{"id":1875,"date":"2020-04-02T07:31:11","date_gmt":"2020-04-02T05:31:11","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1875"},"modified":"2020-04-03T14:02:15","modified_gmt":"2020-04-03T12:02:15","slug":"die-klassen-und-die-grenzen-der-macht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1875","title":{"rendered":"Die Klassen und die Grenzen der Macht."},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-large;\"><b><span style=\"font-size: x-large;\">Eine Antwort auf Wagners Kritik an Stalin<\/span><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">\n<span style=\"font-size: 12pt;\"><em>Heiner Karuscheit<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vorbemerkung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der grundlegende Ansatz unseres Kreises zur Kl\u00e4rung geschichtlicher Fragen bestand bislang darin, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zu untersuchen, um auf dieser Basis die Klassen, ihr konkretes Gesicht, ihre Entwicklung und ihr Aufeinanderwirken \u2013 mit einem Wort: die Klassenkr\u00e4fte \u2013 zu begreifen, die ein bestimmtes politisches Verhalten hervorrufen. Dieses Herangehen haben wir sowohl im Hinblick auf Deutschland und die deutsche Arbeiterbewegung als auch im Hinblick auf die Oktoberrevolution praktiziert und dabei, so m\u00f6chte ich behaupten, einige wichtige neue Erkenntnisse gewonnen. So ergab sich, dass der Niedergang der Sowjetunion so wenig durch den &#8222;Verrat&#8220; Chruschtschows verursacht war wie das Scheitern der Novemberrevolution durch den Verrat der Sozialdemokratie, sondern dass bestimmte Klassenkonstellationen, die von den damaligen Marxisten nicht oder unzureichend begriffen wurden, zu der jeweiligen Politik f\u00fchrten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen\u00fcber diesem Vorgehen ist Wagners Kritik ein R\u00fcckschritt. Fr\u00fcher ein Bewunderer Stalins, emp\u00f6rt er sich heute \u00fcber das in dem Buch &#8222;Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus&#8220; aus der Entwicklung der Verh\u00e4ltnisse gezogene Fazit, dass die Stalinsche Politik barbarische Z\u00fcge trug, aber nichtsdestotrotz die Grundlagen des Sozialismus legte. Diese Aussage verdammt er als &#8222;zynische Verharmlosung der Verbrechen der KPdSU&#8220; und vertritt als politischen Kernpunkt seiner Kritik: &#8222;Ich meine, die Politik Stalins ab 1928 war der wesentliche Grund f\u00fcr das Scheitern des Sozialismus in der UdSSR. (&#8230;) Ich meine, die &#8218;barbarischen&#8216; Z\u00fcge des politischen Systems der Sowjetunion hingen mit dem Akkumulationsmodell zusammen. Die Kollektivierung der Landwirtschaft f\u00fchrte in den B\u00fcrgerkrieg und konnte nur mit Terror und &#8218;Kulakenvernichtung&#8216; durchgef\u00fchrt werden.&#8220; Mit dieser &#8222;Meinung&#8220; reiht er sich in die Reihe der vielen Kritiker ein, die den S\u00fcndenfall der Bolschewisten im Abbruch der 1921 begonnenen Neuen \u00d6konomischen Politik (N\u00d6P bzw. russisch NEP) und in dem damit verkn\u00fcpften &#8222;Gro\u00dfen Sprung&#8220; der Kollektivierung und Industrialisierung sehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So wenig wie diese Kritiker entwickelt er aber, wieso die Klassen-konstellation am Ausgang der 20er Jahre die Fortf\u00fchrung der NEP auch in den 30er Jahren tragen konnte. Er schreibt zwar, dass seine Ausf\u00fchrungen sich neben dem Terror der 30er Jahre &#8222;auf die Kollektivierung der Landwirtschaft konzentrieren&#8220;, und bezieht sich auf ganze &#8222;Berge&#8220; an neuer Literatur. Was diese Literatur jedoch zu der angesprochenen Schl\u00fcsselfrage hergibt, welche die<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> Basis seiner gesamten Ausf\u00fchrungen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> bildet, erfahren wir von ihm nicht. Mit keinem Satz begr\u00fcndet er, warum die NEP 1928\/29 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> am Ende war, sondern weiterhin die Grundlage der Wirtschaftsbeziehungen in der Sowjetunion bilden konnte. Darum bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als selber die Literatur darauf hin zu lesen, ob unsere seinerzeit getroffenen Aussagen durch neuere Forschungsergebnisse best\u00e4tigt werden oder nicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Das Ende der NEP &#8211; die Aufl\u00f6sung eines Gesellschaftsvertrags<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch auf die Gefahr hin, Allgemeinpl\u00e4tze zu wiederholen, muss Ausgangspunkt aller Analysen der sowjetischen Entwicklung sein, dass die Bolschewiki in der Oktoberrevolution zwar die Staatsmacht erlangt hatten, diese Macht jedoch von der Duldung durch die Bauernschaft abhing. Das hatte sich in der Revolution selber gezeigt, denn die \u00dcbernahme der Regierung durch die Bolschewiki und die mit ihnen verb\u00fcndeten Volkst\u00fcmler war erst m\u00f6glich gewesen, als die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00e4uerlichen <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Soldatenmassen auf ihre Seite \u00fcberschwenkten. Und dasselbe zeigte sich 1921, als die Arbeitermacht nach einer Kette von Bauernaufst\u00e4nden an einem seidenen Faden hing und nur deswegen \u00fcberlebte, weil die Bolschewiki vollst\u00e4ndig auf die Forderungen der Bauern eingingen und zwischen Stadt und Land wieder Warenbeziehungen herstellten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die in diesem Jahr eingeleitete NEP war weit mehr als eine bestimmte Wirtschaftspolitik, sie war <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der Gesellschaftsvertrag, auf dem der Arbeiterstaat ruhte<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Und zugleich war sie nicht mehr als ein durch den drohenden Untergang erzwungener Kompromiss sowohl zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft als auch zwischen den verschiedenen Fl\u00fcgeln innerhalb der bolschewistischen Partei. Lenin schrieb zwar einmal, dass durch die NEP der Sieg des Sozialismus in 10 bis 20 Jahren sichergestellt sei, aber einen realistischen Plan zum Aufbau des Sozialismus besa\u00df er nicht, wenn man nicht die von ihm angestellten \u00dcberlegungen (mehr als einige Gedanken waren es nicht) zum Ausbau des Genossenschaftswesens auf dem Land, um das allm\u00e4hliche &#8222;Hineinwachsen&#8220; der Bauern in den Sozialismus zu organisieren, dazu erkl\u00e4rt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr den linken Fl\u00fcgel der Partei mit Trotzki an der Spitze war die NEP von Anfang an keine dauerhafte Perspektive. Trotzki hielt im Kern an der von Marx und Engels verfochtenen Revolutionsstrategie der Machteroberung im kapitalistisch entwickelten Westen fest und vertrat, dass der Sozialismus in Russland nur im Gleichklang mit der internationalen Revolution errichtet werden k\u00f6nne. Folgerichtig setzte er seine Hauptbem\u00fchungen auf die Organisierung dieser Revolution, zur damaligen Zeit insbesondere in Deutschland, das allseits als n\u00e4chster Revolutionskandidat angesehen wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotzki war es auch, der den Begriff der Scherenkrise propagierte, um das Grund\u00fcbel der NEP zu charakterisieren: die russische Industrie war nicht in der Lage, gen\u00fcgend Waren f\u00fcr die Bauernschaft zu produzieren. Die Bauern hatten daher keinen Grund, mehr als notwendig an Getreide zu verkaufen, weil sie mit dem Geld, das sie daf\u00fcr erhielten, keine Waren kaufen konnten. Umgekehrt gab es f\u00fcr die Staatsmacht jedes Jahr nach der Ernte dieselbe Zitterpartie, bis klar war, ob man gen\u00fcgend Getreide bekommen hatte, um die St\u00e4dte zu ern\u00e4hren und einen Teil ins Ausland zu verkaufen, damit man f\u00fcr die erworbenen Devisen Maschinerie erwerben konnte (Kredite wurden dem revolution\u00e4ren Russland nicht gew\u00e4hrt). Ohne diese Maschinen konnte die Produktion nicht gesteigert werden, hatten die Bauern mangels Waren weiterhin keinen Grund zu verkaufen usw. usf.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor allem war offen, wie die Mittel akkumuliert werden sollten, um neben dem Ausbau der &#8222;normalen&#8220; Produktion so schnell wie m\u00f6glich die schwerindustrielle Basis zu schaffen, die f\u00fcr eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>umfassende<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Entwicklung der Industrieproduktion erforderlich war. Schlie\u00dflich dauerte es viele Jahre von der Erschlie\u00dfung neuer Kohlezechen und Erzminen plus dem Aufbau von Stahlwerken, bevor der erste Stahl geliefert werden konnte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Deswegen hatte Trotzkis Position vieles f\u00fcr sich &#8211; bis auf die Tatsache, dass die Weltrevolution ausblieb. Nachdem die revolution\u00e4re Nachkriegswelle in Europa 1923 definitiv abgeflaut und auch in Deutschland kein Umsturz erfolgt war, sondern eine Phase der relativen Stabilisierung einsetzte, war Trotzki mit seiner Revolutionsstrategie am Ende. 1924 schloss sich eine Mehrheit in der bolschewistischen Partei Stalins Position an, den &#8222;Sozialismus in einem Land&#8220; aufzubauen. Ihnen war der sowjetrussische Spatz in der Hand lieber als die weltrevolution\u00e4re Taube auf dem Dach.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1927 verabschiedete der 15.\u00a0Parteitag die Richtlinien f\u00fcr den ersten F\u00fcnfjahrplan, der die ersten Schritte zum Aufbau des Sozialismus realisieren sollte. Kaum waren die Richtlinien jedoch abgesegnet, da zeigte sich Ende des Jahres, dass die staatlichen Gro\u00dfhandelsorganisationen nicht gen\u00fcgend Getreide hatten ankaufen k\u00f6nnen, um die st\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren, geschweige denn Auslandsverk\u00e4ufe zu t\u00e4tigen, obwohl die Ernte gut ausgefallen war. Angesichts des drohenden Hungers blieb nichts anderes \u00fcbrig, als im Winter 1927\/28 schnellstm\u00f6glich Getreide zu requirieren, d.h., zwangsweise aufzukaufen. Gleichzeitig wurden die Lebensmittel in den St\u00e4dten rationiert. Als vor der neuen Ernte des Sommers 1928 das eingesammelte Getreide erneut zu Ende ging, kaufte die Regierung sogar Getreide im Ausland, um die St\u00e4dte zu versorgen<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend der Getreide-Ankaufperiode 1927 waren die staatlichen Festpreise leicht gesenkt worden, weil alle Fachleute davon ausgingen, dass es wegen der guten Ernte ein \u00dcberangebot an Getreide gab. Daher konnte man meinen, dass der Staat die Versorgungsknappheit selber verursacht hatte. Das Jahr 1928 zeigte jedoch, dass das Problem tiefer lag. Vor der diesj\u00e4hrigen Ernte beschloss das ZK n\u00e4mlich im Juli, die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr Getreide je nach Getreidesorte und Region um 10-20\u00a0% zu erh\u00f6hen, d.h. die Preissenkung des Vorjahrs r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, teils sogar dar\u00fcber hinaus zu gehen. Auf derselben ZK-Sitzung wurde zur Beruhigung der Bauern best\u00e4tigt, dass die NEP Grundlage der sowjetischen Wirtschaftspolitik bleiben w\u00fcrde. Am Ende des Jahres stand die Staatsmacht jedoch wieder vor derselben Situation. Trotz h\u00f6herer Preise verkauften die Bauern nicht genug Getreide &#8211; warum auch? Geld besa\u00dfen sie (jedenfalls ihre bessergestellten Teile, insbesondere die sogenannten Kulaken, die das meiste \u00dcberschussgetreide besa\u00dfen) noch gen\u00fcgend aus den Vorjahren, aber zu kaufen gab es nichts daf\u00fcr. Au\u00dferdem entwertete sich der Rubel schleichend, weil zu viel Geld im Verh\u00e4ltnis zu den produzierten Waren im Umlauf war. Etwas Geld brauchte man, um die Steuern zu zahlen, aber was sollte man dar\u00fcber hinaus mit den Rubelscheinen anfangen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die trotz Lebensmittelrationierung erneut drohende Hungersnot in den St\u00e4dten zu verhindern, verlangten Bucharin und Rykow, wieder Getreide zu importieren. &#8222;Das h\u00e4tte bedeutet, erhebliche Devisenmittel auszugeben, die f\u00fcr den Kauf von Industrieausr\u00fcstungen vorgesehen waren. Dass ein Agrarland, ein Bauernland Getreide importieren sollte \u2013 diese offensichtlich paradoxe Tatsache war der Beweis daf\u00fcr, dass die &#8218;traditionelle&#8216; NEP nicht mehr funktionierte.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die von Bucharin und Rykow vorgeschlagene L\u00f6sung h\u00e4tte eine Kapitulation vor der Bauernschaft bedeutet. Sie war vor allem politisch nicht durchsetzbar, denn <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die soziale Basis der Kommunisten, die revolutionserfahrene und selbstbewusste russische Arbeiterschaft, war nicht l\u00e4nger bereit, ihr Schicksal und die Zukunft der Revolution der Bauernschaft zu \u00fcberlassen.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht nur der bolschewistischen Partei, auch den Arbeitern war es 1921 schwer gefallen, den \u00dcbergang zur NEP zu akzeptieren.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Je l\u00e4nger die NEP aber dauerte, desto tiefer wurden ihre Widerspr\u00fcche. So wenig die staatskapitalistische Industrie den Warenhunger der Bauernschaft befriedigen konnte, so wenig konnte sie die wachsende Arbeitsbev\u00f6lkerung besch\u00e4ftigen. Die Arbeitslosigkeit stieg von 160.000 im Jahr 1922 auf 1,47 Millionen Arbeiter im April des Jahres 1927, verzehnfachte sich also nahezu. In Moskau, neben Petersburg\/Leningrad dem zweiten industriellen Zentrum des Landes, lag die Arbeitslosenrate 1927 bei 20\u00a0%.