{"id":1647,"date":"2019-04-20T16:17:18","date_gmt":"2019-04-20T14:17:18","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1647"},"modified":"2019-04-20T16:17:18","modified_gmt":"2019-04-20T14:17:18","slug":"hundert-jahre-russische-revolutionen-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1647","title":{"rendered":"Hundert Jahre russische Revolutionen"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alfred Schr\u00f6der<\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>Kritische R\u00fcckschau auf einige Publikationen (Teil 2)<\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Die Weigerung, sich mit der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung<br \/>\nauseinanderzusetzen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der erste Teil der kritischen R\u00fcckschau (siehe AzD Nr. 88) begann mit einem Luxemburg-Zitat. Luxemburg erhob im unmittelbaren Kontext mit den Ereignissen in Russland die Forderung, \u201esich kritisch mit der russischen Revolution in allen historischen Zusammenh\u00e4ngen auseinanderzusetzen\u201c. Einhundert Jahre sp\u00e4ter haben wir als Einstieg zu dieser Auseinandersetzung die Vorstellung einer <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlichen Ver\u00f6ffentlichung<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> gew\u00e4hlt, die in gewissem Umfang den Stand der b\u00fcrgerlichen Forschung zu diesem Thema gut lesbar zusammenfasst.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Warum?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits vor anderthalb Jahren, bei einem ersten Versuch, b\u00fcrgerliche und linke Positionen zum russischen Revolutionsjahr vorzustellen, schrieben wir in den AzD: \u201eDen uns bisher bekannten linken Publikationen zum Thema ist augenf\u00e4llig eines gemeinsam: Eine Auseinandersetzung mit dem b\u00fcrgerlichen Forschungsstand zu den russischen Revolutionen fehlt ebenso wie eine Kritik an der Popularisierung dieser Positionen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Diese Einsch\u00e4tzung hat sich best\u00e4tigt. Eine Auseinandersetzung mit dem Stand der b\u00fcrgerlichen Forschung findet in den linken Publikationen, die zu den russischen Revolutionen anl\u00e4sslich des 100. Jahrestages erschienen sind, nicht statt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Stefan Bollinger<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Mitglied der Historikerkommission beim Parteivorstand der Linkspartei, benennt in seinem Buch (\u201eOktoberrevolution \u2013 Aufstand gegen den Krieg 1917 -1922\u201c) \u00fcber vier Seiten Autoren und Ver\u00f6ffentlichungen, die \u201edie russische Revolution vom Oktober 1917 zum Gegenstand einer kritischen Geschichtsbetrachtung (machten). Die kl\u00fcgsten Werke wischten die Stalinschen Vereinfachungen und Verf\u00e4lschungen beiseite.\u201c (Oktober, S. 20) Eine Vorstellung oder gar eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Positionen und Erkenntnissen dieser \u201ekl\u00fcgsten Werke\u201c \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlicher und z.T. dezidiert antikommunistischer Couleur (z.B. Richard Pipes) wird der Leser aber vergeblich in Bollingers 200 Seiten umfassenden Werk suchen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Frank Deppe<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (\u201e1917 \/ 2017 &#8211; Revolution und Gegenrevolution\u201c) sind es bei genauerem Hinsehen zwei b\u00fcrgerliche Quellen zu den sozialen und politischen Verh\u00e4ltnissen Russlands aus den 70er<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> und eine aus den 90er Jahren<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> des letzten Jahrhunderts, die er in seinem Abschnitt zur russischen Revolution heranzieht. Eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten Altrichters, Beyraus, Goehrkes, Hildermeiers etc. aus diesem Jahrhundert, die insbesondere die Agrarverh\u00e4ltnisse und die Klassen der russischen Gesellschaft in einem anderen Licht erscheinen lassen, findet nicht statt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Michael Brie<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (\u201eLenin neu entdecken\u201c sowie \u201eWas tun in Zeiten der Ohnmacht\u201c)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> und <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Thomas Kuczynski<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (\u201eWas bleibt von der Oktoberrevolution\u201c)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> wird auf die Darstellung der gesellschaftlichen Wirklichkeit Russlands vollst\u00e4ndig verzichtet, eine Auseinandersetzung mit b\u00fcrgerlichen Historikern zu diesem Thema unterbleibt ebenso. Beide Autoren verweigern die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit des zaristischen und revolution\u00e4ren Russlands und suchen die Ursachen f\u00fcr das letztendliche Scheitern der Zielsetzungen der russischen Revolutionen in einem fehlerhaften Verst\u00e4ndnis der Schriften von Hegel, Marx und Lenin zu Fragen der Dialektik oder der Staatstheorie bei Brie; von Marx und Lenin zur Agrarfrage in Russland bei Kuczynski. Ihre Texte sind abgeleitete Theoriekonstrukte, deren einziger Bezug zur Wirklichkeit der russischen Revolution aus den Zitaten der \u201eKlassiker\u201c besteht. Hier wird die Wahrheit nicht in den Tatsachen, im tats\u00e4chlichen Verlauf der russischen Revolution und ihrer Klassenk\u00e4mpfe gesucht, sondern aus dem Abgleich der Schriften der Klassiker und ihrer vermeintlich richtigen oder fehlerhaften Interpretation durch Lenin hergeleitet.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im weiteren Verlauf des Artikels werden wir auf diese Ver\u00f6ffentlichungen noch eingehen. Hier ging es darum zu erl\u00e4utern, weshalb wir die \u201eR\u00fcckschau\u201c mit einer neuen <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>b\u00fcrgerlichen<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ver\u00f6ffentlichung begonnen haben und beginnen mussten, da die vorherrschende linke Publizistik zu diesem Thema keinen ernsthaften Beitrag geleistet hat und ganz offensichtlich auch gar nicht leisten wollte. Die Forderung Luxemburgs, \u201esich kritisch mit der russischen Revolution in allen historischen Zusammenh\u00e4ngen auseinanderzusetzen\u201c, erf\u00fcllen die genannten Ver\u00f6ffentlichungen allesamt nicht. Demgegen\u00fcber konnten wir aus der Besprechung von Smith&#8216; Buch in der letzten Nummer der AzD drei wichtige Erkenntnisse gewinnen, die es uns erm\u00f6glichen, die Ereignisse des Jahres 1917 in einem anderen Licht darzustellen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Drei Erkenntnisse, die dem \u201ekanonisierten Leninismus\u201c widersprechen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnen wir mit einer Begriffskl\u00e4rung. Ich benutze die Formulierung \u201ekanonisierter Leninismus\u201c, weil die Vielzahl von konkreten Aussagen und Ver\u00f6ffentlichungen Lenins zu den wechselnden politischen Situationen im Revolutionsjahr durchaus vielgestaltiger und widerspr\u00fcchlicher waren, als die \u201ekanonisierte\u201c Fassung des Leninismus sie darstellt. Man denke nur an die teils gegens\u00e4tzlichen Einsch\u00e4tzungen Lenins zur Februarrevolution,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> seine Beurteilung der April-Krise (dazu weiter unten im Text), die Interpretation der Situation nach der Juli-Niederlage in Petrograd,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> seine Einsch\u00e4tzung des Klassenb\u00fcndnisses des Oktoberumsturzes<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> etc. Diese Fehlgriffe bei der Beurteilung aktueller Umbr\u00fcche im Revolutionsgeschehen waren f\u00fcr einen politischen F\u00fchrer, der teilweise fernab des eigentlichen Geschehens und mit durchaus limitierten Informationsmaterial versehen war, geradezu unvermeidlich. Der \u201ekanonisierte Leninismus\u201c b\u00fcgelt diese Kanten und Falten aus der Parteifahne der Bolschewiki heraus und stellt uns einen stringenten, stets treffend die Klassenkr\u00e4fte analysierenden Lenin vor, der von Irrt\u00fcmern des menschlichen Handels frei ist. Im \u201eKurzen Lehrgang der KPDSU (B)\u201c findet er seine konkrete Gestalt und erz\u00e4hlt uns eine andere Geschichte der russischen Revolution als die, die tats\u00e4chlich stattgefunden hat.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2.1 Die Februarrevolution zerschl\u00e4gt den zaristischen Staatsapparat, ohne einen neuen b\u00fcrgerlichen Staatsapparat zu schaffen<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese \u201eandere Geschichte\u201c beginnt mit der Frage der Staatsmacht. Ausgangspunkt f\u00fcr ein anderes Verst\u00e4ndnis der russischen Revolution bildet die Einsch\u00e4tzung des zaristischen Staates. Dieser war, insbesondere was die Ausbildung des staatlichen Gewaltapparates betraf, kein \u201estarker\u201c, sondern ein schwacher Staat. Als agrarischen Fl\u00e4chenstaat kennzeichnete dies den Zarismus seit Jahrhunderten. Beamtenschaft und Polizeikr\u00e4fte waren f\u00fcr ein autokratisches Herrschaftssystem und die Gr\u00f6\u00dfe des Reiches unzureichend entwickelt. In allen Krisenzeiten des Zarismus musste die Armee die Schw\u00e4che der Staatsgewalt ausgleichen. Das \u00dcberlaufen der Armee im Februar 1917 bedeutete somit das Ende des Zarismus.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies war eine Situation, die sowohl die russischen Kriegsalliierten als auch die Armeef\u00fchrung und die b\u00fcrgerlichen Dumakreise unbedingt vermeiden wollten. Sie wollten den Zaren absetzen, der sich als unf\u00e4hig erwiesen hatte, die Kriegskrisen zu meistern, im Volk (zusammen mit seiner Frau) verhasst war und dazu im Verdacht stand, einen Separatfrieden mit dem Kaiserreich abschlie\u00dfen zu wollen, um seine Herrschaft zu retten. Die Absetzung des Zaren sollte sowohl den Zarismus als konstitutionelle Monarchie sowie seinen Staatsapparat vor der Revolution retten und zugleich das Kriegsb\u00fcndnis mit den Alliierten befestigen. An die Stelle Nikolaus\u2018 II sollte ein in der russischen Gesellschaft \u201ebeliebteres\u201c Mitglied des Hauses Romanow treten, um den zaristischen Staat zu retten und den Krieg effektiver f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Diese Pl\u00e4ne scheiterten und mit dem Sturz des Zaren und dem Sieg der Revolution wurde der alte zaristische Staatsapparat weitgehend zerschlagen, Polizei und Gendarmerie waren nicht mehr existent. Die noch verbliebenen \u00dcberreste des Zarismus in der Provinzverwaltung verschwanden in den Wochen nach der Februarrevolution ebenso von der Bildfl\u00e4che.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Dumabourgeoisie, welche die 1.\u00a0Provisorische Regierung auf Wunsch und in Absprache mit der Sowjetf\u00fchrung bildete, und die Armeef\u00fchrung besa\u00dfen keine eigenst\u00e4ndigen, von der b\u00e4uerlichen Armee unabh\u00e4ngigen bewaffneten Formationen, auf die sie sich h\u00e4tten st\u00fctzen k\u00f6nnen. Selbst die Kosakenverb\u00e4nde hatten in Petrograd mit der Revolution fraternisiert. Wie sollte eine b\u00fcrgerliche Herrschaft ohne eigenst\u00e4ndigen Staats- und Gewaltapparat, dazu noch unter den spezifischen Bedingungen des revolution\u00e4ren Russlands und des durch den Krieg bewaffneten Volkes aufgerichtet werden? Die Versuche der verschiedenen Provisorischen Regierungen, 1917 einen neuen b\u00fcrgerlichen Staatsapparat aufzubauen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> scheiterten darum geradezu zwangsl\u00e4ufig, was die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung so gut wie einhellig konstatiert (und den Provisorischen Regierungen zum Vorwurf macht).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Untergang des Zarismus war mehr als ein Machtwechsel an der Staatsspitze. Mit der Monarchie brachen so gut wie alle staatlichen und sozialen Autorit\u00e4ten der alten Ordnung zusammen. Das neue Regime fand keinen effektiven Ersatz f\u00fcr die Gouverneure und Beamten, die Anfang M\u00e4rz hatten gehen m\u00fcssen. Zemstva (l\u00e4ndliche Selbstverwaltungsorgane, A.S.) und Stadtr\u00e4te vermochten h\u00f6chstens ihre Amtsr\u00e4ume, nicht ihre Funktionen auszuf\u00fcllen. Die verhasste Polizei zog sich mit ihren Dienstherren zur\u00fcck \u2026 Die Justiz stellte ihre T\u00e4tigkeit weitgehend ein. \u2026 So verdient der Gedanke besondere Aufmerksamkeit, dass die demokratische Revolution des Februars auch das Fundament f\u00fcr die eigene Konsolidierung zerst\u00f6rte, als sie das innerste Ger\u00fcst des alten Staates und seiner Gesellschaft zum Einsturz brachte.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Linke hat diesem Problem keineswegs die von Hildermeier geforderte \u201ebesondere Aufmerksamkeit\u201c gezollt, sondern diese Besonderheit der Februarrevolution, die der spezifischen Gestalt des zaristischen Staates geschuldet war, konsequent ignoriert. