{"id":1717,"date":"2019-10-19T18:11:36","date_gmt":"2019-10-19T16:11:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1717"},"modified":"2019-10-19T18:11:36","modified_gmt":"2019-10-19T16:11:36","slug":"hundert-jahre-russische-revolutionen-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1717","title":{"rendered":"Hundert Jahre russische Revolutionen"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alfred Schr\u00f6der<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"western\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 18pt;\"><b>Kritische R\u00fcckschau auf weitere Publikationen (Teil 3)<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vorbemerkung: Kein neueres Thema als alte Revolutionen?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von den letzten acht Nummern dieser Zeitschrift widmeten sich sieben Ausgaben schwerpunktm\u00e4\u00dfig der russischen bzw. der deutschen Revolution vor einem Jahrhundert. Und die entsprechenden Artikel beinhalten durchg\u00e4ngig eine kritische Auseinandersetzung mit linken &#8211; aber auch b\u00fcrgerlichen &#8211; Publikationen. Anders die Mehrzahl der linken Autoren. Sie haben sich inzwischen von der Besch\u00e4ftigung mit den Revolutionsereignissen der Vergangenheit abgewandt. F\u00fcr sie sind \u201eaktuellere Fragen\u201c wie die \u00f6kologische Krise, Elektromobilit\u00e4t oder Co\u00b2-Abgaben<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> im gegebenen Moment bedeutsamer, als alte oder gescheiterte Revolution des vorherigen Jahrhunderts erneut zu hinterfragen. Sie gehen davon aus, mit einer oder zwei Ver\u00f6ffentlichungen, mit dem abzuarbeitenden \u201eNachruf\u201c auf die Revolutionen, ihrer Pflicht zur Aufarbeitung der historischen Ereignisse nachgekommen zu sein. Bis zum n\u00e4chsten Jahrestag (aktuell 30. Jahrestag des Endes der DDR)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> muss das reichen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies wird von einigen Autoren dieser Zeitschrift nicht so gesehen. Und das aus gutem Grund. Vor 20 Jahren \u2013 in der Nummer 67 der AzD \u2013 hie\u00df es: \u201eTheorie und Politik der Kommunisten im 20. Jahrhundert hatten ihren Ursprung in der russischen Oktoberrevolution. Die siegreiche Revolution von 1917 war die faktische Geburtsstunde der kommunistischen Bewegung im Westen Europas. Mit dem russischen Oktober wird der Leninismus, wird der russische Bolschewismus zu einer in ganz Europa wirksamen Theorie und Politik des revolution\u00e4ren Fl\u00fcgels der Arbeiterbewegung; der russische Oktoberumsturz wird zum Katalysator der Gr\u00fcndung kommunistischer Parteien im Westen Europas. Diese Parteien blickten alle nach Osten, zur ersten siegreichen proletarischen Revolution im 20. Jahrhundert. Mit der Gr\u00fcndung der III.\u00a0Internationale gewinnt diese auf der siegreichen Oktoberrevolution fu\u00dfende theoretisch-politische Hegemonie der russischen Kommunisten \u00fcber die europ\u00e4ische Arbeiterbewegung organisatorische Gestalt. Heute, nach den un\u00fcbersehbaren Niederlagen, m\u00fcssen wir deshalb den Blick ebenfalls nach Osten und erneut auf den russischen Oktober richten, um zu verstehen, auf welchen gesellschaftlichen, auf welchen theoretischen und politischen Positionen die Gr\u00fcndung der kommunistischen Bewegung erfolgte.<br \/>\nEnde 1997 j\u00e4hrte sich zum 80. Male der Jahrestag der Oktoberrevolution. Die Linke begleitete den Jahrestag mit Nachrufen, nicht mit Analysen. Die entscheidende Frage, warum der Marxismus-Leninismus und die kommunistischen Gruppierungen in ihrer heutigen theoretischen und politischen Gestalt keinen Bezugspunkt mehr f\u00fcr die Arbeiterklasse der industriell entwickelten L\u00e4nder und die revolution\u00e4ren Bewegungen der dritten Welt bilden, wurde gar nicht aufgeworfen.<br \/>\nF\u00fcr Europa liegt die Antwort offen zutage: Der Marxismus-Leninismus war eine Theorie der Niederlagen der Arbeiterbewegung in Westeuropa. Alle Revolutionen des europ\u00e4ischen Proletariats in diesem Jahrhundert scheiterten &#8211; au\u00dfer der russischen -, und mit ihnen scheiterten notwendig die politischen Bewegungen (die Kommunisten) und theoretischen Begr\u00fcndungen (der Marxismus-Leninismus der Komintern und des osteurop\u00e4ischen Sozialismus). <i>Der Zerfall der Sowjetunion und das Ende der DDR haben dieses Kapitel politisch abgeschlossen, theoretisch aufgearbeitet ist es noch nicht.<br \/>\n<\/i>Die Geschichte der marxistischen Theorie und Politik des 20. Jahrhunderts muss neu geschrieben werden. Die Oktoberrevolution, ihre theoretische Begr\u00fcndung und die von ihr abgeleitete politische Orientierung bilden dabei einen zentralen Punkt. Die Aufgabe der Revolution\u00e4re und speziell der deutschen Kommunisten muss darin bestehen, eine wissenschaftliche Erkl\u00e4rung der Niederlagen der europ\u00e4ischen Arbeiterbewegung herauszuarbeiten &#8230;\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>I. Marxismusverst\u00e4ndnis der Linken<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hat sich an dieser Aufgabenstellung f\u00fcr jene Kr\u00e4fte, die sich <i>Kommunisten<\/i> nennen, die sich auf den russischen Oktober als Geburtsstunde einer neuen politischen Str\u00f6mung berufen, etwas ge\u00e4ndert? Kann der zitierte Satz: \u201eDer Marxismus-Leninismus war eine Theorie der Niederlagen der Arbeiterbewegung in Westeuropa\u201c inzwischen n\u00e4her erkl\u00e4rt oder muss er verworfen werden? Kann der Begriff des \u201eMarxismus-Leninismus\u201c nach den inzwischen verstrichenen 20 Jahren genauer gefasst, politisch und theoretisch definiert werden? Und wie kann der Niedergang der kommunistischen Parteien aus den Bewegungen der Gesellschaftsschichten, aus den Klassenk\u00e4mpfen des vergangenen Jahrhunderts erkl\u00e4rt werden? Bis auf die in der AzD ver\u00f6ffentlichten Positionen zu diesen Themen, gab es in der Linken weiterhin keine Fortschritte bei der Behandlung dieser Fragen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die mangelnde Konfliktf\u00e4higkeit der Linken \u2026<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Ver\u00f6ffentlichungen der Mehrzahl der linken Autoren zum Zentenarium der russischen und der deutschen Revolution \u2013 und hier insbesondere die der Zeitschrift <i>Z<\/i> und ihres publizistisches Umfelds \u2013 haben sich der oben genannten Aufgabenstellung erst gar nicht gestellt. Sie haben sich weder mit der b\u00fcrgerlichen Publizistik und deren Kritik an der russischen wie auch der deutschen Revolution auseinandergesetzt noch die Debatte untereinander \u2013 in der Linken selbst &#8211; gesucht. Die einzelnen Ver\u00f6ffentlichungen und \u201eNachrufe\u201c auf die Revolutionen der Vergangenheit wurden h\u00f6flich gegenseitig rezensiert, man versicherte sich \u201ekenntnisreich, kritisch und ausgewogen\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> publiziert zu haben und dabei jede neue Interpretation der historischen Ereignisse tunlichst gemieden zu haben. Die Ausf\u00fchrungen des \u201eKurzen Lehrgangs\u201c (Geschichte der KPDSU\/B) wurden \u2013 falls erw\u00e4hnt \u2013 verdammt, als Interpretation der Ereignisgeschichte aber ebenso durchg\u00e4ngig \u00fcbernommen, da man keine \u201eneue Geschichte\u201c zu erz\u00e4hlen vermochte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Der Erkenntnisgewinn solcher Ver\u00f6ffentlichungen ist ad\u00e4quat ihrer Diskussionsfreudigkeit gleich null.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Missachtung, die die b\u00fcrgerliche Wissenschaft und Presse gegen\u00fcber der heutigen Gestalt des Marxismus an den Tag legt, ihr Desinteresse an der Behandlung historischer Fragen durch die deutsche Linke, ist in jeder Hinsicht nachvollziehbar. Helmut Altrichter warf hierzu bereits in seinem 1997 erschienen Buch zur russischen Gesellschaft und Revolution die bezeichnende Frage auf, ob es \u201e\u00fcberzeugte Marxisten\u201c auf diesem Gebiet der Geschichtswissenschaft \u00fcberhaupt noch g\u00e4be (\u201ewenn es sie noch gibt\u201c).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> Die Mut- und Argumentationslosigkeit der Linken gegen\u00fcber der b\u00fcrgerlichen Kritik am russischen Oktober oder dem deutschen November ist Ausdruck der Unf\u00e4higkeit, dieser Kritik entgegenzutreten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> Wir haben diesen Vorwurf in den letzten Nummern dieser Zeitschrift wiederholt thematisiert. Im Folgenden wollen wir diese Kritik weiterf\u00fchren und das \u201eMarxismusverst\u00e4ndnis\u201c der heutigen Linken ins Zentrum stellen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>und ihr Marxismusverst\u00e4ndnis <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die mangelnde \u201etheoretische Konfliktf\u00e4higkeit\u201c hat eine ihrer Ursachen &#8211; wie ich meine, sogar die zentrale Ursache &#8211; im Marxismusverst\u00e4ndnis der Linken: Ihr Ansatz, die Geschichte <i>nicht<\/i> als eine Geschichte von <i>konkreten<\/i> Klassen und ihren Auseinandersetzungen in einem ebenso <i>konkret<\/i> zu bestimmenden gesellschaftlichen Umfeld zu <i>untersuchen<\/i>, sondern zu neuen Erkenntnissen aus einer anderen <i>Interpretation<\/i> der \u201eKlassiker\u201c zu gelangen, ist ebenso albern wie der Versuch, die Entstehung der Welt aus der Sch\u00f6pfungsgeschichte der Bibel herzuleiten. Neue Erkenntnisse sind nur aus der Analyse der gesellschaftlichen und sozialen Wirklichkeit der behandelten Zeitepoche zu gewinnen und nicht aus einer \u201eNeuauslegung der Schrift\u201c. Umgekehrt m\u00fcssen die Schriften der \u201eKlassiker\u201c vielmehr im Kontext ihres historischen Umfelds und des damals gegebenen Wissens- und Forschungsstandes der Autoren gelesen werden. Mit dem geschilderten Herantreten der Linken an Politik und Geschichte, mit ihren Versuchen, dieselbe aus den Schriften der \u201eKlassiker\u201c <i>neu zu interpretieren<\/i>, anstatt <i>sie neu zu untersuchen<\/i>, kann man kaum einen tauglichen Gedanken entwickeln und ebenso wenig der b\u00fcrgerlichen Kritik entgegentreten, die f\u00fcr <i>Neuinterpretation<\/i> von l\u00e4ngst widerlegten Positionen \u2013 mit Recht \u2013 wenig Interesse zeigt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Machen wir den Vorwurf konkret. Bei der Geschichtsschreibung der Linken haben wir es im Regelfall nicht mit einer <i>konkreten<\/i> Bourgeoisie \u2013 beispielsweise der russischen \u2013 zu tun, die in ihrer historischen Gestalt sowohl nach b\u00fcrgerlicher wie nach leninistischer Sicht unf\u00e4hig war, die politische Macht in Russland zu ergreifen oder zu behaupten<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a>; sondern mit der Bourgeoisie als solcher, der Bourgeoisie sans phrase, die nach vorgegebener marxistischer Sicht unweigerlich in der \u201eb\u00fcrgerlichen Revolution\u201c von Februar 1917 die Macht ergreifen musste und diese Macht in fast allen Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema auch erh\u00e4lt, mit einer &#8211; daf\u00fcr aber entscheidenden &#8211; Ausnahme: in der Wirklichkeit der russischen Revolution reichte es nur zur <i>Regierungsbildung<\/i> <i>bzw. -beteiligung<\/i>, w\u00e4hrend die <i>Macht<\/i> in den H\u00e4nden des Sowjets verblieb. Dies herauszuarbeiten war ein Thema der letzten Ver\u00f6ffentlichungen zur russischen Revolution in den AzD.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk17981230\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht besser steht es um die Behandlung der Bauernschaft in Russland. Wir bekommen es bei dem gerade geschilderten Marxismusverst\u00e4ndnis keineswegs mit dem <i>historischen russischen Bauern<\/i> zu tun, <i>dessen Geschichte der Linken v\u00f6llig unbekannt ist<\/i>, sondern mit dem \u201ekleinen Warenproduzenten\u201c, den die Bauernschaft als gesellschaftliche Kategorie \u2013 wie im Marxschen Kapital dargestellt \u2013 sozusagen naturnotwendig ausbilden muss. So wird anstelle der Geschichte des <i>russischen<\/i> Bauern die Geschichte <i>des<\/i> Bauern oder der Bauernschaft aus dem \u201eKapital\u201c und dem historischen Materialismus \u2013 mehr oder weniger verfremdet \u2013 hergeleitet, die mit der tats\u00e4chlichen Geschichte der russischen Bauern wenig gemein hat. So hat man sich jegliche M\u00f6glichkeit zum Verst\u00e4ndnis der russischen Revolution bereits methodisch verbaut.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Was bedeutet \u201ehistorischer Materialismus?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Friedrich Engels hat obiges Herantreten an die Geschichte <i>denunziert<\/i> und deutlich gemacht, worin die wirkliche Aufgabe besteht: \u201eAuch die materialistische Geschichtsauffassung hat deren heute eine Menge\u201c (gemeint sind \u201efatale Freunde\u201c; A.S.), \u201edenen sie als Vorwand dient, <i>Geschichte nicht zu studieren.<\/i> Ganz wie Marx von den franz\u00f6sischen \u201aMarxisten\u2018 der letzten 70er Jahre sagte: \u201aTout ce que je sais, c`est que je ne suis par Marxiste.\u2018 \u2026<br \/>\n\u00dcberhaupt dient das Wort \u201amaterialistisch\u2018 in Deutschland vielen j\u00fcngeren Schriftstellern als eine einfache Phrase, womit man alles und jedes ohne weiteres Studium etikettiert, d.h. diese Etikette aufklebt und dann die Sache abgetan zu haben glaubt. <i>Unsere Geschichtsauffassung aber ist vor allem eine Anleitung beim Studium, kein Hebel der Konstruktion \u00e0 la Hegelianertum. Die ganze Geschichte muss neu studiert werden<\/i><b>, <\/b>die Daseinsberechtigungen der verschiedenen Gesellschaftsformationen <i>m\u00fcssen im Einzelnen untersucht werden<\/i>, ehe man versucht, die politischen, privatrechtlichen, \u00e4sthetischen, religi\u00f6sen etc. Anschauungsweisen, die ihnen entsprechen, aus ihnen abzuleiten. <i>Darin ist bisher nur wenig geschehen<\/i>, weil nur wenige sich ernstlich darangesetzt haben. Darin k\u00f6nnen wir Hilfe in Massen brauchen, das Gebiet ist unendlich gro\u00df, und wer ernstlich arbeiten will, kann viel leisten und sich auszeichnen. <i>Statt dessen aber dient die Phrase des historischen Materialismus (<\/i>man kann eben alles zur Phrase machen) nur zu vielen j\u00fcngeren Deutschen <i>nur dazu, ihre eigenen relativ d\u00fcrftigen historischen Kenntnisse \u2013 die \u00f6konomische Geschichte liegt ja noch in den Windeln!)<\/i> \u2013 schleunigst systematisch zurechtzukonstruieren und sich dann sehr gewaltig vorzukommen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir; A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Engels formuliert hier wenige Jahre vor seinem Tod die Aufgabenstellung <i>\u201edie ganze Geschichte muss neu studiert werden\u201c<\/i>, die \u201everschiedenen Gesellschaftsformen m\u00fcssen im Einzelnen untersucht werden\u201c und res\u00fcmiert zum Stand dieser Arbeit: \u201eDarin ist bisher nur wenig geschehen\u201c und \u201edie \u00f6konomische Geschichte liegt ja noch in den Windeln\u201c. Ist dieser von Engels herausgearbeiteter Mangel im 20. Jahrhundert behoben worden oder wurde nicht vielmehr umgekehrt ein vermeintlich ausgearbeiteter historischer Materialismus der tats\u00e4chlichen Menschheitsgeschichte \u00fcbergest\u00fclpt, dieselbe, um Engels Worte zu nutzen, \u201esystematisch zurechtkonstruiert\u201c?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur\u00fcck zu obigem Engelszitat aus dem Jahr 1890. Er konnte nicht ahnen, dass im 20. Jahrhundert das direkte Gegenteil dessen geschah, was er gefordert hatte; dass damit begonnen wurde, unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus keineswegs die wirkliche Geschichte der Menschheit zu untersuchen, sondern dieselbe aus den Werken von Marx, Engels, Lenin etc. <i>herzuleiten<\/i>.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> Genau diese Gestalt hatte der \u201ehistorische Materialismus\u201c ab Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts angenommen, als die Abfolge bestimmter Gesellschaftsformationen zum wissenschaftlichen Standard des \u201eMarxismus\u201c, zum Fundament des \u201ehistorischen Materialismus\u201c wurde, der vorgab, die Gesamtheit der Menschheitsgeschichte mit seinen Kategorien erfassen und erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">War der \u00f6konomische Determinismus bereits in der 2. Internationale zur Grundlage eines fehlerhaften Marxismusverst\u00e4ndnisses in der deutschen Sozialdemokratie geworden<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a>, so wurde mit der Theorie der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der historischen Abfolge der gesellschaftlichen Formationen dem \u00d6konomismus der 2.\u00a0Internationale noch ein revolution\u00e4rer Teleologismus beigef\u00fcgt, der den Sieg des Sozialismus\/Kommunismus als notwendiges Produkt der Menschheitsgeschichte darstellte und verk\u00fcndete. Das war die Gestalt des \u201eHisto-Mat\u201c im Sowjetmarxismus, in der DKP und den K-Gruppen in Westdeutschland, mit dem wir aufgewachsen und inzwischen alt geworden sind (und, dies sei hinzugef\u00fcgt, den wir in der Vergangenheit ebenso geteilt hatten, bis uns die Fakten eines Besseren belehrten).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor bald 50 Jahren nahm diese Herleitung in der BRD eine weitere, <i>spezifisch westdeutsche Gestalt<\/i>, an. So haben in Deutschland Rudi Dutschke und Bernd Rabehl mit dem Ansatz begonnen, die Geschichte der russischen Revolution und ihrer weiteren Entwicklung aus der \u201eNeuauslegung\u201c speziell einiger weniger bekannter<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> oder von Marx gar nicht ver\u00f6ffentlichter Schriften<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> erkl\u00e4ren zu wollen. Dieser Ansatz hat unz\u00e4hlige Buchseiten gef\u00fcllt und die Debatte \u00fcber den \u201easiatischen Charakter\u201c der russischen Despotie und des russischen Sozialismus befl\u00fcgelt, ohne einen einzigen ernsthaften Erkenntnisgewinn zur Revolution und dem letztendlichen Scheitern der Sowjetunion ans Licht zu bringen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk17727613\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Ver\u00f6ffentlichung des Genossen Thomas Kuczynski \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> \u2013 die im folgendem besprochen wird \u2013 ist ein Musterbeispiel dieses gerade kurz umrissenen Marxismusverst\u00e4ndnisses. Kuczynski besch\u00e4ftigt sich in dem genannten Artikel mit der Frage des russischen Oktobers und seines Scheiterns. Er versucht, eine oder mehrere Ursachen des Scheiterns ausfindig zu machen, ohne die Niederungen der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse des zaristischen und sp\u00e4ter revolution\u00e4ren Russlands zu betreten bzw. dieselben zu analysieren. Er verbleibt in der Tradition von Dutschke und Rabehl, er sucht die Fehler des russischen Oktobers aus den abgehobenen Sph\u00e4ren der \u201eSchrift\u201c, vermittels eines Vergleichs der Marxschen Ausf\u00fchrungen zur russischen Dorfgemeinde und der Leninschen Politik im Oktober 1917 herzuleiten. Aber was, wenn beide \u201eKlassiker\u201c falsch lagen?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>II. Thomas Kuczynski \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk17813664\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dem Agrardekret des russischen Oktobers findet Genosse Kuczynski dann die erste verh\u00e4ngnisvolle Abweichung Lenins von den Marxschen Positionen. \u201eMit der \u2013 ich wiederhole \u2013 von den Sozialrevolution\u00e4ren verlangten und von Lenin sanktionierten Enteignung des Gemeindelandes wurde genau dieser St\u00fctzpunkt zerst\u00f6rt\u201c (gemeint ist das Gemeineigentum der russischen Dorfgemeinde, das nach Marx der \u201aSt\u00fctzpunkt der sozialen Wiedergeburt Russlands\u2018 sein k\u00f6nnte; A.S.) und das Gemeineigentum in Privateigentum verwandelt.