{"id":1764,"date":"2020-03-26T11:29:49","date_gmt":"2020-03-26T10:29:49","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1764"},"modified":"2020-03-26T11:29:49","modified_gmt":"2020-03-26T10:29:49","slug":"rosa-luxemburg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1764","title":{"rendered":"Rosa Luxemburg"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 18pt;\"><b>Das Scheitern eines Revolutionsprogramms<\/b><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em>von Heiner Karuscheit<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Vor Fehlern ist niemand gefeit, der in dem gro\u00dfen Drang und Gew\u00fchl des welthistorischen Kampfes Entscheidungen zu treffen hat. Aber die gemachten Fehler nicht einsehen, aus ihnen nicht lernen k\u00f6nnen, aus aller Schmach immer wieder unbelehrbar hervorzugehen \u2013 das grenzt an Verbrechen.\u201c (Luxemburg 1916)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vorbemerkung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Rosa Luxemburg verk\u00f6rperte den Neuanfang der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung in Deutschland am Ende des Ersten Weltkriegs, aber auch die Niederlage, die mit diesem Neuanfang verbunden war. Die mit der Oktoberrevolution 1917 in Russland beginnende Epoche der internationalen kommunistischen Arbeiterbewegung, die zugleich das \u201ekurze\u201c 20.Jahrhundert einleitete und 1989\/90 endete, war von Anfang an nicht nur durch einen Sieg in Petersburg gekennzeichnet, sondern auch durch eine Niederlage in Berlin.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Woran lag es, dass die deutschen Revolution\u00e4re, anders als die Bolschewiki in Russland, zu keinem Zeitpunkt ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Revolutionsbewegung gewinnen konnten und stattdessen zusehen mussten, wie die Zusammenarbeit der SPD-Spitze mit dem preu\u00dfisch-deutschen Offizierskorps die bereits geschlagene alte Ordnung hinter der Fassade der Republik wiedererstehen lie\u00df? War daf\u00fcr die sp\u00e4te Parteigr\u00fcndung urs\u00e4chlich, wie eine bis heute g\u00e4ngige Erkl\u00e4rung lautet?<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um darauf eine Antwort zu finden, untersucht der folgende Text das politische Denken und Handeln Luxemburgs, das dem Revolutionskonzept zugrunde lag, mit dem sie an der Spitze des linken Parteifl\u00fcgels der Sozialdemokratie in die Novemberrevolution ging. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Die \u201ekapitalistische Entwicklung\u201c als Universalschl\u00fcssel<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Besch\u00e4ftigung mit den Reden und Schriften Luxemburgs st\u00f6\u00dft rasch darauf, dass die von ihr getroffenen Aussagen zur Gesellschaftsstruktur und den Machtverh\u00e4ltnissen im Kaiserreich in hohem Ma\u00dfe widerspr\u00fcchlich sind. So bezeichnete sie etwa den Ausgangspunkt der Reichsgr\u00fcndung, den preu\u00dfischen Verfassungskonflikt der 60er Jahre des 19.Jahrhunderts, als \u201edas letzte Aufflackern des Klassenkampfes des deutschen B\u00fcrgertums wider die feudale Monarchie\u201c und warf den im Reichstag vertretenen b\u00fcrgerlichen Parteien vor, \u201ezum Werkzeug der feudalen Reaktion\u201c zu werden, sobald sie an die Macht gelangten.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Im selben Tenor konstatierte sie \u201edie ausschlaggebende Herrschaft des ostelbischen Junkertums in Preu\u00dfen-Deutschland\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und wandte sich gegen die \u201eungenierte, nackte Herrschaft der absolutistisch-milit\u00e4rischen Reaktion\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Wenn wir diese S\u00e4tze zum Nennwert nehmen, m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass sie das kaiserliche Deutschland f\u00fcr einen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vorb\u00fcrgerlich-feudalen Staat unter der Herrschaft des preu\u00dfischen Junkertums <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">hielt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An anderer Stelle finden sich jedoch g\u00e4nzlich andere Aussagen. So bezeichnete sie kurz vor der Jahrhundertwende den Staat als \u201edie Organisation der herrschenden Kapitalistenklasse\u201c und schrieb: \u201eMit dem politischen Sieg der Bourgeoisie ist der Staat zum kapitalistischen Staat geworden\u201c \u2013 eine Feststellung, die sie so oder \u00e4hnlich vielfach wiederholte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dieser Einsch\u00e4tzung nach befand sich der Staat also in der Hand der Bourgeoisie, weshalb sie auch keine Zweifel an einer \u201eb\u00fcrgerlichen Klassenherrschaft\u201c im Kaiserreich hatte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In offenem Widerspruch zu den oben zitierten \u00c4u\u00dferungen erscheint das Kaiserreich also hier als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlich-kapitalistischer Staat unter der Herrschaft der Bourgeoisie<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wiederum an anderer Stelle sprach sie von \u201eder herrschenden b\u00fcrgerlich-feudalen Reaktion\u201c bzw. von der \u201ekoalierten Herrschaft des ostelbischen Junkertums und des kartellierten Gro\u00dfkapitals.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In dieser Variante wurde die politische Macht demgem\u00e4\u00df von zwei Klassen gemeinsam ausge\u00fcbt, als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>feudal-b\u00fcrgerliche Doppelherrschaft von Junkertum und gro\u00dfer Bourgeoisie<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Hintergrund: das Erfurter Programm <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zusammengefasst vertrat Luxemburg also drei unterschiedliche Beurteilungen der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, und wenn wir die Reden des Parteivorsitzenden August Bebel oder die Schriften des Parteitheoretikers Karl Kautsky nachlesen, ergibt sich dasselbe Bild: Ein Mal wird die Macht des Junkertums angeprangert, ein andermal ebenso selbstverst\u00e4ndlich die b\u00fcrgerliche Herrschaft \u2013 bei Bebel manchmal hintereinander in derselben Rede. Die wechselnden Charakterisierungen entsprangen also keiner pers\u00f6nlichen Marotte Luxemburgs, sondern waren sozialdemokratisches Gemeingut.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der N\u00e4hrboden f\u00fcr diese Konfusion ist das 1891 verabschiedete Erfurter Programm der SPD. Sein einleitender, allgemeiner Teil verk\u00fcndete in einer Kurzdarstellung der geschichtlichen Tendenzen der kapitalistischen Akkumulation den Untergang der kleinen Warenproduzenten und den schlie\u00dflichen Sieg des Proletariats aufgrund der \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Kapitalismus. Der zweite Teil des Programms, der politische Forderungen und Arbeiterschutzforderungen enthielt, fiel gegen\u00fcber dem stringent aufgebauten \u00f6konomischen Teil um L\u00e4ngen ab. Vom gleichen Wahlrecht bis zum Achtstundentag umfasste er ein Sammelsurium von 14 Punkten, die ohne roten Faden aneinandergereiht waren und als \u00fcbergreifendes Ziel nicht einmal die Forderung nach vollen parlamentarischen Rechten f\u00fcr den Reichstag, geschweige denn nach einer Republik enthielten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu den Klassen- und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen, zur Reichsgr\u00fcndung und zum Charakter des Kaiserreichs schwieg sich das Programm vollst\u00e4ndig aus. Weder enthielt es eine Gesellschaftsanalyse noch eine Einsch\u00e4tzung der Reichskonstruktion unter Vormacht Preu\u00dfens. Dazu passte, dass Kautsky zur Erl\u00e4uterung des \u00f6konomischen Grundsatzteils und des angestrebten Zukunftsstaats einen Kommentar von 250 Seiten schrieb, aber nicht einen Satz zu den konkreten gesellschaftlichen Zust\u00e4nden.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter diesen Umst\u00e4nden ergab sich die von dem Parteiprogramm vorgegebene Orientierung aus dessen \u00f6konomisch-theoretischer Ausrichtung, und gem\u00e4\u00df dieser Ausrichtung war das Kaiserreich ein kapitalistischer Staat, der den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie gehorchte, b\u00fcrgerliche Herrschaftsverh\u00e4ltnisse aufwies und in k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Frist durch den sozialdemokratischen \u201eZukunftsstaat\u201c abgel\u00f6st werden w\u00fcrde. Auf dieser Basis registrierte man zwar die Existenz des Junkertums und der feudalen bzw. halbabsolutistischen Z\u00fcge von Staat und Armee, aber entweder begriff man diese als historische \u00dcberbleibsel, deren Restbest\u00e4nde dem unwiderstehlichen Sog der kapitalistischen Produktionsweise nicht lange standhalten w\u00fcrden, oder man sah darin \u00e4u\u00dferliche Gegebenheiten, hinter deren Fassade sich bereits b\u00fcrgerliche Zust\u00e4nde etabliert hatten. Daher konnte man das reaktion\u00e4re Junkertum kritisieren, wann immer sich daf\u00fcr ein Anlass bot \u2013 und gleichzeitig vertreten, dass das Kaiserreich ein b\u00fcrgerlicher Staat war.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Revolutionspolitisch m\u00fcndete dieses Verst\u00e4ndnis in einer simplen Zusammenbruchstheorie, die besagte, dass die b\u00fcrgerliche Gesellschaft infolge der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus demn\u00e4chst zusammenbrechen und aus ihren Tr\u00fcmmern der sozialdemokratische Zukunftsstaat hervorgehen w\u00fcrde. Eine Revolutionsstrategie er\u00fcbrigte sich auf diesem Boden, man musste lediglich die Geduld aufbringen, den naturgesetzlich kommenden Zusammenbruch der Gesellschaft abzuwarten. Bis dahin bestand die entscheidende Aufgabe von Partei und Gewerkschaften darin, in t\u00e4glicher Kleinarbeit die eigene Organisation aufzubauen und sich vor politischen Abenteuern zu h\u00fcten, um nicht der Staatsmacht den Vorwand f\u00fcr ein neues Sozialistengesetz zu geben.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Kaschiert wurde dieser \u201eAttentismus\u201c durch revolution\u00e4re Sonntagsreden, in denen vor allem August Bebel regelm\u00e4\u00dfig den baldigen \u201eKladderadatsch\u201c der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft prophezeite und den daraus hervorgehenden \u201eZukunftsstaat\u201c pries.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Zauberformel der \u201ekapitalistischen Entwicklung\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">B\u00fcrgerliche Gesellschaftswissenschaftler wie Max Weber oder Werner Sombart untersuchten vor dem Krieg die Produktionsverh\u00e4ltnisse auf den ostelbischen Adelsg\u00fctern und kamen zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsverfassung nicht auf freier Lohnarbeit beruhte, sondern auf pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeit, denn die Gutsarbeiter hatten kein Koalitionsrecht, durften also nicht streiken; der Lohn wurde gro\u00dfenteils in Naturalform gezahlt; die Gutsherren hatten in den Gutsbezirken die Polizei- und Ordnungsgewalt inne und waren zugleich die milit\u00e4rischen Vorgesetzten ihrer Arbeiter als Reservesoldaten. Zwar erforderte eine zunehmende Maschinisierung selbst\u00e4ndige Arbeiter, nahm die Entlohnung in Geld statt in Naturalien zu und bewirkte die Abwanderung in die Industriest\u00e4dte des Westens eine langsame Auflockerung der halben Leibeigenschaftsverh\u00e4ltnisse. Nichtsdestotrotz unterlag die Agrarproduktion auf den G\u00fctern bis zuletzt nicht dem Grundgesetz der kapitalistischen Produktionsweise, der Erzeugung von Profit, sondern blieb ein Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts der Gutsfamilie und der Beibehaltung ihrer gesellschaftlichen Stellung, so dass der National\u00f6konom Sombart die Schlussfolgerung zog, dass die \u201eJunker als soziale Klasse &#8230; nichts anderes als die Vertreter einer vor- und antikapitalistischen Gro\u00dfgutswirtschaft\u201c sind.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die f\u00fchrenden Marxisten zogen keine ernstlichen Schlussfolgerungen aus den Ver\u00f6ffentlichungen der B\u00fcrgerlichen, denn pauschal formuliert galt ihnen das allm\u00e4hliche Eindringen kapitalistischer Elemente in die ostelbischen Gutswirtschaften schon als Sieg der Profitproduktion. Auch zum Kleinb\u00fcrgertum in Land und Stadt, das mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung umfasste, gab es keine n\u00e4heren Untersuchungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Luxemburg selber befasste sich in einer Reihe von Arbeiten mit wirtschaftlichen Fragen und ver\u00f6ffentlichte 1913 ihr mehrere hundert Seiten umfassendes \u00f6konomisches Hauptwerk \u00fcber \u201eDie Akkumulation des Kapitals\u201c, einen \u201eBeitrag zur \u00f6konomischen Erkl\u00e4rung des Imperialismus\u201c. Aber eine Analyse der Produktions- und Klassenverh\u00e4ltnisse in Deutschland sucht man bei ihr vergebens. Ihre Theorie beschr\u00e4nkte sich auf den Kosmos des Kapitals im allgemeinen bzw. auf den Widerspruch von Bourgeoisie und Proletariat als solchen. Das breite Klassenspektrum, das Deutschland an der Wende vom 19. zum 20.Jahrhundert aufwies und das noch bis in die Nachkriegszeit nach 1945 Bestand hatte, fand in ihren Schriften keinen Widerhall.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach ihrem Urteil \u00fcber das 1870 gegr\u00fcndete Deutsche Reich hatte die \u201ewirtschaftliche Entwicklung &#8230; die Umgestaltung der ganzen politisch-administrativen Staatsmaschine aus einem halb- oder ganzfeudalen in einen kapitalistischen Mechanismus\u201c herbeigef\u00fchrt.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die kapitalistische \u00d6konomie h\u00e4tte demzufolge fertig gebracht, woran die Bourgeoisie bis dahin gescheitert war: nicht durch den Kampf der Klassen, sondern <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>als Resultat der wirtschaftlichen Entwicklung sollte der (halb-) feudale preu\u00dfisch-deutsche Staat b\u00fcrgerlich geworden sein. <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was in Frankreich die Gro\u00dfe Revolution erledigt hatte, sollte in Deutschland also die Bewegung des Kapitals bewirkt haben. An unterschiedlichen Stellen und in verschiedenen Variationen wiederholt, offenbarte sich in diesen Worten ein Verst\u00e4ndnis des Marxismus, das Luxemburg mit der gesamten Sozialdemokratie teilte: diesem Verst\u00e4ndnis zufolge war die gesellschaftliche Entwicklung ein einfaches Produkt der Entwicklung des Kapitals; die politische Herrschaft resultierte nicht aus dem Kampf der Klassen, sondern aus \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Boden dieser Marxismusinterpretation hatte sie keinen Grund, die gesellschaftspolitische Basis des Deutschen Reichs, den antagonistischen Klassenkompromiss von Junkertum und Bourgeoisie, n\u00e4her zu untersuchen. Kontroversen um Steuerfragen und Weltpolitik, Schlachtflottenbau und Zollpolitik erschienen in dieser Sichtweise nicht als Ausdruck unterschiedlicher Klassenlagen sondern als einfache Interessenkonflikte zwischen verschiedenen Abteilungen derselben b\u00fcrgerlichen Klasse, denn schlie\u00dflich stand ja fest, dass Staat und Herrschaft aufgrund der T\u00e4tigkeit des Kapitals b\u00fcrgerlich-kapitalistisch waren. Das Erfurter Programm war ebenso wie die Kladderadatsch-Theorie Bebels ein Produkt dieses Denkens.