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Ohne einen b\u00fcrgerlichen Staats- und Gewaltapparat keine b\u00fcrgerliche Herrschaft.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ohne dieses \u201eFundament\u201c auch keine M\u00f6glichkeit, \u201edie eigene Konsolidierung\u201c einer b\u00fcrgerlichen Macht in Russland zu betreiben. Diese Tatsache wirft auf die Ereignisse des Jahres 1917 ein v\u00f6llig anderes Licht, sowohl auf den Inhalt wie den Ablauf der Klassenk\u00e4mpfe im April (Machtprobe Miljukows), in der Juli(-Krise), Ende August\/Anfang September (Kornilow) und beim Oktoberumsturz. Die Linke, die die Problematik dieser russischen Besonderheit gar nicht wahrnimmt, folgt hier unhinterfragt dem \u201ekanonisierten Leninismus\u201c, der dazu postuliert: \u201eDie alte Zarenmacht \u2026 ist zerschlagen und beseitigt, aber nicht endg\u00fcltig zur Strecke gebracht. Die Monarchie ist <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>faktisch nicht vernichtet<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>. \u2026 <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die Staatsmacht ist in Russland in die H\u00e4nde einer neuen Klasse \u00fcbergegangen, und zwar in die der Bourgeoisie und der verb\u00fcrgerlichten Gutsbesitzer<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Richtig formuliert h\u00e4tte dieser Satz lauten m\u00fcssen: &#8218;Die alte Zarenmacht ist zerschlagen und beseitigt. Die b\u00fcrgerliche Regierung verf\u00fcgt \u00fcber keinerlei eigene Machtorgane. Sie ist vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig von ihrer Duldung und Unterst\u00fctzung durch den Sowjet.&#8216;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So hat es auch der Verteidigungsminister der Provisorischen Regierung (Gutschkow) an den Chef des Generalstab geschrieben: \u201eBitte glauben Sie mir, dass die tats\u00e4chliche Lage der Dinge wie folgt ist: 1. Die Provisorische Regierung verf\u00fcgt \u00fcber keinerlei reale Macht, ihre Anordnungen werden nur in dem Ma\u00dfe befolgt, wie dies der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten zul\u00e4sst, der die wichtigsten Elemente einer realen Macht besitzt, denn das Heer, die Eisenbahnen, die Post und das Telegraphenwesen sind in seiner Hand. Man kann direkt sagen, dass die Provisorische Regierung nur solange existiert, wie dies vom Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten geduldet wird.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> Von M\u00e4rz bis Oktober 1917 existierte weder ein b\u00fcrgerlicher Staats- und Gewaltapparat noch eine b\u00fcrgerliche Herrschaft. Die Sowjetf\u00fchrung \u201eherrschte\u201c, ohne es zu wollen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2.2 Die russische Dorfgemeinde ist trotz sozialer Unterschiede nicht in Klassen gespalten<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Bauernschaft hatte in ihrem bestimmenden Kern, der Obscina-Bauernschaft, ein v\u00f6llig anderes Gesicht als die Bauernschaft im Westen des europ\u00e4ischen Kontinents. Ihr Ziel war nicht \u2013 wie Lenin es fortw\u00e4hrend unterstellte &#8211; &#8218;freier kapitalistischer Eigent\u00fcmer&#8216; zu werden, sondern umgekehrt, die kapitalistische Entwicklung der Landwirtschaft in Russland zu unterbinden und gesetzlich zu verbieten, was sie mit dem Landdekret im Oktober\/November 1917 erreichte. \u201eDas Privateigentum am Grund und Boden wird f\u00fcr immer aufgehoben. \u2026 Lohnarbeit wird verboten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> Dazu forderte sie die entsch\u00e4digungslose Aufteilung des adligen und b\u00fcrgerlichen Gro\u00dfgrundbesitzes zugunsten der Dorfgemeinden, was ihr im Oktober im \u201eDekret \u00fcber den Grund und Boden\u201c zugesichert wurde. Lenin interpretierte die Interessen und W\u00fcnsche der Bauernschaft ganz anders:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a> <span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Somit haben sich die Bauern klar und entschieden gegen die alte Dorfgemeinde, f\u00fcr freie Genossenschaften und f\u00fcr die Bodennutzung durch Einzelpersonen ausgesprochen. Dass dies tats\u00e4chlich die Stimme der Gesamtbauernschaft ist, kann nicht bezweifelt werden, denn auch der Entwurf der der Trudowikigruppe (rechte Sozialrevolution\u00e4re, A.S.) erw\u00e4hnt die Dorfgemeinde mit keiner Silbe. \u2026 Stolypin beseitigt die Dorfgemeinde gewaltsam im Interesse eines H\u00e4ufleins Reicher. Die Bauernschaft will sie beseitigen, um sie durch freie Genossenschaften und durch die Bodennutzung von &#8218;Einzelpersonen&#8216; auf nationalisiertem Anteilland zu ersetzen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Im Gegensatz zu Lenins Vorstellungen, wollte die Bauernschaft <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>keineswegs<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Dorfgemeinde \u201ebeseitigen\u201c, und auch an einer \u201eNationalisierung\u201c des Bodens interessierte die Bauernschaft nur eins, n\u00e4mlich die \u00dcbergabe des Bodens an die Dorfgemeinden zu ihrer Nutzung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Politisch zielten diese Forderungen der Bauernschaft auf eine St\u00e4rkung der b\u00e4uerlichen Dorfgemeinde und R\u00fccknahme der \u201eStolypinschen Reformen\u201c, die den \u00f6konomisch selbstst\u00e4ndigen Einzelbauern aus einer untergehenden Dorfgemeinde entstehen lassen wollten. Die Revolution beerdigte diese Politik und die Bauernschaft beseitigte den individuellen Landbesitz des aus der Dorfgemeinde ausgeschiedenen Einzelbauern zugunsten der Dorfgemeinde. \u00d6konomisch f\u00fchrte diese Umverteilung zu einer b\u00e4uerlichen Subsistenzwirtschaft mit angegliederter kleiner Warenproduktion f\u00fcr den Austausch mit der Stadt. F\u00fcr die Politik und B\u00fcndnisfrage bedeute dies, dass die Bauernschaft kein dauerhaftes B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie schlie\u00dfen konnte, wie Lenin es 1917 fortw\u00e4hrend unterstellte, da die Bourgeoisie kein Interesse an der entsch\u00e4digungslosen Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes und an dem Verbot des privaten Landeigentums besa\u00df.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zugleich f\u00fchrte die andauernde Attraktivit\u00e4t der Dorfgemeinschaft f\u00fcr die Bauernschaft insgesamt dazu, dass eine Politik der Spaltung derselben in b\u00fcndnisf\u00e4hige Kleinbauern einerseits und verbrecherische Kulaken andererseits scheitern musste. F\u00fcr die vom westeurop\u00e4ischen Marxismus gepr\u00e4gte Theoretiker und Politiker war es nicht vorstellbar, \u201edass man es bei der sozialen Differenzierung auf dem russischen Dorf nicht mit einer linearen, sondern mit einer zyklischen Entwicklung zu tun hat, die ganz wesentlich durch das generative Verhalten gesteuert wurde (&#8218;zyklische Mobilit\u00e4t&#8216;). Weil die Landzuteilung an die Haushaltungen durch den Mir auf die Anzahl m\u00e4nnlicher Personen abstellte, gerieten Ehepaare, denen nur T\u00f6chter beschert waren, bei der n\u00e4chsten Landumteilung rasch auf den absteigenden Ast. Das Fehlen m\u00e4nnlicher Arbeitskr\u00e4fte, chronische Krankheiten, Start in den Haushalt ohne zureichende Betriebsmittel und Familienzwistigkeiten bildeten daher in dieser Reihenfolge die wichtigsten Ursachen daf\u00fcr, dass ein Hof in das arme Drittel einer Dorfgemeinde absinken konnte. Umgekehrt sorgte das Landumteilungsverfahren aber auch wieder daf\u00fcr, dass jedes junge Ehepaar, das seine eigene Wirtschaft er\u00f6ffnete, zum Start in die Lebenslotterie mit relativ gleichen Chancen entlassen wurde \u2013 vorausgesetzt, es blieb von Krankheiten und S\u00f6hnelosigkeit verschont. In der Tat haben L\u00e4ngsschnittstudien aufgezeigt, dass \u00fcber mehrere Generationen hinweg die meisten wohlsituierten Bauernfamilien ihren Status nicht halten konnten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die periodischen Umteilungen des Ackerlandes war die Dorfgemeinde zwar durchaus sozial geschichtet, aber nicht in antagonistische Klassen gespalten. Gegen die Forderungen der Klassen der modernen Gesellschaft wehrte sich die Bauernschaft ebenso geschlossen, wie sie den zaristischen Adel und den zaristischen Staat als ihren nat\u00fcrlichen Feind gesehen hatte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Landdekret des Oktoberumsturzes, das diesen W\u00fcnschen der Bauernschaft Rechnung trug, \u201ebeschleunigte die weitere Umverteilung von Grund und Boden, es trieb aber auch die Zerr\u00fcttung der Beziehungen zwischen Stadt und Land weiter voran. Denn die im Winter 1917\/18 einsetzende Flucht aus den St\u00e4dten und die Heimkehr der Soldaten hatten negative Konsequenzen f\u00fcr die Versorgung der St\u00e4dte. Unter Einbeziehung der marktorientierten G\u00fcter, aber auch vieler seit der Stolypin-Reform separierter H\u00f6fe kam es zu einer &#8217;schwarzen Umteilung&#8216;. Die \u00c4cker wurden je nach Zahl der Esser oder Arbeitskr\u00e4fte neu verteilt. Im Ergebnis kam es zu einer Nivellierung der b\u00e4uerlichen Besitzstruktur. \u2026 Rechtlich hatte jeder einen Anspruch auf Landzuteilung im Sinne der Nutzung, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>aber nicht des Eigentums am Land<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Damit wurde die Stolypin-Reform r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und die Feldgemeinschaft \u00e4lteren Typs, also die obscina, wiederhergestellt. Insgesamt siegte ein revolution\u00e4r gewendeter Traditionalismus. \u2026 Die Bolschewiki mussten also einen Zustand sanktionieren, den sie schon Jahrzehnte zuvor f\u00fcr historisch \u00fcberholt und durch den Kapitalismus f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt hatten. Eine Perspektive f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft im marxistischen Verst\u00e4ndnis lie\u00df sich daraus nicht ableiten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Lenin hielt eine solche Entwicklung f\u00fcr unwahrscheinlich (\u201eunter ausgleichender Bodennutzung verstehen\u201c die Bauern, \u201edass den Gutsbesitzern das Land weggenommen wird, nicht aber den Ausgleich zwischen den einzelnen Landwirten.\u201c)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> Die Umteilungsgemeinde bedeutete aber genau dies, eine Umteilung innerhalb der Gemeinde nach Arbeits- oder Verbrauchsnorm.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenins klassenpolitische Position gegen\u00fcber der Bauernschaft, wie er sie in den April-Thesen 1917 formuliert und danach immer deutlicher herausarbeitet, von einem B\u00fcndnis des Proletariats mit den Landarbeitern und armen Bauern (\u201ehalbproletarischen Bauern\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a>, wie er selbst formuliert) gegen die Kulaken und die Bourgeoisie in Stadt und Land war konsequent dem westlichen marxistischen Denken entlehnt und spiegelte deshalb weder die russischen Agrarverh\u00e4ltnisse noch die Interessen der Bauernschaft wider.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Agrarbewegung kann auf zweierlei Art verlaufen. Die Bauern nehmen den Grund und Boden, es kommt nicht zum Kampf zwischen dem Landproletariat und den wohlhabenden Bauern. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Doch das ist wenig wahrscheinlich<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, denn der Klassenkampf wartet nicht. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Jetzt \u2026 nicht vom Klassenkampf im Dorf (zu) sprechen ist Verrat an der Sache des Proletariats<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Dies ist Lenins Position, formuliert auf der Stadtkonferenz der SDAPR (B) Ende April 1917, und sie wird offizielle Grundlage der bolschewistischen Politik. Diese Orientierung ist un\u00fcbersehbar falsch. Sie steht im offenen Gegensatz zur tats\u00e4chlichen Bewegung der Bauernschaft im Revolutionsjahr. Auch hier muss die Geschichte des Jahres 1917 (und auch der folgenden Jahre) anders geschrieben werden. Der \u201eLeninismus\u201c irrte hier ebenso wie in der Frage der Staatsmacht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2.3 Die russische Bourgeoisie war im Revolutionsjahr 1917 nicht im Besitz der politischen Macht<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die beiden bisher benannten Fehleinsch\u00e4tzungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit der russischen Gesellschaft und ihres Staates kulminieren in der These von der Herrschaft der Bourgeoisie in Russland 1917. \u2018Von der Februarrevolution durch die opportunistischen Sowjetparteien an die Macht gebracht, aber noch eingeschr\u00e4nkt durch die \u201eDoppelherrschaft\u201c von Sowjet und Regierung, \u00fcbt die Bourgeoisie ab der Juli-Krise bis Oktober die Macht uneingeschr\u00e4nkt aus, bis sie im Oktober von den Bolschewiki gest\u00fcrzt wird.