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> Mit dieser von Kuczynski aufgedeckten Abwendung von der Marxschen Lehre bzw. ihrer Ignorierung \u2013 ob nun bedingt durch sozialrevolution\u00e4re Einflussnahme, wie der Genosse nahelegt, oder nicht \u2013 h\u00e4tte die russische Revolution ihren ersten agrar- und klassenpolitischen S\u00fcndenfall begangen, der dann in die \u201eZwangskollektivierung\u201c und den Niedergang der Sowjetunion m\u00fcndete.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18152231\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was Genosse Kuczynski aus der Klassiker-Exegese herausgefiltert hat, ist schlichtweg Unsinn, denn mit dem Agrardekret wurde kein \u201eGemeineigentum in Privateigentum verwandelt\u201c,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> doch dazu sp\u00e4ter mehr. Aber ein Unsinn, der leicht erkl\u00e4rbar ist, da Kuczynski <i>sich mit der wirklichen Geschichte der russischen Dorfgemeinde gar nicht besch\u00e4ftigt hat<\/i>. Seine Erkenntnisse zur Dorfgemeinde entstammen den Schriften von Marx, Engels und Lenin. Was diese zur Dorfgemeinde publiziert haben und wie er, Kuczynski, die genannten Autoren verstanden bzw. missverstanden hat, das bildet die Grundlage seiner Ver\u00f6ffentlichung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk17984793\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Passenderweise schrieb Marx selbst etwas zu einem solchen Herantreten an das Thema: \u201eWas werfe ich dort\u201c (gemeint ist der <i>Nachtrag<\/i> zur deutschen Erstausgabe des <a href=\"http:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/show\/marx_kapital01_1867\"><span style=\"color: #000000;\">Kapital Bd. 1, Hamburg, 1867<\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\">,<\/span> Seite 763; A.S.) \u201ediesem Schriftsteller vor? Dass er die russische Dorfgemeinde <i>nicht in Russland, sondern in dem Buch<\/i> von Haxthausen, einem preu\u00dfischen Regierungsrat, <i>entdeckt hat<\/i> und dass in seinen H\u00e4nden die russische Dorfgemeinde nur als Argument daf\u00fcr dient, dass das verfaulte alte Europa durch den Sieg des Panslawismus erneuert werden m\u00fcsse.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir; A.S.) Kuczynski ersetzt das Buch von Haxthausen durch die Schriften von Marx, Engels und Lenin und meint damit, auf der sicheren Seite zu sein, was f\u00fcr einen Materialisten und revolution\u00e4ren Marxisten, als welcher er sich sicherlich begreift, ebensolcher Unsinn ist wie seine Interpretation des Agrardekrets vom Oktober 1917, das er genauso wenig analysiert hat wie die Geschichte der russischen Dorfgemeinde (wie wir weiter unten noch aufzeigen werden).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seit den Ausf\u00fchrungen von Marx zur russischen Dorfgemeinde sind in der wirklichen Welt fast anderthalb Jahrhunderte vergangen und der Forschungsstand \u00fcber diese Dorfgemeinde ist ein anderer als er es in den Jahren 1850 bis 1880 war, als Marx seine Hypothesen u. a. zur russischen Dorfgemeinde entwickelte. Das, was zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine <i>geniale Hypothese auf dem gegebenen Stand der Wissenschaft war<\/i> &#8211; und genau dem entsprach die Marxsche Position zu dieser Zeit -, ist heute eine Theorie, deren wissenschaftliche Grundlage nicht mehr aufrecht zu halten ist. 150 Jahre sp\u00e4ter und um eine Vielzahl von Entdeckungen \u00fcber die menschliche Geschichte reicher ist dies ein vergeblicher Versuch, die Richtigkeit der \u201eSchrift\u201c gegen\u00fcber wissenschaftlich belegten Tatsachen zu verteidigen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Marx und der Agrarkommunismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Auffassungen von Marx und Engels zu aktuellen politischen Fragen und zu historischen Themen wie beispielsweise zur Entwicklung historischer Gesellschaftsformen in der Menschheitsgeschichte entsprachen dem Stand der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft zu ihrer Zeit. So sind ihre Aussagen nicht nur zur russischen, sondern ebenso zur indischen oder zur germanischen Dorfgemeinde einzuordnen. Nun zeichnet die b\u00fcrgerliche Forschung samt Spatenarch\u00e4ologie seit mehr als 100 Jahren ein weitgehend anderes Bild als Marx und Engels aus ihren Quellen folgern konnten. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Carsten Goehrkes gr\u00fcndliche und lesenswerte Arbeit zum Thema \u201eDie Theorien \u00fcber Entstehung und Entwicklung des \u201eMIR\u201c schreibt dazu: \u201eMarx` Briefe<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> zeigen also, dass seine These vom urgesellschaftlichen Gemeineigentum urspr\u00fcnglich in Berichten \u00fcber asiatische Bodenkollektive wurzelt; dass er sich ferner die Auffassungen der zeitgen\u00f6ssischen b\u00fcrgerlichen Forschung, die die russische Umteilungsgemeinde als urzeitlich interpretierte, zu eigen gemacht hat und darin und in der Markgenossenschaftstheorie von Maurer eine Best\u00e4tigung seiner eigenen Auffassung sah. Im Grunde vertritt Marx also das gleiche \u2013 nur auf eine rein materialistische Basis und in den Zusammenhang eines dialektischen Geschichtsbildes gestellte \u2013 Entwicklungsschema wie Roscher, Maine und Laveleye; dass n\u00e4mlich der Agrarkommunismus die \u00f6konomisch-naturgesetzliche Ausgangsbasis der Grundbesitzentwicklung bei allen V\u00f6lkern sei. Jedoch scheint er unabh\u00e4ngig von ihnen zu dieser Auffassung gelangt zu sein, wenn er sich auch auf genau die gleichen Quellen st\u00fctzt. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Diese kurzen Bemerkungen haben wohl gezeigt, in welchem Umfang Marx dem<\/i><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Forschungsstand seiner Zeit verhaftet war.<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> (Hervorhebung von mir; A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gerade die im letzten Satz ge\u00e4u\u00dferte Einschr\u00e4nkung ist Marx eben nicht zum Vorwurf zu machen. Welcher ernsthafte Forscher ist nicht \u201edem Forschungsstand seiner Zeit verhaftet\u201c? Auf welch anderen Fundamenten kann ein Forscher zu neuen Erkenntnissen gelangen als auf den von der wissenschaftlichen Forschung zusammengetragen Fakten? Goehrke zielt in der angef\u00fchrten Stelle auch mehr auf die russischen Forscher<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> und die heutigen \u201eMarxisten\u201c, die sich weigern, die Auseinandersetzung mit den b\u00fcrgerlichen Forschungsergebnissen zu suchen, um in Kenntnis und Debatte mit diesen Positionen die Ausf\u00fchrungen von Marx entweder zu verteidigen oder zu verwerfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eben <i>nicht<\/i> dem Forschungsstand ihrer Zeit verhaftet, sondern dem der Mitte des 19. Jahrhunderts, das war die sowjetische Forschung zu historischen Themen im 20. Jahrhundert, wie Goehrke es belegt. Und der Genosse Kuczynski behandelt die russische Dorfgemeinde ausgehend von demselben 150 Jahre alten wissenschaftlichen Fundament, ohne ein Wort zu den gegenteiligen und gut belegten Ergebnissen der b\u00fcrgerlichen Forschung zu verlieren, die weiter unten kurz dargestellt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Marx und die russische Dorfgemeinde<\/b> <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur Zeit Marxens war die russische Dorfgemeinde gerade erst \u201eentdeckt\u201c worden, durch den bereits erw\u00e4hnten preu\u00dfischen Regierungsrat Haxthausen und seine viel beachteten Ver\u00f6ffentlichungen dar\u00fcber. F\u00fcr die Slawophilen in der russischen Intelligenz war diese Dorfgemeinde Ausdruck der sozialen \u00dcberlegenheit der slawischen Rasse und Angelpunkt einer k\u00fcnftigen sozialen Neugestaltung des zaristischen Russlands. Nicht der qualvolle kapitalistische Weg des Westens w\u00e4re das Schicksal Russlands, sondern dank der \u201esozialistischen\u201c Struktur des russischen Dorfes (Gemeineigentum der Dorfgemeinde) k\u00f6nne Russland ohne wesentliche \u00f6konomische und soziale Umgestaltungen <i>allein durch die politische Revolution <\/i>(Bakunin)<i> <\/i>direkt zum Sozialismus gelangen. Der russische Bauer war f\u00fcr sie \u201eder geborene Revolution\u00e4r\u201c. F\u00fcr diese Auffassungen bildete die \u201eEntdeckung\u201c der Dorfgemeinde als Umteilungsgemeinde die theoretische und politische Grundlage. Bis Mitte der 70er Jahre des 19.\u00a0Jahrhunderts standen Marx und Engels in heftiger Auseinandersetzung mit dieser Str\u00f6mung des Anarchismus (Bakunin) und den slawophilen \u201eRevolution\u00e4ren\u201c in Russland. Der Brief von Marx (an Engels), auf den sich Goehrke im obigen Zitat beruft, macht dies deutlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Museum \u2026 u.a. die neuesten Schriften von old Maurer (dem alten bayrischen Staatsrat, der schon Rolle gespielt als einer der Regenten Griechenlands und die Russen mit zuerst, lang vor Urquhart, denunziert) geochst <i>\u00fcber deutsche Mark-, Dorf- etc. Verfassung<\/i>. Er zeigt ausf\u00fchrlich nach, dass das Privateigentum am Boden erst sp\u00e4ter entstand usw. Die bl\u00f6dsinnige westf\u00e4lische Junkeransicht, dass die Deutschen sich jeder f\u00fcr sich niedergelassen und erst nachher D\u00f6rfer, Gaue etc. gebildet, vollst\u00e4ndig widerlegt. Interessant gerade jetzt, dass die russische Manier der Wiederverteilung in bestimmten Terminen (in Deutschland erst j\u00e4hrlich) des Bodens sich in Deutschland stellenweis bis ins 18. und selbst 19. Jahrhundert erhielt. Die von mir aufgestellte Ansicht, dass \u00fcberall die asiatischen resp. indischen Eigentumsformen in Europa den Anfang bilden, erh\u00e4lt hier (obgleich Mauerer nichts davon wei\u00df) neuen Beweis. <i>F\u00fcr die Russen verschwindet aber auch die letzte Spur eines Anspruchs of originality, selbst in this line. Was ihnen bleibt, ist, noch heute in Formen zu stecken, welche ihre Nachbarn seit langem abgestreift.<\/i><b> <\/b>Die B\u00fccher des old Maurer (von 1854 und 1856 etc.) sind mit echt deutscher Gelehrsamkeit geschrieben\u00a0\u2026\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> (Hervorhebung von mir; A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18239173\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies schrieb Marx 1868. Die Spitze gegen die russischen Slawophilen ist nicht zu \u00fcberlesen. Wenige Jahre sp\u00e4ter hat Marx neue Informationen \u00fcber die russische Dorfgemeinde erhalten und bittet den russischen \u00dcbersetzer des Kapitals, Danielson, um Auskunft. \u201eIch w\u00e4re Ihnen sehr dankbar f\u00fcr einige Informationen \u00fcber Tschitscherin&#8217;s Auffassungen von der geschichtlichen Entwicklung des Gemeindeeigentums in Russland und \u00fcber seine Polemik in dieser Angelegenheit mit Bjeljajew.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> <i>Die Art, wie diese Form des Eigentums (geschichtlich) in Russland begr\u00fcndet wurde, ist nat\u00fcrlich eine Frage zweiten Ranges und hat \u00fcberhaupt nichts mit der Bedeutung dieser Einrichtung zu tun<\/i>. (Hervorhebung von mir, A. S.) &#8230; Zudem spricht alle historische Analogie gegen Tschitscherin. Wie soll es m\u00f6glich sein, dass in Russland diese Institution als rein fiskalische Ma\u00dfnahme, als Begleiterscheinung der Leibeigenschaft eingef\u00fchrt worden sein soll, w\u00e4hrend sie \u00fcberall nat\u00fcrlich entstanden ist und eine notwendige Phase der Entwicklung freier V\u00f6lker bildete?\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Nachfrage verdeutlicht, dass sich in Russland unterschiedliche Auffassungen zur Entstehungsgeschichte der russischen Dorfgemeinde herausbildeten. Marx \u2013 obwohl noch immer in offener Frontstellung zu den Slawophilen \u2013 h\u00e4lt die Entstehung der Dorfgemeinde aus \u201efiskalischen Ma\u00dfnahmen\u201c f\u00fcr unwahrscheinlich, da f\u00fcr ihn weiterhin das Gemeineigentum am Boden \u201e\u00fcberall nat\u00fcrlich entstanden ist und eine notwendige Phase der Entwicklung freier V\u00f6lker bildete\u201c. Aber noch immer war die \u201eFaktenlage\u201c, der Forschungsstand der damaligen Zeit \u00fcber die tats\u00e4chliche Entstehungsgeschichte, so sp\u00e4rlich, dass gesicherte Erkenntnisse nicht zu formulieren waren. Und so sprach nichts Ernsthaftes gegen die Hypothese von Marx und er konnte seinem Briefpartner (der Volkst\u00fcmler war) das Zugest\u00e4ndnis machen, dass die Entstehung der Dorfgemeinschaft eine Frage \u201ezweiten Ranges\u201c sei gegen\u00fcber der Bedeutung ihrer tats\u00e4chlichen Existenz. Wir werden sehen, dass auch diese Annahme falsch war.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die wirkliche Geschichte der russischen Bauernschaft<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einerseits l\u00e4sst man den Ausl\u00e4nder nicht das Dorf besuchen, damit er nicht etwas erblickt und es der Welt erz\u00e4hlt; anderseits wird der Russe vom Dorf ferngehalten, damit er nicht \u00fcberfl\u00fcssiges Licht in dasselbe hineintr\u00e4gt. Ist es da nicht verwunderlich, dass nicht nur Europa, sondern auch Russland das Dorf nicht kennt.\u201c Wie schwierig es im 19. Jahrhundert gewesen war, ein genaueres Bild von der russischen Dorfgemeinde zu gewinnen, macht das obige Zitat aus dem Jahr 1906 deutlich. Carsten Goehrke, der es in seiner dreib\u00e4ndigen Geschichte des russischen Alltags anf\u00fchrt, f\u00fcgt noch hinzu: \u201eDie b\u00e4uerliche Welt Russlands zeigte sich also auch am Anfang des 20. Jahrhunderts Au\u00dfenstehenden immer noch als ein kaum zug\u00e4nglicher eigener Kosmos, und der Autokratie war es nur recht so.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von der \u201erussischen Bauernschaft\u201c zu sprechen ist irref\u00fchrend, da sie sowohl geographisch als auch sozial sehr unterschiedlich gepr\u00e4gt war. Stephen A. Smith umrei\u00dft die ungef\u00e4hre zahlenm\u00e4\u00dfige und regionale Verteilung der unterschiedlichen Teile der russischen Bauernschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. \u201e1905 verf\u00fcgten in den 46 Provinzen des europ\u00e4ischen Teils von Russland 8,68 Millionen Haushalte \u00fcber Land, das formell der kommunalen Neuaufteilung unterstand, w\u00e4hrend 2,3 Millionen \u00fcber Landbesitz auf erblicher Basis verf\u00fcgten (das also vom Vater auf den Sohn \u00fcberging). \u2026 Im Baltikum gab es keine derartigen Dorfgemeinschaften, und in der Ukraine herrschte die Erbfolge vor.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> In den zwei Jahrzehnten vor der Revolution sind also etwas mehr als ein Viertel der russischen Bauern <i>Landeigent\u00fcmer<\/i> und ann\u00e4hernd dreiviertel der Bauern sind <i>keine Eigent\u00fcmer<\/i> ihrer Ackerfl\u00e4chen. Sie besitzen sie durch die Dorfgemeinde, die der Eigent\u00fcmer des Bodens ist und \u00fcber seine Verteilung in der Dorfgemeinde entscheidet. Diese unterschiedlichen Eigentumsverh\u00e4ltnisse sind dazu regional deutlich geschieden. Die Ukraine, das Baltikum, teilweise Sibirien und verschiedene kosakische Siedlungsgebiete sind Regionen mit Privateigentum am Boden. Hier nimmt die Revolution einen anderen Verlauf als in den Gebieten der Umteilungsgemeinde. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So kann auf den folgenden Seiten nur ein ganz kursorischer R\u00fcckblick auf die Geschichte der russischen Bauernschaft, haupts\u00e4chlich jener Bauern in den zentralrussischen Gebieten gegeben werden, um den Umfang dieser Rezension nicht zu sprengen. Hier und weiter s\u00fcdlich in dem zentralen Schwarzerdegebiet dominierte im 19. und 20. Jahrhundert die Umteilungsgemeinde, die auch im Zentrum der weiteren Darstellung stehen wird, da sie die entscheidende Kraft der b\u00e4uerlichen Agrarevolution 1917\/18 bildete. Der interessierte Leser wird allerding genug Quellenhinweise finden, um das Thema vertiefen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sehr d\u00fcnn ist diese Quellenlage wenn es um die Situation der Bauernschaft zur Zeit des Kiewer Rus geht. Gesicherte Hinweise aus Klosterakten gibt es erst ab dem 14. Jahrhundert. <i>Dort ist von einer Umteilungsgemeinde noch keine Rede.<\/i> Der Bauer sitzt auf einem durch Brandrodung (Schwendwirtschaft) geschaffenen Hof und ist im Regelfall auch Eigent\u00fcmer des Hofes, wobei das \u201eEigentum\u201c an Land von geringer Bedeutung war, da er aufgrund seiner Wirtschaftsweise alle 20 bis 30 Jahre \u201eumzog\u201c. Geographisch bedingt ist er zumeist Waldbauer, der seinen Lebensunterhalt durch Jagd, Fischfang, Zeidlerei etc. aufbesserte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Wald zu roden brauchte einen Arbeitsaufwand, der die Kr\u00e4fte eines einzelnen \u00fcberstieg. Daher kann man annehmen, dass anf\u00e4nglich die erwachsenen S\u00f6hne mithalfen, die neue Wirtschaft aufzubauen, bevor auch sie sich selbstst\u00e4ndig machten. Gelegentlich wurde auch ein Fremder als &#8218;Nachbar&#8216; (sosed) in Haus und Wirtschaft aufgenommen, um eine zus\u00e4tzliche Arbeitskraft zu gewinnen. \u2026<br \/>\nStreusiedlung und Schwendwirtschaft bedingten einander anf\u00e4nglich, denn da der Rotationszyklus der Schwend\u00e4cker zwanzig bis 30 Jahre betrug, ben\u00f6tigte schon ein einzelner Hof geeignete Waldreserven \u2026 Wegen des gro\u00dfen Arbeitsaufwandes und des Schrumpfens der Waldreserven d\u00fcrften die Bauern sehr bald dazu \u00fcbergegangen sein, die hofnahen Ackerl\u00e4ndereien dauernd zu bewirtschaften.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie l\u00e4sst sich der \u00f6konomische, der soziale und rechtliche Status des russischen Bauern im Sp\u00e4tmittelalter fassen? \u201eSo entstand im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts <i>der Typus des grossrussischen Waldbauern<\/i>, der an Bewegungsfreiheit, wirtschaftliche Eigeninitiative und Selbstst\u00e4ndigkeit gew\u00f6hnt war. Pers\u00f6nlich frei und an niemandes Weisungen gebunden entschied er selbst dar\u00fcber, ob er an einem Ort bleiben wollte oder nicht. Das Sp\u00e4tmittelalter war eine Zeit ungebremster b\u00e4uerlicher Mobilit\u00e4t. Zeigte sich der Siedelplatz gegen\u00fcber Kriegsz\u00fcgen als zu exponiert, als zu anf\u00e4llig f\u00fcr Missernten oder lagen die Abgaben zu hoch, suchte man sich einen anderen und nutzte die steuerfreien Jahre f\u00fcr Neusiedler. Diese Einstellung behielt der Bauer auch, wenn er sich auf dem Land eines Klosters oder weltlichen Grundherren niederlie\u00df. Zwar versuchten einzelne gro\u00dfe Kl\u00f6ster bereits seit der Mitte des 15. Jahrhundert die Freiz\u00fcgigkeit ihrer Hintersassen einzuschr\u00e4nken, aber erst die Gerichtsordnung von 1497 schrieb generell vor, dass Bauern das von ihnen bewirtschaftete Land nur zu einem einzigen Termin im Jahr \u2013 jeweils eine Woche vor und nach dem St. Georgstag im Herbst (26. November) verlassen d\u00fcrfen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der russische Bauer im 14.\u00a0Jahrhundert ist in der Regel pers\u00f6nlich frei, von \u201eungebremster b\u00e4uerlicher Mobilit\u00e4t\u201c, kennt zwar das \u201emir\u201c als unterste Verwaltungseinheit des zaristischen Staates, <i>aber eben nicht als Umteilungsgemeinde.