{"id":1725,"date":"2019-10-19T18:11:20","date_gmt":"2019-10-19T16:11:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1725"},"modified":"2019-10-19T18:11:20","modified_gmt":"2019-10-19T16:11:20","slug":"wer-ruiniert-hier-wen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1725","title":{"rendered":"Wer ruiniert hier wen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" style=\"text-align: right;\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was ist jede Krankheit als<br \/>\nin seiner Freiheit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">gehemmtes Leben.\u201c (Karl Marx, 1842)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz G\u00f6tt<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>Anmerkungen zum amtlichen Bericht \u201eSicherheit und Gesundheit<br \/>\n<\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><b>am Arbeitsplatz\u201c 2018<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kann es einen Zusammenhang zwischen Lebenslage, Arbeit, Gesellschaftsordnung, psychischer Gesundheit und Krankheit geben? K\u00f6nnen sich die Umst\u00e4nde gar in der Krankheitsstatistik oder in der Mortalit\u00e4t wiederfinden? Steigt die Rate psychischer Erkrankungen im Kapitalismus an? Oder stagniert sie in Deutschland? Solche Diskussionen fanden bereits in der Vergangenheit statt (1), sie werden auch heute gef\u00fchrt (2) &#8211; nat\u00fcrlich von unterschiedlichen Positionen aus und mit divergierenden Ergebnissen. Denn das wissenschaftliche Feld der Debatte ist politisch vermint und weltanschaulich bunt. Dem Einen m\u00f6gen die Zahlen k\u00f6rperlicher und psychischer Gebrechen lediglich ein gesellschaftliches \u00c4rgernis oder pers\u00f6nliches Ereignis sein oder eben schlicht Schicksal, den Anderen mutet ihre H\u00e4ufung als Ausgeburt der kapitalistischen \u00d6konomie und Gesellschaft an. Dazwischen steht der Arzt oder Therapeut mit seiner Zuwendung zum Kranken, zum Leidenden. Mal neutral, mal realistisch, mal parteiisch, und gegebenenfalls auch ideologisch.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nicht jeder ist bereit, den gesellschaftlichen Realit\u00e4ten ins Auge zu blicken <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Beispiel von gesellschaftlicher Realit\u00e4tsverkl\u00e4rung fand ich in einem \u00e4lteren Beitrag der Zeitschrift die \u201eZeit\u201c aus dem Jahre 2015 (3). Hier erkl\u00e4rten 2 Psychologen ihre Weltsicht auf die Datenlage bei Depression oder Burn-out. Nicht dass diese Autoren weltfremd w\u00e4ren \u2026. Doch die steigende Anzahl \u00e4rztlicher oder therapeutischer Diagnosen zu Depression oder das Burn-out (welches sie gar als \u201eModediagnose\u201c titulieren) bereitete ihnen Bauchschmerzen und reizte sie zum politischen Widerspruch, ganz im Sinne des liberalen Mainstreams. Nein es sei ganz anders: \u201eWissenschaftliche Untersuchungen, mit denen die Verbreitung von Krankheiten ermittelt wird, sogenannte epidemiologische Studien, zeigen zwischen 1947 und 2012 keinen Anstieg von Depressionen und anderen psychischen St\u00f6rungen. Es gibt keine konsistenten Belege daf\u00fcr, dass diese Erkrankungen zugenommen h\u00e4tten.\u201c Und die steigenden Diagnosen? \u201eDie \u00e4rztliche Praxis hat sich \u2026 ver\u00e4ndert, aber nicht die Gesundheit der Menschen.