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gleichzeitig standen Millionen b\u00e4uerlicher Arbeitskr\u00e4fte vor den Toren der St\u00e4dte, denn angesichts der Bev\u00f6lkerungszunahme hatten immer mehr Bauern Schwierigkeiten, sich und die Kinder von ihren kleinen Landst\u00fccken zu ern\u00e4hren. Die m\u00e4chtigen Gewerkschaften hatten bereits Zuzugsbeschr\u00e4nkungen in die St\u00e4dte durchgesetzt, um den wachsenden Druck auf die L\u00f6hne &#8222;von unten&#8220;, durch die arbeitssuchenden Armen, zu verhindern. Geholfen hatte es wenig, denn die Elendsviertel in den Vorst\u00e4dten wucherten weiter, gleich ob legal oder illegal, und mit ihnen nahmen Bettelei, Prostitution und Korruption zu, w\u00e4hrend gleichzeitig die st\u00e4dtischen NEP-Profiteure, die &#8222;Fratzen der N\u00d6P&#8220;, ihren wachsenden Reichtum zur Schau stellten. Je l\u00e4nger die NEP dauerte, desto mehr zerfiel die Gesellschaft &#8211; wie bei jeder Agrargesellschaft, in welcher ein keimender Kapitalismus die hergebrachten Verh\u00e4ltnisse zersetzt, heute im Riesenma\u00dfstab zu studieren am Beispiel Chinas.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angesichts dieser Entwicklung hatten sich Sinowjew und Kamenew 1925 den Positionen Trotzkis angen\u00e4hert, und seit dem Fr\u00fchsommer 1926 attackierte die &#8222;Vereinigte Opposition&#8220; gemeinsam die Fortsetzung der NEP und deren Haupttr\u00e4ger, Bucharin und Stalin. Bis dato hatten sie f\u00fcr ihre Politik gegen die NEP keine Mehrheiten gefunden, sondern waren aufgrund ihrer Fraktionsbildung im Dezember 1927 aus der Partei ausgeschlossen worden. Aber jetzt kam das Jahr 1928 und insbesondere der Winter 1928\/29. Obwohl man den Bauern mehr Geld geboten hatte, hielten sie das Getreide zur\u00fcck. W\u00e4hrend in den St\u00e4dten die Lebensmittel rationiert wurden und sich vor den staatlichen Brotl\u00e4den immer l\u00e4ngere Schlangen bildeten, bl\u00fchten die &#8222;schwarzen&#8220; M\u00e4rkte, auf denen Brot und Lebensmittel im \u00dcberfluss angeboten wurden, allerdings zu horrenden Preisen. Und da sollte man die knappen Devisen statt f\u00fcr neue Maschinen f\u00fcr Getreidek\u00e4ufe im Ausland ausgeben, also den industriellen Aufbau auf den St.Nimmerleinstag verschieben? Hatten die Arbeiter daf\u00fcr die Oktoberrevolution gemacht und einen jahrelangen B\u00fcrgerkrieg durchgestanden, um sich jetzt endg\u00fcltig den Kulaken auszuliefern? Auch wenn Bucharin nicht m\u00fcde wurde, die Fortsetzung der NEP als das Verm\u00e4chtnis Lenins zu verk\u00fcnden (womit er nicht unrecht hatte), schmolz die Schar seiner Anh\u00e4nger in Arbeiterklasse und Partei unaufhaltsam dahin.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die Unzufriedenheit mit der N\u00d6P breitete sich unter den Arbeitern aus. Viele von ihnen waren psychologisch bereits auf deren Demontage eingestellt. Bereits 1925 hatten Arbeiter dazu aufgerufen, &#8218;irgendeine Zickzackbewegung&#8216; auszudenken, damit man schneller an das &#8218;ersehnte Ziel&#8216; gelangt. (&#8230;) Als sich 1927 die sozialen Probleme versch\u00e4rften, Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung auftraten, als 1928 die Lebensmittelrationierung eingef\u00fchrt wurde, verband den Industriearbeiter nichts mehr mit der &#8218;traditionellen&#8216; N\u00d6P. Die &#8218;Fratzen der N\u00d6P&#8216;, die Arbeitslosigkeit und soziale Erscheinungen wie Bettelei, Prostitution und Trunksucht wurden jetzt g\u00e4nzlich unannehmbar.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die zitierten Autoren sind keine Parteig\u00e4nger Stalins, k\u00f6nnen aber nicht umhin, als aufgrund der untersuchten Fakten zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass &#8222;das Sprengen&#8220; der alten N\u00d6P unausweichlich war. Der Klassenkompromiss zwischen Arbeitern und Bauern fiel in sich zusammen, weil seine &#8222;Gesch\u00e4ftsgrundlage&#8220;, der Gesellschaftsvertrag von 1921, sich mangels Getreideverk\u00e4ufe durch die Bauern aufl\u00f6ste.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Zur neueren Diskussion um die NEP<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der westlichen Forschung wird das Urteil \u00fcber die NEP von Robert W.\u00a0Davies bestimmt, &#8222;dessen Meinung gegenw\u00e4rtig die gr\u00f6\u00dfte Autorit\u00e4t in Anspruch nehmen darf.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Davies selber r\u00e4umt ein, dass die NEP nicht in der Lage war, die industriellen Wachstumsraten der 30er Jahre zu erzielen, h\u00e4lt ihre Potenzen am Ausgang der 20er Jahre aber noch nicht f\u00fcr ersch\u00f6pft. Zu den wachsenden <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Widerspr\u00fcchen \u00e4u\u00dfert er sich so wenig wie Wagner.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den letzten Jahren ist die Debatte \u00fcber die NEP vor allem in Russland gef\u00fchrt worden. Den Ansto\u00df daf\u00fcr gab die Regierungszeit Gorbatschows, als dar\u00fcber gestritten wurde, ob es eine historische Alternative zur Stalinschen Politik gab. Die meisten Diskussionsteilnehmer betrachteten seinerzeit den &#8222;gro\u00dfen Sprung&#8220; Ausgang der 20er Jahre als S\u00fcndenfall des Stalinismus, so wie Wagner das ebenfalls tut. Damals (1987\/88) vertrat der Publizist I.\u00a0Kljamkin entgegen der Mehrheitsmeinung die Auffassung, &#8222;dass die NEP unausweichlich scheitern und Stalins Weg zum Sozialismus beschritten werden musste, da der Mechanismus der Neuen \u00d6konomischen Politik die f\u00fcr die Industrialisierung notwendigen Investitionsmittel nicht habe abwerfen k\u00f6nnen &#8230; Als noch die Mehrzahl der sowjetrussischen Intellektuellen von den zwanziger Jahren und der Bucharinschen Alternative schw\u00e4rmte, fand Kljamkin keine Zustimmung. In den neunziger Jahren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>wurde seine Einsch\u00e4tzung von den Wirtschaftshistorikern best\u00e4tigt<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Was der Historiker H\u00f6sler \u00fcber den heutigen Diskussionsstand der Wirtschaftshistoriker in Russland berichtet, sollte einem zumindest zu denken geben, wenn man sich wie Wagner auf die neue Literatur beruft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber unser Kritiker hat eine andere Sicht, um das Scheitern des Sozialismus in Russland zu erkl\u00e4ren: &#8222;Lenin und Stalin verk\u00f6rperten eine Schicht von Berufsrevolution\u00e4ren, die schon seit Jahrzehnten dieser Besch\u00e4ftigung nachgingen. Beide sahen sich als Vollstrecker der geschichtlichen Mission des Proletariats, konnten sich aber auch gegen die &#8218;real existierenden&#8216; Arbeiter stellen, wenn sie meinten, deren Forderungen entsprechen nicht den Interessen der Bewegung.&#8220; Er will damit sagen, dass Lenin wie Stalin Doktrin\u00e4re waren, die als &#8222;jahrzehntelange Berufsrevolution\u00e4re&#8220; den Kontakt mit dem wirklichen Leben verloren hatten. Aus dieser Sicht befahl Stalin den Abbruch der NEP willk\u00fcrlich im Auftrag &#8222;der geschichtlichen Mission des Proletariats&#8220; &#8211; deutlicher gesagt, als Welterl\u00f6sungsfanatiker. Diese Erkl\u00e4rung besagt viel \u00fcber ihren Urheber, um so weniger aber \u00fcber das revolution\u00e4re Russland jener Zeit.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum wohl verteidigte Stalin die NEP noch bis in das Jahr 1928 hinein und bezeichnete das Gerede von ihrem bevorstehenden Ende als &#8222;konterrevolution\u00e4res Geschw\u00e4tz&#8220;?<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Pl\u00e4dierte er als &#8222;advocatus diaboli&#8220; gegen seine eigene \u00dcberzeugung, um Bucharin als Hauptvertreter der NEP in die Falle zu locken? Oder warum schlugen die Mehrheiten im ZK von 1928 auf 1929 um, nachdem dasselbe ZK noch im Sommer 1928 die Erh\u00f6hung der Ankaufpreise f\u00fcr Getreide beschlossen hatte? Wurden die ZK-Mitglieder von Stalin mit Hilfe der Geheimpolizei unter Druck gesetzt, damit sie die Kollektivierung beschlossen und Bucharin als &#8222;Rechten&#8220; verurteilten? Alle diese &#8222;Erkl\u00e4rungen&#8220; und noch weitere Verschw\u00f6rungstheorien finden sich in g\u00e4ngigen Publikationen \u00fcber den &#8222;Stalinismus&#8220;, weil man nicht wahrhaben will, dass die NEP Ende der 20er Jahre am Ende war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer sich mit den konkreten Ereignissen der Jahre 1927-1930 befasst und vor allem die zugrunde liegende Klassenbewegung nachvollzieht, muss zu der Schlussfolgerung gelangen, dass der Abbruch der NEP keineswegs aus freiem Entschluss erfolgte, vor allem nicht aufgrund der R\u00e4nke Stalins. Ihre Fortsetzung w\u00e4re nur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gegen die Arbeiterklasse<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> m\u00f6glich gewesen. Die Revolution von 1929\/30 wurde so wenig wie irgendeine Revolution &#8222;gemacht&#8220;, weil das Politb\u00fcro es so beschlossen hatte, sondern weil die Arbeiterklasse nicht mehr so weitermachen wollte wie bisher. Die &#8222;zweite Revolution&#8220; war ein neuer revolution\u00e4rer Aufbruch der Massen. H\u00e4tte Stalin sich nicht an seine Spitze gesetzt, h\u00e4tte ein anderer dies getan.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Frontalangriff auf die Bauern war eine Flucht nach vorn, ein Abenteuer mit h\u00f6chst ungewissem Ausgang. Zwar wurde die Modernisierung &#8222;von oben&#8220;, durch den Staat, organisiert, aber getragen wurde sie &#8222;von unten&#8220;. &#8222;Fragt man nach dem R\u00fcckhalt der stalinistischen Herrschaft in der sowjetischen Gesellschaft, f\u00fchrt kein Weg an der Arbeiterschaft vorbei. Sie war es, die durch ihre Unterst\u00fctzung oder zumindest Duldung des Regimes dessen Etablierung und Fortbestehen m\u00f6glich machte. Gegen den geschlossenen Protest der Arbeiterschaft h\u00e4tte Stalin, allein gest\u00fctzt auf den Unterdr\u00fcckungs- und Terrorapparat, seine Politik schwerlich verwirklichen k\u00f6nnen.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In den kommenden Jahren mussten die Arbeiter gewaltige Entbehrungen auf sich nehmen. Der Durchschnittslohn ging zur\u00fcck, die Versorgung mit Lebensmitteln stockte, der ohnehin knappe Wohnraum wurde noch knapper, die W\u00e4hrung wurde entwertet und der Lebensstandard sank insgesamt ab. Aber die Arbeiter nahmen alle Opfer auf sich, weil sie nach den Erfahrungen der NEP-Jahre ein f\u00fcr allemal Schluss machen wollten mit der Abh\u00e4ngigkeit vom Bauern und entschlossen waren, zum Sozialismus voran zu gehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da die Theorie einer willk\u00fcrlichen Beendigung der NEP durch Stalin auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen steht, f\u00fchrt die Logik der Dinge stattdessen hinter die NEP zur\u00fcck zu einer anderen Konsequenz, n\u00e4mlich der Infragestellung der Oktoberrevolution. Diesen Weg ist die russische Sozialismusdebatte nach Gorbatschow gegangen. &#8222;Postsozialistische \u00d6konomen stimmen in der Sache Gerschenkron und anderen zu, wenn sie der NEP von Anfang an wenig Chancen einr\u00e4umen. Der Fehler lag in der bolschewistischen Revolution selber, nicht im Abbruch der NEP.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Wagner vertritt diese Auffassung (noch?) nicht. Aber seine Meinung, dass nicht erst Stalin, sondern schon Lenin sich nach jahrzehntelanger berufs-revolution\u00e4rer T\u00e4tigkeit als Vollstrecker eines geschichtlichen Gesetzes f\u00fchlte, ist der erste Schritt dorthin.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die wirtschaftspolitische Grundlinie Stalins<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits im M\u00e4rz 1930, also wenige Monate nach dem endg\u00fcltigen Beschluss des ZK, die Kollektivierung durchzuf\u00fchren und das Kulakentum als Klasse zu vernichten, erschien ein Artikel Stalins: &#8222;Vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220;, einen Monat sp\u00e4ter in ausf\u00fchrlicherer Form eine &#8222;Antwort an die Genossen Kollektivbauern.&#8220; Beide hatten denselben Inhalt. Sie verurteilten aufs heftigste die weit verbreiteten Versuche, aus den bisherigen l\u00e4ndlichen Produktionsverh\u00e4ltnissen mit einem Satz in eine kommunistische Produktionsweise hinein zu springen, in dem landwirtschaftliche Kommunen gegr\u00fcndet wurden, in welchen \u00fcber den Getreideanbau hinaus auch die Wohnh\u00e4user der Bauern, ihr Hofland mitsamt der dort stehenden Kuh, das Kleinvieh etc. &#8222;vergesellschaftet&#8220; wurden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ganzen &#8222;Abteilungen&#8220; der Partei warf Stalin &#8222;linke \u00dcberspitzungen&#8220; vor, weil sie bei der Kollektivierung den Grundsatz der Freiwilligkeit missachteten, sich nicht an die vorgesehenen Zeitstufen f\u00fcr die Kollektivierung (je nach regionaler Wirtschaftsform und Kulturstufe) hielten, eine utopische Kommunismuspolitik praktizierten und dadurch das Scheitern der Kollektivierung provozierten.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Stattdessen forderte er, den Kolchos in der sog. &#8222;Artel&#8220;form zu festigen, wobei die Getreideproduktion <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>genossenschaftlich<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> stattfand (nicht gesellschaftlich!), bei fortdauerndem Privatbesitz an Haus, Hofland, einer eigenen Kuh und Kleinvieh.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die von ihm verfochtene, gem\u00e4\u00dfigte Linie hatte an der &#8222;Basis&#8220; der Partei jedoch offenkundig Schwierigkeiten, sich durchzusetzen, denn erst 1931 war es so weit. &#8222;Die Archivdokumente &#8230; geben Anlass anzunehmen, dass der relative R\u00fcckzug im Jahr 1931 ma\u00dfgeblich auf Initiative Stalins erfolgte.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Als Gegengewicht zur Verteilung von Lebensmitteln auf Bezugskarten beschloss das Politb\u00fcro 1931\/32 eine St\u00e4rkung des Handels. &#8222;Handel und Ware-Geld-Beziehungen, im Jahre 1930 oft noch als Relikte der Vergangenheit bezeichnet, die unter dem Druck des direkten Produktenaustausches verschwanden, wurden auf diese Weise politisch rehabilitiert.