<\/i> Die Steppe mit ihren fruchtbaren Schwarzerdeb\u00f6den war noch von den Tataren beherrscht und konnte noch nicht von den russischen Bauern besiedelt werden. In den nordrussischen Waldregionen war die Siedlungsdichte der Bauernschaft weiterhin gering. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Rodesiedlung aber war <i>gestreute Kleinsiedlung<\/i>. Repr\u00e4sentativ l\u00e4sst sich dies auf Grund der weitgehend erhaltenen Steuerkataster des ausgehenden 15.\u00a0Jahrhunderts f\u00fcr das Nowgoroder Land ermitteln, wo \u00fcber 89 Prozent aller Siedlungen nicht mehr als vier H\u00f6fe z\u00e4hlten, \u00fcber 40 Prozent aus lediglich einem Hof und 40 Prozent aus zwei H\u00f6fen bestanden. \u2026 Auch in den zentraler gelegenen Regionen des Nordost-Rus um Moskau pr\u00e4gte die Kleinsiedlung das Landschaftsbild. Steuerkataster aus dem 15.\u00a0Jahrhundert sind hier zwar nicht erhalten, doch lassen sich aus den Grundbesitzakten vor allem des Metropolitenhauses und der gro\u00dfen Kl\u00f6ster lokale Situationsbilder gewinnen. Selbst im Kreise Moskaus z\u00e4hlten von den 130 Siedlungen, die zu Beginn des 16.\u00a0Jahrhunderts im Besitz des Troize-Sergijew-Klosters standen, mehr als 45 Prozent nur einen bis zwei H\u00f6fe, mehr als drei Viertel hatten h\u00f6chstens f\u00fcnf H\u00f6fe.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Unter diesen Bedingungen ist eine Umteilungsgemeinde in der b\u00e4uerlichen Praxis bereits wegen der Dorfgr\u00f6\u00dfe weder sinnvoll noch erkl\u00e4rbar, erst recht nicht aufgrund der Produktionsweise, die vielfach noch immer durch die Brandrodung gepr\u00e4gt ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>III. Die Dorfgemeinde in der russischen Geschichte und Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Entstehung der Umteilungsgemeinde und die \u201eau\u00dfer\u00f6konomische Gewalt\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie nun ist aus dieser pers\u00f6nlich freien und von erheblicher Mobilit\u00e4t gepr\u00e4gten Bauernschaft die Umteilungsgemeinde mit leibeigener Bauernschaft entstanden? Dies geschah keineswegs durch die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, die sich bis weit in die Moderne im russischen Dorf kaum \u00e4nderten. Die \u00c4nderung der Produktionsverh\u00e4ltnisse und der rechtlichen Lage der Bauernschaft geschah durch \u201eau\u00dfer\u00f6konomische Gewalt\u201c, durch Eingriff des Staates, der Kl\u00f6ster und der gro\u00dfen Landbesitzer. Sie verwandelten den freien und \u00f6rtlich nicht gebunden russischen Bauer in einen unfreien, leibeigenen und dauerhaft an die Dorfgemeinde gefesseltes Ausbeutungsobjekt. <i>Dies begann im 18. Jahrhundert, und der Prozess dieser gewaltsamen Umwandlung dauerte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.<\/i> Je nach Region und Rechtstellung der Bauernschaft geschah diese Umwandlung schneller oder langsamer. Im Zentrum der Schwarzerdegebiete geschah es deutlich schneller als in den Randregionen, bei den Staatsbauern langsamer als bei den Gutsbauern.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber dieser Eingriff der au\u00dfer\u00f6konomischen Gewalt hatte auch eine bedeutende gesellschaftspolitische Auswirkung, die von den b\u00fcrgerlichen Historikern wenig thematisiert wurde: Sie gab den landlosen und armen Bauern, also jenen Kategorien der Landbev\u00f6lkerung, mit denen Lenin sp\u00e4ter das klassenpolitische B\u00fcndnis suchte, Land auf Kosten der wohlhabenden und landbesitzenden Bauernschaft. Die zwangsweise Erschaffung der Umteilungsgemeinde durch Staat, Kirche und Grundbesitz hatte neben der Steuereffizienz im Interesse der Herrschenden auch diese zweite Seite, dem landarmen Dorfbewohner Land zu verschafften und entsprechend der Entwicklung seiner Familiengr\u00f6\u00dfe auch weiterhin zu garantieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Annahme von Marx, dass <i>\u201edie Art, wie diese Form des Eigentums (geschichtlich) in Russland begr\u00fcndet wurde, \u2026 eine Frage zweiten Ranges\u201c<\/i> sei, war darum unzutreffend. F\u00fcr die Masse der armen Bauernschaft war die Schaffung der Umteilungsgemeinde gegen die landbesitzende, wohlhabende Bauernschaft ein wesentlicher Fortschritt bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation. Dies erkl\u00e4rt, weshalb die gro\u00dfe Mehrheit der russischen Bauernschaft die Umteilungsgemeinde auch im 20. Jahrhundert mit \u201eZ\u00e4hnen und Klauen\u201c verteidigt hat. Folgen wir nun den b\u00fcrgerlichen Darstellungen aus verschiedenen Quellen, wie sie diesen Prozess der Entstehung der Umteilungsgemeinde schildern.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle Reformen (gemeint sind die Verwaltungs-, Armee- und Steuerreformen von Peter\u00a0I; A.S.) kosteten Geld \u2026 Um die Reform zu finanzieren, \u2026 wurde das gesamte Steuersystem von der bisherigen Steuer je Hof (auf dem sich ja eine gro\u00dfe Familie versammeln lie\u00df) auf eine Kopfsteuer umgestellt, die Bauern und Sklaven gleichsetzte und von &#8218;jeder m\u00e4nnlichen Seele&#8216; erhoben wurde. \u2026 Um die erh\u00f6hte Belastung durchzusetzen, mussten Gutsbesitzer und Staat die Gesamthaftung der b\u00e4uerlichen Gemeinden ausbauen. Da Steuer und Rekrutenaushebung Reiche und Arme in gleicher Weise trafen, wirkten sich Flucht oder Armut einer Familie, die einmal im staatlichen Register aufgenommen war, f\u00fcr alle im Dorf verheerend aus. Gutsbesitzer und Bauern gingen deshalb immer mehr dazu \u00fcber, den alten Dorfgemeinden eine neue Funktion zuzuweisen \u2013 das Land unter alle gleichm\u00e4\u00dfig zu verteilen. Daraus folgte, da die Familien unterschiedlich wuchsen, dass das Land nach gewissen Fristen wieder neu verteilt werden musste, wobei als Ma\u00df entweder jede (m\u00e4nnliche) &#8218;Seele&#8216; oder das &#8218;Joch&#8216; eines Ehepaares galten. Wo diese Regelung durchgesetzt wurde, verloren die Bauern also das private Besitzrecht am Boden.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus der untersten Verwaltungseinheit des russischen Staates, dem \u201aMIR\u2018, entstand nun zus\u00e4tzlich die Umteilungsgemeinde mit gemeinschaftlichem Bodeneigentum. Dies geschah nat\u00fcrlich keineswegs so reibungslos und harmonisch, wie die Darstellung Noltes es nahelegt. Der Druck des Staates und der Grundbesitzer auf die Bauern nahm bei dieser Neuordnung erheblich zu, die Leibeigenschaft der Bauern und ihre Bindung an die Dorfgemeinde bildeten sich heraus, und die wohlhabenden Landeigent\u00fcmer wehrten sich entsprechend ihren M\u00f6glichkeiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies alles: die staatlichen (einheitlichen)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> wie die privaten (nach dem Grundherrn des zu bearbeitenden Landes differenzierten) Abgaben und Dienste organisierte und verteilte die Dorfgemeinde. Sie nahm nun in der Tat jene multifunktionale Form an, die ihr die Slawophilen um die Mitte des 19. Jahrhunderts zuschrieben. Geh\u00e4use der Selbstverwaltung war sie schon lange; diese Funktion d\u00fcrfte die \u00e4lteste gewesen sein und bis ins Mittelalter zur\u00fcckreichen. \u2026 Als Gesamteigent\u00fcmer und Organ der Um- und Zuteilung sowohl des Grund und Bodens als auch der staatlichen wie der privaten Abgaben und Leistungen aber nahm sie erst in den fr\u00fchen Dekaden des 18. Jahrhunderts Gestalt an.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk13053767\"><\/a><a name=\"_Hlk12975099\"><\/a><a name=\"_Hlk13050549\"><\/a> \u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Einf\u00fchrung der Kopfsteuer samt der Regularisierung von bars\u0306c\u0306ina<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a> und obrok<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a> gab diesem Prozess einen weiteren endg\u00fcltigen Schub. Denn nun bot es sich an, die erforderliche fiskalisch-\u00f6konomische Leistungsf\u00e4higkeit durch eine entsprechende Landausstattung sicherzustellen. Die Verwaltungsgemeinde wurde \u00fcber die Umteilungsgemeinde zur Solidarhaftungsgemeinde, der vor allem daran gelegen sein musste, nicht \u201asteuerf\u00e4hige\u2018 Armut zu vermeiden. Dass sie dar\u00fcber hinaus die Ausbildung bestimmter Denk- und Handlungsmuster beg\u00fcnstigte und eine spezifische d\u00f6rfliche Mentalit\u00e4t entstand, ergab sich mit erheblicher Zwangsl\u00e4ufigkeit. Und auch eine weitere, generelle Beschr\u00e4nkung der Freiz\u00fcgigkeit in Gestalt des 1719 verf\u00fcgten Passzwangs geh\u00f6rt nicht nur in den Kontext der Konskription und des Problems der Desertion. Vielmehr half sie den Dorfgemeinden, \u2026 ihren Steuerpflichten nachzukommen. Da der Fiskus seine Forderungen auf der Grundlage der Revisionsz\u00e4hlungen pauschal \u2026 an die obs\u0306c\u0306iny \u00fcbermittelte, hatten diese ein lebhaftes Interesse daran, ihre Mitglieder am Ort zu halten. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man daher auf die einst heftig diskutierte Frage nach der Entstehung der obs\u0306c\u0306ina, ihrem historischen Kontext und ihren Gr\u00fcnden, eine Antwort geben will, so l\u00e4sst sich am ehesten auf den Zusammenhang mit der Herausbildung der Leibeigenschaft bis hin zu ihrer fiskalischen Festschreibung unter Peter und seinen Nachfolgern verweisen: Die Dorfgemeinde in ihrer entwickelten Form des 19.\u00a0Jahrhunderts war ihr Gesch\u00f6pf und ihre elementare, unverzichtbare Funktionseinheit. Endg\u00fcltig wurde die obs\u0306c\u0306ina nun zur geschlossenen d\u00f6rflichen Lebenswelt, zu jenem monadischen Kosmos, der wenig Kontakte nach au\u00dfen hatte und den Staat nicht nur als fremd, sondern vor allem als ausbeuterisch und bedrohlich betrachtete.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie kurz dargestellt, ist es einer ganzen Reihe b\u00fcrgerlicher Wissenschaftler gelungen, die inzwischen zug\u00e4nglichen Quellen zu nutzen, um die wirkliche Geschichte der Dorfgemeinschaft <i>zu erforschen<\/i>. Sie sind heute in der Lage, eine komplett andere Geschichte der russischen Dorfgemeinde pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, als wir sie in den Schriften von Marx oder Lenin finden k\u00f6nnen. Und dazu konnten wir erkennen, dass die \u201euralte Institution\u201c der Umteilungsgemeinde gerade wenige Jahrzehnte vor ihrer \u201eEntdeckung\u201c durch Haxthausen ihre endg\u00fcltige Form gewonnen hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei dieser Faktenlage ist es zweifelsfrei eine originelle Idee, das Scheitern des Sozialismus in der Sowjetunion aus den Abweichungen Lenins von der Marxschen Interpretation erkl\u00e4ren zu wollen. Aber was interessiert die Linke die Fakten, wenn die \u201eSchrift\u201c uns eine intellektuell viel reizvollere Darstellung liefern kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Sassulitsch-Brief<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18241076\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach diesem Exkurs \u00fcber Marx und die russische Dorfgemeinde zur\u00fcck zu Genossen Kuczynski und seinen Betrachtungen zum Thema \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution?\u201c. Ausgangspunkt seiner oben dargestellten \u00dcberlegungen von der Umwandlung des Gemeineigentums der Dorfgemeinde in das Privateigentum des einzelnen Bauern, bewerkstelligt durch Lenins fehlerhaftes Agrardekret, ist die teils pr\u00e4zise (f\u00fcr England), teils kryptische Aussage von Marx zur Zukunft der russischen Dorfgemeinde in seinem Antwortschreiben an Vera Sassulitsch.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Privateigentum, das auf pers\u00f6nlicher Arbeit gegr\u00fcndet ist \u2026, wird verdr\u00e4ngt durch das kapitalistische Privateigentum, das auf der Ausbeutung der Arbeit anderer, auf Lohnarbeit begr\u00fcndet ist.\u201c So zitiert Marx sich selbst aus dem Kapital, um dann auf Russland bezogen fortzufahren: \u201eBei dieser Bewegung im Westen handelt es sich um die Verwandlung einer Form des Privateigentums in eine andere Form des Privateigentums. Bei den russischen Bauern w\u00fcrde man im Gegenteil ihr Gemeineigentum in Privateigentum umwandeln.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Genau hier hat unser Genosse den Gedanken gefunden, dass mit dem Landdekret des russischen Oktobers das \u201eGemeineigentum\u201c des russischen Bauern in \u201ePrivateigentum\u201c umgewandelt w\u00fcrde. Marx schrieb obige Zeilen an Sassulitsch im M\u00e4rz 1881, wie dargestellt, in Unkenntnis der tats\u00e4chlichen Geschichte der russischen Bauernschaft. Das Gemeineigentum der Umteilungsgemeinde entstand historisch im 18. und 19. Jahrhundert <i>vermittels der gewaltsamen Aufhebung des Privateigentums der landbesitzenden und wohlhabenderen Bauernschaft<\/i> am Boden. Es entstand, um dem Staat ein h\u00f6heres Steueraufkommen zu sichern und sicherte dem Besitzlosen die Landnutzung entsprechend seiner Familiengr\u00f6\u00dfe, um diese Steuern zahlen zu k\u00f6nnen. Das individuelle b\u00e4uerliche <i>Privateigentum<\/i> am Boden wird zugunsten eines individuellen Boden<i>besitzes<\/i>, der von der Gemeinde periodisch zugeteilt wird, abgeschafft.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Prozess hat nichts zu tun mit dem, was Marx am englischen Beispiel im Sassulitsch-Brief entwickelt (\u201eVerwandlung einer Form des Privateigentums in eine andere Form des Privateigentums\u201c). In den Regionen Russlands, wo sich die Umteilungsgemeinde herausbildete, genauer gesagt durch au\u00dfer\u00f6konomischen Zwang von Staat, Kirche und Grundbesitz geschaffen wurde, geschieht dies durch <i>die Expropriation des b\u00e4uerlichen Privateigentums am Boden<\/i>. Dieser Boden wird allen, auch den landarmen und landlosen Gemeindemitgliedern, zur Nutzung \u00fcbergeben. Die im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert deutlich hervortretende soziale Schichtung der Bauernschaft in wohlhabende, arme und landlose Dorfbewohner wird nivelliert und durch einheitliche Ackerfl\u00e4chen entsprechend der jeweiligen Familiengr\u00f6\u00dfen ersetzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Agrarreform also, sowohl im Interesse der Herrschenden (h\u00f6here Eink\u00fcnfte) <i>und<\/i> der armen und landlosen Dorfbewohner, die nun durch den von der Gemeinde periodisch neu zugeteilten Landbesitz als individuelle Bodenbesitzer agieren und Steuern zahlen k\u00f6nnen. Politisch wird dieser Prozess von der Ausdehnung und Befestigung der Leibeigenschaft begleitet, da der adlige Grundbesitz auf die b\u00e4uerliche Arbeitskraft angewiesen bleibt. Dies ist eine v\u00f6llig andere Entwicklung, als sie Marx im \u201eKapital\u201c am englischen Beispiel entwickelt, und ihre Bedeutung ist nur erkennbar, wenn man sich mit der konkreten Geschichte der russischen Bauernschaft besch\u00e4ftigt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die \u201ekleine Warenproduktion\u201c und die \u201ekapitalistischen Tendenzen\u201c im russischen Dorf<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18244632\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bekanntlich entschied sich die russische Bauernschaft \u2013 in Unkenntnis der Marxschen Prognose im Sassulitsch-Brief \u2013 in ihrer gro\u00dfen Mehrheit 1917, das Privateigentum an Grund und Boden \u201ef\u00fcr immer aufzuheben\u201c. Marx irrte zur Geschichte der russischen Dorfgemeinde, aber er irrte entsprechend dem Wissen seiner Zeit. Was man Marx nicht vorwerfen kann, ist, verantwortlich f\u00fcr die Theorie des Genossen Kuczynski zu sein, der es sich auch anderthalb Jahrhunderte sp\u00e4ter nicht vorzustellen wagt, dass der russische Bauer in seiner Revolution anders handeln k\u00f6nnte, als Marx es vorhergesagt hatte. Da l\u00e4sst Kuczynski lieber den gesamten 1.\u00a0Punkt des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a>, der dem Bodendekret beigef\u00fcgt wurde, weg, wo es hei\u00dft: \u201eDas Privateigentum am Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben, der Boden darf weder verkauft noch gekauft, weder in Pacht gegeben noch verpf\u00e4ndet, noch auf irgendeine andere Weise ver\u00e4u\u00dfert werden.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a> Und das, obwohl Kuczynski genau diesen Text <i>ab Punkt 2<\/i> sehr ausf\u00fchrlich zitiert. Hier hat die Ideologie sogar \u00fcber den Wortlaut der \u201eSchrift\u201c (LW, Bd. 26) gesiegt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dem Text des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c, der dem Agrardekret als \u201eRichtschnur\u201c beigegeben wurde, bleibt kein Platz f\u00fcr Privat<i>eigentum <\/i>am Boden, der Bauer wird zeitweiliger <i>Besitzer \u2013 nicht Eigent\u00fcmer<\/i> \u2013 der ihm von der Dorfgemeinde zugeteilten Parzelle. Damit wird er \u2013 genauer bleibt er \u2013, was der landbesitzende Bauer auch schon zuvor in der Dorfgemeinde war: individueller \u201ekleiner Warenproduzent\u201c, der \u00f6konomisch den \u201efreien Getreidehandel\u201c fordert und mit dem Sozialismus nicht \u201eviel am Hut hat\u201c. Dies ist es, was Kuczynski uns eigentlich sagen m\u00f6chte und auf Seite 138 seines Textes auch ausf\u00fchrlich mit Plechanow als Kronzeugen entwickelt. \u201eDie wirtschaftliche T\u00e4tigkeit der Bauern \u2026 wird nicht auf den Sozialismus, sondern auf den Kapitalismus gerichtet sein\u201c, zitiert er Plechanow.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So richtig die erste H\u00e4lfte des zitierten Satzes ist, so falsch ist die zweite H\u00e4lfte. Der russische Bauer ist im Gegensatz zur Auffassung der Volkst\u00fcmler kein Anh\u00e4nger des Sozialismus, soweit v\u00f6llig richtig. V\u00f6llig falsch aber ist die Annahme, der Bauer strebe eine Aufl\u00f6sung der Dorfgemeinde in Richtung auf eine Existenz als \u201efreier kapitalistische Farmer\u201c (Lenin) an. Der russische Bauer ist kein Anh\u00e4nger des Kapitalismus, und seine wirtschaftliche T\u00e4tigkeit zielt weder subjektiv noch objektiv auf die Aufrichtung des Kapitalismus, auch wenn Plechanow, Lenin<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a>, Luxemburg und auch Kuczynski selbst dies als unvermeidliche, gesetzm\u00e4\u00dfige Entwicklung unterstellen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So schrieb Lenin nach der Revolution von 1905 zum Agrarprogramm der russischen Sozialdemokratie: \u201eDie Quelle dieses letzteren Fehlers (Behandlung der Agrarfrage im alten Parteiprogramm, A.S.) war die, dass wir wohl die <i>Richtung<\/i> der Entwicklung, nicht aber den <i>Moment<\/i> der Entwicklung richtig erkannten. Wir nahmen an, die Elemente der kapitalistischen Landwirtschaft seien in Russland bereits vollkommen ausgebildet \u2013 sowohl in der Gutswirtschaft \u2026 als auch in der b\u00e4uerlichen Wirtschaft, von der es schien, als habe sie bereits eine starke Dorfbourgeoisie hervorgebracht und sei deshalb zu einer \u201ab\u00e4uerlichen Agrarrevolution\u2018 nicht mehr f\u00e4hig. Nicht der \u201aFurcht\u2018 vor der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution entsprang das fehlerhafte Programm, sondern der <i>\u00dcbersch\u00e4tzung des Grades<\/i> der kapitalistischen Entwicklung der Landwirtschaft.