{"id":1687,"date":"2019-06-23T09:39:21","date_gmt":"2019-06-23T07:39:21","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1687"},"modified":"2019-06-23T09:39:21","modified_gmt":"2019-06-23T07:39:21","slug":"die-schluesselkrise-der-50er-jahre-in-der-sowjetunion","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1687","title":{"rendered":"Die Schl\u00fcsselkrise der 50er Jahre in der Sowjetunion"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em>von Heiner Karuscheit<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><i>(Der folgende Beitrag wurde zuerst ver\u00f6ffentlicht in: AzD 67 (1999))<\/i><\/span><\/p>\n<h4 class=\"western\" align=\"center\"><b>Vorbemerkung<\/b><\/h4>\n<p class=\"western\">In dem Buch &#8222;Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/sup> stellten sich Alfred Schr\u00f6der und der Autor dieser Zeilen die Aufgabe, Entstehung und Entwicklung der Sowjetunion aus den bestehenden Klassen und ihren K\u00e4mpfen heraus zu untersuchen. Als wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Geschichte erwies sich dabei die Untersuchung der Bauernschaft. Die Agrarverh\u00e4ltnisse im Zarenreich unterschieden sich je nach Region grundlegend voneinander. In der Ukraine, in den baltischen L\u00e4ndern, in Sibirien oder bei den Kosaken gab es eine Tradition des Einzelbauerntums mit privatem Landbesitz wie im Westen Europas, und in den asiatischen Teilen des Landes dominierten viehz\u00fcchtende Nomadenv\u00f6lker. Die ausschlaggebenden Millionenmassen der <i>russischen <\/i>Bauerschaft dagegen lebten in einer Agrarordnung, die von den heutigen Marxisten regelm\u00e4\u00dfig vollst\u00e4ndig negiert wird. Sie verf\u00fcgten im entscheidenden Unterschied zu Westeuropa \u00fcber <i>kein Privateigentum<\/i> an dem von ihnen bebauten Boden. Das Land befand sich im Kollektivbesitz (obscina) der Dorfgemeinde (mir), die es in mehrj\u00e4hrigen Abst\u00e4nden an die Bauernfamilien umverteilte, nach dem Ma\u00dfstab entweder der Anzahl s\u00e4mtlicher Familienmitglieder oder nur der Arbeitskr\u00e4fte in einer Familie. So wurde die Gleichheit aller Gemeindeangeh\u00f6rigen gesichert. Daran hatten auch die Reformen nichts ge\u00e4ndert, mit denen Stolypin nach den Erfahrungen der Revolution von 1905\/06 versuchte, die obscina aufzul\u00f6sen, um ein Privatbauerntum als neue soziale St\u00fctze des Zarismus zur Entwicklung zu bringen. Im Gegenteil wurde die Dorfgemeinde zum R\u00fcckhalt und Kampfpanier des b\u00e4uerlichen Widerstands gegen die von oben anbefohlenen Umw\u00e4lzungen der Moderne. In den zentralrussischen rayons war das Arbeiter-Bauern-B\u00fcndnis der Oktoberrevolution das B\u00fcndnis des gro\u00dfindustriellen Proletariats mit der getreideanbauenden obscina-Bauernschaft.<\/p>\n<p class=\"western\">Die \u00fcberkommene Agrarverfassung war auch der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Sprungs zum Sozialismus Anfang der 30er Jahre. Die Kollektivierung w\u00e4re in der Form in Westeuropa nicht m\u00f6glich gewesen. Der Kolchos fu\u00dfte auf auf der obscina, d.h. auf dem bereits vorhandenen russischen Gemeineigentum an Land. Ebenso bedeutete die Industrialisierung nicht die Umwandlung von Bauern im allgemeinen in Arbeiter, sondern von <i>russischen Gemeindebauern<\/i>, die ihre spezifischen Verhaltens- und Denkweisen in die Fabriken trugen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Darauf aufbauend hat der Autor es unternommen, auch die Entwicklung nach dem 2.Weltkrieg zu ergr\u00fcnden. Der thesenhafte Versuch, eine Linie von Chruschtschow zu Breschnew zu ziehen und dahinter einen linearen Aufstieg der Armee, gest\u00fctzt auf die Bauernschaft, zu sehen, f\u00fchrte jedoch nicht zum gew\u00fcnschten Ergebnis. Es konnten einige neue Gesichtspunkte entdeckt, aber keine letzthin befriedigende Erkl\u00e4rung gewonnen werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Da kamen die Forschungsergebnisse aus dem Untergang der DDR zu Hilfe. Der Sturz der SED-Herrschaft hat die dortigen Archive und die Lippen der Beteiligten ge\u00f6ffnet. Seit 1989 ist eine F\u00fclle von Dokumenten, Untersuchungen und Erinnerungen erschienen, die es m\u00f6glich machten, gest\u00fctzt auf die Tatsachen den Fehlschlag der SED beim Aufbau des Sozialismus zu erforschen. Ergebnis ist die kleine Arbeit &#8222;Das Scheitern des deutschen Kommunismus&#8220;. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, dass die sowjetische Deutschlandpolitik nicht nur gespalten war, sondern dass die Widerspr\u00fcche sich im Gegensatz von Partei und Staat (Regierung) niederschlugen. Davon ausgehend war es unvermeidbar, die Schl\u00fcsselkrise in der UdSSR vom Beginn der 50er Jahre einer neuerlichen Pr\u00fcfung zu unterziehen. Als dies getan wurde, ordneten sich viele schon vorher bekannten, aber aufgrund ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit gar nicht oder falsch eingeordneten Fakten wie in einem Magnetfeld zu. Die gesamte Politik Chruschtschows erschien in einem anderen Licht. Es zeigte sich, dass der Kampf um die k\u00fcnftige Orientierung zwischen insgesamt <i>drei verschiedenen Richtungen<\/i> ausgetragen wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Indem einige der in dem eingangs erw\u00e4hnten Buch entwickelten Thesen sich best\u00e4tigten und fortgeschrieben werden konnten, waren andere zu korrigieren. Vor allem n\u00f6tigte die Erkenntnis der unterschiedlichen Linien, erneut die Frage nach der sozialen Zuordnung, d.h. nach der konkreten Gestalt der realexistierenden Klassen, zu stellen. Die neu gewonnenen Erkenntnisse werden der interessierten Leserschaft hiermit vorgestellt. Von einem Abschluss der Untersuchung kann dennoch weiterhin keine Rede sein. Insbesondere die Frage nach dem Gesicht der Klassen kann nur vorl\u00e4ufig beantwortet werden, weil die empirische Forschung brachliegt und endg\u00fcltig erst weitere Untersuchungen des gesellschaftlichen Arbeitsk\u00f6rpers, der Rolle der Gewerkschaften, der KPdSU und ihrer regionalen Gliederungen sowie der gew\u00e4hlten Sowjets und des Staatsapparats \u00fcber die hier gegebene Erkl\u00e4rung Aufschluss geben k\u00f6nnen. Darum ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass k\u00fcnftig erneut Korrekturen notwendig sind. Desungeachtet hofft der Autor, dass die Arbeit dazu beitr\u00e4gt, mehr Licht in die Vergangenheit zu bringen, die wie ein Alp auf dem heutigen Kommunismus lastet, solange sie nicht erkl\u00e4rt werden kann.<\/p>\n<h3 class=\"western\" style=\"text-align: center;\"><b>I. Eine zwiesp\u00e4ltige Lage<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">Ende der 20er Jahre war die &#8222;Neue \u00d6konomische Politik&#8220; (NEP), an der Bucharin bis zuletzt festhielt, in ihre Endkrise geraten. Das von Lenin eingeleitete Programm zum Aufbau des Sozialismus mithilfe des Austauschs zwischen Stadt und Land, gest\u00fctzt auf die Leichtindustrie, erwies sich wegen der unzureichenden industriellen Basis als Sackgasse. Da die St\u00e4dte nicht gen\u00fcgend billige Industrieprodukte f\u00fcr den Austausch liefern konnten, weigerten sich die Kulaken &#8211; und ihnen folgend das ganze Dorf &#8211; ihr Getreide zu verkaufen. In den St\u00e4dten kam es zu einer Brotkrise, und das Proletariat wandte sich von der ungeliebten NEP wieder ab. Als Stalin an die Spitze des Aufbruchs zur Kollektivierung des Dorfes und Industrialisierung trat, zeigte sich, dass es f\u00fcr die Fortsetzung der NEP weder in der Stadt noch auf dem Land gesellschaftliche Mehrheiten gab. Die Kulaken und mit ihnen die &#8222;Rechten&#8220; waren binnen kurzem geschlagen. Gegen\u00fcber den Teilen der Bauernschaft, die sich wie im Westen Europas auf das Privateigentum an Grund und Boden st\u00fctzten, insbesondere also gegen\u00fcber der Ukraine, bedeutete die Kollektivierung den B\u00fcrgerkrieg. Im ausschlaggebenden Zentralru\u00dfland dagegen waren die altrussischen Landumteilungsbauern relativ einfach f\u00fcr die Kollektivierung zu gewinnen. Sie erhielten die gemeinsame Verf\u00fcgung \u00fcber Zugvieh, Pferde und Ger\u00e4tschaften der &#8222;Dorfreichen&#8220;. Als dann noch die ersten Traktoren eintrafen, war der Kolchos gesichert.<\/p>\n<h4 class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>1. Industrialisierung und neue Arbeiterklasse<\/b><\/span><\/h4>\n<p class=\"western\">Befreit von der Fesselung an den Warenaustausch mit dem Land ging die Industrialisierung in einem von keinem anderen Land wiederholten Ausma\u00df voran, mit der Schwerindustrie vom Kohlebergbau bis zu riesigen Traktorenwerken im Zentrum. Ungeheure Bauernmassen str\u00f6mten in die alten und neuen, aus dem Boden gestampften Industriest\u00e4dte und mussten dort mit Zuckerbrot und Peitsche an den Rhythmus der gro\u00dfen Industrie gew\u00f6hnt werden. Im Verlauf weniger Jahre wurde die Gesellschaft vollst\u00e4ndig umgew\u00e4lzt, begleitet von einer ebenso tiefgreifenden Umw\u00e4lzung der bolschewistischen Partei. Selbst seine Gegner mussten anerkennen, dass es nur Stalin zu verdanken war, wenn der Staat nicht zusammenbrach.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Verfassung von 1936 stellte die Bauernschaft auf dem Boden der Kollektivierung als &#8222;werkt\u00e4tige&#8220; Klasse mit der Arbeiterklasse gleich. Durch Gleichheit des Wahlrechts und der Wehrpflicht wurde sie in den Staat einbezogen, auch wenn der allgemeine, gleiche Waffendienst f\u00fcr die Bauerns\u00f6hne erst kurz vor Ausbruch des Kriegs, nach den S\u00e4uberungen in Partei und Armee, realisiert werden konnte. Noch bevor die Gesellschaft zur Ruhe kommen konnte, trieb der 1941 aufgezwungene Krieg die Umw\u00e4lzung weiter voran. Hand in Hand mit wieder neuen Bev\u00f6lkerungswanderungen mussten die z.T. eben erst errichteten Industrieanlagen aus den westlichen Regionen hinter den Ural verlagert, gleichzeitig die Industrialisierung noch einmal beschleunigt werden. Im ersten Weltkrieg hatte das zaristische Russland nicht einmal alle Soldaten mit einem eigenen Gewehr ausr\u00fcsten und drei Jahre Krieg nur \u00fcberstehen k\u00f6nnen, weil das deutsche Heer die Entscheidung im Westen suchte. 25 Jahre sp\u00e4ter stand der Sowjetstaat einem nationalsozialistischen Deutschland gegen\u00fcber, das den R\u00fccken im Westen frei hatte und nach der Niederwerfung Frankreichs \u00fcber die Ressourcen ganz Kontinentaleuropas verf\u00fcgte. 1944 \u00fcberstieg die sowjetische die deutsche R\u00fcstungsproduktion, und 1945 hatte die Rote Armee Berlin erobert.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Wiederaufbau nach dem Weltkrieg ging trotz der millionenfachen Menschenverluste und der Verw\u00fcstung der westlichen Landesteile durch die nationalsozialistische Politik der verbrannten Erde erheblich schneller vonstatten als in den kapitalistischen Staaten Westeuropas. Ende der 40er Jahre war die Rekonstruktionsphase im wesentlichen abgeschlossen. Man konnte wieder da ankn\u00fcpfen, wo man Anfang des Jahrzehnts aufgeh\u00f6rt hatte. Gest\u00fctzt auf die proletarische Macht schien blo\u00dfer Wille, gepaart mit sozialistischer Wirtschaftsplanung, den unaufhaltsamen Fortschritt zum Kommunismus zu garantieren. Dabei war die Situation zwiesp\u00e4ltig.<\/p>\n<p class=\"western\">Einerseits waren Adel und Bourgeoisie ebenso wie die Kulaken untergegangen. Es existierten keine besitzenden, ausbeutenden Klassen mehr und es bestand keine Gefahr einer Restauration der alten Zust\u00e4nde. Die Sowjetunion verf\u00fcgte \u00fcber eine umfassende, leistungsf\u00e4hige Schwerindustrie und somit \u00fcber die Grundvoraussetzung der weiteren Industrialisierung. Die gro\u00dfen Produktionsmittel waren im Besitz des Staats, und die St\u00e4dte, fr\u00fcher Inseln in einem Meer von Bauern, schickten sich an, auf absehbare Zeit die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung zu umfassen. Auf der anderen Seite war das alte, zahlenm\u00e4\u00dfig schwache, aber revolutions- und b\u00fcrgerkriegserfahrene Oktoberproletariat bei dem Industrialisierungssprung der 30er Jahre in h\u00f6here Stellungen in der Fabrik aufgestiegen oder in den anwachsenden Staatsapparat \u00fcbergewechselt. An seine Stelle war eine neue Klasse von millionenfach aus mittelalterlichen Bauernmassen hervorgegangenen Staatsarbeitern getreten. Die fehlenden Fabriken stellten nur die eine Seite des Problems dar. Die andere Seite war, dass die<i> wichtigste Produktivkraft<\/i> unentwickelt war, n\u00e4mlich der Mensch selber. Die neuen Arbeiter waren nicht durch die Schule der kapitalistischen Fabrik gegangen. War es unter anderen Bedingungen die historische Funktion der kapitalistischen Produktionsweise, in der Abfolge von Generationen eine Arbeiterklasse heranzubilden, die den Rhythmus der Industrie aus Erfahrung und Gewohnheit zu ihrem eigenen macht, so musste diese Aufgabe in der Sowjetunion der Staat \u00fcbernehmen, und zwar nicht haupts\u00e4chlich durch ideologische Kampagnen und Appelle. Durch die Ausgestaltung der Produktionsverh\u00e4ltnisse musste das Arbeitsverm\u00f6gen der ungeschlachten Millionenmassen geformt werden.<\/p>\n<p class=\"western\">Um das Vagabundieren von einer Fabrik zur n\u00e4chsten und die weitverbreitete Bummelei zu bek\u00e4mpfen, wurden die b\u00e4uerlich-barbarischen Proletarier in den schwerindustriellen Riesenbetrieben sowohl mit Gewalt (Verbot des eigenm\u00e4chtigen Arbeitsplatzwechsels, drakonische Strafen bei Zusp\u00e4tkommen) als auch mit betriebsgebundenen Privilegien (betriebseigene Wohnung, bessere Einkaufsm\u00f6glichkeiten, Zusatzrenten etc) am Arbeitsplatz festgehalten. 1931 hatte Stalin die bis dahin betriebene &#8222;linkslerische&#8220; Lohnpolitik attackiert. Das gleichmacherische Tarifsystem w\u00fcrde dazu f\u00fchren, &#8222;dass der unqualifizierte Arbeiter kein Interesse hat, sich zum qualifizierten Arbeiter fortzubilden&#8220;;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/sup> notwendig seien materielle Anreize zur Qualifizierung der Arbeitskraft. Im Gefolge heftiger Auseinandersetzungen wurden Zeitl\u00f6hne als \u00fcberholt abgeschafft; auch kollektive St\u00fcckl\u00f6hne wurden kritisiert. Zwischen 1936 und 1956 arbeiteten mehr als drei Viertel aller Industriearbeiter f\u00fcr individuelle St\u00fcckl\u00f6hne.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/sup> Die Stachanow-Bewegung war ein Haupthebel zur Verbreitung der Akkordarbeit, die das individuelle Leistungsverm\u00f6gen entwickeln sollte. Die Sto\u00dfarbeiter waren unter den Kollegen wenig beliebt, wenn ihre Arbeit nicht sogar sabotiert wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Nachdem 1933 das Volkskommissariat f\u00fcr Arbeit aufgel\u00f6st und damit die zentrale Kontrolle \u00fcber die L\u00f6hne aufgehoben worden war, stiegen die Tariflohnunterschiede auf ein Verh\u00e4ltnis von ca. 1 : 4. Wird auch das Hilfspersonal (Putzfrauen, Pf\u00f6rtner, Boten) einbezogen, stiegen die Unterschiede bei den <i>Effektiv<\/i>l\u00f6hnen (einschlie\u00dflich Pr\u00e4mien etc) bis auf 1 : 12.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/sup> Im Vergleich zu den Zeitr\u00e4umen der urspr\u00fcnglichen Akkumulation des Kapitals wuchsen die gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte in der Sowjetunion unvergleichlich schneller und weniger opferreich. Von einem Abschluss der Entwicklung konnte aber nach gerade 20 Jahren Industrialisierung und nur einer Gerationenfolge keine Rede sein, zumal Jahr f\u00fcr Jahr weitere Bauernmassen aus den D\u00f6rfern in die Fabriken str\u00f6mten.<\/p>\n<p class=\"western\">Die neue, ungeschlachte Arbeiterschaft hatte keine Klassentradition und kein Klassenbewusstsein. Nicht im Widerspruch zum Kapital aufgewachsen und nicht im Klassenkampf gegen die Bourgeoisie zur Klasse formiert, war es auf dem sicheren Boden der Staatsindustrie gro\u00df geworden. Es trug keinen revolution\u00e4ren Charakter und war nicht reif, eine &#8222;freie Assoziation der Arbeit&#8220; zu bilden, die Produktion selbst\u00e4ndig zu regulieren und die Staatsgesch\u00e4fte zu f\u00fchren. Hinzu kam die Situation der Nachkriegszeit. &#8222;Gepr\u00e4gt und ersch\u00f6pft von den gewaltigen Anstrengungen der Industrialisierung und Kollektivierung einerseits und der Zerschlagung des Nazifaschismus andererseits&#8220; war die Arbeiterschaft wie die Bauernschaft &#8222;aus sich selbst heraus weder f\u00e4hig noch bereit, einen neuen Ansturm in Richtung auf den Sozialismus zu organisieren. Beide Klassen wollten in den 50er Jahren die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit und ihrer Leiden ernten und nicht erneut gewaltige Anstrengungen in eine &#8218;permanente Revolutionierung der Gesellschaft&#8216; investieren.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/sup> Die notwendige Permanenzerkl\u00e4rung der Revolution musste als Fortsetzung der &#8222;Revolution von oben&#8220; durch den Staat erfolgen.<\/p>\n<p class=\"western\">Neben der Arbeiterklasse war auch die Intelligencija neu. Die alte b\u00fcrgerliche Intelligenz, in den 20er Jahren noch unentbehrlich f\u00fcr die Organisierung der Produktion, war mehr oder weniger bedeutungslos geworden. An ihre Stelle war eine neue &#8222;Sowjetintelligenz&#8220; getreten, die zu Hunderttausenden von den alten und neuen Hochschulen und technischen Schulen str\u00f6mte, hervorgegangen aus den Reihen der Arbeiterklasse, der Bauernschaft und der werkt\u00e4tigen Intelligenz. Wie die Arbeiterklasse wurde sie auf dem Boden der Staatsindustrie gro\u00df, gepr\u00e4gt durch den Industrialisierungssprung und den Weltkrieg, als die Organisierung der Produktion und der Kriegf\u00fchrung besondere Anforderungen stellte. Von der Stellung zu den Produktionsmitteln her bildete sie im Unterschied zu den Arbeitern und Bauern keine eigene Klasse, sondern eine Zwischenschicht, die in verschiedene Abteilungen zerfiel, vom Ingenieur (der am meisten ausge\u00fcbte Beruf) \u00fcber den Agroingenieur bis zur geisteswissenschaftlichen und kulturellen Intelligenz. Sie konnte ihre Rolle nur innerhalb der Grenzen spielen, die von den beiden Hauptklassen gezogen wurden.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>2. Der Kolchos<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Auf dem Land war nach dem Gutsbesitzer auch der Kulak verschwunden. Der sog. &#8222;Mittelbauer&#8220;, der den Dreh- und Angelpunkt des fortgesetzten Arbeiter-Bauernb\u00fcndnisses bildete, war der klassische Kollektivbauer der obscina. Er hatte erst aufbegehrt, als die zur Niederwerfung der Kulaken auf das Land entsandten proletarischen Sto\u00dfbrigaden ihm sein St\u00fcck privates Hofland und seine Kuh, das Kleinvieh etc abnehmen wollten, um das Dorf nicht nur in den Kochos, sondern gleich in eine Agrarkommune umzuwandeln und so das ganze Land direkt in den Kommunismus zu treiben. Wie in Kronstadt ca ein Jahrzehnt zuvor, so war der Sprung zum Kommunismus auch diesmal an einer Welle von Bauernaufst\u00e4nden gescheitert, die Stalin dazu n\u00f6tigten, das Steuer herumzuwerfen. Der Artikel &#8222;Vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/sup> wurde zum Panier des Kampfes gegen die Linken, der schlie\u00dflich in die &#8222;gro\u00dfe S\u00e4uberung&#8220; m\u00fcndete.<\/p>\n<p class=\"western\">Auch die nach der Oktoberrevolution auf dem Land entstandenden Agrarkommunen bzw. Sowchosen, die bis dahin als Vorreiter des Kommunismus gegolten hatten, waren in den 30er Jahren gegen den Widerstand der Linken wegen Unwirtschaftlichkeit aufgel\u00f6st und in Kolchosen umgewandelt worden, deren Mitglieder auf eigene Rechnung wirtschaften mussten. Die absolut vorherrschende Betriebsform war der Kolchos, eine Produktionsgenossenschaft zur gemeinsamen Bodenbearbeitung. Staatsfarmen existierten nur noch als Zucht- und Musterbetriebe.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Kollektivierung bewirkte, dass die sozialen Unterschiede im Dorf verschwanden und das Proletariat einer weitgehend homogenen Bauernschaft gegen\u00fcberstand. Der Grund und Boden war nationalisiert (als Folge der b\u00e4uerlichen Landumteilungstradition), aber der Kolchos stand als Nachfolger der obscina im Eigentum seiner Mitglieder, verf\u00fcgte \u00fcber den Boden und wirtschaftete selbst\u00e4ndig. Zwar geh\u00f6rte die Agrarmaschinerie in den Maschinen-Traktor-Stationen (MTS) dem Staat und war ein erheblicher Teil der Kolchosproduktion in den &#8222;Plan&#8220; einbezogen, aber im Gegensatz zur Industrie wurde der Kolchos in erster Hand Eigent\u00fcmer der von ihm mit eigenem Saatgut angebauten Bodenfr\u00fcchte, zumeist Getreide. Das von den Kollektivwirtschaften erzeugte Produkt war <i>kein<\/i> &#8222;gesellschaftliches, sozialistisches Eigentum&#8220;, wie die Verfassung von 1936 in Artikel 7 postulierte. Es geh\u00f6rte dem Kolchos und musste von der Gesellschaft im Nachhinein <i>angeeignet<\/i> werden. Der Staat musste es den Kolchosbauern abkaufen, denn &#8222;andere \u00f6konomische Verbindungen mit der Stadt als Warenbeziehungen, als Austausch durch Kauf und Verkauf sind f\u00fcr die Kollektivwirtschaften gegenw\u00e4rtig nicht annehmbar&#8220;,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/sup> wie Stalin Anfang der 50er Jahre anerkennen musste &#8211; und damit unter der Hand das Postulat der Verfassung revidierte.<\/p>\n<p class=\"western\">Von der Ernte musste der Kolchos einen Teil f\u00fcr die Maschinenarbeit der MTS (kostenlos) abgeben und einen anderen Teil als Planlieferung zu niedrigen Festpreisen an den Staat verkaufen. \u00dcber die verbleibende gr\u00f6\u00dfere &#8222;H\u00e4lfte&#8220; (real etwa zwei Drittel) der Ernte konnte er mehr oder minder frei verf\u00fcgen. Ein Teil musste als Saatgut f\u00fcr das kommende Jahr zur\u00fcckgelegt werden, ein anderer Teil wurde als Naturalentlohnung zur Ern\u00e4hrung an die Kolchosmitglieder verteilt. Soweit die Ernte gut war und keine weiteren Reserven angelegt werden sollten, konnte der Kolchos dem Staat sodann den \u00fcberschie\u00dfenden Teil der Ernte als \u00dcberplanlieferung zu h\u00f6heren Preisen liefern (oder schwarz verkaufen). Die Eink\u00fcnfte des Kolchos wurden besteuert. Das Einkommen der Kolchosmitglieder, das im Durchschnitt erheblich unter dem der Fabrikarbeiter lag, richtete sich nach dem Ernteertrag und setzte sich aus einem Teil Naturalien und einem Teil Geld (umverteilte Betr\u00e4ge aus den Verk\u00e4ufen) zusammen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die T\u00e4tigkeit, Rechte und Pflichten des Kolchos und seiner Mitglieder wurden im &#8222;Musterstatut des landwirtschaftlichen Artels&#8220; von 1935 geregelt. Der gesetzlich vorgeschriebene Ma\u00dfstab f\u00fcr die Bewertung der Arbeit (und damit f\u00fcr die Umverteilung der Ernte bzw. des durch ihren Verkauf erzielten Geldes) war die <i>Leistungsnorm<\/i> (Arbeitstagsnorm), die der Kolchosvorstand f\u00fcr alle landwirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten ausarbeiten musste. Bei schlechten Ernteergebnissen einer Arbeitsbrigade (unter dem Kolchosdurchschnitt) war der Vorstand verpflichtet, ihre Eink\u00fcnfte um bis zu 10% zu k\u00fcrzen. Bei \u00fcberdurchschnittlichen Leistungen erhielten die Brigademitglieder einen Zuschlag bis zu 10%, besonders herausragende Sto\u00dfarbeiter bis zu 15%. Das Musterstatut war von einem Unionskongress der <i>Sto\u00dfarbeiter<\/i> der Kollektivwirtschaften angenommen worden war, bevor es durch den Obersten Sowjet Gesetzeskraft erhielt.