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Obwohl die Sozialdemokraten in der Realit\u00e4t regelm\u00e4\u00dfig mit der fortdauernden halbabsolutistischen Verfasstheit des Reichs und der Macht der Junkerkaste konfrontiert waren, blieb Luxemburg bis zum Schluss der Zauberformel der \u201ekapitalistischen Entwicklung\u201c verhaftet \u2013 ein Begriff, der in ihren Ver\u00f6ffentlichungen immer wieder auftaucht, als Universalschl\u00fcssel an die Stelle der Klassenbeziehungen zwischen Junkertum und Bourgeoisie tritt und die vorhandenen Widerspr\u00fcche regelm\u00e4\u00dfig wie ein deus ex machina in b\u00fcrgerlichem Sinne aufl\u00f6st.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ende oder Weiterf\u00fchrung der b\u00fcrgerlichen Revolution?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit verbunden war ein grundlegendes historisch-politisches Unverst\u00e4ndnis der b\u00fcrgerlichen Revolution. Die fehlgeschlagene Revolution von 1848\/49 hatte in Deutschland vor einer doppelten Aufgabenstellung gestanden, denn sie musste durch den Sturz des reaktion\u00e4ren Preu\u00dfentums nicht nur die Demokratie erk\u00e4mpfen, sondern auch einen Nationalstaat. Beides war miteinander verbunden, weil der in Preu\u00dfen herrschende Kleinadel ein entschiedener Gegner nicht nur der Demokratie war, sondern auch eines Nationalstaats, in dem Preu\u00dfen aufgehen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch dann war Bismarck zwanzig Jahre sp\u00e4ter gelungen, was niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatte, Marx und Engels eingeschlossen. Indem er Preu\u00dfen dazu brachte, durch den Einsatz seiner Armee in den deutschen Einigungskriegen einen Nationalstaat zu schaffen, konnte er die Bourgeoisie spalten, ihren rechten, schwerindustriell fundierten Fl\u00fcgel auf seine Seite ziehen und die Vorherrschaft der Junker auf Jahrzehnte sichern. Der 1866-1870 zustande gekommene Klassenkompromiss erlaubte ein verst\u00fcmmeltes Parlament und gew\u00e4hrte den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften eine Beteiligung an der Macht, schloss sie aber von deren inneren Kern aus. Das Heer blieb als entscheidendes Machtinstrument in der Hand des Milit\u00e4radels, der mit Hilfe des Dreiklassenwahlrechts auch die Herrschaft in Preu\u00dfen behielt, dem deutschen Hegemonialstaat.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die b\u00fcrgerliche Revolution war also nicht beendet, sondern musste nach Erledigung ihres nationalen Aspekts <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>als demokratische Revolution <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">weitergef\u00fchrt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Erfurter Programm stand zu dieser Fragestellung nichts. Wozu auch? Wenn man die b\u00fcrgerliche Revolution rein \u00f6konomisch auffasste, war sie mit der Reichsgr\u00fcndung vollendet worden, denn damit war im Interesse des Kapitals ein gro\u00dfer nationaler Binnenmarkt ohne Zollgrenzen entstanden, mit einer gemeinsamen W\u00e4hrung und einheitlichen Normen, rechtlich kodifiziert durch das B\u00fcrgerliche Gesetzbuch und das Handelsgesetzbuch. Demzufolge bestand f\u00fcr ihre Weiterf\u00fchrung keine Notwendigkeit mehr, so dass Kautsky in seiner Schrift \u201eDer Weg zur Macht\u201c ohne weitere Erl\u00e4uterung feststellen konnte, was in der SPD Allgemeingut war, n\u00e4mlich dass die deutsche b\u00fcrgerliche Revolution 1870 ihr Ende erreicht hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein ideologisches Konstrukt<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was Russland anging, stand f\u00fcr Luxemburg fest, dass die Zur\u00fcckgebliebenheit des Landes eine b\u00fcrgerliche Revolution erforderlich machte. Anders sah es f\u00fcr sie in Deutschland aus, denn hier hatte sich inzwischen mit der Entwicklung des Kapitals die Demokratie ersch\u00f6pft, wie sie meinte. Nachdem sie, wie oben zitiert, festgestellt hatte, dass die wirtschaftliche Entwicklung den feudalen Staat in b\u00fcrgerlich-kapitalistischem Sinn umgewandelt h\u00e4tte, fuhr sie fort, dass diese Umgestaltung \u201egeschichtlich von der Demokratie unzertrennlich\u201c gewesen sei. Inzwischen sei die b\u00fcrgerliche Umgestaltung des Staates jedoch vollendet und deshalb die Demokratie \u00fcberfl\u00fcssig geworden \u2013 \u201edie rein demokratischen Ingredienzien des Staatswesens, das allgemeine Stimmrecht, die republikanische Staatsform&#8220; k\u00f6nnten gefahrlos verschwinden, ohne einen R\u00fcckfall des Staatsapparats in \u201evorm\u00e4rzliche\u201c Feudalstrukturen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Deshalb bestand hier eine andere Aufgabenstellung als in Russland, wie sie meinte: \u201eGerade weil die b\u00fcrgerliche Rechtsordnung in Deutschland l\u00e4ngst besteht, weil sie also Zeit hatte, sich g\u00e4nzlich zu ersch\u00f6pfen und auf die Neige zu gehen, weil die b\u00fcrgerliche Demokratie und der Liberalismus Zeit hatten auszusterben, kann von einer <\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">b\u00fcrgerlichen<\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution in Deutschland nicht mehr die Rede sein. Und deshalb kann es sich &#8230; als letztes geschichtlich notwendiges Ziel nur noch um die <\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diktatur des Proletariats<\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> handeln.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Aussage ignorierte, dass entscheidende Teile der b\u00fcrgerlichen Rechtsordnung wie etwa das Streik- und Koalitionsrecht f\u00fcr Landarbeiter keine Geltung besa\u00dfen und auf den gro\u00dfen G\u00fctern Ostelbiens anstelle b\u00fcrgerlicher Freiheiten halbe Leibeigenschaftsverh\u00e4ltnisse herrschten. Vor allem aber: welche b\u00fcrgerliche Demokratie sollte in Deutschland existiert haben, die mittlerweile \u00fcberholt war und deshalb vom Sozialismus abgel\u00f6st werden musste? Ein Grundcharakteristikum Preu\u00dfens bzw. Preu\u00dfen-Deutschlands war, dass die Entwicklung der gro\u00dfen Industrie hier <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zur Macht\u00fcbernahme durch die Bourgeoisie und zur Durchsetzung einer demokratisch-b\u00fcrgerlichen Herrschaft gef\u00fchrt hatte, sondern mit der Fortdauer eines junkerlich beherrschten Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaats einher ging. W\u00e4hrend in Gro\u00dfbritannien und Frankreich die Parlamente das Zentrum der b\u00fcrgerlichen Herrschaft bildeten, war der Reichstag in Deutschland ein Pseudoparlament ohne Macht. Weder konnte er die Regierung w\u00e4hlen noch \u00fcber Krieg und Frieden bestimmen noch die Armee befehligen noch die Macht Preu\u00dfens \u00fcberwinden. Er war und blieb nach einem Wort von Marx ein Feigenblatt, mit dem der Halbabsolutismus seine eigene Bl\u00f6\u00dfe verdeckte. Der von Luxemburg angenommene Gleichklang von kapitalistischer Entwicklung und b\u00fcrgerlicher Demokratie war ein ideologisches Konstrukt, das die gesellschaftliche Realit\u00e4t ignorierte und sich aus der Logik des Kapitals ableitete.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr sie ergab sich auf dieser Basis allerdings noch eine weitergehende Konsequenz: Weil der Kapitalismus in Deutschland weiter fortgeschritten war als in Gro\u00dfbritannien oder Frankreich, musste in der Logik dieses Denkens auch die gesellschaftlich-politische Entwicklung \u2013 und das hie\u00df in diesem Fall: der Verfall der Demokratie \u2013 weiter vorangeschritten sein. Die politische Zur\u00fcckgebliebenheit des Kaiserreichs war also kein Beweis f\u00fcr die bislang ausgebliebene b\u00fcrgerliche Revolution, sondern daf\u00fcr, dass die Errichtung einer proletarisch-sozialistischen Herrschaft nahe ger\u00fcckt war, n\u00e4her als in den b\u00fcrgerlichen Staaten des Westens.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Schiefe Fronten: Bernstein und die Verpreu\u00dfung der SPD<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Russisch-Polen aufgewachsen und 1894 Mitgr\u00fcnderin der Sozialdemokratie des K\u00f6nigreichs Polen, zog Luxemburg 1898 nach Deutschland, wurde Mitglied der SPD und geriet sofort in den gerade beginnenden \u201eRevisionismusstreit\u201c mit Eduard Bernstein.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Weggef\u00e4hrte von Friedrich Engels und Ko-Autor des Erfurter Programms hatte in einer Artikelserie in der Neuen Zeit, dem Theorieorgan der SPD, das Kernst\u00fcck der politischen Strategie der SPD angegriffen \u2013 das Warten auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft und auf das sozialistische Endziel. Er wies auf die Kluft hin \u201ehier die kapitalistische, dort die sozialistische Gesellschaft\u201c, die der sozialdemokratischen Politik zugrunde lag, und vermerkte, dass diese Kluft von vielen Parteimitgliedern gar nicht als Problem wahrgenommen werde, f\u00fcr sie m\u00fcsse \u201edie \u00f6konomische Entwicklung &#8230; \u00fcber alle theoretischen Schwierigkeiten hinweghelfen.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Aufgabe der SPD sei es jedoch, nicht blo\u00df auf die k\u00fcnftige Katastrophe der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu warten, sondern hier und heute Politik zu betreiben.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den Graben zwischen kapitalistischer Gegenwart und sozialistischem Zukunftsstaat zu \u00fcberbr\u00fccken, r\u00fcckte er den demokratischen Kampf ins Zentrum; er forderte, die Arbeiterklasse \u201ezur Demokratie auszubilden, und f\u00fcr alle Reformen im Staate zu k\u00e4mpfen, welche geeignet sind, &#8230; das Staatswesen im Sinne der Demokratie umzugestalten.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> In diesem Zusammenhang pr\u00e4gte er seinen wohl bekanntesten Ausspruch \u201edie Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts\u201c, um damit auszudr\u00fccken, dass eine demokratische Gegenwartspolitik wichtiger sei als das ferne Sozialismusziel.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er wies darauf hin, dass der im KAPITAL und im Erfurter Programm vorhergesagte Untergang der kleinen Warenproduzenten in Deutschland bislang nicht eingetreten sei und das industrielle Proletariat weiterhin eine Minderheit bildete. Eine weitergehende Untersuchung der Klassen- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in Deutschland nahm er nicht vor und stellte auch keine \u00dcberlegungen zum Verh\u00e4ltnis von b\u00fcrgerlicher und sozialistischer Revolution an. Er ging davon aus, dass die angestrebte Demokratisierung des Kaiserreichs ohne Revolution auf parlamentarisch-friedlichem Weg zu erreichen sei und wollte aus der SPD eine<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> demokratisch-sozialistische Reformpartei<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, d.h. eine b\u00fcrgerlich-reformistische Arbeiterpartei machen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sozialistischer und demokratischer Kampf<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seine Ablehnung der \u201eKladderadatsch\u201c-Politik des Abwartens auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch stellte eine offene Herausforderung des von Bebel und Kautsky gef\u00fchrten Parteizentrums dar, das darauf mit einer Kritikkampagne gegen den \u201eRevisionismus\u201c reagierte. In dieser Debatte war die soeben in Deutschland angekommene Luxemburg, die sich in ihrer polnischen Heimat einen Namen als streitbare Publizistin gemacht hatte, eine willkommene Bundesgenossin f\u00fcr den Parteivorstand, der ihr freie Hand f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Bernstein gab.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben anderen Artikeln verfasste sie in der Hauptsache die umfangreiche Schrift \u201eSozialreform oder Revolution?\u201c, worin sie die von Bernstein vorgebrachten Argumente f\u00fcr das friedliche Hineinwachsen der Gesellschaft in den Sozialismus auf jede erdenkliche Art und Weise zerpfl\u00fcckte. Allerdings tat sie dies lediglich auf allgemeiner Ebene und leitete die Unm\u00f6glichkeit eines parlamentarisch-friedlichen Sturzes der Herrschaftsordnung nicht aus der konkreten Verfasstheit des preu\u00dfisch-deutschen Staats her.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Junkertum befand sich im Niedergang. Aufgrund der mangelnden Produktivit\u00e4t der ostelbischen Gutswirtschaften war das dort angebaute Getreide auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzf\u00e4hig, und um ihre Zukunft zu sichern, ben\u00f6tigten die Junker den Staat in zweifacher Hinsicht: Zum einen musste er die Schutzz\u00f6lle verh\u00e4ngen, die ihr Getreide vor der Auslandskonkurrenz sch\u00fctzten, und zum andern waren ihre nicht gutsbesitzenden Mitglieder angewiesen auf eine T\u00e4tigkeit im Staatsapparat, vor allem im Heer, das sie als Milit\u00e4radel beherrschten. Bei Strafe des Untergangs mussten sie ihre Vorherrschaft \u00fcber den Staat bewahren, und es bestand wenig Zweifel, dass sie daran unter Einsatz aller Mittel festhalten w\u00fcrden. Im Grundsatz hatte Luxemburg daher recht gegen Bernstein, dass ein Umsturz der Machtverh\u00e4ltnisse nur auf <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>revolution\u00e4rem<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Weg m\u00f6glich war \u2013 nur musste dieser Weg revolution\u00e4r-<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratisch <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei der Gelegenheit schrieb sie \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen demokratischem und sozialistischem Kampf, dass die politische und rechtliche Wand zwischen der kapitalistischen und der sozialistischen Gesellschaft \u201edurch die Entwicklung der Sozialreformen wie der Demokratie nicht durchl\u00f6chert, sondern umgekehrt fester und h\u00f6her gemacht\u201c w\u00fcrde.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Diese Aussage musste als Absage an den Sinn des demokratischen Kampfs \u00fcberhaupt verstanden werden. Bei der Formierung eines revolution\u00e4ren Fl\u00fcgels in der SPD spielte ihre Schrift eine wichtige Rolle.