{"id":193,"date":"2016-09-12T06:31:39","date_gmt":"2016-09-12T04:31:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=193"},"modified":"2016-09-12T06:35:35","modified_gmt":"2016-09-12T04:35:35","slug":"5-kampf-um-die-weltmacht-mit-den-usa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=193","title":{"rendered":"5. Kampf um die Weltmacht mit den USA?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Nach dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion erkl\u00e4rte Deutschland auch den Vereinigten Staaten im Dezember 1941 den Krieg. Zu diesem Zeitpunkt stand Deutschland nicht mehr dem einsamen Gro\u00dfbritannien, sondern dem Milit\u00e4rb\u00fcndnis der Anti-Hitler-Koalition gegen\u00fcber. Wollten die Nazis nun den globalen Kampf um die Weltherrschaft beginnen oder war die Auseinandersetzung mit den USA unabwendbar?<\/p>\n<p>Untersuchen wir zun\u00e4chst die Deutschlandpolitik der USA. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 zog sich das amerikanische Kapital schlagartig aus Europa zur\u00fcck. Die isolationistische Fraktion der amerikanischen Gesellschaft hatte die Oberhand. Die Isolationisten lehnten jedes milit\u00e4rische Eingreifen oder gr\u00f6\u00dferes politisches Engagement in Europa ab, da es die USA \u00fcberfordere. Schon im 1. Weltkrieg hatten viele Amerikaner das Gef\u00fchl, nur f\u00fcr das britische Empire die Kohlen aus dem Feuern zu holen, was sich mit der Versailler Nachkriegsordnung noch verst\u00e4rkte. Die &#8222;Internationalisten&#8220;, hinter denen das Kapital der Ostk\u00fcste stand, traten hingegen f\u00fcr eine offensive Au\u00dfenpolitik ein, die die ganze Welt f\u00fcr das amerikanische Kapital \u00f6ffnen sollte. Ihnen waren die protektionistischen Kolonialreiche sowie die Autarkiebestrebungen der Achsenm\u00e4chte ein Dorn im Auge. Die Pr\u00e4sidenten Wilson und Roosevelt waren die Hauptvertreter dieser &#8222;open door&#8220;-Politik.<\/p>\n<p>Mitte der 30er hatten die Isolationisten die Mehrheit in Volk und Kongre\u00df und lehnten jede Verstrickung in die europ\u00e4ische Politik ab. Die Internationalisten um Roosevelt befanden sich in der klaren Minderheit und konnten ein Eingreifen in Europa noch nicht offen fordern. 1937 verabschiedete der Kongre\u00df das 3. Neutralit\u00e4tsgesetz und untersagte sogar Waffenlieferungen und Anleihen an europ\u00e4ische M\u00e4chte.<\/p>\n<p>In Deutschland spielte die Politik gegen\u00fcber den Vereinigten Staaten eine v\u00f6llig untergeordnete Rolle, da sie keine Schutzmacht der Versailler Nachkriegsordnung darstellten. Hitler selbst machte zwar in beiden Teilen von &#8222;Mein Kampf&#8220; einige wirtschafts- und rassenpolitische Ausf\u00fchrungen \u00fcber die USA, entwickelte aber keine besondere au\u00dfenpolitische Strategie. Detlef Junker kommt nach der Auswertung der Dokumente zur deutschen Amerikapolitik zu folgendem Ergebnis: &#8222;Wenn diese Interpretation zutrifft, d.\u00a0h. wenn die Herrschaft \u00fcber Europa schon in Hitlers Programm nur eine Vorstufe f\u00fcr den Endkampf mit den USA war, dann h\u00e4tte allerdings der Faktor Amerika seit 1933 ein integraler Teil seines au\u00dfenpolitischen Kalk\u00fcls, teilweise seiner au\u00dfenpolitischen Praxis sein m\u00fcssen.