{"id":1800,"date":"2020-03-26T10:57:52","date_gmt":"2020-03-26T09:57:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1800"},"modified":"2020-03-26T15:29:24","modified_gmt":"2020-03-26T14:29:24","slug":"parallelwelten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1800","title":{"rendered":"Parallelwelten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000; font-size: 18pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Zur Replik des Genossen Kuczynski<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><em>Alfred Schr\u00f6der<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der letzten Nummer der AzD (Nr. 90) habe ich mich im dritten Teil der \u201eKritischen R\u00fcckschau\u201c<\/span><\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/span><\/span><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit einigen Positionen des Genossen Kuczynski aus seinem Artikel \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution?\u201c<\/span><\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/span><\/span><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> auseinandergesetzt. Darauf hat der Genosse in dieser Nummer geantwortet. Dies ist zu begr\u00fc\u00dfen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Paragraph 5 \u2013 Zum ersten<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk32240555\"><\/a><a name=\"_Hlk33357124\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was kritisiert der Genosse <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kuczynski an meinem Artikel? Er beginnt seine <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Replik \u201emit einem genaueren Blick auf Lenins <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Rede \u00fcber die Bodenfrage<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. (\u2026 ) Die mehrfach in sich verschachtelte Rede (ist) nicht ganz einfach zu lesen. Wer aber ihre Interpretation durch andere kritisiert, sollte sie zuvor sorgf\u00e4ltig studiert haben. Das hat Genosse Schr\u00f6der offenbar nicht getan, denn er reduziert das Dekret auf die Ziffern (1) bis (4) und ordnet die Ziffer (5) dem W\u00e4hlerauftrag zu.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Kritik ist formal berechtigt. Der Paragraph 5 ist in den Lenin-Werken (Bd. 26) \u2013 obwohl von den ersten vier Paragraphen durch den Abdruck des W\u00e4hlerauftrags r\u00e4umlich getrennt \u2013 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bestandteil des Dekrets<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und nicht des W\u00e4hlerauftrags. Dies zeigt, wie sinnvoll eine \u00f6ffentliche Diskussion unterschiedlicher Positionen, wie n\u00fctzlich die \u00dcberwindung der von mir kritisierten \u201emangelnden Konfliktf\u00e4higkeit der Linken\u201c (siehe AzD 90, S. 9) sein kann. Die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung erm\u00f6glicht, solche M\u00e4ngel aufzudecken und zu korrigieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk32240908\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber was hatte ich genau zu diesem Punkt geschrieben? Genosse <span style=\"color: #000000;\">Kuczynski \u201e<\/span>vermutete, in \u201aPunkt 5 des Dekrets\u2018 die \u201aAchillesferse der Revolution\u2018 entdeckt zu haben. Ignorieren wir die begriffliche Ungenauigkeit (es handelt es sich um den Punkt 5 des <i>W\u00e4hlerauftrags<\/i>),\u201c &#8211; so formulierte ich in meinem Artikel \u2013 \u201ehat Kuczynski ironischerweise mit dem Punkt 5 genau jene Bestimmung des W\u00e4hlerauftrags gefunden, die von der b\u00e4uerlichen Revolution weitestgehend ignoriert wurde.\u201c (AzD S. 29) Wie der Leser leicht erkennen kann, <b>war nicht die Zuordnung des Paragraphen die eigentliche Kritik an seiner Position<\/b> (\u201eIgnorieren wir die begriffliche Ungenauigkeit\u201c \u2013 die in diesem Fall bei mir lag), <span style=\"color: #000000;\">vielmehr ging es um die Frage <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>der Bedeutung des Paragraphen 5 <\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\">f\u00fcr den weiteren Verlauf der russischen Revolution.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk34050655\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">F\u00fcr die Argumentation des Genossen Kuczynski stellte dieser Paragraph die <\/span>\u201eAchillesferse der Revolution\u201c dar. Meine Kritik an seiner Position bestand darin, <span style=\"color: #000000;\">dass i<\/span>n den von der Obs\u0306c\u0306ina gepr\u00e4gten b\u00e4uerlichen Regionen Russlands, in denen die Mehrheit der russischen Bauernschaft lebte, dieser Paragraph durchg\u00e4ngig ignoriert und das Land wie das Inventar der Privateigent\u00fcmer von der Dorfgemeinde zwecks Nutzung durch die Umteilungsgemeinde (Obs\u0306c\u0306ina) \u201ekonfisziert\u201c wurde. \u201eSo l\u00f6ste sich in der tats\u00e4chlichen Bauernrevolution die von Thomas Kuczynski entwickelte Theorie von einer \u201eAchillesferse der Revolution\u201c mit dem Rauch der abgebrannten Bauernh\u00f6fe der Privateigent\u00fcmer im wahren Sinne des Wortes \u201ain Luft auf\u2018.