{"id":181,"date":"2016-09-11T12:39:46","date_gmt":"2016-09-11T10:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=181"},"modified":"2016-09-12T06:28:10","modified_gmt":"2016-09-12T04:28:10","slug":"3-krieg-auf-dem-balkan-und-in-afrika","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=181","title":{"rendered":"3. Krieg auf dem Balkan und in Afrika"},"content":{"rendered":"<h3>Das deutsche Eingreifen &#8211; Kampf um Kolonien?<\/h3>\n<p>Nach der Macht\u00fcbertragung auf Hitler schien es zun\u00e4chst so, als setzten die Nazis in der Kolonialpolitik den traditionellen Revanchismus fort. Hitler, keinesfalls Protagonist dieser Politik, forderte hin und wieder die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien. 1933 sagte er: &#8222;Was unsere \u00dcberseekolonien anbetrifft, so haben wir koloniale Bestrebungen keineswegs aufgegeben (&#8230;)&#8220; [279] Am 7.3.1936 forderte der &#8222;F\u00fchrer&#8220; erstmals in einer offiziellen Erkl\u00e4rung die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien. [280] In diesem Jahr machte die deutsche Presse die koloniale Frage zum Dauerthema. Hitler betonte dabei, da\u00df es sich nur um eine friedliche R\u00fcckgabe handeln k\u00f6nne. [281]<\/p>\n<p>Im Sommer 1936 schickte Hitler Hjalmar Schacht nach Paris, um \u00fcber die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien zu verhandeln. Schacht berichtete nach dem Krieg von diesen Verhandlungen: &#8222;Bevor jedoch eine pr\u00e4zisere Antwort einlief, wurde alles zunichte gemacht, weil Hitler durch seinen Eingriff in die spanische B\u00fcrgerkriegs &#8211; Aff\u00e4re die Beziehung zu beiden Westm\u00e4chten auf das Ung\u00fcnstigste beeinflu\u00dfte. Ein schon angesagter Besuch des deutschen Au\u00dfenministers von Neurath in London wurde wieder abgesagt, und meine aussichtsreich begonnenen Besprechungen fanden keine Fortsetzung.&#8220; [282]<\/p>\n<p>Noch im &#8222;Friedensangebot&#8220; an England vom 6. Oktober 1939 bot Hitler an, das Empire nicht anzutasten, verlangte aber auch die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien. [283] Frankreich und England zeigten sich im Rahmen der Appeasementpolitik sogar zu einigen kolonialen Zugest\u00e4ndnissen bereit. Doch Hitler hatte schlie\u00dflich ganz andere Ziele. So hielten damalige Staatsm\u00e4nner im Nachhinein Hitlers koloniale Revisionsforderungen f\u00fcr Ablenkung. Francois Poncet meinte, da\u00df die kolonialen Forderungen &#8222;nur ein T\u00e4uschungsman\u00f6ver Hitlers waren, der blo\u00df auf einen g\u00fcnstigen Augenblick wartete, um Hand an \u00d6sterreich und die Tschechoslowakei zu legen.&#8220; [284] Im gleichen Tenor sch\u00e4tzte ihn der britische Premier Chamberlain ein: &#8222;Die koloniale Agitation diente Hitler (&#8230;) nur noch als Ablenkungsman\u00f6ver, um seine wahren Absichten zu verbergen.&#8220; [285]<\/p>\n<p>Den Flottenbau (Z-Plan) lie\u00df Hitler im September 1939, also kurz vor der anstehenden Auseinandersetzung im Westen, einstellen. Er wurde erst sp\u00e4ter wieder aufgenommen. Diese Tatsache spricht daf\u00fcr, da\u00df der &#8222;F\u00fchrer&#8220; der nationalsozialistischen Bewegung seine Programmatik nicht ge\u00e4ndert hatte. Bei der Besetzung Frankreichs zeigte Deutschland, wie schon erw\u00e4hnt, keinerlei koloniale Interessen. Es ist also anzunehmen, da\u00df Hitler die Forderung nach der R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien nur als taktisches Mittel gegen seine Gegner einsetzte.<\/p>\n<p>Das deutsche Eingreifen in den Krieg in Afrika hatte andere Ursachen. Hier wurde der &#8222;Stahlpakt&#8220; mit Italien zum Verh\u00e4ngnis f\u00fcr die deutsche Ostexpansion. Italien versuchte seit dem Machtantritt der Faschisten, ein &#8222;gro\u00dfr\u00f6misches Imperium&#8220; zu schaffen und kn\u00fcpfte dabei an klassische imperialistische Kolonialpolitik an. 1935 begann Italien mit der Aggression gegen Abessinien den kolonialen Eroberungsfeldzug in Afrika. Den Eroberungskrieg f\u00fchrte Italien gegen Libyen und \u00c4gypten weiter. Gro\u00dfbritannien startete im Dezember 1939 den Gegenangriff zur Rettung des Empire. Der Krieg in Afrika war somit ein klassischer Kampf zweier Kolonialm\u00e4chte um Einflu\u00dfsph\u00e4ren. Die italienische Armee verlor in Afrika eine Schlacht nach der anderen gegen die Briten und mu\u00dfte sich immer mehr zur\u00fcckziehen. Zus\u00e4tzlich lieferten sich Italien und Gro\u00dfbritannien um Griechenland, das zum Einflu\u00dfgebiet des Empire geh\u00f6rte, harte Gefechte, auch hier drohte die faschistische Kriegspolitik im Fiasko zu enden.