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a> (Kursiv im Original)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier ist die Leninsche Fehleinsch\u00e4tzung \u00fcber die russische Dorfgemeinde \u2013 die er mit Kautsky, Plechanow etc. teilte &#8211; auf den Punkt gebracht. Das Problem war <i>nicht<\/i> die \u00dcber- oder Untersch\u00e4tzung der durchg\u00e4ngig unterstellten \u201ekapitalistischen Entwicklung der Landwirtschaft\u201c, sondern die Annahme, <i>dass die Umteilungsgemeinde sich unweigerlich kapitalistisch entwickeln werde,<\/i> nur weil ihre Mitglieder \u201ekleine Warenproduzenten\u201c waren und sich deshalb unvermeidlich \u2013 weil es im Kapital von Marx \u201ebewiesen wird\u201c \u2013 die soziale Differenzierung und kapitalistische Elemente in der Dorfgemeinde entwickeln m\u00fcssten. Wie Marx das sah, kann man im Sassulitsch-Brief nachlesen. \u201eDie \u201ahistorische Unvermeidlichkeit\u2018 ist also <i>ausdr\u00fccklich<\/i> auf die <i>L\u00e4nder Westeuropas<\/i> beschr\u00e4nkt.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a> (Anf\u00fchrungszeichen und Hervorhebungen im Original)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Unterstellung, dass die \u201ekleine Warenproduktion\u201c aus sich selbst heraus <i>unausweichlich<\/i> zum Kapitalismus f\u00fchrt, ist \u00f6konomisch und historisch falsch. Sie existierte in den verschiedensten Gesellschaftsformationen, ohne zum Kapitalismus zu f\u00fchren. Und ebenso falsch ist die <i>politische<\/i> Annahme, dass die Aufl\u00f6sung der Dorfgemeinde hin zum \u201efreien kapitalistischen Farmer\u201c ein Wunsch der russischen Bauernschaft gewesen w\u00e4re. Ihr Ziel war vielmehr die Aufrechterhaltung der Umteilungsgemeinde, bereichert um das Land der Gutsbesitzer und der stolypinschen Privatbauern. Selbst die stolypinsche Reform der Agrarverh\u00e4ltnisse, nach dem Ende der Revolution von 1905, die die Zerschlagung bzw. Schw\u00e4chung der Umteilungsgemeinde beabsichtigte, lieferte in der Praxis v\u00f6llig andere Ergebnisse, als sie von der politischen Reaktion und den Marxisten erwartet worden waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Obgleich man dies kaum erwarten w\u00fcrde, haben die Stolypin-Reformen daran nichts ge\u00e4ndert. Daf\u00fcr sind zwei Ursachen verantwortlich: Zum einen haben nicht wenige Gro\u00dfbauern die Gemeinde verlassen und sich als Chutorwirte<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a> selbstst\u00e4ndig gemacht; zum anderen nutzen mehr und mehr der \u00e4rmsten Gemeindegenossen, die mit ihren Wirtschaften auf keinen gr\u00fcnen Zweig mehr kamen oder ganz in die Stadt abwanderten, die neuen gesetzlichen M\u00f6glichkeiten, um ihren Hof zu verkaufen. Dadurch begannen innerhalb der Dorfgesellschaft nun aber <i>nicht antagonistische Klassen zu sprie\u00dfen, sondern es kam umgekehrt zu gewissen Ausgleichsprozessen, welche eine eher leicht abw\u00e4rts gerichtete Nivellierung der Betriebsgr\u00f6\u00dfen bewirkten<\/i>. Damit dominierte auch am Vorabend des Ersten Weltkrieges im europ\u00e4ischen Russland \u2013 wenngleich in etwas modernisierter Gestalt \u2013 immer noch der uns aus den vorhergehenden Zeitbildern vertraute Kleinbauer, der ein einziges Zugpferd und ein bis zwei K\u00fche sein Eigen nennen konnte. Diese Entwicklung hat aber dazu beigetragen, dass selbst unter den wachsenden Einfl\u00fcssen der Au\u00dfen- und Marktbeziehungen die Stellung des Mir nicht weiter geschw\u00e4cht worden ist.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir; A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Mehrheit der russischen Bauernschaft wollte \u2013 trotz \u201ealler \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten\u201c \u2013 weder den Kapitalismus, noch wollte sie \u201efreier Farmer\u201c (Lenin) werden. \u201eNicht in einer Aufl\u00f6sung des Mir und in einem privatwirtschaftlichen Farmertum sah man (die Dorfgemeinde, A.S.) den Weg in die Zukunft, sondern in einer Ausweitung des Bodenfonds der Gemeinde, insbesondere durch Aneignung der restlichen Gutsl\u00e4ndereien.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a> Dies wurde dann auch das Programm der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die \u201eAchillesferse\u201c des Bodendekrets<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18512009\"><\/a> \u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings\u201c \u2013 schreibt Genosse Kuczynski \u2013 enthielt das Dekret einen Punkt, der die Bestimmung des W\u00e4hlerauftrags in einem wesentlichen Punkt modifizierte. Sollte gem\u00e4\u00df W\u00e4hlerauftrag \u201ader gesamte Boden \u2026 entsch\u00e4digungslos enteignet\u2018 werden, so bestimmte Punkt 5 des Dekrets: \u201aDer Boden der einfachen Bauern und einfachen Kosaken unterliegt nicht der Konfiskation\u2018. \u2026 Aber anderseits ist zu konstatieren, dass sich genau dieses Dekret als die Achillesferse der Revolution erweisen sollte.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a> Besch\u00e4ftigen wir uns darum mit dem Dekret und dem \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c etwas n\u00e4her, um zu verstehen, worum es in den beiden Dokumenten geht. Hierzu ist es n\u00f6tig, zwischen dem eigentlichen \u201eDekret\u201c des Sowjetkongresses und dem ihm beigef\u00fcgten \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c zu unterscheiden, was sehr selten geschieht, f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Texte und ihren politischen und sozialen Inhalt aber unerl\u00e4sslich ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das Bodendekret<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenins Rede \u00fcber das Bodendekret des russischen Oktobers ist &#8211; wie das Dekret selbst \u2013 sehr kurz gefasst. In seinen einleitenden Worten erl\u00e4utert er die Notwendigkeit, Klarheit in der Bodenfrage\u2018 zu schaffen. \u201eDer Ausbruch des bewaffneten Aufstandes \u2026 beweist ganz klar, dass der Grund und Boden den Bauern \u00fcbergeben werden muss. \u2026 Die Regierung der Arbeiter- und Bauernrevolution muss vor allem die Bodenfrage l\u00f6sen, jene Frage, die die gewaltigen Massen der armen Bauern beruhigen und zufriedenstellen kann.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Praxis der b\u00e4uerlichen Revolution von 1917-1918 verwirklichte das Agrardekret allerdings <i>nicht nur die W\u00fcnsche der \u201aarmen Bauern\u2018<\/i> \u2013 wie Lenin es in seiner Rede formulierte &#8211; sondern ebenso die W\u00fcnsche der gewaltigen Mehrheit der russischen Bauernschaft einschlie\u00dflich der von den Bolschewiki im Revolutionsjahr so erfolglos umworbenen Landarbeiter. Denn die \u201eBauernrevolution\u201c gab ihnen allen Land auf Kosten der privaten Landeigent\u00fcmer. Aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im zweiten Teil der Rede Lenin stellt das \u201eDekret \u00fcber den Grund und Boden\u201c vor. Auf noch nicht einmal einer Seite werden die <i>vier Punkte des Dekrets<\/i> vorgestellt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Punkt eins<\/i> konstatiert die entsch\u00e4digungslose Enteignung der Gutsbesitzer.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18507417\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Punkt zwei<\/i> regelt die Verf\u00fcgung \u00fcber dieses Eigentum. Die Verf\u00fcgungsgewalt wird in die H\u00e4nde der Amtsbezirks-Bodenkomitees und der Kreissowjets der Bauerndeputierten \u00fcbergeben, also in die H\u00e4nde Bauernschaft selbst. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Punkt drei<\/i> verbietet jegliche Besch\u00e4digung des konfiszierten Eigentums und setzt dabei wiederum die \u201eKreissowjets der Bauerndeputierten\u201c in die Verantwortung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Punkt vier<\/i> definiert die \u201eRichtschnur\u201c, nach der diese Ma\u00dfnahmen organsiert werden sollen. Diese Richtschnur soll der &#8211; auch von Kuczynski in seinem Artikel angef\u00fchrte \u2013 \u201eW\u00e4hlerauftrag von 242 \u00f6rtlichen Gemeinden\u201c sein, der auf dem Bauernkongress \u00fcbergeben worden war und im Nachgang des Kongresses Mitte August 1917 ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18495958\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Bauernkongress<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a> selbst tagte im Mai 1917 und stand v\u00f6llig unter der Vorherrschaft der rechten Sozialrevolution\u00e4re. Der Kongress unterst\u00fctzte die Koalitionsregierung mit den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften (Kadetten), billigte die Kerenski-Offensive und eine Verschiebung der Agrarreform bis zur Konstituierenden Versammlung. Er spiegelte in seinen Beschl\u00fcssen somit die b\u00e4uerliche Befindlichkeit des Fr\u00fchsommers 1917 &#8211; <i>vor<\/i> der Kerenski-Offensive und <i>vor<\/i> dem Kornilow-Putsch &#8211; wider. Das einzige, was der Kongress von der sozialrevolution\u00e4ren Sowjetf\u00fchrung an Zusagen abtrotzen konnte, war das Versprechen, ein Verbot des Kaufs und Verkaufs von Grundbesitz bis zur Konstituierenden Versammlung zu erlassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18590758\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auffallend \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt \u2013 ist die K\u00fcrze des Agrardekrets mit seinen nur vier Punkten. Weiterhin auffallend: die Nationalisierung des Grund und Bodens wird im Dekret ebenso wenig erw\u00e4hnt wie die regelm\u00e4\u00dfige Umteilung des Bodens oder die Nichtzulassung der Lohnarbeit auf dem Land, von jener durch Kuczynski entdeckten \u201ePrivatisierung des Gemeineigentums\u201c erst gar nicht zu reden. Bis auf den letzten Punkt wird dies alles nicht im Dekret selbst, sondern in der \u201eRichtschnur\u201c zur Umsetzung des Dekrets entwickelt; dem im Punkt vier des Dekrets benannten \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c der russischen Bauernschaft. Somit enthielt das Dekret viel weniger an Bestimmungen als ihm gew\u00f6hnlich unterstellt wird, daf\u00fcr aber so viel mehr an revolution\u00e4rem Inhalt als gemeinhin verstanden wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch das Dekret wird eigentlich nur eines geregelt, n\u00e4mlich dass \u201edas Eigentum der Gutsbesitzer am Grund und Boden unverz\u00fcglich und ohne jede Entsch\u00e4digung aufgehoben (wird)\u201c (Punkt 1). Dies ist alles an Eigentumsfragen, was durch das Dekret festgelegt wird. Hier in diesem Punkt ist das Weniger an Festlegungen ein deutliches Mehr an revolution\u00e4rer Aufgabenstellung f\u00fcr die Bauernschaft. Denn <i>wie <\/i>diese eine Bestimmung umgesetzt wird, <i>entscheidet die Bauernschaft selbst<\/i>, was in den Punkten 2-4 des Dekretes geregelt und von Lenin in seiner Rede auch ausf\u00fchrlich begr\u00fcndet wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Indem die Bauernschaft selbst zur Durchf\u00fchrung aller Ma\u00dfnahmen der Agrarumw\u00e4lzung aufgerufen wird, erkennt Lenin <i>den eigenst\u00e4ndigen Charakter der b\u00e4uerlichen Revolution auf dem Land <\/i>an und h\u00fctet sich, dieser Revolution andere Vorgaben als die \u201eunverz\u00fcgliche\u201c und \u201eentsch\u00e4digungslose\u201c Enteignung des Gutsbesitzes vorzuschreiben. Dieser eine Punkt reicht bereits, um die gesamte Bauernschaft in einen unaufl\u00f6slichen Gegensatz zu den rechten Sozialrevolution\u00e4ren zu bringen, die auch noch im Oktober 1917 die F\u00fchrung des Bauernsowjets in ihrer Hand haben. Hier zeigt sich die politische Genialit\u00e4t Lenins.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> Hier haben wir ein Dekret, das in wenigen Worten die Sprache der Revolution spricht, das die b\u00e4uerliche Agrarevolution entschieden anfacht und letztlich unumkehrbar macht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Schlussteil seiner Rede entwickelt Lenin diesen Gedanken in aller Deutlichkeit: \u201eDie alte, durch den bewaffneten Aufstand gest\u00fcrzte Regierung wollte die Bodenfrage mit Hilfe der nicht abgesetzten alten zaristischen B\u00fcrokratie l\u00f6sen. Aber anstatt die Frage zu l\u00f6sen, f\u00fchrte die B\u00fcrokratie lediglich einen Kampf gegen die Bauern. Die Bauern haben in den acht Monaten unserer Revolution manches gelernt, <i>sie wollen selber alle Bodenfragen l\u00f6sen<\/i>. Deshalb sind wir gegen jede Ab\u00e4nderung dieses Gesetzentwurfes, <i>wir wollen keine Detaillierung, weil wir ein Dekret und kein Aktionsprogramm schreiben<\/i>. Russland ist gro\u00df, und die \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnisse sind mannigfaltig. Wir glauben, dass die Bauernschaft selbst es besser verstehen wird, die Frage richtig, so wie es notwendig ist, zu l\u00f6sen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch der Genosse Kuczynski zitiert aus dem Schlussteil der Leninschen Rede. Bezeichnenderweise endet sein Zitat direkt an jener Stelle, an der ich mein Zitat beginnen lasse. Offenkundig lesen und interpretieren wir die \u201eSchriften\u201c doch sehr unterschiedlich.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a> Die Betonung des eigenst\u00e4ndigen Charakters der Bauernrevolution, die Abwendung von den programmatischen Inhalten der sozialdemokratischen Programme zur Agrarfrage<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a>, die allesamt der Bauernbewegung eine &#8211; durch \u201adie \u00f6konomische Entwicklung vorgegebene Richtung\u2018 verordneten wollten \u2013 das ist das Geniale und Revolution\u00e4re an Lenins Vorgehen. Damit gewann die Bauernbewegung ein Maximum an revolution\u00e4rem Schwung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schauen wir uns nun diesen W\u00e4hlerauftrag genauer an, der den von Genossen Kuczynski angef\u00fchrten Punkt 5 enth\u00e4lt, diese <i>Achillesferse der Revolution<\/i>. Der \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c wird von Lenin direkt nach den vier Punkten des Dekrets in seiner Rede vorgestellt; in Punkt vier des Dekrets wird er als \u201eRichtschnur\u201c der Agrarumw\u00e4lzung empfohlen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c spiegelte <i>zeitlich (und damit auch politisch &#8211; da die Bauernschaft 1917 sich von Monat zu Monat weiter radikalisierte)<\/i> die Stimmungslage der Bauernschaft im Fr\u00fchsommer 1917 wider. <i>Sozial<\/i> stellt er einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Kr\u00e4ften der russischen Bauernschaft dar. Er listet die Gesamtheit der Forderungen der regional und sozial durchaus unterschiedlichen Interessen innerhalb der russischen Bauernschaft auf. Konkret vertritt er sowohl die Interessen der Bauern in den Umteilungsgemeinden wie die der stolypinschen Einzelbauern oder der Kosaken. Lenin war dies sogleich nach der Ver\u00f6ffentlichung des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c aufgefallen. Er schrieb dazu im August 1917:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es w\u00e4re h\u00f6chst w\u00fcnschenswert, wenn der Sowjet der Bauerndeputierten m\u00f6glichst ausf\u00fchrliche Angaben \u00fcber alle diese W\u00e4hlerauftr\u00e4ge ver\u00f6ffentlichte. Besonders notwendig w\u00e4re zum Beispiel eine vollst\u00e4ndige Liste der Gouvernements, der Kreise und Amtsbezirke, aus der die Zahl der in einzelnen Orten abgefassten W\u00e4hlerauftr\u00e4ge hervorgeht sowie der Zeitpunkt, an dem sie abgefasst oder \u00fcberreicht wurden, ferner eine Analyse wenigsten der in ihnen enthaltenen Hauptforderungen, damit man sehen kann, ob sich in den Gebieten Unterschiede in diesen oder jenen Punkten feststellen lassen. Zum Beispiel die Gebiete mit Einzelhof-Landbesitz und die mit Dorfgemeinde-Landbesitz, die gro\u00dfrussischen Gebiete und die anderer Nationalit\u00e4ten, die zentral gelegenen und die Randgebiete, die Gebiete, wo es keine Leibeigenschaft gegeben hat usw. \u2013 unterscheiden sich die Gebiete in ihrer Stellung zur Aufhebung des Privateigentums am gesamten <i>Bauern<\/i>land, zu den periodischen Neuaufteilungen des Bodens, zur Nichtzulassung der Lohnarbeit, zur Beschlagnahme des lebenden und toten Inventars der Gutsbesitzer usw. usw.? Eine wissenschaftliche Untersuchung des ungemein wertvollen Materials dieser b\u00e4uerlichen W\u00e4hlerauftr\u00e4ge ist ohne solche ausf\u00fchrlichen Angaben nicht m\u00f6glich.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> (Hervorhebung im Original A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da Lenin erkannte, dass dieser \u201eMuster-W\u00e4hlerauftrag\u201c, der \u201evon den \u00f6rtlichen Deputierten dem 1.\u00a0Gesamtrussischen Kongress der Bauerndeputierten \u00fcberreicht wurde\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a>, die Interessen sehr unterschiedlicher sozialer Gruppierungen der russischen Bauernschaft b\u00fcndelte, formulierte er seine Fragen an die dem \u201eW\u00e4hlerauftrag\u201c zugrundeliegenden Eingaben. Ihn interessierte, welche Gruppierungen der Bauernschaft, die er konkret benennt (Einzelhof-Landbesitz, Dorfgemeinde-Landbesitz, Gro\u00dfrussische Gebiete, Randgebiete etc.), in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt ihre Forderungen eingebracht haben, um so ihr Gewicht und ihr Interesse an der Umsetzung der verschiedenen Forderungen gewichten und beurteilen zu k\u00f6nnen. Zu der von ihm geforderten \u201ewissenschaftlichen Untersuchung\u201c des \u201eungemein wertvollen Materials\u201c ist es \u2013 unseres Wissens nach &#8211; nicht mehr gekommen. So musste das Agrardekret des Oktobers ohne diese Analyse verfasst werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk18676975\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Lenins Analyse des W\u00e4hlerauftrags im August 1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Welche Positionen dieses W\u00e4hlerauftrags teilte Lenin, welche hielt er f\u00fcr \u201enaiv\u201c und wie interpretierte er die gesamte Richtung dieser Forderungen? \u201eDer Zusammenfassung der W\u00e4hlerauftr\u00e4ge zufolge bestehen die Bodenforderungen der Bauernschaft vor allem in der entsch\u00e4digungslosen Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden jeder Art einschlie\u00dflich des Bauernlandes; in der \u00dcbergabe von L\u00e4ndereien mit hochentwickelten Wirtschaften an den Staat oder die Gemeinden, \u2026 in der ausgleichenden Verteilung des Grund und Bodens an die Werkt\u00e4tigen mit periodisch vorzunehmenden Neuaufteilungen usw.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> Obwohl diese Forderungen der Programmatik der Sozialrevolution\u00e4ren Partei entsprachen, war diese Partei \u2013 als Regierungspartei des Revolutionsjahres 1917 \u2013 nicht bereit, irgendwelche ernstzunehmenden Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Da die rechten Sozialrevolution\u00e4re \u2013 auch nach dem Oktober 1917 \u2013 an einem B\u00fcndnis mit den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften der kaum noch vorhandenen Kadettenpartei festhielten, favorisierten sie eine L\u00f6sung der Agrarfrage, bei der die Bauern zwar das Land der Gutsbesitzer erhalten sollten, die Besitzer aber daf\u00fcr entsch\u00e4digt werden sollten. Wer anders als die Bauern h\u00e4tte diese Entsch\u00e4digung zahlen sollen? Vordenker dieser \u201eInterpretation\u201c \u2013 besser gesagt der grundlegenden Abkehr von dem alten Programm der Sozialrevolution\u00e4re \u2013 war Kautskys \u201ealter Freund\u201c und Briefpartner Maslow.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der in aller Eile unter Federf\u00fchrung von Maslow \u201azusammengezimmerte\u2018 Entwurf (zur Agrarpolitik der SR; A.S.) wies betr\u00e4chtliche M\u00e4ngel auf. So fehlte beispielsweise bei den Ausf\u00fchrungsbestimmungen zur Enteignung (des Grundbesitzes; A.S.) das Adjektiv \u201aentsch\u00e4digungslos\u2018. Was wie ein Versehen wirkte, k\u00f6nnte als bewusster Versuch Maslows gewertet werden, alte Parteibeschl\u00fcsse zu unterlaufen. Im weiteren Verlauf des Jahres 1917 sollte sich nur zu deutlich zeigen, dass Maslow Kompensationen bef\u00fcrwortete, wie sie vor allem sein Agrargesetzentwurf von Oktober unterstrich.