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die unbegriffene \u201eVerpreu\u00dfung\u201c der Arbeiterpartei<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen die gemeinsame Front des Parteizentrums und der Linken hatten Bernstein und seine Anh\u00e4nger keine Chance. R\u00fcckhalt hatte der \u201eRevisionismus\u201c vor allem im S\u00fcden des Landes, wo die deutschen Teilstaaten seit den Napoleonischen Kriegen b\u00fcrgerlichen Zuschnitt trugen. In der Sozialdemokratie Preu\u00dfens und der SPD als Ganzes war der Bernstein-Fl\u00fcgel zu keinem Zeitpunkt mehrheitsf\u00e4hig und Bernstein selber spielte weder vor noch nach dem Krieg eine ma\u00dfgebliche Rolle. Auf dem Dresdner Parteitag der SPD im September 1903 lie\u00df Bebel eine Resolution verabschieden, welche die revisionistischen Bestrebungen \u201eauf das entschiedenste\u201c verurteilte und proklamierte, dass es keinen Anlass gebe, \u201eunsere bisherige bew\u00e4hrte und sieggekr\u00f6nte, auf dem Klassenkampf beruhende Taktik &#8230; zu \u00e4ndern\u201c. Wie die \u201ebew\u00e4hrte Taktik\u201c konkret aussehen sollte, stand in der Resolution nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie die englischen und franz\u00f6sischen Sozialisten n\u00e4herte sich auch die deutsche Sozialdemokratie in der Vorkriegszeit dem Staat an. Aber Frankreich und Gro\u00dfbritannien waren parlamentarisch regierte L\u00e4nder mit einer gelungenen b\u00fcrgerlichen Revolution, weshalb die Ann\u00e4herung hier zur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Verb\u00fcrgerlichung<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Arbeiterparteien f\u00fchrte. Dagegen hatte die SPD es nicht mit einem b\u00fcrgerlichen Gemeinwesen zu tun, sondern mit einem vorb\u00fcrgerlichen Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat, weshalb sie einer schleichenden <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Verpreu\u00dfung<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> unterlag, wie der Historiker Arno Kl\u00f6nne diesen Prozess bezeichnete. Statt zu einer b\u00fcrgerlich-reformistischen Arbeiterpartei \u00e0 la Bernstein zu werden, setzte sich in der deutschen Sozialdemokratie der Geist eines <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>preu\u00dfischen Staatssozialismus<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> durch<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>, <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der sich im Weltkrieg und sodann in der Novemberrevolution geltend machte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Tr\u00e4gerinnen dieser Entwicklung waren u.a. die Gewerkschaften. Da der preu\u00dfisch-deutsche Staat anders als in Frankreich oder Gro\u00dfbritannien nicht von der Bourgeoisie beherrscht war, konnte er den Arbeitern auf dem Gebiet der Sozialpolitik entgegenkommen und den Gewerkschaften als Kooperationspartner erscheinen. So wurden hier schon fr\u00fch Arbeiter-Sozialversicherungen f\u00fcr Krankheit und Alter geschaffen, die als Vorfeldorganisationen des eigentlichen Staatsapparats die Arbeiter gem\u00e4\u00df dem Willen Bismarck an den monarchischen Staat heranf\u00fchren sollten. 1910 war ungef\u00e4hr jedes achte Parteimitglied der SPD in ihnen sowie in anderen halbstaatlichen Einrichtungen engagiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Zusammenhang bemerkte der Parteivorsitzende Bebel en passant in einer Rede auf dem SPD-Parteitag 1910: &#8222;Es gibt keinen zweiten, dem preu\u00dfischen \u00e4hnlichen Staat, aber wenn wir einmal diesen Staat in der Gewalt haben, haben wir alles. &#8230; im S\u00fcden versteht man nicht diesen Junkerstaat in seiner ganzen Sch\u00f6nheit.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mit einigem Wohlwollen konnte man die Bemerkung als Ausrutscher verstehen. Aber abgesehen davon, dass Bebel selber betonte, dass er diese Ansichten vom Staat schon mehrfach ge\u00e4u\u00dfert hatte, dokumentierten seine S\u00e4tze die mittlerweile in der SPD dominierenden Vorstellungen \u00fcber den sozialdemokratischen Zukunftsstaat: es ging nicht mehr um die Zerschlagung des alten und den Aufbau eines neuen Staatsapparats, sondern um die \u00dcbernahme des von Preu\u00dfen geschaffenen Beamtenstaats. Am Ende des Kriegs realisierte die SPD-F\u00fchrung diese Perspektive. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcberzeugt von der Allmacht der kapitalistischen Entwicklung, war Luxemburg blind f\u00fcr die preu\u00dfisch-obrigkeitsstaatliche Durchdringung der Gesellschaft und das Hineinwachsen der Arbeiterbewegung in den Milit\u00e4r- und Beamtenstaat. Ihr entging, dass nicht der Bernstein-Fl\u00fcgel, sondern das Parteizentrum der entscheidende Tr\u00e4ger einer Rechtsentwicklung war, welche die SPD zu einer preu\u00dfisch-sozialpatriotischen Arbeiterpartei machte. Im Gegenteil trug die gemeinsame Frontstellung mit Bebel und dem Parteizentrum gegen Bernstein und den b\u00fcrgerlichen Reformismus dazu bei, dass sie sich bis zuletzt weigerte, praktisch-politische Konsequenzen aus ihrer zunehmenden Kritik an der SPD-F\u00fchrung zu ziehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Nach der russischen Revolution 1905<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als im Januar 1905 nach der Niederlage Russlands im Krieg gegen Japan die erste russische Revolution ausbrach, stellte Luxemburg das Auftreten der Arbeiterklasse in Petersburg und Moskau sofort ins Zentrum ihrer Publizistik und setzte alles daran, den deutschen Arbeitern die Aktionen ihrer russischen Kollegen nahe zu bringen. Ende des Jahres reiste sie in der \u00dcberzeugung, dass die revolution\u00e4re Bewegung weitergehen w\u00fcrde, nach Warschau, um ihre Genossinnen und Genossen vor Ort zu unterst\u00fctzen. Jedoch war der H\u00f6hepunkt der Bewegung bereits \u00fcberschritten und im M\u00e4rz 1906 wurde sie verhaftet. Im Juli wieder freigekommen, fuhr sie zun\u00e4chst nach Finnland, um dort pers\u00f6nlichen Kontakt mit den russischen Revolution\u00e4ren aufzunehmen, und traf hierbei auch mehrfach mit Lenin zusammen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, machte sie sich an die Auswertung der revolution\u00e4ren Ereignisse. Ihre erste Schlussfolgerung war, dass sich ein Epochenwechsel ank\u00fcndigte: \u201eMit der russischen Revolution schlie\u00dft die nahezu 60j\u00e4hrige Periode der ruhigen, parlamentarischen Herrschaft der Bourgeoisie\u201c, schrieb sie, und \u201egeraten wir &#8230; in die -\u00dcbergangsperiode von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Eine l\u00e4ngere Periode parlamentarischer Herrschaft der Bourgeoisie, auf die sie sich zur sozialistischen Begr\u00fcndung des Epochenwechsels berief, hatte es jedoch lediglich in Frankreich und Gro\u00dfbritannien gegeben und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht in Deutschland<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Ihre Behauptung implizierte, dass die deutsche Bourgeoisie aufgrund der Auswirkungen von 1848 wie auch immer zur parlamentarischen Macht gelangt w\u00e4re. Das unterstellte sie regelm\u00e4\u00dfig auch bei anderen Gelegenheiten, indem sie etwa die gescheiterte deutsche M\u00e4rzrevolution mit der siegreichen franz\u00f6sischen Revolution in eine Reihe stellte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Basis f\u00fcr diese Gleichsetzung<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ergab sich aus ihrer \u00dcberzeugung vom Gleichklang zwischen kapitalistischer Entwicklung und b\u00fcrgerlicher Herrschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vor einer neuen Epoche in Europa<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ihr Fehlurteil in dieser Frage \u00e4nderte nichts daran, dass die russische Revolution in der Tat eine neue Epoche ank\u00fcndigte, die sich mit der Oktoberrevolution 1917 endg\u00fcltig Bahn brach. Nur war deren Inhalt nicht der \u00dcbergang zum Sozialismus, wie Luxemburg meinte, sondern <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die Durchsetzung der b\u00fcrgerlichen Revolution in der Mitte und im Osten Europas, also dort, wo es noch keine b\u00fcrgerliche Revolution gegeben hatte<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bislang hatte diese Revolution lediglich in Gro\u00dfbritannien und Frankreich gesiegt, wogegen sie im restlichen Europa noch ausstand und hier unter neuartigen Bedingungen ausgefochten werden musste. Im Westen hatten die Revolutionen zu einer Zeit stattgefunden, als das Proletariat erst im Entstehen begriffen war und den b\u00fcrgerlich-kleinb\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften im Kampf gegen die Feudalherrschaft als Man\u00f6vriermasse bzw. Hilfstruppe dienen konnte. Doch mit dem Voranschreiten der Industrialisierung in den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts bekam die Bourgeoisie es mit einer zahlenm\u00e4\u00dfig gewachsenen und politisch selbst\u00e4ndig agierenden Arbeiterklasse zu tun, was zur Folge hatte, dass sie sich von \u201eihrer\u201c Revolution verabschiedete und es vorzog, die Auss\u00f6hnung mit den alten M\u00e4chten zu suchen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr Russland konstatierte Luxemburg \u201edie merkw\u00fcrdige, widerspruchsvolle geschichtliche Situation\u201c, dass dort die \u201eb\u00fcrgerliche Revolution in erster Linie von einem modernen, klassenbewussten Proletariat ausgef\u00fchrt wird\u201c, welches \u201edas f\u00fchrende und treibende Element (ist), w\u00e4hrend die gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Schichten teils direkt konterrevolution\u00e4r, teils schw\u00e4chlich-liberal\u201c gesinnt sind.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dieses Urteil war richtig. Indessen lag im Deutschen Kaiserreich wesentlich dieselbe \u201ewiderspruchsvolle geschichtliche Situation\u201c vor, die Luxemburg f\u00fcr Russland konstatiere, denn auch hier war die Bourgeoisie gespalten und strebte keine Revolution mehr an. Unter der Hegemonie ihres rechten, schwerindustriell fundierten Fl\u00fcgels hatte sie sich mit dem preu\u00dfischen Gutsadel und dem Halbabsolutismus verb\u00fcndet, um die anwachsende Arbeiterbewegung niederzuhalten und eine demokratische Umw\u00e4lzung zu verhindern.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenin gelangte aufgrund des Auftretens der russischen Bourgeoisie in der Revolution von 1905 zu der Auffassung, dass im Zarenreich \u201eder Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution als Sieg der Bourgeoisie unm\u00f6glich\u201c sei; er m\u00fcsse durch eine Koalition von Proletariat und Bauernschaft erk\u00e4mpft werden, mit einer \u201erevolution\u00e4r-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft\u201c als Ziel.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mit dieser Perspektive einer demokratischen Volksrevolution unter F\u00fchrung des Proletariats im B\u00fcndnis mit dem Kleinb\u00fcrgertum (in Russland der Bauernschaft) formulierte er eine f\u00fcr den Marxismus grundlegend neue Strategie.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Strategie musste nicht nur in Russland, sondern auch in den anderen nichtb\u00fcrgerlichen L\u00e4ndern Europas Anwendung finden. Das galt insbesondere f\u00fcr das Deutsche Reich. B\u00fcrgerlich w\u00fcrde diese Revolution deshalb sein, weil sie gegen\u00fcber dem st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Kleinb\u00fcrgertum das b\u00fcrgerliche Privateigentum an Produktionsmitteln und dessen Bewegungsgesetze anerkennen musste. \u201eUnd diese Anerkennung erfolgt nicht auf Grund einer falsch verstandenen politischen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Proletariats, sondern weil das Proletariat im 20.Jahrhundert die politische Macht nicht anders erobern konnte als im B\u00fcndnis mit der Masse des Kleinb\u00fcrgertums.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\">24<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Indem es die im historischen Prozess unumg\u00e4ngliche Etappe der b\u00fcrgerlichen Revolution anerkannte und seine eigene Strategie daran ausrichtete, erhielt es die M\u00f6glichkeit, an die Macht zu gelangen und sich einen Weg zum Sozialismus zu \u00f6ffnen. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>F\u00fcr Massenstreiks und einen Politikwechsel<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufgrund der Erkenntnis, dass die russische Revolution einen Gezeitenwechsel ank\u00fcndigte und eine Zeit ruhiger Entwicklung durch eine Periode offener Klassenauseinandersetzungen abgel\u00f6st wurde, forderte Luxemburg die deutsche Sozialdemokratie zu einem Politikwechsel auf. Nachdem in Russland politische Massenstreiks der Arbeiter den Zarismus in die Defensive gedr\u00e4ngt und zum Versprechen von mehr demokratischen Rechten, einer neuen Duma (Parlament) sowie einer Amnestie f\u00fcr politische H\u00e4ftlinge und Emigranten gezwungen hatten, machte sie sich daran, den Einsatz dieses Kampfmittels auch f\u00fcr Deutschland zu propagieren, u.a. um das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht zu Fall zu bringen. Diesem Ziel widmete sie sich in den folgenden Jahren in einer Vielzahl von Reden, Artikeln und Brosch\u00fcren.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Eintreten f\u00fcr eine energischere Demokratiepolitik brachte sie in wachsenden Widerspruch zum sog. Parteizentrum und damit auch zum Parteivorsitzenden Bebel. Als Mitbegr\u00fcnder der SPD hatte dieser die Arbeiterpartei durch die Zeit des Sozialistengesetzes gef\u00fchrt und nahm in ihr eine unangefochtene Stellung ein. Doch von den gro\u00dfen strategischen Fragen hielt er sich fern und hatte dem Sog der Verh\u00e4ltnisse, der die Arbeiterpartei an den preu\u00dfisch-deutschen Staat heran f\u00fchrte, weder theoretisch noch politisch etwas entgegenzusetzen, was \u00fcber die Kladderadatsch-Theorie hinaus ging. Als klassischer Vertreter einer Politik des \u201eMittelwegs\u201c sah er seine Hauptaufgabe darin, die Partei zusammenzuhalten, um f\u00fcr den Tag X ger\u00fcstet zu sein. Bis dahin galt es, so sein stehender Ausspruch, das \u201ePulver trocken zu halten\u201c, d.h. einen strikt legalen Kurs zu verfolgen und Partei und Gewerkschaften geduldig aufzubauen \u2013 was in der Realit\u00e4t eine zunehmende Ann\u00e4herung an den gegebenen Staat bedeutete.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Stellung zu politischen Massenstreiks war beispielhaft f\u00fcr sein Vorgehen. Als immer mehr Anh\u00e4nger der Sozialdemokratie, angespornt durch das russische Vorbild, Sympathien f\u00fcr politische Streiks \u00e4u\u00dferten, sprach er sich auf dem Jenaer Parteitag im September 1905 gegen den Protest der Gewerkschaften f\u00fcr derartige Streiks aus, allerdings nur zur Abwehr eines Angriffs auf das allgemeine Wahlrecht und ausdr\u00fccklich <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht zur Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Kurz darauf traf er eine Absprache mit der Gewerkschaftsf\u00fchrung, die politische Streiks an deren Zustimmung band, und lie\u00df diese Vereinbarung auf dem Mannheimer Parteitag 1906 billigen.<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit hatte er sowohl den Schulterschluss mit den Gewerkschaften wieder hergestellt als auch das Streikproblem generell aus der Welt geschafft, denn die Gewerkschaftsf\u00fchrung lie\u00df keinen Zweifel daran<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">dass sie politische Streiks grunds\u00e4tzlich ablehnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Rechtsruck der SPD 1907<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei der Reichstagswahl 1907 erlitt die SPD nach einem Wahlkampf, der von den konservativen und liberalen Parteien des \u201eB\u00fclow-Blocks\u201c unter aggressiv nationalistischen und imperialistischen Parolen gef\u00fchrt worden war, eine heftige Niederlage \u2013 zumindest wenn man die Zahl der Parlamentssitze als Ma\u00dfstab anlegte. Sie gewann zwar Stimmen hinzu, doch zum ersten Mal ging die Zahl ihrer Reichstagsmandate aufgrund der Wahlkreisabsprachen zwischen den gegnerischen Parteien von 81 auf 43 zur\u00fcck. Als Reaktion darauf vollzog die Parteif\u00fchrung einen Rechtsruck.