\u201c (AzD, S. 30)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Welche Position bezieht der <span style=\"color: #000000;\">Genosse Kuczynski zu dieser f\u00fcr seine eigene Argumentation so zentralen These (\u201eAchillesferse der Revolution\u201c), welche Position bezieht er zu der <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>eigentlichen Kritik<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"> an seinen Ausf\u00fchrungen? Ihm reicht es festzustellen, dass in den Lenin-Werken der Paragraph 5 zum Dekret und nicht zum W\u00e4hlerauftrag geh\u00f6rt. Die politische und gesellschaftliche Relevanz dieses Paragraphen innerhalb der russischen Agrarrevolution ist nicht sein Thema. Das ist \u201eSchriftexegese\u201c ohne Erkenntnisgewinn.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der \u201egenauere Blick\u201c &#8211; Methodisches<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich beginne meine Replik auf Alfred Schr\u00f6ders Kritik an meiner Rede \u2026 mit einem genaueren Blick auf Lenins <i>Rede \u00fcber die Bodenfrage<\/i>\u201c, so mein Kritiker. Sein \u201egenauerer Blick\u201c \u2013 wie eingangs zitiert &#8211; reduziert sich auf eine detaillierte Darstellung der Gliederung von Rede, Dekret und W\u00e4hlerauftrag in den Lenin Werken Bd. 26.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk32671475\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Genosse Kuczynski war keineswegs der einzige, dem mein Zuordnungsfehler aufgefallen war. Ein Genosse aus Bayern schrieb dazu: \u201egerade da, wo Du dem Kuczynski Ungenauigkeit vorwirfst, wirst Du selber ungenau: der von Kuczynski zitierte Satz \u201aDer Boden der einfachen Bauern und einfachen Kosaken unterliegt nicht der Konfiskation.\u2018 (LW 26, S.252) geh\u00f6rt zum Textbereich des Dekrets, wie er richtig sagt. \u2026 Es macht (aber) keinen Sinn, den 4 Dekretpunkten an dieser Stelle diesen Satz als 5. hinzuzuf\u00fcgen.\u201c Und hier beginnt der Unterschied zwischen dem AzD-Leser und dem Genossen Kuczynski. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Leser versucht, sich Klarheit zu diesem Problem zu verschaffen, indem er die Lenin-Rede und das Agrardekret im historischen Kontext des Sowjetkongresses \u00fcberpr\u00fcft. Sein erstes Ergebnis: \u201eTrotzki erw\u00e4hnt, im Schlussteil seiner Geschichte der Oktoberrevolution, ein sonderbares Textproblem: \u201aDer Dekretentwurf ist nicht vervielf\u00e4ltigt zum Verteilen: der Redner h\u00e4lt in den H\u00e4nden das einzige Exemplar in Rohfassung, und es ist, nach Suchanows Erinnerungen,<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> &#8217;so schlecht niedergeschrieben, dass Lenin beim Lesen stolpert, sich nicht zurechtfindet, und schlie\u00dflich abbricht. Jemand aus der auf der Trib\u00fcne zusammengedr\u00e4ngten Menge kommt ihm zu Hilfe. Lenin \u00fcberl\u00e4sst diesem willig den Platz und das unleserliche Papier&#8216;.&#8220;<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Entsprechend dem Hinweis (daf\u00fcr danke!) habe ich die Stellen bei Suchanow und Trotzki nachgelesen (siehe Zitatquellen in den entsprechenden Fu\u00dfnoten) und fand sie zutreffend. Ich m\u00f6chte sie noch um zwei weitere Stellen erg\u00e4nzen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Suchanow erg\u00e4nzt seine Ausf\u00fchrungen einige Zeilen sp\u00e4ter durch den Satz: \u201eEs ist sehr merkw\u00fcrdig, dass \u00fcber das \u201aDekret \u00fcber den Boden\u2018 keine Debatte er\u00f6ffnet wurde.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Keiner erkannte damals offenkundig die Relevanz des Punkt 5. Was Suchanow als Publizisten und Theoretiker erstaunt (die mangelnde Debatte), erkl\u00e4rt der Politiker Trotzki einleuchtend: \u201eDer Kern des Dekrets ist in den zwei Zeilen des ersten Punktes enthalten: \u201aDas gutsherrliche Eigentumsrecht an Grund und Boden wird mit sofortiger Wirkung ohne jede Entsch\u00e4digung aufgehoben.\u2018 Das gesamte Dekret z\u00e4hlt keine drei Dutzend Zeilen: es durchhaut den gordischen Knoten mit dem Beil. Dem Haupttext ist eine umfangreichere Instruktion angeschlossen, die restlos den Bauernforderungen entlehnt ist.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Diesen Kern haben die Soldaten und Bauern klar erkannt und er bedurfte keiner weiteren Diskussion. Der Paragraph 5 wird weder bei Trotzki (der das Dekret \u00fcber 2,5 Seiten vorstellt und kommentiert) noch bei Suchanow noch von den Sozialrevolution\u00e4ren erw\u00e4hnt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Werfen wir zus\u00e4tzlich einen Blick in die Dokumentensammlung zur russischen Revolution bei dtv. In dieser Sammlung hat das Agrardekret nur vier Paragraphen, einen Paragraph 5 gibt es dort nicht. Dort lautet der letzte Satz des W\u00e4hlerauftrags: \u201eDer Landbesitz der gemeinen Kosaken und Bauern wird nicht konfisziert.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Und dies, obwohl sich die LW wie die dtv-Dokumente auf dieselbe Quelle (Istwestija) beziehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Abschlie\u00dfend zu diesem Thema noch ein Hinweis. Robert Service \u201eenth\u00fcllt\u201c in seiner Lenin-Biographie, dass Lenin gar nicht der Verfasser des Agrardekrets gewesen sei. \u201eAus Verdruss \u00fcber Lenins Saumseligkeit bei der Erarbeitung des Dekrets hatte das Zentralkomitee Vladimir Miljutin, den f\u00fchrenden bolschewistischen \u00d6konomen nach Lenin und frisch bestellten Volkskommissar f\u00fcr die Landwirtschaft, gebeten, sich mit Juri Larin zusammenzusetzen und das Dekret zu konzipieren.