\u201c So ihr Tenor. Auch lehnten die Autoren die These \u201evom psychisch zunehmend \u00fcberfordernden Kapitalismus\u201c ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was die Autoren des Artikels st\u00f6rte, war die Zahl, Art und Begr\u00fcndung der psychiatrischen Diagnosen ihrer Kollegen und die linke Verkoppelung mit der kapitalistischen Wirklichkeit. Sie w\u00fcnschten die Diagnosen und die Betrachtung zu individualisieren. Sozialpsychologie interessiert nicht; Kapitalismuskritik: um Gottes Willen. Bei ihnen scheitern einzelne Menschen vor den Herausforderungen des Lebens. Eben nicht alle &#8211; was ja auch stimmt. Differenzialdiagnose w\u00fcrde ich da fordern. Zudem wandele sich die Arbeitswelt in Technik und Produktions-Organisation st\u00e4ndig, da sei eben Flexibilit\u00e4t des Einzelnen gefordert und auch mit etwas Willen erwerbbar. Die Chancen des Wandels w\u00fcrden die Risiken \u00fcberwiegen \u2026 &#8211; Um nun Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen, sei gesagt, dass meine nun folgenden kritischen Anmerkungen nicht behaupten, dass jede psychische Krankheit oder individuelle Erkrankung auf exogenen Faktoren fu\u00dft oder auf reaktive Art entsteht. Endogene Faktoren sowie die menschliche Psyche im Geschehen werden von mir nicht ausgeschlossen. Nur wenn ein Ph\u00e4nomen wie das Burn-out oder die Depression im Kontext der sich stetig ver\u00e4ndernden Arbeits- und Lebenswelt massenhaft auftritt, sollte man da nicht wenigstens an die M\u00f6glichkeit gesellschaftlich bedingter oder vermittelter Erkrankungen denken und auf <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gesellschaftliche<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> L\u00f6sungen sinnen? Dagegen aber sperren sich die angesprochenen Autoren eigentlich. Sie stehen f\u00fcr mich f\u00fcr eine verbreitete Denkweise im B\u00fcrgertum. Die Autoren werden nur deshalb hier angef\u00fchrt.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lassen wir es also bei der Vorstellung solcher Ansichten bewenden. \u2013 Zudem: Die momentane Datenlage l\u00e4sst die Kl\u00e4rung der Frage eh nicht zu, ob der Kapitalismus in Deutschland die psychischen Probleme seiner Unterworfenen st\u00e4ndig versch\u00e4rft oder die Formen seiner Lasten entsprechend seiner Bewegung nur best\u00e4ndig umschichtet. F\u00fcr eine Beurteilung solcher Fragen ist der beobachtete Zeitraum nach 1945 zu kurz und die statistischen\/methodischen Probleme bei der Erfassung der Wirklichkeit einstweilen zu gravierend (worauf auch die oben zitierten Autoren selber hinweisen). Dass der Kapitalismus jedoch ruin\u00f6s auf die Gesundheit der arbeitenden Klassen einwirkt, steht f\u00fcr mich fest.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Begn\u00fcgen wir uns im Weiteren mit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Betrachtungen zur Jetztzeit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, anhand \u00f6ffentlicher Zahlen und Berichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die aktuellen Rapporte 2018\/19 <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2018 ver\u00f6ffentlichte die Bundeanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ihren Bericht \u201eSicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz\u201c, den das Bundeskabinett billigte. Zu den Ergebnissen hei\u00dft es in der FAZ: \u201ePsychische Erkrankungen wie ein Burn-out oder eine Depression sind inzwischen der zweith\u00e4ufigste Grund, warum Arbeitnehmer von einem Arzt krankgeschrieben werden. Die Statistiker errechnen daraus Produktionsausf\u00e4lle im Wert von 12,2 Milliarden Euro im Jahr. Auf dem unr\u00fchmlichen ersten Platz der arbeitsbedingten Erkrankungen stehen unver\u00e4ndert Probleme an den Muskeln oder am Skelett (vor allem R\u00fcckenleiden). Geht es nicht nur um vor\u00fcbergehende Fehltage, sondern um die Erwerbsf\u00e4higkeit insgesamt, fallen die Zahlen noch alarmierender aus. Dem Bericht zufolge mussten sich im vergangenen Jahr 71.300 Menschen wegen psychischer Probleme erwerbsunf\u00e4hig melden und in Rente gehen. Seelische Leiden sind damit mit Abstand die h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr eine verminderte oder verlorene Erwerbsf\u00e4higkeit. Sie kommen deutlich \u00f6fter vor als Renteneintritte wegen eines Tumors (21 600 