\u2018 Dies ist die Geschichte des Revolutionsverlaufs in Russland, wie sie der \u201ekanonisierte Leninismus\u201c erz\u00e4hlt. Diesem \u201ekanonisierten Leninismus\u201c liegen eine Reihe fehlerhafter Einsch\u00e4tzungen des realen Lenin zugrunde, wie gerade aufgezeigt. Und die Behauptung von der Herrschaft der russischen Bourgeoisie ist die wesentlichste Fehleinsch\u00e4tzung, die Lenin entwickelt hat und die sich bis heute bei der Linken wie bei b\u00fcrgerlichen Historikern gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit erfreut.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dabei hatte derselbe Lenin 1908 aus dem Verlauf der ersten russischen Revolution folgende vollst\u00e4ndig zutreffende Analyse der Rolle und der M\u00f6glichkeiten der russischen Bourgeoisie f\u00fcr die kommende Revolution gegeben: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Somit sehen wir, dass der Begriff der &#8218;b\u00fcrgerlichen Revolution&#8216; noch nicht gen\u00fcgend die Kr\u00e4fte bestimmt, die in einer solchen Revolution den Sieg davontragen k\u00f6nnen. Es sind b\u00fcrgerliche Revolutionen m\u00f6glich \u2013 und es hat tats\u00e4chlich solche gegeben -, in denen die Handels- oder die Handels- und Industriebourgeoisie die Haupttriebkraft bildete. \u2026 Anders verh\u00e4lt es sich in Russland. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bei uns ist der Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution als Sieg der Bourgeoisie unm\u00f6glich.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Eine scheinbar paradoxe Behauptung, aber trotzdem richtig. Das \u00dcberwiegen der b\u00e4uerlichen Bev\u00f6lkerung, ihre furchtbare Unterdr\u00fcckung durch den (halb-)feudalen Gro\u00dfgrundbesitz, die Kraft und das Bewusstsein des bereits in einer sozialistischen Partei organisierten Proletariats \u2013 alle diese Umst\u00e4nde verleihen unserer b\u00fcrgerlichen Revolution einen besonderen Charakter. Diese Besonderheit hebt den b\u00fcrgerlichen Charakter unserer Revolution nicht auf \u2026 Vielmehr bedingt diese Besonderheit nur den konterrevolution\u00e4ren Charakter unserer Bourgeoisie und die Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft f\u00fcr den Sieg in einer solchen Revolution. Denn die &#8218;Koalition von Proletariat und Bauernschaft&#8216;, die in einer b\u00fcrgerlichen Revolution siegt, ist nichts anderes als die revolution\u00e4r-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Lage der Dinge bildet den Ausgangspunkt der taktischen Meinungsverschiedenheiten in der Sozialdemokratie w\u00e4hrend der Revolution. \u2026 Nur in dieser grundlegenden taktischen Meinungsverschiedenheit \u2026 ist die Quelle der Differenzen zwischen Bolschewiki und Menschewiki in der ersten Periode der Revolution (1905-1907) zu suchen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieses Zitat ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. \u201eBei uns ist der Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution als Sieg der Bourgeoisie <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>unm\u00f6glich.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201c<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Diese Schlussfolgerung aus dem Revolutionsverlauf 1905-07 war v\u00f6llig richtig. Sie wird im Februar\/M\u00e4rz 1917 best\u00e4tigt. Zu diesem Zeitpunkt aber sieht Lenin die Bourgeoisie an der Macht. Wie das?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch dies kann aus dem obigen Zitat entnommen werden. \u201eDenn die &#8218;Koalition von Proletariat und Bauernschaft&#8216;, die in einer b\u00fcrgerlichen Revolution siegt, ist nichts anderes als die revolution\u00e4r-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft.\u201c Eine Vorherrschaft der Bauernschaft in diesem B\u00fcndnis war f\u00fcr Lenin unvorstellbar. Diese Einsch\u00e4tzung Lenins war gerade bezogen auf die dorfgemeinschaftlich gepr\u00e4gte Bauernschaft Russlands im Allgemeinen richtig, aber konkret, im Kontext des Weltkrieges und einer bewaffneten Bauernschaft, wurde sie falsch. Aus sich heraus war die in Dorfgemeinschaften zersplitterte und politisch weitgehend uninteressierte russische Bauernschaft nicht in der Lage, eine Revolution im nationalen Ma\u00dfstab zu dominieren. Konkret aber, organisiert in der Armee, politisiert von der Revolution und der Mitarbeit in den Sowjets, stellte sie die Mehrheit in den Sowjets (durch die Soldatensowjets), und war zugleich der haupts\u00e4chliche Waffentr\u00e4ger der Nation, die eigentliche \u201eStaatsmacht\u201c. So wurde die russische Bauernschaft f\u00fcr acht Monate zur entscheidenden Kraft der Revolution. Tats\u00e4chlich war die Koalition von Proletariat und Bauernschaft, die sich im M\u00e4rz 1917 herausbildete, eine Koalition, die<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bauernschaft (vertreten durch die Partei der Sozialrevolution\u00e4re) im B\u00fcndnis mit den sozialpatriotischen Teilen der Arbeiterbewegung (vertreten durch die Menschewiki), unter der F\u00fchrung des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums, die Vorherrschaft \u00fcber die Sowjets und die Revolution verschaffte. Lenin war es ebenso wenig wie anderen vom westeurop\u00e4ischen Marxismus gepr\u00e4gten Politikern m\u00f6glich, sich die bewaffnete Bauernschaft als <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>letztlich bestimmende, den Revolutionsprozess dominierende<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Kraft dieses Klassenb\u00fcndnisses im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1917 vorzustellen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hinzu kommt noch, dass die f\u00fchrenden K\u00f6pfe dieser Koalition sowohl aus ideologischen Gr\u00fcnden (\u201eb\u00fcrgerliche Revolution\u201c erfordert eine \u201eb\u00fcrgerliche Regierung\u201c), als auch aus handfestem politischem Eigeninteresse die Installierung einer rein b\u00fcrgerlichen Regierung betrieben. Dies brachte f\u00fcr Lenin und alle, die dieser Einsch\u00e4tzung bis heute folgen, die russische Bourgeoisie auf dem Papier der Geschichtsb\u00fccher in den Besitz der politischen Macht, die sie sich immer erhofft hatte. Das Absurde an dieser Geschichtsschreibung ist, dass sowohl die Marxisten als auch viele b\u00fcrgerliche Historiker mit vollem Recht keinen Zweifel an der \u00f6konomischen und politischen Schw\u00e4che der russischen Bourgeoise <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>vor<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der russischen Revolution \u00e4u\u00dferten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> trotz dieser durchaus zutreffenden und mit Fakten belegbaren Erkenntnis leisten sie dem \u201ekanonisierten Leninismus\u201c Gefolgschaft, der dieser \u201eschm\u00e4chtigen Kraft\u201c (Hildermeier) zutraut, acht Monate lang die gewaltigen Kr\u00e4fte einer Volksrevolution zu b\u00e4ndigen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Eine andere Geschichte des Revolutionsjahres<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bevor wir zu den Besprechungen der linken Neuver\u00f6ffentlichungen zum Revolutionsjahr kommen, (die sich allesamt durchaus kritisch mit der russischen Revolution und mit Lenin auseinandersetzen, ohne auch nur ein einziges der drei gerade dargestellten Probleme \u00fcberhaupt aufzuwerfen), m\u00f6chte ich eine andere Interpretation der Ereignisse des Revolutionsjahres vorstellen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"firstHeading1\"><\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Zeitschrift <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Juni-Nummer 2018), faktisch im Nachgang zu den Publikationen des Jahres 2017, ver\u00f6ffentlichte Joachim H\u00f6sler einen Artikel, der \u201esechs Phasen der Revolutionsforschung (in Russland) \u2026 (davon) f\u00fcnf sowjetische und eine postsowjetische\u201c, vorstellt. \u201eF\u00fcr jede Phase sollen die Organisation der Revolutionsforschung und ihre Inhalte herausgearbeitet werden\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> Das kann die AzD ihren Lesern nat\u00fcrlich nicht bieten, aber eine originelle und politisch h\u00f6chst interessante Variante der sowjetischen Revolutionsforschung, die H\u00f6sler in seinem <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">-Artikel nicht n\u00e4her entwickelt, k\u00f6nnen wir hier vorstellen. Sie hat den Vorzug, dass sie von einem Bolschewiken stammt, der selbst aktiver Teilnehmer der Geschehnisse der russischen Revolution war und bis Anfang der 30er Jahre die Geschichtswissenschaft der Sowjetunion pr\u00e4gte. Zu einer Zeit also, als die meisten der f\u00fchrenden politischen K\u00f6pfe der Revolutionsjahre noch lebten und bevor der Leninismus seine kanonisierte Fassung erhielt. Wir sprechen von <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Michail Nikolajewitsch Pokrowski. Wer war Pokrowski?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">M. Pokrowski war Mitglied der SDAPR seit 1903, nach einem Treffen mit Lenin 1905 schloss er sich den Bolschewiki an, im Jahr 1917 war er Vorsitzender des Moskauer Sowjets, 1918 war er Mitglied der sowjetischen Verhandlungsdelegation in Brest-Litowsk. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von Mai 1918 bis zu seinem Tode (1932) war er stellvertretender Volkskommissar f\u00fcr Bildung und leitete von 1921 bis 1932 das \u201eInstitut der roten Professur\u201c. Im Jahr 1929 wurde er Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach einer langwierigen Krankheit verstarb er am 10. April 1932 in Moskau. Seine Urne wurde an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An Pokrowski, dem wichtigsten sowjetischen Historiker der zwanziger Jahre, der unter Stalin als &#8218;Anti-Leninist&#8216; gegolten hatte, war in der historiographischen Diskussion nicht vorbeizukommen\u201c, schreibt Joachim H\u00f6sler in seiner Dissertation zur sowjetischen Geschichtswissenschaft.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> Und weiter: \u201eMit dem Namen des Historikers (gemeint ist Pokrowski; A.S.), der &#8218;damals die gesamte geschichtswissenschaftliche T\u00e4tigkeit und die f\u00fchrenden Organe und Institutionen der Geschichtswissenschaft leitete&#8216;, verband\u201c eine Kritikerin \u201ealle Erfolge und Fehler jener Zeit von 1924 bis 1936. Der &#8218;Hauptfehler&#8216; Pokrowskis, der 1932 starb, sei dessen ungen\u00fcgende Kenntnis der Werke Lenins gewesen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a> Pokrowski schildert also die Ereignisse der russischen Revolution so wie er sie erlebt und verstanden hatte, ohne Kenntnis des \u201ekanonisierten Leninismus\u201c, der als ein Produkt der 30er Jahre nach Pokrowkis Tod entwickelt wurde. Er entstand sozusagen in Abgrenzung zu der von Pokrowski gepr\u00e4gten Geschichtsschreibung der 20er Jahre.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Folgende interessante Interpretation der Februarrevolution gibt Prokowski: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Man sieht, \u201edass zu dieser Zeit (gemeint ist der 2. und 3. M\u00e4rz 1917) die Masse die Macht in Petersburg besa\u00df, vertreten durch die organisierte Spitze, durch die Sowjets der Arbeiterdeputierten\u201c (dabei war der Petrograder Sowjet zu diesen Zeitpunkt bereits ein Sowjet der Arbeiter- und <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Soldaten<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">deputierten; A.S.) \u2026 \u201eDie Macht also war in den H\u00e4nden der Sowjets der Arbeiterdeputierten. Die Frage, ob es in diesem Augenblick m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, in Petersburg eine Arbeiterregierung zu bilden, k\u00f6nnte man kategorisch mit ja beantworten, vorausgesetzt, dass die Revolution f\u00fcr die wenigen Bolschewiki, die in diesen Tagen in Petersburg waren, nicht ebenfalls unvorbereitet gekommen w\u00e4re. Das h\u00e4tte die zweite Revolution \u2026 er\u00fcbrigt und gleich jenes Regime eingef\u00fchrt, das nach der Oktoberrevolution kam.<br \/>\nDas ist nicht geschehen, weil die Intellektuellen, die teils unvorbereitet, teils gegen ihren eigenen Willen auf den Posten der organisierenden Spitze des organisierten Proletariats \u2013 das hei\u00dft des Sowjets der Arbeiterdeputierten \u2013 gestellt worden waren, sich als Helfershelfer der Hofumw\u00e4lzung<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> entpuppten. Selbst das bolschewistische Petersburg war, nach Schljapnikow,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> f\u00fcr eine Koalitionsregierung aus Bolschewiki, Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4ren. Haben sich also damals die in Petersburg t\u00e4tigen Bolschewiki eine Revolutionsregierung als Koalitionsregierung vorgestellt, was war dann von den Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4ren zu erwarten? Jene haben offen erkl\u00e4rt, dass alles verloren sei, falls man die Kadetten nicht zur Koalition hinzuziehe. \u2026 Das war die Stimmung der Kreise, die damals die Arbeiterbewegung leiteten.