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Lenin habe den Text nur \u00fcbernommen, sozusagen die Endredaktion gemacht und die Forderungen des b\u00e4uerlichen W\u00e4hlerauftrags hinzugef\u00fcgt, so Herr Service vom St. Antony\u2019s College in Oxford.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Dies alles ist f\u00fcr die akademische Forschung durchaus von Interesse. Welche Zuordnung der besagte Paragraph 5 auf den \u201eZetteln\u201c in Lenins H\u00e4nden hatte, ob die Iswestija ZJK Nr. 209, die als Textquelle des Dekretes in den LW ebenso wie in den dtv-Dokumenten angegeben wird, dieselben richtig geordnet hatte, ob der Text \u00fcberhaupt von Lenin formuliert wurde, dar\u00fcber kann man \u2013 wie die Beispiele oben zeigen \u2013 durchaus streiten. Zu neuen Erkenntnissen \u00fcber den Verlauf der Agrarrevolution in Russland gelangt man auf diesem Weg nicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk33959675\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Warum habe ich obige Quellen trotz ihrer politischen Irrelevanz angef\u00fchrt? An diesem Beispiel kann anschaulich illustriert werden, mit welch unterschiedlichen Methoden man an ein Problem herantreten kann, oder, wie Kuczynski es formuliert, wie man einen \u201egenaueren Blick\u201c auf eine Fragestellung wirft. Kuczynskis \u201egenauerer Blick\u201c reduziert sich auf einen <\/span><span style=\"color: #000000;\"><i>erneuten<\/i><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Blick in die \u201eSchrift\u201c. Der AzD-Leser pr\u00fcfte die \u201eSchrift\u201c in ihrem historischen Kontext (Sowjetkongress) und verglich den Text mit anderen Quellen zu diesem Thema. W\u00e4hrend Kuczynski mit seiner Herangehensweise nicht einen Schritt \u00fcber die \u201eSchriftexegese\u201c hinausgelangte, f\u00fchrt die andere Methode unweigerlich zu einer Reihe neuer Fragen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\"><b>Der Vorwurf<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Kuczynski erhebt in seiner \u201eReplik\u201c den Vorwurf, ich h\u00e4tte mich mit der von ihm aufgedeckten \u201eAchillesferse der Revolution\u201c unzureichend auseinandergesetzt. \u201eWas sie aber (gemeint sind die Ergebnisse der neueren Forschungen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, auf die ich in meinem Artikel verwiesen hatte; A.S.) mit der von mir diskutierten Frage zu tun haben, dass sich die dekretierte \u00dcbereignung des Gemeindelandes an die Bauern als die \u201aAchillesferse der Revolution\u2018 herausgestellt habe, erschlie\u00dft sich mir nicht, vor allem deshalb nicht, weil beim Genossen Schr\u00f6der jegliche konkrete Auseinandersetzung mit dieser Charakterisierung fehlt.\u201c Soweit mein Kritiker in seiner Replik.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass bei mir jegliche konkrete Auseinandersetzung mit <span style=\"color: #000000;\">Kuczynski<\/span>s Charakterisierung fehlt, ist wenig verwunderlich. Ich habe versucht, die <b>tats\u00e4chliche<\/b> Agrarrevolution in den Obs\u0306c\u0306ina-Regionen darzustellen und nicht eine vom Genossen Kuczynski unterstellte, nirgendwo in den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen belegte \u201eEnteignung des Gemeindelandes\u201c oder Umwandlung des \u201eGemeineigentums in Privateigentum\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/sup> zum Thema gew\u00e4hlt. Es w\u00e4re die Aufgabe meines Kritikers nachzuweisen, wo die von ihm unterstellten Entwicklungen stattgefunden haben.<\/span><\/span><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wo und wann in der russischen Revolution soll die vom Genossen Kuczynski behauptete Entwicklung, in der \u201edas Gemeineigentum in Privateigentum verwandelt (wurde)\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/sup> geschehen sein? Er kann nicht eine Region benennen, er kann nicht einen Beleg, weder aus marxistischen noch aus b\u00fcrgerlichen Ver\u00f6ffentlichungen zur russischen Revolution, f\u00fcr die obige Entwicklung anf\u00fchren. Vielmehr d\u00fcrfte es so sein, dass der Genosse eine von Marx ge\u00e4u\u00dferte Hypothese (MEW Bd. 35, S. 166) der tats\u00e4chlichen russischen Bauernrevolution \u00fcberst\u00fclpt.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wo und wann geschah \u201edie dekretierte \u00dcbereignung des Gemeindelandes an die Bauern\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/sup>? Privat<b>besitzer<\/b> des zugeteilten Gemeindelandes waren die Obs\u0306c\u0306ina-Bauern schon vor der siegreichen russischen Revolution, ebenso wie nach derselben. Ge\u00e4ndert, n\u00e4mlich vergr\u00f6\u00dfert, hat sich die zur Landverteilung zur Verf\u00fcgung stehende Landmenge, die die Bauern unter sich aufteilen konnten, sowie der Wegfall von Pacht und Zinszahlungen. Privat<b>eigent\u00fcmer<\/b> des Landes wurden die einzelnen Obs\u0306c\u0306ina-Bauern dadurch nicht.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Alle dieser Ereignisse haben <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>nicht<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"> in der russischen Revolution von 1917-1918 stattgefunden. Sie sind Chim\u00e4ren einer Parallelwelt, die Kuczynski aus einem spekulativen Marx-Zitat<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> und einer fehlerhaften Interpretation des Landdekrets konstruiert hat. Was in Wirklichkeit geschehen ist, kann in jedem halbwegs seri\u00f6sen Geschichtsbuch bzw. (mit weitergehenden politischen Schlussfolgerungen) in der AzD-Nr. 90 nachgelesen werden: \u201eIm Kern hatten also die Bauern gesiegt \u2013 nicht jene, die besonders im Westen und im S\u00fcden auf dem Weg waren, kapitalistische Farmer zu werden<\/span><span style=\"color: #000000;\"><i>, <\/i><\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>sondern jene drei F\u00fcnftel der russischen Bauernschaft, die an der Umteilungsgemeinde festhielten<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"><i>.