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Politik der Staatspartei fand ihre Grenze in der Verf\u00fcgung \u00fcber das Getreide, die man 1929\/30 erlangt hatte. Zwar stieg die erzeugte Erntemenge pro Fl\u00e4cheneinheit in den Produktionsgenossenschaften nicht an (ein Grundproblem der sowjetischen Agrarproduktion), nur erhielt der Arbeiterstaat statt zuvor 12\u00a0% jetzt ca. 40\u00a0% der Getreideernte und konnte durch diese Aneignung des b\u00e4uerlichen Mehrprodukts die Ern\u00e4hrung der industriellen Bev\u00f6lkerung sichern. Davon konnte man nicht mehr abgehen, aber jenseits dieser Grenze gab es auf Betreiben Stalins eine Art Neuauflage der NEP. &#8222;Im Fr\u00fchjahr und Sommer 1932 setzte sich die Politik, die auch als &#8218;Neo-N\u00f6p&#8216; bezeichnet wird, offensichtlich durch. Es folgten nacheinander Verordnungen \u00fcber die Unzul\u00e4ssigkeit, private Haus- und Hofwirtschaften der Bauern zu beseitigen, \u00fcber die R\u00fcckf\u00fchrung des f\u00fcr die Gemeinschaftsfarmen beschlagnahmten Viehs, \u00fcber die Einhaltung der Gesetze und die Unterbindung willk\u00fcrlicher Akte von Staatsbeamten in den D\u00f6rfern.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In der Folgezeit wurden au\u00dferdem die Politabteilungen der MTS (Maschinen-Traktor-Stationen der Kolchosen) liquidiert, verbunden mit dem Zugest\u00e4ndnis, die privaten Haus- und Hofwirtschaften der Bauern zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Neo-NEP gegen\u00fcber den Bauern fand ihre Parallele in der \u00f6konomischen Politik gegen\u00fcber der sprunghaft wachsenden Arbeiterschaft. Anl\u00e4sslich einer Kampagne gegen die massenhafte Fluktuation der Arbeitskr\u00e4fte, die eine geregelte Produktion fast unm\u00f6glich machte, wandte sich Stalin gegen die &#8222;linkslerische&#8220; Gleichmacherei, die er als Hauptursache f\u00fcr den dauernden Arbeitsplatzwechsel bezeichnete. &#8222;In einer Reihe unserer Betriebe sind die Tarifs\u00e4tze so festgesetzt, dass der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit fast verschwindet.&#8220; Er forderte, man m\u00fcsse &#8222;die Gleichmacherei abschaffen und das alte Tarifsystem zerschlagen (&#8230;), ein Tarifsystem schaffen, das dem Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit, zwischen schwerer und leichter Arbeit Rechnung tr\u00e4gt.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/span><\/span><\/sup> <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das neue Tarifsystem umfasste acht Lohnstufen, und ein hochqualifizierter Arbeiter konnte das Drei- bis Vierfache des Lohnes eines einfachen Arbeiters in der gleichen Branche verdienen. Au\u00dferdem wurde die Entlohnung, wo immer m\u00f6glich, vom Zeitlohn auf den leistungsabh\u00e4ngigen St\u00fccklohn umgestellt. &#8222;Am unauff\u00e4lligsten vollzog sich die weitere Umstellung auf den St\u00fccklohn, da er am deutlichsten in der Kontinuit\u00e4t der Ideale auch der NEP, von Taylorismus und NOT stand.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Spitze dieser Politik bildete die Stachanow-Bewegung zur Forcierung der Akkordarbeit und des Leistungsprinzips; sie stie\u00df zeit ihres Daseins auf Widerstand in den Belegschaften.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben der &#8222;gleichmacherischen&#8220; Lohngestaltung prangerte Stalin die Tatsache an, dass viele Wirtschaftsorganisationen keine betriebswirtschaftliche Kalkulation praktizierten, und forderte, man m\u00fcsse &#8222;das Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsf\u00fchrung einb\u00fcrgern und festigen, die Akkumulation innerhalb der Industrie verst\u00e4rken&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Er wandte sich gegen alle Versuche von Partei und Staatspolizei, sich in den Wirtschaftsaufbau einzumischen, und sprach sich gegen die politische Kontrolle der Betriebsleitungen durch die \u00f6rtlichen Parteiorganisationen aus.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der zweite F\u00fcnfjahrplan (1933-1937) vertiefte die Orientierung auf eine rationale Wirtschaftsplanung, betriebswirtschaftliche Rentabilit\u00e4t und die Leistungsf\u00f6rderung. Er war &#8222;vor allem von zahlreichen Experimenten und &#8218;Reformen&#8216; gepr\u00e4gt, die darauf ausgerichtet waren, die wirtschaftliche Selbst\u00e4ndigkeit zu vergr\u00f6\u00dfern und den materiellen Anreiz der Arbeit zu vergr\u00f6\u00dfern. In dieser Zeit wurde die Theorie eines direkten Produktenaustausches endg\u00fcltig als &#8218;linkssektiererisch&#8216; gebrandmarkt und daf\u00fcr um so mehr die Rolle des Geldes, der wirtschaftlichen Rechnungsf\u00fchrung und der Stabilit\u00e4t des Rubels betont.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir wollen es mit diesen Zitaten aus der &#8222;neueren Literatur&#8220; \u00fcber die von Stalin in der Vorkriegszeit verfochtene Wirtschaftspolitik belassen. Oleg Chlewnjuk, auf dessen Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber &#8222;Das Politb\u00fcro&#8220; wir uns hier beziehen, hat die Sitzungsprotokolle und andere Materialien der Tagungen des Politb\u00fcros ausgewertet. Er gibt die Beschl\u00fcsse zur Wirtschaftspolitik ohne jeden Zusammenhang wieder. Aber auch wenn er ihren roten Faden nicht zu erkennen vermag und sich als entschiedener Gegner Stalins regelm\u00e4\u00dfig erstaunt \u00fcber ihren Inhalt zeigt, so ist er doch so objektiv, sie \u00fcberhaupt zur Kenntnis zu geben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Beschl\u00fcsse best\u00e4tigen, was sich auch aus der Lekt\u00fcre der Reden und Schriften Stalins ergibt: Stalin war nicht nur bis 1928 ein Verteidiger der NEP, sondern trat ebenso in den 30er Jahren, nach dem Durchbruch zur Industrialisierung und Kollektivierung, f\u00fcr eine Politik der materiellen Anreize, f\u00fcr eine &#8222;Neo-N\u00d6P&#8220; ein, und zwar immer wieder in Auseinandersetzung mit &#8222;linken&#8220; Positionen, die einer Beendigung der Warenproduktion, der Abschaffung des Geldes und einer Einebnung der Lohnunterschiede das Wort redeten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unterbrochen wurde diese Politik erst durch den herannahenden Krieg, der den dritten F\u00fcnfjahrplan (1937-1942) vor die Aufgabe stellte, von Friedens- auf Kriegsproduktion umzustellen. Kaum waren der Krieg und die kriegsbedingte Rekonstruktionsperiode jedoch beendet, kn\u00fcpfte Stalin wieder an seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Vorkriegszeit an. In der 1952 ver\u00f6ffentlichten Schrift \u00fcber &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus&#8220;, einer Sammlung verschiedener Artikel, kritisierte er unter anderem, &#8222;dass unsere Wirtschaftler und Planer, mit wenigen Ausnahmen, die Wirkungen des Wertgesetzes schlecht kennen&#8220; und statt mit eindeutigen Ziffern mit sch\u00e4tzungsweisen Angaben, blo\u00dfen Meinungen etc. operierten. Um &#8222;die Selbstkosten der Produktion zu senken, die wirtschaftliche Rechnungsf\u00fchrung zu verwirklichen und die Rentabilit\u00e4t der Betriebe zu erzielen&#8220;, verlangte er die strikte Beachtung des Wertgesetzes in der Produktion.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Der \u00fcberwiegende Inhalt der Schrift ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Anerkennung des Wertgesetzes, f\u00fcr betriebswirtschaftliche Rentabilit\u00e4t und die Durchsetzung des Leistungsprinzips.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zu jener Zeit gef\u00fchrte Debatte \u00fcber den bevorstehenden Kommunismus wies er kategorisch zur\u00fcck. Die f\u00fcr den \u00dcbergang angegebenen Kriterien nannte er &#8222;kindisch einfach&#8220; und wies darauf hin, dass bis zum Kommunismus nicht nur die vorhandenen Eigentumsformen ge\u00e4ndert werden m\u00fcssten, sondern vor allem auch die Haltung zur Arbeit. Die Gesellschaft m\u00fcsse noch &#8222;eine Reihe von Etappen der \u00f6konomischen und kulturellen Umerziehung &#8230; durchlaufen&#8220;, bevor &#8222;die Arbeit aus einem lediglich dem Lebensunterhalt dienenden Mittel &#8230; zum ersten Lebensbed\u00fcrfnis&#8220; geworden sei und man von einer Verteilung der Konsumtionsmittel &#8222;nach der Leistung&#8220; zur Verteilung &#8222;nach den Bed\u00fcrfnissen&#8220; \u00fcbergehen k\u00f6nne.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gegen das offenbar tief verwurzelte kommunistische Wunschdenken betonte er, dass &#8222;Warenproduktion und Warenumlauf bei uns gegenw\u00e4rtig eine ebensolche Notwendigkeit (sind), wie sie es beispielsweise vor drei\u00dfig Jahren waren, als Lenin die Notwendigkeit der allseitigen Entfaltung des Warenumlaufs verk\u00fcndete.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Berufung auf die Neue \u00d6konomische Politik der 20er Jahre ein Jahr vor seinem Tod dokumentiert noch einmal<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> die von Stalin vertretene wirtschaftspolitische Grundlinie der Anerkennung des Leistungsprinzips, der Warenproduktion und des Wertgesetzes (innerhalb bestimmter Grenzen)<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die weder Kolja Wagner noch einer der anderen zahllosen Stalin-Kritiker begriffen haben<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><i> <\/i><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abgesehen von den kriegsbedingten Anforderungen hat Stalin diese Grundlinie nur ein einziges Mal durchbrochen, n\u00e4mlich anl\u00e4sslich des &#8222;Gro\u00dfen Sprungs&#8220;, um anschlie\u00dfend auf neuer Ebene wieder daran anzukn\u00fcpfen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Politische Mobilisierung und au\u00dfer\u00f6konomische Gewalt<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie die meisten f\u00fchrenden Parteimitglieder war Stalin der Auffassung, dass die Sowjetunion die &#8222;50 bis 100 Jahre&#8220;, die sie hinter den fortgeschrittenen L\u00e4ndern zur\u00fcckgeblieben sei, angesichts der internationalen Isolierung und Bedrohung in zehn Jahren durchlaufen m\u00fcsse &#8211; &#8222;oder wir werden zermalmt.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\">24<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Wie die Geschichte gezeigt hat, war diese Einsch\u00e4tzung richtig.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis zum neuen Weltkrieg hatte die Sowjetunion im Volumen der Industrieproduktion Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Frankreich \u00fcberholt und nahm den zweiten Platz hinter den USA ein. Im Zuge der beschleunigten Industrialisierung verdoppelte sich allein von 1928 bis 1932 die Zahl der Besch\u00e4ftigten in Industrie und Verwaltung von unter 13 auf mehr als 24 Millionen, um bis Anfang der 40er Jahre auf \u00fcber 30 Millionen zu steigen. Die neuen Bauern-Arbeiter, die binnen weniger Jahre die Mehrzahl der Besch\u00e4ftigten in den Fabriken und Minen stellten, waren in der K\u00fcrze der Zeit nicht ausschlie\u00dflich durch eine &#8222;normale&#8220; Tarifpolitik an die industrielle Produktionsweise zu gew\u00f6hnen. Hinzu traten politische Mobilisierung und die Anwendung au\u00dfer\u00f6konomischer Gewalt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Politisch hoch motiviert waren insbesondere die jungen Arbeiter. Sie hatten an vorderster Front zum Aufbruch in die &#8222;zweite&#8220; Revolution gedr\u00e4ngt und stellten die Sto\u00dftrupps, die durch praktisches Vorbild und Agitation die Masse der Arbeiter mitrissen. Am Beispiel der Metrobaustelle in Moskau (erste Baufolge 1931-1935) sind die Verh\u00e4ltnisse &#8222;vor Ort&#8220; anhand der Betriebsunterlagen und Parteiarchive durch eine Feldstudie von Dietmar Neutatz untersucht worden: &#8222;Zwischen Enthusiasmus und politischer Kontrolle. Die Arbeiter und das Regime am Beispiel von Metrostoj&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\">25<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Riesenbaustelle f\u00fcr die Untergrundbahn besch\u00e4ftigte zeitweise bis zu 75.000 Arbeitskr\u00e4fte, in der \u00fcbergro\u00dfen Mehrzahl ehemalige Bauern, darunter auch vertriebene Kulaken oder ihre S\u00f6hne. Unterbringung und Verpflegung waren erb\u00e4rmlich; die Arbeiter mussten in \u00fcberf\u00fcllten, bauf\u00e4lligen Baracken hausen und bekamen in den Kantinen ein Essen, das Anlass zu dauernden Beschwerden gab.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es herrschte eine unglaubliche Fluktuation der Arbeitskr\u00e4fte, die eine kontinuierliche Arbeit fast unm\u00f6glich machte. Nach den vorhandenen Daten lag die Fluktuationsrate in der Moskauer Bauwirtschaft bei 300% &#8211; was bedeutet, dass sich die Belegschaft eines Baubetriebs statistisch im Lauf eines Jahres drei Mal erneuerte. Trunkenheit, Schl\u00e4gereien, Blaumachen, offene Arbeitsverweigerung und die Sabotage von Maschinen \u2013 teils aus politischen Gr\u00fcnden, teils aber auch, um nicht arbeiten zu m\u00fcssen \u2013 waren an der Tagesordnung (dabei ist verbl\u00fcffend, dass die Todesrate beim U-Bahnbau niedriger lag als bei vergleichbaren Projekten im Westen).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Arbeitsdisziplin zu steigern, wurden mehrere tausend Mitglieder des kommunistischen Jugendverbands zur Arbeit auf der Baustelle mobilisiert. Ihr Eintreffen bewirkte einen merkbaren Umschwung. Sie rissen die \u00fcbrigen Arbeiter nicht nur durch ihr Beispiel mit, sondern f\u00fchrten auch regelm\u00e4\u00dfige Besprechungen nach Schichtende ein, um die Arbeitserfolge und die gute oder schlechte Leistung jedes einzelnen zu bewerten. &#8222;Man kann die Komsomolzen nicht undifferenziert als Enthusiasten bezeichnen, muss aber objektiv feststellen, dass ihre Ankunft auf den Baustellen einen Umschwung in bezug auf Arbeitstempo und Produktivit\u00e4t bewirkte.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\">26<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass die Hauptstadt keine Ausnahme bildete, belegen Studien \u00fcber die russische Provinz, z.B. von Gabriele Gorzka, die durch die Auswertung lokaler Quellen die Zust\u00e4nde in der Textilindustrie von Jaroslav, 280 km n\u00f6rdlich von Moskau, untersucht hat.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\">27<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die forcierte Industrialisierung zu kritisieren, schreibt Wagner unter Hinweis auf die elenden Lebensumst\u00e4nde der in die St\u00e4dte str\u00f6menden Massen: &#8222;Der Staat besa\u00df \u00fcberhaupt nicht die Ressourcen, den Hunderttausenden neuen Arbeitern Weiterbildung und kulturelle Umerziehung zu gew\u00e4hrleisten.