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr Pokrowski hat im Februar \u201edie Masse die Macht in Petersburg, vertreten durch die organisierte Spitze, durch die Sowjets\u201c. Dies ist eine v\u00f6llig richtige Beurteilung der Situation, und diese \u201eMasse\u201c beh\u00e4lt die Macht durch die Sowjets auch die folgenden Monate bis zum Oktober, wo sie \u201ede jure\u201c die \u201eDiktatur des Proletariats\u201c aufrichtet. Was Pokrowski hier ausl\u00e4sst, ist die klassenm\u00e4\u00dfige Definition dieser \u201eMasse\u201c. Er setzt die Herrschaft der Sowjets mit der Herrschaft des Proletariats gleich: \u201eDie Macht also war in den H\u00e4nden der Sowjets der Arbeiterdeputierten.\u201c Nur waren die Sowjets durch den Zustrom der Soldaten und deren \u00fcberproportionale Vertretung direkt nach der Februarrevolution nicht von den Deputierten der Arbeiter (die die Revolution ausgel\u00f6st hatten) dominiert, sondern \u00fcber die Soldatendeputierten von der Bauernschaft und dem st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertum. Insofern war eine \u201eDiktatur des Proletariats\u201c, gest\u00fctzt auf diese \u201eMasse\u201c, im M\u00e4rz 1917 nicht m\u00f6glich. Hier liegt Pokrowski also grundfalsch.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was er aber als Teilnehmer der Revolution und Mitglied des Sowjets klar erkennt und herausstellt, ist der Tatbestand, dass die Revolution die \u201eMacht\u201c in die H\u00e4nde der Sowjetf\u00fchrung und nicht in die der Bourgeoisie gelegt hat. Und diese Aussage finden wir ebenso bei Suchanow, Zereteli oder Gutschkow etc.. Die Rolle und der Handlungsspielraum der verschiedenen Provisorischen Regierungen des Jahres 1917 bestimmen sich nicht durch ein Mehr oder Weniger an Einfluss der Bourgeoisie oder der Anzahl ihrer Ministerposten, sondern h\u00e4ngen in allen entscheidenden Fragen von der Unterst\u00fctzung durch die Sowjetf\u00fchrung ab. Die letzte Regierung Kerenski besa\u00df diese Unterst\u00fctzung nicht mehr. Sie wurde im Oktober von den Bolschewiki gest\u00fcrzt und zeitweilig verhaftet. Diese Geschichtsschreibung des Revolutionsjahres kommt im Gegensatz zum \u201ekanonisierten Leninismus\u201c ganz ohne einen \u201eSturm auf das Winterpalais\u201c aus und erkl\u00e4rt zugleich, warum der Oktoberaufstand weitgehend ohne Stra\u00dfenk\u00e4mpfe und Massendemonstrationen siegreich war. Die Macht lag beim Sowjet, und dessen F\u00fchrung war inzwischen bolschewistisch geworden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende der 20er Jahre begann die Kritik an Pokrowskis \u201eSchule\u201c. Im Zentrum der Kritik standen dabei seine Positionen, die im Gegensatz zu der Leninschen Einsch\u00e4tzung des Revolutionsjahres standen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> Sein \u201eHauptfehler\u201c sei die \u201eungen\u00fcgende Kenntnis der Werke Lenins gewesen\u201c, so zitiert H\u00f6sler in seiner Dissertation die Kritiker. Die f\u00fcnf sowjetischen \u201ePhasen der Revolutionsforschung\u201c, die H\u00f6sler dann in der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> vorstellt, beruhen bereits auf der kanonisierten Erz\u00e4hlung des Revolutionsgeschehens \u201enach Lenin\u201c. Wie schreibt H\u00f6sler treffend: \u201eDas eingangs erw\u00e4hnte dreib\u00e4ndige Werk von Minc (f\u00fchrender russischer Historiker, der aus der &#8218;Schule&#8216; von Pokrowski kam und sich seine Position durch die Kritik an seinem Lehrer erarbeitete; A.S.) pr\u00e4sentierte das nun dominante Narrativ. Charakteristisch war die Konzeption des Werkes: Minc erl\u00e4utert f\u00fcr jede Phase zuerst Strategie und Taktik Lenins und der Bolschewiki, danach das Geschehen: alle revolution\u00e4re Entwicklung scheint nach Lenins genialem Plan abzulaufen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a> Eine Geschichtsschreibung also, die nicht von der wirklichen Revolution ausging, sondern den Verlauf der Revolution aus der Interpretation der Schriften Lenins nacherz\u00e4hlte. H\u00f6slers Verdienst besteht darin, in seinem <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">-Artikel darauf als Problem der sowjetischen Geschichtsschreibung aufmerksam gemacht zu haben; mit dem \u201ekanonisierten Leninismus\u201c, wie wir ihn f\u00fcr das Revolutionsjahr 1917 vorgestellt haben, bricht H\u00f6sler nicht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4. Hundert Jahre sp\u00e4ter \u2013 Die deutsche Linke zur russischen Revolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schauen wir im folgenden, was die linken Publikationen zur Revolutionsforschung und kritischen Auseinandersetzung mit der russischen Revolution \u2013 wie Luxemburg es forderte \u2013 hervorgebracht haben. Verschiedene Autoren haben dazu im vergangen Jahr ver\u00f6ffentlicht. Im folgenden werden wir die Publikationen von (hier alphabetisch geordnet) Stefan Bollinger, Michael Brie, Frank Deppe, Wladislaw Hedeler und Thomas Kuczynski besprechen und dabei versuchen, ihre Interpretationsversuche der russischen Revolutionen und der bolschewistischen Politik (soweit behandelt) dem Leser vorzustellen (Joachim H\u00f6sler und seinen Artikel \u201eRusslands Revolutionen 1917 in der Geschichtsschreibung\u201c haben wir bereits oben kurz vorgestellt).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a> Alle diese Autoren ver\u00f6ffentlichen mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig in der Zeitschrift <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, die sich selbst als \u201eZeitschrift Marxistische Erneuerung\u201c bezeichnet und im gewissen Sinn das publizistische Gesicht dieser Richtung darstellt und den theoretisch-politischen Standort von Teilen der Linken widerspiegelt. Beginnen wollen wie die Vorstellung mit dem Buch und der Brosch\u00fcre von Stefan Bollinger.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>S. Bollinger: \u201eOktoberrevolution \u2013 Aufstand gegen den Krieg 1917 -1922\u201c<br \/>\nsowie ders.: \u201eLenin, Theoretiker, Stratege, marxistischer Realpolitiker\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Buch zur Oktoberrevolution erschien 2017 bei der \u201eedition ost\u201c in der Eulenspiegel Verlagsgruppe, zu einem Preis von 14,99 Euro und mit einen Umfang von ca. 220 Seiten; die Lenin-Brosch\u00fcre im selben Jahr bei PapyRossa mit ca. 150 Seiten zum Preis von 9,90 Euro.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beide Publikationen wurden durchg\u00e4ngig positiv rezensiert und dies in dem breiten Spektrum von A wie Amazon<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a> bis <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> wie Marxistische Erneuerung. Selbst die \u201eMarxistischen Bl\u00e4tter\u201c sind voll des Lobes: Bollinger liefert \u201eden entscheidenden Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Oktoberrevolution. Dies kann nicht oft genug wiederholt werden.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> Und die entsprechende Rezension dieses Buches tr\u00e4g den bezeichnenden Titel: \u201eSolide historische Aufkl\u00e4rung mit Ausblick\u201c. Bei so viel Lorbeer verwundert es nicht, dass die Besprechung mit den Worten schlie\u00dft: Bollingers Schrift \u201ekl\u00e4rt historisch solide und fundiert auf, gleichzeitig gibt sie eine hilfreiche Orientierung f\u00fcr die vor uns stehenden Debatten \u00fcber Revolution und Sozialismus.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> lobt Bollingers Publikation zu Lenin mit den Worten: \u201eWer das j\u00fcngste Buch des Berliner Historikers und Politikwissenschaftlers Stefan Bollinger zur Hand nimmt, erh\u00e4lt Klarheit, ein ausgewogenes und differenziertes Bild \u00fcber den so umstrittenen Lenin.\u201c Und eine Seite weiter in der Rezension ist die zum Buch avancierte Brosch\u00fcre \u201ekenntnisreich, kritisch und ausgewogen\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> Bollingers Publikationen genie\u00dfen also breite Anerkennung im Spektrum der deutschen Linken.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies verwundert nicht, wenn man einen Blick auf die vermeintlichen wissenschaftlichen Grundlagen von Bollingers Publikationen wirft, die der Autor dankenswerter Weise selbst auf etwas mehr als vier Seiten seines Buches vorstellt (Oktoberrevolution, S. 20-24). Hier werden u. a. die Ver\u00f6ffentlichungen von Roy Medwedew genannt, des US-Historikers Alexander Rabinowitsch, von Orlando Figes, der in der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Z<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> kritisch besprochen wurde<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">und, man lese und staune, auch die Arbeiten Richard Pipes\u2018, eines gestandenen Reaktion\u00e4rs und Antikommunisten, dessen \u201eGeschichte der russischen Revolution\u201c von Bollinger als \u201eherausragend\u201c (Oktoberrevolution, S. 209) bezeichnet wird. \u201eAus dem deutschsprachigen Raum ist besonders auf die soliden und aussagef\u00e4higen Schriften von Manfred Hildermeier, Dietrich Beyrau \u2026 zu verweisen.\u201c Bollinger verspricht: \u201eIn diesem Buch greifen wir auf die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Diskussion zur\u00fcck, wohl wissend, dass jede Geschichtserz\u00e4hlung interessengeleitet ist und unter dem Einfluss der politischen wie ideologischen K\u00e4mpfe und Wegweisungen ihrer Zeit steht.\u201c (Oktoberrevolution, S. 24) Nach so vielen Vorschusslorbeeren, Auflistung von Namen renommierter b\u00fcrgerlicher Historiker (einschlie\u00dflich gestandener Reaktion\u00e4re), sowie den freundlichen Worten \u00fcber die zeitliche Bedingtheit historischer Wertungen nun zur\u00fcck zum eigentlichen Thema, den russischen Revolutionen 1917. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnen wir mit der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Februarrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, weil<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> in ihrem Verlauf und erst recht <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>in ihrem Ergebnis der tats\u00e4chliche Schl\u00fcssel zum Oktober zu finden ist<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Folgen wir Stefan Bollinger wie er \u201ekenntnisreich, kritisch und ausgewogen\u201c ein neues Blatt der Geschichtsschreibung aufschl\u00e4gt und freuen uns an den neuen Erkenntnissen, die er der \u201ewissenschaftlichen Diskussion\u201c abgerungen hat, um den \u201eStalinschen Vereinfachungen und Verf\u00e4lschungen\u201c (Oktoberrevolution, S. 20) entgegen zu treten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.1 Februarrevolution 1917 \u2013 \u201eSolide historische Aufkl\u00e4rung\u201c (Raimund Ernst)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a><\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Verh\u00e4ngnisvoll im Jahre 1917\u201c war, dass \u201edie &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure nicht verstanden, warum es zu den Unruhen kam, in deren Ergebnis eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der bestehenden b\u00fcrgerlichen Duma-Parteien m\u00f6glich wurde. Von den Massen wurde diese mit riesigen demokratischen und Anti-Kriegserwartungen aufgeladen. Wer konnte sich den Erfolg des Umsturzes ans Revers heften? F\u00fcr Lenin war klar: &#8218;Die Arbeiter und Soldaten haben die Revolution gemacht. Aber die Macht hat zun\u00e4chst, wie das auch in anderen Revolutionen der Fall war, die Bourgeoisie an sich gerissen (\u2026). Nicht die Reichsduma \u2013 die Duma der Gutsbesitzer und der Reichen -, sondern die aufst\u00e4ndischen Arbeiter und Soldaten haben den Zaren gest\u00fcrzt. Aber die neue, die Provisorische Regierung wurde von der Reichsduma ernannt.&#8216;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(\u2026) All dies \u00e4nderte nichts an der Tatsache, dass es die ewig gestrigen Kreise waren, die in der Revolution die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.&#8220; (Oktoberrevolution, S.\u00a010\/11)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Darstellung ist in ihren einzelnen Aussagen verwirrend und widerspr\u00fcchlich. Da haben wir \u201eUnruhen, in deren Ergebnis eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der bestehenden Duma-Parteien m\u00f6glich wurde\u201c, und wir haben eine richtige Revolution, die von den Arbeitern und Soldaten \u2013 so der zitierte Lenin \u2013 gemacht wurde. Wir haben die \u201eneuen politischen Akteure\u201c, die \u201enicht verstanden, warum es zu Unruhen kam\u201c, und die \u201eewig gestrigen Kreise, die in der Revolution die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.