{"id":2060,"date":"2021-01-18T16:39:04","date_gmt":"2021-01-18T15:39:04","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2060"},"modified":"2021-01-18T16:39:04","modified_gmt":"2021-01-18T15:39:04","slug":"ueber-herausbildung-und-ende-des-sowjetischen-arbeiter-und-bauernstaats","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=2060","title":{"rendered":"\u00dcber Herausbildung und Ende des sowjetischen Arbeiter- und Bauernstaats"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\">Vorbemerkung<\/span><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 12pt;\">Der nachfolgende Text stammt aus dem 1993 ver\u00f6ffentlichten Buch von Karuscheit und Schr\u00f6der: \u201eVon der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus. Aufs\u00e4tze \u00fcber die Klassenkr\u00e4fte an den Wendepunkten der russisch-sowjetischen Geschichte\u201c. Einige Punkte sieht der Autor heute anders, doch insgesamt ist er der \u00dcberzeugung, dass der damals beschrittene Weg richtig war und ist, um das Scheitern des Sozialismus in der Sowjetunion aufzukl\u00e4ren.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Gelsenkirchen, Januar 2021, H.K.<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>I. Das Land der Oktoberrevolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das russische Reich am Vorabend der Oktoberrevolution war bereits vom Bazillus des Kapitals infiziert, die kapitalistische Industrie bildete aber nur Inseln in einem Meer agrarischer Produzenten. 165,7 Millionen Gesamtbev\u00f6lkerung hatte Ru\u00dfland (ohne Finnland) im Jahre 1913. Davon lebten 26,3 Millionen in den St\u00e4dten; das sind gerade 16%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Die erdr\u00fcckende Masse des Volkes lebte nicht nur auf dem Land, sondern in den mittelalterlichen Zust\u00e4nden des Landes. Zwar waren die Klassen der modernen kapitalistischen Gesellschaft: Bourgeoisie und industrielles Proletariat, bereits ausgebildet, ber absolut vorherrschend waren die alten Klassen: Bauern und Feudale. Abermillionen Bauern lebten jenseits jeder Kultur als festes Bollwerk des Mittelalters zu Beginn des 20.Jahrhunderts und standen gleichzeitig in tiefem Gegensatz gegen die andere grundbesitzende Klasse der alten Gesellschaft, den russischen Adel, der unter dem Zarismus die Gesellschaftsordnung trug.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese feudale Ordnung hatte besondere Formen, die sich betr\u00e4chtlich vom Westen unterschieden, n\u00e4mlich die Gutsherrschaft einerseits, die Dorfgemeinde (mir oder obscina) andererseits. Welche Form die alte Gesellschaft aber jeweils hat, ist bestimmend f\u00fcr die mehr oder weniger lange und mehr oder weniger turbulente \u00dcbergangsperiode, die zwischen der alten und der entwickelten modernen Gesellschaft liegt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angesichts der bestehenden Unterschiede stellt sich die Frage, ob es \u00fcberhaupt angebracht ist, im Osten wie im Westen Europas gleicherma\u00dfen von &#8222;Feudalismus&#8220; zu sprechen. Diese Frage soll hier nicht er\u00f6rtert werden; die russischen Verh\u00e4ltnisse werden &#8211; insoweit der traditionellen Begrifflichkeit entsprechend &#8211; nur als besondere <i>Form<\/i> des Feudalismus bezeichnet, ohne n\u00e4her darauf einzugehen, ob die Gesellschaftsformation im Osten nicht einem anderen Begriff entspricht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Besonderheiten der russischen Feudalordnung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im KAPITAL schreibt Karl Marx, da\u00df die &#8222;gem\u00e4\u00dfigte Zone&#8220;, sprich Westeuropa, &#8222;das Mutterland des Kapitals&#8220; geworden ist, weil hier die Unterschiede der Bodenfruchtbarkeit und seiner nat\u00fcrlichen Produkte, also der Wechsel der Naturumst\u00e4nde, zur Entwicklung der Bed\u00fcrfnisse und produktiven F\u00e4higkeiten des Menschen anspornten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Insbesondere der Gegensatz zwischen atlantischem (ozeanischem) Klima und Kontinentalklima machte sich in der Unterschiedlichkeit der Produktionsverh\u00e4ltnisse zwischen dem Westen und dem Osten Europas bemerkbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter den klimatischen Bedingungen des Westens mit seinem ozeanischen Klima, meist kurzen und milden Wintern und gleichm\u00e4\u00dfiger Verteilung der Niederschl\u00e4ge wurde das agrarische Mehrprodukt der Bauern an ihre Feudalherren im allgemeinen in Form von Abgaben geleistet, zun\u00e4chst als Naturalabgaben und sodann, mit Umwandlung der feudalen Grundrente in Geldrente, auch in Geld. Die feudale Arbeitsrente spielte dagegen keine entscheidende Rolle. Pers\u00f6nliche Dienste, dh. Hand- und Spanndienste auf den Feldern des &#8222;Herrn&#8220;, waren zweitrangig, weil dieser in der Regel keine eigenen Felder besa\u00df. Als Ausdruck von relativem agrarischen Reichtum war diese Form des Feudalismus als Grundherrschaft im westlichen Europa dominierend.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Osten dagegen, u.a. in Ru\u00dfland, trug die Feudalherrschaft anderen Charakter. Dort erm\u00f6glicht das Kontinentalklima mit seinen kurzen Sommern und langen Wintern nur etwa ein halbes Jahr lang landwirtschaftliche Arbeiten im Freien; die Bestellungs- und Erntezeiten dr\u00e4ngen sich auf einen kurzen Zeitraum zusammen. Durch eine ung\u00fcnstige j\u00e4hrliche Niederschlagsverteilung bringen die Gr\u00fcnfutterfl\u00e4chen wenig Ertr\u00e4ge, mit der Folge, da\u00df die Viehhaltung, der Einsatz nat\u00fcrlichen D\u00fcngers und die M\u00f6glichkeit entfalteten Fruchtwechsels eingeschr\u00e4nkt sind. &#8222;Wenn der Bauer unter solchen Umst\u00e4nden in der Wirtschaftsweise sich selbst \u00fcberlassen blieb, so tat er aus mehreren Gr\u00fcnden nur das zur Erhaltung des Daseins Notwendige. Die Arbeitszeit der Familie lie\u00df sich wegen der Ungunst des Klimas nur unvollkommen \u00fcber das Jahr verteilen; wegen der hohen Belastungsspitzen reichten ihre Kr\u00e4fte und wegen der geringen Futterfl\u00e4che das Zugvieh nicht aus, um gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen zu bewirtschaften. Das extreme Klima f\u00fchrt \u00fcberdies zu gro\u00dfen Ertragsschwankungen und zwingt zum Halten von gr\u00f6\u00dferen Vorr\u00e4ten. Unter solchen Bedingungen war das historische osteurop\u00e4ische Haufendorf mit kleinen und ziemlich gleichm\u00e4\u00dfig verteilten Landanteilen ein Abbild der zugrunde liegenden &gt;nat\u00fcrlichen&lt; Produktionsverh\u00e4ltnisse.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Armut der Bauern hatte zur Folge, da\u00df statt der Zahlung von Abgaben die Arbeitsrente die Regelform der feudalen Grundrente bildete: ein nennenswertes agrarisches Mehrprodukt, unumg\u00e4nglich f\u00fcr die Entwicklung des Staates, war nur auf dem Boden der <i>Gutswirtschaft<\/i> zu erzielen. Das bedeutete, da\u00df der Grundherr die agrarische Produktion &#8211; unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen meistens von Getreide &#8211; selber organisieren mu\u00dfte. Neben dem von den D\u00f6rfern in eigener Verantwortung bewirtschafteten Boden, mit dem die Bauern ihre Subsistenz sicherten, geh\u00f6rten dem Grundherrn eigene Felder gr\u00f6\u00dferen Umfangs, auf denen die Bauern des seiner Herrschaft unterworfenen Dorfes Fronarbeit leisten mu\u00dften. Es wurde &#8222;von Staats wegen die Errichtung von landwirtschaftlichen Gro\u00dfbetrieben, d.h. Gutswirtschaften, gef\u00f6rdert, die mit dem Privileg ausgestattet waren, die Bauern ihres Bereiches in Leibeigenschaft h\u00e4rtester Form zu halten. In dieser Agrarverfassung waren sie gezwungen, auch ohne Gegenleistung Hand- und Gespanndienste f\u00fcr die Gutsherrschaft zu leisten. Die <i>gutswirtschaftliche Organisation<\/i> diente also dazu, dem Staatswesen sichere landwirtschaftliche \u00dcbersch\u00fcsse zu liefern, und setzte die adeligen Gutsherren in Stand, sich als Hof-, Dienst- und Milit\u00e4radel beim Hofe und in den Verwaltungszentren aufzuhalten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der entscheidende Zeitraum f\u00fcr die Herausbildung dieser Gutswirtschaft, in dem die gesellschaftlichen Grundlagen f\u00fcr die Zarenherrschaft bis 1917 gelegt wurden, war die sogenannte W\u00fcstungsperiode von ca. 1560 bis ca. 1620. Sie war durch fortlaufende Kriege, Mi\u00dfernten und Epidemien gekennzeichnet, \u00e4hnlich wie in Deutschland der 30j\u00e4hrige Krieg, aber mit dem entgegengesetzten Ergebnis einer St\u00e4rkung der Zentralmacht. Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren die russischen Bauern zwar zu Diensten und Abgaben verpflichtet, aber insoweit frei gewesen, als sie nicht schollengebunden waren. Sie konnten jederzeit wegziehen und sich unter die Herrschaft eines anderen Feudalherrn begeben. Als f\u00fcr die durch Kriege und Seuchen dezimierte Bev\u00f6lkerung allenthalben die Dienste, Abgaben und Steuern stiegen, h\u00e4uften sich die Zahlen entlaufener Bauern. Zum Teil wanderten diese &#8222;L\u00e4uflinge&#8220; in die Randgebiete Ru\u00dflands ab, wo der Boden noch ohne Grundherrn und der Staat fern war. Aus ihnen und den dort bereits Wohnenden, teils Tataren, gingen die Kosaken hervor. Zum Teil flohen sie auch zu anderen, reicheren Grundherren, die ihnen fruchtbareres Land oder geringere Dienste und Abgaben anbieten konnten. Das waren in erster Linie die gro\u00dfen Grundherren, die Bojaren &#8211; der hohe Adel.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen die existentielle Bedrohung der kleinen Grundherren wandten sich nicht nur diese selber, sondern auch die zarische Zentralmacht. Sie hatte bereits jahrzehntelange K\u00e4mpfe mit dem hohen Adel hinter sich und ben\u00f6tigte die kleinen Grundherren als Gegengewicht zur Hocharistokratie und als Dienstadel f\u00fcr Heer und Verwaltung. Gest\u00fctzt auf den niederen Adel, gingen die Zaren darum dazu \u00fcber, die Bewegungsfreiheit der Bauern sukzessive einzuschr\u00e4nken und schlie\u00dflich ganz zu beseitigen. 1649 legte ein Ukas des Zaren endg\u00fcltig die Schollenpflicht der Bauern fest. Mit dem gemeinsamen Sieg der Zentralmacht und des Dienstadels war die Leibeigenschaft endg\u00fcltig besiegelt, die Grundlage f\u00fcr die Gutswirtschaft gelegt und die Entwicklung des russischen Zentralstaats gesichert. Mehr als 100 Jahre sp\u00e4ter, in den Jahren 1762 und 1785, wurde der Dienstzwang des Adels am Hofe, im Heer und in der Verwaltung aufgehoben. Damit wurden die Adeligen in den Augen der Bauern \u00fcberfl\u00fcssige Parasiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gutswirtschaft war nicht nur in Ru\u00dfland, sondern auch im ostelbischen Preu\u00dfen Grundlage der Gesellschaft. Dagegen blieb die zweite Besonderheit des \u00f6stlichen Feudalismus &#8211; die Dorfgemeinde &#8211; in ihrer Dauerhaftigkeit Ru\u00dfland vorbehalten. In Preu\u00dfen wurden die Bauern durch die Agrarreformen des 19.Jahrhunderts Privateigent\u00fcmer des von ihnen bebauten Landes. In Ru\u00dfland dagegen blieb die mittelalterliche Dorfgemeinde &#8211; die obscina oder mir &#8211; Eigent\u00fcmerin des d\u00f6rflichen Grund und Bodens, den sie nach 1930 als Kolchos weiterbesa\u00df und bearbeitete.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Obscina bedeutet im Russischen sowohl Gemeinde als auch Bodengemeinschaft, und das bezeichnet, worum es ging. Nur Haus und Hof (Hofland), dazu Vieh und Ger\u00e4te, waren Individualeigentum der einzelnen Bauernwirtschaft. W\u00e4lder und Weiden, \u00c4cker und Wiesen dagegen geh\u00f6rten der Dorfgemeinde als ganzer. Wald und Weide standen als Allmende allen zur gemeinsamen Nutzung offen, die \u00c4cker wurden dagegen in regelm\u00e4\u00dfigem Abstand an die einzelnen Bauernh\u00f6fe je nach Gr\u00f6\u00dfe der Familie, nach Arbeitskr\u00e4ften und Essern, umverteilt. Um eine m\u00f6glichst gerechte Aufteilung zu gew\u00e4hrleisten, wurde der Boden zun\u00e4chst nach Qualit\u00e4t und Lage bewertet, dann die einzelnen Bodenarten in Streifen unterteilt und sodann, meist per Los, auf die H\u00f6fe verteilt. Auf diese Weise mu\u00dften die einzelnen H\u00f6fe z.T. Dutzende voneinander getrennter Bodenstreifen bearbeiten. Am Vorabend der Oktoberrevolution betrug die Zahl dieser Landstreifen im S\u00fcden Ru\u00dflands weniger als 10 pro Hof und steigerte sich auf \u00fcber 100 im Norden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn nicht noch altert\u00fcmlichere Produktionsformen vorherrschten, wurde die Dreifelderwirtschaft mit Flurzwang praktiziert: im immer gleichen Rhythmus von Fr\u00fchjahrsaussaat, Winteraussaat und Brache mu\u00dften alle Ackerstreifen zur gleichen Zeit ges\u00e4t und abgeerntet werden. Meist wurde Getreide angebaut.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle wichtigen Fragen des Dorfes wurden von der Dorfversammlung (schod) entschieden, auf der jeder Hof in Gestalt des Hofbauern eine Stimme hatte. In seltenen F\u00e4llen, wenn der Mann gestorben war, f\u00fchrte auch die B\u00e4uerin den Hof weiter, bis der Sohn alt genug war. Die wichtigsten Entscheidungen betrafen die Umteilung des Landes, die Termine f\u00fcr Aussaat und Ernte und die Umlegung der Steuern auf die H\u00f6fe, weil das Dorf gleichzeitig Steuergemeinde war; die obscina haftete kollektiv f\u00fcr die Steuern. Au\u00dferdem hatten die D\u00f6rfer die niedere Gerichtsbarkeit inne.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die scheinbar &#8222;demokratische&#8220; Idylle dieses b\u00e4uerlichen Urkommunismus fu\u00dfte auf stagnierender Produktivit\u00e4t, weil kein Bauer Interesse an Bodenverbesserung und produktiverer Fruchtfolge hatte, auf vollst\u00e4ndiger Kulturlosigkeit, weil kaum ein Dorfbewohner lesen und schreiben konnte, auf mittelalterlichem Aberglauben, weil alle wissenschaftliche Erkl\u00e4rung der nat\u00fcrlichen Lebenszusammenh\u00e4nge unbekannt war, und auf absoluter Willk\u00fcr, weil Dorfschreiber und Dorf\u00e4lteste &#8211; h\u00e4ufig in Personalunion und auch noch Dorfrichter dazu &#8211; schrankenlos herrschen konnten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der verlorene Krimkrieg 1853-1855 gegen die mit England, Frankreich und Sardinien verb\u00fcndete T\u00fcrkei offenbarte die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Ru\u00dflands gegen\u00fcber den L\u00e4ndern, in denen sich mit dem Kapital die Produktivkr\u00e4fte entwickelten. 1861 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, um eine Voraussetzung der Modernisierung zu schaffen. Wie in Preu\u00dfen blieb dabei die Macht der Gutsbesitzerklasse erhalten, aber im Unterschied zu Preu\u00dfen wurde f\u00fcr die aus der Leibeigenschaft entlassenen Bauern kein Privateigentum an Land begr\u00fcndet, sondern im Gegenteil die obscina gest\u00e4rkt. Bei der Aufteilung der \u00c4cker, W\u00e4lder und Weiden zwischen Grundherren und Bauern erhielt sie den Boden, der den Bauern zugesprochen wurde, und wurde &#8222;Haftungsgemeinschaft&#8220; f\u00fcr die Abl\u00f6sungszahlungen, die jedes Dorf f\u00fcr das \u00fcberlassene Land an den Grundherrn zahlen mu\u00dfte. &#8222;Sowohl aus fiskalischen als auch aus politischen Gr\u00fcnden machte die zaristische Regierung die Dorfgemeinde zu einer Grundlage der l\u00e4ndlichen Verwaltung. Sie wollte durch das Prinzip der wechselseitigen B\u00fcrgschaft bzw. der solidarischen Haftung, das mit der Gemeindeverfassung verkn\u00fcpft war, die Bauern zur Ableistung ihrer Zahlungsverpflichtungen zwingen und zugleich die patriarchalischen Verh\u00e4ltnisse im Dorf aufrechterhalten, um dadurch soziale Differenzierung, Proletarisierung und Verelendung und die hieraus resultierende Gefahr einer revolution\u00e4ren Entwicklung zu verhindern.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer aus der Gemeinde ausscheiden wollte, mu\u00dfte von nun an nicht nur Haus und Hof verkaufen und sein Land an das Dorf zur\u00fcckgeben; er mu\u00dfte au\u00dferdem die H\u00e4lfte der anteilsm\u00e4\u00dfig auf seinem Hof lastenden Abl\u00f6sungsschuld bezahlen. Das war nicht der einzige Grund, weshalb auch diejenigen Bauern, die in die st\u00e4dtischen Fabriken gingen, weiterhin Mitglieder der Dorfgemeinde blieben. Sie konnten so jederzeit zur\u00fcckkehren, wenn sie in der Stadt arbeitslos oder krank wurden. \u00dcberdies konnte die Dorfgemeinde seit 1893 durch Verweigerung des Passes den Wegzug eines Dorfbewohners in die Stadt verhindern. Noch bis zu den Agrarreformen Stolypins waren die meisten russischen Fabrikarbeitern auch Gemeindebauern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Jahr 1893 wurde auch die Mindestfrist zur Bodenumteilung auf 12 Jahre festgelegt,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> ohne da\u00df das Verbot gro\u00dfe Auswirkungen hatte. Sp\u00e4testens wenn im Dorf durch Heirat ein neuer Hausstand gegr\u00fcndet wurde, mu\u00dfte das Land schlie\u00dflich neu umverteilt werden. 23 Millionen \u00fcbersch\u00fcssige Landbev\u00f6lkerung hatte Ru\u00dfland nach offiziellen Angaben um die Jahrhundertwende, vermutlich sogar mehr.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch die meisten Kapitalisten waren aus naheliegenden Gr\u00fcnden f\u00fcr die Erhaltung der obscina. &#8222;Paradoxerweise scheint aber das russische Unternehmertum an der Erhaltung der traditionellen Landgemeinde interessiert gewesen zu sein, da sie als eine Art sozialer Schutzinstitution erlaubte, die Arbeitsl\u00f6hne niedrig zu halten, kranke, arbeitsunf\u00e4hige und in Zeiten der Depression \u00fcberz\u00e4hlige Arbeiter, die ihrer Standesangeh\u00f6rigkeit nach immer noch Bauern und Mitglieder einer Landgemeinde waren, in diese abzuschieben.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gutsbesitzer reagierten unterschiedlich auf die Bauernbefreiung von 1861. Einige gingen mit massenhafter Anwendung von Lohnarbeit und Einsatz von Maschinerie zu kapitalistischer Produktionsweise \u00fcber, vor allem im Baltikum und Teilen der Ukraine. F\u00fcr die gro\u00dfe Masse \u00e4nderte sich jedoch wenig. &#8222;In der Regel waren die Gutsbesitzer kaum an einer Rationalisierung ihrer Betriebe interessiert; sie versuchten stattdessen, an der althergebrachten Wirtschaftsweise festzuhalten. Da es ihnen h\u00e4ufig an Inventar und Geldmitteln fehlte, zugleich aber in Gestalt der landarmen Bauern ausreichend Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung standen, lag es nahe, die Gutsl\u00e4ndereien von diesen Bauern mit deren eigenem Inventar bearbeiten zu lassen und ihnen daf\u00fcr Land zu verpachten. Die Pachtbeziehungen, die sich auf diese Weise herausbildeten, unterschieden sich in sozial\u00f6konomischer Hinsicht nur wenig von dem Agrarsystem, das vor der Reform bestanden hatte. (&#8230;) Vorkapitalistische Pachtbeziehungen und Abarbeit waren in erster Linie in den zentralen Schwarzerdegouvernements, an der Mittleren Wolga sowie in einem gro\u00dfen Teil des russischen Nicht-Schwarzerdegebietes verbreitet.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> Das war Kernru\u00dfland, das am dichtesten bev\u00f6lkerte Gebiet, das sp\u00e4ter von Seiten der Bauernschaft ausschlaggebend war f\u00fcr Revolution und B\u00fcrgerkriegsverlauf. Auch als die Weiterzahlung der Abl\u00f6sesummen 1905 aufgehoben wurde, blieben die Pachtverh\u00e4ltnisse erhalten und wurden ein ma\u00dfgeblicher Streitpunkt beim Bauernkrieg des Jahres 1917.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Das \u00dcberleben der Dorfgemeinde<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der 1904 begonnene Krieg gegen Japan demonstrierte erneut die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit Ru\u00dflands, und die Revolution, die nach der Niederlage ausbrach, zeigte die soziale Instabilit\u00e4t des Landes. W\u00e4hrend das Proletariat, Tr\u00e4ger der entscheidenden Bedrohung f\u00fcr die alte Gesellschaft, in den St\u00e4dten zum erstenmal seinen Machtanspruch auf die Stra\u00dfe trug, begann die alte Ordnung auch auf dem Land ihren R\u00fcckhalt zu verlieren. Bis weit ins Jahr 1906 waren die D\u00f6rfer in Aufruhr. Die Zentren der lokalen Aufst\u00e4nde lagen in Zentralru\u00dfland, dort, wo die obscina vorherrschte. Durch die obscina-Verfassung durch gemeinsame Interessen verbunden und an kollektives Handeln gew\u00f6hnt, zog das Dorf geschlossen gegen den Gutsbesitzer.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da\u00df die obscina \u00f6konomisch der Entwicklung der agrarischen Produktivit\u00e4t im Wege stand, wu\u00dfte man schon lange. Jetzt setzte sich auch politisch der Versuch zu ihrer Abschaffung durch. Fortan &#8222;galt es, die <i>Obscina<\/i>, die so lange allgemeine Zustimmung und den Schutz der Regierung hatte, aufzul\u00f6sen. Ihre Hemmwirkung f\u00fcr die Intensivierung der agrarischen Produktion war l\u00e4ngst allseits anerkannt. Von der Staatsnotwendigkeit &#8211; sie war eine Art Basiseinheit der russischen Gesellschaftsordnung &#8211; zum Staatsfeind wurde sie jedoch erst in der Revolution 1905\/6. W\u00e4hrend der Bauernerhebungen erwies sie sich n\u00e4mlich als Solidarisierungsgemeinschaft der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung gegen die Gutsherren und ihr Land.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> An die Stelle der Dorfgemeinde sollten jetzt Einzelbauern mit Privateigentum an Land treten, als neue soziale St\u00fctze des Zarismus und Bollwerk gegen k\u00fcnftige revolution\u00e4re Umtriebe.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem es 1902 erste b\u00e4uerliche Unruhen gegeben hatte, war die Solidarhaftung der Dorfgemeinde bereits 1903 aufgehoben worden. Noch vor Ende 1905 wurde die Zahlung der Abl\u00f6sungsbetr\u00e4ge beendet, um die aufr\u00fchrerischen Bauernmassen zu bes\u00e4nftigen. Unter dem neuen Ministerpr\u00e4sidenten Stolypin wurde sodann eine Reformgesetzgebung verabschiedet, deren Ziel die Aufl\u00f6sung der Dorfgemeinde war, staatlich gef\u00f6rdert durch Kredite, administrativen Zwang und sonstige Mittel.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bauernschaft hatte indes andere Interessen. &#8222;Das Gros der Bauern reagierte auf die neuen Reformgesetze mit Entt\u00e4uschung und Erbitterung. Sie hatten zus\u00e4tzliches Land gewollt und erwartet, Land von den Gutsbesitzern und dem Staat, der Krone und der Kirche. Nun gab man ihnen &#8211; aus ihrer Sicht &#8211; das blo\u00dfe Eigentumsrecht an dem, was sie schon besa\u00dfen, verbunden mit einer unsicheren Zukunft. Die obscina lie\u00df alle leben, auch die \u00e4rmeren Bauern, so war der Grundtenor vieler \u00c4u\u00dferungen (&#8230;) Nur im Westen, wo die Gemeindeuhren seit langem anders gingen, scheint die Stolypinsche Agrarpolitik auf breitere Zustimmung gesto\u00dfen zu sein. In Zentralru\u00dfland dagegen hatte ein Bauer, der den Wunsch \u00e4u\u00dferte, aus der obscina auszuscheiden, den Rest des Dorfes gegen sich. (&#8230;) Das Dorf antwortete massiv mit Beschimpfungen und Drohungen, mit dem Ausschlu\u00df aus der Dorfversammlung, mit dem Verbot, die Gemeindewege und -wiesen zu benutzen und Wasser aus dem Dorfbrunnen zu sch\u00f6pfen. Sp\u00e4testens wenn man dem &gt;Stolypinbauern&lt; den Roten Hahn aufs Strohdach setzte, rief die Auseinandersetzung zwischen den Wenigen und der b\u00e4uerlichen Masse die zarischen Beh\u00f6rden auf den Plan&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> Unter diesen Umst\u00e4nden war das Ausscheiden Einzelner aus der Dorfgemeinde die Ausnahme. Wenn, dann machten meist die Bauern eines ganzes Dorf mit der obscina Schlu\u00df und verteilten das Land als Privateigentum unter sich. Aber auch bei den neuen Einzelbauern blieb in der Regel ein erheblicher Teil des Landes in Gemeindebesitz, n\u00e4mlich die Weide und der Wald.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Zahl der Aussteiger aus der Dorfgemeinde erreichte 1909 mit 580.000 Hofbauern den H\u00f6hepunkt; danach gab es einen raschen R\u00fcckgang. 1914 beantragten noch 98.000 Bauern die Privatisierung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> Demzufolge schieden weniger Bauern aus, als die Landbev\u00f6lkerung zunahm; 1913 betrug die agrarische \u00dcberv\u00f6lkerung bereits 30 Millionen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Au\u00dferdem waren die Daten \u00fcber die angeblich niedergehende Dorfgemeinde gesch\u00f6nt. &#8222;Die Ver\u00f6ffentlichung von Zahlen \u00fcber den &gt;Zerfall der obscina&lt; war Teil der Kampagne. Die Verl\u00e4\u00dflichkeit der Angaben ist umstritten&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> Die russischen Marxisten allerdings glaubten den Zahlen. Sie unterstellten einen Entwicklungsstand des Kapitalismus auf dem Land, der in der Realit\u00e4t nicht vorhanden war; Lenins Buch &#8222;\u00dcber die Entwicklung des Kapitalismus in Ru\u00dfland&#8220; legt davon Zeugnis ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nur im S\u00fcden und Westen des Zarenreichs, im Baltikum und der Ukraine, machte die Aufl\u00f6sung der Dorfgemeinde substantielle Fortschritte; vor allem in diesen Regionen wurde auch Adelsland von Privatbauern gekauft, so da\u00df der Adelsanteil am bebaubaren Boden insgesamt zur\u00fcckging, 1916 allerdings noch mehr als ein Viertel betrug.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> In Zentralru\u00dfland dagegen herrschte weiterhin die Gemeindeverfassung vor. W\u00e4hrend der Boden hier unter immer mehr Gemeindeangeh\u00f6rige verteilt werden mu\u00dfte, klammerten sich die Bauern um so st\u00e4rker an die Dorfgemeinde, die ihren Lebensunterhalt sicherte, und richteten ihre landhungrigen Blicke auf den benachbarten Gutsbesitz der Adeligen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die mit den Stolypinschen Reformen gleichfalls eingeleitete \u00dcbersiedlungskampagne in die d\u00fcnn besiedelten Teile des russischen Reiches hatte mehr Erfolg. In der Zeit von 1906-1916 gingen 3,1 Mio Bauern nach Sibirien, in den Fernen Osten, in das Steppengebiet und nach Turkestan, von denen 550.000 wieder zur\u00fcckkehrten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Da jungfr\u00e4uliches Land jedoch begrenzt war, war auch dies keine L\u00f6sung f\u00fcr die zunehmende \u00dcberv\u00f6lkerung Ru\u00dflands.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Stolypinsche Weg zur Umgestaltung Ru\u00dflands und zur Festigung der Zarenherrschaft f\u00fchrte also in die Sackgasse. Statt die vorhandenen Gegens\u00e4tze zu befrieden, wurde die Dorfgemeinde, die Masse der russischen Bauern, endg\u00fcltig zur Gegnerin der bestehenden Ordnung, und statt die Herrschaft des Zaren sozial zu stabilisieren, wurden die Voraussetzungen f\u00fcr die Oktoberrevolution geschaffen. Um die Revolution siegen zu lassen, reichten indes erneute Bauernrevolten, ja selbst ein ganzer Bauernkrieg, nicht aus. Aufgrund ihrer Produktionsweise zersplittert, w\u00fcrde jeder neue Aufstand der Bauern letzten Endes von der zentralisierten Staatsmacht niedergeschlagen werden. Dies war und blieb das unausweichliche Schicksal aller Bauernaufst\u00e4nde in den Jahren und Jahrhunderten davor, nicht nur in Ru\u00dfland, sondern in ganz Europa.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben die Bauern als Gegner der bestehenden Gesellschaftsordnung trat jedoch das Proletariat. Zwar w\u00e4re auch die russische Bourgeoisie prinzipiell als B\u00fcndnispartner der Bauern infrage gekommen. Mit den liberalen Gutsbesitzern verbunden, die im Gegensatz zum Gros ihrer Klassengenossen f\u00fcr eine kapitalistisch-b\u00fcrgerliche Entwicklung auf dem Land eintraten, war die russische Bourgeoisie jedoch nicht in der Lage, die Forderung der Gemeindebauern nach Land zu erf\u00fcllen, denn sie machten keinen Unterschied zwischen feudal oder kapitalistisch wirtschaftenden Gutsbesitzern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Arbeiterklasse stand noch mit einem Bein im Dorf, denn erst seit der Stolypinschen Reform gab es die M\u00f6glichkeit, das eigene Anteilland zu verkaufen, und davon hatten l\u00e4ngst nicht alle Gebrauch gemacht. Diese zwischen obscina und Fabrik stehenden Arbeiter waren also keinesfalls &#8222;frei von allen Bindungen&#8220; an die alte Gesellschaft, wie Marx das als notwendig f\u00fcr die Bildung des modernen Proletariats ansieht. Andererseits hatte das Proletariat dadurch Verbindung mit der vor sich gehenden G\u00e4rung auf dem Dorf, ebenso wie dieses mit den revolution\u00e4ren Ideen aus der Stadt in Kontakt kam. Gleichzeitig war die russische Arbeiterklasse zahlenm\u00e4\u00dfig schwach &#8211; sie umfa\u00dfte am Vorabend des Weltkriegs ca. 3 &#8211; 4 Millionen &#8211; andererseits aber war sie hochkonzentriert und damit politisch schlagkr\u00e4ftig; \u00fcber die H\u00e4lfte der Arbeiter war in Betrieben von mehr als 500 Personen besch\u00e4ftigt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die Obscina als Gewinnerin der Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Februar 1917 st\u00fcrzte der Zar durch einen Generalstreik der Petersburger Arbeiter, als sich die b\u00e4uerlichen Regimenter, statt auf die Arbeiter zu schie\u00dfen, mit ihnen verbr\u00fcderten oder neutral blieben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Damit war aber nur der politische \u00dcberbau ge\u00e4ndert; die ma\u00dfgeblichen sozialen Triebkr\u00e4fte der Revolution wirkten weiter, weil sie nicht befriedigt wurden. Frieden und Brot waren die Forderungen des Proletariats in den St\u00e4dten, und Frieden und Land waren die Forderungen der Bauernmassen auf dem Land. Die Landreform richtete sich gegen die Gutsbesitzer, und der Krieg mu\u00dfte in den Augen der b\u00e4uerlichen Armee (wegen der Kriegsproduktion waren Arbeiter im allgemeinen vom Kriegsdienst freigestellt) beendet werden, damit die Bauernsoldaten bei der Landreform wieder in ihren D\u00f6rfern waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die b\u00fcrgerlich-kleinb\u00fcrgerlichen Regierungen, die in verschiedenen Konstellationen nach dem Februar agierten, verwirklichten weder das eine noch das andere. In der Landfrage vertr\u00f6stete man auf die verfassunggebende Versammlung, die die Landreform auf geordnet parlamentarisch-b\u00fcrgerlichem Wege in die Hand nehmen sollte, und in der Kriegsfrage hielt die Regierung an den zarischen Abmachungen mit den westlichen Alliierten fest, keinen Separatfrieden mit Deutschland zu schlie\u00dfen. Erst nach einem gewonnenen Krieg glaubte man sich stark genug, die Landfrage anzugehen, denn die Landreform noch im Krieg anzugehen bedeutete, da\u00df die Bauernsoldaten nicht mehr in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben zu halten waren. Dabei war die Landreform faktisch bereits zugange &#8211; auf dem revolution\u00e4ren Weg der &#8222;schwarzen Umteilung&#8220;. Die Bauern schlugen Holz in den W\u00e4ldern des Gutsbesitzers, trieben ihr Vieh auf seine Weiden, verweigerten die Pachtzahlungen oder z\u00fcndeten auch schon einmal einen Gutshof an.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als mit dem Sommer des Jahres 1917 die Ernte vorbei war, flammte der vor\u00fcbergehend zur\u00fcckgeflutete Aufruhr richtig auf. &#8222;Im Herbst, als im Zusammenhang mit der Winteraussaat Pacht- und Bodenfragen geregelt werden mu\u00dften, erreichte der b\u00e4uerliche Aufruhr seinen H\u00f6hepunkt: Er entwickelte sich nun zu einem regelrechten Bauernkrieg, an dem ganze D\u00f6rfer und sogar Bezirke teilnahmen. Etwa neun Zehntel des europ\u00e4ischen Ru\u00dfland waren jetzt von der Bewegung erfa\u00dft. So war die radikale Umw\u00e4lzung der alten Agrarverh\u00e4ltnisse bereits in vollem Gange, als in Petrograd die Provisorische Regierung gest\u00fcrzt wurde.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> Gleichzeitig l\u00f6sten sich die Regimenter der Armee scharenweise auf und str\u00f6mten die Bauern im Waffenrock in ihre D\u00f6rfer zur\u00fcck, um bei der schwarzen Umteilung nicht leer auszugehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bolschewiki waren die einzige st\u00e4dtische Partei, die f\u00fcr die sofortige Beendigung des Kriegs eintrat und nicht auf die Konstituierende Versammlung vertr\u00f6stete, sondern die spontane revolution\u00e4re Landnahme der Bauern guthie\u00df, wenn auch nach heftigen inneren Auseinandersetzungen. Nach dem Februar ging nicht nur die Mehrheit der Arbeiterklasse zu den Bolschewiki \u00fcber, sondern schwenkten auch die Bauernmassen allm\u00e4hlich von der Regierung ab, als die Landreform nicht angegangen wurde. Das erm\u00f6glichte die Machtergreifung durch die Partei Lenins im Oktober. Die noch gew\u00e4hlte Nationalversammlung konnte von den Bolschewiki widerstandslos aufgel\u00f6st werden, als sie sich weigerte, das Dekret \u00fcber die Nationalisierung des Bodens zu akzeptieren. Nur die st\u00e4dtischen Intellektuellen und die Bourgeoisie trauerten ihr nach. Die Masse des Volkes reagierte gleichg\u00fcltig, waren die Hauptaufgaben, zu deren Erf\u00fcllung ihre Einberufung gefordert worden war &#8211; Frieden und Landverteilung &#8211; doch gel\u00f6st.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die haupts\u00e4chlichen Gewinner der Oktoberrevolution waren die Bauern, die Muschiks. &#8222;In unserem Bauernland waren es die Bauern schlechthin, die von der Diktatur des Proletariats als erste, am meisten und auf einen Schlag Vorteile gehabt haben&#8220;, stellte Lenin fest. &#8222;Unter der Diktatur des Proletariats geschah es <i>zum erstenmal<\/i>, da\u00df der Bauer f\u00fcr sich arbeitete und da\u00df er <i>sich besser ern\u00e4hrte als der St\u00e4dter<\/i>.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> F\u00fcr die Bauern bedeutete die Revolution das Ende der Pachtzahlungen, Schuldverpflichtungen und Abh\u00e4ngigkeiten vom Gutsherrn.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Der Landgewinn f\u00fcr den einzelnen Bauern war nicht gro\u00df. Weil die Landbev\u00f6lkerung von 119 auf 122 Mio und die Zahl der H\u00f6fe von 21 Mio im Jahre 1916 auf 24 Mio im Jahr 1925 stieg, blieb f\u00fcr die vorhandenen H\u00f6fe nicht viel zus\u00e4tzliches Land \u00fcbrig. Gleichzeitig wurde fast die H\u00e4lfte der armen Bauern durch das zus\u00e4tzliche Land, Vieh und Ger\u00e4te des Gutsbesitzers zu Mittelbauern, die nun mit 60% die Mehrheit im Dorf stellten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a> Die versteckte d\u00f6rfliche Arbeitslosigkeit ging vor\u00fcbergehend zur\u00fcck.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Dekret \u00fcber den Boden, dessen Zentralteil als &#8222;W\u00e4hlerauftrag zur Bodenfrage&#8220; aufgrund von 242 W\u00e4hlerauftr\u00e4gen \u00f6rtlicher Sowjets von Bauerndelegierten zusammengestellt worden war, sind die Produktionsverh\u00e4ltnisse auf dem Land festgelegt, die von der Masse der russischen Bauern verlangt und durchgesetzt wurden: Am 26.Oktober (8.November) 1917 stellte Lenin dieses Dekret vor dem Zweiten Allrussischen Kongre\u00df der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten vor: &#8222;Das Privateigentum an Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben; der Boden darf weder verkauft noch gekauft, weder in Pacht gegeben noch verpf\u00e4ndet, noch auf irgendeine andere Weise ver\u00e4u\u00dfert werden. Der gesamte Boden &#8230; wird entsch\u00e4digungslos enteignet, zum Gemeineigentum des ganzen Volkes erkl\u00e4rt und allen, die ihn bearbeiten, zur Nutzung \u00fcbergeben.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weiter wurde im W\u00e4hlerauftrag und dementsprechend im Dekret festgelegt: &#8222;6. Das Recht der Bodennutzung erhalten alle B\u00fcrger des Russischen Staates (ohne Unterschied des Geschlechts), die den Boden selbst, mit Unterst\u00fctzung ihrer Familie oder genossenschaftlich bearbeiten wollen, und zwar nur f\u00fcr so lange, wie sie imstande sind, ihn zu bearbeiten. Lohnarbeit wird nicht zugelassen. (&#8230;) 7. Die Bodennutzung mu\u00df ausgleichend sein, d.h., der Boden wird je nach den \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen auf Grund der Arbeitsnorm oder Verbrauchsnorm unter die Werkt\u00e4tigen aufgeteilt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese &#8222;Nationalisierung&#8220; des Bodens war das Programm der historisch \u00fcberkommenen, b\u00e4uerlich-egalit\u00e4ren, urkommunistischen Dorfgemeinde. Das der Dorfgemeinde fremde Privateigentum an Grund und Boden wurde aufgehoben. Ganz Ru\u00dfland wurde so zur Dorfgemeinde; alle Staatsb\u00fcrger wurden zu obscina-Mitgliedern erkl\u00e4rt. &#8222;Die Liquidierung des Gro\u00dfgrundbesitzes vollzog sich als &gt;Umverteilung&lt; (peredel) innerhalb der Gemeinde, und an ihrem Ende stand die Konsolidierung, die Wiedergeburt der obscina.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> Auch das Verbot der Lohnarbeit erfolgte als b\u00e4uerlich-egalit\u00e4re Forderung, nicht als proletarische Errungenschaft. Der b\u00e4uerliche Gleichheitsdrang der obscina ging so weit, da\u00df bei der Bodenumteilung nicht die Anzahl der Arbeitskr\u00e4fte auf einem Hof, sondern die Anzahl der Familienmitglieder zum Ma\u00dfstab werden sollte, wie Lenin feststellte. &#8222;Bei der Verteilung des Bodens herrscht jetzt bekanntlich maximale Gleichheit: in den weitaus meisten F\u00e4llen teilen die Bauern den Grund und Boden &gt;nach Essern&lt; auf.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Sieg der russischen Gemeindebauern hatte zur Folge, da\u00df nicht nur die adeligen Gutsbesitzer enteignet wurden, sondern auch andere agrarische Privateigent\u00fcmer, n\u00e4mlich die Stolypinschen Bauern, die in den Jahren zuvor aus der Dorfgemeinde ausgetreten waren. Zumindest war das dort der Fall, wo es ein Nebeneinander verschiedener Produktionsformen gab, also erst einzelne Bauern Privateigentum an Land begr\u00fcndet hatten. &#8222;Eben erst gegen den Willen der obscina aus dem Dorfverband ausgeschieden, wurden sie nun in Strafaktionen zur\u00fcckgeholt. H\u00e4ufig ging es ihnen dabei nicht besser als den Gutsbesitzern: Sie verloren das in den Augen der Bauern widerrechtlich entwendete obscina-Land, aber auch Vieh und Inventar, und die Besitzungen wurden zerst\u00f6rt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 1.1.1927, am Vorabend der Kollektivierung, betrug der Anteil der Obscina am nicht staatlich bewirtschafteten Boden \u00fcber 95%; die verbliebenen Privatbauern besa\u00dfen lediglich ganze 3,5% des Bodens.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> Allerdings sind solche Angaben mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Viele D\u00f6rfer, die die obscina bereits vor der Oktoberrevolution geschlossen aufgel\u00f6st hatten, d\u00fcrften formal wieder dahin zur\u00fcckgekehrt sein, um das Land des benachbarten Gutsbesitzers zu bekommen. Wer aber sollte sie zwingen, tats\u00e4chlich eine regelm\u00e4\u00dfige Landumteilung vorzunehmen, woran nicht einmal die bolschewistische Staatsmacht Interesse hatte, die im Gegenteil versuchte, die Landumteilung ihrer Unproduktivit\u00e4t wegen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen? Oder warum sollten die sibirischen Bauern, die dort von Anfang an als freie Farmer auf privatem Grundbesitz gesiedelt hatten, die obscina neu einf\u00fchren? Insgesamt sind die geographischen Unterschiede und Auswirkungen des Oktobers auf die verschiedenen Landesteile noch wenig gekl\u00e4rt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei alledem war die neue Staatsmacht auf dem Land von Beginn an ungeheuer schwach. Die Regierung hatte vorgehabt, die wenigen hochproduktiven G\u00fcter als staatliche Gro\u00dfbetriebe (Sowchosen) zu erhalten, zumindest solche mit technischen Kulturen und Verarbeitungsanlagen. Sie sollten als Musterg\u00fcter dienen und eine Mindestversorgung der St\u00e4dte sicherstellen. Gegen die Bauernmassen war dies aber nicht durchzusetzen; bis auf einen Restbestand von weniger als 5% des zur Verteilung gelangten Bodens wurde alles Land von den Dorfgemeinden \u00fcbernommen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> &#8222;Um seine Macht zu sichern, nahm das Sowjetregime die Aufteilung allen Gro\u00dfgrundbesitzes und die Festigung der <i>obscina<\/i> in Kauf. (&#8230;) Der Gegensatz zwischen Stadt und Land blieb erhalten. Hier lag die tiefste Ursache f\u00fcr die Probleme, die Stalin 1929\/30 mit dem Gewaltstreich der Kollektivierung zu l\u00f6sen suchte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. \u00dcber den Charakter der Oktoberrevolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Oktoberrevolution war eine antifeudale Revolution, insoweit sie die unvollendeten Aufgaben der Februarrevolution zu Ende brachte und die sozialen Grundlagen der Herrschaft der Gutsbesitzerklasse beseitigte. Aber obwohl das Proletariat die Staatsmacht ergriff, wurde das <i>soziale Wesen<\/i> dieser Revolution nicht durch die Arbeiterklasse gepr\u00e4gt. Zwar wurden die Banken und gro\u00dfen Betriebe verstaatlicht, aber eine sozialistische Produktionsweise war nicht m\u00f6glich; stattdessen herrschte in den 20er Jahren der Staatskapitalismus vor. Lenin betrachtete den Oktober darum nie als sozialistisch, weil es f\u00fcr ihn keine Frage war, da\u00df sich der Charakter der Oktoberrevolution nicht aus der proletarischen F\u00fchrung, sondern aus dem B\u00fcndnis mit der Bauernschaft als der entscheidenden sozialen Tr\u00e4gerin des Umsturzes ergab. Aus diesem Grund begriff er die Oktoberrevolution bis zu seinem Tod als &#8222;b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution&#8220;, weil es, wie er 1918 in seinem Artikel &#8222;Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky schrieb, &#8222;zusammen mit der &gt;gesamten&lt; Bauernschaft gegen die Monarchie, gegen die Gutsbesitzer, gegen das Mittelalter&#8220; ging.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ebenso bemerkte er Ende 1921 in seinem Artikel zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution: &#8222;B\u00fcrgerlich-demokratischer Inhalt der Revolution, das hei\u00dft &#8211; S\u00e4uberung der sozialen Verh\u00e4ltnisse (der Zust\u00e4nde, der Einrichtungen) des Landes vom Mittelalterlichen, von der Leibeigenschaft, vom Feudalismus.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a> Eben das war nur bedingt richtig. Die Oktoberrevolution beseitigte nicht <i>das<\/i> Mittelalter auf dem Land, sondern war von Seiten der Bauern ein Sieg des <i>b\u00e4uerlichen<\/i> Mittelalters \u00fcber das <i>feudalherrliche<\/i> Mittelalter. Ebensowenig war es die <i>gesamte<\/i> Bauernschaft, die 1917 gegen den Gutsbesitz marschierte. Gegner der b\u00e4uerlichen Revolution waren auch die Stolypinschen Bauern, die aus der obscina ausgeschieden waren und deren Privateigentum nun von der Dorfgemeinde wieder zerschlagen wurde. Auch in dieser Hinsicht war die Oktoberrevolution nicht &#8222;b\u00fcrgerlich&#8220;. Lenin hatte v\u00f6llig recht, wenn er das Wesen der Oktoberrevolution durch die Bauern bestimmt sah. Aber er hatte Unrecht, sie deswegen als b\u00fcrgerlich zu bezeichnen, denn es waren die <i>vorb\u00fcrgerlichen<\/i> Gemeindebauern, die die Revolution auf dem Land bestimmten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Begriff der Warenproduktion wird der Fehler, den Lenin begeht, offenkundig. In seiner Auseinandersetzung mit Kautsky \u00fcber die Oktoberrevolution schreibt er: &#8222;Im B\u00fcndnis des Proletariats mit der Bauernschaft <i>\u00fcberhaupt<\/i> tritt eben der b\u00fcrgerliche Charakter der Revolution zutage, denn die Bauern \u00fcberhaupt sind Warenproduzenten, die auf dem Boden der Warenproduktion stehen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a> Damit wird &#8222;Warenproduktion&#8220; unausgesprochen mit dem Kapitalismus identifiziert und daraus der b\u00fcrgerliche Charakter der Oktoberrevolution abgeleitet. Das ist falsch. Gewinnerin der Oktoberrevolution war die <i>vorb\u00fcrgerliche<\/i> obscina. Soweit die Masse der Gemeindebauern \u00fcberhaupt Waren produzierte, geschah dies auf dem Boden <i>nichtkapitalistischer<\/i>, einfacher Warenproduktion.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleichzeitig war die Bauernrevolution b\u00fcrgerlich <i>beschr\u00e4nkt<\/i>. Zwar wurden die kapitalistischen Keime <i>au\u00dferhalb<\/i> der obscina durch die gewaltsame R\u00fcckholung der Stolypinbauern in die Dorfgemeinde vernichtet. Das Gemeineigentum der Dorfgemeinde beschr\u00e4nkte sich jedoch auf Grund und Boden, es umfa\u00dfte nicht die Produktionsmittel (Pferde, Pfl\u00fcge, Saatgetreide etc). Die Produktionsmittel standen in Privateigentum und konzentrierten sich bei den Kulaken, den reichen Bauern, deren Familien h\u00e4ufig schon seit Generationen das Dorf beherrschten und meist den Dorf\u00e4ltesten stellten. Ihr &#8222;Reichtum&#8220; bestand oft nur darin, da\u00df sie ein Pferd (mehr) oder einen gr\u00f6\u00dferen Getreidevorrat besa\u00dfen. Sie konnten Produktionsinstrumente (Pferd, eiserner Pflug), Getreide und Geld zu Wucherzinsen <i>innerhalb<\/i> der Dorfgemeinde verleihen und bildeten die Schl\u00fcsselfigur des Dorfes, weil ein Gro\u00dfteil der Gemeindebauern \u00f6konomisch auf sie angewiesen war. Teils pachteten sie auch anderes Bauernland dazu und wandten Lohnarbeit an, entweder gegen Zahlung in Geld oder als Abarbeit der \u00e4rmeren Bauern f\u00fcr das ihnen geliehene Pferd. W\u00e4hrend der Stolypinschen Reformen hatten sie gar nicht daran gedacht, aus der obscina auszuscheiden und Privateigentum an Boden zu erhalten, gr\u00fcndete sich ihre Stellung doch gerade auf die Existenz der Dorfgemeinde, nicht auf ihr Verschwinden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Kulaken waren in der Oktoberrevolution unbehelligt geblieben. &#8222;Im Gegenteil ereignete es sich nicht selten, da\u00df der &gt;Dorfkulak&lt; oder wohlhabende Bauer sich selber aktiv an der Beraubung des gutsherrlichen Besitzes beteiligte, da er einerseits begriff, da\u00df es ihm \u00fcbel ergehen k\u00f6nnte, wenn er sich von seinen aufgebrachten Dorfgenossen distanzierte, und er andererseits mit seiner gr\u00f6\u00dferen Viehherde und seinem Maschinenpark bei der Landaufteilung nur noch profitieren k\u00f6nne.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a> Um <i>diese<\/i> Keime der kapitalistischen Entwicklung zu zerschlagen, die die urkommunistische Dorfgemeinde von innen heraus zersetzten, h\u00e4tten auch die Produktionsmittel vergemeinschaftet werden m\u00fcssen. Das lag jenseits des Horizontes der obscina. Sie setzte gegen die Kulaken einzig das Verbot von Lohnarbeit und Pacht im Bodendekret durch, und dieses Verbot blieb auf dem Papier. Aufgrund der starken Stellung der Dorfkulaken konnte es nie durchgesetzt werden, und Mitte der 20er Jahre wurde sogar die offizielle Ausweitung von Pacht und Lohnarbeit zugelassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insoweit war die Oktoberrevolution b\u00fcrgerlich beschr\u00e4nkt; das zeigte die Neue \u00d6konomische Politik (NEP), die einzige Politik, die objektiv m\u00f6glich war, nachdem der Ausnahmezustand des Kriegskommunismus vorbei war, und die der Entwicklung des Kapitalismus die T\u00fcren \u00f6ffnete. Aber diese b\u00fcrgerliche Seite bildete nicht die besondere Qualit\u00e4t der Oktoberrevolution, nicht ihren positiven Inhalt, sondern eine negative Schranke. Die Dorfkulaken hatte es schon vor der Oktoberrevolution gegeben und gab es sie danach auch; ihre Weiterexistenz machte nicht das Wesen des Oktobers aus. Mit der Revolution wurde der <i>eine<\/i> Weg der kapitalistischen Entwicklung (Zerschlagung der Dorfgemeinde von au\u00dfen durch die Begr\u00fcndung von Privateigentum an Land) abgebrochen, der andere (Zersetzung von innen heraus durch die Entwicklung des Kulakentums) aber wurde fortgesetzt. Das waren die zwei Seiten der obscina der 20er Jahre: einerseits bildete das Privateigentum an den Produktionsmitteln die Basis f\u00fcr die Entwicklung eines b\u00e4uerlichen Kapitalismus, andererseits erleichterte das Gemeineigentum an Grund und Boden den \u00dcbergang zu assoziierten Produktionsformen, dem sp\u00e4teren Kolchos.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der revolution\u00e4ren Praxis hatte Lenin einen Bruch mit dem bisherigen Marxismus vollzogen, in der theoretischen Einsch\u00e4tzung des Oktobers als &#8222;b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution&#8220; \u00fcberbewertete er aber den Reifegrad der Verh\u00e4ltnisse und blieb den Parallelen zum Westen verhaftet. Das zeigt auch der Vergleich mit Preu\u00dfen-Deutschland. Hier stand im November 1918 tats\u00e4chlich eine b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution unter F\u00fchrung des Proletariats im B\u00fcndnis mit der Bauernschaft gegen die herrschende Junkerklasse und die mit ihr verb\u00fcndete schwerindustrielle Bourgeoisie an. Diese Revolution in Deutschland mu\u00dfte u.a. b\u00fcrgerlich sein, weil die notwendige Gewinnung der landhungrigen Bauernschaft erforderte, Adelsland an sie zu verteilen. Aber das waren im Unterschied zu Ru\u00dfland b\u00e4uerliche <i>Privateigent\u00fcmer<\/i> an Land. Stand in Deutschland aufgrund der entwickelteren Verh\u00e4ltnisse eine b\u00fcrgerliche Revolution an, so mu\u00dfte die Revolution in Ru\u00dfland unter den erheblich zur\u00fcckgebliebeneren Verh\u00e4ltnissen des Zarenreichs auch einen dahinter zur\u00fcckbleibenden Charakter annehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zusammengefa\u00dft war die Oktoberrevolution eine <i>b\u00fcrgerlich beschr\u00e4nkte Bauernrevolution im B\u00fcndnis und unter F\u00fchrung des Proletariats<\/i>. Sie war ihrem Wesen nach b\u00e4uerlich, weil sie mit der Nationalisierung des Bodens und der Verteilung der Gutsl\u00e4ndereien an die obscinas das Hauptziel der Gemeindebauern verwirklichte. Sie war gleichzeitig b\u00fcrgerlich beschr\u00e4nkt, weil zwar das Privateigentum an Grund und Boden beseitigt wurde, aber nicht der innerhalb der obscina keimende Kapitalismus, der sich auf das fortbestehende Privateigentum an den agrarischen Produktionsmitteln gr\u00fcndete. Zum dritten war der Sieg der Bauern nur unter F\u00fchrung durch das Proletariat m\u00f6glich. Der Lohn f\u00fcr die Arbeiterklasse war die Eroberung der Staatsmacht und die Inbesitznahme der wichtigsten industriellen Produktionsmittel sowie der Banken durch den proletarischen Staat. An diesem Punkt wies die Oktoberrevolution \u00fcber den Kapitalismus hinaus; als b\u00e4uerliche Revolution ging sie hinter ihn zur\u00fcck.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beide Seiten blieben w\u00e4hrend der 20er Jahre zun\u00e4chst im Bann der NEP, dh. der b\u00fcrgerlichen Schranken des Oktober. Als jedoch am Ausgang des Jahrzehnts die NEP mit den Kulaken in den Flammen der Kollektivierung unterging und die obscina sich in den Kolchos verwandelte, standen vorkapitalistische Bauernschaft und Proletariat sich direkt gegen\u00fcber und mu\u00dfte sich noch erweisen, ob neben den b\u00fcrgerlichen auch die b\u00e4uerlichen Schranken der Oktoberrevolution \u00fcberwunden werden konnten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Zu den nationalen K\u00e4mpfen im Baltikum<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die bauernkommunistische soziale Grundlage der russischen Oktoberrevolution l\u00e4\u00dft auch das Wesen der nationalen Unruhen begreifen, die es w\u00e4hrend des anschlie\u00dfenden B\u00fcrgerkriegs in entwickelteren <i>nichtrussischen<\/i> Regionen des Zarenreiches gab, u.a. im Baltikum. Das katholische Litauen nahm dabei eine eigene Stellung ein. Dort war die Dorfgemeinde noch vorhanden, wenngleich nicht mehr so verbreitet und stabil wie in Ru\u00dfland, und spielte die nationale Vergangenheit und Beziehung zu Polen eine eigene Rolle, wie bis heute zu bemerken ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im sp\u00e4teren Estland und Lettland hatten im 19.Jahrhundert \u00e4hnlich wie in Preu\u00dfen Agrarreformen stattgefunden, die bei der Aufl\u00f6sung der feudalen Besitzverh\u00e4ltnisse auf der einen Seite Gutsbesitzer belie\u00dfen, auf der anderen Seite Privatbauern schufen; die Dorfgemeinde verschwand. Im Unterschied zu Kernru\u00dfland sah das Jahr 1917 hier private Grundeigent\u00fcmer, seien es Gutsbesitzer oder Bauern, die <i>beide<\/i> durch die Oktoberrevolution und deren Programm der Nationalisierung des Bodens bedroht wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie in Ru\u00dfland war die <i>Agrarfrage<\/i> bei den Umw\u00e4lzungen am Ausgang des ersten Weltkriegs entscheidend, nur stellte sie sich anders und damit zugleich als nationale Frage. Aufgrund der erst in den Anf\u00e4ngen steckenden industriellen Entwicklung war das Proletariat des Baltikums, auf sich allein gestellt, wie in Ru\u00dfland zu schwach, die Macht zu halten. Nur vor\u00fcbergehend hatten die Revolution\u00e4re Erfolge. Schwachpunkt war u.a. ihr Agrarprogramm, demzufolge der gro\u00dfe Gutsbesitz nicht an Landarbeiter und arme Bauern verteilt, sondern in sozialistische Gro\u00dfwirtschaften umgewandelt werden sollte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> Das war das klassische marxistische Programm. Auf diese Weise gelang es nicht, die zahlenm\u00e4\u00dfig starken Landarbeiter der Adelsg\u00fcter dauerhaft auf die eigene Seite zu ziehen; sie standen zwar einerseits im Gegensatz zu ihren Gutsherren, andererseits aber war ihnen mehr daran gelegen, eigenen Grund und Boden zu bekommen und selber Bauern zu werden, als eine Revolution gegen das Privateigentum durchzuf\u00fchren. Das machte sie zu schwankenden Verb\u00fcndeten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Oktober stand das st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche Privateigentum des Baltikums geschlossen gegen den Bolschewismus. Aber kaum hatten Bauern und Gutsbesitzer die bolschewistische Gefahr mit Hilfe deutscher Freikorps und der Entente gemeinsam zur\u00fcckgeschlagen und waren Estland, Lettland und Litauen von der Sowjetunion anerkannt, wurde die Agrarfrage, die eigentliche Triebkraft der staatlichen Unabh\u00e4ngigkeit, auch im Innern gel\u00f6st. Am radikalsten geschah dies in Lettland und Estland, wo die preu\u00dfisch-deutsche Abkunft der meisten Gutsbesitzer der sozialen Umw\u00e4lzung eine zus\u00e4tzliche nationale Triebkraft verlieh. Der Gutsbesitz wurde entsch\u00e4digungslos (Lettland) oder mit einer nur symbolischen Entsch\u00e4digung (Estland) enteignet. Der Waldbesitz ging in Staatseigentum \u00fcber, und der bebaubare Boden wurde an Landarbeiter und Bauern verteilt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die entscheidende Differenz zwischen der baltischen und der russischen Umw\u00e4lzung lag also im Agrarbereich: Estland und Lettland waren <i>agrarisch entwickelter<\/i> als Ru\u00dfland; hier war im Gegensatz zu Ru\u00dfland die Dorfgemeinde verschwunden und mit der Durchsetzung des Privateigentums auch die Produktivit\u00e4t gestiegen. Durch die revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung in den beiden n\u00f6rdlichen baltischen Staaten wurde wie in Ru\u00dfland die soziale Basis der herrschenden Adelsklasse zerschlagen, aber <i>auf dem Boden einer St\u00e4rkung des Privateigentums<\/i>. Beidemale ging es gegen den Gutsbesitz, aber das einemal (Ru\u00dfland) auf b\u00e4uerlich-mittelalterlicher, das anderemal (Baltikum) auf b\u00e4uerlich-b\u00fcrgerlicher Grundlage. Beidemal konnte sich das Proletariat nur in Verkn\u00fcpfung mit einer agrarischen Revolution an der Macht halten. In Ru\u00dfland machte sich das Proletariat zum <i>Vollstrecker<\/i> der b\u00e4uerlichen Forderungen und gelangte so an die Macht; im Baltikum dagegen wandte sich das Proletariat <i>gegen<\/i> die Forderungen der agrarischen Produzentenmassen und wurde geschlagen. Das Oktoberb\u00fcndnis mit den Bauern war f\u00fcr das Proletariat in Ru\u00dfland deshalb m\u00f6glich, weil die urkommunistische Dorfgemeinde gegen das Privateigentum an Grund und Boden stand. In Lettland und Estland dagegen h\u00e4tte das Proletariat f\u00fcr die Anerkennung und sogar Ausdehnung des l\u00e4ndlichen Privateigentums eintreten m\u00fcssen, um an der Macht zu bleiben; dem verweigerte es sich. Die scheinbar gr\u00f6\u00dfere Fortschrittlichkeit der Oktoberrevolution mit ihrer Nationalisierung von Grund und Boden dokumentiert tats\u00e4chlich die gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckgebliebenheit des Landes.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>II. Der Arbeiterstaat der 20er Jahre<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Politisch war das Ergebnis der Oktoberrevoluktion eine proletarische Staatsmacht in einem Bauernland. Der Versuch, mit den linken Sozialrevolution\u00e4ren als Vertretern der obscina-Bauernschaft eine gemeinsame Regierung zu bilden, scheiterte nach kurzer Zeit aufgrund der Stellung zum Separatfrieden von Brest-Litowsk mit Deutschland, dessen Abschlu\u00df zum Ausscheiden der Sozialrevolution\u00e4re aus der Regierung f\u00fchrte. An der Staatsmacht desinteressiert und durch das Mehrklassenwahlrecht der Verfassung von 1922 von ihr ferngehalten, \u00fcberlie\u00df die Bauernschaft den Staat der Arbeiterklasse, die ihre Macht aber nur soweit aus\u00fcben konnte, wie das flache Land es gestattete.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Der Kriegskommunismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ersten Jahre der Sowjetmacht bis Anfang 1921 waren die Jahre des Kriegskommunismus. Die neue Macht mu\u00dfte sich in einem mehr als dreij\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg sowohl gegen die wei\u00dfe Konterrevolution als auch gegen deren ausl\u00e4ndische Helfershelfer zur Wehr setzen. Seinem sozialen Wesen nach war der B\u00fcrgerkrieg die Fortsetzung der Oktoberrevolution, ein Krieg zwischen den Gutsherren und den Bauern, von Seiten der Revolution organisiert durch die Bolschewiki. Die russische Bourgeoisie spielte nur am Rande eine Rolle.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Krieg verlangte von der Arbeiterklasse und ihrer Partei die gr\u00f6\u00dften Opfer und f\u00f6rderte zugleich die Illusion, direkt zu einer kommunistischen Gesellschaftsordnung \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen. Lenin bezeichnete den Kriegskommunismus nach dessen Abbruch als eine zeitweilige Ma\u00dfnahme, &#8222;durch Krieg und Ruin erzwungen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> In der konkreten Situation allerdings war er wie die anderen f\u00fchrenden Revolution\u00e4re der Auffassung gewesen, man k\u00f6nnte und w\u00fcrde ohne Zwischenetappe auf den Kommunismus zumarschieren. Das Geld spielte eine immer geringere Rolle und wurde durch Naturalwirtschaft ersetzt; die Lebensmittel wurden bei den Bauern eingetrieben und in den St\u00e4dten unentgeltlich ausgeteilt; f\u00fcr Wohnung, Wasser, Post, Telefon etc. wurde die Bezahlung aufgehoben &#8211; vorausgesetzt, diese G\u00fcter waren \u00fcberhaupt vorhanden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit schien die Theorie von der permanenten Revolution, vom direkten \u00dcbergang der b\u00fcrgerlichen zur sozialistischen Revolution, Realit\u00e4t zu werden. Von Trotzki nach der Revolution von 1905 entwickelt, war sie von Lenin urspr\u00fcnglich heftig bek\u00e4mpft worden; er hatte stattdessen die Position einer revolution\u00e4r-demokratischen Diktatur der Arbeiterklasse und armen Bauernschaft als n\u00e4chstem Ziel und eigener Etappe vertreten. Jetzt realisierte Lenin selber Trotzkis Theorie, und folgerichtig standen sich die beiden in dieser Zeit sehr nahe. Die alten Differenzen, insbesonders Trotzkis jahrelanger Kampf gegen die Leninsche Partei und sein bis 1917 unternommener Versuch, eine Mittelgruppe zwischen Bolschewiki und Menschewiki zu bilden, waren vergessen. Trotzkis Theorie und T\u00e4tigkeit als milit\u00e4rischer Oberbefehlshaber sowie die Leninsche Partei schienen gemeinsam die Erreichung des kommunistischen Endziels zu garantieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Politik scheiterte an den b\u00e4uerlichen Realit\u00e4ten, wobei die Getreidefrage ausschlaggebend war. Um die St\u00e4dte und die wachsende Rote Armee mit Brot zu versorgen, mu\u00dfte Getreide bei den Bauern aufgebracht werden, ohne da\u00df diese entsprechende Gegenleistungen von der Stadt erhielten, weil die industrielle Produktion zum Erliegen gekommen war. Politisch teilte sich die Bauernschaft ihren Interessen entsprechend in drei Gruppen. Die Masse der wei\u00dfen Truppen wurde von den Kosaken gestellt. Als traditionell freie Wehrbauern des Zarismus brauchten sie keine Angst vor der R\u00fcckkehr der Gutsbesitzer zu haben. Von der bolschewistischen Regierung dagegen hatten sie zwar weniger den Verlust ihres Landes zu bef\u00fcrchten, weil das Bodendekret von 1917 ausdr\u00fccklich Ausnahmen von der allgemeinen Nationalisierung des Bodens vorsah. Wohl aber drohte ihnen der Verlust ihrer sonstigen &#8211; u.a. steuerlichen &#8211; Privilegien. &#8222;Die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Konterrevolution der Kosaken waren die Furcht, ihre fr\u00fcheren Privilegien zu verlieren, die ihnen durch die gleichmacherische Agrarpolitik des Sowjetregimes drohende Landeinbu\u00dfe und die zahllosen Akte von Raub und Gewaltt\u00e4tigkeit, die von undisziplierten roten Banden ver\u00fcbt wurden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dort, wo die obscina gar nicht oder nur schwach ausgepr\u00e4gt war und die nicht-kosakische Einzelbauernschaft vorherrschte wie in Sibirien oder der Ukraine, blieben die Bauern im B\u00fcrgerkrieg neutral. Sie hatten von beiden Seiten nur Requirierungen und Steuern zu bef\u00fcrchten, ohne etwas zu gewinnen. Unter der anarchistischen Fahne gegen jeden Staat eingestellt, k\u00e4mpften sie in diesen Regionen sowohl gegen die wei\u00dfen Armeen der Gutsbesitzer als auch gegen die Rote Armee der Arbeiter und Bauern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die b\u00e4uerliche Masse Zentralru\u00dflands dagegen blieb dem B\u00fcndnis mit der Arbeiterklasse treu. Von ihrer Seite aus gab es nur die Alternative, entweder mit den Bolschewiki zusammenzugehen oder erneut den Gutsbesitzern unterworfen zu werden, deren Land sie sich soeben angeeignet hatten. Ein dritter, b\u00fcrgerlicher Weg war nicht gangbar, wie schon die Monate zwischen Februar und Oktober 1917 gezeigt hatten. &#8222;Im Laufe des B\u00fcrgerkriegs wurde immer deutlicher, da\u00df die Gegenrevolution f\u00fcr die Monarchie und die soziale Ordnung der Vorkriegszeit stand. Die St\u00fctzen des Februarregimes, die eine &gt;dritte Kraft&lt; hatten bilden wollen, waren l\u00e4ngst zwischen den Fronten zerrieben worden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a> Die praktische Erfahrung trieb die Bauernmassen immer wieder auf die Seite der Bolschewiki, denn regelm\u00e4\u00dfig, wenn wei\u00dfe Truppen neues Gebiet erobert hatten, &#8222;folgten ihnen auf dem Fu\u00dfe die alten Beamten, die alten Grundherren, die alten Polizisten. Gelegentlich wurde den Bauern mit der Kosakenpeitsche der Respekt f\u00fcr das Eigentum der Grundherren eingebleut.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> Die Rote Armee, am Ende des B\u00fcrgerkriegs 5,5 Millionen Mann stark, bestand im wesentlichen aus den Bauern der Dorfgemeinde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Klassenm\u00e4\u00dfig waren f\u00fcr das Arbeiter-Bauernb\u00fcndnis die Mittelbauern entscheidend, die zahlenm\u00e4\u00dfig die Masse der Bauernschaft bildeten. Im Sommer 1918 wurden jedoch &#8222;Komitees der Dorfarmut&#8220; als d\u00f6rfliche St\u00fctze der bolschewistischen Staatsmacht ins Leben gerufen, die bei den bessergestellten Bauern &#8211; gemeint waren die Kulaken &#8211; Getreide ausfindig machen und beschlagnahmen sollten, um die St\u00e4dte und vor allem die wachsende Armee zu versorgen. Zu dieser Zeit schrieb Lenin \u00fcber den etappenm\u00e4\u00dfigen Verlauf der Revolution: &#8222;<i>Zuerst<\/i> zusammen mit der &gt;gesamten&lt; Bauernschaft gegen die Monarchie, gegen die Gutsbesitzer, gegen das Mittelalter (und insoweit bleibt die Revolution eine b\u00fcrgerliche, b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution). <i>Dann<\/i> zusammen mit der armen Bauernschaft, zusammen mit dem Halbproletariat, zusammen mit allen Ausgebeuteten <i>gegen den Kapitalismus<\/i>, einschlie\u00dflich der Dorfreichen, der Kulaken, der Spekulanten, und insofern wird die Revolution zu einer <i>sozialistischen<\/i> Revolution.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das war die Zeit des Kriegskommunismus, in der er meinte, von der b\u00fcrgerlichen unmittelbar zur sozialistischen Revolution und in den Kommunismus weitergehen zu k\u00f6nnen. Im Dorf war daf\u00fcr das <i>B\u00fcndnis mit der Dorfarmut anstelle der Mittelbauern<\/i> <i>ma\u00dfgeblich<\/i>. Der \u00dcbergang von der b\u00fcrgerlichen zur sozialistischen Revolution hielt jedoch nicht lange an. Die &#8222;Dorfarmut&#8220; war nicht nur der unproduktivste und zur\u00fcckgebliebenste Teil des Dorfes, sondern machte h\u00e4ufig wenig Unterschiede zwischen Kulaken und Mittelbauern. Allen Besitzenden, darunter eben auch Mittelbauern, wurde das Getreide, zum Teil auch Vieh und Inventar, weggenommen und unter die Dorfarmen verteilt. Schon auf dem VIII.Parteitag im M\u00e4rz 1919 forderte Lenin darum, man m\u00fcsse sich mit den Mittelbauern auss\u00f6hnen und die Gewaltakte bei der Getreideeintreibung einschr\u00e4nken. Daraufhin wurden die Komitees der Dorfarmut wieder aufgel\u00f6st. In der Folge festigte sich das B\u00fcndnis mit den Mittelbauern wieder. Als zehn Jahre sp\u00e4ter die Kollektivierung durchgef\u00fchrt wurde, suchten die &#8222;linken&#8220; Teile der Partei indessen erneut das B\u00fcndnis mit der Dorfarmut ohne oder sogar gegen die Mittelbauern &#8211; und scheiterten erneut.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bauern brachten so lange \u00e4u\u00dferste Geduld auf, wie die R\u00fcckkehr ihrer alten Herren drohte. Im Laufe des Jahres 1920 wurde aber immer klarer, da\u00df die Wei\u00dfen endg\u00fcltig geschlagen waren, auch wenn Reste noch weiterk\u00e4mpften. Als nach einer schlechten Ernte 1920 die Zwangseintreibungen trotzdem fortgesetzt wurden, begann eine breite b\u00e4uerliche Aufstandsbewegung. Schlie\u00dflich operierten insgesamt 165 gr\u00f6\u00dfere Gruppen von bewaffneten Bauern auf dem Boden des Sowjetstaates, um sich gegen die weiteren Zwangseintreibungen zur Wehr zu setzen. Teils k\u00e4mpften regelrechte Bauernarmeen mit mehreren 10.000 Angeh\u00f6rigen, so in Sibirien (Antonov), der Ukraine (Machno) oder dem Gouvernement Tambov.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a> Diesmal beschr\u00e4nkten sich die Aufst\u00e4nde nicht auf die Gebiete der Einzelbauern, sondern griffen auch auf die Dorfgemeinden Zentralru\u00dflands \u00fcber. Die Bauernschaft <i>insgesamt<\/i> begann, sich auf dem Boden gemeinsamer Forderungen gegen die Bolschewiki zu wenden. Die Interessen der Gemeindebauern waren in diesem Punkt identisch mit denen der Privatbauern, ebenso wie die der reichen und der Mittelbauern innerhalb der Dorfgemeinde. Die \u00f6konomischen Parolen der Aufst\u00e4ndischen richteten sich gegen den Kriegskommunismus: &#8222;Keine Ablieferung!&#8220;, &#8222;Nieder mit den Beschaffungsabteilungen!&#8220; und &#8222;Es lebe der freie Handel!&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a> Die politische Hauptparole &#8222;Sowjets ohne Bolschewiken&#8220; richtete sich folgerichtig gegen die Tr\u00e4ger der bisherigen Politik. Damit geriet die Sowjetmacht in direkte Gefahr, denn die bewaffnete Macht, auf die sie sich st\u00fctzte &#8211; die Rote Armee, bestand &#8222;ihrer sozialen Herkunft nach zumeist (aus) Mittelbauern&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a> &#8211; den Mittelbauern der obscina, und hatte eine F\u00fclle von ehemals zaristischen Offizieren im Kommando.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kronstadt, der Marinehafen vor Petersburg und ein Hauptst\u00fctzpunkt der Bolschewiki in der Oktoberrevolution, wurde zum Endpunkt der Politik des Kriegskommunismus. Unter dem Zaren zum Gro\u00dfteil aus proletarischen Wehrpflichtigen bestehend, weil die Marine technische Kenntnisse verlangte, waren inzwischen Bauerns\u00f6hne nachger\u00fcckt; die proletarischen Matrosen standen an den Fronten des B\u00fcrgerkriegs. &#8222;Es war noch nicht lange her, da\u00df eine Anzahl junger Bauern aus der Ukraine als Matrosen aufgenommen wurden. Mit ihnen wurde die allgemeine b\u00e4uerliche Unzufriedenheit mit den Requisitionen, dem Arbeitsdienst und anderen Erscheinungen der kommunistischen Agrarpolitik eingeschleppt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> Der Aufruhr begann mit Forderungen nach besserer Lebensmittelversorgung und in diesem Zusammenhang nach Wiederzulassung des freien Handels zwischen Stadt und Land. Er m\u00fcndete schlie\u00dflich in die politische Forderung nach &#8222;Sowjets ohne Bolschewiki&#8220;, die von allen Gegnern der Revolution bereitwillig aufgegriffen wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da die b\u00e4uerliche Armee selber kurz vor der Revolte stand, mu\u00dften zur Niederschlagung des Aufstands ausgew\u00e4hlte Regimenter herangef\u00fchrt sowie au\u00dferdem die Delegierten des gerade stattfindenden X.Parteitags eingesetzt werden. Dieser Parteitag vom M\u00e4rz 1921 beschlo\u00df den \u00dcbergang zur Neuen \u00d6konomischen Politik, dh. die Erf\u00fcllung der b\u00e4uerlichen Forderungen. Damit konnten die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten &#8211; und mu\u00dften die Politik durchf\u00fchren, die die Bauernschaft ihnen vorschrieb.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der R\u00fcckzug auf die NEP fiel der Partei \u00e4u\u00dferst schwer. Mit dem Kriegskommunismus verbanden sich trotz aller Entbehrungen die Hoffnungen und Utopien eines sofortigen \u00dcbergangs zum Kommunismus. Speziell unter der linken Intelligenz und in der Jugend h\u00e4uften sich Depressionen und Selbstmorde; der Jugendverband verlor mehr als die H\u00e4lfte seiner Mitglieder. Angesichts der un\u00fcbersehbaren b\u00e4uerlichen Gefahr konnten auch die &#8222;Linken&#8220; in der KP nicht viel gegen den \u00dcbergang zur NEP einwenden; als aber mehr als ein Jahrzehnt sp\u00e4ter nach der ersten Kollektivierungswelle erneut ein R\u00fcckzug angetreten werden mu\u00dfte, war ihr Widerstand um so erbitterter.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Die Gewerkschaftskontroverse<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch kurz vor dem Ende des Kriegskommunismus brachte die Aufgabe, die industrielle Produktion zu organisieren, heftige Auseinandersetzungen in der Kommunistischen Partei hervor, in deren Mittelpunkt die Frage nach der Rolle der Gewerkschaften r\u00fcckte. Wie war die Produktion zu leiten: sollte dies ein &#8222;Gesamtrussischer Kongre\u00df der Produzenten&#8220; tun (so die ultralinke &#8222;Arbeiteropposition), sollten die Gewerkschaften in den Staatsapparat \u00fcberf\u00fchrt und die Arbeit militarisiert werden (so Trotzki), oder oblag die Leitung des Wirtschaftsaufbaus der Partei, und sollten die Gewerkschaften weiterhin selbst\u00e4ndig die \u00f6konomischen Interessen der Arbeiter vertreten (so Lenin)?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unabh\u00e4ngig von der Frage, ob Staatskapitalismus oder Kriegskommunismus, stand f\u00fcr Lenin stand von Anfang an au\u00dfer Zweifel, da\u00df ohne die b\u00fcrgerlichen Fachleute und ohne strikte Arbeitsdisziplin unter der Autorit\u00e4t der Betriebsleiter die Produktion nicht aufrechtzuerhalten war, selbst wenn dies &#8222;eine Abweichung von den Prinzipien der Pariser Kommune, &#8230;. einen Schritt zur\u00fcck&#8220; bedeutete. &#8222;Die Revolution fordert, eben im Interesse des Sozialismus, die <i>unbedingte Unterordnung<\/i> der Massen unter den <i>einheitlichen Willen<\/i> der Leiter des Arbeitsprozesses.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die linken Kommunisten der &#8222;Arbeiteropposition&#8220; unter F\u00fchrung von Schljapnikow und Kollontai verfochten demgegen\u00fcber unter der Parole des Kampfes gegen die B\u00fcrokratie: &#8222;Wir sind nicht f\u00fcr den &gt;Aufbau des Sozialismus unter der Leitung von Trustorganisatoren&lt;. Wir sind f\u00fcr den Aufbau des proletarischen Sozialismus durch die Klassensch\u00f6pferkraft der Arbeiter selbst, nicht durch die Befehle von &gt;Industriekapit\u00e4nen&lt;. (&#8230;) Der Sozialismus und die sozialistische Organisation der Arbeit werden durch das Proletariat selber geschaffen, oder sie werden \u00fcberhaupt nicht geschaffen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a> Sie vertraten das Konzept eines \u00f6konomischen R\u00e4tesystems, das jenseits von Gewerkschaften und Partei aus der Produktion herauswachsen sollte, mit einem &#8222;Gesamtrussischen Kongre\u00df der Produzenten&#8220; als wichtigstem Organ zur Leitung der Produktion und des Staats. In der Parteif\u00fchrung stand Bucharin diesen Ideen mit der Forderung nach einer &#8222;Produzentendemokratie&#8220; nahe. Er war damals ein linker Vertreter des Kriegskommunismus, den er in seinem Buch &#8222;\u00d6konomik der \u00dcbergangsperiode&#8220; propagierte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Gegenpol trat Trotzki, der die ganze Debatte mit seinen Attacken auf die Gewerkschaften \u00fcberhaupt losgetreten hatte, f\u00fcr die Militarisierung der Arbeit ein. Sie sollte von zwei Seiten aus erfolgen, indem auch die Armee in die Produktion \u00fcberf\u00fchrt werden sollte: &#8222;Die Arbeit wird militarisiert, und die Armee wird industrialisiert&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a> Kernpunkt neben der \u00dcberf\u00fchrung der Armee in die Produktion war die Errichtung eines Zwangsregimes in den Fabriken: &#8222;Die Grundlagen der Militarisierung sind jene Formen staatlichen Zwangs, ohne welche die Abl\u00f6sung der kapitalistischen Wirtschaft durch die sozialistische stets nur ein leeres Wort bleiben wird.