{"id":1672,"date":"2019-04-20T16:21:57","date_gmt":"2019-04-20T14:21:57","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1672"},"modified":"2019-04-20T16:21:57","modified_gmt":"2019-04-20T14:21:57","slug":"novemberfragen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1672","title":{"rendered":"Novemberfragen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Der folgende Beitrag wurde zuerst ver\u00f6ffentlicht in: Berliner Debatte Initial 30 (2019 \u2013 1)<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Heiner Karuscheit<\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Publizistik zum 100.\u00a0Jahrestag der Novemberrevolution: Inhalt und Grenzen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Feierstunde des Bundestags am 9.November 2018 zum 100.Jahrestag der Novemberrevolution bemerkte Bundespr\u00e4sident Steinmeier als Festredner, dass diese Revolution \u201ebis heute kaum Spuren im Ged\u00e4chtnis unserer Nation hinterlassen\u201c hat (\u201eDas Parlament\u201c Nr.46-47 vom 12.November 2018). Dem ist nicht zu widersprechen, denn w\u00e4hrend andere Nationen mit Stolz ihre Revolutionen feiern, f\u00fchrt der Novemberumsturz in Deutschland ein Schattendasein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Grund daf\u00fcr erschlie\u00dft sich beim Blick auf den historischen Kontext. Siebzig Jahre vor dem November 1918 war die b\u00fcrgerliche Revolution von 1848\/49 fehlgeschlagen, aber in ihrem Gefolge hatte Bismarck zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter durch die Gr\u00fcndung des Nationalstaats die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nationale<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Aufgabenstellung dieser Revolution verwirklicht \u2013 und die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zur\u00fcckgeworfen. Dagegen folgte nach der scheinbar gegl\u00fcckten Revolution von 1918\/19 vierzehn Jahre sp\u00e4ter der tiefe Fall in den Nationalsozialismus. Au\u00dferdem stellte sich die Mehrheit des B\u00fcrgertums, als dessen Vertreter Steinmeier sprach, vor hundert Jahren <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gegen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Republik, lediglich die linksliberale, im Kleinb\u00fcrgertum verankerte Deutsche Demokratische Partei begr\u00fc\u00dfte sie als Vollendung der 48er Revolution. Und schlie\u00dflich gilt die SPD zwar als Sch\u00f6pferin der Republik, aber ihre F\u00fchrung hatte die Monarchie beibehalten wollen und verhinderte, dass der neue Staat ein hinreichendes gesellschaftliches Fundament erhielt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angesichts dieses historischen Minenfelds wies ein Kommentator gleich zu Beginn des Jahrhundertjahres auf die Schwierigkeiten hin, die ein Festtagsredner haben w\u00fcrde, den Gedenktag angemessen zu w\u00fcrdigen (Alexander Gallus, FAZ vom 2.2.2018, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/buecher-zur-novemberrevolution-haette-besser-laufen-koennen-15413456.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/buecher-zur-novemberrevolution-haette-besser-laufen-koennen-15413456.html<\/a>). Die Rede Steinmeiers stellte dies schlagend unter Beweis. Der Redner umschiffte alle heiklen Fragen und wiederholte, was seit geraumer Zeit ein Mantra der Geschichtsschreibung ist: die Weimarer Demokratie habe zwar eine schwierige Geburt gehabt, sei aber durchaus lebensf\u00e4hig gewesen. Dazu geh\u00f6rte, dass er ihren Untergang dem deutschen Volk anlastete, das \u201ein demokratischen Wahlen den Demokratiefeinden zur Mehrheit verhalf\u201c, anstatt die Frage aufzuwerfen, ob dies nicht vielleicht daran lag, dass der neue Staat nicht aus der Novemberrevolution, sondern aus deren Niederschlagung, d.h. einer Konterrevolution hervorgegangen war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der eben erw\u00e4hnte Kommentator bedauerte nicht nur die Festredner des Jahrestags, sondern erhoffte sich gleichzeitig eine \u201ewachger\u00fcttelte Revolutionsforschung, die nicht gleich im ersten Jahr nach dem runden Geburtstag wieder entschlummern m\u00f6ge. Schlie\u00dflich hat sie noch viele neue Wege zu erkunden.\u201c (ebd.) Diese Aussage kann nur unterstrichen werden. Sobald man sich intensiver mit den Novemberereignissen besch\u00e4ftigt und den richtigen Zugang findet, \u00f6ffnet sich hinter einer scheinbar stabilen Mauer aus gesicherten Erkenntnissen ein weites Feld offener Fragen, das von der Rolle der Sozialdemokratie und der revolution\u00e4ren Linken bis zur b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland und dem Zusammenhang mit der Herrschaft des Nationalsozialismus reicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Tragweite dieser Fragen nachvollziehen zu k\u00f6nnen, ist es unumg\u00e4nglich, die eigenen, beim Betreten dieses Feldes bislang gewonnenen Erkenntnisse umf\u00e4nglicher darzustellen als bei einer einfachen Publikations\u00fcbersicht angebracht. Zu diesem Zweck werfen wir vorab einen R\u00fcckblick auf die Geschichtsschreibung zur Novemberrevolution nach dem 2.\u00a0Weltkrieg, um von dort aus die weitergehenden Fragen zu entwickeln.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die bisherige Geschichtsschreibung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Westen herrschte zun\u00e4chst eine strikte Entweder-Oder-These vor, die von einer drohenden Umsturzgefahr durch die Spartakusgruppe\/KPD ausging und die F\u00fchrung der (Mehrheits-) SPD deshalb vor einer einfachen Alternative sah: entweder \u00fcberlie\u00df sie den bolschewistischen Kr\u00e4ften das Feld und lie\u00df eine proletarische Diktatur zu \u2013 oder sie musste mit der alten Milit\u00e4rf\u00fchrung zusammenarbeiten, um die Demokratie vor dem Bolschewismus zu retten. Letzteres war die Rechtfertigung, die die SPD selber f\u00fcr ihr Vorgehen angef\u00fchrt hatte und die im Zeichen des Antikommunismus und des Kalten Kriegs als Erkenntnis der Historiographie fortgesetzt wurde. Ihr Gegenst\u00fcck fand diese Position in der Geschichtsschreibung der DDR, die St\u00e4rke und Einfluss der Spartakusgruppe\/KPD ma\u00dflos \u00fcberzeichnete und daraus schlussfolgerte, dass der Sieg des Sozialismus nur durch den Verrat der SPD-F\u00fchrung verhindert worden sei.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnend mit den 60er Jahren setzte dann in der BRD eine vertiefte Revolutionsforschung zum November ein, die unter Einbeziehung von Regional- und Lokalstudien vor allem die R\u00e4tebewegung, ihre Zusammensetzung, Aktivit\u00e4ten und Ziele untersuchte (zusammenfassender \u00dcberblick in: Kolb; Schumann: 170ff). Quellenm\u00e4\u00dfig breit abgesichert, revidierten die in ihrem Verlauf erschienenen Studien das bis dahin vorherrschende Geschichtsbild gr\u00fcndlich, indem sie zweierlei belegten: erstens, dass die Revolutionsr\u00e4te weder von Spartakus unterwandert waren noch mehrheitlich sozialistische Ziele verfochten, sondern wesentlich die Beseitigung des preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaats zum Ziel hatten, also Tr\u00e4ger nicht eines revolution\u00e4r-<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialistischen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, sondern eines revolution\u00e4r-<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratischen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Umsturzes waren. Zweitens wiesen sie nach, dass die Spartakusgruppe\/KPD sowohl aufgrund der geringen Zahl ihrer Anh\u00e4nger als auch wegen ihrer inneren Gegens\u00e4tze zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Herausforderung f\u00fcr den Staat darstellte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Konsequenz daraus war die bis dahin behauptete Alternativlosigkeit der SPD-Politik nicht mehr zu halten. Man musste akzeptieren, dass die Parteif\u00fchrung gen\u00fcgend Spielraum f\u00fcr eine andere Politik gehabt und ihre Zusammenarbeit mit den alten Machteliten die Demokratie geschw\u00e4cht hatte. Der Nestor der deutschen Historiographie, Heinrich August Winkler, brachte dies auf den Nenner, dass die SPD-F\u00fchrung zu wenig Ver\u00e4nderungen bewirkt h\u00e4tte, so dass \u201eein \u00dcberma\u00df an gesellschaftlicher Kontinuit\u00e4t zwischen kaiserlichem Obrigkeitsstaat und demokratischer Republik\u201c die Folge war (Winkler: 952). Aus Anlass des jetzigen 100.Jahrestags der Novemberrevolution wiederholte Winkler seine damalige Schlussfolgerung in der Frankfurter Allgemeinen: \u201eDie Handlungsspielr\u00e4ume der Volksbeauftragten waren &#8230; nicht so eng, wie Friedrich Ebert und seine politischen Freunde meinten: Sie h\u00e4tten bei st\u00e4rkerem Gestaltungswillen mehr ver\u00e4ndern k\u00f6nnen und weniger bewahren m\u00fcssen.\u201c (FAZ vom 5.11.2018: 8) In seiner Gedenkrede griff Steinmeier diese Formulierung fast w\u00f6rtlich auf: \u201eUnd doch h\u00e4tten die Verantwortlichen wohl mehr Ver\u00e4nderung wagen m\u00fcssen, als sie aus ihrer damaligen Sicht f\u00fcr verantwortbar hielten\u201c. Das dokumentiert, in welchem Ma\u00dfe die skizzierten Einsichten der Revolutionsforschung inzwischen anerkannt sind, wenn auch nicht von allen Historikern.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die b\u00fcrgerliche Publizistik<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Erkenntnisstand spiegelt sich auch in dem Echo wider, das der 100.Jahrestag in der \u00d6ffentlichkeit gefunden hat, in Radio- und TV-Sendungen, regionalen und \u00fcberregionalen Zeitungen, in Sonderheften und Veranstaltungen. Soweit zu \u00fcbersehen, \u00fcberwog eine kritische Haltung zur damaligen Politik der SPD, w\u00e4hrend die Bolschewismusgefahr nur noch ausnahmsweise zu deren Rechtfertigung herhalten musste.