F\u00e4lle) oder einer Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems (21 400). \/ <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mittlerweile ist unstrittig, dass psychische Belastungen mit dem Wandel der Arbeitswelt zunehmen\u201c, hei\u00dft es in der Studie. Die Ursachen f\u00fcr eine psychische Erkrankung seien vielf\u00e4ltig, mit teils komplexen Wechselwirkungen. Jenseits der arbeitsbedingten psychischen Belastungen spielten auch die pers\u00f6nliche Veranlagung und private Schwierigkeiten eine Rolle. Unzweifelhaft aber w\u00fcrden auch die steigenden arbeitsbedingten Belastungen \u201ezur Zunahme psychischer St\u00f6rungen, aber auch zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit teilweise langer Krankheitsdauer beitragen\u201c. \/ Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die h\u00e4ufigen Krankschreibungen sind kaum \u00fcberraschend. Die Bundesanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nennt unter anderem zu viel Arbeit, die in zu kurzer Zeit erledigt werden soll. Zu den belastenden Faktoren z\u00e4hlen ferner lange Arbeitszeiten, Schichtarbeit, flexible bis nicht-vorhersehbare Arbeitszeiten, unzureichende M\u00f6glichkeiten zur Erholung und eine \u201einad\u00e4quate Pausengestaltung\u201c. Hinzu kommen jene Faktoren, die so gut wie allen Arbeitnehmern bekannt sein d\u00fcrften: Termindruck, Multitasking und h\u00e4ufige Unterbrechungen. Negativ aufs Gem\u00fct schlagen vielen Menschen auch dienstliche Mails und Anrufe in der Freizeit. Konkret gibt jeder vierte Besch\u00e4ftigte an, dass von ihm erwartet werde, auch in der Freizeit f\u00fcr die Arbeit erreichbar zu sein. Zumindest die Studienautoren k\u00f6nnen sich vorstellen, dies radikal zu unterbinden: \u201eJede Inanspruchnahme nach Feierabend stellt eine Unterbrechung der t\u00e4glichen Ruhezeit dar und muss zu einer erneuten Gew\u00e4hrung der vollst\u00e4ndigen Ruhezeit von elf Stunden bis zum n\u00e4chsten Arbeitseinsatz f\u00fchren.\u201c Mit konkreten Empfehlungen h\u00e4lt sich die Studie ansonsten zur\u00fcck oder rettet sich in Allgemeinpl\u00e4tze. So raten die Autoren zu einer vorausschauenden Personalplanung und einer systematischen F\u00f6rderung der Mitarbeiter. Empfohlen wird auch, den Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten.\u201c (4)<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zeitlich nachfolgende eigenst\u00e4ndige Untersuchungen der Krankenkassen TK (5) und der DAK (6a\/b) haben zur obigen Erhebung keine wirklich abweichenden Befunde erbracht. Zwar variieren die Krankheitszahlen leicht je nach Erfassungsjahr oder der jeweiligen Klientel der Kassen. In der Tendenz stimmen die Prognosen jedoch mit den amtlichen Befunden \u00fcberein.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weitere Daten lassen sich auch aus einer Abfrage der \u201eLinken\u201c bei der Bundesregierung ziehen (7). Hier hei\u00dft es: \u201eDie Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme hat sich in den vergangenen 10 Jahren mehr als verdoppelt. Sie stieg von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017, \u2026 Die daraus entstehenden wirtschaftlichen Ausfallkosten stiegen demnach im selben Zeitraum von 12,4 auf 33,9 Milliarden Euro. \u2026 Laut (Bundesarbeits-) Ministerium stieg zwischen 2007 und 2017 auch die Zahl der Renteneintritte wegen verminderter Erwerbsf\u00e4higkeit aufgrund psychischer St\u00f6rungen von rund 53.900 auf mehr als 71.300. Dies bedeutet ein Plus von 32,3 Prozent. W\u00e4hrend der Anteil der Rentenzug\u00e4nge aufgrund psychischer St\u00f6rung an allen Rentenzug\u00e4ngen im Jahre 2007 noch bei 33,4 Prozent lag, stieg er 2017 auf 43 Prozent. Im Vergleich zu 1997 mit einem Anteil von 20,7 Prozent ist dem Arbeitsministerium zufolge bis 2017 sogar mehr als eine Verdoppelung zu verzeichnen.