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> Die Gewerkschaften sollten nach Trotzkis Vorstellungen aufh\u00f6ren, die \u00f6konomischen Interessen der Arbeiter zu vertreten, ihre Selbst\u00e4ndigkeit einb\u00fc\u00dfen und als Teil des staatlichen Zwangsapparats die Produktion organisieren. &#8222;Der junge sozialistische Staat braucht Gewerkschaften nicht zum Kampf f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen &#8230;, sondern um die Arbeiterklasse f\u00fcr die Ziele der Produktion zu organisieren, zu erziehen, zu disziplinieren &#8230; (Sie sollen) ihre Autorit\u00e4t Hand in Hand mit dem Staat aus\u00fcben, um die Arbeiter in dem Rahmen eines einzigen Wirtschaftsplans zu f\u00fchren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a> Abgesehen von der Armee war damit die Verschmelzung von Partei, Gewerkschaft und Staat vorgegeben, ein Programm, das in den 30er Jahren verwirklicht wurde &#8211; unter anderen Verh\u00e4ltnissen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen Ende der Gewerkschaftskontroverse einigten sich Trotzki und Bucharin auf ein gemeinsames und angesichts ihrer kontroversen Ausgangspunkte nur prinzipienlos zu nennendes Programm gegen Lenin. Ohne die Forderung nach Militarisierung der Arbeit fallenzulassen, betonte er jetzt die Bucharinsche &#8222;Produktionsdemokratie&#8220;: alle mit der Produktion zusammenh\u00e4ngenden Fragen sollten auf betrieblichen Massenversammlungen er\u00f6rtert werden und die Funktion\u00e4re der Wirtschaftsdiktatur gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Die Kritik an der Unvereinbarkeit beider Positionen (Arbeitszwang und Produktionsdemokratie) wies er als &#8222;Ausdruck kautskyanisch-menschewistisch-sozialrevolution\u00e4rer Vorurteile&#8220; zur\u00fcck.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenin hielt die Debatte \u00fcber die Gewerkschaften f\u00fcr einen unzul\u00e4ssigen Luxus. Er erkl\u00e4rte, da\u00df die Ingangsetzung der Produktion im gegebenen Augenblick wichtiger sei als der von Trotzki begonnene prinzipielle Streit. Als jedoch trotz seiner Warnungen die Debatte fortgesetzt wurde und eine Stellungnahme unumg\u00e4nglich wurde, nahm er eine mittlere Position ein. Auf der einen Seite wandte er sich gegen Trotzki und verteidigte die Selbst\u00e4ndigkeit der Gewerkschaften. Solange der Kommunismus nicht verwirklicht sei, m\u00fc\u00dften die Gewerkschaften die Massen der Arbeiterklasse im Unterschied zur kommunistischen Avantgarde organisieren und ihre unmittelbaren Interessen gegen den Staat verteidigen, der nach Lenins Auffassung ein Arbeiterstaat mit b\u00fcrokratischen Ausw\u00fcchsen war. Er brachte eine ZK-Entschlie\u00dfung zur Verabschiedung, die vor den Gefahren warnte, die der Militarisierung und Zentralisierung innewohnten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleichzeitig nahm er gegen die &#8222;Arbeiteropposition&#8220; Stellung und verteidigte die Notwendigkeit der Leitung des Staates und Aus\u00fcbung der Diktatur durch die kommunistische Partei. Solange es Klassen gebe, sei die Forderung von der Selbstregierung der Produzenten eine syndikalistische Phrase. Der bewu\u00dfteste Teil der Arbeiterklasse m\u00fcsse sich gesondert organisieren, um handlungsf\u00e4hig zu sein. &#8222;Um zu regieren, braucht man eine Armee von gest\u00e4hlten Revolution\u00e4ren, von Kommunisten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> Die &#8222;Produzentendemokratie&#8220; Bucharins betrachtete er als verschrobenes, intelligenzlerisches Schlagwort<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a> und warf ihm, als er sich auf seiner Position versteifte, &#8222;v\u00f6lligen Bruch mit dem Kommunismus und \u00dcbergang auf die Position des Syndikalismus&#8220; vor.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den immer heftiger werdenden Auseinandersetzungen drohte die Partei sich zu zerfleischen und stand vor einer Spaltung, als die &#8222;Arbeiteropposition&#8220; sich fraktionell organisierte. Angesichts des noch nicht beendeten B\u00fcrgerkriegs und der wachsenden Bauernunruhen bestand die Gefahr des Verlustes der proletarischen Staatsmacht. Aber erst der Kronst\u00e4dter Aufstand demonstrierte un\u00fcbersehbar, wie recht Lenin mit seiner Meinung vom \u00fcberfl\u00fcssigen Luxus der Gewerkschaftskontroverse hatte. Der X.Parteitag vom M\u00e4rz 1921, auf dem auch die NEP beschlossen wurde, verabschiedete die von Lenin unterst\u00fctzte Gewerkschaftsplattform und verh\u00e4ngte ein Fraktionsverbot. &#8222;Die Partei zusammenschwei\u00dfen, keine Opposition in der Partei zulassen &#8211; das ist die Schlu\u00dffolgerung aus der gegenw\u00e4rtigen Lage&#8220;, die Lenin zog.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a> Nach wie vor war die freie Diskussion ungehindert, aber organisierte Gruppen in der Partei wurden verboten. Gegen\u00fcber dem Meer von Bauern, die den Zielen der Arbeiterklasse gleichg\u00fcltig oder fremd, wenn nicht feindlich gegen\u00fcberstanden, war die Staatsmacht nur durch die absolute Geschlossenheit der proletarischen Avantgarde zu behaupten. Und so wie alle Fragestellungen des Kriegskommunismus in den 30er Jahren erneut auftauchten, war dies auch mit der Frage der Geschlossenheit der Partei der Fall, die diesmal mit Blut und Gewalt durchgesetzt wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufgrund der Erfahrung mit der &#8222;Arbeiteropposition&#8220; brachte Lenin auf dem X.Parteitag auch eine Resolution &#8222;\u00dcber die syndikalistische und anarchistische Abweichung in unserer Partei&#8220; zur Verabschiedung. Darin wurden die linksradikalen, anarchistischen und syndikalistischen Abweichungen &#8222;durch die Einwirkung des kleinb\u00fcrgerlichen Elements auf das Proletariat und die KPR&#8220; erkl\u00e4rt, &#8222;eines Elements, das in unserem Lande au\u00dferordentlich stark ist und unvermeidlich Schwankungen in Richtung zum Anarchismus erzeugt&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a> Die ungeheure Masse der obscina-Bauernschaft und die b\u00e4uerliche Abkunft des Proletariats riefen in der Tat linksradikale Str\u00f6mungen in unterschiedlicher Gestalt, aber jedesmal erheblicher St\u00e4rke hervor, wie die 30er Jahre zeigten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Lenins Plan der &#8222;Neuen \u00d6konomischen Politik&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bedingungen f\u00fcr den Aufbau des Landes nach dem B\u00fcrgerkrieg waren schlecht: Durch die von Polen eroberten westlichen Teile Wei\u00dfru\u00dflands und der Ukraine hatte das Land 31,1% seiner industriellen Kapazit\u00e4ten verloren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a> Kredite aus dem b\u00fcrgerlichen Ausland erhielt der Sowjetstaat nicht, Konzessionen an ausl\u00e4ndische Gesellschaften zur Ausbeutung von Bodensch\u00e4tzen konnten kaum vergeben werden. Im Zarenreich war die Industrialisierung haupts\u00e4chlich durch Getreideexport finanziert worden; durch die Zerschlagung des Gutsbesitzes, der bis dahin das meiste \u00dcberschu\u00dfgetreide produziert hatte, ging das f\u00fcr den Export verf\u00fcgbare Marktgetreide aber auf ca. ein Drittel zur\u00fcck. Durch die gr\u00f6\u00dfere Zersplitterung des Bodens war die Produktivit\u00e4t von vornherein geringer, und weil sie von Abgaben und Pachtzahlungen befreit waren, bestand kein Zwang f\u00fcr die Bauern, Getreide zu verkaufen, sondern konnten sie es selber aufessen, zumal die Stadt nichts zum Tausch zu bieten hatte. Schlie\u00dflich blieb auch die Revolution im Westen, auf die alle Revolution\u00e4re gehofft hatten, aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">NEP bedeutete, zu kapitalistischen Methoden \u00fcberzugehen. &#8222;Die direkte kommunistische Verteilung haben wir nicht einf\u00fchren k\u00f6nnen&#8220;, schrieb Lenin im Bericht des ZK zum XI.Parteitag im M\u00e4rz 1922. &#8222;Dazu mangelte es an Fabriken und an deren Ausr\u00fcstungen. Wir m\u00fcssen also durch den Handel liefern, aber nicht schlechter liefern, als es der Kapitalist getan hat, sonst kann das Volk eine solche Regierung nicht ertragen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a> Der Dreh- und Angelpunkt der neuen \u00f6konomischen Politik war das Land. An die Stelle der bisherigen Zwangsabgabe von Agrarprodukten trat die Besteuerung der Bauern und die Wiederzulassung des freien Handels zwischen Stadt und Land, um das Land zu beruhigen und einen Anreiz zur Ausweitung der Agrarproduktion zu geben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die industrielle Produktion mu\u00dfte auf die Befriedigung der b\u00e4uerlichen Bed\u00fcrfnisse umgestellt werden, um die Massen der Mittelbauernschaft zufriedenzustellen. &#8222;Wir m\u00fcssen unsere staatliche Wirtschaft in Anpassung an die Wirtschaft des Mittelbauern aufbauen, die wir in drei Jahren nicht umgestalten konnten und auch in zehn Jahren nicht umgestalten werden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a> Damit erkannte Lenin an, da\u00df die Industrialisierung nur in Abh\u00e4ngigkeit vom Wachstum der b\u00e4uerlichen Produktion vorangetrieben werden konnte. Die Leichtindustrie spielte die entscheidende Rolle. Die Schwerindustrie konnte nur in dem Ma\u00dfe wachsen, wie es die Leichtindustrie verlangte, und diese wiederum hing von der agrarischen Entwicklung ab. Der zus\u00e4tzliche Industrialisierungsspielraum zum schnelleren Aufbau einer Schwerindustrie, den die von den Bauern zu zahlenden Steuern gew\u00e4hrten, war nicht gro\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Boden der Ausrichtung auf die Bauernschaft sollte der Sozialismus \u00f6konomisch auf dem Weg des Staatskapitalismus erreicht werden. Den Staatskapitalismus hatte Lenin schon bei der Oktoberrevolution als notwendig angesehen, bevor der kriegskommunistische Schwung der Arbeiterklasse auch ihn mitgerissen hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Elemente f\u00fcnf verschiedener Wirtschaftsweisen sah er 1921 wie 1918 vorliegen:<br \/>\n&#8222;1. Die patriarchalische Bauernwirtschaft, die in hohem Grade Naturalwirtschaft ist;<br \/>\n2. Die kleine Warenproduktion (hierher geh\u00f6rt die Mehrzahl der Bauern, die Getreide verkaufen);<br \/>\n3. der privatwirtschaftliche Kapitalismus;<br \/>\n4. der Staatskapitalismus;<br \/>\n5. der Sozialismus.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a><br \/>\nDiese Produktionsweisen bildeten eine Stufenleiter. In einem kleinb\u00e4uerlich-kleinb\u00fcrgerlichen Land wie der Sowjetunion, so Lenin, bildeten die kleinen warenproduzierenden Bauern zusammen mit den patriarchalisch wirtschaftenden, selbstgen\u00fcgsamen Bauern die gewaltige Mehrheit. Unter diesen Umst\u00e4nden bedeutete der Staatskapitalismus eine Produktionsweise, die &#8222;<i>\u00f6konomisch<\/i> unvergleichlich h\u00f6her (steht) als die gegenw\u00e4rtige Wirtschaftsweise&#8220;. Wenn man den Staatskapitalismus erfolgreich praktizierte, w\u00fcrde das die &#8222;vollst\u00e4ndige materielle Vorbereitung des Sozialismus&#8220; bedeuten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was hie\u00df das f\u00fcr die Bauern? Die Bauern mu\u00dften Getreide oder andere Agrarerzeugnisse verkaufen, um Industrieprodukte zu kaufen und Steuern zu zahlen. Der Gro\u00dfhandel blieb staatlich, damit der Staat die Kontrolle \u00fcber die Masse des Getreides behielt, das f\u00fcr die Versorgung der St\u00e4dte und den Export ben\u00f6tigt wurde. Da der Einzelhandel aber frei war, mu\u00dften die staatlichen Getreide-Ank\u00e4ufer auf dem Dorf mit den NEP-H\u00e4ndlern konkurrieren, die h\u00e4ufig h\u00f6here Preise zahlten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das entscheidende Mittel zur Umgestaltung des Landes sollte die Entwicklung des Genossenschaftswesens sein, wie Lenin noch einmal in einem der letzten Artikel vor seinem Tod schrieb. &#8222;Unter der Herrschaft der N\u00d6P ist ein gen\u00fcgend breiter und tiefer genossenschaftlicher Zusammenschlu\u00df der russischen Bev\u00f6lkerung im Grunde genommen alles, was wir brauchen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a> Durch die Entwicklung von Genossenschaften sollte die individuelle Wirtschaftsweise der Bauern \u00fcberwunden und der Weg zum Sozialismus geebnet werden. Das waren Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften sowie vor allem Produktionsgenossenschaften, in denen die Bauern Anbau und Ernte der Agrarprodukte kollektiv organisieren sollten. Solche Genossenschaften sollte der Staat mit allen Mitteln f\u00f6rdern, vor allem mit Hilfe billiger Darlehen, deren Konditionen g\u00fcnstiger sein sollten als bei den staatlichen Mitteln f\u00fcr die Industrie. Bei &#8222;einem vollst\u00e4ndigen genossenschaftlichen Zusammenschlu\u00df st\u00fcnden wir bereits mit beiden F\u00fc\u00dfen auf sozialistischem Boden&#8220;,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a> meinte Lenin. Voraussetzung daf\u00fcr war, da\u00df die Produktionsmittel der Genossenschaft dem Arbeiterstaat geh\u00f6rten. Nach Lenins Meinung unterschieden sich die genossenschaftlichen Betriebe unter sowjetischen Bedingungen n\u00e4mlich dann &#8222;nicht von sozialistischen Betrieben, wenn sie auf dem Grund und Boden errichtet und mit Produktionsmitteln ausger\u00fcstet sind, die dem Staat, d.h. der Arbeiterklasse, geh\u00f6ren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a> Unter diesen Produktionsmitteln war das wichtigste der Traktor, denn die dauerhafte Gewinnung der Mittelbauern war nach Lenin nur m\u00f6glich, &#8222;wenn wir morgen 100.000 erstklassige Traktoren liefern, daf\u00fcr Benzin, daf\u00fcr Maschinisten bereitstellen k\u00f6nnten&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit seiner Position zu den b\u00e4uerlichen Genossenschaften und zum Staatseigentum an deren Produktionsmitteln st\u00fctzte er sich auf Engels, der 30 Jahre vorher geschrieben hatte: &#8222;da\u00df wir beim \u00dcbergang in die kommunistische Wirtschaft den genossenschaftlichen Betrieb als Mittelstufe in ausgedehntem Ma\u00df werden anwenden m\u00fcssen, daran haben Marx und ich nie gezweifelt. Nun mu\u00df die Sache so eingerichtet werden, da\u00df die Gesellschaft, also zun\u00e4chst der Staat, das Eigentum an den Produktionsmitteln beh\u00e4lt und so die Sonderinteressen der Genossenschaft, gegen\u00fcber der Gesellschaft im Ganzen, sich nicht festsetzen k\u00f6nnen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Staatskapitalismus in der <i>Stadt<\/i> umfa\u00dfte dieser einen weit gr\u00f6\u00dferen staatlichen Sektor, als Lenin zun\u00e4chst im Auge gehabt hatte. Noch wenige Wochen vor der Oktoberrevolution hatte er geschrieben: &#8222;Die Konfiskation des Eigentums der Kapitalisten wird nicht einmal der &gt;Kernpunkt&lt; der Sache sein, sondern gerade allumfassende &#8230; Arbeiterkontrolle \u00fcber die Kapitalisten und ihre m\u00f6glichen Anh\u00e4nger. Mit der Konfiskation allein ist es nicht getan, denn sie enth\u00e4lt kein Element der Organisation, der Rechnungsf\u00fchrung \u00fcber die richtige Verteilung. Die Konfiskation k\u00f6nnen wir leicht durch die Erhebung einer <i>gerechten<\/i> Steuer ersetzen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a> Die Masse der kleineren Betriebe sollte also nach Lenins Auffasung nicht konfisziert, sondern lediglich so besteuert werden, da\u00df ihr Kapital unter Kontrolle blieb. Nur die Banken und Gro\u00dfbetriebe sollten verstaatlicht werden. Dar\u00fcberhinaus wollte Lenin mit der nationalen und internationalen Bourgeoisie wirtschaftlich kooperieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die spontane Bewegung in den Fabriken hatte diese Position \u00fcberrollt. Die Arbeiter benutzten ihre neue Machtstellung nach der Revolution dazu, die Fabrikbesitzer und ihre leitenden Angestellten aus den Betrieben herauszudr\u00e4ngen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a> Die geschaffenen Realit\u00e4ten nachvollziehend, wurde bis Ende November 1920 die Nationalisierung aller Betriebe mit mehr als 5 (Maschinenbetriebe) bzw. 10 Besch\u00e4ftigten (Betriebe ohne maschinelle Ausr\u00fcstung) dekretiert, ohne da\u00df damit gekl\u00e4rt war, wie diese Betriebe als Staatsbetriebe funktionieren sollten. Schon Mitte 1918 meinte Lenin, gegen die &#8222;linken Kommunisten&#8220; gerichtet: &#8222;Heute sehen nur Blinde nicht, da\u00df wir mehr nationalisiert, konfisziert, zerschlagen und zerbrochen haben, als wir zu erfassen vermochten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a> 1921 war die Diskrepanz noch gr\u00f6\u00dfer. Aber die vorgenommenen Enteignungen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, h\u00e4tte bedeutet, gegen den entschiedenen Willen der Arbeiterklasse und &#8211; wahrscheinlich &#8211; der Parteimehrheit zu handeln. So wurde mit der NEP nur die <i>Neu<\/i>gr\u00fcndung privater Unternehmen bis hin zu mittleren Industriebetrieben wieder zugelassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die vorhandene Industrie bedeutete Staatskapitalismus &#8222;unter den Verh\u00e4ltnissen des zugelassenen und sich entwickelnden freien Handels, da\u00df die Staatsbetriebe weitgehend auf kommerzielle, kapitalistische Grundlagen \u00fcbergef\u00fchrt werden&#8220;,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\"><sup>71<\/sup><\/a> wie Lenin in den ersten Tages des Jahres 1922 in dem Thesenentwurf \u00fcber die Rolle der Gewerkschaften unter der NEP schrieb. Das Wort &#8222;kapitalistisch&#8220; fehlte in dem endg\u00fcltigen Beschlu\u00df des ZK vom 12.Januar 1922;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\"><sup>72<\/sup><\/a> obwohl es das Entscheidende zum Ausdruck brachte: <i>der Staatskapitalismus war dem Wesen nach kapitalistisch, der Form nach staatlich<\/i>. Was hie\u00df das konkret? Im Kriegskommunismus war den Betrieben die Ausr\u00fcstung sowie Rohstoffe von der staatlichen Verwaltung zugeteilt worden; ihre Produkte mu\u00dften sie dem Staat abliefern. Jetzt wurden die Staatsbetriebe selbst\u00e4ndig und etablierte sich ein freier Markt. Sie kauften ihre Rohmaterialien selber ein und konnten ihre Produkte frei verkaufen. Preise und L\u00f6hne wurden von ihnen selber bestimmt bzw. mit den Gewerkschaften ausgehandelt. Auch wenn sie in den ersten Jahren der NEP noch auf staatliche Zusch\u00fcsse angewiesen waren, sollten sie auf Dauer Gewinn abwerfen. Mit einem Wort: sie wurden dem Grundgesetz des Kapitals, der Verwertung des Werts, unterworfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die bolschewistische Parteif\u00fchrung bestand unter den gegebenen Umst\u00e4nden kein Zweifel, da\u00df die Sowjetunion noch weit vom Sozialismus entfernt war. Im April 1921 wiederholte er eine Einsch\u00e4tzung von 1918 &#8211; vor seinem Ausflug in den Kriegskommunismus: &#8222;Kein einziger Kommunist hat wohl bestritten, da\u00df die Bezeichnung &gt;Sozialistische Sowjetrepublik&lt; die Entschlossenheit der Sowjetmacht bedeutet, den \u00dcbergang zum Sozialismus zu verwirklichen, keineswegs aber, da\u00df die jetzigen \u00f6konomischen Zust\u00e4nde als sozialistisch bezeichnet werden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\"><sup>73<\/sup><\/a> Durch den Staatskapitalismus war nach seiner Ansicht der Endsieg des Sozialismus \u00f6konomisch zwar nicht sicher, aber wahrscheinlich. Der sozialisierte Sektor der Wirtschaft sollte mit dem privaten Sektor frei konkurrieren. Weil die Gro\u00dfindustrie, so seine \u00dcberlegung, den kleineren Betrieben \u00fcberlegen war und der Staat au\u00dferdem Gro\u00dfhandel, Bank- und Kreditwesen in der Hand hatte, war ihre \u00dcberlegenheit gesichert. Vor allem verf\u00fcgte das Proletariat \u00fcber den Staat und hatte damit nicht nur die politische Macht in der Hand, sondern war auch in der Lage, industrielle Gro\u00dfprojekte zu finanzieren und materiell auf die Buern einzuwirken. Bis zum Sieg des Sozialismus sah Lenin im g\u00fcnstigsten Fall indes noch ein bis zwei Jahrzehnte vergehen, abh\u00e4ngig davon, welche Fortschritte das b\u00e4uerliche Genossenschaftswesen machte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\"><sup>74<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit stellte sich ein Grundproblem: die Industrialisierung mu\u00dfte im Rahmen einer &#8222;gleichgewichtigen&#8220; Gesamtproduktion, dh. in Abh\u00e4ngigkeit von der Entwicklung der Agrarproduktion erfolgen. Die Agrarverh\u00e4ltnisse f\u00f6rderten mit der NEP aber \u00f6konomisch die Entwicklung des Agrarkapitalismus und sozial die Entwicklung der ihn tragenden Klasse, der Kulaken, also der entschiedenen Gegner des Sozialismus. Nur wenn die Produktivgenossenschaften unter Kontrolle des Staats die Kulaken verdr\u00e4ngten, war dies zu verhindern. Das wiederum setzte voraus, da\u00df die Industrie gen\u00fcgend Landmaschinen f\u00fcr die Genossenschaften produzierte, und damit schlo\u00df sich der (Teufels-)Kreis.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Die Entwicklung des Staatskapitalismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Abschied vom Kriegskommunismus hatte auch das vorl\u00e4ufige Ende der geplanten Wirtschaft zur Folge. Noch am 22.Februar 1921 hatte die Regierung die Bildung einer Staatlichen Planungskommission, des <i>Gosplan<\/i>, beschlossen. Mit dem \u00dcbergang zur NEP f\u00fchrte diese Beh\u00f6rde ein Schattendasein und beschr\u00e4nkte sich im wesentlichen auf statistische Erhebungen und Berechnungen. Eine &#8222;geplante&#8220; Wirtschaftsentwicklung war wegen der Abh\u00e4ngigkeit von den Bauern nicht m\u00f6glich, wie alle kommenden Getreidekrisen bewiesen: &#8222;das katastrophale Defizit in der f\u00fcr 1925 angenommenen Getreidemenge und seine Auswirkung auf die importabh\u00e4ngigen Industrien zeigten die Grenzen von Planprognosen in einer nur teilweise verstaatlichten und vom Agrarsektor noch \u00fcberwiegend abh\u00e4ngigen Wirtschaft.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\"><sup>75<\/sup><\/a> Die NEP ging so weit, da\u00df das ZK Ende 1922 auf Betreiben Stalins und Bucharins die Aufhebung des staatlichen Au\u00dfenhandelsmonopols vorschlug. Auf die Intervention Trotzkis und Lenins wurde der Beschlu\u00df jedoch wieder zur\u00fcckgenommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Sommer\/Herbst 1923 brach eine sogenannte &#8222;Scherenkrise&#8220; aus. Die Bauern waren unzufrieden \u00fcber die Preise, die ihnen der Staat f\u00fcr ihre Produkte zahlte, weil die Marktpreise der Industrieerzeugnisse im Durchschnitt zweimal, teilweise bis zu zehnmal \u00fcber dem Vorkriegsniveau lagen. Zum einen waren die industriellen Herstellungskosten wegen der enormen B\u00fcrgerkriegszerst\u00f6rungen h\u00f6her als vor dem Krieg; au\u00dferdem schlossen die selbst\u00e4ndig gewordenen Staatsbetriebe sich branchenm\u00e4\u00dfig zu Syndikaten zusammen, um Monopolpreise zu erzielen. Darum hielten die Bauern ihr Getreide zur\u00fcck und kauften keine Industrieerzeugnisse. Als Folge hatte die Industrie Absatzschwierigkeiten. &#8222;Gerade landwirtschaftliche Maschinen und Ger\u00e4te blieben zunehmend ohne K\u00e4ufer, obwohl eine ungeheure Nachfrage nach ihnen bestand und sie eigentlich ein entscheidendes Bindeglied in der <i>smycka<\/i> zwischen Arbeitern und Bauern bilden sollten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\"><sup>76<\/sup><\/a> Au\u00dferdem blieb nicht nur Getreide aus, sondern auch die agrarischen Rohstoffe f\u00fcr die weiterverarbeitende Industrie, so da\u00df die darauf angewiesenen Fabriken nicht weiterarbeiten konnten. Der R\u00fcckgang wurde dadurch versch\u00e4rft, da\u00df der Staat im Sommer 1923 durch Streichung von Subventionen die Betriebsleitungen zu zwingen versuchte, ihre Syndikatspreise zu senken und die Produktion in den leistungsf\u00e4higsten Fabriken zu konzentrieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Arbeiter reihenweise entlassen und die L\u00f6hne gesenkt oder unregelm\u00e4\u00dfig ausgezahlt wurden, erfa\u00dfte im August\/September 1923 eine Welle wilder Streiks die St\u00e4dte. In der Nachfolge der &#8222;Arbeiteropposition&#8220; entstanden als neue Oppositionsgruppen die &#8222;Arbeiterwahrheit&#8220; und die &#8222;Arbeitergruppe&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\"><sup>77<\/sup><\/a> Gleichzeitig wehrten sich die kommunistischen Betriebsleiter und Fachleute der staatseigenen Industriebetriebe gegen alle Versuche des Obersten Volkswirtschaftsrats, ihnen Vorschriften \u00fcber die Preisgestaltung zu machen. Die Kontroversen des Jahres 1920, nunmehr erg\u00e4nzt durch die &#8222;Opposition der Manager&#8220;, erlebten eine Neuauflage: eine spontane Bewegung in der Arbeiterklasse, repr\u00e4sentiert durch die eben genannten Gruppen, trat f\u00fcr Arbeiterrechte und Produzentendemokratie ein; die kommunistischen Manager k\u00e4mpften f\u00fcr gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche betriebliche Selbst\u00e4ndigkeit; Trotzki und seine Anh\u00e4nger forderten die beschleunigte Industrialisierung auf dem Boden sofortiger, umfassender Planung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Mehrheit in der Parteif\u00fchrung sah keinen anderen Weg, als die NEP fortzusetzen und den Bauern entgegenzukommen, wenn man nicht erneute Aufst\u00e4nde riskieren wollte. &#8222;Je ernster die Scherenkrise wurde, desto bedingungsloser trat die rechte Mehrheit als Verfechterin der NEP auf. (&#8230;) Die \u00f6konomische Argumentation der Rechten &#8230; ging von der vorsichtigen Voraussetzung aus, da\u00df die Gro\u00dfindustrie die Mittel f\u00fcr ihr Wachstum aus der Nachfrage nach ihren Produkten sch\u00f6pfen m\u00fcsse. Das hie\u00df: Zuerst sollte sich die Bauernschaft erholen und zu Wohlstand kommen und dann durch ihre Kaufkraft das Wachstum der Industrie finanzieren. Als erste w\u00fcrden die Leicht- und Konsumg\u00fcterindustrie davon profitieren, und diese ihrerseits w\u00fcrden die Produktionsg\u00fcterindustrie zur Expansion anregen. Diametral entgegengesetzt war der Standpunkt der Linken: sie bestanden darauf, die Industrie direkt aufzubauen, mit umfassender staatlicher Planung und Finanzierung aus dem Staatshaushalt. Der rechten F\u00fchrung ging es in erster Linie darum, nichts zu tun, was die Bauern abspenstig machen k\u00f6nnte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\"><sup>78<\/sup><\/a> Die &#8222;Rechten&#8220; waren zu jener Zeit Bucharin, Stalin und Sinowjew, die als sogenannte &#8222;Troika&#8220; die Partei- und Staatsf\u00fchrung \u00fcbernahmen, als Lenin dazu nicht mehr in der Lage war. Die &#8222;Linken&#8220; wurden repr\u00e4sentiert durch Trotzki.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im September 1923 beschlo\u00df das ZK mehrheitlich, die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr Getreide anzuheben. Au\u00dferdem erhielten die Betriebe neue Kredite, um Lohnzahlungen vorzunehmen und entlassene Arbeiter wiedereinzustellen; die Kredite waren an Auflagen zur Senkung der Herstellungskosten und Verkaufspreise gebunden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\"><sup>79<\/sup><\/a> Durch diese Ma\u00dfnahmen reduzierten sich die staatlichen Mittel zum Ankauf von Maschinerie im Ausland und zum Aufbau neuer Industriebetriebe; die geplante Industrialisierung mu\u00dfte zur\u00fcckgeschraubt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im April 1923 hatte der XII.Parteitag der KPdSU eine von Trotzki verfa\u00dfte Resolution \u00fcber eine planvolle, rasche Industrialisierung verabschiedet. Jetzt wurde eine andere Politik gemacht. Auch bei einer weiteren wichtigen Wirtschaftsfrage, der W\u00e4hrungsstabilisierung, setzte sich die &#8222;rechte&#8220; Mehrheit gegen die Linken durch. Der inflationierte Rubel wurde durch den \u00dcbergang zu Golddeckung stabilisiert, anstatt gleichzeitig die zentrale Planung einzuf\u00fchren, wie die Linken forderten. Unter diesen Umst\u00e4nden ging Trotzki im Oktober 1923 zum Angriff \u00fcber. Er forderte, einen &#8222;Neuen Kurs&#8220; einzuschlagen und begann, die Linksopposition zu formieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ZK-Entschlie\u00dfung vom 24.Dezember 1923 verteidigte die Grundlinie der NEP gegen die Attacken: &#8222;Die b\u00e4uerliche Wirtschaft ist die Basis f\u00fcr den Wiederaufbau der Industrie und mithin auch f\u00fcr das Wachstum der Arbeiterklasse, da der b\u00e4uerliche Markt der grundlegende Massenmarkt f\u00fcr die erzeugende Industrie ist&#8230;. Nicht nur die allgemeinen Interessen der Sowjetmacht, sondern auch das Interesse an der schnellstm\u00f6glichen Entwicklung unserer Industrie erfordern eine starke Unterst\u00fctzung der b\u00e4uerlichen Wirtschaft.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote80sym\" name=\"sdfootnote80anc\"><sup>80<\/sup><\/a> Das best\u00e4tigte die Kernpunkte der NEP: politisch durch Befriedung der Bauern Sicherung der proletarischen Staatsmacht (&#8222;die allgemeinen Interessen der Sowjetmacht&#8220;), und \u00f6konomisch Ausrichtung der Industrie auf das Land. Die Linken waren jetzt jedoch nicht l\u00e4nger bereit, die NEP mitzutragen. &#8222;Auf der 13.Parteikonferenz im Januar 1924 forderte die Opposition, das Schwergewicht auf die Industrie zu legen und die NEP zu stoppen; sie fand aber keine Beachtung. Rykow, der 1923 wieder Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrats geworden war (und bald darauf Lenins Nachfolger als Regierungschef werden sollte), sprach ausf\u00fchrlich \u00fcber die Unm\u00f6glichkeit systematischer Wirtschaftsplanung in einer \u00fcberwiegend b\u00e4uerlichen Wirtschaft.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote81sym\" name=\"sdfootnote81anc\"><sup>81<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Der H\u00f6hepunkt der NEP: Bucharins Programm<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar wurde die Krise von 1923 bew\u00e4ltigt. Was jedoch blieb, war die sogenannte &#8222;Schere&#8220; zwischen den Preisen f\u00fcr agrarische und industrielle Produkte und damit eine Quelle b\u00e4uerlicher Unzufriedenheit. &#8222;Mit aller Deutlichkeit offenbarte die &gt;Scheren-Krise&lt;, da\u00df der Warenhunger der Bauern und die gest\u00f6rten Austauschbeziehungen zwischen Stadt und Land &#8211; beides Folgen der bisherigen Politik, aber auch Erbteile des Zarismus &#8211; entscheidende strukturelle Schw\u00e4chen der sowjetischen \u00d6konomik ausmachten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote82sym\" name=\"sdfootnote82anc\"><sup>82<\/sup><\/a> Im Sommer 1924 brach in Georgien ein Bauernaufstand aus. Der Grund waren die Agrarsteuern sowie die teuren Industriewaren, deren Preise im Vergleich zum Ausland von Georgien aus festgestellt werden konnten. &#8222;Das, was in Georgien passiert ist, kann sich in ganz Ru\u00dfland wiederholen&#8220;, warnte Stalin.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote83sym\" name=\"sdfootnote83anc\"><sup>83<\/sup><\/a> Da eine Mi\u00dfernte in diesem Jahr die b\u00e4uerliche Unruhe anwachsen lie\u00df, war diese Bef\u00fcrchtung mehr als begr\u00fcndet. Um dem entgegenzutreten, suchte man den Ausweg in einem weiteren Ausbau der NEP. Die Landwirtschaftssteuern wurden gesenkt und weitere Erleichterungen f\u00fcr die Bauern beschlossen. Entgegen dem Agrardekret von 1917 wurden Pachtverh\u00e4ltnisse sowie Lohnarbeit wieder offiziell zugelassen;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote84sym\" name=\"sdfootnote84anc\"><sup>84<\/sup><\/a> unter der Hand hatte beides die ganze Zeit weiterbestanden. In Erweiterung der noch von Lenin formulierten Losung der &#8222;smycka&#8220;, des Arbeiter-Bauern-B\u00fcndnisses, wurde nun die Parole ausgegeben: &#8222;Das Gesicht dem Dorf zuwenden&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Beschl\u00fcsse hatten nach Auffassung Bucharins die von ihm rechtfertigte Folge, da\u00df man nur noch <i>im Schneckentempo zum Sozialismus<\/i> marschieren w\u00fcrde.## (Brosch\u00fcre: Der Weg zum Sozialismus) Es war mehr oder weniger seine Agrarpolitik, die jetzt realisiert wurde. &#8222;Die Parteibeschl\u00fcsse vom Herbst 1924 und dem Fr\u00fchjahr 1925 machten Bucharins Agrarprogramm zur offiziellen Leitlinie der Politik.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote85sym\" name=\"sdfootnote85anc\"><sup>85<\/sup><\/a> Nach seinen linksradikalen syndikalistischen Ausfl\u00fcgen w\u00e4hrend des Kriegskommunismus war er zum entschiedensten Verfechter der NEP geworden. Seine Anh\u00e4nger besetzten die Schl\u00fcsselpositionen an der Spitze der Macht: Rykow als Regierungschef, Tomski als Gewerkschaftsvorsitzender; Bucharin selber war der anerkannte NEP-Theoretiker im Politb\u00fcro. Allerdings mu\u00dfte er seine im Zusammenhang mit den Aprilbeschl\u00fcssen ausgegebene Losung an die Bauern: &#8222;Bereichert Euch!&#8220; wieder zur\u00fccknehmen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote86sym\" name=\"sdfootnote86anc\"><sup>86<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Linken liefen gegen die Beschl\u00fcsse Sturm. Neben Trotzki wandte sich nun auch Kamenew gegen die NEP, au\u00dferdem der mit Kamenew stets eng verb\u00fcndete Sinowjew, der noch kurz zuvor eine andere Politik vertreten hatte, was Stalin ihm prompt vorhielt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote87sym\" name=\"sdfootnote87anc\"><sup>87<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das \u00f6rtliche Zentrum der Angriffe auf die NEP-Linie der Parteimehrheit wurde Leningrad, wo Sinowjew an der Spitze der st\u00e4dtischen Parteiorganisation stand. In dem russischen Industriezentrum war die Tradition des Kriegskommunismus und das B\u00fcndnis mit den armen Bauern, das Lenin selbst noch zur Durchf\u00fchrung der sozialistischen Revolution bef\u00fcrwortet hatte, lebendig geblieben. In Vorbereitung des XIV. Parteitags im Dezember 1925 &#8222;richtete die Leningrader Opposition unter der F\u00fchrung von Sinowjew, Kamenjew, Sokolnikow und der Witwe Lenins, Krupskaja, einen direkten Angriff auf die Bauernpolitik der F\u00fchrung. Sie warfen ihr vor, die armen Bauern zu \u00fcbersehen und den kapitalistischen Elementen des Dorfes Zugest\u00e4ndnisse zu machen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote88sym\" name=\"sdfootnote88anc\"><sup>88<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalin wies die Kritik mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcck, da\u00df es sich nicht um eine <i>Erweiterung<\/i> der NEP, sondern um Zugest\u00e4ndnisse <i>im Rahmen<\/i> der NEP handele. Auch habe man keine Zugest\u00e4ndnisse an die <i>Kulaken<\/i> beschlossen, sondern an die Bauernschaft als solche, um das B\u00fcndnis mit den Mittelbauern zu festigen; da\u00df die Kulaken die Beschl\u00fcsse <i>ausnutzen<\/i> w\u00fcrden, \u00e4ndere daran nichts.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote89sym\" name=\"sdfootnote89anc\"><sup>89<\/sup><\/a> Zum Teil war die Erwiderung wortklauberisch, zum Teil hatte Stalin insoweit recht, als die Bauernpolitik auf die Mittelbauern berechnet war, damit ihre Zustimmung zur Arbeitermacht um jeden Preis erhalten blieb. Nur war es in der Tat so, da\u00df jede F\u00f6rderung der Produktion auf dem Boden des fortbestehenden Privateigentums an Produktionsmitteln objektiv vor allem den Kulaken zugute kam; speziell die Zulassung von Pacht und Lohnarbeit war ein entscheidender Schritt zur Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise auf dem Land. Von Bucharin wurde dies mit seiner Aufforderung &#8222;Bereichert Euch&#8220; nur als positives Programm formuliert.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Kulak entwickelte sich unausweichlich zum entscheidenden Klassengegner der Arbeitermacht. Die Anti-obscina-Politik, die Stolypin vergeblich von au\u00dfen versucht hatte, wurde jetzt von den Bolschewiki mit mehr Erfolg praktiziert, indem die Konsequenzen ihrer Politik die Dorfgemeinde von innen heraus zersetzten. So untergruben alle Bem\u00fchungen der Arbeitermacht, das B\u00fcndnis mit den Mittelbauern zu festigen, auf dem Boden der NEP langfristig zugleich die Grundlage dieses B\u00fcndnisses, die obscina. Nur die Aufhebung der NEP konnte dem entgegenwirken.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Leningrader Linken fanden 1924\/25 keine Mehrheit in der Partei, so wenig wie vor ihnen Trotzki, weil die Masse der Parteimitglieder kein neues Kronstadt riskierten wollte. Sinowjew verlor nicht nur die F\u00fchrung der Komintern, sondern wurde auch als Vorsitzender der Leningrader Parteiorganisation abgel\u00f6st. Seine Stelle nahm Kirow ein, dessen Ermordung Ende 1934 eine neue Stufe in den Auseinandersetzungen um die Bauernpolitik der Partei nach der Kollektivierung 1929\/30 einleitete.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sinowjew und Kamenew schlossen sich bald darauf mit Trotzki, den sie bis dahin bek\u00e4mpft hatten, zur Vereinigten Linksopposition zusammen. Die Plattform der &#8222;Vereinigten Opposition&#8220; zum XV.Parteitag im Dezember 1927 kritisierte die gesamte Richtung der ZK-Mehrheit, griff insbesondere die Fortsetzung der NEP an und verlangte eine schnellere Industrialisierung, zu deren Finanzierung die wohlhabenden Bauern mit einer &#8222;Zwangsanleihe&#8220; von wenigstens 150 Millionen Pud (2,5 Mio Tonnen) Getreide belegt werden sollten. Das war mehr als die Gesamtausfuhr an Getreide im Rechnungsjahr 1925\/26. Smirnow, einer der Oppositionsf\u00fchrer, forderte offen, den gr\u00f6\u00dferen Teil des j\u00e4hrlichen F\u00fcnfmilliardenbudgets f\u00fcr die Industrialisierung statt f\u00fcr die Bauern einzusetzen, &#8222;weil es f\u00fcr uns besser ist, ein Zerw\u00fcrfnis mit den Mittelbauern hinzunehmen, als dem umvermeidlichen Untergang entgegenzugehen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote90sym\" name=\"sdfootnote90anc\"><sup>90<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalin wies die Politik der Opposition zur\u00fcck, weil sie faktisch, wenn auch meist unausgesprochen, gegen den &#8222;Block der Arbeiterklasse mit den Mittelbauern&#8220; gerichtet sei. Sie verwirklichen hie\u00dfe &#8222;den B\u00fcrgerkrieg im Dorf er\u00f6ffnen, die Versorgung unserer Industrie mit Rohstoffen der b\u00e4uerlichen Wirtschaft (Baumwolle, Zuckerr\u00fcben, Flachs, Leder, Wolle usw.) erschweren, die Versorgung der Arbeiterklasse mit landwirtschaftlichen Produkten desorganisieren, die eigentlichen Grundlagen unserer Leichtindustrie untergraben, unsere ganze Aufbauarbeit vereiteln, unseren ganzen Plan der Industrialisierung des Landes vereiteln.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote91sym\" name=\"sdfootnote91anc\"><sup>91<\/sup><\/a> Damit w\u00fcrde schlie\u00dflich die Herrschaft der Arbeiterklasse bedroht. Diese Konsequenz war unabweisbar. Die gesellschaftliche Grundlage der Sowjetunion war und blieb das B\u00fcndnis der Arbeiterklasse mit den Mittelbauern. Das best\u00e4tigte sich erneut in den 30er Jahren. In der parteiweiten Abstimmung zum XV.Parteitag stimmten 724.000 Parteimitglieder f\u00fcr die ZK-Politik und nur 4.000 f\u00fcr die Oppositionsplattform.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote92sym\" name=\"sdfootnote92anc\"><sup>92<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>III. Die Krise der NEP<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Krise von 1923 war nur ein Vorl\u00e4ufer. Je l\u00e4nger die NEP dauerte, desto mehr bildeten sich die ihr immanenten Gegens\u00e4tze aus, bis es 1929 zum Bruch kam. In der Stadt begannen die Gewerkschaften, bei wachsender Arbeitslosigkeit zu einer st\u00e4ndischen Interessenpolitik \u00fcberzugehen. Auf dem Land bauten die Kulaken ihre zentrale Stellung innerhalb der Dorfgemeinde aus, w\u00e4hrend der Zusammenschlu\u00df zu Produktionsgenossenschaften kaum Fortschritte machte. Trotzki, der die NEP von Anfang an nicht als eigene Etappe, sondern als blo\u00dfen Durchgangspunkt verstanden hatte, bildete in dieser Zeit den Gegenpol zur Politik der Parteimehrheit.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Trotzki: vom Wirtschaftsdiktator zum Gegner der Sowjetmacht<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Urspr\u00fcnge der Auseinandersetzung um die Wirtschaftspolitik reichten Jahre zur\u00fcck. Etwa Ende 1919 begann Trotzki, sich mehr mit Wirtschaftsfragen als mit Milit\u00e4rfragen zu besch\u00e4ftigen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote93sym\" name=\"sdfootnote93anc\"><sup>93<\/sup><\/a> Die entscheidenden Schlachten des B\u00fcrgerkriegs waren geschlagen, die Sowjetmacht hatte sich milit\u00e4risch als unbesiegbar gezeigt, und die K\u00e4mpfe des Jahres 1920 wurden nicht mehr um die blo\u00dfe Existenz gef\u00fchrt. Worauf es k\u00fcnftig ankam, war der Wiederaufbau des Landes.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Boden seiner Theorie der permanenten Revolution war Trotzki f\u00fcr den direkten Aufbau des Sozialismus. Das bedeutete, die Industrialisierung so schnell wie m\u00f6glich und um jeden Preis durchzuf\u00fchren. F\u00fcr diese Industrialisierung gab es nur zwei Wege: Auspressung entweder der Arbeiter oder der Bauern. Als Oberster Befehlshaber einer Armee, die im wesentlichen aus Mittelbauern bestand und sich ihre Lebensmittel durch Requisitionen im Dorf holen mu\u00dfte, begriff Trotzki eher als andere durch die Praxis, da\u00df die neue Macht mit den Bauern ins reine kommen mu\u00dfte, um zu \u00fcberstehen. Bereits im Februar 1920 machte er in einem Brief an das ZK den Vorschlag, statt weiterer Zwangseintreibungen die Bauern zu besteuern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote94sym\" name=\"sdfootnote94anc\"><sup>94<\/sup><\/a> Damit nahm er einen Kernpunkt der sp\u00e4teren NEP vorweg. Allerdings verfolgte er seinen Vorschlag nicht weiter, sondern zitierte ihn nur regelm\u00e4\u00dfig in sp\u00e4teren Jahren gegen\u00fcber den Vorw\u00fcrfen, er sei ein Gegner der Bauern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn aber nicht auf Kosten der Bauern, dann mu\u00dfte die Industrie auf Kosten der Arbeiter aufgebaut werden. Das war Trotzkis erste L\u00f6sung, und das von ihm dazu vorgeschlagene Mittel war die Militarisierung der Arbeit. Trotzkis Vorbild war das Zentralkomitee f\u00fcr Transportwesen, abgek\u00fcrzt Zektran. Aufgrund des Zusammenbruchs des Transportsystems war Trotzki Anfang 1920 mit dessen Reorganisierung beauftragt worden und hatte hier seine Idee der Militarisierung der Arbeit in die Tat umgesetzt. Staatliche Verwaltung, Gewerkschaft und Partei wurden zu einem einzigen riesigen Apparat zusammengef\u00fcgt, der auf der Grundlage milit\u00e4rischer Disziplin arbeitete. Von oben bis unten b\u00fcrokratisch durchorganisiert, war das im September 1920 gebildete Zektran enormen Spannungen ausgesetzt, zumal Trotzki, zu kollektiver Arbeit pers\u00f6nlich unf\u00e4hig, von seinen Mitarbeitern keinen Widerspruch duldete. Die Gewerkschaften waren strikte Gegner des Zektran; sie verlangten immer wieder, es aufzul\u00f6sen und zu normalen Organisationsformen zu gelangen, was dann im Ergebnis der Gewerkschaftskontroverse auch geschah.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar erlitt er in der Gewerkschaftsfrage gegen Lenin eine Niederlage. Aber nachdem der \u00dcbergang zur NEP beschlossen war und damit die Bauern endg\u00fcltig als Hauptquelle f\u00fcr eine beschleunigte Industrialisierung ausfielen, f\u00fchlte er sich in seiner Auffassung best\u00e4tigt, die Arbeiter m\u00fc\u00dften zum schnelleren Aufbau der Industrie vorw\u00e4rtsgepeitscht werden. So trat er im Oktober 1922 vor dem 5.Kongre\u00df der Kommunistischen Jugend der Sowjetunion f\u00fcr eine &#8222;urspr\u00fcngliche sozialistische Akkumulation&#8220; durch die Aufopferung der Proletarier ein. Die Arbeiterklasse k\u00f6nne &#8222;nur unter den gr\u00f6\u00dften Opfern, indem sie die letzten Anstrengungen macht und Blut und Nerven zusetzt, zum Sozialismus gelangen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote95sym\" name=\"sdfootnote95anc\"><sup>95<\/sup><\/a> Da\u00df er seine Vorstellungen gerade vor dem Komsomol wiederholte, hatte seinen Grund. Hier war der Abschied vom Kriegskommunismus am schwersten gefallen und die Begeisterung f\u00fcr das Vorw\u00e4rtsst\u00fcrmen zum Kommunismus und damit die Industrialisierung um jeden Preis nach wie vor gro\u00df. Als ihm vorgeworfen wurde, er w\u00fcrde f\u00fcr eine neue Ausbeutung der Arbeiterklasse eintreten, erwiderte er, da\u00df Blut und Nerven der Arbeiter schlie\u00dflich f\u00fcr den eigenen sozialistischen Staat hergegeben w\u00fcrden, es sich also nur um Selbstausbeutung handele.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote96sym\" name=\"sdfootnote96anc\"><sup>96<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Erg\u00e4nzung zur Militarisierung der Arbeit war die Forderung nach vollst\u00e4ndiger Organisation und Lenkung der Wirtschaft durch einen &#8222;<i>Plan<\/i>&#8222;. W\u00e4hrend Lenin und mit ihm die Masse der Bolschewiki begriffen hatte, da\u00df der R\u00fcckzug vom Kriegskommunismus bedeutete, vorl\u00e4ufig auf eine Planwirtschaft zu verzichten, forderte Trotzki weiterhin einen &#8222;einzigen Plan&#8220;, der allumfassend s\u00e4mtliche Produktionskapazit\u00e4ten, Rohmaterialien und Arbeitskr\u00e4fte organisieren, die Produktionsziele vorgeben und die Proportionen zwischen den einzelnen Produktionszweigen festlegen sollte. Lenin, der seinen eigenen &#8211; bescheidenen &#8211; Wirtschaftsplan unter dem Motto &#8222;Sowjets plus Elektrifizierung = Sozialismus&#8220; ausgearbeitet hatte, brachte &#8222;wenig Begeisterung f\u00fcr den &gt;einzigen Plan&lt; und die &gt;Erweiterung der Befugnisse des Gosplan&lt; auf. Er bezeichnete seinen Elektrifizierungsplan als &gt;die einzige ernsthafte Behandlung der Frage&lt; und tat den &gt;allumfassenden Plan&lt; als &gt;m\u00fc\u00dfiges Gerede&lt; ab.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote97sym\" name=\"sdfootnote97anc\"><sup>97<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dennoch wurde Trotzki nicht m\u00fcde, den umgehenden \u00dcbergang zur umfassenden Wirtschaftsplanung zu verlangen. &#8222;Im Fr\u00fchjahr 1922 begann Trotzki wieder auf die Errichtung einer einheitlichen obersten Wirtschaftsbeh\u00f6rde zu dr\u00e4ngen, deren Chef er vermutlich selbst werden wollte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote98sym\" name=\"sdfootnote98anc\"><sup>98<\/sup><\/a> Stattdessen schlug Lenin im April dem Politb\u00fcro vor, da\u00df Trotzki sein Stellvertreter im Rat der Volkskommissare werden solle. Trotzki lehnte diese Aufforderung, obwohl von Lenin im Verlauf der kommenden Monate mehrfach wiederholt, kategorisch ab, denn er w\u00e4re nur einer von mehreren Stellvertretern geworden. Lediglich im Dezember 1922 meinte Lenin in seinem &#8222;Brief an den Parteitag&#8220;, man solle die Kompetenzen der Staatlichen Plankommission erweitern und dem Genossen Trotzki insoweit entgegenkommen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote99sym\" name=\"sdfootnote99anc\"><sup>99<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits Trotzkis Programm der Militarisierung der Arbeit und Industrialisierung der Armee lief darauf hinaus, da\u00df er als milit\u00e4rischer Oberbefehlshaber die Leitung des industriellen Aufbaus \u00fcbernommen h\u00e4tte und &#8222;Industriediktator&#8220; geworden w\u00e4re. Dieselbe Konsequenz hatten seine Vorschl\u00e4ge zur Schaffung einer mit allen Vollmachten ausgestatteten Planungsbeh\u00f6rde, die er nach der Niederlage des Konzepts der Militarisierung der Arbeit vorbrachte. Wurden sie akzeptiert, h\u00e4tte er selbstverst\u00e4ndlich Anspruch auf die Leitung dieses Apparats gehabt. Im B\u00fcrgerkrieg neben Lenin als Organisator des Sieges gefeiert, anschlie\u00dfend mit der Aufgabe des industriellen Aufbaus betraut, w\u00e4re damit auch die Nachfolge Lenins gekl\u00e4rt gewesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem XII.Parteitag vom 17.-25.April 1923 gelang es Trotzki, eine Resolution zur Verabschiedung zu bringen, die sich f\u00fcr eine planvolle, konzentrierte \u00f6konomische Offensive zur Industrialisierung aussprach und damit unter der Hand gegen den \u00f6konomischen Selbstlauf und die NEP. Eine praktische Umsetzung der Resolution erfolgte jedoch nicht, sondern im Gegenteil kamen die sp\u00e4teren Parteibeschl\u00fcsse den Bauern noch weiter entgegen. Als das ZK auf dem Septemberplenum 1923 \u00fcber die Scherenkrise diskutierte, schwieg Trotzki sich aus. Es war klar, da\u00df es im ZK keine Mehrheiten f\u00fcr seine Auffassungen gab. Stattdessen schlug er vor, ihn nach Deutschland zu schicken, um die dortigen Aufstandsvorbereitungen in die eigene Hand zu nehmen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote100sym\" name=\"sdfootnote100anc\"><sup>100<\/sup><\/a> Damit verband sich die Hoffnung, mit der Autorit\u00e4t eines neuerlich siegreichen Aufstands seine Politik doch noch durchsetzen zu k\u00f6nnen. Aber das ZK sprach sich gegen seine deutschen Ambitionen aus. Gleichzeitig wurde Trotzkis Alleinherrschaft im Obersten Kriegsrat eingeschr\u00e4nkt, indem das ZK dessen Erweiterung durch f\u00fchrende Parteigenossen beschlo\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Niederlage an mehreren Fronten gleichzeitig wurde f\u00fcr Trotzki der Anla\u00df, seine Anh\u00e4nger zur Opposition zu formieren. Im Brief vom 8.Oktober 1923 an ZK und ZKK (Zentrale Kontrollkommission) er\u00f6ffnete er den Kampf um den &#8222;Neuen Kurs&#8220;. \u00dcber Seiten hinweg beklagte er als erstes und haupts\u00e4chlich &#8222;die \u00e4u\u00dferste Verschlechterung der innerparteilichen Situation&#8220;, ohne da\u00df man erfuhr, warum er den beklagenswerten Zustand der Partei jetzt erst entdeckte. Dieses Vorgehen blieb auch in Zukunft charakteristisch f\u00fcr die Oppositionellen in der Partei. Immer wenn die eigene Politik keine Mehrheit (mehr) fand, traten sie mit langen Jeremiaden \u00fcber den Mangel an Parteidemokratie, verursacht durch die Parteif\u00fchrung, an die \u00d6ffentlichkeit. Dahinter dann die eigentlichen inhaltlichen Differenzen zu entdecken, f\u00e4llt im Nachhinein h\u00e4ufig schwer. Bei keinem war dieses Vorgehen so ausgepr\u00e4gt wie bei Trotzki, der damit in einer Person zum Hauptankl\u00e4ger und Kronzeugen gegen die &#8222;B\u00fcrokratie&#8220; aufr\u00fcckte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Kritik war nicht nur inhaltsarm, sondern auch falsch, denn 1923 konnte bis auf das Fraktionsverbot von einer Einschr\u00e4nkung der Demokratie keine Rede sein. Sie war f\u00fcr die Masse der Parteimitglieder um so unglaubw\u00fcrdiger, als Trotzki selber im Zektran ein b\u00fcrokratisches Regime sondergleichen ohne die geringsten Mitsprachem\u00f6glichkeiten eingerichtet und rechtfertigt hatte &#8211; solange er an der Spitze stand. Stalin konnte darum mit allgemeiner Zustimmung darauf hinweisen, da\u00df ausgerechnet Trotzki als &#8222;Patriarch der B\u00fcrokraten&#8220; der Ungeeignetste war, um sich \u00fcber demokratische M\u00e4ngel zu beklagen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote101sym\" name=\"sdfootnote101anc\"><sup>101<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Jenseits der abstrakten Demokratie-Klage war der eigentliche Kern von Trotzkis Angriff der Vorwurf, da\u00df eine falsche Wirtschaftspolitik zur schwierigen Situation des Herbstes 1923 gef\u00fchrt habe. &#8222;Eine Leitung der Wirtschaft existiert nicht, das Chaos kommt von oben.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote102sym\" name=\"sdfootnote102anc\"><sup>102<\/sup><\/a> Das Politb\u00fcro antwortete daraufhin: &#8222;Wir halten es f\u00fcr notwendig, der Partei offen zu sagen, da\u00df aller Unzufriedenheit Trotzkis, aller seiner Gereiztheit, allen seinen schon einige Jahre andauernden Auftritten gegen das Zentralkomitee, seiner Entschlossenheit, die Partei zu ersch\u00fcttern, der Umstand zugrunde liegt, da\u00df Trotzki den Wunsch hat, da\u00df das ZK ihm und Kalegaev die F\u00fchrung unseres Wirtschaftslebens \u00fcbertragen soll.&#8220; Nach Aufz\u00e4hlung der verschiedenen Posten, die er innehatte, und nach dem Hinweis auf Lenins wiederholte Aufforderung, sein Stellvertreter zu werden, fuhr das Politb\u00fcro fort: &#8222;kategorisch lehnte er den Posten eines Stellvertreters Lenins ab. Das h\u00e4lt er anscheinend f\u00fcr unter seiner W\u00fcrde. Er verh\u00e4lt sich nach der Motto: &gt;alles oder nichts&lt;. Trotzki hat sich praktisch vor der Partei in eine solche Situation gebracht, da\u00df entweder die Partei dem Gen.Trotzki die Diktatur auf dem Gebiete von Wirtschaft und Milit\u00e4r \u00fcberlassen mu\u00df oder er es praktisch ablehnt, auf dem Gebiete der Wirtschaft zu arbeiten, wobei er sich nur das Recht zur systematischen Desorganisierung des ZK in seiner schwierigen t\u00e4glichen Arbeit vorbeh\u00e4lt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote103sym\" name=\"sdfootnote103anc\"><sup>103<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Woche nach Trotzkis Brief, am 15.Oktober 1923, folgte eine Erkl\u00e4rung von 46 Parteifunktion\u00e4ren. Sie war von Trotzki nicht unterschrieben, hatte aber ohne Zweifel seine Billigung, da prominente Gefolgsleute von ihm die Mitunterzeichner waren. Eingangs wurden die Schwierigkeiten der Wirtschaftslage von der W\u00e4hrungs- \u00fcber die Getreidekrise bis zu den Stockungen der Lohnzahlung aufgez\u00e4hlt, sodann der Markt und das freie Spiel der Kr\u00e4fte daf\u00fcr verantwortlich gemacht und anschlie\u00dfend gefordert: &#8222;Wenn nicht unverz\u00fcglich umfassende, durchdachte, planm\u00e4\u00dfige und energische Ma\u00dfnahmen getroffen werden, wenn die gegenw\u00e4rtige F\u00fchrungslosigkeit weiter andauert, dann stehen wir vor der M\u00f6glichkeit einer ungew\u00f6hnlich heftigen wirtschaftlichen Ersch\u00fctterung&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote104sym\" name=\"sdfootnote104anc\"><sup>104<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Opposition hatte nur bei wenigen sozialen Kr\u00e4ften R\u00fcckhalt. &#8222;Bei den Arbeitern fand die Opposition keine Unterst\u00fctzung. Die Trotzkisten &#8230; waren in ihrer Orientierung viel mehr intellektuell als proletarisch (&#8230;) Als es im Dezember 1923 zur Kraftprobe kam, stellten sich die Zellen der Fabrikarbeiter und die Provinzen ganz allgemein fast geschlossen auf die Seite der Organisation&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote105sym\" name=\"sdfootnote105anc\"><sup>105<\/sup><\/a> Daniels, der dies schreibt und voller Sympathien f\u00fcr jede Art von &#8222;Linksopposition&#8220; ist, erkl\u00e4rt die Isolierung der Opposition wie Trotzki durch die Propaganda und den Druck des Parteiapparats. Die Intellektuellen &#8211; so seine unausgesprochene Schlu\u00dffolgerung &#8211; waren als kritische Geister dagegen immun und folgten Trotzki, im Gegensatz zu den einf\u00e4ltigen Arbeitern, die alles glaubten, was von oben kam. Da\u00df die Arbeiterklasse, die f\u00fcr seinen Gewaltkurs Blut, Schwei\u00df und Nerven opfern sollte, Gr\u00fcnde genug hatte, Trotzki die Gefolgschaft zu verweigern, entzieht sich seinem Verst\u00e4ndnis. Genauso unbeliebt war Trotzki bei den kommunistischen Managern, denn ihre Betriebe h\u00e4tten die Selbst\u00e4ndigkeit verloren, wenn seine Politik verwirklicht worden w\u00e4re.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um so mehr R\u00fcckhalt fand er bei den Staatsb\u00fcrokraten und Studenten. Preobrashenski, neben Trotzki der prominenteste F\u00fchrer der Linksopposition, mu\u00dfte selber feststellen, da\u00df ihre Anh\u00e4nger am zahlreichsten &#8222;in den Regierungsbeh\u00f6rden und Bildungseinrichtungen&#8220; vertreten waren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote106sym\" name=\"sdfootnote106anc\"><sup>106<\/sup><\/a> Moskau war ihre lokale Hochburg. Die Moskauer Parteiorganisation bestand zu 25% aus Studenten;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote107sym\" name=\"sdfootnote107anc\"><sup>107<\/sup><\/a> au\u00dferdem waren dort die kommunistischen Regierungsangestellten massiert. Da Trotzkis Vorschl\u00e4ge eine gewaltige St\u00e4rkung des Regierungs- und Planungsapparats &#8211; und damit ihrer eigenen Stellung &#8211; zur Folge gehabt h\u00e4tten, wurden sie von ihnen begr\u00fc\u00dft. Ebenso charakteristisch ist die Verankerung unter der jungen Intelligenz, stets anf\u00e4llig f\u00fcr &#8222;linke&#8220; Abenteuerpolitik. Da\u00df Trotzki in seinen Artikeln \u00fcber den &#8222;neuen Kurs&#8220; der Jugend und den Studenten Avancen machte und sie zur Hoffnung der Zukunft erkl\u00e4rte, wurde ihm im Politb\u00fcro besonders \u00fcbel angekreidet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die soziale Basis aus jungen Intelligenzlern und kommunistischen Regierungsangestellten blieb bestimmend f\u00fcr die Anh\u00e4nger Trotzkis in der Sowjetunion. &#8222;Nach 1923 kam die Linke Opposition nie \u00fcber den Stand einer Sekte von wohlmeinenden, aber hoffnungslos in der Minderheit befindlichen Intellektuellen hinaus, ausgenommen die <i>apparatschiki<\/i>, die Sinowjew mitbrachte, als er 1925 mit Stalin und Bucharin brach.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote108sym\" name=\"sdfootnote108anc\"><sup>108<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Reaktion der Partei auf die Kritik der Opposition waren nicht allein Beschl\u00fcsse gegen die B\u00fcrokratisierung, sondern war vor allem das &#8222;Lenin-Aufgebot&#8220; vom Fr\u00fchjahr 1924. 200.000 neue Mitglieder, weit \u00fcberwiegend Arbeiter, wurden in die Partei aufgenommen und erh\u00f6hten den proletarischen Anteil um \u00fcber 40%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote109sym\" name=\"sdfootnote109anc\"><sup>109<\/sup><\/a> Trotzkis Stellungnahme dazu war, da\u00df es sich um eine politisch ungebildete, jederzeit manipulierbare Masse handele.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei allen Vorw\u00fcrfen, da\u00df der &#8222;Apparat&#8220; die unbedarften Parteimitglieder irref\u00fchrte und von den richtigen Einsichten abhielt, blieb es den kl\u00fcgeren Oppositionellen nicht verborgen, da\u00df die Arbeiter jenseits von ihnen standen. Eine Konsequenz daraus war, da\u00df eine Reihe von ihnen zwar weiterhin die sofortige forcierte Industrialisierung, die &#8222;urspr\u00fcngliche sozialistische Akkumulation&#8220; forderte, jetzt aber nicht mehr auf Kosten der Arbeiterklasse, sondern <i>auf Kosten der Bauern<\/i>. Preobrashenski als f\u00fchrender \u00d6konom der Opposition entwickelte diese Theorie ausf\u00fchrlich: Wie der Kapitalismus eine Phase der urspr\u00fcnglichen Akkumulation durchlaufen habe, bis er sich auf eigenen Grundlagen bewegen konnte, so m\u00fcsse auch der Sozialismus dies tun. Aufgrund der Verfassung der Arbeit in der Sowjetunion w\u00e4ren einer Ausbeutung der Arbeiter, auf die sich die urspr\u00fcngliche Akkumulation st\u00fctzen k\u00f6nne, enge Grenzen gesetzt (hier sprach die Erfahrung); darum sollte die r\u00fcckst\u00e4ndige Bauernschaft dem Akkumulationsbed\u00fcrfnis der Industrie unterworfen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So r\u00fcckhaltlos vertrat dies vorerst nur Preobrashenski. Trotzki dagegen \u00e4u\u00dferte sich zu dieser Zeit nicht eindeutig. Allerdings forderte er nach 1923 nicht mehr den Aufbau des Sozialismus durch die Aufopferung der Arbeiterklasse, sondern trat nur allgemein f\u00fcr mehr Plan und eine schnellere Industrialisierung ein. Erst allm\u00e4hlich dann, so in der gemeinsamen Plattform der Vereinigten Linksopposition zum XV.Parteitag 1927, forderte er, die Bauern bzw. Kulaken f\u00fcr die Industrialisierung bluten zu lassen. Daraus resultiert die Schwierigkeit, Trotzki durchg\u00e4ngig Gegnerschaft gegen die Bauern vorzuwerfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sinowjew und Kamenew waren die entschiedensten Gegner Trotzkis gewesen, solange dieser auf Kosten der Arbeiter die Industrialisierung vornehmen wollte. Die Leningrader hatten sogar den Ausschlu\u00df Trotzkis aus dem Politb\u00fcro verlangt, was von Stalin und dem ZK zur\u00fcckgewiesen wurde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote110sym\" name=\"sdfootnote110anc\"><sup>110<\/sup><\/a> Als Trotzki nicht mehr f\u00fcr die Industrialisierung auf dem R\u00fccken der Arbeiter eintrat und stattdessen Preobrashenskis Konzept einer urspr\u00fcnglichen Akkumulation auf Kosten der Bauern zum faktischen Wirtschaftsprogramm der trotzkistischen Opposition wurde, fiel dieser Trennungsgrund weg. Nach den &#8222;Kulakenbeschl\u00fcssen&#8220; des ZK vom April 1925 gingen Sinowjew und Kamenew kurzzeitig in der &#8222;Vereinten Opposition&#8220; mit Trotzki zusammen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Sommer des Jahres 1927 brach Gro\u00dfbritannien unter einem Vorwand die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetunion ab; pl\u00f6tzlich r\u00fcckte ein Krieg nahe. In dieser Situation ver\u00f6ffentlichte Trotzki eine &#8222;Clemenceau-Erkl\u00e4rung&#8220; (in Anklang an Clemenceau, der 1917 die damalige franz\u00f6sische Regierung wegen ihrer mangelhaften Kriegf\u00fchrung gest\u00fcrzt hatte). Darin warf er Bucharin, Rykow, Stalin und Woroschilow vor, keine ausreichenden Vorbereitungen auf den Krieg zu treffen und k\u00fcndigte an, da\u00df er die Regierung st\u00fcrzen werde, wenn die Lage kritisch werden sollte. Selbst sein ihm sehr wohlgesonnener Biograph Isaac Deutscher nennt diese Erkl\u00e4rung &#8222;\u00fcbel&#8220;, mit einem &#8222;hochverr\u00e4terischen Beigeschmack&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote111sym\" name=\"sdfootnote111anc\"><sup>111<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 7.November 1927, aus Anla\u00df der gro\u00dfen Demonstrationen zum 10.Jahrestag der Oktoberrevolution, ging die vereinte Opposition unter \u00f6ffentlichem Bruch der Parteidisziplin mit eigenen Parolen auf die Stra\u00dfe. Trotzki war der unverr\u00fcckbaren \u00dcberzeugung, da\u00df die Massen &#8222;an sich&#8220; trotzkistisch-revolution\u00e4r seien und ihre revolution\u00e4re Begeisterung nur durch Propaganda und Polizei der &#8222;B\u00fcrokratie&#8220; unterdr\u00fcckt werde. Der Auftritt am 7.November sollte das \u00fcber die Arbeiterklasse geworfene Netz zerrei\u00dfen, die &#8222;an sich&#8220; in der Klasse brodelnden Energien der permanenten Revolution freisetzen und Trotzki, die Vereinte Opposition hinter sich, an der Spitze der aufstehenden Massen in einem kurzen B\u00fcrgerkrieg an die Macht bringen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Arbeitermassen zeigten sich jedoch gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber den Auftritten Trotzkis, Sinowjews und ihrer Anh\u00e4nger bei den gro\u00dfen Demonstrationen. &#8222;Der 7.November brachte der Opposition eine vernichtende Niederlage.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote112sym\" name=\"sdfootnote112anc\"><sup>112<\/sup><\/a> Auf sp\u00e4tere Angriffe eines Fl\u00fcgels seiner Anh\u00e4nger, er sei mit seinen Angriffen auf die Partei zu weit gegangen, verteidigte sich Trotzki &#8211; hier mit Deutschers Worten zusammengefa\u00dft: &#8222;Die Opposition habe sich kaum je entschieden und mutig genug an die Mitgliedermasse gewandt. Als sie das schlie\u00dflich am 7.November (1927) zu tun plante, habe sie versucht, <i>Stalin zum B\u00fcrgerkrieg zu provozieren<\/i>; und dann habe sie sich zur\u00fcckziehen m\u00fcssen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote113sym\" name=\"sdfootnote113anc\"><sup>113<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im R\u00fcckblick schrieb Trotzki 1936 in der &#8222;Verratenen Revolution, da\u00df ein Teil der Arbeiterklasse, n\u00e4mlich die &#8222;fortgeschrittenen Arbeiter &#8230; der Opposition zweifelsohne sympathisch gegen\u00fcber(standen)&#8220;, mu\u00dfte aber gleichzeitig feststellen, da\u00df die &#8222;B\u00fcrokratie&#8220; mit der Wendung gegen Trotzkis permanente Revolution und f\u00fcr eine Ruhepause im Kampf &#8222;ohne Zweifel bei den m\u00fcden Arbeitern und besonders bei den Bauernmassen Anklang&#8220; fand.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote114sym\" name=\"sdfootnote114anc\"><sup>114<\/sup><\/a> Damit gestand er selber zu, da\u00df sein Programm nur bei einer Minderheit in der Arbeiterklasse Anklang fand, w\u00e4hrend die Masse der Arbeiterklasse ihm fernstand. Elf Seiten danach schrieb er: &#8222;Die m\u00fcden und entt\u00e4uschten Massen verhielten sich gleichg\u00fcltig zu dem, was an der Spitze geschah.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote115sym\" name=\"sdfootnote115anc\"><sup>115<\/sup><\/a> Das einemal ist er gezwungen zuzugeben, da\u00df die Linie der Parteimehrheit die Zustimmung der Arbeitermassen fand, die &#8211; noch &#8211; zu keiner neuen Revolution bereit waren. Auf der anderen Seite behauptet er, da\u00df das Geschehen an der Spitze der Partei den Massen gleichg\u00fcltig war. Er ist v\u00f6llig unf\u00e4hig zu begreifen, warum seine Politik sich nicht durchsetzt, und sucht die Gr\u00fcnde daf\u00fcr in der pers\u00f6nlichen Unf\u00e4higkeit, Borniertheit oder B\u00f6sartigkeit der \u00fcbrigen bolschewistischen Parteif\u00fchrer.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf der anderen Seite unterstellt seine eigene Politik, da\u00df die Parteif\u00fchrung v\u00f6llige Freiheit des Handelns hat, also nicht an die gegebenen Klassenverh\u00e4ltnisse, Mehrheiten und Stimmungen gebunden ist. Die Massen in ihrer gegebenen Verfassung und Entwicklung spielen bei ihm keine Rolle, sie sind passive, manipulierbare Parolenempf\u00e4nger, die nach dem Belieben der Politik, je nach der Genialit\u00e4t oder Borniertheit der F\u00fchrung, gemodelt werden k\u00f6nnen. Das ist der Hintergrund, vor dem Trotzki die Geschichte der Oktoberrevolution versteht und seine Politik der 20er Jahre betreibt. Dieser Ansatz ist g\u00e4nzlich subjektivistisch und unterstellt eine Verselbst\u00e4ndigung der Parteif\u00fchrung, die in der Realit\u00e4t nie existierte und die allenfalls Trotzkis Wunschdenken war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis 1929 gab es nach den Erfahrungen von Kronstadt weder in der Arbeiterklasse noch in der Partei Mehrheiten f\u00fcr eine Politik, die den Bruch mit der Bauernschaft riskierte. &#8222;Zum Ungl\u00fcck f\u00fcr die Opposition und f\u00fcr Trotzki reagierten die m\u00fcden und desillusionierten Massen, und nicht nur der &gt;kleine B\u00fcrokrat und Schmarotzer&lt; auf die Konsolidierungsdoktrin viel bereitwilliger als auf die heroische Anrufung der permanenten Revolution.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote116sym\" name=\"sdfootnote116anc\"><sup>116<\/sup><\/a> Das ist das Kernproblem der Politik Trotzkis. Die Empfindungen der Massen entsprachen der objektiven Situation. In der Etappe, die nach dem Kriegskommunismus einsetzte, waren die Verh\u00e4ltnisse nicht reif f\u00fcr eine Fortsetzung des Angriffs. Der industrielle Wiederaufbau war nicht gen\u00fcgend vorangeschritten und dementsprechend war die Arbeiterklasse nicht ausreichend konsolidiert; schon rein zahlenm\u00e4\u00dfig war sie bis Mitte der 20er Jahre schw\u00e4cher als zur Oktoberrevolution. Jeder erneute Sprung w\u00e4re ein heilloses Unterfangen gewesen, ein Angriff auf die Bauern h\u00e4tte mit einer sicheren Niederlage geendet. Erst 1929, nach acht Jahren Erholung, war es so weit &#8211; und da war auch die Arbeiterklasse bereit.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders unglaubw\u00fcrdig war die Position der Trotzkisten und ist sie bis heute, weil einerseits die b\u00fcrgerkriegsbedingte Schw\u00e4che der Arbeiterklasse in den 20er Jahren verantwortlich gemacht wird f\u00fcr die Entstehung der &#8222;B\u00fcrokratie&#8220;, andererseits eben diese schwache Arbeiterklasse den Krieg gegen die Bauern er\u00f6ffnen sollte, um die &#8222;urspr\u00fcngliche sozialistische Akkumulation&#8220; durchzuf\u00fchren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man die Politik Trotzkis dennoch f\u00fcr richtig befinden will, mu\u00df man die Haltung der Arbeiterklasse wie Deutscher als &#8222;reaktion\u00e4re Massenstimmung&#8220; begreifen. &#8222;In seinen protokollierten Reden verbreitete sich Trotzki im allgemeinen \u00fcber den Gegensatz zwischen der herrschenden Gruppe und der Masse der Mitglieder. Privat gab er zu, da\u00df die Ideen und Parolen der herrschenden Gruppe einem Gef\u00fchlsbed\u00fcrfnis der breiten Mitgliederschaft entgegenkamen, das diesen Gegensatz \u00fcberlagerte, und da\u00df die Opposition nicht der \u00f6ffentlichen Stimmung entsprach. Was lie\u00df sich also tun? Es ist nicht die Aufgabe des marxistischen Revolution\u00e4rs, bedachte sich Trotzki, sich der reaktion\u00e4ren Stimmung der Massen zu beugen. In Zeiten, in denen sich ihr Klassenbewu\u00dftsein tr\u00fcbt, mu\u00df er bereit sein, abseits von ihnen zu stehen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote117sym\" name=\"sdfootnote117anc\"><sup>117<\/sup><\/a> Was das &#8222;Abseits-Stehen&#8220; Trotzkis betrifft, mu\u00df man feststellen, da\u00df dieser gerade nicht im stillen K\u00e4mmerlein theoretisierte, sondern bis Ende 1926 Mitglied des Politb\u00fcros war, seine politischen Vorstellungen als konkretes Aktionsprogramm entwickelte und die Partei zum sofortigen Handeln trieb. Als er damit keinen Erfolg hatte, weil die Parteimehrheit ihm nicht folgte, setzte er seine &#8222;heroische Anrufung der permanenten Revolution&#8220; anl\u00e4\u00dflich des 10.Jahrestags der Oktoberrevolution auf den Massendemonstrationen fort, um nach einem B\u00fcrgerkrieg an die Macht zu gelangen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wegen ihres Auftretens wurden Trotzki und Sinowjew am 14.November 1927 aus der Partei ausgeschlossen. F\u00fcr Sinowjew war die v\u00f6llige Isolierung von den demonstrierenden Arbeitermassen am 7.November der Anla\u00df, sich von Trotzki wieder loszusagen, Selbstkritik zu \u00fcben und die Partei um Wiederaufnahme zu bitten. Trotzki dagegen baute in der Opposition seine Theorie von der b\u00fcrokratischen Entartung der Partei und vom &#8222;Thermidor&#8220; in Analogie zur franz\u00f6sischen Revolution aus: Der politische Kern dieser Kritik war die Einsch\u00e4tzung, die NEP w\u00fcrde zur immer weiteren St\u00e4rkung der kapitalistischen Elemente f\u00fchren; Staat und Partei steuerten auf eine offene, prokapitalistische Konterrevolution &#8211; den &#8222;Thermidor&#8220; &#8211; zu; die &#8222;Thermidorianer&#8220; waren die Vertreter der NEP mit den Kulakenfreunden Bucharin und Rykow an der Spitze. Flankiert sah er diese Entwicklung von der zunehmenden B\u00fcrokratisierung, die die Partei gegen\u00fcber dem herannahenden Thermidor entwaffnete. Als Oberhaupt der B\u00fcrokraten attackierte er den Generalsekret\u00e4r der Partei, Josef Stalin. Diesen &#8222;geistlosen Grobian&#8220;, dem er sich intellektuell haushoch \u00fcberlegen f\u00fchlte, nahm er politisch allerdings nicht besonders ernst, weil er ihn nur als b\u00fcrokratischen Handlanger Bucharins einsch\u00e4tzte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Januar 1928 wurde Trotzki ins turkestanische Alma Ata nahe der chinesischen Grenze deportiert. Zu dieser Zeit bereitete sich der \u00dcbergang zur Industrialisierungs- und Kollektivierungskampagne vor, wurde der Gegensatz zwischen Stalin und Bucharin allm\u00e4hlich offenkundig und begann sich bald darauf die Niederlage Bucharins abzuzeichnen. Jetzt konstruierte Trotzki die These, die Revolution k\u00f6nnte den Thermidor, dh. den formellen \u00dcbergang zur kapitalistischen Konterrevolution unter Bucharin, \u00fcberspringen und gleich in ihre &#8222;bonapartistische&#8220; Phase \u00fcbergehen. Entweder w\u00fcrde ein Armeef\u00fchrer wie Woroschilow oder Budjonny, sozial gest\u00fctzt auf die Kulaken, die Macht ergreifen und eine offene Diktatur des Besitzes etablieren, oder Stalin selbst k\u00f6nnte mit Hilfe des Parteiapparats der sowjetische Bonaparte werden. In diesem Fall w\u00fcrde es etwas l\u00e4nger dauern, aber am Ende w\u00fcrde ebenfalls der Kulak und NEP-Mann triumphieren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote118sym\" name=\"sdfootnote118anc\"><sup>118<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Die Gewerkschaften auf dem Weg zur Standespolitik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Etwa 1926 war die industrielle Rekonstruktionsperiode beendet; die Industrieproduktion lag ungef\u00e4hr wieder auf Vorkriegsh\u00f6he. Um mehr zu produzieren, wurde die Betriebsdauer der meisten Gro\u00dfanlagen verl\u00e4ngert, so da\u00df sie im Mehrschichtsystem rund um die Uhr liefen, manchmal 7 Tage pro Woche. Als Ausgleich f\u00fcr die Mehrbelastung und um mehr Arbeiter einzustellen, wurde gleichzeitig der 7-Stunden-Tag eingef\u00fchrt. Da die gro\u00dfe Masse der Maschinen und Anlagen noch aus der Zeit vor 1917 stammte, beschleunigte sich der Verschlei\u00df immer mehr. Es war unumg\u00e4nglich, \u00fcber den Weg zur industriellen Erneuerung des Landes zu entscheiden. &#8222;Die Notwendigkeit einer beschleunigten Industrialisierung trat in den Jahren 1927 und 1928 immer deutlicher hervor. Inzwischen war der alte Produktionsapparat an die Grenzen seiner Leistungsf\u00e4higkeit gesto\u00dfen, so da\u00df das weitere Wachstum der Industrieproduktion nur noch durch eine grundlegende technische Rekonstruktion und Erweiterung der Kapazit\u00e4ten gesichert werden konnte. Auch die st\u00e4dtische Arbeitslosigkeit und die agrarische \u00dcberbev\u00f6lkerung, die immer gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe annahmen, waren nur durch eine rasche Industrialisierung zu beseitigen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote119sym\" name=\"sdfootnote119anc\"><sup>119<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hinzu kam 1927 der Konflikt mit Gro\u00dfbritannien. Den drohenden Krieg konnte die proletarische Macht nur mit einer ausreichenden schwerindustriellen Basis bestehen. Auf wichtigen Gebieten hatte sich indessen der Abstand der Schwerindustrie gegen\u00fcber den entwickelten kapitalistischen Staaten seit der Oktoberrevolution vergr\u00f6\u00dfert,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote120sym\" name=\"sdfootnote120anc\"><sup>120<\/sup><\/a> so da\u00df es um so notwendiger wurde, die Mittel und Wege einer aufholenden Industrialisierung zu kl\u00e4ren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der XV. Parteitag vom 2.