\u201c Versuchen wir, die so merkw\u00fcrdig unbestimmt umschriebenen Akteure politisch kenntlich zu machen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer sind die \u201eewig gestrigen Kreise\u201c die im russischen Februar \u201edie Macht an sich rissen\u201c? Hier sind offensichtlich nicht \u2013 wie der Begriff eigentlich nahelegt \u2013 die Kreise gemeint, die bisher die zaristische Regierung gest\u00fctzt und gebildet hatten, also der \u201ealte Adel\u201c, die Hofpartei und die Schwarzhunderter. Gemeint ist vielmehr der sog. \u201eProgressive Block\u201c der Duma, der in Opposition zum Zaren und seiner Regierung stand und dessen F\u00fchrer nach dem Sieg der Februarrevolution die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>neue <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">b\u00fcrgerliche Regierung stellten, die auf Wunsch der Sowjetf\u00fchrung als rein b\u00fcrgerliche Regierung (mit Ausnahme Kerenskis) gebildet wurde. Die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u201eewig Gestrigen\u201c<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> sind also die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u201eNeuen\u201c<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> an der Regierung,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">wenn die Aussagen des Autors irgendeinen Sinn machen sollen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit den \u201eneuen politischen Akteuren\u201c die Bollinger anf\u00fchrt, kann dann nur die Sowjetf\u00fchrung gemeint sein. Weshalb dieselbe \u201enicht verstand, warum es zu Unruhen kam\u201c (mit den <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Unruhen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> ist vermutlich die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Februarrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> gemeint), \u201ein deren Ergebnis eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der bestehenden Duma-Parteien m\u00f6glich wurde\u201c, hei\u00dft, der Sowjetf\u00fchrung die Naivit\u00e4t eines deutschen Historikers zu unterstellen. Der russische Historiker Miljukow,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a> der zugleich F\u00fchrer der Kadettenpartei war, wusste sehr wohl, aus wessen Hand er die M\u00f6glichkeit zur Regierungsbildung erhalten hatte und akzeptierte die politischen Forderungen der Sowjetf\u00fchrung als Grundlage des Regierungsprogramms.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Suchanow beschreibt diesen Vorgang sehr anschaulich in seinem \u201eTagebuch der russischen Revolution\u201c ab Seite 155 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schafft dieser oben vorgestellte, schwer zu entwirrende Begriffssalat, den Bollinger dem Leser vorsetzt, schafft die vom Autor bewusst gew\u00e4hlte sprachliche Unbestimmtheit wirklich \u201esolide historische Aufkl\u00e4rung\u201c (wie Raimund Ernst es in den Marxistischen Bl\u00e4ttern behauptete), oder haben wir es doch mehr mit einer Geschichtserz\u00e4hlung im launigen Feuilletonstil zu tun?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.2 Revolution oder Palastrevolution?<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und damit kommen wir zur dritten Aussage, die Bollinger hier zur Februarrevolution macht. \u201eAll dies \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass es die ewig gestrigen Kreise waren, die in der Revolution die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.\u201c Dies steht im Gegensatz zu den gesicherten Tatsachen der ersten Tage der Revolution. Der bereits erw\u00e4hnte Suchanow schildert recht ausf\u00fchrlich (S. 64 ff.), wie \u201ebegierig\u201c die f\u00fchrenden Dumakreise \u201edie Macht an sich rissen\u201c. Und ebenso klar Bonwetsch: \u201eWohin dieser Sieg (der Februarrevolution) f\u00fchren w\u00fcrde, stand am 28. Februar noch nicht im Geringsten fest. Die Massenbewegung hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei F\u00fchrung, die sie in eine revolution\u00e4re Kraft verwandelt h\u00e4tte. Dort, wo sie sie zun\u00e4chst instinktiv suchte, bei der Duma im Taurischen Palast, war sie nicht zu holen. Dort fanden sich nur &#8218;widerwillige Revolution\u00e4re&#8216;. Die Duma wartete ab und hatte mit der Stra\u00dfe ohnehin nichts im Sinn. Bei den revolution\u00e4ren Parteien war ebenfalls die F\u00fchrung f\u00fcr den Aufstand nicht zu finden.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Dumakreise wollten die Macht aus den H\u00e4nden der Zarismus erhalten und nicht von der Revolution zur Regierungsbildung \u201egezwungen\u201c werden. \u201eFerner haben wir als verantwortungsvolle Opposition zweifellos die Macht angestrebt und sind den Weg zur Macht gegangen, aber wir strebten nicht auf dem Weg \u00fcber die Revolution zur Macht. Wir haben diesen Weg abgelehnt, es war nicht unser Weg\u201c, so zitiert Suchanow den Kadetttenf\u00fchrer Miljukow zum Zeitpunkt des Sieges der Februarrevolution. Und warum dies so war, hat Lenin schon von Z\u00fcrich aus erkannt, bevor er nach Petrograd zur\u00fcckkehrte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bourgeoisie oktobristisch-kadettischen Typs <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>braucht<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Monarchie als Haupt der B\u00fcrokratie und der Armee zum Schutz der Privilegien des Kapitals gegen die Werkt\u00e4tigen. \u2026 Denn in Wirklichkeit ist <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>gerade<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> diese neue Regierung <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>bereits<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen durch das imperialistische Kapital \u2026 gebunden, hat sie bereits begonnen, \u00dcbereinkommen mit der Dynastie zu schlie\u00dfen (ohne das Volk zu fragen!), arbeitet sie bereits an der Restaurierung der Zarenmonarchie, hei\u00dft sie bereits Michael Romanow, den neuen Zarenkandidaten willkommen, bem\u00fcht sie sich bereits um die Festigung seines Thrones, um die Abl\u00f6sung der legitimen (gesetzlichen, nach altem Gesetz bestehenden Monarchie) durch eine bonapartistische \u2026 Monarchie.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus genau diesem Grund wollten Gutschkow, Miljukow und Schulgin den Zarismus retten, um gest\u00fctzt auf den zaristischen Gewaltapparat eine b\u00fcrgerliche Herrschaft begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Dies war das Ziel der von der Armeef\u00fchrung, den westlichen Alliierten und den Dumakreisen angestrebten \u201ePalastrevolution\u201c. Man war bereit, den Zaren Nikolaus II. zu opfern, um den Zarismus und seinen Staatsapparat f\u00fcr die Bourgeoisie zu retten. Denn ohne diesen R\u00fcckhalt ist die Herrschaft der Bourgeoisie in Russland 1917 nicht m\u00f6glich. Dieser Plan geht nicht auf. An die Stelle der Palastrevolution tritt die wirkliche Revolution, die den zaristischen Staatsapparat zerschl\u00e4gt und den Zarismus als Herrschaftssystem beseitigt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Sieg der Volksrevolution war zugleich das Ende aller Pl\u00e4ne einer Palastrevolution. Und damit sind wir wieder bei dem Problem, das wir bereits unter Punkt 2.1 behandelt haben. Genau diesen Punkt gilt es als wesentliche Leistung der Februarrevolution herauszuarbeiten. Und eben dieses Faktum verdunkelt der \u00fcberwiegende Teil der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung ebenso wie die von Bollinger so angeprangerten \u201eStalinschen Vereinfachungen und Verf\u00e4lschungen\u201c. Aber genau dies ist die entscheidende Voraussetzung, um das Revolutionsgeschehen im Jahr 1917 zu verstehen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die in Absprache mit dem Sowjet gebildete rein b\u00fcrgerliche Regierung hatte keine andere Machtgrundlage als den Sowjet, anders ausgedr\u00fcckt: Die tats\u00e4chliche Macht lag beim Sowjet. &#8222;So entstand das Paradoxon der Februarrevolution: die Macht in H\u00e4nden demokratischer Sozialisten. Sie hatten sie keinesfalls zuf\u00e4llig, durch einen blanquistischen Anschlag erobert; nein, sie war ihnen von den siegreichen Volksmassen \u00f6ffentlich \u00fcbertragen worden. Diese Massen verweigern der Bourgeoisie nicht nur Vertrauen und Unterst\u00fctzung, sondern unterscheiden sie auch nicht von Adel und B\u00fcrokratie. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Ihre Waffen stellen sie ausschlie\u00dflich den Sowjets zur Verf\u00fcgung.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Indessen bildet die einzige Sorge der so leicht an die Spitze der Sowjets gelangten Sozialisten die Frage: wird die politisch isolierte, den Massen verhasste, der Revolution durch und durch feindliche Bourgeoisie bereit sein, aus unseren H\u00e4nden die Macht zu \u00fcbernehmen? Ihre Zustimmung muss um jeden Preis gewonnen werden; \u2026 Unsere &#8218;Sozialisten&#8216; aber sind nicht darum besorgt, die Macht dem sogenannten Klassenfeind zu entrei\u00dfen, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der sie nicht besitzt<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und sie aus eigener Kraft nicht erobern kann \u2013 sondern darum, ihm die Macht um jeden Preis auszuh\u00e4ndigen. Ist das etwa kein Paradoxon?&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So schildert Leo Trotzki den Vorgang, und wenn wir im vorletzten Satz den Begriff \u201eMacht\u201c durch den Begriff \u201eRegierung\u201c ersetzen, ist dies eine v\u00f6llig zutreffende Darstellung der Ereignisse. Der zaristische Staatsapparat war zerschlagen und die bewaffnete Macht in Gestalt der Gewehre der Bauernarmee stand hinter den jeweiligen Sowjetmehrheiten, und dies sowohl im April (Miljukow-Note), im Juli (bewaffnete Unruhen in Petrograd gegen die Sowjetf\u00fchrung), im August (Zerschlagung der Kornilowiade) also auch im Oktober\/November (Oktoberumsturz). Bei Bollinger wird die Revolution mit der Palastrevolution vermengt und aus der Niederlage der Bourgeoisie ihre Machtergreifung konstruiert.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im \u201ekanonisierten Leninismus\u201c geschieht diese Machtergreifung mit Hilfe der Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re. In beiden Interpretationen ist die Bourgeoisie an der \u201eMacht\u201c. In der Wirklichkeit des Revolutionsjahres war ihre Palastrevolution gescheitert, der Sieg der Volksrevolution \u00fcber den Zarismus und seinen Staatsapparat <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vollst\u00e4ndig<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, darum war die b\u00fcrgerliche Regierung in allen wesentlichen Entscheidungen abh\u00e4ngig vom Sowjet. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Das ist der erste \u201eSchl\u00fcssel\u201c zum Verst\u00e4ndnis der russischen Revolutionen 1917,<\/i><\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Schl\u00fcssel, der die Februarrevolution mit dem Oktoberumsturz verbindet. Der aber ist bei Bollinger nicht zu finden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.3 \u2013 Lenin \u201eauf die F\u00fc\u00dfe gestellt\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bleibt noch, das von Bollinger angef\u00fchrte Leninzitat zu erkl\u00e4ren und zu den \u201enicht einhaltbaren Versprechungen\u201c Stellung zu nehmen. Wie wir bereits sahen, hat Lenin im Exil eine Reihe z.T. widerspr\u00fcchlicher Einsch\u00e4tzungen \u00fcber die Februarrevolution getroffen: sowohl scharfsinnige und zutreffende, von denen wir gerade einige angef\u00fchrt haben, als auch fehlerhafte, die zumeist seiner mangelhaften Information geschuldet waren. Die Presse der Entente hatte kein Interesse, die Ergebnisse der Februarrevolution richtig dazustellen. Erst recht nicht, als ihr Coup mit der Palastrevolution gescheitert war. Die preu\u00dfisch-deutsche Presse denunzierte die neue Regierung in Russland sofort als Kriegsvasall der Entente. Die Leninsche Interpretation der Februarrevolution ist darum in seinen \u201eBriefen aus der Ferne\u201c durch kriegsbedingte Pressezensur und systematische Desinformation gepr\u00e4gt. So interpretierte Lenin die Ereignisse in Petrograd als eine von den russischen B\u00fcndnispartnern inszenierte Palastrevolution, die sich der Stra\u00dfenk\u00e4mpfe der Arbeiter nur bedient habe, um den Krieg effizienter f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Hier seine Sicht der Ereignisse aus dem Z\u00fcricher Exil zusammenh\u00e4ngend dargestellt:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Der ganze Ablauf der Ereignisse w\u00e4hrend der Februar-M\u00e4rz-Revolution zeigt deutlich, dass die englische und die franz\u00f6sische Botschaft mit ihren Agenten und &#8218;Verbindungen&#8216;, die seit langem die verzweifelten Anstrengungen machten, &#8217;separate&#8216; \u00dcbereink\u00fcnfte und einen Separatfrieden zwischen Nikolaus dem Zweiten (und dem letzten, wie wir hoffen und erstreben) und Wilhelm dem Zweiten zu verhindern, zusammen mit einem Teil der Generalit\u00e4t und des Offizierskorps der Armee sowie der Petersburger Garnison eine direkte Verschw\u00f6rung organisierten, und zwar besonders mit dem Ziel der Absetzung Nikolaus Romanows.