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anl\u00e4sslich der Beratung des R\u00fcstungshaushalts 1907 pl\u00e4dierte Gustav Noske als milit\u00e4rpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Reichstag daf\u00fcr, dass Deutschland \u201em\u00f6glichst wehrhaft\u201c sein m\u00fcsse und wurde dabei von der Mehrheit der Fraktion unterst\u00fctzt. Er verlangte ein positives Interesse \u201ean den milit\u00e4rischen Einrichtungen, die zur Verteidigung unseres Vaterlandes notwendig sind\u201c, und bekr\u00e4ftigte als Aufgabe der deutschen Sozialdemokraten, daf\u00fcr zu sorgen, dass das deutsche Volk von keinem anderen Volk \u201ean die Wand gedr\u00fcckt\u201c w\u00fcrde.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\">25<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Als es daraufhin vom linken Parteifl\u00fcgel einen Proteststurm gab, stellte sich Bebel ohne Vorbehalt auf die Seite des Angegriffenen und erkl\u00e4rte, dass die Rede Noskes seine \u201eZustimmung und Anerkennung\u201c gefunden habe. Noskes Auftreten und seine Verteidigung durch Bebel dokumentierten, in welchem Ausma\u00df die preu\u00dfisch-sozialpatriotische Entwicklung in der SPD mittlerweile vorangeschritten war, die 1914 in die Kriegsunterst\u00fctzung durch die SPD und 1918\/19 in die Zusammenarbeit mit dem Milit\u00e4radel zur Niederschlagung der Novemberrevolution m\u00fcndete.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Kritiker Noskes und Vertreter einer antimilitaristischen Politik tat sich insbesondere Karl Liebknecht hervor und geriet deswegen in heftige Auseinandersetzungen mit dem Parteivorstand, der sich weigerte, seine Antimilitarismusbrosch\u00fcre f\u00fcr die Jugend zu verbreiten. Dagegen \u00e4u\u00dferte Luxemburg sich zu dieser Frage \u00fcberhaupt nicht. Nur bei einer Gelegenheit im Jahre 1913 kritisierte sie nebenher Bebels Standardsatz, dass er bei einem Krieg mit Russland noch pers\u00f6nlich die Flinte auf den Buckel nehmen w\u00fcrde.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\">26<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mehr ist zu dieser Frage bei ihr nicht zu finden.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Massenbewegung gegen das Dreiklassenwahlrecht<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem die preu\u00dfische Sozialdemokratie sich aufgrund der ungleichen Stimmenwertung lange geweigert hatte, an den Dreiklassen-Wahlen in Preu\u00dfen \u00fcberhaupt teilzunehmen, zog sie bei der Wahl 1908 zum ersten Mal in den Berliner Landtag ein und agitierte von dort aus gegen das reaktion\u00e4re Wahlgesetz, das die Arbeitermassen im wichtigsten Teilstaat des Reichs von der politischen Mitwirkung ausschloss.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als der soeben ins Amt gekommene Reichskanzler Bethmann Hollweg Anfang 1910 eine Reformvorlage zur Auflockerung des Preu\u00dfenwahlrechts einbrachte (die er nach vier Monaten unverrichteter Dinge wieder zur\u00fcckziehen musste), kam es zu einer breiten Wahlrechtsbewegung, die von Protestversammlungen und Stra\u00dfendemonstrationen bis hin zu politischen Halbtagesstreiks reichte. Der aufflammende demokratische Kampf brachte auch die Forderung nach einer Republik aufs Tapet, die das Erfurter Programm im Bem\u00fchen um Legalit\u00e4t peinlichst vermieden hatte. Deren Losung, so verlangte Luxemburg von der Parteif\u00fchrung, sollte jetzt zu einem Hauptpunkt der Agitation werden.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\">27<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie unterst\u00fctzte die demokratisch-politischen Aktivit\u00e4ten sowohl publizistisch als auch durch Auftritte in einer Vielzahl von Veranstaltungen. Ohne das zu thematisieren, verabschiedete sie sich dabei von der Aussage in ihrer Bernstein-Kritik, dass der demokratische Kampf ein Hemmnis f\u00fcr den sozialistischen Kampf sei.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach au\u00dfen bef\u00fcrwortete der Parteivorstand das Vorgehen gegen das Dreiklassenwahlrecht. Hinter den Kulissen vereinbarte er jedoch mit der Gewerkschaftsf\u00fchrung, politische Streiks f\u00fcr die Beseitigung des preu\u00dfischen Wahlrechts zu verhindern und die Wahlrechtsbewegung auf Versammlungen, Denkschriften und die \u201ebew\u00e4hrten Mittel\u201c des parlamentarischen Kampfs zu beschr\u00e4nken.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\">28<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ebenso ging Karl Kautsky vor. Theoretisch sprach er sich f\u00fcr Massenstreiks und eine demokratische Republik aus (so in \u201eDer Weg zur Macht\u201c, 1910). Politisch-praktisch wandte er sich auf der Linie des Parteivorstands dagegen, derartige Forderungen aktiv zu propagieren, weil sie die Einheit der Partei und die notwendige Ruhe vor der n\u00e4chsten Reichstagswahl gef\u00e4hrden w\u00fcrden; die SPD m\u00fcsse die Macht der Gegner langfristig durch eine Ermattungsstrategie unterminieren. Deshalb verweigerte er auch den Abdruck von Artikeln Luxemburgs zu diesem Thema in der Neuen Zeit\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\">29<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dagegen pl\u00e4dierte Bernstein offensiv f\u00fcr Massenstreiks zur Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts und handelte sich deswegen die Feindschaft der Gewerkschaften ein. Doch Luxemburg ignorierte weiterhin, dass nicht das b\u00fcrgerlich-reformistische Demokratisierungskonzept Bernsteins, sondern das Hineinwachsen der Sozialdemokratie in den preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat die entscheidende Herausforderung bildete.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schonung des Parteivorstands und Spontaneit\u00e4tsdenken<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie begann nun, die F\u00fchrung der Sozialdemokratie offen zu attackieren.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\">30<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie griff den \u201eb\u00fcrokratischen Konservatismus der f\u00fchrenden Gewerkschaftskreise\u201c an, kritisierte die Unterwerfung des Parteivorstands unter die Forderungen der Gewerkschaften und bezeichnete das sog. marxistische Zentrum als \u201eSumpf\u201c, gegen dessen \u201egeistigen Konservatismus\u201c man vorgehen m\u00fcsse<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\">31<\/a><\/span><\/span><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Weiter ging sie jedoch nicht<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Im Vorgehen der Parteif\u00fchrung erkannte sie keine politische Linie, mit der man sich prinzipiell auseinandersetzen musste, sondern betrachtete es als blo\u00dfe Bremserei, als \u00e4rgerlichen Fehler, den die Parteimassen rechtzeitig von sich aus korrigieren w\u00fcrden. Sobald die revolution\u00e4re Periode sich entfaltete, so ihre Meinung, w\u00fcrde \u201ekein Bremsen der Parteif\u00fchrer viel auszurichten imstande sein, dann schiebt die Masse ihre F\u00fchrer, die sich dem Sturm der Bewegung widersetzen, einfach auf die Seite.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\">32<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hinter dieser Hoffnung auf das intuitiv richtige Handeln der Massen steckte eine Spontaneit\u00e4tstheorie, die sie \u201edas historische Wesen des proletarischen Klassenkampfes\u201c darin erblicken lie\u00df, \u201cdass die proletarische Masse keine \u201aF\u00fchrer\u2018 im b\u00fcrgerlichen Sinne braucht, dass sie sich selbst F\u00fchrer ist\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\">33<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Unausgesprochen war die Voraussetzung dieses Spontaneit\u00e4tsdenkens ihre \u00dcberzeugung, dass die Sozialdemokratie unter F\u00fchrung Bebels und Kautskys nach wie vor eine revolution\u00e4re Partei war. Demzufolge w\u00fcrde der \u201eSumpf\u201c, der sich in der F\u00fchrung und leider auch im Parteileben ausbreitete, mit der Versch\u00e4rfung des Klassenkampfs von selbst abgesto\u00dfen werden, weil er dem Proletariat wesensfremd war. Deshalb z\u00fcgelte sie im Vertrauen auf die proletarischen Selbstheilungskr\u00e4fte ihre Kritik an der Parteif\u00fchrung und harrte bis zuletzt in der SPD aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch wie sollten die Arbeiter \u201espontan\u201c zu den richtigen \u00dcberzeugungen gelangen, wenn die Revolution\u00e4re die ma\u00dfgeblichen Fragen nicht schon vorher aufgeworfen und die anstehenden Alternativen vorgezeichnet hatten? Ihrer praktischen Zur\u00fcckhaltung haftete ein seltsam unpolitischer, abstrakter Optimismus an, der dazu f\u00fchrte, dass die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung im entscheidenden Moment ohne Organisation da stand.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Der Weg in den Krieg<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach der russischen Revolution von 1905 hatte sie das Herannahen einer neuen revolution\u00e4ren Epoche konstatiert, die neben Russland insbesondere das Deutsche Kaiserreich erfasste.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Jahr 1909 sprengte ein Steuerstreit \u00fcber die Finanzierung der (b\u00fcrgerlichen) Schlachtflotte das langj\u00e4hrige Reichstagsb\u00fcndnis von Konservativen und Nationalliberalen und lie\u00df den Klassenkompromiss von Bourgeoisie und Junkertum zerbrechen, der die innere Stabilit\u00e4t des Kaiserreichs bis dahin gesichert hatte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\">34<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Ersch\u00fctterung des staatspolitischen Gef\u00fcges des Kaiserreichs hatte zur Folge, dass der Staat unregierbar wurde; die neue Regierung Bethmann Hollweg war auf den wichtigsten Politikfeldern handlungsunf\u00e4hig. Zugleich f\u00fchrte das Auseinanderfallen des \u201eB\u00fclow-Blocks\u201c aus konservativen und b\u00fcrgerlichen Parteien dazu, dass die SPD nach ihrer Niederlage 1907 nunmehr bei der Wahl 1912 fast ein Drittel der Reichstagssitze erobern und sich der Illusion hingeben konnte, bald auf friedlich-parlamentarischem Weg an die Macht zu gelangen. Vor allem aber geriet infolge der Staatskrise die bisherige Vorherrschaftsstellung der Junker immer mehr ins Wanken, bis diese keinen anderen Ausweg mehr als die Flucht in einen Krieg sahen, der wie die Reichseinigungskriege ihre Macht durch einen gro\u00dfen milit\u00e4rischen Sieg auf unabsehbare Zeit sichern sollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Schriften Luxemburgs findet sich zu dem Hegemoniebruch und der folgenden Staatskrise nichts. Weder analysierte sie den Bruch zwischen Konservativen und Nationalliberalen noch bewertete sie den Kanzlerwechsel von B\u00fclow zu Bethmann, obwohl Bethmann eine grundlegend andere Au\u00dfenpolitik verfolgte als sein Vorg\u00e4nger (er war ein Gegner der Welt- und Schlachtflottenpolitik und bem\u00fchte sich um einen Ausgleich mit Gro\u00dfbritannien). Ebenso wenig \u00e4u\u00dferte sie sich zu der zunehmenden Isolierung der Junkerpartei im Reichstag. Wie sollte sie die Tragweite der Ereignisse auch nachvollziehen, wenn sie von b\u00fcrgerlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen im Kaiserreich \u00fcberzeugt war und die Parteien der Konservativen und Liberalen nicht als politische Vertretungen unterschiedlicher Klassen begriff, sondern als unterschiedliche Fraktionen derselben b\u00fcrgerlichen Klasse? Daher konnte sie weder erkennen, wie sich die im Innern unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcche einen Weg nach au\u00dfen bahnten, noch war sie in der Lage, den Arbeitermassen ein tieferes Verst\u00e4ndnis der politischen Entwicklung und der zunehmenden inneren und \u00e4u\u00dferen Spannungen nahezubringen. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie war wie die gesamte 2.\u00a0Internationale fixiert auf \u201eimperialistische\u201c Kriege, womit Kriege um Kolonialbesitz zwischen den \u00f6konomisch entwickelten Staaten gemeint waren. Nach der Faschoda-Krise 1898 war die Marokkokrise 1911, in der Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien an den Rand eines Kriegs gerieten, ein klassischer Fall dieses Imperialismus, wodurch die Warnungen der Sozialisten offenbar eine gl\u00e4nzende Best\u00e4tigung erfuhren. Die Konkurrenz um Kolonien bildete auch den Hauptanlass f\u00fcr die Beschl\u00fcsse der Internationale, in denen die Arbeiterparteien sich gegenseitig versicherten, einen Krieg gemeinsam zu verhindern.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dieses Imperialismus-Bild passte ein Krieg zwischen Deutschland und Russland nicht hinein, denn zwischen beiden Staaten gab es keine Konflikte um koloniale Absatzm\u00e4rkte \u2013 es gab \u00fcberhaupt keine ernsthaften \u00f6konomischen Konflikte. Deshalb konnte die SPD den Antikriegs-Resolutionen der 2.\u00a0Internationale problemlos zustimmen und gleichzeitig den stillschweigenden Vorbehalt pflegen, dass diese Resolutionen f\u00fcr den Fall eines russisch-deutschen Kriegs keine Geltung besitzen w\u00fcrden.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Luxemburg teilte die Imperialismusvorstellungen der 2.\u00a0Internationale und versuchte nur, in ihrem \u00f6konomischen Hauptwerk \u00fcber die Kapitalakkumulation eine eigene Erkl\u00e4rung dieses Imperialismus zu geben.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\">35<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Auf dem Boden dieser Theorie war kein Raum f\u00fcr die Erkenntnis, dass die entscheidende Kriegsgefahr, die in Deutschland heran reifte, aus dem Hegemoniebruch von 1909 resultierte, der das Junkertum sein Heil in einem Machtsicherungskrieg suchen lie\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bebel als Vaterlandsverteidiger<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Wahlsieg der SPD 1912 sowie einem fehlgeschlagenen Staatsstreichversuch schwenkte der Milit\u00e4radel endg\u00fcltig auf einen Kriegskurs ein, um seine Vorherrschaft zu sichern. Bis dato waren die R\u00fcstungsausgaben f\u00fcr das Heer nur moderat gestiegen, weil jeder gr\u00f6\u00dfere Ausbau die vermehrte Einberufung st\u00e4dtisch-proletarischer Rekruten notwendig gemacht h\u00e4tte, wodurch die Zuverl\u00e4ssigkeit des Heeres bei einem Einsatz im Inneren in Gefahr geraten w\u00e4re. Doch jetzt musste das Heer im Hinblick auf einen Landkrieg aufgestockt werden, und deshalb brachte die Regierung 1913 einen Nachtragshaushalt f\u00fcr eine gro\u00dfe Heeresvermehrung ein, die mit der Aufr\u00fcstung Russlands und Frankreichs begr\u00fcndet wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der nachgereichte Etatvorschlag wies eine augenf\u00e4llige Besonderheit auf. Bis dahin hatten die R\u00fcstungshaushalte immer sowohl das junkerliche Heer als auch die b\u00fcrgerliche Flotte ber\u00fccksichtigt \u2013 eine Folge des Reichsgr\u00fcndungskompromisses zwischen Landadel und Bourgeoisie. Doch jetzt sollte zur Best\u00fcrzung der b\u00fcrgerlichen Liberalen lediglich das Landheer die zus\u00e4tzlichen Mittel bekommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Mitglied des Haushaltsausschusses des Reichstags nahm Bebel noch wenige Monate vor seinem Tod an den Etatberatungen im M\u00e4rz\/April 1913 teil und konnte dabei das Auftreten der Klassenkr\u00e4fte aus erster Hand verfolgen. So registrierte er voller Genugtuung, dass Gro\u00dfadmiral Tirpitz, ein Hauptvertreter des maritimen Imperialismus und Sch\u00f6pfer der Schlachtflotte, die Niederlage der Marine \u201emit der gr\u00f6\u00dften Erregung\u201c hinnehmen musste. F\u00fcr den sozialdemokratischen Parteivorsitzenden stand damit fest, dass die imperialistische Kriegsgefahr, d.h. die Gefahr eines deutsch-britisch-franz\u00f6sischen Seekriegs um Kolonien, vor\u00fcber war, weil das Reich seine R\u00fcstung zur See nicht weitertreiben konnte. Dementsprechend erleichtert war seine Reaktion.