheim zusammenfasst, behielt Hitler sich vor und organisierte sie mithilfe der SS. Auf den anderen Gebieten der Regierungsgewalt lie\u00df er hingegen die Z\u00fcgel schleifen und verschaffte dadurch Dutzenden von sp\u00e4teren Historikern die Gelegenheit, ganze Lehrst\u00fchle mit dem Streit auszuf\u00fcllen, ob er ein &#8222;starker&#8220; oder &#8222;schwacher&#8220; Diktator und die NS-Herrschaft eher eine &#8222;Monokratie&#8220; oder eine &#8222;Polykratie&#8220; gewesen war.<\/p>\n<p>Der aus dem Gleichgewicht der Klassen in Deutschland resultierende pers\u00f6nliche Handlungsspielraum Hitlers konnte dabei nur eine \u00dcbergangserscheinung sein. Ab dem Zeitpunkt, wo durch die Besiedelung des Ostens der germanische Gro\u00dfstaat Realit\u00e4t geworden und die b\u00e4uerliche Hegemonie auch zahlenm\u00e4\u00dfig sichergestellt war, musste die Herrschaftsform sich erneut \u00e4ndern.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=239&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rasse und Staat Aus dem rassischen Ausgangspunkt resultierte ein eigenes Staatsverst\u00e4ndnis. Der Nationalsozialismus wandte sich strikt gegen die Anschauung, dass der Staat &#8222;ein Produkt wirtschaftlicher Notwendigkeiten, bestenfalls aber das nat\u00fcrliche Ergebnis politischen Machtdranges sei.&#8220; Im Gegenteil war der &#8222;Trieb der Arterhaltung (&#8230;) die erste Ursache zur Bildung menschlicher Gemeinschaften. Damit aber ist der Staat ein &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=234\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">2. Die Volksgemeinschaft als Massenstaat<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-234","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/234","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=234"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/234\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":241,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/234\/revisions\/241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=234"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}