&#8220; Wenn man diese Bemerkung ernst nimmt und nicht als weiteren Versuch betrachtet, mit beliebigen, teils einander direkt widersprechenden Argumenten die Politik der 30er Jahre zu denunzieren &#8211; was sollte der Staat nach Wagners Meinung mit den &#8222;hunderttausenden neuer Arbeiter&#8220; anstellen (in Wirklichkeit waren es Millionen), die in die St\u00e4dte str\u00f6mten? Sollte er sie auf dem Land festhalten und als Analphabeten in Ruhe lassen, weil er nicht die Ressourcen besa\u00df, um ihnen auf ordentliche, zivilisierte Weise nach westeurop\u00e4ischen Ma\u00dfst\u00e4ben im geduldigen Fortgang der Generationen Lesen, Schreiben, gesittetes Arbeitsverhalten und Kultur beizubringen (derselbe Wagner entbl\u00f6det sich nicht, an anderer Stelle das Pass-System zu kritisieren, das eine \u00dcberflutung der St\u00e4dte verhindern sollte)? Dass der Staat im Laufe einer Generation das Analphabetentum beseitigt hat, geh\u00f6rt zu den Leistungen, die selbst Gegner des Sozialismus anerkennen m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Fabriken entstanden zahllose Zirkel f\u00fcr Alphabetisierung, Kultur, Religionskritik, Theater, Technik, Naturwissenschaften, berufliche Fortbildung etc, die unter armseligen Verh\u00e4ltnissen arbeiteten, selbst\u00e4ndig organisiert von Arbeitern und Intellektuellen, die au\u00dfer ihrer Begeisterung wenig Vorbildung mitbrachten. Viele davon l\u00f6sten sich rasch wieder auf. Am erfolgreichsten waren neben Kulturzirkeln die Kurse f\u00fcr berufliche Qualifizierung.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\">28<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> So holperig und teilweise naiv auch immer die kulturelle und berufliche Entwicklung der Muschiks erfolgte &#8211; am Ende war die sowjetische Industrie in der Lage, nicht nur gen\u00fcgend Panzer zu produzieren, sondern aus den Reihen der Fabrikarbeiter auch die technikerfahrenen Besatzungen f\u00fcr diese Panzer zu stellen, die die deutschen Truppen in den kriegsentscheidenden Schlachten des 2.Weltkriegs zur\u00fcck schlugen,<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wagner schreibt zur Lage der Arbeiterschaft: &#8222;Durch Konsumdrosselung, Senkung der Reall\u00f6hne und Militarisierung der Arbeit seit Mitte der 30er Jahre wurde auch die Arbeiterklasse zur Quelle der &#8217;sozialistischen Akkumulation&#8217;\u201d. Abgesehen von der banalen Tatsache, dass jede Akkumulation \u2013 gleich ob kapitalistisch oder sozialistisch \u2013 nur das Resultat lebendiger Arbeit sein kann, ist an dem Satz so gut wie nichts richtig. Sinkende Reall\u00f6hne gab es nur am <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Anfang<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der 30er Jahre. Seit 1933\/34 bis zum Ende der 30er Jahre dagegen stiegen die L\u00f6hne wieder (und mit ihnen der Konsum), neuer Wohnraum wurde gebaut, der Rubel festigte sich und die Lebensmittelrationierung konnte aufgehoben werden. Und eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Militarisierung<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Arbeit gab es in den 30er Jahren \u00fcberhaupt nicht, sondern erst 1940 angesichts des bevorstehenden Kriegs, als die Arbeitsverh\u00e4ltnisse unter Kriegsrecht gestellt wurden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">S\u00e4tze wie der hier fast beliebig herausgegriffene finden sich in Wagners Artikel dutzendfach &#8211; eine Mischung aus Fakten und moralischer Entr\u00fcstung, fragw\u00fcrdigen Interpretationen oder falschen Angaben. In diesem Fall findet sich die Quelle seiner Entr\u00fcstung \u00fcber die Lage der Arbeiterklasse in den von ihm zitierten Ver\u00f6ffentlichungen von Markus Wehner, dem Moskau-Korrespondenten der FAZ. Um nicht der Einseitigkeit beschuldigt zu werden, lassen wir Friedrich-Christian Schr\u00f6der, einen normalen b\u00fcrgerlichen Historiker, eine Zusammenfassung von dessen Ansichten geben. Ihm zufolge wendet sich Wehner gegen die Deutung des Stalinschen Terrors &#8222;als Modernisierung oder als Sicherung der Herrschaft f\u00fcr ein schwaches Regime und sieht die Zwecke des Terrors einfach in der Vernichtung politischer Gegner, der Ausbeutung der Arbeitskraft und der Einsch\u00fcchterung der Bev\u00f6lkerung.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\">29<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Einfach die Vernichtung der Gegner, Ausbeutung der Arbeitskraft und Einsch\u00fcchterung der Bev\u00f6lkerung &#8211; ist das nicht auch die schlichte Quintessenz von Wagners Ausf\u00fchrungen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr Wagner, Wehner und alle Anh\u00e4nger einer subjektiven Geschichtsschreibung muss es ein ewiges R\u00e4tsel bleiben, wieso eine der Verarmung preisgegebene, militaristisch geknechtete und ihrer Menschenw\u00fcrde beraubte Arbeiterschaft sich ohne Gegenwehr der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung durch ein verbrecherisches Regime unterwarf \u2013 und das, obwohl gro\u00dfe Teile davon immerhin eine Revolution und einen B\u00fcrgerkrieg mitgemacht hatten und hoch politisiert waren. Die etwas kl\u00fcgere, nicht vom Antikommunismus ideologisierte b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung geht dagegen davon aus, dass &#8222;die Mehrheit in der Partei, Teile der akademischen und nichtakademischen Jugend, ein Gro\u00dfteil der Arbeiterschaft&#8220; Stalins Politik aus eigenem Interesse unterst\u00fctzten. &#8222;In ihren Augen hatte die Staatsf\u00fchrung mit ihrer Politik der forcierten Industrialisierung und Kollektivierung endlich die politische Initiative zur\u00fcckgewonnen. Sie erlebten die Jahre als Zeit der Mobilit\u00e4t, der Bewegung, des Aufstiegs: vom ungelernten Arbeiter zum Facharbeiter, vom Facharbeiter zum Angestellten. &#8218;Proletarier&#8216; drangen in die Managerposten vor, l\u00f6sten dort die alten Eliten ab; &#8218;rote Spezialisten&#8216; dr\u00e4ngten in die Hochschulen. In den Universit\u00e4ten und Akademieinstituten das gleiche Bild: militante Jugend agierte gegen ihre alten Professoren, wechselte sie aus.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\">30<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Offenkundig bedarf es erst eines Koljas Wagner, um die russischen Arbeiter im Nachhinein dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren, dass ihre Erfahrung eines besseren Lebens in den 30er Jahren reine Einbildung gewesen ist, ein Gaukelbild der Propaganda.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Gegenst\u00fcck zu den freiwilligen Produktionsschlachten und Kulturoffensiven bildete die Anwendung au\u00dfer\u00f6konomischer Gewalt. F\u00fcr Arbeitsbummelei, Zusp\u00e4tkommen, Trunkenheit am Arbeitsplatz, die Besch\u00e4digung von Maschinen etc. konnten neben der K\u00fcndigung (die angesichts der massenhaften Fluktuation kaum Wirkung hatte) strafrechtliche Sanktionen verh\u00e4ngt werden. Allerdings besagen die vorliegenden Untersuchungen, dass solche Strafen nur \u00e4u\u00dferst selten zur Anwendung kamen. Entweder wurden die Vergehen fabrikintern geregelt oder die Betroffenen tauchten in dem Strom der Arbeitskr\u00e4fte unter, der sich von Fabrik zu Fabrik w\u00e4lzte und in den ersten Jahren weitgehend der zentralen Kontrolle entzogen war, da die Betriebe in ihrem Hei\u00dfhunger nach lebendiger Arbeit nicht nach Dokumenten fragten. Erst bei Herannahen des Kriegs wurden mit der Androhung des Kriegsrechts die Strafen drastisch versch\u00e4rft und manchmal auch umgesetzt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Spitze der &#8222;Erziehung zur Arbeit&#8220; bildete die Zwangsarbeit in den Arbeitslagern, die jedoch lange Zeit sowohl dem Umfang (statt behaupteter 7-8 Millionen Insassen lassen sich nur 2 Millionen belegen) als auch der \u00f6konomischen Wirkung nach \u00fcbersch\u00e4tzt worden ist.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\">31<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alles in allem durchlief die Sowjetunion in den 30er Jahren, zusammengedr\u00e4ngt auf einen ungemein kurzen Zeitraum, analog der von Marx im KAPITAL dargestellten &#8222;urspr\u00fcnglichen Akkumulation des Kapitals&#8220; einen Prozess der &#8222;urspr\u00fcnglichen sozialistischen Akkumulation&#8220;, in dessen Verlauf die menschlichen und sachlichen Produktivkr\u00e4fte entwickelt wurden, deren Vorhandensein Marx in seiner Kritik des Gothaer Programms als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Voraussetzung<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> f\u00fcr den Eintritt in die erste Phase des Kommunismus (den sp\u00e4ter so genannten &#8222;Sozialismus&#8220;) unterstellt hatte. In der Sowjetunion waren diese Produktivkr\u00e4fte als materielle Basis bzw. Voraussetzungen des Sozialismus erst vor dem Weltkrieg bzw. \u2013 aufgrund von dessen Friktionen \u2013 erst Ende der 40er\/Anfang der 50er Jahre vorhanden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Polit\u00f6konomisch dr\u00fcckte die Verteilung der Konsumtionsmittel &#8222;nach der Leistung&#8220; dieser Phase einen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlichen<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Stempel<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> auf. Dieses &#8222;b\u00fcrgerliche&#8220; Moment musste auch nach Abschluss der urspr\u00fcnglichen Akkumulationsphase andauern, wie Marx das f\u00fcr die erste Phase des Kommunismus erl\u00e4utert hatte (Kritik des Gothaer Programms). Dem folgend sah Stalin noch mehrere Generationen vergehen, bevor die gesellschaftliche Einstellung zur Arbeit eine kommunistische Gesellschaftsordnung erm\u00f6glichen w\u00fcrde, sprich die Arbeit nach einer Formulierung von Engels &#8222;aus einer Last eine Lust&#8220; geworden war. Weil dieser Zeitpunkt noch l\u00e4ngst nicht absehbar war, wies er in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus&#8220; alle Bestrebungen zur\u00fcck, den \u00dcbergang zum Kommunismus zu organisieren, und beharrte auf der Weitergeltung des Wertgesetzes sowie der Formel &#8222;Jeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seiner Leistung&#8220;. Das hei\u00dft, er pl\u00e4dierte unter Berufung auf Marx&#8216; Ausf\u00fchrungen zur ersten Phase des Kommunismus f\u00fcr die Fortf\u00fchrung einer Wirtschaftspolitik mit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlichen <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Z\u00fcgen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\">32<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Tatsache ist deswegen hervorzuheben, weil in den 50er Jahren mit Chruschtschow an der Spitze eine andere Str\u00f6mung die Oberhand in Partei und Staat gewann. Sie sah mit dem Abschluss der urspr\u00fcnglichen sozialistischen Akkumulation <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die Voraussetzungen f\u00fcr den \u00dcbergang in die zweite Phase des Kommunismus, den eigentlichen Kommunismus, gegeben. <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Man etikettierte also die soeben erst geschaffenen Grundlagen des Sozialismus in Grundlagen des Kommunismus um. Auf dieser Basis k\u00fcndigte Chruschtschow den baldigen \u00dcbergang zur \u00dcberflussproduktion und in Verbindung damit die Verteilung der Konsumg\u00fcter &#8222;nach den Bed\u00fcrfnissen&#8220; an. Die entsprechende Politik lie\u00df er 1961 als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Parteiprogramm<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> verabschieden. Wirtschaftlich resultierte daraus eine Verschiebung der gesellschaftlichen Ressourcen aus dem Produktionsmittelsektor in die Produktion von Konsumg\u00fctern, wodurch letzten Endes der \u00f6konomischen Niedergang der Sowjetunion verursacht wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Triebkr\u00e4fte des linken Radikalismus in Russland<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seinem \u00dcberblick \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Historikerdebatte in Russland weist der bereits zitierte Joachim H\u00f6sler auf einen seiner Einsch\u00e4tzung nach wesentlichen neuen Gesichtspunkt hin, eingebracht durch einen russischen Historiker namens Cipko, der &#8222;als erster die Urspr\u00fcnge des Stalinismus in den Traditionen des russischen linken Radikalismus nachzuweisen versuchte.&#8220; Dessen Position fasst H\u00f6sler so zusammen: &#8222;Das Kernproblem der russischen Entwicklung bestehe darin, dass aufgrund der Randlage und Isolation des Landes (auch) der Marxismus einseitig, ohne Korrektiv, sozusagen in seiner extremsten, linksradikalen Form rezipiert und in das Massenbewusstsein transponiert worden sei. Schl\u00fcsselprobleme stellen f\u00fcr Cipko die seit Marx in der sozialistischen Literatur verbreitete \u00dcberzeugung von der M\u00f6glichkeit eines reinen Sozialismus ohne Warenproduktion und Marktbeziehungen (Cipko verweist auf Schriften von Trockij, Zinov&#8217;ev, Kamenev, Kautsky) und die in illegalen K\u00e4mpfen verinnerlichte Opferbereitschaft sowie der Hass auf das Bestehende und Allt\u00e4gliche (Bakunin, Tkacev, Trockij) dar.