<\/i><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Die G\u00fcter der Adeligen und des Zarenhauses wurden aufgeteilt. Auch viele Bauern, die nach der Stolypinschen Reformen die Gemeinden verlassen hatten, wurden zur\u00fcckgeholt. Nur im Westen und Norden blieb Einzelbesitz im gr\u00f6\u00dferen Umfang erhalten.\u201c (Hervorhebung von mir, A.S.)<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"> Wo l\u00e4ge der Erkenntnisgewinn, sich mit den Chim\u00e4ren der Parallelwelt auseinanderzusetzen, wenn die politische Interpretation der wirklichen Revolution schon schwierig genug ist, wie in der letzten AzD gezeigt wurde?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\"><b>Nochmals Paragraph 5<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">In seiner Replik auf meinen Artikel geht Genosse Kuczynski noch einmal auf die Bedeutung seiner Entdeckung des fatalen Paragraphen 5 ein: <\/span>\u201eZiffer (5) des Dekrets lautet: \u201aDer Boden der einfachen Bauern und einfachen Kosaken unterliegt nicht der Konfiskation.\u2018 Sie steht damit in diametralem Gegensatz zu Punkt (1) des W\u00e4hlerauftrags: \u201aDas Privateigentum an Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben&#8230; Der gesamte Boden&#8230; wird entsch\u00e4digungslos enteignet&#8230;\u2018, wobei die Formulierung \u201eder gesamte Boden\u201c genau spezifiziert und darunter auch \u201adas Gemeinde- und Bauernland\u2018 genannt wird. Genau diese im W\u00e4hlerauftrag formulierte entsch\u00e4digungslose Enteignung (Konfiskation) des Bauernlandes ist im Dekret ausdr\u00fccklich ausgeschlossen. Nichts anderes hatte ich in meinem Aufsatz festgestellt (S. 136\/37).\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Neben dem Genossen Kuczynski ist dem bei b\u00fcrgerlichen Historikern so beliebten Robert Service in seiner Lenin-Biographie ebenso diese \u201eUnstimmigkeit\u201c aufgefallen. \u201eDas Dekret ermangelte auch der rechtlichen Koh\u00e4renz. \u2026 Auch die Terminologie war vage. So war festgelegt, dass der Grundbesitz von \u201aeinfachen Bauern\u2018 nicht angetastet werden sollte. Wer diese einfachen Bauern waren, wurde jedoch nicht gesagt. Und gleichzeitig wurde verf\u00fcgt, das Privateigentum an Grund und Boden, also vermutlich auch der Grundbesitz von Bauern, solle f\u00fcr alle Zeiten abgeschafft werden. Doch juristische Feinheiten interessierten Lenin nicht. Er wollte, dass das Dekret einen \u201ademonstrativen\u2018 Effekt hatte und den Fortgang der Revolution f\u00f6rderte.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Zumindest mit dem letzten Satz liegt R. Service richtig. Das Agrardekret diente dazu, die b\u00e4uerliche Agrarrevolution zu befeuern und vermied deshalb jegliche genauere Definition zur Landverteilung. Dies sollte die Bauernschaft selbst regeln. Weshalb dann dieser Satz \u201ed<\/span>er Boden der einfachen Bauern und einfachen Kosaken unterliegt nicht der Konfiskation\u201c<span style=\"color: #000000;\"> bzw. die mangelnde \u201ejuristische Feinheit\u201c des Dekrets, die Service entdeckt hat? Der Ursprung dieser Widerspr\u00fcchlichkeit liegt in der Differenziertheit der Agrarverh\u00e4ltnisse des zaristischen Russlands, die Nolte im obigen Zitat kurz angerissen hatte, die bezeichnenderweise weder von Service noch von Kuczynski erw\u00e4hnt werden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">In meinem Text (AzD 90) hatte ich ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen, dass es \u201e<\/span>irref\u00fchrend\u201c sei \u201evon <i>der<\/i> \u201arussischen Bauernschaft\u2018 zu sprechen, da sie sowohl geographisch als auch sozial sehr unterschiedlich gepr\u00e4gt war. \u2026 1905 verf\u00fcgten in den 46 Provinzen des europ\u00e4ischen Teils von Russland 8,68 Millionen Haushalte \u00fcber Land, das formell der kommunalen Neuaufteilung unterstand, w\u00e4hrend 2,3 Millionen \u00fcber Landbesitz auf erblicher Basis verf\u00fcgten (das also vom Vater auf den Sohn \u00fcberging). \u2026 Diese unterschiedlichen Eigentumsverh\u00e4ltnisse sind dazu regional deutlich geschieden. Die Ukraine, das Baltikum, teilweise Sibirien und verschiedene kosakische Siedlungsgebiete sind Regionen mit Privateigentum am Boden. Hier nimmt die Revolution einen anderen Verlauf als in den Gebieten der Umteilungsgemeinde.\u201c (AzD 90, S. 14) In dem Artikel wird dann im Folgenden kurz die Geschichte der Obs\u0306c\u0306ina-Bauernschaft entwickelt, da sie die Mehrheit der russischen Bauernschaft ausmachte. Zum Verlauf der Agrarrevolution in den oben angef\u00fchrten, nicht von der Obs\u0306c\u0306ina gepr\u00e4gten Regionen treffe ich keine Aussagen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>In den Gebieten der Dorfgemeinde hatte der den Genossen <\/b><span style=\"color: #000000;\"><b>Kuczynski so beunruhigende Satz (Paragraph 5) keine ernstzunehmende Bedeutung.