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Jede Kolchosfamilie hatte im Anschluss an ihren &#8222;Hof&#8220; (das Wohngeb\u00e4ude mit St\u00e4llen) eine Privatparzelle zur Verf\u00fcgung, deren Gr\u00f6\u00dfe je nach Region zwischen \u00bc und \u00bd Hektar schwankte. W\u00e4hrend der Kolchos auf der Masse des Bodens Getreide und andere gro\u00dfma\u00dfst\u00e4blich zu erzeugende Bodenfr\u00fcchte anbaute, wurde hier arbeitsintensive Kleinproduktion betrieben: Vieh wurde gehalten (1 Kuh, bis zu 2 Jungrinder, Schweine, Ziegen, H\u00fchner etc) und neben Fleisch, Milch und Eiern noch Kartoffeln, Gem\u00fcse und Obst erzeugt. Die eigene Kuh war als Fleisch- und Milch-, aber auch als D\u00fcngerlieferantin (Kunstd\u00fcnger wurde noch kaum hergestellt) der Mittelpunkt der Hofwirtschaft.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/sup> Die Parzelle war nicht gro\u00df genug, um das Gro\u00dfvieh zu ern\u00e4hren; das Viehfutter musste auf die eine oder andere Weise vom Kolchos beschafft werden, sei es, dass die Kuh auf dem Kollektivland grasen konnte, sei es, dass Viehfutter (Getreide) Teil der Naturalentlohnung f\u00fcr die Arbeit im Kolchos war oder zugekauft wurde. Auf dem Nutzland bet\u00e4tigten sich vor allem die B\u00e4uerinnen. Genau wie der Kolchos selber musste die einzelne Kolchosfamilie einen per Norm festgelegten Teil ihrer Parzellenerzeugnisse dem Staat zu niedrigen Festpreisen verkaufen; den Rest konnte sie zu erheblich h\u00f6heren Marktpreisen auf den in allen St\u00e4dten vorhandenen freien M\u00e4rkten (den sog. Kolchosm\u00e4rkten) verkaufen. Der Erl\u00f6s wurde besteuert.<\/p>\n<p class=\"western\">Als Ganzes stellte der Kolchos eine Produktionsweise besonderer Art dar. Sie verband sozialistische Elemente (MTS, Wirtschaftsplan) mit einer Form der sowohl kollektiven (auf dem Gemeinland) als auch individuellen (auf dem Hofland) einfachen Warenproduktion unter Kontrolle des Staats. Aus dieser Verbindung resultierten permanente Konflikte. So musste beispielsweise der Ma\u00dfstab f\u00fcr die Naturalbezahlung der MTS-Arbeiten von der tats\u00e4chlichen Ernte auf die gesch\u00e4tzte Halmernte umgestellt werden, weil die Bauern vom Ernteertrag regelm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfere Mengen verschwinden lie\u00dfen. Der Kolchos war kein organischer Bestandteil der sozialistischen Wirtschaftsproduktion des Staats, sondern musste von au\u00dfen, gest\u00fctzt auf die staatlichen MTS-Stationen, unter Kontrolle gehalten werden. Trotz der millionenfachen Abwanderung in die St\u00e4dte blieb die Bauernschaft zahlenm\u00e4\u00dfig stark; erst in den 60er Jahren \u00fcberfl\u00fcgelte die Einwohnerschaft der St\u00e4dte die Zahl der Landbev\u00f6lkerung. Der Zuzug in die St\u00e4dte war durch Inlandsp\u00e4sse reglementiert.<\/p>\n<p class=\"western\">Zu erg\u00e4nzen ist, dass neben den Kolchosmitgliedern auch die Stadtbewohner und Sowchosarbeiter Anspruch auf eine Privatparzelle hatten. Sie hatte zwar geringeren Umfang, wurde aber ebenso zum ganzen Teil nicht nur als Obst- und Gem\u00fcsegarten genutzt, sondern auch zur Viehhaltung. Die dort erzeugten Produkte konnten ebenfalls unter Besteuerung auf den st\u00e4dtischen M\u00e4rkten frei verkauft werden.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>3. Die Schl\u00fcsselkrise<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Die aus diesen Verh\u00e4ltnissen resultierende Gesellschaftsordnung entsprach nicht dem Sozialismus, wie Marx ihn in der &#8222;Kritik des Gothaer Programms&#8220; als erste Stufe des Kommunismus definiert hatte. W\u00e4hrend Marx davon ausgegangen war, dass mit der Warenproduktion auch die Kategorie des &#8222;Werts&#8220; untergegangen sei, nahm die einfache Warenproduktion der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerungsmehrheit weiterhin breiten Raum ein. Vor allem war das Proletariat unentwickelt, und die Verh\u00e4ltnisse waren l\u00e4ngst nicht so weit, den Staat in die Gesellschaft zur\u00fcckzunehmen. Nicht die Gesellschaft, sondern der Staat trug den Sozialismus. In den Reihen der Kommunisten gab es eine wenig bekannte Debatte dar\u00fcber, wie der erreichte Zustand zu charakterisieren sei. Zusammen mit der Verfassung von 1936 ging Stalin im offenen, allerdings nicht diskutierten Gegensatz zu Marx davon aus, dass man &#8222;den Sozialismus im wesentlichen schon verwirklicht, die sozialistische Gesellschaftsordnung errichtet&#8220; habe.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/sup> Dagegen vertraten Andere wie Molotow in den 50er Jahren in der Debatte um den \u00dcbergang zum Kommunismus die \u00dcberzeugung, dass erst die Grundlagen des Sozialismus geschaffen seien, noch nicht die sozialistische Gesellschaft selber.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Mit dem Ende der Rekonstruktionsperiode zeigte sich, dass die Agrarproduktion stagnierte. Durch die Vernichtung der Kulaken waren &#8222;nur&#8220; Verh\u00e4ltnisse geschaffen worden, die es dem Staat erm\u00f6glichten, einen Gro\u00dfteil des agrarischen Mehrprodukts (ca. ein Drittel der Ernte) an sich zu ziehen, um die Industrialisierung zu finanzieren und die gr\u00f6\u00dfer werdenden St\u00e4dte zu ern\u00e4hren.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/sup> Die agrarische Produktivit\u00e4t als solche hatte sich aber nicht ge\u00e4ndert. Obwohl nach dem Weltkrieg viele Minikolchosen (ein Kolchos war meist mit dem vorherigen obscina-Dorf identisch) zu gr\u00f6\u00dferen Kolchosen zusammengelegt wurden, um u.a. die Organisierung des MTS-Einsatzes zu erleichtern, gingen die Pro-Hektar-Ertr\u00e4ge nicht \u00fcber das in den letzten Jahren des Zarismus erreichte Niveau hinaus. Die Lebensmittelerzeugung musste aber gesteigert werden, denn die wachsende Stadtbev\u00f6lkerung ben\u00f6tigte als Grundnahrungsmittel mehr Brot. Au\u00dferdem gingen die sich entwickelnden Bed\u00fcrfnisse einher mit vermehrter Nachfrage nach Fleisch, f\u00fcr dessen Erzeugung ebenfalls zus\u00e4tzliches Getreide (als Viehnahrung) ben\u00f6tigt wurde. Die Stagnation der Ernten wurde zum Haupthemmnis f\u00fcr die weitere Entwicklung, und die Abh\u00e4ngigkeit von der agrarischen Urproduktion dokumentierte die real noch vorhandene Zur\u00fcckgebliebenheit des Landes. Im Zentrum der aufbrechenden Auseinandersetzungen um die k\u00fcnftige Politik stand wie 1917, 1920\/21 und in den 30er Jahren die Agrarfrage.<\/p>\n<p class=\"western\">Au\u00dferdem war die Grundlinie der sowjetischen Au\u00dfenpolitik umstritten. Durch den Weltkrieg war die UdSSR zur st\u00e4rksten europ\u00e4ischen Macht geworden und neben den USA zur Weltmacht aufgestiegen. Das ehedem weltbeherrschende Gro\u00dfbritannien war geschw\u00e4cht, und Deutschland lag am Boden. Au\u00dfenpolitisch war der erste Gegner der UdSSR zun\u00e4chst Gro\u00dfbritannien. Der Versuch der niedergehenden Seemacht, ihr koloniales Empire zu retten, machte die Sowjetunion als nat\u00fcrlichen Verb\u00fcndeten der antikolonialen Bewegung zum Hauptfeind Gro\u00dfbritanniens. Davor trat bald Nordamerika, denn angesichts der drohenden kommunistischen Hegemonie \u00fcber die europ\u00e4isch-asiatische Entwicklung stellten die USA ihre &#8222;one world&#8220;-Politik&#8220; ein und gingen im Zeichen des Antikommunismus zu einer Politik der Isolierung und Einkreisung der UdSSR \u00fcber. Weil die erzwungene Hochr\u00fcstung das Land \u00fcberforderte, musste darauf eine Antwort gefunden werden. Dabei stellte sich das Problem, dass mit dem besiegten Deutschland der Staat, mit dem die Sowjetmacht in der Zwischenkriegszeit gegen die anderen kapitalistischen M\u00e4chte hatte lavieren k\u00f6nnen, vorl\u00e4ufig ausgefallen war. Dasselbe galt f\u00fcr Japan. Im Verh\u00e4ltnis zur sp\u00e4ter so genannten &#8222;Dritten Welt&#8220; ging es gleichzeitig um die Frage, wer von beiden &#8211; UdSSR oder USA &#8211; international die F\u00fchrung im antikolonialen Befreiungskampf \u00fcbernehmen w\u00fcrde, denn trotz des B\u00fcndnisses mit Gro\u00dfbritannien und Frankreich arbeiteten die USA unter der Hand gegen deren Kolonialreiche.<\/p>\n<p class=\"western\">Gleichzeitig befand sich auch die internationale kommunistische Arbeiterbewegung in einer Krise. Seit ihrer Entstehung aus dem Feuer der Nachkriegskrise waren s\u00e4mtliche Anl\u00e4ufe zur Machtergreifung auf dem Boden der sozialistischen Revolutionsstrategie der Komintern gescheitert. &#8222;Wo sich in Europa zwischen den Kriegen eine revolution\u00e4re Situation entwickelte (Deutschland, Italien, Ungarn, Spanien), stand noch immer <i>die b\u00fcrgerliche Revolution<\/i> auf der Tagesordnung, die in allen diesen L\u00e4ndern unvollendet geblieben war. Theorie, Strategie und Taktik des europ\u00e4ischen Marxismus orientierten dagegen auf die Eroberung der politischen Macht in einer <i>sozialistischen Revolution<\/i>. In den entscheidenden Klassenschlachten dieser Zeit stand darum das Proletariat sowohl innerlich gespalten als auch ohne ein dem gesellschaftlichen Entwicklungsstand der jeweiligen L\u00e4nder angemessenes Klassenb\u00fcndnis mit den Massen des Kleinb\u00fcrgertums da. Aufgrund dieser fehlerhaften Revolutionstheorie wurde der europ\u00e4ische Marxismus zu einer Theorie der Niederlagen f\u00fcr das Proletariat.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/sup> Die Niederlagen waren lediglich durch die Oktoberrevolution und den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion verdeckt worden.<\/p>\n<p class=\"western\">Nach dem 2.Weltkrieg wiederholte sich das Dilemma der Zwischenkriegszeit. Obwohl die alten, herrschenden Klassenkr\u00e4fte Europas durch den Krieg zerrissen und geschw\u00e4cht waren, kam es in den industriell enwickelten Staaten zu keiner proletarisch-sozialistischen Revolution, und wiederum wurden die Fehlschl\u00e4ge durch den milit\u00e4rischen Sieg der Sowjetunion und den sprunghaften Mitgliederzuwachs der meisten europ\u00e4ischen KPs verdeckt. Es galt, die Kernfrage der Revolutionsstrategie, das Verh\u00e4ltnis von b\u00fcrgerlicher zu sozialistischer Revolution, neu zu diskutieren. Das galt insbesondere f\u00fcr das geschlagene Deutschland, in dem die NS-Herrschaft die Notwendigkeit einer Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution erneut unter Beweis gestellt hatte und in dem jetzt, Jahrzehnte nach Herstellung des Nationalstaats, die nationale Einheit durch die Politik Adenauers und der Westm\u00e4chte bedroht war. In der deutschen Frage paarten sich Revolutionsstrategie und sowjetische Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>4. Partei, Staat und Armee<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Die Auseinandersetzung um die einzuschlagende Politik wurde gef\u00fchrt im Kr\u00e4ftefeld dreier politisch-gesellschaftlicher Kr\u00e4fte: Partei, Staat und Armee. Die Repr\u00e4sentanten der verschiedenen Linien waren zwar alle Mitglieder des Politb\u00fcros (sp\u00e4ter zeitweise: Pr\u00e4sidiums) der Partei, hatten ihre Machtbasis aber entweder in der Regierung, d.h. im <i>Staatsapparat<\/i>, oder in der <i>Partei<\/i> selber.<\/p>\n<p class=\"western\">Die <i>Partei <\/i>hatte sich seit den 20er Jahren vollst\u00e4ndig gewandelt. Die S\u00e4uberungen der 30er Jahre hatten den alten bolschewistischen F\u00fchrungskern und mit ihm die Oktoberpartei der alten Arbeiterklasse und der &#8222;sozialistischen Intelligenz&#8220; zerschlagen. Unter der weiterexistierenden H\u00fclle war faktisch eine neue Partei entstanden. Das Grundproblem dieser Partei lag nicht allein darin, dass der 18.Parteitag 1939 die vormaligen Klassenkriterien f\u00fcr die Mitgliedschaft aufgehoben und sie f\u00fcr alle Werkt\u00e4tigen ge\u00f6ffnet hatte. Es lag vorher noch darin, dass sie als Massenpartei angesichts des Zustands der Arbeiterschaft ihre Funktion als Avantgarde des Proletariats nicht erf\u00fcllen konnte. Diese Partei bildete nicht mehr das Machtzentrum der UdSSR. Entgegen dem geltenden Statut vergingen seit dem 18.Parteitag dreizehn Jahre, bis 1952 der n\u00e4chste Parteitag einberufen wurde. Stalin sorgte au\u00dferdem daf\u00fcr, dass &#8222;das Plenum des ZK jahrelang nicht mehr zusammentreten&#8220; konnte und selbst das Politb\u00fcro &#8222;nicht mehr normal funktionierte&#8220;, sondern an seiner Stelle &#8222;Dreier- oder F\u00fcnfergruppen &#8230; im Auftrage des Genossen Stalin voneinander unabh\u00e4ngig an verschiedenen Fragen und Aufgaben&#8220; arbeiteten, wie ihm nach seinem Tod vorgeworfen wurde.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Der <i>Staatsapparat<\/i> bestand aus zwei Hauptpfeilern: der Wirtschaftsverwaltung und dem Unterdr\u00fcckungsapparat. Die Wirtschaft musste &#8222;von oben&#8220; organisiert werden, weil der unzureichende Entwicklungs- und Ausbildungsstand der Massen auch in den 50er Jahren noch keine Dezentralisierung zulie\u00df. Die Hauptaufgabe der zentralen Wirtschaftsverwaltung war die Umsetzung der 5-Jahres-Pl\u00e4ne. Die aufeinander abgestimmte \u00f6konomische Entwicklung der verschiedenen Landesteile, in denen eine Industrie zum ganzen Teil erst aufgebaut werden musste, war gleichzeitig der Motor f\u00fcr die weitere Ann\u00e4herung der Nationalit\u00e4ten in dem riesigen Land. Sonst bestand die Gefahr, dass es nicht zur allm\u00e4hlichen Verschmelzung der V\u00f6lkerschaften und Republiken, sondern zum Zerfall der Union kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Unterdr\u00fcckungsapparat sicherte u.a. das Verbot des Arbeitsplatzwechsels, organisierte die Arbeitslager und hielt die Partei in Schach. Er existierte in Gestalt einerseits des Staatssicherheitsdienstes, andererseits des Innenministeriums (Polizei). Dabei wurde in diesen Organen wie in der Partei selber ein erbitterter Kampf der Richtungen gef\u00fchrt, der sich beim Staatssicherheitsdienst im h\u00e4ufigen F\u00fchrungswechsel und den Namens\u00e4nderungen niederschlug (GPU, OGPU, NKWD, KGB). Eine Bemerkung Stalins auf dem 18.Parteitag, dass die gro\u00dfe S\u00e4uberung notwendig gewesen sei, aber erhebliche Fehler begangen wurden, deutet die vorhandenen Widerspr\u00fcche an.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/sup> Sie sind bis heute nicht ernsthaft untersucht worden, sondern werden dank Chruschtschows t\u00e4tiger Beihilfe mit der Phrase von der Allmacht Stalins abgemacht.<\/p>\n<p class=\"western\">Von den aus allgemeinen, gleichen Wahlen hervorgegangenen &#8222;Sowjets&#8220; gew\u00e4hlt, stand an der Spitze des Staats die von Stalin als Ministerratsvorsitzender (Ministerpr\u00e4sident) gef\u00fchrte Regierung. &#8222;Die einflu\u00dfreichste Position des Landes war im Jahr 1953 jene des Ministerratsvorsitzenden der UdSSR, die Stalin von 1940 bis 1953 einnahm. (&#8230;) Nat\u00fcrlich war Stalin nicht nur Chef des Politb\u00fcros, sondern auch erster ZK-Sekret\u00e4r geblieben, aber dieses Amt wurde recht selten erw\u00e4hnt &#8211; was deutlich machte, wie sehr der Parteiapparat im System der sowjetischen Staatsorgane an Kraft eingeb\u00fc\u00dft hatte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Dar\u00fcber hinaus spielte die Armee in der noch wenig gefestigten Gesellschaft latent eine wesentliche Rolle, zumal der Krieg ihre Stellung gest\u00e4rkt hatte. Allerdings war sie selber wie die Partei durcheinandergewirbelt worden. Mit allen Vorbehalten k\u00f6nnen in ihr grob zwei Richtungen dingfest gemacht werden: eine Richtung stand in der &#8222;linken&#8220;, <i>kriegskommunistischen Gr\u00fcndungstradition<\/i> der Roten Armee, als Vertreter kann ein Mann wie Woroschilow gelten; daneben hatte sich insbesondere durch den &#8222;Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg&#8220; eine <i>russisch-nationale Str\u00f6mung<\/i> ausgebildet, die durch Schukow repr\u00e4sentiert wurde, der zun\u00e4chst stellvertretender und dann Verteidigungsminister war &#8211; &#8222;ein leidenschaftlicher Patriot und der Kirche nicht feindlich gesinnt&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Neben der Armee verf\u00fcgte noch das Innenministerium \u00fcber eigene Truppen in St\u00e4rke von mehreren Divisionen, allerdings ohne schwere Waffen.<\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"center\"><b>II. Drei Linien<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">In der Schl\u00fcsselkrise traten letztlich drei verschiedene Str\u00f6mungen auf den Plan, repr\u00e4sentiert durch unterschiedliche Personen: eine &#8222;linke&#8220; Richtung ( Chruschtschow), eine &#8222;rechte&#8220; (Malenkow), sowie das &#8222;Parteizentrum&#8220; (Stalin). In ausgearbeiteter Form liegen nur die Vorstellungen Stalins vor; sie finden sich gro\u00dfenteils in der Schrift &#8222;\u00d6konomische Probleme des Sozialismus&#8220; von 1952 und verdienen als einzige den Namen <i>Programm<\/i>. Die anderen Linien existieren in Gestalt politischer Positionen zu Kernfragen der Entwicklung, die eine zusammenh\u00e4ngende Grundrichtung erkennen lassen. Die Widerspr\u00fcche wurden nicht in offener Feldschlacht ausgetragen. Stalin selber befand sich in der Minderheit und musste zur\u00fcckhaltend agieren. Stalins Gegner hatten seine Autorit\u00e4t als Organisator des Siegs im Weltkrieg zu f\u00fcrchten und zogen den verdeckten Kampf vor; je lauter das Lob des &#8222;genialen F\u00fchrers aller Werkt\u00e4tigen&#8220; gesungen wurde, desto genauer musste man hinh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>1. Die Linie der &#8222;Linken&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Im &#8222;linken&#8220; Parteifl\u00fcgel herrschte eine Offensivideologie des Sturmlaufs zum Kommunismus vor. Sie kn\u00fcpfte an die heroische Periode der Oktoberrevolution an, als die Reiterarmee Budjonnys die Diktatur des Proletariats vor\u00fcbergehend weit nach Westen vorgetragen hatte &#8211; bis eine Welle der nationalpolnischen Bewegung sie vor Warschau gestoppt hatte -, und als im Innern die Ware-Geld-Beziehungen durch die Verteilung der G\u00fcter nach Plan ersetzt waren &#8211; bis die Bauern in Kronstadt die Requirierung ihres Getreides und damit das Kernst\u00fcck dieses Verteilungskommunismus zu Fall gebracht hatten.<\/p>\n<p class=\"western\">Bedingt durch die sich \u00e4ndernden Umst\u00e4nde, herrschte die &#8222;linke&#8220; Linie nacheinander in zwei unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen vor. In der unmittelbaren Nachkriegszeit ging sie aufgrund der unverh\u00fcllten Feindschaft Gro\u00dfbritanniens und dem Bruch der Anti-Hitler-Koalition durch die USA davon aus, dass wegen der aggressiven Natur des Imperialismus ein neuer Krieg bevorstand, der diesmal im Unterschied zur unnat\u00fcrlichen Frontbildung des vorangegangenen Kriegs zwischen dem einheitlichen, US-gef\u00fchrten &#8222;Lager des Imperialismus&#8220; und dem &#8222;Lager des Sozialismus&#8220; ausgetragen w\u00fcrde (Zwei-Lager-Theorie). Am Ausgang dieses unvermeidlichen Kriegs w\u00fcrde der Sieg des Sozialismus in ganz Europa, wenn nicht weltweit stehen.<\/p>\n<p class=\"western\">In dieser &#8222;kriegskommunistischen&#8220; Version wurde sie von Shdanow repr\u00e4sentiert, der die treibende Kraft hinter der Gr\u00fcndung des Kommunistischen Informationsb\u00fcros (Kominform) war. Gegen Stalin, der zu dieser Zeit zwischen Gro\u00dfbritannien und den USA zu man\u00f6vrieren suchte und insbesondere den USA Konzessionen machte (z.B. in China), um die Sowjetunion nicht zu \u00fcberfordern, f\u00fchrte Shdanow auf der Gr\u00fcndungsversammlung des Kominform 1947 aus, dass die &#8222;Hauptgefahr f\u00fcr die Arbeiterklasse jetzt in der Untersch\u00e4tzung der eigenen und in der \u00dcbersch\u00e4tzung der gegnerischen Kr\u00e4fte&#8220; liege. Konzessionen an die USA und das imperialistische Lager w\u00fcrden dieses nur noch aggressiver machen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/sup> Die Sowjetische Besatzungszone in Deutschland bildete den Schl\u00fcssel f\u00fcr die verfolgte Offensivstrategie, und zwar sowohl <i>milit\u00e4risch<\/i> (als Br\u00fcckenkopf f\u00fcr den erwarteten Krieg mit dem Imperialismus) als auch <i>politisch<\/i> (durch den schnellstm\u00f6glichen \u00dcbergang zum Sozialismus). So schmiedete die deutsche Frage auf dem Boden der Zwei-Lager-Theorie &#8222;Linke&#8220; und Milit\u00e4rs zusammen und verband sie mit der SED-F\u00fchrung.<\/p>\n<p class=\"western\">Als die Fronten im 1950 begonnenen Korea-Krieg einfroren, wurde deutlich, dass auf absehbare Zeit mit einer gro\u00dfen milit\u00e4rischen Auseinandersetzung nicht zu rechnen war. An die Stelle der <i>au\u00dfengerichteten<\/i> Orientierung der ersten Nachkriegsjahre trat eine auf die <i>innere Entwicklung<\/i>, d.h. auf die schnellstm\u00f6gliche Errichtung des Kommunismus zielende Orientierung, deren Repr\u00e4sentant Chruschtschow wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Wirtschaftspolitisch herrschte in dieser Richtung die Missachtung \u00f6konomischer Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten und insbesondere des Wertgesetzes vor. Befl\u00fcgelt durch die au\u00dferordentlichen Umst\u00e4nde der Industrialisierungsphase und des Weltkriegs ging man davon aus, dass objektive, unabh\u00e4ngig vom Willen des Menschen existierende Gesetze des Wirtschaftsgeschehens gegen\u00fcber der bewussten Regulierung der \u00d6konomie keine Rolle mehr spielten und der Plan allm\u00e4chtig sei. Auf dieser Basis ging man vom raschen \u00dcbergang zum Kommunismus aus, dessen unmittelbares Bevorstehen wenige Jahre nach Chruschtschows vollst\u00e4ndiger Macht\u00fcbernahme der 22.Parteitag 1961 offiziell verk\u00fcndete. Die wissenschaftliche Begr\u00fcndung daf\u00fcr lieferte der Polit\u00f6konom L.D.Jaroschenko mit der Theorie von der &#8222;rationellen Organisation der Produktivkr\u00e4fte&#8220;. Ihr zufolge war nicht die Klassenpolitik, sondern die immer bessere Organisierung der Produktion verantwortlich f\u00fcr den Fortschritt. Stalin verglich diese Theorie mit der Bogdanowschen &#8222;Allgemeinen Organisationswissenschaft&#8220; und warf Jaroschenko vor, den \u00dcbergang vom Sozialismus zum Kommunismus als &#8222;viel zu einfach, kindisch einfach&#8220; darzustellen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Mit dem Kommunismus w\u00fcrde die f\u00fcr den Sozialismus ma\u00dfgebliche Verteilungsformel &#8222;Jedem nach seiner <i>Leistung<\/i>&#8220; durch die Verteilung der G\u00fcter &#8222;nach den <i>Bed\u00fcrfnissen<\/i>&#8220; ersetzt werden. F\u00fcr die Masse der Arbeiterschaft verkn\u00fcpfte sich mit dem Kommunismusversprechen der Linken das Ende der Leistungslohnpolitik und Sto\u00dfarbeiterbewegung sowie die Aussicht auf sprunghaft steigende Konsumtionsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p class=\"western\">Die f\u00fcr den Kommunismus erforderliche L\u00f6sung der Agrarfrage schlug Chruschtschow am 4.M\u00e4rz 1951 in einem Prawda-Artikel vor. Er forderte die Aufl\u00f6sung der Kolchosd\u00f6rfer und ihre Zusammenlegung in neu zu errichtenden &#8222;Agrost\u00e4dten&#8220;; in ihnen sollte das pers\u00f6nliche Nutzland verkleinert und vom Wohnort getrennt, d.h. am Rand der neuen Siedlungen zusammengelegt werden.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/sup> Der Artikel ging davon aus, dass das Angebot der mit allen modernen Errungenschaften versehenen Landst\u00e4dte die Bauern veranlassen w\u00fcrde, ihren privaten Hof freiwillig aufzugeben. Wie der Bau dieser Agrost\u00e4dte zu finanzieren war, wurde nicht erl\u00e4utert. Chruschtschows Vorschlag wurde nicht nur von der Regierung, sondern auch von der Mehrheit des damaligen Politb\u00fcros abgelehnt. &#8222;Nach einiger Zeit schickte man ein geheimes Rundschreiben, das Chruschtschows Artikel f\u00fcr irrig erkl\u00e4rte, durch alle Parteiorganisationen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/sup> Den Mitgliedern der \u00e4rmeren Kolchosen kam die Verstaatlichungsforderung entgegen. Sie waren bei einer \u00dcbernahme durch den Staat nicht mehr selber f\u00fcr ihren Lebensunterhalt verantwortlich, sondern wurden vom Staat unterhalten.