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\">33<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es ist charakteristisch, dass Cipko die Theorie von einem &#8222;reinen Sozialismus ohne Warenproduktion und Marktbeziehungen&#8220; dem &#8222;Stalinismus&#8220; zuordnet und H\u00f6sler dem nicht widerspricht, obwohl Stalin genau das Gegenteil dieser Position vertreten hat. Aber von dieser Fehlinterpretation abgesehen enth\u00e4lt die Aussage \u00fcber die St\u00e4rke des linken Radikalismus in Russland einen wichtigen Hinweis; man muss sie lediglich vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe stellen. Es waren keine Handvoll Theoretiker, die ihre aus dem B\u00fccherstudium gewonnenen linksradikalen Auffassungen in das Massenbewusstsein \u00fcbertrugen (das Manipulationsdenken der kritischen Theorie l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen), sondern umgekehrt waren es die sozialen Verh\u00e4ltnisse Russlands, die den N\u00e4hrboden f\u00fcr einen linken Radikalismus bildeten, der die Geschichte der sowjetischen Arbeitermacht durchzieht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die gesellschaftlichen Vorstellungen waren zutiefst gepr\u00e4gt durch die b\u00e4uerliche Umteilungstradition der &#8222;obscina&#8220;, der russischen Landumteilungsgemeinde, die kein Privateigentum am Boden kannte, sondern die \u00c4cker alle paar Jahre an die Dorfmitglieder neu aufteilte, entweder nach der Zahl der Esser oder nach der Zahl der Arbeitskr\u00e4fte in einer Familie. Aus diesen Verh\u00e4ltnissen zogen die &#8222;Volkst\u00fcmler&#8220; ihre St\u00e4rke, kleinb\u00fcrgerliche Sozialisten, die einen &#8222;russischen Weg&#8220; zum Sozialismus ohne Durchlaufen des Kapitalismus propagierten. Mit den Bolschewiki zusammen in der ersten Revolutionsregierung nach dem Oktober 1917, waren ihre Anh\u00e4nger den Kommunisten zahlenm\u00e4\u00dfig weit \u00fcberlegen, entsprechend dem \u00dcbergewicht der Bauernschaft \u00fcber die Arbeiter. Von dem obscina-Denken waren auch die &#8222;alten&#8220; Arbeiter der Oktoberrevolution beeinflusst. Viele von ihnen hatten nach wie vor ein Bein in ihrer d\u00f6rflichen Herkunftsgemeinde und damit das Recht auf Zuteilung eines Landst\u00fccks, von dem sie in den schweren Jahren des B\u00fcrgerkriegs Gebrauch gemacht hatten, als sie auf das Land zur\u00fcckkehrten, um in der Stadt nicht zu verhungern. Erst recht brachten die Millionenmassen der Arbeiterbauern der 30er Jahre neben ihrem vorindustriellen Arbeitsverhalten auch &#8222;gleichmacherisches&#8220;, verteilungskommunistisches Gedankengut in die St\u00e4dte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben der obscina-Tradition wirkte sich die gesellschaftliche Ausnahmesituation aus, die von der Oktoberrevolution \u00fcber die Kollektivierung und Industrialisierung bis zum Weltkrieg eine permanente Anspannung aller Kr\u00e4fte erforderte und kaum eine Atempause gew\u00e4hrte. Sie sprach besonders die Arbeiterjugend an, die einerseits die Sto\u00dftrupps der Industrialisierung stellte, andererseits anf\u00e4llig f\u00fcr Utopien und Voluntarismus war. &#8222;Es scheinen die jungen, m\u00e4nnlichen Arbeiter mit st\u00e4dtischem Hintergrund gewesen zu sein, die in besonderem Ma\u00dfe zu Militanz und kommunistischer Gesinnung neigten. Sie hatten als Halbw\u00fcchsige die Revolution und den B\u00fcrgerkrieg erlebt und sich inzwischen Erfahrung und Qualifikation angeeignet. Sie grenzten sich sowohl gegen die &#8218;alten&#8216; Arbeiter aus der &#8218;Kampfzeit&#8216; als auch gegen die Neulinge aus dem Dorf ab und betrachteten die Denkweise beider mit Skepsis. Sie bildeten die Kohorten des <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Komsomol<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, der militanten Atheisten und anderer Aktivisten. Sie trachteten, wie sp\u00e4tere Dissidenten in Erinnerung an ihre eigene Jugend formulierten, nicht in erster Linie nach &#8218;materiellen Vorteilen&#8216;, sondern versuchten, ihre <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Ideale<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zu verwirklichen.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\">34<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Noch im letzten Lebensjahr Stalins kommt dessen Sorge vor dem Radikalismus der Jugend zum Ausdruck, wenn er in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; sagt, dass die Jugend geduldig den Marxismus lernen m\u00fcsse.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\">35<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr das Regime war es ein schmaler Grat, ein Balanceakt zwischen einer leistungsorientierten Tarifpolitik f\u00fcr die breiten Massen der neuen Bauern-Arbeiter und der politischen Begeisterung der zum Kommunismus dr\u00e4ngenden Arbeiterjugend. Dabei bildeten Massenmobilisierungen und politische Kampagnen einen unverzichtbaren Katalysator, aber nicht die Grundlage der Wirtschaftspolitik.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das j\u00fcngste Beispiel f\u00fcr die g\u00e4ngigen Fehlinterpretationen liefert Robert Steigerwald in dem Aufsatz &#8222;Probleme in Stalins Politik des Aufbaus des Sozialismus&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\">36<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dort meint er wie Wagner, dass die forcierte Kollektivierung 1929\/30 der grundlegende Fehler gewesen sei, und zieht, ausgehend vom Gro\u00dfen Sprung, eine durchgehende Linie des &#8222;Voluntarismus und Subjektivismus&#8220;, die letzten Endes zum Untergang der Sowjetunion gef\u00fchrt habe. Als &#8222;bekanntestes Beispiel&#8220; dieser Linie nennt er das Kommunismusprogramm des 22.Parteitags 1961.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\">37<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Der Hinweis auf die Existenz einer &#8222;linken&#8220; Grundlinie in der Geschichte der Sowjetunion, die ihren H\u00f6hepunkt 1961 fand und von dort in den Untergang f\u00fchrte, ist richtig. Falsch ist es jedoch, den Ursprung dieses &#8222;Voluntarismus und Subjektivismus&#8220; Stalin zuzuschreiben, der im Gegenteil zeit seines Lebens ein erkl\u00e4rter Gegner einer solchen Politik war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst nach seinem Tod konnte sich in Partei und Staat eine linke, &#8222;kommunismuspolitische&#8220; Linie mit Chruschtschow an der Spitze durchsetzen, die ihren gesellschaftlichen Resonanzboden in der Arbeiterschaft der privilegierten Schwerindustrie einerseits, der Jugend andererseits fand. Die Arbeitermassen waren die Parolen des sozialistischen Wettbewerbs zur fortdauernden Leistungssteigerung leid und sehnten sich nach zwei entbehrungsreichen Jahrzehnten der Industrialisierung, des Kriegs und der Nachkriegszeit nach einem schnelleren Anstieg des Lebensstandards, der ihnen von Chruschtschow unter der Parole von der herannahenden \u00dcberflussproduktion versprochen wurde. Die neu herangewachsene Jugend dagegen brannte darauf, sich in die Produktionsschlacht zu werfen, um den \u00dcbergang zum Kommunismus zu erk\u00e4mpfen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Unter der<\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gemeinsamen Parole des Kommunismus<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> fanden beide gesellschaftlichen Kr\u00e4fte vor\u00fcbergehend zusammen: in der Industrie wurde das Leistungsprinzip zur\u00fcckgenommen und die Konsumg\u00fcterproduktion f\u00fcr die Arbeiter \u00fcber ein wirtschaftlich vertretbares Ma\u00df hinaus angekurbelt, w\u00e4hrend nebenan die kommunistische Nachkriegsjugend zu Zehntausenden loszog, um durch die Neulandgewinnung in riesenhaftem Ma\u00dfstab ein f\u00fcr allemal das Getreideproblem zu l\u00f6sen \u2013 wobei riesige Umweltsch\u00e4den angerichtet wurden und man das angestrebte Ziel verfehlte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\">38<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>6. Die Opfer der Kollektivierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst vor diesem Hintergrund lassen sich die Ereignisse im \u00dcberbau, also das Vorgehen gegen politische Gegner, einordnen. Eine Voraussetzung daf\u00fcr ist, verfolgte Kulaken, Hungertote und erschossene Kommunisten nicht in einen Topf zu werfen, darin herum zu r\u00fchren und alles als &#8222;Verbrechen der KPdSU&#8220; zu deklarieren, wie Wagner das tut, sondern die verschiedenen Phasen und betroffenen Gruppen auseinander zu halten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ersten Opfer waren die Kulaken, die als &#8222;reiche&#8220; Bauern und Dorfvorsteher eine zentrale Stellung innerhalb des Dorfs hatten. Sie wurden auf dem Boden des ZK-Beschlusses zur &#8222;Vernichtung des Kulakentums als Klasse&#8220; nach vorgegebenen Kontingenten mit ihren Familien aus den D\u00f6rfern vertrieben, um die Kollektivierung sicherzustellen. Ihr Vieh, H\u00e4user und Ger\u00e4tschaften wurden beschlagnahmt, sie selber wurden entweder in der Umgebung des bisherigen Dorfes auf schlechtere B\u00f6den umgesiedelt oder deportiert. Wer sich gewaltsam widersetzte, wurde erschossen. Die &#8222;Entkulakisierung&#8220; hatte einige hunderttausend Tote zur Folge; die meisten von ihnen starben, weil sie (z.T. im Winter) im Norden des Landes auf unvorbereitetem Land und ohne zureichende Ausr\u00fcstung ausgesetzt wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Folge der Kollektivierungskampagne kam es 1932-1934 zu einer Hungersnot, die mehrere Millionen Tote forderte und von Wagner mit den Worten kommentiert wird: &#8222;Ob der Hunger nun von der Parteif\u00fchrung bewusst als Waffe zur Unterwerfung eingesetzt wurde oder nicht, sei einmal dahingestellt.&#8220; Die Andeutung, dass die Hungersnot m\u00f6glicherweise bewusst organisiert wurde, um die widerspenstigen Muschiks zu unterwerfen, ist ebenso ignorant wie b\u00f6swillig. Andere Autoren, die auf demselben Niveau wie Wagner publizieren, sahen die Hungersnot schon gezielt gegen die ukrainische Nation gerichtet, weil die meisten Hungertoten dort zu beklagen waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">H\u00e4tte Wagner sich gr\u00fcndlicher mit der neueren Literatur vertraut gemacht, h\u00e4tte er festgestellt, dass kein seri\u00f6ser Historiker (mehr) die Behauptung von einem gezielten Einsatz des Hungers gegen wen auch immer teilt. &#8222;Soweit die Beh\u00f6rden Teile des Landes vor dem Schlimmsten retten wollten, galt ihre Sorge nicht prim\u00e4r russischen Regionen, um im Nebeneffekt den ukrainischen Eigenwillen zu brechen, sondern den St\u00e4dten, der Arbeiterschaft und der Industrie.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\">39<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Hungerkatastrophe war die ungewollte Folge einer durch die Verh\u00e4ltnisse erzwungenen Kollektivierung, deren Konsequenzen durch revolution\u00e4ren \u00dcbereifer, schlechte Ernten und beh\u00f6rdliche Inkompetenz verschlimmert wurden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wagner bemerkt weiter dazu: &#8222;Warum f\u00fchrte der angeblich so geniale Klassenpolitiker Stalin in der Ukraine und Russland die gleiche Politik durch? H\u00e4tten nicht unterschiedliche Klassenverh\u00e4ltnisse und Bauern eine unterschiedliche Politik in den beiden Sowjetrepubliken erfordert?&#8220; H\u00e4tte Wagner vor Abfassung seiner profunden Kritik nicht nur die beliebigen Ver\u00f6ffentlichungen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u00fcber<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Stalin gelesen, sondern sich die M\u00fche gemacht, einmal bei Stalin selber nachzulesen, h\u00e4tte er feststellen k\u00f6nnen, dass f\u00fcr die Kollektivierung sehr wohl unterschiedliche Zeitr\u00e4ume vorgesehen waren. In der &#8222;Antwort an die Genossen Kollektivbauern&#8220;, in der Stalin die &#8222;linken \u00dcberspitzer&#8220; der Kollektivierung attackierte, zitiert er einen Beschluss des ZK &#8222;\u00dcber das Tempo der Kollektivierung&#8220; von Januar 1930, in dem die UdSSR wegen der regionalen Unterschiede in drei Gruppen eingeteilt wurde.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\">40<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Ukraine geh\u00f6rte zur zweiten Gruppe, in der die Kollektivierung &#8222;im wesentlichen&#8220; erst im Fr\u00fchjahr 1932 abgeschlossen sein sollte, tats\u00e4chlich jedoch fr\u00fcher erfolgte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier kulminierten die Widerspr\u00fcche, weil zwei kontr\u00e4re Bewegungen aufeinander prallten. Der revolution\u00e4re Elan der Arbeiter traf in der Ukraine auf eine Bauernschaft, in welcher die Entwicklung des Privateigentums an Land weit vorangeschritten war (es gab kaum noch Landumteilungsgemeinden); deshalb war hier die Gegenwehr so heftig. In ihrer Erbitterung schlachteten die Bauern mehr Zugvieh ab und zerst\u00f6rten mehr landwirtschaftliche Ger\u00e4te als in anderen Regionen. Folglich lag der Getreideanbau in den n\u00e4chsten Jahren besonders darnieder und gab es ausgerechnet in dieser fruchtbaren Region so viele Hungertote.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner Ereiferung merkt unser Kritiker nicht, dass er selber wenige Zeilen sp\u00e4ter begr\u00fcndet, auf welche Schwierigkeiten die &#8222;unterschiedliche Politik&#8220; gegen\u00fcber den &#8222;unterschiedlichen b\u00e4uerlichen Verh\u00e4ltnissen&#8220; stie\u00df. Um die m\u00f6rderischen Folgen der Kollektivierungspolitik auszumalen, beruft er sich n\u00e4mlich auf ein geheimes Memorandum des ZK vom 2.\u00a0April 1930: &#8222;Wenn die Parteilinie weiter nicht beachtet werde, w\u00fcrde ein gro\u00dfer Teil der niederen Kader von den Bauern abgeschlachtet werden, so das ZK.&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was besagt diese Warnung? Sie besagt doch, dass die Parteif\u00fchrung ein zur\u00fcckhaltendes, differenziertes Vorgehen bei der Kollektivierung ausgegeben hatte, aber &#8222;vor Ort&#8220; sich kaum jemand daran hielt &#8211; mit m\u00f6rderischen Folgen f\u00fcr die d\u00f6rflichen Kommunisten. Bisherige Quellenstudien besagen, dass es um die Durchsetzungsf\u00e4higkeit des Staats- und Parteiapparats &#8222;ganz anders bestellt war, als das Konzept totalit\u00e4rer Herrschaft zumindest der Idee nach voraussetzte. Anstelle von Effizienz und geordneten Entscheidungsabl\u00e4ufen fanden sie Wirrwarr und Improvisationen, anstelle von wirksamer Kontrolle mangelnde Durchsetzungsf\u00e4higkeit. Angesichts dieser Befunde geriet nicht nur die Hypothese ins Wanken, Stalins Aufstieg sei auf seine Position als Generalsekret\u00e4r zur\u00fcckzuf\u00fchren. Desgleichen erwies sich die Annahme, er habe nach der Ausschaltung der innerparteilichen Opposition nach Belieben dirigieren k\u00f6nnen, als quellenfernes Konstrukt.