{"id":197,"date":"2016-09-12T06:35:15","date_gmt":"2016-09-12T04:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=197"},"modified":"2016-09-12T06:40:40","modified_gmt":"2016-09-12T04:40:40","slug":"6-ursachen-der-nationalsozialistischen-niederlage","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=197","title":{"rendered":"6. Ursachen der nationalsozialistischen Niederlage"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Durch die Untersuchung der verschiedenen Kriegsschaupl\u00e4tze sieht der Autor die These best\u00e4tigt, da\u00df Hitler seine b\u00e4uerlich-kleinb\u00fcrgerliche Programmatik gegen die Konzeptionen der anderen Klassen durchsetzen konnte. Den ganzen Krieg \u00fcber konnte Hitler die Leitlinien der deutschen Au\u00dfenpolitik bestimmen. Weder die Europapl\u00e4ne von Teilen des Kapitals kamen zur Geltung, noch wurde der Kolonialkrieg in Afrika gef\u00fchrt. Nur durch die Kriegserkl\u00e4rung der Westm\u00e4chte und vor allem wegen den Niederlagen der Italiener in Afrika und auf dem Balkan mu\u00dfte Deutschland auch im Westen Krieg f\u00fchren. Mit dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941 konnten Hitler und die SS ihr eigentliches Programm umsetzen. Der Siedlungs- und Vernichtungskrieg f\u00fcr &#8222;neuen Lebensraum&#8220; im Osten wurde zur unverr\u00fcckbaren Leitlinie der deutschen Au\u00dfenpolitik. Somit bekam der Weltkrieg einen klaren Klassencharakter. Deutschland f\u00fchrte ihn f\u00fcr die Rettung der Bauernschaft und des Kleinb\u00fcrgertums vor der Moderne und f\u00fcr die Herstellung einer Volksgemeinschaft aller Klassen auf b\u00e4uerlicher Grundlage.<\/p>\n<p>Da\u00df es in Hitlers Programm einen Stufenplan gab, wie Ralf Giordano konstatiert, kann nicht nachgewiesen werden. Nach Giordano soll die erste Stufe die Herrschaft \u00fcber Europa, die zweite Stufe die Errichtung eines &#8222;mittelafrikanischen Erg\u00e4nzungsraums&#8220; und die dritte Stufe der Kampf um die Weltherrschaft mit den USA gewesen sein. Bei der ersten Stufe der Herrschaft \u00fcber Europa endete das nationalsozialistische Programm.<\/p>\n<p>Frankreich und England f\u00fchrten einen klassischen imperialistischen Krieg. England lag es daran, das Empire zu retten, und Frankreich wollte die Reste von Versailles sowie das Kolonialreich in Afrika verteidigen. Erst mit der Polenfrage fanden beide M\u00e4chte zusammen. Die imperialistische Politik Gro\u00dfbritanniens zeigte sich im besonderen durch die Priorit\u00e4tensetzung. Statt einen antifaschistischen Befreiungskrieg in Europa zu f\u00fchren, schoben die Briten die Er\u00f6ffnung der zweiten Front in Europa auf die lange Bank, da sie lieber ihre Kolonien in Afrika und den Seeweg \u00fcber den Suezkanal nach Indien verteidigten. Der Krieg in Afrika zwischen dem Empire und Italien unterschied sich nicht von anderen Kolonialkriegen. Durch den \u00dcberfall auf die Sowjetunion und die Bildung der Anti-Hitler-Koalition bekam der Krieg in Europa einen antifaschistischen Charakter. Die ganze Last des Krieges in Europa mu\u00dfte die Sowjetunion bis 1944 alleine tragen. Sie f\u00fchrte den Krieg, um Europa vom Faschismus zu befreien.<\/p>\n<p>Die Anti-Hitler-Koalition f\u00fchrte im wesentlichen die deutsche Bedrohung zusammen. Die USA sahen durch das Machtvakuum die Chance, sich in Europa festzusetzen. Die alte Ordnung von Versailles bestand nicht mehr und eine neue hatte sich noch nicht durchgesetzt. Die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte, die nach dem 1. Weltkrieg gegen die USA die Nachkriegsordnung bestimmen konnten, gerieten durch die Unterst\u00fctzung in v\u00f6llige Abh\u00e4ngigkeit zu ihrem B\u00fcndnispartner.<\/p>\n<p>Neben dem Charakter des Krieges gilt es die Ursachen f\u00fcr die deutsche Niederlage darzustellen. Die deutsche Kriegsniederlage hatte keine innenpolitischen Gr\u00fcnde. Bis zum Schlu\u00df verteidigte die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung den Nationalsozialismus. Das nationalsozialistische Programm scheiterte in der Weltpolitik.<\/p>\n<p>In seinem &#8222;Testament&#8220; analysierte Hitler in einer selbstkritischen Bilanz aus seiner Sicht die Ursachen der Niederlage. Die Judenvernichtung und den Krieg gegen die Sowjetunion hielt er f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften Errungenschaften. Fehler sah er vor allen Dingen in seiner B\u00fcndniskonzeption. &#8222;Zum Kompromi\u00df mit England bereit, waren wir sogar gewillt mitzuhelfen, das britische Weltreich zu garantieren.