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\">36<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine ganz andere Stellung nahm er zu der geplanten Heeresverst\u00e4rkung ein. Nach den Haushaltsberatungen verfasste er eine Stellungnahme f\u00fcr den Parteivorstand, die dieser unter der \u00dcberschrift &#8222;Ein ernstes Wort in ernster Zeit. Milit\u00e4rvorlage und internationale R\u00fcstungsindustrie&#8220; als Flugschrift verbreiten lie\u00df.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\">37<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Die Hauptaussage darin war die Warnung vor der Gefahr eines Angriffskriegs \u201evon Osten her&#8220;, der &#8222;unser Vaterland vielleicht vor die Frage von Sein oder Nichtsein stellen&#8220; w\u00fcrde. Im Hinblick darauf bekundete die Flugschrift Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die \u201eVorbereitung einer starken Schutzwehr\u201c und signalisierte die Bereitschaft zur Vaterlandsverteidigung, die sie im darauf folgenden Jahr umsetzte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von Luxemburg gab es keine \u00f6ffentliche Reaktion darauf. Aufgrund ihrer Imperialismustheorie musste sie ebenso wie Bebel die Niederlage der liberal-imperialistischen Schlachtflottenanh\u00e4nger als R\u00fcckgang der Kriegsgefahr bewerten. Die Gefahr eines deutsch-russischen Landkriegs schien dagegen aufgrund derselben Imperialismustheorie fernliegend, und deshalb ma\u00df sie der Flugschrift offenkundig so wenig Tragweite bei wie Bebels regelm\u00e4\u00dfigen Flintenreden im Reichstag. Sie konzentrierte ihre Kritik auf die Steuerfrage, weil die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zur Finanzierung des R\u00fcstungs-Nachtragshaushalts der erstmaligen Einf\u00fchrung einer direkten Steuer (auf Einkommen und Verm\u00f6gen) zugestimmt hatte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\">38<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Krieg und Imperialismustheorie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Jahr sp\u00e4ter wurde die von ihr negierte Kriegsvariante Realit\u00e4t. Um die Unterst\u00fctzung der Arbeiterpartei sicherzustellen, taktierte der deutsche Reichskanzler in der europ\u00e4ischen Julikrise 1914 so lange, bis Russland die Generalmobilmachung seiner Truppen verk\u00fcndete und somit scheinbar ein russischer Angriff (gemeinsam mit dem verb\u00fcndeten Frankreich) unmittelbar bevorstand. Das lie\u00df in den Augen der Sozialdemokraten den Fall der Vaterlandsverteidigung gegen den Zarismus eintreten, so dass die SPD-Reichstagsfraktion die beantragten Kriegskredite mit nur wenigen internen Gegenstimmen bewilligen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Luxemburg wurde von der Entwicklung vollkommen \u00fcberrascht, denn aufgrund ihrer Imperialismustheorie hatte sie die Gefahr eines Kriegs zwischen Russland und Deutschland f\u00fcr ebenso unrealistisch gehalten wie die f\u00fcr diesen Fall lange angek\u00fcndigte Vaterlandsverteidigung durch die SPD. Sp\u00e4testens jetzt w\u00e4re es zwingend gewesen, mit der SPD zu brechen. Aber obwohl sie sich sofort gegen den Krieg und die Politik der Vaterlandsverteidigung wandte, sah sie ihren Platz weiterhin innerhalb der Partei, weil sie glaubte, nur so dazu beitragen zu k\u00f6nnen, die irregef\u00fchrten Mitgliedermassen vom falschen Kurs der Parteif\u00fchrung abzubringen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem Beginn des Kriegs stellte sich u.a. die Aufgabe, dessen Charakter zu beurteilen. Im Prinzip war er ein Landkrieg Deutschlands gegen die beiden Nachbarm\u00e4chte im Osten und im Westen, der mit der vorherrschenden Imperialismustheorie nicht zu erkl\u00e4ren war. Aber nachdem Gro\u00dfbritannien auf Seiten Frankreichs und Russlands in den Krieg eingetreten war, lag scheinbar dieselbe \u201eimperialistische\u201c Konstellation vor wie in der Marokko-Krise drei Jahre zuvor, n\u00e4mlich eine Auseinandersetzung zwischen der aufstrebenden Kolonialmacht Deutschland und den etablierten Kolonialm\u00e4chten England und Frankreich. Daher definierte Luxemburg den Weltkrieg gem\u00e4\u00df ihrer Imperialismustheorie als \u201eKonkurrenzkampf des bereits zur vollen Bl\u00fcte entfalteten Kapitalismus um die Weltherrschaft, um die Ausbeutung der letzten Reste der nichtkapitalistischen Weltzonen.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\">39<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> F\u00fcr die Kriegsteilnahme Russlands, die in dieses Bild nicht hinein passte, fand sie eine L\u00f6sung in dem mit Deutschland verb\u00fcndeten Osmanischen Reich, das von Russland bekriegt wurde, um in den Besitz der Dardanellen zu gelangen. So konnte sie \u201edie deutsche Beherrschung der T\u00fcrkei als das eigentliche Ziel des imperialistischen Angriffskrieges\u201c behaupten und dahinter als Triebkraft das Interesse der Deutschen Bank an den Eisenbahnen des Nahen Ostens, vor allem der Bagdad-Bahn unterstellen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\">40<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Auf diese Weise hatte sie die Inbesitznahme nichtkapitalistischer Territorien als ma\u00dfgeblichen Kriegsgrund ins Spiel gebracht und so ihre Imperialismustheorie gerettet. Nur hatte diese Konstruktion mit dem realen Krieg wenig gemein.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Kriegsziele der Bourgeoisie als Mit-Tr\u00e4gerin des Kriegs resultierten aus der Weltpolitik, die seit Ende der 90er Jahre den au\u00dfen- wie innenpolitischen Angelpunkt der b\u00fcrgerlichen Politik bildete, und richteten sich keineswegs auf die T\u00fcrkei, sondern \u00fcber ein deutsches Mittelafrika hinaus auf die Inbesitznahme der Atlantikh\u00e4fen Belgiens und Nordfrankreichs, um von dort aus den Kampf um eine Weltmachtstellung gegen Gro\u00dfbritannien f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\">41<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gustav Stresemann, als Vorsitzender der Nationalliberalen der f\u00fchrende Kopf der Bourgeoisie und Hauptvertreter der Imperialismuspolitik, vertrat noch kurz vor Kriegsende, dass der Krieg verloren sei, wenn Belgien nicht in deutscher Hand bliebe<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Krieg zur St\u00e4rkung der Milit\u00e4rmonarchie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings bestimmte nicht die Bourgeoisie den Krieg. Die als Instrument der Weltpolitik gebaute Schlachtflotte spielte im Kriegsverlauf kaum eine Rolle, denn sie war nicht in der Lage, es mit der britischen Navy aufzunehmen und die von London verh\u00e4ngte Seeblockade aufzubrechen. Herrscher des Kriegs war das Junkertum, und der Krieg war das Mittel, seine Vorherrschaft \u00fcber das Kaiserreich zu befestigen. Das von den Kleinadeligen befehligte Heer war der ma\u00dfgebliche Tr\u00e4ger der Kriegshandlungen, und w\u00e4hrend in Frankreich und Gro\u00dfbritannien die Parlamente die Herrschaft \u00fcber den Krieg behielten, \u00fcbte in Deutschland die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff ab 1917 eine Milit\u00e4rdiktatur aus, w\u00e4hrend der Reichstag so schwach und politisch wirkungslos blieb wie zuvor.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus dem Vorhaben der Machtsicherung leiteten sich auch die Kriegsziele des Milit\u00e4radels ab. Sie richteten sich in erster Linie auf die Erweiterung seiner Herrschaftsbasis in Preu\u00dfen, um dessen Stellung als deutscher Hegemonialstaat zu st\u00e4rken. Umgesetzt wurden sie im Friedensvertrag von Brest-Litowsk, den die OHL diktierte und der u.a. vorsah, aus den baltischen Staaten F\u00fcrstent\u00fcmer in Personalunion mit der preu\u00dfischen Krone zu machen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An einer Stelle der Junius-Brosch\u00fcre schrieb Luxemburg, dass der Krieg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u201edie St\u00e4rkung der preu\u00dfischen Milit\u00e4rmonarchie zum Zweck hat\u201c<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\">42<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Das beschrieb das Wesen des Kriegs v\u00f6llig richtig \u2013 und stand im diametralen Gegensatz zu ihrer oben zitierten imperialismustheoretischen Erkl\u00e4rung. Aber wie bei ihren Vorkriegseinsch\u00e4tzungen der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse im Kaiserreich war dies nur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>eine<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Variante, denn letztlich kam sie doch wieder auf das Mantra der \u201ekapitalistischen Entwicklung\u201c und einer b\u00fcrgerlichen Herrschaft zur\u00fcck. So bezeichnete sie in ihrem \u201eDezemberprogramm\u201c von 1918 die Hohenzollern als \u201eGesch\u00e4ftstr\u00e4ger der imperialistischen Bourgeoisie und des Junkertums\u201c, nur um fortzufahren: \u201eDie b\u00fcrgerliche Klassenherrschaft, das ist der wahre Schuldige des Weltkrieges\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\">43<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Auf dieser Grundlage konnte sie weder das Wesen des Kriegs und der Sozialdemokratie noch den Charakter der anlaufenden Revolution erfassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die sozialdemokratische Kriegspolitik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie die anderen politisch-gesellschaftlichen Kr\u00e4fte f\u00fchrte auch die sozialdemokratische F\u00fchrung mit dem Krieg ihre Vorkriegspolitik mit anderen Mitteln fort. Auf Basis ihrer Ann\u00e4herung an den preu\u00dfisch-deutschen Staat nahm die Parteif\u00fchrung gleich zu Kriegsbeginn regelm\u00e4\u00dfige Kontakte zur OHL auf, die im Kriegsverlauf immer enger wurden und ihr Novemberb\u00fcndnis von 1918 mit dem Milit\u00e4radel vorbereiteten. Zur Marinef\u00fchrung und zu den B\u00fcrgerlichen insgesamt gab es keine entsprechenden Verbindungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Meilenstein auf diesem Weg war das Vaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz von 1916, das die Zusammenarbeit der Milit\u00e4rf\u00fchrung mit Industrie und Gewerkschaften zur Organisierung der Kriegswirtschaft einschlie\u00dflich der dazu erforderlichen Verteilung der Arbeitskr\u00e4fte regelte. Dabei handelte die sozialdemokratische Gewerkschaftsf\u00fchrung mit der Staatsf\u00fchrung gegen den erbitterten Widerstand der Schwerindustrie aus, dass die Gro\u00dfbetriebe sich f\u00fcr die Gewerkschaften \u00f6ffnen mussten und dort Arbeiter- und Angestelltenaussch\u00fcsse eingerichtet wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Integration in den kriegswirtschaftlichen Produktions- und Verteilungsapparat institutionalisierte die Zusammenarbeit zwischen der Arbeiterpartei und dem Milit\u00e4radel und lie\u00df sozialdemokratische Gewerkschaftsf\u00fchrer durch die Mitarbeit im neu geschaffenen Obersten Kriegsamt und den nachgeordneten \u00c4mtern auf die staatlichen Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaftslenkung gelangen. In keinem anderen europ\u00e4ischen Land war die Einbeziehung in den Staatsapparat so weitgehend, dass \u201edie Arbeiterorganisationen sozusagen Bestandteil der Kriegsmaschinerie selbst wurden\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\">44<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Erster Leiter des Obersten Kriegsamts wurde General Groener, der im November 1918 mit dem SPD-Vorsitzenden den sog. \u201eEbert-Groener-Pakt\u201c zur Zusammenarbeit gegen die Novemberrevolution vereinbarte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\">45<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Von der sozialdemokratischen Presse wurde das Hilfsdienstgesetz in Fortsetzung von Bebels positiver Bewertung des \u201eJunkerstaats\u201c als Sieg des Organisationsgedankens \u00fcber den anarchischen Kapitalismus, als Abkehr von der Privatwirtschaft, \u00dcbergang zur organisierten Wirtschaft und Schritt zum Sozialismus bzw. zu einem deutschen Sozialismus gefeiert. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Luxemburg befand sich w\u00e4hrend des Kriegs die meiste Zeit \u00fcber in Haft, bezog jedoch Zeitungen, bekam Besuche und hatte die M\u00f6glichkeit zu schreiben, konnte also weiter am politischen Leben teilnehmen. Aber zu den innenpolitischen Entwicklungen schwieg sie weitestgehend, und zum Hilfsdienstgesetz und zur sozialdemokratischen Debatte dar\u00fcber als Schritt zum Sozialismus \u00e4u\u00dferte sie sich \u00fcberhaupt nicht. Wie sollte sie das Geschehen auch einordnen, wenn sie von einer b\u00fcrgerlichen Klassenherrschaft ausging, w\u00e4hrend das Hilfsdienstgesetz eine schmerzliche Niederlage f\u00fcr die gro\u00dfe Bourgeoisie bedeutete?<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders auff\u00e4llig ist ihr Schweigen angesichts der innenpolitischen Krise, die das Kaiserreich nach der russischen Februarrevolution 1917 erfasste. Im Sommer dieses Jahres versuchte der Reichskanzler Bethmann Hollweg, wegen der zunehmenden Kriegsm\u00fcdigkeit des Volkes und der bef\u00fcrchteten Revolutionsgefahr einen Remisfrieden mit den Kriegsgegnern abzuschlie\u00dfen. Zu diesem Zweck brachte er Wilhelm\u00a0II dazu, der Abschaffung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts zuzustimmen, um den erwarteten Widerstand des Junkertums zu brechen und die Unterst\u00fctzung der SPD f\u00fcr einen solchen Friedensschluss zu erhalten. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Antwort darauf organisierte die OHL seinen Sturz, stellte den Kaiser kalt und etablierte einen neuen Kriegskanzler (Michaelis), der die entschiedene Fortsetzung des Kriegs garantierte. Die SPD-F\u00fchrung, die nach der russischen Februarrevolution einen deutschen Endsieg erwartete, beteiligte sich hinter den Kulissen an den Man\u00f6vern zum Kanzlersturz. Sie verweigerte Bethmann die Unterst\u00fctzung, war mit dem neuen Kanzler einverstanden und nahm es hin, dass die zugesagte Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts im preu\u00dfischen Landtag sabotiert wurde, um ihr Kriegsb\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel nicht zu gef\u00e4hrden.