\u201c \u00dcber das Leid hinter den Zahlen erfahren wir nichts.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eigentlich m\u00fcssten an dieser Stelle weitere Kapitel zum Thema \u201ePsychische Erkrankungen\u201c folgen. So zur Frage: wie vollst\u00e4ndig ist der \u201eAnteil der Besch\u00e4ftigten, f\u00fcr die bis 2015 eine Gef\u00e4hrdungsbeurteilung psychische Belastung\u201c durch den Staat erhoben wurde? Wie ist das mit der regionalen Verteilung der Fallzahlen, wie mit den Unterschieden bei den Geschlechtern, welche Gewerke sind dabei besonders betroffen? Oder welche Kontroversen werden zur Interpretation der Daten zwischen den Interessensgruppen ausgetragen usw.? Doch ist dies im Rahmen eines Kurzartikels nicht machbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wenn der Hahn kr\u00e4ht auf dem Mist, \u00e4ndert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.\u201c (Volksweisheit)<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den oben zitierten Berichten und in ihrer Reflexion gibt es auch einzelne \u201aSchlussfolgerungen\u2018 aus der Politik. Ihre Intentionen und ausgesprochenen D\u00fcrftigkeiten lassen nichts wirklich Bewegendes erwarten:<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">* Beunruhigt durch den gestiegenen Arbeitsstress und wuchernde prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse fordern die deutschen Gewerkschaften seit L\u00e4ngerem eine gesetzliche \u201eAnti-Stress-Verordnung\u201c. Dazu haben z.B. IG. Metall oder ver. di lesenswerte Studien zur \u201eGuten Arbeit\u201c geliefert. \u00d6ffentlichkeitswirksam ist auch der j\u00e4hrlich erhobene \u201eGute Arbeit Index\u201c, der auf einer Befragung kleiner Arbeitnehmer-Gruppen zur Lebenssituation fu\u00dft. Doch vermisst man in der gewerkschaftlichen Arbeit die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung und eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>politische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mobilisierung ihrer eigenen Basis zur Durchsetzung gesunder Lebens- und Arbeitsverh\u00e4ltnisse.<br \/>\n* \u201eDie Sprecherin f\u00fcr Arbeitnehmerrechte im Bundestag, Beate M\u00fcller-Gemmeke, forderte, dass die Regierung etwas gegen die psychischen Belastungen tun m\u00fcsse. Sie verlangte eine Verordnung, die konkretisiert, wie Arbeitgeber und Betriebsr\u00e4te gemeinsame L\u00f6sungen gegen \u201ajede Form von Stress\u2018 entwickeln k\u00f6nnen. Zudem muss endlich Schluss sein mit prek\u00e4ren und unsicheren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen\u201c, forderte sie.\u201c Und weiter: \u201eDie Besch\u00e4ftigten brauchen soziale Sicherheit und Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen.\u201c (8) Warme Worte. Nur, wo sind die entsprechenden Gesetzesinitiativen ihrer Gr\u00fcnen Partei? Unverbindliche Worte helfen nicht.<br \/>\n* Trotz der hohen Zahlen an psychischen Erkrankungen (2019) sieht das Arbeitsministerium erkl\u00e4rterma\u00dfen keinen Handlungsbedarf. So schreibt die Presse: \u201eDie Bundesregierung sieht bei der Bek\u00e4mpfung der Stressfaktoren in erster Linie die Arbeitgeber in der Pflicht: Gegen psychische Belastungen w\u00fcrden keine neuen Arbeitsschutzregeln helfen, erkl\u00e4rte das (Arbeits- d.V.) Ministerium. Ziel m\u00fcsse es vielmehr sein, Betriebe und Besch\u00e4ftigte zu bef\u00e4higen, das vorhandene Arbeitsschutzinstrumentarium zu nutzen, um Gesundheitsrisiken durch psychische Belastungen fr\u00fchzeitig zu erkennen und zu verhindern.\u201c (9) Also fast alles in Butter. Zudem, den Bock, das Kapital, zum G\u00e4rtner zu k\u00fcren, ist eine reife ideologische Leistung. Hat das Kapital nicht den \u201aAcker des Lebens\u2018 seit altersher bearbeitet (siehe oben) und die Verw\u00fcstungen selber angerichtet? Es kennt doch nur den Profit als Lebensziel. R\u00fccksicht gegen das Leben muss man ihm abtrotzen, auch durch scharfe Zwangsgesetze des Staates. Das Heil vom Kapital zu erwarten, ist ein Schmarren.