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\">41<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man konkret untersucht, wie die Kollektivierung durchgef\u00fchrt wurde, wird die Diskrepanz zwischen der offiziellen Linie und ihrer praktischen Umsetzung auch erkl\u00e4rlich. Dann zeigt sich n\u00e4mlich, dass die Kollektivierung dem Wesen nach eine von der Arbeiterklasse getragene und von Teilen der Bauernschaft unterst\u00fctzte Revolution war, die wie jede Revolution mit revolution\u00e4ren Methoden, d.h. ohne Beachtung der Gesetzlichkeit, durchgef\u00fchrt wurde und nur in engen Grenzen von oben zu steuern war. &#8222;Welle um Welle \u00fcberschwemmten Partei- und Sowjetfunktion\u00e4re, Miliz, Brigaden von st\u00e4dtischen Industriearbeitern und Gruppen des kommunistischen Jugendverbandes (Komsomol) die D\u00f6rfer, um die Kollektivierung voranzutreiben. Dorfversammlungen hatten entsprechende Beschl\u00fcsse zu verfassen, wer sich widersetzte, galt als &#8218;Kulak&#8216; oder &#8218;Kulakenknecht&#8216;.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\">42<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Unter russischen Verh\u00e4ltnissen kaum zu kontrollierende, von einer Woge der revolution\u00e4ren Begeisterung getragene Trupps von Arbeitern und Komsomolzen zogen \u00fcber das Land, stellten den einfachen Bauern das Vieh und die Ger\u00e4te der Kulaken in Aussicht, versprachen neue Traktoren und eine gl\u00fcckliche kommunistische Zukunft.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Viele D\u00f6rfer schlossen sich freiwillig zu Kolchosen zusammen, insbesondere in den \u00e4rmeren Gebieten mit einer intakten obscina-Tradition. In den anderen D\u00f6rfern war die Zustimmung nur ein Lippenbekenntnis. Kaum waren die durchreisenden Agitatoren hier, ob ihrer raschen Erfolge &#8222;von Schwindel befallen&#8220;, ins n\u00e4chste Dorf weitergezogen, standen die &#8222;niederen Kader&#8220;, d.h. die d\u00f6rflichen Kommunisten, alleine da. Sie stammten regelm\u00e4\u00dfig aus der &#8222;Dorfarmut&#8220;, deren Angeh\u00f6rige (z.B. als Hirten) keine vollberechtigten Mitglieder der Dorfversammlung waren. Darum fielen viele Kolchosen nach Abzug der proletarischen Brigaden genau so schnell wieder auseinander, wie sie gebildet worden waren, zumal als die versprochenen Traktoren nicht geliefert wurden, und mussten die &#8222;niederen Kader&#8220; um ihr Leben f\u00fcrchten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man auf die Ereignisse direkt nach der Oktoberrevolution zur\u00fcck schaut, fallen einem die Parallelen ins Auge, welche die in der Arbeiterschaft verbreiteten \u00dcberzeugungen dokumentieren und Licht auf die Ursachen der Entwicklung werfen. Auch im Jahr 1918 waren die Arbeiter unter F\u00fchrung der Bolschewisten aufs Land gezogen, um das fehlende Getreide zu requirieren, und hatten damals trotz Hunger und Entbehrungen von der Abschaffung der Warenproduktion und der Einf\u00fchrung des Kommunismus geschw\u00e4rmt. Seinerzeit hatte sich der Zorn der Bauernschaft nicht gleich auf sie konzentriert, weil die Gutsbesitzer mit der Wiederaneignung der durch die Bauern angeeigneten L\u00e4ndereien drohten und man die Bolschewisten brauchte, weil nur sie die bewaffnete Gegenwehr durch die Rote Armee organisieren konnten. Erst als die &#8222;Wei\u00dfen&#8220; geschlagen waren, aber die Bolschewiki mit der Requirierung des Getreides fortfuhren, standen die Bauern gegen die Arbeitermacht auf und zwangen sie 1921 zum R\u00fcckzug.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\">43<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nunmehr kam es zu einer Neuauflage der Jahre 1918\/1921. Wieder zogen die Arbeiter, vom Hunger nach Getreide getrieben, aufs Land, und wieder verbanden sie ihren Marsch mit kommunistischen Ambitionen und versuchten, die Bauern in &#8222;Agrarkommunen&#8220; zu zwingen. Zwar hatten sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in der Zwischenzeit zu ihren Gunsten verschoben, aber auch diesmal h\u00e4tte sich die Arbeitermacht nicht halten k\u00f6nnen, wenn sie nicht den R\u00fcckzug auf die &#8222;Neo-N\u00d6P&#8220; und das &#8222;Artel&#8220; mit eigener Hoflandproduktion angetreten h\u00e4tte, politisch flankiert durch eine neue Verfassung, welche der werkt\u00e4tigen Bauernschaft Mitte der 30er Jahre die formale Gleichberechtigung mit der Arbeiterklasse zuerkannte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nur durch diesen R\u00fcckzug war das Ergebnis der &#8222;zweiten Revolution&#8220; trotz Millionen von Hungertoten auf dem Land und mehrerer Notjahre in den St\u00e4dten nicht der Untergang der Arbeitermacht und nicht der Zerfall der Gesellschaft, sondern ein neuer Gesellschaftsvertrag zwischen Arbeiterklasse und (Kolchos-) Bauernschaft, der so stabil war, dass er auch dem Ansturm der deutschen Wehrmacht 1941 widerstand und dem Wesen nach bis zum Untergang der Sowjetunion andauerte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>7. Die Verfolgungen im Partei- und Staatsapparat<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ganz anderen Charakter als das Geschehen bei der Kollektivierung tragen die Verfolgungen in der zweiten H\u00e4lfte der 30er Jahre, weil sie nicht Ausdruck von Klassenk\u00e4mpfen waren. Sie zerfallen in zwei unterschiedliche Str\u00e4nge: zum einen Auseinandersetzungen innerhalb des Partei- und Staatsapparats, zum zweiten Ma\u00dfnahmen gegen ehemalige Kulaken und andere, die anl\u00e4sslich des nahenden Kriegs als potentielle f\u00fcnfte Kolonne galten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Verfolgungswelle, die den Partei- und Staatsapparat traf, begann nach der Ermordung Kirows Ende 1934 und fand ihren sichtbarsten Ausdruck in den gro\u00dfen Moskauer Prozessen von August 1936, Januar 1937 und M\u00e4rz 1938. Die Ver\u00f6ffentlichungen, die hierzu in den letzten Jahren seit der (teilweisen) \u00d6ffnung der Archive erschienen sind, haben wenig zur Kl\u00e4rung beigetragen. Nicht einmal verl\u00e4ssliche Zahlen dar\u00fcber, wie viele Parteimitglieder insgesamt &#8222;ges\u00e4ubert&#8220; wurden (wobei die S\u00e4uberung vom Parteiausschluss bis zur Liquidierung reichen konnte) gibt es. Besonders schwierig ist die Aufkl\u00e4rung in diesem Fall, weil die Parteis\u00e4uberung sich zeitweise mit den Ma\u00dfnahmen gegen die &#8222;f\u00fcnfte Kolonne&#8220; \u00fcberschnitt und die Opfer kaum auseinander zu halten sind. Erst recht sind die Hintergr\u00fcnde bislang nicht aufgekl\u00e4rt. Deshalb erheben die nachfolgenden \u00dcberlegungen keinen Anspruch auf eine ersch\u00f6pfende Erkl\u00e4rung, sondern wollen darauf aufmerksam machen, dass den Vorg\u00e4ngen mehr zugrunde liegen muss als der b\u00f6sartige bzw. doktrin\u00e4r verformte Charakter Stalins.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Vorspiel zu den Ereignissen bildete ein Beschluss des Politb\u00fcros vom 12.Dezember 1933, mit dem prominente Oppositionelle sowohl der &#8222;Linken&#8220; als auch der &#8222;Rechten&#8220; wieder in die Partei aufgenommen wurden, darunter Sinowjew, Kamenew, Preobrashenski, Tomski und Rykow (Bucharin war nie aus der Partei ausgeschlossen worden). Damit konnten die Parteifl\u00fcgel sich wieder aufstellen, die sich bereits in den 20er Jahren gegen\u00fcber gestanden hatten und ohne deren Gegens\u00e4tze die Parteis\u00e4uberungen der 30er Jahre m.E. nicht zu verstehen sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus Sicht der &#8222;Linken&#8220; stellte sich die innenpolitische Lage Mitte der 30er Jahre so dar: Bis 1928 war Stalin mit Bucharin zusammen gegangen, um die NEP durchzusetzen; Stalin selber galt als Mann der &#8222;Rechten&#8220;, der die Kulaken sch\u00fctzte und als Generalsekret\u00e4r den Ausschluss der Anf\u00fchrer des linken Parteifl\u00fcgels aus der Partei organisiert hatte. 1929, als es fast schon zu sp\u00e4t war und das Land kurz vor einer Katastrophe stand, wechselte er mit einemmal die Fronten und rief zum Kampf gegen die Kulaken auf, den die Linken bereits seit Jahren gefordert hatten. Kaum war der Durchbruch zur Kollektivierung aber erfolgt, machte er auf halbem Wege kehrt, verhinderte die Einf\u00fchrung von Agrarkommunen auf dem Land und trat statt dessen f\u00fcr eine &#8222;Neo-N\u00d6P&#8220; ein, die den Bauern die Fortf\u00fchrung der Privatproduktion auf ihrem Hofland mitsamt der Abhaltung von Kolchosm\u00e4rkten in der Stadt erlaubte. Gleichzeitig sorgte er entgegen spontaner Bestrebungen in Teilen der Arbeiterschaft nach einer kommunistischen Egalisierung der L\u00f6hne f\u00fcr ein Entlohnungssystem, das die Lohnunterschiede vergr\u00f6\u00dferte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1934 machte er Bucharin zum Chefredakteur der Iswestija und beauftragte ihn anschlie\u00dfend mit der Ausarbeitung einer neuen Sowjetverfassung, die den (noch immer zur H\u00e4lfte warenproduzierenden) Bauern die staatsb\u00fcrgerliche Gleichberechtigung mit den Arbeitern versprach. Das alte NEP-B\u00fcndnis zwischen &#8222;Parteizentrum&#8220; und &#8222;Rechten&#8220; war also auf neuer Ebene wieder hergestellt und sperrte den weiteren Weg zum Kommunismus zur gleichen Zeit, zu der Teile der Partei und insbesondere der Jugend auf eine forcierte Kommunismuspolitik dr\u00e4ngten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Dezember 1934 wurde Kirow, der Leningrader Parteisekret\u00e4r, durch einen Anh\u00e4nger Sinowjews erschossen. &#8222;Trotz der Einw\u00e4nde des NKWD befahl Stalin, die &#8218;Sinowjew-Spur&#8216; wieder aufzunehmen und beschuldigte seine ehemaligen Kontrahenten &#8211; Kamenew und Sinowjew sowie deren Anh\u00e4nger &#8211; des Mordes an Kirow.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\">44<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Behauptung Chruschtschows und in seinem Gefolge Dutzender von Historikern, Stalin habe die Ermordung Kirows selber angeordnet, um einen potentiellen Rivalen zu beseitigen, ergibt politisch nicht den geringsten Sinn und war bis heute trotz aller Anstrengungen durch keinen Tatsachenbeweis zu untermauern. Fest steht allerdings, dass das NKWD (Volkskommissariat f\u00fcr innere Angelegenheiten) in das Geschehen verwickelt war, woraus (aufgrund von Chruschtschows Behauptung) geschlossen wurde, dass Stalin der Drahtzieher war. Dabei wird \u00fcbersehen, dass das NKWD weder eine monolithische Beh\u00f6rde noch erst recht das willf\u00e4hrige Werkzeug Stalins war. Es begriff sich als W\u00e4chter der Revolution und stand insbesondere in Leningrad den Linken nahe.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So gesehen, deuten die Zusammenh\u00e4nge in eine ganz andere Richtung, die auch von Stalin unterstellt wurde. Kirow war n\u00e4mlich anstelle Sinowjews <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gegen <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">die Linken auf seinen Posten in Leningrad gehoben worden, war ein Verfechter der &#8222;Neo-N\u00d6P&#8220; und galt als Statthalter Stalins.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\">45<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Bereits 2 Jahre zuvor hatte es Auseinandersetzungen im Politb\u00fcro \u00fcber die Behandlung des &#8222;Falls Rjutin&#8220; \u2013 eines &#8222;Linken&#8220; \u2013 gegeben. Dabei hatte Stalin nach einem Bericht Nikolajewskis eine harte Bestrafung gefordert; sein &#8222;st\u00e4rkstes Argument war der Hinweis auf die zunehmenden terroristischen Stimmungen unter der Jugend \u2013 einschlie\u00dflich der Komsomolzen. In den Berichten der GPU h\u00e4uften sich Mitteilungen \u00fcber derartige Gespr\u00e4che unter der Arbeiter- und der studentischen Jugend \u00fcberall im Lande. Registriert wurden nicht wenige terroristische Akte, die von Vertretern dieser Schichten gegen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig unbedeutende Repr\u00e4sentanten der Partei- und sowjetischen \u00d6ffentlichkeit ver\u00fcbt worden waren.&#8220; Stalin wies darauf hin, &#8222;dass es politisch falsch und auch unlogisch sei, die T\u00e4ter so streng zu bestrafen und gleichzeitig diejenigen zu verschonen (gemeint sind die &#8222;Linken&#8220;; HK), deren politische Propaganda die direkte Grundlage f\u00fcr derartige Praktiken gelegt h\u00e4tte&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\">46<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seinerzeit hatte Stalin sich mit seiner Forderung nach Bestrafung der &#8222;Hinterm\u00e4nner&#8220; nicht durchsetzen k\u00f6nnen, jetzt wurden die f\u00fchrenden Linken vor Gericht gestellt. Die ersten beiden Moskauer Prozesse gegen das &#8222;vereinigte trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum&#8220; fanden unter zum Teil abenteuerlichen Anklagepunkten statt; an ihrem Ende wurden die meisten Angeklagten zum Tode verurteilt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sind die Fronten bis hierher zumindest politisch nachvollziehbar, so st\u00f6\u00dft jeder Erkl\u00e4rungsversuch beim letzten Prozess auf das Problem, dass diesmal die prominenten Rechten, voran Bucharin und Rykow, als &#8222;Block der Rechten und Trotzkisten&#8220; auf der Anklagebank sa\u00dfen und hingerichtet wurden. Insbesondere dieser Fakt hat der Interpretation Vorschub geleistet, dass der rachs\u00fcchtige Stalin seine Gegner gleich welcher Couleur vernichten wollte, und das auf besonders heimt\u00fcckische Weise, denn noch anl\u00e4sslich des Revolutionsjubil\u00e4ums im November 1936 hatte er Bucharin zu sich auf die Ehrentrib\u00fcne in Moskau geholt, w\u00e4hrend dieser wenige Wochen sp\u00e4ter als Feind der Partei und des Staats verfolgt wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man nicht der Auffassung von der alles und nichts erkl\u00e4renden Machtgier Stalins anh\u00e4ngt, sondern weiterhin nach einer politischen Erkl\u00e4rung sucht, dr\u00e4ngen sich einige Fragen auf. Anl\u00e4sslich der Verfolgung Bucharins empfahl Stalin zun\u00e4chst eine blo\u00dfe Verbannung ohne Hinzuziehung des NKWD.