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\">46<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch wenn Luxemburg die Hintergr\u00fcnde des Geschehens nicht wissen konnte, war Bethmanns Kriegsm\u00fcdigkeit ein offenes Geheimnis und bedeutete das zugesagte Ende des Dreiklassenwahlrechts eine \u00f6ffentliche Kriegserkl\u00e4rung an den Milit\u00e4radel. Obwohl die Julikrise 1917 also eine enorme klassenpolitische Sprengkraft offenbarte, war ihr der Regierungswechsel nicht eine Zeile wert. Bis auf einen nichtssagenden Satz erw\u00e4hnte sie nicht einmal das angek\u00fcndigte Ende des Dreiklassenwahlrechts und sagte auch nichts dazu, dass die SPD dessen Aushebelung stillschweigend tolerierte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Verrat\u201c als Erkl\u00e4rung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die fortdauernde Politik der Vaterlandsverteidigung durch die SPD-F\u00fchrung konnte sie nur so erkl\u00e4ren, dass an der Spitze der Arbeiterpartei ein \u201eKl\u00fcngel von Verr\u00e4tern\u201c stand, der seit August 1914 \u201eVerrat am Sozialismus\u201c beging.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\">47<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Verrats-These korrespondierte, dass es f\u00fcr sie unbegreiflich war, wieso die Massen den Krieg bis zuletzt mittrugen, so dass sie dem Volk noch im Dezember 1918 vorwarf, dass es vier Jahre lang \u201eKulturpflicht, Ehrgef\u00fchl und Menschlichkeit vergessen\u201c h\u00e4tte und \u201esich zu jeder Schandtat missbrauchen lie\u00df\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\">48<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Vor dem Krieg hatte sie aufgrund ihrer Spontaneit\u00e4tstheorie die \u00dcberzeugung vertreten, dass die Arbeitermassen irgendwann von sich aus die Fehler des SPD-Parteivorstands korrigieren w\u00fcrden. Jetzt konnte sie nicht nachvollziehen, wie es der Parteif\u00fchrung immer wieder gelungen war, den sich im Kriegsverlauf aufbauenden Arbeiterwiderstand auszuman\u00f6vrieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber wie wollte sie selber die sozialdemokratischen Arbeiter aufkl\u00e4ren, von der Parteif\u00fchrung abspalten und gegen den Krieg mobilisieren, wenn sie ein schiefes Verst\u00e4ndnis von der Klassenkonstellation des Kaiserreichs besa\u00df, nicht erkannte, dass der Krieg seinem innersten Kern nach ein Machtsicherungskrieg des Junkertums war, und deshalb den Kriegsverlauf klassenpolitisch nicht aufschl\u00fcsseln konnte? Vor allem verkannte sie, in welchem Ausma\u00df die Bebel-SPD in den preu\u00dfisch-deutschen Staat hineingewachsen war und auf dieser Basis nicht einfach nur die Vaterlandsverteidigung propagierte, sondern unter der F\u00fchrung des Parteivorstands zu einer aktiven Kriegspartei wurde, die im B\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel f\u00fcr einen deutschen Endsieg k\u00e4mpfte. So erkl\u00e4rt es sich, dass sie der Parteif\u00fchrung jenseits einer grunds\u00e4tzlichen Kritik der Vaterlandsverteidigung nichts entgegen zu setzen hatte. Am Ende konnte sie deren Politik nur als \u201eVerrat\u201c gei\u00dfeln, d.h. moralisch statt politisch kritisieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dieser Einsch\u00e4tzung der Klassen, des Kriegs und der SPD-F\u00fchrung ging sie in die Novemberrevolution.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>5. Luxemburgs Revolutionskonzept<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch in der Haft verfasste sie im Oktober 1918 einen Revolutionsaufruf, der von Spartakus und den Bremer Linksradikalen als sog. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Oktoberprogramm<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u00fcbernommen wurde. Wenig sp\u00e4ter durch die Ausrufung der Republik \u00fcberholt, schrieb sie nun f\u00fcr die Spartakusgruppe ein <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Dezemberprogramm<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (\u201eWas will der Spartakusbund?\u201c), das den Sozialismus und die Errichtung einer Diktatur des Proletariats zum n\u00e4chsten Ziel erkl\u00e4rte und das der Gr\u00fcndungsparteitag der KPD bald darauf ohne offizielle Verabschiedung als Parteiprogramm \u00fcbernahm.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\">49<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00c4u\u00dferlich kam dieses Programm v\u00f6llig anders daher als das Erfurter Programm, war aber in jeder Hinsicht dessen Kind. Nachdem der lange erwartete \u201eKladderadatsch\u201c der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft jetzt eingetreten war, enthielt es keinen \u00f6konomischen Grundsatzteil mehr, sondern setzte die Orientierung des Erfurter Programms im Stil einer Agitationsbrosch\u00fcre in einen flammenden Aufruf zur Erk\u00e4mpfung des Sozialismus um, endend mit dem Schlusssatz \u201edem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da der Sozialismus die Vergesellschaftung der ma\u00dfgeblichen Produktionsmittel voraussetzte und ohne Landwirtschaft nicht aufgebaut werden konnte, forderte es u.a. die \u201eEnteignung des Grund und Bodens aller landwirtschaftlichen Gro\u00df- und Mittelbetriebe\u201c. Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Bauern in Deutschland Mittelbauern waren, erkl\u00e4rte es damit der Bauernschaft den Krieg. Anstatt sie als B\u00fcndnispartner f\u00fcr die anstehende Revolution zu gewinnen oder wenigstens zu neutralisieren, trieb es sie an die Seite des Junkertums als Schutzmacht gegen ihre drohende Enteignung und machte sie zu einer Reserve der Konterrevolution. Die nach dem Kriegsende in aller Eile aufgestellten Freikorps rekrutierten sich zum gro\u00dfen Teil aus Bauerns\u00f6hnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gegen das Kleinb\u00fcrgertum<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der mit ihrer Sozialismuspolitik einher gehenden Schwierigkeiten war Luxemburg sich durchaus bewusst. In ihrer Rede auf dem Gr\u00fcndungsparteitag der KPD bezeichnete sie die Bauern als die \u201efanatischsten Anh\u00e4nger des Privateigentums\u201c und forderte, um \u201ediese drohende konterrevolution\u00e4re Macht\u201c zu bek\u00e4mpfen, \u201eden Klassenkampf aufs Land hinauszutragen, gegen das Bauerntum das landlose Proletariat und das Kleinbauerntum mobil zu machen.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\">50<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Indes bildeten Kleinbauern in der sozialen Realit\u00e4t der meisten deutschen D\u00f6rfer nur eine Minderheit und waren zudem durch vielfache pers\u00f6nliche Beziehungen mit der Dorfgemeinschaft verwoben. Der Aufruf zur Mobilisierung des Kleinbauerntums gegen den Rest des Dorfs war realit\u00e4tsfern.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Etwas anders als mit den Bauern sah es mit dem \u201elandlosen Proletariat\u201c aus, das sich in Gestalt von Millionen von Gutsarbeitern auf den junkerlichen Latifundien \u00f6stlich der Elbe konzentrierte. Diese Gutsarbeiter hatten in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des Weltkriegs vier Jahre lang engen Kontakt mit Kameraden aus anderen sozialen Schichten und mit anderen politischen Ideen gehabt und waren aus generationenlanger Untert\u00e4nigkeit herausgerissen worden. Sie waren f\u00fcr den Kampf gegen ihre \u201eHerren\u201c und die Enteignung des Gutsbesitzes zu gewinnen, hatten aber wenig Neigung, statt auf Junkerg\u00fctern k\u00fcnftig auf sozialistischen Staatsg\u00fctern zu arbeiten. Sie wollten eigenen Grund und Boden, und den erhielten sie gem\u00e4\u00df den Sozialismusvorstellungen der Linken nicht. Das Konzept, Kleinbauern und das Landproletariat mit dem Versprechen der Errichtung<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">sozialistischer Agrarg\u00fcter gegen die Massen der Bauernschaft zu mobilisieren, war von Anfang bis Ende verfehlt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum aus Handwerkern und Kleinh\u00e4ndlern wurde im Programm nicht erw\u00e4hnt. In der Tradition von 1848 bef\u00fcrworteten gro\u00dfe Teile davon eine revolution\u00e4r-demokratische Politik. So trat etwa die linksliberale DDP, die bei den Wahlen zur Nationalversammlung fast 20% der Stimmen erhielt, f\u00fcr die Zerschlagung des Gro\u00dfgrundbesitzes und seine Verteilung an Bauern und Landarbeiter sowie f\u00fcr die Verstaatlichung von Monopolen ein, und viele liberale Demokraten engagierten sich in den R\u00e4ten. \u201cDie Revolution 1918\/19 war nicht nur ein herausragendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, sondern zugleich die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Volksbewegung in der deutschen Geschichte. Zwar waren Arbeiter in Uniform und Zivil ihre treibende Kraft und ihre Haupttr\u00e4ger. Doch die Revolution erfasste gro\u00dfe Teile des Volkes, die nicht in der sozialdemokratischen und freigewerkschaftlichen Arbeiterbewegung sozialisiert worden sind.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\">51<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das hei\u00dft, gro\u00dfe Teile des Kleinb\u00fcrgertums waren im Rahmen einer demokratischen Revolution als B\u00fcndnispartner zu gewinnen. Doch angesichts der geforderten Enteignungspolitik gegen\u00fcber den Bauern und der angek\u00fcndigten proletarischen Alleinherrschaft war das unm\u00f6glich. Das Sozialismuskonzept Luxemburgs ignorierte das \u201ein der russischen Oktoberrevolution zugespitzt gestellte Problem, dass im 20.Jahrhundert das Proletariat Tr\u00e4ger und F\u00fchrer einer Revolution wird, die nicht seine \u201aeigene\u2018 ist, die den b\u00fcrgerlichen Rahmen der sozial\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse nicht sprengen kann, in der das Proletariat aber nur siegen kann, wenn es die Massen des Kleinb\u00fcrgertums in Stadt und Land gegen Kapital und Gro\u00dfgrundbesitz zusammenschlie\u00dft\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\">52<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Es war das Konzept einer proletarischen Minderheitenrevolution ohne und gegen die kleinb\u00fcrgerlichen Massen in Stadt und Land und hatte keine Aussicht auf Erfolg.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine demokratisch-revolution\u00e4re Bewegung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von der verfehlten B\u00fcndnispolitik abgesehen fand das Revolutionskonzept Luxemburgs auch im Proletariat keine Mehrheit. Sie wies mehrfach darauf hin, dass die Revolution mit dem Ende der Monarchie gerade erst begonnen habe. Damit meinte sie die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialistische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution \u2013 doch es war die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution, die gerade erst begonnen hatte. Wie ihre Vorg\u00e4ngerin, die M\u00e4rzrevolution von 1848, warf die Novemberrevolution die alte Macht im ersten Anlauf \u00fcber den Haufen, aber um deren Wiederkehr zu verhindern, musste sie ihren Sieg befestigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dazu bemerkte Luxemburg, dass die revolution\u00e4re Situation \u201ealle Probleme neu entrollt, die die deutsche Bourgeoisie in der Revolution von 1848 nicht zu l\u00f6sen f\u00e4hig war.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\">53<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Genau so war es, denn um die Revolution zum Erfolg zu f\u00fchren, musste das Proletariat an erster Stelle die Probleme l\u00f6sen, an denen die Bourgeoisie 1848 gescheitert war. Zu diesem Zweck mussten Armee und Staatsapparat aufgel\u00f6st und auf demokratischen Grundlagen neu aufgebaut werden. Der Gro\u00dfgrundbesitz als soziale Basis des Junkertums war zu enteignen, Kirche und Staat zu trennen sowie Justiz, Schule und Universit\u00e4t zu demokratisieren. \u00dcber diese Ma\u00dfnahmen hinaus, die seit 1848 auf der Tagesordnung standen, war die Schwerindustrie zu sozialisieren, um so den b\u00fcrgerlichen Mit-Tr\u00e4ger der alten Ordnung zu entmachten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die hier umrissenen Ma\u00dfnahmen stimmten weitgehend mit den Zielen \u00fcberein, die von der R\u00e4tebewegung vertreten wurden: \u201eSpontan, ungeordnet, nicht v\u00f6llig zu Ende gedacht, wird in den R\u00e4ten der Wunsch gro\u00dfer Teile des Volkes sichtbar, nicht mehr l\u00e4nger kommandiert zu werden, sondern die Dinge irgendwie selber in die Hand zu nehmen. Es geht der Revolutionsbewegung neben der schnellen Beendigung des Krieges auch um eine umfassende \u201aDemokratisierung\u2018 der Gesellschaft. Der alte Obrigkeitsstaat soll von Grund auf ver\u00e4ndert werden. Demokratischer Geist soll in die Armee, die Verwaltung, die Justiz, die Schulen und Fabriken, schlicht in die ganze Gesellschaft einziehen. Der Untertan und der Untertanengeist haben ausgedient.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\">54<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zitierten S\u00e4tze stellen so etwas wie eine Zusammenfassung der Revolutionsforschung dar, die seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die R\u00e4tebewegung in Deutschland in einer Reihe gr\u00fcndlicher Studien untersucht hat.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\">55<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Das Ergebnis dieser Studien ist eindeutig: Es gab je nach Ma\u00dfgabe der in Wellen verlaufenden revolution\u00e4ren Nachkriegskrise bis 1920 mehr oder minder starke Kr\u00e4fte im Proletariat, die f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Vergesellschaftung der Produktionsmittel und eine sozialistische R\u00e4teherrschaft eintraten. Aber diese Kr\u00e4fte repr\u00e4sentierten zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit oder kamen auch nur in die N\u00e4he davon. Die Mehrheit der R\u00e4tebewegung verfolgte <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>revolution\u00e4r-demokratische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ziele.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses Ergebnis deckt sich mit der Feststellung, die bereits der erste Historiker der Novemberrevolution, Arthur Rosenberg, selber ein Zeitgenosse der Ereignisse und zeitweise KPD-Mitglied, getroffen hatte: &#8222;Ein ernster Wille, sozialistische Ma\u00dfregeln durchzuf\u00fchren, zeigte sich im Reich bei den revolution\u00e4ren Massen eigentlich nirgends. Solche Absichten w\u00e4ren schon durch die Haltung der Soldaten verhindert worden, deren Mehrheit nicht sozialistisch war, entsprechend der politischen Zusammensetzung des deutschen Volkes.&#8220;<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\">56<\/a> <\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anders als in Russland kam es in Deutschland zu keinen spontanen Betriebsenteignungen durch revolution\u00e4re Arbeiter, die durchg\u00e4ngig erhobenen Enteignungsforderungen beschr\u00e4nkten sich auf die gro\u00dfe Industrie. Ein anderes Bild konnte lediglich dadurch entstehen, dass der Begriff des Sozialismus in dieser Zeit inflation\u00e4r gebraucht wurde, um alles M\u00f6gliche damit zu bezeichnen. Real hatten Spartakus\/KPD mit ihrem Sozialismusprogramm zu keinem Zeitpunkt nennenswerten Einfluss auf die Revolutionsbewegung.