<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"> So schreibt Altrichter: \u201eDas meiste Land kam vom Adel (63 %), viel aber auch von den gr\u00f6\u00dferen Einzelbauern (19%), die im letzten Jahrzehnt vor der Revolution aus dem Dorfverband ausgeschieden waren und Boden hinzugekauft hatten.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/span><\/sup> <span style=\"color: #000000;\"><b>Die Dorfgemeinde holte sich dieses Land mit der Revolution zur\u00fcck<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\">, wie in meinem Artikel dargestellt und von der b\u00fcrgerlichen Forschung belegt wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Was aber geschah in jenen Regionen, die nicht von der Dorfgemeinschaft gepr\u00e4gt waren? Auf diese Regionen d\u00fcrfte der letzte Satz des Dekrets oder W\u00e4hlerauftrags abzielen, da in ihm die Kosaken ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt werden. Und f\u00fcr diese Regionen macht der Satz aus einem sehr einfachen Grund Sinn. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>Es gab in diesen Regionen keine gesellschaftliche Kraft, die das Land des privatwirtschaftenden b\u00e4uerlichen Eigent\u00fcmers \u201ekonfiszieren\u201c und neu aufteilen konnte oder wollte<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>.<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Selbst gegen\u00fcber dem Gro\u00dfgrundbesitz tritt hier die b\u00e4uerliche Revolution sehr \u201ezur\u00fcckhaltend\u201c auf, um es vorsichtig zu umschreiben. \u201eIn den Randgebieten des Reiches \u2026 wurde die Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes erst in den 20er Jahren nachgeholt.\u201c<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Um diese regional durchaus umf\u00e4nglichen Regionen (<\/span>die Ukraine, das Baltikum, teilweise Sibirien und verschiedene kosakische Siedlungsgebiete) nicht direkt gegen die proletarische Minorit\u00e4tenrevolution aufzubringen (wie es dann ab dem Sommer 1918 geschieht), wird ihnen ihr Besitz durch das Dekret zugesichert. Lenin selbst formuliert dies relativ deutlich im Schlussteil seiner Rede zum Agrardekret: \u201eDeshalb sind wir gegen jede Ab\u00e4nderung dieses Gesetzentwurfes, <i>wir wollen keine Detaillierung, weil wir ein Dekret und kein Aktionsprogramm schreiben<\/i>. Russland ist gro\u00df, und die \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnisse sind mannigfaltig. Wir glauben, dass die Bauernschaft selbst es besser verstehen wird, die Frage richtig, so wie es notwendig ist, zu l\u00f6sen.\u201c (AzD, S. 24)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u201ediametrale Gegensatz\u201c zwischen Punkt (1) des W\u00e4hlerauftrags und Ziffer (5) des Dekrets, der dem Genossen Kuczynski so Probleme bereitet, war ein Produkt der gesellschaftlichen Realit\u00e4t der russischen Agrarverh\u00e4ltnisse (obs\u0306c\u0306ina versus Einzelbauern), zwischen Land<b>besitzern<\/b> (vermittelt durch die Dorfgemeinde) und Land<b>eigent\u00fcmern<\/b>, zwischen den zentralrussischen Rayons und den Randgebieten. Die Untersuchung der Agrarrevolution in den Randgebieten ist eine eigenst\u00e4ndige Aufgabe und war nicht Thema meines Artikels. F\u00fcr das Jahr 1917, f\u00fcr den Oktoberumsturz und f\u00fcr die b\u00e4uerliche Agrarrevolution, besa\u00dfen diese Regionen keine ernsthafte Bedeutung. Diese gewannen sie erst als St\u00fctzpunkte der Konterrevolution ab Mitte 1918.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die \u201eeigene Scholle\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk33975072\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders missverstanden f\u00fchlt sich der Genosse durch meine Darstellung seiner Position zur Entwicklung des Kapitalismus in der russischen Landwirtschaft. So schreibt er in seiner Replik: \u201eGenosse Schr\u00f6der meint, ich h\u00e4tte der Aussage Plechanovs zugestimmt, dass \u201adie wirtschaftliche T\u00e4tigkeit der Bauern&#8230; nicht auf den Sozialismus, sondern auf den Kapitalismus gerichtet sein\u2018 werde (S. 20). Das glatte Gegenteil ist der Fall, denn ich zitiere (und kommentiere) an dieser Stelle zwar Plechanov, stelle aber im unmittelbar darauf folgenden Absatz v\u00f6llig unmissverst\u00e4ndlich fest: \u201aDie gro\u00dfe Masse der Bauern war nach der entsch\u00e4digungslosen Enteignung de Gemeindelandes weder am Erhalt des Kapitalismus noch am Aufbau des Sozialismus interessiert, sondern an ihrer eignen Scholle und an ihrem eignen Wohlergehen\u2018 (S. 138). Schon deshalb ist sein Vorwurf, ich w\u00fcrde \u201adie Aufrichtung des Kapitalismus&#8230; als unvermeidliche, gesetzm\u00e4\u00dfige Entwicklung unterstellen\u2018 (S. 20), ganz und gar unbegr\u00fcndet\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Plechanow wie Lenin gingen davon aus, dass die russischen Bauern zwar subjektiv Gegner des Kapitalismus in der Landwirtschaft waren, dass aber die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der \u00f6konomischen Entwicklung unvermeidlich zur Aufl\u00f6sung der Dorfgemeinde und Durchsetzung eines freien, kapitalistisch wirtschaftendenden \u201eFarmertums\u201c (wie Lenin es nannte) f\u00fchren w\u00fcrde. Diese Auffassung teilt auch Kuczynski \u2013 anders kann ich den roten Faden seiner Darstellung auf Seite 138 vom Plechanov-Zitat \u00fcber die \u201eeigene Scholle\u201c bis hin zur Bestrafung durch die \u201eZwangskollektivierung\u201c nicht lesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings str\u00e4ubt er sich gegen diese Feststellung: er h\u00e4tte sich von Plechanov \u201ev\u00f6llig unmissverst\u00e4ndlich\u201c abgegrenzt, indem er formulierte \u201edie gro\u00dfe Masse der Bauern war \u2026 an ihrer eignen Scholle und an ihrem eignen Wohlergehen (interessiert).