<br \/>\nMachen wir uns keine Illusionen. Begehen wir nicht den Fehler &#8230; einen Schleier \u00fcber die Verschw\u00f6rung der englisch-franz\u00f6sischen Imperialisten mit den Gutschkow und Miljukow (zu werfen), die das Ziel hatte, den &#8218;Oberkrieger&#8216; Nikolaus Romanow abzusetzen und ihn durch energischere, frischere und f\u00e4higere Krieger zu ersetzen. \u2026<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Petrograder Arbeiter und die Arbeiter ganz Russlands haben aufopferungsvoll gegen die Zarenmonarchie, f\u00fcr die Freiheit, f\u00fcr die \u00dcbergabe des Bodens an die Bauern, f\u00fcr den Frieden, gegen das imperialistische Gemetzel gek\u00e4mpft. Das englisch-franz\u00f6sische imperialistische Kapital hat, um dieses Gemetzel fortsetzen und verst\u00e4rken zu k\u00f6nnen, Palastintrigen gesponnen, hat eine Verschw\u00f6rung der Gardeoffiziere angezettelt, hat die Gutschkow und Miljukow angestachelt und ermutigt und insgeheim eine fix und fertige neue Regierung zusammengestellt, die denn auch sofort nach den ersten Schl\u00e4gen, die der Kampf des Proletariats dem Zarismus versetzte, die Macht an sich gerissen hat.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu diesem Zeitpunkt besa\u00df er noch keine Informationen \u00fcber den tats\u00e4chlichen Sieg der Februarrevolution und das vollst\u00e4ndige Scheitern der Palastrevolution. Die ver\u00f6ffentlichten Namen der Regierungsmitglieder der Ersten Provisorischen Regierung mussten ihn in seiner Einsch\u00e4tzung best\u00e4rken, dass die geplante &#8218;Palastrevolution&#8216; \u00fcber die Volksrevolution gesiegt h\u00e4tte. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Russland wurde ihm klar, dass der Verlauf der Ereignisse ein anderer war. \u201eIm Ausland, wohin keine Zeitung gelangt, die links von der &#8218;Retsch&#8216; (Zentralorgan der Kadettenpartei, A.S.) steht und wo die englisch-franz\u00f6sischen b\u00fcrgerlichen Zeitungen von der unumschr\u00e4nkten Macht der Provisorischen Regierung sprechen und von dem &#8218;Chaos&#8216;, das der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten darstelle, hat niemand eine klare Vorstellung von der Doppelherrschaft. Erst hier vor Ort und Stelle erfuhren wir, dass der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten die Macht an die Provisorische Regierung abgetreten hat.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was Bollinger uns als Leninsche Interpretation der Februarrevolution zitiert, ist eine von Lenin selbst korrigierte Fehleinsch\u00e4tzung, die seinem damaligem Mangel an zutreffenden Informationen geschuldet war. Ist das eine redliche Art, sich mit Lenin und seinen Positionen auseinanderzusetzen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings spiegelt auch diese Korrektur Lenins an seinen fr\u00fcheren Stellungnahmen nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit der Revolution und die durch sie hervorgerufene Machtverteilung zutreffend wider. Der Sowjet hat nicht seine \u201eMacht\u201c an die Provisorische Regierung \u201eabgetreten\u201c, was ihm der Sache nach gar nicht m\u00f6glich war, weil die bewaffnete Bauernschaft gar nicht daran dachte, ihre Macht \u00fcber den weiteren Verlauf der Revolution abzugeben. Was tats\u00e4chlich geschah, war die Aufforderung der Sowjetf\u00fchrung an die Bourgeoisie, die Regierung zu bilden auf dem Boden eines Programms, welches die programmatischen Gemeinsamkeiten der Sowjetf\u00fchrung widerspiegelte. Die F\u00fchrung des Sowjets sicherte der bewaffneten Bauernschaft zu, die Umsetzung dieses Programms zu kontrollieren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a> <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und zum Abschluss von Bollingers Februarrevolution noch einmal die \u201eewig Gestrigen\u201c und ihre nicht einhaltbare(n) Versprechungen: Suchanow schildert in seinem \u201eTagebuch der russischen Revolution\u201c sehr anschaulich, wie die Erste und damit noch rein b\u00fcrgerliche Provisorische Regierung zu ihrem politischen Programm kam: \u201e<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Miljukow erbat sich das Blatt, auf dem unser Programm<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> niedergeschrieben war, und w\u00e4hrend er es abschrieb, gab er dazu seine Kommentare &#8230; Die Amnestie verstand sich von selbst. Miljukow, der selbst keinen aktiven Schritt machte und nur nachgab, hielt es nicht f\u00fcr geh\u00f6rig, gegen die Amnestie zu sprechen; er duldete sie bis zum Schluss, w\u00e4hrend er, zwar nicht gerade gern, aber doch durchaus gehorsam, niederschrieb: &#8218;alle Kategorien von Verbrechen: die agrarischen, milit\u00e4rischen, terroristischen&#8216;. Das gleiche geschah mit dem zweiten Punkt, der von den politischen Freiheiten, der Aufhebung der religi\u00f6sen und Standesbeschr\u00e4nkungen handelte usw&#8230;. Von Miljukow wurde gefordert, und er gab nach.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> Die Erste Provisorische Regierung hat alle ihre \u201eVersprechungen\u201c, die im Abkommen mit der Sowjetf\u00fchrung festgeschrieben waren, eingehalten und die geforderten b\u00fcrgerlichen Freiheitsrechte verk\u00fcndet. So wurde Russland das freieste von allen kriegf\u00fchrenden L\u00e4ndern.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass diese Regierung keinen Frieden geschlossen hat, den Bauern kein Land gegeben hat und die zuk\u00fcnftige Staatsform Russlands bis zur Konstituierenden Versammlung offen lassen wollte, all dies war Bestandteil des Abkommens mit der Sowjetf\u00fchrung. Die Frage von Krieg und Frieden, die Agrarfrage und die Staatsform wurden von beiden Seiten letztendlich bewusst offen gelassen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum dies geschah, ist die viel interessantere Frage, die von Bollinger gar nicht aufgeworfen wird. Der Ersten Provisorischen Regierung stattdessen haltlose Versprechungen vorzuwerfen, ist wenig zielf\u00fchrend. Was man allerdings Bollinger vorwerfen kann ist, mit populistische Phrasen von \u201eewig Gestrigen\u201c, von haltlosen Versprechungen derselben, von einer Bourgeoisie, die die \u201eMacht &#8230;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> an sich gerissen\u201c hat, Meinungsmache an die Stelle von Tatsachen zu setzen und so die ohnehin nicht einfache Geschichte der Februarrevolution weiter zu verwirren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.4 \u201eDie Charakterisierung der russischen Revolutionen von 1917 f\u00e4llt schwer\u201c (Bollinger)<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Februarrevolution war und ist in der Geschichtsschreibung wie in der politischen Bewertung ein noch schwierigeres Thema als der Oktoberumsturz. Stephen A. Smith hat darauf hingewiesen (\u201eDoch war von Anbeginn der Charakter der Revolution umstritten\u201c &#8211; S. 124), und wir haben ihn im ersten Teil aus gutem Grund zitiert. Warum das so war und bis heute weiterwirkt, hat zwei wesentliche Gr\u00fcnde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum ersten haben alle an der Februarrevolution beteiligten gesellschaftlichen Kr\u00e4fte und politischen Parteien r\u00fcckblickend &#8211; ihrer eigenen Sicht nach &#8211; keine besonders r\u00fchmliche Rolle gespielt. Sie hadern mit ihren politischen Aktivit\u00e4ten im Umfeld der Februarrevolution, versuchen sie nachtr\u00e4glich zu rechtfertigen, zu besch\u00f6nigen oder zu vertuschen. Da die Februarrevolution eine spontan ausgebrochene Volksrevolution war, da sie von keiner politischen Partei angef\u00fchrt oder dominiert wurde, mussten die politischen Parteien nach dem Sieg der Volksrevolution ihre Positionen zu diesem historischen Ereignis bestimmen. Dies macht es f\u00fcr die Geschichtsschreibung nicht einfacher, den Kern der Februarrevolution und ihr tats\u00e4chliches Ergebnis herauszuarbeiten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u201eProgressive Block\u201c der Duma und die milit\u00e4rische F\u00fchrung der zaristischen Armee wollten die Monarchie retten, indem sie mit einer \u201ePalastrevolution\u201c Nikolaus den II. und Letzten (wie Lenin formulierte) ohne Einmischung des Volkes durch ein weniger unbeliebtes Mitglied des Hauses Romanow ersetzen. Miljukow von der Kadettenpartei und Gutschkow, F\u00fchrer der Oktobristen, verfolgten hier dasselbe Programm wie die deutsche Sozialdemokratie ein Jahr sp\u00e4ter, n\u00e4mlich die Monarchie durch Opferung des aktuellen Monarchen zu retten und selbst die Regierung in einer konstitutionellen Monarchie zu bilden. Der Sieg der Februar-Revolution machte diesen Pl\u00e4nen ein Ende.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr das b\u00fcrgerliche Lager und die milit\u00e4rische F\u00fchrung in Russland war damit die \u201ePalastrevolution\u201c gescheitert. Als Folge dieses Scheiterns war die Bildung der Ersten Provisorischen Regierung sowie ihr politisches Programm nach dem Sieg der Volksrevolution <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nur<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit der Billigung und Unterst\u00fctzung des Sowjets m\u00f6glich. Dass sie eine rein b\u00fcrgerliche Regierung sein sollte (in die sich Kerenski mit einem theatralischen Auftritt im Sowjet als \u201esowjetisches Feigenblatt\u201c selbst hinein bef\u00f6rderte), war ausdr\u00fccklicher Wunsch des Sowjets und kein Sieg der Duma \u00fcber die Revolution. Die Herausarbeitung dieser Niederlage der b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte im Februar bildet deshalb kein gern aufgegriffenes Thema in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung. Stattdessen fabuliert man in b\u00fcrgerlichen Kreisen \u00fcber die M\u00f6glichkeit einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Entwicklung, die durch die realen Machtverh\u00e4ltnisse nach der Februarrevolution gar nicht mehr gegeben war und von den f\u00fchrenden politischen Vertretern der russischen Bourgeoisie auch ab Mai 1917 nicht mehr verfolgt wurde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch das Lager der \u201erevolution\u00e4ren Demokratie\u201c, wie sich das B\u00fcndnis von Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4ren 1917 selbst bezeichnete, hatte kein Interesse daran, seine Rolle und politische Konzeption nach der Februarrevolution herauszuarbeiten. Die Revolution gab ihnen mit ihrer eindeutigen Mehrheit in den Sowjets die politische und milit\u00e4rische Macht in die H\u00e4nde. Und was haben sie daraus gemacht? Sie haben versucht, mit aller Kraft die Bourgeoisie an die Regierung zu bringen oder zumindest deren Regierungsbeteiligung zu sichern, um sich selbst aus der politischen Verantwortung zu nehmen. Mit dieser Politik sind sie innerhalb weniger Monate mehrfach gescheitert, da die tats\u00e4chliche Macht beim Sowjet verblieb und die Bourgeoisie \u2013 zumindest ihre f\u00fchrenden K\u00f6pfe \u2013 seit Mai bereits auf die Milit\u00e4rdiktatur orientierte. Trotz allem hielt aber die F\u00fchrung des Sowjets an ihrem Kurs fest, die Bourgeoisie in die Regierung zu bringen bzw. einzubinden. Hierf\u00fcr muss es also einen gewichtigen Grund geben, den man allerdings ungern in der \u00d6ffentlichkeit formulierte: Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki hatten kein politisches Programm zur L\u00f6sung der von der Februarrevolution offen gelassenen Fragen nach Krieg und Landreform. Jeder Versuch, eine Regierung der Sowjetmehrheit zu bilden, w\u00fcrde den 1917 sowieso stark anwachsenden zentrifugalen Tendenzen in diesen Parteien weiteren Auftrieb geben, sie in k\u00fcrzester Zeit zerrei\u00dfen und ihre rechten, in der Sowjetf\u00fchrung sitzenden F\u00fchrer vollst\u00e4ndig von den Massen und im Sowjet isolieren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Bolschewiki als revolution\u00e4rer Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung ist Ausbruch und Verlauf der Februarrevolution ein noch unangenehmeres Thema. Trotz ihres nicht unerheblichen Einflusses auf die Arbeiterbewegung gerade in Petrograd, kam die Revolution f\u00fcr sie v\u00f6llig unerwartet und der Einfluss der <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Partei<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> auf die Ereignisse im Februar\/M\u00e4rz 1917 war entsprechend gering, was sich in ihrer marginalen Vertretung in den Sowjets im Fr\u00fchjahr 1917 widerspiegelte. Dazu war die Partei in den ersten Wochen nach der siegreichen Revolution in verschiedene Richtungen gespalten und lief Gefahr, ihre politische Eigenst\u00e4ndigkeit zu verlieren (Bestrebungen zum Zusammenschluss mit den Menschewiki, \u00dcbernahme der Position der \u201erevolution\u00e4ren Vaterlandsverteidigung\u201c).