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang betrachtet, stellte sich die spontane Massenbewegung die Aufgabe, die der gegebenen Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung entsprach, und das war die Durchf\u00fchrung einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution, deren Hauptinhalt die Beseitigung des preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4r-und Obrigkeitsstaats mitsamt seinen gesellschaftlichen Wurzeln war, um ihn durch eine revolution\u00e4re Demokratie zu ersetzen. Luxemburg war das zu wenig. Sie sorgte sich, dass \u201edie proletarische Revolution um ihre sozialistischen Ziele\u201c betrogen und \u201ezu einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution\u201c gemacht werden k\u00f6nnte.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\">57<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie begriff nicht, dass das Proletariat nur unter Respektierung der demokratisch-revolution\u00e4ren Prim\u00e4rziele der Revolution gegen die sich formierende Konterrevolution siegen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Konterrevolution <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur Politik der (M)SPD-F\u00fchrung bemerkte sie, dass diese mit Volldampf \u201edie Restauration der fr\u00fcheren, vorrevolution\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse\u201c betreiben w\u00fcrde.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\">58<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Davon abgesehen, dass sie die vorrevolution\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse als b\u00fcrgerlich verstand, traf ihre Feststellung zu. Die Sozialdemokratie hatte bereits unter Bebel davon Abstand genommen, bei einem k\u00fcnftigen Sieg die alte, preu\u00dfisch-obrigkeitliche Staatsmaschinerie zu zerschlagen und eine neue aufzubauen. Ihre F\u00fchrung zielte auf die \u00dcbernahme des vorhandenen Staats und dessen Weiterf\u00fchrung unter eigener Herrschaft. Letzteres sollte der \u00dcbergang zum Parlamentarismus sicherstellen, da aufgrund der Wahlergebnisse der Vorkriegszeit anzunehmen war, dass die SPD dauerhaft eine Mehrheit oder zumindest eine beherrschende Position im Reichstag erreichen w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die Kriegsniederlage in den Besitz der Staatsmacht gelangt, ging die SPD-Spitze sofort daran, dieses Ziel umzusetzen, d.h. die R\u00e4tebewegung zu entmachten, alle Ans\u00e4tze zur Errichtung einer neuen Staatsordnung r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und den Beamtenapparat des Obrigkeitsstaats wieder in seine alten Rechte einzusetzen. In Fortsetzung des 1914-1918 eingegangenen Kriegsb\u00fcndnisses vereinbarte der Parteivorsitzende Ebert so am 10.\u00a0November mit der Obersten Heeresleitung die Zusammenarbeit zwecks \u201eWiederherstellung gesetzm\u00e4\u00dfiger Zust\u00e4nde\u201c (Ebert-Groener-Abkommen).<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenige Tage sp\u00e4ter traf die Gewerkschaftsf\u00fchrung mit der Montanbourgeoisie eine Abmachung, die gegen einige soziale Zugest\u00e4ndnisse die Verstaatlichung der Schwerindustrie abwendete (Stinnes-Legien-Abkommen). Auf diese Weise bildete sich eine konterrevolution\u00e4re Allianz des rechten Fl\u00fcgels der Arbeiterbewegung mit den bisherigen Haupttr\u00e4gern der vorrevolution\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse, deren gemeinsames Ziel es war, hinter der Fassade der Republik die alte Ordnung wiederherzustellen, jetzt allerdings mit Sozialdemokraten an der Spitze (was von Junkern und Schwerindustrie von Beginn an nur als vor\u00fcbergehende Notl\u00f6sung betrachtet wurde).<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der R\u00e4tekongress und das Ende Luxemburgs<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom 16.-21.\u00a0Dezember 1918 tagte in Berlin der \u201eAllgemeine Kongress der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te Deutschlands\u201c, um \u00fcber den weiteren Weg der Revolution zu beschlie\u00dfen. Da Polizei und Verwaltung paralysiert waren und das in der Demobilisierung begriffene Heer von Soldatenr\u00e4ten beherrscht wurde, stellte er zu dieser Zeit das unbestrittene Machtzentrum im Reich dar. Gem\u00e4\u00df der Zahlenverh\u00e4ltnisse in den \u00f6rtlichen R\u00e4ten war die Mehrheit der gew\u00e4hlten Delegierten der MSPD zuzurechnen und eine starke Minderheit der USPD, dagegen war die Spartakusgruppe nur mit einer Handvoll Delegierter vertreten. Das Angebot, auf dem Kongress zu einem Nebenpunkt zu referieren, schlugen Liebknecht und Luxemburg aus und erhielten von der Versammlung kein gesondertes Rederecht.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Antrag, das R\u00e4tesystem zur Grundlage der k\u00fcnftigen Staatsordnung zu machen, bekam von den versammelten R\u00e4tevertretern weniger als ein Viertel der Stimmen, die gro\u00dfe Mehrheit beschloss, am 19.Januar 1919 Wahlen zur Nationalversammlung abzuhalten und ein parlamentarisches System zu errichten. Aus diesem Grund feindete Luxemburg den Kongress als \u201ewilliges Werkzeug der Gegenrevolution\u201c an.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\">59<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Sie wollte nicht wahrhaben, dass die von ihr als \u201eGefolgsleute Eberts\u201c abgetanen R\u00e4te jenseits des Eintretens f\u00fcr eine Nationalversammlung an zwei entscheidenden Punkten mit ihrer Parteif\u00fchrung gebrochen hatten: sie hatten die sofortige Sozialisierung der Schwerindustrie und die vollst\u00e4ndige Zertr\u00fcmmerung des Militarismus beschlossen \u2013 beides gegen den Widerstand Eberts und seiner Gefolgsleute<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Durchsetzung des verabschiedeten Milit\u00e4rprogramms (Hamburger Punkte) h\u00e4tte das Ende des junkerlich-preu\u00dfischen Heeres bedeutet, das 70 Jahre zuvor die M\u00e4rzrevolution niedergeschlagen hatte und jetzt daran ging, im Auftrag der (M)SPD-F\u00fchrung dasselbe mit der Novemberrevolution zu tun. Griff man die Forderungen des R\u00e4tekongresses im Rahmen einer revolution\u00e4r-demokratischen Strategie auf, konnten sie als Hebel dienen, um die Anh\u00e4nger der Sozialdemokratie von ihrer F\u00fchrung zu l\u00f6sen und die allerorten spontan entstandenen Arbeiterwehren zu bewaffneten Tr\u00e4gern der demokratischen Revolution gegen die sich formierende Konterrevolution zu machen.<\/span><\/span><sup><span style=\"text-decoration: line-through;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\">60<\/a><\/span><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Doch im Rahmen einer Sozialismusstrategie <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gegen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die R\u00e4temehrheit bestand daf\u00fcr keine Chance. Ob die Novemberrevolution unter anderen Bedingungen gesiegt h\u00e4tte, steht in den Sternen. Ohne revolution\u00e4re Partei und ein taugliches politisches Konzept war sie jedenfalls zum Scheitern verurteilt, und das hie\u00df zugleich, dass die russische Oktoberrevolution auf sich alleine gestellt blieb und das russische Proletariat unter schwersten Bedingungen einen Weg zum Sozialismus finden musste.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 15.\u00a0Januar 1919 zusammen mit Karl Liebknecht durch eine Freikorps-Soldateska unter Befehl der SPD-F\u00fchrung ermordet, hatte Luxemburg keine Gelegenheit mehr, aus den in der Novemberrevolution gemachten Fehlern zu lernen. Deren Kern bestand darin, dass sie im Gefolge der 2.\u00a0Internationale und der Bebel-SPD den \u00f6konomischen Siegeszug des Kapitals mit der politischen Machteroberung durch die Bourgeoisie gleichsetzte und daher nicht erkannte, dass die anstehende Revolution demokratisch-b\u00fcrgerlich sein w\u00fcrde, vom Proletariat angef\u00fchrt werden musste und nur dar\u00fcber der Weg zum Sozialismus frei wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die gemachten Fehler nicht einsehen, aus ihnen nicht lernen k\u00f6nnen\u201c<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u2013 das war f\u00fcr Rosa Luxemburg der schlimmste aller Fehler. Wenn wir ihr Verm\u00e4chtnis ernst nehmen wollen, m\u00fcssen wir sie beim Wort nehmen und die Niederlagen der Vergangenheit von Grund an aufarbeiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Nachtrag zur Luxemburg-Publizistik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben einer F\u00fclle von Artikeln sind zum 100.\u00a0Todestag Rosa Luxemburgs zwei B\u00fccher erschienen, die aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden erw\u00e4hnenswert sind: eine Biographie von Ernst Piper: \u201eRosa Luxemburg. Ein Leben\u201c sowie von Michael Brie: \u201eRosa Luxemburg neu entdecken. Ein hellblaues B\u00e4ndchen zu \u201aFreiheit f\u00fcr den Feind!\u2018 Demokratie und Sozialismus\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Biographie von Piper gesellt sich zu den fr\u00fcher erschienenen Biographien von Nettl, Laschitza sowie Laschitza\/ Radczun. Bemerkenswert an diesen Biographien, gleich ob sie von Marxisten oder B\u00fcrgerlichen verfasst sind, ist eine \u00fcbergreifende Gemeinsamkeit: keine von ihnen beleuchtet Luxemburgs Wirken vor dem Hintergrund der Realgeschichte des Kaiserreichs. Von der gesellschaftlichen Entwicklung in Preu\u00dfen-Deutschland, den gro\u00dfen politischen Konflikten und Br\u00fcchen erfahren wir in ihnen nichts bzw. nur das, was Luxemburg selber dazu ge\u00e4u\u00dfert hat. Ihre Imperialismustheorie wird dargestellt, ohne auf den \u00dcbergang des b\u00fcrgerlichen Lagers zur Weltpolitik einzugehen und die Konflikte zwischen Liberalen und Konservativen um Schlachtflottenbau, Zollpolitik und Steuerfragen aufzudecken. Wenn es um ihre Kritik an der Rolle des Milit\u00e4rs geht, lesen wir weder etwas \u00fcber das grundbesitzende Junkertum noch \u00fcber die Machtstellung des Milit\u00e4radels gegen\u00fcber den b\u00fcrgerlich-zivilen Kr\u00e4ften im Staat. Die Auseinandersetzung mit Bernsteins Revisionismus wird wiedergegeben, ohne die Schw\u00e4che und den beschr\u00e4nkten Einfluss dieses (b\u00fcrgerlichen) SPD-Fl\u00fcgels zu benennen, so wenig wie umgekehrt Bebels Affinit\u00e4t zum \u201eJunkerstaat\u201c benannt wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch Luxemburgs auff\u00e4llige Zur\u00fcckhaltung bei den Kanzlerwechseln von B\u00fclow zu Bethmann Hollweg und von Bethmann zu Michaelis wird nicht aufgegriffen, um ihr politisches Denken n\u00e4her zu beleuchten. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit dem Weg in den Krieg, dem Krieg selber und Luxemburgs widerspruchsvollem Ringen um dessen Erkl\u00e4rung. Die genannten Publikationen verharren innerhalb der Schranken, in denen ihre Protagonistin selber gefangen war. Anstatt Luxemburgs Wirken einzubetten in den Fluss der Geschichte, werden ihre Grenzen zum Ghetto der biographischen Erz\u00e4hlung gemacht.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anderen Charakter tr\u00e4gt das 2019 erschienene \u201ehellblaue B\u00e4ndchen\u201c von Michael Brie. Es ist von einem Marxisten mit dem Anspruch geschrieben, \u201eihr Wirken unter dem Gesichtspunkt der Strategiefindung und politischen Haltung\u201c zu behandeln (Vorwort), stellt sich also dieselbe Aufgabe wie der vorliegende Text. Aber was erwartet uns bei der Lekt\u00fcre? Wir erfahren einiges \u00fcber Luxemburgs Briefkorrespondenz und ihre menschliche Seite, \u00fcber ihre Verbundenheit mit der Natur und ihr Leiden im Gef\u00e4ngnis. Doch zur Klassenstruktur des Kaiserreichs, auf die jede \u201eStrategiefindung und politische Haltung\u201c eine Antwort finden musste, enth\u00e4lt das Werk nicht einen Satz. Der Autor philosophiert \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Demokratie und Sozialismus im allgemeinen, doch \u00fcber das grundlegende strategische Problem einer Revolution im preu\u00dfisch-deutschen Reich, sprich das Verh\u00e4ltnis von b\u00fcrgerlicher zu sozialistischer Revolution, verliert er kein Wort.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu ihrem Revolutionsprogramm von Ende 1918 vermerkt er lobend: \u201eSprachliche Brillanz, analytische Sch\u00e4rfe, Radikalit\u00e4t des Denkens und ein gro\u00dfer Hoffnungshorizont bilden eine Einheit\u201c.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\">61<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Nur welchen politischen Inhalt hatte dieses Programm? Davon erfahren wir nicht das Geringste. Dass die darin vertretene Sozialismusstrategie eine proletarische Minderheitenrevolution vorsah und keine B\u00fcndnisfrage kannte, sondern die Enteignung der Bauernschaft forderte, h\u00e4lt der Autor nicht f\u00fcr erw\u00e4hnenswert. Was uns als Aufkl\u00e4rung \u00fcber Luxemburgs \u201eWirken unter dem Gesichtspunkt der Strategiefindung und politischen Haltung\u201c versprochen wird, entpuppt sich Seite um Seite als sch\u00f6ngeistige Dampfplauderei \u00fcber die \u201euntrennbare Einheit von Freiheit und Gleichheit, von Selbstbestimmung und Solidarit\u00e4t, von Mitgef\u00fchl und eingreifender Tat\u201c, als deren H\u00f6hepunkt der Autor als Luxemburgs angebliches Erbe die pastorale Aufgabenstellung verk\u00fcndet, \u201eauf menschliche Weise die Welt menschlicher zu machen.\u201c<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\">62<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das B\u00fcchlein ist symptomatisch f\u00fcr einen rechten Fl\u00fcgel des Marxismus, der eine Luxemburg-Konferenz nach der anderen veranstaltet, aber zu ihren realen Irrt\u00fcmern und Fehlern nichts zu sagen hat, sondern seine Aufgabe darin sieht, sie als \u00fcberzeugte Revolution\u00e4rin, die sich der Sache des Proletariats mit Leib und Seele verschrieben hat, zu entsorgen, um sie als Menschheitsbegl\u00fcckerin wiederauferstehen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Baden<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Max von: Erinnerungen und Dokumente; DVA: Stuttgart-Berlin-Leipzig <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1928<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bernstein<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eduard: Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie; rororo: Reinbek b.Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1969<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bley<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Helmut: Bebel und die Strategie der Kriegsverh\u00fctung 1904-1913; Offizin-Verlag: Hannover <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2014<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Brie<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Michael: Rosa Luxemburg neu entdecken. Ein hellblaues B\u00e4ndchen zu \u201eFreiheit f\u00fcr den Feind! Demokratie und Sozialismus\u201c, VSA, Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2019<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Groh<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Dieter: Negative Integration und revolution\u00e4rer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkriegs; Ullstein: Frankfurt\/M-Berlin-Wien <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1973<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner: Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg; VSA: Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2014<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner: Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar; VSA: Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2017<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner \/ <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sauer<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Bernhard \/ <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wernecke<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Klaus: Vom Kriegssozialismus zur Novemberrevolution; VSA: Hamburg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2018<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kl\u00f6nne<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Arno: Die deutsche Arbeiterbewegung. Geschichte, Ziele, Wirkungen; dtv: M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1989<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kolb<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eberhard und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schumann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Dirk: Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundrisse der Geschichte, Band 16): M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2013<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Laschitza<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Annelies: Im Lebensrausch, trotz alledem. Eine Biographie; Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2000<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Laschitza<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Annelies und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Radczun<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, G\u00fcnter: Rosa Luxemburg. Ihr Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung; Dietz-Verlag; Berlin (Ost) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1971<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Luxemburg<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Rosa: Gesammelte Werke Verlag: Berlin(Ost) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1972 ff<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">; im Internet: <\/span><\/span><span style=\"color: #0563c1;\"><u><a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/luxemburg<\/span><\/span><\/a><\/u><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">; oder: www.mlwerke.de\/lu\/default.htm<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nettl<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Peter: Rosa Luxemburg; B\u00fcchergilde Gutenberg: Ffm-Wien-Z\u00fcrich <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1970<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Niess<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfgang: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Revolution von 1918\/19. Der wahre Beginn unserer Demokratie; Europa-Verlag: M\u00fcnchen 2017<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Piper<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Ernst: Rosa Luxemburg. Ein Leben; Blessing Verlag, M\u00fcnchen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2018<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Revolution\u00e4re deutsche Parteiprogramme<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Vom Kommunistischen Manifest bis zum Programm des Sozialismus, hrsg. und eingeleitet von Lothar Berthold und Ernst Diehl; Dietz-Verlag: Berlin (Ost) 1967<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Rosenberg<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Arthur: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik (Teil 1 und 2 in einem Band), Frankfurt\/M.1983<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wette<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfram: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur; Fischer: Frankfurt\/M <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2008<br \/>\n<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zilkenat<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Reiner (Hrsg): \u201e&#8230; alle Macht den R\u00e4ten!&#8220; Die deutsche Revolution 1918\/19 und ihre R\u00e4te; edition bodoni, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2018<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Anmerkungen<\/span><\/strong><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\" style=\"text-align: justify;\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" style=\"text-align: justify;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sozialdemokratie und Parlamentarismus, 1904; GW 1\/2, S.449<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der preu\u00dfische Wahlrechtskampf, 1910; GW 2, S.317; s.a. GW 3, S.147<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die k\u00fcnftige Revanche, Januar 1914; GW 3, S.376<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sozialreform oder Revolution, 1899;GW I\/1, S. 392, 395<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die k\u00fcnftige Revanche; GW 3, S.379<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sozialdemokratie und Parlamentarismus, 1904; GW 1\/2,S.450, sowie Massenstreik, Partei und Gewerkschaften, 1906; GW Bd 2, S.152<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> hierzu Groh 1973<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit 2014, S.53ff; Zitat S.60<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sozialreform oder Revolution; GW 1\/1, S.\u00a0424)<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit 2014, S.24-40, 90-121<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sozialreform oder Revolution; GW 1\/1, S.\u00a0424<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Massenstreik, Partei und Gewerkschaften, 1906; GW 2, S.153; Hervorhebung im Original<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bernstein: Probleme des Sozialismus, zitiert in: Brie, S.\u00a062 = www.marxists.org\/deutsch\/referenz\/bernstein\/1896\/xx\/utopismus.html<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bernstein 1969, S. 11<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bernstein 1969, S.196<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> GW 1\/1, S.400<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit: Die SPD und der \u201eJunkerstaat\u201c, in: Karuscheit u.a. 2018; <\/span><\/span><span style=\"color: #0563c1;\"><u><a href=\"http:\/\/www.kommunistische-debatte.de\/\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">www.kommunistische-debatte.de<\/span><\/span><\/a><\/u><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, Rubrik \u201eNovemberrevolution und Weimarer Republik\u201c<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Protokoll des SPD-Parteitags 1910, S.\u00a0250<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die russische Revolution, 1906; GW 2, S.9<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Theorie und die Praxis, 1909\/10; GW 2, S.401<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Massenstreik, Partei und Gewerkschaften, 1906; GW 2, S.147<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die 1884 verabschiedete \u201eHeidelberger Erkl\u00e4rung\u201c der Nationalliberalen dokumentierte diesen Umschwung. Darin erkl\u00e4rte die F\u00fchrungspartei der Bourgeoisie den Verzicht auf weitere Schritte zur Parlamentarisierung und den Willen zur unbedingten Zusammenarbeit mit Bismarck, um \u201eden Gefahren der Revolution\u201c zu begegnen (Karuscheit 2014, S.113f).<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Lenin: Zur Einsch\u00e4tzung der russischen Revolution, April 1908; LW 15, S.45ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Alfred Schr\u00f6der: Der russische Oktober \u2013 die Geburtsstunde der kommunistischen Bewegung; in: AzD 67\/1999, S.8f<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zitate in: Wette 2008, S.80<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die weltpolitische Lage, 27.Mai 1913; GW 3, S.214<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zeit der Aussaat, M\u00e4rz 1910; GW 2, S.300ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Laschitza \/ Radczun, S.214ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Laschitza, S.334ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Theorie und die Praxis, 1910; GW 2, S.378ff; Die totgeschwiegene Wahlrechtsdebatte, 1910; GW 2, S.437ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Nach dem Jenaer Parteitag, 1913; GW 3, <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">S.\u00a0345, 351ff<\/span><\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Theorie und die Praxis, 1910; GW 2, S.419<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Wieder Masse und F\u00fchrer, 1911; GW 3, S.42<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit 2014, S.179ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Luxemburg meinte \u2013 gegen Marx, dass der zur Akkumulation erforderliche Teil des Mehrwerts nur im Austausch mit nichtkapitalistischen Formationen realisiert werden k\u00f6nne. Weil der nichtkapitalistische Teil der Erde jedoch immer kleiner wurde, schlussfolgerte sie, dass wegen der Konkurrenz der kapitalistischen L\u00e4nder die Wahrscheinlichkeit imperialistischer Kriege um \u201edie Reste des &#8230; nichtkapitalistischen Weltmilieus\u201c immer gr\u00f6\u00dfer werden w\u00fcrde (GW 5, S.364, 391).<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> hierzu Karuscheit: Bebel als Vaterlandsverteidiger; in: AzD 88\/2018, S.23-33; <\/span><\/span><span style=\"color: #0563c1;\"><u><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">www.kommunistische debatte.de, Rubrik \u201eBeitr\u00e4ge zum ersten Weltkrieg\u201c<\/span><\/span><\/u><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> abgedruckt in: Bley S.272f<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Reichstagsfraktion und die Milit\u00e4rvorlage, Juli 1913; GW 3, S.267ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Krise der Sozialdemokratie = Junius-Brosch\u00fcre, verfasst April 1915 und erstmals ver\u00f6ffentlicht im Januar 1916; GW 4, S.153<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Junius-Brosch\u00fcre; GW 4, S.51, 83<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit 2014, S.25ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> GW 4, S.135; Hervorhebung von mir, HK<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Was will der Spartakusbund, Dezember 1918; GW 4, S.442<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kl\u00f6nne, S.136<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Erinnerungen des vorletzten Kanzlers des Kaiserreichs (Prinz Max von Baden) enthalten den Bericht \u00fcber ein Zusammentreffen zwischen den Spitzen von SPD und Gewerkschaften mit Groener am 6.November 1918. Gegenstand war die Frage, wie die beginnende Revolution durch eine Abdankung des Kaisers noch verhindert und die Monarchie gerettet werden k\u00f6nne: \u201eGegen Mittag kamen, wie verabredet, die sozialdemokratischen Parteif\u00fchrer und Gewerkschaftler in die Reichskanzlei, um sich mit dem General Groener auszusprechen: Scheidemann, Bauer, Legien, Robert Schmidt, David, S\u00fcdekum, Ebert waren erschienen (&#8230;) Vom ersten Augenblick &#8230; war das alte Vertrauen da. Es war, als wollten die Herren sagen: Wir, die Arbeiterf\u00fchrer und der General, haben schon einmal im Interesse unseres Landes unsere Bundesgenossenschaft bew\u00e4hrt. Wir sind gekommen, um sie in dieser Stunde zu erneuern.\u201c (Baden, S.591)<br \/>\nDer Begriff der \u201eBundesgenossenschaft\u201c beschreibt treffend das Kriegsb\u00fcndnis zwischen Sozialdemokratie und Milit\u00e4radel, das zwecks gemeinsamer Abwehr der Revolution durch den Ebert-Groener-Pakt vom 10.November seine Fortsetzung fand.<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hierzu Karuscheit 2017, S.\u00a050ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Lehre des 24.M\u00e4rz, April 1916; GW 4, S.184f<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Was will der Spartakusbund? GW 4, S.442<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> GW 4, S.442ff = Revolution\u00e4re deutsche Parteiprogramme, S.107ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> GW 4, S.510<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gerhard Engel: Linksliberalismus in der deutschen R\u00e4tebewegung 1918\/19; in: Zilkenat, S.96<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> A.Schr\u00f6der: Der russische Oktober \u2013 die Geburtsstunde der kommunistischen Bewegung; in AzD 67\/1999, S.9<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Oktoberprogramm der Spartakusgruppe; in: Revolution\u00e4re deutsche Parteiprogramme, S.101<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Niess, S. 166<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u00dcberblick in: Kolb\/Schumann, S.170ff<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rosenberg 1, S.\u00a0239<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Nationalversammlung, 20.November 1918; GW 4, S.409<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rede auf dem Gr\u00fcndungsparteitag der KPD; GW 4, S.502<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eberts Mamelucken, Rote Fahne vom 20.12.1918; GW 4, S.467<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> In Russland legte das Zentrale Exekutivkomitee des Sowjets der soeben gew\u00e4hlten Konstituierenden Versammlung bei deren Zusammentreten im Januar 1918 die entscheidenden Beschl\u00fcsse des II.\u00a0Sowjetkongresses zur Abstimmung vor. Als die Versammlung sich weigerte, diese Beschl\u00fcsse als Grundlage ihrer Arbeit anzuerkennen, unterbanden Truppen des Sowjets das weitere Zusammentreten der Konstituante. Nachdem sie sich durch ihre eigene Entscheidung von den Massen der Bauern und Arbeiter isoliert hatte, rief ihre Aufl\u00f6sung keine nennenswerten Proteste hervor.<br \/>\nIn Deutschland konnte die KPD die Nationalversammlung nicht einmal als Propagandatrib\u00fcne nutzen, um f\u00fcr die Sache der Revolution einzutreten, weil sie aufgrund des vom Gr\u00fcndungsparteitag beschlossenen Wahlboykotts \u00fcber keinen einzigen Abgeordneten verf\u00fcgte.<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Brie, S.142<\/span><\/span><br \/>\n<a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd S\u00a017, 12<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Scheitern eines Revolutionsprogramms von Heiner Karuscheit \u201eVor Fehlern ist niemand gefeit, der in dem gro\u00dfen Drang und Gew\u00fchl des welthistorischen Kampfes Entscheidungen zu treffen hat. Aber die gemachten Fehler nicht einsehen, aus ihnen nicht lernen k\u00f6nnen, aus aller Schmach immer wieder unbelehrbar hervorzugehen \u2013 das grenzt an Verbrechen.\u201c (Luxemburg 1916) Vorbemerkung Rosa Luxemburg verk\u00f6rperte &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1764\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Rosa Luxemburg<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1764","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1764"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1764\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1784,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1764\/revisions\/1784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}