\u201c Das nenne ich weder eine \u201eunmissverst\u00e4ndliche\u201c Abgrenzung, noch ist es \u00fcberhaupt ein Argument. An ihrem eignen Wohlergehen waren die Bauern sicherlich zu allen Zeiten interessiert, aber eine Abgrenzung zu der von Lenin und Plechanov unterstellten Tendenz der \u00f6konomischen Entwicklung ist die zitierte Passage nicht.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/sup> Kuczynski fl\u00fcchtet vor den \u00f6konomischen Kategorien in die Sprache der deutschen Heimatdichtung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk33975611\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der russische obs\u0306c\u0306ina-Bauer kannte weder vor noch nach der Agrarrevolution 1917 eine \u201eeigene Scholle\u201c.<\/b> Sein Ackerland wurde ihm alle drei, sechs, neun oder zw\u00f6lf Jahre neu von der Dorfgemeinde zugeteilt. Die \u201eeigene Scholle\u201c war somit alle paar Jahre eine andere. Die aus der deutschen Heimatdichtung entlehnte Begrifflichkeit von der \u201eeigenen Scholle\u201c spiegelt die Interessen einer anderen, n\u00e4mlich der westeurop\u00e4ischen Bauernschaft wider, die f\u00fcr das <b>uneingeschr\u00e4nkte Privateigentum am Boden<\/b>, gegen feudale Vorrechte und Abgaben gek\u00e4mpft hatte. Der russische obs\u0306c\u0306ina-Bauer k\u00e4mpfte f\u00fcr das <b>Verbot des Privateigentums am Boden, f\u00fcr die Ausdehnung des Gemeindelandes auf Kosten der Privateigent\u00fcmer<\/b>.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Kuczynskis sich in seiner \u201eReplik\u201c beklagt, falsch zitiert oder falsch verstanden worden zu sein, hat eine einfache Ursache: Er besitzt keine ernsthaften Kenntnisse der russischen Agrarrevolution und h\u00fctet sich deshalb, auch nur in einer Frage des Verlaufs und der sozial\u00f6konomischen Inhalte der russischen Revolution eine konkrete Position zu beziehen. Daf\u00fcr aber besitzt er eine \u00fcberbordende Phantasie, was in Russland h\u00e4tte geschehen k\u00f6nnen, wenn man auf Marx geh\u00f6rt und Lenin und Plechanov dies nicht v\u00f6llig anders gesehen h\u00e4tten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/sup> Sich damit n\u00e4her auseinanderzusetzen bringt keinen Erkenntnisgewinn.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Geschichtliches <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk33883194\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner Replik schreibt der Genosse, dass f\u00fcr die ad\u00e4quate Auseinandersetzung mit seiner Theorie von der \u201eAchillesferse der Revolution\u201c eine Auseinandersetzung nicht mit der \u201eGeschichte der russischen Dorfgemeinschaft\u201c, sondern mit der \u201eGeschichte der sowjetischen Landwirtschaft\u201c n\u00f6tig gewesen w\u00e4re: \u201eDa w\u00e4re allerdings nicht ein Blick in die Geschichte der russischen Dorfgemeinde vonn\u00f6ten gewesen, sondern einer in die Geschichte der sowjetischen Landwirtschaft, und der fehlt eben leider auch\u201c, so Kuczynski ziemlich am Ende seiner Replik. Dass dies in dem Artikel <b>nicht <\/b>das Thema war, d\u00fcrfte sowohl ihm als auch den Lesern klar sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Blick in die Geschichte der russischen Dorfgemeinde war allerdings unerl\u00e4sslich, da nicht nur der Genosse Kuczynski, sondern bedeutende Teile der Linken, die Marxsche Position aus dem Sassulitsch-Brief zur Grundlage ihrer Vorstellungen zum Verlauf der russischen Geschichte und Revolution gemacht haben. Es war daher unvermeidbar, die Marxsche Position historisch einzuordnen (damaliger Stand der Forschung) und ihre Untauglichkeit f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der russischen Verh\u00e4ltnisse herauszuarbeiten. Dass der Genosse sich damit nicht gerne n\u00e4her auseinandersetzen m\u00f6chte, ist verst\u00e4ndlich, bildet doch das Marx-Zitat aus dem Brief die Quelle, aus der er seine oben dargestellte Parallelwelt entwickelt hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht besser steht es bei ihm mit dem Thema \u201esowjetische Landwirtschaft\u201c. Auch hier fabuliert er im \u201eluftleeren Raum\u201c, ohne Tatsachen oder Belege und diesmal sogar ohne Zitate von Marx oder Lenin. \u201eAuf einem unzerst\u00f6rten und durch die Enteignung der gro\u00dfen Privateigent\u00fcmer gewaltig angewachsenen Gemeindeland eine technisch moderne und \u00f6konomisch effektive Gro\u00dfraumwirtschaft aufzubauen, w\u00e4re im r\u00fcckst\u00e4ndigen Russland der 1920 Jahre \u2026 gewiss ein schwieriges Unterfangen gewesen, aber kein aussichtsloses Unternehmen.\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/sup> Unser Kritiker scheint sich mit der Geschichte der \u201esowjetischen Landwirtschaft\u201c genauso intensiv besch\u00e4ftigt zu haben, wie mit der Geschichte der russischen Dorfgemeinde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier gilt es, die Bolschewiki vor unzutreffender Kritik in Schutz zu nehmen. In der wirklichen Geschichte haben die russischen Kommunisten mit Nachdruck versucht, solche Betriebe zu schaffen. Lutz H\u00e4fner spricht f\u00fcr Ende 1918 von \u00fcber 3.100 Staatswirtschaften allein im europ\u00e4ischen Teil Russlands. \u201eAuf der Grundlage statistischer Angaben aus 32 Gouvernements kam das Volkskommissariat f\u00fcr Landwirtschaft zu dem Ergebnis, dass nach der Landverteilung \u2026 2,9 % der B\u00f6den von Kollektiven, 11,9 % vom Staat \u2026 genutzt wurden.