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stellvertretend f\u00fcr die Bandbreite dieser Reaktionen wollen wir uns mit vier B\u00fcchern besch\u00e4ftigen, die auf b\u00fcrgerlicher Seite aus Anlass des Jahrhunderttags erschienen sind:<br \/>\nJoachim <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>K\u00e4ppner<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>1918 \u2013 Aufstand f\u00fcr die Freiheit. Die Revolution der Besonnenen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Piper 2017, 528 Seiten, 28 \u20ac<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wolfgang <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Niess<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die Revolution von 1918\/19. Der wahre Beginn unserer Demokratie<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Europa-Verlag, Berlin-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich-Wien 2017; <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">464 Seiten, 24,90<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u20ac<br \/>\nMark <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Jones<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918\/19 und der Beginn der Weimarer Republik<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Propyl\u00e4en, Berlin 2017, 432 Seiten, 26,00 \u20ac (auch erschienen als Lizenzausgabe f\u00fcr die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Bonn 2017)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/autor\/robert-gerwarth.html\">Robert <\/a><\/span><\/span><\/span><a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/autor\/robert-gerwarth.html\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gerwarth<\/b><\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">:<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> Die gr\u00f6\u00dfte aller Revolutionen. November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Siedler Verlag, M\u00fcnchen 2018, 383 Seiten, 28,00 \u20ac<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Revolution der Besonnenen (K\u00e4ppner) und Beginn unserer Demokratie (Niess)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zuerst genannten Autoren \u2013 K\u00e4ppner und Niess \u2013 kn\u00fcpfen erkl\u00e4rterma\u00dfen an die vorgestellte Revolutionsforschung an. Beide sind promovierte Historiker und Journalisten \u2013 K\u00e4ppner bei der S\u00fcddeutschen Zeitung, Niess als Leitender Redakteur beim SWR. Ihre faktenges\u00e4ttigten B\u00fccher verstehen sich nicht als neue Forschungsbeitr\u00e4ge, sie wollen den heutigen Forschungsstand einem breiteren Lesepublikum nahebringen. Niess, der erst vor wenigen Jahren eine Dissertation \u00fcber: \u201eDie Revolution von 1918\/19 in der deutschen Geschichtsschreibung: Deutungen von der Weimarer Republik bis ins 21.\u00a0Jahrhundert\u201c geschrieben hat und tief im Thema steckt, verzichtet sogar ganz auf Anmerkungen bzw. Zitatnachweise und legt nur eine Literaturliste vor. Inhaltlich weisen die Werke wenig Unterschiede auf, sie setzen nur unterschiedliche Schwerpunkte; au\u00dferdem endet K\u00e4ppners Buch mit der Zerschlagung der M\u00fcnchener R\u00e4terepublik, w\u00e4hrend Niess noch den Kapp-Putsch 1920 behandelt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beide Autoren w\u00fcrdigen die zentrale Rolle der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, die als Tr\u00e4ger der Revolutionsbewegung innerhalb weniger Tage die Macht in Deutschland \u00fcbernahmen. Sie wurden von Arbeitern dominiert, umfassten aber auch zahlreiche Angeh\u00f6rige des Kleinb\u00fcrgertums. \u00dcber ihre politische Stellung schreibt Niess: \u201eIn den R\u00e4ten herrscht &#8230; eine massive Abneigung gegen den Militarismus, gegen die \u00fcberkommene autorit\u00e4r-b\u00fcrokratische Verwaltung, gegen die Vorrechte der Unternehmer und gegen jede Unterdr\u00fcckung oder Entrechtung der Arbeiter. Spontan, ungeordnet, nicht v\u00f6llig zu Ende gedacht, wird in den R\u00e4ten der Wunsch gro\u00dfer Teile des Volkes sichtbar, nicht mehr l\u00e4nger kommandiert zu werden, sondern die Dinge irgendwie selber in die Hand zu nehmen. Es geht der Revolutionsbewegung neben der schnellen Beendigung des Krieges auch um eine umfassende \u201aDemokratisierung\u2018 der Gesellschaft. Der alte Obrigkeitsstaat soll von Grund auf ver\u00e4ndert werden. Demokratischer Geist soll in die Armee, die Verwaltung, die Justiz, die Schulen und Fabriken, schlicht in die ganze Gesellschaft einziehen. Der Untertan und der Untertanengeist haben ausgedient.\u201c (Niess: 166) <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Dezember 1918 beschloss der zentrale Reichsr\u00e4tekongress gegen den Widerstand Eberts, der um das B\u00fcndnis mit der alten Milit\u00e4rf\u00fchrung f\u00fcrchtete, u.a. die \u201eZertr\u00fcmmerung des Militarismus\u201c und die Aufl\u00f6sung des stehenden Heeres. \u201eDie Macht des preu\u00dfischen Militarismus soll durch die Revolution dauerhaft gebrochen werden.\u201c (Niess: 239) <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Au\u00dferdem verlangte der Kongress die Sozialisierung der Schwerindustrie, was auch \u201evon gro\u00dfen Teilen des B\u00fcrgertums mindestens in den Wirtschaftsbereichen erwartet (wird), in denen seit Langem monopol\u00e4hnliche Strukturen herrschen, im Bergbau und in der Schwerindustrie.\u201c (Niess: 183) Dasselbe gilt f\u00fcr den Gro\u00dfgrundbesitz, der zerschlagen und an Kleinbauern und Landarbeiter verteilt werden sollte, wodurch die \u00f6konomische Basis des ostelbischen Junkertums beseitigt worden w\u00e4re. Die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Partei des (Klein-)B\u00fcrgertums, die frisch gegr\u00fcndete DDP, forderte dies sogar in ihrem Gr\u00fcndungsprogramm. Mit der Umsetzung dieser Forderungen w\u00e4ren die sozial\u00f6konomischen Grundlagen der alten Ordnung beseitigt worden, um an ihre Stelle das Fundament f\u00fcr eine neue Ordnung zu legen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>F\u00fcr eine revolution\u00e4re Demokratie<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine R\u00e4teherrschaft nach russischem Vorbild wurde von der gro\u00dfen Mehrheit der R\u00e4te abgelehnt. \u201eBetrachtet man die realen politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse, hat die Forderung &gt;Alle Macht den R\u00e4ten&lt; keinerlei Chancen, realisiert zu werden. F\u00fcr eine deutsche R\u00e4terepublik k\u00e4mpft nur eine Minderheit innerhalb der USPD, die Anh\u00e4ngerschaft einer parlamentarischen Demokratie reicht dagegen von der Mehrheit der USPD \u00fcber die SPD bis hin zum W\u00e4hlerpotenzial der b\u00fcrgerlichen Parteien\u201c. (Niess:\u00a0169) Auf dem R\u00e4tekongress entschieden sich die Vertreter der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te f\u00fcr Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung, also f\u00fcr eine parlamentarische Demokratie.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei allen Unterschieden, die eine so gewaltige spontane Massenbewegung aufweisen musste, ist ihre \u00fcbergreifende Sto\u00dfrichtung bemerkenswert. Sie richtete sich gegen den preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4r-und Obrigkeitsstaat des Kaiserreichs und zielte darauf, die vorb\u00fcrgerlichen Staatsstrukturen zu zerschlagen, durch die Demokratisierung von Justiz, Verwaltung, Schule und Universit\u00e4t die Wurzeln des wilhelminischen Ungeistes auszurei\u00dfen und einen neuen revolution\u00e4r-demokratischen Staat auf Basis des Parlamentarismus zu errichten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht sozialistische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, sondern <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Zielsetzung der Revolutionsbewegung entsprach dem Stand der gesellschaftlichen Entwicklung, denn damit w\u00e4re endlich die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution verwirklicht worden, die seit 1848\/49 \u00fcberf\u00e4llig war. Das hei\u00dft, die spontane Bewegung stellte sich die Aufgabe, die historisch auf der Tagesordnung stand \u2013 allerdings jetzt unter F\u00fchrung der Arbeiterbewegung, nachdem die Bourgeoisie sich davon zugunsten des B\u00fcndnisses mit Bismarck und dem Junkertum verabschiedet hatte. Und nur, wenn diese Aufgabe bew\u00e4ltigt war, die der Entwicklung der deutschen Nation als Ganzes im Weg stand, war der Weg nach vorne, zum Sozialismus, frei. Wenn nicht, wenn die demokratische Revolution erneut scheiterte, bestand die Gefahr, dass der weitere Weg der Nation stattdessen nach hinten f\u00fchrte, in die Barbarei.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Linke<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcbereinstimmend arbeiten die Autoren heraus, dass die Spartakusgruppe sowie sp\u00e4ter die KPD in den Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten wenig Resonanz fand. Die gro\u00dfe Mehrheit, \u201evor allem bei den Soldaten, will Frieden und Freiheit, hat aber mit der lautstarken extremen Linken wenig zu tun oder misstraut ihr offen heraus.\u201c (K\u00e4ppner:\u00a0454) Ein \u00e4hnliches Bild zeigt sich bei den spontan entstehenden bewaffneten Einheiten, etwa der Volksmarinedivision oder den diversen Soldatenwehren, die sich den Schutz der Revolution und die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung zur Aufgabe machten. Bei ihnen war \u201ekaum spartakistischer oder bolschewistischer Geist zu finden. Diese M\u00e4nner haben sich als Soldaten der Revolution betrachtet, einer Revolution, die von der Einigkeit der Arbeiterbewegung, von MSPD und USPD im Rat der Volksbeauftragten, getragen wird.