&#8220; Das sei &#8222;aber nachweislich nicht der Fall (&#8230;)- selbst in zentralen Quellen wie dem Vierjahresplan oder dem &#8222;Ho\u00dfbachprotokoll&#8220; tauchte Amerika nicht auf&#8220;. [312]<\/p>\n<p>In der Praxis mu\u00dfte die Haltung der USA, wie bei der Annexion \u00d6sterreichs und der Tschechoslowakei, Hitlers Haltung best\u00e4rkt haben, da\u00df die USA in den Krieg nicht eingreifen w\u00fcrden. Die Nazis richteten ihre Politik darauf aus, die USA m\u00f6glichst aus dem Krieg heraus zu halten, um ungest\u00f6rt ihre Ziele in Europa zu erreichen. So hielt Hitler die deutsche Marine im U-Boot Krieg gegen das Empire an der &#8222;kurzen Leine&#8220;, um den USA keinen Vorwand zum Kriegseintritt zu liefern. [313]<\/p>\n<p>Das Vordringen des nationalsozialistischen Deutschlands in Europa und des kaiserlichen Japans in Asien f\u00fchrten zur Wende in der US-Au\u00dfenpolitik. Durch geschicktes Man\u00f6vrieren gelang es Pr\u00e4sident Roosevelt, sich gegen die Isolationisten durchzusetzen. Zwei autarke Gro\u00dfreiche h\u00e4tten den Zugang zum Weltmarkt f\u00fcr das US-Kapital extrem eingeschr\u00e4nkt und bedroht. Mit der Hoffnung, diesmal nicht die Kolonialm\u00e4chte zu retten, sondern eine &#8222;pax americana&#8220; mit einem freien Weltmarkt zu erk\u00e4mpfen, f\u00fchrte Roosevelt die Staaten in den Weltkrieg.<\/p>\n<p>Im November 1939 konnten die Internationalisten ihren ersten Erfolg verbuchen. Das Waffenembargo wurde gelockert. Im Juni 1940 folgte das Gesetz \u00fcber die &#8222;Zweite Ozeanflotte&#8220;, mit dem die Seestreitkr\u00e4fte verdoppelt wurden. Die Einf\u00fchrung der selektiven Wehrpflicht im Herbst stellte einen weiteren Schritt der Kriegsvorbereitung dar. Am 18. Februar 1941 nahm der Kongre\u00df das &#8222;Leih- und Pachtgesetz&#8220; an. &#8222;Jeder Nation, deren Verteidigung er f\u00fcr die Vereinigten Staaten lebenswichtig halte, kann der Pr\u00e4sident&#8220; jegliche Art von Waffen verkaufen, schenken oder vermieten, legte das Gesetz fest. [314] Nach Annahme des Gesetzes hi\u00dften alle St\u00e4dte des britischen Empire die amerikanische Flagge. [315] Die Regierung lieferte nicht nur gro\u00dfe Mengen Waffen an die Verb\u00fcndeten, sondern plante auch schon den Kriegseintritt. Im Fr\u00fchjahr 1941 arbeiteten die au\u00dfenpolitischen Abteilungen Pl\u00e4ne f\u00fcr die &#8222;globale Vorw\u00e4rtsverteidigung&#8220; aus. So entstand der strategische Plan &#8222;ABC-1&#8220; zur Niederwerfung Deutschlands, und im Februar fanden geheime britisch-amerikanische Stabsbesprechungen statt. Auch im Krieg kooperierten die beiden M\u00e4chte schon. Ab April 1941 erhielten amerikanische Flugzeuge und Schiffe den Befehl, gesichtete deutsche Schiffe und U-Boote dem britischen Kommando zu melden. Einige Monate vor der deutschen Kriegserkl\u00e4rung wurde die ber\u00fchmte Atlantikcharta, die amerikanisch-britische Kriegszielerkl\u00e4rung, ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle aufmerksamen Beobachter war damals ersichtlich, da\u00df die Vereinigten Staaten kurz vor dem Kriegseintritt in Europa standen. Roosevelt und das amerikanische Kapital wollten den Krieg, um die Achsenm\u00e4chte niederzuwerfen.