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> Damit wurde die \u201eentsch\u00e4digungslose Enteignung\u201c zunehmend ein politisches Alleinstellungsmerkmal der Bolschewiki. In dem Ma\u00dfe wie die Bauernschaft erkannte, dass die den Bauernsowjet und die Regierung dominierenden Sozialrevolution\u00e4re gar nicht beabsichtigten, den Grundbesitz <i>entsch\u00e4digungslos<\/i> zu enteignen, entzogen sie beiden Institutionen ihre Unterst\u00fctzung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das ist der Grund, weshalb Lenin sich so intensiv mit diesem W\u00e4hlerauftrag besch\u00e4ftigt. Er ist &#8211; trotz der unterschiedlichen Interessen von Teilen der russischen Bauernschaft \u2013 ein Kompromiss, <i>den die Bauernschaft nicht mit den Sozialrevolution\u00e4ren umsetzen kann<\/i>, ein Kompromiss, der die Differenzen der gesamten Bauernschaft mit ihrer politischen Vertretung dokumentiert. Die <i>entsch\u00e4digungslose Enteignung<\/i> konnte die Bauernschaft nur im B\u00fcndnis mit der Arbeiterklasse durchsetzen, parteipolitisch damit nur mit den Bolschewiki und nicht mit den Sozialrevolution\u00e4ren. Deshalb enden Lenins Betrachtungen zu diesem Thema damit, die Bauernschaft gerade darauf hinzuweisen: \u201eWenn ihr aber im Bunde mit den Arbeitern in der Stadt, im schonungslosen Kampf gegen das Kapital, <i>beginnen<\/i> werdet, das Programm der 242 W\u00e4hlerauftr\u00e4ge zu verwirklichen, \u2026 dann wird der Erfolg dieses Programms \u2013 nicht in seiner vorliegenden Formulierung, sondern seinem Wesen nach \u2013 gesichert sein.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Lenins Kritik am W\u00e4hlerauftrag im August 1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was hatte Lenin an dem Programm zu kritisieren, denn Kritik daran hatte er, wie der letzte Satz des obigen Zitats belegt? \u201eDie Konfiskation der Gest\u00fcte usw. sowie des gesamten lebenden und toten Inventars \u2013 das sind nicht nur weitere wuchtige Schritte gegen das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Das sind Schritte zum Sozialismus hin, denn der \u00dcbergang des Inventars in die ausschlie\u00dfliche Nutzung durch den Staat und die Dorfgemeinde bedeutet die Notwendigkeit der Bildung einer sozialistischen Gro\u00dflandwirtschaft oder wenigstens einer sozialistischen Kontrolle \u00fcber die vereinigten Kleinwirtschaften, einer sozialistischen Regulierung ihrer Wirtschaftsf\u00fchrung.\u201c Und einige Seiten sp\u00e4ter im selben Artikel: \u201eDer Krieg hat Russland jetzt praktisch vor eine Frage eben dieser Art gestellt. Es mangelt an Inventar. Man muss es beschlagnahmen und darf hochentwickelte Wirtschaften \u201anicht aufteilen\u2018. Die Bauern haben angefangen, das zu begreifen. Die Not hat sie dazu gezwungen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das ist ein Teil der Leninschen Kritik an dem W\u00e4hlerauftrag, und diese Kritik ist wenig \u00fcberzeugend. Die Konfiskation des gesamten lebenden und toten Inventars der gro\u00dfen G\u00fcter und ihre \u201eausschlie\u00dfliche Nutzung durch den Staat\u201c stellen in der Tat einen Schritt in Richtung sozialistischer Landwirtschaft dar. Aber der W\u00e4hlerauftrag ist Ergebnis eines Kompromisses zwischen den verschiedenen Kr\u00e4ften innerhalb der russischen Bauernschaft. Und so sorgt die Umteilungsgemeinde daf\u00fcr, dass dieser Text auch einen ganz anderen Inhalt haben kann, n\u00e4mlich den \u00dcbergang des Grund und Bodens einschlie\u00dflich allen Inventars <i>in die H\u00e4nde der Dorfgemeinde<\/i>.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Text l\u00e4sst beide M\u00f6glichkeiten offen, was Lenin durchaus sieht, weshalb er f\u00fcr diesen zweiten Fall die Forderung nach der \u201esozialistischen Kontrolle \u00fcber die vereinigten Kleinwirtschaften\u201c aufstellt. Diese theoretische \u201eR\u00fcckzugslinie\u201c, (denn eigentlich will Lenin ja die staatliche Kontrolle und keine Aufteilung der gro\u00dfen G\u00fcter, wie das zweite Zitat deutlich ausdr\u00fcckt) findet dann ihre praktisch-politische Schranke im Punkt zwei des Agrardekrets: \u201eDie Verf\u00fcgungsgewalt wird in die H\u00e4nde der Amtsbezirks-Bodenkomitees und der Kreissowjets der Bauerndeputierten \u00fcbergeben.\u201c Und wie die dar\u00fcber befinden werden, kann der Leser sich vermutlich denken, soll aber weiter unten bei der Darstellung der Bauernrevolution nochmals aufgegriffen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch einen zweiten Punkt greift Lenin in seiner Kritik an den Inhalten des W\u00e4hlerauftrags auf, den \u201enaiven Wunsch der niedergedr\u00fcckten kleinen Landwirte\u201c, die eine Nichtzulassung der Lohnarbeit in den W\u00e4hlerauftrag geschrieben h\u00e4tten. Dass diese Forderung hauptseitig von den \u201eniedergedr\u00fcckten kleinen Landwirte(n)\u201c erhoben wurde, ist Lenins Interpretation. Wir erinnern uns, dass das ver\u00f6ffentlichte Material \u2013 genauer gesagt das <i>nicht<\/i> ver\u00f6ffentlichte Material \u2013, das eine solche Zuordnung erm\u00f6glichen w\u00fcrde, nicht vorlag, wie Lenin selbst sehr richtig beklagte. F\u00fcr ihn war diese Forderung nach \u201eNichtzulassung der Lohnarbeit\u201c auf dem Land \u201eeine leere Phrase, ein hilfloser naiver Versuch\u201c der genannten \u201ekleinen Landwirte\u201c,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a> der kapitalistischen Entwicklung im russischen Dorf entgegenzutreten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der \u201enichtkapitalistische Charakter\u201c der Dorfgemeinde oder die \u201eNaivit\u00e4t\u201c der Marxisten<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dieser Kritik Lenins tritt sein Unverst\u00e4ndnis \u00fcber den <i>nichtkapitalistischen Charakter der russischen Dorfgemeinde<\/i> erneut deutlich zu Tage. Innerhalb der Dorfgemeinde regelt sich ein zu viel oder zu wenig an Arbeitskraft in den einzelnen Bauernfamilien anders als in Wirtschaftsformen, die vom Kapitalverh\u00e4ltnis dominiert sind. Ein Bauer, der aus individuellen Gr\u00fcnden (krankheitsbedingt; zeitweilige Abwesenheit, Tod eines Zugtieres etc.) nicht in der Lage ist, die ihm zugeteilte Ackerfl\u00e4che ausreichend zu bearbeiten, findet <i>innerhalb<\/i> der Dorfgemeinde ausreichend Verwandte, Vertraute oder Freunde, die z.B. durch heranwachsende Kinder, besseres Zugvieh etc. mehr Ackerboden bestellen k\u00f6nnen, als ihnen im gegebenen Moment zugewiesen ist. Diese Dorfgenossen \u00fcbernehmen die Arbeit des ersteren, aber nicht als \u201eLohnarbeiter\u201c gegen Geld, sondern gegen Naturalleistungen (beispielsweise vom Ertrag des Ackers) des erstgenannten Bauern. Dies alles geschieht, ohne dass bei diesem Arrangement \u201efreie Lohnarbeit\u201c und \u201eKapital\u201c dazwischentreten m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Denn genau diese Erscheinungen der \u201eModerne\u201c will der Bauer der Dorfgemeinde verbieten, weil er erkennt, dass sie Elemente der Zersetzung der Dorfgemeinde darstellen. Diese Dorfgemeinde in all ihrer R\u00fcckst\u00e4ndigkeit ist seine Welt, sein \u201eMir\u201c, die er erhalten und verteidigen will, sowohl gegen das Kapital als auch gegen den Staat, der ihn nur mit Lasten und Abgaben bedr\u00fcckt. Und deshalb <i>formuliert die Umteilungsgemeinde in ihrer Gesamtheit den Wunsch nach dem Verbot der Lohnarbeit auf dem Land <\/i>und nicht nur der \u201akleine Landwirt\u2018, den Lenin auf seiner dauernden Suche nach sozialen Gegens\u00e4tzen in der Umteilungsgemeinde anf\u00fchrt<i>.<\/i> Dies alles ist zwar un\u00fcbersehbar r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, steht dem \u201ehistorischen Entwicklungsschema\u201c und der Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktivit\u00e4t entgegen, ist mit der \u201eBrille des Marxschen Kapitals\u201c kaum erkennbar, aber \u201e<i>naiv<\/i>\u201c war dies keineswegs. Das hat die Revolution auf dem Land, die Bauernrevolution von 1917\/18 bewiesen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Naiv\u201c waren die Marxisten, zu denen der Genosse Karuscheit und ich ebenso geh\u00f6rten, die sich bis heute weigerten, die <i>tats\u00e4chliche<\/i> Geschichte der russischen Bauernschaft zu studieren und sich stattdessen mit der von Marx, Engels und Lenin <i>vermuteten<\/i> Geschichte derselbigen begn\u00fcgten. Die \u2013 hier von Engels und Lenin animiert \u2013 eifrigst die Kulaken als kapitalistische Elemente innerhalb der Dorfgemeinschaft \u201eausfindig\u201c machten und so aus der <i>b\u00e4uerlichen Revolution<\/i> in Russland eine <i>b\u00fcrgerliche Revolution<\/i> (mit dem Triumph der Kulaken in der Dorfgemeinde) machten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst der Zugang \u00fcber die tats\u00e4chliche Geschichte der russischen Bauernschaft macht es m\u00f6glich, die Geschichte des Oktobers als die Geschichte <i>zweier sozialer Bewegungen mit v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Inhalten<\/i> zu begreifen: einer proletarisch-sozialistischen in den St\u00e4dten und Industriegebieten und einer r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten b\u00e4uerlichen Agrarrevolution. Beide waren zwar machtpolitisch auf das engste miteinander verwoben, aber sozial und politisch v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Inhalts. Und keine dieser beiden Revolutionen hatte einen b\u00fcrgerlichen Charakter.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Bauernrevolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ausgangspunkt unserer Betrachtungen waren die Ausf\u00fchrungen des Genossen Kuczynski zum Agrardekret des Oktobers. Er vermutete, in \u201ePunkt 5 des Dekrets\u201c die \u201eAchillesferse der Revolution\u201c entdeckt zu haben. Ignorieren wir die begriffliche Ungenauigkeit (es handelt es sich um den Punkt 5 des <i>W\u00e4hlerauftrags<\/i>), so hat Kuczynski ironischerweise mit dem Punkt 5 genau jene Bestimmung des W\u00e4hlerauftrags gefunden, die von der b\u00e4uerlichen Revolution weitestgehend ignoriert wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erinnern wir uns, was wir \u00fcber den W\u00e4hlerauftrag erfahren haben. Er war ein Kompromiss der verschiedenen sozialen Kr\u00e4fte innerhalb der Bauernschaft, der im Fr\u00fchsommer dem von rechten Sozialrevolution\u00e4ren dominierten Bauernkongress vorgelegt wurde. Er widerspiegelte die Stimmung der Bauernschaft <i>vor<\/i> der Kerenski-Offensive und <i>vor<\/i> dem Kornilow-Putsch. Dazu glaubte die Bauernschaft zu diesem Zeitpunkt noch daran, dass die von den Sozialrevolution\u00e4ren (Kerenski) gef\u00fchrte Regierung und ein ebensolcher Sowjet ihnen das Land der Grundbesitzer entsch\u00e4digungslos \u00fcbereignen w\u00fcrden. Der angesprochene Punkt 5 des W\u00e4hlerauftrags enthielt deshalb einen \u2013 von der Umteilungsgemeinde mitgetragenen \u2013 Kompromiss, an den sie sich im Oktober keineswegs mehr gebunden f\u00fchlte: \u201eDer Boden der einfachen Bauern und einfachen Kosaken unterliegt nicht der Konfiskation\u201c. Worum geht es hier?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk19628076\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Bauernschaft hatte je nach Region und Rechtsstatus unterschiedliche Besitz- und Eigentumsverh\u00e4ltnisse an dem von ihr bearbeiteten Boden. War der Bauer Mitglied einer Dorfgemeinde in den Zentralrussischen Gebieten, so war der <i>Besitz<\/i> seiner Ackerfl\u00e4chen garantiert durch das Gemein<i>eigentum<\/i> der Dorfgemeinde am Boden. Hatte er im Zuge der stolypischen Reformen die Dorfgemeinde verlassen, war er einer der sog. Chutorwirte, (wohlgemerkt mit seinem ehemals von der Dorfgemeinde zugeteilten Land, wie es die stolypinsche Gesetzgebung auf Kosten der Dorfgemeinde erlaubte,)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a> war er Neusiedler mit vom Staat zugewiesen Land in Sibirien geworden oder freier Kosake, so war dieser Bauer <i>Eigent\u00fcmer<\/i> seines Landes. Diese unterschiedliche Rechtsform des Bodenbesitzes, einmal nur als <i>Nutzer und damit zeitweiliger Besitzer<\/i> (Dorfgemeinde), das andere Mal als <i>Eigent\u00fcmer<\/i> des Bodens, d\u00fcrfte die Grundlage des von Kuczynski zur \u201eAchillesferse der Revolution\u201c ausgemachten Punkt 5 des W\u00e4hlerauftrags sein. Mit diesem Punkt wurden die \u201eeinfachen Bauern und einfachen Kosaken\u201c &#8211; die Eigent\u00fcmer ihres Bodens waren &#8211; von der Konfiskation des gesamten Grund und Bodens <i>ausgenommen<\/i>, ihr Eigentumsrecht am Boden sollte nicht aufgehoben werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Revolutionen haben die Eigenschaft, sich nicht an schriftliche Vorgaben zu halten. Weder, wenn sie von Marx oder Lenin kommen, noch wenn sie im Auftrag eines sozialrevolution\u00e4ren Bauernkongress ver\u00f6ffentlicht werden. Der Bauer der Umteilungsgemeinde hatte 1917 keineswegs vergessen, wer in den Jahren von 1906 bis 1914 mit dem von der Dorfgemeinde \u201egestohlenem Land\u201c sein b\u00e4uerliches Eigentum auf Kosten der Gemeinschaft erworben hatte und holte sich dieses Land, sobald dies ungestraft m\u00f6glich war, zumeist als erstes zur\u00fcck. Helmut Altrichter schildert dies in seiner Dissertation \u00fcber die Bauern von Tver, einer Region die von der Dorfgemeinschaft gepr\u00e4gt war.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Exzesse, wie an der mittleren Wolga, wo die Auseinandersetzungen bereits vor dem Oktober B\u00fcrgerkriegscharakter angenommen hatten, blieben Tver erspart. Vor allem fehlten, so scheint es, die dort erbittert ausgetragenen K\u00e4mpfe mit Einzelbauern. Eben erst (durch die Stolypin-Gesetzgebung; A.S.) gegen den Willen der Obscina aus dem Dorfverband ausgeschieden, wurden sie nun in Strafaktionen zur\u00fcckgeholt. H\u00e4ufig ging es ihnen dabei nicht besser als den Gutsbesitzern: Sie verloren das in den Augen der Bauern widerrechtlich entwendete Obscina-Land, aber auch Vieh und Inventar, und die Besitzungen wurden zerst\u00f6rt.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a> So l\u00f6ste sich in der tats\u00e4chlichen Bauernrevolution die von Thomas Kuczynski entwickelte Theorie von einer \u201eAchillesferse der Revolution\u201c mit dem Rauch der abgebrannten Bauernh\u00f6fe der Privateigent\u00fcmer im wahren Sinne des Wortes \u201ein Luft auf\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der weitere Verlauf der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk19101511\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor 22 Jahren gaben die Autoren Hedeler, Sch\u00fctzler und Striegnitz einen Sammelband mit dem Titel \u201eDie Russische Revolution 1917 \u2013 Wegweiser oder Sackgasse\u201c heraus. Darin ver\u00f6ffentlichten zwei russische Autoren (Wolobujew und Buldakow) einen Artikel, der sowohl auf die Bedeutung der Februarrevolution bei der Beurteilung des Revolutionsgeschehens 1917 hinwies als auch die wichtige Feststellung beinhaltete: \u201e<i>Die Bauernbewegung geh\u00f6rt zu den am wenigsten untersuchten Aspekten der Massenaktivit\u00e4ten<\/i>. Den Inhalt dieser Bewegung kann man als \u201aRevolution der Obschtschina\u2018 kennzeichnen.\u201c (S. 53; Hervorhebung von mir, A.S.) Zwanzig Jahre sp\u00e4ter, zum hundertsten Jahrestag des russischen Oktobers, gibt W. Hedeler erneut einen Sammelband heraus, diesmal mit dem Thema: \u201eDie russische Linke zwischen M\u00e4rz und November 1917\u201c, und stellt in seinem Einleitungsartikel fest: \u201eDie Geschichtsschreibung hat es in den zur\u00fcckliegenden f\u00fcnf Jahren nicht vermocht, den R\u00fcckstand gegen\u00fcber den Quelleneditionen aufzuholen.\u201c (S. 11) Was Hedeler hier speziell auf die Forschung zur Geschichte der SDAPR bezieht, trifft auf die Untersuchung der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution offensichtlich in einem noch gr\u00f6\u00dferen Umfang zu. In dem neuen Sammelband von 2017 wird dieses Thema deshalb gar nicht mehr ernsthaft aufgeworfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Somit sind wir bei der Darstellung des weiteren Verlauf der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution wiederum auf die Quellen und Studien der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft angewiesen. Beginnen wir erneut mit Altrichter und seiner gut dokumentierten Darstellung \u00fcber die Bauern in der Region Tver. Hier ist hinzuzuf\u00fcgen, dass die von Altrichter untersuchte Region typisch f\u00fcr die Landumteilungsgemeinde, die Obscina ist. Dass die Agrarrevolution in anderen, nicht von der Obscina gepr\u00e4gten Regionen wie der Ukraine, dem Baltikum oder Sibirien einen anderen Verlauf genommen hat, ist anzunehmen und bedarf deshalb einer n\u00e4heren Untersuchung. Weiter oben im Text hatten wir bereits auf diese regionale und soziale Scheidung innerhalb der Bauernschaft hingewiesen. Da aber die Obscina-Bauernschaft die gro\u00dfe Mehrheit der russischen Bauernschaft darstellte, haben wir uns darauf beschr\u00e4nkt, den Verlauf und Inhalt der Agrarrevolutionen an diesem Beispiel darzustellen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die gesetzlichen Bestimmungen des Oktober-Dekrets legten nur einen allgemeinen Rahmen fest. Sie lie\u00dfen den Bauern im \u00dcbrigen freie Hand und vermieden Fixierungen und Normierungen, die vor Ort nicht durchzusetzen waren. Selbst die Entscheidung, von welcher Gr\u00f6\u00dfe an G\u00fcter konfisziert werden sollten und nach welchem Modus das konfiszierte Land an die Bauern verteilt wurde, blieb den \u00f6rtlichen Organen \u00fcberlassen. \u2026 Die Bauern entschieden selbst, und es ist nicht ersichtlich, dass sie sich stillschweigend an eine einheitliche Norm gehalten h\u00e4tten.\u201c \u2026 (Es) \u201ewurden \u2026 G\u00fcter zwischen 12 ha und 1.000 ha enteignet. Manchmal verloren die fr\u00fcheren Besitzer alles, manchmal behielten sie, den \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen und der Familiengr\u00f6\u00dfe entsprechend, einen Restacker zur Eigenbewirtschaftung.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Darstellung verdeutlicht einerseits den <i>selbst\u00e4ndigen, <\/i>von der Revolution in den St\u00e4dten weitgehend unabh\u00e4ngigen Charakter der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution, der sich faktisch jeglicher landesweiten, ja sogar regionalen Normierung entzog, obwohl er das ganze Land betraf. Zugleich dokumentiert sie die entscheidende Rolle des <i>einzelnen<\/i> Dorfes und seiner Umteilungsgemeinde, denn dort wurde <i>entschieden,<\/i> welche Gestalt die Agrarrevolution vor Ort annahm. Landumteilungen <i>zwischen<\/i> den D\u00f6rfern unterblieben durchg\u00e4ngig.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Ergebnis der Agrarevolution im Tverer Gouvernement war: Bis 1920 hatten \u00fcber 2.000 adelige und private Grund- und Gutsbesitzer ihre L\u00e4ndereien v\u00f6llig oder zum Gro\u00dfteil verloren. Meist hatten die Bauern Vieh und Inventar unter sich verteilt oder ungeteilt in Gemeinschaftsbesitz \u00fcbernommen. Manchmal \u2013 und offenbar gar nicht so selten \u2013 wurden Vieh und Ger\u00e4tschaften auch den fr\u00fcheren Besitzern belassen. Die Felder gingen in den Besitz der ortsans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung \u00fcber, ein Ausgleich \u00fcber die Dorf-, Volost- und Kreisgrenzen unterblieb. Die Zuteilung der Bodenanteile an die einzelnen H\u00f6fe richtete sich nach der Zahl der Esser oder der Arbeitskr\u00e4fte, wie es den \u00f6rtlichen Gepflogenheiten gerade entsprach, und h\u00e4ufig folgte der Aufteilung des Gutslandes eine Neuverteilung des obscina-Landes auf den Fu\u00df. 1920 waren wieder 96 % der Tverer Bauernh\u00f6fe in der obscina, und der Anteil der Gemeinden an der gesamten Anbaufl\u00e4che war kaum geringer.