\u201c (K\u00e4ppner:\u00a0457)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als die Spartakusgruppe die USPD verlie\u00df und sich an Neujahr 1918\/19 mit den Bremer Linksradikalen und anderen Kr\u00e4ften zur Kommunistischen Partei Deutschlands zusammenschloss, waren sich die Gr\u00fcndungsdelegierten in der \u00dcberzeugung einig, dass der Sozialismus unmittelbar bevorstand und der n\u00e4chste Schritt die Errichtung der Diktatur des Proletariats in Gestalt einer R\u00e4teherrschaft sein musste. \u00dcber das sozialistische Wunschziel hinaus reichte die Einigkeit jedoch nicht; sie endete bei der ersten praktisch-politischen Frage, ob man sich an der Wahl zur Nationalversammlung am 19.Januar beteiligen sollte oder nicht. W\u00e4hrend Rosa Luxemburg sich f\u00fcr eine Wahlbeteiligung aussprach, war die Mehrheit, darunter auch Liebknecht, dagegen, weil man bei dieser Irref\u00fchrung der Massen nicht mitmachen wollte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die revolution\u00e4ren Obleute, welche die Antikriegsstreiks der letzten Jahre im Wesentlichen organisiert hatten und vor allem in Berlin in der Arbeiterschaft verwurzelt waren, sympathisierten zwar mit der KPD, hielten den Boykott der Nationalversammlungswahl aber f\u00fcr sektiererisch und sahen deshalb von einem Anschluss ab. Mit der von Lenin gef\u00fchrten bolschewistischen Partei Russlands wies die neue Partei wenig Gemeinsamkeiten auf. Weder war sie im Proletariat verankert noch verf\u00fcgte sie \u00fcber ein revolutionstaugliches Programm, sie war eine \u201evollkommen nicht-leninistische Partei, die \u00fcberhaupt nicht in der Lage w\u00e4re, einen Staatsstreich zu organisieren.\u201c (Niess: 288)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sozialdemokratische \u201eFehlentscheidungen\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Niess und K\u00e4ppner weisen darauf hin, dass die sozialdemokratische F\u00fchrung sich vom ersten Tag an gegen die Revolutionsbewegung stellte, obwohl die eigenen Parteimitglieder in den R\u00e4ten engagiert waren, dort meist die Mehrheit bildeten und den zentralen R\u00e4tekongress im Dezember 1918 dominierten. Aber der Parteif\u00fchrung \u201efehlt von vornherein der Wille, das gewaltige demokratische Potenzial der Revolution zum Aufbau der Demokratie zu nutzen.\u201c (K\u00e4ppner: 258) Formal erkannten die sozialdemokratischen Volksbeauftragten die Beschl\u00fcsse des R\u00e4tekongresses an, real machten sie sich vom ersten Tag an daran, die R\u00e4te zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und zu entmachten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Abend des 10.November traf Friedrich Ebert als Vertreter des Rats der Volksbeauftragten mit OHL-General Groener ein Abkommen zur Herstellung von Ruhe und Ordnung im Reich. Auf Basis dieses B\u00fcndnisses ging das preu\u00dfisch-deutsche Offizierskorps ungebrochen in den neuen Staat \u00fcber, und w\u00e4hrend die SPD-F\u00fchrung die R\u00e4tebewegung nach und nach mit politischen Mitteln aus dem Weg r\u00e4umte, schlugen Freikorps und neu aufgestellte Reichswehreinheiten den aufflackernden bewaffneten Widerstand gegen die Wiederherstellung der alten Ordnung in den n\u00e4chsten Monaten nieder. Ohne eine Partei, die theoretisch und politisch auf der H\u00f6he der gestellten Aufgaben war, hatte die spontane, unkoordinierte Revolutionsbewegung gegen diese Gegner keine Chance.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die \u201eepochale Fehlentscheidung\u201c (K\u00e4ppner: 454) des B\u00fcndnisses mit dem Milit\u00e4radel zu begr\u00fcnden, griff der Journalist Sebastian Haffner eine Parole aus der Revolutionszeit auf und erkl\u00e4rte das Geschehen in seinem 1969 erschienenen Buch \u201eDie verratene Revolution\u201c (das bis heute meistverkaufte Werk zur Novemberrevolution) als \u201eVerrat\u201c der sozialdemokratischen Parteif\u00fchrung. Indessen war bzw. ist der Verrats-Vorwurf zwar moralisch vernichtend, wissenschaftlich jedoch wenig tragf\u00e4hig. Mit dem Voranschreiten der Revolutionsforschung seit den 60er Jahren suchte die westdeutsche Geschichtsschreibung deshalb nach einer \u00fcberzeugenderen Erkl\u00e4rung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das 1978 erschienene Werk der sozialdemokratischen Historikerin Susanne Miller deutete die gefundene L\u00f6sung schon im Titel an: \u201eDie B\u00fcrde der Macht &#8211; D<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ie deutsche Sozialdemokratie 1918-1920\u201c.<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Den Gedanken einer (zu) schweren Machtb\u00fcrde \u00fcbernahm H.A.Winkler wenig sp\u00e4ter in seinem 1984-1987 erschienenen dreib\u00e4ndigen Werk \u00fcber <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, indem er im Fazit seines Werks die gemachten Fehler zur\u00fcckf\u00fchrte auf die \u201eMachtscheu\u201c der Parteif\u00fchrung (Winkler:\u00a0952). Jahrzehntelang von der Regierungsbeteiligung ferngehalten, sollten Ebert und Co. vor der Alleinverantwortung zur\u00fcckgeschreckt sein und sich zu weitgehend auf das Zusammengehen mit den machtgewohnten Kr\u00e4ften der alten Ordnung eingelassen haben. Diesem Erkl\u00e4rungsmuster folgen auch K\u00e4ppner und Niess. Die sozialdemokratischen Spitzenpolitiker haben \u201ekein realistisches Verh\u00e4ltnis zum Umgang mit staatlicher Macht gelernt\u201c (Niess:\u00a0190), mit der Folge: Sie \u201ehaben die Macht, aber f\u00fcrchten sie zugleich so sehr, dass sie Hilfe bei den alten Gewalten suchen\u201c (K\u00e4ppner:\u00a0455).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber ist die Machtscheu-Begr\u00fcndung plausibler als der Verrats-Vorwurf? Zum einen lie\u00df Ebert sich nicht zur Macht dr\u00e4ngen, sondern <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>forderte<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> am 9.November die Regierungs\u00fcbernahme vom noch amtierenden Kanzler Max von Baden. Au\u00dferdem hatte die SPD-Spitze keinerlei Scheu, die ihr zugefallene Macht ohne Schwankungen und mit aller Brutalit\u00e4t gegen die Revolutionsbewegung zu gebrauchen. Nicht nur der \u201eVerrats\u201c-Begriff, sondern auch der Begriff der \u201eMachtscheu\u201c verschiebt die notwendige Begr\u00fcndung f\u00fcr das Vorgehen der Sozialdemokratie auf eine subjektive Ebene, anstatt sie in der Politik zu suchen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Spartakistenphobie (Jones) und Ereignisgeschichte (Gerwarth)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch der irische Historiker Mark Jones sieht den Grund f\u00fcr die sozialdemokratische Politik nicht in \u201eMachtscheu\u201c. Sein aus einer Dissertation hervorgegangenes Buch \u201eAm Anfang war Gewalt\u201c gibt die Entstehungsphase der Republik als Gewalterz\u00e4hlung wieder. Die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die R\u00e4tebewegung und das Ringen zwischen alter und neuer Ordnung spielen darin keine Rolle. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ausufernde Gewaltpolitik der SPD-F\u00fchrung f\u00fchrt er zur\u00fcck auf un\u00fcberpr\u00fcfbare Ger\u00fcchte und politisch gesch\u00fcrte \u00c4ngste vor drohenden Exzessen der Revolution\u00e4re. Von der bisherigen Geschichtsschreibung vernachl\u00e4ssigt, seien diese subjektiven Eindr\u00fccke entscheidend gewesen f\u00fcr die \u201eAngst Eberts, Deutschland stehe an der Schwelle zu Chaos und einem B\u00fcrgerkrieg\u201c (Jones:\u00a086), weshalb dieser sich zu dem kritisierten Vorgehen gen\u00f6tigt sah. Als \u201eMentalit\u00e4tsgeschichte\u201c verfasst (Wernecke: Gewalt von oben und Gewalt von unten; in: Karuscheit u.a. 2018:\u00a070), verpflanzt das Werk die von der Geschichtsschreibung widerlegte Bolschewismusgefahr aus der objektiven Realit\u00e4t in die K\u00f6pfe der SPD-F\u00fchrer, mit dem Ergebnis, dass nicht die wirkliche, sondern die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>eingebildete<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gefahr urs\u00e4chlich f\u00fcr ihr Handeln gewesen sein soll. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch warum sollten n\u00fcchtern denkende Politiker, die \u00fcber Massenanhang in der Arbeiterschaft verf\u00fcgten, die wussten, dass die USPD und die Spartakusgruppe\/KPD zerrissen waren und die durch ein ausgebautes Spitzelwesen jederzeit \u00fcber die Handlungen der Gegenseite informiert waren \u2013 warum sollten sie an eine Umsturzgefahr glauben, die von ihnen selber wider besseren Wissens im Parteiorgan <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Vorw\u00e4rts<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> hochgespielt wurde? Jones\u2018 These einer Spartakistenphobie erscheint nach der Verrats-These und der Machtscheu-These als weiterer Versuch, das Geschehen durch subjektive Beweggr\u00fcnde zu erkl\u00e4ren, anstatt die dahinter stehenden politischen Triebkr\u00e4fte und Konzepte zu entschl\u00fcsseln.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das n\u00e4chste Buch \u00fcber die angeblich \u201egr\u00f6\u00dfte aller Revolutionen\u201c von Robert Gerwarth gibt f\u00fcr unsere Fragestellung ebenfalls wenig her. Es stammt aus der Feder eines deutschen Historikers, der an der Universit\u00e4t Dublin lehrt, wo auch Mark Jones studiert hat, der Gerwarth seinen \u201eMentor\u201c nennt. Gerwarth folgt wie Jones einer positivistischen Methode der Geschichtsschreibung und erz\u00e4hlt die Novemberrevolution als reinen Ereignisablauf unter konsequenter Au\u00dferachtlassung der wilhelminischen Ordnung und der vorhandenen gesellschaftspolitischen Konfliktlinien. Eine Antwort auf die Frage nach den Gr\u00fcnden des Geschehens ist von ihm nicht zu bekommen \u2013 die Frage als solche liegt au\u00dferhalb seines Horizonts.