<\/p>\n<p>Ab Februar 1940 versuchte das deutsche &#8222;Afrika- Korps&#8220;, Italien vor einer katastrophalen Niederlage zu retten und griff in den Kolonialkrieg ein. Die Nazis sahen sich gezwungen, dem italienischen Kolonialismus Sch\u00fctzenhilfe zu leisten, da ein Sieg Englands den Alliierten einen weiteren Zugang zum europ\u00e4ischen Festland \u00fcber das Mittelmeer verschafft h\u00e4tte. Dem Autor sind keine Dokumente bekannt, die belegen w\u00fcrden, da\u00df Hitler in Afrika koloniale Ziele verfolgte. Der deutsche Eingriff konnte die Niederlage der &#8222;Achse&#8220; in Afrika nur verz\u00f6gern, aber nicht abwenden. Die deutschen Truppen mu\u00dften am 13. Mai 1943 kapitulieren. &#8222;Die westlichen Alliierten errangen g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr eine Landung auf Sizilien und der Apenninhalbinsel.&#8220; [286]<\/p>\n<h3>Krieg auf dem Balkan<\/h3>\n<p>Schon seit Jahrhunderten k\u00e4mpften die Gro\u00dfm\u00e4chte um politischen und \u00f6konomischen Einflu\u00df auf dem Balkan. Mit der Macht\u00fcbernahme der NSDAP versuchten die Regierung und deutsche Konzerne den Balkan als \u00f6konomische Einflu\u00dfsph\u00e4re zur\u00fcckzugewinnen. Mit Hjalmar Schachts &#8222;Neuem Plan&#8220; sollten die Balkanstaaten zum billigen Agrarlieferanten und Absatzmarkt f\u00fcr Deutschland werden. Man tauschte Maschinen gegen Agrarprodukte und konnte so Devisen sparen. Einige Staaten gerieten schon vor der deutschen Aggression in gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Als erstes Land versuchte Italien, Albanien und Griechenland milit\u00e4risch zu unterwerfen. Beide L\u00e4nder wurden von den Faschisten als nat\u00fcrliche Einflu\u00dfsph\u00e4re des &#8222;r\u00f6mischen&#8220; Imperiums angesehen. Im Oktober 1940 \u00fcberfiel die italienische Armee das kleine Albanien. Wenig sp\u00e4ter erfolgte die italienische Intervention in Griechenland. Auch hier fand das italienische Kriegsgl\u00fcck ein schnelles Ende. Die griechische Armee leistete mit politischer und milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung Gro\u00dfbritanniens erfolgreichen Widerstand. Am 16. M\u00e4rz brach dadurch die italienische Offensive endg\u00fcltig zusammen.<\/p>\n<p>Die deutsche Regierung griff in den Krieg ein. Am 6.April gab Hitler den Befehl f\u00fcr den Angriff. Deutsche Truppen sollten mit Hilfe von Bulgarien und Rum\u00e4nien Griechenland besetzen, um den Krieg auf dem Balkan zu beenden. Hitler \u00e4u\u00dferte damals: &#8222;Ich sehe wohl, da\u00df der italienische Beistand gleich Null ist, aber die strategische Lage Italiens ist zu wichtig, als da\u00df ich zugestehen k\u00f6nnte, da\u00df das Land aus diesem Krieg vollkommen zusammengebrochen hervorginge.&#8220; [287] Kurz danach trafen sich Hitler und Mussolini in der N\u00e4he von Salzburg. Hitler lehnte zu diesem Zeitpunkt noch das Entsenden deutscher Panzerdivisionen nach Afrika ab und schlug Mussolini vor, zusammen mit Jugoslawien Griechenland zu besetzen. [288] Zu diesem Zeitpunkt war das k\u00f6nigliche Jugoslawien Mitglied des &#8222;Dreim\u00e4chtepaktes&#8220; und somit wichtiger Verb\u00fcndeter. Am 27. M\u00e4rz machte ein Offiziersputsch in Jugoslawien Hitler einen Strich durch die Rechnung. Die neue Regierung trat aus dem Dreim\u00e4chtepakt aus und schlo\u00df wenig sp\u00e4ter einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion, der allerdings keine milit\u00e4rischen Verpflichtungen enthielt. Noch am 27. M\u00e4rz unterzeichnete Hitler die Weisung Nr. 25, die festlegte, da\u00df Jugoslawien &#8222;so rasch wie m\u00f6glich zerschlagen werden&#8220; m\u00fcsse. [289]<\/p>\n<p>Am 6. April 1941 folgte der