<\/p>\n<p class=\"western\">Schlie\u00dflich spielte die Intelligenz bei den Linken eine besondere Rolle. Die &#8222;Intelligenzija&#8220; wird als &#8222;Chruschtschows zuverl\u00e4ssigste St\u00fctze w\u00e4hrend der Entstalinisierung&#8220; bezeichnet.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/sup> Gemeint sind damit allerdings die Kulturschaffenden, nicht die Techniker. Chruschtschow betrieb eine andere Kulturpolitik als Shdanow, der als treibende Kraft bei der parteim\u00e4\u00dfigen Gleichstellung der neuen Intelligenz mit den Arbeitern und Bauern auf dem 18.Parteitag 1939 gilt.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\">24<\/a><\/sup> Die Unterschiede sind noch genauer zu untersuchen.<\/p>\n<p class=\"western\">Hinzu kam die Jugend, die sich f\u00fcr die Perspektive des Kommunismus begeisterte und bereit war, daf\u00fcr gro\u00dfe Opfer zu bringen. In den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; sprach Stalin davon, dass &#8222;Tausende neuer junger Kader&#8220;, die jedes Jahr zur Partei stie\u00dfen, &#8222;vor den au\u00dferordentlichen Erfolgen der Sowjetordnung von Schwindel befallen&#8220;, sich einbildeten, dass die Sowjetmacht &#8222;alles vermag&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\">25<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Hinter der von Chruschow erhobenen Fahne des Kommunismus sammelte sich so ein heterogenes B\u00fcndnis zwischen der Masse der Arbeiterschaft, dem &#8222;armen&#8220; Teil der Kolchosbauern, (Teilen) der Intelligenz und der Jugend. Die gemeinsame kommunistische Parole verdeckte die widerspr\u00fcchlichen Zielsetzungen der unterschiedlichen sozialen Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p class=\"western\">In der KP als einer Massenpartei tendierte die Mehrheit zu den &#8222;Linken&#8220;. Sobald das vielhundertk\u00f6pfige Zentralkomitee wieder zusammentrat (nach Stalins Tod), erhielt Chruschtschow dort f\u00fcr seine Vorschl\u00e4ge regelm\u00e4\u00dfig Zustimmung. Solange Stalin Generalsekret\u00e4r der KPdSU war, kam diese St\u00e4rke indes nicht zur Geltung, weil in der Partei<i>f\u00fchrung<\/i> (Politb\u00fcro\/Pr\u00e4sidium) andere Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse herrschten, das ZK (statutenwidrig) nicht zusammengerufen wurde, und von 1939 bis 1952 (ebenfalls statutenwidrig) kein Parteitag stattfand.<\/p>\n<p class=\"western\">Geographisch war Leningrad, die westlichste und europ\u00e4ischste Gro\u00dfstadt des Landes, das Zentrum der Linken. Von Trotzki \u00fcber Sinowjew bis hin zu Shdanow, als Gebietsparteisekret\u00e4r Nachfolger des 1934 ermordeten Kirow, verfochten die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re in diesem Industriezentrum traditionell eine &#8222;linke&#8220; Politik, wenn auch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung. Nach Shdanows Tod 1948 wurde eine gro\u00dfe S\u00e4uberung in der Leningrader Parteiorganisation durchgef\u00fchrt. Unter der Anklage des versuchten Sturzes der Regierung verloren mehrere tausend Parteifunktion\u00e4re ihre Posten. Die &#8222;Leningrader Aff\u00e4re&#8220; sorgte daf\u00fcr, dass die Partei weiterhin kaum Einfluss auf die Politik der vom Parteizentrum und der &#8222;Rechten&#8220; dominierten Regierung hatte.<\/p>\n<p class=\"western\">1949 wurde das Kominform auf seiner Budapester Beratung auf die Herausgabe der Zeitung &#8222;F\u00fcr dauerhaften Frieden, f\u00fcr Volksdemokratie&#8220; beschr\u00e4nkt (1956 l\u00f6ste es sich formal auf), und 1951 wurde Chruschtschows Agrarprogramm zur\u00fcckgewiesen. Damit waren die Vorst\u00f6\u00dfe der Linken vorerst erfolglos geblieben. &#8222;Unverkennbar war aber doch, dass die Parteif\u00fchrung sowohl (durch) den Verzicht auf die gro\u00dfsprecherischen Ambitionen Zdanovs und des Kominform auf au\u00dfenpolitischem Gebiet als auch auf die zweite Agrarrevolution in innerpolitischer Hinsicht einen gewissen Prestigeverlust erlitten hatte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\">26<\/a><\/sup> Um die Politik des &#8222;linken&#8220; Mehrheitsfl\u00fcgels zu verwirklichen, musste daher <i>erstens<\/i> das ZK die Parteif\u00fchrung (Politb\u00fcro\/Pr\u00e4sidium) in die Hand bekommen und <i>zweitens<\/i> die Partei wieder zur Herrin des Staats werden. &#8222;Chruschtschow wusste also, welche Aufgabe Priorit\u00e4t hatte: Er musste die f\u00fchrende Rolle im Machtsystem des Landes f\u00fcr die Partei und ihr Zentralkomitee zur\u00fcckerobern.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\">27<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>2. Die Linie des Parteizentrums<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Stalin legte seine Vorstellungen zur Revolutionspolitik und Gesellschaftsentwicklung in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus&#8220; nieder, in Abgrenzung haupts\u00e4chlich gegen die &#8222;Linken&#8220;, daneben gegen die &#8222;Rechten&#8220;. Vieles ist darin nur angedeutet bzw. in allgemeiner Form enthalten; wesentliche \u00dcberlegungen sind unsystematisch oder in Nebens\u00e4tzen abgehandelt, so dass der Eindruck entsteht, dass der Autor noch dabei war, die eigenen Gedanken zu kl\u00e4ren. Die Schrift stand offenbar erst am Beginn einer weitergehenden Auseinandersetzung.<\/p>\n<p class=\"western\">Stalins Bemerkungen zur Revolutionsstrategie beschr\u00e4nken sich auf einen Passus in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; und seine Rede auf dem 19.Parteitag der KPdSU. Er wandte sich dagegen, in den kapitalistischen L\u00e4ndern den Sozialismus auf die Tagesordnung zu setzen; die vorhandene Bewegung habe demokratische Ziele, n\u00e4mlich den Kampf um Frieden, aber nicht um Sozialismus.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\">28<\/a><\/sup> Auf dieser Linie forderte er die internationale kommunistische Bewegung auf dem 19.Parteitag auf, das von der Bourgeoisie fallengelassene &#8222;Banner der b\u00fcrgerlich-demokratischen Freiheiten&#8220; zu erheben, f\u00fcr nationale Unabh\u00e4ngigkeit und Souver\u00e4nit\u00e4t einzutreten und so die &#8222;f\u00fchrende Kraft der Nation&#8220; zu werden.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\">29<\/a><\/sup> Ohne dass er darauf n\u00e4her einging, bedeutete dies in der Konsequenz den Bruch mit der sozialistischen Revolutionsstrategie des europ\u00e4ischen Marxismus.<\/p>\n<p class=\"western\">Au\u00dfenpolitisch rechnete Stalin im 6.Abschnitt &#8222;der \u00d6konomischen Probleme&#8220; unter der \u00dcberschrift &#8222;\u00dcber die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern&#8220; mit den Anh\u00e4ngern der 2-Lager-Politik ab.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\">30<\/a><\/sup> Er ging wie seine Gegner von der gegenw\u00e4rtigen <i>Tatsache<\/i> der Existenz zweier Lager aus, entwickelte aber sodann eine Strategie, um das Lager des Imperialismus zu spalten und den Zwei-Lager-Gegensatz aufzul\u00f6sen. Wenn man nur die gegenw\u00e4rtige Vorherrschaft der USA \u00fcber das imperialistische Lager sehen w\u00fcrde, bleibe man an der Oberfl\u00e4che, f\u00fchrte er aus. Auf Dauer seien die Widerspr\u00fcche zwischen den kapitalistischen L\u00e4ndern gr\u00f6\u00dfer als ihr gemeinsamer Gegensatz gegen den Sozialismus. Darum sei auch die Behauptung von der Unvermeidlichkeit eines Kriegs zwischen dem Lager des Imperialismus und dem Lager des Sozialismus falsch. Wahrscheinlicher sei ein erneuter Krieg zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten. Die Bem\u00fchungen der USA um die Schaffung eines westlichen Milit\u00e4rb\u00fcndnisses bewertete er in den internen Gespr\u00e4chen mit der SED-F\u00fchrung <i>nicht<\/i> als Kriegsvorbereitung gegen die Sowjetunion, wie das die &#8222;Linken&#8220; behaupteten, sondern als Versuch, die amerikanische Hegemonie \u00fcber Europa abzusichern: In den internen Gespr\u00e4chen mit der SED f\u00fchrte er laut den Notizen Wilhelm Piecks aus: &#8222;Schaffung Europa-Armee &#8211; nicht gegen SU, sondern um Macht in Europa&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\">31<\/a><\/sup> In einer historischen Parallele verwies er auf die Situation der Zwischenkriegszeit und die Konstellation des 2.Weltkriegs, als die Sowjetunion mit einem Teil der Imperialisten gegen den anderen zusammenging. Daraus ergab sich eine erneute Politik des Lavierens zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Haupthebel f\u00fcr diese Politik war Deutschland. Stalin wollte die deutsche Frage durch eine nationaldemokratische Politik der Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution und die Wiederherstellung eines einheitlichen Deutschland an der Seite der Sowjetunion l\u00f6sen &#8211; gegen die USA.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\">32<\/a><\/sup> Dadurch w\u00fcrde zugleich die &#8222;Zwei-Lager-Politik&#8220; unterlaufen, die die Sowjetunion \u00fcberforderte. Das hie\u00df f\u00fcr die deutschen Kommunisten, anstelle des Kampfes um den Sozialismus den Kampf um die nationale Einheit gegen die von Adenauer gef\u00fchrte (west-)deutsche Bourgeoisie voranzustellen, um so den Weg zur Macht zu \u00f6ffnen. Eine solche Politik verlangte von ihnen den Bruch mit der 1918\/19 eingeschlagenen Revolutionsstrategie; der Sozialismus w\u00fcrde erst in der folgenden Etappe auf die Tagesordnung treten. In der SED\/KPD konnte Stalins Orientierung keine Wurzeln schlagen.<\/p>\n<p class=\"western\">In ihrem Hauptteil stellte die Stalinsche Schrift, wie kl\u00fcgere b\u00fcrgerliche Beobachter seinerzeit bemerkten, &#8222;den Versuch dar, sich gegen die Vorw\u00fcrfe zu verteidigen, die ihm wegen seiner Innen- und Wirtschaftspolitik gemacht werden&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\">33<\/a><\/sup> Den \u00dcbergang zum Kommunismus in der Sowjetunion erkl\u00e4rte Stalin f\u00fcr nicht aktuell. Zun\u00e4chst m\u00fcsste ein ununterbrochenes Wachstum der gesellschaftlichen Produktion gesichert sein, der Kolchos in allgemeines Volkseigentum \u00fcbergehen, die Warenzirkulation durch Produktenaustausch ersetzt werden und die allseitige Entfaltung der k\u00f6rperlichen und geistigen F\u00e4higkeiten aller Gesellschaftsmitglieder gew\u00e4hrleistet sein, wozu u.a. der \u00dcbergang zu einem h\u00f6chstens sechsst\u00fcndigen Arbeitstag, die Verdoppelung des Reallohns, die grundlegende Verbesserung der Wohnungsverh\u00e4ltnisse und eine umfassende Bildung durch allgemeinen polytechnischen Unterricht geh\u00f6rten, um nicht zeitlebens an einen einzigen Beruf gefesselt zu sein. Erst &#8222;nach Erf\u00fcllung <i>aller <\/i>dieser Vorbedingungen in ihrer Gesamtheit&#8220; sei zu <i>hoffen<\/i>, dass die Arbeit aus einer B\u00fcrde zum ersten Lebensbed\u00fcrfnis geworden sei.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\">34<\/a><\/sup> In der Auseinandersetzung mit Jaroschenko f\u00fchrte er dazu n\u00e4her aus, dass die Gesellschaft bis zum Kommunismus noch &#8222;eine Reihe von Etappen der \u00f6konomischen und kulturellen Umerziehung &#8230; durchlaufen muss, w\u00e4hrend deren die Arbeit aus einem lediglich dem Lebensunterhalt dienenden Mittel in den Augen der Gesellschaft zum ersten Lebensbed\u00fcrfnis und das gesellschaftliche Eigentum zur unersch\u00fctterlichen und unantastbaren Grundlage der Existenz der Gesellschaft werden muss.&#8220; Erst dann k\u00f6nne man gem\u00e4\u00df der kommunistischen Formel verfahren: &#8222;Jeder nach seinen F\u00e4higkeiten, jedem nach seinen Bed\u00fcrfnissen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"western\">Entgegen den Illusionen \u00fcber die Aufhebung der \u00f6konomischen Gesetze verlangte Stalin die Anerkennung von objektiven, vom Willen der Menschen unabh\u00e4ngigen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. Drei dieser Gesetze z\u00e4hlte er f\u00fcr den Sozialismus auf: die \u00dcbereinstimmung der Produktivkr\u00e4fte mit den Produktionsverh\u00e4ltnissen, die planm\u00e4\u00dfige proportionale Entwicklung der Volkswirtschaft, das Wertgesetz. Zum Wertgesetz erl\u00e4uterte er n\u00e4her, dass es die Produktion nicht insgesamt regulieren, aber weiterbestehen und wirken w\u00fcrde, und zwar &#8211; im Unterschied zur Produktionsmittelindustrie &#8211; in der Konsumg\u00fcterherstellung. &#8222;Die Konsumg\u00fcter, die f\u00fcr die Deckung des Aufwands an Arbeitskraft im Produktionsprozess notwendig sind, (werden) bei uns als Waren erzeugt und realisiert &#8230;, die der Wirkung des Wertgesetzes unterliegen.&#8220; Das Wertgesetz galt also nicht nur im agrarischen Bereich, f\u00fcr die im Kolchos erzeugten Lebensmittel, sondern auch f\u00fcr die st\u00e4dtische Konsumg\u00fcter- bzw. Leichtindustrie. Hier w\u00fcrde das Wertgesetz sogar, &#8222;nat\u00fcrlich in bestimmten Grenzen, die Rolle eines Regulators&#8220; spielen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\">35<\/a><\/sup> Aus der Weiterwirkung \u00f6konomischer Gesetze folgerte er u.a. die unbedingte Beachtung der wirtschaftlichen Rechnungsf\u00fchrung, der Selbstkosten und der Preise, und kritisierte das verbreitete &#8222;Geschw\u00e4tz&#8220; der \u00d6konomen, die sich mit &#8222;aus der Luft gegriffenen sch\u00e4tzungsweisen Angaben&#8220; um die Notwendigkeit von Rentabilit\u00e4tsberechnungen herumdr\u00fcckten.<\/p>\n<p class=\"western\">Zur Lohnpolitik \u00e4u\u00dferte sich Stalin in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; nicht explizit. Seine Kritik an der Kommunismuspolitik und sein Hinweis auf eine ganze &#8222;<i>Reihe<\/i> von Etappen der \u00f6konomischen und kulturellen Umerziehung&#8220; der Gesellschaft bis zum Kommunismus zeigen jedoch, f\u00fcr wie unentwickelt er die sowjetische Arbeiterschaft noch hielt. Daraus ergab sich die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Akkord- und Leistungslohnpolitik.<\/p>\n<p class=\"western\">Um die Ergebnisse einer steigenden Produktivkraft der Arbeit weiterzugeben, gab es prinzipiell zwei Alternativen: entweder konnte die Arbeiterschaft f\u00fcr sich selber h\u00f6here L\u00f6hne beanspruchen, oder der Preis der Konsumg\u00fcter f\u00fcr die ganze Gesellschaft konnte gesenkt werden. Der Lohnkampf war im Zeichen der <i>Aufl\u00f6sung<\/i> der Klassen reaktion\u00e4r. Wollte das Proletariat die Gesellschaft in den Kommunismus f\u00fchren, so durfte es sich ihr gegen\u00fcber nicht als separate Klasse verhalten, sondern musste eine Politik der Aufhebung der Klassen verfolgen. Es hatte also nicht f\u00fcr die Erh\u00f6hung der eigenen Lohneink\u00fcnfte zu fechten, sondern musste die <i>ganze<\/i> Gesellschaft \u2013 sich selber eingeschlossen \u2013 durch sukzessive Verbilligung der individuellen Konsumtionsmittel an der Entwicklung seiner Produktivit\u00e4t teilhaben lassen. Auf diesem Weg ging es den anderen Klassen und Schichten voran und bet\u00e4tigte sich als Hegemon. Im Ma\u00dfe der \u00f6konomischen und kulturellen Entwicklung waren sodann die heute noch unumg\u00e4nglichen Unterschiede innerhalb der Klasse selber wie zwischen Arbeiterklasse, Bauernschaft und werkt\u00e4tiger Intelligenz allm\u00e4hlich einzuebnen, um die Klassen verschwinden zu lassen.<\/p>\n<p class=\"western\">Da Stalin ausdr\u00fccklich die Beachtung des Wertgesetzes in der Produktion von Konsumg\u00fctern verlangt hatte, war die Konsequenz, dass deren Preise mit der Produktivkraftentwicklung fallen mussten. Der vom 19.Parteitag im Entwurf gebilligte neue F\u00fcnfjahrplan sah Preissenkungen im Ma\u00dfstab des Produktivit\u00e4tsfortschritts vor. Die Steigerung des Lebensstandards sollte &#8222;nicht auf dem Wege \u00fcber die leicht kontrollierbare Erh\u00f6hung des Nominallohnes, sondern auf dem weit weniger \u00fcbersichtlichen Wege der Preissenkung erreicht werden.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\">36<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Gegen\u00fcber den Bestrebungen nach Verstaatlichung des Kolchos warnte Stalin vor allen Ma\u00dfnahmen, die von den Bauern als &#8222;Expropriation&#8220; aufgefasst werden k\u00f6nnten, denn einen ernsthaften Konflikt mit der Bauernschaft konnte die proletarische Macht weiterhin nicht durchstehen. Er erkl\u00e4rte, dass die Verstaatlichung nur eine &#8222;niedere Form&#8220; der Nationalisierung sei; die Entwicklung des Kolchos m\u00fcsse einen anderen Weg einschlagen,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\">37<\/a><\/sup> indem der Kolchos zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt auf direktem Weg vergesellschaftet w\u00fcrde, als &#8222;h\u00f6here Form&#8220; der Nationalisierung. Den Weg dorthin zeichnete er in Form einer Doppelstrategie gegen\u00fcber den Bauern vor:<\/p>\n<p class=\"western\">Zun\u00e4chst hielt er fest, dass im Kolchos Warenproduktion stattfand, weil die Bauern Eigent\u00fcmer der von ihnen mit eigenem Saatgut angebauten Bodenfr\u00fcchte wurden. Deshalb, so seine Schlussfolgerung unter R\u00fcckgriff auf die NEP, &#8222;sind Warenproduktion und Warenumlauf bei uns gegenw\u00e4rtig eine ebensolche Notwendigkeit, wie sie es beispielsweise vor drei\u00dfig Jahren waren, als Lenin die Notwendigkeit der allseitigen Entfaltung des Warenumlaufs verk\u00fcndete.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\">38<\/a><\/sup> Davon ausgehend war seine erste Schlussfolgerung, das Wertgesetz zu beachten. Welche konkreten Konsequenzen sich daraus ergaben, er\u00f6rterte er nicht weiter. Die Unterwerfung der selbstwirtschaftenden Agrarbetriebe unter die \u00f6konomischen Gesetze der (nichtkapitalistischen) Warenproduktion musste in der gesellschaftlichen Praxis jedenfalls einen Druck zur Entwicklung des Leistungsverm\u00f6gens aus\u00fcben.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\">39<\/a><\/sup> Weiterhin verlangte er die Fortsetzung des vorrangigen Ausbaus der Schwerindustrie, die als <i>Produktionsmittelindustrie<\/i> eine neue Generation von Agrarmaschinen liefern sollte, um die agrarischen Produktivkr\u00e4fte auch von der Seite der Technik her zu entwickeln. Da die MTS-Maschinerie dem Staat geh\u00f6rte, w\u00fcrde die zunehmende Technisierung die Herrschaft \u00fcber das flache Land sichern helfen. Um ein gr\u00f6\u00dferes agrarisches Mehrprodukt zur Versorgung der St\u00e4dte abzusch\u00f6pfen, trat er intern (nicht in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen &#8230;&#8220;) daf\u00fcr ein, die Steuern auf dem Land zu erh\u00f6hen, wie ihm auf dem Berija-Plenum des ZK im Juli 1953 von Malenkow vorgehalten wurde.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\">40<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Auf der anderen Seite pl\u00e4dierte er daf\u00fcr, die Warenproduktion allm\u00e4hlich einzuschr\u00e4nken, mit dem Ziel, sie auf lange Sicht abzuschaffen und das Wertgesetz aufzuheben. Er schlug vor, den Warentausch (von Konsumtionsmitteln) mit der Bauernschaft schrittweise durch Produktentausch zu ersetzen. Auf diesem Weg sollte der Kolchos ohne den Umweg \u00fcber die abgelehnte Verstaatlichung vergesellschaftet, d.h. in allgemeines Volkseigentum \u00fcberf\u00fchrt werden. &#8222;Um das kollektivwirtschaftliche Eigentum auf das Niveau des allgemeinen Volkseigentums zu heben, muss man die \u00dcbersch\u00fcsse der kollektivwirtschaftlichen Produktion aus dem System der Warenzirkulation herausziehen und in das System des Produktentauschs zwischen der staatlichen Industrie und den Kollektivwirtschaften einbeziehen. Das ist das Wesentliche.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\">41<\/a><\/sup> Wie die anzustrebende Verschmelzung der beiden Sektoren, in denen individuelle Konsumtionsmittel produziert wurden (des agrarisch-genossenschaftlichen und des industriell-staatlichen), in der Zukunft konkret stattfinden sollte, erkl\u00e4rte er f\u00fcr ein offenes, gesondert zu diskutierendes Problem.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\">42<\/a><\/sup> Sie w\u00fcrde auf jeden Fall erst mit dem gegenw\u00e4rtig nicht aktuellen \u00dcbergang zum Kommunismus anstehen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ohne dass Stalin es so formulierte, lief sein Programm darauf hinaus, den Sozialismus \u00fcber eine (nach der NEP) zweite &#8222;b\u00fcrgerliche&#8220; Phase der Revolution aufzubauen: Gegen\u00fcber der Arbeiterschaft Leistungsl\u00f6hne und Akkordarbeit, verkn\u00fcpft mit fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Methoden au\u00dfer\u00f6konomischer Gewaltanwendung, um die Arbeitskraft zu entwickeln; gegen\u00fcber der Bauernschaft die Anerkennung von Warenproduktion und Wertgesetz. Diese Politik entsprach den Interessen der Gesamtbewegung, wurde aber nicht von der Arbeiterklasse getragen. Das Parteizentrum konnte sich nur auf eine fortgeschrittene Minderheit unter den Werkt\u00e4tigen st\u00fctzen, n\u00e4mlich auf die Sto\u00dfarbeiter und die Besch\u00e4ftigten der MTS-Stationen. Eine solche Politik musste als Fortf\u00fchrung der &#8222;Revolution von oben&#8220; umgesetzt werden. Der Staat war also nicht abzubauen, wie Marx und Engels das f\u00fcr die niedere Phase des Kommunismus \u2013 den Sozialismus \u2013 vorausgesagt hatten, sondern musste vor\u00fcbergehend weiter ausgebaut werden, um den Sozialismus in Form des <i>Staatssozialismus<\/i> zu entwickeln. In der 1950 ver\u00f6ffentlichten Schrift &#8222;Der Marxismus und die Frage der Sprachwissenschaft&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\">43<\/a><\/sup> trat Stalin f\u00fcr die weitere St\u00e4rkung des Staats ein, begr\u00fcndete dies allerdings nicht mit der inneren, \u00f6konomisch-gesellschaftlichen Entwicklung der Sowjetunion, sondern mit der Bedrohung von au\u00dfen, durch die imperialistische Gegnerschaft.<\/p>\n<p class=\"western\">Wie 1921 die NEP und nach 1930 die Drosselung der Kollektivierung war eine solche Politik war nur gegen die &#8222;linken&#8220; Mehrheiten in der Partei zu realisieren. Die Wortwahl &#8222;von Schwindel befallen&#8220;,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\">44<\/a><\/sup> mit der Stalin in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; vielen Parteimitgliedern eine subjektivistische Haltung vorhielt, schl\u00e4gt den Bogen zur Auseinandersetzung mit den Linken, die er 1930 mit seinem Artikel &#8222;Vor Erfolgen von Schwindel befallen&#8220; begonnen hatte.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>3. Die Linie der Rechten und die Position Molotows<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Eine internationale Revolutionsstrategie der &#8222;Rechten&#8220; ist nicht erkennbar. Au\u00dfenpolitisch war Malenkow mit Stalin (und Berija) ein Gegner der 2-Lager-Theorie und wandte sich gegen den \u00dcbergang zum Sozialismus in der SBZ\/DDR.