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Frage nach den Gr\u00fcnden<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit sind wir wieder bei der Fragestellung nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die antirevolution\u00e4re Politik der SPD-F\u00fchrung angelangt. Anders als Jones und Gerwarth versuchen sowohl K\u00e4ppner (48-121) als auch Niess (51-89), dieses Problem durch einen R\u00fcckblick auf die Vorkriegsgeschichte die SPD zu l\u00f6sen, kommen aber \u00fcber bekannte Formeln von der schleichenden Durchsetzung des Reformismus und vom Hineinstolpern in eine ungewollte Machtstellung nicht hinaus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Legt das stringente Vorgehen der SPD-F\u00fchrung nicht den Gedanken nahe, dass diese einem Machtprogramm folgte, das sich bereits vor der Revolution herausgebildet hatte und von ihr im November umgesetzt wurde? Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr findet sich an prominenter Stelle in den Ausf\u00fchrungen des Parteivorsitzenden August Bebels auf dem SPD-Parteitag 1910. Darin bemerkte er, dass der preu\u00dfisch-deutsche Staat, der \u201eJunkerstaat\u201c, wie er ihn nannte, in seiner Art einzig in der Welt sei: &#8222;Es gibt keinen zweiten, dem preu\u00dfischen \u00e4hnlichen Staat, aber wenn wir einmal diesen Staat in der Gewalt haben, haben wir alles.\u201c (Protokoll des Magdeburger Parteitags der SPD 1910:\u00a0250) Obwohl er selber bemerkte, dass er \u00e4hnliche Aussagen schon \u00f6fter get\u00e4tigt h\u00e4tte, k\u00f6nnte seine \u00c4u\u00dferung als einmaliger Ausrutscher betrachtet werden. Aber verfolgte die SPD-F\u00fchrung in der Novemberrevolution nicht exakt das von Bebel genannte Ziel, den junkerlich-preu\u00dfischen Staat des Kaiserreichs in die Hand zu bekommen? (hierzu Karuscheit: F\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland und die Macht; in: Berliner Debatte Initial 3\/2018:\u00a0105ff; ders: Die SPD und der Junkerstaat, in: Karuscheit u.a. 2018)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seit der Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 war die Arbeiterpartei auf dem Boden einer \u201eIntegrationstaktik\u201c (K\u00e4ppner: 57) Schritt f\u00fcr Schritt in den Staat hineingewachsen \u2013 sie war zu einer staatstragenden Partei geworden. Diese Tatsache als solche ist seit langem anerkannt. Dabei wird jedoch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbersehen, dass der deutsche Staat kein b\u00fcrgerlicher Staat wie Frankreich oder Gro\u00dfbritannien war, sondern ein von dem junkerlichen Preu\u00dfen beherrschter, halbfeudaler Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat. W\u00e4hrend die<\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">sozialistischen Parteien in Frankeich und England orientiert waren \u201ean den Traditionen der erfolgreichen demokratischen Revolutionen in ihren L\u00e4ndern\u201c (Grebing: 140f), bedeutete das Hineinwachsen der deutschen Arbeiterbewegung in die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung die Identifikation mit einem vorb\u00fcrgerlichen Staatswesen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht von der Bourgeoisie beherrscht, war dieser Staat gegen\u00fcber den b\u00fcrgerlichen Staaten in Europa in der Tat \u201eeinzigartig\u201c, wie Bebel gesagt hatte. Er konnte zu einem Zeitpunkt, als in anderen Staaten noch nicht daran zu denken war, gesetzliche Arbeiterversicherungen einf\u00fchren, die nach dem Willen Bismarcks die Arbeiter an den monarchischen Staat heranf\u00fchren sollten. Sie trugen dazu bei, dass die Arbeiterbewegung bei ihrer Integration in das Kaiserreich keiner Verb\u00fcrgerlichung unterlag, sondern nach den Worten Arno Kl\u00f6nnes einer \u201eVerpreu\u00dfung\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gegens\u00e4tze des Reformismus<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Zusammenhang damit bemerkt Niess, dass Friedrich Ebert, der Nachfolger Bebels, \u201eeindeutig dem reformorientierten Parteifl\u00fcgel zuzurechnen\u201c war (Niess:\u00a065). Das trifft zweifelsohne zu, aber das Lager des Reformismus umfasste unterschiedliche, um nicht zu sagen gegens\u00e4tzliche Richtungen. So verfocht Eduard Bernstein, der als Oberhaupt und Synonym des Reformismus gilt, eine <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerliche<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Spielart des Reformismus, indem er eine friedliche Reformpolitik zur Demokratisierung des Kaiserreichs ins Zentrum des politischen Kampfs r\u00fccken wollte. Diese Richtung erlitt im sog. Revisionismusstreit gegen das Parteizentrum und die von Luxemburg vertretene Parteilinke 1903 eine vernichtende Niederlage und gewann auch sp\u00e4ter keine Mehrheiten; Bernstein spielte weder im Krieg noch in der Novemberrevolution eine besondere Rolle. Eine ganz andere Richtung des Reformismus verfochten dagegen die Gewerkschaften, aus deren Reihen Ebert kam. Sie traten in erster Linie nicht f\u00fcr <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>politische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Reformen ein, sondern f\u00fcr <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Sozialreformen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Derselbe junkerlich-preu\u00dfische Staat, den Bernstein durch politische Reformen demokratisieren wollte, war f\u00fcr die Gewerkschaften ein m\u00f6glicher B\u00fcndnispartner gegen das Kapital.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der durch die russische Februarrevolution von Anfang 1905 bef\u00f6rderten Massenstreikdebatte prallten die Gegens\u00e4tze zwischen den Richtungen aufeinander. W\u00e4hrend die Gewerkschaften politische Massenstreiks rigoros ablehnten, bef\u00fcrwortete sie Bernstein genauso wie Luxemburg, um das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht als Eckpfeiler der Machtstellung des junkerlichen Preu\u00dfens zu Fall zu bringen. Der SPD-Parteitag 1905 sprach sich ebenfalls f\u00fcr politische Streiks aus, doch handelte Bebel anschlie\u00dfend eine Vereinbarung mit der Gewerkschaftsf\u00fchrung aus, worin die Ausrufung eines solchen Streiks an deren Zustimmung gekoppelt wurde, und damit war dieses Kampfmittel gestorben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sozialdemokratische Milit\u00e4rpolitik<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man dem hier dargelegten Gedankengang folgt, stellt sich auch die Kriegspolitik der SPD in neuem Licht dar.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bebel trat bis zu seinem Tod 1913 f\u00fcr die Vaterlandsverteidigung in einem Krieg mit Russland ein. Ein solcher Krieg wurde von ihm und vielen anderen Sozialdemokraten nicht als \u201eimperialistischer\u201c Krieg begriffen (wie etwa gegen Gro\u00dfbritannien), sondern als ein gerechtfertigter Krieg zur Verteidigung der Errungenschaften der deutschen Arbeiterbewegung gegen den barbarischen Zarismus (hierzu Karuscheit: \u201eBebel als Vaterlandsverteidiger\u201c; in: AzD 88:\u00a023ff; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/\">https:\/\/kommunistische-debatte.de\/<\/a> Rubrik: Beitr\u00e4ge zum Ersten Weltkrieg). Als die SPD-Reichstagsabgeordneten daher im August 1914 den Kriegskrediten zustimmten, nachdem Russland die Generalmobilmachung erkl\u00e4rt hatte, war dies weder ein Umfallen noch ein Verrat, sondern folgten sie der von Bebel vorgegebenen Linie.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Klassenpolitisch trat die Arbeiterpartei damit an die Seite des preu\u00dfischen Milit\u00e4radels, des Haupttr\u00e4gers dieses Kriegs, und im Laufe des Kriegs n\u00e4herten sich beide Seiten \u00fcber verschiedene Stationen immer weiter an. So gab es vom ersten Tag an eine Zusammenarbeit zwischen SPD\/Gewerkschaften und Beh\u00f6rden gegen die Antikriegsopposition. So berichtet Volker Ullrich, dass etwa das Hamburger Gewerkschaftshaus als Informationszentrale f\u00fcr Polizei und Generalkommando diente und die Polizei jederzeit Auskunft \u00fcber bevorstehende Streiks der Werft- und Metallarbeiter erhielt. Im Gegenzug wurden Parteiangestellte und Gewerkschaftsbeamte vom Heeresdienst freigestellt. (Ullrich 1982; Wernecke: Gewalt von oben und Gewalt von unten; in: Karuscheit u.a. 2018:\u00a050f)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1916 verabschiedete der Reichstag das mit den Gewerkschaften ausgehandelte Vaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz, das die Verf\u00fcgbarkeit aller m\u00e4nnlichen Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die Kriegsproduktion sicherstellte. Gegen den erbitterten Widerstand der Schwerindustrie war es verbunden mit der Einf\u00fchrung von Arbeiteraussch\u00fcssen in allen Gro\u00dfbetrieben und diente den Sozialdemokraten als Beweis, dass der \u201eJunkerstaat\u201c zur Z\u00e4hmung des Kapitals tauglich war \u2013 erst recht, wenn man ihn selber in die Hand bekam. F\u00fcr die Zentralisierung der Kriegswirtschaft wurde ein Kriegsamt gegr\u00fcndet, in dem Milit\u00e4r und Gewerkschaften zusammenarbeiteten, um die Arbeitskr\u00e4fteverteilung zu organisieren. Dessen erster Leiter war General Groener, der sp\u00e4ter zum Stellvertreter Hindenburgs in der OHL aufstieg und im November 1918 das B\u00fcndnis mit der SPD-F\u00fchrung schloss.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Julikrise 1917 beteiligte sich die SPD-Spitze zusammen mit der Zentrumspartei im geheimen Zusammenwirken mit der OHL am Sturz des zu einem Remisfrieden entschlossenen Kanzlers Bethmann Hollweg, um den Krieg mit einem neuen Kanzler (Michaelis) fortzusetzen. Die Kanzlerst\u00fcrzer gingen davon aus, dass Deutschland nach der russischen Februarrevolution und dem erwarteten Ausscheiden Russlands aus dem Krieg den Sieg \u00fcber die westlichen Alliierten davontragen w\u00fcrde (Karuscheit 1917: 61ff).