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\">47<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Als die Bucharinfrage im Februar 1937 auf das ZK-Plenum gebracht wurde, griff er ihn zwar \u00f6ffentlich an, pl\u00e4dierte gegen\u00fcber den Forderungen nach seiner Hinrichtung aber daf\u00fcr, ihn nur aus der Partei auszuschlie\u00dfen und keinen Prozess zu veranstalten, sondern die Sache zur weiteren Aufkl\u00e4rung dem NKWD zu \u00fcberantworten, was auch mehrheitlich so beschlossen wurde. Das NKWD verhaftete Bucharin dann allerdings gleich nach dem Plenum, und ein Jahr sp\u00e4ter, im M\u00e4rz 1938, wurde er vor Gericht gestellt. Jedenfalls deuten die wenigen Indizien darauf hin, dass Stalin nicht die Vernichtung Bucharins betrieben hat.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In einer Rezension zu Wladimir Hedelers &#8222;Chronik der Moskauer Schauprozesse 1936, 1937 und 1938&#8220; (Akademie-Verlag, Berlin 2003) schreibt Helmut Altrichter, dass das gr\u00fcndlich recherchierte Buch &#8222;Material zur &#8218;Planung, Inszenierung und Wirkung&#8216; der Schauprozesse (liefert), nicht deren Entschl\u00fcsselung.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\">48<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In der Tat kann von &#8222;Entschl\u00fcsselung&#8220; keine Rede sein. Auch die hier dargelegten Zusammenh\u00e4nge haben vielleicht eine bestimmte politische Logik f\u00fcr sich &#8211; aber das ist kein Beweis.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Jenseits der politischen Differenzen hatten die S\u00e4uberungen in Partei, Staat und Wirtschaft unter der Parole &#8222;Die Kader entscheiden alles&#8220; (anstelle des bis dahin g\u00fcltigen &#8222;Die Technik entscheidet alles&#8220;), die ab 1937 im Zeichen des nahenden Kriegs standen, auch andere Hintergr\u00fcnde. In der Wirtschaft bspw. war es nicht allein auf unterer Ebene um die Arbeitsmoral schlecht bestellt, auch ein erheblicher Teil der leitenden wirtschaftlichen Kader war nur durch die Umst\u00e4nde nach oben gesp\u00fclt worden, weil es an allen Ecken und Enden an Menschen fehlte. &#8222;W\u00e4hrend der Reinigung zitterten st\u00e4ndig die Knie der Hunderttausende von B\u00fcrokraten. Beamte und Vorgesetzte, die sonst etwa um zehn Uhr morgens am Arbeitsplatz erschienen und um halb vier Uhr schon wieder gingen, die f\u00fcr alle Klagen, Schwierigkeiten und Missst\u00e4nde nur immer ein Achselzucken \u00fcbrig gehabt hatten, waren nun vom Morgengrauen bis zum Einbruch der Dunkelheit an ihren Pl\u00e4tzen. (&#8230;) Sie gaben sich ernstlich M\u00fche, dass die vorgesehenen Mengen erzeugt wurden und dass der Betrieb rentabel arbeitete; sie achteten auch auf das Wohlbefinden der dort T\u00e4tigen &#8211; etwas, was sie vorher nicht im geringsten interessiert hatte.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\">49<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Au\u00dferdem machen neuere Untersuchungen darauf aufmerksam, dass als Erbe der Vergangenheit Formen von Klientelpolitik auf dem Boden pers\u00f6nlicher Beziehungen und Abh\u00e4ngigkeiten weit verbreitet waren.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\">50<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dem entsprachen Vorw\u00fcrfe des Machtmissbrauchs, der B\u00fcrokratie und der Bildung pers\u00f6nlicher Seilschaften, mit denen viele leitende Kader attackiert wurden. An ihre Stelle r\u00fcckte eine neue F\u00fchrungsgeneration von Absolventen der neu aufgebauten Akademien und technischen Hochschulen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dem Wesen nach hatte die Parteis\u00e4uberung die Enthauptung der alten, bolschewistischen Revolutionspartei Lenins zur Folge. Von den fast 2000 Delegierten des 17.\u00a0Parteitags 1934 wurden nur noch 35 zum folgenden 18.\u00a0Parteitag 1939 gew\u00e4hlt; die Mehrheit der 139 Mitglieder und Kandidaten des ZK von 1934 \u00fcberlebte die Jahre 1937 und 1938 nicht, und von den 15 Mitgliedern des Politb\u00fcros von 1934 standen 1939 nur noch 7 zur Wiederwahl an. Als Folge der S\u00e4uberung verschwanden die bisherigen Parteifl\u00fcgel &#8211; wenngleich nicht der N\u00e4hrboden, der sie hervorgebracht hatte -, und entstand unter dem fortbestehenden Organisationsmantel der KPdSU faktisch eine neue Partei.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>8. Der &#8222;gro\u00dfe Terror&#8220; und der Krieg<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die andere und weitaus mehr Menschen erfassende Verfolgungswelle fand von Mitte 1937 bis November 1938 aus Anlass des drohenden Kriegs statt. Da sie sich zeitweise mit dem H\u00f6hepunkt der Parteis\u00e4uberung \u00fcberschnitt, f\u00e4llt es um so schwerer, beide auseinander zu halten.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Jahren zuvor hatte die sowjetische Regierung eine Politik der Vers\u00f6hnung gegen\u00fcber den ehemaligen Kulaken betrieben. 1935 und 1936 lief die im Gesetz vorgesehene Verbannungsfrist f\u00fcr Hunderttausende von Kulaken ab, die 1930 und 1931 aus ihren D\u00f6rfern ausgewiesen worden waren \u2013 mitsamt Familie ein Personenkreis von mehreren Millionen Menschen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\">51<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie erhielten jetzt ihre staatsb\u00fcrgerlichen Rechte zur\u00fcck. Zwar blieb es ihnen untersagt, in ihre alten D\u00f6rfer zur\u00fcckzukehren, um nicht die m\u00fchsam stabilisierten Kolchosen zu gef\u00e4hrden, viele taten es aber trotzdem. Sie beanspruchten ihr Eigentum zur\u00fcck, und teils gelang es ihnen sogar, ihren fr\u00fcheren Einfluss im Dorf wieder herzustellen. &#8222;Der Schatten des Kulaken fiel w\u00e4hrend der gesamten drei\u00dfiger Jahre auf das Dorf&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\">52<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ebenfalls 1935 wurden die unter f\u00fcnfj\u00e4hrigen Vorstrafen aller Kolchosbauern gel\u00f6scht, so dass Hunderttausende von den damit verbundenen rechtlichen Einschr\u00e4nkungen befreit wurden. Au\u00dferdem wurden die Aufnahmebeschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Zulassung zu Hoch- und Fachschulen aufgehoben, die sich aus der sozialen Herkunft der Studienbewerber ergaben. &#8222;Viele Fakten lassen darauf schlie\u00dfen, dass die Stalinsche F\u00fchrung in dieser Zeit tats\u00e4chlich darauf hoffte, eine &#8218;Vers\u00f6hnung&#8216; innerhalb der Gesellschaft und gewisse soziale Stabilit\u00e4t durch &#8218;Befriedung&#8216; zumindest eines Teils jener Bev\u00f6lkerungsschichten zu erreichen, die in den vergangenen Jahren Diskriminierungen und Repressalien ausgesetzt waren.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\">53<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Jetzt fand diese Politik ein Ende. 1936 war die Reichswehr in das entmilitarisierte Rheinland einmarschiert, der spanische B\u00fcrgerkrieg begann, und im September d.J. verk\u00fcndete die nationalsozialistische Staatsf\u00fchrung den deutschen Vierjahrplan, der Wirtschaft und Wehrmacht binnen vier Jahren kriegsbereit machen sollte. Der Jahresverlauf zeigte, dass Europa auf einen neuen gro\u00dfen Krieg zusteuerte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ausgangspunkt der neuen Verfolgungen war das ZK-Plenum vom Februar-M\u00e4rz 1937. &#8222;Das von der Plenartagung \u00fcberlieferte Stenogramm und einige andere Dokumente belegen, dass die Organisatoren des gro\u00dfen Terrors&#8220; neben einer &#8222;Revolution der Kader &#8230; angesichts des sich abzeichnenden Krieges die Vernichtung einer potentiellen &#8218;f\u00fcnften Kolonne'&#8220; beabsichtigten.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\">54<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die zugrunde liegende Einsch\u00e4tzung war einfach: Revolution, B\u00fcrgerkrieg und Kollektivierung &#8211; alles Ereignisse, die noch nicht lange zur\u00fcck lagen &#8211; hatten ganze Bev\u00f6lkerungsgruppen, die ihre vorherige gehobene soziale Stellung verloren hatten, zu entschiedenen Gegnern des Arbeiterstaats gemacht. Die Vers\u00f6hnungspolitik hatte nicht lange genug gedauert, um bei ihnen eine neue Loyalit\u00e4t zu erzeugen. Deshalb bestand die Gefahr, dass diese Schichten in einem k\u00fcnftigen Krieg auf die Seite des Feindes traten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insgesamt standen &#8222;drei Bev\u00f6lkerungsgruppen, die als N\u00e4hrboden einer potentiellen &#8218;f\u00fcnften Kolonne&#8216; angesehen wurden&#8220;, im Zentrum des Gro\u00dfen Terrors: ehemalige Kulaken, andere &#8222;antisowjetische Elemente&#8220; und Kriminelle.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\">55<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Unter der Bauernschaft waren in erster Linie die aus der Verbannung zur\u00fcckgekehrten Kulaken das Ziel. Daneben traf es ehemalige zaristische Beamte, Wei\u00dfgardisten, Mitglieder zerschlagener Parteien (Sozialrevolution\u00e4re, georgische Menschewiken und andere) sowie fr\u00fcher ausgeschlossene KP-Mitglieder, die aufgrund ihrer politischen Erfahrungen und Kenntnisse als besonders gef\u00e4hrlich galten. Das Politb\u00fcro legte Zahlenkontingente von Personen fest, die zu deportieren oder \u2013 im Falle einer besonders feindlichen Einstellung zur Sowjetmacht \u2013 zu erschie\u00dfen waren. Zur Umsetzung wurden \u00f6rtliche &#8222;Troikas&#8220; aus dem \u00f6rtlichen Parteisekret\u00e4r, Staatsanwalt und dem zust\u00e4ndigen NKWD-Offizier eingesetzt. Sie erhielten das Recht, Urteile einschlie\u00dflich Todesurteile zu f\u00e4llen und ohne Berufungsm\u00f6glichkeit sofort vollstrecken zu lassen. Bis zu 2,5 Millionen Verhaftungen fanden statt, von denen nach den Statistiken des NKWD 680.000 Menschen hingerichtet wurden.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\">56<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wagner ficht der bevorstehende Krieg nicht an; er erkl\u00e4rt das Argument der Kriegsvorbereitung f\u00fcr &#8222;zweifelhaft&#8220;, ohne sich der M\u00fche einer Begr\u00fcndung zu unterziehen. Dabei h\u00e4tte ein Blick in die von Chlewnjuk vorgenommene Auswertung der Beschl\u00fcsse des Politb\u00fcros gen\u00fcgt, um zweifelsfrei festzustellen, dass der entscheidende Grund f\u00fcr den &#8222;Gro\u00dfen Terror&#8220; von 1937\/38 in der Tat die Ausschaltung einer bef\u00fcrchteten &#8222;f\u00fcnften Kolonne&#8220; im Blick auf den Krieg war.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\">57<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Nach den Ma\u00dfst\u00e4ben einer entwickelten Gesellschaft waren die Methoden, die dabei zur Anwendung kamen, barbarisch, und sich heute davon zu distanzieren, ist wohlfeil. Ein begr\u00fcndetes Urteil \u00fcber die Stalin-Zeit setzt jedoch nicht nur eine Vertiefung der Forschung voraus, sondern hat auch Russland in seiner Zeit zu ber\u00fccksichtigen: ein barbarisches Riesenland, technisch und kulturell 50 bis 100 Jahre hinter den kapitalistischen L\u00e4ndern zur\u00fcckgeblieben, international isoliert innerhalb einer feindlichen Umwelt, das von der Oktoberrevolution und dem B\u00fcrgerkrieg bis zur Kollektivierung und Industrialisierung in dem gesellschaftlichen Ausnahmezustand einer Revolution in Permanenz lebte und ab 1937 zus\u00e4tzlich unter dem Druck der Kriegsvorbereitung stand.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Diskussion, die sich auf die konkreten Bedingungen der geschichtlichen Entwicklung einlassen m\u00fcsste, f\u00fchrt Wagner nicht. Er erkl\u00e4rt das erneute Vorgehen von 1937\/38 gegen ehemalige Kulaken f\u00fcr einen weiteren Beweis, &#8222;wie wenig die kollektive Agrarordnung gesichert war&#8220;. D.h., es ist f\u00fcr ihn eine direkte Folge der verfehlten Kollektivierung von 1929\/30 und unterstreicht deren verbrecherischen Grundcharakter. In diesem Bild hat die vor 1937 praktizierte Vers\u00f6hnungspolitik naturgem\u00e4\u00df keinen Platz, deshalb verschweigt er sie dem Leser gn\u00e4dig.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>9. Ein unterschiedlicher Zugang zur Geschichte<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Bem\u00fchen, seinen Gegensatz zu Karuscheit auf den Punkt zu bringen, schreibt Wagner gegen Ende seines Artikels: &#8222;Wir haben einen unterschiedlichen Zugang, Geschichte marxistisch zu bewerten und zu analysieren.&#8220; Die Bemerkung \u00fcber unsere gegens\u00e4tzliche Herangehensweise trifft in jeder Hinsicht zu, angefangen mit der von ihm favorisierten Reihenfolge von Bewertung und Analyse.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Beschr\u00e4nkung auf die Oberfl\u00e4che der Dinge f\u00fchrt ihn auf dieselbe Ebene wie die Mehrzahl der Kritiker Stalins &#8211; b\u00fcrgerliche Historiker ebenso wie Chruschtschow, der auf dem 20.\u00a0Parteitag 1956 die Opfer Stalins beklagte, aber keinen Satz \u00fcber die gesellschaftspolitischen Hintergr\u00fcnde verlor. Auch die meisten Kritiken aus trotzkistischer Richtung, als letztes die Ende der 90er Jahre erschienenen, v\u00f6llig unpolitischen B\u00fccher von Vadim Z.\u00a0Rogovin \u00fcber das &#8222;Jahr des Terrors&#8220; und &#8222;die Partei der Hingerichteten&#8220;, verfahren so. Die Gr\u00fcnde, die auf dieser Ebene f\u00fcr die Verfolgungen angegeben werden, beschr\u00e4nken sich auf Stalins Pers\u00f6nlichkeit. Einmal ist es seine Machtgier, ein andermal sein blutr\u00fcnstiger Charakter, krankhaftes Misstrauen und Verfolgungswahn, oder die Rachsucht eines mediokren B\u00fcrokraten gegen\u00fcber dem intellektuell \u00fcberlegenen Trotzki.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine spezielle Variante macht auch den Bolschewismus bzw. Marxismus als solchen verantwortlich, der in Stalin seinen bluttriefenden Vollstrecker gefunden haben soll. Bei Wagner sind doktrin\u00e4re Verformungen, bedingt durch eine jahrzehntelange T\u00e4tigkeit als Berufsrevolution\u00e4r, urs\u00e4chlich f\u00fcr Terror und Verbrechen. Wie auch immer die jeweilige Spielart aussieht \u2013 das konkrete Gesicht der Klassen und ihre Einwirkung aufeinander spielt in diesen Interpretationen so wenig eine Rolle wie die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Die Position Stalins hierzu kennt man nicht und will sie auch gar nicht zur Kenntnis nehmen, geschweige denn dass man in der objektiven Bewegung der Klassen einen Ansatzpunkt der Erkl\u00e4rung suchen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine andere Herangehensweise zeichnet die sog. &#8222;Revisionisten&#8220; aus, sozialwissenschaftlich orientierte Historiker vor allem aus den USA, die seit den 70er Jahren den Versuch unternommen haben, die um Stalin zentrierte Personengeschichtsschreibung durch sozial fundierte Forschungen zu &#8222;revidieren&#8220;.