&#8220; [320] &#8222;Ich selbst aber habe eines untersch\u00e4tzt: das Ausma\u00df des j\u00fcdischen Einflusses auf die Engl\u00e4nder Churchills. Lieber lassen sie das Empire in Schmach und Schande versinken, als dem nationalsozialistischen Todfeind das kleinste Zugest\u00e4ndnis zu machen.&#8220; [321] Hitler hielt die Unterst\u00fctzung der aus seiner Sicht vom Weltjudentum gef\u00fchrten USA f\u00fcr den wesentlichen Grund f\u00fcr das Durchhalten des Empire. Mit dem Einflu\u00df des Judentums hatte Churchills harte Linie aber nichts zu tun. England h\u00e4tte den Weltmachtstatus verloren, wenn es Deutschland Kontinentaleuropa und ganz Ru\u00dfland \u00fcberlassen h\u00e4tte. Der Preis, den England f\u00fcr den Sieg \u00fcber Deutschland zahlen mu\u00dfte, war die Unterordnung unter die USA. Hitler hielt es zu lange nicht f\u00fcr m\u00f6glich, da\u00df sich die alte Kolonialmacht der aufsteigenden Freihandelsmacht unterwarf und so auch ihren Abstieg einleitete. Da\u00df England und die USA sich nicht &#8222;programmgem\u00e4\u00df&#8220; verhielten, war aber ein wesentlicher Grund f\u00fcr die deutsche Niederlage.<\/p>\n<p>Als zweite Ursache der Niederlage nannte Hitler das B\u00fcndnis mit Italien. &#8222;Das B\u00fcndnis mit Italien hat ganz offensichtlich mehr unseren Feinden geholfen als es uns gen\u00fctzt hat.&#8220; [322] Bez\u00fcglich des italienischen Fiaskos in Afrika unterstricht Hitler noch einmal seine antikolonialistische Haltung. Er bedauerte, wegen des B\u00fcndnisses mit Italien nicht die antikoloniale Karte gespielt zu haben. &#8222;Die V\u00f6lker \u00c4gyptens, des Iraks und des ganzen Nahen Ostens waren bereit zum Aufstand. Wir h\u00e4tten alles tun m\u00fcssen, ihnen zu helfen, um ihren Mut zu st\u00e4rken, wie es unser Vorteil und unsere Pflicht verlangten (&#8230;) Nur die Italiener haben uns daran gehindert, auf diesem Kriegsschauplatz eine unserer besten Karten auszuspielen: sie bestand darin, alle unter franz\u00f6sischem Protektorat stehenden V\u00f6lker f\u00fcr unabh\u00e4ngig zu erkl\u00e4ren und einen Aufstand der von den Briten unterdr\u00fcckten Gebiete herbeizuf\u00fchren.&#8220; [323] Diese Politik w\u00e4re nur m\u00f6glich gewesen mit der Bereitschaft, die Ostpolitik f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum aufzugeben und die Politik des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes weiter zu betreiben. Die Ostsiedlung war aber f\u00fcr Hitler in Wirklichkeit unverr\u00fcckbar und unaufschiebbar. Auch der von Italien ausgel\u00f6ste Balkankrieg schw\u00e4chte Deutschland langfristig. &#8222;H\u00e4tten doch nur die Italiener ihre Pfoten aus diesem Krieg gelassen.&#8220; &#8222;Gegen unseren Willen waren wir gezwungen, mit Waffengewalt in die Ereignisse auf dem Balkan einzugreifen, woraus sich die unheilvolle Versp\u00e4tung des Aufmarsches gegen Ru\u00dfland zwangsl\u00e4ufig ergab.&#8220; [324]<\/p>\n<p>In der Frage der Rolle der Sowjetunion belog sich Hitler selbst und tischte die L\u00fcge von dem bevorstehenden russischen Angriff auf, wiederholte aber gleichzeitig die Siedlungsprogrammatik. In der Untersch\u00e4tzung der Widerstandskraft der Sowjetunion und ihrer V\u00f6lker lag der Hauptgrund f\u00fcr die nationalsozialistische Niederlage. Anstatt in einem &#8222;Sandkastenspiel&#8220; die Sowjetunion niederzuwerfen, wendete sich das Blatt und die Rote Armee befreite gro\u00dfe Teile Europas. Obwohl \u00fcber zwei Drittel der deutschen Soldaten an der Ostfront konzentriert waren, konnten sie die Niederlage nicht aufhalten. Die Rote Armee der gerade industrialisierten Sowjetunion zerschlug den Sturmlauf des Kleinb\u00fcrgertums gegen die Moderne.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=201&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die Untersuchung der verschiedenen Kriegsschaupl\u00e4tze sieht der Autor die These best\u00e4tigt, da\u00df Hitler seine b\u00e4uerlich-kleinb\u00fcrgerliche Programmatik gegen die Konzeptionen der anderen Klassen durchsetzen konnte. Den ganzen Krieg \u00fcber konnte Hitler die Leitlinien der deutschen Au\u00dfenpolitik bestimmen. Weder die Europapl\u00e4ne von Teilen des Kapitals kamen zur Geltung, noch wurde der Kolonialkrieg in Afrika gef\u00fchrt. 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