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch deutlicher wird der von uns betonte <i>selbst\u00e4ndige<\/i> und vom einzelnen Dorf gepr\u00e4gte Charakter dieser Bauernrevolution, wenn wir die staatlichen M\u00f6glichkeiten der Einflussnahme n\u00e4her betrachten. War schon der zaristische Staatsapparat auf dem Land so gut wie nicht vorhanden, so hatte die Februarrevolution 1917 seine letzten Bastionen beseitigt. Dies wurde der Bauernschaft im Sommer\/Herbst des Revolutionsjahres zunehmend bewusster und ihre Angriffe auf den Grundbesitz au\u00dferhalb der Dorfgemeinde nahmen zu. Versuchte Milit\u00e4reins\u00e4tze der Provisorischen Regierung gegen die sich entwickelte Bauernrevolution waren weitgehend erfolglos, schm\u00e4lerten den ohnehin rapide abnehmenden politischen Einfluss der Sozialrevolution\u00e4re auf die Bauernschaft weiter und ermutigten die Bauern, nach Abzug der Regierungstruppen mit ihren Aktionen fortzufahren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Charakter der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution erkl\u00e4rt sich aus der Geschichte der Dorfgemeinde. Rekapitulieren wir diese oben dargestellte Geschichte noch einmal in K\u00fcrze.<i> Die Dorfgemeinde entstand historisch aus der Konfiskation des Landes der b\u00e4uerlichen Bodeneigent\u00fcmer, einer Umwandlung von Privateigentum in Gemeineigentum der Umteilungsgemeinde, <\/i>also durchaus anders als Marx es annahm und Kuczynski es mit dem Sassulitsch-Brief zitierte. Der Umfang des Landeigentums dieser Gemeinde wurde durch die Reform von 1861 beschnitten und nach der Revolution von 1905 durch die stolypinsche Reform weiter geschm\u00e4lert, weil es nun m\u00f6glich war, die Umteilungsgemeinde mit dem Land der Gemeinde als Privateigentum zu verlassen. F\u00fcr die Dorfgemeinde waren beide Ereignisse \u201eDiebstahl\u201c an ihrem Land. Die Bauernschaft forderte deshalb im Verlauf des Revolutionsjahres immer deutlicher das gesamte Land f\u00fcr die Umteilungsgemeinde zur\u00fcck. Es w\u00e4re falsch, diese Radikalisierung der Bauernschaft der Agitation der Bolschewiki und der Partei der Linken Sozialrevolution\u00e4re zuzuschreiben. <i>Beide politischen Kr\u00e4fte artikulierten einerseits nur Teile dieser Forderungen in den Sowjetorganen und waren im russischen Dorf so gut wie nicht vertreten<\/i>, <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Obschtschiny umfassten, besonders in Kernrussland, nur kleine Siedlungen mit zehn, 12 H\u00f6fen. Auf dieser Ebene f\u00e4llte die Dorfversammlung, der Schod, die zum Leben wichtigen Entscheidungen \u00fcber Umverteilung und Flurzwang. Hier war jeder Nachbar, ja oft Verwandter. Aus der Umverteilung des Landes folgte, dass Armut und Reichtum weithin zyklischen Charakter hatten; wer viele Kinder hatte, bekam viel Land und sammelte &#8218;Produktionsmittel&#8216; an \u2013 ein Pferd, einen modernen Pflug. Dies galt nur, wenn Mann und Frau gesund blieben \u2013 lange Krankheit brachte einer Familie den Ruin. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Acht oder neun, ja bis \u00fcber f\u00fcnfzehn solcher Dorfgemeinden waren in einem l\u00e4ndlichen Sowjet zusammengefasst. <i>Erst auf dieser Ebene trat &#8218;der Staat&#8216; auf \u2013 erst hier gab es Kommunisten<\/i>, die meisten unter den Verwaltungsbeamten oder Lehrern. \u2026 mit anderen Worten, <i>dass die Partei auf der Ebene der D\u00f6rfer gar nicht auftauchte<\/i>.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir, A.S.) Zu derselben Bewertung kommt Altrichter durch die Auswertung sowjetischer Statistiken: \u201eWenn die Statistiken sowjetischer Historiker zutreffen, bildete sich noch im Verlauf des Jahres 1918 in jedem gr\u00f6\u00dferen Ort\u201c (wohlgemerkt nicht in den D\u00f6rfern, A.S.) \u201edes Gouvernements ein wie auch immer gearteter &#8218;Rat&#8216;. Genauere Richtlinien f\u00fcr seine Wahl, seine Gr\u00f6\u00dfe und seine Kompetenzen gab es zun\u00e4chst nicht \u2026 \u00dcber 95 % der Mitglieder bezeichneten sich selbst als parteilos, und der bolschewistische Anteil \u2013 von h\u00f6chstens 3 bis 4 % &#8211; ging 1919 und 1920 noch weiter zur\u00fcck. Neben dem Rat blieb allem Anschein nach die Dorfversammlung als unabh\u00e4ngige, letzte Entscheidungsinstanz bestehen, was zeigt, dass die R\u00e4te die alten d\u00f6rflichen Entscheidungsstrukturen nicht beseitigten, sondern best\u00e4tigten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum betonen wir den <i>eigenst\u00e4ndigen<\/i> und vom <i>einzelnen Dorf gepr\u00e4gten<\/i> Charakter der Agrarumw\u00e4lzung, die sich damit weitgehend der staatlichen Einflussnahme entzog? Nicht nur weil es den politischen und sozialen Inhalt der Umw\u00e4lzung am treffendsten beschreibt und damit deutlich macht, dass kein Brief von Marx und kein Gesetz von Lenin in der Lage gewesen w\u00e4ren, etwas Grunds\u00e4tzliches an dem Inhalt der Bauernrevolution zu \u00e4ndern. Weiterhin um aufzuzeigen, dass der russische Bauer, vornehmlich der Bauer der Umteilungsgemeinde, eine eigene Geschichte und ein eigenes soziales Gesicht hat, das sich nicht aus dem Studium des \u201eKapitals\u201c erkl\u00e4ren l\u00e4sst, sondern das \u201eAbtauchen\u201c in die Niederungen der profanen Wirtschafts-, Sozial- und Politikgeschichte erfordert, was wir mit den obigen Zitaten nur \u00e4u\u00dferst kursorisch gemacht haben. Viel wichtiger aber ist es, zu verstehen, dass der russische Oktober nicht <i>eine Umw\u00e4lzung<\/i> der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse beinhaltet, sondern <i>zwei<\/i>: eine proletarische Minorit\u00e4tenrevolution in den St\u00e4dten und eine b\u00e4uerliche Agrarrevolution auf dem Land.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zwei Revolutionen, die es zu unterscheiden gilt<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Genosse Kuczynski stellt die Frage \u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution?\u201c Richtiger w\u00e4re es gewesen zu fragen <i>\u201eWas war die Oktoberrevolution?\u201c<\/i> Und dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist, wie es im Lichte des \u201eKurzen Lehrgangs\u201c scheint, haben der Genosse Karuscheit und ich in unseren fr\u00fcheren Publikationen zu diesem Thema dokumentiert. In unseren beiden gemeinsamen B\u00fcchern zur russischen Revolution<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a> haben wir diese Frage teils fehlerhaft<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a>, teils unbefriedigend<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a> beantwortet. Richtig erkannten wir, dass die proletarische Machtergreifung im Oktober eine \u201eMinorit\u00e4tenrevolution\u201c war und dass die entscheidende Rolle der Bauernschaft in der Revolution einen direkten Weg zum Aufbau des Sozialismus ausschloss. Was wir nicht verstanden hatten war, dass der russische Oktober <i>zwei gesellschaftlich und politisch entgegengesetzte Revolutionen<\/i> beinhaltete, dass die Bauernrevolution eine <i>eigenst\u00e4ndige<\/i> und nicht, wie es der \u201eKurze Lehrgang\u201c lehrt, ein Anh\u00e4ngsel der proletarischen Revolution war.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter F\u00fchrung der Partei der Bolschewiki st\u00fcrzt die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit der armen Bauernschaft, mit Unterst\u00fctzung der Soldaten und Matrosen die Macht der Bourgeoisie, errichtet die Macht der Sowjets, \u2026 \u00fcbergibt den Boden der Bauernschaft zur Nutzung \u2026\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a> Hier ist fast jeder Halbsatz falsch, aber noch immer pr\u00e4gt diese Darstellung das Bild von der Ereignisgeschichte der russischen Revolution. Es war nicht die Partei der Bolschewiki, die der Bauernschaft den Boden zur Nutzung gab. Es war die <i>Bauernschaft selbst<\/i>, die sich den Boden auf ihre eigene Art nahm und umteilte. Die Bolschewiki unterst\u00fctzten diese <i>eigenst\u00e4ndige<\/i> Bauernrevolution, befeuerten sie mit dem Dekret \u00fcber die entsch\u00e4digungslose Aufhebung des Grundbesitzes, gaben der Bauernschaft die M\u00f6glichkeit, die Agrarfrage in ihrem Sinne zu l\u00f6sen, ohne Einmischung des Staates, der Partei oder der Arbeiterklasse. \u201eMan wird in keinem Fall den Einfluss der Bolschewiki (und) der von ihnen eingesetzten Organe \u2026 \u00fcbersch\u00e4tzen d\u00fcrfen\u201c, schreibt Altrichter und erg\u00e4nzt: \u201e\u00dcber die Modalit\u00e4ten der Neuverteilung des Landes entschieden die Dorfbewohner selbst; ebenso eigenst\u00e4ndig setzten sie ihre Entscheidungen um. Hierzu brauchten sie keine Landkomitees und Vorgaben der Regierung \u00fcber Konsum- und Arbeitsnormen. Einmal mehr best\u00e4tigte sich dabei \u2013 zumindest in Zentralrussland \u2013 die St\u00e4rke der Landgemeinde \u2026 Innerhalb der Gemeinde, auf Dorfversammlungen oder in den von ihnen bestellten Komitees fielen die wichtigsten Entscheidungen, selbst wenn sich das eine oder andere Komitee jetzt \u201aSowjet\u2018 nannte.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch den oben dargestellten <i>eigenst\u00e4ndigen<\/i> Verlauf der b\u00e4uerlichen Agrarumw\u00e4lzung liegt es auf der Hand, dass diese Umw\u00e4lzung einen anderen sozialen und politischen Inhalt hatte als die proletarische Minorit\u00e4tenrevolution in den St\u00e4dten. Zielte das Proletariat der St\u00e4dte \u00f6konomisch auf die Aufrichtung einer vergesellschaften Produktion und politisch auf die Diktatur des Proletariats, hoffte es auf den baldigen Ausbruch der Weltrevolution, um seine exponierte Stellung durch den Sieg der Revolution im Westen st\u00e4rken zu k\u00f6nnen, so hatte die b\u00e4uerliche Agrarumw\u00e4lzung mit diesen Zielen keine Gemeinsamkeiten. Die Bauern wollten das ihnen \u201egestohlene\u201c Land zur\u00fcck und in \u201ealtv\u00e4terlicher Weise\u201c &#8211; als b\u00e4uerlicher Familienbetrieb innerhalb der Umteilungsgemeinde &#8211; die kapitalistische Moderne verhindern und den Staat aus dem Dorf fernhalten. Deshalb \u201eVerbot der Lohnarbeit\u201c, deshalb \u201eVerbot des Privateigentums am Boden\u201c und deshalb ebenso kein anderes Verwaltungsorgan als den \u201eDorfrat\u201c, der die Interessen der Gemeinde nach innen regelt und nach au\u00dfen vertritt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Landdekret (der Oktoberrevolution, A.S.) beschleunigte die weitere Umverteilung von Grund und Boden, es trieb aber auch die Zerr\u00fcttung der Beziehungen zwischen Stadt und Land weiter voran. Denn die im Winter 1917\/18 einsetzende Flucht aus den St\u00e4dten und die Heimkehr der Soldaten hatten negative Konsequenzen f\u00fcr die Versorgung der St\u00e4dte. Unter Einbeziehung der marktorientierten G\u00fcter, aber auch vieler seit der Stolypin-Reform separierter H\u00f6fe kam es zu einer &#8217;schwarzen Umteilung&#8216;. Die \u00c4cker wurden je nach Zahl der Esser oder Arbeitskr\u00e4fte neu verteilt. Im Ergebnis kam es zu einer Nivellierung der b\u00e4uerlichen Besitzstruktur. \u2026 Rechtlich hatte jeder einen Anspruch auf Landzuteilung im Sinne der Nutzung, aber nicht des Eigentums am Land. Damit wurde die Stolypin-Reform r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und die Feldgemeinschaft \u00e4lteren Typs, also die obtschina, wiederhergestellt. Insgesamt siegte ein revolution\u00e4r gewendeter Traditionalismus. \u2026 Eine Perspektive f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft im marxistischen Verst\u00e4ndnis lie\u00df sich daraus nicht ableiten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Was war der russische Oktober?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die proletarische Revolution in den St\u00e4dten bringt die bolschewistische Partei als legitime Vertretung der revolution\u00e4ren Arbeiterklasse an die politische Macht. Ihre Zielsetzung: die Ausl\u00f6sung der sozialistischen Weltrevolution. Die Agrarrevolution auf dem Land orientiert dagegen auf die Vergangenheit, auf die St\u00e4rkung der Umteilungsgemeinde und die Sicherung des b\u00e4uerlichen Familienhofs innerhalb dieser Gemeinde. Der Sieg der b\u00e4uerlichen Revolution auf dem Land \u2013 und dieses Paradoxon gilt es zu verstehen \u2013 f\u00fchrt zur politischen Entmachtung der Bauernschaft in den Sowjets durch die faktische Aufl\u00f6sung der Armee (Soldatensowjets). Dieser Sieg <i>bricht<\/i> in den Monaten Oktober 1917 bis Januar 1918 die Vorherrschaft der kleinb\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlichen Kr\u00e4fte im Sowjet, die seit dem Februar\/M\u00e4rz 1917 in wechselnden Koalitionen die russische Revolution dominierten. Dieses scheinbare Paradoxon, dass der Sieg der b\u00e4uerlichen Agrarrevolution die politische Vorherrschaft des Kleinb\u00fcrgertums (einschlie\u00dflich der Bauernschaft als seine zahlenm\u00e4\u00dfig bedeutendste Schicht) \u00fcber die proletarische Revolution in Russland beendet, ist nicht einfach zu erkennen und noch schwerer zu verstehen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk19712093\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beyrau beschreibt diesen Vorgang durchaus treffend, ohne ihn richtig politisch interpretieren zu k\u00f6nnen. Als b\u00fcrgerlicher Historiker und \u00fcberzeugter Antikommunist kann er dort, wo Klassenkr\u00e4fte wirken, nur bolschewistische Manipulationen entdecken. Trotzdem ist seine Schilderung hilfreich, um das komplexe Thema zu verstehen. \u201eMan hat parallel zu den Vorg\u00e4ngen in den St\u00e4dten die Situation auf dem Lande seit dem Sommer 1917 als &#8218;Diktatur der Bauern\u2018 bezeichnet, eine zugleich zutreffende und doch wieder falsche Zustandsbeschreibung. Einerseits charakterisiert sie die bemerkenswerte Hilflosigkeit der staatlichen Organe und der Gutsbesitzer vor Ort. Trotz punktuellen Einsatzes von Milit\u00e4r und Kosaken war die Zerst\u00f6rung der alten Ordnung nicht aufzuhalten, ein Beleg daf\u00fcr, wie schwach sie auf dem Land verankert war, wenn die Bauern den Gehorsam verweigerten. Der Begriff geht aber an der Realit\u00e4t insofern vorbei, <i>als sich aus den Aktionen der zahllosen Bauerngemeinschaften \u2026 keine auch nur halbwegs stabile Organisation formierte.<\/i> <i>\u2026 B\u00e4uerliche Interessenvertretungen wie der allrussische Sowjet der Bauerndeputierten<\/i> lie\u00dfen sich daher ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten von den Bolschewiki ausman\u00f6vrieren, nachdem sie die wichtigsten Forderungen der Bauern \u00fcbernommen hatten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir; A.S.)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beyrau hat hier \u2013 wie viele andere auch \u2013 etwas Grundlegendes nicht verstanden. Die politische Bedeutung und Macht der Bauernschaft beruhte <i>nicht<\/i> auf dem \u201eallrussische(n) Sowjet der Bauerndeputierten\u201c, der von den Bolschewiki dann 1918 heimt\u00fcckisch \u201eausman\u00f6vriert\u201c wurde, sondern auf dem <i>\u201eArbeiter- und Soldatensowjet\u201c<\/i>. In diesem Sowjet, der von den Bauernsoldaten <i>zahlenm\u00e4\u00dfig und damit auch politisch dominiert wurde<\/i>, wie Suchanow dies in seinen Erinnerungen anschaulich darstellt, <i>lag die Macht der Bauern \u00fcber die russische Revolution begr\u00fcndet<\/i>. Mit der Agrarrevolution und der unweigerlich folgenden Aufl\u00f6sung der zaristischen Armee<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\"><sup>71<\/sup><\/a>, war es vorbei mit der b\u00e4uerlichen Vorherrschaft \u00fcber den Arbeitersowjet und \u00fcber die russische Revolution. Dies geschah, wie bereits weiter oben dargestellt, in den Monaten von Oktober 1917 bis Januar 1918. Und auf dem Land herrschte zu dieser Zeit in der Tat die \u201eDiktatur der Bauern\u201c, die endlich ihre eigene Revolution, die \u201eschwarze Umteilung\u201c verwirklichen konnten, ohne vom Staat eingeschr\u00e4nkt oder von der Stadt bevormundet zu werden. Und so ist der Begriff von der \u201eDiktatur der Bauern eine zutreffende \u2026 Zustandsbeschreibung\u201c f\u00fcr die russischen Agrargebiete ab Oktober 1917. \u201eDie Bauern dagegen retteten die wichtigste Troph\u00e4e ihres Aufstandes, das hinzugewonnene Land, durch alle Wirren.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\"><sup>72<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem <i>Doppelcharakter<\/i>, einer proletarisch-sozialistischen Minorit\u00e4tenrevolution in den St\u00e4dten und einer r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten, antikapitalistischen (auch deshalb <i>nicht b\u00fcrgerlichen<\/i>) Bauernrevolution auf dem Land, liegt das Wesen des russischen Oktobers verborgen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>IV. Der russische Oktober &#8211; Umsturz oder Revolution?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk20829483\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die b\u00fcrgerliche Publizistik zum 100. Jahrestag des russischen Oktobers \u2013 und allen voran Manfred Hildermeier mit seinen zahlreichen Artikeln zu diesem Thema \u2013 hat hier eine weitgehend einheitliche Position. \u201eWenn es 1917 in Russland eine Revolution im \u00fcblichen Sinne gab, dann fand sie nicht im Oktober, sondern Ende Februar statt. Nur im Februar gingen Massen auf die Stra\u00dfe, deren Protest eine jahrhundertealte Herrschaft ins Wanken brachte. Dagegen entsprach der \u201aRote Oktober\u2018 eher dem Drehbuch eines Milit\u00e4rputsches. Das Zentralkomitee der Bolschewiki beschloss ihn. Ein gef\u00fcgiges Komitee des Petrograder Arbeiter- und Soldatenrats bereitete ihn sorgf\u00e4ltig vor, und eine parteitreue Miliz half bei der Besetzung strategisch wichtiger Einrichtungen.\u201c (FAZ, 07.11.2017) Soweit Hildermeier, der hier nur die altbekannten Positionen des Richard Pipes mit eigenen Worten aufbereitet. Wie bereits eingangs dargestellt (siehe Fu\u00dfnote 5), steht die Linke einer solchen Kritik am russischen Oktober hilflos gegen\u00fcber.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Genosse Kuczynski macht hier keine Ausnahme. Er ist emp\u00f6rt \u00fcber eine solche Aussage, distanziert sich mit deutlichen Worten von einer derartigen Bewertung des Oktobers und kann sie doch trotz aller Gramsci-Zitate, die er in diesem Zusammenhang anf\u00fchrt, nicht widerlegen. Schauen wir seine Ausf\u00fchrungen genauer an, finden wir dort noch nicht einmal den ernsthaften Versuch, auf die Beweisf\u00fchrung Hildermeiers einzugehen. Stattdessen beruft er sich auf Gramsci. \u201eDie Revolution der Bolschewiki (,,,) ist die Revolution gegen das Kapital von Karl Marx\u201c zitiert er einen Artikel von Gramsci aus dem Avanti vom 24. November 1917 um dann weiter auszuf\u00fchren:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Aussage wird vor allem von jenen gern zitiert, die mit Kautsky und Plechanow und gegen Lenin meinen, Russland sei \u201anoch nicht reif f\u00fcr die sozialistische Revolution\u2018 gewesen. Aber genau dies war nicht seiner Rede Sinn, denn Gramsci stellte in seinem Zeitungsartikel fest: \u201aDie Tatsachen haben die kritischen Schemata zersprengt, innerhalb derer die Geschichte Russlands nach den Grundprinzipien des historischen Materialismus h\u00e4tte ablaufen m\u00fcssen. Die Bolschewiki ignorierten Karl Marx, sie best\u00e4tigten mit der vollendeten Aktion (\u2026), dass die Grundprinzipien des historischen Materialismus nicht so ehern sind, wie man denken k\u00f6nnte und gedacht hat. \u2026 Die Bolschewiki \u2026 haben auf dem Werk des Meisters (gemeint ist \u201eDas Kapital\u201c von Marx, A.S.) keine oberfl\u00e4chliche Lehre aus dogmatischen und undiskutierbaren Behauptungen errichtet. Sie leben das marxistische Denken.