<\/p>\n<p class=\"western\">Das hervorstechende Merkmal der &#8222;rechten&#8220; Linie war die Wirtschaftspolitik, die in den &#8222;Neuen Kurs&#8220; der nach Stalins Tod von Malenkow \u00fcbernommenen Regierung m\u00fcndete. In seinem Rechenschaftsbericht auf dem 19.Parteitag 1952 wies Malenkow explizit das Agrarprogramm Chruschtschows und der Linken zur\u00fcck, indem er ungenannte &#8222;einzelne unser f\u00fchrenden Funktion\u00e4re&#8220; attackierte, weil sie &#8222;Kolchosst\u00e4dte&#8220; oder &#8222;Agrarst\u00e4dte&#8220; schaffen wollten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\">45<\/a><\/sup> Er wandte sich auch gegen die von Stalin vorgeschlagene allm\u00e4hliche Einschr\u00e4nkung der Warenproduktion, aber &#8211; soweit erkennbar &#8211; erst nach dessen Tod. Auf dem &#8222;Berija-Plenum&#8220; des ZK im Sommer 1953 bezeichnete er die in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen des Sozialismus&#8220; aufgeworfene Frage &#8222;der Fristen und Formen des \u00dcbergangs zum Produktenaustausch&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\">46<\/a><\/sup> als &#8222;ein komplexes und kompliziertes Problem, das die Interessen von Millionen von Menschen, die Interessen unserer gesamten wirtschaftlichen Entwicklung tangiert, und es w\u00e4re erforderlich gewesen, dieses Problem gr\u00fcndlich abzuw\u00e4gen und umfassend zu untersuchen, bevor man der Partei einen programmatischen Vorschlag unterbreitet.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\">47<\/a><\/sup> Stattdessen sprach er von der &#8222;noch f\u00fcr viele Jahre bedeutendsten Aufgabe der <i>allseitigen Entfaltung<\/i> des Warenaustausches&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\">48<\/a><\/sup> Das bedeutete die F\u00f6rderung des bestehenden Kolchos und der b\u00e4uerlichen Hoflandproduktion u.a. durch h\u00f6here Agrarpreise.<\/p>\n<p class=\"western\">Damit verband sich der Vorrang der Leichtindustrie anstelle der Schwerindustrie, um die f\u00fcr den Austausch mit der Bauernschaft n\u00f6tigen Produkte herzustellen. Zwar zitierte Malenkow auf dem 19.Parteitag in seinem Rechenschaftsbericht ausf\u00fchrlich Stalin mit der Forderung nach einem bevorzugten Wachstum der Produktionsmittelindustrie, wer aber genau liest, muss feststellen, dass er dies im Zusammenhang mit dem &#8222;\u00dcbergang zum Kommunismus&#8220; tut und dabei von den &#8222;Zukunftspl\u00e4nen der Partei&#8220; spricht, w\u00e4hrend er gleichzeitig &#8211; ebenfalls unter Zitierung Stalins &#8211; vor &#8222;leichtsinniger \u00dcbereilung&#8220; warnt und sich dagegen ausspricht, &#8222;dass man zu h\u00f6heren \u00f6konomischen Formen \u00fcbergeht, bevor man die notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr einen solchen \u00dcbergang geschaffen hat.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\">49<\/a><\/sup> Das hei\u00dft, dass er &#8211; mit Stalin, gegen die Linken &#8211; den \u00dcbergang zum Kommunismus als Utopie ablehnte und stattdessen &#8211; gegen Stalin und die Linken &#8211; f\u00fcr die vorrangige Konsumg\u00fcterherstellung<i> f\u00fcr die Bauern<\/i> anstelle des Ausbaus der Produktionsmittelindustrie eintrat.<\/p>\n<p class=\"western\">Dem Wesen nach handelte es sich bei dieser Linie um ein Wiederaufgreifen der Neuen \u00d6konomischen Politik der 20er Jahre. Der Warentausch mit dem Land, 1928\/29 aufgrund der mangelnden Leistungsf\u00e4higkeit der Industrie zusammengebrochen, sollte jetzt auf h\u00f6herer Stufe, gest\u00fctzt auf die inzwischen vorhandene Schwerindustrie, erneut ins Zentrum der Wirtschaft r\u00fccken und zur Basis der weiteren Industrialisierung dienen. Auch klassenm\u00e4\u00dfig ging die Politik Malenkows in dieselbe Richtung, nur dass die Kulaken inzwischen untergegangen waren. Der rechte Parteifl\u00fcgel vertrat objektiv die Interessen der Masse der Kolchosbauernschaft. Die &#8222;Rechten&#8220; waren in der Regierung, insbesondere im Wirtschaftsapparat stark und repr\u00e4sentierten auch insoweit dieselbe Kombination von Bauern und Wirtschaftsfachleuten wie Bucharin. Ihre Politik konnte sich wie die Stalins nicht auf die Partei st\u00fctzen, sondern war nur mithilfe des Staats zu verwirklichen.<\/p>\n<p class=\"western\">Als vierte Position ist die von Molotow zu erw\u00e4hnen. Sie spielte in den Auseinandersetzungen keine eigenst\u00e4ndige Rolle, ist aber wegen der Stellung zum Sozialismus und Kommunismus interessant. Molotow war als stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats jahrelang der zweite Mann hinter Stalin und auch theoretisch aktiv. &#8222;Nach Stalin galt Molotow als der bedeutendste Theoretiker der Partei.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\">50<\/a><\/sup> Au\u00dfenpolitisch verfocht er die 2-Lager-Theorie und war daher ein Gegner von Stalins Deutschlandpolitik. Aus diesem Grund von Stalin 1949 als Au\u00dfenminister durch Wyschinski ersetzt, \u00fcbernahm er unmittelbar nach Stalins Tod wieder seinen alten Posten. Insoweit zu den &#8222;Linken&#8220; zu rechnen, vertrat er andererseits gesellschaftspolitisch eine sehr zur\u00fcckhaltende Linie. Sie wurde 1955 und 1957 \u00f6ffentlich bekannt, existierte mit Sicherheit aber bereits vorher. Gegen\u00fcber den Forderungen, unverz\u00fcglich zum Kommunismus \u00fcberzugehen, erkl\u00e4rte er, dass in der Sowjetunion noch nicht einmal<i> <\/i>die sozialistische Gesellschaft existiere, sondern erst ihre <i>Grundlagen<\/i> errichtet seien, d.h. das &#8222;Fundament&#8220; der sozialistischen Gesellschaft.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\">51<\/a><\/sup> Welche politischen Schlussfolgerungen sich damit verkn\u00fcpften, ist nicht klar. Entscheidend ist, dass er keine gesellschaftliche Kraft repr\u00e4sentierte. &#8222;Molotow, so angesehen und bekannt er war, verf\u00fcgte n\u00e4mlich \u00fcber keinen Machtapparat innerhalb der UdSSR. Er leitete nur das Au\u00dfenministerium und die T\u00e4tigkeit der sowjetischen Botschaften.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\">52<\/a><\/sup><\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"center\"><b>III. Die Niederlage der &#8222;Rechten&#8220;<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">Durch die Leningrader Aff\u00e4re war der linke Parteifl\u00fcgel nur zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, aber nicht vernichtet worden. Wechsel in der F\u00fchrung des Staatssicherheitsministeriums, die sog. &#8222;\u00c4rzte-Aff\u00e4re&#8220;, mit der &#8222;die Verfolger der Shdanow-Gruppe getroffen werden&#8220; sollten,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\">53<\/a><\/sup> und die &#8222;Ingrelische Aff\u00e4re&#8220; zeigten den Fortgang der innerparteilichen K\u00e4mpfe an. 1952 trieb die deutsche Frage die Widerspr\u00fcche einer Entscheidung zu.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>1. Die milit\u00e4rische L\u00f6sung der deutschen Frage<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Als die USA darangingen, zur Sicherung ihrer Hegemonie \u00fcber Westeuropa ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis unter Teilnahme der Bundesrepublik Deutschland zu schlie\u00dfen (gegen das Angebot der Halbsouver\u00e4nit\u00e4t), machte die sowjetische Regierung unter Stalin im M\u00e4rz 1952 den Vorschlag, unter der Bedingung der Neutralit\u00e4t ein vollst\u00e4ndig souver\u00e4nes, einheitliches Gesamtdeutschland herzustellen und freie Wahlen abhalten zu lassen. Da dies das Ende ihrer Sozialismuspl\u00e4ne bedeutet h\u00e4tte, lie\u00df die SED-F\u00fchrung daraufhin im Juli 1952 den Aufbau des Sozialismus in der DDR beschlie\u00dfen. Dabei erhielt sie Unterst\u00fctzung von einer Mehrheit des Politb\u00fcros der KPdSU.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\">54<\/a><\/sup> Das war m\u00f6glicherweise der Anlass f\u00fcr Stalin, der Einberufung des 19.Parteitags im Oktober 1952 zuzustimmen, auf dem das Politb\u00fcro durch ein vielk\u00f6pfiges Pr\u00e4sidium ersetzt wurde, das wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe faktisch handlungsunf\u00e4hig war. Auf dem Boden des augenscheinlich geschlossenen Kompromisses wurde im Gegenzug der Posten des Generalsekret\u00e4rs abgeschafft, Stalin behielt aber sein pers\u00f6nliches B\u00fcro bei. Es waren also die Weichen f\u00fcr den Kampf um die Herausbildung einer neuen F\u00fchrung gestellt.<\/p>\n<p class=\"western\">Stalins Tod am 5. M\u00e4rz 1953 ver\u00e4nderte die Konstellationen grundlegend. Unmittelbar darauf wurde das ZK-Pr\u00e4sidium auf 10 Personen verringert, was anstelle der Herausbildung einer <i>neuen<\/i> F\u00fchrung auf einen Kampf um die Macht innerhalb der <i>alten<\/i> F\u00fchrung &#8211; ohne Stalin &#8211; hinauslief. \u00dcber die Machtverteilung schlossen die verbliebenen Pr\u00e4sidiumsmitglieder einen vor\u00fcbergehenden Kompromiss: Malenkow verzichtete auf den Posten eines Parteisekret\u00e4rs und wurde Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR, trat also an die Spitze des <i>Staats<\/i>. Chruschtschow erhielt den Vorrang in der <i>Partei<\/i>, indem er als einziges Pr\u00e4diumsmitglied zugleich Parteisekret\u00e4r wurde (alle anderen ZK-Sekret\u00e4re waren einfache Mitglieder des ZK). Molotow l\u00f6ste Wyschinski als Au\u00dfenminister ab, und f\u00fcr Berija wurde das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit mit dem Innenministerium zu einer einzigen Beh\u00f6rde zusammengeschlossen.<\/p>\n<p class=\"western\">Offenbar versuchte Berija anschlie\u00dfend, die ganze Macht an sich zu nehmen. Er trat ebenfalls gegen den Aufbau des Sozialismus in der DDR und f\u00fcr die deutsche Einheit ein. Bekannt ist weiterhin, dass er in der Nationalit\u00e4ten- und Agrarpolitik eigene Vorstellungen hatte. Sein Griff zur Macht lie\u00df Chruschtschow und Malenkow, die von ihm gleicherma\u00dfen bedroht wurden, vor\u00fcbergehend zusammenarbeiten. Die deutsche Frage brachte die Entscheidung. Als die ostdeutsche Arbeiterschaft Mitte Juni 1953 gegen die ihr zwecks Aufbau des Sozialismus auferlegten Normerh\u00f6hungen auf die Stra\u00dfe ging, wollte Berija die Krise ohne Einsatz der Armee durch Einsetzung einer neuen Regierung in Ostberlin mit b\u00fcrgerlicher Spitze l\u00f6sen und die deutsche Wiedervereinigung zulassen. Die Armee hatte in dieser Situation doppelten Grund, gegen Berija vorzugehen. Sie musste sowohl den Verlust ihrer vorgeschobenen milit\u00e4rischen Bastion in Ostdeutschland f\u00fcrchten als auch ihre innenpolitische Schw\u00e4chung durch den st\u00e4rker gewordenen und eigene Truppen kommandierenden Innenminister. &#8222;\u00c4u\u00dferst wichtig war auch, dass Chruschtschow damals die volle Unterst\u00fctzung N.Bulganins und seines Stellvertreters G.Shukow genoss, denn die Armee spielt in unsicheren Zeiten oder in einer Krise gew\u00f6hnlich eine entscheidende Rolle. (&#8230;) Es handelte sich um die erste politische F\u00fchrungskrise, bei der die Armee eine entscheidende Rolle spielte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\">55<\/a><\/sup> Das Milit\u00e4r lie\u00df Panzer rollen, und am 26.Juni wurde Berija verhaftet.<\/p>\n<p class=\"western\">Anfang Juli 1953 fand aus Anlass des &#8222;Falls Berija&#8220; das erste Plenum des ZK der KPdSU seit Jahren statt. Neben dem Vorwurf der Machtergreifung und des Nationalismus wurde Berija entgegengehalten, er habe die DDR dem Imperialismus ausliefern wollen. Die Stimmung des durchschnittlichen Parteimitglieds gab das ZK-Mitglied Sawenjagin wieder: &#8222;Den einfachen Parteimitgliedern und Funktion\u00e4ren war unverst\u00e4ndlich, wie man sich auf den Gedanken an eine Vereinigung von West- und Ostdeutschland \u00fcberhaupt einlassen konnte. Dies w\u00fcrde bedeuten, 18 Millionen Menschen und die Deutsche Demokratische Republik den bourgeoisen Machthabern auszuliefern.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\">56<\/a><\/sup> Die Mehrheit der Parteimitglieder d\u00fcrfte so wie Sawenjagin gedacht haben. Dass damit indirekt auch die Stalinsche Politik abgemacht wurde, sprach niemand offen aus. Vor dem Hintergrund der Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im ZK muss auch Malenkows Auftreten gesehen werden. Entgegen der von ihm bef\u00fcrworteten Au\u00dfenpolitik stimmte er auf der ZK-Sitzung in den Chor der W\u00f6lfe ein und warf Berija den &#8222;Kurs auf ein b\u00fcrgerliches Deutschland&#8220; vor.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\">57<\/a><\/sup> Seine Charakterlosigkeit zahlte sich indes nicht aus. Als er einige Jahre sp\u00e4ter selber gest\u00fcrzt wurde, lautete einer der Kritikpunkte, er habe seinerzeit mit Berija gemeinsame Sache gegen den Sozialismus in der DDR gemacht, wie Chruschtschow 1963 \u00f6ffentlich mitteilte.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\">58<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Die Missachtung der Rolle der Partei war ein weiterer Anklagepunkt gegen Berija. Chruschtschow warf ihm die Auffassung vor, &#8222;dass die Partei in den Hintergrund treten m\u00fcsse&#8220;, und zitierte seine Aussage, das ZK solle sich nicht mit der gro\u00dfen Politik, sondern &#8222;lieber mit den Kadern und der Propaganda&#8220; besch\u00e4ftigen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\">59<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>2. Das Scheitern des &#8222;neuen Kurses&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Am 8.August 1953 verk\u00fcndete Malenkow als Ministerpr\u00e4sident einen &#8222;neuen Kurs&#8220; in der Wirtschaftspolitik. Die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr die wichtigsten Agrarprodukte wurden erh\u00f6ht, die Normen f\u00fcr den Pflichtverkauf von Naturalien aus der privaten Hofwirtschaft gesenkt, alle alten Steuerschulden, die im Zusammenhang mit der Privatwirtschaft entstanden waren, gestrichen, und die k\u00fcnftigen Steuers\u00e4tze f\u00fcr die Privatnutzung des Hoflands halbiert. &#8222;Den gr\u00f6\u00dften Eindruck auf die Landbev\u00f6lkerung machte jedoch die Mitteilung Malenkows, dass die irrige und sch\u00e4dliche Einstellung zur Privatwirtschaft von Kolchosbauern und Sowchosangeh\u00f6rigen korrigiert werden m\u00fcsse. (&#8230;) Diese Reformen, so bescheiden sie waren, machten Malenkow auf lange Zeit hinaus bei der Landbev\u00f6lkerung beliebt.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\">60<\/a><\/sup> Um den Bauern gen\u00fcgend Waren als Pendant zu ihren steigenden Eink\u00fcnften anzubieten, verk\u00fcndete Malenkow den Vorrang der Leichtindustrie &#8211; im Widerspruch zum k\u00fcrzlich verabschiedeten F\u00fcnfjahrplan, der die Fortsetzung des schwerpunktm\u00e4\u00dfigen Aufbaus der Schwerindustrie vorsah.<\/p>\n<p class=\"western\">Im September 1953 billigte das ZK der KPdSU auf einer neuerlichen Plenumssitzung die Regierungsbeschl\u00fcsse, was dem Anschein nach die inhaltliche Identit\u00e4t der Auffassungen ausdr\u00fcckte (und wie vieles andere das Verst\u00e4ndnis des Linienkampfs ungemein erschwert). Einerseits entsprach dies dem Kompromiss zwischen Malenkow und Chruschtschow: jeder respektierte vorl\u00e4ufig die Hoheit des anderen auf seinem Gebiet, Regierung und Partei. Dar\u00fcber hinaus aber meldete die Partei damit ihren neuerlichen Machtanspruch an. In den Jahren zuvor war sie bei der Verk\u00fcndung von Gesetzen, Verordnungen oder Regierungsbeschl\u00fcssen erst an zweiter Stelle, nach der Regierung, und teilweise auch gar nicht mehr erw\u00e4hnt worden. Mit der formalen &#8222;Billigung&#8220; der Regierungspolitik verk\u00fcndete sie nun ihre Absicht, k\u00fcnftig wieder den Vorrang einzunehmen.<\/p>\n<p class=\"western\">Dass die &#8222;Linken&#8220; ansonsten eine g\u00e4nzlich andere Wirtschaftspolitik als Malenkow verfolgten, zeigte der gleichzeitige ZK-Beschluss zur Neulandgewinnung in Sibirien und vor allem Asien (Kasachstan). Pl\u00e4ne daf\u00fcr waren schon unter Stalin ausgearbeitet worden, aber wegen der bef\u00fcrchteten Bodenerosion und der nationalen Problematik (Ansiedlung von Ukrainern und Russen im asiatischen Kasachstan) in erheblich bescheidenerem Umfang. Mit dem Neulandprogramm schmiedeten die Linken jetzt eine durchschlagende Angriffswaffe gegen die Regierungspolitik. Erstens wurden auf dem Neuland haupts\u00e4chlich Sowchosen (Staatsbetriebe) eingerichtet. Je gr\u00f6\u00dfer die Menge des von ihnen eingebrachten Getreides wurde, desto geringer wurde die Bedeutung des Kolchos auf dem &#8222;Altland&#8220;. Zweitens bedingte die Neulanderschlie\u00dfung die massenhafte Bereitstellung neuer Agrarmaschinerie und damit den weiteren Vorrang der Produktionsmittelerzeugung (wie auch von Stalin gefordert, der damit aber die MTS des <i>Kolchos<\/i> beliefern wollte). Die Neulandgewinnung stand also der Regierungspolitik der Umstellung auf die Leichtindustrie und der F\u00f6rderung des Kolchos in jeder Hinsicht diametral entgegen. Im Parteipr\u00e4sidium hatte Chruschtschow mit seinem Vorschlag, Neu- und Brachland zu erschlie\u00dfen, keine Mehrheit bekommen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\">61<\/a><\/sup> Daraufhin lie\u00df er das Programm vom ZK verabschieden, das der eigenen Partei- und vor allem Staatsf\u00fchrung damit den Kampf ansagte.<\/p>\n<p class=\"western\">Auf dem Septemberplenum 1953 f\u00fchrte das ZK wieder den Posten eines &#8222;Ersten Sekret\u00e4rs&#8220; ein (anstelle von &#8222;Generalsekret\u00e4r&#8220;) und w\u00e4hlte Chruschtschow in diese Funktion. Er hatte sich schon immer &#8222;eifrig f\u00fcr die im Leningrader Prozess liquidierten Shdanow-Anh\u00e4nger eingesetzt&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\">62<\/a><\/sup> und machte als erstes die &#8222;Leningrader Aff\u00e4re&#8220; r\u00fcckg\u00e4ngig. Er lie\u00df den ersten Sekret\u00e4r des Leningrader Gebietsparteikomitees auswechseln und zweitausend hohe Funktion\u00e4re rehabilitieren. Abakumow, der seinerzeit als Sicherheitsminister (von 1947-1951) die S\u00e4uberungen in Leningrad vorgenommen hatte, wurde hingerichtet.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\">63<\/a><\/sup> Au\u00dferdem tauschte Chruschtschow die Parteif\u00fchrung in Moskau aus, die bis dahin von einem Anh\u00e4nger Malenkows geleitet wurde.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\">64<\/a><\/sup> Die beiden wichtigsten Parteiorganisationen befanden sich somit wieder in den H\u00e4nden der &#8222;Linken&#8220;.<\/p>\n<p class=\"western\">Au\u00dferdem wurden im Herbst 1953 die lokalen Instanzen des Landwirtschaftsministeriums aufgel\u00f6st. Die Aufsicht \u00fcber die MTS und die Kolchosbauern lag von nun an bei den \u00f6rtlichen Parteiorganisationen, &#8222;die umso mehr Ursache hatten, der K\u00fcr des \u00fcberraschenden Bewerbers um Stalins Nachfolge (Chruschtschow; H.K.) zuzustimmen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\">65<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Nach Berijas Sturz wurden Staatssicherheit und Innenministerium wieder voneinander getrennt. &#8222;Die Beseitigung der allm\u00e4chtigen Spitze des Innenministeriums bedeutete, dass das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und die \u00f6rtlichen Parteiorgane wieder an Einfluss gewonnen hatten.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\">66<\/a><\/sup> Die Leitung der Staatssicherheit \u00fcbernahm ein Gefolgsmann Chruschtschows. Zugleich wurde beiden Ministerien die Befugnis zur Vollstreckung von Strafen entzogen und sie auf die Durchf\u00fchrung von Ermittlungen beschr\u00e4nkt: das Innenministerium f\u00fcr &#8222;normale&#8220; Kriminalit\u00e4t; das KGB f\u00fcr politische Vergehen. Im Zuge der &#8222;gro\u00dfen S\u00e4uberung&#8220; war die Staatsanwaltschaft den NKWD-Organen unterstellt worden; diese Unterstellung wurde aufgehoben und die Vollstreckung von Strafen ausschlie\u00dflich den Staatsanwaltschaften zugeordnet.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\">67<\/a><\/sup> Da der Generalstaatsanwalt der UdSSR aber dem ZK der KPdSU verantwortlich war, bedeutete dies, dass die Partei die Organe, mit deren Hilfe sie seit den 30er Jahren in Schach gehalten worden war, sich wieder untergeordnet bzw. sie neutralisiert hatte.<\/p>\n<p class=\"western\">In weniger als einem Jahr nach Stalins Tod hatte der linke Parteifl\u00fcgel somit an mehreren Fronten gesiegt. <i>Au\u00dfenpolitisch <\/i>war mit der Zementierung der deutschen Spaltung die Zwei-Lager-Politik verankert worden. <i>Innenpolitisch<\/i> war es gelungen, Geheimdienst und Innenministerium wieder unter die Kontrolle der Partei zu bringen. <i>Parteipolitisch<\/i> waren die Anh\u00e4nger Malenkows in den wichtigsten Parteiorganisationen entmachtet und durch &#8222;Linke&#8220; ersetzt worden. Dar\u00fcber hinaus hatte Chruschtschow &#8222;nicht nur den Parteiapparat in der Hand. Die Armee, die er zur Liquidierung Berijas benutzt hatte, stand ebenfalls hinter ihm.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\">68<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Die Neulandaktion entfaltete eine enorme Schubkraft, denn die Aufrufe zur Neulandgewinnung trafen auf eine gewaltige gesellschaftliche Massenbewegung. In den 30er Jahren hatte die vorangegangene Generation gegen den Rat der Fachleute und den Widerstand der &#8222;Rechten&#8220; die Industrialisierung und Kollektivierung siegreich durchgef\u00fchrt, um den <i>Sozialismus<\/i> aufzubauen. Jetzt brach eine neue Generation, wiederum gegen dieselben Bedenkentr\u00e4ger, in den <i>Kommunismus<\/i> auf. Mobilisiert durch den Komsomol str\u00f6mten Hunderttausende von Angeh\u00f6rigen der Jugend nach Sibirien und in die Steppengebiete Kasachstans, um auf dem \u00d6dland unter gr\u00f6\u00dften Entbehrungen gigantische Sowchosen als St\u00fctzpunkte der kommunistischen Zukunft zu errichten. Das l\u00e4utete das Ende des &#8222;neuen Kurses&#8220; ein. &#8222;Da es auf lange Sicht nicht m\u00f6glich war, beide Programme gleichzeitig zu verwirklichen, musste sich \u00fcber kurz oder lang entscheiden, welches von beiden Priorit\u00e4t besa\u00df. (&#8230;) Da der Parteiapparat uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr die Neuland-Kampagne eintrat, gro\u00dfe Teile des Staats- und Wirtschaftsapparates aber nach wie vor die Fortsetzung des Neuen Kurses forderten, war diese Auseinandersetzung inzwischen zu einem Machtkampf der verschiedenen Apparate geworden, der sich in der Stellung Malenkows und Chruschtschows personifizierte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\">69<\/a><\/sup> Obwohl die Regierung die Lieferung von Agrarmaschinerie hinausz\u00f6gerte, trug der jungfr\u00e4uliche Boden nach einem Jahr die erste Ernte.<\/p>\n<p class=\"western\">Getragen von den Erfolgen der Neulandbewegung konnte der &#8222;linke&#8220; Parteifl\u00fcgel die Rechten immer weiter zur\u00fcckdr\u00e4ngen Anfang 1955 attackierte Chruschtschow Malenkow wegen der F\u00f6rderung der Leichtindustrie als &#8222;Rechtsabweichler&#8220; auf den Spuren Bucharins. Mit der Forderung nach dem unbedingten Vorrang der Schwerindustrie brachte er auch &#8222;die Milit\u00e4rs auf seine Seite, die eine Herabsetzung der R\u00fcstungsproduktion bef\u00fcrchteten, und das erwies sich als entscheidend&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\">70<\/a><\/sup> Am 8.Februar 1955 musste Malenkow als Regierungschef zugungsten von Bulganin zur\u00fccktreten. Die Bauernschaft verlor ihre Haupst\u00fctze in der Regierung und der &#8222;Neue Kurs&#8220; war zu Ende. Der Sieg der &#8222;Linken&#8220; war indes nicht vollst\u00e4ndig, denn Malenkow verblieb sowohl im Parteipr\u00e4sidium als auch &#8211; als Minister f\u00fcr Kraftwerke und stellvertretender Ministerpr\u00e4sident &#8211; in der Regierung.