<\/p>\n<h3>Die USA aus dem Krieg heraus halten<\/h3>\n<p>Vor dem Hintergrund der amerikanischen Kriegsvorbereitungen \u00e4nderte Deutschland die Taktik in der USA-Politik. Hitler glaubte, die USA k\u00f6nnten nur noch durch eine Abschreckungspolitik am Kriegseintritt in Europa gehindert werden. Wie Gro\u00dfbritannien wollte Hitler die USA zur Anerkennung der deutschen Herrschaft \u00fcber Kontinentaleuropa bewegen. Zur Abschreckung verst\u00e4rkte Deutschland das B\u00fcndnis mit Japan, um den Vereinigten Staaten klarzumachen, da\u00df sie einen Krieg in zwei Ozeanen und an zwei Fronten f\u00fchren m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erkl\u00e4rten die USA und England Japan den Krieg. Daraufhin folgte die deutsch-italienische Kriegserkl\u00e4rung am 11. Dezember 1941. &#8222;Der Krieg mit den USA, scheint Hitlers Kalk\u00fcl gewesen zu sein, w\u00fcrde ohnehin kommen. Die einzige Chance des Dritten Reiches, in einem solchen Krieg zu bestehen und die USA aus Europa heraus zu halten, lag darin, die USA zugleich in Europa und Asien, im Atlantik und im Pazifik in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln (&#8230;)&#8220;, [316] analysierte Junker. &#8222;Invasionspl\u00e4ne zur Eroberung der USA&#8220; seien &#8222;nie entwickelt worden&#8220;. [317] Bei Hitlers au\u00dfenpolitischer Zielsetzung sowie den realen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen sprach nichts f\u00fcr einen Versuch, die USA zu erobern. Auch das N\u00fcrnberger Urteil kam zu einem \u00e4hnlichen Schlu\u00df: &#8222;Es ist zwar richtig, da\u00df Hitler und seine Mitarbeiter einen Krieg mit den Vereinigten Staaten urspr\u00fcnglich nicht als ihren Interessen f\u00f6rderlich erachteten, aber offensichtlich wurde diese Ansicht im Laufe des Jahres 1941 revidiert, und Japan wurde in jeder Weise ermutigt, eine Politik zu betreiben, welche fast mit Sicherheit die Vereinigten Staaten in den Krieg herein ziehen mu\u00dfte.&#8220; [318] Der Grund f\u00fcr diese Revision lag am Sieg der &#8222;Internationalisten&#8220; in den USA und an der Tatsache, da\u00df alles auf einen amerikanischen Kriegseintritt hindeutete.<\/p>\n<p>Die Nazis meinten, das beste Mittel gegen die USA sei ein schneller Sieg \u00fcber die Sowjetunion. Noch vor der Kriegserkl\u00e4rung legte Hitler am 31.7.1941 dar: &#8222;Wenn (in England) (die) Hoffnung auf Ru\u00dfland wegf\u00e4llt, f\u00e4llt auch Amerika weg, weil (dem) Wegfall Ru\u00dflands eine Aufwertung Japans in Ostasien in ungeheurem Ma\u00dfe folgt.&#8220; [319]<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=197&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion erkl\u00e4rte Deutschland auch den Vereinigten Staaten im Dezember 1941 den Krieg. Zu diesem Zeitpunkt stand Deutschland nicht mehr dem einsamen Gro\u00dfbritannien, sondern dem Milit\u00e4rb\u00fcndnis der Anti-Hitler-Koalition gegen\u00fcber. Wollten die Nazis nun den globalen Kampf um die Weltherrschaft beginnen oder war die Auseinandersetzung mit den USA unabwendbar? Untersuchen wir zun\u00e4chst &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=193\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">5. Kampf um die Weltmacht mit den USA?<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-193","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=193"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":199,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/193\/revisions\/199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}