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine fortgesetzte Bundesgenossenschaft<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Jahr sp\u00e4ter stellte sich zwar heraus, dass der Krieg verloren gehen w\u00fcrde, aber gleichzeitig \u00f6ffnete die nahende Niederlage des preu\u00dfisch-deutschen Heeres der (M)SPD die T\u00fcr zur Macht, denn als das Reich im Oktober 1918 auf Anforderung der OHL parlamentarisiert wurde, um den US-Pr\u00e4sidenten Wilson als Friedensvermittler zu gewinnen, konnte sie als st\u00e4rkste parlamentarische Partei sicher sein, in n\u00e4chster Zeit die Regierung des Kaiserreichs zu stellen. Die anrollende Revolution war aus dieser Sicht ein \u00dcbel, denn sie drohte die Staatsmaschinerie zu zerst\u00f6ren, vor deren \u00dcbernahme man gerade stand. \u201eDie F\u00fchrer der Mehrheitssozialdemokratie hatten sich mit der Oktoberreform am Ziel ihrer W\u00fcnsche gesehen. In ihren Augen war der Novemberumsturz ebenso \u00fcberfl\u00fcssig wie sch\u00e4dlich\u201c (Kolb; Schumann:\u00a011).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass Ebert in dieser Situation, nachdem die Revolution gesiegt und Scheidemann gegen den Willen der Parteif\u00fchrung die Republik ausgerufen hatte, ohne Z\u00f6gern auf das Angebot General Groeners zur Zusammenarbeit einging, betrachten K\u00e4ppner und Niess mit Unverst\u00e4ndnis; sie sehen darin \u201eatemberaubende Naivit\u00e4t und politische Blindheit\u201c am Werk (K\u00e4ppner:\u00a0250) bzw. eine \u201efast naive(r) Vertrauensseligkeit gegen\u00fcber der \u00fcberkommenen B\u00fcrokratie und Milit\u00e4rf\u00fchrung.\u201c (Niess:\u00a0188) Aber was ist daran so \u00fcberraschend? Muss die Frage nicht anders herum gestellt werden? Warum sollte die SPD-F\u00fchrung <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">auf die Offerte Groeners eingehen? Im gemeinsamen Interesse, den Krieg zu gewinnen, hatte sie die Zusammenarbeit mit dem Milit\u00e4r seit dem August 1914 Schritt f\u00fcr Schritt vertieft, hatte seit Ende 1916 f\u00fcr die Umsetzung des Vaterl\u00e4ndischen Hilfsdienstgesetzes gesorgt und sich 1917 am Sturz Bethmanns durch die OHL beteiligt. Jetzt war der Sieg zwar ausgeblieben, aber daf\u00fcr standen beide Seiten angesichts der R\u00e4tebewegung vor einer neuen gemeinsamen Herausforderung, n\u00e4mlich die bestehenden Staatsstrukturen vor der Revolution zu retten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seinen Erinnerungen gibt der letzte vom Kaiser ernannte Reichskanzler, Max von Baden, den Bericht \u00fcber ein Treffen am 6.November 1918 zwischen den Spitzen von SPD (David, Ebert, Scheidemann) und Gewerkschaften (Bauer, Legien, R.Schmidt, S\u00fcdekum) mit General Groener in der Reichskanzlei wieder. In dem Bericht hei\u00dft es: \u201eVom ersten Augenblick &#8230; war das alte Vertrauen da. Es war, als wollten die Herren sagen: Wir, die Arbeiterf\u00fchrer und der General, haben schon einmal im Interesse des Landes unsere Bundesgenossenschaft bew\u00e4hrt. Wir sind gekommen, um sie in dieser Stunde zu erneuern.\u201c (Baden:\u00a0591) Bis dahin hatte die Bundesgenossenschaft dem Krieg gegen den \u00e4u\u00dferen Feind gedient, jetzt fand sie ihre Fortsetzung im Kampf gegen den gemeinsamen inneren Feind \u2013 die Novemberrevolution.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das B\u00fcndnis kam also nicht aus der Novembersituation 1918 heraus zustande, sondern f\u00fchrte den Kriegspakt von 1914 unter ver\u00e4nderten Bedingungen fort. Das Vorgehen der politisch mit allen Wassern gewaschenen SPD-F\u00fchrung hatte nichts mit Fehlentscheidungen aus Verratsgr\u00fcnden, Naivit\u00e4t oder Machtscheu zu tun, sondern diente der Realisierung ihres Machtkonzepts, der Inbesitznahme eines intakten Staatswesens, indem sie sich dazu des Milit\u00e4radels bediente.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Da sich das fr\u00fchere Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen beiden Seiten infolge der Kriegsniederlage und der Revolutionsereignisse umgekehrt hatte, war sie \u00fcberzeugt, dass die bewaffnete Macht auf dem Boden des Parlamentarismus dauerhaft zu beherrschen war. Dass es dem Milit\u00e4radel in Zusammenarbeit mit der Schwerindustrie gelingen k\u00f6nnte, die parlamentarische Demokratie auf legal-politischem Wege wieder zu beseitigen, konnte sie sich nicht vorstellen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Publikationen der Linken<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie sahen die Reaktionen auf den 100.Jahrestag der Novemberrevolution nun auf Seiten der Linken aus? Hier sind als erstes drei B\u00fccher zu nennen:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stefan <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bollinger<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: \u201eNovember\u00a0\u201818. Als die Revolution nach Deutschland kam\u201c: edition ost, Berlin 2018, 252 Seiten, Preis 14,99 \u20ac;<br \/>\nKlaus <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gietinger<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: \u201eNovember 1918. Der verpasste Fr\u00fchling des 20.Jahrhunderts\u201c; mit einem Vorwort von Karl-Heinz Roth, edition nautilus: Hamburg 2018, 272 Seiten, 18\u00a0\u20ac;<br \/>\nGerrit <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Br\u00fcning<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und Kurt <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Baumann<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Hrsg): Novemberrevolution 1918\/19. Ereignis \u2013 Deutung \u2013 Bedeutung\u201c, hrsg. in der Edition Marxistische Bl\u00e4tter von der Marx-Engels-Stiftung, Neue Impulse Verlag: Essen 2018, 295\u00a0Seiten, 19,80\u00a0\u20ac.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Als die Revolution nach Deutschland kam (Bollinger)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stefan Bollinger legte als promovierter Historiker und Mitglied der Historikerkommission der Linkspartei sein Buch als erster vor. Bedauerlicherweise sind ihm bei dem Versuch, \u201eneue Impulse\u201c zu geben, \u201ewie die Lehren aus der Novemberrevolution uns heute voranbringen k\u00f6nnen\u201c (Vorblatt), eine Reihe von Ungenauigkeiten, Halbheiten oder schlichten Fehlern unterlaufen (hierzu eine ausf\u00fchrliche Kritik des Autors in: Marxistische Bl\u00e4tter 1\/2019). Als deren Quintessenz vertritt er, die SPD \u201esteht f\u00fcr eine b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution\u201c. (Bollinger: 148) Was soll man dazu sagen? Eine b\u00fcrgerliche Revolution h\u00e4tte den junkerlichen Gro\u00dfgrundbesitz zerschlagen, den Militarismus ausgerottet, die Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt, den Obrigkeitsstaat beseitigt und Verwaltung, Justiz und Universit\u00e4t demokratisiert. Das waren die Ziele, die bereits 1848\/49 verfolgt wurden, und das waren auch die Ziele der Revolutionsbewegung von 1918\/19, diesmal erg\u00e4nzt durch die Sozialisierung der Schwerindustrie. Doch was davon ist Wirklichkeit geworden? Wenn wir diese Frage beantworten, haben wir nicht nur einen Ma\u00dfstab f\u00fcr die Beurteilung von Bollingers Werk, sondern auch die Antwort auf die Frage nach der Politik der SPD: sie \u201esteht\u201c f\u00fcr das Gegenteil einer demokratisch-b\u00fcrgerlichen Revolution \u2013 sie steht f\u00fcr eine Konterrevolution.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der verpasste Fr\u00fchling des 20.Jahrhunderts<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Klaus Gietinger hat vor seiner jetzigen Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber die Novemberrevolution das Buch \u201eDer Konterrevolution\u00e4r. Waldemar Pabst \u2013 eine deutsche Karriere\u201c geschrieben. In diesem Buch \u00fcber den Befehlsgeber des Mordes an Liebknecht und Luxemburg belegt er anhand von zahlreichen, teils bisher unver\u00f6ffentlichten Dokumenten dessen umfangreiche Zusammenarbeit mit der F\u00fchrungsriege der SPD und deren Verstrickung in die Ermordung der beiden Revolutionsf\u00fchrer.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Erkenntnisse flie\u00dfen in seine Darstellung der Novemberrevolution ein, der ein ausf\u00fchrliches Vorwort von Karl Heinz Roth vorangestellt ist. Das Buch schildert detailreich die Zusammenarbeit von SPD- und Gewerkschaftsf\u00fchrung mit dem Milit\u00e4r zur Niederwerfung der Revolutionsbewegung und weist nach, dass Gustav Noske beim Einsatz der Freikorps und deren schrankenloser Gewaltanwendung mit R\u00fcckendeckung seiner Parteif\u00fchrung handelte. Dem Vorgehen der Freikorps bescheinigt Giesinger \u201efr\u00fchfaschistische Qualit\u00e4ten\u201c und zeigt auf, in welchem Umfang ihre Mitglieder sp\u00e4ter zur NSDAP stie\u00dfen und dort f\u00fchrende Positionen einnahmen. Alles in allem ist das Werk eine kompromisslose Abrechnung mit der F\u00fchrung von SPD und Gewerkschaften.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Autor \u00fcbersieht allerdings, dass die Sozialdemokratie sich nicht erst im November 1918 \u201eauf Gedeih und Verderb mit den Kriegsverbrechern des Ersten Weltkrieges\u201c verb\u00fcndete (Gietinger:\u00a073), sondern die Urspr\u00fcnge dieses B\u00fcndnisses in den gemeinsam gef\u00fchrten Krieg zur\u00fcck reichen. Au\u00dferdem schreibt er zu den Beweggr\u00fcnden der sozialdemokratischen Politik, dass es eine \u201edogmatische SPD-F\u00fchrung\u201c war, welche \u201edie Zerschlagung der OHL und eine Demokratisierung des Milit\u00e4rs\u201c verhinderte (ebd.: 203). Diese Begr\u00fcndung macht einigerma\u00dfen ratlos, denn welchen \u201eDogmatismus\u201c meint der Autor?