-19.Dezember 1927 zog das Fazit der bisherigen Planarbeit im Rahmen der NEP und verabschiedete Direktiven f\u00fcr die Erstellung eines F\u00fcnfjahrplans &#8211; des ersten -, bis zu dessen Verabschiedung aber noch anderthalb Jahre vergehen sollten. Im Zentrum stand der Aufbau einer eigenen Produktionsmittelindustrie, deren Schwerpunkte in der R\u00fcstung, der Sicherung der industriellen Unabh\u00e4ngigkeit vom Ausland und der Produktion von Maschinerie f\u00fcr die Landwirtschaft liegen sollten. Der Aufbau sollte im Rahmen eines &#8222;dynamischen wirtschaftlichen Gleichgewichts&#8220; zwischen Industrie und Landwirtschaft, zwischen Produktionsmittel- und Konsumtionsmittelindustrie stattfinden. Das bedeutete, die NEP beizubehalten, und lie\u00df damit die grundlegende Frage ungel\u00f6st, wie dies in Abh\u00e4ngigkeit von den Bauern m\u00f6glich sein sollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrenddessen entwickelten sich die Widerspr\u00fcche der NEP. Die verdeckte Arbeitslosigkeit auf dem Land, die im Gefolge der Oktoberrevolution auf Kosten der Produktivit\u00e4t zur\u00fcckgegangen war, stieg durch den Geburtenzuwachs allm\u00e4hlich wieder an. Sie wurde 1928 auf 8-9 Mio \u00fcberfl\u00fcssige Arbeitskr\u00e4fte gesch\u00e4tzt, teilweise auch auf das Doppelte. Zur gleichen Zeit betrug die Zahl der Arbeitslosen in den St\u00e4dten 2 Mio &#8211; bei 3 &#8211; 4 Mio industriell Besch\u00e4ftigten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote121sym\" name=\"sdfootnote121anc\"><sup>121<\/sup><\/a> Das waren teils in die St\u00e4dte gestr\u00f6mte ungelernte Bauern, teils aber auch gelernte Arbeitskr\u00e4fte, offenbar haupts\u00e4chlich Arbeiterjugend. Der Besch\u00e4ftigungszuwachs im Zuge des industriellen Aufbaus reichte jedenfalls nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. 1925\/26 stieg zwar die Zahl der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten gegen\u00fcber dem Vorjahr, offenbar im Zusammenhang mit dem \u00dcbergang zum Mehrschichtbetrieb und der Verk\u00fcrzung des Arbeitstags auf 7 Stunden, um 25,4%. 1926\/27 und 1927\/28 betrug die Zunahme aber jeweils nur 5,2%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote122sym\" name=\"sdfootnote122anc\"><sup>122<\/sup><\/a> Damit wuchs die Zahl der Arbeitslosen schneller als die Zahl der Arbeiter. Selbst bei der optimistischsten Variante des F\u00fcnfjahrplans wurde nur mit einem R\u00fcckgang, nicht aber mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit gerechnet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Raupach macht angesichts dieser Zahlen eine einfache Rechnung auf: wenn man f\u00fcr jeden neuen Arbeitsplatz den niedrigen Betrag von 5.000 Rubel als Investitionskosten ansetzt, h\u00e4tte der sowjetische Staat 50 Mrd Rubel aufbringen m\u00fcssen, um die mindestens 10 Mio Unproduktiven produktiv zu besch\u00e4ftigen. Selbst auf mehrere Jahre verteilt und ohne Ber\u00fccksichtigung des fortlaufenden Bev\u00f6lkerungszuwachses h\u00e4tte ein solcher Betrag &#8222;um ein Vielfaches die 1927\/28 tats\u00e4chlich in der Industrie angelegten ca. 1,5 Mrd.Rubel&#8220; \u00fcberschritten, woraus er die Schlu\u00dffolgerung zieht, da\u00df die sozialen Fakten &#8222;gleichsam autonom eine \u00fcbernormale industrielle Wachstumsrate erheischten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote123sym\" name=\"sdfootnote123anc\"><sup>123<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um der wachsenden Arbeitslosigkeit in den St\u00e4dten zu begegnen, wurde der Zuzug vom Land verboten. Erstmalig Arbeitssuchenden wurde der Arbeitsnachweis verweigert, so da\u00df sie keine Anstellung finden konnten. Als arbeitslos wurden nur diejenigen registriert, die vorher in einem Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis gestanden hatten. So wurden auch die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung niedrig gehalten. Die Vermittlung eines Arbeitsplatzes wurde an die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft gebunden; gleichzeitig verschlossen sich die Gewerkschaften gegen\u00fcber Arbeitslosen. &#8222;Das Recht auf Arbeit verwandelte sich so in ein sorgf\u00e4ltig geh\u00fctetes <i>Zunftprivileg<\/i> der Gewerkschaftsmitglieder.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote124sym\" name=\"sdfootnote124anc\"><sup>124<\/sup><\/a> Da\u00df sich derartige Abschlie\u00dfungstendenzen in den Gewerkschaften durchsetzten, die als Massenorganisationen das Proletariat in seiner Gesamtheit umfa\u00dften und dessen unmittelbare Interessen widerspiegeln und vertreten mu\u00dften, war unausweichlich. Mit der Zeit mu\u00dften diese Tendenzen aber auch den Zusammenschlu\u00df der bewu\u00dftesten Elemente der Klasse, die Partei, ergreifen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das war die Konsequenz der NEP nach mehreren Jahren: Die proletarische Macht mu\u00dfte zulassen, da\u00df die Erweiterung ihrer eigenen Klassenbasis eingeschr\u00e4nkt wurde; ein Arbeitsplatz in der staatlichen Industrie wurde mehr und mehr zum Privileg f\u00fcr eine Minderheit und die Gewerkschaften entwickelten sich zu z\u00fcnftlerisch abgeschlossenen Organisationen. Das Verh\u00e4ltnis von Stadt und Land, Industrie und Agrarwirtschaft, Proletariat und Bauernschaft wurde damit auf die Spitze getrieben. Verweigerten die Bauern der Stadt das Getreide, so verweigerte die Stadt den Bauern den Arbeitsplatz.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fast der einzige Hoffnungsschimmer in der sich immer mehr versch\u00e4rfenden Lage waren die industriellen Wachstumsraten. Urspr\u00fcnglich waren alle Wirtschaftsfachleute und Parteif\u00fchrer vom Axiom der abklingenden Wachstumskurve ausgegangen: je weiter man auf das Ende der Rekonstruktionsperiode zukommen und dieses \u00fcberschreiten w\u00fcrde, desto geringer, dachte man, w\u00fcrde das industrielle Wachstum werden. Tats\u00e4chlich stellte sich jedoch in den Jahren 1925\/26 und 27\/28 heraus, da\u00df die Wachstumsraten jeweils h\u00f6her als im Vorjahr lagen &#8211; ein Ergebnis, das niemand erwartet hatte und das alle Fachleute in einen &#8222;Zustand angenehmer Verwunderung&#8220; versetzte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote125sym\" name=\"sdfootnote125anc\"><sup>125<\/sup><\/a> Daraufhin wurden die Planentw\u00fcrfe f\u00fcr den F\u00fcnfjahrplan nach oben korrigiert. Der Entwurf der Endfassung von Anfang 1929 enthielt eine Minimalvariante der Industrieproduktion mit einer Zunahme auf 135% am Ende des Plans, dh. nach f\u00fcnf Jahren; die Optimalvariante ging von 180% aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abgesehen davon, da\u00df selbst die Optimalvariante keine Beseitigung der Arbeitslosigkeit vorsah, setzten beide Varianten voraus, da\u00df gen\u00fcgend Getreide zum Ankauf von Maschinerie aus dem Ausland aufgebracht wurde. Die Abh\u00e4ngigkeit von den Bauern, auf dem Boden der NEP letztlich von den Kulaken, blieb also bestehen. &#8222;Die Schlu\u00dffolgerungen lagen auf der Hand. Eine Politik der gem\u00e4\u00dfigten Geschwindigkeiten, die die Position der oberen Schichten in den D\u00f6rfern st\u00e4rkte und das geschickte Balancieren zwischen ihnen und den aufr\u00fchrerischen Radikalen in den St\u00e4dten zur Notwendigkeit machte, konnte nur zeitweilig verfolgt werden, denn auf lange Sicht h\u00e4tte sie sowohl im Falle des Scheiterns wie auch im Falle ihres Erfolges dem Regime geschadet. Die Alternative zu R\u00fcckz\u00fcgen und Man\u00f6vern dieser Art, die allm\u00e4hlich das diktatorische System unterh\u00f6hlt h\u00e4tten, war offensichtlich ein massiver Gegenangriff, der ein f\u00fcr alle Mal die M\u00f6glichkeit des b\u00e4uerlichen Vetos \u00fcber die grundlegenden Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik beseitigt h\u00e4tte. Eine sehr schnelle Industrialisierung mit starker Betonung auf dem Kapitalg\u00fctersektor, die Stalin nun bef\u00fcrwortete, war die ad\u00e4quate Form eines solchen Gegenangriffs.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote126sym\" name=\"sdfootnote126anc\"><sup>126<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Das Scheitern des Leninschen Genossenschaftsplans<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Welche Verh\u00e4ltnisse auf dem Land nach der Oktoberrevolution herrschten, verdeutlicht ein Blick auf die &#8222;Kultur&#8220; des Dorfes, dh. auf die b\u00e4uerlichen Lebensgewohnheiten. In seinem Buch \u00fcber &#8222;Die Bauern von Tver&#8220; beschreibt Helmut Altrichter das Alltagsleben der Muschiks in den 20er Jahren im Gouvernement Tver, das im Herzen des europ\u00e4ischen Ru\u00dfland zwischen Moskau und Petersburg lag. Er st\u00fctzt sich dabei auf die zug\u00e4nglichen Originalquellen, von Erhebungen des lokalen Statistischen B\u00fcros bis zur Auswertung von Dorfzeitungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Analphabetismus war die Regel; es war keine Ausnahme, da\u00df nur ein Mensch im Dorf lesen und schreiben konnte. Kenntnisse von den rationalen Zusammenh\u00e4ngen der nat\u00fcrlichen Lebensabl\u00e4ufe hatte das Dorf so gut wie nicht; daf\u00fcr um so mehr Aberglauben. Eine Mischung aus christlicher und heidnischer Fr\u00f6mmigkeit beherrschte den d\u00f6rflichen Jahresablauf. Aussaat und Ernte wurden mit magischen Handlungen gegen Hexerei vorbereitet; Geisterbeschw\u00f6rung und Teufelsaustreibung waren bei jeder Gelegenheit selbstverst\u00e4ndlich. Die Krankenbehandlung wurde von &#8222;weisen&#8220; Frauen oder M\u00e4nnern vorgenommen, die ebenso medizinisch taugliche Heilkr\u00e4uter verwendeten wie sie Lungenentz\u00fcndung mit H\u00fchnermist oder Bindehautentz\u00fcndung mit menschlichen Exkrementen behandelten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vergewaltigung, Totschlag und Brandstiftung waren ebenso an der Tagesordnung wie regelrechte Kriege zwischen den D\u00f6rfern um die Grenzziehung zwischen den Dorfl\u00e4ndereien. Alkoholismus war weitverbreitet. Wodka wurde in den D\u00f6rfern, obwohl verboten, selbst destilliert; zu hohen kirchlichen Festen wurde au\u00dferdem Bier gebraut. Am Ende der mehrt\u00e4gigen Bes\u00e4ufnisse wurden dann Schl\u00e4gereien ausgetragen, pers\u00f6nliche Rechnungen beglichen und als festlicher H\u00f6hepunkt \u00f6fters auch ein Dorfkorrespondent der bolschewistischen Landzeitung oder ein Sowjetvorsitzender verpr\u00fcgelt. Die von Bolschewiki herausgegebenen Dorfzeitungen kritisierten regelm\u00e4\u00dfig die Fre\u00df-, Sauf- und Pr\u00fcgelorgien auf den D\u00f6rfern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angesichts dieser Verh\u00e4ltnisse, in denen die Masse der russischen Bev\u00f6lkerung lebte, mutete es gespenstisch an, wenn sich in den St\u00e4dten die linken Intellektuellen und K\u00fcnstler des &#8222;Proletkult&#8220; \u00fcber den Kampf gegen die b\u00fcrgerliche Kultur zerstritten. In einem Prawda-Artikel vom 4.Januar 1923 wies Lenin darauf hin, da\u00df im Jahr 1920 lediglich 32% der Bev\u00f6lkerung Ru\u00dflands lesen und schreiben konnten, davon die weitaus meisten in den St\u00e4dten. Er wetterte gegen diejenigen, die &#8222;in Tr\u00e4umereien von der &gt;proletarischen Kultur&lt; geschwelgt haben und bis jetzt schwelgen. (&#8230;) W\u00e4hrend wir \u00fcber proletarische Kultur und \u00fcber ihr Verh\u00e4ltnis zur b\u00fcrgerlichen Kultur geschwatzt haben, bieten uns die Tatsachen Zahlen dar, die zeigen, da\u00df es bei uns sogar um die b\u00fcrgerliche Kultur sehr schwach bestellt ist.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote127sym\" name=\"sdfootnote127anc\"><sup>127<\/sup><\/a> Seine Schlu\u00dffolgerung war, da\u00df es unter diesen Umst\u00e4nden illusorisch sei, den Kommunismus aufs Land zu verpflanzen, sondern da\u00df es schon ein gewaltiger Fortschritt sei, wenn man dem Dorf blo\u00df b\u00fcrgerliche Kultur und Bildung bringen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie fernab dieser Dorfwirklichkeit auch viele Bolschewiki waren, die im Dorf arbeiteten, zeigt die &#8222;Religionskritik&#8220; in der Tverer Dorfzeitung. Darin wurden die Bauern aufgekl\u00e4rt, da\u00df das christliche Weihnachtsfest heidnische Sonnenwendfeiern fortf\u00fchrte, da\u00df die in Ru\u00dfland weitverbreitete Marienverehrung auf vorchristliche Legenden von der Gottesgeb\u00e4rerin zur\u00fcckging und da\u00df der Heilige Geist mit der Gruppenehe in primitiven Gesellschaften, bei der die Mutter den Vater des Kindes nicht kennt, zu tun hatte. Das war die Religionskritik des vormarxschen Materialismus, wie sie auch Kautsky fortgef\u00fchrt hatte. Auf die Muschiks &#8211; soweit sie \u00fcberhaupt lesen konnten &#8211; mu\u00dfte diese Aufkl\u00e4rung wirken wie ein Vortrag \u00fcber die Relativit\u00e4tstheorie in einem Kindergarten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die neue Verwaltung in Gestalt der Dorfsowjets, die jetzt regelm\u00e4\u00dfig gew\u00e4hlt wurden, blieb den Muschiks fremd. Ein Dorfrat war f\u00fcr viele Ortschaften zust\u00e4ndig und oft nur durch einen mehrst\u00fcndigen Fu\u00dfmarsch erreichbar. 1925\/26 kam ein Sowjet auf 5,7 und 1929 gar auf 7,5 Siedlungen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote128sym\" name=\"sdfootnote128anc\"><sup>128<\/sup><\/a> Dazu kam, da\u00df die Dorfratsvorsitzenden in der Mehrzahl der F\u00e4lle untauglich waren &#8211; angesichts der Verh\u00e4ltnisse in den D\u00f6rfern kein Wunder. So mu\u00dften etwa in der Amtsperiode 1927\/28 im Gouvernement Tver 84 Dorfratsvorsitzende, das waren 71%, wegen v\u00f6lliger Unt\u00e4tigkeit oder Amtsmi\u00dfbrauch abgesetzt werden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote129sym\" name=\"sdfootnote129anc\"><sup>129<\/sup><\/a> Genau diese Sowjetvorsitzenden waren jedoch h\u00e4ufig von den \u00f6rtlichen Bolschewiki wegen ihrer Herkunft aus der Dorfarmut vorgeschlagen und durchgesetzt worden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Jenseits der Dorfsowjets war f\u00fcr alle wirklich wichtigen Fragen des b\u00e4uerlichen Lebens weiterhin die obscina zust\u00e4ndig. &#8222;Nach wie vor entschieden sie (die Gemeindeversammlungen) und nicht die R\u00e4te \u00fcber die zentralen Fragen des d\u00f6rflichen Geschehens: \u00fcber Bodenzuteilung und Fruchtfolge, \u00fcber Flurbereinigung und die Zuweisung von Hofland im Falle famili\u00e4rer Besitzteilungen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote130sym\" name=\"sdfootnote130anc\"><sup>130<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stadt und Land blieben zwei v\u00f6llig verschiedene Welten. Zwar sorgten die Bolschewiki daf\u00fcr, da\u00df die Gutsbesitzer nicht wieder zur\u00fcckkehrten, aber darauf beschr\u00e4nkte sich ihr Verdienst. &#8222;Die Bauern unterschieden scharf zwischen &gt;wir&lt;, womit sie ihr Dorf meinten, und der &gt;kommunistischen Obrigkeit&lt;, dem Staat. Beider Interessen, so sagten sie, vertr\u00fcgen sich nicht, sie liefen einander zuwider. Der Staat nahm vom Bauern Steuern, doch was gab er au\u00dfer Versprechungen? Das Dorf war eine Einheit f\u00fcr sich und regelte seine Angelegenheiten in der Dorfversammlung, so war es schon immer gewesen. Wozu also der Sowjet, und welchen Sinn konnte es haben, sich um andere, au\u00dferd\u00f6rfliche Probleme zu k\u00fcmmern? Weshalb die alte Form der Bodennutzung aufgeben, wo so vieles daran hing? Die Regierung behauptete, in Sowjet- und Kollektivwirtschaften w\u00fcrden h\u00f6here Ertr\u00e4ge produziert, doch wo man hinsah, fanden sich Gegenbeispiele, Mi\u00dfwirtschaft und Ruin. F\u00fcr die bolschewistische Politik und Propaganda standen Parteizelle und Dorfrat im Zentrum, im d\u00f6rflichen Alltag waren sie Randerscheinungen, ebenso wie die Dorfzeitung, der aus der Stadt kommende Agitator oder die vereinzelt existierenden Kollektivwirtschaften. Das Leben im Dorf lief ohne sie ab, und mancherorts h\u00e4tte man es gar nicht gemerkt, wenn sie \u00fcber Nacht verschwunden w\u00e4ren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote131sym\" name=\"sdfootnote131anc\"><sup>131<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Entscheidend war die Entwicklung der b\u00e4uerlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse. Nach offiziellen Untersuchungen verf\u00fcgten die einzelnen Bauernwirtschaften in den 20er Jahren im Durchschnitt \u00fcber 16 Bodenst\u00fccke, nach wie vor in regional unterschiedlicher Anzahl: weniger als zehn im S\u00fcden, teils \u00fcber 100 im Norden, die regelm\u00e4\u00dfig weit auseinanderlagen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote132sym\" name=\"sdfootnote132anc\"><sup>132<\/sup><\/a> Dreifelderwirtschaft und Flurzwang waren weiterhin gang und g\u00e4be.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als 1922 in Weiterentwicklung des Bodendekrets von 1917 ein neuer Agrarkodex ausgearbeitet wurde, gelang es &#8222;nicht einmal, die wiederkehrende Umteilung der Gemeinden auf die Periode von drei Fruchtwechseln (9 Jahre) festzulegen. Unter dem Druck der Sorge um die Selbstversorgung einer wachsenden Zahl von Essern auf dem Dorfe kam es zu sehr viel h\u00e4ufigeren, auch j\u00e4hrlichen Umverteilungen. So lebte die von der Stolypinschen Reform zur\u00fcckgedr\u00e4ngte obscina vehement wieder auf und mit ihr alle Nachteile, die sich aus der Unbest\u00e4ndigkeit des Besitzes f\u00fcr die Behandlung des Bodens und Beachtung des Fruchtwechsels ergaben. Die obscina behauptete sich bis zur betrieblichen Kollektivierung des Dorfes als die eigentliche und der offiziellen Dorfsowjetorganisation an Wirksamkeit \u00fcberlegene Selbstverwaltungseinheit.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote133sym\" name=\"sdfootnote133anc\"><sup>133<\/sup><\/a> W\u00e4hrend der Zarenstaat 1893 zumindest auf dem Papier eine Umteilungsperiode von wenigstens 12 Jahren festgelegt hatte, war der Sowjetstaat nicht in der Lage, 9 Jahre durchzusetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Entwicklung der Genossenschaftsbewegung war typisch: Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften hatten sich bis Ende der 20er Jahre weit verbreitet; in ihnen dominierten zumeist die Kulaken, die sie aus eigenem Interesse bef\u00fcrworteten. Die entscheidenden Produktionsgenossenschaften dagegen waren eine rare Ausnahme geblieben; die Kulaken hatten an ihnen kein Interesse und konnten sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Machtstellung im Dorf verhindern. Ganze 3,9% der Bauernwirtschaften waren im Juli 1929 in elementaren Genossenschaften zur gemeinsamen Bodenbearbeitung zusammengeschlossen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote134sym\" name=\"sdfootnote134anc\"><sup>134<\/sup><\/a> Die Verh\u00e4ltnisse im Gouvernement Tver d\u00fcrften wiederum ein Beispiel f\u00fcr das restliche Ru\u00dfland sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Oktober 1925 waren hier knapp 25% der Bauernh\u00f6fe Mitglieder in ca. 400 Komsumgenossenschaften, die jeweils einen, h\u00f6chstens zwei Dorfl\u00e4den betrieben. Mitte 1928 war die Zahl der Konsumgenossenschaften die gleiche, aber mehr als die H\u00e4lfte der Bauernh\u00f6fe war jetzt dort Mitglied und die Zahl der Dorfl\u00e4den war auf \u00fcber 900 gestiegen. Trotzdem gab es nicht einmal in jeder zehnten Landgemeinde bzw. in jeder f\u00fcnfzehnten Ansiedlung einen Laden. Daneben existierten noch &#8222;Agrargenossenschaften&#8220;, die sich auf die Bodenmelioration, die Viehzucht, den Produktenabsatz oder die Kreditvergabe spezialisierten. Auch diese Genossenschaften breiteten sich in Tver aus; ihre Zahl stieg zwischen 1924 und 1928 von 770 auf 1.239.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote135sym\" name=\"sdfootnote135anc\"><sup>135<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle diese Genossenschaften vereinte eines: sie bauten auf der Existenz von individuell produzierenden Bauern auf, genauer: sie setzten individuelle Produktionsweise nicht nur voraus, sondern trugen zu ihrer Stabilisierung bei. Dagegen sah es beim Zusammenschlu\u00df zu Produktionsgenossenschaften d\u00fcster aus.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote136sym\" name=\"sdfootnote136anc\"><sup>136<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Fr\u00fchjahr 1921 war mit 664 Kollektivwirtschaften (= Kolchosen) in Tver der H\u00f6hepunkt erreicht. Zum Teil besa\u00dfen diese Kolchosen nur den Boden gemeinsam (Produktionsgemeinschaften), zum Teil (in den Agrarkommunen) war alles einschlie\u00dflich der Ackerger\u00e4te und des Viehs, der Wirtschafts- und Wohngeb\u00e4ude vergemeinschaftet. Die Wirtschaftsstruktur der meisten Kolchosen lag zwischen diesen beiden Polen und wurde in Ankn\u00fcpfung an andere, vorrevolution\u00e4re Formen produktiver Zusammenarbeit als &#8222;Artel&#8220; bezeichnet. &#8222;Vor allem Tagel\u00f6hner, Knechte und Zwergbauern, deren winziger Besitz nicht zum Unterhalt der Familie reichte, lie\u00dfen sich zum Eintritt in die Kollektivwirtschaften bewegen; doch auch Arbeiter geh\u00f6rten zu ihren Mitgliedern, die vor dem Hunger aus den St\u00e4dten geflohen waren. Was sie an Inventar, Ger\u00e4ten und Vieh in das gemeinsame Unternehmen mit einbrachten, war in der Regel nicht viel, und entsprechend niedrig war auch das Produktionsniveau.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote137sym\" name=\"sdfootnote137anc\"><sup>137<\/sup><\/a> Die Arbeitermitglieder dieser Kolchosen und insbesondere der Agrarkommunen, die nach 1921 wieder in die St\u00e4dte zur\u00fcckkehrten, d\u00fcrften eine soziale Br\u00fccke zu den &#8222;linken&#8220; Anschauungen in der Partei gebildet haben, die die ganzen 20er Jahre hindurch und verst\u00e4rkt nach 1929 auf die Umgestaltung des Landes durch Agrarkommunen und das B\u00fcndnis mit der Dorfarmut dr\u00e4ngten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem \u00dcbergang zur NEP und speziell mit dem Ausbau der NEP 1925 schraubte der Sowjetstaat die privilegierte F\u00f6rderung der Kollektivwirtschaften zur\u00fcck. Zum 1.Oktober 1925 gab es im Gouvernement Tver noch 95, am 1.April 1928 gar nur 52 Kolchosen, die \u00fcber 0,15% des Nutzlandes verf\u00fcgten und 0,1% der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung umfa\u00dften.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die n\u00e4here Aufschl\u00fcsselung der Zusammensetzung ergibt ein noch d\u00fcstereres Bild: 18% der Kollektivwirtschaften (von 1928) waren kirchliche Gr\u00fcndungen durch Sekten oder ehemalige Klosterangeh\u00f6rige, 16% bestanden aus l\u00e4ndlich-st\u00e4dtischen Lohnarbeitern, und nur die restlichen zwei Drittel waren wirklich &#8222;b\u00e4uerlich&#8220;. Bei den b\u00e4uerlichen Kollektivwirtschaften wiederum f\u00e4llt auf, da\u00df nur ein Bruchteil auf obscina-Land arbeitete. Zum ganzen Teil waren Bauern nur deswegen im Kolchos, um <i>zus\u00e4tzlich<\/i> zu dem eigenen obscina-Land weiteres Staatsland zu bekommen. 92% der Kolchosen in Tver waren auf Staatsland gegr\u00fcndet, und nur 5% des Bodens war obscina-Land, die restlichen 95% bestanden aus Land, das 1917\/18 verstaatlicht worden war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Produktion in den Kollektivwirtschaften war trotz staatlicher Unterst\u00fctzung nur in einigen F\u00e4llen vorbildlich, mindestens ebenso h\u00e4ufig aber durch Mi\u00dfwirtschaft, Schlamperei und Streitereien gekennzeichnet. &#8222;Die Berichte der Tverer Dorfzeitung best\u00e4tigen und verdeutlichen das diffuse, widerspr\u00fcchliche Bild, das die Kollektivwirtschaften boten. Sie zeigen nicht nur, da\u00df die Tverer Kollektive, von der ihnen zugedachten Rolle als Musterwirtschaften weit entfernt, den umliegenden Bauern eher den gegenteiligen Eindruck vermittelten. Sie illustrieren auch, da\u00df die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Kollektiv viele Gr\u00fcnde haben konnte und ein Beitritt keineswegs immer als Entscheidung f\u00fcr die &gt;sozialistische Produktionsweise&lt; zu deuten war.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote138sym\" name=\"sdfootnote138anc\"><sup>138<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die obscina ihrerseits differenzierte sich in den 20er Jahren. &#8222;Die w\u00e4hrend der egalit\u00e4ren Bauernrevolution und im Drang nach Selbstversorgung entstandene Agrarstruktur unterlag unter dem Einflu\u00df der Marktkr\u00e4fte w\u00e4hrend der NEP einer nach Verm\u00f6gen und Leistungsf\u00e4higkeit fortschreitenden Differenzierung. Einkommensunterschiede, die sich f\u00fcr die einzelnen Wirtschaften durch Lage, Ungleichheit in der anf\u00e4nglichen Aussstattung mit Land und Inventar und nicht zuletzt in der pers\u00f6nlichen T\u00fcchtigkeit ergaben, begannen sich trotz gezielter Gegenma\u00dfnahmen zu vertiefen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote139sym\" name=\"sdfootnote139anc\"><sup>139<\/sup><\/a> Die Kulaken produzierten nach Zerschlagung der gro\u00dfen Gutsbetriebe mit etwa 20% relativ das meiste Marktgetreide.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote140sym\" name=\"sdfootnote140anc\"><sup>140<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Anteil an der Anteil am &#8211; Anteil des<br \/>\nGetreideprod.- Handelsge- Handelsgetr.<br \/>\nin % treide in % an Gesamt-<br \/>\nernte in %<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vor 1914<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p>Gutsbesitzer 12 21,6 47<br \/>\nGro\u00dfbauern 38 50 34<br \/>\nMittel- und<br \/>\nKleinbauern 50 28,4 14,7<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> 100 100 26<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1926-1927<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p>Sowchosen und<br \/>\nKolchosen 1,7 6 47,2<br \/>\nGro\u00dfbauern 13 20 20<br \/>\nMittel- und<br \/>\nKleinbauern 85,3 74 11,2<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n100 100 13,3<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(offizielle Statistik nach: Raupach, S.50)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber nicht haupts\u00e4chlich wegen ihres ausschlaggebenden Anteils an der Getreideproduktion waren die Kulaken f\u00fchrend im Dorf. Die anderen Bauern richteten sich vor allem deswegen nach ihnen, weil sie den Produktionsablauf des Dorfes beherrschten. Die Dorfarmut verf\u00fcgte zu 93% entweder \u00fcber kein Zugvieh oder \u00fcber keinen Pflug.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote141sym\" name=\"sdfootnote141anc\"><sup>141<\/sup><\/a> Von den Mittelbauern waren 31% in derselben Lage.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote142sym\" name=\"sdfootnote142anc\"><sup>142<\/sup><\/a> Insgesamt konnten nur 56% aller Bauern ihr Land mit eigenen Produktionsmitteln bebauen;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote143sym\" name=\"sdfootnote143anc\"><sup>143<\/sup><\/a> der Rest mu\u00dfte Zugvieh oder Ger\u00e4te beim Kulaken leihen oder das eigene St\u00fcck Land an ihn verpachten und sich selber bei ihm verdingen. Ber\u00fccksichtigt man, da\u00df in Regionen wie Sibirien oder der Ukraine, wo vor der Revolution der Einzelbauer dominiert hatte, auch nachher die einzelnen H\u00f6fe \u00fcber gen\u00fcgend Produktionsmittel verf\u00fcgten, so wird klar, da\u00df insbesondere die armen und Mittelbauern der Dorfgemeinden Zentralru\u00dflands auf fremde Produktionsmittel angewiesen, dh. von den Kulaken abh\u00e4ngig waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Abh\u00e4ngigkeit von den Kulaken f\u00fchrte zu Abarbeit und Formen der Knechtschaft, die fr\u00fcher auf den Gutsbetrieben \u00fcblich gewesen waren. &#8222;Auf der Grundlage eines wirtschaftlichen Verflechtungszusammenhangs reproduzierten sich so auf dem Lande teilweise alte Abh\u00e4ngigkeits- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse, die man mit der Revolution bereits \u00fcberwunden glaubte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote144sym\" name=\"sdfootnote144anc\"><sup>144<\/sup><\/a> Der Kapitalismus entwickelte sich in seiner primitivsten Form, und damit brauten sich innerd\u00f6rfliche Widerspr\u00fcche zusammen, die bei der Kollektivierung mit aller Grausamkeit ausgetragen wurden, als die Dorfarmut die Rechnung mit dem Kulaken begleichen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zahlenm\u00e4\u00dfig umfa\u00dften die Mittelbauern 1927 ca. 77 Millionen. 5 Millionen wurden zu den Kulaken gez\u00e4hlt, und die Dorfarmut wurde mit ca. 22 Mio (einschlie\u00dflich Dorfproletariat ca. 28 Mio) gerechnet.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote145sym\" name=\"sdfootnote145anc\"><sup>145<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen war den Kulaken nicht beizukommen. Solange die NEP existierte, mu\u00dfte der Kapitalismus auf dem Land anwachsen und mit ihm sein sozialer Tr\u00e4ger, die Kulakenschaft. Auch die progressive Steuer, der die Bauern unterworfen wurden, konnte nur so gestaltet werden, da\u00df sich die Erzeugung wachsender Mengen an Getreide trotzdem lohnte, denn auf das Getreide war der Sowjetstaat angewiesen. Au\u00dferdem waren Mittelbauern und Kulaken nicht durch eine chinesische Mauer voneinander getrennt; es bestand immer die Gefahr, da\u00df durch zu rigoroses Vorgehen auch die Mittelbauern getroffen und erneut zu Feinden der Staatsmacht gemacht wurden. Auch der Versuch, die Kulaken politisch durch Entzug des Wahlrechts zu den Dorfsowjets zu b\u00e4ndigen, war wenig erfolgreich. Zum einen war die Gemeindeversammlung sowieso wichtiger als der Dorfsowjet, und zum anderen konnten die Kulaken aufgrund ihrer d\u00f6rflichen Vormachtstellung Bauern ihres Vertrauens aufstellen und w\u00e4hlen lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An Traktoren konnte die Sowjetunion 1927\/28 die Zahl von 1.300 St\u00fcck selber produzieren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote146sym\" name=\"sdfootnote146anc\"><sup>146<\/sup><\/a> Insgesamt verf\u00fcgte das Land Ende der 20er Jahre nur \u00fcber wenige zehntausend Traktoren, angesichts der ca. 25 Millionen Bauernh\u00f6fe ein Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch unabh\u00e4ngig von der heranwachsenden Getreidekrise zeigte die praktische Entwicklung, da\u00df der Leninsche Genossenschaftsplan zur Umgestaltung des Landes im Rahmen der NEP gescheitert war. Nicht nur stellte er sich als untauglich zur Hinwendung des Dorfes zum Sozialismus heraus, sondern die Form, in der sich das Genossenschaftswesen entwickelte, f\u00f6rderte im Gegenteil die sozialismusfeindlichen Elemente, die Kulaken.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Das Heranwachsen der Getreidekrise<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nichts offenbarte die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit des Landes deutlicher als seine Abh\u00e4ngigkeit von der agrarischen Urproduktion. Immer im Herbst und Winter, wenn die Ernte vorbei war und die b\u00e4uerlichen Produkte vom Staat aufgekauft wurden, zeigte sich, ob die St\u00e4dte versorgt und die vorgesehenen Maschinen im Ausland gekauft werden konnten. Dementsprechend fanden auch die Auseinandersetzungen in der Partei um diese Jahreszeit regelm\u00e4\u00dfig ihren H\u00f6hepunkt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach den Agrarbeschl\u00fcssen von 1924\/25 hoffte man auf regelm\u00e4\u00dfige agrarische Lieferungen. Als aber im August 1925 der erste gesamtwirtschaftliche Jahresplan aufgestellt wurde, konnte trotz guter Ernte nicht so viel Getreide wie vorausberechnet beschafft werden; lediglich 125 Millionen Pud (1 Pud = 16 kg) gelangten in den Export. &#8222;Damit aber brach das Investitionsprogramm in vielen Teilen zusammen. 1926 kam es deshalb zu erheblichen Produktionsst\u00f6rungen und Massenentlassungen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote147sym\" name=\"sdfootnote147anc\"><sup>147<\/sup><\/a> Im Jahr darauf konnte durch h\u00f6here Preise und organisatorische Ma\u00dfnahmen &#8222;das Beschaffungsprogramm f\u00fcr 1926\/27 ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten erf\u00fcllt werden. Aber gegen\u00fcber 1923\/24 hatte sich einiges ge\u00e4ndert. Der Optimismus, man sei jetzt mit den Bauern ins reine gekommen und habe geeignete Formen f\u00fcr den Austausch zwischen Stadt und Land gefunden, wich bei einer steigenden Anzahl von Parteimitgliedern und Verantwortlichen der Ungeduld dar\u00fcber, da\u00df sich die Beziehungen zwischen Stadt und Land nicht wie gew\u00fcnscht entwickelten und die Bauern sich der Integration entzogen, ja immer empfindlicher auf das unzureichende industrielle Warenangebot reagierten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote148sym\" name=\"sdfootnote148anc\"><sup>148<\/sup><\/a> Langsam entwickelten sich die Widerspr\u00fcche der NEP und damit zu Bucharin, ihrem ma\u00dfgeblichen Repr\u00e4sentanten in der Partei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach 2 guten Erntejahren hoffte man im Rechnungsjahr 1927\/28 auf ein hohes Getreideangebot, da die Bauern aus den vorangegangen Jahren \u00fcber gen\u00fcgend Getreide verf\u00fcgten. Aber die Bauern hielten ihr Getreide zur\u00fcck, weil es zu wenig st\u00e4dtische Produkte zu kaufen gab und diese auch noch zu teuer waren. Die staatlichen Getreideaufk\u00e4ufer erhielten so wenig Getreide, da\u00df der Export eingestellt werden mu\u00dfte. Das warf nicht nur Schwierigkeiten beim Import von Maschinerie aus dem Ausland auf. Vor allem kam es nun zu St\u00f6rungen bei der Versorgung des inneren Marktes. Bis Ende des Jahres 1927 wurden noch keine Gegenma\u00dfnahmen getroffen, weil alle glaubten, da\u00df die Schwierigkeiten zuf\u00e4llig und vor\u00fcbergehend seien. Dann blieben aber bis zur Schneeschmelze im Fr\u00fchjahr 1928, die alle Transportwege unpassierbar machte, nur noch 2-3 Monate, und das Fehlen des Brots machte sich inzwischen bemerkbar. &#8222;Als Folge der wachsenden Versorgungsengp\u00e4sse g\u00e4rte es &#8230; in den St\u00e4dten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote149sym\" name=\"sdfootnote149anc\"><sup>149<\/sup><\/a> Preis- und steuerpolitische Ma\u00dfnahmen w\u00e4ren in der K\u00fcrze der Zeit zu sp\u00e4t gekommen, um der drohenden Hungersnot zu begegnen. Darum blieb nichts anderes \u00fcbrig, als zu &#8222;au\u00dferordentlichen Ma\u00dfnahmen&#8220; zu greifen, die eigentlich mit dem Wesen der NEP unvereinbar waren. Anfang Januar 1928 gingen f\u00fchrende Partei- und Staatsfunktion\u00e4re aufs Land. Das Getreide, das die Bauern nicht freiwillig verkaufen wollten, wurde nun zu den vom Staat gebotenen Preisen beschlagnahmt. Ein Viertel des konfiszierten Getreides wurde zu niedrigen Staatspreisen oder als langfristiger Naturalkredit den armen Bauern \u00fcbergeben,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote150sym\" name=\"sdfootnote150anc\"><sup>150<\/sup><\/a> um sie auf die eigene Seite zu ziehen und in das Dorf einen Keil zu treiben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber auch die &#8222;au\u00dferordentlichen Ma\u00dfnahmen&#8220; reichten nicht aus, um die erforderliche Menge an Marktgetreide zu beschaffen. Noch vor der neuen Ernte des Sommers 1928 mu\u00dften ca. 2\/3 der zuvor exportierten 750.000 t Getreide reimportiert werden, um eine Hungersnot in den St\u00e4dten zu verhindern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote151sym\" name=\"sdfootnote151anc\"><sup>151<\/sup><\/a> Au\u00dferdem mu\u00dfte &#8222;mit der Ausgabe eines &gt;Einkaufsb\u00fcchleins&lt; eine Rationierung der an die werkt\u00e4tige st\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung gelieferten Lebensmittel&#8220; vorgenommen werden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote152sym\" name=\"sdfootnote152anc\"><sup>152<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Januar 1928 zeigte Kujbysew, der Vorsitzende des Obersten Volkswirtschaftrats, in einer Rede vor dem ZK den Teufelskreis auf, in dem man sich bewegte: der Bauer halte das Getreide zur\u00fcck, weil er keine Waren, sondern nur Geld daf\u00fcr bekomme. Den b\u00e4uerlichen Warenhunger m\u00fcsse man durch mehr und billigere Industrieprodukte stillen, um das Getreide zu bekommen. Gleichzeitig k\u00f6nne man aber nur gegen gen\u00fcgend Getreide und Rohstoffe Maschinen vom Ausland importieren, um die Industrieproduktion weiter anzukurbeln. &#8222;Wir m\u00fcssen also <i>zuerst<\/i> Getreidebereitstellung und Rohstoffproduktion haben, da wir keine anderen Mittel f\u00fcr Importzwecke besitzen.&#8220; Aber: &#8222;Die <i>Passivit\u00e4t der Au\u00dfenhandelsbilanz<\/i> ist im November im Vergleich zum Oktober um 8,4% gestiegen. Die <i>Rohstoffproduktion<\/i> sogar um 9,2% zur\u00fcckgegangen. Die Getreidebereitstellung zeigte einen sehr betr\u00e4chtlichen Fehlbetrag.&#8220; Die Lage w\u00fcrde immer schwieriger werden: &#8222;Wir erstreben den Wiederaufbau, gehen aber von Monat zu Monat zur\u00fcck. Es ist also kein Wiederaufbau, sondern &#8211; mit scharfen Ausdr\u00fccken gesagt &#8211; ein <i>langsames Sterben<\/i>. Deshalb m\u00fcssen wir, wie ein energischer Arzt, um den Patienten nicht sterben zu lassen, in diesem Fall: unser Wirtschaftsleben, einen ganz energischen operativen Eingriff vornehmen. Denn wir wollen nicht sterben, wir wollen leben!&#8220; Wie dieser Eingriff aussehen solle, konnte er indes nicht angeben, sondern hatte als einzigen Trost parat: &#8222;Wenn ich auch vorl\u00e4ufig <i>pers\u00f6nlich<\/i> keinen realen Ausweg sehe, so will ich damit nicht sagen, da\u00df die Lage verloren ist und da\u00df wir die Flinte ins Korn werfen k\u00f6nnen. Die Lage 1921 war noch gef\u00e4hrlicher und wir haben sie doch \u00fcberwunden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote153sym\" name=\"sdfootnote153anc\"><sup>153<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die b\u00fcrgerlichen Schranken der Oktoberrevolution machten sich geltend: das Land stand Ende der 20er Jahre \u00f6konomisch vor der Alternative, entweder die Wirtschaft endg\u00fcltig den Bed\u00fcrfnissen der Dorfreichen zu unterwerfen &#8211; oder die Industrialisierung durch die Zerschlagung der Schl\u00fcsselstellung der Kulaken voranzutreiben, also die b\u00fcrgerlichen Schranken der Revolution von 1917 zu \u00fcberwinden. Politisch stellte sich diese Alternative dar als Fortsetzung der Arbeitermacht &#8211; oder als \u00dcbergang zu einer Herrschaftsform, deren Tr\u00e4ger und Nutznie\u00dfer die Kulaken sein mu\u00dften. Begriffen und ausgetragen wurde die Auseinandersetzung als Kampf um den Sieg des Sozialismus oder des Kapitalismus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>IV. Die zweite Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Sowjetunion war 1928 zum erstenmal in aller Deutlichkeit mit den durch die NEP hervorgebrachten Widerspr\u00fcchen konfrontiert. &#8222;Auf dem Lande herrschten inzwischen Angst und Panik, die jederzeit in einen offenen Aufstand umschlagen konnten. Auch die St\u00e4dte und Industriezentren wurden immer mehr von der allgemeinen Unzufriedenheit erfa\u00dft. Das politische System stand im Sommer 1928 vor seiner schwersten inneren Krise seit dem Kronst\u00e4dter Aufstand im Fr\u00fchjahr 1921.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote154sym\" name=\"sdfootnote154anc\"><sup>154<\/sup><\/a> War die Arbeiterklasse aber 1921 aufgrund der Ersch\u00f6pfung durch den B\u00fcrgerkriegs zu keiner anderen Politik als der NEP in der Lage, so sah dies Ende der 20er Jahre anders aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Arbeiterklasse und Partei der &#8222;Zweiten Revolution&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Vorabend der Oktoberrevolution besa\u00df noch fast ein Drittel (31,1%) der Industriearbeiter eigenes Land im Dorf; ein F\u00fcnftel (20,9%) betrieb nebenher selber eine eigene Landwirtschaft. 1918 stammten in der am weitesten entwickelten Industrieregion um Petersburg, dem sp\u00e4teren Leningrad, vier F\u00fcnftel (79,3%) der Arbeiter vom Dorf; in anderen Industrieregionen ging der Anteil bis zu 97% hoch.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote155sym\" name=\"sdfootnote155anc\"><sup>155<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach der Bev\u00f6lkerungsz\u00e4hlung von 1926 machte die Zahl aller Arbeiter (nicht nur der Industriearbeiter, sondern auch der Eisenbahner und Landarbeiter) 5,6 Mio aus.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote156sym\" name=\"sdfootnote156anc\"><sup>156<\/sup><\/a> Unter Einbeziehung der Angestellten und landlosen Bauern berechneten die sowjetischen Statistiker 13 Mio als zur &#8222;Arbeiterklasse&#8220; geh\u00f6rig, einschlie\u00dflich der Angeh\u00f6rigen 32,5 Mio bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von 147,4 Mio.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote157sym\" name=\"sdfootnote157anc\"><sup>157<\/sup><\/a> Nur auf die Industrie bezogen, erreichten die Arbeiterzahlen 1926\/27 mit dem Ende der Rekonstruktionsperiode wieder den Vorkriegsstand; 1929 gab es an die 4 Millionen Industriearbeiter.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zusammensetzung und Herkunft der Arbeiterklasse Ende der 20er Jahre erschlie\u00dfen sich aus einer Z\u00e4hlung dreier entscheidender Industriezweige (Metall, Kohle und Textil), die das Pr\u00e4sidium des Zentralrats der Gewerkschaften 1929 vornahm. 50% der Arbeiter kannten danach keine kapitalistische Fabrik, waren also erst nach 1918 in die Fabrik gekommen; dementsprechend war etwa die H\u00e4lfte der Arbeiter j\u00fcnger als 30 Jahre. In der Metallindustrie und im Steinkohlenbergbau, dh. in den Schl\u00fcsselindustrien, hatten 35-40% der Arbeiter ihren Arbeitsplatz weniger als 2 Jahre inne. Die enorme Fluktuation hing mit der b\u00e4uerlichen Herkunft zusammen; so kamen in der H\u00fcttenindustrie der Ukraine und im Steinkohlenbergbau des Donbass die meisten Arbeiter vom Dorf. Dagegen hatte sich insgesamt die Zahl der Arbeiter verringert, deren V\u00e4ter Bauern waren; entsprechend mehr waren bereits in der zweiten und dritten Generation Arbeiter. 25% der befragten Arbeiter waren aber noch mit der Landwirtschaft verbunden. Da sie nicht in Kolchosen mitarbeiteten,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote158sym\" name=\"sdfootnote158anc\"><sup>158<\/sup><\/a> m\u00fcssen sie in aller Regel obscina-Mitglieder gewesen sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ideologisch spiegelte sich die b\u00e4uerliche Abkunft der Arbeiterklasse darin wider, da\u00df Anfang 1924 nur etwa 40% der hauptst\u00e4dtischen Arbeiterfamilien B\u00fccher besa\u00dfen, aber 72% mindestens eine Ikone.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote159sym\" name=\"sdfootnote159anc\"><sup>159<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Partei hatte 1905: 8.500 Mitglieder; im Januar 1917: 23.600; Januar 1918: 115.000; 1921 \u00fcber 500.000; 1924: 350.000; 1927: 774.798 und 1928: 913.221.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote160sym\" name=\"sdfootnote160anc\"><sup>160<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der sozialen Herkunft nach stieg der Anteil der Arbeiter an der Parteimitgliedschaft insbesondere durch das Lenin-Aufgebot 1924 und das Oktoberaufgebot 1927\/28 von 44% (1.1.1924) auf 62,4% (1.1.1929). Der Anteil der Bauern fiel von 28,8% auf 20,7%. Da ein Teil der Arbeiter kontinuierlich in die staatliche Verwaltungst\u00e4tigkeit wechselte, sehen die Zahlen bei <i>ausge\u00fcbter<\/i> beruflicher T\u00e4tigkeit etwas anders aus: Der Anteil der Arbeiter &#8222;von der Werkbank&#8220; lag dann am 1.1.1924 bei 15,9%, 1927 bei 38,1% (unter Zugrundelegung engerer Kriterien bei 28,6 %) und 1929 bei 41,1%. Die anderen Parteimitglieder waren 1929 ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit nach Bauern (12,8%), Angestellte (31,8%) und andere (11,1%: Handwerker, Hausfrauen, Studenten).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote161sym\" name=\"sdfootnote161anc\"><sup>161<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die Aufgebote und eine klassenspezifische Aufnahmepolitik hatte sich die Verankerung der Partei in der Arbeiterklasse erheblich gefestigt. 1929 waren 20-25% der Arbeiter in der Partei oder dem Jugendverband Komsomol organisiert, junge Arbeiter zu einem h\u00f6heren Grad als \u00e4ltere. Die Zahlen schwanken von Region zu Region und von Produktionszweig zu Produktionszweig. &#8222;Insgesamt erlangte die VKP aber in der zweiten H\u00e4lfte der zwanziger Jahre einen besseren Halt in der Arbeiterschaft, als sie ihn vor 1924 besessen hatte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote162sym\" name=\"sdfootnote162anc\"><sup>162<\/sup><\/a> Sie war nicht nur politisch, sondern auch sozial die Partei der Arbeiterklasse.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nimmt man die Dauer der Mitgliedschaft, so betrug der Prozentsatz derjenigen, die schon vor 1916 Parteimitglied waren, im Jahre 1927 ganze 0,8%, w\u00e4hrend die 1918-1920 Eingetretenen 19,5% und die 1924-1927 Eingetretenen 71,1% ausmachten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote163sym\" name=\"sdfootnote163anc\"><sup>163<\/sup><\/a> Das bedeutet, die alten Bolschewiki bildeten eine winzige Minderheit; die 1918-1920 Eingetretenen waren ebenfalls eine Minderheit, aber eine zahlenm\u00e4\u00dfig gewichtige Minderheit, gepr\u00e4gt durch die Jahre des bewaffneten Kampfes und die Politik des Kriegskommunismus gegen die Bauern. Sie waren in den gef\u00e4hrlichsten Jahren eingetreten, als die Mitgliedschaft in der Partei lebensgef\u00e4hrlich sein konnte, hatten 1921 nur widerwillig den R\u00fcckzug zur NEP angetreten und waren der aktivste, ausschlaggebende Kern der Partei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insgesamt war die Partei des gro\u00dfen Sprungs von 1929\/30 sehr jung; sie war am st\u00e4rksten bei den 23-29j\u00e4hrigen Arbeitern verankert. Diese Partei stellte die Massen, die am Ausgang der 20er Jahre zu Zehn- und insgesamt Hunderttausenden auf das Land str\u00f6mten, um Getreide f\u00fcr die hungernden St\u00e4dte einzutreiben und den Sozialismus gegen die Bauern durchzusetzen. Das waren diejenigen, die angesichts der scheinbar einfachen Kollektivierung &#8222;vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220; wurden und gegen deren Strom sich das Parteizentrum mit Stalin an der Spitze stellen mu\u00dfte, um die zwangsweise Gr\u00fcndung von Agrarkommunen zu beenden und einen landesweiten Bauernkrieg zu verhindern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. 1929 und 1930 &#8211; die Jahre der Entscheidung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Juli 1928, kurz vor der Ernte, trat das ZK-Plenum zusammen. A.Erlich beschreibt die Perspektive, die sich zu diesem Zeitpunkt bei Fortsetzung der NEP bot: &#8222;Um das prek\u00e4re Gleichgewicht bei solch starken Ersch\u00fctterungen (Getreidekrise) zu erhalten, w\u00fcrde das Regime Ma\u00dfnahmen der direkten Kontrolle mit zus\u00e4tzlichen Anreizen verbinden m\u00fcssen (&#8230;) und sich den guten Willen der oberen Schichten der Bauern zu sichern, indem man ihnen M\u00f6glichkeiten politischer Einflu\u00dfnahme er\u00f6ffnete (&#8230;) Allerdings mu\u00dfte man in Betracht ziehen, da\u00df dieser neue Ansatz den entschiedenen Widerstand der radikalen Elemente der Arbeiterklasse und der jungen Intelligenz, die sich von der &gt;Normalit\u00e4t&lt; der N\u00d6P frustriert und abgesto\u00dfen f\u00fchlten, wachrufen w\u00fcrde (&#8230;) Die herrschende monolithische Partei w\u00fcrde sich zu einem Kampfplatz scharf gegens\u00e4tzlicher organisierter Fraktionen entwickeln, die in der einen oder anderen Weise die Interessen der bewu\u00dftesten Gruppen der Gesellschaft vertr\u00e4ten. Diese Perspektive war angesichts der innerparteilichen K\u00e4mpfe der zwanziger Jahre sicherlich nicht unrealistisch. Die schwankende Haltung, die, wie Stalin meinte, die unteren Instanzen der Parteihierarchie und des Regierungsapparates in den kritischen Monaten des Jahres 1928 zeigten, unterstrich den Ernst der Lage.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote164sym\" name=\"sdfootnote164anc\"><sup>164<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit sind die beiden sozialen Antipoden benannt, gegen die oder zwischen denen Politik zu machen war: auf der einen Seite die oberen Schichten der Bauernschaft, sprich die Kulaken, die die Fortf\u00fchrung und den Ausbau der NEP wollten; auf der anderen Seite die &#8222;junge Intelligenz&#8220; und linke Str\u00f6mungen in der Arbeiterklasse, die f\u00fcr den Abbruch der NEP sobald wie m\u00f6glich und f\u00fcr den sofortigen Aufbau des Kommunismus waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bucharinsche NEP-Mehrheit war mittlerweile nicht mehr unangefochten. Ein Teil der Parteif\u00fchrung war zu der \u00dcberzeugung gelangt, da\u00df die bisherige Politik in eine Sackgasse geriet. Stalin war wahrscheinlich bereits im Vorfeld des XV.Parteitags vom Dezember 1927 zu der Auffassung gelangt, da\u00df die NEP nur noch kurze Zeit durchzuhalten war und die Kulaken in einer Kollektivierungsschlacht geschlagen werden mu\u00dften.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote165sym\" name=\"sdfootnote165anc\"><sup>165<\/sup><\/a> Der Hungerwinter 1927\/28 hatte dies best\u00e4tigt, als das erforderliche Getreide nur durch Requisitionen beschafft werden konnte und Stalin selber im Januar 1928 in Sibirien f\u00fcr die Beschaffung sorgen mu\u00dfte. In einer Rede vor dem ZK am 9.Juli 1928 &#8222;\u00dcber die Industrialisierung und das Getreideproblem&#8220; verteidigte er die Anfang des Jahres getroffenen au\u00dferordentlichen Ma\u00dfnahmen zur Getreidebeschaffung und wandte sich strikt dagegen, derartige Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Zukunft prinzipiell auszuschlie\u00dfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote166sym\" name=\"sdfootnote166anc\"><sup>166<\/sup><\/a> Er forderte, die Kulaken einzuschr\u00e4nken, und vertrat die Auffassung, da\u00df der Klassenkampf sich mit dem Voranschreiten der Sowjetmacht versch\u00e4rfen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einen Tag nach ihm, am 10. Juli 1928, hielt Bucharin seine Gegenrede. Er verurteilte die im Januar d.J. getroffenen Ma\u00dfnahmen grunds\u00e4tzlich, weil sie dazu tendierten, &#8222;ein System des Kriegskommunismus zu werden&#8220;, und forderte die &#8222;allseitige Entwicklung der individuellen Bauernschaften bei einer gewissen Verlangsamung des Entwicklungstempos der Sowjetwirtschaften&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote167sym\" name=\"sdfootnote167anc\"><sup>167<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die verabschiedete Resolutiom vom gleichen Tag erkl\u00e4rte, &#8222;da\u00df die Entwicklung sozialistischer Wirtschaftsformen auf der Grundlage der N\u00d6P nicht zu einer Schw\u00e4chung, sondern zu einer Verst\u00e4rkung des Widerstandes seitens der kapitalistischen Elemente f\u00fchrt bei gleichzeitiger noch gr\u00f6\u00dferer St\u00e4rkung der Sowjetmacht und ihrer Massenbasis&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote168sym\" name=\"sdfootnote168anc\"><sup>168<\/sup><\/a> So weit fanden sich Ankl\u00e4nge an Stalins Auffassung von der unausweichlichen Versch\u00e4rfung des Klassenkampfs. Dennoch konnte Bucharin noch einmal die Mehrheit des ZK hinter sich bringen; der Linkskurs in der Landwirtschaft wurde zur\u00fcckgewiesen und das ZK sprach sich f\u00fcr die endg\u00fcltige Beendigung aller au\u00dferordentlichen Ma\u00dfnahmen aus. Um gen\u00fcgend Getreide zu beschaffen, wurde stattdessen der Getreidepreis, je nach Bezirk und Sorte, um 10-20% erh\u00f6ht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote169sym\" name=\"sdfootnote169anc\"><sup>169<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Sieg der NEP-Fortsetzer stand allerdings auf unsicheren F\u00fc\u00dfen. Wenn Stalin sich mit den Vertretern der &#8222;Linksopposition&#8220; verb\u00fcndete, bestand die Gefahr, da\u00df die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in der Partei sich \u00e4nderten. Am 11. Juli traf Bucharin sich heimlich mit Kamenew, dem Vertrauten Sinowjews und Verb\u00fcndeten Trotzkis aus den Tagen der Vereinigten Opposition. Bucharin bezeichnete die von den Trotzkisten im Januar 1929 in einem Flugblatt bekanntgemachten Aufzeichnungen Kamenews zwar sp\u00e4ter vor dem ZK als F\u00e4lschung, konnte jedoch das Gespr\u00e4ch nicht leugnen, das im \u00fcbrigen seine politischen Positionen wiedergab. &#8222;Ich wei\u00df (oder ich nehme an), da\u00df Stalins Leute sich an Sie wenden werden&#8220;, wandte er sich an Kamenew. &#8222;Sie, als Politiker, werden nat\u00fcrlich die Situation ausnutzen, den &gt;Preis in die H\u00f6he treiben&lt;, doch davor habe ich keine Angst. Die Sache wird die eine oder andere politische Linie entscheiden, und ich m\u00f6chte, da\u00df Sie wissen, worum der Kampf gef\u00fchrt wird.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote170sym\" name=\"sdfootnote170anc\"><sup>170<\/sup><\/a> Was war der Gegenstand dieses Kampfs?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur Wirtschaftspolitik sagte Bucharin, Stalin ginge jetzt wie Preobrashenski davon aus, da\u00df der Sozialismus auf Kosten der Bauern aufgebaut werden m\u00fcsse. Daraus habe Stalin den von ihm als &#8222;idiotische Unbewandertheit&#8220; charakterisierten Schlu\u00df gezogen, da\u00df der Sozialismus in dem Ma\u00dfe, in dem er fortschreitet, mit wachsendem Widerstand zu rechnen habe, den nur eine feste F\u00fchrung niederringen k\u00f6nnte. &#8222;Die Politik Stalins f\u00fchrt zum B\u00fcrgerkrieg. Er wird gezwungen sein, Aufst\u00e4nde im Blut zu ersticken&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote171sym\" name=\"sdfootnote171anc\"><sup>171<\/sup><\/a> Ihn (Bucharin) und seine Leute werde dieser neue &#8222;Dschingis-Khan&#8220; als Verteidiger der NEP und der Kulaken angreifen und &#8222;abschlachten&#8220;. Die Differenzen zwischen ihm selber und Stalin bezeichnete Bucharin als &#8222;viel, viel ernsthafter als alle Differenzen, die zwischen uns und Ihnen (Kamenew\/Sinowjew; d.V.) bestanden haben.&#8220; Sodann kam er auf den praktisch-politischen Kern der Sache zu sprechen: &#8222;Ich, Rykow und Tomski sch\u00e4tzen die Situation \u00fcbereinstimmend folgenderma\u00dfen ein: &gt;Es w\u00e4re viel besser, wenn wir im Politb\u00fcro anstelle von Stalin jetzt Sinowjew und Kamenew h\u00e4tten.&lt;&#8222;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote172sym\" name=\"sdfootnote172anc\"><sup>172<\/sup><\/a> Das war ein offenes Angebot.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da\u00df Bucharin sich nicht an Trotzki wandte und ihm keinen Sitz im Politb\u00fcro anbot, lag auf der Hand, denn Trotzki war seit Jahren ein entschiedener NEP-Gegner und Bucharins haupts\u00e4chlicher Widersacher. Indessen erreichte Bucharin das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt hatte: Trotzki, der das Gespr\u00e4chsprotokoll erhielt, sorgte f\u00fcr seine Ver\u00f6ffentlichung als Flugblatt in Moskau unter dem Titel &#8222;Man f\u00fchrt die Partei mit verbundenen Augen in die Katastrophe&#8220;. Er wollte auf diese Weise ein m\u00f6gliches Zusammengehen Bucharins mit Kamenew und Sinowjew ohne ihn verhindern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das B\u00fcndnisangebot an Sinowjew und Kamenew war ebenso inhalts- wie prinzipienlos und erinnert an das Zusammengehen Bucharins mit Trotzki gegen Lenin am Ende der Gewerkschaftskontroverse. Schlie\u00dflich waren Sinowjew und Kamenew als Gegner der Bauernpolitik 1924\/25 in die Opposition gegangen, als der Bucharinsche Ausbau der NEP beschlossen wurde. Auf welcher Basis wollte man jetzt zusammenkommen? Offenbar wurden sie von ihm aber als unsichere Kantonisten und daher als m\u00f6gliche Verb\u00fcndete in einem Machtkampf um der Macht willen gegen Stalin eingesch\u00e4tzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem VI.Weltkongre\u00df vom Sommer 1928 (nach der ZK-Sitzung) wurde Bucharin zwar erneut zum Vorsitzenden der Komintern gew\u00e4hlt, aber sein R\u00fcckhalt unter den sowjetischen Delegierten war merklich angeschlagen. Die Ver\u00f6ffentlichung seiner Unterredung mit Sinowjew und Kamenew durch Trotzki trug in der Partei, deren Stimmung ohnehin gegen die NEP umschlug, zu seiner Isolierung bei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotz Erh\u00f6hung der Getreideankaufpreise schlug der letzte Versuch einer Aufrechterhaltung der NEP fehl. Wie im Vorjahr blieb die Getreidebeschaffung im Herbst 1928 weit hinter dem Plan zur\u00fcck. Wegen ung\u00fcnstiger Witterung, aber vor allem wegen der Zur\u00fcckhaltung der Bauern wurden nur noch zwei Drittel des Marktgetreides von 1926\/27 aufgebracht. Der Beschlu\u00df, die staatlichen Getreidepreise zu erh\u00f6hen, bewirkte das Gegenteil des Gewollten. Warum sollten die Bauern verkaufen? Abgesehen von den nach wie vor fehlenden Industriewaren hatte die praktische Erfahrung soeben gezeigt, da\u00df die Regierung mehr Geld f\u00fcr das Getreide herausr\u00fcckte, wenn man die St\u00e4dte hungern lie\u00df. Wartete man noch l\u00e4nger, w\u00fcrden die Preise noch weiter erh\u00f6ht werden, denn schlie\u00dflich brauchten die St\u00e4dter ja Brot. Wer gen\u00fcgend Getreidevorr\u00e4te bzw. Geld besa\u00df, um ein paar Monate zu \u00fcberbr\u00fccken &#8211; und das waren die Kulaken, aber auch viele Mittelbauern -, hielt sein Getreide zur\u00fcck; nur die Armen und die Dummen verkauften sofort.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Jahr zuvor hatte man vom exportierten Getreide einen Teil reimportieren m\u00fcssen, um dem drohenden Hunger zu begegnen; jetzt war von vornherein kein Getreide zum Export vorhanden. Am 17.Dezember 1928 berichtete die <i>Prawda<\/i> von Brotmangel in den St\u00e4dten und drohte die Bestrafung aller daf\u00fcr Verantwortlichen an.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote173sym\" name=\"sdfootnote173anc\"><sup>173<\/sup><\/a> Aber nicht allein die St\u00e4dte waren vom Hunger bedroht, sondern auch die f\u00fcr die Leichtindustrie produzierenden Agrargebiete. &#8222;Die auf Anbau von Flachs, Zuckerr\u00fcben und Baumwolle spezialisierten Gebiete im Norden und S\u00fcdosten konnten nicht mehr zureichend mit Brot versorgt werden&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote174sym\" name=\"sdfootnote174anc\"><sup>174<\/sup><\/a> Das demonstrierte praktisch, da\u00df die Industrialisierung auf dem Weg \u00fcber die Entwicklung der Leichtindustrie nicht l\u00e4nger m\u00f6glich war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den St\u00e4dten mobilisierte das fehlende Brot die Stimmung nicht allein gegen die Bauern, sondern auch gegen diejenigen in der Partei, die sich vor die Bauern stellten und die NEP verteidigten. &#8222;Der Lebensmittelmangel wurde immer deutlicher sp\u00fcrbar, die Stimmung innerhalb der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung spitzte sich zu.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote175sym\" name=\"sdfootnote175anc\"><sup>175<\/sup><\/a> In der Partei vollzog sich ein Umschwung. &#8222;Erschien den meisten der Verantwortlichen &#8211; wie wahrscheinlich der Masse der Parteimitglieder &#8211; bis Mitte der zwanziger Jahre der Kurs der &gt;Linken&lt; zu risikoreich, weil sie eine Wiederholung der Bauernunruhen von 1920\/21 bef\u00fcrchteten, so kamen ihnen jetzt Zweifel an der vorsichtigen Politik des &gt;dynamischen wirtschaftlichen Gleichgewichts&lt;. Die Getreidekrise traf die Partei wie ein Schock.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote176sym\" name=\"sdfootnote176anc\"><sup>176<\/sup><\/a> Wahrscheinlich Ende 1928\/Anfang 1929 kippten die Mehrheiten im ZK um. Im Oktober 1928 sprach Stalin zum erstenmal von einer &#8222;rechten Gefahr&#8220; in der KPdSU und forderte, nach der Auseinandersetzung mit der &#8222;linken&#8220;, trotzkistischen Linie jetzt &#8222;das Schwergewicht auf den Kampf gegen die rechte Abweichung zu verlegen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote177sym\" name=\"sdfootnote177anc\"><sup>177<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Gegenzug attackierte Bucharin Ende 1928 alle au\u00dferordentlichen Ma\u00dfnahmen zur Getreidebeschaffung als &#8222;milit\u00e4risch-feudale Ausbeutung&#8220; der Bauernschaft. Anl\u00e4\u00dflich von Lenins 5.Todestag im Januar 1929 schrieb er Prawda-Artikel, hielt eine Rede und verfa\u00dfte eine Brosch\u00fcre &#8222;Das politische Verm\u00e4chtnis&#8220;. Unter Berufung auf Lenin focht er mit allen Kr\u00e4ften f\u00fcr die &#8222;Kombination&#8220;, die schon Marx f\u00fcr besonders g\u00fcnstig gehalten habe, die Verkn\u00fcpfung des Bauernkriegs mit der proletarischen Revolution. Das Proletariat d\u00fcrfe (nach der Februar- und der Oktoberrevolution) keine dritte Revolution anstreben, sondern einen gleichgewichtigen wirtschaftlichen Aufbau, eine friedliche kulturelle Entwicklung und den Aufstieg zum Sozialismus \u00fcber den genossenschaftlichen Weg.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote178sym\" name=\"sdfootnote178anc\"><sup>178<\/sup><\/a> Um das zu erreichen, forderte er zusammenfassend: &#8222;1) Import von Getreide; 2) entschiedener Verzicht auf au\u00dferordentliche Ma\u00dfnahmen; 3) revolution\u00e4re Gesetzlichkeit.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote179sym\" name=\"sdfootnote179anc\"><sup>179<\/sup><\/a> Das war das Gegenprogramm zur Stalinschen Linie und noch einmal ein verzweifelter Versuch, die NEP, wie Lenin sie konzipiert hatte, mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten &#8211; aber unter ganz anderen Bedingungen. Klassenm\u00e4\u00dfig war es ein Kulakenprogramm gegen das Proletariat, auch wenn Bucharin pers\u00f6nlich f\u00fcr die Einschr\u00e4nkung der Kulaken eintrat, ohne indes einen Weg dazu ohne Abbruch der NEP angeben zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die NEP ging nicht, wie Bucharin gemeint hatte, im Schneckentempo auf den Sozialismus, sondern mit Siebenmeilenstiefeln auf eine \u00f6konomische, soziale und politische Katastrophe zu. Der geforderte Getreideimport bedeutete den Verzicht auf die Industrialisierung. Eine erneute Erh\u00f6hung der Weizen-Ankaufpreise h\u00e4tte letztlich von der Arbeiterklasse gezahlt werden m\u00fcssen. Die Weiterentwicklung des l\u00e4ndlichen Kapitalismus mu\u00dfte die Klassendifferenzierung auf dem Dorf vorantreiben und den wachsenden Zustrom armer Bauern in die St\u00e4dte hervorrufen. Dort konnten sie nicht durch eine beschleunigte Industrialisierung aufgefangen werden, sondern w\u00fcrden die Arbeiterklasse dazu bringen, ihre Stellung st\u00e4ndisch gegen die anschwellenden subproletarischen Millionenmassen abzusichern. Diese Entwicklung, wie sie in den Jahrzehnten nach dem 2.Weltkrieg \u00e4hnlich in gro\u00dfen Teilen der 3.Welt einsetzte, zeichnete sich Ende der 20er Jahre als Resultat der NEP in Sowjetru\u00dfland ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Alternative dazu war die von Stalin bef\u00fcrwortete Politik. Als trotz h\u00f6herer Preise das Getreide ausblieb und ein Hungerwinter drohte, brach sich in der Partei die Politik des Angriffs auf die Kulaken Bahn. In einer die ganze Klasse erfassenden Bewegung str\u00f6mten Anfang 1929 Zehntausende von kommunistischen Arbeitern und Funktion\u00e4ren aufs Land, um Getreide einzutreiben, die Kulaken zu schlagen, die Kollektivierung voranzutreiben und endlich mit dem Aufbau des Sozialismus ernst zu machen. &#8222;Welle um Welle \u00fcberschwemmten Partei- und Sowjetfunktion\u00e4re, Brigaden von st\u00e4dtischen Industriearbeitern sowie Miliz und Komsomol die D\u00f6rfer, um die Kollektivierung voranzutreiben. Ein Erfolgstaumel erfa\u00dfte sie, und die Regierung tat nichts, um sie zu bremsen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote180sym\" name=\"sdfootnote180anc\"><sup>180<\/sup><\/a> Insgesamt waren es ca. 250.000 Aktivisten, die in diesen Jahren aufs Land gingen, um die neue Politik gegen\u00fcber den Bauern durchzusetzen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote181sym\" name=\"sdfootnote181anc\"><sup>181<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Als sich jedoch die Erh\u00f6hung der Getreidepreise als unzureichend erwies und im Winter 1928\/29 die Beschaffungsergebnisse ebenso wie im Vorjahr weit hinter dem Plan zur\u00fcckblieben, griff man &#8211; trotz der wenige Monate zuvor gefa\u00dften Beschl\u00fcsse &#8211; erneut zu Zwangsmitteln. Die Bauern, die Getreide zur\u00fcckhielten, wurden nun aus den Genossenschaften ausgeschlossen und erhielten keine Industriewaren und Kredite mehr. Die lokalen Beh\u00f6rden organisierten Dorfversammlungen, um dort mit Hilfe st\u00e4dtischer Parteifunktion\u00e4re massiven Druck auf die Bauern auszu\u00fcben. Kamen diese der Aufforderung, Getreide abzugeben, nicht nach, so wurden sie entweder zu einer hohen Geldstrafe verurteilt oder h\u00e4ufig auch enteignet und ausgesiedelt. So kam es bereits w\u00e4hrend der Getreidekampagne 1928\/29 zu einer teilweisen &gt;Entkulakisierung&lt;. Die wohlhabenderen Bauern versuchten, sich gegen die Staatsgewalt mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Die Presse berichtete in diesem Zusammenhang fast t\u00e4glich von Brandstiftung, Mord und Totschlag. Zahlreiche Dorfkorrespondenten und Funktion\u00e4re fielen dem Gegenterror, der \u00e4u\u00dferster Verzweiflung entsprang, zum Opfer. Die Getreidebeschaffung aber konnte auch durch Anwendung rigoroser Zwangsmittel nicht mehr gesteigert werden. Der urspr\u00fcngliche Plan f\u00fcr 1928\/29 blieb unerf\u00fcllt, so da\u00df es nur durch eine immer strengere Rationierung gelang, in diesem Jahr ohne Getreideeinfuhr auszukommen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote182sym\" name=\"sdfootnote182anc\"><sup>182<\/sup><\/a> Am 12.Februar 1929 wurde die allgemeine Einf\u00fchrung von Brotkarten angek\u00fcndigt und einen Tag sp\u00e4ter die Ausweisung aller &#8222;nicht werkt\u00e4tigen Mieter mit einem Jahreseinkommen \u00fcber 3000 Rubel&#8220; aus den St\u00e4dten verf\u00fcgt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote183sym\" name=\"sdfootnote183anc\"><sup>183<\/sup><\/a> Das war zusammen mit der im Juli 1929 offiziell verf\u00fcgten Ablieferungspflicht wie zu Zeiten des Kriegskommunismus das Ende der NEP, auch wenn es offiziell nicht so formuliert wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende April 1929 wurde anhand von Stalins Bericht &#8222;\u00dcber die rechte Abweichung in der KPdSU (B)&#8220; zun\u00e4chst von einem ZK- und ZKK-Plenum und anschlie\u00dfend von der 16.Parteikonferenz die Entmachtung Bucharins und seiner Anh\u00e4nger Rykow und Tomski beschlossen. Gleichzeitig wurde der erste F\u00fcnfjahrplan angenommen, und zwar in seiner Maximalvariante. &#8222;In der Tat begr\u00fc\u00dften viele Arbeiter und Parteimitglieder die neue Politik. Sie empfanden sie als Befreiung nach der vorsichtigen Gleichgewichtsstrategie, welche die Wirtschaftskrisen nicht hatte verhindern k\u00f6nnen, und nach dem Hin und Her des Jahres 1928. Die Spannungen, die aus dem Nebeneinander unterschiedlicher Produktionsweisen herr\u00fchrten, schienen endlich gel\u00f6st werden zu k\u00f6nnen. (&#8230;) Die \u00c4lteren f\u00fchlten sich an die harten, aber enthusiastischen Jahre des &gt;Kriegskommunismus&lt; erinnert, die J\u00fcngeren wurden mitgerissen von dem Aufbruch nach vorn und sahen eine bessere Zukunft vor sich. Radikale Programme zur Ver\u00e4nderung von Schule und Ausbildung, Utopien zur Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land, k\u00fcnstlerische Experimente, Massenkampagnen, die durchaus nicht nur &gt;von oben&lt; gelenkt wurden, h\u00e4uften sich bezeichnenderweise gerade in dieser Zeit.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote184sym\" name=\"sdfootnote184anc\"><sup>184<\/sup><\/a> Das Jahr 1929 wurde zum Jahr des gro\u00dfen Umschwungs.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem der Durchbruch zur Industrialisierung und Kollektivierung einmal erfolgt war, fand Bucharins Position binnen kurzer Zeit in Partei und Arbeiterklasse keinerlei R\u00fcckhalt mehr. Mit einemmal politisch v\u00f6llig isoliert, fl\u00fcchtete Bucharin zeitweise ins Privatleben, in Literatur und Kunst.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote185sym\" name=\"sdfootnote185anc\"><sup>185<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Von der Kulakenvernichtung zur Kollektivierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die f\u00fcr die Industrialisierung erforderliche gesicherte Versorgung mit Agrarprodukten war nur jenseits des Kapitalismus, dh. durch die Vernichtung der Kulaken m\u00f6glich. Als Kulaken wurden alle eingestuft, die j\u00e4hrliche Mindesteinnahmen von 300 Rubel pro Esser (mindestens 1.500 Rubel pro Familie) hatten, die Vermietung von Ger\u00e4t, Maschinen, Geb\u00e4uden vornahmen, Handel betrieben, eine M\u00fchle, \u00d6lpresse o.\u00e4. besa\u00dfen. Stalin verk\u00fcndete Ende 1929 die Aufgabe der &#8222;Liquidierung des Kulakentums als Klasse.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote186sym\" name=\"sdfootnote186anc\"><sup>186<\/sup><\/a> Um zu verhindern, da\u00df die Kulaken in den zu Kolchosen umgebildeten obscinas ihre Herrschaft fortsetzten, beschlo\u00df das ZK gleichzeitig, sie nicht in die Kolchosen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Entkulakisierung traf nach vorliegenden Sch\u00e4tzungen ca. 900.000 H\u00f6fe mit 8,5 bis 9 Millionen Personen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote187sym\" name=\"sdfootnote187anc\"><sup>187<\/sup><\/a> Stalin selber nannte in einem Gespr\u00e4ch mit Churchill die Zahl von 10 Millionen. Sie wurden massenweise in entlegene Landesteile transportiert, wo sie in Arbeitslagern, Bergwerken, auf Baustellen und Staatsg\u00fctern arbeiten mu\u00dften. Die Zahlenangaben dar\u00fcber, wieviele durch die Folgen der Vertreibung starben, schwanken. Die Dorfarmut nahm die Gelegenheit wahr, mit den Kulaken abzurechnen, die ihrerseits vor keiner Gewalttat zur\u00fcckschreckten, um sich zu verteidigen. Die ganze Barbarei des Dorfes machte sich in den Konflikten geltend.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Beschlu\u00df, das fehlende Getreide mit Gewalt zu beschaffen, bedeutete nicht, da\u00df die Kollektivierung, so wie sie dann stattfand, von vornherein geplant war. In der Resolution der Parteikonferenz vom April 1929, die die Entmachtung Bucharins und den Angriff auf die Kulaken beschlo\u00df, hie\u00df es, &#8222;da\u00df auch bei maximal m\u00f6glicher Entwicklung der Sowjet- und Kollektivwirtschaften in den n\u00e4chsten Jahren die haupts\u00e4chliche Produktionssteigerung in der Landwirtschaft nach wie vor auf die individuelle klein- und mittelb\u00e4uerliche Wirtschaft entfallen wird und da\u00df die Kleinwirtschaft ihre M\u00f6glichkeiten noch l\u00e4ngst nicht ersch\u00f6pft hat und auch so schnell nicht ersch\u00f6pfen wird&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote188sym\" name=\"sdfootnote188anc\"><sup>188<\/sup><\/a> Die Wirklichkeit \u00fcberholte die Parteibeschl\u00fcsse. Der Angriff auf den Kulaken zerst\u00f6rte die Schl\u00fcsselfigur des eingespielten Produktionszusammenhangs in den obscina-D\u00f6rfern. Als die attackierten Kulaken dazu \u00fcbergingen, ihre Pferde, Vieh etc. abzuschlachten und wom\u00f6glich Ger\u00e4te und Getreide zu vernichten, wurden die Produktionsbedingungen auch f\u00fcr die anderen Gemeindebauern nachhaltig gest\u00f6rt. Der Zusammenschlu\u00df zu Produktionsgenossenschaften (Kolchosen), bis dahin bei den Bauern wenig beliebt, wurde in der Folge zum einzigen Ausweg. Hatte Lenin den Sieg des Genossenschaftswesens vorausgesagt, wenn der Sowjetstaat gen\u00fcgend Traktoren produzierte, so &#8222;schlossen sich (jetzt) Bauern zu Kolchosen zusammen, weil sie zu wenig Produktionsmittel besa\u00dfen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote189sym\" name=\"sdfootnote189anc\"><sup>189<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von dem Sog wurden auch die oberen Mittelbauern erfa\u00dft, die einerseits nicht der Entkulakisierung unterlagen, andererseits im Prinzip gen\u00fcgend Produktionsmittel besa\u00dfen, so da\u00df sie nicht auf den Kulaken angewiesen waren und die Abschlachtung des Zugviehs sie nicht betraf. Was aber sollte mit den Umteilungsfeldern geschehen, wenn mehr als die H\u00e4lfte des Dorfes in den Kolchos eintrat und sowohl die Feldanteile der vertriebenen Kulaken als auch die besten B\u00f6den f\u00fcr den Kolchos beanspruchte? Das Problem war umgekehrt wie seinerzeit bei den Stolypinschen Reformen: damals war in der Regel das Dorf entweder komplett oder gar nicht aus den Verpflichtungen der Dorfgemeinde ausgeschieden. Jetzt trat man gemeinsam in den Kolchos ein, um nicht den gleichen Anspruch auf Land zu verlieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Winter\/Fr\u00fchjahr 1932\/33 gab es in verschiedenen Gebieten der Sowjetunion eine Hungersnot, im wesentlichen dort, wo das Privatbauerntum verbreitet war, vor allem in der Ukraine. Relativ fruchtbar und klimatisch beg\u00fcnstigt, lag hier das gr\u00f6\u00dfte Getreide-\u00dcberschu\u00dfgebiet der Sowjetunion. Die Dorfgemeinde existierte nur noch in \u00dcberresten. Darum hatten die Bauern hier vom Kolchos viel zu verlieren und wenig zu gewinnen. Entsprechend erbittert war der Widerstand. Weil so viele Pferde abgeschlachtet wurden, stie\u00df die Bebauung der Felder auf Schwierigkeiten. Nur mit milit\u00e4rischer Gewalt waren die Bauern zur Arbeit zu bewegen und mu\u00dften sich teilweise selber vor den Pflug spannen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Inzwischen hatte das Stalingrader Traktorenwerk mit der Serienproduktion von Traktoren begonnen. Staatliche Maschinen-Traktor-Stationen wurden aufgebaut und die massenhafte Ausbildung von Traktorfahrern begann. Nach mehreren Ein- und Austrittswellen stabilisierte sich die Kolchosbewegung zum gleichen Zeitpunkt, in dem Teile des Landes Hungersnot litten. Ende 1932 waren insgesamt 14,7 Millionen Bauernwirtschaften, das waren 61,5 % aller H\u00f6fe, in 211.700 Produktionsgenossenschaften organisiert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote190sym\" name=\"sdfootnote190anc\"><sup>190<\/sup><\/a> Sie verf\u00fcgten \u00fcber drei Viertel der Anbaufl\u00e4che. Insbesondere war mit vier F\u00fcnftel der Getreidewirtschaften die durchg\u00e4ngige Kollektivierung der Hauptanbaugebiete f\u00fcr Getreide erreicht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote191sym\" name=\"sdfootnote191anc\"><sup>191<\/sup><\/a> Damit waren die entscheidenden Bedingungen f\u00fcr die Industrialisierung gegeben: die Versorgung der St\u00e4dte mit Brot und die ausreichende Ausfuhr von Getreide. Daher wurde 1932\/33 der &#8222;Sieg des Sozialismus&#8220; festgestellt und Ende 1936 in die neue Verfassung aufgenommen. Am 7.12.1934 wurde das Kartensystem aufgehoben<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote192sym\" name=\"sdfootnote192anc\"><sup>192<\/sup><\/a> und bis 1939 die restliche Kollektivierung vollzogen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">H\u00e4tte der Sprung fr\u00fcher stattgefunden, w\u00e4re die Sowjetmacht in ernste Gefahr geraten. Die Arbeiterklasse war noch zu schwach; die industrielle Produktion war nicht gen\u00fcgend vorangeschritten, um zur massenhaften Herstellung von Traktoren \u00fcberzugehen; nicht zuletzt konnten die Sowjetwirtschaften 1929 mehr Getreide als in den Jahren zuvor produzieren und so die Kulakenproduktion besser ausgleichen. Stalin sagte darum noch Ende 1929 im R\u00fcckblick: &#8222;In den Jahren 1926 und 1927 suchte die sinowjewistisch-trotzkistische Opposition mit aller Kraft, der Partei die Politik der sofortigen Offensive gegen das Kulakentum aufzudr\u00e4ngen. Die Partei lie\u00df sich auf dieses gef\u00e4hrliche Abenteuer nicht ein (&#8230;) Konnten wir vor f\u00fcnf oder vor drei Jahren eine solche Offensive mit Aussicht auf Erfolg unternehmen? Nein, das konnten wir nicht.