deutsch-italienische Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. In Belgrad veranstaltete die deutsche Luftwaffe einen gnadenlosen Bombenterror gegen die Bev\u00f6lkerung. Ziel des deutschen Angriffs war die Sicherung der S\u00fcdflanke f\u00fcr den &#8222;Ru\u00dflandfeldzug&#8220;. &#8222;Im Grunde war Hitler durchaus nicht kampfeslustig. Er zog widerwillig in die Balkanarena, in die er sich wegen des t\u00f6richten Angriffs Mussolinis auf die Griechen begeben mu\u00dfte, denen die Achse nicht das geringste vorzuwerfen hatte. Die Truppen, die die Donau \u00fcberschritten, waren eigentlich dazu bestimmt, die Ukraine zu besetzen, und nur \u00e4u\u00dferst unwillig befahl ihnen Hitler nun diesen Umweg \u00fcber das \u00c4g\u00e4ische Meer.&#8220; [290] Durch das Eingreifen in Jugoslawien mu\u00dften die Nazis den \u00dcberfall auf die Sowjetunion um 4 Wochen verschieben. [291] Hitler h\u00e4tte lieber ein in den Antikomintern-Pakt eingebundenes Jugoslawien gesehen, als an immer mehr Fronten k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Doch jetzt, wo die Achse den Balkan unterworfen hatte, erfolgte eine systematische wirtschaftliche Ausbeutung durch Deutschland. Rohstoffe wie das rum\u00e4nische \u00d6l wurden unentbehrlich, um den Krieg weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Nach dem Sieg der Wehrmacht auf dem Balkan standen die Siegesaussichten f\u00fcr einen Krieg im Mittelmeer gut. Trotzdem bereiteten die Nazis Deutschland auf den alles entscheidenden Krieg gegen die Sowjetunion vor. &#8222;Unmittelbar nach dem Kreta-Unternehmen wurde der Hauptteil der deutschen Luftstreitkr\u00e4fte vom Mittelmeer in die Ausgangsstellungen f\u00fcr den Ru\u00dfland- Feldzug verlegt.&#8220; [292], berichtete Admiral Friedrich Runge. Wieder entschied sich Hitler gegen einen antibritischen Kolonialkrieg.<\/p>\n<p>Der Krieg im Westen, auf dem Balkan und in Afrika stellte nur scheinbar eine Abweichung vom nationalsozialistischen Programm dar. Deutschland hatte die volle Verantwortung f\u00fcr diese Kriege. In allen L\u00e4ndern ver\u00fcbte Deutschland grausame Kriegsverbrechen, versuchte das Judentum zu vernichten und beutete die besetzen L\u00e4nder wirtschaftlich aus.<\/p>\n<p>Den Krieg im Westen nahmen die Nazis billigend in Kauf. Er bildete aber in der nationalsozialistischen Strategie nur die zweite Variante. Sie entschieden sich erst f\u00fcr den Krieg, als die erste Variante, das B\u00fcndnis mit dem Empire zur R\u00fcckendeckung f\u00fcr den Vernichtungskrieg im Osten, gescheitert war. Neben dem eisernen englischen Willen, Deutschland nicht die Herrschaft \u00fcber Europa zu \u00fcberlassen, rief das milit\u00e4rische Debakel des italienischen Faschismus Deutschland auf die Schlachtfelder in Afrika und auf dem Balkan. Das deutsche Eingreifen schadete und verz\u00f6gerte die Vorbereitung des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220;. Die Nazis mu\u00dften aber aus der Logik ihres Programms eingreifen, da ein auf Grund des italienischen Zusammenbruchs vorr\u00fcckendes England alle bis dahin errungenen Erfolge in Frage gestellt und den Krieg gegen die Sowjetunion auf den Sanktnimmerleinstag vertagt h\u00e4tte. Zum einen war das B\u00fcndnis mit Italien dem deutschen Faschismus zum Verh\u00e4ngnis geworden, zum anderen hatte sich das Empire nicht programmgem\u00e4\u00df verhalten. Trotzdem starteten die Nazis nun den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=189&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das deutsche Eingreifen &#8211; Kampf um Kolonien? Nach der Macht\u00fcbertragung auf Hitler schien es zun\u00e4chst so, als setzten die Nazis in der Kolonialpolitik den traditionellen Revanchismus fort. Hitler, keinesfalls Protagonist dieser Politik, forderte hin und wieder die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien. 1933 sagte er: &#8222;Was unsere \u00dcberseekolonien anbetrifft, so haben wir koloniale Bestrebungen keineswegs aufgegeben &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=181\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">3. 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