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ereignis \u2013 Deutung \u2013 Bedeutung der Novemberrevolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die letzte Buchver\u00f6ffentlichung, ein von Br\u00fcning und Baumann herausgegebener Sammelband \u00fcber den Novemberumsturz, enth\u00e4lt die Beitr\u00e4ge von neun Autoren zu unterschiedlichen Themen, von denen nur einige f\u00fcr unsere Fragestellung von Interesse sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der erste, von dem Historiker Gerhard Engel verfasste Beitrag \u00fcber den \u201ePlatz der Revolution 1918\/19 in der deutschen Geschichte und im Geschichtsbild der Deutschen\u201c beginnt mit einer \u00dcberraschung. Der Autor, ehemaliges SED-Mitglied, ist einer der Wenigen, der die Revolution von 1918\/19 in Beziehung setzt mit 1848\/49 und als ihre Aufgabenstellung die Errichtung einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Republik bezeichnet, \u201emit einer antiimperialistischen und antimilitaristischen Option, die auf die Ver\u00e4nderung der Gesellschafts- und Staatsverh\u00e4ltnisse abzielte\u201c. Im Umkehrschluss ist f\u00fcr ihn klar: \u201eVon einer realen sozialistischen M\u00f6glichkeit kann f\u00fcr 1918 nicht gesprochen werden.\u201c (Br\u00fcning u. Baumann:\u00a036)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit seinem Befund bezieht er sich auf die Revolutionsforschung der 60er und 70er Jahre sowie die Darstellungen von K\u00e4ppner und Niess (ebd.:\u00a019,\u00a041f), deren Position, dass die Revolutionsbewegung wesentlich demokratischen und keinen sozialistischen Charakter trug, er teilt. Obwohl das inhaltlich nahegelegen h\u00e4tte, stellt er keinen Bezug zu dem SED-Beschluss von 1958 her, der ebenfalls besagte, dass die Novemberrevolution keine sozialistische, sondern eine (unvollendete) b\u00fcrgerliche Revolution war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was die Sozialdemokratie anbelangt, spricht er von \u201efolgenschweren Fehlentscheidungen\u201c (ebd.:\u00a027) und folgt damit dem historiographischen Mainstream, der nur Fehler aufgrund von Naivit\u00e4t oder Machtscheu sieht, anstatt die Frage zu stellen, ob nicht dahinter ein politisches Konzept stand, dessen Wurzeln vor und im Krieg zu suchen sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zur Gr\u00fcndung und Strategieentwicklung der KPD<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In einem weiteren Beitrag referiert Heinz Karl \u00fcber <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die Gr\u00fcndung der KPD und ihre Wirkung<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (ebd.:\u00a065ff), die er bis zur SED-Gr\u00fcndung 1946 verfolgt. Dasselbe Thema behandelt Raimund Ernst unter der \u00dcberschrift <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Revolution\u00e4res Erbe und<\/i><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Strategieentwicklung in der Politik der KPD <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(ebd.:\u00a0183ff). Da beide Artikel das Wirken der KPD im selben Zeitraum behandeln und inhaltlich keine besonderen Unterschiede aufweisen, ist der Sinn der Verdoppelung nicht ersichtlich.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem Engel den Charakter der Revolution ohne Wenn und Aber als b\u00fcrgerlich-demokratisch herausgearbeitet hatte, h\u00e4tte man erwarten k\u00f6nnen, dass Karl und Ernst daraus Schlussfolgerungen f\u00fcr die Beurteilung der KPD-Gr\u00fcndung ziehen, denn wenn 1918\/19 eine b\u00fcrgerliche Revolution anstand, dann musste man mit einem revolution\u00e4r-demokratischen Programm in den Kampf gehen. Tats\u00e4chlich propagierte das Gr\u00fcndungsprogramm der KPD jedoch den Sozialismus mit der Errichtung einer Diktatur des Proletariats als Ziel. Ein solches Programm musste sich nicht nur die Masse des Kleinb\u00fcrgertums zum Feind machen, sondern fand auch im Proletariat keine Mehrheit, weshalb Spartakus\/KPD zu keinem Zeitpunkt in der Lage waren, die Revolutionsbewegung zu f\u00fchren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern zu verstehen, h\u00e4tte es nahegelegen, sich n\u00e4her mit den Positionen Luxemburgs zu besch\u00e4ftigen. Schlie\u00dflich f\u00e4llt auf, dass sie vor dem Krieg zwar eine ausf\u00fchrliche Auseinandersetzung mit Bernstein gef\u00fchrt hatte, aber nicht mit Bebel und dem Parteizentrum \u2013 obwohl das die Parteistr\u00f6mung war, welche die sozialdemokratische Politik in Krieg und Novemberrevolution bestimmte, gef\u00fchrt von Friedrich Ebert in der Nachfolge Bebels:<br \/>\nSie wandte sich nicht gegen die von Bebel durchg\u00e4ngig propagierte Vaterlandsverteidigung gegen Russland, obwohl sp\u00e4testens nach der russischen Revolution von 1905 klar sein musste, dass Russland nicht mehr der \u201eGendarm Europas\u201c war und eine Politik der Vaterlandsverteidigung keine Rechtfertigung hatte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie sagte nichts zum Vorgehen des Parteivorsitzenden in der Massenstreikdebatte 1905\/06, obwohl der von Bebel ausgehandelte Kuhhandel mit den Gewerkschaften einen Parteitagsbeschluss aushebelte und einen politischen Streik zur Beseitigung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts in unerreichbare Ferne r\u00fcckte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ebenso schwieg sie, als Bebel 1910 in aller \u00d6ffentlichkeit seine \u00dcberzeugung bekundete, dass das Ziel der Sozialdemokratie die \u00dcbernahme des einzigartigen \u201eJunkerstaats\u201c sei, obwohl das eine klare Zur\u00fcckweisung der Positionen von Marx und Engels zur Staatsfrage bedeutete.<br \/>\nGleichzeitig verstieg sie sich in ihrer Kritik an Bernstein dazu, den Kampf um Demokratie als Hindernis f\u00fcr den sozialistischen Kampf zu bezeichnen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es gibt also mehr als genug Gr\u00fcnde, sich damit auseinanderzusetzen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, warum die revolution\u00e4re Linke im entscheidenden Moment nicht nur ohne taugliches Programm, sondern auch ohne taugliche Organisation dastand. Doch die angesprochenen Beitr\u00e4ge schweigen dazu.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Fehlerhaftigkeit dieses Herangehens wird augenf\u00e4llig, wenn es um die Politik nach dem 2.Weltkrieg geht, die beide Autoren kurz beschreiben (ebd.:\u00a085,\u00a0209ff). Nach Kriegsende sprach sich die KPD\/SED explizit gegen die Errichtung des Sozialismus aus (\u201ekeine Einf\u00fchrung des Sowjetsystems\u201c) und propagierte den Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung \u201emit allen demokratischen Rechten und Freiheiten f\u00fcr das Volk\u201c, wie es in einem KPD-Aufruf hie\u00df. Inkl. der Verteilung des junkerlichen Gro\u00dfgrundbesitzes an Landarbeiter und Kleinbauern war dies das Programm einer b\u00fcrgerlichen Revolution und somit das Gegenteil der von Spartakus\/KPD drei\u00dfig Jahre zuvor betriebenen Sozialismuspolitik.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen Ende erw\u00e4hnt Heinz Karl beil\u00e4ufig, dass die KPD 1945 zu der Erkenntnis gelangt war, dass der Sozialismus \u201enicht in einem Sprung, sondern nur etappenweise\u201c zu erreichen war (ebd.:\u00a085); \u00e4hnlich dr\u00fcckt sich Raimund Ernst aus (ebd.:\u00a0210). Angesichts dieser Einsicht fragt man sich perplex, warum die beiden dann vorher eine vollkommen kritiklose Darstellung der KPD-Gr\u00fcndung abgegeben haben?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>DDR-Historiographie<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein weiterer Beitrag \u201eDie Novemberrevolution im Spiegel der marxistischen Historiographie der DDR\u201c, stammt von Ralf Riedl, der im Gegensatz zu den beiden vorherigen Autoren weder ehemaliges SED-Mitglied noch emeritierter Professor ist, sondern Student. Ein Gro\u00dfteil seines Beitrags befasst sich mit der lebhaften Diskussion, die im Vorfeld des 40.Jahrestags der Novemberrevolution \u00fcber deren Charakter gef\u00fchrt wurde und grob gesehen zwei Lager gegeneinanderstellte. W\u00e4hrend die Anh\u00e4nger Rosa Luxemburgs in der SED an der Lesart als sozialistisch-proletarischer Revolution festhielten, konnte das andere Lager sich auf die sowjetischen Kommunisten berufen, die 1938 den Umsturz als eine b\u00fcrgerliche Revolution eingestuft hatten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Auseinandersetzung wurde 1958 durch einen Formelkompromiss der SED-F\u00fchrung beendet, der die Novemberrevolution als unvollendete b\u00fcrgerliche Revolution definierte, die in gewissem Umfang mit proletarischen Mitteln durchgef\u00fchrt worden sei. Aufgrund der \u201eDeutungshoheit der Partei\u201c war nach dieser Festlegung, so Riedl, \u201edas abrupte Ende der Debatten\u201c erreicht. (ebd.:\u00a0256, 258). Welche Themen er selber sich f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Debatte gew\u00fcnscht h\u00e4tte, offenbart er nicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Marxistische Zeitschriften und Zeitungen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach den genannten B\u00fcchern sei noch eine Auswahl von linken Zeitschriften bzw. Zeitungen erw\u00e4hnt:<br \/>\nDie <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Marxistischen Bl\u00e4tter <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">brachten den soeben vorgestellten Sammelband \u00fcber \u201eEreignis-Deutung-Bedeutung\u201c der Novemberrevolution heraus, au\u00dferdem in der Ausgabe 5\/2018 den Aufsatz von Engel \u00fcber den \u201ePlatz der Revolution in der deutschen Geschichte\u201c aus diesem Sammelband.