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote193sym\" name=\"sdfootnote193anc\"><sup>193<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotzki glaubte trotz des bereits ausgebrochenen Linienkampfs bis zuletzt nicht an eine Wende im Politb\u00fcro. Stalins Attacke gegen die Anh\u00e4nger Bucharins, die sogenannten &#8222;Rechten&#8220;, wurde von ihm als &#8222;Scheinkampagne&#8220; bezeichnet, die &#8222;den Auftrag feindlicher Klassen&#8220; erf\u00fcllen w\u00fcrde. Er war der festen \u00dcberzeugung, da\u00df die NEP nicht r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen sei, sondern fortgesetzt werde und der Kapitalismus unausweichlich siegen w\u00fcrde, wenn nicht die von ihm &#8211; Trotzki &#8211; gef\u00fchrte Opposition die Macht \u00fcbernehme. Der Kampf gegen das ZK und gegen Stalin wurde f\u00fcr ihn mehr und mehr zum Selbstzweck. Im Januar 1929 wurde er aus der Sowjetunion ausgewiesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Vorw\u00fcrfe besa\u00dfen noch solange eine bestimmte Logik, wie Stalin und Bucharin wegen ihrer Bef\u00fcrwortung der NEP gleicherma\u00dfen als F\u00f6rderer der Kulaken und des Kapitalismus angegriffen werden konnten. Als sich die NEP 1929 und 1930 aber im Feuer der Industrialisierung und Kollektivierung aufl\u00f6ste, fiel nicht nur die Theorie Trotzkis \u00fcber den &#8222;Thermidor&#8220;, sondern auch die Opposition in sich zusammen. Von einem Gro\u00dfteil seiner Anh\u00e4nger unter Einschlu\u00df der f\u00fchrenden K\u00f6pfe wurde der Angriff auf die Bauernschaft vehement begr\u00fc\u00dft; endlich werde das Programm der Linken verwirklicht. Preobrashenski an der Spitze, kehrten sie zur\u00fcck zur Partei und wurden wieder mit verantwortlichen Aufgaben betraut. Preobrashenski selber meinte in einer Rede 1934: &#8222;Kollektivierung &#8211; das ist die Krux der Sache! Hatte ich diese Prognose der Kollektivierung? Nein!&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote194sym\" name=\"sdfootnote194anc\"><sup>194<\/sup><\/a> Mit den Anh\u00e4ngern Trotzkis kam auch die nichttrotzkistische Linke zur\u00fcck zur Partei, Sinowjew und Kamenew vorweg, die Anfang der 30er Jahre ebenfalls wieder f\u00fchrende Positionen bekleideten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotzki selber h\u00e4tte das Scheitern seiner Theorien einsehen und Selbstkritik leisten m\u00fcssen, um in die Partei zur\u00fcckzukehren. Dazu war er pers\u00f6nlich v\u00f6llig unf\u00e4hig. Bereits die Hinwendung zur bolschewistischen Partei und das Zusammengehen mit Lenin in der Oktoberrevolution war ihm nur m\u00f6glich gewesen, weil er durch den Ablauf der Revolution bis hin zum Kriegskommunismus seine Theorie der permanenten Revolution best\u00e4tigt glaubte und Lenin selber auf ihn zuger\u00fcckt war. Unter den Bedingungen der 30er Jahre und gegen\u00fcber Stalin war Trotzki zu einem \u00e4hnlichen Schritt nicht in der Lage. Seine ganzen Theorien \u00fcber die Entwicklung der Sowjetunion schmolzen auf eine inhaltsleere, wieder und wieder beschworene B\u00fcrokratie-Kritik zusammen. Bis 1929 war der &#8222;Thermidor&#8220; bei ihm noch die drohende prokapitalistische Konterrevolution der Parteif\u00fchrung mit Bucharin an der Spitze, gest\u00fctzt auf die Kulaken, gewesen, hatte also einen klassenm\u00e4\u00dfigen Inhalt gehabt. Jetzt wurde der &#8222;Thermidor&#8220; als klassenloser &#8222;Sieg der B\u00fcrokratie \u00fcber die Massen&#8220; umdefiniert,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote195sym\" name=\"sdfootnote195anc\"><sup>195<\/sup><\/a> und Stalin war der geistlose Oberb\u00fcrokrat.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dieser Basis betrieb das verbliebene H\u00e4uflein seiner Anh\u00e4nger weiterhin organisierte Oppositionsarbeit in der Sowjetunion und schreckte auch vor Gewaltanwendung nicht zur\u00fcck. Deutscher schreibt, da\u00df &#8222;gerade die t\u00e4tigsten und energischsten unter den jungen Oppositionellen&#8220; mit einer nur politischen Opposition unzufrieden waren und so Jahrzehnte nach den Zarenattent\u00e4tern erneut &#8222;Revolver und die Handgranate in die H\u00e4nde einiger ungeduldiger antistalinistischer Komsomolzen&#8220; gerieten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote196sym\" name=\"sdfootnote196anc\"><sup>196<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>V. Der Kampf um den Kolchos<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Stabilisierung der Kolchosbewegung war nur m\u00f6glich, indem Produktionsverh\u00e4ltnisse geschaffen wurden, die sowohl von den Bauern akzeptiert wurden als auch garantierten, da\u00df der Staat gen\u00fcgend Getreide f\u00fcr die St\u00e4dte und den Export erhielt. Im Streit um die konkrete Form des Kolchos ging es um die Alternative &#8222;Agrarkommune&#8220; oder &#8222;Artel&#8220;. Die Konsequenzen daraus ber\u00fchrten die Frage der Stellung der Bauernschaft im Sowjetstaat insgesamt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Zwei Agrarprogramme<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im ersten Ansturm auf die unorganisierte Bauernschaft durch Arbeiterklasse und Partei konnten nicht nur die Kulaken vertrieben werden, sondern schien es m\u00f6glich zu sein, die Kollektivierung innerhalb Jahresfrist durchzuf\u00fchren und die Bauern dar\u00fcber hinaus fabrik\u00e4hnlich in Agrarkommunen zu organisieren. Eine solche Politik richtete sich aber nicht mehr allein gegen die Kulaken, sondern auch gegen die Mittelbauern, dh. gegen die Masse von fast zwei Dritteln der Bauernschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende 1929 griff der b\u00e4uerliche Widerstand immer weiter um sich. Bucharin sprach von ca. 150 lokalen Bauernaufst\u00e4nden 1929\/30. Eine Korrektur der Bauernpolitik wurde unumg\u00e4nglich, wenn das Land nicht in einen allgemeinen Bauernkrieg hineingerissen werden sollte. In einem ber\u00fchmt gewordenen Artikel &#8222;Vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote197sym\" name=\"sdfootnote197anc\"><sup>197<\/sup><\/a> vom M\u00e4rz 1930 sowie einen Monat sp\u00e4ter in einer &#8222;Antwort an die Genossen Kollektivbauern&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote198sym\" name=\"sdfootnote198anc\"><sup>198<\/sup><\/a> leitete Stalin diese Kurskorrektur ein. Als entscheidenden politischen Fehler, als &#8222;Wurzel&#8220; aller Fehler nannte er die falsche Behandlung des Mittelbauern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote199sym\" name=\"sdfootnote199anc\"><sup>199<\/sup><\/a> Drei Fehler z\u00e4hlte er im einzelnen auf: die Verletzung der Freiwilligkeit; die fehlende Ber\u00fccksichtigung der geographischen und regionalen Unterschiede; schlie\u00dflich das \u00dcberspringen einer noch nicht abgeschlossenen Form der Bewegung: manche Genossen seien gleich zur (vollst\u00e4ndig vergesellschafteten) Agrarkommune \u00fcbergegangen, statt zun\u00e4chst die &#8222;Artels&#8220; zu festigen, in denen die Bauern Hof und Hofland sowie eine begrenzte Anzahl eigenen Viehs behalten durften.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Rechenschaftsbericht an den XVII.Parteitag 1934 nahm Stalin erneut zur Alternative &#8222;Kommune&#8220; oder &#8222;Artel&#8220; Stellung: &#8222;Nein, die Kommune ist notwendig, und sie ist nat\u00fcrlich die h\u00f6chste Form der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, aber nicht die jetzige Kommune, die auf der Basis einer unentwickelten Technik und des Mangels an Produkten entstanden ist und die jetzt selber zum Artel wird, sondern die k\u00fcnftige Kommune, die auf der Basis einer h\u00f6her entwickelten Technik und einer F\u00fclle von Produkten entstehen wird&#8230; (Sie) wird entstehen, wenn auf den Feldern und in den Farmen des Artels Getreide, Vieh, Gefl\u00fcgel, Gem\u00fcse und alle anderen Produkte im \u00dcberflu\u00df vorhanden sein werden, wenn in den Artels mechanische W\u00e4schereien, moderne K\u00fcchen und Speisehallen, Brotfabriken etc. errichtet sein werden, wenn der Kollektivbauer erkannt haben wird, da\u00df es f\u00fcr ihn vorteilhafter ist, Fleisch und Milch von der Farm zu beziehen, als eine eigene Kuh und Kleinvieh zu halten, wenn die Kollektivb\u00e4uerin erkannt haben wird, da\u00df es f\u00fcr sie vorteilhafter ist, in der Speisehalle zu Mittag zu essen, Brot von der Brotfabrik zu beziehen und die W\u00e4sche in der gesellschaftlichen W\u00e4scherei waschen zu lassen, als sich selbst damit abzugeben.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote200sym\" name=\"sdfootnote200anc\"><sup>200<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Kommunen, f\u00fchrte er aus, seien im Gegensatz zum Artel nicht nur die Produktionsmittel vergesellschaftet, sondern auch die Hauswirtschaft jedes Kommunemitglieds. Die Kommunemitglieder bes\u00e4\u00dfen im Gegensatz zu den Artelmitgliedern weder eigenes Hofland, noch ein St\u00fcck Vieh, Kleinvieh, Gefl\u00fcgel oder Getreide. &#8222;Das bedeutet, da\u00df die pers\u00f6nlichen, die Tagesinteressen der Mitglieder in den Kommunen nicht so sehr ber\u00fccksichtigt und mit den gesellschaftlichen Interessen verkn\u00fcpft als vielmehr durch die letzteren um einer kleinb\u00fcrgerlichen Gleichmacherei willen in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote201sym\" name=\"sdfootnote201anc\"><sup>201<\/sup><\/a> Viele Landkommunen gingen so weit, die Bezahlung der Mitglieder wie bei Fabrikarbeitern vorzunehmen, was in diesem Fall hie\u00df, da\u00df alle denselben Lohn erhielten, unabh\u00e4ngig von der geleisteten Arbeit und bestenfalls entsprechend der Anwesenheit auf dem Feld. Teilweise erfolgte die Verteilung der Ertr\u00e4ge auch entsprechend der Anzahl der Familienmitglieder.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die von Stalin attackierte &#8222;kleinb\u00fcrgerliche Gleichmacherei&#8220; war der Versuch, den Interessen der Dorfarmut entgegenzukommen, die nur wenig eigenes Vieh besa\u00df und daher von der vollst\u00e4ndigen Vergesellschaftung des Viehs (der andern) nur profitieren konnte. Zum Teil &#8211; Hirten z.B. &#8211; hatte sie nicht einmal Anspruch auf eine Hofstelle im Dorf, so da\u00df auch die Vergesellschaftung des Hoflands (der anderen) ihr entgegenkam. In der Partei war es das Agrarprogramm der Linken, die &#8211; &#8222;vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220; &#8211; glaubten, jetzt endlich ohne weiteren Aufenthalt in den Kommunismus marschieren zu k\u00f6nnen. Im ersten Entwurf des Kolchos-Musterstatuts vom Februar 1930 kam der eigene &#8222;Hof&#8220; nicht mehr vor. Nach diesem Entwurf gab es weder den Anspruch auf ein St\u00fcck Privatland noch auf eigenes Vieh\/Kleinvieh.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote202sym\" name=\"sdfootnote202anc\"><sup>202<\/sup><\/a> &#8222;Es gab Projekte, die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung in &gt;Agro-St\u00e4dten&lt; zusammenzufassen, wobei diese Siedlungen den Mittelpunkt f\u00fcr gigantische Kollektivwirtschaften und riesige, hochtechnisierte agro-industrielle Kombinate bilden sollten. In geradezu phantastischer Verkennung der Realit\u00e4ten hielten manche diesen Zustand innerhalb der n\u00e4chsten 10 bis 15 Jahre f\u00fcr erreichbar.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote203sym\" name=\"sdfootnote203anc\"><sup>203<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit ihrer Politik kn\u00fcpften die Linken an den Beginn des Kriegskommunismus an, als die Bolschewiki &#8222;Komitees der Dorfarmut&#8220; ins Leben gerufen hatten und und Lenin vor\u00fcbergehend meinte, da\u00df die Entfesselung der Besitzlosen im Dorf den \u00dcbergang von der b\u00fcrgerlichen zur sozialistischen Revolution bedeuten w\u00fcrde. Seinerzeit hatte man die Komitees der Dorfarmut schleunigst wieder aufl\u00f6sen m\u00fcssen, weil die Dorfarmen nicht beim Kampf gegen die Kulaken Halt machten, sondern alle &#8222;Besitzenden&#8220;, dh. auch die Mittelbauern, drangsalierten. Dasselbe Resultat hatte die Agrarpolitik der Linken mehr als zehn Jahre sp\u00e4ter, als sie versuchten, die Bauern in die Agrarkommunen hineinzutreiben. Die Entkulakisierung wurde gef\u00e4hrdet, denn Mittelbauern und Kulaken wurden durch das linksradikale Vorgehen zusammengeschwei\u00dft und es drohte ein Aufstand des ganzen Landes gegen die Sowjetmacht. Stalin warnte davor, da\u00df die begangenen Fehler die &#8222;Tendenz&#8220; enthalten w\u00fcrden, &#8222;uns vom Wege der Festigung der proletarischen Diktatur abzudr\u00e4ngen auf den Weg des Bruches mit diesen Massen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote204sym\" name=\"sdfootnote204anc\"><sup>204<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Agrarpolitik der Linken gegen\u00fcber verfocht Stalin ein Agrarprogramm, das die Interessen der Mittelbauern ber\u00fccksichtigte und nach einer Reihe von Auseinandersetzungen in Gestalt der sog. &#8222;Stalin-Reformen&#8220; in den kommenden Jahren durchgesetzt wurde. Als erstes wurde dem urspr\u00fcnglichen Entwurf schon im Statut von 1930 das Recht auf ein St\u00fcck privaten Hoflands festgeschrieben. Des weiteren durften die Kolchosen seit 1932 nach Erf\u00fcllung der Pflichtverk\u00e4ufe (Ablieferung) an den Staat mit ihren Erzeugnissen frei handeln &#8211; zu wesentlich h\u00f6heren als den staatlichen Ankaufpreisen. Durch die Aufl\u00f6sung der meisten bestehenden Sowchosen, dh. von Staatsg\u00fctern, erhielten die Kolchosen mehr als 16 Mio. Hektar Boden aus Staatsbesitz.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote205sym\" name=\"sdfootnote205anc\"><sup>205<\/sup><\/a> Um seine Position zu st\u00fctzen, erw\u00e4hnte Stalin im Rechenschaftsbericht von 1934, da\u00df die vorhandenen Kommunen, um nicht auseinanderzufallen, z.T. bereits von sich aus dazu \u00fcbergegangen waren, auf die Vergesellschaftung der Hauswirtschaft zu verzichten, pers\u00f6nlichen Besitz von Kleinvieh zu gestatten und die Arbeit nach Tagewerksnormen zu bezahlen. &#8222;Und daran ist nichts Schlimmes, denn das erfordern die Interessen der gesunden Entwicklung der Kollektivierung als Massenbewegung.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote206sym\" name=\"sdfootnote206anc\"><sup>206<\/sup><\/a> Schon 1930 hatte Stalin vorgeschlagen, selbst die &#8222;alten&#8220; Agrarkommunen der 20er Jahre, die bis dahin \u00fcberstanden hatten, in Artels umzuwandeln.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote207sym\" name=\"sdfootnote207anc\"><sup>207<\/sup><\/a> Das geschah in der Folgezeit auch, so da\u00df schlie\u00dflich die Kommunen auf dem Land vollst\u00e4ndig verschwanden und nur noch die Artel-Kolchosen sowie daneben ein Teil der Staatsg\u00fcter (Sowchosen) \u00fcbrigblieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Kern des Stalinschen Agrarprogramms bildete das &#8222;Artel&#8220; als ma\u00dfgebliche Organisationsform der Kolchosen. Seine Grundz\u00fcge wurden in Weiterentwicklung des Statuts von 1930 in einem Musterstatut vom Februar 1935 festgelegt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote208sym\" name=\"sdfootnote208anc\"><sup>208<\/sup><\/a> Danach wurden die Felder des Dorfes zur gemeinsamen Bebauung zusammengelegt und die wichtigsten Produktionsmittel, dh. die Masse des Viehs, die Pferde und die wenigen Privattraktoren, vergesellschaftet. Der Staat baute Maschinen-Traktor-Stationen (MTS) auf, deren T\u00e4tigkeit den Kolchosen gegen Zahlung in Naturalien zur Verf\u00fcgung stand. Die Kolchosbauern durften ein St\u00fcck Hofland (je nach Gegebenheiten 1\/4 bis 1\/2 ha, in einigen Gegenden auch 1 ha), das in unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfen schon in der obscina regelm\u00e4\u00dfig zu jedem Hof geh\u00f6rt hatte, weiterhin privat bewirtschaften. Sie hatten das Recht, Gefl\u00fcgel und Kaninchen in unbegrenzter Zahl sowie eine begrenzte Anzahl Gro\u00df- und Kleinvieh zu halten. In den reinen Ackerbaugebieten (Anbau von Getreide, Baumwolle, Kartoffel, Gem\u00fcse etc; dh. im gr\u00f6\u00dften Teil Ru\u00dflands, Wei\u00dfru\u00dflands und der Ukraine) waren das 1 Kuh mit bis zu 2 Jungrindern, 1-2 Mutterschweine mit Nachzucht sowie 10 Ziegen und Schafe. In Ackerbaugebieten mit entwickelter Viehzucht (u.a. Teile Ru\u00dflands, Wei\u00dfru\u00dflands, der Ukraine, Sibiriens sowie der Fern\u00f6stlichen Region) wurden 2-3 K\u00fche mit Jungvieh, 2-3 Mutterschweine mit Nachzucht sowie 20-25 Schafe und Ziegen zugelassen. In Viehzuchtgebieten (u.a. in Kasachstan, Turkmenien, Tadshikistan, Kirgisien, Armenien und Georgien) verdoppelte sich diese Zahl noch einmal und es kamen zwei Pferde, Esel oder Kamele dazu. In den nomadischen Landesteilen schlie\u00dflich, wo &#8222;die Viehzucht die allumfassende Wirtschaftsform ist&#8220;, konnte jeder &#8222;Kollektivbauernhof&#8220; &#8211; sprich jede Nomadenfamilie 8-10 K\u00fche und Jungvieh, 100-150 Schafe und Ziegen sowie 10 Pferde und 5-8 Kamele halten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Recht auf die eigene Kuh &#8211; f\u00fcr viele Bauern und insbesondere B\u00e4uerinnen eine ausschlaggebende Frage &#8211; gab es allerdings erst seit 1931\/32, als Bestandteil des R\u00fcckzugs von den linken \u00dcberspitzungen. Dazu bemerkte Stalin auf dem ersten Unionskongre\u00df der Sto\u00dfarbeiter Anfang 1933, speziell an die Frauen gewandt: &#8222;Gewi\u00df, es hat zwischen der Sowjetmacht und den Kollektivb\u00e4uerinnen vor nicht langer Zeit ein kleines Mi\u00dfverst\u00e4ndnis gegeben. Es handelte sich um die Kuh. Jetzt aber ist die Sache mit der Kuh geregelt und das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis beseitigt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote209sym\" name=\"sdfootnote209anc\"><sup>209<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Je nach der betriebenen Agrarpolitik gab es zun\u00e4chst mehrere Ein- und Austrittswellen. In dem Ma\u00dfe, wie die Stalinsche Agrarpolitik sich durchsetzte und die Traktoren geliefert wurden, stabilisierten sich die Kolchosen. Das schlie\u00dflich realisierte Agrarprogramm des Parteizentrums enth\u00fcllt, warum die Kollektivierung letzten Endes so schnell und so erfolgreich durchgef\u00fchrt werden konnte: sie brach nicht nur mit den hergebrachten Verh\u00e4ltnissen und wandte sich nicht nur gegen Interessen der Mittelbauern, sondern kam den Interessen der b\u00e4uerlichen Masse gleichzeitig entgegen. Im Kern bedeutete die Kollektivierung die Umwandlung der Dorfgemeinde in den Kolchos unter Beseitigung des Individualbauerntums und Beibehaltung wichtiger Z\u00fcge der Gemeindeverfassung. Das vorherige obscina-Dorf, meist aus einigen dutzend bis wenigen hundert Menschen bestehend, wurde zum Kolchos.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da der Boden sowieso nationalisiert war, war mit der Kollektivierung des Landes &#8222;nur&#8220; das Ende der regelm\u00e4\u00dfigen Auf- und Umteilung des Bodens verkn\u00fcpft. Die Bauern verloren ihre Selbst\u00e4ndigkeit als Kleinproduzenten und die bessergestellten Bauern &#8211; Mittelbauern &#8211; mu\u00dften einen Teil des eigenen Viehs an die Genossenschaft abgeben. Die Kollektivierung des Viehs und der anderen Produktionsmittel des Kulaken beseitigte aber zugleich die Abh\u00e4ngigkeit der Masse der Bauern von den Dorfreichen. Au\u00dferdem machte die Vertreibung der Kulaken aus dem Dorf und ihre Nicht-Zulassung zu den Kolchosen die regelm\u00e4\u00dfig vorhandenen Schulden vieler Dorfbewohner bei den reichen Bauern hinf\u00e4llig. Durch das Verschwinden der Kulaken entfiel auf jeden Kopf der Dorfgemeinde zugleich mehr Land als vorher.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Widerstand gegen die Kollektivierung wurde bis zuletzt nur von den Kulaken der obscina-D\u00f6rfer sowie von der Einzelbauernschaft in Sibirien und haupts\u00e4chlich in der Ukraine getragen. Der &#8222;Kurze Lehrgang&#8220; konnte daher \u00fcber die revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung dieser Jahre schreiben: &#8222;Die Eigenart dieser Revolution bestand darin, da\u00df sie <i>von oben<\/i>, auf Initiative der Staatsmacht, mit direkter Unterst\u00fctzung <i>von unten<\/i>, durch die Millionenmassen der gegen das Kulakenjoch und f\u00fcr ein freies kollektivwirtschaftliches Leben k\u00e4mpfenden Bauern, vollzogen wurde.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote210sym\" name=\"sdfootnote210anc\"><sup>210<\/sup><\/a> Die Dorfarmut, die nach vor\u00fcbergehenden Erfolgen wieder zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde &#8211; wie schon 1919 -, stellte vermutlich die Masse derjenigen Dorfbewohner, die in die St\u00e4dte und in die Fabriken gingen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Einige Daten des Kolchos<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar war formaler Eigent\u00fcmer des Bodens der Staat. Besitzer aber war der Kolchos, der sein obscina-Land nach- wie vorher eifers\u00fcchtig gegen jeden, dh. gegen die benachbarten Dorfgemeinden verteidigte. Das Musterstatut legte ausdr\u00fccklich fest, da\u00df &#8222;Gr\u00f6\u00dfe und genaue Grenzen&#8220; des Artel-Landes in einer Urkunde festgelegt und der Boden &#8222;dem Artel zu unbefristeter Nutzung, das hei\u00dft f\u00fcr immer zuerkannt&#8220; w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote211sym\" name=\"sdfootnote211anc\"><sup>211<\/sup><\/a> Darin spiegelt sich wider, da\u00df der Kolchos in der Masse der F\u00e4lle ein umgewandeltes obscina-Dorf war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Mitgliederversammlung war das h\u00f6chste Organ des Kolchos und \u00fcbernahm die Funktion der Dorfversammlung der obscina. Sie hatte \u00fcber die entscheidenden Angelegenheiten zu beschlie\u00dfen; dazu geh\u00f6rte die Best\u00e4tigung des Produktionsplans und der Arbeitsnormen sowie der Menge an Naturalerzeugnissen und Geld, die pro Arbeitseinheit ausgezahlt werden sollten. An die Stelle des Dorf\u00e4ltesten trat der Artel-Vorsitzende, den die Mitgliederversammlung zusammen mit dem Vorstand sowie einer Revisionskommission auf 2 Jahre w\u00e4hlte. Der Vorstand mit dem besonders hervorgehobenen Artel-Vorsitzenden an der Spitze f\u00fchrte die laufenden Gesch\u00e4fte; gem\u00e4\u00df dem Musterstatut von 1935 mu\u00dfte nur die Revisionskommission vom Staat best\u00e4tigt werden, nicht der Artel-Vorsitzende oder der Vorstand.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An ihrem Hofland und dem dazugeh\u00f6renden Vieh und Ger\u00e4ten hatten die Bauern kein individuelles Recht. Das Nutzungs- bzw. Besitzrecht war an den Hof als solchen gekn\u00fcpft; es stand dem Haushalt zu, der im Regelfall mehrere Familienmitglieder umfa\u00dfte. &#8222;In dieser Rechtslage spiegelte sich nicht sowjetisches Zivilrecht wider, sondern Teile des altrussischen Bauernrechts der Zarenzeit und des ersten Jahrzehnts nach der Revolution, die von der Kollektivierung nicht ver\u00e4ndert wurden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote212sym\" name=\"sdfootnote212anc\"><sup>212<\/sup><\/a> Das hei\u00dft, in diesem Punkt wurde die obscina fortgesetzt. F\u00fcr ihre privaten Tiere hatten die Kolchosmitglieder au\u00dferdem das Weiderecht auf dem Kolchosland und den Staatsg\u00fctern bzw. das Recht, dort Heu zu machen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote213sym\" name=\"sdfootnote213anc\"><sup>213<\/sup><\/a> &#8211; ebenfalls \u00fcberkommenes obscina-Recht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Unterschied zwischen obscina und Kolchos lag darin, da\u00df die Masse des Bodens jetzt nicht mehr der Umverteilung unterlag, kollektiv statt indidviduell bearbeitet wurde, die vorhandenen Produktionsmittel (vor allem Geb\u00e4ude, Pferde und Pfl\u00fcge; in den Gebieten, wo Viehzucht \u00fcberwog, auch die Viehherden) in Genossenschaftseigentum \u00fcberf\u00fchrt wurden und die k\u00fcnftig entscheidenden maschinellen Produktionsmittel (in den Maschinen-Traktor-Stationen) Staatseigentum blieben. Wie Friedrich Engels schon 1886 an August Bebel geschrieben hatte, sollte das Staatseigentum an den Maschinen verhindern, da\u00df sich &#8222;die Sonderinteressen der Genossenschaft gegen\u00fcber der Gesellschaft im Ganzen&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote214sym\" name=\"sdfootnote214anc\"><sup>214<\/sup><\/a> festsetzten. Das war ein entscheidender Hebel der Arbeiterklasse zur Kontrolle der Bauern und zur Sicherung des Wegs zum Kommunismus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit ihrer individuellen Produzentenfreiheit verloren die Bauern auch die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Mehrprodukts. Da viele russische Bauern vorher jedoch mehr oder weniger Subsistenzproduktion betrieben hatten, mit nur geringen oder unregelm\u00e4\u00dfigen \u00dcbersch\u00fcssen f\u00fcr den Marktverkauf, machte sich das f\u00fcr sie nur bedingt bemerkbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Erzeugnisse des Kolchos teilten sich wie folgt auf:<br \/>\n&#8211; ein Teil wurde als Saatgut f\u00fcr das kommende Jahr und als Reservefonds gegen Mi\u00dfernte und Futtermangel zur\u00fcckgelegt;<br \/>\n&#8211; eine bestimmte Menge erhielten die Kolchosmitglieder als naturales Einkommen;<br \/>\n&#8211; ein weiterer Teil (ein bestimmter Prozentsatz) der Ernte mu\u00dfte als naturale Gegenleistung f\u00fcr die Maschinenarbeit der MTS abgegeben werden;<br \/>\n&#8211; ein umfangm\u00e4\u00dfig feststehender Teil, der auch in den Plan aufgenommen wurde &#8211; dh. eine Jahr f\u00fcr Jahr gleiche Gr\u00f6\u00dfe -, mu\u00dfte zu festgelegten Preisen an den Staat verkauft werden (die sog. Pflichtablieferungen);<br \/>\n&#8211; ein Teil waren \u00fcberplanm\u00e4\u00dfige Lieferungen, dh. \u00fcber den Plan hinaus produzierte Mengen, die freiwillig und zu h\u00f6heren Preisen (etwa in der Mitte zwischen Pflichtablieferungspreisen und freien Marktpreisen) an den Staat verkauft wurden;<br \/>\n&#8211; ein letzter Teil schlie\u00dflich konnte auf den Kolchosm\u00e4rkten, auf denen die Preise sich durch Angebot und Nachfrage bildeten, frei verkauft werden. Der Zwischenhandel (&#8222;Spekulanten&#8220;) war jedoch streng verboten und der Verkauf von Getreide ab 1932 erst nach Beendigung der j\u00e4hrlichen Erfassungskampagne, dh. nach Erf\u00fcllung der Pflichtablieferungen, gestattet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Marktaufkommen an Getreide (Abgaben an die MTS, Pflicht- und freiwillige Verk\u00e4ufe an den Staat, freier Marktverkauf zusammengenommen) stieg nach Stalins Bericht an den XVIII.Parteitag zwischen 1926\/27 und 1938 von 12% auf 40% des produzierten Getreides.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote215sym\" name=\"sdfootnote215anc\"><sup>215<\/sup><\/a> Die 12% Marktanteil der Produktion von 1926\/27 betrafen allerdings ausschie\u00dflich die individuellen Bauernwirtschaften, w\u00e4hrend die Zahl von 1938 den Marktanteil von Kolchosen und Sowchosen zusammen benennt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr das Jahr 1937 &#8211; ein Ernterekordjahr &#8211; berichtete Stalin, da\u00df die staatliche &#8222;Getreideaufbringung&#8220; 1800 Mio.Pud Getreide betrug, 200 Mio freiwillig an den Staat verkauft wurden, und mehrere 100 Mio Pud im Kolchoshandel, dh auf den privaten M\u00e4rkten umgesetzt wurden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote216sym\" name=\"sdfootnote216anc\"><sup>216<\/sup><\/a> Wieviel &#8222;mehrere hundert&#8220; Mio Pud das genau waren, konnte Stalin nicht berichten, vielleicht, weil die tats\u00e4chlichen Verk\u00e4ufe h\u00f6her lagen als die offiziell angegebenen (da auf die Marktverk\u00e4ufe Steuern zu zahlen waren, wurden sie m\u00f6glichst verschwiegen oder niedriger beziffert). \u00dcberhaupt blieb die Kontrolle des Getreides schwierig. So wurde nach schlechten Erfahrungen nicht l\u00e4nger die tats\u00e4chliche (bzw. dem Staat angegebene) Ernte als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Bezahlung der Maschinenarbeit der MTS genommen, sondern die gesch\u00e4tzte <i>Halmernte<\/i>; der dementsprechen abzuf\u00fchrende Teil der Ernte stieg mit fortschreitender Mechanisierung bis Ende der 30er Jahre von urspr\u00fcnglich 20% auf ca 40% des Marktanteils \u00fcberhaupt, erreichte also den gleichen Umfang wie die Pflichtablieferungen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote217sym\" name=\"sdfootnote217anc\"><sup>217<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Arbeit auf dem Kollektivland wurde nach festgelegten Tagewerksnormen abgerechnet. Es erfolgte also keine Anrechnung nach der Leistung, sondern nach der Norm: jedes arbeitsf\u00e4hige Kolchosmitglied hatte pro Arbeitstag eine bestimmte Strecke Land zu bearbeiten bzw. eine festgelegte Menge Vieh zu versorgen. Abgesehen von den Naturalien, die jedes Kolchosmitglied f\u00fcr seine Arbeit erhielt, wurden am Ende des (Rechnungs-)Jahres die nach Abzug der Steuern, Anschaffungen und laufenden Aufwendungen (u.a. f\u00fcr Reparaturen, Tierarztkosten, Ausbildung von Kolchosmitgliedern, Kinderkrippen etc) verbliebenen Geldeink\u00fcnfte des Kolchos entsprechend der geleisteten Arbeitseinheiten auf die Mitglieder aufgeteilt. Darauf konnten schon vorher Vorsch\u00fcsse gezahlt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00c4hnlich wie die Kolchosproduktion war auch die Privatproduktion geregelt. Von der individuell genutzten Hofparzelle hatten die Bauern ein festgelegtes Pflichtquantum an Produkten (Gem\u00fcse, Kartoffeln, Fleisch, Eier) dem Staat zu ebenfalls festgelegten Preisen zu verkaufen. Diese Normen waren zu erf\u00fcllen, und wenn die Bauern die abzuliefernden Eier selber auf dem Kolchosmarkt kaufen mu\u00dften. Die restlichen Produkte konnte der Kolchosnik, soweit er sie nicht selbst verzehrte, frei verkaufen. Diese Eink\u00fcnfte wurden besteuert. Die Hoflandproduktion sicherte die Subsistenz der russischen Bauern, da bis zu den 50er Jahren die Arbeit im Kolchos wenig einbrachte: die Getreideversorgung (Brot) wurde durch den Naturalteil des Kolchos&#8220;lohns&#8220; abgedeckt, und Fleisch und Gem\u00fcse kamen vom eigenen Land. Das Mehrprodukt wiederum stellte sich teils als Zwangsabgabe an den Staat (Pflichtverk\u00e4ufe), teils als Ware (Verkauf auf dem Kolchosmarkt) dar. Die Hoflandproduktion bildete insoweit ein <i>Spiegelbild<\/i> der Kolchosproduktion, nur da\u00df das Produkt nicht von einem kollektiven, sondern einem individuellen Produzenten hergestellt wurde, dessen Produktionsmittel in Privateigentum standen. 1940 kamen 72% des Fleischs, 77% der Milch und 94% aller Eier aus der Privatproduktion.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote218sym\" name=\"sdfootnote218anc\"><sup>218<\/sup><\/a> Der Wertanteil der Privatproduktion an der gesamten Agrarproduktion betrug 1937 nach offiziellen Angaben 27,8%; nach anderen Angaben (Barsow) lag er bei 43%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote219sym\" name=\"sdfootnote219anc\"><sup>219<\/sup><\/a> Schon wegen der unterschiedlichen Preise, die der Berechnung jeweils zugrundelegt werden k\u00f6nnen und in den Ver\u00f6ffentlichungen nicht gekl\u00e4rt sind, m\u00fcssen hier Differenzen auftauchen: werden alle Produkte zun\u00e4chst auf einen einheitlichen Preis umgerechnet und auf dieser Basis miteinander verglichen? Wenn ja &#8211; ist der staatliche Planpreis, der Preis f\u00fcr den freiwilligen Verkauf an den Staat oder der freie Marktpreis Grundlage der Vergleichsberechnung? Oder sind einfach die Summen der zu unterschiedlichen Preisen get\u00e4tigten Verk\u00e4ufe zusammengerechnet und miteinander verglichen worden?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der staatliche Getreidepreis bei der Plan-Pflichtablieferung betrug 10-20 Rubel je dz. Weizen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote220sym\" name=\"sdfootnote220anc\"><sup>220<\/sup><\/a> Er lag um ein Mehrfaches unter den freien Preisen; vorhandene Berechnungen sind unterschiedlich; sie gehen bis zu einem Verh\u00e4ltnis von 1:10. Otto Schiller nimmt an, da\u00df etwa 30-40% der sowjetischen Staatseinnahmen auf die Differenz zwischen den vom Staat an die Kolchosbauern gezahlten Erzeugerpreisen und den von den Konsumenten in den staatlichen L\u00e4den gezahlten Lebensmittelpreisen entfielen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote221sym\" name=\"sdfootnote221anc\"><sup>221<\/sup><\/a> Damit wurde ein Teil der Industrialisierung finanziert; nach vorliegenden Sch\u00e4tzungen soll der Anteil des landwirtschaftlichen Mehrprodukts an der Industrialisierung aber nur bei 17-20% gelegen haben<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote222sym\" name=\"sdfootnote222anc\"><sup>222<\/sup><\/a> &#8211; wie auch immer dies mit den von Schiller gesch\u00e4tzten 30-40% der Staatseinnahmen \u00fcbereinstimmt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. \u00dcber die genossenschaftliche Produktionsweise<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Produktionsweise des Kolchos auf den Begriff zu bringen, ist schwierig, weil vieles noch offen, vielleicht auch nur dem Autor nicht bekannt oder unklar ist. So fehlen Angaben \u00fcber das genaue Mengenverh\u00e4ltnis zwischen den Pflichtablieferungen, den Abgaben f\u00fcr die MTS, dem freiwilligen Verkauf an den Staat und dem Verkauf auf den Kolchosm\u00e4rkten. Stalin gibt nur aus dem Rekordjahr 1937 Zahlen, als es nicht nur leicht war, den Plan zu erf\u00fcllen, sondern gleichzeitig gen\u00fcgend Getreide f\u00fcr den freiwilligen Verkauf an den Staat sowie f\u00fcr den Marktverkauf zur Verf\u00fcgung stand.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie sah das Verh\u00e4ltnis zwischen den verschiedenen Verkaufspreisen und im Vergleich zu den Weltmarktpreisen aus? Wie wurden die Leistungen der MTS berechnet und wie ist die Bezahlung zu bewerten? Wie entwickelten sich die Eink\u00fcnfte der Kolchosbauern durch die Arbeit im Kolchos einerseits, den Verkauf der privaten Hoflandproduktion andererseits? Zu welchen Anteilen setzte sich die Hoflandproduktion aus selbst verzehrten Lebensmitteln, den Pflichtablieferungen und frei verkauften Waren zusammen? Wie sahen neben den Mengen- die Preisrelationen aus? Etc, etc.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dem Bericht von 1939 gab der Generalsekret\u00e4r, wie schon erw\u00e4hnt, die Steigerung des Marktanteils der Getreideproduktion von 12% auf 40% bekannt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote223sym\" name=\"sdfootnote223anc\"><sup>223<\/sup><\/a> Das bedeutet im Umkehrschlu\u00df, da\u00df 60% des produzierten Getreides bei den Produzenten verblieben und in Naturalform die Subsistenz des Kolchos sicherten, insofern sie als Produktionsmittel (Saatgetreide f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr; Futter f\u00fcr die Tiere) und Konsumtionsmittel (Brotgetreide f\u00fcr die Bauern) fungierten. Dennoch handelte es sich dem Wesen nach nicht um Subsistenzproduktion; Zweck des Kolchos war von Entstehung und Funktionsweise her die Erzeugung von Mehrprodukt. Der \u00dcberschu\u00df war erheblich und so regelm\u00e4\u00dfig, da\u00df der Wirtschaftsplan auf ihm aufbauen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei der Frage nach der Produktionsweise des Kolchos soll der Teil des Getreides, den die MTS erhielten, au\u00dfer Betracht bleiben, weil der Einfachheit halber unterstellt wird, da\u00df er das \u00c4quivalent f\u00fcr die Maschinenarbeit darstellte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Soweit das Getreide zum Zweck des Verkaufs auf den Kolchosm\u00e4rkten, auf denen die Preise sich frei bildeten, produziert wurde, handelte es sich um Warenproduktion. Dasselbe gilt &#8211; mit Abstrichen &#8211; f\u00fcr das \u00fcberplanm\u00e4\u00dfig produzierte, freiwillig an den Staat verkaufte Getreide. Auch wenn dessen Preis niedriger lag als der Marktpreis, gab es eine offenkundige Bindung an diesen. Da\u00df er darunter lag, hing auch damit zusammen, da\u00df en-gros-Verkauf immer im Verh\u00e4ltnis weniger erbringt als der Verkauf en-detail. Lag der Preis aber zu niedrig, bestand die Gefahr, da\u00df entweder von vornherein kein Anreiz bestand, mehr zu produzieren, oder da\u00df die Kolchosbauern das \u00dcberschu\u00dfgetreide lieber m\u00fchevoll portionsweise auf dem Markt verkauften. Soweit warenproduzierend, war die Kolchosproduktion nichtkapitalistisch; es handelte sich um <i>einfache Warenproduktion<\/i>, die ausschlie\u00dflich dem Konsum der Produzenten diente. Triebkraft war nicht die Verwertung des Werts, deren entscheidende Bedingungen fehlten: die Arbeitskraft stellte keine Ware dar, das Land war nicht frei verf\u00fcgbar und die Produktionsmittel geh\u00f6rten dem Staat.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei den Zwangsverk\u00e4ufen bzw. Pflichtablieferungen an den Staat stand der gezahlte Preis in keinem Zusammenhang mit dem Marktpreis. Insoweit k\u00f6nnten die Pflichtablieferungen als eine Art Steuer betrachtet werden. Sie wiesen aber die Besonderheit auf, da\u00df sie Naturalform hatten und nicht ein bestimmter Prozentsatz des Mehrprodukts, sondern ein umfangm\u00e4\u00dfig festgelegter Teil der Ernte, die Masse des Mehrprodukts, abgeliefert werden mu\u00dfte. Darum gleichen die Pflichtablieferungen mehr der Produktenrente als einer Form der Grundrente, die in den unterschiedlichsten Gesellschaftszust\u00e4nden vor dem Kapitalismus als Naturalabgabe von dem Produzenten an den Grundeigent\u00fcmer geleistet werden mu\u00df, sp\u00e4ter auch in Geldform \u00fcbergeht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote224sym\" name=\"sdfootnote224anc\"><sup>224<\/sup><\/a> Mit R\u00fccksicht auf die Tatsache, da\u00df die Kolchosbauern zur Arbeit verpflichtet waren, k\u00f6nnen auch Parallelen zur Arbeitsrente als anderer Form der Grundrente gezogen werden; dabei m\u00fcssen die unmittelbaren Produzenten einen Teil ihrer Zeit unentgeltlich auf dem Gut des Grundherrn arbeiten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote225sym\" name=\"sdfootnote225anc\"><sup>225<\/sup><\/a> Die Parallelen zur Gutsherrschaft liegen auch deswegen nahe, weil der Kolchos wie die Gutsproduktion vor 1917 auf dem Zusammenhang von Gro\u00df- und Kleinproduktion beruhte, dh. die Existenz von Parzellenbauern voraussetzte. Den Kolchos &#8222;kann man recht gut charakterisieren als Gutswirtschaft, die gro\u00dffl\u00e4chig wirtschaftet und ihren Arbeitskr\u00e4ften Deputatsparzellen zur Eigenversorgung als Teil der Entlohnung \u00fcberl\u00e4\u00dft.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote226sym\" name=\"sdfootnote226anc\"><sup>226<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der entscheidende Punkt gegen\u00fcber allen historischen Parallelen liegt jedoch darin, da\u00df weder einfache Fronarbeit noch kostenlose Abgabe des Produkts stattfand, sondern das Mehrprodukt durch <i>Verkauf<\/i> ent\u00e4u\u00dfert wurde. Deshalb stellte Stalin 1952 fest, da\u00df der Staat &#8222;nur \u00fcber die Erzeugnisse der staatlichen Betriebe verf\u00fcgen kann, w\u00e4hrend \u00fcber die kollektivwirtschaftlichen Erzeugnisse nur die Kollektivwirtschaften als \u00fcber ihr Eigentum verf\u00fcgen. Aber die Kollektivwirtschaften wollen ihre Produkte nicht anders als in Form von Waren ver\u00e4u\u00dfern, f\u00fcr die sie im Austausch die von ihnen ben\u00f6tigten Waren erhalten wollen. Andere \u00f6konomische Verbindungen mit der Stadt als Warenbeziehungen, als Austausch durch Kauf und Verkauf sind f\u00fcr die Kollektivwirtschaften gegenw\u00e4rtig nicht annehmbar. Darum sind Warenproduktion und Warenumlauf bei uns gegenw\u00e4rtig eine ebensolche Notwendigkeit, wie sie es beispielsweise vor drei\u00dfig Jahren waren, als Lenin die Notwendigkeit der allseitigen Entfaltung des Warenumlaufs verk\u00fcndete.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote227sym\" name=\"sdfootnote227anc\"><sup>227<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bauern zur kostenlosen Abgabe von Getreide und damit &#8211; aus ihrer Sicht &#8211; zur R\u00fcckkehr in feudale Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zu zwingen, war der Staat nach der Bauernbefreiung von 1861 und vor allem nach der Oktoberrevolution und den Jahren der NEP nicht in der Lage. Er mu\u00dfte die Pflichtablieferungen ankaufen, <i>der<\/i> <i>Form nach<\/i> also wie Waren behandeln. Nichtsdestotrotz fand hier kein \u00c4quivalentenaustausch zwischen Gleichen statt, sondern war Basis des Eigentumswechsels au\u00dfer\u00f6konomische Gewalt: die Kolchosbauern gaben den Gro\u00dfteil ihres Mehrprodukts zu den staatlich festgesetzten Niedrigpreisen nicht freiwillig an die Gesellschaft ab, sondern weil sie dazu gezwungen waren. Darum mu\u00dfte auch der Staat mindestens solange bestehenbleiben, wie ein au\u00dfer\u00f6konomisches Gewaltverh\u00e4ltnis notwendig war, um die Versorgung mit den notwendigen Getreidemengen zu sichern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russischen Bauern wurden durch die Kollektivierung keine abh\u00e4ngigen Lohnarbeiter, wie von Hunderten westlicher Sowjetforscher behauptet. Sie zahlten sich selber <i>als Eigent\u00fcmer<\/i> ihre Eink\u00fcnfte aus, entsprechend der Verk\u00e4ufe, die der Kolchos get\u00e4tigt hatte. Dasselbe ist mit der Hoflandproduktion der Fall. Beidemal steht das Gesamtprodukt im Eigentum des Produzenten, und beidemal wird das Mehrprodukt auf \u00e4hnliche Weise ent\u00e4u\u00dfert: teils als Zwangsabgabe, teils als Ware. Abgesehen von der qualitativ unterschiedlichen Form des Eigentums an den Produktionsmitteln (im Kolchos Eigentum der gesamten Gesellschaft) besteht der Unterschied darin, da\u00df das Hoflandprodukt im Privateigentum eines Individuums steht, w\u00e4hrend das Kolchosprodukt im Gesamteigentum der Kolchosmitglieder steht. Die kollektive Form der Produktion im Kolchos und das daraus resultierende Genossenschaftseigentum hat zur Folge, da\u00df der Erl\u00f6s f\u00fcr das Produkt nicht unmittelbar dem einzelnen Produzenten zugeht, sondern nach den daf\u00fcr festgelegten Regeln vom Kolchos verteilt wird. Daraus konnte der Schein der Lohnarbeit entstehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die neue Produktionsweise der Kolchosen sicherte die Verf\u00fcgung \u00fcber die Masse des \u00fcbersch\u00fcssigen Getreides. Was in der NEP gegen\u00fcber den Millionen von Einzelproduzenten mi\u00dflungen war, konnte jetzt realisiert werden, weil mithilfe der Kolchosform, dh. dem erneuten \u00dcbergang zu einer Art Gutswirtschaft, und durch die MTS die Einbringung und Verwendung der Ernte &#8211; in gro\u00dfen Z\u00fcgen jedenfalls &#8211; vom Staat kontrolliert und notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden konnte. Die Gesellschaft erhielt zu angemessenen Preisen das Getreide, das f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der St\u00e4dte und den Export ben\u00f6tigt wurde &#8211; mehr nicht, aber auch nicht weniger.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weil der Kolchos genossenschaftlich arbeitete und seine Lieferungen in den staatlichen Produktionsplan einbezogen waren, mochte es scheinen, als ob er sozialistisch produzieren w\u00fcrde. Aber die Kolchosbauern stellten ihr Produkt nicht als Gesellschaftseigentum her wie die st\u00e4dtischen Proletarier, sondern als Kolchoseigentum. Obwohl der Boden formal der Gesellschaft geh\u00f6rte und die Gesellschaft die Produktionsmittel f\u00fcr den Ackerbau bereitstellte, war sie nicht Eigent\u00fcmerin der damit hergestellten Erzeugnisse. Weil das Produkt des Kolchos <i>ihm selber<\/i> geh\u00f6rte und die Gesellschaft erst durch den Tauschakt &#8211; Ware gegen Geld &#8211; das Eigentum erhielt, stand der Kolchos <i>jenseits des Sozialismus<\/i>; er war <i>keine<\/i> &#8222;sozialistische Form der wirtschaftlichen Organisation&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote228sym\" name=\"sdfootnote228anc\"><sup>228<\/sup><\/a> Was Stalin dazu auf dem XVII.Parteitag 1934 ausf\u00fchrte, war falsch: &#8222;Die Tatsachen besagen, da\u00df unsere Sowjetbauernschaft endg\u00fcltig das Ufer des Kapitalismus verlassen hat und im Bunde mit der Arbeiterklasse dem Sozialismus zusteuert. Die Tatsachen besagen, da\u00df wir das Fundament der sozialistischen Gesellschaft bereits errichtet haben und da\u00df wir es nur noch durch die \u00dcberbauten kr\u00f6nen m\u00fcssen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote229sym\" name=\"sdfootnote229anc\"><sup>229<\/sup><\/a> Da\u00df der Kapitalismus auf dem Land vernichtet war, die Bauern also seine &#8222;Ufer&#8220; verlassen hatten, ist richtig. Aber das bedeutete noch nicht, da\u00df \u00f6konomisch bereits das &#8222;Fundament der sozialistischen Gesellschaft&#8220; gelegt war und nur noch der gesellschaftliche \u00dcberbau entwickelt werden mu\u00dfte. Beides war nicht ineins zu setzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Neue St\u00e4rke der Bauernschaft<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als nicht<i>kapitalistische<\/i> wie als nicht<i>sozialistische<\/i> Produktionsweise war die Produktionsweise des Kolchos gleicherma\u00dfen <i>unproduktiv<\/i>. Ihre statischen Tendenzen machten sich mehr oder weniger von Anfang an bemerkbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Getreideernte (Speicherernte) und staatliche<br \/>\nGetreidebeschaffung 1928-1935 (in Tsd.Doppelzentner)<br \/>\n(nach Lorenz, S.347)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <i>Ernte (alle<\/i> <i>Beschaffung<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> Kategorien insgesamt<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <i>landw.Betriebe)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1928 733 198 107 892<br \/>\n1929 717 415 160 812<br \/>\n1930 835 449 221 393<br \/>\n1931 694 840 228 389<br \/>\n1932 698 732 187 751<br \/>\n1933 683 975 232 854<br \/>\n1934 676 494 260 719<br \/>\n1935 750 163 295 994<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach wie vor der Kollektivierung verharrt die Getreideproduktion etwa zwischen 700 und 800 Mio Doppelzentnern. Erst f\u00fcr das Ende der 30er Jahre berichtet Stalin von einer gestiegenen Getreideernte im Vergleich zu vorher.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote230sym\" name=\"sdfootnote230anc\"><sup>230<\/sup><\/a> Aber auch unter Ber\u00fccksichtigung dieses Zuwachses mu\u00df festgestellt werden, da\u00df weder das Ende der dauernden Bodenumteilung noch die zunehmende Mechanisierung durch Traktoren und andere Agrarmaschinen die theoretisch zu erwartenden Produktivit\u00e4tsfortschritte mit sich brachte. Beides reichte offenbar gerade aus, um die Produktionsverluste durch den Untergang der bis dahin produktivsten Schicht &#8211; der Kulaken &#8211; und den Niedergang der Ukraine zu kompensieren. Dabei ist auch noch die Neulandgewinnung vor allem im S\u00fcden und S\u00fcdwesten zu ber\u00fccksichtigen, die die landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che von 113 Mio Hektar (1928) auf 134,4 Mio Hektar (1932) steigen lie\u00df<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote231sym\" name=\"sdfootnote231anc\"><sup>231<\/sup><\/a> und dementsprechend mehr Getreide erbrachte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Unterschiede im staatlichen Marktaufkommen sind dagegen gewaltig. Die niedrige Getreideeinbringung durch den Staat 1928 ist mit ihren Folgen der Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Stimmungsumschwung in den St\u00e4dten und den Angriff auf die Kulaken. Mit den Fortschritten der Kollektivierung steigt der staatliche Marktanteil am Getreide kontinuierlich, mit Ausnahme des Jahres 1932, in dem das Marktaufkommen zur\u00fcckgeht, obwohl die Ernte durchschnittlich ausf\u00e4llt. Der R\u00fcckgang h\u00e4ngt mit der Einf\u00fchrung des Kolchos-Getreidehandels in diesem Jahr, dh. mit der Erlaubnis zusammen, das eigene Getreide auf den lokalen M\u00e4rkten zu verkaufen. Das f\u00fchrte dazu, da\u00df die Kolchosen ihr Getreide dort soweit m\u00f6glich zu den h\u00f6heren Marktpreisen loszuschlagen versuchten, statt es dem Staat zu dessen niedrigen Preisen abzuliefern. Daraufhin durften sie erst dann frei verkaufen, wenn sie zuvor die festgelegten Mengen an den Staat pflichtverkauft hatten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Marktaufkommen an Getreide geht nach dieser Tabelle schlie\u00dflich auf 300 Mio Doppelzentner zu. Prozentual steigt es von 12% auf 40% des produzierten Getreides. Wo liegen die Ursachen f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen? Wie war es m\u00f6glich, von etwa gleichbleibenden oder nur geringf\u00fcgig steigenden Produktionsmengen einen um das Mehrfache steigenden Anteil an Getreide f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der St\u00e4dte und den Export abzusch\u00f6pfen? Eine konkrete Erkl\u00e4rung daf\u00fcr findet sich nirgendwo. Die Hungersnot 1932\/33 in bestimmten Gebieten abgerechnet, kann dies nicht auf Kosten der Ern\u00e4hrung der Bauern geschehen sein, da nach allen Berichten die Ern\u00e4hrung auf Dauer und im Ganzen besser und regelm\u00e4\u00dfiger wurde als vorher. Stattdessen m\u00fcssen andere Gr\u00fcnde ma\u00dfgeblich gewesen sein, etwa die folgenden:<br \/>\n&#8211; zum einen ging die agrarische Bev\u00f6lkerung zahlenm\u00e4\u00dfig zur\u00fcck, u.z. von 1927 bis 1952 um 10%,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote232sym\" name=\"sdfootnote232anc\"><sup>232<\/sup><\/a> nach anderen Angaben sogar um 20%; es gab also weniger Getreide-Esser auf dem Land;<br \/>\n&#8211; es wurde viel Vieh abgeschlachtet, das z.T. vorher ebenfalls Getreide bekommen hatte;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; durch bessere Lagerung, Transport und Verteilung wurde Getreide eingespart.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Genau genommen war die Kolchosproduktion im Vergleich zur vorangegangenen individuellen Produktionsweise also <i>produktiver<\/i> im Sinne der Lieferung eines <i>gr\u00f6\u00dferen Mehrprodukts<\/i>. In der Viehwirtschaft zeigte sich dieses Ph\u00e4nomen besonders deutlich. Nach dem Bericht Chruschtschows auf dem 20.Parteitag 1956 sank der Bestand an K\u00fchen zwischen 1927 und 1952 von 33,2 auf 24,3 Mio. St\u00fcck, aber die Milchlieferung f\u00fcr den Markt stieg von 4,3 Mio t auf 13,2 Mio t. Ebenso nahm der Viehbestand als Ganzes bis 1953 ab &#8211; mit Ausnahme einer leicht gestiegenen Anzahl von Schweinen -, aber die Fleischlieferungen stiegen von 2,4 auf 5 Mio t. Auch wenn das Vieh durch verbesserte Z\u00fcchtungen mehr Fleisch und Milch lieferte, wird das Ph\u00e4nomen des gewaltig gestiegenen Marktanteils nur relativiert, bleibt als solches aber bestehen. So stellte auch Stalin 1939 in seinem Rechenschaftsbericht an den XVIII.Parteitag nicht eine steigende Agrarproduktion als entscheidenden Zug der Kollektivierung heraus (obwohl er auch davon sprach), sondern sagte: &#8222;Der hohe Marktanteil der Produktion der Sowjet- und Kollektivwirtschaften ist &#8230; ihre wichtigste Besonderheit, die f\u00fcr die Versorgung des Landes von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote233sym\" name=\"sdfootnote233anc\"><sup>233<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Daraus resultierte eine unausweichliche Konsequenz: die Revolution mu\u00dfte die agrarischen Produktionsverh\u00e4ltnisse, die sie selber in den 30er Jahren geschaffen hatte, sp\u00e4ter wieder beseitigen, um die Produktivkr\u00e4fte zur Entfaltung zu bringen. Ansonsten bestand die Gefahr, da\u00df die Stagnation auch die industrielle Produktion des Proletariats ergreifen w\u00fcrde. Da eine Umw\u00e4lzung des Kolchos auf dem Weg des Kapitals versperrt war, mu\u00dfte dies auf dem Weg des Sozialismus geschehen. Das bedeutete die k\u00fcnftige Aufl\u00f6sung der Produktionsgenossenschaften: der Grund und Boden mu\u00dfte der selbstbestimmten Nutzungsbefugnis der Kolchosen entzogen und die Bauern zu Landarbeitern gemacht werden, deren Produkt von vornherein der Gesellschaft geh\u00f6rte. Die Umwandlung in Staatsg\u00fcter (Sowchosen), der Aufbau von Agrarfabriken und die Gr\u00fcndung von Agrost\u00e4dten waren dazu geeignete Schritte, die Maschinen-Traktor-Stationen waren Ansatzpunkte gesellschaftlicher Produktion, und die Entwicklung und der Ausbau der Agrarmaschinerie mu\u00dfte der Hebel sein, um auch die individuelle Hoflandproduktion zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ob allein \u00f6konomische Mittel zur Erreichung dieses Ziels ausreichten, ist dabei noch die Frage. War es aber notwendig, die \u00f6konomischen durch politische Ma\u00dfnahmen zu erg\u00e4nzen, so hatte sich mittlerweile auf diesem Weg eine gewaltige H\u00fcrde aufgebaut. Sozial betrachtet, beseitigte die Kollektivierung die b\u00fcrgerlichen Schranken der Oktoberrevolution um den Preis einer <i>St\u00e4rkung des Kerns der obscina-Bauernschaft<\/i>, n\u00e4mlich der Mittelbauern. Der entscheidende Unterschied zu vorher lag darin, da\u00df jetzt die <i>Klassengegens\u00e4tze im Dorf verschwunden<\/i> waren, die das Proletariat bis 1930 f\u00fcr seine Politik nutzen konnte. Nicht nur die Kulaken wurden als Klasse zerschlagen, auch die Dorfarmut verschwand. Aus der Kollektivierung ging eine <i>homogene<\/i> <i>Bauernschaft<\/i> hervor, gegen die es doppelt schwierig war, Ver\u00e4nderungen durchzusetzen. Die Bauernschaft <i>als Ganze<\/i> fand nunmehr, wie Stalin Anfang 1933 feststellte, in den Kollektivwirtschaften &#8222;die fertige Form einer Massenorganisation&#8220; vor<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote234sym\" name=\"sdfootnote234anc\"><sup>234<\/sup><\/a> und konnte sowohl mit der Sowjetmacht zusammenarbeiten als auch sich gegen die Sowjetmacht wenden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es gab darum ein Verbot f\u00fcr die Kolchosen, sich zusammenschlie\u00dfen; erst unter Gorbatschow wurde die Gr\u00fcndung einer Bauernunion zugelassen. Um die Bauern durch die Partei unter Kontrolle zu halten, wurden au\u00dferdem in den Maschinen-Traktor-Stationen &#8222;politische Abteilungen auf dem Lande&#8220; geschaffen. Aber auch die besten politischen Abteilungen konnten die Produktionsverh\u00e4ltnisse nicht \u00e4ndern, und <i>diese Produktionsverh\u00e4ltnisse bewirkten als scheinbar paradoxes Ergebnis der Kollektivierung, da\u00df die Bauernschaft <\/i><i><b>eine st\u00e4rkere Stellung als zuvor<\/b><\/i><i> innehatte.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>VI. Eine neue Arbeiterklasse<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend auf der einen Seite die Bauernschaft letztlich gest\u00e4rkt aus der Kollektivierung hervorging, fand auf der anderen Seite eine Verbauerung des Proletariats statt. Beides mu\u00dfte schlie\u00dflich auch Ver\u00e4nderungen im politischen und ideologischen \u00dcberbau nach sich ziehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Zwangsorganisation der Arbeit<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend des ersten, vorzeitig erf\u00fcllten F\u00fcnfjahrplans (1929-1932) stieg die Zahl der in der Schwerindustrie T\u00e4tigen von 3,4 auf 6,3 Mio. Die Zahl der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten insgesamt (einschlie\u00dflich der Landarbeiter in den Sowchosen der neu erschlossenen Getreide-Anbaugebiete) wuchs von 11,6 Mio im Jahr 1928 auf 22,3 Mio im Jahr 1933, verdoppelte sich also nahezu in 5 Jahren. 1941 waren es 31 Mio, was im Verlauf von 12 Jahren fast eine Verdreifachung bedeutete.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote235sym\" name=\"sdfootnote235anc\"><sup>235<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Jahr f\u00fcr Jahr str\u00f6mten Millionen vom Land in die neuen Industriezentren und die St\u00e4dte, die nun keine Angst vor dem Zuzug mehr haben mu\u00dften, sondern im Gegenteil nach Arbeitskr\u00e4ften schrien. &#8222;Diese neuen Massen von entwurzelten, geistig noch dem Dorf verhafteten Bauernarbeitern pr\u00e4gen das soziale Gesicht der drei\u00dfiger Jahre.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote236sym\" name=\"sdfootnote236anc\"><sup>236<\/sup><\/a> Bauern, Bauerns\u00f6hne und Bauernt\u00f6chter, ohne jede Berufsausbildung und h\u00e4ufig Analphabeten, kamen aus den Dorfgemeinden des tiefsten Ru\u00dfland in die industriellen Produktionsst\u00e4tten. Um die mitgebrachte Ziege zu f\u00fcttern, verlie\u00dfen sie alle paar Stunden die Fabrik; zum Mittagessen gingen sie nach Hause, wenn der Sonnenstand dies anzeigte, denn eine Uhr besa\u00dfen sie nicht. Gesellschaftlicher Produktionsweise fremd, wanderten sie auf der Suche nach besserer Arbeit und Entlohnung von Fabrik zu Fabrik.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber nicht nur die neuen Arbeiter vom Dorf taten dies. Die Fluktuation der alten Facharbeiter war genauso gro\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote237sym\" name=\"sdfootnote237anc\"><sup>237<\/sup><\/a> Zum Teil waren sie mit den neuen Verh\u00e4ltnissen in ihrer alten Fabrik unzufrieden, zum Teil suchten sie einfach besser bezahlte T\u00e4tigkeiten. Weil aber der Bedarf an ausgebildeten Arbeitern mit der Zahl der Neuank\u00f6mmlinge stieg und die Fabriken unter Aufbietung aller Mittel erfahrene Produktionsarbeiter suchten, hatten sie alle denkbaren Aufstiegsm\u00f6glichkeiten. In den Werken wechselte die Belegschaft statistisch jedes Jahr, teilweise noch \u00f6fter. &#8222;Nimmt man die Daten f\u00fcr die Gesamtindustrie als Durchschnittswerte, so hat jeder Arbeiter der sowjetischen Industrie in den vier Jahren des 1.F\u00fcnfjahrplans mindestens f\u00fcnfmal den Arbeitsplatz gewechselt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote238sym\" name=\"sdfootnote238anc\"><sup>238<\/sup><\/a> Die permanente Wanderbewegung rief &#8222;schwere Produktionsst\u00f6rungen hervor und verhinderte \u00fcberdies einen kontinuierlichen Erziehungsproze\u00df.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote239sym\" name=\"sdfootnote239anc\"><sup>239<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die erforderliche Arbeitsdisziplin konnte nur zwangsweise durchgesetzt werden. &#8222;Die gewaltsame, nun erst endg\u00fcltig vollzogene Trennung von Stadt und Land, die Trennung von gewerblicher und agrarischer Produktion, die planm\u00e4\u00dfige Erweiterung der Arbeitsteilung bedeutete f\u00fcr die Produzenten den Verlust von ebenso vielen Erg\u00e4nzungen ihres Lebensunterhalts &#8211; nicht zuletzt auf dem Lande selbst. (&#8230;) Um den wesentlich <i>\u00f6konomischen<\/i> Zwangsmechanismus der neuen Arbeitsverfassung in Gang zu setzen, bedurfte es des vorausgegangenen <i>au\u00dfer\u00f6konomischen<\/i> Zwangs, der in geraffter Form einen Proze\u00df nachholte, f\u00fcr den Westeuropa einige Jahrhunderte ben\u00f6tigt hatte: n\u00e4mlich die \u00dcberf\u00fchrung der Masse der Bev\u00f6lkerung in ein neues Wirtschaftssystem, ihre Unterordnung unter eine neue Arbeitsdisziplin.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote240sym\" name=\"sdfootnote240anc\"><sup>240<\/sup><\/a> Damit ging der<i> Staatskapitalismus<\/i> <i>der 20er Jahre zu Ende<\/i>.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das sowjetische Strafrecht richtete sich gegen &#8222;b\u00f6swillige Sch\u00e4diger&#8220; und &#8222;Produktionsdeserteure&#8220; und sah die Ahndung &#8222;b\u00f6swilliger Nichterf\u00fcllung eines mit einem \u00f6ffentlichen Betrieb abgeschlossenen Vertrags&#8220; vor (Art.131 Strafgesetzbuch der RSFSR).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote241sym\" name=\"sdfootnote241anc\"><sup>241<\/sup><\/a> Ende 1932 wurde der Inlandspa\u00df eingef\u00fchrt; ein Ortswechsel mu\u00dfte durch die Beh\u00f6rden genehmigt werden. Um innerhalb eines Orts den Wechsel von einem Betrieb zum anderen zu erschweren, gab es ab 1.1.1939 ein einheitliches Arbeitsbuch.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotz aller Stafandrohungen entzogen sich die Bauernarbeiter aber weiterhin der geregelten Produktion, was sich insbesondere auf die Schwerindustrie auswirkte und die Vorbereitung auf den herannahenden Krieg bedrohte. Am 26.Juni 1940, vier Tage nach dem Sieg Hitlerdeutschlands \u00fcber Frankreich und ein Jahr vor dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion, wurde per Erla\u00df der Siebenstundentag aufgehoben und die Freiheit des Arbeitsverh\u00e4ltnisses endg\u00fcltig beseitigt. Die Arbeit wurde unter Milit\u00e4rrecht gestellt, das Verlassen des Arbeitsplatzes wie Fahnenflucht geahndet. &#8222;Es bedurfte in der Tat selbst damals noch, wie der nachfolgende Kampf um die Verwirklichung des Juni-Dekrets bewies, des Rufes &gt;Hannibal ante portas&lt;, um endlich zu erzwingen, was zehn Jahre hindurch immer wieder im Anlauf stecken geblieben war, und den Generalangriff gegen die Freiz\u00fcgigkeit zum Ziel zu bringen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote242sym\" name=\"sdfootnote242anc\"><sup>242<\/sup><\/a> Auf diese Weise erfolgte die massenhafte Verwandlung von Bauern in Arbeiter innerhalb k\u00fcrzester Frist durch Gewalt, die als \u00f6konomische Potenz wirkte. Erst im Mai 1956 wurde die Unk\u00fcndbarkeit des Arbeitsverh\u00e4ltnisses wieder aufgehoben, allerdings die Freiz\u00fcgigkeit nur unvollst\u00e4ndig wiederhergestellt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gewerkschaften b\u00fc\u00dften ihre 1920 von Lenin in einer anderen Situation verteidigte Selbst\u00e4ndigkeit ein und wurden 1932 dem &#8222;Produktionsprinzip&#8220; unterworfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote243sym\" name=\"sdfootnote243anc\"><sup>243<\/sup><\/a> Ihre Aufgabe war nicht l\u00e4nger die Verteidigung der \u00f6konomischen Interessen der Arbeiter gegen\u00fcber staatskapitalistischen Betriebsf\u00fchrungen, sondern sie wurden darauf verpflichtet, die in den neuen F\u00fcnfjahrpl\u00e4nen gesteckten Produktionsziele zu erreichen. Ab 1935 trat an die Stelle des tarifvertraglich vereinbarten Lohns die Festsetzung der L\u00f6hne durch staatliche Regelung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote244sym\" name=\"sdfootnote244anc\"><sup>244<\/sup><\/a> Die Zwangsorganisation der Arbeit wurde erg\u00e4nzt durch die direkte Zwangsarbeit von Millionen von Menschen in Arbeitslagern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der zweite Wesenszug des Prozesses, in dem die menschliche Produktivkraft geformt wurde, war die <i>Durchsetzung des Leistungsprinzips<\/i> in der Produktion. Die Masse der neuen Bauernarbeiter &#8222;war gegen die Versuchung sozialistischer Utopien resistent, sie wurde eher durch das Angebot materieller Vorteile motiviert. Der Anreiz, sich zu qualifizieren und mehr zu verdienen, wurde denn auch in der Lohnpolitik der Jahre 1931 und 1932 verst\u00e4rkt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote245sym\" name=\"sdfootnote245anc\"><sup>245<\/sup><\/a> Im Juni 1931 stellte Stalin sechs Punkte f\u00fcr die Schaffung neuer Entwicklungsbedingungen der Industrie auf.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote246sym\" name=\"sdfootnote246anc\"><sup>246<\/sup><\/a> Dazu geh\u00f6rte u.a. die Durchsetzung von pers\u00f6nlicher Verantwortung in der Arbeit, die Herausbildung einer neuen technischen Intelligenz aus der Arbeiterklasse und die Ausweitung der Lohnunterschiede zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, um &#8222;einen festen Stamm von Arbeitern&#8220;, der &#8222;dem Betrieb dauernd erhalten&#8220; bleibt, heranzuziehen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote247sym\" name=\"sdfootnote247anc\"><sup>247<\/sup><\/a> &#8222;Also: <i>Die Fluktuation der Arbeitskraft beseitigen,<\/i> <i>die Gleichmacherei ausmerzen, den Arbeitslohn richtig organisieren, die Lebensverh\u00e4ltnisse der Arbeiter verbessern<\/i> &#8211; das ist die Aufgabe.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote248sym\" name=\"sdfootnote248anc\"><sup>248<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um das Leistungsdenken durchzusetzen, wurden &#8222;Sto\u00dfwettbewerbe&#8220; organisiert, aus denen Mitte der 30er Jahre die Stachanow-Bewegung hervorging. Der &#8222;sozialistische Wettbewerb&#8220; hatte mit gro\u00dfen Widerst\u00e4nden zu k\u00e4mpfen. Sto\u00dfarbeiter wurden isoliert, verpr\u00fcgelt oder sogar umgebracht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote249sym\" name=\"sdfootnote249anc\"><sup>249<\/sup><\/a> Der gleichmacherische Widerstand wurde von &#8222;linken&#8220; Tendenzen in der bestehenden Arbeiterbewegung getragen, die Anfang der 30er Jahre einen gro\u00dfen Aufschwung erfuhren. Mit Beginn der forcierten Industrialisierung entstanden in vielen Fabriken &#8222;Produktionskommunen&#8220; unterschiedlicher Gestalt, spontan gebildet meist aus jungen Arbeitern. Sie wohnten z.T. zusammen, \u00fcbernahmen Arbeitsauftr\u00e4ge als Kollektiv und erhielten auch den Lohn gemeinsam, der in den am weitesten entwickelten Kollektiven an alle &#8222;Kommunarden&#8220; zu gleichen Teilen weitergezahlt wurde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote250sym\" name=\"sdfootnote250anc\"><sup>250<\/sup><\/a> 1931 waren ca. 330 000 von 4,6 Mio. Industriearbeitern in derartigen Produktionskommunen organisiert. Diese Teile der Arbeiterbewegung registrierten nicht, da\u00df die in die Fabriken str\u00f6menden l\u00e4ndlichen Massen ein anderes Bewu\u00dftsein und vor allem andere Produktionskenntnisse &#8211; n\u00e4mlich keine &#8211; hatten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In einer Unterredung mit dem Schriftsteller Emil Ludwig bemerkte Stalin 1932: &#8222;Die Quelle der Gleichmacherei ist die individuelle b\u00e4uerliche Denkweise, die Auffassung, da\u00df alle G\u00fcter gleichm\u00e4\u00dfig verteilt werden m\u00fc\u00dften, die Mentalit\u00e4t des primitiven Bauern&gt;kommunismus&lt;.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote251sym\" name=\"sdfootnote251anc\"><sup>251<\/sup><\/a> Die Gleichheit der Dorfgemeinde, in aller Regel als Gleichheit in der Dumpfheit, dem Schlendrian und der Tr\u00e4gheit wirkend, war von den russischen Sozialrevolution\u00e4ren stets als Ansatz f\u00fcr den direkten \u00dcbergang in den Sozialismus verkl\u00e4rt worden. Dieses Denken war traditionell weit verbreitet. In der Partei verkn\u00fcpfte es sich mit linken Str\u00f6mungen aus der Tradition des Kriegskommunismus, die das Endziel des Kommunismus jetzt zum Greifen nahe sahen &#8211; bis sie in der zweiten H\u00e4lfte der drei\u00dfiger Jahre in den gro\u00dfen S\u00e4uberungen vernichtet wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Formierung der entscheidenden Produktivkraft, des Menschen selber, bildete den besten N\u00e4hrboden f\u00fcr alle Arten von Subjektivismus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Ein b\u00e4uerliches Massenproletariat<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die 1929 eingeleiteten Ver\u00e4nderungen zwangen &#8222;Dutzende von V\u00f6lkern &#8211; darunter Bauern auf dem Niveau der Dreifelderwirtschaft, Viehzuchtnomaden auf nahezu alttestamentarischer Stufe, entlegene J\u00e4ger- und Fischerv\u00f6lker an der Schwelle pr\u00e4historischen Daseins &#8211; zu v\u00f6lliger Ver\u00e4nderung ihrer Lebens-, Arbeits- und Denkweise&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote252sym\" name=\"sdfootnote252anc\"><sup>252<\/sup><\/a> So wurden \u00f6konomische Voraussetzungen f\u00fcr das gleichberechtigte Zusammenleben der verschiedenen V\u00f6lkerschaften und Nationalit\u00e4ten geschaffen. Das noch wichtigere Ergebnis der Umw\u00e4lzungen aber war, da\u00df aus ihnen eine neue Arbeiterklasse hervorging. Das Proletariat, das Oktoberrevolution und B\u00fcrgerkrieg mitgemacht hatte und 1929 mit der Partei den gro\u00dfen Sprung machte, war ein allm\u00e4hlich gewachsenes und trotz aller b\u00e4uerlichen Beziehungen relativ kultiviertes st\u00e4dtisches Proletariat gewesen. Das neue Proletariat, das jetzt an seine Stelle trat, war dagegen ein b\u00e4uerlich-barbarisches Proletariat.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gro\u00dfe Teile der alten Arbeiterklasse stiegen in F\u00fchrungspositionen auf. Von 1930 bis 1933 wuchs das Leitungspersonal in der Schwerindustrie von 125.000 auf 362.000 Personen. Nahezu zwei Drittel der leitenden Kr\u00e4fte von 1933 waren dementsprechend erst nach 1930 auf ihre Posten gekommen. Auf die ganze Industrie bezogen, waren &#8222;in einer Frist von f\u00fcnf Jahren &#8211; 1928 bis 1933 &#8211; &#8230; gewi\u00df mehr als eine halbe Million, z\u00e4hlt man die Studenten hinzu, \u00fcber 1,5 Millionen Personen neu in F\u00fchrungspositionen aufgestiegen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote253sym\" name=\"sdfootnote253anc\"><sup>253<\/sup><\/a> 40% des schwerindustriellen Leitungspersonals im Jahr 1933 waren sogenannte &#8222;Praktiker&#8220; aus dem Betrieb, die ohne Hoch- oder Fachschulausbildung nach 1928 in F\u00fchrungspositionen aufgestiegen waren. Hinzugenommen werden mu\u00df, da\u00df 26% des F\u00fchrungspersonals von 1933 erst nach 1928 ein Hoch- oder Fachschulstudium abgeschlossen hatte, das hei\u00dft zu der neuen Generation geh\u00f6rte, die massenhaft aus Arbeiter- und Bauernfamilien in die neuen Hochschulen gegangen war und nach dem Abschlu\u00df sofort eine Leitungst\u00e4tigkeit \u00fcbernehmen mu\u00dfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Altes&#8220; und &#8222;neues&#8220; F\u00fchrungspersonal (in %)<br \/>\nin Volkswirtschaft und Verwaltung 1.11.1933<br \/>\n(Tabelle nach Schr\u00f6der 1988, S.272)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <i>Schwer<\/i>&#8211; <i>Ganze<\/i> <i>Fach-<\/i><br \/>\n<i>industrie<\/i> <i>Industrie<\/i> <i>leute<\/i><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Hoch- und Fachschulabschlu\u00df<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> &#8211; vor 1928 18,8 18,3 21,5<br \/>\n&#8211; nach 1928 25,8 22,7 21,3<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Praktiker<\/i><br \/>\n&#8211; Aufstieg vor 1928 15,6 zus. zus.<br \/>\n&#8211; Aufstieg nach 1928 39,7 59,0 57,2<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n99,9% 100,0% 100,0%<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dabei handelt es sich um die Zahlen von Ende 1933. Bis zum Beginn des 2.Weltkriegs setzte sich der Proze\u00df fort, der teils im blo\u00dfen Arbeitsplatzwechsel auf der Suche nach besserer Arbeit, teils im pers\u00f6nlichem Aufstieg zu h\u00f6heren Funktionen den bis dahin relativ homogenen Kern der Arbeiterklasse aufl\u00f6ste. &#8222;Das Wachstum der Betriebe und die Unf\u00e4higkeit der Betriebe, ihren alten Arbeiterstamm bei der Stange zu halten, f\u00fchrten dazu, da\u00df der Kader verlorenging, der in politisch-psychologischer Hinsicht und in technischer die neuen Arbeiter h\u00e4tte &gt;einrahmen&lt; und integrieren k\u00f6nnen. Das mu\u00dfte sowohl dazu f\u00fchren, da\u00df sich bei Durchsetzung von industrieller Arbeitshaltung, Disziplin, Genauigkeit und P\u00fcnktlichkeit Komplikationen ergaben, als auch dazu, da\u00df Traditionen der Interessenvertretung und des politischen Verhaltens nicht mehr weitergegeben wurden. Die &gt;neue Arbeiterklasse&lt;, die in der forcierten Industrialisierung entstand, war geschichtslos.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote254sym\" name=\"sdfootnote254anc\"><sup>254<\/sup><\/a> Die neue Arbeiterklasse, die an ihre Stelle trat, bildete sich aus Bruchst\u00fccken des alten Proletariats und aus Bauern, die wahrscheinlich haupts\u00e4chlich der Dorfarmut, daneben der Mittelbauernschaft entstammten, teils aber auch zwangsweise aus dem Dorf vertriebene Kulaken waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht nur die alte Arbeiterklasse, sondern auch die alte Intelligenz wurde v\u00f6llig umgekrempelt. Die Zahlen der Geistesarbeiter geben die massenhafte Heranbildung einer neuen Intelligenz wider, die f\u00fcr die Industrialisierung und die Verwaltung des Staats ben\u00f6tigt wurde. Sie kam im Gegensatz zur alten Intelligenz millionenfach aus Arbeiter- und Bauernfamilien in die neuen Hochschulen und Fachschulen und aus ihnen wieder heraus. 