\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/sup> Damit w\u00e4ren \u00fcber 14 Prozent der Bodenfl\u00e4che in kollektive oder staatliche Produktion \u00fcbergegangen. Altrichter schreibt dazu: \u201eIn den Revolutions- und B\u00fcrgerkriegsjahren hatte der Staat die Gr\u00fcndung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften lautstark propagiert und vorbehaltlos gef\u00f6rdert. \u2026 Und dass die \u201aOrganisation einer sozialistischen Gro\u00dflandwirtschaft\u2018 \u2026 das Ziel der bolschewistischen Agrarpolitik war, hatte das im M\u00e4rz 1919 verabschiedete Parteiprogramm noch einmal mit Nachdruck best\u00e4tigt.\u201c<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/sup> Weitere Zitate anzuf\u00fchren will ich mir ersparen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der wirklichen Welt der russischen Revolution hat man das \u201eschwierige Unterfangen\u201c mit gro\u00dfem Elan angegangen. Warum es letztlich nicht zu den gew\u00fcnschten Ergebnissen gef\u00fchrt hat, ist ein anderes Thema.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/sup> Sicherlich lag es aber nicht an der von Kuczynski unterstellten mangelnden Erkenntnis der Notwendigkeit einer sozialistischen Gro\u00dflandwirtschaft oder der mangelnden Bereitschaft der Bolschewiki, sie aufzurichten. Der Genosse konstruiert sich auch hier eine Parallelwelt, in der er Rezepte f\u00fcr eine erfolgreiche Agrarpolitik ausstellen kann, ohne den tats\u00e4chlichen Verlauf der sowjetischen Landwirtschaft n\u00e4her untersucht zu haben. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Einige Hinweise zum Schluss<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da mir nur eine begrenzte Zeichenzahl f\u00fcr die Antwort von der Redaktion vorgegeben ist und die Behandlung des Paragraphen 5 trotz seiner f\u00fcr die russische Revolution weitgehend irrelevanten Bedeutung bereits unangemessen viel Platz erhalten hat, hier zum Schluss noch einige Bemerkungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um welche Fragen ging es in meinem Artikel?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im ersten Teil des Artikels wurde das <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Marxismusverst\u00e4ndnis der Linken in Deutschland kritisiert<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Zwei Positionen standen dabei im Zentrum der Kritik. Zum einen die Geschichtsherleitung aus der stalinschen Formationstheorie, die f\u00fcr den osteurop\u00e4isch gepr\u00e4gten Marxismus typisch war, und zum anderen die speziell in Deutschland verbreitete Richtung, die durch eine Neuinterpretation der Schriften von Marx, Engels und Lenin einen neuen Zugang zur russischen Geschichte und Revolution gewinnen wollte und (wie Kuczynski belegt) noch immer will.<\/span><\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"color: #000000;\">Wurde in meinem Artikel <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>die Position von Marx, Engels und Lenin zur Geschichte und Gestalt der russischen Dorfgemeinde hinterfragt.<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\"> Die b\u00fcrgerliche Wissenschaft ist <\/span>heute in der Lage, eine komplett andere Geschichte der russischen Dorfgemeinde zu pr\u00e4sentieren, als wir sie in den Schriften von Marx und Lenin finden k\u00f6nnen. \u201eBei dieser Faktenlage ist es zweifelsfrei eine originelle Idee, das Scheitern des Sozialismus in der Sowjetunion aus den Abweichungen Lenins von der Marxschen Interpretation erkl\u00e4ren zu wollen\u201c (AzD S.\u00a018), wie der Genosse <span style=\"color: #000000;\">Kuczynski es in seinem Artikel versucht hat.<\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/span><\/sup><\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">War die Herausarbeitung des <b>Doppelcharakters des russischen Oktobers<\/b>, als proletarischer Minorit\u00e4tenrevolution in den St\u00e4dten und einer eigenst\u00e4ndigen, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten b\u00e4uerlichen Revolution in gro\u00dfen Teilen Russlands, Thema des Artikels. <\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Man kann den russischen Oktober nicht gegen die b\u00fcrgerliche und kleinb\u00fcrgerliche Kritik verteidigen, ohne grunds\u00e4tzlich mit der stalinschen Interpretation<\/b> (Kurzer Lehrgang) <b>des Revolutionsjahres 1917 zu brechen.<\/b><i> <\/i>Die Form des geplanten und bewusst herbeigef\u00fchrten Umsturzes ist inzwischen zu deutlich belegt. Weshalb diese Form nicht nur m\u00f6glich, sondern auch notwendig war, ist nur verst\u00e4ndlich, wenn die Ereignisgeschichte des Jahres 1917 vollst\u00e4ndig anders begriffen wird als es der \u201eKurze Lehrgang\u201c vorgibt.