\u2018 Das ist das glatte Gegenteil der Gramsci Interpretation derer, f\u00fcr die es 1917 in Russland nur eine Revolution gab, die Februarrevolution und die Oktoberrevolution zum \u201aOktoberumsturz\u2018 oder gar zu einer putschistischen Aktion Lenins degradieren.\u201c (S. 134)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir haben den Genossen aus mehreren Gr\u00fcnden so ausf\u00fchrlich zitiert. Zum ersten ist es un\u00fcbersehbar, dass er den Argumenten der Kritiker nicht Tatsachen, sondern Gramsci gegen\u00fcberstellt. Obwohl seine <i>revolution\u00e4re Interpretation<\/i> der Auflassungen Gramscis v\u00f6llig richtig ist, liefert sie keine Erkl\u00e4rungen zu den offensichtlichen Unterschieden zwischen der Februarrevolution und dem Oktober. Die Februarrevolution war eine <i>spontan entstandene Volksrevolution<\/i> in der <i>Stadt<\/i> Petrograd, jener Stadt, in der der Umsturz &#8211; sowohl im Februar als auch im Oktober &#8211; entschieden wurde. Der Februarumsturz begann mit Hungerprotesten, Streiks und Demonstrationen der Arbeiterschaft. Diese Proteste der Arbeiter weiteten sich in wenigen Tagen zu einer von breiten Teilen der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzten Revolution aus, der sich schlie\u00dflich bedeutende Teile der Garnison anschlossen. Gest\u00fctzt auf diese Kr\u00e4fte wurde die zaristische Regierung und ihr Staatapparat mit Waffengewalt gest\u00fcrzt (und nicht nur \u2013 wie Hildermeier oben besch\u00f6nigend formulierte \u2013 \u201eins Wanken gebracht\u201c).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Oktober war all\u2018 dies nicht. Er war eine <i>geplante <\/i>und entsprechend <i>vorbereitete bewaffnete Machtergreifung<\/i>, getragen von Teilen der Garnison und den Roten Garden der Arbeiter. Gro\u00dfe Teile der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung erfuhren von dieser Machtergreifung erst in den folgenden Tagen aus der Zeitung. Diesen deutlich sichtbaren Unterschied in der Form der Erhebung zu ignorieren oder zu leugnen, ist keine wissenschaftlich haltbare Position. Das wei\u00df Hildermeier nur zu Genau und insistiert darum in allen seinen Ver\u00f6ffentlichungen im Jahr 2017 auf diese augenscheinlichen Unterschiede, um den Oktoberumsturz als \u201eMilit\u00e4rputsch\u201c zu diskreditieren. Um dieser Argumentation entgegentreten zu k\u00f6nnen, gilt es vom Augenschein zu den tats\u00e4chlichen sozialen und politischen Inhalten der beiden Erhebungen fortzuschreiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Februar haben wir in Petrograd (wohlgemerkt nicht auf dem Land, da die Bauernschaft im Februar noch \u201eruhig\u201c war) eine von breiten Schichten der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerung getragene <i>Volksrevolution<\/i>. Im Oktober haben wir in derselben Stadt eine <i>proletarische<\/i> <i>Minorit\u00e4tenrevolution<\/i>, die diesmal durch eine <i>b\u00e4uerliche Massenbewegung<\/i> auf dem Land begleitet wird. Im Februar bestand die Aufgabe die zaristische Staatsmacht zu st\u00fcrzen und zu zerschlagen, was eine Volksrevolution samt Garnisonsunterst\u00fctzung erforderte. Im Oktober galt es nur eine Regierung zu verhaften, die weder Legitimation noch R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung besa\u00df, aber \u2013 was mindestens ebenso wichtig ist &#8211; die \u00fcber keine eigenst\u00e4ndige Staatsmacht und ernstzunehmende bewaffnete Kr\u00e4fte verf\u00fcgte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was macht es so schwierig, diese Unterschiede zu verstehen? Es wird \u2013 entsprechend der bolschewistischen Geschichtsschreibung &#8211; ignoriert, dass die <i>alte Staatsmacht bereits in der Februarrevolution zerschlagen wurde<\/i> und die wechselnden Provisorischen Regierungen des Jahres 1917 es nicht vermochten, eine neue Staatsmacht auszubilden. Sp\u00e4testens nach der Machtprobe im April 1917 (Miljukow-Note) war klar, dass die Macht nicht bei den wechselnden Regierungen, sondern in den H\u00e4nden des Sowjets lag. Mit dem Wechsel der Sowjetmehrheit von den sozialrevolution\u00e4r-menschewistischen Kr\u00e4ften zu den Bolschewiki, war die M\u00f6glichkeit und im gewissen Sinn auch die Notwendigkeit<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\"><sup>73<\/sup><\/a> der bolschewistischen Machteroberung gegeben. Und diese Machteroberung musste deshalb auch ein <i>v\u00f6llig anderes Erscheinungsbild<\/i> haben als die Februarrevolution: Das Milit\u00e4rrevolution\u00e4re Komitee des Petrograder Sowjet lie\u00df durch seine \u201eMachtorgane\u201c die Verkehrsknotenpunkte und Kommunikationszentren besetzten sowie die inzwischen durch nichts mehr legitimierte Provisorische Regierung<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\"><sup>74<\/sup><\/a> im Winterpalais verhaften.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lassen wir dies alles durch einen b\u00fcrgerlichen Historiker beschreiben: \u201eWas zu tun war, lag auf der Hand. Die Strategen des VRK (Revolution\u00e4res Milit\u00e4rkomitee) kannten die wenigen zentralen Punkte, die im Handstreich genommen werden mussten. Wohl fehlte ihnen eine wirkliche milit\u00e4rische Streitmacht \u2026 Aber angesichts des Mangels an Gegenwehr reichten die bolschewistischen Garnisonsregimenter und die Roten Garden, in Petrograd etwa 15.000 bis 20.000, aus. \u2026 Als um 8 Uhr Soldaten des VRK auch im Warschauer Bahnhof patrouillierten, war der Machtwechsel in Petrograd faktisch bereits vollzogen \u2013 kampflos und ohne Blutvergie\u00dfen, eher eine \u201aWachabl\u00f6sung\u2018 (Suchanow) als ein Umsturz. Drei Stunden sp\u00e4ter floh Kerenski \u2026\u201c Und wenige Seiten weiter: \u201eKaum ein Soldat ergriff f\u00fcr die Provisorische Regierung Partei.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\"><sup>75<\/sup><\/a> Hier wird anschaulich herausgearbeitet, warum der Oktober ein v\u00f6llig anderes Gesicht haben musste als die Februarrevolution, die den Zarismus st\u00fcrzte: Es war keine Staatsmacht mehr zu st\u00fcrzen, sondern \u201enur\u201c eine unlegitimierte Regierung, die keine Verteidiger fand, zu verhaften.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nochmals \u201eHistorischer Materialismus\u201c und Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur\u00fcck zum Genossen Kuczynski und dem angef\u00fchrten Gramsci-Zitat. Hier ist interessant, was Gramsci dem \u201eKapital\u201c und dem \u201eHistorischen Materialismus\u201c anlastet. Diese Kritik gilt es zu kommentieren und richtig zu stellen, was der Genosse Kuczynski bedauerlicherweise unterl\u00e4sst. Der Satz \u201edie Bolschewiki ignorierten Karl Marx\u201c ist ebenso falsch wie die These, sie h\u00e4tten \u201eeinige S\u00e4tze des Kapitals (ge)leugnet\u201c. Gerade bei ihren agrarpolitischen Vorstellungen \u2013 wie weiter vorne dargestellt &#8211; folgten sie den Ausf\u00fchrungen des Kapitals deutlich mehr als es f\u00fcr russische Verh\u00e4ltnisse angebracht war. Nicht <b>an Marx und erst recht nicht an seinem Werk \u201eDas Kapital\u201c ist die Kritik zu<\/b> f\u00fchren, sondern an der Gestalt, die der historische Materialismus in der 2.\u00a0Internationale angenommen hat. Klassisch wird dies an der Position, die Kautsky zur Frage der Revolution bezieht:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk20837583\"><\/a> \u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Sozialdemokratie ist eine revolution\u00e4re, nicht aber eine Revolutionen machende Partei. Wir wissen, dass unsere Ziele nur durch eine Revolution erreicht werden k\u00f6nnen, wir wissen aber auch, dass es ebenso wenig in unserer Macht steht, diese Revolution zu machen, als in der unserer Gegner, sie zu verhindern. Es f\u00e4llt uns daher auch gar nicht ein, eine Revolution anstiften oder vorbereiten zu wollen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\"><sup>76<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses vollst\u00e4ndig passive und ebenso vollst\u00e4ndig falsche Verh\u00e4ltnis zur Revolution ist kennzeichnend f\u00fcr das Marxismusverst\u00e4ndnis der 2. Internationale. Marx hatte &#8211; so verstanden Theoretiker wie Kautsky und Plechanow ihn &#8211; nachgewiesen, dass die Entwicklung des Kapitalismus notwendig zur Entwicklung des Proletariats und seiner letztendlichen Machtergreifung f\u00fchren m\u00fcsse. Diese Machtergreifung sei m\u00f6glich, sobald das Proletariat eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bilde \u2013 so Kautsky und Plechanow etc. &#8211; und damit unm\u00f6glich, wo dies nicht der Fall sei. Rosa Luxemburg hat darauf trefflich geantwortet: \u201eDamit haben die Bolschewiki die ber\u00fchmte Frage nach der \u201eMehrheit des Volkes\u201c gel\u00f6st, die den deutschen Sozialdemokraten seit jeher wie ein Alp auf der Brust liegt. Als eingefleischte Z\u00f6glinge des parlamentarischen Kretinismus \u00fcbertragen sie auf die Revolution einfach die hausbackene Weisheit der parlamentarischen Kinderstube: um etwas durchzusetzen, m\u00fcsse man erst die Mehrheit haben. Also auch in der Revolution: zuerst werden wir eine \u201aMehrheit\u2018. Die wirkliche Dialektik der Revolutionen stellt aber diese parlamentarische Maulwurfsweisheit auf den Kopf: nicht durch Mehrheit zur revolution\u00e4ren Taktik, sondern durch revolution\u00e4re Taktik zur Mehrheit geht der Weg.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\"><sup>77<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit zur\u00fcck zum Kautsky-Zitat. \u201eWir wissen aber auch, dass es ebenso wenig in unserer Macht steht, diese Revolution zu machen, als in der unserer Gegner, sie zu verhindern. Es f\u00e4llt uns daher auch gar nicht ein, eine Revolution anstiften oder vorbereiten zu wollen.\u201c Dies ist erkennbar Unsinn. Wie will man eine Revolution \u2013 die der Gegner <i>nicht verhindern<\/i> kann \u2013 wie Kautsky ausf\u00fchrt, durchf\u00fchren, wenn man sie nicht vorbereitet oder anstiftet, wenn man sie nicht macht? Die Revolution kommt hier zur Sozialdemokratie wie die Jungfrau zum Kinde. Und dies geschieht durch das Wunder des Historischen Materialismus, das im Marxschen Kapital angek\u00fcndigt wurde. An einem solchen \u201eMarxismus\u201c ist Marx v\u00f6llig unschuldig und genau diesen \u201eMarxismus\u201c kritisiert Gramsci.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ist ein geplanter Umsturz unvermeidlich nur ein \u201eMilit\u00e4rputsch\u201c und keine Revolution mehr?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Revolutionen k\u00f6nnen nicht auf Wunsch \u201egemacht\u201c werden. Sie bed\u00fcrfen gesellschaftlicher und politischer Voraussetzungen. Dies ist unbestreitbar. Sind diese Voraussetzungen aber gegeben, so erkennt man die revolution\u00e4re Partei daran, <i>dass sie die Revolution macht<\/i>. Und genau dies war die Aufgabenstellung im russischen Oktober. Und die Bolschewiki haben sich dieser Aufgabe gestellt und sie in der im Oktober einzig m\u00f6glichen Form, der \u201eplebiszit\u00e4r gest\u00fctzten Milit\u00e4raktion\u201c, durchgef\u00fchrt. Ist sie deshalb keine \u201eRevolution\u201c mehr, sondern ein \u201eMilit\u00e4rputsch\u201c, wie Hildermeier weiter oben argumentierte?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk20915724\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Antworten wir dem Hildermeier von 2017 mit dem Hildermeier von 1989: \u201eWenn die Oktoberwende in der Essenz eine plebiszit\u00e4r gest\u00fctzte Milit\u00e4raktion war, summierten sich die folgenden Ma\u00dfnahmen und spontanen Prozesse zur <i>zweiten Revolution<\/i>.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\"><sup>78<\/sup><\/a> Und einige Seiten sp\u00e4ter begr\u00fcndet er diesen Gedanken ausf\u00fchrlich: \u201eDabei geht es nicht darum, die Umw\u00e4lzung als solche in Frage zu stellen. Auf der Hand liegt, dass sich die Vorg\u00e4nge des Jahres 1917 <i>zu einer Revolution im genaueren Sinne des Begriffs summierten<\/i>. Schon der Februarumsturz beseitigte nicht nur die Monarchie, sondern griff auch tief in das soziale Machtgef\u00fcge ein. Erst recht brach die Oktoberrevolution mit der Vergangenheit. Die Absage an Parlamentarismus und Parteienpluralit\u00e4t \u2026 und die Enteignung der gro\u00dfen Besitzer in Stadt und Land sanktionierte wohl die rascheste und radikalste Sozialrevolution, die in der Geschichte bis dahin zu verzeichnen war.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\"><sup>79<\/sup><\/a> (Hervorhebungen von mir; A.S.) Das ist doch eine \u00fcberzeugende Beweisf\u00fchrung daf\u00fcr, dass der Oktober sowohl \u201eeine plebiszit\u00e4r gest\u00fctzte Milit\u00e4raktion war\u201c, als auch eine \u201e<i>Revolution im genaueren Sinne des Begriffs\u201c.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bleibt die interessante Frage, wieso Hildermeier <i>2017 <\/i>mit seiner \u2013 wie wir gesehen haben \u2013 relativ platten Denunziation der Oktoberrevolution die b\u00fcrgerliche Publizistik zum 100. Jahrestag f\u00fcllen konnte, ohne dass die \u201emarxistische Linke\u201c dem entgegentrat? Und das, obwohl derselbe Hildermeier 30 Jahre zuvor seine heutige Position treffend und faktenreich widerlegt hatte? Die Antwort ist bedr\u00fcckend einfach. Hildermeier konnte sich sicher ein, dass die \u201emarxistische Linke\u201c, erst recht ihr akademischer Fl\u00fcgel um die Zeitschrift <i>Z<\/i>, ihn weder kritisieren konnte noch wollte, so dass seine Wandlung vom ernsthaften b\u00fcrgerlichen Wissenschaftler zum Apologeten des Antikommunismus unkommentiert bleiben w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese \u201emarxistische Linke\u201c hat an einer ernsthaften Aufarbeitung der historischen Ereignisse, die das vergangene Jahrhundert und die revolution\u00e4re Bewegung pr\u00e4gten, keinerlei ernsthaftes Interesse. Engels Aufforderung kurz vor seinem Tod \u201eunsere Geschichtsauffassung aber ist vor allem eine Anleitung beim Studium, kein Hebel der Konstruktion \u00e0 la Hegelianertum. Die ganze Geschichte muss neu studiert werden \u2026\u201c st\u00f6\u00dft hier auf taube Ohren. Da <i>\u201einterpretiert\u201c<\/i> man lieber Lenins Schriften zum Imperialismus oder zu Staat und Revolution <i>neu<\/i>, als in die Niederungen der wirklichen Geschichte hinabzusteigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Offene Fragen<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit den obigen Ausf\u00fchrungen sind die vom Genossen Kuczynski in seinem Artikel aufgeworfenen Fragen keineswegs vollst\u00e4ndig behandelt. Folgende Fragen sind m. E. noch offen:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum \u00e4nderten Marx und Engels in der zweiten H\u00e4lfte der 70 Jahre des 19. Jahrhunderts ihre politische Position zu den russischen Volkst\u00fcmlern? Finden wir hier Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die von mir als \u201ekryptisch\u201c beschriebenen Ausf\u00fchrungen zur russischen Dorfgemeinschaft?<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man die revolution\u00e4re Tat der Bolschewiki verteidigen will, warum r\u00fcckt man fortw\u00e4hrend ihr faktisches Zusammengehen mit der Bauernrevolution ins Zentrum der Kritik, obwohl ohne die Anerkennung des selbstst\u00e4ndigen Charakters der Bauernrevolution ein Sieg der Arbeiterklasse im Oktober nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re?<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer die Theorie des Aufbaus des Sozialismus in einem Land kritisiert \u2013 wie Genosse Kuczynski \u2013 sollte die Alternativen aufzeigen, die nach dem Scheitern der Revolutionen im Westen sonst m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren.<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und abschlie\u00dfend eine (vielleicht) vordergr\u00fcndige Parallele: Auf dem Sowjetkongress im Sommer 1917 in Russland und dem R\u00e4tekongress im Dezember 1918 in Deutschland waren in beiden F\u00e4llen die Revolution\u00e4re in einer klaren Minderheit; beide Kongresse sprachen sich mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit f\u00fcr eine parlamentarische Republik und gegen die Sowjetmacht aus. Vier Monate sp\u00e4ter k\u00f6nnen die Bolschewiki eine proletarische Minorit\u00e4tenrevolution siegreich anf\u00fchren, w\u00e4hrend die deutsche Revolution in den folgenden Jahren wiederholt scheiterte.<br \/>\nGibt es hier nicht doch noch einiges zu untersuchen? Sind die \u201ealten Revolutionen\u201c \u2013 gerade nach den in diesem Artikel behandelten Fragen \u2013 nicht weiterhin ein \u201eaktuelles Thema\u201c?<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Altrichter, Helmut: Die Bauern von Tver, Vom Leben auf dem russischen Dorfe zwischen Revolution und Kollektivierung, R. Oldenburg Verlag M\u00fcnchen 1984<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Altrichter, Helmut: Russland 1917 &#8211; Ein Land auf der Suche nach sich selbst, Paderborn 1997<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufs\u00e4tze zur Diskussion; Nummern 67, 86, 89<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Berliner Debatte Initial Nr. 28<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beyrau, Dietrich: Petrograd, 25. Oktober 1917. M\u00fcnchen 2001<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang, Stuttgart 1974.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Goehrke, Carsten: Die Theorien \u00fcber die Entstehung und Entwicklung des \u201eMIR\u201c, Wiesbaden 1964<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Goehrke, Carsten: Russischer Alltag, Bd. 1; Die Vormoderne, Bd. 2; Auf dem Weg in die Moderne, Bd. 3, Sowjetische Moderne und Umbruch, Z\u00fcrich 2003. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">H\u00e4fner, Lutz: Die Partei der Linken Sozialrevolution\u00e4re in der russischen Revolution 1917\/18, K\u00f6ln 1994<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><a name=\"_Hlk19102512\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hedeler, Wladislaw; Sch\u00fctzler, Horst; Striegnitz, Sonja: Die Russische Revolution 1917 \u2013 Wegweiser oder Sackgasse; Dietz Verlag Berlin 1997<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hedeler, Wladislaw: Die russische Linke zwischen M\u00e4rz und November 1917; Dietz Verlag Berlin 2017<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hildermeier, Manfred: Geschichte Russlands, M\u00fcnchen 2013<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hildermeier, Manfred: Die russische Revolution 1905-1921, Frankfurt 1989.