1926 wurden 2,9 Mio nicht manuell T\u00e4tige gez\u00e4hlt, 1939 waren es 13,8 Mio; das bedeutet fast eine Verf\u00fcnffachung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote255sym\" name=\"sdfootnote255anc\"><sup>255<\/sup><\/a> Diese neue Intelligenz war nicht zu vergleichen mit ihrer Vorg\u00e4ngerin, die unter dem Zarismus und &#8211; mit Abstrichen &#8211; w\u00e4hrend der NEP die Kader f\u00fcr Wirtschaft und Verwaltung gestellt hatte und in den politischen Auseinandersetzungen zwischen Zarismus, b\u00fcrgerlicher Politik und Sozialismus, zwischen &#8222;legalen&#8220; und revolution\u00e4ren Marxisten, Menschewiki und Bolschewiki, Kriegskommunismus und NEP gro\u00dfgeworden war. Neben dem &#8222;qualvollen Proze\u00df der Differenzierung und Aufl\u00f6sung der alten Intelligenz vollzog sich der st\u00fcrmische Proze\u00df der Formierung, Mobilisierung und Sammlung der Kr\u00e4fte der neuen Intelligenz. Hunderttausende junger Menschen, hervorgegangen aus den Reihen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der werkt\u00e4tigen Intelligenz, gingen in die Hochschulen und Techniken (gemeint sind wahrscheinlich die technischen Fachschulen; d.V.) und f\u00fcllten nach Beendigung der Schulen die gelichteten Reihen der Intelligenz auf. (&#8230;) Die \u00dcberreste der alten Intelligenz gingen in der neuen, der Volksintelligenz, der Sowjetintelligenz auf. Auf diese Weise entstand eine neue, die Sowjetintelligenz, die mit dem Volke eng verbunden und in ihrer Masse bereit ist, ihm treu und ehrlich zu dienen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote256sym\" name=\"sdfootnote256anc\"><sup>256<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit l\u00f6ste sich auch die soziale Basis f\u00fcr die trotzkistische Opposition auf. &#8222;Die kulturellen und politischen Charakterz\u00fcge dieser neuen Intelligenz waren von denen der alten Intelligenz ganz und gar verschieden, die einst in der Zarenzeit die Flamme der Revolution erhalten und die Republik der Arbeiter und Bauern in den ersten Jahren ihres Bestehens auf neue Wege geleitet hatte,&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote257sym\" name=\"sdfootnote257anc\"><sup>257<\/sup><\/a> schreibt Deutscher in Wiedergabe der resignierten Feststellungen Trotzkis. Nach seiner Verbannung aus Ru\u00dfland gab Trotzki eine kleine periodische Zeitschrift mit dem Titel &#8222;Bulletin der Opposition&#8220; heraus. &#8222;Im Gegensatz zu den Druckschriften, die einst in den bolschewistischen Geheimdruckereien hergestellt wurden, kamen Trotzkis Bl\u00e4tter wahrscheinlich nie in die H\u00e4nde der russischen Arbeiter, aber sie wurden daf\u00fcr um so bedenkenloser unter den hohen Sowjetbeamten und den einflu\u00dfreichen Parteimitgliedern verbreitet&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote258sym\" name=\"sdfootnote258anc\"><sup>258<\/sup><\/a> Er wurde nur noch von den linken Vertretern der alten Intelligenz verstanden, aber nicht von der neuen Bauern-Arbeiter-Intelligenz, geschweige denn von der neuen Arbeiterklasse.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Untersuchungen wird darauf hingewiesen, da\u00df der Reallohn in den Jahren nach 1930 zur\u00fcckging, weil der Rubel an Wert verlor. Bis dahin war der Reallohn stetig gestiegen; 1927\/28 war er etwa dreimal so hoch wie 1921 und ein Jahr zuvor (1926\/27) hatte er in den meisten Produktionszweigen das Vorkriegsniveau erreicht, zum Teil auch \u00fcberschritten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote259sym\" name=\"sdfootnote259anc\"><sup>259<\/sup><\/a> &#8222;Die materielle Lage der Arbeiter verschlechterte sich seit 1929\/30 rapide, der Reallohn sank, Wohnraum fehlte, die Versorgung mit Lebensmitteln stockte immer wieder. Im Betrieb war die F\u00fcnfjahrplanperiode durch zunehmende Arbeitshetze, durch Einf\u00fchrung neuer Technologien und Durchsetzung von Rationalisierung bestimmt&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote260sym\" name=\"sdfootnote260anc\"><sup>260<\/sup><\/a> Darum stellt sich die Frage, warum die Arbeiter darauf nicht reagierten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Tats\u00e4chlich wurde diese Reallohnsenkung von ihnen nicht unbedingt erfahren, weil nur ein geringer Teil davon praktisch betroffen war. F\u00fcr die Massen der neuen Bauernarbeiter bedeutete die Arbeit in der Fabrik allemal einen Fortschritt im Vergleich zum Dorf. Wenn die L\u00f6hne im Vergleich zum Ausgang der 20er Jahre zur\u00fcckgingen, bemerkten sie es nicht, weil sie von Anfang an auf einem niedrigeren Lohnniveau eingestellt wurden. Gro\u00dfe Teile der alten Arbeiterklasse dagegen \u00fcbernahmen f\u00fchrende Positionen in den Betrieben und erfuhren die Entwicklung trotz zeitweiser Engp\u00e4sse also ebenfalls als pers\u00f6nlichen Aufstieg.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor allem aber gab es trotz aller Schwierigkeiten und pers\u00f6nlichen N\u00f6te eine allgemeine Aufbruchstimmung der Arbeiterklasse zur Verwirklichung der Industrialisierung und des Sozialismus. Die Parteif\u00fchrung verstand es, &#8222;neuartige Wege der Massenf\u00fchrung durch Weckung von Enthusiasmus und kollektivem Opfergeist zu beschreiten. In solchen Lagen ist aber die Grenze zwischen Freiwilligkeit und Zwang kaum zu ziehen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote261sym\" name=\"sdfootnote261anc\"><sup>261<\/sup><\/a> Medwedew schreibt demgegen\u00fcber: &#8222;Das von Stalin geschaffene System der pers\u00f6nlichen Diktatur war komplex und stark. Sein Fundament waren die irregef\u00fchrten Massen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote262sym\" name=\"sdfootnote262anc\"><sup>262<\/sup><\/a> Bewu\u00dft oder unbewu\u00dft angelehnt an die kritische Theorie, begreift er die Verankerung der Stalinschen Herrschaft als Manipulation der Massen. Richtig ist, da\u00df die Stalinsche Politik tats\u00e4chlich von den Massen getragen wurde, die aber nicht &#8222;irregef\u00fchrt&#8220; waren, sondern nach \u00dcberwindung der gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten um das Jahr 1930 herum im t\u00e4glichen Leben und auf der Arbeit realisierten, da\u00df es aufw\u00e4rts ging. Darum verehrten sie auch den Repr\u00e4sentanten der Politik, die dies garantierte. Diese Masse der neuen Bauernarbeiter zusammen mit den aufgestiegenen Teilen der alten Arbeiterklasse und der neuen Arbeiter-Bauern-Intelligenz bildete den Klassenkern unter F\u00fchrung Stalins, der die Sowjetunion trug.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die Industrialisierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Industrialisierung, die als Ergebnis des siegreichen Klassenkampfs gegen die Kulaken mit der Schwerindustrie als Schrittmacher einsetzte, lie\u00df die bisherigen Produktionsstandorte in Ru\u00dfland und der Ukraine hinter sich, ergriff alle Republiken des Sowjetstaats und stampfte v\u00f6llig neue Industriezentren und St\u00e4dte aus dem Boden. &#8222;In der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts war nur der Stahlproduktion wirtschaftsraumbildende Kraft zuzusprechen. Eurasien war dementsprechend durch eine tunlichst gleichm\u00e4\u00dfig gestreute, bei zunehmender Raumtiefe freilich zunehmend kostenung\u00fcnstige Verteilung von Stahlzentren zu erschlie\u00dfen. &gt;Elektrifizierung&lt; an sich h\u00e4tte keine vergleichbare Wirkung hervorbringen k\u00f6nnen. Das wu\u00dfte auch Lenin. Der erste Schritt in dieser Richtung (war) die gegenl\u00e4ufige Verbindung der Uralerze mit der Kuznetskohle \u00fcber 1000 Eisenbahnkilometer&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote263sym\" name=\"sdfootnote263anc\"><sup>263<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als erstes und wichtigstes waren Traktoren herzustellen. Sie mu\u00dften das Zugvieh ersetzen, das die Kulaken abgeschlachtet hatten und worauf die Bauern angewiesen waren. Ohne eine gen\u00fcgende Anzahl von Traktoren war weder die Getreideversorgung zu sichern noch die Kollektivierung zu stabilisieren. Von 35.000 vorhandenen Traktoren 1929 wuchs der Bestand auf 72.000 im Jahr 1930, 125.000 im Jahre 1931 und 204.000 im Jahre 1933.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote264sym\" name=\"sdfootnote264anc\"><sup>264<\/sup><\/a> Die Industrieproduktion insgesamt betrug am Vorabend des 2.Weltkriegs ein Mehrfaches der Produktion vor dem 1.Weltkrieg.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Wachstum der Industrieproduktion insgesamt<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> 1913 1917 1940<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gesamte Industrie 1 0,7 7,7<br \/>\nSchwerindustrie 1 0,8 13,0<br \/>\nLeichtindustrie 1 0,7 4,6<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(offizielle sowjetische Angaben nach: Lorenz S.354)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar wird das Wachstum im Westen unterschiedlich berechnet, aber &#8222;selbst die niedrigste Einsch\u00e4tzung zeigt ein die historischen Wachstumskoeffizienten der alten Industriestaaten weit \u00fcberragendes Ergebnis.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote265sym\" name=\"sdfootnote265anc\"><sup>265<\/sup><\/a> Obwohl im 2.Weltkrieg der \u00fcberwiegende Teil der Produktionsst\u00e4tten und die fruchtbarsten Anbaugebiete vom Gegner erobert wurden, gelang es, die Versorgung des Volkes aufrechtzuerhalten und die deutsche R\u00fcstungsindustrie im Kriegsverlauf zu \u00fcberfl\u00fcgeln, so da\u00df auch unabh\u00e4ngig von den alliierten Hilfslieferungen der Sieg erreicht werden konnte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote266sym\" name=\"sdfootnote266anc\"><sup>266<\/sup><\/a> Anders als Ru\u00dfland in den vorangegangenen drei Kriegen seit 1859 (Krim-Krieg) ging die Sowjetunion diesmal als Sieger aus dem 2.Weltkrieg hervor.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Resultat der Industrialisierung war das sprunghafte Wachstum der St\u00e4dte. Es gr\u00fcndete sich nicht auf deklassierte Bauern, die subproletarische Millionenslums in den Vororten bildeten, sondern auf dringend ben\u00f6tigte b\u00e4uerliche Arbeitskr\u00e4fte, f\u00fcr die gewaltige Wohnungsbauprogramme durchgef\u00fchrt wurden, auch wenn die Wohnungsnot zeitweise sehr gro\u00df war. 1929 lebten bei 154 Mio Bev\u00f6lkerung nur 28 Mio in den St\u00e4dten. Das war derselbe Prozentsatz von etwa 18% der Bev\u00f6lkerung wie vor dem 1.Weltkrieg; bis Ende der 20er Jahre hatte die Industrialisierung also keine merkliche gesellschaftliche Umw\u00e4lzung vollbracht. Dagegen lebten 1933 bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von 166 Mio schon 40 Mio, dh. ein knappes Viertel, in den St\u00e4dten. 1939 waren es mit 56 von 171 Mio ein Drittel.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote267sym\" name=\"sdfootnote267anc\"><sup>267<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>VII. Vom Arbeiterstaat zum Arbeiter- und Bauernstaat<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben die \u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen traten Mitte der drei\u00dfiger Jahre weitreichende politische Umw\u00e4lzungen im Verh\u00e4ltnis zur Bauernschaft. Durch die Aufschlie\u00dfung der Dorfgemeinden und das Niederrei\u00dfen der bis dahin bestehenden Schranken zwischen Stadt und Land mu\u00dfte sich der Staat, bis dahin ein Arbeiterstaat, den Bauern \u00f6ffnen. In den 30er Jahren bestimmte die Auseinandersetzung um die damit zusammenh\u00e4ngenden Fragen die Parteik\u00e4mpfe &#8211; diesmal zwischen Stalin und den &#8222;Linken&#8220;. H\u00f6hepunkt war die &#8222;gro\u00dfe S\u00e4uberung&#8220;. Zus\u00e4tzlich komplizierte die Versch\u00e4rfung der Weltlage die Situation und verschaffte der Armee eine vorher nicht gekannte Bedeutung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Der Vormarsch der Bauern in Staat und Armee<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn die Kulaken geschlagen waren, keine Ausbeutung auf dem Land mehr herrschte, die Bauernschaft &#8222;sozialistisch&#8220; produzierte und also kein wesentlicher Unterschied zum st\u00e4dtischen Proletariat mehr existierte, dann bestand kein Grund, den Bauern l\u00e4nger die Gleichberechtigung im Staat zu verweigern. Die Wahlrechtseinschr\u00e4nkung war nur so lange zu rechtfertigen, wie die NEP praktiziert wurde und das Dorf von den Kulaken dominiert war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hinzu kam die Entwicklung der au\u00dfenpolitischen Situation. Mitte der 30er Jahre zeichnete sich ab, da\u00df es bald zu einem erneuten gro\u00dfen Krieg kommen w\u00fcrde. In Deutschland verfolgten die seit Anfang 1933 an der Macht befindlichen Nazis einen rigorosen Aufr\u00fcstungskurs. Anfangs noch bedrohlicher war die Expansionspolitik Japans im Fernen Osten, die zunehmende Spannungen bis hin zu milit\u00e4rischen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen sowjetischen und japanischen Truppen hervorrief. Wegen der Kriegsgefahr im Fernen Osten wurde u.a. die Kollektivierung in dieser Region verlangsamt. &#8222;Der Oberbefehlshaber im Fernen Osten, General Bl\u00fccher, lehnte die Verantwortung f\u00fcr den Schutz der fern\u00f6stlichen Grenze ab, wenn in den Grenzbezirken die Kollektivierung durchgef\u00fchrt werde. Woroschilow unterst\u00fctzte Bl\u00fcchers Standpunkt im Politb\u00fcro und erreichte es auch, da\u00df die Bauern im Fernen Osten nicht in Kolchosen gepre\u00dft wurden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote268sym\" name=\"sdfootnote268anc\"><sup>268<\/sup><\/a> Im Dezember 1933 wurde ein Dekret \u00fcber die Sonderstellung der fern\u00f6stlichen Gebiete erlassen. Die Kollektivierung der dort verbreiteten Nomadenv\u00f6lker wurde verlangsamt, Kolchosen und Individualwirtschaften auf 10 bzw. 5 Jahre von den Zwangsablieferungen an den Staat befreit, um zugleich Anreize zur \u00dcbersiedelung aus den \u00fcberv\u00f6lkerten westlichen Gebieten zwecks Grenzsicherung gegen Japan zu geben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote269sym\" name=\"sdfootnote269anc\"><sup>269<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Entscheidend aber waren die Bauern Zentralru\u00dflands. Ohne sie, nach wie vor die Masse der Bev\u00f6lkerung, war ein k\u00fcnftiger Krieg nicht zu gewinnen. Ende 1936 hob eine neue, &#8222;Stalinsche&#8220; Verfassung das bisherige Mehrklassenwahlrecht auf, das der st\u00e4dtischen Arbeiterklasse die politische Vorherrschaft gesichert hatte. In einer grundlegenden Rede \u00fcber den Verfassungsentwurf f\u00fchrte Stalin zur Begr\u00fcndung aus, da\u00df die Klassenstruktur der Sowjetunion sich grundlegend gewandelt habe. Die Arbeiterklasse sei von Ausbeutung frei, die Intelligenz eine &#8222;v\u00f6llig neue, werkt\u00e4tige Intelligenz&#8220;, und die Bauernschaft bestehe nicht mehr aus Kleinproduzenten, sondern sei als werkt\u00e4tige Kollektivbauernschaft eine &#8222;v\u00f6llig neue Bauernschaft&#8220;. Der Klassenantagonismus sei bereits \u00fcberwunden, und die verbliebenen \u00f6konomischen und politischen Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen w\u00fcrden ebenfalls mehr und mehr verschwinden. Arbeiter, Intelligenz und Bauern seien gemeinsam dabei, &#8222;an demselben Strang ziehend, die neue, die klassenlose, sozialistische Gesellschaft&#8220; aufzubauen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote270sym\" name=\"sdfootnote270anc\"><sup>270<\/sup><\/a> Alle Sowjetb\u00fcrger erhielten das gleiche Wahlrecht, auch die ehemaligen NEP-M\u00e4nner und Kulaken ebenso wie die verbliebenen Adeligen, die vorher von den Wahlen ganz ausgeschlossen waren. Vor allem aber erhielten die Bauern, die immer noch die breite Mehrheit der Bev\u00f6lkerung stellten, jetzt gleiche Stimmen und damit die Mitentscheidung \u00fcber die Zukunft des Landes.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Eintritt der Bauern ins politische Leben wie zuvor die b\u00e4uerliche Umformung des anschwellenden Proletariats hatten sich z.T. schon vor der neuen Verfassung bemerkbar gemacht, zum Teil taten sie es un\u00fcbersehbar in den folgenden Jahren: per Familiengesetz von 1936 wurde die Ehescheidung erschwert, Abtreibungen wurden verboten, die Homosexualit\u00e4t wurde wieder strafbar, und in der Kultur setzte sich im Lauf der Zeit unter dem Mantel des &#8222;sozialistischen Realismus&#8220; eine Bauernkunst durch, die nicht zuf\u00e4llig \u00c4hnlichkeiten mit der Nazikunst aufwies.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zugleich mit der neuen Verfassung wurde die Armee aus- und umgebaut. Nach Beendigung des B\u00fcrgerkriegs war die Armee bis 1924 von 5,5 Mio auf etwas \u00fcber 500.000 Mann reduziert worden, verbunden mit einer Milit\u00e4rreform, n\u00e4mlich der Umwandlung in eine territoriale Milizarmee. Die Grenzverb\u00e4nde, die technischen Truppen und die Flotte hatten ihre volle Mannschaftsst\u00e4rke behalten. Die Masse der Kampftruppen dagegen (Sch\u00fctzen- und einzelne Kavallerieverb\u00e4nde) war auf knapp 20% ihres Personalbestands zur\u00fcckgef\u00fchrt worden, erg\u00e4nzt durch eine landwehrartige Territorialmiliz, die in kurzen \u00dcbungen ausgebildet wurde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote271sym\" name=\"sdfootnote271anc\"><sup>271<\/sup><\/a> Die weiterhin voll einsatzf\u00e4higen Grenzschutzverb\u00e4nde sowie die Kadertruppen der Milizeinheiten hatten einen hohen Arbeiteranteil, schon deswegen, weil der Umgang mit der Technik das erforderte. Die Bauern dagegen dienten im wesentlichen in der Territorialmiliz, wo sie im Lauf von f\u00fcnf Jahren in kurzen j\u00e4hrlichen \u00dcbungen ausgebildet wurden. 30% der Angeh\u00f6rigen der Roten Armee waren 1926 in der Partei oder im Jugendverband organisiert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote272sym\" name=\"sdfootnote272anc\"><sup>272<\/sup><\/a> Gef\u00fchrt von dem &#8222;roten&#8220; Offizierskader des B\u00fcrgerkriegs, war durch die neue Struktur klassenm\u00e4\u00dfig der proletarische Charakter der Armee sichergestellt. Hand in Hand mit der Reform hatte man deshalb die Politischen Kommissare abschaffen k\u00f6nnen, die in der Bauernarmee des B\u00fcrgerkriegs die aus der zaristischen Armee \u00fcbernommenen Offiziere unter Kontrolle gehalten hatten, indem ohne ihre Zustimmung keine milit\u00e4rische Entscheidung getroffen werden durfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die solcherart proletarisch gewordene Armee hatte die Kollektivierung \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht, indem sie trotz der jahrelangen innenpolitischen Unruhe Gewehr bei Fu\u00df blieb und nicht zugunsten der Kulaken eingriff, um die Stabilit\u00e4t wiederherzustellen, wie Trotzki und andere das vorhersagten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mitte der 30er Jahre nunmehr wurde durch eine erneute Milit\u00e4rreform wieder ein stehendes Heer geschaffen. Wenn das \u00dcbergewicht der Bauernschaft \u00fcber das Proletariat auch nicht mehr so erdr\u00fcckend wie zu Beginn der 20er Jahre war, war es doch gro\u00df genug. Zwischen 1933 und 1938 stieg die Mannschaftsst\u00e4rke von 885.000 auf 1,5 Mio.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote273sym\" name=\"sdfootnote273anc\"><sup>273<\/sup><\/a> Im Jahr 1937, als Japan gerade die Mandschurei eroberte, kamen 45% der Soldaten der &#8222;Arbeiter- und Bauernarmee&#8220; aus der Arbeiterklasse, (Unteroffiziere: 50%),<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote274sym\" name=\"sdfootnote274anc\"><sup>274<\/sup><\/a> weil beim Waffendienst nach wie vor Arbeiter bevorzugt wurden. 1939 beseitigte ein neues Gesetz \u00fcber die allgemeine Wehrpflicht die noch bestehenden Klassenbeschr\u00e4nkungen bei der Einberufung zum Wehrdienst.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote275sym\" name=\"sdfootnote275anc\"><sup>275<\/sup><\/a> Die 4,2 Millionen Mann, die die Rote Armee 1941 umfa\u00dfte, waren haupts\u00e4chlich Bauern, weil diese in der Gesellschaft nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig das \u00dcbergewicht hatten, sondern viele Arbeiter gleichzeitig f\u00fcr die Steigerung der Produktion ben\u00f6tigt wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Gegen den Strom in der Partei<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Solange auf dem Land schwerpunktm\u00e4\u00dfig die Kulaken verfolgt wurden, richtete sich der innerparteiliche Kampf gegen die Anh\u00e4nger der Bucharinschen Linie. Die &#8222;Abweichungen&#8220; und &#8222;Oppositionsgruppen&#8220;, die 1930-1933 verfolgt wurden, verfochten &#8222;durchweg &gt;rechte&lt; L\u00f6sungen, die auf Verlangsamung des Industrialisierungstempos und vorsichtigeren Umgang mit den Bauern abzielten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote276sym\" name=\"sdfootnote276anc\"><sup>276<\/sup><\/a> Insgesamt wurden aber nur einzelne Parteimitglieder getroffen, und die verh\u00e4ngten Strafen waren nicht schwer. Nachdem die &#8222;Rechten&#8220; keinerlei Gefahr mehr darstellten, konnte sogar ihr Kopf, Bucharin, wieder an f\u00fchrender Stelle politisch aktiv sein, weil er keine organisierte Opposition anf\u00fchrte. Er arbeitete am Entwurf der Sowjetverfassung von 1936 mit und war &#8211; seit Februar 1934 &#8211; als Chefredakteur der Iswestija t\u00e4tig, bis er Anfang 1937 verhaftet wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beim Vorgehen gegen die Rechten hatten Stalin und die Linken Schulter an Schulter gestanden, diejenigen Linken vorweg, die nach 1925 in die Opposition gegangen waren und jetzt wieder Parteiarbeit \u00fcbernahmen. In der Agrarpolitik waren die Differenzen aber un\u00fcberbr\u00fcckbar. Gegen welche Widerst\u00e4nde, wahrscheinlich sogar Parteimehrheiten derjenigen, die im \u00dcberschwang von 1929 nicht bei der Beseitigung der Kulaken stehenbleiben, sondern zur Agrarkommune durchmarschieren wollten, das Parteizentrum unter Stalin eine realit\u00e4tstaugliche Bauernpolitik durchsetzen mu\u00dfte, wird im &#8222;Kurzen Lehrgang&#8220; der Geschichte der KPdSU angedeutet: &#8222;Es bedurfte der gr\u00f6\u00dften Festigkeit des Zentralkomitees, der F\u00e4higkeit, sich <i>gegen<\/i> <i>den Strom<\/i> zu stellen, um einen bedeutenden Teil der Parteikader, denjenigen Teil, der von den Erfolgen hingerissen, j\u00e4hlings hinabglitt und von der Parteilinie abgetrieben wurde, rechtzeitig auf den richtigen Weg zu lenken.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote277sym\" name=\"sdfootnote277anc\"><sup>277<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die linken Tendenzen in der Partei konnten sich auf linke Str\u00f6mungen in der Arbeiterklasse selber st\u00fctzen, so auf die schon erw\u00e4hnte spontane Bewegung der Produktionskommunen von Ende 1929\/Anfang 1930, in deren linkesten Teilen der gemeinsame Lohn zu gleichen Teilen auf die Kommunarden verteilt wurde. &#8222;Die Kommunen nahmen damit einen gesellschaftlichen Zustand vorweg, den die offizielle Politik offiziell anstrebte; insofern besa\u00dfen sie einen utopischen Charakter, auch wenn sie an kollektive Verhaltensweisen ankn\u00fcpfen konnten, wie sie im russischen Dorf \u00fcblich waren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote278sym\" name=\"sdfootnote278anc\"><sup>278<\/sup><\/a> Im M\u00e4rz 1930 gab es mindestens 922 Kommunen und Kollektive, vor allem in den traditionellen Industriegebieten um Leningrad, Moskau und im Ural, die Anfang 1931 sch\u00e4tzungsweise immerhin 330.000 von ca. 4,6 Mio Industriearbeitern erfa\u00dften.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote279sym\" name=\"sdfootnote279anc\"><sup>279<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der &#8222;Strom&#8220; in der Partei, gegen den die M\u00e4\u00dfigung in der Bauernpolitik durchgesetzt werden mu\u00dfte, war nach 1930\/31 keineswegs versiegt. Der XVII.Parteitag 1934 wurde offiziell als &#8222;Parteitag der Sieger&#8220; gefeiert &#8211; aber damit war nicht gesagt, welcher Sieger gemeint war. In seinem Rechenschaftsbericht griff Stalin die Linken an und kritisierte vor allem die &#8222;Gleichmacherei&#8220; als Abweichung vom Leninismus. Er stellte &#8222;bei einem Teil der Parteimitglieder&#8220; in der Frage von Kommune und Artel einen &#8222;gr\u00fcndlichen Wirrwarr&#8220; fest. &#8222;Man meint, die Partei habe sich dadurch, da\u00df sie das Artel zur Grundform der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erkl\u00e4rte, vom Sozialismus entfernt&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote280sym\" name=\"sdfootnote280anc\"><sup>280<\/sup><\/a> Gleichzeitig wandte er sich gegen &#8222;das ultralinke Geschw\u00e4tz, das unter einem Teil unserer Funktion\u00e4re in Umlauf ist, &#8230; da\u00df wir den direkten Produktenaustausch organisieren m\u00fc\u00dften, da\u00df das Geld bald abgeschafft werden w\u00fcrde, weil es zu einem blo\u00dfen Rechenschein geworden sei&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote281sym\" name=\"sdfootnote281anc\"><sup>281<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Positionen, gegen die er sich wendete, bedeuteten die offene Wiederaufnahme der Utopien des Kriegskommunismus, durch den die Partei ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt war. Was vor 10 Jahren hatte abgebrochen werden m\u00fcssen, gegen den Widerstand und die Tr\u00e4ume so vieler Kommunisten, sollte jetzt endlich vollzogen werden, wenn n\u00f6tig, ohne Stalin. Typisch ist die von Deutscher zitierte Einsch\u00e4tzung aus dem Jahre 1933 durch einen Gew\u00e4hrsmann Trotzkis, die wahrscheinlich die Stimmung eines gro\u00dfen Teils der &#8222;alten&#8220; Partei richtig widerspiegelt: &#8222;Jeder spricht davon, da\u00df Stalin isoliert sei, da\u00df er allgemein geha\u00dft werde &#8230; Aber man f\u00fcgt oft hinzu: &gt;H\u00e4tten wir nicht diesen (wir unterdr\u00fccken hier den Ausdruck, den man f\u00fcr ihn ben\u00fctzt) gehabt, so w\u00e4re l\u00e4ngst alles in St\u00fccke zerfallen. Er ist es, der alles zusammenh\u00e4lt.&lt;&#8222;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote282sym\" name=\"sdfootnote282anc\"><sup>282<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus dem Kreis des Wahlkomitees ist bekanntgeworden, da\u00df auf dem Parteitag von 1934 bei den geheimen ZK-Wahlen 270 Delegierte gegen Stalin stimmten;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote283sym\" name=\"sdfootnote283anc\"><sup>283<\/sup><\/a> Wolkogonow spricht sogar von 300 der insgesamt 1225 Delegierten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote284sym\" name=\"sdfootnote284anc\"><sup>284<\/sup><\/a> Offiziell bekanntgegeben wurden allerdings nur 3 Gegenstimmen. Abwegig ist es, diesen Widerstand statt auf politische Differenzen auf Stalins &#8222;Grobheit&#8220; zur\u00fcckzuf\u00fchren, die zu ganz anderen Zeiten nicht von seiner unbestrittenen Wahl abgehalten hatte. Wenig \u00fcberzeugend ist auch, die Opposition mit den &#8222;Rechten&#8220; in Verbindung zu bringen; die Bucharinsche Linie besa\u00df zu diesem Zeitpunkt kaum noch Anhang. Die Gegenstimmen kamen von den Vertretern der linksradikalen Str\u00f6mung, die an die Zeiten des Kriegskommunismus ankn\u00fcpfen wollten und gegen die Stalin auf diesem Parteitag haupts\u00e4chlich Front gemacht hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Parteitag bildete die Scheidelinie. 1921 war die NEP in der Partei nur durchzusetzen gewesen, weil die Bauernschaft zwar \u00f6konomisch frei wirtschaften durfte, aber nicht nur von den Kommandoh\u00f6hen der Industrie, sondern durch das ungleiche Wahlrecht auch vom Staat ferngehalten blieb. Die Gleichberechtigung der Bauern Mitte der 30er Jahre war nur <i>gegen<\/i> die Partei durchzusetzen; das bildete den Ursprung und Hintergrund der S\u00e4uberungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Innenpolitisch besa\u00dfen die Linken ihren machtm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckhalt in der GPU, der politischen Polizei. Schon Ende August 1932 wurde die GPU-F\u00fchrung ausgewechselt; ein Mitarbeiter von Stalins damaligem Vertrautem Ordschonikidse kam an die Spitze. &#8222;Die Ma\u00dfnahme soll die Machtf\u00fclle der GPU, die Stalins neuem Kurs in der Wirtschaftspolitik im Wege steht, einschr\u00e4nken.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote285sym\" name=\"sdfootnote285anc\"><sup>285<\/sup><\/a> Dieser &#8222;neue Kurs&#8220; war die Verlangsamung des Kollektivierungstempos und die Durchsetzung des Artels anstelle der Agrarkommune. Weil die Auswechselung der Spitze aber offenkundig nicht ausreichte, wurde die GPU im Juli\/August 1934 in ein neues Volkskommissariat des Inneren (NKWD) \u00fcbernommen, das alle Polizei- und Sicherheitsfunktionen erhielt. Damit war das Instrument der kommenden S\u00e4uberungen vorbereitet &#8211; aber noch l\u00e4ngst nicht an allen Orten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Leningrad massierte sich der Widerstand gegen die Politik Stalins. Hier lag der Schwerpunkt der sowjetischen Industrie und hatten die Linken traditionell ihre Hochburg. In Petersburg-Leningrad hatte Trotzki bereits in der Revolution von 1905 als Vorsitzender des Sowjet und sodann 1917 in der Oktoberrevolution gewirkt. Hier hatte die &#8222;Arbeiteropposition&#8220; unter den Metallarbeitern ihren R\u00fcckhalt gehabt, und hier war Sinowjew der \u00f6rtliche Parteichef gewesen. W\u00e4hrend Trotzki im bolschewistischen Parteiapparat nur verschwindend wenig Anh\u00e4nger gehabt hatte, stie\u00dfen mit Sinowjew, Kamenew und Krupskaja &#8211; der Witwe Lenins &#8211; nach 1925 auch Teile des Funktion\u00e4rsk\u00f6rpers zur Linksopposition.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um Sinowjew abzul\u00f6sen, war einer der besten M\u00e4nner der Partei, Sergej M. Kirow, 1925\/26 nach Leningrad geschickt worden. Mittlerweile zum Mitglied des Politb\u00fcros und Sekret\u00e4r des ZK aufgestiegen, wurde er am 1.Dezember 1934 ermordet. Der T\u00e4ter geh\u00f6rte zu einer Gruppe von Anh\u00e4ngern Sinowjews. Die politische Polizei in Leningrad wu\u00dfte, da\u00df ein Attentat geplant war, hatte jedoch keine Ma\u00dfnahmen ergriffen, um es zu verhindern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote286sym\" name=\"sdfootnote286anc\"><sup>286<\/sup><\/a> Kirow stand Stalin nicht nur politisch nahe, sondern geh\u00f6rte auch zu den wenigen, mit denen der Generalsekret\u00e4r pers\u00f6nlich befreundet war; die Familien besuchten sich regelm\u00e4\u00dfig. Zwei Stunden nach dem Attentat fuhr Stalin, begleitet von anderen hohen Parteif\u00fchrern, pers\u00f6nlich nach Leningrad, um die Untersuchungen in die eigene Hand zu nehmen. Er war nach Augenzeugenberichten so erregt, da\u00df er bei der Ankunft in Leningrad den \u00f6rtlichen Leiter der Geheimpolizei ohrfeigte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote287sym\" name=\"sdfootnote287anc\"><sup>287<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weil die Polizei den Mord nicht verhindert hatte, behauptete Chruschtschow auf dem XX.Parteitag 1956, Stalin habe Kirow als Konkurrenten ermorden lassen &#8211; ein seither immer wieder erhobener Vorwurf. Selbst Wolkogonow, der sonst keine Gelegenheit ausl\u00e4\u00dft, um Stalin anzugreifen, mu\u00df zugeben, da\u00df daf\u00fcr trotz aller Bem\u00fchungen kein Beweis erbracht werden kann.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote288sym\" name=\"sdfootnote288anc\"><sup>288<\/sup><\/a> Das h\u00e4lt ihn nicht davon ab, dem Generalsekret\u00e4r der Partei nicht nur Kirows Tod anzulasten, sondern dar\u00fcber hinaus die Hinterh\u00e4ltigkeit, alle Beweise daf\u00fcr zu vernichten &#8211; eine Methode, mit welcher Stalin auch f\u00fcr den sibirischen Winter verantwortlich zu machen ist. Da die Beweislage k\u00fcmmerlich ist, wird von Wolkogonow und anderen die politische Logik ins Feld gef\u00fchrt: Kirow sei seit einiger Zeit entgegen Stalin f\u00fcr eine M\u00e4\u00dfigung in der Bauernpolitik eingetreten und in der Partei beliebter als Stalin gewesen. Dieser &#8222;logische&#8220; Beweis spricht noch mehr als der fehlende Tatsachenbeweis bestenfalls f\u00fcr die Phantasie seiner Urheber: soweit Kirow f\u00fcr eine M\u00e4\u00dfigung in der Bauernpolitik eintrat (wovon man ausgehen kann), handelte es sich nicht um eine M\u00e4\u00dfigung gegen\u00fcber den Kulaken, wie unter der Hand unterstellt wird, sondern auf dem Boden der Ausschaltung der Kulaken um das Entgegenkommen gegen\u00fcber den mittelb\u00e4uerlichen Massen der Kolchosbauern. Das war aber nichts anderes als die Stalinsche Linie. Dar\u00fcber hinaus war Kirow ausgewiesenerma\u00dfen ein entschiedener Gegner der Parteilinken, gegen die er an die Spitze der Leningrader Organisation gestellt wurde und die nach seinem Tod erst recht verfolgt wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Antwort Stalins auf die Ermordung Kirows waren &#8222;au\u00dferordentliche Ma\u00dfnahmen&#8220;, die die bis dahin bestehende Gesetzlichkeit au\u00dfer Kraft setzten. Damit wurde der Massenterror er\u00f6ffnet, der seinen H\u00f6hepunkt 1937 erreichte. Nach dem 1989 ver\u00f6ffentlichten offiziellen KGB-Archiv \u00fcber die Verfolgungen wurden in den 30er Jahren 3,6 bis 3,7 Millionen Menschen Repressionen ausgesetzt und in der gesamten Zeit von 1921 bis 1954 642.980 Personen aus politischen Gr\u00fcnden zum Tode verurteilt. Kritiker behaupten allerdings, da\u00df auch die internen amtlichen KGB-Statistiken gef\u00e4lscht sind und die tats\u00e4chlichen Zahlen um ein Mehrfaches h\u00f6her liegen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote289sym\" name=\"sdfootnote289anc\"><sup>289<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sozial wurde in erster Linie die linke Intelligenz verfolgt, die entscheidende Quelle der linksradikalen Positionen. &#8222;Im Jahr 1937 erreichten die Gewalt und die Gesetzlosigkeit ihren H\u00f6hepunkt. Es traf in hohem Ma\u00dfe die Intelligenz, deshalb ist es nicht verwunderlich, da\u00df dar\u00fcber viel geschrieben wurde und jene Periode ins Zentrum der Aufmerksamkeit r\u00fcckte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote290sym\" name=\"sdfootnote290anc\"><sup>290<\/sup><\/a> Jetzt traf es mit den anderen Linken auch die Trotzkisten, die 1930 zur\u00fcck zur Partei gefunden hatten. Und als die Maschine einmal in Gang gekommen war, erfa\u00dfte sie schlie\u00dflich auch die Bucharinschen &#8222;Rechten&#8220;, denn jetzt wurde jede Opposition ausgemerzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Eine neue Partei und eine neue Armee<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus der gro\u00dfen S\u00e4uberung ging am Ende eine neue Partei hervor &#8211; die Partei des Klassenb\u00fcndnisses aus b\u00e4uerlichem Proletariat und Kolchosbauernschaft. Die Partei bis 1934 war sozial die Partei des st\u00e4dtischen Proletariats unter f\u00fchrender Beteiligung der Intelligenz gewesen. Politisch war sie die Partei des Kriegskommunismus gewesen, hatte den R\u00fcckzug zur NEP nur in h\u00f6chster Not angetreten, brach in Teilen schon 1925\/26 mit der NEP und handelte 1929, als die Schleusen ge\u00f6ffnet wurden, voller \u00dcberschwang. Die Fakten zeigen, da\u00df wir 1939 eine andere Partei vor uns haben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum Zeitpunkt des XVII.Parteitags 1934 hatte die KPdSU 2,8 Mio Mitglieder, davon 1,9 Mio Vollmitglieder und 0,9 Mio Kandidaten. Dieser Parteitag, auf dem Stalin die Auseinandersetzung mit den &#8222;Linken&#8220; f\u00fchrte, beschlo\u00df strengere Kriterien f\u00fcr die Aufnahme in die Partei, worauf der &#8222;Kurze Lehrgang&#8220; der Geschichte der KPdSU(B) 1937 voll Stolz hinweist.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote291sym\" name=\"sdfootnote291anc\"><sup>291<\/sup><\/a> Auf dieser Grundlage gab es 1935 und 1936 sogar eine Aufnahmesperre. Die Abschlie\u00dfung der Partei richtete sich offenkundig gegen die neuen Bauernarbeiter, die zu Millionen in den neuen Fabriken arbeiteten und prinzipiell nat\u00fcrlich das Recht hatten, in die Partei aufgenommen zu werden. Erst ab November 1936 wurden wieder Neuaufnahmen vorgenommen, also zu einem Zeitpunkt, als die S\u00e4uberungen ihren ersten H\u00f6hepunkt hinter sich hatten. Zum Zeitpunkt des Parteitags 1939 hatte die KPdSU dann 2,5 Mio Mitgliedern, davon 1,6 Mio Vollmitglieder und 900.000 Kandidaten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote292sym\" name=\"sdfootnote292anc\"><sup>292<\/sup><\/a> Das waren 300.000 weniger Parteimitglieder als 1934, genau gerechnet 270.000 weniger, wie Stalin in seinem Rechenschaftsbericht darlegte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote293sym\" name=\"sdfootnote293anc\"><sup>293<\/sup><\/a> Etwas mehr als 1 Mio dieser 2,5 Mio waren seit November 1936 neu aufgenommen worden. Das bedeutet, da\u00df mehr als die H\u00e4lfte der Parteimitglieder von 1934 (1,5 von 2,8 Mio) verschwunden waren &#8211; weit mehr als durch nat\u00fcrliche Fluktuation m\u00f6glich -, und da\u00df zwei F\u00fcnftel der Parteimitglieder von 1939 (1 von 2,5 Mio) in den 16 Monaten zuvor neu zur Partei gesto\u00dfen waren. Auch wenn es dar\u00fcber keine n\u00e4heren Angaben gibt, ist anzunehmen, da\u00df diese neuen Mitglieder sich im wesentlichen aus den neuen b\u00e4uerlichen Proletariern und der neuen Intelligenz rekrutierten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Untergang der alten und die Entstehung einer neuen Partei zeigt sich insbesondere am Schicksal der f\u00fchrenden Parteischicht. Noch 1930 war es so, da\u00df &#8222;die Intelligenz neben den Arbeitern in den Schl\u00fcsselstellen des Parteiapparats eine nicht unbedeutende Rolle spielte und da\u00df die Parteimitglieder aus der Zeit der Illegalit\u00e4t und des B\u00fcrgerkriegs im oberen und mittleren Management der VKP dominierten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote294sym\" name=\"sdfootnote294anc\"><sup>294<\/sup><\/a> Bis zum XVII. Parteitag 1934 hatte sich daran wenig ge\u00e4ndert, nach der S\u00e4uberung um so mehr. Auf den Parteitagen bis 1934 waren 80% der Delegierten Parteimitglieder aus den Jahren vor 1920 gewesen; auf dem XVIII.PT 1939 betrug ihr Anteil nur noch 19%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote295sym\" name=\"sdfootnote295anc\"><sup>295<\/sup><\/a> Die Delegierten des Parteitags von 1934, denen gegen\u00fcber Stalin seine Agrarreformen verteidigen mu\u00dfte und die wahrscheinlich zu einem Viertel gegen ihn stimmten, wurden in der Mehrzahl verhaftet, umgebracht oder verschwanden in der politischen Versenkung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote296sym\" name=\"sdfootnote296anc\"><sup>296<\/sup><\/a> Ebenso waren 110 der 139 auf dem XVII.PT gew\u00e4hlten ZK-Mitglieder Anfang 1939 verhaftet oder erschossen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter diesen Umst\u00e4nden konnte Stalin auf dem Parteitag von 1939 das Ende der S\u00e4uberungen verk\u00fcnden: &#8222;Es unterliegt keinem Zweifel, da\u00df wir die Methode der Reinigung im Massenma\u00dfstab nicht mehr anzuwenden brauchen.&#8220; Er bezeichnete die abgeschlossene Parteireinigung als &#8222;unerl\u00e4\u00dflich&#8220;; sie &#8222;zeitigte im wesentlichen positive Ergebnisse&#8220;. Es seien aber auch &#8222;ernstliche Fehler&#8220; vorgekommen, sagte er und f\u00fcgte hinzu: &#8222;Leider wurden mehr Fehler begangen, als anzunehmen war.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote297sym\" name=\"sdfootnote297anc\"><sup>297<\/sup><\/a> Welche Fehler das waren und wie sie korrigiert werden sollten, sagte er nicht. Es gibt Vermutungen, da\u00df sich in den S\u00e4uberungen erneut zwei Gruppierungen innerhalb der KPdSU herausbildeten, die nach dem Weltkrieg in offenen Gegensatz traten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote298sym\" name=\"sdfootnote298anc\"><sup>298<\/sup><\/a> M\u00f6glicherweise deutet die unterschwellige Kritik an den &#8222;ernstlichen Fehlern&#8220; bei der Parteireinigung in diese Richtung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem der vorherige Parteitag die Kriterien f\u00fcr die Parteimitgliedschaft versch\u00e4rft hatte, hob der XVIII.Parteitag im M\u00e4rz 1939 alle sozialen Unterscheidungen bei der Aufnahme in die Partei auf. Statt der Einteilung in vier verschiedene Kategorien nach der Zugeh\u00f6rigkeit zu verschiedenen Klassen bzw. sozialen Gruppen (Arbeiter, Bauern, Intelligenz, Sonstige) wurden einheitliche Aufnahmebedingungen und die gleiche Kandidatenzeit (ein Jahr) f\u00fcr alle Eintretenden eingef\u00fchrt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote299sym\" name=\"sdfootnote299anc\"><sup>299<\/sup><\/a> Nach der Gleichberechtigung in Staat und Armee \u00f6ffnete sich den Bauern damit nun auch die Partei. Bis Mai 1940 wurden 1,1 Mio Kandidaten und 600.000 Mitglieder neu aufgenommen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote300sym\" name=\"sdfootnote300anc\"><sup>300<\/sup><\/a> Nimmt man die Zahlen von 1938 bis Juni 1941, so wurden sogar 2,1 Mio neu aufgenommen; das war mehr als die H\u00e4lfte der 1941 knapp 4 Mio Parteimitglieder.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote301sym\" name=\"sdfootnote301anc\"><sup>301<\/sup><\/a> Die ge\u00e4nderten Aufnahmekriterien machten sich in der Ver\u00e4nderung der Klassenzusammensetzung der Partei direkt bemerkbar. Anfang 1938 hatte die KPdSU zu 64% Arbeiter, zu 11% Bauern und zu 25% Angestellte in ihren Reihen gehabt. Anfang 1941 waren es nur noch 47% Arbeiter, aber 30% Bauern und 23% Angestellte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote302sym\" name=\"sdfootnote302anc\"><sup>302<\/sup><\/a> Damit wurde die Partei, die bis dahin im wesentlichen eine Arbeiterpartei gewesen war, zu einer Arbeiter- und Bauernpartei.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch das Offizierskorps der Armee wurde in der zweiten H\u00e4lfte der 30er Jahre ges\u00e4ubert. Mehrere 10.000 hohe Offiziere wurden entlassen, viele auch erschossen. Gest\u00fctzt auf die Unterlagen Trotzkis und andere Quellen behauptet Deutscher, da\u00df Planungen f\u00fcr einen milit\u00e4rischen Putschversuch vorangegangen waren. &#8222;Es ist richtig, da\u00df die Generale einen Staatsstreich planten. (&#8230;) Der Hauptakt sollte eine Palastrevolution im Kreml sein, bei der Stalin ermordet werden sollte. Au\u00dferhalb des Kremls sollte ein entscheidender milit\u00e4rischer Schlag erfolgen. Unter anderem war die Besetzung des Hauptquartiers der GPU vorgesehen. Tuchatschewski war der treibende Geist dieser Verschw\u00f6rung.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote303sym\" name=\"sdfootnote303anc\"><sup>303<\/sup><\/a> Zu diesem Zeitpunkt (1936\/37) war die Kollektivierung bereits vorbei. Wenn die Armee Anfang der 30er Jahre nicht eingegriffen hatte, als das Land durch die Auseinandersetzungen auf dem Land tats\u00e4chlich in seiner Verteidigungsf\u00e4higkeit geschw\u00e4cht war, mu\u00df die Unruhe unter den Offizieren Jahre sp\u00e4ter andere Ursachen gehabt haben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als offizieller Grund f\u00fcr die S\u00e4uberung wurden geheime Verbindungen mit der deutschen Wehrmacht zur Verschw\u00f6rung gegen die Staatsf\u00fchrung angegeben. Es ist umstritten, ob diese Verschw\u00f6rung tats\u00e4chlich existierte oder ob sie auf gef\u00e4lschten Dokumenten des deutschen Geheimdienstes beruhte, der das sowjetische Offizierskorps schw\u00e4chen wollte. Selbst wenn es geheime Kontakte mit den Deutschen gab, k\u00f6nnen sie der Natur der Sache nach nur einen kleinen Kreis umfa\u00dft haben. Darum legt der <i>Massen<\/i>charakter der S\u00e4uberung eine andere Erkl\u00e4rung nahe: Die Armee war die Armee des Kriegskommunismus ohne die Millionenmassen der mittelb\u00e4uerlichen Soldaten des B\u00fcrgerkriegs. In sie hatte das Proletariat der Oktoberrevolution und des B\u00fcrgerkriegs seine besten Kr\u00e4fte geschickt, um den Sieg \u00fcber die Wei\u00dfen zu organisieren; sie verk\u00f6rperte milit\u00e4risch den <i>jenseits der Bauern<\/i> stehenden Arbeiterstaat. Diese Armee stand bei der Kollektivierung Gewehr bei Fu\u00df, nicht weil sie vor einem Eingreifen zur\u00fcckscheute oder im W\u00fcrgegriff der Partei war, sondern weil sie sich als milit\u00e4rische Garantin des Wegs zum Kommunismus betrachtete und die Politik des Angriffs auf die Kulaken bef\u00fcrwortete. Der Widerstand in ihrer F\u00fchrung baute sich auf, als der Staat und sodann vor allem die Armee selber den Bauern ge\u00f6ffnet werden sollte. Zu <i>diesem<\/i> Zeitpunkt begannen die Gener\u00e4le offensichtlich, Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Staatsstreich zu schmieden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn diese Vermutung zutrifft, dann konnte als Grund f\u00fcr das Vorgehen gegen die Offiziere nicht ihr Festhalten an der Arbeitermacht &#8211; ohne Bauern &#8211; angegeben werden. Ebensowenig reichte es aus, nur einige Offiziere zu entlassen, sondern mu\u00dfte das R\u00fcckgrat des Offizierskorps ausgewechselt werden. Die Verbindung mit den Deutschen &#8211; gleich ob vorhanden oder nicht &#8211; war dann nur der Vorwand, um diese Massens\u00e4uberung vorzunehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gibt es bei der Parteis\u00e4uberung trotz aller Vorbehalte eine Reihe von Anhaltspunkten f\u00fcr die vorgenommene Analyse, so sind bei der Armees\u00e4uberung endg\u00fcltig nur Mutma\u00dfungen m\u00f6glich, um eine schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung zu finden &#8211; es sei denn, man h\u00e4lt den Hinweis auf die uferlose Machtgier Stalins f\u00fcr ausreichend. Um endg\u00fcltige Klarheit \u00fcber die Ereignisse zu erlangen, sind n\u00e4here Untersuchungen \u00fcber die Zusammensetzung und Entwicklung der Arbeiterklasse, \u00fcber die Str\u00f6mungen im Proletariat wie \u00fcber die verschiedenen Gruppierungen in Partei, Staatsapparat und Armee und ihre Vorstellungen erforderlich. Unabh\u00e4ngig vom Ergebnis solcher noch ausstehender Untersuchungen steht jedoch eines fest: So wie aus dem sowjetischen Arbeiterstaat in der zweiten H\u00e4lfte der 30er Jahre ein Arbeiter- und Bauernstaat und aus der bolschewistischen Arbeiterpartei eine Arbeiter- und Bauernpartei wurde, so wurde aus der proletarischen Roten Armee eine Arbeiter- und Bauernarmee.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Zur Frage der Staatsmacht<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Vorabend des 2.Weltkriegs hatte die Sowjetunion ein <i><b>neues gesellschaftliches Gleichgewicht<\/b><\/i> gefunden. Ohne die Zerschlagung der Kulaken h\u00e4tte die beschleunigte Industrialisierung nicht eingeleitet werden k\u00f6nnen. Umgekehrt war die anschlie\u00dfende Befriedung des Dorfes die Voraussetzung, um den Fortgang der Industrialisierung zu sichern und den kommenden Krieg zu bestehen. &#8222;Gegen Ende der drei\u00dfiger Jahre erreichte die neue soziale Struktur Ru\u00dflands ein beachtliches Ma\u00df an Festigkeit, das umso bemerkenswerter ist, wenn man bedenkt, wie br\u00fcchig die Fundamente dieser Ordnung zu Beginn dieses Jahrzehnts noch gewesen waren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote304sym\" name=\"sdfootnote304anc\"><sup>304<\/sup><\/a> Grundlage dieses Gleichgewichts war das Zusammengehen von Arbeiterklasse und Kolchosbauernschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die bestehenden Aufgaben waren nur mithilfe des Staates zu l\u00f6sen. Solange das Proletariat eine Minderheit in der Gesellschaft bildete und die Grundlagen seiner eigenen Herrschaft erst schaffen mu\u00dfte, existierten keine Voraussetzungen, um den Staat in die Gesellschaft zur\u00fcckzunehmen. Im Gegenteil mu\u00dfte er als entscheidender Hebel der Industrialisierung ausgebaut werden. Aus den gleichen Gr\u00fcnden, weshalb dieser Ausbau \u00fcberhaupt erfolgte, mu\u00dfte er auch in zentralisierter Gestalt erfolgen. &#8222;Zwar sind die lokalen und regionalen Verh\u00e4ltnisse noch zu wenig erforscht, aber vieles spricht f\u00fcr die Vermutung, da\u00df die Schw\u00e4che der dezentralen Instanzen gerade nach einer Ausweitung zentraler Eingriffe verlangte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote305sym\" name=\"sdfootnote305anc\"><sup>305<\/sup><\/a> Auf \u00f6konomischem Gebiet hatte dies den Aufbau einer zentralisierten Wirtschaftsverwaltung in der Hauptstadt Moskau zur Folge. &#8222;Aber die geschichtlich einzigartige, unter schwierigen geographischen Umst\u00e4nden vollbrachte Anstrengung hat auch jene monolithische Wirtschaftsb\u00fcrokratie entstehen lassen, die Voraussetzung und Ergebnis der \u00f6konomischen Raumdurchdringung war und die bisher jeder Absicht dezentralisierender Reform widerstand.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote306sym\" name=\"sdfootnote306anc\"><sup>306<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalin kritisierte 1934 auf dem XVII. Parteitag diejenigen (Linken), die meinten, &#8222;da\u00df man den Klassenkampf abschw\u00e4chen, die Diktatur des Proletariats abschw\u00e4chen und \u00fcberhaupt dem Staat ein Ende machen k\u00f6nne, der ja ohnehin in der n\u00e4chsten Zeit absterben m\u00fcsse.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote307sym\" name=\"sdfootnote307anc\"><sup>307<\/sup><\/a> Die von ihm kritisierte Position war jedoch auch die Auffassung von Marx und Engels \u00fcber die erste Stufe der neuen Gesellschaft gewesen, in der sie den Staat zwar nicht nicht auf einen Schlag abgeschafft, aber allm\u00e4hlich absterben sahen. In der Sowjetunion konnte von einem Absterben des Staats jedoch keine Rede sein, obwohl der Klassenantagonismus verschwunden war und man den Sozialismus, dh. die erste Stufe der neuen Gesellschaft, seit 1932\/33 erreicht glaubte. In seiner Auseinandersetzung mit diesem Widerspruch begr\u00fcndete Stalin die Verst\u00e4rkung des Staats 1939 ausschlie\u00dflich mit der internationalen Lage, mit der Gefahr eines \u00dcberfalls von au\u00dfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote308sym\" name=\"sdfootnote308anc\"><sup>308<\/sup><\/a> Tats\u00e4chlich aber mu\u00dfte der Staat nicht nur wegen der umgebenden M\u00e4chte und ausl\u00e4ndischer Spione stark sein, sondern haupts\u00e4chlich, weil die Gesellschaft im Umbruch und die Gesellschaftsstruktur ungesichert war, die Arbeit zwangsweise organisiert werden mu\u00dfte und schlie\u00dflich das Mehrprodukt der Bauern nur auf dem Boden au\u00dfer\u00f6konomischer Gewalt erlangt werden konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie bei den Fragen der Agrarkommune und des Geldes hatten die Linken in der Theorie mit ihrer Behauptung recht, da\u00df dem Marxismus zufolge der Klassenkampf im Sozialismus sich abschw\u00e4cht und der Staat zur\u00fcckgeht. Demgegen\u00fcber hatte Stalin in der Sache recht, da\u00df weder f\u00fcr den \u00dcbergang zur Agrarkommune noch f\u00fcr das Verschwinden des Geldes noch f\u00fcr den Abbau des Staates die Verh\u00e4ltnisse reif waren. Das Problem war nur, da\u00df aus eben diesen Gr\u00fcnden die Sowjetunion nicht sozialistisch war.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1920 hatte Trotzki die Militarisierung der Arbeit und die Verschmelzung von Partei, Staat und Gewerkschaften verlangt. Das war gegen\u00fcber der Arbeiterklasse der Oktoberrevolution und angesichts der herannahenden NEP ebenso massenfeindlich wie falsch und h\u00e4tte eine ungeheuere B\u00fcrokratisierung zur Folge gehabt. Als eine \u00e4hnliche Politik in den 30er Jahren und gegen\u00fcber der neuen Arbeiterklasse unumg\u00e4nglich wurde, gab das dem Widersacher Stalins stets neue Nahrung f\u00fcr seine B\u00fcrokratiekritik (er wu\u00dfte, wovon er sprach). Dabei verhinderte die proletarische Avantgarde mit allen Mitteln, da\u00df sich die Staatsb\u00fcrokratie etablieren und verselbst\u00e4ndigen konnte. &#8222;Dennoch war das Mi\u00dftrauen der Parteif\u00fchrung gegen\u00fcber dem Apparat so stark, da\u00df der vielf\u00e4ltige Mechanismus der Kontrolle (weiter)entwickelt wurde. Die Papierflut wuchs noch mehr, zunehmend wurden alle Entscheidungen doppelter oder gar mehrfacher Kontrolle unterworfen. Schnell und hart waren die Strafen bei Versagen, und jeder Aufgestiegene konnte \u00fcber Nacht wieder unten sein. Es gab keinen Halt f\u00fcr diese B\u00fcrokratie. Sie blieb abh\u00e4ngig von der Parteif\u00fchrung.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote309sym\" name=\"sdfootnote309anc\"><sup>309<\/sup><\/a> Nicht nur wurde die Wirtschaftsb\u00fcrokratie immer wieder umgew\u00e4lzt, auch jene Elemente an der Spitze des Gewaltapparats, derer sich Stalin in den S\u00e4uberungen der 30er Jahre bediente, wurden regelm\u00e4\u00dfig ausgetauscht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcber die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse f\u00fchrte Stalin n\u00e4her aus, da\u00df die Verfassung von 1936 davon ausgehe, &#8222;da\u00df es in der Gesellschaft keine antagonistischen Klassen mehr gibt; da\u00df die Gesellschaft aus zwei befreundeten Klassen, aus Arbeitern und Bauern besteht, da\u00df ebendiese werkt\u00e4tigen Klassen an der Macht stehen, da\u00df die staatliche F\u00fchrung der Gesellschaft (die Diktatur) der Arbeiterklasse als der fortgeschrittensten Klasse der Gesellschaft zukommt&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote310sym\" name=\"sdfootnote310anc\"><sup>310<\/sup><\/a> Beide Klassen waren &#8222;an der Macht&#8220; &#8211; das hie\u00df, da\u00df die Bauernschaft durch das ungleiche Wahlrecht nicht l\u00e4nger vom Staat ausgeschlossen war. Die Arbeiterklasse hatte aber nach Stalins Worten weiterhin die &#8222;staatliche F\u00fchrung der Gesellschaft&#8220; inne; nicht Proletariat und Bauernschaft gemeinsam, sondern das Proletariat \u00fcbte die &#8222;Diktatur&#8220; aus. Die Arbeiterklasse \u00fcbte also nicht nur die Hegemonie aus, sondern verf\u00fcgte auch \u00fcber die Schl\u00fcsselstellen der Macht, insbesondere \u00fcber den Gewaltapparat. Das wiederum war nur mithilfe ihrer Avantgarde m\u00f6glich, und die befand sich wie die Klasse selber in einem tiefgreifenden Umbruch. Zwar \u00e4nderte sich das Parteiprogramm nicht und behielten die Arbeiter nach wie vor das soziale \u00dcbergewicht. Aber es war unausweichlich, da\u00df mit dem Umbruch eine Schw\u00e4chung des proletarischen Charakters der Partei einherging.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Widerspr\u00fcchlichkeit der Entwicklung konnte kaum gr\u00f6\u00dfer sein: in den 20er Jahren war die Sowjetunion \u00f6konomisch weit vom Sozialismus entfernt, aber politisch war die Arbeitermacht gesichert, weil die Bauern jenseits des Staates standen, durch soziale Gegens\u00e4tze gespalten waren und das Proletariat und seine Partei trotz aller Br\u00fcche in Revolution und B\u00fcrgerkrieg historisch gewachsenen Charakter trugen. Jetzt war die \u00f6konomische Grundlegung des Sozialismus durch die Industrialisierung in vollem Gange und machte sich das Proletariat daran, auch rein zahlenm\u00e4\u00dfig zur Mehrheit der Gesellschaft zu werden. Aber durch den gleichen Proze\u00df wurde die gesellschaftliche Grundlage der Arbeitermacht schw\u00e4cher, denn die Industrialisierung lie\u00df eine form- und traditionslose Masse b\u00e4uerlicher Arbeiter an die Stelle des Oktoberproletariats treten. Keine politische Ma\u00dfnahme konnte verhindern, da\u00df die Arbeitermacht objektiv auf d\u00fcnnem Boden stand. Mehr und mehr wurde die Herrschaft des Proletariats von Personen abh\u00e4ngig, an erster Stelle von Stalin.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Solange die NEP betrieben worden war, hatten Stadt und Dorf beziehungslos nebeneinandergestanden, nur durch den Handel miteinander verbunden. Der Gewaltapparat spielte nach dem Ende des B\u00fcrgerkriegs eine untergeordnete Rolle. Als das Dorf jedoch durch die Kollektivierung in die Politik hineingerissen wurde, die Bauern die St\u00e4dte \u00fcberfluteten und eine Zwangsorganisation der Arbeit eingerichtet werden mu\u00dfte, wurde nicht nur der Staat st\u00e4rker, sondern fand mit den b\u00e4uerlichen Millionenmassen auch die Barbarei des flachen Landes Eingang in die Stadt und in den Staat.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die in den 30er Jahren entstehende Ordnung entsprach dem Charakter des b\u00e4uerlich-barbarischen Proletariats, das sie trug. Es trieb die Entwicklung voran und mu\u00dfte zugleich vorangetrieben werden. Es herrschte und mu\u00dfte zugleich beherrscht werden. Seine Herrschaft war schreckenerregend stark und stand zugleich auf schwachen F\u00fc\u00dfen. Erst wenn die Industrialisierung alle Bereiche der Gesellschaft, insbesondere die Agrarverh\u00e4ltnisse, umgew\u00e4lzt hatte und aus Bauern agrarische Arbeiter geworden waren, erst dann war die Arbeitermacht gesichert und der Weg zum Kommunismus frei. Und erst in dem Ma\u00dfe, wie aus dieser Industrialisierung ein kultiviertes Proletariat hervorging, konnte mit dem Abbau des Staates die Herrschaft eine andere, zivilere Form annehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Der &#8222;Kurze Lehrgang&#8220; der Geschichte der KPdSU<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem H\u00f6hepunkt der S\u00e4uberungen erschien der &#8222;Kurze Lehrgang&#8220; der Geschichte der KPdSU, in dem die innerparteilichen Auseinandersetzungen in der Form subjektiver Geschichtsschreibung wiedergegeben wurden. &#8222;Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Bucharin, Rykow u.a.&#8220; wurden darin in einem Atemzug als &#8222;Verteidiger und F\u00fcrsprecher&#8220; der Kulaken attackiert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote311sym\" name=\"sdfootnote311anc\"><sup>311<\/sup><\/a> &#8222;Vor dem \u00dcbergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum &#8230; verhielt sich die Bucharin-Rykow-Gruppe mehr oder weniger ruhig, blieb sie in der Reserve der parteifeindlichen Kr\u00e4fte &#8230; und trat sogar zuweilen zusammen mit der Partei gegen die Trotzkisten auf. Als jedoch die Partei zur Offensive gegen das Kulakentum \u00fcberging &#8230;, warf die Bucharin-Rykow-Gruppe die Maske ab&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote312sym\" name=\"sdfootnote312anc\"><sup>312<\/sup><\/a> Bucharin mit Trotzki und Sinowjew in einem Atemzug zu nennen, spiegelte insoweit einen Funken Wirklichkeit wider, als sie alle die Bauernfrage mit den <i>Mittelbauern<\/i> im Zentrum nicht begriffen hatten. Davon ausgehend ging ihre Politik jedoch in entgegengesetzte Richtungen, so da\u00df es absurd war, Trotzki gemeinsam mit Bucharin als F\u00fcrsprecher der Kulaken zu attackieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Subjektivismus ging so weit, Bucharin und den &#8222;Volksfeinden Trotzki, Sinowjew und Kamenew&#8220; vorzuwerfen, da\u00df dieser &#8222;Abschaum der Menschheit&#8220; schon &#8222;seit den ersten Tagen der Sozialistischen Oktoberrevolution in einer Verschw\u00f6rung gegen Lenin, gegen die Partei, gegen den Sowjetstaat gestanden&#8220; und &#8222;im Auftrage ausl\u00e4ndischer b\u00fcrgerlicher Spionagedienste&#8220; Meuchelmorde begangen hatte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote313sym\" name=\"sdfootnote313anc\"><sup>313<\/sup><\/a> Auf der Gegenseite wurde die Politik Lenins und Stalins in ebensolcher Weise gegl\u00e4ttet und besch\u00f6nigt. Es scheint so, als ob die handelnden Personen von Natur genial oder verbrecherisch, gut oder schlecht waren. In dieser Hinsicht ging der &#8222;Kurze Lehrgang&#8220; allen seinen Kritikern &#8211; von Trotzki \u00fcber Medwedew bis zu Woronzow, von den B\u00fcrgerlichen ganz zu schweigen &#8211; voraus, die als letzte Ursache f\u00fcr die sowjetische Innenpolitik der 30er Jahre Stalins Skrupellosigkeit, Machtgier oder brutale Mittelm\u00e4\u00dfigkeit ausmachten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Kampfschrift inmitten der Ereignisse verfa\u00dft, ist dem &#8222;Kurzen Lehrgang&#8220; von vornherein nicht die Objektivit\u00e4t eines Geschichtsbuchs abzuverlangen, das die widerspr\u00fcchlichen Handlungsweisen der Akteure aus den widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnissen erkl\u00e4rt. Aber auch wenn man dies ber\u00fccksichtigt, tr\u00e4gt die Schrift einen spezifisch subjektivistischen Charakter. Dieser Subjektivismus hat seinen Ursprung in der Umw\u00e4lzung der 30er Jahre, als durch blo\u00dfe Willensanstrengung und heroische Kraftentfaltung sowie gleichzeitig den Kampf gegen &#8222;die Saboteure&#8220; alles m\u00f6glich schien. Wer das Werk als Geschichtsbuch liest, findet ein Produkt ideologischer Geschichtsschreibung vor, untauglich, die Geschichte der Sowjetunion und der sie f\u00fchrenden Partei zu erkl\u00e4ren. Es mu\u00df als Dokument seiner Zeit verstanden werden, als Werk, das wenig erkl\u00e4rt, sondern selber erkl\u00e4rt werden mu\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>VIII. Die Aufgabenstellung nach dem 2.Weltkrieg<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den 2.Weltkrieg, die st\u00e4rkste Probe auf die Tragf\u00e4higkeit ihrer Gesellschaftsordnung, bestand die Sowjetunion siegreich und stieg neben den USA zur Weltmacht auf. Der industrielle Wiederaufbau in den ersten Nachkriegsjahren ging erheblich schneller vonstatten als in den kapitalistischen L\u00e4ndern. Aber die Produktionsverh\u00e4ltnisse als solche hatten sich nicht ge\u00e4ndert, so da\u00df auch die daraus resultierende Aufgabenstellung bestehenblieb. Gleichzeitig verselbst\u00e4ndigte sich die Armee im Gefolge des Weltkriegs, so da\u00df eine weitere Aufgabe dazukam.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Fortsetzung der bisherigen Darstellung soll versucht werden, die Nachkriegsentwicklung bis zum Untergang der Sowjetunion nachzuzeichnen. Der Stand der \u00f6konomischen, sozialen und politikgeschichtlichen Forschung l\u00e4\u00dft allerdings gesicherte Schlu\u00dffolgerungen nicht zu. Schon aufgrund des fehlenden Zugangs zu den Materialien existieren weder tiefergehende Untersuchungen \u00fcber den industriellen Produktionsk\u00f6rper noch solche \u00fcber die sowjetische Herrschaftsordnung. Darum m\u00fcssen die gegebenen Erkl\u00e4rungen thesenhaft bleiben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Nichtsozialistische Verh\u00e4ltnisse<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der polit\u00f6konomischen Debatte spiegelt sich das b\u00e4uerliche Grundproblem der sowjetischen Entwicklung wider. In seinem Rechenschaftsbericht an den XVII.Parteitag im Januar 1934 hatte Stalin an die von Lenin zu Beginn der NEP aufgez\u00e4hlten Elemente f\u00fcnf verschiedener gesellschaftlich-\u00f6konomischer Formationen im jungen Sowjetstaat erinnert. Drei davon, n\u00e4mlich die patriarchalisch-naturalwirtschaftliche Produktion, der privatwirtschaftliche und der Staatskapitalismus w\u00fcrden mittlerweile nicht mehr existieren. Die kleine Warenproduktion der getreideanbauenden Bauern sei auf untergeordnete Positionen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, die sozialistische Form der Wirtschaft dagegen sei uneingeschr\u00e4nkt vorherrschend und einzig bestimmend.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote314sym\" name=\"sdfootnote314anc\"><sup>314<\/sup><\/a> Als sozialistisch nannte er dabei sowohl die staatlich geplante und organisierte Fabrikproduktion der st\u00e4dtischen Arbeiterklasse als auch die genossenschaftliche Agrarproduktion der Kolchosbauern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1952 f\u00fchrte er aus, welche prinzipiellen Widerspr\u00fcche sich nach wie vor im Scho\u00dfe der einen &#8222;sozialistischen&#8220; Produktionsweise verbargen: &#8222;Gegenw\u00e4rtig existieren bei uns zwei grundlegende Formen der sozialistischen Produktion: die staatliche, volkseigene, und die kollektivwirtschaftliche, die man nicht als volkseigene bezeichnen kann. In den staatlichen Betrieben sind die Produktionsmittel und die Erzeugnisse der Produktion allgemeines Volkseigentum. In den kollektivwirtschaftlichen Betrieben hingegen sind, obwohl die Produktionsmittel (Boden, Maschinen) auch dem Staat geh\u00f6ren, die Erzeugnisse der Produktion Eigentum der einzelnen Kollektivwirtschaften, da es sich in den Kollektivwirtschaften sowohl um eigene Arbeit als auch um eigenes Saatgut handelt&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote315sym\" name=\"sdfootnote315anc\"><sup>315<\/sup><\/a> Weil &#8222;die \u00dcbersch\u00fcsse der kollektivwirtschaftlichen Produktion auf den Markt gelangen und auf diese Weise in das System der Warenzirkulation einbezogen werden&#8220;,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote316sym\" name=\"sdfootnote316anc\"><sup>316<\/sup><\/a> handele es sich um Warenproduktion und Austausch von Waren. Darum gelte auch das Wertgesetz weiter, wenngleich nur beschr\u00e4nkt, weil es nicht die Produktion insgesamt reguliere, sondern nur im Konsumg\u00fcterbereich wirke und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel sowohl in der Stadt als auch auf dem Land seinen Wirkungsbereich einschr\u00e4nke.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote317sym\" name=\"sdfootnote317anc\"><sup>317<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die individuelle Warenproduktion der Kolchosbauern auf dem privat von ihnen genutzten Land er\u00f6rterte Stalin nicht; wahrscheinlich glaubte er sie wegen der festgelegten Pflichtablieferungen und der hohen Steuern auf die Marktverk\u00e4ufe fest unter Kontrolle.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lassen wir einmal die oben er\u00f6rterte Frage, inwieweit die Kolchosproduktion als Warenproduktion zu begreifen ist oder nicht, beiseite und unterstellen den f\u00fcr den Entwicklungsstand g\u00fcnstigsten Fall, da\u00df sie tats\u00e4chlich Warenproduktion war. Dann ergibt sich zwischen den Stalinschen Ausf\u00fchrungen und den \u00dcberlegungen von Marx \u00fcber den Zusammenhang von Sozialismus\/Kommunismus und Ende der Warenproduktion ein gravierender Unterschied. Marx schreibt in seiner Kritik des Gothaer Programms \u00fcber die neue Gesellschaft: &#8222;Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegr\u00fcndeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus; ebensowenig erscheint hier die auf Produkte verwandte Arbeit <i>als Wert<\/i> dieser Produkte, als eine von ihnen besessene sachliche Eigenschaft, da jetzt, im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft, die individuellen Arbeiten nicht mehr auf einem Umweg, sondern unmittelbar als Bestandteile der Gesamtarbeit existieren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote318sym\" name=\"sdfootnote318anc\"><sup>318<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anschlie\u00dfend differenziert er diese von ihm &#8222;kommunistisch&#8220; genannte Gesellschaft nach zwei Phasen, f\u00fcr deren erste sich sp\u00e4ter die Bezeichnung &#8222;sozialistisch&#8220; eingeb\u00fcrgert hat. In der ersten Phase, &#8222;nicht wie sie sich auf ihrer eignen Grundlage <i>entwickelt<\/i> hat, sondern umgekehrt, wie sie eben aus der kapitalistischen Gesellschaft <i>hervorgeht<\/i>, also in jeder Beziehung, \u00f6konomisch, sittlich, geistig, noch behaftet ist mit den Muttermalen der alten Gesellschaft, aus deren Scho\u00df sie herkommt&#8220;, findet nach seiner Auffassung bereits keine Warenproduktion mehr statt, weil der Einzelne nur individuelle Konsumtionsmittel zu Eigentum hat. Aber die Verteilung der individuellen Konsumg\u00fcter auf die Gesellschaftsmitglieder weist insoweit Analogien zum Warenaustausch auf, als jeder nur soviel von der Gesellschaft erh\u00e4lt, wie er ihr in Form von Arbeit gibt; es &#8222;herrscht dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Waren\u00e4quivalenten, es wird gleich viel Arbeit in einer Form gegen gleich viel Arbeit in einer andern ausgetauscht&#8220;: jeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seiner Leistung. Erst in der h\u00f6heren Phase der neuen Gesellschaft, wenn der Kommunismus sich auf seinen <i>eigenen<\/i> Grundlagen bewegt, wenn mit der Teilung der Arbeit der Gegensatz zwischen geistiger und k\u00f6rperlicher Arbeit verschwunden ist, die Arbeit aus einem Mittel zum Leben selbst das &#8222;erste Lebensbed\u00fcrfnis&#8220; geworden ist, mit der allseitigen Entwicklung der Individuen ihre individuellen Produktivkr\u00e4fte gewachsen sind und &#8222;alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller flie\u00dfen&#8220; &#8211; dann erst kann die Gesellschaft verk\u00fcnden: &#8222;Jeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen!&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote319sym\" name=\"sdfootnote319anc\"><sup>319<\/sup><\/a> Unabh\u00e4ngig von der Phaseneinteilung des Kommunismus ist festzuhalten, da\u00df Marx das Verschwinden der Warenproduktion als gemeinsame Grundlage <i>beider<\/i> Phasen der neuen Gesellschaft sieht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In offenem Gegensatz zu Marx behauptet Stalin, erst &#8222;in der zweiten Phase der kommunistischen Gesellschaft wird die Menge der f\u00fcr die Herstellung der Produkte aufgewandten Arbeit nicht auf einem Umwege gemessen werden, nicht vermittels des Wertes und seiner Formen, wie es in der Warenproduktion der Fall ist, sondern direkt und unmittelbar &#8211; durch die zur Herstellung der Produkte verausgabte Menge der Zeit, Menge der Stunden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote320sym\" name=\"sdfootnote320anc\"><sup>320<\/sup><\/a> Auf Basis seiner Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Warenproduktion in der sozialistischen Sowjetunion folgerichtig, verschwindet f\u00fcr Stalin das Wertgesetz erst in dieser zweiten Phase, dh. im eigentlichen Kommunismus; darum wandte er sich 1934 auch gegen die Linken, die f\u00fcr die Abschaffung des Geldes bereits jetzt, im &#8222;Sozialismus&#8220;, eintraten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx dagegen sieht den Wert und damit nat\u00fcrlich Wertgesetz und Geld mit dem Eintritt in die neue Gesellschaft verschwinden, weil damit die Warenproduktion \u00fcberhaupt verschwindet. Ihre Ersetzung durch eine andere Produktionsweise stellt das \u00f6konomische Wesen des \u00dcbergangs dar; sonst w\u00fcrde die Abl\u00f6sung der fr\u00fcheren Gesellschaft rein politisch erfolgen, als blo\u00dfer Wechsel des \u00dcberbaus. Im Unterschied zur Stalinschen Auffassung kann die &#8222;sozialistische&#8220; Produktion in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft nicht &#8211; auch nicht zu einem ma\u00dfgeblichen Teil &#8211; Warenproduktion sein. Die neue Produktionsweise steht im Ganzen <i>jenseits<\/i> der Warenproduktion, auch wenn es au\u00dferhalb von ihr noch f\u00fcr eine \u00dcbergangszeit mehr oder weniger gro\u00dfe Reste von (evt. auch kapitalistischer) Warenproduktion geben mag.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dar\u00fcber hinaus weist Marx darauf hin, da\u00df in der ersten Phase der neuen Gesellschaft lediglich auf <i>einem<\/i> Gebiet, n\u00e4mlich bei der Aufteilung der individuellen Konsumtionsmittel auf die einzelnen Gesellschaftsmitglieder, eine <i>Analogie<\/i> zum Austausch von Waren\u00e4quivalenten zum Tragen kommt: hier gilt dasselbe &#8222;Prinzip&#8220; wie beim &#8222;Austausch Gleichwertiger&#8220;, weil jeder von der Gesellschaft exakt (nur) dieselbe Menge Konsumtionsmittel erh\u00e4lt, die der von ihm geleisteten Arbeit entspricht (abgesehen von den gesellschaftlich erforderlichen Abz\u00fcgen). Mehr als eine Analogie ist dies jedoch nicht, denn gegen\u00fcber dem auf Werten beruhenden Austausch von Waren sind &#8222;Inhalt und Form&#8220; hier &#8222;ver\u00e4ndert&#8220;, wie Marx ausdr\u00fccklich hinzuf\u00fcgt; es gibt weder Warenproduktion noch das Wertgesetz. Dieser Austausch ist gegen\u00fcber der Warenproduktion wesensverschieden, weil er keine produktionssteuernde Funktion mehr hat. Die Produktion findet im Gegenteil von Beginn an bewu\u00dft, dh. geplant gem\u00e4\u00df den Bed\u00fcrfnissen, statt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Darum hat auch das Geld hier seine Funktion verloren. An seiner Stelle existieren nur noch &#8222;Arbeitszettel&#8220;, die den eben genannten &#8222;Austausch&#8220; zur Erlangung von Konsumg\u00fctern vermitteln. Sie bescheinigen dem Produzenten, wieviel Arbeit er geleistet hat, unter Abzug der Arbeit f\u00fcr die gemeinschaftlichen Fonds. Mit ihnen kann er aus dem gesellschaftlichen Vorrat an Konsumtionsmitteln soviel herausziehen, wie seiner eigenen Arbeit entspricht. Er &#8222;tauscht&#8220; damit (seine eigene) Arbeit in der einen Form gegen Arbeit (von anderen), die in einer anderen Form vergegenst\u00e4ndlicht ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der polit\u00f6konomische Gegensatz zu Marx steht im Zusammenhang mit politischen Auswirkungen. Wenn die Kolchosproduktion als &#8222;sozialistisch&#8220; begriffen wurde, bestand kein Grund, den Tr\u00e4gern dieser Produktionsweise die politische Gleichberechtigung im sozialistischen Staat zu verweigern. Neben den objektiven Zw\u00e4ngen gab es also auch eine politisch-ideologische Logik, die zur Gleichstellung von Arbeitern und Bauern im Staat f\u00fchrte. Auf die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei trifft dies allerdings nicht zwingend zu. Als Klassenpartei des Proletariats konnte sie weiterhin den Arbeitern vorbehalten bleiben, die trotz &#8222;sozialistischer&#8220; Gemeinsamkeiten mit den Bauern die h\u00f6here Form der sozialistischen Produktionsweise repr\u00e4sentierten. Nachdem der Stein aber einmal ins Rollen gekommen war, waren die Zw\u00e4nge offenbar zu stark, auch die Partei den Bauern zu \u00f6ffnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abgesehen von der Bauernschaft kann die sowjetische Gesellschaft auch von Seiten der Arbeiterklasse nicht als sozialistisch betrachtet werden. Marx zufolge stellt die neue Gesellschaft eine freie Assoziation der Produzenten, einen &#8222;Verein freier Menschen&#8220; dar.