<br \/>\n* Und was tut sich nun bei der Partei die \u201eLinke\u201c? Man ist flei\u00dfig mit Abfragen zur Lage bei der Bundesregierung. Und nat\u00fcrlich muss alles besser werden. Doch, was nun?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Letztlich, so meine Meinung, muss man das Aufbegehren der \u201eM\u00fchseligen und Beladenen\u201c gegen die kapitalistische Wirklichkeit erst noch vorbereiten und munitionieren. Ohne Aufkl\u00e4rung und politische Propaganda f\u00fcr die Tat (auch durch uns) geht es nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Quellen, Anmerkungen und Literaturangaben <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1 ) Zu denken ist hier z.B. an klassische Arbeiten wie \u201eDie Lage der Arbeitenden Klassen in England\u201c von Friedrich Engels, 1845; das \u201eKapital\u201c von Karl Marx; oder die medizinsoziologischen Arbeiten: Alfred Grotjahn: Soziale Pathologie. Berlin,1923; Christian Astrup: Nerv\u00f6se Erkrankungen und soziale Verh\u00e4ltnisse. Berlin, 1956; Manfred Pflanz: Sozialer Wandel und Krankheit. Stuttgart, 1962; usw. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2 ) Siehe z.B.: B.Wiebel\/A.Pilenko\/G.Nintemann (Hrsg.): Mechanismen psychosozialer Zerst\u00f6rung. Neoliberales Herrschaftsdenken, Stressfaktoren der Prekarit\u00e4t, Widerstand. Hamburg: VSA, 2011. \/ W. Storz: Mode oder Aufschrei. Viele bel\u00e4cheln das Ausgebranntsein als Managerkrankheit. Doch die Ersch\u00f6pfung bedroht die Demokratie. in: taz, 5. Dez. 2013, S. 22<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">3 ) M. Dornes u. M. Altmeyer: Macht der Kapitalismus depressiv? Nein. Die g\u00e4ngige Sozialkritik ignoriert die empirischen Befunde. in: Die Zeit, Nr. 2, 8.\u00a0Jan. 2015, S. 27 <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">4 ) sch\u00e4.: 100 Millionen Fehltage wegen psychischer Leiden. Immer mehr Arbeitnehmer erkranken an Depression \/ Mediziner warnen vor zu viel Druck und Multitasking. in: FAZ, 13. Dez. 2018, S. 17<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">5 ) ami.: Krankenstand 2018 auf neuem Rekordhoch. in: FAZ, 20. April 2018, S.\u00a022<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">6 ) a\/ dpa-AFX.: Weniger Fehltage durch psychische Krankheiten. In: FAZ, 29.Jan. 2019, S. 17. &#8211; b\/ bee.: Viel mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. Psychotherapeuten: Wartezeiten f\u00fcr einen Termin zu lang. In: FAZ, 26. Juli 2019, S. 19<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">7 ) epd.: Immer mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen. Vor allem M\u00e4nner zwischen 60 und 65 Jahren sind betroffen \/ Bundesregierung sieht Unternehmer in der Pflicht. In: GN, 27. M\u00e4rz 2019, S. 7<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">8 ) Beate M\u00fcller-Gemmeke, zitiert bei Konstantin Stumpe: Zahl der Fehltage wegen kranker Psyche verdoppelt. Analyse So k\u00f6nnte der wirtschaftliche Schaden von 12,2 Milliarden Euro verhindert werden. in: GN, 13. Dez. 2018, S.2<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">9 ) ebd.: S. 7<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas ist jede Krankheit als in seiner Freiheit gehemmtes Leben.\u201c (Karl Marx, 1842) Fritz G\u00f6tt Anmerkungen zum amtlichen Bericht \u201eSicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz\u201c 2018 Kann es einen Zusammenhang zwischen Lebenslage, Arbeit, Gesellschaftsordnung, psychischer Gesundheit und Krankheit geben? K\u00f6nnen sich die Umst\u00e4nde gar in der Krankheitsstatistik oder in der Mortalit\u00e4t wiederfinden? 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