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.5 Die Paradoxien der Februarrevolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein weiteres Problem, welches ein Verst\u00e4ndnis der Februarrevolution erschwert, sind die \u201eParadoxien\u201c, die die Revolution an der politischen Oberfl\u00e4che entstehen l\u00e4sst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die erste dieser Paradoxien ist die b\u00fcrgerliche Regierungsbildung, obwohl die Bourgeoisie mit ihren Pl\u00e4nen zu einer \u201ePalastrevolution\u201c zur Beibehaltung des Zarismus gescheitert war.<br \/>\nDas zweite Paradoxon, das Trotzki in seiner \u201eGeschichte der russischen Revolutionen\u201c gut beschrieben hat, lag im Verhalten der Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re, die, im Besitz der tats\u00e4chlichen Macht, dieselbe fortw\u00e4hrend der Bourgeoisie andienten und dies mit stetig abnehmendem Erfolg.<br \/>\nDas dritte Paradoxon findet sich in der Politik der bolschewistischen Partei, die die russische Bourgeoisie seit dem Februar 1917 im Besitz der politischen Macht w\u00e4hnt, obwohl es bei jeder politischen Krise im Revolutionsjahr deutlich wird, dass die tats\u00e4chliche Macht beim Sowjet und seiner kleinb\u00fcrgerlichen Mehrheit lag. Dieses Paradoxon wird bis heute von der Linken geteilt. So siegen die Bolschewiki an der Spitze des Proletariats im Oktober trotz einer offensichtlichen Fehleinsch\u00e4tzung der gesellschaftlichen Wirklichkeit und der Klassenkr\u00e4fte. Dies ist zweifelsohne ein Paradoxon und dazu eines, das seinen Ursprung in der Fehleinsch\u00e4tzung des Charakters der Februarrevolution hat: dem Nichtbegreifen, dass nach der Februarrevolution die \u201eMasse die Macht besa\u00df\u201c (Pokrowski) und sie vermittels der Sowjets aus\u00fcbte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.6 Das Wesen der Februarrevolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was war das Wesen der Februarrevolution? War sie eine siegreiche b\u00fcrgerliche Revolution, oder eine eventuell unvollendet gebliebene b\u00fcrgerliche Revolution (ein Thema, \u00fcber das Lenin mit Kamenew im April 1917 stritt)? Oder doch etwas v\u00f6llig anderes, bedingt durch die Besonderheiten Russlands? Mit letzterem d\u00fcrfte man richtiger liegen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Februarrevolution passt nicht in die Schemata des sog. \u201ehistorischen Materialismus\u201c. Die Bourgeoisie wollte diese Revolution nicht, da sie zu schwach f\u00fcr die Aufrichtung einer b\u00fcrgerlichen Herrschaft war. Die Februarrevolution schuf auch keine \u201eb\u00fcrgerliche Republik\u201c, sondern die Herrschaft der Sowjets, in denen die Bourgeoisie gar nicht vertreten war. Die Arbeiter wollten den Sturz des Zarismus, die Aufrichtung der Sowjetherrschaft, um den Weg zum Sozialismus beschreiten zu k\u00f6nnen. Die russische Bauernschaft, mehr altert\u00fcmlicher Stand als moderne Klasse, wollte das Land der Gutsbesitzer und kapitalistisch wirtschaftenden Bauern, um es unter sich \u201eumzuteilen\u201c und so seine altv\u00e4terliche Produktionsweise zu befestigen. Nichts von alldem ist \u201eb\u00fcrgerlich\u201c, nichts davon zielt auf die Aufrichtung einer b\u00fcrgerlichen Gesellschaft bzw. kapitalistischen Produktionsweise. Deshalb macht es auch keinen Sinn, mit der Begrifflichkeit der \u201eb\u00fcrgerlichen Revolution\u201c an die russische Februarrevolution heranzutreten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">David Anin macht sich in seinem lesenswerten, aber stramm antikommunistischen Buch \u201eDie Russische Revolution\u201c \u00fcber Lenin lustig, speziell \u00fcber den Begriff der \u201edemokratischen Diktatur\u201c und schreibt: \u201eLenin war bereits damals ein Meister f\u00fcr sinnlose Wortverbindungen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a> Diese \u201esinnlose Wortverbindung\u201c beschreibt die Februarrevolution und die Ereignisse des Revolutionsjahres allerdings treffender als alles, was Anin auf den ersten 120 Seiten seines Buches zur russischen Revolution und ihrer Geschichtsschreibung herausarbeiten kann.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Februarrevolution war der vollst\u00e4ndige Sieg des Proletariats und des Kleinb\u00fcrgertums (der Masse des Volkes) \u00fcber den Zarismus. Dieser Sieg schuf eine neue revolution\u00e4re Macht in Form der Sowjets, die an die Stelle der zerschlagenen Staatsmacht des Zarismus trat. Ihrem Wesen nach war diese Macht eine <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>revolution\u00e4r-demokratische Diktatur des st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Kleinb\u00fcrgertums im B\u00fcndnis mit den sozialpatriotischen Kr\u00e4ften der Arbeiterbewegung<\/i><\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(als Juniorpartner)<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, der es an einem gemeinsamen Programm zur L\u00f6sung der entscheidenden Fragen von Krieg und Frieden sowie zur Agrarumw\u00e4lzung fehlte. Sie war revolution\u00e4r, weil sie den Zarismus gest\u00fcrzt und seine Staatsmacht im Volksaufstand zerschlagen hatte, sie war demokratisch, weil sie bis September 1917 die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung verk\u00f6rperte, sie war diktatorisch, weil sie ihre Herrschaft mit Waffengewalt (Juli-Krise, Kornilow) durchsetzte. Parteipolitisch wurde sie durch das B\u00fcndnis der Sozialrevolution\u00e4re mit den Menschewiki in den Sowjets verk\u00f6rpert.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter solchen Vorzeichen ist es nicht verwunderlich, dass die Februarrevolution kein \u201eGl\u00fcck mit der Geschichtsschreibung\u201c (Anin) hatte und auch der wortgewandte Stefan Bollinger schlie\u00dflich zugeben muss: <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201eDie Charakterisierung der russischen Revolutionen von 1917 f\u00e4llt schwer.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.7 Die Auseinandersetzung mit der b\u00fcrgerlichen Wissenschaft<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ehe wir das schwierige Thema der Februarrevolution g\u00e4nzlich verlassen, nochmals zur\u00fcck zu den neuen \u201ewissenschaftlichen Erkenntnissen\u201c, die Bollinger gegen die stalinschen Verf\u00e4lschungen herausarbeiten wollte. An zwei Beispielen wollen wir Bollingers Auseinandersetzung mit den von ihm selbst angef\u00fchrten b\u00fcrgerlichen Quellen darstellen. Er versprach uns ja, \u201ein diesem Buch greifen wir auf die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Diskussion zur\u00fcck\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnen wir mit dem \u201eherausragenden\u201c Antikommunisten R. Pipes und seiner Deutung der Februarrevolution. F\u00fcr ihn war die Februarrevolution <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u201ezuerst und vor allem eine Meuterei von Bauern im Soldatenrock.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201c Dies ist eine grunds\u00e4tzlich andere Bewertung der Februarrevolution als Bollinger sie uns gegeben hat. Bei Bollinger sind es &#8211; einem Lenin-Zitat folgend &#8211; \u201edie Arbeiter und Soldaten, die die Revolution gemacht (haben).\u201c Was war es denn nun im Februar 1917: ein Arbeiteraufstand oder eine Meuterei der b\u00e4uerlichen Soldaten? Dass sowohl Arbeiter wie Soldaten in der Februarrevolution eine entscheidende Rolle spielten, ist unbestritten. Hier geht es um die Frage, wer die Revolution ausgel\u00f6st und erm\u00f6glicht hatte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Pipes formuliert in w\u00fcnschenswerter Klarheit seine Sicht der Dinge: \u201eAngesichts der Tatsache, dass die Februarrevolution h\u00e4ufig als ein Aufstand der Arbeiter dargestellt wird, muss betont werden, dass sie zuerst und vor allem eine Meuterei von Bauern im Soldatenrock war, die von den Beh\u00f6rden aus Sparsamkeitsgr\u00fcnden in v\u00f6llig \u00fcberbelegten Kasernen in der Hauptstadt des Landes untergebracht worden waren \u2013 in den Worten eines Augenzeugen wie &#8218;Zunder neben einem Pulverfass&#8216;.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a> Bei Pipes wird der Arbeiteraufstand zu einer Marginalie gegen\u00fcber der Meuterei der Soldaten. \u201eZuerst und vor allem\u201c war die Februarrevolution \u201eeine Meuterei\u201c der \u201eBauern im Soldatenrock\u201c, so definiert er seine Einsch\u00e4tzung der Revolution. Pipes bezieht eine eindeutige Position, die den Arbeiteraufstand als Randerscheinung der b\u00e4uerlichen Soldatenmeuterei erscheinen l\u00e4sst. Nicht die Arbeiter, sondern die b\u00e4uerlichen Soldaten haben bei Pipes die Februarrevolution \u201egemacht\u201c. Diese Position entspricht seiner politischen Gesinnung, die einen erfolgreichen Arbeiteraufstand aus der Geschichtsschreibung \u201eherausargumentieren\u201c will. Nur setzt ihm hier, wie bei fast allen Beurteilungen der Ereignisse des Revolutionsjahres, seine Gesinnung so enge Grenzen, dass Pipes die Wirklichkeit falsch darstellt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der russische Februar \u201ewar zuerst und vor allem\u201c ein Aufstand des Petrograder Proletariats. Dies hat u.a. Trotzki in seiner Geschichte der Februarrevolution eindrucksvoll dargestellt. Das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Regimenter war eine Folge des Kontakts der Soldaten mit der vom Proletariat angef\u00fchrten Bev\u00f6lkerung Petrograds. \u201eBislang hatte der b\u00e4uerliche Soldat auf die Unbillen des zaristischen Regimes mit individueller Desertion aus der Armee reagiert. Jetzt war er \u00fcber mehrere Tage hinweg mit den revolution\u00e4ren Arbeitern konfrontiert, und im direkten Kontakt mit der Arbeiterbewegung er\u00f6ffnete sich ihm eine neue, organisierte Form des Protestes gegen das zaristische Regime, um seiner rechtlosen Lage und dem m\u00f6rderischen Krieg zu entkommen. Die fortw\u00e4hrende Einflussnahme der Arbeiter auf die Bauernsoldaten f\u00fchrte zum Umschwung in den Regimentern und verhalf der Revolution zum Durchbruch.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Februarrevolution war deshalb &#8222;zuerst und vor allem&#8220; <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>keine<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Meuterei der Bauern im Soldatenrock, wie Pipes meint, sondern eine proletarische Revolution, deren Sieg an das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Armee (nicht der Generale des Hauptquartiers) gekn\u00fcpft war. Anders gesagt, wurde die Revolution von den Arbeitern &#8222;gemacht&#8220;, aber sicherte erst das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Soldaten ihren Erfolg. Dieses Wechselspiel zwischen beiden Bewegungen kennzeichnete mit unterschiedlichen Verlaufsformen und Gewichten auch den Fortgang der kommenden Monate. Ohne diese Rolle der Arbeiterklasse richtig herauszuarbeiten, kann man die sp\u00e4teren Ereignisse von April bis Oktober nicht verstehen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und wie argumentiert Bollinger gegen Pipes? Welche Argumente setzt Bollinger der von Pipes betriebenen Uminterpretation der Geschichte entgegen? Gar keine. Er zitiert den \u201eherausragenden\u201c Pipes weder zu diesem Thema noch zu anderen Wendepunkten des Revolutionsjahres. Die Aussagen Pipes zur Februarrevolution sind keineswegs \u201eherausragend\u201c, sondern schlichtweg falsch. Und da unser linker Historiker sie offensichtlich nicht widerlegen kann, bedeckt er sie mit dem Mantel des Schweigens.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht anders verf\u00e4hrt Bollinger mit Orlando Figes und dessen Ausf\u00fchrungen zur Februarrevolution. \u201eOhne Beistand des Rates (gemeint ist der Sowjet, A.S.), der alleine \u00fcber reale Autorit\u00e4t verf\u00fcgte, war die Provisorische Regierung machtlos.\u201c Hier, bei Figes finden wir eine eindeutige Aussage zum Verh\u00e4ltnis von Sowjet und Provisorischer Regierung, die wir bei Bollinger vergeblich suchen. Und an anderer Stelle: \u201eDie Monarchie war tot. Ihr gesamter institutioneller Unterbau \u2013 B\u00fcrokratie, Polizei, Heeresleitung und Kirche \u2013 brach fast \u00fcber Nacht zusammen. Niemand versuchte ernstlich, sie wiederzubeleben.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a> O. Figes definiert in diesen wenigen S\u00e4tzen die entscheidenden Voraussetzungen zum Verst\u00e4ndnis des Revolutionsjahres: Der Sowjet besa\u00df die \u201ereale Autorit\u00e4t\u201c und der zaristische Staatsapparat war vollst\u00e4ndig zusammengebrochen. Und die \u201ereale Autorit\u00e4t\u201c des Sowjets, gilt es hinzuzuf\u00fcgen, st\u00fctzte sich auf die bewaffnete Macht der b\u00e4uerlichen Armee. Auch hier wieder bei Bollinger dasselbe Verfahren: die freundliche Erw\u00e4hnung der Ver\u00f6ffentlichung von Figes, aber kein Wort zu den inhaltlichen Positionen dieses Autors.