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote321sym\" name=\"sdfootnote321anc\"><sup>321<\/sup><\/a> Das setzt einen Entwicklungsstand der produktiven Klasse voraus, der wiederum nur auf dem Boden entwickelter Produktivkr\u00e4fte m\u00f6glich ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im KAPITAL hei\u00dft es, mit dem Fortgang der kapitalistischen Produktion &#8222;entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit, die Anforderungen jener Produktionsweise als selbstverst\u00e4ndliche Naturgesetze anerkennt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote322sym\" name=\"sdfootnote322anc\"><sup>322<\/sup><\/a> In Gestalt der kapitalistischen Produktionsweise sind dies die Anforderungen gesellschaftlicher Produktion \u00fcberhaupt, die sich mit der Entwicklung des Kapitals im Ganzen der Gesellschaft durchsetzt. Darin eingeschlossen ist die Tendenz zur allseitigen Entwicklung der Eigenschaften und F\u00e4higkeiten der Produzenten. Das geschieht in den Schranken einer Produktionsweise, f\u00fcr die die gesellschaftliche Produktion Mittel zum Zweck der Verwertung des Werts ist, deren Zweck also nicht die Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse ist und die deshalb nicht die Entwicklung der Individualit\u00e4t als Selbstzweck setzt. Aber erst auf dieser Basis kann sich eine Arbeiterklasse herausbilden, die nicht nur die alten Gewalten st\u00fcrzen kann, sondern auch in der Lage ist, eine freie Assoziation der Arbeit zu bilden, die Produktivkr\u00e4fte aus den Fesseln des Kapitals zu befreien und an die R\u00fccknahme des Staats in die Gesellschaft zu gehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Voraussetzungen waren in der Sowjetunion nicht gegeben. Die alte Arbeiterklasse der Oktoberrevolution, die tendentiell dazu in der Lage war, ging in der Industrialisierung als Klasse unter. Die neue Arbeiterklasse aus barbarischen Bauern aber mu\u00dfte erst durch ein Zwangsregime an gesellschaftliche Arbeit gew\u00f6hnt werden. Findet in der nachkapitalistischen Gesellschaft die Planung auf Grundlage der Entwickeltheit der Produktion statt, um entwickelte Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, so fand sie in der Sowjetunion auf Grundlage der Unentwickeltheit der Produktion statt, um die Industrialisierung \u00fcberhaupt erst durchzuf\u00fchren. Es konnte noch nicht der Sozialismus selber aufgebaut, sondern nur seine Voraussetzungen geschaffen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus Anla\u00df der Verabschiedung der Verfassung von 1936 meinte Stalin, da\u00df die Sowjetgesellschaft &#8222;den Sozialismus im wesentlichen schon verwirklicht, die sozialistische Gesellschaftsordnung errichtet, d.h. da\u00df sie das verwirklicht hat, was bei den Marxisten sonst die erste oder untere Phase des Kommunismus genannt wird.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote323sym\" name=\"sdfootnote323anc\"><sup>323<\/sup><\/a> In Wirklichkeit blieb die Sowjetunion entgegen den Auffassungen ihrer F\u00fchrung auch nach dem gro\u00dfen Umschwung, was sie nach der Aussage Lenins in den 20er Jahren gewesen war: sozialistisch nur dem Ziel nach. Nimmt man die Produktionsverh\u00e4ltnisse des Kolchos und die Zwangsorganisation der Arbeit in den Fabriken zusammen, so mu\u00df man feststellen, da\u00df die b\u00e4uerliche Zur\u00fcckgebliebenheit des Landes sich doppelt geltend machte: auf dem Land und in der Stadt, bei den Bauern selber und bei den Arbeitern. Zwar r\u00fcckte die Sowjetunion ihrem Ziel mit der Industrialisierung und Kollektivierung einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4her. Indem die erste Stufe des Kommunismus aber bereits f\u00fcr verwirklicht erkl\u00e4rt wurde, mu\u00dfte der wissenschaftliche Sozialismus ab den 30er Jahren dazu dienen, eine nichtsozialistische Gesellschaftsformation als sozialistisch zu deklarieren. Hier liegt ein ma\u00dfgeblicher Grund f\u00fcr die Wandlung des Marxismus von einer Wissenschaft zur Ideologie.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Gegen die Bauern<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleich nach dem Weltkrieg wurde das individuelle Hofland, das die Bauern im Zuge des Weltkriegs ausgedehnt hatten, wieder auf den alten Stand zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. 1946 erfolgte eine W\u00e4hrungsreform, die in erster Linie zu Lasten der Ersparnisse ging, die die Bauern im 2.Weltkrieg gemacht hatten, als man ihnen weit entgegenkommen mu\u00dfte. Eine gro\u00dfe Anzahl von Kolchosleitern, die eigenm\u00e4chtig f\u00fcr die Bevorzugung der individuellen Bauernwirtschaften gesorgt hatten, wurde gema\u00dfregelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Verantwortlicher f\u00fcr die Bauernpolitik trat im September 1946 das Mitglied des Politb\u00fcros A.A.Andrejew an die Spitze eines neugebildeten Rates f\u00fcr Kolchosangelegenheiten beim Ministerrat der UdSSR. Bei den Ma\u00dfnahmen gegen die Kolchosen fiel auf, &#8222;da\u00df hierbei mit gro\u00dfer Milde&#8220; verfahren wurde: Kolchosleiter wurden bei der Aufdeckung von Mi\u00dfst\u00e4nden nur abgesetzt, sonst geschah ihnen nichts. Au\u00dferdem trat Andrejew daf\u00fcr ein, das System der individuellen Arbeitsgruppen als Grundlage der Arbeitsorganisation auszubauen. Die Arbeitsgruppen ber\u00fccksichtigten besonders stark famili\u00e4re Bindungen;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote324sym\" name=\"sdfootnote324anc\"><sup>324<\/sup><\/a> sie bauten damit auf den von Familienverb\u00e4nden getragenen Strukturen der obscina auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Andrejews Gegenspieler in der Agrarpolitik war Chruschtschow. Er forderte die Zusammenlegung von Kolchosen zu Gro\u00dfkolchosen, bei denen als Grundlage der Arbeitsorganisation anstelle kleiner Familiengruppen Brigaden von 100 bis 150 Arbeitern gebildet werden sollten. Au\u00dferdem plante Chruschtschow damals die Gr\u00fcndung von Agrost\u00e4dten. &#8222;Es ging um nicht mehr oder weniger als um die Beseitigung des bisherigen Typus des Bauern, den man durch einen im vollmechanisierten Betrieb besch\u00e4ftigten landwirtschaftlichen Facharbeiter ersetzt wissen wollte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote325sym\" name=\"sdfootnote325anc\"><sup>325<\/sup><\/a> Im Politb\u00fcro gab es wieder einmal heftige Auseinandersetzungen \u00fcber die Agrarfrage. &#8222;Am sch\u00e4rfsten wurde an Chruscevs (Chruschtschows; H.K.) Plan kritisiert, da\u00df das private Gartenland des Kolchosbauern verkleinert und dazu noch an die Peripherie der neuen Gro\u00dfkolchose verlegt werden sollte, um es hier kollektiv zu bearbeiten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote326sym\" name=\"sdfootnote326anc\"><sup>326<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit Unterst\u00fctzung Stalins, der Chruschtschow wegen seiner Agrarpolitik f\u00f6rderte, wurde der Zusammenschlu\u00df von Kolchosen durchgef\u00fchrt, wodurch die Zahl der Kolchosen von 254.000 (1.1.1950) auf 94.000 (September 1953) sank.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote327sym\" name=\"sdfootnote327anc\"><sup>327<\/sup><\/a> Insbesondere in den Steppengebieten konnten auf diese Weise auch Verwaltungskosten eingespart werden; in den \u00fcbrigen Gebieten waren die finanziellen Einsparungen aber nicht gro\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote328sym\" name=\"sdfootnote328anc\"><sup>328<\/sup><\/a> Die weitergehenden, von Chruschtschow vorgeschlagenen Ver\u00e4nderungen auf dem Land (Bildung von Agrost\u00e4dten, Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des privaten Hoflands) wurden nicht umgesetzt, sei es, weil Stalin den Widerstand der Bauern als zu gro\u00df einsch\u00e4tzte, sei es, weil die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in der Parteif\u00fchrung es nicht zulie\u00dfen. Auch Andrejew blieb vorerst auf seinem Posten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner Schrift &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus&#8220; nahm Stalin 1952 dann grunds\u00e4tzlich zur weiteren Entwicklung der Kolchosen Stellung. Er wies darauf hin, da\u00df die in den 30er Jahren auf dem Land geschaffenen Produktionsverh\u00e4ltnisse von gro\u00dfem Nutzen f\u00fcr die Entwicklung der sozialistischen Wirtschaft gewesen seien und es auch noch in der n\u00e4chsten Zukunft blieben, nannte es aber eine &#8222;unverzeihliche Blindheit&#8220;, nicht zu sehen, da\u00df sie gleichzeitig bereits &#8222;beginnen, die gewaltige Entwicklung unserer Produktivkr\u00e4fte zu hemmen, da sie Hindernisse f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Erfassung der gesamten Volkswirtschaft, besonders der Landwirtschaft, durch die staatliche Planung schaffen. Es kann kein Zweifel bestehen, da\u00df diese Erscheinungen je l\u00e4nger, je mehr das weitere Wachstum der Produktivkr\u00e4fte unseres Landes hemmen werden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote329sym\" name=\"sdfootnote329anc\"><sup>329<\/sup><\/a> Damit hatte er das \u00f6konomische Kernproblem der weiteren Entwicklung benannt: die agrarische Produktivit\u00e4t war auf dem Boden der gegebenen Produktionsverh\u00e4ltnisse nicht ausreichend zu entwickeln. Um die latente Stagnation zu \u00fcberwinden, mu\u00dften andere Produktionsverh\u00e4ltnisse auf dem Land geschaffen werden. Wie aber sollte das geschehen?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Weg der &#8222;einfachen Aufsaugung des kollektivwirtschaftlichen Sektors durch den staatlichen Sektor&#8220; bezeichnete Stalin als &#8222;wenig wahrscheinlich&#8220;, weil das &#8222;als Expropriation der Kollektivwirtschaften aufgefa\u00dft werden&#8220; w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote330sym\" name=\"sdfootnote330anc\"><sup>330<\/sup><\/a> Dem Kolchos das Eigentum an seinen Erzeugnissen zu entziehen und die Bauern zu Landarbeitern zu machen, erschien Stalin demzufolge nach wie vor zu gef\u00e4hrlich; noch lebte auf dem Land mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung, und freiwillig verzichteten die Kolchosbauern nicht auf ihre Rechte. Wahrscheinlicher erschien Stalin die &#8222;Organisierung eines einheitlichen Wirtschaftsorgans des <i>ganzen Volkes<\/i> (in dem die staatliche Industrie und die Kollektivwirtschaften vertreten sein werden)&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote331sym\" name=\"sdfootnote331anc\"><sup>331<\/sup><\/a> Wie dieses &#8222;einheitliche Wirtschaftsorgan&#8220; aussehen und wie es zustandekommen sollte, er\u00f6rterte er nicht n\u00e4her.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er forderte, die vorhandenen &#8222;Widerspr\u00fcche zu beseitigen durch allm\u00e4hliche Umwandlung des kollektivwirtschaftlichen Eigentums in allgemeines Volkseigentum und durch &#8211; gleichfalls allm\u00e4hliche &#8211; Einf\u00fchrung des Produktenaustauschs an Stelle der Warenzirkulation.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote332sym\" name=\"sdfootnote332anc\"><sup>332<\/sup><\/a> Diesen Produktenaustausch beg\u00fcnstigte der Staat nach Stalins Worten schon jetzt, denn es &#8222;ist bekannt, da\u00df die Kollektivwirtschaften, die mit der Regierung Vertr\u00e4ge \u00fcber Produktenaustausch (&gt;Waren&lt;lieferung) abgeschlossen haben, bedeutend gr\u00f6\u00dfere Vorteile erzielen als die Kollektivwirtschaften, die keine solche Vertr\u00e4ge haben.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote333sym\" name=\"sdfootnote333anc\"><sup>333<\/sup><\/a> Die Aufgabe sah er darin, diese Ans\u00e4tze &#8222;zu einem weitverzweigten System des Produktenaustauschs zu entwickeln, damit die Kollektivwirtschaften f\u00fcr ihre Erzeugnisse nicht nur Geld, sondern vor allem die notwendigen Erzeugnisse erhalten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote334sym\" name=\"sdfootnote334anc\"><sup>334<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00d6konomische Verg\u00fcnstigungen f\u00fcr den Produkten<i>tausch<\/i> waren die eine Seite. Dar\u00fcber hinaus erblickte Stalin anscheinend im Beharren auf dem Wertgesetz eine M\u00f6glichkeit, die Bauern \u00f6konomisch in die Knie zu zwingen. In den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; wird erw\u00e4hnt, da\u00df das ZK einige Zeit zuvor das Verh\u00e4ltnis von Baumwoll- zu Getreidepreisen geregelt hatte. Nach einem Vorschlag der Wirtschaftler und Planer sollte eine Tonne Getreide fast soviel kosten wie eine Tonne Baumwolle, obwohl Baumwolle in der Herstellung viel teurer sei. Gleichzeitig sollte der Preis f\u00fcr die Tonne Getreide der gleiche sein wie f\u00fcr eine Tonne Brot, ungeachtet der zus\u00e4tzlichen Kosten f\u00fcr Mahlen, Backen und Verteilung. Im ZK wurde stattdessen beschlossen, f\u00e4hrt Stalin unter Hinweis auf die Weltmarktpreise und das Wertgesetz fort, die Getreidepreise herab- und die Baumwollpreise heraufzusetzen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote335sym\" name=\"sdfootnote335anc\"><sup>335<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ob der von Stalin in Ans\u00e4tzen aufgezeigte Weg einer <i>\u00f6konomischen<\/i> L\u00f6sung der Agrarfrage mit Zuckerbrot und Peitsche f\u00fcr die Bauern gangbar war oder nicht, mu\u00dfte sich noch zeigen. Eine Bedingung f\u00fcr den Erfolg war die ausreichende Zunahme der Industrieproduktion. Stalin wies darauf hin, da\u00df das System des Produktenaustauschs &#8222;eine gewaltige Steigerung der von der Stadt an das Dorf gelieferten Produktion (erfordert), deshalb sollte man es ohne \u00dcberst\u00fcrzung, entsprechend der Anh\u00e4ufung der von der Stadt hergestellten Erzeugnisse, einf\u00fchren.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote336sym\" name=\"sdfootnote336anc\"><sup>336<\/sup><\/a> Ein weiterer Industrialisierungsschub war auch aus anderen Gr\u00fcnden notwendig: wenn durch Aufl\u00f6sung der Kolchosen die agrarische Produktivit\u00e4t entwickelt werden konnte, bedeutete das die \u00dcberfl\u00fcssigmachung von lebendiger Arbeit. Diese Arbeitskr\u00e4fte mu\u00dften von der Industrie aufgefangen werden, so wie umgekehrt der industrielle Aufbau mit ihnen vorangetrieben werden konnte. Die Fortsetzung der Industrialisierung warf aber die Frage nach den Ausgaben f\u00fcr R\u00fcstung und Milit\u00e4r auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Um die Zwei-Lager-Theorie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach einem Satz von Gramsci war im Osten die Gesellschaft wenig, der Staat alles. Gramscis Aussage zielte auf die vorrevolution\u00e4re Gesellschaft Ru\u00dflands, trifft aber auch die nachrevolution\u00e4re Ordnung in der Sowjetunion. Ist die &#8222;Gesellschaft wenig&#8220; und der &#8222;Staat alles&#8220;, ist die Armee naturgem\u00e4\u00df von besonderer Bedeutung. Tr\u00e4gerin des Siegs im B\u00fcrgerkrieg, trat die Rolle der Roten Armee nur solange nicht hervor, wie die Politik der Partei sich mit ihren eigenen Vorstellungen deckte. Durch die S\u00e4uberungen Ende der 30er Jahre aus einer proletarischen zu einer Arbeiter- und Bauernarmee geworden, stellte der Weltkrieg jedoch ein neues Verh\u00e4ltnis zwischen Armee- und Staatsf\u00fchrung her.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den ersten Kriegswochen wurde das Gros der proletarischen Truppen vernichtet, die als die kampfst\u00e4rksten, mit den technischen Kriegsger\u00e4ten vertrauten Einheiten an vorderster Front gestanden hatten. Das waren die voll ausger\u00fcsteten Kampfverb\u00e4nde aus den Jahren der Milizarmee, die auch nach der Armeereform die proletarische Vormacht garantierten. Die Eroberung der industrialisierten, westlichen Teile der Sowjetunion durch die deutschen Truppen tat ein \u00fcbriges. Sie machte die b\u00e4uerlichen Massen und die asiatischen R\u00fcckzugsgebiete, von denen aus der Kampf fortgesetzt werden mu\u00dfte, endg\u00fcltig kriegsentscheidend. Die Armee wurde aus einer Arbeiter- und Bauernarmee zu einer Bauern- und Arbeiterarmee. Da\u00df der Krieg nicht f\u00fcr den Sieg des Sozialismus, sondern als Gro\u00dfer Vaterl\u00e4ndischer Krieg gef\u00fchrt werden mu\u00dfte, war u a. eine Konsequenz daraus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Politischen Kommissare wurden ein Hauptstreitpunkt zwischen Armee und Partei. 1925 abgeschafft, weil durch den \u00dcbergang zur Kadertruppe der proletarische Charakter der Armee gesichert war, wurden sie im Gefolge des \u00dcbergangs zum stehenden Heer am 10.Mai 1937 wiedereingef\u00fchrt, diesmal aber nicht zur Kontrolle zaristischer Offiziere, sondern um die Hegemonie des Proletariats \u00fcber die Bauern zu sichern. Am 12.August 1940 wurden sie erneut abgeschafft und 3 Wochen nach dem \u00dcberfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion, mit Dekret vom 16.Juli 1941, noch einmal eingerichtet. Am 9.Oktober 1942 wurden sie dann endg\u00fcltig abgeschafft.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote337sym\" name=\"sdfootnote337anc\"><sup>337<\/sup><\/a> Damit hatte die Armee die Kontrolle durch die Partei abgesch\u00fcttelt. Von jetzt an duldete sie weder weitere S\u00e4uberungen in ihren Reihen noch war sie bereit, erneute innenpolitische Unruhen wie z.B. Auseinandersetzungen auf dem Land hinzunehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">N\u00e4here Untersuchungen kommen zu dem Schlu\u00df, da\u00df es in der F\u00fchrung der sowjetischen Partei tiefgreifende Differenzen \u00fcber die au\u00dfenpolitische Orientierung nach dem 2.Weltkrieg gab. &#8222;Eine Reihe gut unterrichteter Beobachter spricht von zwei rivalisierenden Gruppierungen innerhalb der F\u00fchrung der KPdSU im Jahre 1952.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote338sym\" name=\"sdfootnote338anc\"><sup>338<\/sup><\/a> Die erste Gruppierung verfocht au\u00dfenpolitisch die &#8222;Zwei-Lager-Theorie&#8220;. Dieser Theorie zufolge stand dem Lager des Sozialismus ein geschlossenes, einheitliches Lager &#8222;des&#8220; Imperialismus gegen\u00fcber; ein Krieg zwischen beiden war unvermeidlich. Aus dieser Analyse der Weltlage folgte die Notwendigkeit der milit\u00e4rischen Hochr\u00fcstung und Sicherung des osteurop\u00e4ischen Vorfelds um jeden Preis, mit der Armee als entscheidender Kraft. Shdanow (Zdanov) war bis zu seinem Tod im Jahr 1948 der Repr\u00e4sentant dieser Gruppierung. &#8222;In der sowjetischen Au\u00dfenpolitik trat seit 1945 immer pr\u00e4gnanter der starke Einflu\u00df und die energische Initiative des Leningrader Parteisekret\u00e4rs Andrej Aleksandrovic Zdanovs hervor. (&#8230;) Im allgemeinen konnte er &#8230; als der Hauptverfechter der Doktrin von den Zwei Welten gelten, die der amerikanischen &gt;one-world&lt;-Auffassung gegen\u00fcbergehalten wurde. Sehr bald konnte man in ihm eine der treibenden Kr\u00e4fte der sowjetischen Au\u00dfenpolitik im aggressiven Sinne erkennen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote339sym\" name=\"sdfootnote339anc\"><sup>339<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die &#8222;Zwei-Welten-Theorie&#8220; bedeutete einen Bruch mit der bisherigen sowjetischen Au\u00dfenpolitik. In &#8222;Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus&#8220; hatte Lenin 1920 geschrieben: &#8222;Einen m\u00e4chtigeren Gegner kann man nur unter gr\u00f6\u00dfter Anspannung der Kr\u00e4fte und nur dann besiegen, wenn man <i>unbedingt<\/i> aufs angelegentlichste, sorgsamste, vorsichtigste, geschickteste sowohl jeden, selbst den kleinsten &gt;Ri\u00df&lt; zwischen den Feinden, jeden Interessengegensatz zwischen der Bourgeoisie der verschiedenen L\u00e4nder, zwischen den verschiedenen Gruppen oder Schichten innerhalb der Bourgeoisie innerhalb der einzelnen L\u00e4nder &#8230; ausnutzt, um einen Verb\u00fcndeten unter den Massen zu gewinnen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote340sym\" name=\"sdfootnote340anc\"><sup>340<\/sup><\/a> Auf dem Boden dieser Grunds\u00e4tze hatte die Sowjetunion ihre Au\u00dfenpolitik betrieben. Durch die Ausnutzung der Nachkriegsgegens\u00e4tze zwischen Deutschland und den Westm\u00e4chten (Vertrag von Rapallo) konnte sie in den 20er Jahren ihre seinerzeitige Abr\u00fcstung vollziehen und Mittel f\u00fcr den industriellen Wiederaufbau freisetzen. Nach dem 2.Weltkrieg dagegen gef\u00e4hrdete die fortgesetzte R\u00fcstung trotz Demobilisierung eines Teils der Armee die Rekonstruktion und den Ausbau der Industrie.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalin war ein Gegner der &#8222;Zwei-Lager-Theorie&#8220; und der darauf gest\u00fctzten R\u00fcstungspolitik. Er &#8222;f\u00fcrchtete wohl eine weitere Versch\u00e4rfung der internationalen Lage, die eine erneute Erh\u00f6hung der R\u00fcstungsausgaben der USA und damit auch der UdSSR h\u00e4tte zur Folge haben k\u00f6nnen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote341sym\" name=\"sdfootnote341anc\"><sup>341<\/sup><\/a> In einem Interview in der Prawda vom 17.Februar 1952 wies er darauf hin, da\u00df Hochr\u00fcstung die wirtschaftliche Entwicklung verhindern und die Sowjetunion in den Staatsbankrott treiben w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote342sym\" name=\"sdfootnote342anc\"><sup>342<\/sup><\/a> Allerdings verfocht er in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus&#8220; weiterhin den Vorrang der Schwerindustrie. Zu diesem Zeitpunkt war noch kein neuer F\u00fcnfjahrplan in Kraft gesetzt worden. Das vierte Planjahrf\u00fcnft (1945-1950) hatte im Zeichen der Beseitigung der Kriegssch\u00e4den gestanden; die aufgetauchten Wirtschaftsschwierigkeiten f\u00fchrten dazu, da\u00df erst im Oktober 1952 Direktiven f\u00fcr den f\u00fcnften F\u00fcnfjahrplan verabschiedet werden konnten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote343sym\" name=\"sdfootnote343anc\"><sup>343<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In demselben Interview vom Februar 1952 widersprach Stalin der Behauptung, da\u00df ein neuer Weltkrieg zwischen Kapitalismus und Kommunismus unvermeidlich sei.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote344sym\" name=\"sdfootnote344anc\"><sup>344<\/sup><\/a> In den &#8222;\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus&#8220; ging er auf die damit zusammenh\u00e4ngenden Fragen grunds\u00e4tzlich ein. Er wandte sich gegen &#8222;manche Genossen&#8220;, die &#8222;meinen, da\u00df die Gegens\u00e4tze zwischen dem Lager des Sozialismus und dem Lager des Kapitalismus st\u00e4rker seien als die Gegens\u00e4tze zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote345sym\" name=\"sdfootnote345anc\"><sup>345<\/sup><\/a> Die nicht namentlich Angesprochenen vertraten die Linie, da\u00df Deutschland und Japan durch die Weltkriegsniederlage als selbst\u00e4ndige M\u00e4chte ausgespielt h\u00e4tten, und folgerten daraus, da\u00df die sowjetische Au\u00dfenpolitik nicht mehr auf die Widerspr\u00fcche zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten setzen k\u00f6nne. Demgegen\u00fcber arbeitete Stalin heraus, da\u00df der Wiederaufstieg Deutschlands und Japans und ihre Befreiung aus US-Vorherrschaft nur eine Frage der Zeit sein k\u00f6nne. Das Fazit seiner Ausf\u00fchrungen war, da\u00df nicht ein Krieg zwischen Sozialismus und Kommunismus, sondern &#8222;die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern bestehen bleibt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote346sym\" name=\"sdfootnote346anc\"><sup>346<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Schl\u00fcssel f\u00fcr die daraus resultierende Politik stellte Deutschland dar. Ohne Deutschland war die Sowjetunion nicht zu isolieren, geschweige denn &#8211; abgesehen von einem atomaren \u00dcberfall &#8211; milit\u00e4risch zu bedrohen. Die sowjetische Deutschland-Note von 1952 setzte diese Erkenntnis in Politik um: Gegen das Angebot der Wiedervereinigung bei freien Wahlen und selbst\u00e4ndiger Entscheidung \u00fcber die Gesellschaftsordnung sollte Deutschland sich zur B\u00fcndnislosigkeit verpflichten, dh. kein Milit\u00e4rb\u00fcndnis mit den Vereinigten Staaten eingehen. Die Realisierung dieses Angebots h\u00e4tte das US-gef\u00fchrte internationale &#8222;Lager&#8220; gespalten, noch bevor es sich endg\u00fcltig formiert hatte, und der Sowjetunion eine Abr\u00fcstung in gro\u00dfem Umfang erlaubt. Die Rolle der Armee w\u00e4re auf nat\u00fcrliche Weise zusammengeschrumpft, es h\u00e4tte freie Mittel f\u00fcr den Fortgang der Industrialisierung und Spielraum f\u00fcr eine Politik gegen die Bauern gegeben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den Kampf mit seinen Gegnern in Partei und Armee aufzunehmen, wurde Stalin nach Jahren der Zur\u00fcckhaltung auch theoretisch wieder aktiv. Mitte 1950 erschienen mehrere Artikel in der Prawda \u00fcber &#8222;Marxismus und die Fragen der Sprachwissenschaft&#8220;. Sie richteten sich gegen die Anh\u00e4nger der Sprachtheorie von Marr, der die Behauptung aufgestellt hatte, da\u00df die Sprache klassengebunden sei, dh. Adel bzw. Bourgeoisie und Proletariat jeweils eine eigene Sprache h\u00e4tten. Diese Zwei-Lager-Theorie in der Sprachwissenschaft wurde von Stalin zur\u00fcckgewiesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1952 erschien die Schrift &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR&#8220;. Sie enthielt &#8222;Bemerkungen zu \u00f6konomischen Fragen&#8220; (Untertitel) im Zusammenhang mit der Diskussion \u00fcber den Entwurf eines Lehrbuchs der politischen \u00d6konomie. Haupts\u00e4chlich befa\u00dfte sich Stalin darin mit den Fragen der b\u00e4uerlichen Warenproduktion und mit der Existenz objektiver \u00f6konomischer Gesetze im Sozialismus. Daneben nahm er Definitionen der \u00f6konomischen &#8222;Grundgesetze&#8220; von Kapitalismus, monopolistischem Kapitalismus und Sozialismus vor. Unter anderem wandte er sich gegen den sowjetischen \u00d6konomen L.D.Jaroschenko. Dieser war nicht nur einer derjenigen, die die Rolle der bestehenden Produktionsverh\u00e4ltnisse als objektiver Basis (und Grenze) der Politik auch im Sozialismus leugneten und damit den Zugang f\u00fcr eine weiterf\u00fchrende Bauernpolitik verschlossen; er trat auch f\u00fcr den Primat der Produktion vor der Konsumtion ein. &#8222;Bei ihm wird die Produktion aus einem Mittel zum Zweck &#8230; Es ergibt sich Wachstum der Produktion um des Wachstums der Produktion willen, Produktion als Selbstzweck, w\u00e4hrend der Mensch mit seinen Bed\u00fcrfnissen aus dem Blickfeld des Genossen Jaroschenko verschwindet.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote347sym\" name=\"sdfootnote347anc\"><sup>347<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es war dem Verfasser nicht m\u00f6glich, die politische Zuordnung Jaroschenkos zu kl\u00e4ren. Aber unverkennbar ist, da\u00df seine Auffassung vom Selbstwert der Produktion im Verh\u00e4ltnis zum Konsum der dem Milit\u00e4r verbundenen Parteistr\u00f6mung, die <i>prinzipiell<\/i> f\u00fcr den Vorrang der Schwer- und R\u00fcstungsindustrie eintrat, Sch\u00fctzenhilfe bot. Im Gegensatz dazu verteidigte Stalin zwar f\u00fcr den gegebenen Zeitpunkt den Vorrang der Schwerindustrie, beharrte aber darauf, da\u00df das Ziel der Produktion im Sozialismus &#8222;der Mensch mit seinen Bed\u00fcrfnissen, das hei\u00dft die Befriedigung seiner materiellen und kulturellen Bed\u00fcrfnisse&#8220; sein m\u00fcsse.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote348sym\" name=\"sdfootnote348anc\"><sup>348<\/sup><\/a> Als &#8222;\u00f6konomisches Grundgesetz des Sozialismus&#8220; formulierte er die &#8222;Sicherung der maximalen Befriedigung der st\u00e4ndig wachsenden materiellen und kulturellen Bed\u00fcrfnisse der gesamten Gesellschaft durch ununterbrochenes Wachstum und stetige Vervollkommnung der sozialistischen Produktion auf der Basis der h\u00f6chstentwickelten Technik.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote349sym\" name=\"sdfootnote349anc\"><sup>349<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcber die rein \u00f6konomischen Fragen hinaus, mit denen sich die Schrift ansonsten besch\u00e4ftigt, nahm der 6.Abschnitt &#8222;Die Frage der Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern&#8220; eine au\u00dfenpolitische Abrechnung mit der Zwei-Lager-Theorie vor, wiederum ohne ihre Vertreter zu nennen. Hier wird greifbarer, was ohne zus\u00e4tzliche Informationen nicht nachvollziehbar ist: die von Stalin bezogenen Positionen richteten sich gegen die Vertreter einer schwerindustriell-b\u00e4uerlich-milit\u00e4rischen Str\u00f6mung in der Parteif\u00fchrung, die der Weiterentwicklung der Sowjetunion zunehmend im Wege stand.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Zwei Str\u00f6mungen<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Georg v.Rauch bemerkt, da\u00df bereits lange vor 1952 zwei Fraktionen in der Parteif\u00fchrung existierten, die ihren Kampf mit allen Mitteln austrugen. Er weist darauf hin, &#8222;da\u00df sich seit der gro\u00dfen S\u00e4uberung der drei\u00dfiger Jahre zwei Gruppen im Kreml herausgebildet haben: eine mehr russisch-national bestimmte um Zdanov und eine mehr \u00fcbernational-sowjetische um Berija und Malenkov. Sowohl aus der \u00e4u\u00dferen als auch der inneren Politik l\u00e4\u00dft sich nachweisen, da\u00df zwischen beiden Gruppierungen Meinungsverschiedenheiten bestanden, die durch pers\u00f6nliche Rivalit\u00e4ten ihrer Exponenten und Parteig\u00e4nger versch\u00e4rft wurden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote350sym\" name=\"sdfootnote350anc\"><sup>350<\/sup><\/a> Es scheint so, als ob die beiden Parteifl\u00fcgel vor\u00fcbergehend durch den Krieg zusammengehalten wurden, bevor ihre Gegens\u00e4tze in der Nachkriegszeit wieder aufbrachen. Die Informationen dar\u00fcber sind aber nur sehr sp\u00e4rlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Parteisekret\u00e4r in Leningrad war Shdanow der Nachfolger des Ende 1934 ermordeten Kirows geworden. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die sowjetische Kulturpolitik, sorgte er nach dem Weltkrieg unter der Fahne des Kampfes f\u00fcr den &#8222;sozialistischen Realismus&#8220; auf allen Gebieten der Wissenschaft, Kunst und Literatur f\u00fcr eine b\u00e4uerlich-russische Ausrichtung gegen den &#8222;vaterlandslosen Kosmopolitismus&#8220;. Er war es auch, der die Ideen des sowjetischen Biologen Lyssenko per Parteibeschlu\u00df zur Richtschnur der biologischen Wissenschaft machen lie\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote351sym\" name=\"sdfootnote351anc\"><sup>351<\/sup><\/a> Die Reglementierung des Geisteslebens war so weitgehend, da\u00df sich daf\u00fcr die Bezeichnung &#8222;Zdanovscina&#8220; (Shdanow-Wirtschaft) einb\u00fcrgerte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote352sym\" name=\"sdfootnote352anc\"><sup>352<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Au\u00dfenpolitisch spricht Rauch von den Anh\u00e4ngern der Zwei-Lager Theorie als einer &#8222;aggressiven Str\u00f6mung&#8220; im Politb\u00fcro, deren Sprachrohr neben Zdanov der mit ihm befreundete N.A.Voznesenskij, j\u00fcngstes Mitglied des Politb\u00fcros und Chef des Planungsamtes, war. In seinem 1948 erschienenen Buch &#8222;Die Kriegswirtschaft der UdSSR in der Periode des Vaterl\u00e4ndischen Krieges&#8220; vertrat er in Abgrenzung zu Eugen Varga die Auffassung, da\u00df das kommunistische Lager dem Lager des Kapitalismus in jeder Hinsicht \u00fcberlegen sei. Unter den gegebenen Umst\u00e4nden liegt die Vermutung nahe, &#8222;da\u00df dieses Buch dazu bestimmt war, das Programm Zdanovs zu untermauern und den Kreml f\u00fcr den Gedanken eines Krieges gegen den Westen zu erw\u00e4rmen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote353sym\" name=\"sdfootnote353anc\"><sup>353<\/sup><\/a> In der Berlin-Krise von 1948 sowie bei der gleichzeitigen Auseinandersetzung mit dem Jugoslawien Titos soll diese Parteigruppierung f\u00fcr ein milit\u00e4risches Vorgehen eingetreten sein. Aber auf dem H\u00f6hepunkt der Krise, am 31.August 1948, starb Shdanow. Man hat &#8222;gemeint, da\u00df der Herzschlag, der den erst 52j\u00e4hrigen Mann hinwegraffte, eine Folge von heftigen Auseinandersetzungen im Politb\u00fcro wegen der Berliner und der jugoslawischen Frage gewesen sei. Zdanov habe eine milit\u00e4rische Aktion, wenn nicht gegen Berlin, das hei\u00dft gegen die Westm\u00e4chte, so doch gegen Tito bef\u00fcrwortet, was von der Mehrheit des Politb\u00fcros einschlie\u00dflich Stalins abgelehnt wurde.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote354sym\" name=\"sdfootnote354anc\"><sup>354<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem Shdanow tot war, wurden auch einige seiner f\u00fchrenden Parteig\u00e4nger entmachtet. In Leningrad f\u00fchrte Malenkow die S\u00e4uberungen durch (die sog. &#8222;Leningrader Aff\u00e4re&#8220;). Neben seinen au\u00dfenpolitischen Ansichten hatte Voznejenskij vertreten, da\u00df im Sozialismus nicht l\u00e4nger objektive \u00f6konomische Gesetze herrschten, sondern die Wirtschaft frei geplant werden k\u00f6nne. Das war das Thema, womit sich Stalin sp\u00e4ter in seiner Schrift &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus&#8220; grunds\u00e4tzlich auseinandersetzte. Nicht wegen seiner au\u00dfenpolitisch-milit\u00e4rischen Forderungen, sondern wegen seiner \u00f6konomischen Ansichten verurteilte das ZK Voznesenkijs Auffassungen im Juli 1949 als &#8222;subjektivistisch und voluntaristisch&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote355sym\" name=\"sdfootnote355anc\"><sup>355<\/sup><\/a> Der Staat k\u00f6nne nicht, wie von ihm behauptet, &#8222;willk\u00fcrlich die Wirtschaftsgesetze der sozialistischen Gesellschaft durch seine Planungen umgestalten&#8220;, sondern sei an selbst\u00e4ndig wirkende Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gebunden. Der Kritisierte wurde seiner Funktionen entbunden. Wie wenig die attackierte Str\u00f6mung damit jedoch getroffen war, zeigt die Tatsache, da\u00df Stalin sich 1952 wieder intensiv mit den 1949 verurteilten Positionen auseinandersetzen mu\u00dfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu der Gruppierung um Shdanow geh\u00f6rte auch der erw\u00e4hnte Andrejew, der in der Kolchospolitik f\u00fcr eine famili\u00e4re Arbeitsorganisation eintrat. 1952 wurde er seines Postens enthoben. Kaltgestellt wurde ebenfalls der damalige Ministerpr\u00e4sident der Russischen Sowjetrepublik, A.N.Kossygin, sp\u00e4ter &#8211; unter Breschnew &#8211; Ministerpr\u00e4sident der Sowjetunion.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Richtung, die sich um Shdanow zusammengefunden hatte, verband die Interessen von Schwerindustrie, Bauern und Milit\u00e4r, dh. von den Kr\u00e4ften, die die Sowjetunion schlie\u00dflich beherrschen sollten. In entscheidenden Fragen war Stalin offenbar ihr Gegner. In der Bauernfrage f\u00f6rderte er Chruschtschow, auch wenn er dessen damalige Agrarpolitik an einigen Punkten (Gr\u00fcndung von Agrost\u00e4dten) abbremste. Au\u00dfenpolitisch stellte er sich auf die Seite Malenkows, der gegen\u00fcber Shdanow &#8222;eine vorsichtigere Au\u00dfenpolitik bef\u00fcrwortete&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote356sym\" name=\"sdfootnote356anc\"><sup>356<\/sup><\/a> Malenkow r\u00fcckte an die zweite Stelle hinter Stalin, indem er gemeinsam mit dem Innenminister Berija &#8222;den Apparat von Anh\u00e4ngern Zdanovs s\u00e4uberte und den Einflu\u00df der \u00e4lteren Politb\u00fcromitglieder zur\u00fcckdr\u00e4ngte. In diesem Zusammenhang trat auch Molotov seit Anfang 1949 zeitweilig in den Hintergrund.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote357sym\" name=\"sdfootnote357anc\"><sup>357<\/sup><\/a> Dieser S\u00e4uberung fielen die oben erw\u00e4hnten Voznesenskij, Andreev und Kosygin zum Opfer.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem die Prawda zu seinem 50.Geburtstag am 8.Januar 1952 sein Bild auf der ersten Seite im Gro\u00dfformat gezeigt hatte &#8211; womit sonst nur Stalin geehrt wurde\u00a0-, trat Malenkow auf dem XIX.Parteitag im Oktober 1952 in aller \u00d6ffentlichkeit als k\u00fcnftiger Nachfolger Stalins in Erscheinung. Die von ihm repr\u00e4sentierte &#8222;Trojka&#8220; (Malenkow, Chruschtschow, Berija) hatte mit Stalins Unterst\u00fctzung im Sekretariat und Pr\u00e4sidium des Zentralkomitees das \u00dcbergewicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die Niederlagen vom Tod Shdanows 1948 bis zum XIX.Parteitag Oktober 1952 war die von Shdanow repr\u00e4sentierte Gruppierung indes zwar geschw\u00e4cht, aber nicht geschlagen worden: schlie\u00dflich hatte sie gesellschaftliche Grundlagen. Mit der sogenannten &#8222;\u00c4rzte-Aff\u00e4re&#8220; gingen ihre Vertreter offenbar zum Angriff \u00fcber. Im Januar 1953 gab die Prawda die Verhaftung und Anklageerhebung gegen 9 sowjetische \u00c4rzte, sechs davon Juden, bekannt. Sie sollten f\u00fchrende sowjetische Politiker, darunter auch Shdanow, ermordet haben. Begleitet wurde die Anklage von einer antisemitisch gef\u00e4rbten Kampagne im Geiste Shdanows gegen &#8222;Kosmopolitismus und Zionismus&#8220;. Der zur gleichen Zeit stattfindende Proze\u00df gegen den Generalsekret\u00e4r der tschechoslowakischen KP, R.Slansky, operierte mit \u00e4hnlichen Untert\u00f6nen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote358sym\" name=\"sdfootnote358anc\"><sup>358<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Westen wird die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df Stalin durch die Verhaftung der f\u00fchrenden Kreml\u00e4rzte seiner gewohnten medizinischen Betreuung beraubt werden sollte. Rauch h\u00e4lt es f\u00fcr wahrscheinlich, &#8222;da\u00df der \u00c4rzteproze\u00df einen Gegenschlag der ehemaligen Gefolgsleute von Shdanow darstellt, vielleicht nicht ohne Wissen und Billigung von Molotow, jedenfalls aber unter Beteiligung milit\u00e4rischer Kreise. Sie konnten im Hinblick auf die anhaltende Eliminierung ihrer Parteig\u00e4nger angesichts des zu erwartenden Ablebens von Stalin durchaus daran interessiert sein, Malenkov und Berija Schwierigkeiten zu bereiten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote359sym\" name=\"sdfootnote359anc\"><sup>359<\/sup><\/a> Berija sollte vorgeworfen werden, &#8222;da\u00df er das Eindringen j\u00fcdisch-amerikanischer Spione in Schl\u00fcsselpositionen des Kreml-Krankenhauses nicht bemerkt habe.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote360sym\" name=\"sdfootnote360anc\"><sup>360<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Parteik\u00e4mpfe seit der gro\u00dfen S\u00e4uberung der 30er Jahren fanden jenseits der Klassenbewegung im engen Kreis der f\u00fchrenden Parteimitglieder statt. Die Ursache daf\u00fcr war nicht die b\u00fcrokratische Abgehobenheit der Parteif\u00fchrung, sondern der Charakter der neuen Arbeiterklasse, die ein entwickeltes Klassenbewu\u00dftsein erst noch herausbilden mu\u00dfte und nur in dem Ma\u00dfe, wie dies geschah, zum bewu\u00dften Tr\u00e4ger der notwendigen Entscheidungen werden konnte. Neben dem Krieg und den Nachkriegsspannungen ist dies die eigentliche Ursache f\u00fcr die sp\u00e4rlichen Informationen \u00fcber die Diskussionen in der Partei. Vor allem erhielt unter diesen Umst\u00e4nden die Rolle der Pers\u00f6nlichkeit eine sonst nicht gekannte Bedeutung. Darum hatte der Tod Stalins am 5.M\u00e4rz 1953 so tiefgreifende Auswirkungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. \u00dcber Stalin<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dort, wo Stalin sich mit abstrakten Fragen besch\u00e4ftigt, zeigt sich, da\u00df er kein Mann der Theorie war. Die philosophische Abhandlung &#8222;\u00dcber dialektischen und historischen Materialismus&#8220; hat einen Zug zur Scholastik: die Dialektik wird verk\u00fcrzt und die Geschichte einem abstrakten Schema unterworfen. Polit\u00f6konomisch steht der Versuch, in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; das &#8222;\u00f6konomische Grundgesetz des monopolistischen Kapitalismus&#8220; als &#8222;Sicherung des kapitalistischen Maximalprofits&#8220; zu fassen, mit Marx auf dem Kriegsfu\u00df, denn das Streben jedes <i>Einzel<\/i>kapitals nach Maximalprofit resultiert im Durchschnittsprofit f\u00fcr das Gesamtkapital, dessen Rate der Konkurrenz zugleich vorausgesetzt ist. Die ganze, seinerzeit vorherrschende und von Stalin mitvertretene polit\u00f6konomische Begr\u00fcndung der Theorie eines monopolistischen Kapitalismus ist falsch; ebenso fehlerhaft ist der Versuch Stalins &#8211; und so gut wie aller Kommunisten jener Zeit\u00a0-, die Krise des damaligen Weltsystems als sich permanent vertiefende &#8222;allgemeine Krise des Welt<i>kapitalismus<\/i>&#8220; zu fassen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote361sym\" name=\"sdfootnote361anc\"><sup>361<\/sup><\/a> Sie war eine Krise im Zuge der <i>Durchsetzung<\/i> des Kapitalismus, eines Kapitalismus, der so weit entwickelt war, da\u00df er die bis dahin bestehenden Ordnungen untergraben hatte, aber noch zu wenig weit entwickelt, die ihm entsprechende neue politische Ordnung &#8211; die parlamentarische Massendemokratie &#8211; stabil zu tragen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dort hingegen, wo Stalin sich der Theorie in direktem Zusammenhang mit praktisch-gesellschaftlichen Fragen zuwendet, tut er dies mit scharfem Verstand. Das beweist noch einmal seine letzte Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR&#8220;, worin er gegen die linken Dogmatiker und Parteiphraseure zu Felde zieht. Sie interessierten sich nicht f\u00fcr die konkreten Produktionsverh\u00e4ltnisse und die daraus resultierenden \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, sondern f\u00fcr die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte im allgemeinen und die freie Entscheidung \u00fcber die \u00d6konomie. Es war das letztemal, da\u00df ein sowjetischer F\u00fchrer eine konkrete sozial\u00f6konomische Analyse wenigstens von Teilen der sowjetischen Gesellschaft &#8211; der Kolchosbauern &#8211; vornahm und daraus Schlu\u00dffolgerungen f\u00fcr die weitere Politik zog.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalins wichtigste Eigenschaft als Revolution\u00e4r war sein Realit\u00e4tssinn. &#8222;Man kann bei Stalin nachtr\u00e4glich zuweilen mehr Einsicht in wirtschaftliche Gesetzlichkeit finden als bei seinen Widersachern, wobei er ja eher als Vollstrecker denn als Initiator der von der kollektiven F\u00fchrung einmal gesetzten Ziele und Termine agierte&#8220;, schreibt Raupach.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote362sym\" name=\"sdfootnote362anc\"><sup>362<\/sup><\/a> Mit erzwungener Bewunderung gesteht auch Deutscher Stalin eine &#8222;einzigartige Hellh\u00f6rigkeit f\u00fcr alle diese psychologischen Unterstr\u00f6mungen in und um die Partei&#8220; zu, die in den 20er Jahren auf die Partei einwirkten. &#8222;Er lauschte auf die unausgesprochenen Hoffnungen und die stille Sehnsucht des Volkes, zu dessen Sprecher er sich zu machen verstand.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote363sym\" name=\"sdfootnote363anc\"><sup>363<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um ihn gegen\u00fcber Trotzki abzuqualifizieren, nennt Deutscher ihn gleichzeitig einen Mann der Mitte: &#8222;Er verk\u00f6rperte eine Diktatur des goldenen Mittelwegs \u00fcber all die unruhigen Ideen und Doktrinen, die in der nachrevolution\u00e4ren Gesellschaft auftauchten, die Diktatur des goldenen Mittelwegs&#8220;, und f\u00fcgt hinzu: &#8222;Es war weder Stalins Verdienst noch seine Schuld, da\u00df es ihm nie gelang, diesen mittleren Kurs durchzuhalten, da\u00df er immer wieder gezwungen wurde, die gef\u00e4hrlichsten Abenteuer da zu begehen, wo er Sicherheit h\u00e4tte suchen wollen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote364sym\" name=\"sdfootnote364anc\"><sup>364<\/sup><\/a> Der ver\u00e4chtlich gemeinte &#8222;Mittelweg&#8220; war die &#8222;Mitte&#8220; zwischen dem Ziel des Kommunismus einerseits, den \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten andererseits. Stalin wu\u00dfte genau, welche Anforderungen er, der objektiven Entwicklung entsprechend, an die Massen stellen konnte und welche nicht. Er machte darum immer den n\u00e4chsten Schritt auf dem Weg zum Sozialismus &#8211; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn es sich nicht umgehen lie\u00df, da\u00df der n\u00e4chste Schritt ein Sprung sein mu\u00dfte, wagte er &#8211; wie bei der Kollektivierung &#8211; auch diesen. Womit Deutscher Stalin abwerten will, ist in Wahrheit eine vernichtende Kritik an dem von ihm bewunderten Trotzki, dessen politische Spr\u00fcnge, von dem Sonderfall der Oktoberrevolution abgesehen, dem gesellschaftlichen Entwicklungsstand nicht entsprachen und den Massen fremd blieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn erforderlich, war Stalin auch zu den folgenschwersten Entscheidungen bereit, \u00fcber deren blutige Konsequenzen er sich im klaren war. In einem Gespr\u00e4ch mit Churchill in Moskau im August 1942 nannte er die Vernichtung der Kulaken die schwerste Entscheidung seines Lebens. Er sprach von einem erbarmungslosen Kampf mit 10 Millionen Menschen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote365sym\" name=\"sdfootnote365anc\"><sup>365<\/sup><\/a> Dort hingegen, wo er Handlungsspielraum hatte, wandte er sich gegen Zuspitzungen. So setzte er sich 1924 gegen den Parteiausschlu\u00df Trotzkis ein, den die Leningrader Linken mit Sinowjew an der Spitze verlangten &#8211; zwei Jahre, bevor sie mit demselben Trotzki die &#8222;Vereinigte Linksopposition&#8220; bildeten. Dazu bemerkte Stalin: &#8222;Wir waren mit Sinowjew und Kamenew nicht einverstanden, da wir wu\u00dften, da\u00df die Politik des Abs\u00e4gens gro\u00dfe Gefahren f\u00fcr die Partei in sich birgt, da\u00df die Methode des Abs\u00e4gens, des Aderlassens &#8211; und sie forderten Blut &#8211; gef\u00e4hrlich und ansteckend ist: heute hat man den einen abges\u00e4gt, morgen kommt der andere, \u00fcbermorgen ein dritter dran, und was bleibt dann in der Partei?&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote366sym\" name=\"sdfootnote366anc\"><sup>366<\/sup><\/a> Ebenso lie\u00df er nach 1930 die R\u00fcckkehr seiner fr\u00fcheren Parteifeinde von links (Preobraschenski, Sinowjew, Kamenew) und rechts (Bucharin) in f\u00fchrende Positionen von Staat und Partei zu. Darum ist es abwegig, wenn Medwedew \u00fcber die Ausrottung der alten bolschewistischen F\u00fchrungskader in der zweiten H\u00e4lfte der 30er Jahre schreibt: &#8222;Stalins eigentliches Motiv hie\u00df Rache, Rache an seinen ehemaligen politischen Gegnern, die gelegentlich lose Bemerkungen gemacht hatten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote367sym\" name=\"sdfootnote367anc\"><sup>367<\/sup><\/a> Warum sollte Stalin seine politischen Gegner fast zehn Jahre nach den Auseinandersetzungen aus pers\u00f6nlichen Rachegef\u00fchlen t\u00f6ten, wenn er sie zwischenzeitlich wieder zur Mitarbeit herangezogen hatte?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalin pers\u00f6nliche Motive, Rache oder Machtgier, zu unterstellen, soll in aller Regel die Entwicklungen erkl\u00e4ren, die man nicht erkl\u00e4ren kann. Stalin war zwar einerseits der Vollstrecker der ungeheuren sozialen Umw\u00e4lzung, die durch die Kollektivierung ausgel\u00f6st wurde, war aber andererseits den Konsequenzen dieser Umw\u00e4lzung selber unterworfen. Zwar stand er im Zentrum der Macht, aber die Grenzen dieser Macht und die Art und Weise, wie sie zu gebrauchen war, bestimmte letztendlich die neue b\u00e4uerlich-barbarische Arbeiterklasse. In der Partei verf\u00fcgte Stalin nie \u00fcber die unumschr\u00e4nkte Herrschaft, wie ihm immer wieder nachgesagt wurde. Allein die Tatsache, wie vorsichtig er gegen die Shdanowsche Gruppierung vorgehen mu\u00dfte und wie stark die Str\u00f6mung seiner Gegner die ganze Zeit \u00fcber blieb, zeigt dies.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der arbeiterb\u00e4uerliche Untergrund der Industrialisierung ist auch die letzte Ursache f\u00fcr die massenhafte Verehrung Stalins. Von den Kritikern wird regelm\u00e4\u00dfig auf Lenin verwiesen, der zu seinen Lebzeiten keinerlei Kult um seine Person geduldet hatte. Stalin selber war ebenfalls kein Anh\u00e4nger dieser pers\u00f6nlichen Verehrung, sondern spottete \u00fcber die demonstrierenden Millionenmassen, die mit dem Bild eines b\u00e4rtigen Mannes &#8211; seinem eigenen &#8211; durch die Stra\u00dfen zogen. Dennoch fand er sich damit ab. Die einzig interessante Frage in diesem Zusammenhang ist daher, warum Lenin den Personenkult verhindern konnte, aber Stalin nicht. Anders gefragt, warum brach sich er sich nicht in den 20er, sondern erst in den 30er Jahren Bahn?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf einer ZK-Konferenz der KPdSU im November 1965 wurde die von 1933 bis 1953 datierte &#8222;Periode des Pers\u00f6nlichkeitskults&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote368sym\" name=\"sdfootnote368anc\"><sup>368<\/sup><\/a> auf die b\u00e4uerliche Tradition Ru\u00dflands zur\u00fcckgef\u00fchrt und mit der Zarenverehrung auf dem Land in Verbindung gebracht. Dem widerspricht Medwedew mit dem Hinweis, da\u00df die Masse der Bauern mit der gezwungenen Getreideablieferung zu staatlichen Festpreisen unzufrieden war und nicht dem Atheisten Stalin, sondern der alten Religion anhing, die auf dem Land noch sehr verbreitet war. Er schreibt: &#8222;Auch hat sich der Stalinkult nicht vom Lande in die Stadt ausgebreitet, sondern von der Stadt aufs Land. Entstanden war er Anfang der 30er Jahre&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote369sym\" name=\"sdfootnote369anc\"><sup>369<\/sup><\/a> Sozial getragen wurde er nach Medwedews Feststellung von folgenden Kr\u00e4ften: &#8222;In den 30er Jahren war der Stalinkult am st\u00e4rksten unter Arbeitern verbreitet, besonders unter Arbeitern, die Parteimitglieder waren, und auch bei der jungen Intelligenz, insbesondere, soweit sie von Arbeitern und Bauern abstammte. Auch im Apparat von Staat und Partei, besonders in jenem Apparat, der nach den Repressionen von 1936-38 entstand, war der Kult weit verbreitet.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote370sym\" name=\"sdfootnote370anc\"><sup>370<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Medwedews Widerspruch ist zugleich richtig und falsch. Richtig scheint, da\u00df nicht die Kolchosbauern Haupttr\u00e4ger des Personenkults waren, denn schlie\u00dflich war Stalin nicht ihr Klassenvertreter. Falsch ist jedoch die Zur\u00fcckweisung der b\u00e4uerlichen Wurzel des Personenkults \u00fcberhaupt. Soziale Tr\u00e4ger dieses Ph\u00e4nomens waren zwar nicht die (aktiven) Bauern, aber die vom Land kommenden Bauernarbeiter, die neue Arbeiter- und Bauernintelligenz und die neue Partei. Das waren die Teile der Gesellschaft, die die Industrialisierung durchf\u00fchrten, mit ihr aufstiegen und das Gesicht der Sowjetunion ihrer Zeit trugen: dem mittalterlichen Dorf entstammend und der Zukunft zugewandt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dabei verfocht Stalin die Interessen der Klasse auf dem Boden der <i>Weiterentwicklung<\/i> zum Sozialismus; er vertrat, um mit dem <i>Kommunistischen Manifest<\/i> zu sprechen, &#8222;das Interesse der Gesamtbewegung&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote371sym\" name=\"sdfootnote371anc\"><sup>371<\/sup><\/a> Die notwendigen Umw\u00e4lzungen der Produktion konnten nur &#8222;von oben&#8220; erfolgen; sie ergaben sich nicht &#8222;von unten&#8220;, aus der spontanten Erfahrung der Produzenten. Seine Gegner in der Etappe nach der Kollektivierung dagegen vertraten die <i>gegenw\u00e4rtigen Interessen<\/i> &#8211; nicht nur der Arbeitermassen (und der Angestellten) in der Schwerindustrie, sondern auch der Kolchosbauern auf dem Land. Das machte ihre St\u00e4rke aus, die sie auch die S\u00e4uberungen Ende der 40er\/Anfang der 50er Jahre \u00fcberstehen lie\u00df und schlie\u00dflich an die Macht brachte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die 30er Jahre an der Spitze des Staats zu \u00fcberstehen, war wie ein Ritt auf dem Tiger: entweder man blieb oben oder wurde abgeworfen und zermalmt. Das w\u00e4re auch einem Stalin nicht anders gegangen. Um obenzubleiben, bedurfte es besonderer Charakterz\u00fcge: neben ausgepr\u00e4gtem politischem Gesp\u00fcr und Willensst\u00e4rke mu\u00dften dazu Geduld und nicht allein Grobheit, sondern auch Skrupellosigkeit geh\u00f6ren. Der Preis, den er f\u00fcr seine Stellung zu zahlen hatte, war die zunehmende pers\u00f6nliche Isolierung. Im November 1932 nahm sich seine Ehefrau Allilujewa das Leben; wahrscheinlich f\u00fchlte sie sich mitverantwortlich f\u00fcr die blutige Kulakenverfolgung und die Hungersnot auf dem Land. Nach vorliegenden Berichten war Stalin daraufhin so getroffen, da\u00df er seinen R\u00fccktritt von allen Posten anbot, den das Politb\u00fcro jedoch nicht annahm. Ende 1934 wurde Kirow ermordet, einer seiner wenigen, wenn nicht der einzige pers\u00f6nliche Freund, den er besa\u00df. Danach wird \u00fcber engere pers\u00f6nliche Beziehungen nichts mehr berichtet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So wie die b\u00e4uerliche Arbeiterklasse der 30er Jahre die Nachfolge der Arbeiterklasse der Oktoberrevolution antrat, trat Stalin die Nachfolge Lenins an. Wie zuvor Lenin hatte er die ausschlaggebende Bedeutung der russischen Bauern begriffen: das richtige Herangehen an die Agrarfrage war nicht nur die Voraussetzung f\u00fcr die Oktoberrevolution, sondern auch der Schl\u00fcssel f\u00fcr die weiteren Schritte zum Sozialismus. Au\u00dfenpolitisch f\u00fchrte Stalin mit seiner Politik des Ausnutzens der Widerspr\u00fcche zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten ebenfalls das Leninsche Erbe fort. Deshalb steht er zu Recht neben Lenin. Die Schattenseiten, die er in h\u00f6herem Ma\u00dfe als Lenin aufweist, waren die Schattenseiten eines anderen Proletariats. Lenin verk\u00f6rperte die vergleichsweise kultivierte st\u00e4dtische Arbeiterklasse der Oktoberrevolution und Stalin das barbarische Bauernproletariat der 30er Jahre.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalins schwerster theoretischer Fehler war, die Sowjetunion aufgrund der Kollektivierung als sozialistisch zu begreifen. Sein schwerster politischer Fehler steht damit im Zusammenhang: er lie\u00df es zu, da\u00df die Bauern gleichberechtigt in die Partei aufgenommen wurden. Dennoch stellte er Anfang der 50er Jahre die richtigen Aufgaben sowohl gegen\u00fcber den Kolchosbauern als auch gegen\u00fcber den Milit\u00e4rs und der Schwerindustrie. Seine pers\u00f6nliche Tragik war, da\u00df er starb, als der Kampf gerade seinem H\u00f6hepunkt entgegenstrebte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach seinem Tod konnten sich diejenigen Kr\u00e4fte in der Parteif\u00fchrung durchsetzen, die er bis zuletzt bek\u00e4mpft hatte und die jetzt Gelegenheit erhielten, die Geschichte neu zu schreiben. Sie nahmen auf dem XX.Parteitag 1956 ihre Abrechnung mit Stalin, dh. mit den Anh\u00e4ngern der gegnerischen Gruppierung vor. In den Mittelpunkt r\u00fcckte Chruschtschow die S\u00e4uberungen der 30er Jahre, f\u00fcr die er Stalin in vollem Umfang verantwortlich machte. Am wenigsten Interesse hatten die Gegner Stalins daran, die tats\u00e4chlichen Kernpunkte der Auseinandersetzung (Frage der Kolchosbauernschaft, der Zwei-Lager-Theorie und des Milit\u00e4rs) herauszuarbeiten, die seither unter wahren B\u00fccherbergen der subjektiven Geschichtsbetrachtung begraben worden sind.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das letzte Produkt in dieser Geschichtsschreibung der Sieger ist die 1989 in Moskau erschienene Stalin-Biographie (&#8222;Stalin &#8211; Triumph und Trag\u00f6die&#8220;) von Wolkogonow, einem General der Roten Armee, der nach eigenen Angaben Zugang zu den geheimen Archiven hatte, weshalb er auch eine Reihe von Zetteln anf\u00fchren kann, die Stalin geschrieben hat. Herausgekommen ist ein Werk, dessen empirische und analytische Inhaltsleere in direktem Verh\u00e4ltnis zur anekdotenhaften Geschw\u00e4tzigkeit von 800 Seiten steht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>IX. Die Versteinerung der Verh\u00e4ltnisse<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Aufgaben, die Stalin stellte, dr\u00e4ngten nach seinem Tod weiterhin zur L\u00f6sung &#8211; wenn nicht in der einen, dann in der anderen Form. Die gefundene L\u00f6sung bedeutete anstelle der \u00dcberwindung die Stabilisierung und sodann Versteinerung der vorgefundenen Verh\u00e4ltnisse. Damit war der Weg in den Untergang vorgezeichnet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Entscheidung nach Stalins Tod<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die erste Phase des nach Stalins Tod einsetzenden Machtkampfs war innerhalb weniger Wochen zu Ende. Malenkow war nicht in der Lage, Stalins Platz einzunehmen. Der Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte weniger in pers\u00f6nlichen Unzul\u00e4nglichkeiten zu suchen sein als vielmehr in der Tatsache, da\u00df er nicht \u00fcber die erforderlichen Machtmittel verf\u00fcgte. Stalin besa\u00df eine solche Popularit\u00e4t und Autorit\u00e4t in der Gesellschaft und der Partei, da\u00df er es nicht n\u00f6tig hatte, selber bewaffnete Kr\u00e4fte zu befehligen. Das war bei Malenkow anders. Deshalb begann nach Stalins Tod nicht nur ein offener Machtkampf, sondern wurde er auch zwischen denjenigen ausgetragen und entschieden, die die beiden S\u00e4ulen der bewaffneten Macht &#8211; Innenministerium und Armee &#8211; ins Feld f\u00fchren konnten. Das waren Berija und Chruschtschow; Malenkow spielte in ihrem Kampf die Rolle eines Zuschauers.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor\u00fcbergehend konnte der Innenminister Berija die Macht an sich nehmen, indem er unmittelbar nach Stalins Tod die gesamten milit\u00e4rischen Verb\u00e4nde des staatlichen Sicherheitsdienstes in Moskau zusammenzog. Die Ministerien f\u00fcr Staatssicherheit und Inneres wurden mit ihm an der Spitze zusammengelegt; als erster stellvertretender Ministerpr\u00e4sident bestimmte er anstelle Malenkows die Politik.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ankn\u00fcpfend an Stalins Position machte Berija auf das Zur\u00fcckbleiben des F\u00fcnfjahrplans aufmerksam; er forderte die Verst\u00e4ndigung mit dem Westen und eine entschiedene Abr\u00fcstung, um Spielraum f\u00fcr die Entwicklung der Wirtschaft zu bekommen. Was ihn jedoch &#8222;besonders beunruhigte, war die Tatsache, da\u00df das Politb\u00fcro vor dem Druck und den Forderungen der Armee zu weichen begann, in erster Linie vor ihrem renommiertesten Vertreter, Marschall Schukow. Nicht das Politb\u00fcro war das Haupthindernis f\u00fcr Berijas Tr\u00e4ume und Pl\u00e4ne von der Realisierung seiner Allmacht; immer deutlicher wurde, da\u00df es noch einen weitaus st\u00e4rkeren und gef\u00e4hrlicheren Gegner gab.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote372sym\" name=\"sdfootnote372anc\"><sup>372<\/sup><\/a> Das war die besagte Armee.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mithilfe der deutschen Frage wollte Berija den Knoten durchschlagen. &#8222;Es m\u00fcsse eine L\u00f6sung f\u00fcr das deutsche Problem gefunden werden, das europ\u00e4ische Problem Nummer eins, fuhr Berija fort. Die Verh\u00e4rtung der Fronten und die beschleunigte Aufr\u00fcstung Westdeutschlands und Westeuropas stelle die Sowjetunion vor zugegebenerma\u00dfen nicht zu bew\u00e4ltigende Aufgaben im Bereich der Modernisierung und verst\u00e4rkten Aufr\u00fcstung der Streitkr\u00e4fte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote373sym\" name=\"sdfootnote373anc\"><sup>373<\/sup><\/a> \u00dcber geheimdienstliche Kan\u00e4le versuchte er, an den offiziellen sowjetischen Stellen vorbei die Erfolgsaussichten seines Kurses eines Ausgleichs mit Deutschland zu pr\u00fcfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ganz anders sahen die Marsch\u00e4lle unter F\u00fchrung von Schukow die Perspektive der Au\u00dfenpolitik. Sie wandten sich strikt gegen die Aufgabe der DDR, dieses vorgeschobenen Postens der sowjetischen Milit\u00e4rherrschaft, als Preis f\u00fcr die Spaltung des Westens durch eine Vers\u00f6hnung mit den Deutschen. Der 17.Juni 1953 entschied den Machtkampf. Als es zu Demonstrationen in Ostberlin kam, verlie\u00dfen die sowjetischen Besatzungstruppen entgegen den Anweisungen Berijas die Kasernen und schossen die demonstrierenden Massen nieder. &#8222;Berija war viel zu intelligent und erfahren, als da\u00df er nicht augenblicklich begriffen h\u00e4tte, da\u00df die Mi\u00dfachtung seiner Befehle, ja ihre v\u00f6llige Verdrehung bei den Vorg\u00e4ngen in Berlin eine unverh\u00fcllte Kriegserkl\u00e4rung an ihn war, die von einer bestimmten Clique ausging: Schukow, Bulganin und Chruschtschow.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote374sym\" name=\"sdfootnote374anc\"><sup>374<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vier Tage nach dem Aufstand in Ostberlin, am 21. Juni 1953, wurde Berija verhaftet. Auf Verlangen der Armee wurde er vor ein Milit\u00e4rgericht gestellt und wegen antisowjetischer Aktivit\u00e4ten angeklagt. Aufgrund seiner geheimdienstlichen Verbindungsaufnahmen wurde ihm vorgeworfen, er habe im Dienst ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte gestanden, mit ihnen gegen die Sowjetunion konspiriert und die DDR an die Bundesrepublik verkaufen wollen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote375sym\" name=\"sdfootnote375anc\"><sup>375<\/sup><\/a> Am 23.Dezember 1953 wurde er hingerichtet. Es war das erstemal, da\u00df die sowjetische Politik mit milit\u00e4rischen Interessen gleichgesetzt wurde und ein sowjetischer F\u00fchrer sich in dieser Art vor dem Milit\u00e4r verantworten mu\u00dfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Jahr nach ihm teilte Abakumow sein Schicksal, der als Sicherheitsminister &#8222;nach dem Tode Shdanows Ende 1948 auf Befehl Stalins und mit Billigung, vielleicht auch auf Anregung von Malenkow, die erw\u00e4hnte S\u00e4uberungsaktion gegen dessen (Shdanows; H.K.) Anh\u00e4nger in Leningrad vorgenommen&#8220; hatte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote376sym\" name=\"sdfootnote376anc\"><sup>376<\/sup><\/a> Er wurde mit anderen Funktion\u00e4ren des Sicherheitsdienstes wegen der &#8222;Leningrader Aff\u00e4re&#8220; zum Tode verurteilt und hingerichtet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Chruschtschows Bauernpolitik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufgestiegen war Chruschtschow vor und im Weltkrieg als f\u00e4higer Organisator sowie anschlie\u00dfend als &#8222;linker&#8220; Agrarexperte. &#8222;Es war kaum ein Zufall, da\u00df mit Chruschtschow ein Mann an die F\u00fchrung gelangte, der ganz anders als Stalin mit den Problemen der Landwirtschaft unmittelbar und sachkundig vertraut war. Denn entgegen allen Verlautbarungen der Stalinzeit erwies sich wieder einmal das Problem der Agrarertr\u00e4ge als die Schicksalsfrage Ru\u00dflands.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote377sym\" name=\"sdfootnote377anc\"><sup>377<\/sup><\/a> Da\u00df Stalin mit den Verh\u00e4ltnissen der Landwirtschaft nicht vertraut war, widerlegt die Besch\u00e4ftigung mit seinen Entscheidungen. Aber im Gegensatz zu ihm vertrat Chruschtschow eine <i>andere Klassenpolitik<\/i>; mit ihm verlor die Arbeiterklasse ihre Herrschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf Iniative Chruschtschows wurde ab 1953 begonnen, riesige Fl\u00e4chen im asiatischen Teil der Sowjetunion mit Getreide zu bebauen. 40 Mio ha, die vorher nur f\u00fcr Weidewirtschaft genutzt wurden &#8211; eine Fl\u00e4che von der Gr\u00f6\u00dfe Japans &#8211; wurden unter den Pflug genommen, obwohl Fachleute wegen der d\u00fcnnen Humusschicht und des halbtrockenen Charakters der Gebiete vor der baldigen Auslaugung der B\u00f6den gewarnt hatten. Anstatt die Energien des Proletariats f\u00fcr einen erneuten Industrialisierungssprung oder die Umwandlung der Kolchosen zu nutzen, gingen hunderttausende von Freiwilligen, meist Angeh\u00f6rige des Komsomol, voller Begeisterung f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus in die Steppen, um sie zu kultivieren. Die Opfer der Arbeiterjugend kamen den neuen Arbeiter-Bauern zugute: in den auf Neuland gegr\u00fcndeten Riesenbetrieben erhielten die Sowchosarbeiter dasselbe Anrecht auf ein St\u00fcck Privatland wie die Kolchosbauern, darin eingeschlossen Weiderechte f\u00fcr das eigene Vieh auf den staatlichen L\u00e4ndereien. &#8222;Das Vorhandensein gro\u00dfer Parzellen und Vieh im pers\u00f6nlichen Eigentum ist zu einem ernsten Hindernis auf dem Weg der weiteren Entwicklung der Sowchosenproduktion geworden&#8220;, mu\u00dfte Chruschtschow selber im Dezember 1958 feststellen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote378sym\" name=\"sdfootnote378anc\"><sup>378<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den vorhandenen Kolchosen fanden ebenfalls kurze Zeit nach Stalins Tod umfassende Agrarreformen zugunsten der Bauern statt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote379sym\" name=\"sdfootnote379anc\"><sup>379<\/sup><\/a> Als erstes wurden die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr Getreide und andere Agrarprodukte erh\u00f6ht, f\u00fcr Getreide um etwa das Doppelte, f\u00fcr Milch und Kartoffeln um das 2-1\/2fache und Fleisch um das 5fache. Die Pflichtablieferungsquoten von der privaten Hoflandproduktion wurden gesenkt und vorhandene Steuerr\u00fcckst\u00e4nde erlassen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote380sym\" name=\"sdfootnote380anc\"><sup>380<\/sup><\/a> Dar\u00fcberhinaus versuchte Chruschtschow durch verschiedene weitere Ma\u00dfnahmen die Agrarproduktion zu steigern.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein neues Kolchos-Musterstatut von 1956 empfahl, die Gr\u00f6\u00dfe des Hoflands nicht anhand der <i>Zahl<\/i> <i>der Arbeitskr\u00e4fte<\/i> eines Haushalts festzulegen, sondern entsprechend dem Arbeits<i>einsatz<\/i> der Kolchosniki, die zu dem Haushalt geh\u00f6rten. Der Grund daf\u00fcr war: es gab millionenfach Arbeitskr\u00e4fte &#8211; meistens Frauen -, die keine Arbeit f\u00fcr den Kolchos leisteten, sondern ausschlie\u00dflich auf dem Hofland arbeiteten. Diese Reform konnte aber nur funktionieren, wenn sie vom Staat durchgesetzt wurde; das hei\u00dft, dem Kolchos mu\u00dfte das Recht genommen werden, \u00fcber die Vergabe des Hoflands selber zu entscheiden. Dies aber geschah nicht, so da\u00df sich auch nichts \u00e4nderte: &#8222;Auf der Basis der Kolchosvollversammlungen wurde \u00fcber Hoflandgr\u00f6\u00dfe und Viehbestand auch weiterhin kollektiv mitentschieden, was eine individuelle Ankoppelung an die Produktivit\u00e4t verhinderte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote381sym\" name=\"sdfootnote381anc\"><sup>381<\/sup><\/a> Das Resultat war, da\u00df etwa die Volksz\u00e4hlung von 1959 feststellte, da\u00df ca. 6 Millionen Menschen in den Kolchosen nicht an der gemeinsamen Arbeit teilnahmen, sondern sich ausschlie\u00dflich um ihr Hofland k\u00fcmmerten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als weitere Ma\u00dfnahme wurde die Umwandlung von Kolchosen in Sowchosen gef\u00f6rdert. Um die Bauern zum \u00dcbertritt zu locken, durften sie nicht nur ihr Hofland behalten, sondern wurden gleichzeitig die bisherigen Beschr\u00e4nkungen der Anzahl des Privatviehs gelockert. Weil die Umwandlung au\u00dferdem den Vorteil hatte, da\u00df man in der Sowchose feste L\u00f6hne erhielt, vollzog eine Minderheit von Kolchosen den Schritt zum Sowchos. Nachdem mit der Kollektivierung in den 30er Jahren die damals vorhandenen Sowchosen (bis auf Versuchsg\u00fcter u.\u00e4.) aufgel\u00f6st worden waren, entstanden jetzt wieder neue Staatsfarmen in gr\u00f6\u00dferem Umfang. 1970 arbeiteten zwei Drittel der Bauern in Kolchosen und ein Drittel in Sowchosen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote382sym\" name=\"sdfootnote382anc\"><sup>382<\/sup><\/a> Alle diese Sowchosen &#8211; gleich ob auf Neuland gegr\u00fcndet oder aus Kolchosen hervorgegangen &#8211; waren keine Staatsbetriebe, die auf dem Boden entwickelter Produktivkr\u00e4fte standen und mit Landarbeitern betrieben wurden, die Industriearbeitern verleichbar waren. Sie waren eine Art Gutswirtschaften, die genauso wie die Kolchosen auf dem Zusammenhang von Gro\u00df- und Kleinproduktion beruhten und die Existenz von Parzellenbauern voraussetzten, statt sie \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Darum stellten sie auch gegen\u00fcber den Kolchosen keinen entscheidenden Fortschritt dar.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den Konsequenzen seiner eigenen Politik zu begegnen, lie\u00df Chruschtschow 1957\/58 das vermehrte private Gro\u00dfvieh aufkaufen und ordnete an, die Sowchosl\u00e4ndereien, die als Gemeindewiesen f\u00fcr das Privatvieh dienten, umzupfl\u00fcgen. Abgesehen davon, da\u00df dies offenbar nur unvollst\u00e4ndig geschah, fanden die Sowchosbauern Auswege: zum Teil besorgten sie das notwendige Viehfutter durch &#8222;schwarze Umteilung&#8220;, dh durch Diebstahl, zum Teil gingen sie dazu \u00fcber, das \u00e4u\u00dferst billige Brot zu verf\u00fcttern, statt die vom Staat verlangten hohen Preise f\u00fcr Kraftfutter zu zahlen. 1986 sollen 3 Millionen Tonnen Brot, 9% der Gesamtproduktion, verf\u00fcttert worden sein.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote383sym\" name=\"sdfootnote383anc\"><sup>383<\/sup><\/a> Das Resultat seiner Politik nannte Chruschtschow im Juli 1963: &#8222;Es ist charakteristisch, da\u00df in einer Anzahl Sowchosen, die auf der Basis von Kolchosen geschaffen wurden, die Menge des Viehs der Arbeiter und Angestellten bedeutend gr\u00f6\u00dfer wurde, als sie bei den Kolchosniki gewesen waren&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote384sym\" name=\"sdfootnote384anc\"><sup>384<\/sup><\/a> Insgesamt f\u00fchrte Chruschtschows seit 1957\/58 verfolgte Politik jedoch zu einer erneuten Schrumpfung der privaten Erzeugung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote385sym\" name=\"sdfootnote385anc\"><sup>385<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Sturz Berijas verschwand Malenkow nicht gleich in der Versenkung. W\u00e4hrend Chruschtschow erster Sekret\u00e4r der KPdSU wurde, amtierte er zun\u00e4chst weiter als Ministerpr\u00e4sident an der Spitze des Staats. In dieser Zeit war die F\u00fchrung von Partei und Staat vor\u00fcbergehend getrennt. Als Ministerpr\u00e4sident trat Malenkow Mitte 1953 f\u00fcr die Forcierung der Konsumg\u00fcterproduktion und der Leichtindustrie ein.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote386sym\" name=\"sdfootnote386anc\"><sup>386<\/sup><\/a> Dagegen sprach sich das ZK der KPdSU auf Initiative Chruschtschows f\u00fcr den Vorrang der Schwerindustrie aus.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote387sym\" name=\"sdfootnote387anc\"><sup>387<\/sup><\/a> Daraufhin trat Malenkow am 8.Februar 1955 als Ministerpr\u00e4sident zur\u00fcck, blieb aber im Pr\u00e4sidium des ZK. Regierungschef (Ministerratsvorsitzender) wurde Bulganin.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem XX.Parteitag 1956, auf dem Chruschtschow \u00fcberraschend Stalin attackiert hatte, und nach dem Ungarn-Aufstand unternahm eine Fraktion in der Parteif\u00fchrung, angef\u00fchrt von Molotow, Malenkow und Kaganowitsch, 1957 den Versuch, Chruschtschow zu st\u00fcrzen. Vom ZK-Pr\u00e4sidium als Erster Sekret\u00e4r des ZK bereits abgesetzt, wurde Chruschtschow durch die Armee gerettet. Die Marsch\u00e4lle sicherten die Abhaltung eines ZK-Plenums, das Chruschtschow best\u00e4tigte und die gegnerische Fraktion ausschaltete. Daraufhin konnte Chruschtschow 1958 von Bulganin auch den Ministerratsvorsitz \u00fcbernehmen, so da\u00df Partei- und Staatsf\u00fchrung wieder in einer Hand waren (bis 1941 waren sie getrennt gewesen; erst angesichts des herannahenden Krieges hatte Stalin, bis dahin nur Partei-Generalsekret\u00e4r, auch die Regierung \u00fcbernommen). Am Ende dieses Jahres wurde dann ebenfalls realisiert, was Stalin 1952 verhindert hatte: auf Vorschlag Chruschtschows wurden die staatlichen Maschinen-Traktor-Stationen aufgel\u00f6st und die Landmaschinen den Kolchosen verkauft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alles in allem wurde durch die unter Chruschtschow, sp\u00e4ter auch Breschnew, getroffenen Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich mehr Getreide produziert &#8211; bis zu einem bestimmten Punkt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Getreideerzeugung im mehrj\u00e4hrigen Durchschnitt<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Getreide-Bruttoprod. durchschnittl.<br \/>\nin Mio. to. ha-Ertr\u00e4ge<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1913 86 8<br \/>\n1940 96 9<br \/>\n1950 81 8<br \/>\n1960 126 11<br \/>\n1970 187 16<br \/>\n1980 189 15<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(Tabelle nach: L\u00e4nderbericht Sowjetunion, S.324, 325)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie den Zahlen zu entnehmen ist, hat sich die agrarische Produktivit\u00e4t seit der Stalin-Zeit bis Ende der 60er\/Anfang der 70er Jahre fast verdoppelt &#8211; um anschlie\u00dfend in eine bis heute andauernde Stagnation einzutreten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1973\/74 betrug die Produktivit\u00e4t in der sowjetischen Industrie ca. 54% der USA; in der Landwirtschaft waren es 20-25%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote388sym\" name=\"sdfootnote388anc\"><sup>388<\/sup><\/a> Zur gleichen Zeit (1976) produzierten die privaten Nebenwirtschaften in den Kolchosd\u00f6rfern auf 1,25% der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che 64% der Kartoffeln, 53% des Gem\u00fcses, 41% der Eier und 22% der Fleisch- und Milchprodukte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote389sym\" name=\"sdfootnote389anc\"><sup>389<\/sup><\/a> Darum wird von B\u00fcrgerlichen immer wieder unterstellt, da\u00df eine Privatisierung der Landwirtschaft die sowjetischen Versorgungsprobleme gel\u00f6st h\u00e4tte. Solche Vorstellungen stehen jenseits der l\u00e4ndlichen Realit\u00e4t. Soweit die Ertr\u00e4ge auf dem Privatland h\u00f6her sind, hat das damit zu tun, da\u00df der Arbeitsaufwand auf dem Privatland sch\u00e4tzungsweise 20% des Arbeitspotentials insgesamt betr\u00e4gt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote390sym\" name=\"sdfootnote390anc\"><sup>390<\/sup><\/a> Auf dem Hofland werden die arbeitsintensiven Produkte erzeugt, bei denen Entwicklung und Einsatz von Maschinerie wenig vorangeschritten ist und Maschinenbetriebe daher keine Konkurrenz sind. Im Schl\u00fcsselbereich der Agrarproduktion, der Getreideerzeugung, ist das Hofland dagegen nicht produktiver, weil hier die gro\u00dfe Fl\u00e4che und die gro\u00dfe Maschinerie der Kleinproduktion \u00fcberlegen sind.