<\/p>\n<p class=\"western\">Weil der Wirtschaftsapparat immer noch relativ selbst\u00e4ndig war und eine andere Politik verfolgte, schlug Chruschtschow im Fr\u00fchjahr 1957 vor, die zentrale Wirtschaftsverwaltung zugunsten regionaler &#8222;Volkswirtschaftsr\u00e4te&#8220; aufzul\u00f6sen. Ziel war, &#8222;die Wirtschaftsreform den H\u00e4nden der Wirtschaftsf\u00fchrer zu entwinden und sie der Leitung und Kontrolle der Partei zu unterstellen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\">71<\/a><\/sup> Vom Parteipr\u00e4sidium und der Regierung abgelehnt, lie\u00df er seine Politik wiederum vom ZK-Plenum billigen. &#8222;Die Idee von Volkswirtschaftsr\u00e4ten, die den Ministern wenig zusagte, schien den Gebietskomitee- und den ZK-Sekret\u00e4ren der nationalen Kommunistischen Parteien sehr vielversprechend, denn sie w\u00fcrde ihnen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Industrie ihres Gebiets oder ihrer Republik verschaffen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\">72<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Ob es die Furcht vor einem Auseinanderfallen des Staates durch die Regionalisierung oder ein anderer Grund war &#8211; jetzt verb\u00fcndeten sich von Malenkow \u00fcber Kaganowitsch bis Molotow alle Gegner Chruschtschows, um ihn zu entmachten. Ein gemeinsames Programm ist nicht bekannt; seine Erstellung d\u00fcrfte auch schwergefallen sein, da die pl\u00f6tzlichen Verb\u00fcndeten unterschiedliche Richtungen vertraten. Ende Juni 1957 beschloss die Mehrheit des ZK-Pr\u00e4sidiums die Absetzung Chruschtschows als Erster Parteisekret\u00e4r. Aber es erwies sich als &#8222;unm\u00f6glich, den Krisenplan in Gang zu setzen, das hei\u00dft Chruschtschow verhaften zu lassen, da die Armee (in Gestalt von Shukow) und das KGB (in Gestalt von Serow) weiterhin loyal hinter Chruschtschow standen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\">73<\/a><\/sup> W\u00e4hrend Chruschtschow sich weigerte zur\u00fcckzutreten, da er als Erster Sekret\u00e4r vom ZK und nicht vom Pr\u00e4sidium gew\u00e4hlt sei, organisierten seine Gefolgsleute mit Hilfe der Armee durch die Bereitstellung von Milit\u00e4rflugzeugen eine au\u00dferordentliche Zusammenkunft des ZK, auf der die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit ihn unterst\u00fctzte. Die Frondeure wurden aus dem ZK ausgeschlossen, und an ihre Stelle r\u00fcckten Anh\u00e4nger Chruschtschows. &#8222;Die Auseinandersetzungen auf dem Juli-Plenum brachten einen eindeutigen Sieg der &#8218;Einheitsfront&#8216; von Partei, Armee und unteren Wirtschafts- und Staatsfunktion\u00e4ren \u00fcber die Prostalinisten und die zentrale Wirtschaftsf\u00fchrung.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\">74<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Ein drohendes Aufbegehren der Kolchosbauernschaft wegen des endg\u00fcltigen Sturzes Malenkows wurde im Vorfeld durch den Beschluss abgewehrt, dass k\u00fcnftig alle Erzeugnisse aus der Hoflandwirtschaft frei verkauft werden konnten, sei es an den Staat oder auf den Kolchosm\u00e4rkten. Scheinbar betrieb die neue F\u00fchrung also weiterhin eine prob\u00e4uerliche Politik. In Wirklichkeit war dieser Beschluss, wie Leonhard berichtet, eine Konzession zur Beruhigung der Bauernschaft, &#8222;denn vor allem die Bauern verbanden mit dem Namen Malenkows den Neuen Kurs, der ihnen erhebliche Erleichterungen gebracht hatte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\">75<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Wenige Monate sp\u00e4ter musste auch Schukow, nach dem 20.Parteitag zum Verteidigungsminister ernannt, unter dem Vorwurf des &#8222;Bonapartismus&#8220; seinen Hut nehmen. Er hatte versucht, den Einfluss der Partei in der Armee auszuschalten, indem er die Parteiorganisation der jeweiligen Ebene dem milit\u00e4rischen Befehlshaber unterstellte.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\">76<\/a><\/sup> Mit ihm verlor offenbar nicht nur der nationalrussische Fl\u00fcgel, sondern vor\u00fcbergehend die Armee insgesamt an Einfluss, so dass eine gr\u00f6\u00dfere au\u00dfenpolitische Beweglichkeit gegen\u00fcber dem Westen m\u00f6glich wurde. Am 27.M\u00e4rz 1958 trat auch Bulganin zur\u00fcck, und Chruschtschow \u00fcbernahm als Erster Sekret\u00e4r der KPdSU zugleich den Ministerratsvorsitz.<\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"center\"><b>IV. Der verlorene Kampf um den Kommunismus<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">Mit der \u00dcbernahme der Regierungsgewalt in zwei Stufen (1955 und 1957) konnten die &#8222;Linken&#8220; an die Realisierung ihres Versprechens gehen, schnellstm\u00f6glich den Kommunismus zu erreichen, in dem jeder nicht mehr &#8222;nach seiner Leistung&#8220;, sondern &#8222;nach seinen Bed\u00fcrfnissen&#8220; an den Erzeugnissen der Gesellschaft teilhaben sollte. Diese Politik war nur wenige Jahre durchzuhalten, dann scheiterte sie an den wirtschaftlichen Realit\u00e4ten, und zwar auf demselben 22.Parteitag, der den nahen Sieg des Kommunismus verk\u00fcndete.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>1. Eine st\u00e4ndische Arbeiterpolitik<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Schon mit der Abl\u00f6sung Malenkows vom Regierungsvorsitz 1955 fand in der Arbeiterpolitik ein grundlegender Richtungswechsel statt. Die Arbeitszeit wurde verk\u00fcrzt und das Zwangsregime der Arbeit beendet. Obwohl viele Arbeiter weiterhin an hohen Festtagen, zur Saat- und Erntezeit in ihre Heimatd\u00f6rfer zur\u00fcckkehrten und Trunkenheit und Bummelei am Arbeitsplatz weit verbreitet waren, wurden die staatlichen Strafen beim Zusp\u00e4tkommen in der Fabrik und das Verbot des Arbeitsplatzwechsels ohne beh\u00f6rdliche Erlaubnis aufgehoben. Bis dahin waren die Betriebsleitungen nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet gewesen, einen Arbeiter bei unentschuldigtem Fernbleiben von 1 Tag zu k\u00fcndigen, was den Verlust aller an den Arbeitsplatz gebundenen Privilegien (z.B. der Wohnung) zur Folge hatte. Diese K\u00fcndigungs<i>pflicht<\/i> wurde aufgehoben und in ein <i>Recht <\/i>umgewandelt. Gleichzeitig erhielten die Gewerkschaften eine neue Machtstellung. Waren die Betriebsleitungen bis dahin alleinverantwortlich f\u00fcr die Organisierung der Produktion gewesen, mussten sie jetzt gemeinsam mit Vertretern der Gewerkschaft &#8222;st\u00e4ndige Produktionsberatungen&#8220; durchf\u00fchren. Auch bei K\u00fcndigungen musste die Gewerkschaft k\u00fcnftig zustimmen. Die Folge war die faktische Unk\u00fcndbarkeit der Besch\u00e4ftigten. Nach einer Umfrage Anfang der 80er Jahre in fast 800 Betrieben der Moskauer Region verlie\u00dfen drei Viertel aller Arbeiterinnnen und Arbeiter regelm\u00e4\u00dfig ihren Arbeitsplatz, um private Dinge zu erledigen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\">77<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Das 1933 aufgel\u00f6ste Volkskommissariat f\u00fcr Arbeit wurde 1955 als Staatskomitee f\u00fcr Arbeit und L\u00f6hne neu gegr\u00fcndet, in dem die Gewerkschaften Sitz und Stimme hatten. Vorher hatten die einzelnen Betriebe gro\u00dfe Freiheit bei der Festsetzung der Lohnh\u00f6he gehabt, jetzt war es Aufgabe des neuen Staatskomitees, f\u00fcr alle Branchen und Betriebe verbindliche Richtwerte festzulegen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\">78<\/a><\/sup> Die Sto\u00dfarbeiterbewegung wurde eingestellt, mit ihr ging die Akkordarbeit zur\u00fcck, Zeitl\u00f6hne nahmen zu, an die Stelle individueller St\u00fcckl\u00f6hne r\u00fcckten die zuvor kritisierten Gruppenpr\u00e4mien, die L\u00f6hne wurden nivelliert. W\u00e4hrend die mittleren und insbesondere unteren Einkommen angehoben wurden, stiegen &#8222;die h\u00f6heren Einkommen &#8230; in dieser Zeit (von 1957 bis 1965; H.K.) langsam oder gar nicht, gleichzeitig verringerte man die individuelle Akkordarbeit, beseitigte die extremeren Formen &#8218;progressiver&#8216; Akkords\u00e4tze und passte die Pr\u00e4mien der Manager nach unten an.&#8220; Die Unterschiede zwischen den Effektivl\u00f6hnen der Arbeiter schrumpften auf h\u00f6chstens 1 : 1,9 (im Bergbau) zusammen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\">79<\/a><\/sup> Am Ende der Chruschtschow-\u00c4ra war der &#8222;Unterschied zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern &#8230; deutlich geringer als in den drei\u00dfiger Jahren.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote80sym\" name=\"sdfootnote80anc\">80<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Zwischen den Branchen fand allerdings keine Einebnung statt. &#8222;Die h\u00f6chsten L\u00f6hne wurden sowohl 1955 als auch zwanzig Jahre sp\u00e4ter im Bergbau, gefolgt von der Metallverarbeitung, gezahlt.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote81sym\" name=\"sdfootnote81anc\">81<\/a><\/sup> In anderen Branchen erhielten die Arbeiter weniger als die H\u00e4lfte, h\u00e4ufig nicht einmal ein Drittel der L\u00f6hne in der Schwerindustrie. Das Schlusslicht bildete die Nahrungsmittel- und Bekleidungsindustrie, in der haupts\u00e4chlich Frauen arbeiteten. Aufschlussreich ist auch das Lohnverh\u00e4ltnis zwischen Angestellten und Arbeitern. In den 30er Jahren hatte das Einkommen von B\u00fcro- und Verwaltungsangestellten im Durchschnitt leicht \u00fcber dem von Arbeitern gelegen (ca. 36 Rubel zu 32 Rubeln monatlich im Jahr 1940). 1978 lagen diese Zahlen bei etwa 143 Rubeln (Angestellte) zu 176 Rubeln (Arbeiter). &#8222;Die Zahlen zeigen, dass die Gruppe der Arbeiter relativ gewonnen hat. (&#8230;) Die Kategorie der Angestellten hat besonders stark an Boden verloren&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote82sym\" name=\"sdfootnote82anc\">82<\/a><\/sup> Auch Universit\u00e4tspersonal, Lehrer- und \u00c4rzteschaft sowie j\u00fcngere Ingenieure begannen, weniger als der Durchschnitt der Arbeiter zu verdienen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote83sym\" name=\"sdfootnote83anc\">83<\/a><\/sup> &#8222;Den steilsten Abstieg aber erlebten die Lehrer und sonstigen &#8218;Kultur&#8216;-Angestellten. Zollte ihnen Stalin auch materiell Anerkennung, als einer unentbehrlichen Funktionsgruppe f\u00fcr die Vermittlung grundlegender Qualifikationen&#8220;,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote84sym\" name=\"sdfootnote84anc\">84<\/a><\/sup> so fielen sie jetzt weit zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"western\">Gleichzeitig nahm die Betriebsversorgung zu. In den 70er Jahren standen bereits \u00fcber 50% der gesamten Wohnfl\u00e4che in betrieblicher Verf\u00fcgung, und neben Wohnungen wurden mehr und mehr Lebensmittel und industrielle Konsumg\u00fcter \u00fcber die Fabriken verteilt. Der Betrieb bzw. die Branche wurde zur &#8222;Basis der Privilegierung und st\u00e4ndischen Differenzierung zwischen Arbeitern&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote85sym\" name=\"sdfootnote85anc\">85<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Mit der neuen Arbeiterpolitik machte die Masse der unentwickelten Arbeiterschaft, insbesondere die Arbeiterschaft der privilegierten Schwerindustrie, ihre Sonderinteressen gegen\u00fcber der Gesellschaft geltend. Was als Vorschein des Kommunismus in den Fabriken daherkam, ersetzte die alte b\u00e4uerliche durch eine neue proletarische Gleichmacherei, lange bevor die Entwicklung des Arbeitsverm\u00f6gens das erlaubt h\u00e4tte. Die neue Arbeiterpolitik lie\u00df den Anreiz zur Qualifizierung der eigenen Arbeitskraft und zur Leistungssteigerung einschlafen, leistete Bummelantentum und Unverantwortlichkeit Vorschub und brachte das Wachstum der Produktivkr\u00e4fte zum Erliegen. Statt als f\u00fchrende Klasse die Unterschiede zur Bauernschaft und Intelligenz zu beseitigen, verfocht die Arbeiterschaft ihre Sonderinteressen, und statt sich selber als Klasse aufzuheben, realisierte sie in den eigenen Reihen eine st\u00e4ndische Aufspaltung zwischen den verschiedenen Branchen, zwischen Schwer- und Leichtindustrie, zwischen M\u00e4nnern und Frauen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>2. Die Verstaatlichung des Kolchos<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">In der Agrarpolitik f\u00e4llt es besonders schwer, zu unterscheiden, was beabsichtigte Zielsetzung, was unumg\u00e4nglicher Kompromiss und was ungewollte Wirkung einer verfehlten Politik war. Nicht nur die soeben erw\u00e4hnte Freigabe der Hoflanderzeugnisse beim Sturz Malenkows, sondern vor allem die am 31.M\u00e4rz 1958, wenige Tage nach Chruschtschows Regierungs\u00fcbernahme, verk\u00fcndete Aufl\u00f6sung der Maschinen-Traktor-Stationen erschwert die Erkenntnis der Dinge. Haupts\u00e4chlich diese Frage hat auch den Autor irregef\u00fchrt und zur fr\u00fcheren Fehleinsch\u00e4tzung Chruschtschows veranlasst, denn hier fielen Ursache und Wirkung, Wesen und Erscheinung der Politik nicht allein auseinander, sondern standen in direktem Gegensatz zueinander.<\/p>\n<p class=\"western\">Wer gegen den Kolchos vorgehen wollte, musste dies unter den Bedingungen von 1958 tun, d.h. nach dem &#8222;Neuen Kurs&#8220; einer mehrj\u00e4hrigen Agrarpolitik, die die Stellung der Kolchosbauernschaft gefestigt hatte. Das ging nur durch einen indirekten Angriff. Scheinbar diente die \u00dcbernahme der Agrarmaschinerie der St\u00e4rkung des Kolchos (und wurde h\u00e4ufig mit dessen Weiterentwicklung begr\u00fcndet, die ihn bef\u00e4higen sollte, die vorher vom Staat geleisteten Aufgaben selber zu \u00fcbernehmen). In Wirklichkeit zielte Chruschtschow damit auf die Verstaatlichung der Produktionsgenossenschaften. Der Haupthebel dazu waren die Finanzen.<\/p>\n<p class=\"western\">Zusammen mit der MTS-Aufl\u00f6sung wurde den Kolchosen die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, zum Staatsbetrieb zu werden. Bis dahin waren sie <i>gezwungen<\/i> gewesen, auf eigene Rechnung zu wirtschaften, ob sie wollten oder nicht. Es gab aber mehr als genug arme, unproduktive Kolchosen, deren Mitglieder nur darauf warteten, vom Staat \u00fcbernommen zu werden. Die Verstaatlichung lie\u00df die Schulden des Kolchos bei den Staatsbanken verschwinden; man brauchte keine neuen Kredite aufzunehmen, um die MTS-Maschinerie zu kaufen; und als staatlicher Landarbeiter erhielt man einen festen Monatslohn (einschlie\u00dflich Altersrente), der zwar unter dem Lohn der Fabrikarbeiter, aber \u00fcber dem bisherigen, unsicheren Einkommen lag. Au\u00dferdem durfte man sein Hofland behalten, konnte also weiterhin private Zusatzeink\u00fcnfte erzielen.<\/p>\n<p class=\"western\">Auf der anderen Seite wurden die wohlhabenderen Kolchosen, die von der Verstaatlichung keine Vorteile zu erwarten hatten, in die Zange genommen. Sie mussten die Maschinen zu neuen Preisen kaufen, die weit \u00fcber den Verrechnungspreisen lagen, zu denen die staatlichen MTS die Maschinen erhalten hatten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote86sym\" name=\"sdfootnote86anc\">86<\/a><\/sup> Dadurch flossen erhebliche Mittel aus den Kolchoskassen in die Staatskassen und wurden sogleich f\u00fcr Investitionen auf dem Neuland eingesetzt.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote87sym\" name=\"sdfootnote87anc\">87<\/a><\/sup> Die Kolchosen, die die Maschinerie nicht (vollst\u00e4ndig) aus R\u00fccklagen bezahlen konnten und keine Sowchosen werden wollten, mussten sich beim Staat verschulden. Im Jahr 1961 betrugen die durch den Ankauf der Landwirtschaftsmaschinen aufgelaufenen Schulden der Kolchosen bei den Staatsbanken mehr als zwei Milliarden Rubel.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote88sym\" name=\"sdfootnote88anc\">88<\/a><\/sup> Als weiteres Mittel zur Schw\u00e4chung des Kolchos lie\u00df Chruschtschow anstelle der unterschiedlichen Preise f\u00fcr Plan- und \u00dcberplanlieferungen einen einheitlichen Zwischenpreis festsetzen, der so berechnet war, dass die Genossenschaften dabei schlechter als vorher wegkamen. Die Ma\u00dfnahmen hatten zum Ergebnis, dass das Durchschnittseinkommen der Kolchosmitglieder in der Zeit von 1958 bis 1961 zur\u00fcckging<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote89sym\" name=\"sdfootnote89anc\">89<\/a><\/sup> &#8211; w\u00e4hrend gleichzeitig das Einkommen der Mitglieder der neuen Sowchosen stieg.<\/p>\n<p class=\"western\">Getreu seinen 1951 \u00f6ffentlich verk\u00fcndeten Zielen ging Chruschtschow auch gegen die Parzellenproduktion vor. 1959 wurde den Stadtbewohnern verboten, Vieh auf ihren Parzellen zu halten; sie mussten es verkaufen. Da ein solches direktes Vorgehen gegen die Kolchosbauern zu gef\u00e4hrlich war, wurde den Kolchosen und Sowchosen die Aufbereitung, Aufbewahrung oder der Verkauf von Futter an die Kleinwirtschaften untersagt bzw. eingeschr\u00e4nkt. Ohne zus\u00e4tzliches Futter konnte das Vieh aber nicht \u00fcber den Winter gebracht werden. Anstelle von 22 Millionen K\u00fchen im Jahre 1958 waren Ende 1962 nur noch 10 Millionen im Privatbesitz der Parzelleninhaber.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote90sym\" name=\"sdfootnote90anc\">90<\/a><\/sup> Als Ersatz f\u00fcr die Hoflandproduktion wurde die Umwandlung von stadtnahen Kolchosen in Sowchosen forciert, die sich auf die Produktion von Fleisch, Milch, Eiern etc. spezialisierten.<\/p>\n<p class=\"western\">Begleitet wurde die neue Politik von einer ideologischen &#8222;Kampagne gegen die &#8218;Tagediebe&#8216; in den Kolchosen und die &#8218;Spekulanten&#8216; auf den Kolchosm\u00e4rkten. Man versuchte der Bev\u00f6lkerung weiszumachen, alle Unstimmigkeiten und Lebensmittelengp\u00e4sse r\u00fchrten von der Faulheit der Kolchosbauern und den Machenschaften der Spekulanten auf den M\u00e4rkten her.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote91sym\" name=\"sdfootnote91anc\">91<\/a><\/sup> Die Zahl der Kolchosen ging rapide zur\u00fcck. Mehr als ein Viertel der Kolchosen des Jahres 1959 verwandelte sich in den f\u00fcnf Jahren bis zum Sturz Chruschtschows in Sowchosen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote92sym\" name=\"sdfootnote92anc\">92<\/a><\/sup> Die Umwandlung des Kolchos, die Malenkow gar nicht beabsichtigt hatte und Stalin nur allm\u00e4hlich angehen wollte, r\u00fcckte scheinbar in direkte Reichweite.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>3. Das Kommunismusprogramm des 22.Parteitags<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Ende der 50er Jahre war in Kasachstan ein neues Getreidezentrum entstanden, dessen Ernten die der Ukraine \u00fcberfl\u00fcgelten. 1958 schien der Erfolg des Sputnik die \u00dcberlegenheit des Sozialismus auch in Wissenschaft und Technik unter Beweis zu stellen. Die neue Technologie erm\u00f6glichte eine kosteng\u00fcnstige Umstellung der Armee auf Raketen und schuf zusammen mit der Entmachtung Schukows neue Spielr\u00e4ume, um die R\u00fcstungsausgaben zu beschr\u00e4nken und die Massenfabrikation von Privatautos, K\u00fchlschr\u00e4nken und anderen Konsumg\u00fctern aufzunehmen. Auf diesem Boden schien die Zeit gekommen, um den \u00dcbergang zum Kommunismus beschlie\u00dfen zu lassen. Auf dem 21.Parteitag Anfang 1959 propagierte Chruschtschow die Entstehung neuer Agrost\u00e4dte, verk\u00fcndete die absehbare Umwandlung des Kolchos in allgemeines Volkseigentum und schlussfolgerte, dass die UdSSR in die Periode des umfassenden kommunistischen Aufbaus eingetreten sei. Als Richtschnur f\u00fcr die neue Etapppe sollte ein neues Parteiprogramm erstellt werden, das dritte nach dem Programm der Machtergreifung von 1903 und dem Programm zum Aufbau des Sozialismus von 1918.<\/p>\n<p class=\"western\">Im Oktober 1961 verabschiedete der 22.Parteitag das Programm zum Aufbau des Kommunismus in der Sowjetunion. In den n\u00e4chsten zehn Jahren sollten die USA in der Produktion pro Kopf der Bev\u00f6lkerung \u00fcberfl\u00fcgelt werden und im darauffolgenden Jahrzehnt der \u00dcbergang zur Verteilung der G\u00fcter nach den Bed\u00fcrfnissen erfolgen. In diesem Zeitraum w\u00fcrde das Wohnproblem gel\u00f6st sein, k\u00f6nnten die Mieten wegfallen sowie Gas, Heizung, Verkehrsmittel und andere \u00f6ffentliche Leistungen kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Bis 1980 war der Kommunismus erreicht &#8211; so die Ank\u00fcndigung des neuen Programms. Gest\u00fctzt auf die \u00dcberflussproduktion des &#8222;Gulaschkommunismus&#8220; verhie\u00df es als &#8222;Programm des Sieges im \u00f6konomischen Wettbewerb der Systeme&#8220; zugleich den baldigen Sieg des Sozialismus im Weltma\u00dfstab.<\/p>\n<p class=\"western\">Im Agrarteil musste Chruschtschow indessen einen schweren R\u00fcckschlag hinnehmen. Bis Anfang der 50er Jahre hatte der Kolchos als selbst\u00e4ndige, nichtstaatliche Wirtschaftseinheit den Staatshaushalt nicht belastet, sondern war im Gegenteil die Industrialisierung von ihm mitfinanziert worden. Sobald ein Kolchos jedoch zum Sowchos geworden war, war der Staat f\u00fcr die Produktion und die Produzenten zust\u00e4ndig, und da vor allem die unproduktiven, armen Kolchosen von der Verstaatlichungsangebot Gebrauch machten, wurde der Staatshaushalt in Anspruch genommen. In der Ideologie, die Chruschtschow verk\u00fcndete, war der Sowchos produktiver, weil er eine h\u00f6here Produktionsform verk\u00f6rperte. Dies wurde scheinbar nachgewiesen durch Statistiken, denen zufolge die Staatsg\u00fcter dieselbe Produktenmenge mit weniger Arbeitskr\u00e4ften als der Kolchos erzeugten. Dabei wurde allerdings unterschlagen, dass die neuen Sowchosen vom Staat mit einem umfangreichen Maschinenpark ausger\u00fcstet wurden und andere kostenlose Leistungen erhielten. Rechnete man alle Kosten zusammen, schnitten die neuen Sowchosen erheblich schlechter ab als die weiterexistierenden Kolchosen. Sp\u00e4tere sowjetische Berechnungen zeigten, &#8222;dass die Aufwendungen des Staates f\u00fcr die Erzeugung der Sovchoz-Produktion (wenn man die Haushaltsausgaben f\u00fcr Investitionen, Deckung von Verlusten, Aufbau der Stammherden und anderes einrechnet) bedeutend h\u00f6her sind als die Ausgaben des Staates f\u00fcr den Erwerb der Kolchosproduktion.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote93sym\" name=\"sdfootnote93anc\">93<\/a><\/sup> W\u00e4hrend der Kolchos, umgerechnet auf gleiche Fl\u00e4cheneinheiten, im Zeitraum von 1959 bis 1963 Gewinn erzielte, machten die Sowchosen Verluste, die aus dem Staatshaushalt zu decken waren.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote94sym\" name=\"sdfootnote94anc\">94<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Au\u00dferdem f\u00fchrte die Kollektivierungspolitik in der Industrie zu einer Produktionskrise. Da die Bauern in den wohlhabenderen Kolchosen nicht bereit waren, ihre selbst\u00e4ndige Stellung aufzugeben, stellten sie lieber den Ankauf neuer Maschinerie zur\u00fcck, als sich verstaatlichen zu lassen. Die Lieferung von M\u00e4hdreschern, Lastwagen und anderen technischen Erzeugnissen an die Landwirtschaft ging um die H\u00e4lfte zur\u00fcck.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote95sym\" name=\"sdfootnote95anc\">95<\/a><\/sup> Davor hatte Stalin gewarnt. Er hatte 1952 darauf hingewiesen, dass nur der Staat in der Lage sei, die erforderlichen zigtausend neuen Traktoren, M\u00e4hdrescher etc. zu beschaffen; die Kolchosen seien damit \u00fcberfordert. &#8222;Was bedeutet es nach alledem, wenn man fordert, dass die MTS den Kollektivwirtschaften durch Verkauf \u00fcbereignet werden? Das bedeutet den Kollektivwirtschaften gro\u00dfe Verluste zuf\u00fcgen und sie ruinieren, die Mechanisierung der Landwirtschaft gef\u00e4hrden und das Tempo der kollektivwirtschaftlichen Produktion herabsetzen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote96sym\" name=\"sdfootnote96anc\">96<\/a><\/sup> Dar\u00fcber hinaus wurden die gekauften Maschinen in den Kolchosen schlechter gewartet und weniger genutzt als in den ehemaligen Maschinen-Traktor-Stationen. Der Grund daf\u00fcr war, dass die urspr\u00fcnglich ca. 3 Mio MTS-Techniker durch die Aufl\u00f6sung der MTS-Stationen aus Angestellten des Staats zu Kolchosangeh\u00f6rigen wurden. Dadurch verringerte sich ihr Einkommen in vielen Kolchosen derart, dass Zigtausende von Traktor- und M\u00e4hdrescherfahrern in die Stadt gingen, um dort besser bezahlte Arbeit aufzunehmen. Die Landwirtschaft verlor bis zur H\u00e4lfte ihrer Mechanisatoren,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote97sym\" name=\"sdfootnote97anc\">97<\/a><\/sup> was weitere negative Auswirkungen auf die Produktivit\u00e4t hatte.