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Karuscheit\/Schr\u00f6der: Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus, VTK-Verlag 1993<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kautsky, Karl: Der Weg zur Macht. Politische Betrachtungen \u00fcber das Hineinwachsen in die Revolution, hrs. und eingeleitet von G.F\u00fclberth, Frankfurt\/M 1972<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenin Gesammelte Werke: LW Bd. 13, 25, 26<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx, Karl: \u201eGrundrisse der politischen \u00d6konomie\u201c, Erstver\u00f6ffentlichung 1939 und 1941 in Moskau<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx, Karl: \u201eDie Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts\u201c, Berlin 1977<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx, Engels Werke; MEW Bd. 19, 32, 35, 37<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx, Karl: Die Briefe von Karl Marx und Friederich Engels an Danielson, Leipzig 1929<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nolte, Hans-Heinrich: Kleine Geschichte Russlands, Lizenzausgabe f\u00fcr die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Bonn 2006<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, VSA-Verlag, 2017<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Smith, Stephen A.: Revolution in Russland, Darmstadt 2017<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 113<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe aktuelle Ausgabe der Zeitschrift <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 119. Wie man mit diesem Thema den Marxismus \u201eerneuert\u201c (die Zeitschrift erhebt im Titel den Anspruch, eine Publikation zur \u201eMarxistische(n) Erneuerung\u201c zu pr\u00e4sentieren), ohne eine eigenst\u00e4ndige, \u00fcber die Aussagen aus dem Kapital von Marx hinausgehende Analyse der Ursachen der Klimaerw\u00e4rmung vorlegen zu k\u00f6nnen, kann der Leser in der genannten Ausgabe nachlesen, nat\u00fcrlich ohne eine andere \u201eErneuerung\u201c als reformistisches Gedankengut finden zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu ebenso die Nr. 119 der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z,<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Seite 102-137<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><a name=\"_Hlk19794284\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 113, S. 183-184<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu u.a AzD Nr. 86, S. 28-38.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter 1997, S. 87<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bezeichnend hierzu, dass bis auf diese Zeitschrift niemand in der Linken der wohlberechneten und fortw\u00e4hrend wiederholten Kritik Hildermeiers (APuZ, FAZ etc.) am russischen Oktober inhaltlich entgegengetreten ist. Man hat sich noch nicht einmal gewagt, Hildermeiers Kritik zu zitieren, obwohl sie durch ihre weite Verbreitung in der b\u00fcrgerlichen Publizistik un\u00fcbersehbar war. Siehe auch hierzu AzD Nr. 86, S. 28-38<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe AzD Nr.89, S. 12<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">F. Engels, August 1890, Brief an Conrad Schmidt, MEW Bd. 37, S. 436-437<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der \u201ehistorische Materialismus\u201c des \u201eKurzen Lehrgangs\u201c liefert eine der Vorgaben f\u00fcr ein solches Verfahren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Theorie vom \u201egro\u00dfen Kladeradatsch\u201c (Bebel), die die Revolution sozusagen direkt aus der \u00f6konomischen Krise entstehen l\u00e4sst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hier sei auf die Ver\u00f6ffentlichung \u201eDie Geschichte der Geheimdiplomatie des 18. Jahrhunderts\u201c von Marx verwiesen, erschienen bei Olle und Walter, die bezeichnenderweise den Untertitel erhielt \u201e\u00dcber den asiatischen Ursprung der russischen Despotie\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karl Marx: \u201eGrundrisse der politischen \u00d6konomie\u201c, Erstver\u00f6ffentlichung 1939 und 1941 in zwei Teilen in Moskau. Dem Titel wurde in Klammern der Untertitel \u201eRohentwurf\u201c zugef\u00fcgt. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p><a name=\"_Hlk17810988\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Abgedruckt in der Zeitschrift \u201eBerliner Debatte Initial\u201c Nr. 28, S. 133-141. Der Text hat seinen Ursprung in einem Vortrag des Genossen in der \u201eHellen Panke\u201c in Berlin vom 17. Oktober 2017.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Berliner Debatte Initial Nr. 28, S. 139<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eDas Privateigentum am Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben\u201c, so hei\u00dft es gleich im ersten Satz des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c, der als \u201eRichtschnur\u201c (Lenin) f\u00fcr die Umsetzung des Bodendekrets gelten sollte (LW Bd. 26, S. 250). Warum Kuczynski den ersten Absatz des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c gar nicht zitiert und den gesamten Inhalt sowohl des Dekrets als auch des \u201eW\u00e4hlerauftrags\u201c nicht versteht, siehe weiter unten im Artikel.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p><a name=\"_Hlk10813368\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Karl Marx, November 1877, MEW Bd. 19, S. 107. Dieser Brief wurde von Marx nicht abgeschickt und erst nach seinem Tod von Engels und V. Sassulitsch ver\u00f6ffentlicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> MEW Bd. 32, S. 42-43<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p><a name=\"_Hlk11840650\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Goehrke: \u201eMIR\u201c, S. 170<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Er zitiert ausgiebig die Forschungsmethode eines Autors der Gro\u00dfen Sowjetenzyklop\u00e4die: \u201eAm Anfang seiner Untersuchungen stellt Grekov (sowjetischer Forscher zum Thema) stets \u2013 entsprechendes haben wir schon anhand der \u201aGro\u00dfen Sowjet Enzyklop\u00e4die\u2018 festgestellt \u2013 das von Friedrich Engels \u00fcbernommene Geschichtsthema. Nach diesem Schema hat sich die Aufl\u00f6sung der kommunistischen Urgesellschaft in folgenden Etappen vollzogen: Die Sippe (<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>rod<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">) als Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung bei allen V\u00f6lkern der Urgesellschaft gipfelt auf der H\u00f6he ihrer Entwicklung in einer \u201apatriarchalischen Familiengemeinschaft\u2018, die mehrere Generationen umfasst und deren Glieder das Land und alle Habe gemeinsam besitzen und eine gemeinsame Wirtschaft f\u00fchren. Beim Zerfall des Sippenverbandes entsteht als \u00dcbergang zur politischen Organisation die Landgemeinde, in der jedoch anf\u00e4nglich noch die Prinzipien des Gemeineigentums zusammen mit der Gro\u00dffamilie erhalten bleiben.<br \/>\nAn die Darlegung dieses abstrakten Schemas schlie\u00dft sich stets eine typische Formulierung an, in der der Sowjethistoriker anhand des Schemas sein Forschungsziel umrei\u00dft, wie etwa diese: \u201aMeine Aufgabe besteht darin, auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Verallgemeinerung diesem Gegenstand angemessen gegebene Quellen zu benutzen und nach M\u00f6glichkeit den Entwicklungsprozess der russischen Gemeinde zu skizzieren.\u2018 Die Forschungsmethode des Sowjethistorikers hat also einen der Methode des kritisch-offenen Forschens diametral entgegengesetzten Gang: statt aus den Quellen eine Entwicklung zu erschlie\u00dfen, tr\u00e4gt sie eine dogmatisch-fixe These an die Quellen heran; statt induktiv zu arbeiten, arbeitet sie deduktiv<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>; statt ein \u00fcberkommenes Lehrgeb\u00e4ude immer wieder kritisch an den Quellen auf seine Richtigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen, h\u00e4lt sie starr an der naturgesetzlichen Richtigkeit eines 100 Jahre alten Schemas fest, das selbst nicht in Frage gestellt werden darf und dem die Quellen untergeordnet werden m\u00fcssen.\u201c<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> (Goehrke, ebd S.166, Hervorhebungen von mir; A.S.) Nicht anders formuliert Minc (sowjetischer Geschichts- und Revolutionsforscher) seine Vorgehensweise bei der Darstellung der russischen Revolution (siehe AzD 89, S.16).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> MEW Bd. 32, S. 42-43<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: medium;\"> Der Herausgeber des Briefwechsels verweist darauf, dass diese Auseinandersetzung im Jahr 1856 in verschiedenen russischen Zeitschriften gef\u00fchrt wurde. \u201eW\u00e4hrend Tschitscherin \u2026 in der Agrarkommune eine staatliche Verwaltungseinrichtung j\u00fcngeren Datums sah, betrachtete Bjeljajew \u2026 sie als uralte slawische Volkseinrichtung.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Marx, 22.03.1873: Die Briefe von Karl Marx und Friedrich Engels an Danielson, Leipzig 1929, S. 14<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 2, S. 178<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Smith, S. 37-38.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 1, S. 181<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd, S. 179<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd, S.178<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nolte, S. 97<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint sind die Kopfsteuer und die Rekrutensteuer (Abstellung von Rekruten in bestimmter Anzahl f\u00fcr die Armee).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p><a name=\"_Hlk12973330\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hildermeier 2013, S. 596<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Fronleistungen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> B\u00e4uerlicher Zins<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hildermeier 2013, S. 596-597<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> MEW Bd. 35, S. 166<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe zu den Unterschieden zwischen Dekret und W\u00e4hlerauftrag weiter unten im Artikel.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 26, S. 250<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: medium;\">\u201eFreier Getreidehandel bedeutet R\u00fcckkehr zum Kapitalismus, zur Allmacht der Gutsbesitzer und Kapitalisten \u2026 Wenn man einen beliebigen Werkt\u00e4tigen, Arbeiter, Bauern, selbst einen Intellektuellen fragt, ob er eine solche &#8218;Ordnung&#8216; w\u00fcnscht, so wird jeder antworten: Nein. Doch das Ungl\u00fcck besteht gerade darin, die Gefahr besteht gerade darin, dass sehr viele Werkt\u00e4tige, <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>besonders viele Bauern<\/b><\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> (Hervorhebung von mir, A.S.) den Zusammenhang zwischen dem freien Getreidehandel und der Allmacht der Gutsbesitzer und Kapitalisten <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>nicht begreifen<\/b><\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">.\u201c (LW Bd. 29, S. 563, August 1919; letzte Hervorhebung im Original). Der \u201efreie Getreidehandel\u201c kann nicht zur \u201eAllmacht der Gutsbesitzer und Kapitalisten\u201c f\u00fchren, (die, nebenbei bemerkt, zu dieser Zeit in Russland gar nicht mehr existierten) und kann dies umso weniger, wenn der Staat Eigent\u00fcmer der Produktionsmittel ist.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-GB\"> LW Bd. 13, S. 289-290<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-GB\"> MEW Bd. 35, S. 166<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: medium;\"> Chutorwirte sind Bauern, die im Zuge der Stolypinschen Gesetze die Dorfgemeinde mit ihrem Besitz verlassen hatten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p><a name=\"_Hlk18934271\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 2, S. 243<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Goehrke: Russischer Alltag, Bd. 2, S. 252<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kuczynski, S.136-137<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 26, S. 248<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eIhr erster Allrussischer Kongre\u00df, der vom 04. bis 28 Mai tagte, war deshalb auch in geringerem Ma\u00dfe als der Allrussische Kongre\u00df der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te die Spitze einer Pyramide. Seine Mitglieder leiteten ihr Mandat nicht aus der Wahl der jeweils untergeordneten Sowjets ab, sondern wurden von allen vollj\u00e4hrigen Bauern in einem zweistufigen Verfahren in der Relation von einem Delegierten auf 150.000 Stimmberechtigte gew\u00e4hlt. \u2026 Die Bauernsowjets entstanden von oben nach unten, nicht umgekehrt. Zu keiner Zeit vermochten sie die mangelnde Verwurzelung zu \u00fcberwinden: Gerade sie mussten sich dem Vorrang der obs\u0306c\u0306ina beugen.\u201c (Hildermeier 1989, S. 201) Hier findet sich auch die Ursache f\u00fcr die andauernde Vorherrschaft der rechten Sozialrevolution\u00e4re, die die tats\u00e4chliche b\u00e4uerliche Bewegung bereits seit dem Sommer 1917 nicht mehr repr\u00e4sentierten. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Sie zeigt sich auch darin, dass das Dekret selbst au\u00dfer der Enteignung \u2013 was die Bolschewiki ebenso forderten \u2013 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>nicht einen einzigen sozialrevolution\u00e4ren Gedanken<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> enth\u00e4lt. Diese &#8211; speziell sozialrevolution\u00e4ren &#8211; Positionen spiegeln sich in dem beigef\u00fcgten W\u00e4hlerauftrag als dokumentierter Wunsch der Bauernschaft wider, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>sind aber nicht Bestandteil der vier Punkte des Dekrets<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">. Laut Dekret soll der W\u00e4hlerauftrag nur als \u201eRichtschnur\u201c dienen f\u00fcr \u201edie Durchf\u00fchrung der gro\u00dfen Agrarumgestaltung \u2026 bis zur endg\u00fcltigen Entscheidung dieser Frage durch die Konstituierende Versammlung\u201c (ebd, S.\u00a0249).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd, S. 252<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p><a name=\"_Hlk18667896\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die von Kuczynski zitierte Stelle behandelt die Frage, ob Dekret und W\u00e4hlerauftrag von der sozialrevolution\u00e4ren Programmatik gepr\u00e4gt seien. \u201eSei\u2019s drum\u201c, antwortet Lenin. \u201eWenn die Bauern das Dekret in der Praxis anwenden, so werden sie in der lebendigen Wirklichkeit selbst erkennen wo die Wahrheit liegt.\u201c Er wei\u00df sehr genau, dass das Dekret selbst nur von den linken Sozialrevolution\u00e4ren \u2013 mit denen er koalieren will und wird \u2013 unterst\u00fctzt wird. Und dass der dem Dekret beigegebene W\u00e4hlerauftrag die Stimmung der Bauernschaft vom Fr\u00fchsommer 1917 und nicht vom Herbst\/Winter 1917\/18 widerspiegelt. Gerade der vom Genossen Kuczynski so negativ beurteilte Punkt f\u00fcnf des W\u00e4hlerauftrags wird ein Opfer dieses Stimmungswandels, wie der Leser gleich sehen wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint sind die unterschiedlichen Agrarprogramme der Menschewiki und Bolschewiki.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 25, S. 281-282<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd, S. 283<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p><a name=\"_Hlk19098913\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> H\u00e4fner 1994, S. 43-44<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 25, S. 289<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ebd S. 284 und S. 288<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Alle Zitate ebd, S. 284<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eEs blieb jedoch Stolypin vorbehalten, die entscheidende Ma\u00dfnahme zu treffen. Sie verbriefte den Bauern das Recht, auch <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>ohne<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zustimmung der Dorfgenossen samt ihrem Land aus der Umteilungsgemeinde auszuscheiden und dabei die Zusammenlegung der von ihnen genutzten Ackerstreifen zu verlangen.\u201c (Hildermeier 2013, S.1045)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Altrichter 1984, S. 34<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Stattdessen enth\u00e4lt dieser Sammelband einen politisch h\u00f6chst oberfl\u00e4chlichen Artikel zur Partei der Sozialrevolution\u00e4re, ohne auf die Agrarfrage n\u00e4her einzugehen, und eine Kurzfassung von Michels Brie \u201eWas tun in Zeiten der Ohnmacht\u201c. Beide genannten Beitr\u00e4ge behandeln \u201eIdeengeschichte\u201c, nicht wirkliche Geschichte. Ein weiterer Aufsatz zu den linken Sozialrevolution\u00e4ren (ab S. 98) schafft es sogar, die Agrarfrage v\u00f6llig auszublenden. Informativ an diesem Sammelband sind nur die abgedruckten Dokumente ab Seite 189.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter 1984, S. 34<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter 1984, S. 35<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Nolte, S. 186-187<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter 1984, S. 36<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit\/Schr\u00f6der: Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus, VTK-Verlag 1993, sowie Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, VSA-Verlag, 2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Karuscheit\/Schr\u00f6der 1993, S.120<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Schr\u00f6der\/Karuscheit 2017, S. 140<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kurzer Lehrgang, S. 270<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Altrichter 1997, S.361<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Beyrau, S. 46-47<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Beyrau, S. 46<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu AzD Nr. 89, S. 36 ff<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier 1989, S. 303<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Dass die Oktoberrevolution auch eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u201enotwendige Erhebung\u201c<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> war, wird an anderer Stelle noch zu entwickeln sein. Hier w\u00fcrde es den sowieso bereits zu umfangreichen Rahmen der Artikelrezension sprengen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Es wird leicht \u00fcbersehen, dass die einzige demokratische Legitimation der Provisorischen Regierungen in ihrer Duldung und St\u00fctzung durch den Sowjet bestand.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier 1989, S. 238-243<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kautsky, S. 52<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Luxemburg: Zur russischen Revolution; GW Band 4, Dietz-Verlag Berlin 1974, S.341; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00bbhttp:\/\/www.mlwerke.de\/lu\/lu3_106.htm\u00ab zuletzt ge\u00e4ndert am \u200e17\u200e.\u200e10\u200e.\u200e2014<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier 1989, S. 248<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\">\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> ebd, S. 302 f<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Schr\u00f6der Kritische R\u00fcckschau auf weitere Publikationen (Teil 3) Vorbemerkung: Kein neueres Thema als alte Revolutionen? Von den letzten acht Nummern dieser Zeitschrift widmeten sich sieben Ausgaben schwerpunktm\u00e4\u00dfig der russischen bzw. der deutschen Revolution vor einem Jahrhundert. Und die entsprechenden Artikel beinhalten durchg\u00e4ngig eine kritische Auseinandersetzung mit linken &#8211; aber auch b\u00fcrgerlichen &#8211; Publikationen. Anders &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1717\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Hundert Jahre russische Revolutionen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1717","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1717"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1734,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1717\/revisions\/1734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}