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Zeitschrift Marxistische Erneuerung<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u201eZ\u201c druckte in ihrer Nr.115 vom September 2018 einen Beitrag ihres Mitherausgebers Stefan Bollinger ab: \u201eVom Schicksal der &gt;wunderlichsten aller Revolutionen&lt;\u201c (Z 115:\u00a08ff), worin der Autor auf sein Buch Bezug nahm. Als entscheidenden Fehler der damaligen Zeit hob er hervor, dass die diversen Gruppierungen der Linken von der MSPD \u00fcber die USPD bis zu Spartakus und den Anarchisten es nicht verstanden, \u201eals geeinte Linke zu agieren.\u201c (ebd.:\u00a012) Die auf Befehl der MSPD-F\u00fchrung ermordeten Arbeiterrevolution\u00e4re im Nachhinein mit dieser MSPD zum Wunschbild einer \u201egeeinten Linken\u201c zu vereinen, ist, gelinde gesagt, ein seltsamer Gedanke. F\u00fcr welche gemeinsame Zielsetzung sollte eine geeinte Linke denn agieren? F\u00fcr die Erhaltung der alten Staatsstruktur? F\u00fcr eine revolution\u00e4re Demokratie? F\u00fcr die Diktatur des Proletariats? Das erfahren wir nicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In derselben Ausgabe der Zeitschrift fasste Klaus Gietinger (der nicht zum Herausgeberkreis der \u201eZ\u201c geh\u00f6rt) sein oben besprochenes Buch zusammen: \u201eBekanntes und Unbekanntes aus der Novemberrevolution 1918\/19\u201c (ebd.:\u00a022ff). Dabei hob er als entscheidende Ursache f\u00fcr die Politik der MSPD deren \u201eVerb\u00fcrgerlichung\u201c hervor (ebd.:\u00a023). Das sei ihm nicht zum Vorwurf gemacht, denn ihm sind keinerlei Sympathien f\u00fcr die Sozialdemokratie zu unterstellen. Es belegt nur, wie eingefressen die traditionelle Sichtweise ist, dass die Politik der SPD-F\u00fchrung auf ihre \u201eVerb\u00fcrgerlichung\u201c im Sinne Bernsteins zur\u00fcck zu f\u00fchren ist. Zu dieser Sichtweise passt, dass er Bernstein als \u201eFeind von Massenstreikaktionen\u201c bezeichnet (ebd.:\u00a022), w\u00e4hrend dieser in Wirklichkeit <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>f\u00fcr<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> politische Massenstreiks eintrat und deshalb von den Gewerkschaften bek\u00e4mpft wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von einer Zeitschrift, die sich die Erneuerung des Marxismus auf die Fahnen geschrieben hat, h\u00e4tte man erwarten k\u00f6nnen, dass sie die Herausforderung des 100.Jahrestags der Novemberrevolution annimmt, um sich mit dem aktuellen Forschungsstand auseinander zu setzen und zu pr\u00fcfen, ob sich daraus neue Einsichten zum Charakter der Revolutionsbewegung und zur Niederlage der revolution\u00e4ren Linken gewinnen lassen. Aber w\u00e4hrend ein B\u00fcrgerlicher wie Gallus voller Optimismus auf neue Forschungsergebnisse hofft, scheint die \u201eZ\u201c zu hoffen, dass die versprochene \u201emarxistische Erneuerung\u201c an ihr vorbei geht, ohne sie zu bel\u00e4stigen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>junge welt<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mehr als die \u201eZ\u201c besch\u00e4ftigte sich die Tageszeitung <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>junge welt<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit dem Thema Novemberrevolution und druckte vom 7.-17.11.2018 in ihrem Feuilleton eine zehnteilige Serie von Leo Schwarz dazu ab. Darin konstatierte Schwarz u.a., dass die Weimarer Republik \u201enicht das Ergebnis der &gt;Revolution&lt;, sondern ihrer Niederschlagung\u201c war. (jw\u00a014.11.2018) Damit benannte er als einziger (!) unter allen genannten Autoren \u2013 B\u00fcrgerliche wie Linke \u2013 das Geheimnis des Novembers, dass der daraus hervorgehende neue Staat nicht das Produkt der Revolution, sondern einer <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Konterrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ansonsten wies er die Forschungsergebnisse zum revolution\u00e4r-demokratischen Charakter der R\u00e4tebewegung kurzerhand zur\u00fcck und behauptete, dass der Umsturz keine demokratische, sondern eine sozialistische Revolution war, wof\u00fcr er als Begr\u00fcndung eine \u201esozialistische Massenbewegung\u201c im Jahr 1919 anf\u00fchrte (jw\u00a0vom 8. und 14.11.2018). In der Tat kam es in der ersten Jahresh\u00e4lfte aus Protest gegen die Politik der Regierung im Ruhrgebiet, in Mitteldeutschland und Berlin zu Massenstreiks Hunderttausender von Arbeitern, in denen \u00fcber die Umsetzung der Sozialisierung hinaus die Forderung nach einer R\u00e4teherrschaft erhoben wurde, ohne dass dies jedoch Allgemeingut wurde, geschweige denn die Forderung nach dem Sturz der gerade gew\u00e4hlten Nationalversammlung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Arbeiterpolitik und Arbeiterstimme, Rotfuchs und MLPD<\/span><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Zeitschrift \u201eArbeiterpolitik\u201c<\/span><\/span><\/span><i> <\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der gleichnamigen Gruppe publizierte in ihrer Nr.4-2018 den Artikel \u201e100 Jahre unvollendete Revolution\u201c, der in einem mehrseitigen \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte der vergangenen 100 Jahre der Novemberrevolution eine halbe Seite einr\u00e4umte und sie als \u201eeine unvollendete Revolution\u201c definierte, ohne zu sagen, ob dies eine unvollendete <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>demokratische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> oder eine unvollendete <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialistische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution war. Dieser Artikel wurde von der Gruppe \u201eArbeiterstimme\u201c in ihrem Organ Nr.\u00a0202 ohne Kommentar nachgedruckt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der folgenden \u201eArbeiterpolitik\u201c Nr. 5\/6-2018 erschien dann ein Artikel: \u201eProletarische Revolution \u2013 b\u00fcrgerliche Konterrevolution\u201c, der den Novemberumsturz unter Bezug auf die \u201eIllustrierte Geschichte der deutschen Revolution\u201c von 1929 als proletarische Revolution definierte, die durch eine b\u00fcrgerliche Konterrevolution ausgehebelt wurde, mit dem Ergebnis der \u201eSchaffung und Festigung der b\u00fcrgerlichen Republik.\u201c (ebd.:\u00a010)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die revolutionstheoretisch bestimmende Frage, ob das Proletariat dabei war, eine b\u00fcrgerlich-demokratische oder eine sozialistische Revolution durchzuf\u00fchren, wurde in dem Artikel so wenig beantwortet wie eine Nummer davor. Vor allem aber fragt sich, woher die Einsch\u00e4tzung kommt, dass die zu Recht konstatierte Konterrevolution <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlichen <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Charakter trug. Weder wurden die gro\u00dfen Adelsg\u00fcter und der preu\u00dfische Militarismus zerschlagen noch andere Ma\u00dfnahmen realisiert, die seit der 48er Revolution auf der Tagesordnung der Geschichte standen. W\u00e4re die SPD zu einer b\u00fcrgerlich-reformistischen Arbeiterpartei geworden, was Bernstein vergeblich intendiert hatte, h\u00e4tte sie wenigstens einen Teil dieser Forderungen umgesetzt. Doch \u201eb\u00fcrgerlich\u201c war 1918\/19 lediglich die Einf\u00fchrung des Parlamentarismus, und die war bereits im Oktober vor der Revolution erfolgt. Deshalb negiert der Artikel das Entscheidende, n\u00e4mlich dass die von der SPD organisierte Konterrevolution keine b\u00fcrgerlichen Zust\u00e4nde zum Ergebnis hatte, sondern die Restauration der alten, vorb\u00fcrgerlichen Ordnung in republikanischer Verkleidung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Monatsschrift <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Rotfuchs<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> gab eine Beilage zur Novemberrevolution heraus (zur Ausgabe 250 vom November 2018), die u.a. Ausz\u00fcge aus Gietingers Buch enthielt. Im einleitenden Beitrag gab Rainer Zilkenat einen \u00dcberblick \u00fcber die Ereignisse, worin er in einem Nebensatz behauptete, dass es 1918\/19 um \u201edie Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft\u201c ging (ebd.:\u00a03). Warum das so war, begr\u00fcndete er nicht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Position der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands findet sich in der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Roten Fahne<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> Nr. 22\/2018 in dem Artikel: \u201e100 Jahre Novemberrevolution \u2013 50 Jahre Parteiaufbau der MLPD\u201c (<a href=\"http:\/\/www.rf-news.de\/rote-fahne\/2018\/nr22\/100-jahre-novemberrevolution-50-jahre-parteiaufbau-der-mlpd\">www.rf-news.de\/rote-fahne\/2018\/nr22\/100-jahre-novemberrevolution-50-jahre-parteiaufbau-der-mlpd<\/a>). Dort hei\u00dft es zum Novemberumsturz, dass \u201edie revolution\u00e4ren Arbeiter &#8230; die proletarische R\u00e4terepublik nach Vorbild des sozialistischen Russlands\u201c wollten \u2013 was auch Schwarz und Zilkenat meinen. Der Zentralkongress der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te hatte sich gegen die Errichtung einer R\u00e4terepublik ausgesprochen, die Forschung hat herausgearbeitet, dass eine R\u00e4teherrschaft zu keinem Zeitpunkt von einer Mehrheit der Arbeiter getragen wurde, Spartakus\/KPD blieben mit ihrer Sozialismusstrategie isoliert \u2013 aber gem\u00e4\u00df dem Pippi-Langstrumpf-Motto \u201eIch mach mir die Welt so wie sie mir gef\u00e4llt\u201c zieht man das eigene Wunschbild der Realit\u00e4t vor.