<\/p>\n<p class=\"western\">In Stalins Konzept sollte der Kolchos auf dem Boden der <i>Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte<\/i> allm\u00e4hlich in allgemeines Volkseigentum \u00fcberf\u00fchrt werden. Chruschtschows Versuch, den Kolchos durch eine Strategie des Aufkaufens und Aushungerns zu besiegen, f\u00fchrte zur <i>Stagnation der agrarischen Produktivkraftentwicklung<\/i>, beseitigte die proletarische Vormachtstellung auf dem Land und lief auf ein jahrelanges Kr\u00e4ftemessen zwischen Staat und Kolchos hinaus. 1961 hatte der Kolchos gesiegt. Drei Jahre nach Beginn der Verstaatlichung waren die Belastungen des Staatshaushalts so hoch geworden, dass sich im Vorfeld des 22.Parteitags eine neue Mehrheit gegen die Fortsetzung dieser Agrarpolitik formierte.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote98sym\" name=\"sdfootnote98anc\">98<\/a><\/sup> Statt zum Jahr des Triumphes wurde das Jahr 1961 zu einem &#8222;Wendepunkt zuungunsten von Chruschtschows Pl\u00e4nen&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote99sym\" name=\"sdfootnote99anc\">99<\/a><\/sup> Er musste hinnehmen, dass der Agrarteil des neuen Parteiprogramms den Kolchos als &#8222;unver\u00e4u\u00dferlichen Bestandteil der sozialistischen Sowjetgesellschaft&#8220; bezeichnete und ihn noch vor dem Sowchos erw\u00e4hnte. Zwar wurde hinzugef\u00fcgt, dass der Sowchos grunds\u00e4tzlich die h\u00f6here Produktionsform darstelle; au\u00dferdem bezog sich die Bestandsgarantie f\u00fcr den Kolchos nur auf den <i>Sozialismus<\/i> und nicht auf den <i>Kommunismus<\/i>, den das gleiche Parteiprogramm unmittelbar bevorstehen sah. Der Formelkompromiss konnte jedoch nicht verdecken, dass Chruschtschow auf seinem Hauptfeld, der Agrarpolitik, eine schwere Niederlage erlitten hatte. Dem Wesen der Sache nach waren die &#8222;Linken&#8220; bereits 1961 geschlagen, auch wenn ihr Anf\u00fchrer zun\u00e4chst noch im Amt blieb und damit Gelegenheit hatte, einen Gegenangriff zu starten.<\/p>\n<p class=\"western\">Das Resultat der verfehlten Agrarpolitik war entgegen den Absichten Chruschtschows nicht das Ende, sondern die St\u00e4rkung der Kolchosbauernschaft. W\u00e4hrend die schwachen Kolchosen verschwanden, blieben die wirtschaftlich kr\u00e4ftigeren \u00fcbrig, besa\u00dfen jetzt Eigentum an den Produktionsmitteln und wurden klassenm\u00e4\u00dfig durch die ehemaligen MTS-Besch\u00e4ftigten gest\u00e4rkt, die seit 1958 von ihnen bezahlt wurden. Damit waren die staatlichen St\u00fctzpunkte des Proletariats auf dem Land verschwunden und die genossenschaftlichen Warenproduzenten nicht mehr zu besiegen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>4. Der Zusammenbruch des Verteilungskommunismus<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Im November 1962, ein Jahr nach dem 22.Parteitag, billigte das ZK eine von Chruschtschow vorgeschlagene Parteireform. Kernpunkt war die \u00dcbernahme der Wirtschaftsleitung am Ort durch die unteren Gliederungen der Partei. &#8222;Die Partei sollte sich nicht mehr mit einem Weisungsrecht begn\u00fcgen, sondern die Verwaltung selbst in die Hand nehmen; die L\u00f6sung der wirtschaftlichen Probleme wurde zur Hauptaufgabe der Parteiarbeit erkl\u00e4rt. Partei, Staat und Wirtschaft waren nun im Ergebnis st\u00e4rker ineinander integriert, als es je seit der Oktoberrevolution der Fall gewesen war.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote100sym\" name=\"sdfootnote100anc\">100<\/a><\/sup> In Verbindung damit wurde die KP in zwei parallele Organisationen aufgeteilt, von denen eine f\u00fcr die industrielle Produktion und die andere f\u00fcr die Landwirtschaft verantwortlich war. Zur machtpolitischen Absicherung wurde au\u00dferdem das Rotationsprinzip eingef\u00fchrt. Bei jeder parteiinternen Wahl sollte durchschnittlich ein Drittel der Mitglieder des jeweiligen Gremiums ausgetauscht werden &#8211; ein sch\u00f6ner Plan, um unter dem Mantel der Demokratisierung die zahlreicher gewordenen Gegner loszuwerden.<\/p>\n<p class=\"western\">Die \u00c4ra Chruschtschow kann &#8222;in der inneren Entwicklung der Sowjetunion als eine Wiederherstellung der unbeschr\u00e4nkten Parteiherrschaft charakterisiert werden&#8220;, hei\u00dft es aus b\u00fcrgerlichem Mund dazu.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote101sym\" name=\"sdfootnote101anc\">101<\/a><\/sup> In Wirklichkeit ging die &#8222;Wiederherstellung&#8220; der Parteiherrschaft \u00fcber alles hinaus, was die Partei bis dahin ausgemacht hatte. Stalin hatte wie Lenin auf der Trennung von Partei und Staat beharrt. Nur die &#8222;Spitzen&#8220; von Sowjets und Partei sollten personell identisch sein, um die Leitung des Staats zu sichern &#8211; mehr nicht.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote102sym\" name=\"sdfootnote102anc\">102<\/a><\/sup> Ob die \u00dcbernahme der wirtschaftlichen Aufgaben durch die Partei ein neuer Anlauf zur Kommunismus durch Abbau des Staats war, ob Chruschtschow damit seine auch in der Partei angeschlagene Stellung stabilisieren wollte, oder ob es ein letztes Aufb\u00e4umen war, um die Parteimassen gegen die \u00f6konomischen Realit\u00e4ten zu mobilisieren &#8211; im Ergebnis bedeutete dies die Entpolitisierung der ehemaligen Avantgarde der Arbeiterklasse. Nach Stalins Tod angetreten, um \u00fcber alle Gesetze der \u00d6konomie hinweg den Kommunismus zu verwirklichen, endete sie keine zehn Jahre sp\u00e4ter als Wirtschaftsverwaltung.<\/p>\n<p class=\"western\">Diese Politik war nur solange durchzuhalten, wie die Ernten auf dem Neuland die Getreideversorgung sicherstellten. Kein Enthusiasmus der jugendlichen Erbauer des Kommunismus konnte jedoch verhindern, dass Anfang der 60er Jahre die ersten Erosionssch\u00e4den auftraten, weil der Wind die d\u00fcnne Decke fruchtbaren Bodens davontrug. Die Folgen machten sich nicht gleich bemerkbar, weil weiterhin zus\u00e4tzliches, jungfr\u00e4uliches Land unter den Pflug genommen wurde. 1963 gab es aber unter dem Einfluss ung\u00fcnstiger Witterungsverh\u00e4ltnisse im ganzen Land eine Missernte. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte musste die Sowjetunion gro\u00dfe Getreidek\u00e4ufe im Ausland t\u00e4tigen. Im selben Jahr legte die von der KP Chinas \u00f6ffentlich ausgetragene &#8222;Polemik \u00fcber die Generallinie&#8220; die Spaltung der kommunistischen Weltbewegung offen.<\/p>\n<p class=\"western\">Noch einmal trat Chruschtschow die Flucht nach vorn an und versuchte, an die Spitze des unumg\u00e4nglich gewordenen Kurswechsels in der Agrarpolitik zu treten. Die bis dato nur halbherzig zur\u00fcckgenommene Sowchosierungspolitik sollte endg\u00fcltig eingestellt und die Kolchosproduktion durch umfangreiche Neu-Investitionen intensiviert werden. Um die Leistungsbereitschaft der Kolchosangeh\u00f6rigen zu f\u00f6rdern, wurde au\u00dferdem beschlossen, ihnen k\u00fcnftig eine staatliche Altersversorgung zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p class=\"western\">Die zus\u00e4tzlichen Mittel f\u00fcr die neue Agrarpolitik wollte Chruschtschow auf Kosten von Armee und Schwerindustrie freimachen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote103sym\" name=\"sdfootnote103anc\">103<\/a><\/sup> Das bedingte eine substantielle Abr\u00fcstung neuer Qualit\u00e4t, die au\u00dfenpolitisch das Ende der Zwei-Lager-Politik voraussetzte. Damit stellte sich erneut die deutsche Frage, zumal auf westdeutscher Seite der R\u00fccktritt Adenauers 1963 scheinbar neue Freir\u00e4ume f\u00fcr eine Wiedervereinigungsoption er\u00f6ffnete. Derselbe Mann, der 1953 das Ende der deutschen Einheitspolitik mit herbeigef\u00fchrt hatte, lie\u00df also 1964 in Westberlin heimlich die Bedingungen f\u00fcr eine Preisgabe der DDR ausloten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote104sym\" name=\"sdfootnote104anc\">104<\/a><\/sup> Aber so, wie die Wendung gegen die Schwerindustrie klassenpolitisch den Bruch mit seiner bisherigen sozialen Hauptbasis bedeutete, traf das erneute Aufwerfen der deutschen Frage den Lebensnerv der sowjetischen Au\u00dfenpolitik. Die Westberliner Unterredungen wurden bekannt und Chruschtschow verlor die Gefolgschaft des ZK. Im Oktober 1964 zwangen Partei, Schwerindustrie und Milit\u00e4r ihn gemeinsam zum R\u00fccktritt. An seine Stelle als Erster Parteisekret\u00e4r trat Breschnew, an seine Stelle als Ministerpr\u00e4sident Kossygin.<\/p>\n<p class=\"western\">Stalin bezeichnete Chruschtschow einem Bericht Medwedews zufolge einmal einen &#8222;Volkst\u00fcmler&#8220;,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote105sym\" name=\"sdfootnote105anc\">105<\/a><\/sup> stellte ihn also in eine Linie mit den Narodniki, die einen direkten Weg zum Sozialismus aus der russischen obscina heraus verfolgt hatten. Unter dem Panier des \u00dcbergangs zum Kommunismus realisierte Chruschtschow einen Verteilungskommunismus, der nicht auf entfalteten gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4ften beruhte, sondern im Gegenteil die Bedingungen f\u00fcr ihre Weiterentwicklung beseitigte. Wo der Vorsto\u00df zum Kommunismus <i>politisch-praktisch<\/i> stattfand, bei der Neulandbewegung, st\u00fctzte er sich nicht auf die Arbeiterklasse, sondern auf die Jugend. Und als die Neulandaktion an ihre Grenzen stie\u00df, war mit der neuen Generation auch der Aufbruch in den Kommunismus am Ende. Der Staat hatte seine Selbst\u00e4ndigkeit eingeb\u00fc\u00dft, die Weiterf\u00fchrung der Revolution von oben war abgeschnitten, und die &#8222;Linken&#8220; hatten die sch\u00f6nste Chance verwirkt, zum Kommunismus zu gelangen, ohne die Qualen des Kapitalismus zu durchlaufen.<\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"center\"><b>V. Der Untergang des Arbeiter- und Bauernstaats<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">Der nach 1964 eingeschlagene Kurs konnte die Politik Chruschtschows \u00e4ndern, aber nicht die Weichenstellung r\u00fcckg\u00e4ngig machen, die in den 50er Jahren erfolgt war. Um diese Weichenstellung zu erkl\u00e4ren, pr\u00e4gte die &#8222;Polemik \u00fcber die Generallinie&#8220; der Begriff des &#8222;modernen Revisionismus&#8220;, der zum Legitimationsnachweis der neu entstehenden marxistisch-leninistischen Bewegung wurde. Damit konnten die MLer jedoch weder die Entwicklung nach Stalins Tod erkl\u00e4ren noch ihre eigene Existenz fundieren.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>1. Die Agrarpolitik unter Breschnew<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Nach Chruschtschows Sturz wurde die Rotationspflicht der Funktion\u00e4re ebenso wie die agrarisch-industrielle Teilung der Parteiorganisation und die Verschmelzung mit der Betriebsverwaltung r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Anstelle der regionalen Volkswirtschaftsr\u00e4te wurden wieder zentrale Ministerien eingerichtet. Nach monatelangen internen Auseinandersetzungen beschloss das ZK im Fr\u00fchjahr 1965 auf Vorschlag Breschnews einen grundlegenden Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik. &#8222;Das neue Agrarprogramm umfasst demnach die Schwerpunkte: St\u00e4rkere Subventionierung der Landwirtschaft, Mechanisierung, Chemisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft, Forcierung der Bodenmelioration, verst\u00e4rkte Stimulierung der Landarbeiter und L\u00f6sung der sozialen Probleme auf dem Land. Nicht in einer Extensivierung, wie 1954 unter Chruschtschow, sondern in der Intensivierung der Landwirtschaft besteht dieses mit Breshnews Namen verbundene neue Agrarkonzept. Diese 1965 gefasste Neuorientierung der Agrarpolitik machte eine Neuverteilung der Staatsausgaben n\u00f6tig.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote106sym\" name=\"sdfootnote106anc\">106<\/a><\/sup> Die staatlichen Investitionen wurden von der Industrie in die Landwirtschaft umgelenkt. Die drei F\u00fcnfjahrpl\u00e4ne von 1966 bis 1980 lie\u00dfen 366 Mrd. Rubel in die Landwirtschaft flie\u00dfen, w\u00e4hrend es in den davorliegenden drei Planjahrf\u00fcnften nur 89 Mrd. Rubel gewesen waren.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote107sym\" name=\"sdfootnote107anc\">107<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Statt den Kolchos zu bekriegen, wurde er jetzt stabilisiert und gef\u00f6rdert. Die Arbeitstagsnorm f\u00fcr die Umverteilung der vom Kolchos erwirtschafteten \u00dcbersch\u00fcsse an die Genossenschaftsmitglieder wurde abgeschafft und ein staatlich garantierter Mindestlohn f\u00fcr die Kolchosbauern eingef\u00fchrt. Die Ankaufpreise f\u00fcr die Agrarprodukte wurden generell angehoben, erneut ein h\u00f6herer Preis f\u00fcr \u00dcberplanlieferungen gezahlt und die Steuern gesenkt. Die Schulden der Genossenschaften bei der Staatsbank wurden gestrichen, sp\u00e4ter neu auflaufende Schulden ebenfalls. Parallel dazu drehte sich die Politik gegen\u00fcber den Parzellenwirtschaften um 180 Grad. Hatte Chruschtschow sie beseitigen wollen, verk\u00fcndete Breschnew: &#8222;Ein Landbewohner ohne eigene Hofwirtschaft ist wie ein Baum ohne Wurzeln&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote108sym\" name=\"sdfootnote108anc\">108<\/a><\/sup> Der Schutz der Kleinwirtschaften wurde sogar in die neue Verfassung von 1977 aufgenommen (Artikel 13). Die Steuern auf die private Viehhaltung wurden g\u00e4nzlich aufgehoben, Kolchosen wie Sowchosen angewiesen, den Parzellenbauern durch die Lieferung von Futter, die Zusammenarbeit bei der Viehzucht und die Unterst\u00fctzung bei der Vermarktung ihrer Privatprodukte zu helfen. Endlich schuf ein Kolchoskongress 1966 einen landesweiten &#8222;Kolchosrat&#8220; als selbst\u00e4ndigen Zusammenschluss der Genossenschaftsbauern.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote109sym\" name=\"sdfootnote109anc\">109<\/a><\/sup> Damit konnte die Bauernschaft ihr Gewicht von nun an in organisierter Form zur Geltung bringen &#8211; wovor Stalin immer gewarnt hatte.<\/p>\n<p class=\"western\">Trotz der schon 1961 in einem ersten Schritt ge\u00e4nderten Agrarpolitik nahm die Zahl der b\u00e4uerlichen Produktionsgenossenschaften zun\u00e4chst weiterhin ab. Viele Kolchosen machten noch Gebrauch von der M\u00f6glichkeit, sich unter die direkte Obhut des Staats zu begeben. Das er\u00fcbrigte sich allm\u00e4hlich, weil Kolchos und Sowchos immer mehr einander angen\u00e4hert wurden, angefangen bei der Preisberechnung bis zur Altersversorgung. Zuletzt existierten in der Praxis kaum noch Unterschiede. Zu Beginn der 80er Jahre hatten sich Kolchos und Sowchos auf ein Verh\u00e4ltnis von etwa 1:1 eingependelt; ca. 13 Mio Kolchosbauern bebauten etwas weniger Landfl\u00e4che als ca 12 Mio Sowchosarbeiter.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote110sym\" name=\"sdfootnote110anc\">110<\/a><\/sup> Au\u00dfer in den Neulandgebieten konzentrierten sich die Sowchosen im Umkreis der gro\u00dfen St\u00e4dte, wo sie sich auf Milch- und Fleischproduktion, Obst- oder Gem\u00fcseanbaus spezialisierten. Ansonsten lagen sie verstreut in verschiedenen Teilen des Landes, wo von Natur wegen traditionell kein Getreide angebaut wurde, so z.B. in gro\u00dfen Teilen Wei\u00dfrusslands, wo die tierische Produktion \u00fcberwog.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote111sym\" name=\"sdfootnote111anc\">111<\/a><\/sup> Das hei\u00dft umgekehrt, dass in den alten, zentralen Siedlungsgebieten der russischen Bauernschaft weiterhin der aus der obscina hervorgegangene, getreideanbauende Kolchos dominierte. In ihm fand der obscina-Bauer Zentralrusslands, mit dessen Unterst\u00fctzung die Arbeiterklasse an die Macht gelangt war, seine letzte Existenzform.<\/p>\n<p class=\"western\">Ohne es offen auszusprechen, kn\u00fcpfte die neue Linie an die Agrarpolitik Bucharins aus den 20er und Malenkows aus den 50er Jahren an, allerdings unter neuen Bedingungen und Ma\u00dfgaben. Die eine H\u00e4lfte der Bauern war (im Sowchos) verstaatlicht und wurde direkt vom Staat alimentiert. Die andere H\u00e4lfte blieb selbst\u00e4ndig (im Kolchos) &#8211; und wurde ebenfalls vom Staat alimentiert. Die Genossenschaftler behielten ihre Stellung als selbst\u00e4ndige Warenproduzenten, jetzt sogar verkn\u00fcpft mit dem Besitz eigener Produktionsmittel &#8211; <i>ohne den<\/i> <i>Gesetzen der Warenproduktion unterworfen zu werden<\/i>. Diese f\u00fcr die Gesellschaft schlechteste aller denkbaren Alternativen realisierte f\u00fcr &#8222;Selbst\u00e4ndige&#8220; ideale Produktionsverh\u00e4ltnisse: der Staat sch\u00fctzte sie vor den Wirkungen des Wertgesetzes, zahlte ihnen ein festes Einkommen einschlie\u00dflich der Altersrente und garantierte ihnen die Abnahme ihrer Produkte zu stetig steigenden Preisen.<\/p>\n<p class=\"western\">Hatte die Landwirtschaft vorher die Industrialisierung mitfinanziert, so war sie nun ein Fass ohne Boden. F\u00fcr 1976 sah die staatliche Planung f\u00fcr Arbeiter und Angestellte einen Durchschnittslohn von 150 Rubeln im Monat vor, f\u00fcr Kolchosbauern 98 Rubel im Monat.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote112sym\" name=\"sdfootnote112anc\">112<\/a><\/sup> Dabei ist zu bedenken, dass der \u00fcberwiegende Teil der Kolchosmitglieder aus ungelernten Frauen mittleren Alters bestand und dass die Parzellenwirtschaft neben der Selbstversorgung zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte (durch die Verk\u00e4ufe auf dem Kolchosmarkt) sicherte. &#8222;Wenn man unter Ber\u00fccksichtigung all dieser Faktoren die Einkommen zwischen Stadt und Land vergleicht, so l\u00e4sst sich der Vorwurf kaum halten, die Landwirtschaft werde &#8218;ausgebeutet&#8216; &#8230; Zieht man die Subventionen in Betracht, die hohen Investitionsausgaben, den wachsenden Anteil des Staates an den Kosten f\u00fcr Drainage, Bew\u00e4sserung und andere Bodenverbesserungsma\u00dfnahmen, auch die staatlichen Ausgaben seit 1966 f\u00fcr die Sozialversicherung der Bauern, dann k\u00f6nnte man behaupten, die Landwirtschaft sei f\u00fcr den Rest der Wirtschaft jetzt eher ein M\u00fchlstein als eine Milchkuh.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote113sym\" name=\"sdfootnote113anc\">113<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Neben der Alimentierung der Staatsbauern dienten die zus\u00e4tzlichen Mittel u.a. dem Aufbau einer chemischen Industrie (Kunstd\u00fcngerproduktion) und gro\u00dfangelegten Be- und Entw\u00e4sserungsarbeiten. Die Getreideernten stiegen zwischen 1960 und 1980 im Mehrjahresdurchschnitt auch von 10 dz\/ha auf 16 dz\/ha.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote114sym\" name=\"sdfootnote114anc\">114<\/a><\/sup> Nach sowjetischen (!) Sch\u00e4tzungen betrug die individuelle Arbeitsproduktivit\u00e4t auf dem Land aber nur etwa 20-25% des Niveaus in Nordamerika.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote115sym\" name=\"sdfootnote115anc\">115<\/a><\/sup> Zuletzt wurden mindestens 27% des Staatshaushalts f\u00fcr den Agrarsektor eingesetzt, obwohl dieser weniger als 20% der gesamten Wertsch\u00f6pfung lieferte.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote116sym\" name=\"sdfootnote116anc\">116<\/a><\/sup> W\u00e4hrend sich die Industrialisierung verlangsamte, stabilisierte sich die Agrarbev\u00f6lkerung. In den westlichen L\u00e4ndern schrumpfte die Bauernschaft in den Nachkriegsjahrzehnten nach dem 2.Weltkrieg rapide zusammen, in der Bundesrepublik beispielsweise auf 3 % der Erwerbst\u00e4tigen. In der UdSSR ging sie zwar auch zur\u00fcck, stellte in den 80er Jahren aber immer noch fast ein Viertel der Werkt\u00e4tigen; die Landbev\u00f6lkerung insgesamt machte ca. ein Drittel der Gesamtbev\u00f6lkerung aus.<\/p>\n<p class=\"western\">Mit dem allm\u00e4hlichen Niedergang des ganzen Staats ging schlie\u00dflich trotz aller F\u00f6rderma\u00dfnahmen auch die Parzellenproduktion zur\u00fcck, da die Kleinbauern mangels ausreichender industrieller Konsumg\u00fcterangebote im Austausch f\u00fcr ihre Produkte das Interesse daran verloren. Die zeitweisen Ertragssteigerungen beim Getreide konnten die sich dahinter verbergende Stagnation auch nicht \u00fcberspielen, weil das Wachstum der Bev\u00f6lkerung und ihrer Bed\u00fcrfnisse weit h\u00f6here Anforderungen stellte. Die Sowjetunion musste immer mehr Getreide aus den kapitalistischen L\u00e4ndern importieren. 1981 musste die L\u00f6sung der Agrarfrage erneut zur Hauptaufgabe der F\u00fcnf-Jahr-Pl\u00e4ne f\u00fcr das kommende Jahrzehnt erkl\u00e4rt werden,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote117sym\" name=\"sdfootnote117anc\">117<\/a><\/sup> und 1985 wurde Gorbatschow deswegen Parteivorsitzender.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>2. Wechselseitige L\u00e4hmung der Klassen<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">In der Industrie machte sich der Umschlag von 1964 nicht ernstlich bemerkbar. Noch vor Chruschtschows Sturz, am 9.September 1962, war in der Prawda ein Aufsatz des \u00d6konomie-Professors Liberman mit \u00dcberlegungen zu einer Wirtschaftsreform erschienen. In der Fachdebatte der \u00d6konomen gab es Vorschl\u00e4ge, die bis hin zur breiten Einf\u00fchrung marktwirtschaftlicher Elemente und der Inkaufnahme von Arbeitslosigkeit gingen. Die Voraussetzungen f\u00fcr eine solche Politik waren jedoch nicht gegeben. Das ZK verurteilte Libermans Artikel in einer offiziellen Stellungnahme, und damit waren die praktischen Grenzen der theoretischen Diskussion festgelegt. Erst kurz vor seiner Entmachtung im Jahre 1964, als ihm das Wasser schon bis zum Hals stand, erteilte Chruschtschow die Erlaubnis, Libermans System in zwei Fabriken zu erproben.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote118sym\" name=\"sdfootnote118anc\">118<\/a><\/sup> Es waren Textilfabriken in Moskau und in Gorki, also keine schwerindustriellen Werke, sondern Betriebe der Leichtindustrie, in denen haupts\u00e4chlich Frauen arbeiteten.<\/p>\n<p class=\"western\">Zwei Tage nach Chruschtschows Sturz dehnte Kossygin das Experiment auf weitere Unternehmen aus.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote119sym\" name=\"sdfootnote119anc\">119<\/a><\/sup> Aber die Versuche wurden irgendwann eingestellt, und nur wenige Bestandteile der gemachten Erfahrungen flossen zwecks F\u00f6rderung der &#8222;materiellen Interessiertheit&#8220; der Besch\u00e4ftigten in das &#8222;Neue System der Planung und \u00f6konomischen Stimulierung&#8220; vom September 1965 ein. Es r\u00e4umte den einzelnen Betrieben gr\u00f6\u00dfere Selbst\u00e4ndigkeit ein und gab ihnen die M\u00f6glichkeit, wieder zus\u00e4tzliche materielle Leistungsanreize zu gew\u00e4hren. Aber &#8222;die leistungsbezogene Pr\u00e4mierung aus neu zugelassenen Gewinnr\u00fccklagen, die zu gr\u00f6\u00dferer Differenzierung h\u00e4tte f\u00fchren m\u00fcssen, setzte sich &#8230; nicht durch.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote120sym\" name=\"sdfootnote120anc\">120<\/a><\/sup> Eine Neuauflage der individuellen Leistungslohnpolitik war gegen die Mehrheiten in der Fabrikarbeiterschaft, die sich auf Gewerkschaft und Partei st\u00fctzen konnten, offenbar nicht durchzusetzen. Alles in allem &#8222;\u00fcberwogen mit der Zeit doch die restaurativen Tendenzen, die letzten Endes dazu f\u00fchrten, dass selbst diese bescheidenen Ans\u00e4tze sukzessive zur\u00fcckgenommen wurden, so dass sich das sowjetische Planungssystem zu Beginn der siebziger Jahre nur unwesentlich von dem vor 1965 unterschied.