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Au\u00dfenpolitisch ersetzte Chruschtschow die These von der Unvermeidbarkeit eines Kriegs zwischen Kapitalismus und Kommunismus durch die friedliche Koexistenz zwischen beiden Lagern. Die \u00c4nderung war eine Konsequenz aus der Weiterentwicklung der Nuklearwaffen. In der einen wie der anderen Form blieb die Zwei-Lager-Theorie Grundlage der Au\u00dfenpolitik.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das von Chruschtschow initiierte neue Parteiprogramm von 1961, welches das Programm von 1919 ersetzte, spiegelt die Mischung aus &#8222;rechter&#8220; Praxis und &#8222;linken&#8220; Phrasen wider, die nach Stalins Tod vorherrschte. In dem Programm wurde behauptet, da\u00df durch die Abschaffung des Privateigentums an den Produktionsmitteln &#8222;unbegrenzter Spielraum&#8220; f\u00fcr die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte vorhanden sei. Binnen 20 Jahren, so wurde versprochen, w\u00fcrde die Sowjetunion die USA auf allen Gebieten ein- und \u00fcberholen. Welche sozialen Umw\u00e4lzungen erforderlich waren, um dieses bescheidene Ziel zu erreichen, dar\u00fcber schweigt das Programm sich aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Zahlenverh\u00e4ltnis zwischen den Bewohnern von Stadt und Land kehrte sich in der Nachkriegszeit um, haupts\u00e4chlich durch Zunahme der Stadtbev\u00f6lkerung, indem der l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerungs\u00fcberschu\u00df in die St\u00e4dte ging, in geringerem Umfang auch durch Abnahme der Landbev\u00f6lkerung, die allm\u00e4hlich \u00fcberalterte. Von den insgesamt 250 Mio. Einwohner der Sowjetunion im Jahre 1975 lebten 100 Mio, das sind 40%, auf dem Land. Besch\u00e4ftigt waren 1970 in der Landwirtschaft 26,8 Mio, davon 17 Mio Kolchosbauern und 9,8 Mio Sowchosenarbeiter.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote391sym\" name=\"sdfootnote391anc\"><sup>391<\/sup><\/a> Die Zahlen zeigen, welche Bedeutung das flache Land in der untergegangenen Sowjetunion nach wie vor hatte. &#8222;Ein betr\u00e4chtlicher Teil des Sowjetvolkes lebt in Verh\u00e4ltnissen, die von der gegebenen Agrarverfassung zumindest mittelbar gepr\u00e4gt sind. Die sozialen Ver\u00e4nderungen in diesem Milieu haben deshalb f\u00fcr die sowjetische Gesellschaft immer noch ein gro\u00dfes Gewicht.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote392sym\" name=\"sdfootnote392anc\"><sup>392<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses Gewicht wurde mehr und mehr zu einem Bleigewicht, weil durch die Politik Chruschtschows und sp\u00e4ter Breschnews sich nur die materielle Situation der Agrarbev\u00f6lkerung, nicht aber die Grundstruktur der gegebenen Produktionsverh\u00e4ltnisse qualitativ \u00e4nderte. Die &#8222;soziale Stellung der landwirtschaftlichen Produzenten (hat sich) merklich und zu ihren Gunsten gewandelt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote393sym\" name=\"sdfootnote393anc\"><sup>393<\/sup><\/a> Der einmal erreichte Besitzstand war von da an unangreifbar. Weder konnten die staatlichen Ankaufpreise einfach wieder gesenkt noch die Produktionsmittel den Kolchosen erneut weggenommen, geschweige die Produktionsverh\u00e4ltnisse des Kolchos\/Sowchos revolution\u00e4r umgestaltet werden. Das Resultat dieser Politik war ein faktisches Klassengleichgewicht zwischen Bauernschaft (die Sowchosarbeiter mit Privatparzellen eingeschlossen) und Arbeiterklasse. Keine der beiden Klassen war von nun an in der Lage, der anderen ohne Revolution ihren Willen aufzuzwingen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Obwohl mit Hilfe des Milit\u00e4rs an die Macht gekommen, war Chruschtschow kein Mann des Milit\u00e4rs wie sp\u00e4ter Breschnew. Die elf Jahre seiner Regierung waren eine \u00dcbergangszeit; die alte Herrschaft (der Arbeiterklasse) l\u00f6ste sich auf, die neue (des Milit\u00e4rs) war noch nicht endg\u00fcltig etabliert. Der durchg\u00e4ngige Zug seiner Politik war die Bauernpolitik, auch wenn er keine Klassenherrschaft der russischen Bauernschaft repr\u00e4sentierte, wozu diese schon aufgrund ihrer Produktionsweise und gesellschaftlichen Stellung unf\u00e4hig ist. So wenig sich Bucharin in den 20er Jahren als Vertreter der Kulaken betrachtete, f\u00fchlte sich Chruschtschow als Vertreter der Kolchos- und Sowchosbauern, sondern als Marxist-Leninist, der das Land dem Kommunismus entgegenf\u00fchrte. Darum versuchte er auch, in Fortsetzung seiner Agrarvorstellungen von Ende der 40er Jahre die Kolchosen zu Sowchosen zu machen und die Hoflandwirtschaft \u00f6konomisch zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Sein Pakt mit dem Milit\u00e4r und der Schwerindustrie von 1953 verhinderte jedoch jedes ernsthafte <i>politische<\/i> Vorgehen gegen die Bauern. Darum verfestigten alle Ma\u00dfnahmen, die er zur F\u00f6rderung der Agrarproduktion und in einem Zickzack-Kurs gegen die Hoflandwirtschaft traf, letztlich nur die Stellung der Bauernschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus der Tatsache, da\u00df seine Regierung einen \u00dcbergang darstellte, erkl\u00e4rt sich &#8222;das rastlose und sprunghafte, von keiner \u00fcberzeugenden Gesamtkonzeption getragene Hin und Her in Chruschtschows Politik&#8220;, das &#8222;seine Wirtschafts- und Kulturpolitik ebenso wie seine Au\u00dfenpolitik&#8220; kennzeichnete.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote394sym\" name=\"sdfootnote394anc\"><sup>394<\/sup><\/a> Durch sprunghafte Wirtschafts- und Verwaltungsreformen und kaum weniger sprunghafte au\u00dfenpolitische Wechsel zwischen Konfrontationspolitik in Berlin oder Kuba und halbherzigen Versuchen der Entspannungspolitik untergrub er schlie\u00dflich selber seine Stellung, bis die Armee ihn 1964 absetzte. Der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war erneut die Agrarfrage.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Armeeherrschaft unter Breschnew<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anfang der 60er Jahre zeigte sich, da\u00df die Agrarpolitik in eine Sackgasse geraten war. Die Ernten der neuen Sowchosen auf den Steppenb\u00f6den des Neulandes gingen zur\u00fcck, weil die Erde ausgelaugt war, und die Ernten in den alten Kolchosen stiegen nicht genug an. Au\u00dferdem war die Privatproduktion der Nebenwirtschaften zur\u00fcckgegangen. Daraufhin plante Chruschtschow, den Agrarbereich durch zus\u00e4tzliche gesellschaftliche Mittel zu f\u00f6rdern. Zusammen mit der Agrarproduktion sollte die Konsumg\u00fcterindustrie ausgebaut werden. Den Massen versprach dieser &#8222;Gulaschkommunismus&#8220; eine gewaltige Steigerung des Konsums &#8222;wie in Amerika&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die f\u00fcr diese Politik erforderlichen Mittel sollten auf Kosten der Schwerindustrie aufgebracht werden. Im Parteiprogramm von 1961 hatte noch gestanden, da\u00df das Volumen der Industrieproduktion bis 1980 auf das Sechsfache gesteigert werden sollte, um u.a. den &#8222;Bedarf der Landesverteidigung restlos zu decken&#8220;. Das war die Grundlage f\u00fcr die Unterst\u00fctzung Chruschtschows durch die Marsch\u00e4lle gewesen. Jetzt bedrohte seine neue Planung die R\u00fcstungsproduktion und damit die Politik des Milit\u00e4rs. &#8222;Bedenken seitens der Schwerindustrie gegen\u00fcber Chruschtschows Absichten, die Konsumg\u00fcterproduktion noch st\u00e4rker voranzutreiben, wie er noch Ende September 1964 angek\u00fcndigt hatte, verbanden sich mit denen des Milit\u00e4rs, das der Abr\u00fcstungs- und Entspannungspolitik ablehnend gegen\u00fcberstand.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote395sym\" name=\"sdfootnote395anc\"><sup>395<\/sup><\/a> Im Oktober 1964 sorgte die Armee f\u00fcr Chruschtschows Sturz und lie\u00df Breschnew an seine Stelle treten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote396sym\" name=\"sdfootnote396anc\"><sup>396<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Agrarpolitik wurden die von Chruschtschow Ende der 50er Jahre vorgenommenen Einschr\u00e4nkungen der Hoflandwirtschaften aufgehoben, so da\u00df auch die Privatproduktion wieder anstieg. In der neuen Verfassung von 1977 wurde das Recht jedes Sowjetb\u00fcrgers auf eine Privatparzelle und private Viehhaltung ausdr\u00fccklich aufgenommen. Au\u00dferdem wurde in den 60er Jahren eine Sozialversicherung (Altersrenten) f\u00fcr die Kolchosmitglieder eingef\u00fchrt, die jedoch nicht zum Lebensunterhalt im Alter ausreicht, sondern die Naturalversorgung durch den Kolchos und die eigene Nebenwirtschaft voraussetzt. Der weitergehende Ausbau der Hoflandwirtschaften kam nicht voran, &#8222;vermutlich wegen Widerst\u00e4nden auf mittlerer und unterer Funktion\u00e4rs- und Betriebsleiterebene.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote397sym\" name=\"sdfootnote397anc\"><sup>397<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie schon bei Chruschtschows widerspr\u00fcchlicher Politik sind f\u00fcr diese &#8222;Widerst\u00e4nde&#8220; im Kern keine selbst\u00e4ndigen &#8222;Funktion\u00e4rsinteressen&#8220; verantwortlich zu machen (gleich ob die Funktion\u00e4re &#8222;oben&#8220; oder &#8222;unten&#8220; sitzen), sondern geben die Funktion\u00e4re den widerspr\u00fcchlichen Charakter einer Agrarverfassung wider, auf deren Boden der Bauer gleichzeitig Individualproduzent und Kollektivproduzent ist. So sehr er als Privatproduzent f\u00fcr die Ausweitung des eigenen Hoflands sein mag, so sehr ist er als Kollektivproduzent gegen die Ausweitung der Hoflandaktivit\u00e4ten der andern, insoweit die Funktionsf\u00e4higkeit des Kolchos\/Sowchos dadurch beeintr\u00e4chtigt und sein haupts\u00e4chlicher Lebensunterhalt gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die sowjetische Au\u00dfenpolitik wurde immer mehr durch die Sicht der Milit\u00e4rs dominiert. &#8222;An Shdanows Zwei-Lager-Theorie ankn\u00fcpfend, bildete die bipolare Betrachtungsweise der Welt, das hei\u00dft die Reduktion der internationalen Beziehungen ausschlie\u00dflich auf das Verh\u00e4ltnis von Sozialismus und Kapitalismus und ihrer F\u00fchrungsm\u00e4chte Sowjetunion und Vereinigte Staaten von Amerika den Schl\u00fcssel der Politik der Breschnew-\u00c4ra. Die Fixierung auf die USA bedeutete deshalb in erster Linie die Konzentration auf die St\u00e4rkung der milit\u00e4rischen Macht.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote398sym\" name=\"sdfootnote398anc\"><sup>398<\/sup><\/a> Das schlo\u00df nicht aus, da\u00df zwischenzeitlich auch &#8222;Entspannungspolitik&#8220; betrieben wurde, wie seit Ende der 60er Jahre in Europa, solange die Grundlinie der Politik erhalten blieb.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Breschnew garantierte daf\u00fcr, da\u00df kontinuierlich wenigstens ca. 13-14% des sowjetischen Sozialprodukts f\u00fcr die R\u00fcstung verausgabt, d.h. unproduktiv verwendet wurden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote399sym\" name=\"sdfootnote399anc\"><sup>399<\/sup><\/a> Die ganze Industrie richtete sich nach milit\u00e4rischen Gesichtspunkten aus. &#8222;Die sowjetische Wirtschaft mit ihrem erdr\u00fcckenden \u00dcbergewicht der Schwerindustrie ist sogar nach ihrer Organisation eine Kriegsindustrie. Mindestens ein Drittel des Maschinenbaus, der Metallverarbeitung und der Elektroindustrie, ein F\u00fcnftel der chemischen Produktion, zwei Drittel aller Flugzeuge und Schiffe sowie jeder zweite der fast eine Million forschenden Wissenschaftler arbeiten direkt f\u00fcr die Wehrwirtschaft &#8211; insgesamt etwa f\u00fcnf Millionen Arbeiter, Techniker und Ingenieure. Es sind die qualifiziertesten, die das Land bereitstellen kann.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote400sym\" name=\"sdfootnote400anc\"><sup>400<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Unterschied zur Zeit Stalins, aber auch Chruschtschows, fand eine allgemeine Militarisierung der Gesellschaft statt. &#8222;W\u00e4hrend der Breshnew-\u00c4ra hat sich der Einflu\u00df der sojwetischen Streitkr\u00e4fte aber nicht nur auf die politischen Entscheidungen der sowjetischen F\u00fchrungsspitze ausgewirkt &#8211; er ist auch im gesamten \u00f6ffentlichen Leben, sogar im kulturellen Bereich und in Fragen der Volksbildung, deutlich geworden. Seit 1966 spielt die &gt;milit\u00e4rpatriotische Erziehung&lt; eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. In allen offiziellen Publikationen wird neben der &gt;f\u00fchrenden Rolle der Partei&lt; die milit\u00e4rische Tradition in den Vordergrund ger\u00fcckt.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote401sym\" name=\"sdfootnote401anc\"><sup>401<\/sup><\/a> Hinter der Fassade der Parteiherrschaft bedeutete die Breschnewsche Periode der Stagnation innenpolitisch die Durchsetzung einer indirekten Milit\u00e4rherrschaft, die auf dem Klassengleichgewicht von Arbeiterklasse und Bauernschaft beruhte und sozial getragen wurde von (Kolchos- und Sowchos-)Bauern und den Besch\u00e4ftigten in der Schwer- und R\u00fcstungsindustrie, dh. auch gro\u00dfen Teilen der Arbeiterklasse.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen\u00fcber Europa m\u00fcndete die Politik Breschnews in der zweiten H\u00e4lfte der 70er Jahre in die Stationierung neuer SS-20-Mittelstreckenraketen, die sich vor allem gegen Deutschland richteten und die Entspannungspolitik einfrieren lie\u00dfen. Die milit\u00e4rische Bedrohung sollte Deutschland politisch erpre\u00dfbar machen und von den USA abkoppeln. Die Ersetzung von Politik durch R\u00fcstung, das Gegenteil der von Lenin und Stalin verfolgten Au\u00dfenpolitik, hatte indes das Gegenteil des Gewollten zur Folge. Die deutsche Bourgeoisie f\u00fchlte sich gen\u00f6tigt, wieder enger an die Seite der USA zu r\u00fccken, um nicht sowjetischen Pressionen ausgesetzt zu sein. Sie trat mehrheitlich f\u00fcr den NATO-Doppelbeschlu\u00df und, als die Sowjetf\u00fchrung bei der Raketenr\u00fcstung blieb, f\u00fcr die &#8222;Nachr\u00fcstung&#8220; ein.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote402sym\" name=\"sdfootnote402anc\"><sup>402<\/sup><\/a> Gegen\u00fcber Asien fand die Breschnewsche Au\u00dfenpolitik schlie\u00dflich ihren H\u00f6hepunkt im Einmarsch sowjetischer Truppen Ende 1979 in Afghanistan.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Untergang erfolgte schlie\u00dflich an den beiden Fronten, an denen Stalin 1952 den Kampf aufgenommen hatte, an der Front der Bauern und des Milit\u00e4rs. &#8222;Seit 1972 mu\u00df die Sowjetf\u00fchrung j\u00e4hrlich Millionen von Tonnen Getreide aus dem Ausland einf\u00fchren, um eine Versorgungskrise ernsten Ausma\u00dfes zu verhindern. Selbst von Funktion\u00e4ren wird nicht mehr bestritten, da\u00df die Landwirtschaft zum entscheidenden Problem, zur &gt;Achillesferse&lt; der Sowjetunion geworden ist.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote403sym\" name=\"sdfootnote403anc\"><sup>403<\/sup><\/a> Die wachsenden Bed\u00fcrfnisse der Massen wurden durch Einkauf der fehlenden Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt mithilfe von Krediten, also durch zunehmende Staatsverschuldung, und durch Produktion auf Kosten der Arbeitsmittel befriedigt: Arbeitsgeb\u00e4ude und Maschinerie wurden nicht rechtzeitig erneuert, sondern vernutzt, bis sie auseinanderfielen. Nur die R\u00fcstungsindustrie wurde kontinuierlich ausgebaut. Wirtschaftlich zehrte das Land mehr und mehr von der Substanz.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u00f6konomische und gesellschaftliche Stillstand lie\u00df in den Republiken des sowjetischen Vielv\u00f6lkerstaats die nationalen Widerspr\u00fcche wachsen. Der jahrelange Krieg in Afghanistan gegen mittelalterliche Stammeskrieger, der milit\u00e4risch nicht zu gewinnen war, untersp\u00fclte schlie\u00dflich Stellung und Zusammenhalt des Milit\u00e4rs, der ma\u00dfgeblichen Kraft, die zuletzt die staatliche Einheit der Sowjetunion garantierte. So f\u00fchrte das milit\u00e4rische Desaster am Ende nicht nur zum Zusammenbruch der gegebenen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, sondern auch des sowjetischen Nationalit\u00e4tenstaats.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Zur\u00fcck zu Stolypin?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum Abschlu\u00df wollen wir noch einen Blick darauf werfen, wie die Agrarfrage sich nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion in Ru\u00dfland stellt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle bis Ende der 80er Jahre durchgef\u00fchrten Agrarreformen, sei es unter Chruschtschow, unter Breschnew oder in den ersten Jahren der Perestrojka, hatten die bestehende Agrarverfassung, wie sie aus der Kollektivierung hervorgegangen war und ihrerseits an Grundz\u00fcge der obscina ankn\u00fcpfte, in ihren Kernstrukturen unangetastet gelassen. Seit 1988 &#8211; also noch zu Zeiten der Sowjetunion &#8211; begann der Versuch, durch eine \u00c4nderung der Verf\u00fcgungsverh\u00e4ltnisse \u00fcber Grund und Boden die Agrarverfassung zwar ebenfalls nicht umzust\u00fcrzen, aber aufzulockern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote404sym\" name=\"sdfootnote404anc\"><sup>404<\/sup><\/a> Ein neues Kolchos-Musterstatut und ein Genossenschaftsgesetz hoben 1988 die bis dahin bestehenden H\u00f6chstgrenzen f\u00fcr die Privatparzellen und den Viehbesitz auf bzw. \u00fcbertrugen die Entscheidung \u00fcber deren Erweiterung den einzelnen Kolchosen. Die sowjetische Gesetzgebung ging so weit, zwar kein Eigentum am Boden, aber dessen &#8222;lebenslangen, erblichen Besitz&#8220; zuzulassen. Daneben wurden verschiedene M\u00f6glichkeiten der Pacht einger\u00e4umt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insbesondere nach der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion wurde in Ru\u00dfland von den &#8222;Reformern&#8220; um Jelzin der Versuch gemacht, durch die Einf\u00fchrung des Privateigentums an Land die Agrarverfassung tiefergehend umzugestalten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote405sym\" name=\"sdfootnote405anc\"><sup>405<\/sup><\/a> Gest\u00fctzt auf eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die man in den kommenden Jahren umsetzen will, sollen von 222 Millionen ha landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che in Ru\u00dfland lediglich 15-20 Mio ha in Staatseigentum verbleiben und die \u00fcbrigen 200-205 Mio ha in Privateigentum \u00fcberf\u00fchrt werden. Das betrifft nicht nur die bisher schon individuell genutzten Grundst\u00fccke (Nebenwirtschaften, G\u00e4rten, Datschen), sondern vor allem die gro\u00dfe Masse des im Besitz von Kolchosen und Sowchosen befindlichen Bodens. 170-180 Mio ha von den f\u00fcr die Privatisierung vorgesehenen Fl\u00e4chen sollen kostenlos nach Normen verteilt werden, die der jeweilige Landkreis festlegt. Den Rest von 25-35 Mio ha will der Staat vor\u00fcbergehend verpachten; die P\u00e4chter erhalten das Recht auf sp\u00e4teren Abl\u00f6sekauf.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die Kolchsen\/Sowchosen bedeutet dies, da\u00df ihr Boden zu gleichen Teilen an alle Mitglieder (Werkt\u00e4tige, Rentner oder im Sozialbereich T\u00e4tige, z.B. Kolchos\u00e4rzte oder Kindergartenangestellte) zu Eigentum aufgeteilt werden soll; jedes Kolchosmitglied erh\u00e4lt so einen Eigentumstitel auf ein bestimmtes Grundst\u00fcck, das im Regelfall zwischen 20 und 60 ha gro\u00df sein d\u00fcrfte. Die neuen Eigent\u00fcmer k\u00f6nnen dann frei entscheiden &#8211; so jedenfalls die Theorie -, ob ihr Land weiter kollektiv bebaut wird (durch eine Genossenschaft oder eine &#8222;Aktiengesellschaft&#8220;), oder ob sie aus dem Produktionskollektiv ausscheiden und einen selbst\u00e4ndigen Bauernhof gr\u00fcnden wollen. Sie k\u00f6nnen ihren Boden auch verpachten oder verkaufen. Der <i>Verkauf<\/i> ist allerdings nur in wenigen, genau festgelegten F\u00e4llen erlaubt, so da\u00df von &#8222;Privateigentum&#8220; im b\u00fcrgerlichen Sinn kaum gesprochen werden kann:<br \/>\n&#8211; Am weitesten geht die private Verf\u00fcgungsgewalt bei den schon jetzt individuell genutzten Grundst\u00fccken (G\u00e4rten, Datschengrundst\u00fccke oder Parzellen f\u00fcr eine Nebenwirtschaft): im <i>Erbfall<\/i> oder wenn der Eigent\u00fcmer ins <i>Rentenalter<\/i> kommt, d\u00fcrfen diese Grundst\u00fccke frei verkauft werden &#8211; aber auch nur dann.<br \/>\n&#8211; Auch die <i>Erben eines selbst\u00e4ndigen Bauernhofs<\/i> (der also aus der Aufteilung des Kolchos-\/Sowchoslands hervorgegangen sein mu\u00df) d\u00fcrfen den Hof frei verkaufen.<br \/>\n&#8211; Schlie\u00dflich kann auch derjenige, der bei Aufteilung des Kolchos-\/Sowchosbodens auf diesem Land <i>keine<\/i> individuelle Bauernwirtschaft errichten will, sein Land in drei F\u00e4llen verkaufen: a) bei der Pensionierung an einen <i>in demselben Betrieb T\u00e4tigen<\/i>; b) wenn er das erhaltene Land nicht selber bebauen, sondern <i>auf dem Lande<\/i> (also nicht in der Stadt) einen nicht-landwirtschaftlichen Betrieb aufmachen will (bsp. einen weiterverarbeitenden, Handels- oder Dienstleistungsbetrieb); dazu wird zwar nichts ausgef\u00fchrt, aber es ist davon auszugehen, da\u00df auch in diesem Fall nur an einen Betriebsangeh\u00f6rigen verkauft werden darf, ebenso wie im folgenden Fall; c) darf der frischgebackene Landeigent\u00fcmer verkaufen, wenn er statt auf dem von Kolchos\/Sowchos erhaltenen Land lieber woanders einen Hof errichten will. F\u00fcr diesen Fall soll jedoch vorgesorgt werden: &#8222;Die Gefahr besteht, da\u00df viele Bodeneigent\u00fcmer die Absicht der Umsiedlung erkl\u00e4ren, ihre Grundst\u00fccke verkaufen, dann aber das Geld vertrinken und am neuen Ort keinen Bauernbetrieb gr\u00fcnden. Um das zu verhindern, hatte man seinerzeit bei der Stolypin-Reform dem Umsiedler seinen Erl\u00f6s nicht am alten Ort in Assignaten gegeben. Stattdessen h\u00e4ndigte ihm die Bauernbank ein Zertifikat aus, mit dem er am neuen Ort Produktionsmittel kaufen konnte. Das w\u00e4re ein zweckm\u00e4\u00dfiges Vorgehen auch bei der heutigen Reform.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote406sym\" name=\"sdfootnote406anc\"><sup>406<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verpachtung und Beleihung des Bodens sind im Unterschied zum Verkauf nicht eingeschr\u00e4nkt; die Aufnahme von Krediten bei einer normalen Bank ist jedoch g\u00e4nzlich unrealistisch, wenn die Bank das als Sicherheit verpf\u00e4ndete und mit einer Hypothek belastete Grundst\u00fcck nicht verwerten, dh. verkaufen darf.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie sieht die konkrete Situation gegenw\u00e4rtig (Zahlenstand von Mitte 1992) aus? Von den 222 Mio ha landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che befinden sich 2 Mio ha im Eigentum von St\u00e4dtern. 27,8 von insgesamt 29,7 Mio st\u00e4dtischen Familien besa\u00dfen Mitte 1992 ein Garten- oder Datschengrundst\u00fcck oder eine pers\u00f6nliche Nebenwirtschaft. Au\u00dferdem liegen weitere 1,2 Mio Antr\u00e4ge auf Zuweisung eines solchen Grundst\u00fccks vor. So gut wie alle St\u00e4dter haben also ein St\u00fcckchen Land zur Eigennutzung zur Verf\u00fcgung. Gemessen am gesamten Grund und Boden sind 2 Mio ha nicht viel; die Grundst\u00fccke haben aber eine wichtige Funktion: sie dienen \u00fcberwiegend der Selbstversorgung und mindern darum bestehende Versorgungsschwierigkeiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter den genannten st\u00e4dtischen Familien mit Privatgrundst\u00fccken auf dem Land sind 7,3 Mio, deren Landbesitz wie das Hofland der Kolchos-\/Sowchosbauern als &#8222;pers\u00f6nliche Nebenwirtschaft&#8220; z\u00e4hlt. Der Unterschied zu den G\u00e4rten d\u00fcrfte sein, da\u00df in der pers\u00f6nlichen Nebenwirtschaft auch Vieh gehalten werden kann und die Inhaber das Recht haben, auf den M\u00e4rkten zu verkaufen (eine genaue Abgrenzung der &#8222;Nebenwirtschaften&#8220; von den &#8222;G\u00e4rten&#8220; war allerdings nicht zu finden). Neben den 7,3 Mio st\u00e4dtischen Familien betreiben 10,7 Mio l\u00e4ndliche Familien eine solche &#8222;Nebenwirtschaft&#8220;; das sind im wesentlichen die Kolchos- und Sowchosbauern mit ihrem Hofland. Anders gerechnet, verf\u00fcgen von \u00fcber 40 Mio russischen Familien insgesamt 18 Mio \u00fcber eine Nebenlandwirtschaft und sind als &#8222;Parzellenbauern&#8220; anzusprechen (wenn man einen Blick zur\u00fcckwirft: 21 Mio Bauernwirtschaften gab es 1916; auf 25 Mio war ihre Zahl bis 1925 angewachsen). Ihren haupts\u00e4chlichen Lebensunterhalt verdienen diese Parzellenbauern in der Fabrik, der Verwaltung oder im Kolchos\/Sowchos; nebenberuflich sind sie als selbst\u00e4ndige Landwirte t\u00e4tig. Da etwa ein Viertel aller st\u00e4dtischen Familien eine solche Nebenlandwirtschaft betreibt, ist eine nicht zu untersch\u00e4tzende <i>materielle Basis f\u00fcr b\u00e4uerliches Denken und Handeln auch in der Stadt<\/i> vorhanden. Die Z\u00fcge eines Agrarstaats, die Ru\u00dfland hat, r\u00fchren daher nicht allein von der gro\u00dfen Zahl und der Struktur seiner Landbev\u00f6lkerung; ebensowenig nimmt es wunder, da\u00df seit seiner Einberufung praktisch auf jeder Sitzung des Kongresses der Volksdeputierten Ru\u00dflands die Frage des Bodeneigentums diskutiert wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gesamtfl\u00e4che der Nebenwirtschaften (st\u00e4dtische und l\u00e4ndliche Familien zusammen) ist bis Mitte 1992 auf 4,7 Mio ha gewachsen (von 3,3 Mio ha Anfang 1991), lag also im Durchschnitt bei 0,26 ha pro Nebenwirtschaft. Dazu m\u00fcssen die Viehweiden hinzugez\u00e4hlt werden, die den Parzellenbauern nach obscina-Tradition vom Sowchos\/Kolchos zur gemeinsamen Nutzung \u00fcberlassen sind. 1983 waren das (auf dem Gebiet der Sowjetunion) 5,5 Mio ha Heuwiesen und 10,3 Mio ha Weidefl\u00e4che.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote407sym\" name=\"sdfootnote407anc\"><sup>407<\/sup><\/a> Neuere Zahlen f\u00fcr Ru\u00dfland sind nicht bekannt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom Staat wurden den Dorfsowjets im Jahr 1991 weitere Bodenfl\u00e4chen f\u00fcr die Nebenwirtschaften zur Verf\u00fcgung gestellt, so da\u00df diese um 13-14 Mio ha wachsen k\u00f6nnen. Da die Bebauung einer gr\u00f6\u00dferen Bodenparzelle jedoch Kleinmaschinen erfordert und diese rar sind, wird der zus\u00e4tzliche Boden voraussichtlich erst im Lauf der n\u00e4chsten Jahre in Anspruch genommen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Welchen Stand die Aufteilung des Kollektivbodens zu Individualeigentum hat, ist unklar; Usun erw\u00e4hnt, da\u00df im Laufe des Jahres 1992 etwa 16 Mio Personen Eigentumstitel auf Kolchos-\/Sowchosland erhalten sollten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit sind wir bei den eigentlichen Einzelbauern, dh. denjenigen, die nicht nur eine private <i>Nebenwirtschaft<\/i> betreiben, sondern als selbst\u00e4ndige Landwirte t\u00e4tig werden und zu diesem Zweck auf aufgeteiltes Kolchos-\/Sowchosland oder auf Land aus dem staatlichen Bodenfonds angewiesen sind. Die insgesamt 18 Mio Familien mit Parzellenwirtschaften sind das Potential, aus dem solche selbst\u00e4ndigen Bauern hervorgehen k\u00f6nnten. Schon vor Aufl\u00f6sung der Sowjetunion zeichnete sich ab, da\u00df derartige Wechsel zum Individualbauerntum haupts\u00e4chlich im Baltikum, wo entsprechende Traditionen noch lebendig sind, stattfinden. In Ru\u00dfland selber ist die Zahl der selbst\u00e4ndigen Bauern von einigen Dutzend Anfang 1990 bis Ende 1992 auf 184.000 angewachsen. Sie verf\u00fcgen im Durchschnitt \u00fcber eine Betriebsfl\u00e4che von 44 ha, Ende 1992 insgesamt 8 Mio ha.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote408sym\" name=\"sdfootnote408anc\"><sup>408<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das ist alles in allem eine nur kleine Zahl, die bisher von den M\u00f6glichkeiten der Agrarreformen Gebrauch gemacht hat oder noch machen will. Hinzu kommt, da\u00df die Gr\u00fcndung von Bauernbetrieben auf dem Gebiet eines Kolchos oder Sowchos in vielen F\u00e4llen rein formal war, denn solche H\u00f6fe sind die ersten f\u00fcnf Jahre nach Gr\u00fcndung steuerfrei, brauchen nur 8% Zinsen f\u00fcr aufgenommene Darlehen zu zahlen (Kolchosen 8-12%; andere Betriebe seit Juni 1992 inflationsbedingt: 80%) und genie\u00dfen au\u00dferdem Vorteile bei der Beitragszahlung f\u00fcr die Sozialversicherung (5% der f\u00fcr Konsum verwendeten Gelder; Sowchos\/Kolchos: 27%; andere Betriebe: 38%). Zwar ist von Seiten der Reformer von bis zu 10% die Rede, die laut Meinungsumfragen aus dem Kolchos ausscheiden wollen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote409sym\" name=\"sdfootnote409anc\"><sup>409<\/sup><\/a> aber selbst wenn diese Zahl stimmt, bleiben 90%, die den Kolchos (oder Sowchos) <i>nicht<\/i> aufgeben wollen. Was ist der Grund daf\u00fcr?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Im Wolgagebiet, wo bis 1930 auf gemeindeeigenen Bodenbesitz 95,5% entfielen, darf man ein Entstehen von Weiler- und Ein\u00f6dh\u00f6fen (gemeint sind selbst\u00e4ndige Bauernbetriebe; H.K.) \u00fcberhaupt nicht erwarten. Dies umso weniger, als dort fast 40 Prozent der Familien nur aus zwei Personen bestehen und mehr als die H\u00e4lfte der Arbeitsf\u00e4higen \u00fcber 50 Jahre alt sind.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote410sym\" name=\"sdfootnote410anc\"><sup>410<\/sup><\/a> Aufschlu\u00dfreich ist der Hinweis auf die obscina (&#8222;gemeindeeigener Bodenbesitz&#8220;), der als erstes erfolgt, um die Schwierigkeiten der Agrarreform zu begr\u00fcnden. Daneben spielt die \u00dcberalterung der Landbev\u00f6lkerung eine wichtige Rolle, denn abgesehen vom Gesundheitszustand lohnt es sich f\u00fcr einen \u00fcber 50-J\u00e4hrigen \u00f6konomisch nicht, die Umstellung auf einen eigenen Betrieb vorzunehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings stellt die \u00dcberalterung noch einen ganz anderen Hindernisgrund dar, der wiederum mit den Produktionsverh\u00e4ltnissen im Kolchos\/Sowchos und fr\u00fcher in der obscina zusammenh\u00e4ngt. Die seit den 60er Jahren an die Landbev\u00f6lkerung gezahlten Renten reichen nicht zum Lebensunterhalt aus, sondern setzen weiteres Einkommen in Natural- oder Geldform voraus. So stammt das Haushaltseinkommen alleinstehender Kolchosrentner bzw. \u2011rentnerinnen zu 43% aus der eigenen Hoflandwirtschaft (Stand 1989\/90).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote411sym\" name=\"sdfootnote411anc\"><sup>411<\/sup><\/a> Au\u00dferdem haben die Alten Wohnrecht und den Anspruch auf ein Deputat (in Naturalien) aus der Kolchosproduktion. Um ihre Parzellenwirtschaft zu betreiben, brauchen sie Weiderechte f\u00fcr ihr Vieh auf dem Kollektivland (oder Viehfutter) und Unterst\u00fctzung bei der Bearbeitung des Bodens, beim Transport und Absatz ihrer Erzeugnisse. Aus eben diesen Gr\u00fcnden haben aber nicht nur sie selber ein elementares Interesse an der Aufrechterhaltung des Kolchos\/Sowchos, sondern auch ihre Kinder &#8211; die werkt\u00e4tigen Mitglieder des Kolchos\/Sowchos. Sie m\u00fc\u00dften ihre Eltern sonst alleine versorgen. &gt;Die Dorfgemeinde sorgt daf\u00fcr, da\u00df alle leben k\u00f6nnen&lt;, war vor fast 90 Jahren der Tenor der obscina-Bauern gegen die Stolypinschen Reformen, und das ist heute die Stimmung in den D\u00f6rfern gegen alle Versuche zur Schw\u00e4chung oder gar Aufl\u00f6sung der Kolchosen und Sowchosen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Schriftsteller Iwan Wassiljew, Agrardeputierter des Volkskongresses, schildert die gegenw\u00e4rtige Lage aus der Sicht des Dorfes. Er wohnt in einem Sowchos-Dorf im Gebiet Pskow, wozu die Redaktion der Zeitschrift OSTEUROPA einleitend schreibt: &#8222;Pskow ist auch eine traditionsreiche Provinz, wo die altrussische Dorfgemeinde mit ihren Sitten noch nachwirkt&#8220;. Wassiljew erl\u00e4utert zun\u00e4chst, da\u00df die Dorfbev\u00f6lkerung der gesamten Provinz 312.000 Menschen umfa\u00dft, von denen nur 10% erwerbst\u00e4tig sind. Zum Dorfsowjet von Uspenskoje &#8211; dem Dorf, in dem er anscheinend wohnt -, geh\u00f6rt ein halbes Hundert Weiler mit (insgesamt) 209 Einwohnern, davon 39 Erwerbst\u00e4tige, 10 Personen Leitungspersonal, 10 Kinder und 150 Rentner. Das vermittelt bereits ein Bild von den Verh\u00e4ltnissen auf dem Land nach 80 Jahren &#8222;Sozialismus&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er weist darauf hin, da\u00df in seiner Provinz kaum angesessene Bauern, sondern nur &#8211; sehr wenige &#8211; <i>Zugereiste<\/i> einen selbst\u00e4ndigen Bauernhof gegr\u00fcndet haben. &#8222;Die Theorie&#8220; (der Reformer), f\u00fchrt er aus, &#8222;schl\u00e4gt vor: <i>sogleich<\/i> her mit dem Betrieb des arbeitenden Bauern, modern ausgedr\u00fcckt der Farm, altmodisch gesagt, dem Einzelbauern, den man von leichter Hand als Kulaken gebrandmarkt hat.&#8220; Der Gr\u00fcndung eines solchen Hofs, f\u00e4hrt er fort, stehen jedoch jede Menge Hindernisse im Weg. Man braucht daf\u00fcr nicht nur eine H\u00fctte zum Wohnen, sondern auch Geb\u00e4ude f\u00fcr Maschinen, die Unterbringung der Ernte und des Viehs. Woher soll das Baumaterial kommen und der Baubetrieb, der die Geb\u00e4ude errichtet? Au\u00dferdem wird Maschinerie und Ausr\u00fcstung ben\u00f6tigt. Das eigentliche Hindernis auf dem Weg in die &#8222;Ein\u00f6dbauern-Robinsonade&#8220;, wie Wassiljew den \u00dcbergang zum selbst\u00e4ndigen Bauerntum nennt, liegt aber jenseits von all dem: &#8222;Auf Robinson Crusoe hatte niemand ein beobachtendes Auge, ihn st\u00f6rte niemand, doch auf unseren Ein\u00f6dbauer-Robinson sind hundert Paar aufpassende Augen von Dorfgenossen gerichtet, hundert Zungen hecheln ihn durch, hundert Gehirne denken sich Streiche aus &#8211; und keine helfende Hand ist ausgestreckt. Das ist die Hauptfolge in sozialer Hinsicht, von <i>einem der unsrigen wird er zu einem Fremden<\/i>.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote412sym\" name=\"sdfootnote412anc\"><sup>412<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">L\u00e4\u00dft sich ein Sowchosnik bisherigen Kollektivboden f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines eigenen Bauernhofs \u00fcbertragen, so reagieren die \u00fcbrigen Dorfbewohner mit Boykott: &gt;Du hast Land in eigenen Besitz genommen, jetzt darfst Du keinen Huf auf unseren Boden treten lassen.&lt; Die anderen Sowchosmitglieder lassen ihre K\u00fche hintereinander auf den Gemeindeweiden grasen; das darf der Ausgetretene nicht mehr, er mu\u00df sehen, wie er sein Vieh durchbringt; &#8222;es scheint, da\u00df die schon ein Jahrhundert alte Geschichte mit den abgeschnittenen Flurst\u00fccken sich auf neue Weise wiederholt: Der Einzelbauer schm\u00e4lert den Kollektivbauern.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn alle diese Schwierigkeiten gemeistert sind, stellt sich die Frage, wie der Absatz der erzeugten Waren erfolgen soll. Es gibt keinen selbst\u00e4ndigen Zwischenhandel, sondern nur den staatlichen Handel oder den Genossenschaftshandel (der Kolchosen). Alles andere ist nach wie vor gesetzlich verboten. Selbst wenn der staatliche oder Genossenschaftshandel dem Einzelbauern wohlgesonnen sein sollte &#8211; was meist nicht der Fall ist &#8211; er ist gar nicht auf den Ankauf kleiner Mengen eingerichtet, sondern auf die Massenerzeugung der gro\u00dfen Produktionseinheiten. Aus allen diesen Gr\u00fcnden sind selbst\u00e4ndige Bauernh\u00f6fe bisher meist nur in direkter Nachbarschaft von St\u00e4dten gegr\u00fcndet worden, und da zu einem gro\u00dfen Teil von Dorffremden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Hei\u00dft das, da\u00df der angesessene Bauer auf die Zeichen der Zeit nicht reagiert? Ganz und gar nicht&#8220;, schreibt Wassiljew. &#8222;Er reagiert schnell, aber mit gesundem Menschenverstand. Er <i>lebt sich ein<\/i>. Er w\u00e4hlt den leichtesten, einfachsten, zug\u00e4nglichsten Weg, und das hei\u00dft, den wirtschaftlichsten. Er h\u00e4lt sich an die noch <i>lebendige<\/i> Wurzel, den eigenen Hofhaushalt. Die Hoflandwirtschaft, das ist die Saft f\u00fchrende Hauptwurzel des Bauern &#8230;, die Restwurzel, welche die totale Losrei\u00dfung des Arbeiters vom Eigentum \u00fcberstanden hat. Aus ihr begann der Bauer wieder Leben zu sch\u00f6pfen.&#8220; Nach seinen Vorstellungen mu\u00df darum alles getan werden, um die Entwicklung der Parzellenwirtschaft zu f\u00f6rdern: Vergr\u00f6\u00dferung der Fl\u00e4che, der Heuwiesen etc. Auf diese Weise w\u00fcrde der Bauer noch eine Zeitlang in der allgemeinen Dorfordnung bleiben, und erst wenn er sich mit seiner Hofwirtschaft einen festen Stand verschafft h\u00e4tte, k\u00f6nnte er auf die zweite Stufe treten, dh. einen individuellen Agrarbetrieb gr\u00fcnden und die Dorfgemeinschaft verlassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter den gegebenen Bedingungen riefen bereits die ersten Reformversuche gegen Ende der 80er Jahre auf dem Land Unruhe hervor. &#8222;Im Namen derer, die Getreide bauen&#8220; (dh. der ausschlaggebenden Masse der russischen Bauern) propagierten 417 Agrardeputierte von insgesamt 2.250 Mitgliedern des damaligen sowjetischen Volksdeputiertenkongresses Mitte 1989, da\u00df &#8222;b\u00e4uerliche Arbeit &#8230; wie in allen entwickelten L\u00e4ndern zur prestigetr\u00e4chtigsten und angesehensten gemacht werden&#8220; mu\u00df. Sie forderten die (soundsovielte) Streichung aller Schulden der Sowchosen und Kolchosen und neue Subventionen. Damit nicht genug, verlangten sie, &#8222;unverz\u00fcglich, beginnend mit diesem Kongre\u00df, die Wirtschaft des Landes auf die Bed\u00fcrfnisse des Dorfes auszurichten (&#8230;), die St\u00e4dte nicht weiter wachsen zu lassen, die Urbanisierung des Landes zu stoppen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote413sym\" name=\"sdfootnote413anc\"><sup>413<\/sup><\/a> Wo die Agrarsubventionen herkommen sollen, wenn nicht durch den Ausbau der Industrie und damit der St\u00e4dte, \u00fcberschreitet den Horizont dieses Manifests, das auf einem durch und durch r\u00fcckw\u00e4rtsgerichteten b\u00e4uerlichen Weltbild gr\u00fcndet und den gesellschaftlichen Boden beleuchtet, auf dem in Ru\u00dfland die zahlreichen reaktion\u00e4ren und faschistischen Gruppierungen heranwachsen, die das &#8222;alte Ru\u00dfland&#8220; verherrlichen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Widerstreben der Bauernschaft gegen die Reformen f\u00fchrte zu einem permanenten Hin und Her: &#8222;Privates Bodeneigentum wurde von Gesetzes wegen zugelassen, aber zugleich f\u00fcr Grundst\u00fccksk\u00e4ufe und Verk\u00e4ufe ein Moratorium von zehn Jahren eingef\u00fchrt. Bauernwirtschaften wurden anerkannt, aber Land wurde ihnen in Lagen zugeteilt, wo es Jahre baucht, bis ein normales Leben und eine effiziente Produktion erreicht werden kann.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote414sym\" name=\"sdfootnote414anc\"><sup>414<\/sup><\/a> Beim August-Putsch von 1991 befand sich der F\u00fchrer der &#8222;Bauern-Union&#8220; konsequenterweise im Putsch-Komitee. Nachdem der Putsch zusammengebrochen war, beschleunigte sich die Agrargesetzgebung zun\u00e4chst, bis Anfang 1992 Ruzkoj, der russische Vizepr\u00e4sident, mit der Fortsetzung der Agrarreform beauftragt wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er hat inzwischen ein neues Zentrum f\u00fcr die Boden- und die Agrarreform geschaffen, das eine Bodenbewertung durchf\u00fchren und die Aufteilung des Bodens organisieren soll; mit anderen Worten: &#8222;Ruzkoj beabsichtigt, alles von vorn zu beginnen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote415sym\" name=\"sdfootnote415anc\"><sup>415<\/sup><\/a> Am 3.Juni 1992 schlo\u00df er namens der Regierung mit den Vertretern der Bauernschaft (der Verband der Einzelbauern &#8211; AKKOR &#8211; war nicht beteiligt) einen sogenannten &#8222;Generalvertrag&#8220; ab.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote416sym\" name=\"sdfootnote416anc\"><sup>416<\/sup><\/a> Darin wird den Bauern neben der unbefristeten, unentgeltlichen Nutzung der W\u00e4lder zugesagt, Treib- und Schmierstoffe zu 50% zu finanzieren, Subventionen und Kredite zu gew\u00e4hren, die Preise f\u00fcr Agrarprodukte zu regulieren und &#8211; das ist der Kern der Sache &#8211; das Funktionieren von Sowchosen und Kolchosen zu gew\u00e4hrleisten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Zeitschrift OSTEUROPA kommentiert dazu, die Ergebnisse des &#8222;Generalvertrags&#8220; lie\u00dfen vermuten, &#8222;da\u00df um sie in der F\u00fchrung in einer heftigen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung gerungen wurde. Das Ergebnis war unverkennbar der Sieg der durch A.Ruzkoj, ehemals Oberst in Afghanistan und heute Exponent nationalistischer Str\u00f6mungen unterst\u00fctzten Richtung der &gt;Agrarier&lt;. Diese sind es, welche Ruzkoj &gt;nicht im Stich gelassen&lt; hat. Sie stellen sich gerne als Interessenvertreter der Landwirtschaft und der &gt;Bauern&lt; insesamt dar, sind aber in Wirklichkeit Vertreter der Kolchos- und Sowchos-Manager und der meisten Verwaltungskader, so wie es vor dem August 1991 die &gt;Bauern-Union&lt; des am Putsch beteiligten W.Starodubzew war. Nicht zuf\u00e4llig geschah es auch w\u00e4hrend der vermutlichen Auseinandersetzungen, da\u00df Starodubzew auf F\u00fcrsprache Jelzins aus der Haft entlassen wurde.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote417sym\" name=\"sdfootnote417anc\"><sup>417<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der auf westliche Einzelbauern eingeschworenen Zeitschriftenredaktion ist es nicht nachvollziehbar, da\u00df die attackierten &#8222;Agrarmanager&#8220; und &#8222;Verwaltungskader&#8220; keine verselbst\u00e4ndigten bolschewistischen R\u00fcckzugsgefechte liefern, sondern die Interessen der breiten b\u00e4uerlichen Masse vertreten (sonst w\u00fcrden sie sich nicht lange halten k\u00f6nnen). Aber davon abgesehen, scheinen die Beobachtungen zutreffend zu sein. Mit Ruzkoj haben sich nicht allein b\u00e4uerliche Interessen durchgesetzt, sondern nehmen jene milit\u00e4risch-b\u00e4uerlich-schwerindustriellen Kr\u00e4fte wieder Gestalt an, die die Sowjetunion seit Chruschtschow und vor allem seit Breschnew gepr\u00e4gt haben. Die gesellschaftlichen Grundlagen, auf denen sie stehen, haben sich durch die st\u00fcrmischen Ver\u00e4nderungen des politischen \u00dcberbaus nicht aufgel\u00f6st.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der &#8222;Generalvertrag&#8220; gibt eine klare Antwort auf die Frage, ob es auf dem Land ein Zur\u00fcck zu Stolypin gibt. Die Agrarreform vor fast 90 Jahren gegen die obscina war nur unter der zaristischen Ordnung m\u00f6glich, weil die Bauern nicht \u00fcber das allgemeine Stimmrecht oder eine andere Vertretungsmacht verf\u00fcgten. Die heutige Stellung der Bauernschaft in Ru\u00dfland verurteilt eine solche Politik von vornherein zum Scheitern. Eine Aufl\u00f6sung des Kolchos\/Sowchos ist nicht im Sturmangriff, sondern nur von innen heraus, nur auf lange Sicht, durch die allm\u00e4hliche Entwicklung der Nebenwirtschaften m\u00f6glich. Das ist ein langer und qualvoller Weg, auf dem die Bauern, um mit Marx zu sprechen, sowohl durch die Entwicklung des Kapitalismus als auch durch seine Nichtentwicklung leiden werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu Anfang dieses Jahrhunderts stellten die Bauernmassen der vorzeitlichen Dorfgemeinde Ru\u00dflands ein gewaltiges revolution\u00e4res Potential zum Sturz der \u00fcberlebten zaristischen Ordnung dar. Unter F\u00fchrung des Proletariats er\u00f6ffnete ihre Revolution den Durchgang zur Industrialisierung, auf deren Grundlage der Weg zum Sozialismus m\u00f6glich war. Am Ausgang dieses Jahrhunderts machen sie sich als festes Bollwerk der Vergangenheit, als Bleigewicht gegen jegliche Entwicklung geltend, w\u00e4hrend gleichzeitig eine erneute kommunistische Formierung des Proletariats weit entfernt ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>X. Zusammenfassung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1. Politisch war die Oktoberrevolution eine proletarische Minorit\u00e4tenrevolution; ihrem sozial-\u00f6konomischen Wesen nach aber war sie eine b\u00fcrgerlich beschr\u00e4nkte Bauernrevolution unter F\u00fchrung des Proletariats. Der entscheidende Gegensatz, der den Sieg des Proletariats erm\u00f6glichte, war der zwischen Gemeindebauern und Gutsbesitzern; die Bauern stellten nicht nur die Hauptmassen im Proze\u00df der Revolution, sondern waren auch ihre unmittelbaren Hauptnutznie\u00dfer. Die politische F\u00fchrung durch das Proletariat gew\u00e4hrleistete den Sieg, durch den die Arbeiterklasse sich in den Besitz der Staatsmacht und der industriellen Produktionsmittel setzte.<br \/>\nDie Revolution richtete sich neben Zar und Adel auch gegen das Kapital, weil neben dem Grundeigentum der Gutsbesitzer auch das der Stolypinschen Bauern sowie die Fabriken und Banken nationalisiert wurden. Andererseits war sie aber <i>b\u00fcrgerlich beschr\u00e4nkt<\/i>, insoweit das b\u00e4uerliche Privateigentum an Produktionsmitteln nicht angetastet wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2. Den Schl\u00fcssel f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der russisch-sowjetischen Entwicklung liefert die primitive Dorfgemeinde (obscina) und ihre \u00dcberf\u00fchrung in den Kolchos nach 1929. Lediglich in Teilen des Zarenreichs (Ukraine, Baltikum, Sibirien) hatte sich bei den Bauern das Privateigentum an Grund und Boden bereits durchgesetzt, bef\u00f6rdert durch die Stolypinschen Reformen nach 1905. Dagegen blieb in Kernru\u00dfland, dh. bei der Masse der Bauernschaft, die Agrarverfassung der obscina vorherrschend, die auf dem urkommunistischen Gemeindeeigentum und der regelm\u00e4\u00dfigen Umteilung des Bodens fu\u00dfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die Stolypinschen Reformen endg\u00fcltig zur Feindin der zaristischen Ordnung geworden, vernichtete die obscina in der Oktoberrevolution ihre <i>\u00e4u\u00dferen<\/i> Gegner durch Verbot des Privateigentums an Land und erkl\u00e4rte ganz Ru\u00dfland zur Dorfgemeinde. Gleichzeitig wurde sie<i> von innen heraus<\/i> durch die beginnende kapitalistische Warenproduktion zersetzt, deren soziale Tr\u00e4ger die Kulaken (reiche Bauern) waren, die mit ihren Produktionsmitteln eine Monopolstellung im Dorf innehatten und die Schl\u00fcsselfigur f\u00fcr den Produktionsablauf in der obscina bildeten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">3. Im B\u00fcrgerkrieg versuchten die Bolschewiki zun\u00e4chst, durch die Getreide-Ablieferungspflicht, die Abschaffung des Geldes und die Entfachung des Klassenkampfs im Dorf direkt von der &#8211; von Lenin so verstandenen &#8211; b\u00fcrgerlichen Revolution zum Kommunismus weiterzumarschieren. Der Kriegskommunismus scheiterte an den Bauern, die keinen Grund f\u00fcr die weitere Getreideablieferung mehr sahen, als die Armeen der Gutsbesitzer geschlagen waren. Kronstadt wurde zum Symbol des Umschlagens.<br \/>\nMit der in letzter Minute durchgesetzten Neuen \u00d6konomischen Politik (NEP) machten sich die b\u00e4uerlichen Grundlagen wie die b\u00fcrgerlichen Schranken des Oktobers geltend. Die Bauern konnten frei \u00fcber ihre Produkte verf\u00fcgen; die Industrialisierung sollte in Abh\u00e4ngigkeit vom Warentausch mit dem Land erfolgen. Die Produktion in den St\u00e4dten wurde auf den Staatskapitalismus umgestellt: kapitalistisch dem Wesen, staatlich der Form nach. Politisch behielt die Arbeiterklasse die Staatsmacht, milit\u00e4risch abgesichert durch die Umwandlung der mittelb\u00e4uerlichen Millionenarmee des B\u00fcrgerkriegs in eine Milizarmee mit proletarisch dominierten Kadertruppen; das Mehrklassenwahlrecht der ersten sowjetischen Verfassung hielt die Bauern vom Staat fern.<br \/>\nDer Sozialismus sollte nach Lenins Vorstellung durch die genossenschaftliche Umwandlung des Dorfes und die Industrialisierung in ein bis zwei Generationen erreicht werden, indem die proletarische Partei die Kommandoh\u00f6hen des Staats und der Wirtschaft in der Hand hielt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">4. In den 20er Jahren entfalteten sich die Widerspr\u00fcche der NEP; die Machtk\u00e4mpfe in der Partei waren eine Widerspiegelung der sich entwickelnden Klassengegens\u00e4tze. Trotzki verfocht auf dem Boden seiner Theorie der permanenten Revolution das Konzept einer umfassenden Planwirtschaft, um den sofortigen \u00dcbergang zum Sozialismus zu forcieren. Weil er die daf\u00fcr erforderliche beschleunigte Industrialisierung zun\u00e4chst durch eine Militarisierung der Arbeit auf Kosten der Arbeiter durchf\u00fchren wollte, isolierte er sich sowohl in der Arbeiterklasse als auch in der Partei. Seine soziale St\u00fctze fand er in der radikal gesonnenen Jugend (Studenten, Komsomol) und in der linken Intelligenz, die als kommunistische Staatsb\u00fcrokratie vom Ausbau des Staatsapparats profitiert h\u00e4tte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als die NEP 1925 erweitert wurde &#8211; vorangetrieben durch Bucharin und mitgetragen von Stalin -, schwenkten Teile der Arbeiterklasse und Partei von ihr ab, Sinowjew und Kamenew an der Spitze. Sie verb\u00fcndeten sich mit Trotzki und traten gemeinsam f\u00fcr eine industrielle Offensive hin zum Sozialismus auf Kosten einer versch\u00e4rften Ausbeutung der Bauernschaft ein. Die &#8222;Vereinigte Opposition&#8220; fand jedoch auch gemeinsam keine Mehrheit in der Partei, weil nach den praktischen Erfahrungen des Kriegskommunismus die Masse der Arbeiterklasse bis Ende der 20er Jahre keinen erneuten Streit mit den Bauern bef\u00fcrwortete.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">5. Ende der 20er Jahre geriet die NEP endg\u00fcltig in die Krise. Auf dem Land hatten die Kulaken ihre Schl\u00fcsselstellung innerhalb der Dorfgemeinden ausgebaut; aufgrund der Verf\u00fcgung \u00fcber die wichtigsten Produktionsmittel f\u00fchrten sie das Dorf an und bestimmten \u00fcber den Verkauf des Getreides, das sowohl f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der St\u00e4dte als auch f\u00fcr die Exportfinanzierung der Industrialisierung ben\u00f6tigt wurde. Die \u00fcbersch\u00fcssige Landbev\u00f6lkerung, kurzzeitig durch die Landverteilung in der Oktoberrevolution zur\u00fcckgegangen, nahm wieder zu und str\u00f6mte in die St\u00e4dte. Die St\u00e4dte ihrerseits waren mangels ausreichender Industrialisierungsfortschritte nicht in der Lage, die arbeitssuchenden b\u00e4uerlichen Massen produktiv zu besch\u00e4ftigen, sondern litten selbst unter zunehmender Arbeitslosigkeit. In der Arbeiterklasse machten sich Tendenzen bemerkbar, mithilfe der Gewerkschaften eine z\u00fcnftlerische Interessenpolitik zu betreiben.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharins Weg einer Fortsetzung der NEP h\u00e4tte unter diesen Umst\u00e4nden nicht nur absehbar in eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Katastrophe gef\u00fchrt, sondern war auch deswegen nicht realisierbar, weil das Milit\u00e4r, das ihn allein durchsetzen konnte, proletarischen Charakter trug. Den Ausweg aus der Krise bot die Politik Stalins, der mittlerweile die Bedingungen f\u00fcr einen grundlegenden Umschwung herangereift sah.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">6. Als die Zur\u00fcckhaltung des Getreides durch die Bauern 1928\/29 erneut einen Hungerwinter androhte, schlug die Stimmung in den St\u00e4dten gegen die NEP und gegen das Land um. Die Arbeiterklasse war nicht l\u00e4nger bereit, ihre Ern\u00e4hrung und den industriellen Aufbau von den Kulaken abh\u00e4ngig zu machen. Der 1929 begonnene Generalangriff auf das Land vernichtete die Kulakenschaft als Klasse und schuf die Voraussetzungen f\u00fcr eine sprunghafte Industrialisierung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Arbeiterklasse und Partei brach die &#8222;Zweite Revolution&#8220; massenweise &#8222;linken&#8220; Tendenzen Bahn. In der Agrarpolitik wurde die Vertreibung der Kulaken von den &#8222;Linken&#8220; mit dem Versuch verkn\u00fcpft, wie in den Anf\u00e4ngen des Kriegskommunismus durch ein Zusammengehen mit der Dorfarmut und eine \u00fcberhastete Kollektivierung mit dem Ziel der Errichtung von <i>Agrarkommunen<\/i> auf direktem Weg in den Kommunismus zu gelangen, obwohl die Produktionsmittel daf\u00fcr bei weitem nicht vorhanden waren. Wie nach der Oktoberrevolution scheiterte das Agrarprogramm der Linken an den mittelb\u00e4uerlichen Massen. Diese waren nur f\u00fcr das Stalinsche Agrarprogramm einer zur\u00fcckhaltenden Umgestaltung des Landes mit dem &#8222;<i>Artel<\/i>&#8220; als grundlegender Organisationsform der Kolchosen zu haben. Dabei behielten sie ihr Hofland sowie eigenes Vieh.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">7. Der Kolchos kn\u00fcpfte an die obscina an. Der Unterschied zur Dorfgemeinde bestand darin, da\u00df die Masse des Bodens nicht l\u00e4nger individuell umgeteilt, sondern genossenschaftlich bearbeitet wurde und die Produktionsmittel in den staatlichen Maschinen-Traktor-Stationen als St\u00fctzpunkten der Arbeiterklasse auf dem Land gesellschaftliches Eigentum waren. Durch die &#8222;guts\u00e4hnliche&#8220;, auf dem Zusammenhang von Gro\u00dfproduktion und Parzellenbauern beruhende Organisation der Kolchosen war es m\u00f6glich, ein gegen\u00fcber vorher erheblich vergr\u00f6\u00dfertes b\u00e4uerliches Mehrprodukt f\u00fcr die Versorgung der St\u00e4dte und die Finanzierung von Maschinenimporten zu erzielen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Produktionsweise des Kolchos ist nicht auf einen einfachen Begriff zu bringen. Der Kolchos als Kollektivproduzent war Eigent\u00fcmer des erzeugten Getreides, so wie das individuelle Kolchosmitglied Eigent\u00fcmer der auf dem Hofland erzeugten Agrarprodukte war. Das b\u00e4uerliche Mehrprodukt stellte sich teils als Ware dar, mu\u00dfte aber \u00fcberwiegend als Zwangsablieferung in Waren<i>form<\/i> abgegeben werden. Auch soweit Warenproduktion, war sie als <i>einfache<\/i>, nichtkapitalistische Warenproduktion station\u00e4r. Von Stalin wurde diese Produktionsweise f\u00e4lschlich als &#8222;sozialistisch&#8220; begriffen, weil kein Privateigentum an den agrarischen Produktionsmitteln mehr existierte und die Kolchosbauern werkt\u00e4tig waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">8. Die gesellschaftlichen Folgen der Kollektivierung waren weitreichend: Zun\u00e4chst wurden die sozialen Gegens\u00e4tze, die die Bauernschaft vorher gespalten hatten, durch das Verschwinden der Kulaken und der Dorfarmut beseitigt; das Proletariat stand von nun an einer geschlossenen Klassenfront der Bauernschaft gegen\u00fcber, die 1939 noch 2\/3 der Bev\u00f6lkerung ausmachte. Weil die Vorherrschaft der Kulaken \u00fcber das Dorf und jede Form der Ausbeutung beseitigt war, bestand kein Grund mehr, die Bauern vom Staat fernzuhalten, zumal der nahende Weltkrieg den Zusammenschlu\u00df mit ihnen erforderte. Auf dem Boden der neuen Verfassung von 1936, die das gleiche Wahlrecht f\u00fcr alle vorsah, wurde der vorherige Arbeiterstaat zum Arbeiter- und Bauernstaat; neben der Armee wurde schlie\u00dflich auch die Partei den Bauern ge\u00f6ffnet.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">9. Als Tr\u00e4ger der Industrialisierung entstand in den 30er Jahren eine neue, b\u00e4uerlich-barbarische Arbeiterklasse, die millionenfach aus ungebildeten, mittelalterlichen Bauernmassen herausgestampft wurde und die Arbeiterklasse der Oktoberrevolution in sich aufsog. Gesellschaftlicher Produktionsweise fremd, konnte sie nur durch eine Zwangsorganisation der Arbeit an die Industriearbeit gew\u00f6hnt werden; um die Gewalt als \u00f6konomische Potenz wirken zu lassen, mu\u00dfte der Staat ausgebaut werden.<br \/>\nPolitisch gesehen, hatten die mit der Kollektivierung und Industrialisierung verkn\u00fcpften Ver\u00e4nderungen eine scheinbar paradoxe Konsequenz: die Bauernschaft, obwohl sie zahlenm\u00e4\u00dfig zur\u00fcckging, wurde politisch st\u00e4rker, weil nicht mehr durch Klassengegens\u00e4tze gespalten. Die Arbeiterklasse dagegen, obwohl &#8211; bzw. weil &#8211; sie zahlenm\u00e4\u00dfig gewaltig zunahm, wurde politisch schw\u00e4cher, weil die alten Klassenstrukturen sich aufl\u00f6sten und die neue Klasse sich erst formieren mu\u00dfte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">10. Auch wenn mangels ausreichender wissenschaftlicher Erforschung noch keine endg\u00fcltige Klarheit m\u00f6glich ist, deutet alles darauf hin, da\u00df den massenhaften blutigen S\u00e4uberungen in der zweiten H\u00e4lfte der 30er Jahre die Auseinandersetzung um die Bauernfrage zugrundelag. Die Hereinnahme der Bauern in Staat, Armee und Partei war nur gegen erheblichen Widerstand durchzusetzen. Mit den S\u00e4uberungen, die sich klassenm\u00e4\u00dfig insbesondere gegen die alte, linke Intelligenz richteten, wurden die darauf gest\u00fctzten linksradikalen Tendenzen in der Partei und Gesellschaft ausgemerzt. Nicht nur die Arbeiterklasse, auch die Partei wurde in den 30er Jahren eine andere. Bedingt durch die b\u00e4uerliche Abkunft des neuen Massenproletariats und die Hereinnahme der Bauern in den Staat nahm die Diktatur des Proletariats b\u00e4uerlich-barbarische Z\u00fcge an. Der gewaltt\u00e4tige Charakter der Herrschaft in den 30er Jahren war kein Zeichen der <i>St\u00e4rke<\/i>, sondern der <i>Schw\u00e4che<\/i> des Proletariats.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">11. Den 2.Weltkrieg \u00fcberstand die Sowjetunion zwar siegreich, der Armee gelang es aber infolge des Kriegs, sich von der Unterordnung unter die Partei- und Staatsf\u00fchrung freizumachen; sie \u00fcbte in den von sowjetischen Truppen besetzten L\u00e4ndern Osteuropas eine Herrschaft des Milit\u00e4rstiefels aus. Stalin stellte Anfang der 50er Jahre die Aufgabe der Umgestaltung der Kolchosen, um der von ihm bef\u00fcrchteten Stagnation der Produktivkr\u00e4fte entgegenzutreten. Au\u00dfenpolitisch trat er f\u00fcr einen Ausgleich mit Deutschland ein (Stalin-Note von 1952), um die Gegens\u00e4tze zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten auszunutzen, das Milit\u00e4r zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und durch eine Abr\u00fcstung Mittel f\u00fcr die weitere Industrialisierung freizusetzen. Nur auf diesem Weg war die Herrschaft der Arbeiterklasse zu sichern und die weitere Entwicklung zum Sozialismus \u00f6konomisch und gesellschaftlich zu gew\u00e4hrleisten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Abgrenzung zu dieser Politik bildete sich in der Parteif\u00fchrung eine milit\u00e4risch-schwerindustriell-b\u00e4uerliche Gruppierung heraus, deren Urspr\u00fcnge m\u00f6glicherweise schon in der gro\u00dfen S\u00e4uberung liegen. Auf dem Boden der Shdanowschen Zwei-Lager-Theorie verfolgten ihre Vertreter gegen\u00fcber dem als homogen betrachteten Westen (&#8222;der&#8220; Imperialismus) eine Aufr\u00fcstungs- und Milit\u00e4rpolitik und wandten sich gegen die Umw\u00e4lzung der Kolchosen. Die Schrift \u00fcber &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus&#8220; stellte in allen zentralen Punkten (Bauernfrage, Zwei-Lager-Theorie, Orientierung der Industrie) einen verdeckten Angriff Stalins auf seine Gegner dar. Aber noch bevor der Kampf offen zur Austragung kommen konnte, starb er.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">12. Nach dem Zwischenspiel Berijas gelangte mithilfe des Milit\u00e4rs Chruschtschow an die Macht. Er machte im wesentlichen eine Politik f\u00fcr die Bauern, angefangen von der Erh\u00f6hung der staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr Agrarprodukte bis zur \u00dcbergabe der Maschinen-Traktor-Stationen an die Kolchosen. Dadurch wurde der &#8222;guts\u00e4hnliche&#8220; Zusammenhang von Gro\u00dfproduktion und Parzellenwirtschaft und die Stellung der Bauernschaft insgesamt zementiert. Chruschtschows Regierung f\u00fchrte zum Verlust der Herrschaft der Arbeiterklasse. Das gesellschaftliche Resultat seiner Politik war ein Klassengleichgewicht zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft. Als er versuchte, die Bauern noch mehr zu f\u00f6rdern, diesmal auf Kosten der Schwer- und R\u00fcstungsindustrie, wurde er auf Betreiben des Milit\u00e4rs gest\u00fcrzt und 1964 durch Breschnew ersetzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Breschnews Regierungsantritt bedeutete die Errichtung einer indirekten Milit\u00e4rherrschaft hinter der Fassade der Partei. Die \u00f6konomische und gesellschafliche Stagnation lie\u00df die Widerspr\u00fcche im sowjetischen Vielv\u00f6lkerstaat anwachsen. Der seit 1985 durch Gorbatschow betriebene Versuch, durch &#8222;Perestrojka&#8220;-Reformen den Staat zu modernisieren, f\u00fchrte unter den gegebenen Bedingungen nur zu dessen weiterer Untergrabung. Durch die milit\u00e4rische Niederlage in Afghanistan geschw\u00e4cht, war das Milit\u00e4r nicht mehr in der Lage, die Sowjetunion zusammenzuhalten. Als die Repr\u00e4sentanten der alten Ordnung im August 1991 gegen Gorbatschow putschten, um den Zerfall aufzuhalten, stellten sich die entscheidenden Teile des Milit\u00e4rs (Afghanistan-Reformer) auf die Seite Jelzins, der die Sowjetunion zur Aufl\u00f6sung brachte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">13. Ausgehend von den Produktionsverh\u00e4ltnissen, war die Sowjetunion im Marxschen Sinne zu keinem Zeitpunkt ein sozialistisches Land. In den 20er Jahren war sie staatskapitalistisch; anschlie\u00dfend widersprach <i>einerseits<\/i> die nichtsozialistische Produktionsweise des Kolchos, <i>andererseits<\/i> die Zwangsorganisation der industriellen Arbeit ihrer Einstufung als &#8222;sozialistisch&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf ihren eigenen \u00f6konomischen Grundlagen war die sowjetische Gesellschaft nicht dauerhaft lebensf\u00e4hig. Sie mu\u00dfte sich entweder zum Sozialismus weiterentwickeln oder untergehen. Soweit auf dem gegebenen Stand ein zusammenfassendes Urteil gegeben werden kann, ist dies kurz zu machen: Ohne die Bauernschaft war die Oktoberrevolution nicht m\u00f6glich, und ohne die Umwandlung der Kolchosbauern in agrarische Arbeiter war der Aufbau des Sozialismus nicht m\u00f6glich. Gescheitert ist nicht der Sozialismus, sondern der Versuch, den Sozialismus zusammen mit der Bauernschaft aufzubauen.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">15. Die Personen, die die sowjetische Politik historisch bestimmten, verk\u00f6rperten individuell die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, an deren Spitze sie standen. <i>Lenin<\/i> repr\u00e4sentierte die vergleichsweise kultivierte st\u00e4dtische Arbeiterklasse der Oktoberrevolution. <i>Trotzki<\/i>, bis 1917 linker Menschewik, vertrat die revolution\u00e4re Intelligenz, die in der Revolution mit der Arbeiterklasse marschierte und dann in der neuen Staatsb\u00fcrokratie aufging, bis sie in den 30er Jahren unterging. <i>Bucharin<\/i>, von links nach rechts schwankend, vertrat die Kulaken innerhalb der Partei als Kommunist, weil er die Fortsetzung der NEP als einzige M\u00f6glichkeit eines zivilisierten \u00dcbergangs zum Sozialismus ansah. <i>Stalin<\/i> repr\u00e4sentierte die b\u00e4uerlich-barbarische Arbeiterklasse der Industrialisierung, die in aufopfernden Produktionsschlachten den Weg aus der Barbarei \u00f6ffnete; die Widerspr\u00fcchlichkeit seines Bildes erkl\u00e4rt sich mit einem Satz: er trieb die Entwicklung zum Sozialismus voran &#8211; und konnte dies nur mit den Mitteln tun, die die &#8222;real existierende&#8220; Klasse ihm vorgab. <i>Chruschtschow<\/i> verk\u00f6rperte in Wort und Tat wie Gestalt die russische Bauernschaft der Kolchosen und Sowchosen. <i>Breschnew<\/i> schlie\u00dflich war der bornierte Mann des bornierten Milit\u00e4rs.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">16. Die Stalinismuskritik der Linken ist so begriffslos wie die Linke selbst. Wer die Stalinsche Politik zur\u00fcckweisen will, mu\u00df aufzeigen: <i>erstens<\/i>, auf welchem anderen Weg die unabdingbar notwendige Industrialisierung stattfinden konnte; <i>zweitens<\/i>, woher ein anderes Proletariat als aus den kulturlosen, im Mittelalter fu\u00dfenden Bauernmassen kommen sollte; und <i>drittens<\/i>, wie auf dieser Grundlage eine andere Herrschaftsform zustandekommen sollte. Aus den gleichen Gr\u00fcnden, weshalb die Herrschaft der Arbeiterklasse barbarische Formen annehmen mu\u00dfte, war sie gesellschaftlich schwach fundiert und in hohem Ma\u00dfe von einzelnen Personen abh\u00e4ngig. Sie brach nach Stalins Tod zusammen, und der Staat, bis dahin ein m\u00e4chtiges Werkzeug der Industrialisierung und Umw\u00e4lzung des Landes, wurde zu einem umso machtvolleren Bollwerk der Stagnation und Versteinerung.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stalins entscheidender <i>theoretischer<\/i> Fehler war, da\u00df er die Produktionsweise des Kolchos als sozialistisch auffa\u00dfte und daher mit der Kollektivierung seit Anfang der 30er Jahre vom Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion ausging. Gleichzeitig mu\u00dfte er begr\u00fcnden, warum trotzdem Klassenkampf stattfand und der Staat im Gegensatz zur Marxschen Theorie nicht nur nicht abgebaut, sondern verst\u00e4rkt wurde. Damit trug er ma\u00dfgeblich zur Ideologisierung des Marxismus bei: eine erst auf dem Weg in die niedere Stufe des Kommunismus befindliche Gesellschaft konnte nur unter Bruch mit dem wissenschaftlichen Sozialismus als sozialistisch deklariert werden. Der gr\u00f6\u00dfte <i>politische<\/i> Fehler Stalins &#8211; die \u00d6ffnung der kommunistischen Partei f\u00fcr die Bauern &#8211; h\u00e4ngt mit seiner theoretischen Fehleinsch\u00e4tzung zusammen. Desungeachtet hat er die zentralen Aufgaben der Weiterentwicklung der Sowjetunion in der Praxis richtig gestellt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">17. Wird auf Basis der gef\u00fchrten Untersuchung der Bogen nach Deutschland hin geschlagen, so mu\u00df man feststellen, da\u00df die soziale Revolution in Deutschland in entscheidenden Punkten einen anderen Verlauf nehmen wird als der russische Oktober. Die Produzenten sind in der Masse keine Bauern &#8211; auch nicht zu einem ausschlaggebenden Teil -, sondern Produzenten des industriellen Kapitals. Zwar existiert noch eine Reihe vorb\u00fcrgerlich-st\u00e4ndischer Relikte, im Ganzen fu\u00dft die Gesellschaft jedoch auf entwickelten kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnissen. Dem entspricht die Form der politischen Herrschaft der Bourgeoisie: die b\u00fcrgerliche, parlamentarische Demokratie. Damit findet die Arbeiterklasse die ihr gem\u00e4\u00dfen Voraussetzungen f\u00fcr eine sozialistische Revolution vor. Sie mu\u00df die \u00f6konomischen Grundlagen ihrer eigenen Herrschaft nicht erst mit Hilfe des Staates schaffen, sondern kann alsbald dessen Abbau, dh. seine R\u00fccknahme in die Gesellschaft vornehmen. Die Diktatur des Proletariats wird, wie von Marx angenommen, aller Voraussicht nach ein kurzes \u00dcbergangsstadium sein k\u00f6nnen, das nicht mit Produktionsverh\u00e4ltnissen eigener Art verkn\u00fcpft ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lange vorher sind jedoch zwei zentrale <i>theoretische<\/i> Aufgaben zu erledigen: Das bisherige Scheitern des Kommunismus mu\u00df erkl\u00e4rt und das Programm der Revolution erarbeitet werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literaturliste<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Adomeit<\/b>, Hannes, u.a., Hrsg, (<b>1987<\/b>), Die Sowjetunion als Milit\u00e4rmacht, Stuttgart-Berlin-K\u00f6ln-Mainz<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Altrichter<\/b>, Helmut <b>(1984)<\/b>, Die Bauern von Tver. Vom Leben auf dem russischen Dorfe zwischen Revolution und Kollektivierung, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Altrichter<\/b>, Helmut und Haumann, Heiko (<b>1987<\/b>), Die Sowjetunion. Von der Oktoberrevolution bis zu Stalins Tod (Dokumente), Band 2: Wirtschaft und Gesellschaft, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Auerbach<\/b>, Inge, <b>Hillgruber<\/b>, Andreas, <b>Schramm<\/b>, Gottfried, Hrsg, (<b>1985<\/b>), Felder und Vorfelder russischer Geschichte, Freiburg<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Bergmann<\/b>, Theodor und <b>Sch\u00e4fer<\/b>, Gert (Hrsg) (<b>1989<\/b>), Liebling der Partei. Bucharin, Theoretiker und Praktiker des Sozialismus, Hamburg<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Bronger<\/b>, Dirk <b>(1967)<\/b>, Der Kampf um die sowjetische Agrarpolitik 1925-1929, K\u00f6ln<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Bucharin<\/b>, Nikolai (<b>1990<\/b>), 1929 &#8211; das Jahr des gro\u00dfen Umschwungs, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Chruschtschow<\/b>, Nikita (<b>1971<\/b>), Chruschtschow erinnert sich. Chruschtschows Erinnerungen, hrsg. von S.Talbott, Reinbek b.Hamburg<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Daniels<\/b>, Robert Vincent <b>(1962)<\/b>, Das Gewissen der Revolution. Kommunistische Opposition in Sowjetru\u00dfland, K\u00f6ln-Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Chamberlin<\/b>, William Henry <b>(1958)<\/b>, Die russische Revolution 1917-1921, <b>Band I<\/b> und <b>II<\/b>, Frankfurt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Das Ende<\/b> des sowjetischen Entwicklungsmodells. Beitr\u00e4ge zur Geschichte der sozialen Konfrontationen mit dem sozialistischen Akkumulationskommando. Beitr\u00e4ge f\u00fcr einen neuen Antiimperialismus Nr.4, (<b>1992<\/b>), Autoren nicht genannt, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Daten<\/b> der sowjetischen Geschichte. Von 1917 bis zur Gegenwart (<b>1981<\/b>), zusammengestellt von Edgar H\u00f6sch und Hans-J\u00fcrgen Grabm\u00fcller, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Deutscher<\/b>, Isaac (<b>1962<\/b>) Trotzki I. Der bewaffnete Prophet 1879-1921, Stuttgart; zitiert als: <b>Deutscher, Trotzki I<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Deutscher<\/b>, Isaac (<b>1962<\/b>) Trotzki II. Der unbewaffnete Prophet 1921-1929, Stuttgart; zitiert als: <b>Deutscher, Trotzki II<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Deutscher<\/b>, Isaac (<b>1962<\/b>), Stalin. Eine politische Biographie, Stuttgart; zitiert als: <b>Deutscher, Stalin<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Erlich<\/b>, Alexander (<b>1971<\/b>), Die Industrialisierungsdebatte in der Sowjetunion 1924-1928, Frankfurt und Wien<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Geschichte der KPdSU (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang<\/b> (<b>1974<\/b> &#8211; Nachdruck), Stuttgart; zitiert als: <b>Kurzer Lehrgang<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Geschichte der KPdSU in einem Band<\/b> (<b>1975<\/b>), Autorenkollektiv, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden<\/b> (<b>1970 ff<\/b>), Institut f\u00fcr Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, Moskau<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Gosztony<\/b>, Peter (<b>1980<\/b>), Die rote Armee. Geschichte und Aufbau der sowjetischen Streitkr\u00e4fte seit 1917, Wien-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich-New York<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Gruppe Arbeiterpolitik<\/b> (<b>1991<\/b>), Wei\u00dfe Flecken, \u00dcber die Geschichte der Sowjetunion, Bremen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Handbuch der Geschichte Ru\u00dflands<\/b>, hg. von G.Schramm, <b>Band I -III<\/b> (1981 ff), Stuttgart<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Hildermeier<\/b>, Manfred (<b>1989<\/b>), Die Russische Revoluton 1905-1921, Frankfurt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Hofmann<\/b>, Werner (<b>1956<\/b>), Die Arbeitsverfassung der Sowjetunion, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Kolendic<\/b>, Anton (<b>1983<\/b>), Machtkampf im Kreml. Vom Tode Stalins bis zur Hinrichtung Berijas, Bergisch-Gladbach<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Kurzer Lehrgang<\/b> &#8211; s. <b>Geschichte der KPdSU (Bolschewiki)<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>L\u00e4nderbericht<\/b> Sowjetunion (1986), hrsg. von Hellmuth G.B\u00fctow, M\u00fcnchen-Wien<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Lenin\/Stalin<\/b>, (<b>1955<\/b>), Zu Fragen der Landwirtschaft, Berlin (Ost)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Leonhard<\/b>, Wolfgang (<b>1989<\/b>), D\u00e4mmerung im Kreml. Wie eine neue Ostpolitik aussehen m\u00fc\u00dfte, Frankfurt\/Main-Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>L\u00f6wy<\/b>, A.G. (<b>1969<\/b>), Die Weltgeschichte ist das Weltgericht &#8211; Bucharin: Vision des Kommunismus, Wien-Frankfurt-Z\u00fcrich<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Lorenz<\/b>, Richard (<b>1976<\/b>), Sozialgeschichte der Sowjetunion 1. 1917-1945, Frankfurt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Medwedew<\/b>, Roy A. (<b>1973<\/b>), Die Wahrheit ist unsere St\u00e4rke. Geschichte und Folgen des Stalinismus, Frankfurt<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Medwedew<\/b>, Roy A. (<b>1984<\/b>), Chruschtschow. Eine politische Biographie, Stuttgart-Herford<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Meissner<\/b>, Boris<b> (1984)<\/b>,<b> <\/b>Sowjetische Kurskorrekturen. Breschnew und seine Erben, Z\u00fcrich<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Merl<\/b>, Stephan <b>(1985)<\/b>, Die Anf\u00e4nge der Kollektivierung in der Sowjetunion, Wiesbaden<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Meyer<\/b>, Gerd (<b>1970<\/b>), Die sowjetische Deutschlandpolitik im Jahre 1952. Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Osteuropaforschung: Forschungsberichte und Untersuchungen zur Zeitgeschichte Nr.24, hrsg. von Dietrich Geyer, T\u00fcbingen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Meyer<\/b>, Gerd (<b>1974<\/b>), Studien zur sozial\u00f6konomischen Entwicklung Sowjetru\u00dflands 1921-1923. Die Beziehungen zwischen Stadt und Land zu Beginn der Neuen \u00d6konomischen Politik, K\u00f6ln<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Meyer<\/b>, Fritjof (<b>1984<\/b>), Weltmacht im Abstieg. Der Niedergang der Sowjet-Union, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Rauch<\/b>, Georg von (<b>1977<\/b>), Geschichte der baltischen Staaten, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Rauch<\/b>, Georg von (<b>1990<\/b>), Geschichte der Sowjetunion, Stuttgart<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Raupach<\/b>, Hans (<b>1979<\/b>), Wirtschaft und Gesellschaft Sowjetru\u00dflands 1917-1977, Wiesbaden<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Ruffmann<\/b>, Karl-Heinz (<b>1981<\/b>), Sowjetru\u00dfland 1917-1977, M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Schiller<\/b>, Otto (<b>1960<\/b>), Das Agrarsystem der Sowjetunion. Entwicklung seiner Struktur und Produktionsleistung, T\u00fcbingen<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Schr\u00f6der<\/b>, Hans-Henning (<b>1982<\/b>), Arbeiterschaft, Wirtschaftsf\u00fchrung und Parteib\u00fcrokratie w\u00e4hrend der Neuen \u00d6konomischen Politik. Eine Sozialgeschichte der bolschewistischen Partei 1920-1928 (Forschungen zur osteurop\u00e4ischen Geschichte, Band 31), Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Schr\u00f6der<\/b>, Hans-Henning (<b>1988<\/b>), Industrialisierung und Parteib\u00fcrokratie in der Sowjetunion 1928-1934 (Forschungen zur osteurop\u00e4ischen Geschichte, Band 41), Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Stalin<\/b>, Josef (<b>1947<\/b>), Fragen des Leninismus, Moskau; zitiert als: Stalin, Leninismus<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Stalin<\/b>, Josef (<b>1952<\/b>), Gesammelte Werke, Berlin-Ost (Band 15 &#8211; Mai 1945-Oktober 1952 &#8211; erschienen in Dortmund 1976); zitiert als <b>SW<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Stalin<\/b>, Josef, (<b>1952<\/b>), \u00d6konomische Probleme des Sozialismus, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Trotzki<\/b>, Leo (<b>1957<\/b>), Die verratene Revolution, Z\u00fcrich<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>W\u00e4dekin<\/b>, Karl-Eugen (<b>1974<\/b>), Sozialistische Agrarpolitik in Osteuropa, Band I: Von Marx bis zur Vollkollektivierung, Berlin<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Wolter<\/b>, Ulf (Hrsg)<b>, <\/b>(<b>1976<\/b>), Die linke Opposition in der Sowjetunion 1923-1928, Band <b>I-V<\/b>, Berlin; zitiert als: <b>Wolter I-V<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<h4>Anmerkungen<\/h4>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> <span lang=\"de-DE\">Lorenz, S.28<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> MEW 23, S.536<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Hans Raupach, Die Agrarsysteme in Ost und West als Grundlage der sozial\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse, in: Gegenwartskunde 1963\/64, S.7<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> ebda<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> <span lang=\"de-DE\">Lorenz, S.21<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> <span lang=\"de-DE\">Lorenz, S.22<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Lorenz, S.22 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Handbuch III\/1, S.49 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Lorenz, S.20<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Andreas Moritsch, Die Stolypinsche Agrarreform aus regionaler und betriebswirtschaftlicher Sicht, in: Auerbach 1985, S.208<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> Altrichter 1984, S.21<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Lorenz, S.309<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Lorenz, S.25<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Altrichter 1984, S.21<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Lorenz, S.30<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> Lorenz, S.25<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> Lorenz, S.28<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> Zur Oktoberrevolution: A.Schr\u00f6der, Vom sowjetischen Oktober 1917 zum deutschen November 1989, in: Kommunistische Presse, M\u00e4rz 1991<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> Lorenz, S.65 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a> Lenin, LW 30, S.96<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a> Lorenz, S.83 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> Lorenz, S.108<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> nach: LW 26, S.250<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a> LW 26, S.250 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a> Altrichter 1984, S.33<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a> LW 30, S.96<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a> Altrichter 1984, S.34<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a> Handbuch III\/1, S.732<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a> Raupach, S.30; Tabelle S.28<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a> Hildermeier, S.139<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a> LW 28, S.300<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a> LW 33, S.31, 32<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a> LW 28, S.295<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a> Chamberlin I, S.232<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a> Rauch, S.48<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a> Rauch, S.90-93<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a> \u00dcber die Naturalsteuer, April 1921, LW 32, 355<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a> Lorenz, S.113<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a> Chamberlin II, S.126<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a> Hildermeier, S.277<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a> Chamberlin II, S.236<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a> Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Oktober-November 1918; LW 28, S.300<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a> Meyer 1974, S.84 ff<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a> Lorenz, S.119<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a> Lorenz, S.100<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a> Chamberlin II, S.412<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a> Die n\u00e4chsten Aufgaben der Sowjetmacht, April 1918, LW 27, S.260<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a> nach: Lorenz, S.91<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a> Trotzki auf dem XI.PT 1920; nach: Lorenz, S.114<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a> Diktatur oder Demokratie; nach: Daniels, S.151<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a> Diktatur oder Demokratie; nach: Daniels, S.151<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a> Die Gewerkschaften und ihre weitere Rolle, X.Parteitag, Anhang 10, S.786; nach: Daniels, S.160<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a> Rede auf dem II.Gesamtrussischen Verbandstag der Bergarbeiter, Januar 1921; LW 32, S.48<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a> \u00dcber die Gewerkschaften, Dezember 1920, LW 32, S.9<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a> Die Krise der Partei, Januar 1921, LW 32, S.34<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a> LW 32, 193<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a> Urspr\u00fcnglicher Entwurf der Resolution \u00fcber die syndikalistische und anarchistische Abweichung in unserer Partei; LW 32, S.249<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a> Hofmann, S.19<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a> LW 33, S.292<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a> Referat auf dem X.Parteitag 1921; LW 32, S.230<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a> \u00dcber die Naturalsteuer, April 1921; LW 32, S.343<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a> LW 32, S.346, 348<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a> \u00dcber das Genossenschaftswesen, Januar 1923; LW 33, S.454<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a> LW 33, S.460 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a> LW 33, S.459<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a> VIII.Parteitag, M\u00e4rz 1919; LW 29, S.200<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a> Engels, Brief vom 20.1.1886 an Bebel<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a> Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten? Ende September\/1.Oktober 1917; LW 26, S.91<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a> Lorenz, S.93 <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a> \u00dcber &#8222;linke&#8220; Kinderei und \u00fcber Kleinb\u00fcrgerlichkeit, Mai 1918; LW 27, S.326<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a> LW Erg\u00e4nzungsband 1917-1923, S.393<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a> LW 33, S.171<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a> \u00dcber die Naturalsteuer, April 1921; LW 32, S.342<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a> \u00dcber das Genossenschaftswesen; LW 33, S.456<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a> Raupach, S. 56 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a> Handbuch III, S.739; smycka: Arbeiter-Bauern-B\u00fcndnis<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a> Daniels, S.248f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a> Daniels, S.24O<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a> Daniels, S.250<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote80\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote80anc\" name=\"sdfootnote80sym\">80<\/a> nach: Daniels, S.274<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote81\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote81anc\" name=\"sdfootnote81sym\">81<\/a> Daniels, S.275 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote82\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote82anc\" name=\"sdfootnote82sym\">82<\/a> Handbuch III, S.741<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote83\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote83anc\" name=\"sdfootnote83sym\">83<\/a> Stalin, SW 6, S.276<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote84\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote84anc\" name=\"sdfootnote84sym\">84<\/a> Lorenz, S.136<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote85\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote85anc\" name=\"sdfootnote85sym\">85<\/a> Stephan Merl, Entwicklungsprobleme des Agrarsektors in der Sowjetunion, in: Bergmann\/Sch\u00e4fer<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote86\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote86anc\" name=\"sdfootnote86sym\">86<\/a> dazu Stalin, SW 7, S.332 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote87\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote87anc\" name=\"sdfootnote87sym\">87<\/a> SW 7, S.328<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote88\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote88anc\" name=\"sdfootnote88sym\">88<\/a> Bronger, S.69<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote89\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote89anc\" name=\"sdfootnote89sym\">89<\/a> Stalin, Der XIV.Parteitag der KPdSU, Dezember 1925; SW 7, S.309-312<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote90\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote90anc\" name=\"sdfootnote90sym\">90<\/a> zitiert nach: Stalin, Die Partei und die Opposition, November 1927; SW 10, S.222<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote91\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote91anc\" name=\"sdfootnote91sym\">91<\/a> SW 10, S.224<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote92\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote92anc\" name=\"sdfootnote92sym\">92<\/a> Kurzer Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B), SW 14, S.345<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote93\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote93anc\" name=\"sdfootnote93sym\">93<\/a> Deutscher, Trotzki I, S.457<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote94\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote94anc\" name=\"sdfootnote94sym\">94<\/a> Trotzki, Der Neue Kurs, 1972, Berlin, S.79, 80<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote95\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote95anc\" name=\"sdfootnote95sym\">95<\/a> Rede am 22.Oktober 1922 vor dem 5.Kongre\u00df des Komsomol; nach Deutscher, Trotzki II, S.54, 55<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote96\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote96anc\" name=\"sdfootnote96sym\">96<\/a> nach: Deutscher, Trotzki II, S.56<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote97\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote97anc\" name=\"sdfootnote97sym\">97<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.57; in seinem Artikel &#8222;\u00dcber den einheitlichen Wirtschaftsplan&#8220; vom Februar 1921 nannte Lenin den Bericht der Kommission f\u00fcr die Elektrifizierung die &#8222;einzige ernste Arbeit betreffend den einheitlichen Wirtschaftsplan&#8220;. (LW 32, S.132)<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote98\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote98anc\" name=\"sdfootnote98sym\">98<\/a> Daniels, S.240<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote99\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote99anc\" name=\"sdfootnote99sym\">99<\/a> Brief an den Parteitag; LAW (Ausgew\u00e4hlte Werke in 3 B\u00e4nden), Band III, S.842 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote100\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote100anc\" name=\"sdfootnote100sym\">100<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.116<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote101\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote101anc\" name=\"sdfootnote101sym\">101<\/a> SW 6, S.25<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote102\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote102anc\" name=\"sdfootnote102sym\">102<\/a> Wolter I, S.199<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote103\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote103anc\" name=\"sdfootnote103sym\">103<\/a> Schreiben vom Oktober 1923, Wolter I, S.205<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote104\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote104anc\" name=\"sdfootnote104sym\">104<\/a> Wolter I, S.212<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote105\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote105anc\" name=\"sdfootnote105sym\">105<\/a> Daniels, S.269<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote106\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote106anc\" name=\"sdfootnote106sym\">106<\/a> Preobrashenski auf der 13.Parteikonferenz 16.-18.Januar 1924; nach: Daniels, S.285<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote107\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote107anc\" name=\"sdfootnote107sym\">107<\/a> Daniels, S.269<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote108\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote108anc\" name=\"sdfootnote108sym\">108<\/a> Daniels, S.269<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote109\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote109anc\" name=\"sdfootnote109sym\">109<\/a> Daniels, S.280<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote110\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote110anc\" name=\"sdfootnote110sym\">110<\/a> SW 7, S.330<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote111\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote111anc\" name=\"sdfootnote111sym\">111<\/a> Deutscher, Stalin, S.333<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote112\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote112anc\" name=\"sdfootnote112sym\">112<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.358<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote113\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote113anc\" name=\"sdfootnote113sym\">113<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.395; Hervorhebung vom mir, d.V.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote114\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote114anc\" name=\"sdfootnote114sym\">114<\/a> Trotzki 1957, S.93<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote115\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote115anc\" name=\"sdfootnote115sym\">115<\/a> Trotzki 1957, S.104<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote116\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote116anc\" name=\"sdfootnote116sym\">116<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.279<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote117\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote117anc\" name=\"sdfootnote117sym\">117<\/a> Deutscher, Trotzki II, S.299<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote118\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote118anc\" name=\"sdfootnote118sym\">118<\/a> Trotzki, &#8222;Brief an Freunde&#8220; vom Oktober 1928; nach Deutscher, Trotzki II, S.437-440<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote119\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote119anc\" name=\"sdfootnote119sym\">119<\/a> Lorenz, S.166<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote120\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote120anc\" name=\"sdfootnote120sym\">120<\/a> Lorenz, S.166<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote121\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote121anc\" name=\"sdfootnote121sym\">121<\/a> Raupach, S.53<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote122\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote122anc\" name=\"sdfootnote122sym\">122<\/a> Hofmann, S.20, Anm.37<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote123\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote123anc\" name=\"sdfootnote123sym\">123<\/a> Raupach, S.53<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote124\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote124anc\" name=\"sdfootnote124sym\">124<\/a> Hofmann, S.21<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote125\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote125anc\" name=\"sdfootnote125sym\">125<\/a> so der \u00d6konom Bronskij, nach: Lorenz, S.167<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote126\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote126anc\" name=\"sdfootnote126sym\">126<\/a> Erlich, S.163 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote127\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote127anc\" name=\"sdfootnote127sym\">127<\/a> Tagebuchbl\u00e4tter; LW 33, S.448, 447<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote128\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote128anc\" name=\"sdfootnote128sym\">128<\/a> Handbuch III, S.690<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote129\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote129anc\" name=\"sdfootnote129sym\">129<\/a> Altrichter 1984, S.141<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote130\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote130anc\" name=\"sdfootnote130sym\">130<\/a> Altrichter 1984, S.143<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote131\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote131anc\" name=\"sdfootnote131sym\">131<\/a> Altrichter 1984, S.48 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote132\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote132anc\" name=\"sdfootnote132sym\">132<\/a> Lorenz, S.132<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote133\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote133anc\" name=\"sdfootnote133sym\">133<\/a> Raupach, S.29<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote134\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote134anc\" name=\"sdfootnote134sym\">134<\/a> Lorenz, S.147 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote135\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote135anc\" name=\"sdfootnote135sym\">135<\/a> Altrichter 1984, S.163-166<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote136\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote136anc\" name=\"sdfootnote136sym\">136<\/a> dazu Altrichter 1984, S. 175-182<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote137\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote137anc\" name=\"sdfootnote137sym\">137<\/a> Altrichter 1984, S.176<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote138\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote138anc\" name=\"sdfootnote138sym\">138<\/a> Altrichter 1984, S.178<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote139\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote139anc\" name=\"sdfootnote139sym\">139<\/a> Raupach, S.47<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote140\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote140anc\" name=\"sdfootnote140sym\">140<\/a> Lorenz, S.141<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote141\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote141anc\" name=\"sdfootnote141sym\">141<\/a> Raupach, S.47<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote142\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote142anc\" name=\"sdfootnote142sym\">142<\/a> Raupach, S.47<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote143\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote143anc\" name=\"sdfootnote143sym\">143<\/a> Lorenz, S.147<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote144\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote144anc\" name=\"sdfootnote144sym\">144<\/a> Lorenz, S.141<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote145\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote145anc\" name=\"sdfootnote145sym\">145<\/a> Lorenz, S.137<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote146\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote146anc\" name=\"sdfootnote146sym\">146<\/a> Lorenz, S.151<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote147\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote147anc\" name=\"sdfootnote147sym\">147<\/a> Handbuch III, S.742<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote148\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote148anc\" name=\"sdfootnote148sym\">148<\/a> Handbuch III, S.743<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote149\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote149anc\" name=\"sdfootnote149sym\">149<\/a> Handbuch III, S.745<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote150\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote150anc\" name=\"sdfootnote150sym\">150<\/a> Stalin, Die ersten Ergebnisse der Beschaffungskampagne (13.2.1928), SW 11, S.16<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote151\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote151anc\" name=\"sdfootnote151sym\">151<\/a> Raupach, S.50<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote152\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote152anc\" name=\"sdfootnote152sym\">152<\/a> Handbuch III, S.750<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote153\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote153anc\" name=\"sdfootnote153sym\">153<\/a> Altrichter 1987, S.219, 218<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote154\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote154anc\" name=\"sdfootnote154sym\">154<\/a> Lorenz, S.173 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote155\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote155anc\" name=\"sdfootnote155sym\">155<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.42<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote156\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote156anc\" name=\"sdfootnote156sym\">156<\/a> an anderer Stelle werden allein die Landarbeiter mit 6 Mio angegeben; die Differenz konnte nicht aufgekl\u00e4rt werden<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote157\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote157anc\" name=\"sdfootnote157sym\">157<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.320<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote158\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote158anc\" name=\"sdfootnote158sym\">158<\/a> Altrichter 1987, S.268 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote159\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote159anc\" name=\"sdfootnote159sym\">159<\/a> Altrichter 1987, S.164 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote160\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote160anc\" name=\"sdfootnote160sym\">160<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.331<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote161\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote161anc\" name=\"sdfootnote161sym\">161<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.337<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote162\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote162anc\" name=\"sdfootnote162sym\">162<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.330<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote163\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote163anc\" name=\"sdfootnote163sym\">163<\/a> Schr\u00f6der 1982, S.340<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote164\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote164anc\" name=\"sdfootnote164sym\">164<\/a> Erlich, S.163<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote165\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote165anc\" name=\"sdfootnote165sym\">165<\/a> Bronger, S.135-144 (Exkurs \u00fcber &#8222;Stalins agrarpolitische Auffassungen 1925-1927&#8220;)<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote166\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote166anc\" name=\"sdfootnote166sym\">166<\/a> SW 11, S.139 ff<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote167\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote167anc\" name=\"sdfootnote167sym\">167<\/a> L\u00f6wy, S.354<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote168\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote168anc\" name=\"sdfootnote168sym\">168<\/a> Bucharin 1990, S.215, Anm.25<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote169\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote169anc\" name=\"sdfootnote169sym\">169<\/a> Lorenz, S.174<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote170\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote170anc\" name=\"sdfootnote170sym\">170<\/a> Bucharin 1990, S.132<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote171\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote171anc\" name=\"sdfootnote171sym\">171<\/a> Bucharin 1990, S.141<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote172\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote172anc\" name=\"sdfootnote172sym\">172<\/a> Bucharin 1990, S.132<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote173\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote173anc\" name=\"sdfootnote173sym\">173<\/a> L\u00f6wy, S.366<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote174\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote174anc\" name=\"sdfootnote174sym\">174<\/a> Raupach, S.50<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote175\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote175anc\" name=\"sdfootnote175sym\">175<\/a> Handbuch III, S.753<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote176\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote176anc\" name=\"sdfootnote176sym\">176<\/a> Handbuch III, S.749<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote177\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote177anc\" name=\"sdfootnote177sym\">177<\/a> SW 11, S.206<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote178\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote178anc\" name=\"sdfootnote178sym\">178<\/a> L\u00f6wy, S.368 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote179\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote179anc\" name=\"sdfootnote179sym\">179<\/a> Rede vor dem ZK im April 1929; Bucharin 1990, S.79<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote180\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote180anc\" name=\"sdfootnote180sym\">180<\/a> Altrichter 1984, S.186 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote181\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote181anc\" name=\"sdfootnote181sym\">181<\/a> Lorenz, S.186 <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote182\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote182anc\" name=\"sdfootnote182sym\">182<\/a> Lorenz, S.175<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote183\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote183anc\" name=\"sdfootnote183sym\">183<\/a> L\u00f6wy, S.371<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote184\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote184anc\" name=\"sdfootnote184sym\">184<\/a> Handbuch III, S.757<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote185\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote185anc\" name=\"sdfootnote185sym\">185<\/a> L\u00f6wy, S.389<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote186\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote186anc\" name=\"sdfootnote186sym\">186<\/a> SW 12, S.149<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote187\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote187anc\" name=\"sdfootnote187sym\">187<\/a> Wolkogonow, S.249<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote188\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote188anc\" name=\"sdfootnote188sym\">188<\/a> Lorenz, S.155<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote189\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote189anc\" name=\"sdfootnote189sym\">189<\/a> Handbuch III, S.755<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote190\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote190anc\" name=\"sdfootnote190sym\">190<\/a> Lorenz, S.198<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote191\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote191anc\" name=\"sdfootnote191sym\">191<\/a> Zahlen nach Lorenz, S.196-198<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote192\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote192anc\" name=\"sdfootnote192sym\">192<\/a> Lorenz, S.379<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote193\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote193anc\" name=\"sdfootnote193sym\">193<\/a> Zu Fragen der Agrarpolitik in der UdSSR, SW 12, S.147 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote194\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote194anc\" name=\"sdfootnote194sym\">194<\/a> nach: Erlich, S.165<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote195\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote195anc\" name=\"sdfootnote195sym\">195<\/a> Trotzki 1957, S.104<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote196\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote196anc\" name=\"sdfootnote196sym\">196<\/a> Deutscher, Stalin, S.377<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote197\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote197anc\" name=\"sdfootnote197sym\">197<\/a> SW 12, S.168<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote198\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote198anc\" name=\"sdfootnote198sym\">198<\/a> SW 12, S.177<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote199\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote199anc\" name=\"sdfootnote199sym\">199<\/a> SW 12, S.186<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote200\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote200anc\" name=\"sdfootnote200sym\">200<\/a> SW 13, S.313<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote201\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote201anc\" name=\"sdfootnote201sym\">201<\/a> SW 13, S.312<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote202\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote202anc\" name=\"sdfootnote202sym\">202<\/a> Altrichter 1984, S.195<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote203\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote203anc\" name=\"sdfootnote203sym\">203<\/a> Altrichter 1984, S.194<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote204\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote204anc\" name=\"sdfootnote204sym\">204<\/a> SW 12, S.186<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote205\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote205anc\" name=\"sdfootnote205sym\">205<\/a> Rauch 1990, S.258<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote206\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote206anc\" name=\"sdfootnote206sym\">206<\/a> SW 13, S.312<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote207\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote207anc\" name=\"sdfootnote207sym\">207<\/a> SW 12, S.196<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote208\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote208anc\" name=\"sdfootnote208sym\">208<\/a> abgedruckt in: Lenin\/Stalin 1955, S.449-466<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote209\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote209anc\" name=\"sdfootnote209sym\">209<\/a> SW 13, S.226<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote210\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote210anc\" name=\"sdfootnote210sym\">210<\/a> SW 14, S.369<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote211\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote211anc\" name=\"sdfootnote211sym\">211<\/a> Lenin\/Stalin 1955, S.450<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote212\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote212anc\" name=\"sdfootnote212sym\">212<\/a> W\u00e4dekin, S.63 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote213\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote213anc\" name=\"sdfootnote213sym\">213<\/a> W\u00e4dekin, S.61 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote214\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote214anc\" name=\"sdfootnote214sym\">214<\/a> MEW 36, S.426<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote215\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote215anc\" name=\"sdfootnote215sym\">215<\/a> Stalin, Leninismus, S.701<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote216\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote216anc\" name=\"sdfootnote216sym\">216<\/a> Stalin, Leninismus, S.702; die Abgaben f\u00fcr die MTS-Arbeiten werden von Stalin nicht extra erw\u00e4hnt und sind wahrscheinlich in der &#8222;Getreideaufbringung&#8220; enthalten<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote217\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote217anc\" name=\"sdfootnote217sym\">217<\/a> Lorenz, S.346, Anm.58<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote218\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote218anc\" name=\"sdfootnote218sym\">218<\/a> W\u00e4dekin, S.72<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote219\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote219anc\" name=\"sdfootnote219sym\">219<\/a> nach W\u00e4dekin, S.71<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote220\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote220anc\" name=\"sdfootnote220sym\">220<\/a> Schiller, S.44<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote221\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote221anc\" name=\"sdfootnote221sym\">221<\/a> Schiller, S.45<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote222\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote222anc\" name=\"sdfootnote222sym\">222<\/a> Barsov nach: Lorenz, S.347, Anm.65<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote223\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote223anc\" name=\"sdfootnote223sym\">223<\/a> Stalin, Leninismus, S.701<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote224\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote224anc\" name=\"sdfootnote224sym\">224<\/a> s.Marx, MEW 25, S.802-805<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote225\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote225anc\" name=\"sdfootnote225sym\">225<\/a> s.MEW 25, S.798-802<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote226\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote226anc\" name=\"sdfootnote226sym\">226<\/a> K.E.W\u00e4dekin, Sowjetische Agrarpolitik heute, in: OSTEUROPA, 40.Jg 1990, S.516<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote227\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote227anc\" name=\"sdfootnote227sym\">227<\/a> SW 15, S.268<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote228\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote228anc\" name=\"sdfootnote228sym\">228<\/a> SW 13, S.202<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote229\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote229anc\" name=\"sdfootnote229sym\">229<\/a> SW 13, S.289<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote230\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote230anc\" name=\"sdfootnote230sym\">230<\/a> Stalin, Leninismus, S.701<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote231\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote231anc\" name=\"sdfootnote231sym\">231<\/a> Lorenz, S.198<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote232\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote232anc\" name=\"sdfootnote232sym\">232<\/a> Hofmann, S.27, Anm.5<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote233\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote233anc\" name=\"sdfootnote233sym\">233<\/a> Leninismus, S.701<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote234\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote234anc\" name=\"sdfootnote234sym\">234<\/a> SW 13, S.203<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote235\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote235anc\" name=\"sdfootnote235sym\">235<\/a> Hofmann, S.48<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote236\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote236anc\" name=\"sdfootnote236sym\">236<\/a> Gruppe Arbeiterpolitik, S.12<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote237\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote237anc\" name=\"sdfootnote237sym\">237<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.295<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote238\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote238anc\" name=\"sdfootnote238sym\">238<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.294<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote239\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote239anc\" name=\"sdfootnote239sym\">239<\/a> Lorenz, S.240<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote240\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote240anc\" name=\"sdfootnote240sym\">240<\/a> Hofmann, S.24<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote241\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote241anc\" name=\"sdfootnote241sym\">241<\/a> nach Hofmann, S.100<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote242\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote242anc\" name=\"sdfootnote242sym\">242<\/a> Hofmann, S.104<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote243\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote243anc\" name=\"sdfootnote243sym\">243<\/a> Raupach, S.62<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote244\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote244anc\" name=\"sdfootnote244sym\">244<\/a> Raupach, S.60<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote245\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote245anc\" name=\"sdfootnote245sym\">245<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.291<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote246\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote246anc\" name=\"sdfootnote246sym\">246<\/a> Stalin, Neue Verh\u00e4ltnisse &#8211; neue Aufgaben des wirtschaftichen Aufbaus, SW 13, S.47-72<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote247\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote247anc\" name=\"sdfootnote247sym\">247<\/a> SW 13, S.52<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote248\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote248anc\" name=\"sdfootnote248sym\">248<\/a> SW 13, S.54<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote249\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote249anc\" name=\"sdfootnote249sym\">249<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.111-114, 302<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote250\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote250anc\" name=\"sdfootnote250sym\">250<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.284-288<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote251\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote251anc\" name=\"sdfootnote251sym\">251<\/a> SW 13, S.105<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote252\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote252anc\" name=\"sdfootnote252sym\">252<\/a> Hofmann, S.302<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote253\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote253anc\" name=\"sdfootnote253sym\">253<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.272<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote254\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote254anc\" name=\"sdfootnote254sym\">254<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.296<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote255\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote255anc\" name=\"sdfootnote255sym\">255<\/a> Raupach, S.147<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote256\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote256anc\" name=\"sdfootnote256sym\">256<\/a> Stalin, Rechenschaftsbericht an den XVIII.Parteitag 1939, Leninismus, S.730<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote257\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote257anc\" name=\"sdfootnote257sym\">257<\/a> Deutscher, Stalin, S.360<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote258\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote258anc\" name=\"sdfootnote258sym\">258<\/a> Deutscher, Stalin, S.372<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote259\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote259anc\" name=\"sdfootnote259sym\">259<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.100-103<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote260\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote260anc\" name=\"sdfootnote260sym\">260<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.291<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote261\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote261anc\" name=\"sdfootnote261sym\">261<\/a> Raupach, S.61<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote262\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote262anc\" name=\"sdfootnote262sym\">262<\/a> Medwedew, S.429<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote263\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote263anc\" name=\"sdfootnote263sym\">263<\/a> Raupach, S.46<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote264\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote264anc\" name=\"sdfootnote264sym\">264<\/a> Rechenschaftsbericht Stalins an den XVII.PT, SW 13, S.290<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote265\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote265anc\" name=\"sdfootnote265sym\">265<\/a> Raupach, S.77<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote266\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote266anc\" name=\"sdfootnote266sym\">266<\/a> Lorenz, S.267<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote267\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote267anc\" name=\"sdfootnote267sym\">267<\/a> Zahlenangaben nach Hofmann, S.46; die Zahlen unterscheiden sich geringf\u00fcgig von anderen Angaben<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote268\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote268anc\" name=\"sdfootnote268sym\">268<\/a> Deutscher, Stalin S.377<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote269\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote269anc\" name=\"sdfootnote269sym\">269<\/a> Daten, S. 84<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote270\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote270anc\" name=\"sdfootnote270sym\">270<\/a> Stalin, Leninismus, S.619<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote271\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote271anc\" name=\"sdfootnote271sym\">271<\/a> Hans-Henning Schr\u00f6der, Geschichte und Struktur der sowjetischen Streitkr\u00e4fte: ein \u00dcberblick, in: Adomeit, S.44 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote272\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote272anc\" name=\"sdfootnote272sym\">272<\/a> Gosztony, S.111<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote273\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote273anc\" name=\"sdfootnote273sym\">273<\/a> Schr\u00f6der 1982, in: Adomeit, S.46<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote274\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote274anc\" name=\"sdfootnote274sym\">274<\/a> Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden, Band IV\/2, S.429<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote275\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote275anc\" name=\"sdfootnote275sym\">275<\/a> Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden; Band V\/1, S.144 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote276\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote276anc\" name=\"sdfootnote276sym\">276<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.323<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote277\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote277anc\" name=\"sdfootnote277sym\">277<\/a> Kurzer Lehrgang, S.374 f; Hervorhebung durch mich; d.V.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote278\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote278anc\" name=\"sdfootnote278sym\">278<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.285<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote279\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote279anc\" name=\"sdfootnote279sym\">279<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.288<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote280\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote280anc\" name=\"sdfootnote280sym\">280<\/a> SW 13, S.314<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote281\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote281anc\" name=\"sdfootnote281sym\">281<\/a> SW 13, S.304<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote282\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote282anc\" name=\"sdfootnote282sym\">282<\/a> Deutscher, Stalin, S.375<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote283\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote283anc\" name=\"sdfootnote283sym\">283<\/a> Medwedew, S.177<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote284\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote284anc\" name=\"sdfootnote284sym\">284<\/a> Wolkogonow, S.298<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote285\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote285anc\" name=\"sdfootnote285sym\">285<\/a> Daten, S.80<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote286\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote286anc\" name=\"sdfootnote286sym\">286<\/a> Deutscher, Stalin S.378 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote287\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote287anc\" name=\"sdfootnote287sym\">287<\/a> Wolkogonow, S.308<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote288\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote288anc\" name=\"sdfootnote288sym\">288<\/a> Wolkogonow, S.310<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote289\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote289anc\" name=\"sdfootnote289sym\">289<\/a> Ren\u00e9 Ahlberg, Stalinistische Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Auseinandersetzung \u00fcber die Zahl der GULAG-Opfer; in: Osteuropa, 42.Jg 1992, S.921<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote290\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote290anc\" name=\"sdfootnote290sym\">290<\/a> Wolkogonow, S.248<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote291\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote291anc\" name=\"sdfootnote291sym\">291<\/a> Kurzer Lehrgang, S.392<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote292\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote292anc\" name=\"sdfootnote292sym\">292<\/a> Geschichte der KPdSU in einem Band (1971), S.559<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote293\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote293anc\" name=\"sdfootnote293sym\">293<\/a> Stalin, Leninismus S.714<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote294\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote294anc\" name=\"sdfootnote294sym\">294<\/a> Schr\u00f6der 1988, S.170<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote295\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote295anc\" name=\"sdfootnote295sym\">295<\/a> Medwedew, S.261<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote296\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote296anc\" name=\"sdfootnote296sym\">296<\/a> Medwedew, S.215<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote297\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote297anc\" name=\"sdfootnote297sym\">297<\/a> Stalin, Leninismus S.713<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote298\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote298anc\" name=\"sdfootnote298sym\">298<\/a> Rauch 1990, S.491<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote299\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote299anc\" name=\"sdfootnote299sym\">299<\/a> Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden, Band V\/1, S.27<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote300\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote300anc\" name=\"sdfootnote300sym\">300<\/a> Geschichte der KPdSU in einem Band, S.584<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote301\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote301anc\" name=\"sdfootnote301sym\">301<\/a> Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden, Band V\/1, S.39, 40<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote302\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote302anc\" name=\"sdfootnote302sym\">302<\/a> Geschichte der KPdSU in sechs B\u00e4nden, Band V\/1, S.41<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote303\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote303anc\" name=\"sdfootnote303sym\">303<\/a> Deutscher, Stalin S.403 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote304\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote304anc\" name=\"sdfootnote304sym\">304<\/a> Deutscher, Stalin, S.354<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote305\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote305anc\" name=\"sdfootnote305sym\">305<\/a> Handbuch III, S.753<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote306\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote306anc\" name=\"sdfootnote306sym\">306<\/a> Raupach, S.78<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote307\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote307anc\" name=\"sdfootnote307sym\">307<\/a> SW 13, S.311<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote308\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote308anc\" name=\"sdfootnote308sym\">308<\/a> Stalin, Leninismus, S.724<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote309\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote309anc\" name=\"sdfootnote309sym\">309<\/a> Gruppe Arbeiterpolitik, S.18<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote310\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote310anc\" name=\"sdfootnote310sym\">310<\/a> Stalin, Leninismus, S.624<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote311\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote311anc\" name=\"sdfootnote311sym\">311<\/a> Kurzer Lehrgang, S.353<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote312\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote312anc\" name=\"sdfootnote312sym\">312<\/a> Kurzer Lehrgang, S.355<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote313\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote313anc\" name=\"sdfootnote313sym\">313<\/a> Kurzer Lehrgang, S.419, 420<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote314\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote314anc\" name=\"sdfootnote314sym\">314<\/a> SW 13, S.276<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote315\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote315anc\" name=\"sdfootnote315sym\">315<\/a> SW 15, S.268<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote316\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote316anc\" name=\"sdfootnote316sym\">316<\/a> SW 15, S.342<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote317\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote317anc\" name=\"sdfootnote317sym\">317<\/a> SW 15, S.273<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote318\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote318anc\" name=\"sdfootnote318sym\">318<\/a> MEW 19, S.19 f.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote319\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote319anc\" name=\"sdfootnote319sym\">319<\/a> MEW 19, S.21<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote320\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote320anc\" name=\"sdfootnote320sym\">320<\/a> SW 15, S.274<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote321\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote321anc\" name=\"sdfootnote321sym\">321<\/a> MEW 23, S.92<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote322\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote322anc\" name=\"sdfootnote322sym\">322<\/a> MEW 23,S.765<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote323\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote323anc\" name=\"sdfootnote323sym\">323<\/a> Stalin, Leninismus, S.622<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote324\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote324anc\" name=\"sdfootnote324sym\">324<\/a> Rauch 1990, S.460<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote325\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote325anc\" name=\"sdfootnote325sym\">325<\/a> Rauch 1990, S.462<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote326\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote326anc\" name=\"sdfootnote326sym\">326<\/a> Rauch 1990, S.462<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote327\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote327anc\" name=\"sdfootnote327sym\">327<\/a> Schiller, S.51<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote328\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote328anc\" name=\"sdfootnote328sym\">328<\/a> Schiller, S.52<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote329\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote329anc\" name=\"sdfootnote329sym\">329<\/a> SW 15, S.317 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote330\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote330anc\" name=\"sdfootnote330sym\">330<\/a> SW 15, S.269<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote331\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote331anc\" name=\"sdfootnote331sym\">331<\/a> SW 15, S.269<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote332\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote332anc\" name=\"sdfootnote332sym\">332<\/a> SW 15, S.318<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote333\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote333anc\" name=\"sdfootnote333sym\">333<\/a> SW 15, S.343<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote334\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote334anc\" name=\"sdfootnote334sym\">334<\/a> SW 15, S.342<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote335\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote335anc\" name=\"sdfootnote335sym\">335<\/a> SW 15, S.273<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote336\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote336anc\" name=\"sdfootnote336sym\">336<\/a> SW 15, S.342<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote337\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote337anc\" name=\"sdfootnote337sym\">337<\/a> Daten, S.91<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote338\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote338anc\" name=\"sdfootnote338sym\">338<\/a> Meyer 1970, S.57<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote339\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote339anc\" name=\"sdfootnote339sym\">339<\/a> Rauch 1990, S.453<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote340\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote340anc\" name=\"sdfootnote340sym\">340<\/a> LW 31, S.56 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote341\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote341anc\" name=\"sdfootnote341sym\">341<\/a> Meyer 1970, S.15<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote342\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote342anc\" name=\"sdfootnote342sym\">342<\/a> SW 15, S.129 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote343\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote343anc\" name=\"sdfootnote343sym\">343<\/a> Daten, S.154<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote344\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote344anc\" name=\"sdfootnote344sym\">344<\/a> SW 15, S.134; s.a. Antwort auf vier Fragen amerikanischer Redakteure, SW 15, S.167<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote345\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote345anc\" name=\"sdfootnote345sym\">345<\/a> SW 15, S.284<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote346\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote346anc\" name=\"sdfootnote346sym\">346<\/a> SW 15, S.287<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote347\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote347anc\" name=\"sdfootnote347sym\">347<\/a> Stalin, \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.327<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote348\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote348anc\" name=\"sdfootnote348sym\">348<\/a> SW 15, S.326<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote349\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote349anc\" name=\"sdfootnote349sym\">349<\/a> SW 15, S.291<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote350\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote350anc\" name=\"sdfootnote350sym\">350<\/a> Rauch 1990, S.491<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote351\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote351anc\" name=\"sdfootnote351sym\">351<\/a> Rauch 1990, S.466<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote352\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote352anc\" name=\"sdfootnote352sym\">352<\/a> Rauch 1990, S.463<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote353\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote353anc\" name=\"sdfootnote353sym\">353<\/a> Rauch 1990, S.471<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote354\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote354anc\" name=\"sdfootnote354sym\">354<\/a> Rauch 1990, S.474<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote355\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote355anc\" name=\"sdfootnote355sym\">355<\/a> nach: Rauch 1990, S.489<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote356\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote356anc\" name=\"sdfootnote356sym\">356<\/a> Rauch 1990, S.492<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote357\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote357anc\" name=\"sdfootnote357sym\">357<\/a> Rauch 1990, S.493<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote358\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote358anc\" name=\"sdfootnote358sym\">358<\/a> Rauch 1990, S.493<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote359\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote359anc\" name=\"sdfootnote359sym\">359<\/a> Rauch 1990, S.494<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote360\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote360anc\" name=\"sdfootnote360sym\">360<\/a> Medwedjew 1984, S.92<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote361\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote361anc\" name=\"sdfootnote361sym\">361<\/a> SW 15, S.282<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote362\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote362anc\" name=\"sdfootnote362sym\">362<\/a> Raupach, S.85<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote363\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote363anc\" name=\"sdfootnote363sym\">363<\/a> Deutscher, Stalin, S.314<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote364\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote364anc\" name=\"sdfootnote364sym\">364<\/a> Deutscher, Stalin, S.320, 319<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote365\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote365anc\" name=\"sdfootnote365sym\">365<\/a> Churchill, der zweite Weltkrieg, Bern 1960, S.700; nach B.Meissner, Die Sowjetunion im Umbruch, S.342, Anm.34<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote366\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote366anc\" name=\"sdfootnote366sym\">366<\/a> SW 7, S. 330<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote367\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote367anc\" name=\"sdfootnote367sym\">367<\/a> Medwedew, S.214<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote368\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote368anc\" name=\"sdfootnote368sym\">368<\/a> Medwedew, S.483<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote369\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote369anc\" name=\"sdfootnote369sym\">369<\/a> Medwedew, S.476<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote370\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote370anc\" name=\"sdfootnote370sym\">370<\/a> Medwedew, S.476<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote371\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote371anc\" name=\"sdfootnote371sym\">371<\/a> MEW 4, S.474<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote372\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote372anc\" name=\"sdfootnote372sym\">372<\/a> Kolendic, S.128<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote373\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote373anc\" name=\"sdfootnote373sym\">373<\/a> Kolendic, S.131<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote374\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote374anc\" name=\"sdfootnote374sym\">374<\/a> Kolendic, S.146<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote375\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote375anc\" name=\"sdfootnote375sym\">375<\/a> Kolendic, S.283<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote376\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote376anc\" name=\"sdfootnote376sym\">376<\/a> Rauch 1990, S.504<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote377\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote377anc\" name=\"sdfootnote377sym\">377<\/a> Raupach, S.87<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote378\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote378anc\" name=\"sdfootnote378sym\">378<\/a> nach: Das Ende des sowjetischen Entwicklungsmodells, S.300 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote379\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote379anc\" name=\"sdfootnote379sym\">379<\/a> Schiller, S.55-62<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote380\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote380anc\" name=\"sdfootnote380sym\">380<\/a> Raupach, S.88<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote381\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote381anc\" name=\"sdfootnote381sym\">381<\/a> Das Ende &#8230;, S.300<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote382\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote382anc\" name=\"sdfootnote382sym\">382<\/a> Raupach, S.146<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote383\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote383anc\" name=\"sdfootnote383sym\">383<\/a> Gelij I.Schmeljow, Hoflandwirtschaften als Faktor und Objekt sowjetischer Agrarpolitik, in: OSTEUROPA, 40.Jg 1990, S.227<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote384\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote384anc\" name=\"sdfootnote384sym\">384<\/a> zitiert nach: Das Ende des sowjetischen Entwicklungsmodells, S.301<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote385\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote385anc\" name=\"sdfootnote385sym\">385<\/a> W\u00e4dekin, Private Leistungen f\u00fcr den Lebensmittelmarkt der UdSSR, in: OSTEUROPA, 36.Jg 1986, S.51<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote386\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote386anc\" name=\"sdfootnote386sym\">386<\/a> Rauch 1990, S.500<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote387\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote387anc\" name=\"sdfootnote387sym\">387<\/a> Rauch 1990, S.504 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote388\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote388anc\" name=\"sdfootnote388sym\">388<\/a> Raupach, S.111<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote389\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote389anc\" name=\"sdfootnote389sym\">389<\/a> Raupach, S.145<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote390\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote390anc\" name=\"sdfootnote390sym\">390<\/a> Raupach, S.145<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote391\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote391anc\" name=\"sdfootnote391sym\">391<\/a> Raupach, S.146<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote392\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote392anc\" name=\"sdfootnote392sym\">392<\/a> Raupach, S.146<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote393\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote393anc\" name=\"sdfootnote393sym\">393<\/a> Raupach, S.142 <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote394\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote394anc\" name=\"sdfootnote394sym\">394<\/a> Ruffmann, S.75<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote395\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote395anc\" name=\"sdfootnote395sym\">395<\/a> Rauch 1990, S.535<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote396\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote396anc\" name=\"sdfootnote396sym\">396<\/a> Meissner, S.14<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote397\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote397anc\" name=\"sdfootnote397sym\">397<\/a> W\u00e4dekin, OSTEUROPA 1986, S.51<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote398\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote398anc\" name=\"sdfootnote398sym\">398<\/a> Rauch 1990, S.536<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote399\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote399anc\" name=\"sdfootnote399sym\">399<\/a> L\u00e4nderbericht Sowjetunion, S.366<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote400\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote400anc\" name=\"sdfootnote400sym\">400<\/a> Fritjof Meyer 1984, S.216<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote401\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote401anc\" name=\"sdfootnote401sym\">401<\/a> Leonhard, S.187<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote402\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote402anc\" name=\"sdfootnote402sym\">402<\/a> s.dazu u.a.: Karuscheit, Die Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik der Sozialdemokratie, in: AzD 24; Schr\u00f6der\/Karuscheit, Ein Fr\u00fchling f\u00fcr die Menschheit, in: AzD 40; Vogt, Das Ende eines Gemeinschaftsunternehmens, in: AzD 43<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote403\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote403anc\" name=\"sdfootnote403sym\">403<\/a> Leonhard, S.16<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote404\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote404anc\" name=\"sdfootnote404sym\">404<\/a> Der Stand der Agrarreformen bis Mitte 1990 wird zusammengefa\u00dft von K.E.W\u00e4dekin, Sowjetische Agrarpolitik heute, in: OSTEUROPA 1990, S.503<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote405\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote405anc\" name=\"sdfootnote405sym\">405<\/a> Alle Angaben nach W.J.Usun, Agrarreform in Ru\u00dfland, in: 0STEUROPA, 42.Jg 1992, S.755-764<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote406\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote406anc\" name=\"sdfootnote406sym\">406<\/a> Usun, 0STEUROPA 1992, S.760 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote407\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote407anc\" name=\"sdfootnote407sym\">407<\/a> W\u00e4dekin, OSTEUROPA 1986, S.50 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote408\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote408anc\" name=\"sdfootnote408sym\">408<\/a> Zahlen von Ende 1992: FAZ vom 01.Februar 1993<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote409\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote409anc\" name=\"sdfootnote409sym\">409<\/a> OSTEUROPA 1990, A 349<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote410\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote410anc\" name=\"sdfootnote410sym\">410<\/a> OSTEUROPA 1990, A 351<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote411\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote411anc\" name=\"sdfootnote411sym\">411<\/a> G.I.Schmeljow, Hoflandwirtschaften als Faktor und Objekt sowjetischer Agrarpolitik, in: OSTEUROPA 1990, S.226<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote412\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote412anc\" name=\"sdfootnote412sym\">412<\/a> OSTEUROPA 1990, A 352<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote413\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote413anc\" name=\"sdfootnote413sym\">413<\/a> Prawda vom 1.6.1989, in: OSTEUROPA 1990, A 340-342<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote414\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote414anc\" name=\"sdfootnote414sym\">414<\/a> Usun, Agrarreform in Ru\u00dfland, in: OSTEUROPA 1992, S.764<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote415\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote415anc\" name=\"sdfootnote415sym\">415<\/a> Usun, OSTEUROPA 1992, S.763<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote416\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote416anc\" name=\"sdfootnote416sym\">416<\/a> OSTEUROPA 1992, A 557-559<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote417\">\n<p><span style=\"font-family: times new roman, times, serif; font-size: 12pt;\"><a href=\"#sdfootnote417anc\" name=\"sdfootnote417sym\">417<\/a> OSTEUROPA 1992, A 554<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Der nachfolgende Text stammt aus dem 1993 ver\u00f6ffentlichten Buch von Karuscheit und Schr\u00f6der: \u201eVon der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus. 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