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\">58<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Leider hat die (teilweise) \u00d6ffnung der Archive bislang vor allem die traditionelle Geschichtsschreibung beg\u00fcnstigt, der sie Gelegenheit gab, die Oberfl\u00e4che der Ereignisse detaillierter darzustellen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Substantiell neue Erkenntnisse sind im letzten Jahrzehnt nicht gewonnen worden, und das hat nicht nur mit der Tatsache zu tun, dass nach wie vor nicht alle Archive frei zug\u00e4nglich sind. Neben den w\u00fcnschenswerten sozialen Analysen fehlen auch andere wichtige Untersuchungen. Die Kommunismustendenzen, die sich durch die Geschichte der Sowjetunion ziehen, bis sie 1961 unter Chruschtschow zum Kommunismusprogramm des 22.Parteitags f\u00fchrten, sind vollst\u00e4ndig unerforscht; eine brauchbare Darstellung der Parteifl\u00fcgel in den 30er Jahren existiert nicht; die Geschichte des NKWD, in dessen Aufgabenzuweisung, Organisations\u00e4nderungen und F\u00fchrungswechsel sich die entscheidenden Jahre widerspiegeln, muss noch geschrieben werden &#8211; und damit sind nur drei aus einer Liste w\u00fcnschenswerter Aufgaben genannt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei alledem ist der ausschlaggebende Ma\u00dfstab f\u00fcr den Marxismus nicht der \u00dcberbau. Trotz aller Fragen, die weiterhin der L\u00f6sung harren, muss man festhalten, dass es auf Basis der unter Stalin geschaffenen Produktionsverh\u00e4ltnisse und Produktivkr\u00e4fte m\u00f6glich war, den Sozialismus weiter aufzubauen; dabei waren auch die innen- und rechtspolitischen Zust\u00e4nde zu zivilisieren. Dagegen griff die Kommunismuspolitik des mit Chruschtschow an die Macht gelangten Parteifl\u00fcgels so in die Produktionsverh\u00e4ltnisse ein, dass der weitere Weg nach vorne abgeschnitten wurde. Auch insoweit hat Kolja Wagner recht, wenn er einen unterschiedlichen Zugang zur Geschichte konstatiert. Es ist der Unterschied, der den Marxismus von b\u00fcrgerlicher Geschichtsbetrachtung trennt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"right\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oktober 2004<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Helmut <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Altrichter<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991, Beck, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1993<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Helmut <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Altrichter<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und Heiko <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Haumann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Hrsg): Die Sowjetunion. Von der Oktoberrevolution bis zu Stalins Tod, Band 1: Staat und Partei, dtv-Dokumente, M\u00fcnchen 1986; Band 2: Wirtschaft und Gesellschaft, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1987<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oleg W. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Chlewnjuk<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Das Politb\u00fcro. Mechanismen der politischen Macht in der Sowjetunion der drei\u00dfiger Jahre, Hamburger Edition, Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1998<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Manfred <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Hildermeier<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Hrsg): Stalinismus vor dem Zweiten Weltkrieg. Neue Wege der Forschung. Oldenbourg, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1998; <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">zitiert als<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>: Hildermeier 1998 (Stalinismus)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Manfred <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Hildermeier<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates; Beck, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1998; <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">zitiert als:<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b> Hildermeier 1998 (Geschichte)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Manfred <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Hildermeier<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Die Sowjetunion 1917-1991. Oldenbourg Grundriss der Geschichte, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2001<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stefan <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Plaggenborg<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Hrsg): Stalinismus. Neue Forschungen und Konzepte, Berlin-Verlag <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1998<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Josef <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Stalin<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Werke Band 1-13, Dortmund o.J. (Raubdruck)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Josef <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Stalin<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: \u00d6konomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR; in: Probleme des wissenschaftlichen Sozialismus Band 1, Roter Druckstock, Frankfurt\/Main <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1972<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Hildermeier 1998, S.383<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Gennadi Bordjugow, Wladimir Koslow: Die Wende des Jahres 1929 und die Alternative Bucharins; in: INITIAL 1\/90, S.\u00a088<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Die Erfahrung, dass die NEP bei den Arbeitermassen unbeliebt war, bildet den rationalen, klassenm\u00e4\u00dfigen Kern der seinerzeitigen Polemiken Trotzkis gegen Stalin als Verantwortlichen f\u00fcr den russischen &#8222;Thermidor&#8220;, in denen er unterstellte, dass Stalin die NEP-Politik im Interesse des Kulakentums gegen die Arbeiterschaft durchsetzen w\u00fcrde, notfalls sogar mit milit\u00e4rischen Mitteln. Mehrere Jahre lang stand diese Position im Zentrum von Trotzkis Auseinandersetzung mit Stalin. Als sie durch die Kollektivierung und die Vernichtung des Kulakentums ad absurdum gef\u00fchrt wurde, zog Trotzki sich auf die Kritik der klassenlosen, reinen B\u00fcrokratie \u00fcbrig, deren Inkarnation jetzt wiederum Stalin war.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Hildermeier 2001, S.\u00a029<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Gennadi Bordjugow, Wladimir Koslow: Die Wende des Jahres 1929 und die Alternative Bucharins; in: INITIAL 1\/90, S.\u00a085\u00a0f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Hildermeier 1998 (Geschichte), S.\u00a0116<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Joachim H\u00f6sler, Sowjetische und russische Interpretationen des Stalinismus; in: Plaggenborg, S.\u00a061; Hervorhebung von mir; H.K.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Stalin: Die ersten Ergebnisse der Beschaffungskampagne und die weiteren Aufgaben der NEP,<br \/>\nFebruar 1928; in: SW 11, S.\u00a014<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Dietmar Neutatz: Zwischen Enthusiasmus und politischer Kontrolle. Die Arbeiter und das Regime am Beispiel von Metrostroj; in: Plaggenborg, S.\u00a0185<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Hildermeier 2001, S.116<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> SW 12, S.\u00a0168 ff, 177 ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0104<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0105<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a090<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Chlewnjuk, S.146<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> Stalin: Neue Verh\u00e4ltnisse &#8211; neue Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus. Rede auf der Beratung der Wirtschaftler, 23.Juni 1931; SW 13, S.\u00a051,\u00a052<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> Hildermeier, 1998, S.\u00a0420<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> SW 13, S.\u00a068<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0104-108<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a> Chlewnjuk, S. 145 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a> Stalin: \u00d6konomische Probleme, S.\u00a021<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> Stalin: \u00d6konomische Probleme, S.\u00a067<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> Stalin: \u00d6konomische Probleme, S.\u00a017<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a> Februar 1931, SW 13, S.\u00a036; \u00e4hnlich schon Novemberplenum des ZK 1928; SW 11, S.\u00a0220<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a> in: Plaggenborg, S.\u00a0185-208<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a> in: Plaggenborg, S.\u00a0196<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a> Krasnyi Perekop \u2013 Betriebsalltag und Arbeiterinteressen am Beispiel der Textilarbeiterschaft in Jaroslavl&#8216; in den 1930er Jahren; in: Plaggenborg, S.\u00a0209-242<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a> <span lang=\"it-IT\">Gorzka in: Plaggenborg, S.\u00a0239<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a> FAZ vom 07.11.1998<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a> Altrichter 1993, S.\u00a072<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a> Hildermeier 2001, S.\u00a044,\u00a0128, 131<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a> Stalin: \u00d6konomische Probleme, S.\u00a070\u00a0f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a> Joachim H\u00f6sler: Sowjetische und russische Interpretationen des Stalinismus; in: Plaggenborg, S.53<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a> Hildermeier 1998, S.\u00a0419<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a> Stalin: \u00d6konomische Probleme, S.\u00a010\/11<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a> Marxistische Bl\u00e4tter 6-03, November\/Dezember 2003<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a> MBl 6-03, S.94<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a> ausf\u00fchrlicher hierzu AzD 67: Proletariat und Sozialismus in der Sowjetunion<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a> Hildermeier 1998, S.401<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a> SW 12, S.\u00a0182<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a> Hildermeier 2001, S.\u00a0121 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a> Altrichter 1993, S. 70<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a> Alfred Schr\u00f6der: Der russische Oktober &#8211; die Geburtsstunde der kommunistischen Bewegung; in: AzD 67<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a> Chlewnjuk, S.191<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a> vgl. Chlewnjuk, S.162-182<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a> zitiert nach: Chlewnjuk, S.\u00a0109\u00a0f; Chlewnjuk zweifelt die Authentizit\u00e4t des Berichts von Nikolajewski an, aus dem Zusammenhang ergibt sich zumindest, dass der Bericht von einem Kenner der internen Verh\u00e4ltnisse stammen muss<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a> Hildermeier 1998, S.458<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a> FAZ vom 18.12.2003<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a> John Scott: &#8222;Jenseits des Ural&#8220;; Erinnerungen eines Amerikaners, der von 1932 bis 1937 in Magnitogorsk arbeitete; in: Altrichter\/Haumann 1987, S.\u00a0430<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a> <span lang=\"en-GB\">vgl. Sheila Fitzpatrick: &#8222;Intelligentsia and Power. Client-Patron Relations in Stalin&#8217;s Russia&#8220;; in: Hildermeier 1998 (Stalinismus), S.\u00a035<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a> <span lang=\"en-GB\">Chlewnjuk, S.203<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a> <span lang=\"en-GB\">Sheila Fitzpatrick nach: Chlewnjuk, S.261\u00a0f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a> <span lang=\"en-GB\">Chlewnjuk, S.\u00a0209<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0250<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0270<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a> Hildermeier 2001, S.\u00a043<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a> Chlewnjuk, S.\u00a0256\u00a0\u2013\u00a0259<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a> \u00dcberblick s.\u00a0Hildermeier 2001, Plaggenborg, S.\u00a020-26<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Antwort auf Wagners Kritik an Stalin Heiner Karuscheit Vorbemerkung Der grundlegende Ansatz unseres Kreises zur Kl\u00e4rung geschichtlicher Fragen bestand bislang darin, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zu untersuchen, um auf dieser Basis die Klassen, ihr konkretes Gesicht, ihre Entwicklung und ihr Aufeinanderwirken \u2013 mit einem Wort: die Klassenkr\u00e4fte \u2013 zu begreifen, die ein bestimmtes politisches Verhalten &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1875\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Klassen und die Grenzen der Macht.<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1875","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1875"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1875\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1956,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1875\/revisions\/1956"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}