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote121sym\" name=\"sdfootnote121anc\">121<\/a><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\">Hatte Chruschtschow noch versucht, sich an das \u00f6konomische Einmaleins zu halten und steigende Ausgaben f\u00fcr die Landwirtschaft durch R\u00fcckf\u00fchrung der R\u00fcstungsausgaben auszugleichen, so gelangte Breschnew an die Macht , um alle Akteure \u2013 Arbeiter, Bauern und Armee \u2013 gleicherma\u00dfen zu befriedigen. Diese Quadratur des Kreises war nur auf Kosten der Zukunft m\u00f6glich, genauer gesprochen zu Lasten des gesellschaftlichen Reproduktionsfonds. Die im Kreislauf des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses anfallenden Mittel wurden nicht f\u00fcr die industrielle Reproduktion eingesetzt, sondern zu einem stetig wachsenden Anteil unproduktiv f\u00fcr die individuelle Konsumtion und das Milit\u00e4r verausgabt. Fabriken und Maschinen mussten weiterlaufen, auch nachdem sie das letzte Quentchen der in ihnen geronnenen Arbeit an das Produkt abgegeben hatten, unter Inkaufnahme immer l\u00e4ngerer Stillstandszeiten und h\u00f6herer Reparaturaufwendungen, bis sie auseinanderfielen, weil die Mittel fehlten, sie zu ersetzen.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Beispiel der Lebensmittel, wo die Interessen der Arbeiter und Bauern unmittelbar aufeinandertrafen, offenbart sich das Verh\u00e4ltnis der beiden Hauptklassen zueinander. Nach Stalins Tod stiegen die staatlichen Ankaufpreise f\u00fcr Agrarprodukte kontinuierlich an, w\u00e4hrend gleichzeitig die Endverkaufspreise in den staatlichen Lebensmittell\u00e4den mehr oder weniger unver\u00e4ndert blieben. Auf diese Weise \u00f6ffnete sich eine Schere, die immer weiter auseinanderklaffte. &#8222;Bei viehwirtschaftlichen G\u00fctern fing der Staat an, mit Verlusten zu arbeiten: 1966 gab der Staat f\u00fcr Rindfleisch im Wert (zu Einzelhandelspreisen) von 100 Rubeln 155,20 Rubel aus &#8230;, und der Unterschied nahm nach weiteren Preiserh\u00f6hungen 1970 und sp\u00e4ter betr\u00e4chtlich zu.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote122sym\" name=\"sdfootnote122anc\">122<\/a><\/sup> Bei anderen Nahrungsmitteln fand dieselbe Entwicklung statt. 1970 musste der Staat ca 13 Mrd Rubel f\u00fcr die Subventionierung der Lebensmittel ausgeben, 1977 bereits 19 Mrd Rubel,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote123sym\" name=\"sdfootnote123anc\">123<\/a><\/sup> und die Subventionen unaufhaltsam weiter.<\/p>\n<p class=\"western\">Allen war die Irrationalit\u00e4t dieses Zustands bekannt, aber niemand konnte etwas dagegen unternehmen. Eine Senkung der <i>Ankaufpreise<\/i> h\u00e4tte einen Aufstand der Bauern hervorgerufen, und eine Erh\u00f6hung der <i>Verkaufpreise<\/i> einen Aufstand der Arbeiter. Das machte Polen vor. Nachdem die dortigen Kommunisten ab 1948 begonnen hatten, die Bauernschaft zwangsweise zu kollektivieren, wurde die Unruhe auf dem Land so gro\u00df, dass 1956 Gomulka an die Macht kam, der das b\u00e4uerliche Kleineigentum wiederherstellte. Der anschlie\u00dfend 1970 und 1976 unternommene Versuch, den maroden Staatshaushalt nunmehr auf Kosten der Arbeiterklasse durch Erh\u00f6hung der Lebensmittelpreise zu sanieren, hatte Arbeiteraufst\u00e4nde zur Folge und wurde zur Geburtsstunde von &#8222;Solidarnocs&#8220;. Angesichts dieser praktischen Erfahrungen verharrte die sowjetische Staatsmacht ebenso willf\u00e4hrig wie ohnm\u00e4chtig zwischen beiden Klassen und verteilte die produzierten Reicht\u00fcmer, bis die gesellschaftlichen Reproduktionsfonds aufgezehrt waren. Die gegenseitige L\u00e4hmung der Klassen war zugleich die beste Voraussetzung f\u00fcr die Macht des Milit\u00e4rs, das kr\u00e4ftig dazu beitrug, die Reproduktionsfonds zu pl\u00fcndern.<\/p>\n<p class=\"western\">Nachdem die Armee als letzte Garantin des staatlichen Zusammenhalts in Afghanistan geschlagen war, f\u00fchrten die Reformen, zu denen Gorbatschow schlie\u00dflich durch den immer schnelleren Niedergang in der zweiten H\u00e4lfte der 80er Jahre gezwungen wurde, den Zerfall des Staates zu Ende und machten die Bahn frei f\u00fcr den Kapitalismus.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><b>3. Zum Begriff des &#8222;modernen Revisionismus&#8220;<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Die Verurteilung Stalins auf dem 20.Parteitag der KPdSU hinterlie\u00df bei vielen Kommunisten das Gef\u00fchl eines Bruchs, ohne dass sie begriffen, was dahinter stand. Die Stalin-Kritik als solche war zwischen &#8222;Rechten&#8220; und &#8222;Linken&#8220; nicht umstritten, wohl aber Inhalt und Form ihrer Durchf\u00fchrung, weil beide Richtungen entgegengesetzte Standpunkte in der Abwendung vom Parteizentrum vertraten. W\u00e4hrend eine Mehrheit im Parteipr\u00e4sidium eine stillschweigende Verabschiedung vorzog, setzte Chruschtschow durch, vor den Parteitagsdelegierten eine Rede \u00fcber den &#8222;Personenkult&#8220; und seine Folgen zu halten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote124sym\" name=\"sdfootnote124anc\">124<\/a><\/sup> Der Kern dieser &#8222;Geheimrede&#8220; (so genannt, weil Chruschtschow insgeheim f\u00fcr ihre alsbaldige Verbreitung sorgte) war die Attacke gegen die S\u00e4uberungen, zuletzt gegen die von Stalin und den &#8222;Rechten&#8220; gemeinsam getragene Leningrader S\u00e4uberung. Die offizielle Verurteilung der S\u00e4uberungen bedeutete also nicht nur einen nachtr\u00e4glichen Sieg \u00fcber den toten Stalin, sondern vor allem einen aktuellen Sieg \u00fcber die noch lebenskr\u00e4ftigen &#8222;Rechten&#8220;.<\/p>\n<p class=\"western\">Der &#8222;parlamentarische Weg zum Sozialismus&#8220;, an dem sich sp\u00e4ter die kommunistische Weltbewegung spaltete, rief hingegen keinen Streit hervor. Seine Propagierung war das Resultat eines Kurswechsels im Lager der &#8222;Linken&#8220;. Die Spannungen der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten die Gefahr eines neuerlichen Kriegs gegen die Sowjetunion noch real erscheinen lassen k\u00f6nnen. Getragen vom Schwung des soeben siegreich beendeten Weltkriegs konnte man darin zugleich eine Chance sehen, in Fortsetzung des milit\u00e4rischen Sto\u00dfes gen Westen die Brutst\u00e4tten des Kapitals in ganz Europa zu vernichten. In den 50er Jahren wurde jedoch unverkennbar, dass die Verh\u00e4ltnisse sich stabilisierten. Damit wurde der bisherige Weg zum Sozialismus im Westen aus einem Krieg heraus ungangbar. Der neue Weg bestand in einem einfachen <i>Wechsel der Kampfformen<\/i>. In der Auseinandersetzung zwischen den Lagern des Imperialismus und des Sozialismus sollte der Sieg des Sozialismus nunmehr auf dem Feld der Wirtschaft statt auf dem Schlachtfeld der Waffen erfochten werden. Getragen von der \u00dcberzeugung, dass der Aufbau des Kommunismus in der Sowjetunion unmittelbar bevorstand und damit der Sieg des eigenen Lagers unausweichlich war, erkl\u00e4rte Chruschtschow die &#8222;friedliche Koexistenz&#8220; zur Leitlinie der sowjetischen Au\u00dfenpolitik und den \u00f6konomischen &#8222;Wettbewerb der Systeme&#8220; zur Hauptkampfform zwischen den Lagern.<\/p>\n<p class=\"western\">Diese Umorientierung bedeutete eine Verkehrung der Gegens\u00e4tze, die den Unterschied zu Stalin bis zur Unkenntlichkeit verwischte. <i>Stalin<\/i> war es gewesen, der gegen die Theorie vom Sieg des Sozialismus im unvermeidlichen Krieg mit &#8222;dem&#8220; Imperialismus immer wieder die M\u00f6glichkeit des friedlichen Nebeneinanders von Kapitalismus und Sozialismus betont hatte &#8211; nur ohne den <i>Begriff<\/i> der friedlichen Koexistenz zu benutzen. In seiner Konzeption war diese friedliche Koexistenz ein Mittel zur Ausnutzung der Widerspr\u00fcche zwischen den kapitalistischen M\u00e4chten gewesen, um Spielraum f\u00fcr die eigene revolution\u00e4re Strategie zu erhalten. In den H\u00e4nden seiner Nachfolger dagegen wurde sie zum Instrument der Blockpolitik, die die Verh\u00e4ltnisse einzementierte statt zum Tanzen brachte. Indem die Kommunisten in der SED das besiegte Deutschland unter der Parole des sofortigen Aufbaus des Sozialismus (mit-)spalteten, stellten sie sich im Schl\u00fcsselland Europas gegen das Gesetz der Geschichte, dankten als f\u00fchrende Kraft der Nation ab und r\u00e4umten den Platz f\u00fcr die Bourgeoisie. In den folgenden Jahrzehnten st\u00fcrzten die vorb\u00fcrgerlich-reaktion\u00e4ren Regimes im agrarischen S\u00fcden Europas (Spanien, Portugal, Griechenland) unter b\u00fcrgerlicher F\u00fchrung und entwickelte sich in den kapitalistischen Staaten der Parlamentarismus fort, bis schlie\u00dflich die nationaldemokratische Revolution 1989 in der DDR die Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution in Europa abschloss &#8211; <i>unter F\u00fchrung der Bourgeoisie<\/i>.<\/p>\n<p class=\"western\">W\u00e4hrend sich die Arbeiterklasse des Westens auf dem Boden \u00f6konomischer Prosperit\u00e4t allm\u00e4hlich immer weiter in die b\u00fcrgerliche Gesellschaft integrierte, wurde der &#8222;friedliche Weg&#8220; zum Sozialismus zum Weg in die Sackgasse, denn es gab \u00fcberhaupt keinen Weg zur Herrschaft des Proletariats mehr, weder friedlich noch gewaltsam. Aber die von den &#8222;Marxisten-Leninisten&#8220; unter dem Begriff des &#8222;modernen Revisionismus&#8220; vorgenommene Kritik beschr\u00e4nkte sich auf die Frage der friedlichen oder gewaltsamen Machtergreifung, d.h. auf eine Frage der Taktik, ohne die dahinter liegenden Fragen der Revolutionstheorie zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ebenso scheiterten die &#8222;linken&#8220; Kritiker beim Versuch, die innere Entwicklung der Sowjetunion durch eine &#8222;b\u00fcrgerliche Konterrevolution&#8220; mit der Folge des &#8222;Staatskapitalismus&#8220; oder &#8222;Staatsmonopolkapitalismus&#8220; zu erkl\u00e4ren. Sie negierten hartn\u00e4ckig, dass der Kapitalismus sich unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen nicht entfalten konnte. Freie (individuelle) Warenproduktion existierte nur auf den Nebenlandwirtschaften in Verbindung mit den st\u00e4dtischen Kolchosm\u00e4rkten. Ansonsten bestand die staatliche Agrarpolitik darin, durch garantierte Abnahmepreise und b\u00e4uerliche Mindest&#8220;l\u00f6hne&#8220; das Wertgesetz gerade <i>nicht<\/i> zur Geltung kommen zu lassen. Waren bereits der <i>einfachen<\/i> Warenproduktion Grenzen gezogen, so war <i>kapitalistische<\/i> Warenproduktion g\u00e4nzlich fernliegend, weil die Arbeitspl\u00e4tze staatlich garantiert waren und die Arbeitskraft auch nicht ansatzweise zur Ware wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Da s\u00e4mtliche Hauptmerkmale der kapitalistischen Produktionsweise fehlten \u2013 ob in privater oder staatlicher Form \u2013 mussten Schwarzmarktgesch\u00e4fte, Bestechung und schlechte Arbeitsmoral als Beweise herhalten, so dass am Ende die Korruption als b\u00fcrgerliche Produktionsweise erschien. In Wirklichkeit hatte die um sich greifende Korruption und Kriminalit\u00e4t die <i>Beibehaltung der alten Zust\u00e4nde<\/i> zur Grundlage. Nicht die Verwertung des Werts, sondern die Aufzehrung der geschaffenen Werte war das \u00f6konomische Grundcharakteristikum dieser Zeit. Die bestehenden Produktionsverh\u00e4ltnisse wurden zersetzt, <i>ohne dass sich neue herausbildeten<\/i>. Die Marktwirtschaft musste von oben und von au\u00dfen eingef\u00fchrt werden, und dazu war die Zeit erst reif, als es zu sp\u00e4t war. Die MLer konnten also mit ihrer Kritik nur eines beweisen: n\u00e4mlich dass die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie f\u00fcr sie ein Buch mit sieben Siegeln war.<\/p>\n<p class=\"western\">Allenfalls war die Theorie der b\u00fcrgerlichen Machtergreifung auf die Regierungszeit Breschnew-Kossygin anzuwenden, die Momente eines sp\u00e4ten Siegs der &#8222;Rechten&#8220; hatte. Aber welche &#8222;b\u00fcrgerlichen&#8220; Kr\u00e4fte sollten die kapitalistische Konterrevolution getragen haben? Die grundlegende Differenz zwischen den 20er Jahren und der Nachkriegszeit, zwischen Bucharin und Breschnew, bestand darin, dass die Kulaken als m\u00f6gliche soziale Tr\u00e4ger einer b\u00fcrgerlichen Entwicklung untergegangen waren und es auch kein st\u00e4dtisches Kleinb\u00fcrgertum mit eigenen Produktionsmitteln gab. In Ermangelung solcher Schichten versuchte man daher, die &#8222;Intelligenz&#8220; zum b\u00fcrgerlichen Entwicklungstr\u00e4ger zu machen. Aber abgesehen davon, dass es eine seltsame &#8222;herrschende Klasse&#8220; war, deren Angeh\u00f6rige im Durchschnitt weniger als die Arbeiter verdienten diese Klasse darstellen, gab insbesondere ihre Stellung zu den Produktionsmitteln f\u00fcr einen solchen Vorwurf nichts her.<\/p>\n<p class=\"western\">So blieb als neue Bourgeoisie nur die &#8222;Nomenklatura&#8220; \u00fcbrig, die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re von Staat und Partei. Sie besa\u00dfen zwar ebenfalls kein Eigentum an Produktionsmitteln, aber reichte nicht schon die &#8222;Verf\u00fcgung&#8220; dar\u00fcber aus? Das Problem war nur, dass sich ihre privilegierte Stellung auf die <i>vorhandene<\/i> Gesellschaftsordnung st\u00fctzte. Gerade die &#8222;Nomenklatura&#8220; hatte durch die Einf\u00fchrung des Kapitalismus am meisten zu verlieren und verteidigte deshalb z\u00e4h die alten Verh\u00e4ltnisse. Davon unbenommen versuchten ihre Angeh\u00f6rigen individuell nat\u00fcrlich, ihre pers\u00f6nliche Stellung und Beziehungen auszunutzen, als marktwirtschaftliche Reformen nicht mehr zu verhindern waren.<\/p>\n<p class=\"western\">Der Begriff des &#8222;modernen Revisionismus&#8220;, der eine historische Parallele zum &#8222;alten&#8220; Revisionismus der zweiten, sozialdemokratischen Internationale zog, war also in jeder Hinsicht fehlerhaft: <i>erstens<\/i> verdeckte er die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Westen und Russland, der den jeweiligen Arbeiterklassen einen eigenen Charakter sowie Sozialdemokratie und KPdSU ein g\u00e4nzlich anderes Gesicht gab; <i>zweitens<\/i> verwischte er die Gegens\u00e4tze zwischen Chruschtschow und Breschnew: nicht die &#8222;Rechten&#8220;, sondern die &#8222;Linken&#8220; waren hauptverantwortlich f\u00fcr den Niedergang der kommunistischen Arbeiterbewegung; <i>drittens<\/i> war die Berufung auf Stalin ohne jede Substanz, denn man hatte von der tats\u00e4chlichen Politik Stalins nichts begriffen; <i>viertens<\/i> stand die &#8222;b\u00fcrgerliche&#8220; Herleitung des Bruchs der 50er Jahre im Gegensatz zur politischen \u00d6konomie des Marxismus. Mit dieser Abgrenzung war das eigene theoretische Fundament auf Sand gebaut und hatten die MLer keine Perspektive.<\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"center\"><b>Schluss:<br \/>\nStalin als Organisator des russischen Wegs zum Sozialismus<\/b><\/h3>\n<p class=\"western\">Das Geheimnis der russisch-sowjetischen Entwicklung ist die d\u00f6rfliche Umteilungsgemeinde. In ihrem gemeinsamen Vorwort von 1882 zur zweiten russischen Ausgabe des &#8222;Kommunistischen Manifest&#8220; stellten Marx und Engels die Frage: &#8222;Kann die russische Obschtschina, eine wenn auch stark untergrabene Form des uralten Gemeinbesitzes am Boden, unmittelbar in die h\u00f6here des kommunistischen Gemeinbesitzes \u00fcbergehen?&#8220; Ihre Antwort darauf lautete: &#8222;Wird die russische Revolution das Signal einer proletarischen Revolution im Westen, so dass beide einander erg\u00e4nzen, so kann das jetzige russische Gemeineigentum am Boden zum Ausgangspunkt einer kommunistischen Entwicklung dienen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote125sym\" name=\"sdfootnote125anc\">125<\/a><\/sup> In den kommenden Jahrzehnten gingen die zeitgen\u00f6ssischen Marxisten, allen voran Engels und Lenin, davon aus, dass die Dorfgemeinde unrettbar zugrundeging &#8211; und mit ihr die erste Voraussetzung des &#8222;russischen&#8220; Wegs zum Sozialismus. Man sah nicht, dass sie zwar zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde, aber nicht nur am Leben blieb, sondern Kristallisationspunkt des b\u00e4uerlichen Widerstands gegen die aufgezwungenen Ver\u00e4nderungen wurde.<\/p>\n<p class=\"western\">Im Revolutionsjahr 1917 mussten die Bolschewiki ihr in langj\u00e4hrigen theoretischen K\u00e4mpfen entstandenes Agrarprogramm aufgeben und das Agrarprogramm der b\u00e4uerlichen Sozialrevolution\u00e4re akzeptieren, das in Form der Nationalisierung des Bodens <i>ganz Russland zur Dorfgemeinde erhob<\/i>. Nur unter Anerkennung ihrer <i>eigenen<\/i> Forderungen waren die Bauern bereit, mit der Arbeiterklasse zu gehen. Ohne dass die F\u00fchrer der Partei jemals die Konsequenzen daraus debattierten, verwirklichte der praktische Auftritt der russischen Bauernmassen im Revolutionsjahr 1917 also eine Grundannahme der 1882 von Marx und Engels getroffenen Feststellung.<\/p>\n<p class=\"western\">Dagegen realisierte sich die zweite Bedingung ihrer Stellungnahme, die proletarische Revolution im Westen, nach 1917 so wenig wie am Ausgang des vorhergehenden Jahrhunderts. Russland musste den Weg zum Sozialismus allein gehen, und der Organisator dieses Wegs wurde Stalin. Gegen den Marxismus seiner Zeit, der von Kautsky bis Trotzki daran festhielt, dass die Arbeitermacht ohne industrielle Hilfe durch das Proletariat des Westens verloren sei, setzte er Mitte der 20er Jahre zun\u00e4chst die Auffassung vom &#8222;Aufbau des Sozialismus in einem Land&#8220; durch. In der Krise Ende der 20er Jahre dann schuf seine Politik der gleichzeitigen Kollektivierung und Industrialisierung die \u00f6konomischen Grundlagen f\u00fcr den Sozialismus. Diese Entwicklung musste &#8222;von oben&#8220;, durch den Staat organisiert werden und trug unter den b\u00e4uerlichen Verh\u00e4ltnissen des Landes notwendig barbarische Z\u00fcge. Nur so war die Industrialisierung zu bewerkstelligen, die das Land in die Moderne f\u00fchrte und ohne welche der Sieg im zweiten Weltkrieg nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, der das ganze zivilisierte Europa vor der r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Barbarei des deutschen Nationalsozialismus rettete.<\/p>\n<p class=\"western\">Stalin f\u00fchrte die russische Arbeiterklasse vom Staatskapitalismus der NEP zum Staatssozialismus. Aber jeder Schritt auf dem Weg voran zum Kommunismus, den er organisierte, lie\u00df neue, gr\u00f6\u00dfere Hindernisse emporwachsen. Die Kollektivierung vernichtete die Kulaken und erm\u00f6glichte durch den Zugriff auf das b\u00e4uerliche Mehrprodukt die Industrialisierung &#8211; aber sie beseitigte zugleich die sozialen Unterschiede im Dorf und lie\u00df die Bauernschaft ihr bleiernes Gewicht umso massiver zur Geltung bringen. Die Industrialisierung schuf die \u00f6konomischen Grundlagen f\u00fcr den Sozialismus &#8211; aber daraus ging eine b\u00e4uerlich unentwickelte Arbeiterklasse hervor, die nicht f\u00e4hig war, die Gesellschaft zu f\u00fchren, sondern &#8222;von oben&#8220; vorw\u00e4rtsgetrieben werden musste. Der Kampf gegen die &#8222;Linken&#8220; stabilisierte das Arbeiter-Bauern-B\u00fcndnis &#8211; aber er zerst\u00f6rte das theoretische Niveau und die Diskussionskultur des russischen Marxismus und lie\u00df eine Massenpartei der unentwickelten Arbeiterklasse entstehen. Der Sieg im zweiten Weltkrieg schlie\u00dflich stellte die Lebenskraft der neuen Ordnung unter Beweis und machte die Sowjetunion zur Weltmacht &#8211; aber er zehrte die Energien der Massen auf und brachte in der Sowjetischen Besatzungszone diejenige Partei an die Macht, die in der Komintern das Zentrum des linken Radikalismus gewesen war.<\/p>\n<p class=\"western\">Das Programm f\u00fcr die n\u00e4chste Etappe des sozialistischen Aufbaus, das Stalin als Antwort auf die Schl\u00fcsselkrise Anfang der 50er Jahre in den &#8222;\u00d6konomischen Problemen&#8220; entwickelte, wurde nur von einer Minderheit getragen. Die schwache Stellung des Parteizentrums spiegelt sich nicht zuletzt in der Reaktion auf die Schrift wider. Lauthals gelobt wurden die allgemein-theoretischen Passagen wie die (fehlerhafte) Definition des Grundgesetzes des modernen Kapitalismus oder die (ebenso fehlerhafte) Erkl\u00e4rung der allgemeinen Krise des kapitalistischen Weltsystems. Die <i>konkreten<\/i> Ausf\u00fchrungen zur sowjetischen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Au\u00dfenpolitik sowie zur internationalen Revolutionsstrategie riefen keine \u00f6ffentliche Debatte hervor.<\/p>\n<p class=\"western\">Eine Schw\u00e4che von Stalins Position war ihre fehlende theoretische Fundierung. Die Oktoberrevolution bewirkte in der Praxis einen fundamentalen Bruch mit den Grundannahmen des zeitgen\u00f6ssischen Marxismus, der davon ausgegangen war, dass die Revolution zuerst in den kapitalistisch entwickelten L\u00e4ndern Europas siegen und proletarisch-sozialistischen Charakter tragen w\u00fcrde. Aber weder der eigene Charakter der russischen Agrarverh\u00e4ltnisse noch das Grundproblem der Revolutionstheorie dieses Jahrhunderts wurde gekl\u00e4rt, n\u00e4mlich die Frage, ob das Proletariat nicht nur als F\u00fchrerin einer b\u00fcrgerlichen Volksrevolution an die Macht gelangen konnte. Auch Stalin agierte im wesentlichen als Mann der Praxis, ohne die weitergehenden theoretischen Fragen aufzuwerfen. Sein Hinweis auf eine Politik &#8222;wie vor 30 Jahren&#8220;, d.h. auf die NEP, ging ebenso unter wie seine Bemerkung \u00fcber die &#8222;Erhebung des Banners der b\u00fcrgerlichen Demokratie&#8220; in den kapitalistischen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"western\">Nach Stalins Tod gab es f\u00fcr die Realisierung seiner Politik keine Chance mehr. Im Westen unterlief die SED bereits 1952 durch den Beschluss zum Aufbau des Sozialismus in der DDR seine Revolutionsstrategie. Innenpolitisch blockierte das antagonistische Zusammenspiel von Rechten und &#8222;Linken&#8220;, die &#8222;rechte&#8220; Bauernpolitik Malenkows und der schlie\u00dfliche Sieg der &#8222;Linken&#8220; unter Chruschtschow den weiteren Aufbau des Sozialismus. Damit war der Weg in den Untergang vorgezeichnet.