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000; font-family: times new roman, times, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schluss: Novemberfragen<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der 100.Jahrestag der Novemberrevolution gab allen interessierten Kr\u00e4ften die Gelegenheit, sich zu diesem elementaren Ereignis in der Geschichte Deutschlands und der deutschen Arbeiterbewegung zu stellen. Auf Seiten der B\u00fcrgerlichen wurden im Gro\u00dfen und Ganzen die Erkenntnisse der in der Vergangenheit erfolgten Revolutionsforschung aufgearbeitet und weitergegeben, wof\u00fcr in erster Linie die Ver\u00f6ffentlichungen von K\u00e4ppner und Niess stehen. Bemerkenswert ist, dass mittlerweile bis hin zur Rede des Bundespr\u00e4sidenten weitgehend anerkannt ist, dass die SPD-F\u00fchrung bei der Republikgr\u00fcndung Fehler begangen hat, die der Demokratie geschadet haben. Allerdings sind die Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Ursprung dieser Fehler \u2013 vom Verrat \u00fcber Machtscheu bis zur Spartakistenphobie \u2013 wenig \u00fcberzeugend. Dar\u00fcber hinaus erbrachten die Publikationen nichts wesentlich Neues.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf Seiten der Linken war der Umgang mit der Novemberrevolution ern\u00fcchternd. Zum guten Teil nahm man nicht einmal den gegebenen Forschungsstand zur Kenntnis, sei es, weil man daf\u00fcr zu bequem oder zu sehr in \u00fcberkommenen Denkschemata gefangen war. Erst recht nutzte man nicht die Gelegenheit, die damit verkn\u00fcpften weitergehenden Themen aufs Tapet zu bringen, die hier noch einmal skizziert werden sollen:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1. Der Charakter der Novemberrevolution: War sie nun eine <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerliche<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (gescheiterte, unvollendete?) oder eine (gescheiterte) <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sozialistische<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution? Und was folgt daraus f\u00fcr die Republik von Weimar? War sie ein Kind der Novemberrevolution oder wesentlich das Produkt ihrer Niederwerfung, also einer Konterrevolution?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2. Die Politik der SPD-F\u00fchrung: will man sie nicht nur verurteilen, sondern erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, ist es unumg\u00e4nglich, die Vorkriegsgeschichte der Arbeiterpartei einer neuen Pr\u00fcfung zu unterziehen: Welche Rolle spielten Bebel und das sog. Parteizentrum bei der Entwicklung zu einer staatstragenden Partei? Und wie ist damit im Zusammenhang die Rolle Bernsteins und Luxemburgs zu beurteilen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">3. Die Rolle der Bourgeoisie: alle Darstellungen der Revolutionsereignisse kommen ohne die Bourgeoisie aus (vom Stinnes-Legien-Abkommen abgesehen), was den meisten Autoren der Linken offenbar nicht einmal bewusst ist. Wenn man die preu\u00dfisch-deutsche Milit\u00e4rkaste nicht als b\u00fcrgerliche Institution unter dem Kommando der Bourgeoisie verstehen will (was einigerma\u00dfen schwer f\u00e4llt) \u2013 was bedeutet das f\u00fcr die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">4. Als letztes schlie\u00dflich: Wenn man davon ausgeht, dass anstelle der \u00fcberf\u00e4lligen demokratisch-b\u00fcrgerlichen Revolution erneut eine Konterrevolution siegte \u2013 was folgt daraus f\u00fcr das Aufkommen des Nationalsozialismus sowie den Charakter seiner zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Herrschaft?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie auch immer man zu den hier aufgeworfenen Fragen steht \u2013 es st\u00fcnde den Marxisten gut zu Gesicht, wenn sie nicht den B\u00fcrgerlichen das Feld \u00fcberlassen, sondern sich selber auf neue Wege begeben w\u00fcrden, um Klarheit \u00fcber ein Ereignis zu gewinnen, das f\u00fcr die Arbeiterbewegung und die ganze Nation von gr\u00f6\u00dfter Tragweite war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Baden<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Max von (1928): Erinnerungen und Dokumente. DVA: Stuttgart-Berlin-Leipzig<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bollinger<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Stefan<\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(2018): November\u00a0\u201818. Als die Revolution nach Deutschland kam. edition ost: Berlin <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Br\u00fcning<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Gerrit<\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">und <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Baumann<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Kurt (Hrsg) (2018): Novemberrevolution 1918\/19. Ereignis \u2013 Deutung \u2013 Bedeutung. Neue Impulse Verlag: Essen<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gerwarth<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, <a href=\"https:\/\/www.perlentaucher.de\/autor\/robert-gerwarth.html\">Robert <\/a>(2018): Die gr\u00f6\u00dfte aller Revolutionen. November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit. Siedler: M\u00fcnchen <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gietinger<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Klaus (2018): November 1918. Der verpasste Fr\u00fchling des 20.Jahrhunderts. edition nautilus: Hamburg <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Grebing<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Helga (1970):<\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein \u00dcberblick. Dtv: M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Jones, <\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mark (2017): Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918\/19 und der Beginn der Weimarer Republik. Propyl\u00e4en: Berlin<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>K\u00e4ppner<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Joachim (201): <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1918 \u2013 Aufstand f\u00fcr die Freiheit. Die Revolution der Besonnenen: Piper: M\u00fcnchen<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner (2017): Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar. VSA: Hamburg<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner; <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sauer<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Bernhard; <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wernecke<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Klaus (2018): Vom \u201eKriegssozialismus\u201c zur Novemberrevolution. VSA: Hamburg<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kolb<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eberhard;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b> Schumann<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Dirk (2013): Die Weimarer Republik. Oldenbourg Grundriss der Geschichte Band 16: M\u00fcnchen <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Miller<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Susanne (1978): Die B\u00fcrde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918-1920. Droste: D\u00fcsseldorf<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Niess<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfgang (2017): Die Revolution von 1918\/19. Der wahre Beginn unserer Demokratie. Europa-Verlag: Berlin-M\u00fcnchen-Z\u00fcrich-Wien<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ullrich<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Volker (1982): Kriegsalltag. Hamburg im ersten Weltkrieg. Prometh: K\u00f6ln<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Winkler<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heinrich August (1987): Der Weg in die Katastrophe. Dietz Nachf.: Berlin und Bonn<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>\u0002 Um die Fortsetzung des Kriegs im Innern abzusichern, verabschiedete eine Reichstags-mehrheit parallel dazu eine Friedensresolution, die alle kriegf\u00fchrenden L\u00e4nder nach dem Vorbild des Petersburger Sowjets zu einem Frieden \u201eohne Annexionen und Kontribu-tionen\u201c aufrief. Bethmann-Hollweg war davon ausgegangen, dass die Alliierten angesichts der russischen Unw\u00e4gbarkeiten und zunehmender Antikriegsproteste in ihren L\u00e4ndern einem Remisfrieden nicht abgeneigt waren. Doch da der neue deutsche Kriegskanzler die zuvor von Bethmann mit Vermittlung des Vatikans gef\u00fchrten Friedensgespr\u00e4che abbrach und den Krieg unvermindert fortf\u00fchrte, reagierten sie nicht auf die Resolution. So konnte man die kriegs-m\u00fcden Massen f\u00fcr ein weiteres Jahr zum Durchhalten bewegen, weil der Gegner ja die zum Friedensschluss ausgestreckte Hand zur\u00fcckgewiesen hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>\u0002 Nach \u00dcberzeugung des Autors verfolgte die SPD-F\u00fchrung mit dem B\u00fcndnis neben innen- auch milit\u00e4rpolitische Ziele, n\u00e4mlich mit Hilfe des kriegserfahrenen Offizierskorps die deutsche Milit\u00e4rmacht wieder aufzubauen, damit Deutschland sobald wie m\u00f6glich wieder Gro\u00dfmachtpolitik betreiben konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Beitrag wurde zuerst ver\u00f6ffentlicht in: Berliner Debatte Initial 30 (2019 \u2013 1) Heiner Karuscheit Die Publizistik zum 100.\u00a0Jahrestag der Novemberrevolution: Inhalt und Grenzen In der Feierstunde des Bundestags am 9.November 2018 zum 100.Jahrestag der Novemberrevolution bemerkte Bundespr\u00e4sident Steinmeier als Festredner, dass diese Revolution \u201ebis heute kaum Spuren im Ged\u00e4chtnis unserer Nation hinterlassen\u201c hat &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1672\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Novemberfragen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1672","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1672"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1674,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1672\/revisions\/1674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}