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies waren die wesentlichen Aussagen meines Artikels. Und sie enthalten ausreichend Sprengstoff f\u00fcr eine ernsthafte Diskussion. Welche Position bezieht der Genosse <span style=\"color: #000000;\">Kuczynski zu diesen Ausf\u00fchrungen? <\/span><span style=\"color: #000000;\"><b>Gar keine<\/b><\/span><span style=\"color: #000000;\">, u<\/span><span style=\"color: #000000;\">nd das, obwohl diese Aussagen allesamt in Abgrenzung zu seiner Ver\u00f6ffentlichung entwickelt wurden. Er beklagt mit einem larmoyanten Unterton, falsch zitiert <\/span>und vielleicht sogar absichtlich falsch verstanden worden zu sein. <b>Zu den wesentlichen inhaltlichen Fragen \u2013 siehe die vier genannten Punkte \u2013 kein Wort von ihm<\/b><span style=\"color: #000000;\">.<\/span> Eine Kritik, die sich nicht zum eigentlichen Thema \u00e4u\u00dfert, die die zentralen Positionen der Auseinandersetzung vollst\u00e4ndig umgeht, das ist ein Gepl\u00e4nkel ohne substantiellen Inhalt. Das ist keine ernsthafte Diskussion.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> AzD, Nr. 90, Hundert Jahre russische Revolution, Kritische R\u00fcckschau auf weitere Publikationen (Teil 3), S. 5-42<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Abgedruckt in der Zeitschrift \u201eBerliner Debatte Initial\u201c Nr. 28, S. 133-141. Der Text hat seinen Ursprung in einem Vortrag des Genossen in der \u201eHellen Panke\u201c in Berlin vom 17. Oktober 2017.<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> N.N. Suchanow: 1917-Tagebuch der russischen Revolution, M\u00fcnchen 1967, S. 686<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> L. Trotzki: Geschichte der russischen Revolution, Berlin 1960, S. 741<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> N.N. Suchanow, ebenda<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> L. Trotzki, ebenda<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eDie russische Revolution 1917\u201c, dtv-Dokumente, M\u00fcnchen 1964, S. 318<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Robert Service: Lenin, M\u00fcnchen 2002, S. 41<\/span><\/span><br \/>\n<a name=\"_Hlk33884918\"><\/a> <a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, S. 139<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, S. 139<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, Replik in dieser Nummer<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ein Marx-Zitat (Sassulitsch-Brief), das auf einer nachgewiesen fehlerhaften Auffassung von der Geschichte der russischen Dorfgemeinschaft fu\u00dft. Auch dazu kein Wort in <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kuczynskis Replik.<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hans Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Russlands, Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Bonn 2006, S. 186<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Robert Service: Lenin, M\u00fcnchen 2002, S. 414<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Helmut Altrichter: Staat und Revolution in Sowjetrussland, Darmstadt 1981, S. 82<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter, S. 83<\/span><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><span style=\"font-size: medium;\"> Dass sowohl Lenin wie Plechanov die der kapitalistischen Entwicklung entgegenwirkenden Tendenzen der Umteilungsgemeinde vernachl\u00e4ssigten, dass sie die Zersetzung der Dorfgemeinde \u00fcbersch\u00e4tzten und zu politisch fehlerhaften Schlussfolgerungen gelangten, war ein Thema meines Artikels in der AzD 90.<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, S. 139<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, S. 139<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Lutz H\u00e4fner: Die Partei der Linken Sozialrevolution\u00e4re, K\u00f6ln 1994, S. 317<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter: Die Bauern von Tver, S. 175<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Wer sich weitergehend f\u00fcr die Ursachen des Scheiterns interessiert, sei auf unser Buch \u201eVon der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus\u201c (VTK-Verlag 1993, S. 123-291) sowie einen Artikel des Genossen Karuscheit in der AzD Nr. 67 (M\u00e4rz 1999), verwiesen. Im Netz unter: <\/span><\/span><span style=\"color: #0563c1;\"><u><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1687\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1687<\/span><\/span><\/a><\/u><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eIch m\u00f6chte vielmehr zu der Frage zur\u00fcckkehren, in der es einen klaren Dissens gibt zwischen der 1882 von Marx und Engels formulierten Sicht und der unter Lenin praktizierten Politik.\u201c (Kuczynski, S.\u00a0136)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Replik des Genossen Kuczynski Alfred Schr\u00f6der In der letzten Nummer der AzD (Nr. 90) habe ich mich im dritten Teil der \u201eKritischen R\u00fcckschau\u201c1 mit einigen Positionen des Genossen Kuczynski aus seinem Artikel \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution?\u201c2 auseinandergesetzt. Darauf hat der Genosse in dieser Nummer geantwortet. Dies ist zu begr\u00fc\u00dfen. Der Paragraph 5 \u2013 &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1800\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Parallelwelten<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1800","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1800","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1800"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1828,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1800\/revisions\/1828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}