<\/p>\n<p class=\"western\"><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Chruschtschow, Nikita S.: Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPdSU an den XX.Parteitag, Februar 1956, Dietz-Verlag, Berlin 1956<\/p>\n<p class=\"western\">Ehlers, Kai: Herausforderung Russland. Vom Zwangskollektiv zur selbstbestimmten Gemeinschaft? Eine Bilanz zur Privatisierung, Schmetterling-Verlag, Stuttgart 1997<\/p>\n<p class=\"western\">Heller, Michail \/ Nekrich, Alexander: Geschichte der Sowjetunion, Zweiter Band 1940-1980, Athen\u00e4um-Verlag, K\u00f6nigstein\/Ts 1982<\/p>\n<p class=\"western\">Hildermeier, Manfred: Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis 1991; C.H.Beck, M\u00fcnchen 1998<\/p>\n<p class=\"western\">Karuscheit, Heiner \/ Schr\u00f6der, Alfred: Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus. Aufs\u00e4tze \u00fcber die Klassenkr\u00e4fte an den Wendepunkten der russisch-sowjetischen Geschichte; VTK, M\u00fcnchen 1993<\/p>\n<p class=\"western\">Karuscheit, Heiner: Das Scheitern des deutschen Kommunismus. Stalin und der Sieg des linken Radikalismus in der DDR, VTK, M\u00fcnchen 1997<\/p>\n<p class=\"western\">Knoll, Viktor \/ K\u00f6lm, Lothar (Hrsg. und \u00dcbersetzer): Der Fall Berija. Protokoll einer Abrechnung &#8211; Das Plenum des ZK der KPdSU Juli 1953, Stenographischer Bericht, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1993<\/p>\n<p class=\"western\">Leonhard, Wolfgang: Kreml ohne Stalin, Verlag f\u00fcr Politik und Wirtschaft, K\u00f6ln 1959<\/p>\n<p class=\"western\">Malenkow, G.: Rechenschaftsbericht an den XIX.Parteitag \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Zentralkomitees der KPdSU(B), Verlag f\u00fcr fremdsprachige Literatur, Moskau 1952<\/p>\n<p class=\"western\">Medwedew, Roy: Chruschtschow. Eine politische Biographie, Seewald-Verlag, Stuttgart-Herford 1984<\/p>\n<p class=\"western\">Nolte, Hans-Heinrich: Russland, UdSSR &#8211; Geschichte, Politik, Wirtschaft, Hannover 1991<\/p>\n<p class=\"western\">Nove, Alec: Das sowjetische Wirtschaftssystem, Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1980<\/p>\n<p class=\"western\">&#8222;Osteuropa&#8220; &#8211; Zeitschrift f\u00fcr Gegenwartsfragen des Ostens&#8220;, hrsg. von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Osteuropakunde, Heft 6 \/ 2.Jahrgang, Dezember 1952 (DVA Stuttgart)<\/p>\n<p class=\"western\">Pieck, Wilhelm: Aufzeichnungen zur Deutschlandpolitik 1945-1953, hrsg. von Rolf Badst\u00fcbner und Wilfried Loth, Akademie-Verlag, Berlin 1994<\/p>\n<p class=\"western\">Rauch, Georg von: Geschichte der Sowjetunion, Alfred Kr\u00f6ner Verlag, Stuttgart 1990<\/p>\n<p class=\"western\">Shdanow, A. e.a.: Die internationale Lage nach dem 2.Weltkrieg, Internationaler Buch- und Platten Verlag und Vertrieb, 2.Auflage, Oktober 1975<\/p>\n<p class=\"western\">Stalin, J.W.: Fragen des Leninismus, Verlag f\u00fcr fremdsprachige Literatur, Moskau 1947<\/p>\n<p class=\"western\">Stalin, J.W.: Werke (SW), Band 1-14 Dietz-Verlag, Berlin 1950; Band 15 (Schriften Mai 1945-Oktober 1952): Verlag Roter Morgen, Dortmund 1976<\/p>\n<p class=\"western\">St\u00f6kl, G\u00fcnther: Russische Geschichte, Kr\u00f6ner-Verlag, Stuttgart 1983<\/p>\n<p class=\"western\">Teckenberg, Wolfgang: Gegenwartsgesellschaften: UdSSR; Teubner, Stuttgart 1983<\/p>\n<p class=\"western\">W\u00e4dekin, Karl-Eugen: Die sowjetischen Staatsg\u00fcter. Expansion und Wandlungen des Sovchozsektors; Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1969<\/p>\n<p class=\"western\">W\u00e4dekin, Karl-Eugen: Sozialistische Agrarpolitik in Osteuropa, Berlin 1978<\/p>\n<p class=\"western\">Wann und warum der Sozialismus in der Sowjetunion scheiterte, Zeitungsverlag Roter Morgen, Stuttgart 1996<\/p>\n<p class=\"western\">Wein, Norbert: Die sowjetische Landwirtschaft, Sch\u00f6ningh, Paderborn 1980<\/p>\n<p class=\"western\">Wein, Norbert: Die Sowjetunion, Paderborn-M\u00fcnchen-Wien-Z\u00fcrich 1985<\/p>\n<p class=\"western\">Weingartner, Thomas: Die Au\u00dfenpolitik der Sowjetunion seit 1945. Bertelsmann-Universit\u00e4tsverlag, 1973<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> VTK 1993<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> In dem Buch &#8222;Herausforderung Russland&#8220; schildert Kai Ehlers die bis in die Gegenwart fortwirkende &#8222;obscina&#8220;-Tradition im Verhalten und Denken vieler Russen anhand konkreter Beispiele, kl\u00e4rt allerdings nicht die Frage nach den materiellen Wurzeln in den heutigen Verh\u00e4ltnissen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Neue Verh\u00e4ltnisse &#8211; Neue Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus. Rede auf der Beratung der Wirtschaftler, 23.Juni 1931; SW 13, S.51<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Nove, S.249<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> Nove, S.249, 253<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> Alfred Schr\u00f6der, Referat auf der Sozialismus-Konferenz Januar 1998; AzD 66<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> Vor Erfolgen von Schwindel befallen. Zu den Fragen der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, M\u00e4rz 1930, SW 12, S.168<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.268<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> Das Musterstatut ist abgedruckt im Anhang zu Lenin-Stalin: Zu Fragen der Landwirtschaft, Dietz-Verlag, Berlin 1955, S.449-466<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> In seiner Rede vom 19.Februar 1933 auf dem Ersten Unionskongress der Sto\u00dfarbeiter der Kollektivwirtschaften sprach Stalin von einem &#8222;kleinen Missverst\u00e4ndnis&#8220; zwischen der Sowjetmacht und den Kollektivb\u00e4uerinnen &#8222;vor nicht langer Zeit&#8220; wegen der eigenen Kuh (SW 13, S.226). Das &#8222;kleine Missverst\u00e4ndnis&#8220; war der Angelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Stalin und den &#8222;Linken&#8220; um die Kollektivierung gewesen. Die von &#8222;Linken&#8220; gef\u00fchrten proletarischen Sto\u00dfbrigaden hatten versucht, die individuelle Hofparzelle abzuschaffen und das Halten von Privatvieh zu verbieten &#8211; und damit eine Welle von Bauernaufst\u00e4nden provoziert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> \u00dcber den Entwurf der Verfassung der UdSSR, November 1936, in: Fragen des Leninismus, S.622<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Auf Molotow zielte Chruschtschow in seinem Rechenschaftsbericht an den 20.Parteitag, als er &#8222;fehlerhafte Formulierungen&#8220; einzelner Funktion\u00e4re &#8222;in der Art&#8220; kritisierte, &#8222;dass bei uns vorl\u00e4ufig erst die Grundlagen, das hei\u00dft das Fundament des Sozialismus geschaffen worden seien.&#8220; (Chruschtschow, S.152)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Die Industrialisierung wurde zum erheblichen Teil finanziert aus der Differenz zwischen dem Getreidepreis, der den Bauern gezahlt wurde, und dem Brotpreis, den die St\u00e4dter zahlen mussten. Nach den (unbest\u00e4tigten) Angaben Noves zahlte der Staat den Bauern im Jahr 1948 maximal 8 Rubel f\u00fcr eine Tonne Roggen und berechnete f\u00fcr die Abgabe an die staatlichen M\u00fchlen einen Verrechnungspreis von 338 Rubeln (Nove, S.236).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Erkl\u00e4rung zur Herausgabe der &#8222;Kommunistischen Zeitung&#8220;, Kommunistische Zeitung Nr.1, Februar 1998<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> Malenkow auf dem &#8222;Berija-Plenum&#8220; des ZK der KPdSU im Juli 1953; in: Knoll, S.41, 316<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> &#8222;Es l\u00e4sst sich nicht behaupten, dass die Reinigung ohne ernstliche Fehler durchgef\u00fchrt wurde. Leider wurden mehr Fehler begangen, als anzunehmen war.&#8220; (Stalin in: Fragen des Leninismus, S.713)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> Medwedew, S.92<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> Nolte, S.185<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> Shdanow, S.20<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a> \u00dcber die Fehler des Genossen Jaroschenko, in: \u00d6konomische Probleme &#8230;, SW 15, S.316<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a> Leonhard, S.89 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> Medwedew, S.82<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> Heller, S.289<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a> Rauch, S.463<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a> SW 15, S.262<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a> Rauch, S.486<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a> Medwedew, S.92<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a> \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.287 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a> Rede auf dem 19.Parteitag der KPdSU, 14.Oktober 1952, SW 15, S.189 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a> \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.284 ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a> Gespr\u00e4ch vom April 1952, in: Pieck, S.396<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a> Ausf\u00fchrlich hierzu die erw\u00e4hnte Brosch\u00fcre \u00fcber die DDR: Das Scheitern des deutschen Kommunismus<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a> Klaus Mehnert, \u00dcber Stalins &#8222;Wirtschaftsprobleme des Sozialismus in der UdSSR&#8220;, in: Osteuropa, Heft 6\/1952, S.409<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a> \u00dcber die Fehler des Genossen L.D.Jaroschenko, \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.316-319; Hervorhebung durch Stalin<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a> \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.271<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a> Osteuropa (Zeitschrift), S.459<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a> Antwort an die Genossen A.W.Sanina und W.G.Wensher, \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.336. In dem Buch &#8222;Von der Oktoberrevolution&#8230;&#8220; wurde vom Autor behauptet, Stalin habe aus den Kolchosen Staatsbetriebe machen wollen. Auf diesen Fehler haben die Autoren des Buchs &#8222;Wann und warum der Sozialismus scheiterte&#8220; aufmerksam gemacht (S.105).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a> SW 15, S.268<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a> Bereits Anfang der 30er Jahre hatte Stalin auf das Problem aufmerksam gemacht, dass als negative Seite der Kollektivierung der einzelne Kolchosbauer &#8222;die Verantwortung von sich abw\u00e4lzen und auf die anderen Mitglieder der Kollektivwirtschaft&#8220; bauen kann. (&#8222;\u00dcber die Arbeit auf dem Lande&#8220;, Rede vom 11.Januar 1933, SW 13, S.199)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a> in: Knoll, S.317<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p class=\"western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a> Antwort an die Genossen A.W.Sanina und W.G.Wensher, \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.342<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a> \u00d6konomische Probleme, SW 15, S.269<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a> Die ganze Schrift liest sich im beschriebenen Zusammenhang als Kampfschrift gegen die Linken. Stalin schrieb darin, &#8222;dass keine Wissenschaft ohne Kampf der Meinungen, ohne Freiheit der Kritik sich entwickeln und gedeihen kann&#8220;, und attackierte den Dogmatismus und das &#8222;Araktschejew-Regime&#8220; (eine Epoche des Polizeidespotismus und der Milit\u00e4rwillk\u00fcr Anfang des 19.Jahrhunderts in Russland) in der Sprachwissenschaft (SW 15, S.225). Verantwortlich f\u00fcr diesen Zustand war der Kulturminister, der mittlerweile gestorbene Shdanow.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a> SW 15, S.262<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a> Malenkow, S.75<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a> In der \u00dcbersetzung steht hier &#8222;Warenaustausch&#8220;. Aus dem Zusammenhang ergibt sich, dass Produktenaustausch gemeint sein muss.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a> Rede auf dem Plenum des ZK der KPdSU vom Juli 1953 (&#8222;Berija-Plenum&#8220;), in: Knoll, S.318<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a> in: Knoll, S.318; Hervorhebung durch mich; H.K.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a> Malenkow, S.139, 144, 143<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a> Heller, S.215<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a> Molotows Erkl\u00e4rung von 1955 nach: Heller, S.215; sein Bericht vom 8.Februar 1957 vor dem Obersten Sowjet nach: Leonhard 1959, S.166<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a> Medwedew, S.91<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a> Leonhard 1959, S.262<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a> Karuscheit 1997 (DDR-Brosch\u00fcre), S.23<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a> Medwedew, S. 91, 98<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a> in: Knoll S.257<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a> in: Knoll, S.36<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a> Rede vom 8.3.1963 in: &#8222;Neues Deutschland&#8220; Nr 73 vom 14.3.1963, S.4; auszugsweise abgedruckt in: Weingartner, S.102<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a> in: Knoll, S.56<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a> Medwedew, S.100<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a> &#8222;Malenkow neigte eher zu einer intensiveren Nutzung bereits kultivierter B\u00f6den.&#8220; (Heller, S.214; s.a. S.235)<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a> Leonhard 1959, S.262<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a> Rauch, S.504<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a> Heller, S.214<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a> Hildermeier, S.799<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><span lang=\"en-GB\"> Medwedew, S.98<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><span lang=\"en-GB\"> Medwedew, S.107<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a><span lang=\"en-GB\"> Heller, S.210<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><span lang=\"en-GB\"> Leonhard, S. 133, 134 f<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><span lang=\"en-GB\"> St\u00f6kl, S.763<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a><span lang=\"en-GB\"> Leonhard, S.339<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a><span lang=\"en-GB\"> Medwedew, S.160<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a><span lang=\"en-GB\"> Medwedew, S.163<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a><span lang=\"en-GB\"> Leonhard, S.350<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a><span lang=\"en-GB\"> Leonhard 1959, S.385<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a> Leonhard, S.365f; Medwedew, S.170<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a> Hildermeier, S.916<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a> Nove, S.245; Hildermeier, S.915<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a> Nove, S.250, 254; die Zahlen stammen aus den 70er Jahren.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote80\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote80anc\" name=\"sdfootnote80sym\">80<\/a> Nove, S.257<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote81\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote81anc\" name=\"sdfootnote81sym\">81<\/a> Hildermeier, S.913<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote82\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote82anc\" name=\"sdfootnote82sym\">82<\/a> Nove, S.254, 255<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote83\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote83anc\" name=\"sdfootnote83sym\">83<\/a> Nove, S.255<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote84\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote84anc\" name=\"sdfootnote84sym\">84<\/a> Hildermeier, S.927<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote85\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote85anc\" name=\"sdfootnote85sym\">85<\/a> Teckenberg, S.266, 438<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote86\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote86anc\" name=\"sdfootnote86sym\">86<\/a> Heller, S.237<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote87\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote87anc\" name=\"sdfootnote87sym\">87<\/a> Medwedew, S.188<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote88\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote88anc\" name=\"sdfootnote88sym\">88<\/a> Heller, S.237<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote89\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote89anc\" name=\"sdfootnote89sym\">89<\/a> Nove, S.235<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote90\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote90anc\" name=\"sdfootnote90sym\">90<\/a> Heller, S.238<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote91\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote91anc\" name=\"sdfootnote91sym\">91<\/a> Heller, S.238<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote92\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote92anc\" name=\"sdfootnote92sym\">92<\/a> W\u00e4dekin 1969, S.8<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote93\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote93anc\" name=\"sdfootnote93sym\">93<\/a> nach: W\u00e4dekin 1969, S.57<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote94\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote94anc\" name=\"sdfootnote94sym\">94<\/a> W\u00e4dekin, S.57<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote95\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote95anc\" name=\"sdfootnote95sym\">95<\/a> Medwedew, S.187 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote96\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote96anc\" name=\"sdfootnote96sym\">96<\/a> \u00d6konomische Probleme des Sozialismus (Antwort an die Genossen Sanina und Wensher); SW 15, S.339<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote97\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote97anc\" name=\"sdfootnote97sym\">97<\/a> Medwedew, S.188, Heller, S.237<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote98\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote98anc\" name=\"sdfootnote98sym\">98<\/a> W\u00e4dekin 1969, S.40-45<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote99\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote99anc\" name=\"sdfootnote99sym\">99<\/a> W\u00e4dekin1969, S.43<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote100\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote100anc\" name=\"sdfootnote100sym\">100<\/a> Rauch, S.528<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote101\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote101anc\" name=\"sdfootnote101sym\">101<\/a> St\u00f6kl, S.776<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote102\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote102anc\" name=\"sdfootnote102sym\">102<\/a> Stalin: Zu den Fragen des Leninismus (1926), in: Fragen des Leninismus, S.154 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote103\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote103anc\" name=\"sdfootnote103sym\">103<\/a> Rauch, S.535<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote104\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote104anc\" name=\"sdfootnote104sym\">104<\/a> Fjodor Burlazki: Breshnew und das Ende der Tauwetterperiode; in: INITIAL 5\/90, S.497<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote105\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote105anc\" name=\"sdfootnote105sym\">105<\/a> Medwedew, S.67<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote106\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote106anc\" name=\"sdfootnote106sym\">106<\/a> Wein 1985, S.132 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote107\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote107anc\" name=\"sdfootnote107sym\">107<\/a> Wein 1985, S.133<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote108\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote108anc\" name=\"sdfootnote108sym\">108<\/a> Wein 1985, S.112<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote109\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote109anc\" name=\"sdfootnote109sym\">109<\/a> Nove, S.173 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote110\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote110anc\" name=\"sdfootnote110sym\">110<\/a> Wein 1985, S.98<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote111\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote111anc\" name=\"sdfootnote111sym\">111<\/a> W\u00e4dekin 1969, S.38 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote112\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote112anc\" name=\"sdfootnote112sym\">112<\/a><span lang=\"en-GB\"> Nove, S.238<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote113\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote113anc\" name=\"sdfootnote113sym\">113<\/a> Nove, S.238<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote114\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote114anc\" name=\"sdfootnote114sym\">114<\/a> Wein 1985, S.154 f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote115\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote115anc\" name=\"sdfootnote115sym\">115<\/a> Wein 1980, S.30<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote116\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote116anc\" name=\"sdfootnote116sym\">116<\/a> Wein 1985, S.133<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote117\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote117anc\" name=\"sdfootnote117sym\">117<\/a> Wein 1985, S.152, 162<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote118\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote118anc\" name=\"sdfootnote118sym\">118<\/a> Heller, S.302<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote119\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote119anc\" name=\"sdfootnote119sym\">119<\/a> Heller, S.302<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote120\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote120anc\" name=\"sdfootnote120sym\">120<\/a> Hildermeier, S.912<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote121\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote121anc\" name=\"sdfootnote121sym\">121<\/a> Rauch S.540<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote122\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote122anc\" name=\"sdfootnote122sym\">122<\/a> Nove, S.236<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote123\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote123anc\" name=\"sdfootnote123sym\">123<\/a> Nove, S.238<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote124\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote124anc\" name=\"sdfootnote124sym\">124<\/a> F\u00fcr den Kampf gegen den Personenkult waren die &#8222;Linken&#8220; bestens ger\u00fcstet, wof\u00fcr das Beispiel von Pospelow steht. Urspr\u00fcnglich Mitglied des Autorenkollektivs, das die <i>partei<\/i>offizielle &#8222;Kurze Lebensbeschreibung&#8220; Stalins verfasste &#8211; ein Machwerk des Personenkults ohnegleichen, wurde er nach Stalins Tod Vorsitzender der &#8222;Entstalinisierungskommission&#8220;, die den Personenkult als Zentrum allen \u00dcbels entlarvte und die Vorlage f\u00fcr Chruschtschows &#8222;Geheimrede&#8220; gegen Stalin erarbeitete.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote125\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote125anc\" name=\"sdfootnote125sym\">125<\/a> MEW 19, S.296<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Heiner Karuscheit (Der folgende Beitrag wurde zuerst ver\u00f6ffentlicht in: AzD 67 (1999)) Vorbemerkung In dem Buch &#8222;Von der Oktoberrevolution zum Bauernsozialismus&#8220;1 stellten sich Alfred Schr\u00f6der und der Autor dieser Zeilen die Aufgabe, Entstehung und Entwicklung der Sowjetunion aus den bestehenden Klassen und ihren K\u00e4mpfen heraus zu untersuchen. Als wesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Geschichte &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1687\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die Schl\u00fcsselkrise der 50er Jahre in der Sowjetunion<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1687","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1687"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1691,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1687\/revisions\/1691"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}