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies, an zwei Beispielen zur Februarrevolution dargestellt, beschreibt Bollingers Umgang mit den bei ihm auf \u00fcber vier Seiten aufgelisteten und zumeist positiv bewerteten b\u00fcrgerlichen und linken Ver\u00f6ffentlichungen zur russischen Revolution. Statt dem Leser die Positionen von Hildermeier, Beyrau, Pipes oder Figes und anderen zur Februarrevolution vorzustellen und sich dann mit diesen auseinanderzusetzen, liefert uns Bollinger nur das oben angef\u00fchrte Lenin-Zitat (von den Arbeitern und Soldaten, die die Revolution gemacht haben und der Bourgeoisie oder den \u201eewig Gestrigen\u201c, die darauf hin die Macht an sich gerissen haben). Dies sollte den Leser zumindest nachdenklich stimmen. Denn mit dieser Interpretation des Februars sind wir wieder bei den \u201eStalinschen Vereinfachungen und Verf\u00e4lschungen\u201c angelangt,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a> und nach der Lekt\u00fcre von Bollingers Buch wei\u00df der Leser noch nicht einmal, warum sie falsch sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.8 Eine \u201ebolschewistische Geheimformel\u201c<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Frieden, Brot, Freiheit und Land \u2013 die bolschewistische Geheimformel\u201c (Bollinger: Oktoberrevolution, S. 36)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Kapitel\u00fcberschrift kommt f\u00fcr den geschichtlich interessierten Leser etwas \u00fcberraschend. Sprachlich erlaubt sich Bollinger mit dieser \u00dcberschrift einen Ausflug in das Milieu der Boulevard-Presse und des logisch Unerlaubten. Die Bolschewiki h\u00e4tten ihren politischen Einfluss, ihre Hegemonie \u00fcber die Arbeiterklasse mit einer \u201eGeheimformel\u201c (bei Bollinger ohne Anf\u00fchrungszeichen) errungen? Wie soll das m\u00f6glich sein? Dar\u00fcber verliert der Autor in dem entsprechenden Kapitel seines Buches \u2013 immerhin von Seite 36 bis 51) kein einziges Wort. Die zitierte Formel erscheint das n\u00e4chste Mal im darauf folgenden Kapitel mit dem Titel:\u201cWarum und wie es begann \u2013 eine Vorgeschichte\u201c auf Seite 54. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Formel wird der Leser deshalb vergeblich suchen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum historischen Ursprung dieser Formulierung hier die Erkl\u00e4rung, die wir bei Bollinger vergeblich suchen. Diese oben zitierte Fassung der \u201ebolschewistischen Geheimformel\u201c (mit der Forderung nach Freiheit) nutzte Lenin in seinen Briefen und Artikeln aus Z\u00fcrich,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a> also zu einer Zeit, als er den Sieg der Palastrevolution \u00fcber die Volksrevolution unterstellte. Nachdem er zutreffendere Informationen \u00fcber die Februarrevolution erhalten hatte, benutzte er diese Forderung nicht mehr. Russland war nach dem Sieg der Februarrevolution von allen kriegf\u00fchrenden L\u00e4ndern dass \u201efreieste\u201c Land geworden. Auf Seite 49 seines Buches gesteht Bollinger diesen Tatbestand mit einem Lenin-Zitat ein (\u201eRussland ist zur Zeit von allen kriegsf\u00fchrenden L\u00e4ndern das freieste Land der Welt\u201c), f\u00fchrt somit seine eigene \u00dcberschrift ad absurdum und bemerkt dies nicht einmal.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.8.1 \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c (Oktoberrevolution, S. 36)<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dem Buchkapitel \u00fcber die \u201eGeheimformel\u201c behandelt Bollinger ganz andere Themen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">so z. B. die \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c. Auf diesen Punkt lohnt es sich n\u00e4her einzugehen. Bollinger beginnt das Kapitel mit den Ausf\u00fchrungen: \u201eBis zum heutigen Tag h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig die illusion\u00e4re Vorstellung von den kommunistischen Putschisten, die in aller Seelenruhe mit deutschem Eisenbahnzug und deutschen Millionen in das ach so demokratische gewordene Russland reisten\u201c (auf Seite 49 seines Buches hat Bollinger diesen Tatbestand zugestanden; A.S.), \u201ehaufenweise Flugbl\u00e4tter druckten, bestachen, an allen Ecken Agitatoren auftreten lie\u00dfen und Milit\u00e4reinheiten auf ihre Seite zogen. So konnten sie \u2013 das die gebetsm\u00fchlenartig wiederholte M\u00e4r \u2013 ganz \u00fcberraschend und mit einem Putsch im Oktober 1917 einer eher hilflosen und harmlosen Provisorischen Regierung die Macht aus den H\u00e4nden rei\u00dfen. Die historische Wahrheit ist wie meist etwas komplizierter und nicht so, wie Verschw\u00f6rungstheoretiker sie sich zusammenreimen.\u201c (Oktoberrevolution, S. 36) <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der launige Feuilletonstil, mit dem Bollinger hier Teile der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung \u201eabb\u00fcrstet\u201c, kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Bollinger selbst von dieser Sicht der Dinge nicht weit entfernt ist, und dem aufmerksamen Leser von seinem Oktober-Buch kommt an dieser Passage etwas bekannt vor. Richtig! Sechs Seiten vor der zitierten Stelle schreibt Bollinger im Zusammenhang mit dem alliierten Druck auf Kerenski zu verst\u00e4rkten Kriegsanstrengungen: \u201eVor allem erinnert diese Situation &#8230; daran, dass die &#8218;Fremdsteuerung&#8216; Russlands einerseits kein besonderes Privileg der Deutschen war, die die bolschewistischen F\u00fchrer mit plombierten Waggon und Gold versorgt in Feindesland entsandt hatten.\u201c (Oktoberrevolution, S. 32) Da haben wir zumindest die H\u00e4lfte der \u201eillusion\u00e4ren Vorstellung\u201c der \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c als Position Bollingers selbst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die andere H\u00e4lfte finden wir bei Richard Pipes. Nur sollte Bollinger zumindest seinen Lesern gegen\u00fcber so ehrlich sein, die \u201eherausragende\u201c Arbeit von Richard Pipes (hier: Band 2, Die Macht der Bolschewiki) als eine der wichtigsten Quellen seiner angef\u00fchrten \u201eVerschw\u00f6rungstheorien\u201c in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung zu benennen. Pipes vertritt diese \u201eVerschw\u00f6rungstheorien\u201c in allen wesentlichen von Bollinger angesprochenen Punkten; vom deutschen Geld bis zu den von ihm unterstellten fortgesetzten Umsturzversuchen (April und Juli 1917), um Russland im Interesse der Mittelm\u00e4chte aus dem Krieg zu nehmen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die genannten Umsturzversuche Lenins im deutschen Interesse scheiterten noch im Fr\u00fchjahr und Sommer, weil Lenin \u2013 nach Pipes \u2013 eine fehlerhafte Taktik verfolgte (Umsturz durch Radikalisierung von Stra\u00dfendemonstrationen). Erst nach Lenins erneutem Exil infolge der Juli-Krise gelang es Trotzki, so Pipes, mit ge\u00e4nderter Taktik (verdeckter Staatsstreich), den Umsturz im Oktober erfolgreich zu organisieren und damit Russland in deutschem Interesse aus dem Krieg zu nehmen. R. Pipes ist mit seinem zweiten Band zur Russischen Revolution einer der bekanntesten und \u00e4ltesten b\u00fcrgerlichen Historiker, der \u00fcber \u201edeutsches Geld\u201c und Leninsche Umsturzversuche im deutschen Interesse schreibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schlussendlich wei\u00df der Leser dieses Kapitels nicht, was der Autor ihm mitteilen wollte. War es nun eine mit deutschem Geld finanzierte \u201eVerschw\u00f6rung\u201c mit abschlie\u00dfendem Putsch oder doch \u201eetwas komplizierter und nicht so, wie Verschw\u00f6rungstheoretiker (es sich) zusammenreimen\u201c? Bei strittigen Fragen entzieht sich Bollinger der simplen Positionsbestimmung, er favorisiert das vieldeutige, aber feuilletonistisch besser passendere \u201esowohl als auch\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.8.2 Die \u201eGeheimformel\u201c &#8211; Frieden<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk4586533\"><\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gehen wir im Folgenden auf die Probleme der \u201eBolschewistischen Geheimformel\u201c etwas n\u00e4her ein. Auch ohne die unsinnig gewordene Forderung nach Freiheit war der Rest der bolschewistischen Forderungen ab April\/Mai 1917 problematisch genug und nat\u00fcrlich keineswegs geheim. Russland befand sich im Krieg mit den Mittelm\u00e4chten und dem Osmanischen Reich. Der bedeutendste Kriegsgegner war das preu\u00dfisch-militaristisch gepr\u00e4gte deutsche Kaiserreich. Da die Alliierten nach dem angek\u00fcndigten Kriegseintritt der USA in den 1. Weltkrieg (April 1917) kein Interesse an einem zeitnahen Friedensschluss hatten und dies auch durch ihre Botschafter verk\u00fcnden lie\u00dfen, bedeutete die Forderung nach einem baldigen Frieden im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1917, den Abschluss eines Separatfrieden mit dem deutschen Kaiserreich zu fordern. Dies lag in der Logik der Verh\u00e4ltnisse. So verstand auch die politische F\u00fchrung des deutschen Kaiserreichs die bolschewistische Forderung nach sofortigem Frieden und war bereit, den \u201eplombierten Zug\u201c zur Verf\u00fcgung zu stellen. So wurde die Forderung nach einem sofortigen Frieden auch von den anderen politischen Parteien in Russland interpretiert. Und die Bolschewiki wurden f\u00fcr ihre Forderung nach einem baldigen Frieden \u2013 aus den genannten politischen Gr\u00fcnden und auch ganz ohne deutsches Geld zu unterstellen \u2013 verd\u00e4chtigt, deutsche Interessen zu vertreten. Wer 1917 in Russland einen sofortigen Frieden verlangte, konnte ihn nur mit dem deutschen Kaiserreich schlie\u00dfen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Genau so diskutierten auch die Linken Sozialrevolution\u00e4re (LSR) die Friedensfrage im Fr\u00fchjahr 1917. \u201eAls einzige Perspektive zur Beendigung des Krieges zeigte Kamkow (einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der linken Sozialrevolution\u00e4re; A.S.) die Weltrevolution auf. Diese Schlussfolgerung war zweifelsohne der Schwachpunkt der internationalistischen Anschauung. So \u00fcberzeugend die linkssozialrevolution\u00e4re Begr\u00fcndung der Kriegsursachen und ihre Forderung nach einer sofortigen Beendigung des Krieges auch waren, die L\u00f6sungsm\u00f6glichkeit, die die LSR (Linken Sozialrevolution\u00e4re) parat hielten, war kaum mehr als eine Fiktion und entsprang eher dem Wunschdenken als der europ\u00e4ischen Realit\u00e4t. Einzig V.E. Trutowvskij bot eine realistische L\u00f6sung der Kriegsfrage an, n\u00e4mlich den Separatfrieden. Mit seiner Sichtweise blieb er jedoch weitgehend isoliert. \u2026 Trutowvskij zog sich damit gleicherma\u00dfen die Kritik der Vaterlandsverteidiger und der Internationalisten zu. Die letzteren lehnten den Vorschlag mit dem Hinweis ab, dass es sich um eine einseitige Hilfe f\u00fcr eine der kriegf\u00fchrenden imperialistischen Gruppierungen handele.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a> Und in der Auseinandersetzung mit dieser Position wurden deshalb auch die Linken Sozialrevolution\u00e4re von der rechten Mehrheitsfraktion als Bolschewiki, Anarcho-Bolschewiki und als Agenten des deutschen Generalstabes denunziert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die bolschewistische Partei hatte mit der Forderung nach einem schnellen Frieden eine im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1917 durchaus unpopul\u00e4re Forderung aufgestellt \u2013 die Massen teilten zu diesem Zeitpunkt die Position der \u201erevolution\u00e4ren Vaterlandsverteidigung\u201c \u2013 und musste sich fortw\u00e4hrend gegen obige Verd\u00e4chtigung verteidigen. \u201eDie Konferenz protestiert erneut mit allem Nachdruck gegen die niedertr\u00e4chtige Verleumdung, die die Kapitalisten \u00fcber unsere Partei verbreiten, gegen die Behauptung, wir sympathisieren mit einem Separatfrieden (Sonderfrieden) mit Deutschland.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da aber der Separatfrieden mit Deutschland zu diesem Zeitpunkt der einzig m\u00f6gliche Frieden war, lag die von Lenin gegei\u00dfelte \u201eniedertr\u00e4chtige Verleumdung\u201c politisch sehr nahe.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dazu war die Forderung nach einem baldigen Friedensschluss im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1917, wie erw\u00e4hnt, h\u00f6chst unpopul\u00e4r. Mit einem Blick in den ersten Band des \u201eherausragenden\u201c Pipes h\u00e4tte auch Bollinger dieses Problem erkennen k\u00f6nnen. \u201eTheoretisch bef\u00fcrworteten mit Ausnahme der Bolschewiki alle f\u00fchrenden Parteien, die in der Regierung und im Sowjet vertreten waren, die Fortsetzung des Krieges \u2026 In dieser Haltung spiegelte sich die Stimmung der Bev\u00f6lkerung.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\"><sup>71<\/sup><\/a> Und anschlie\u00dfend zitiert Pipes als Beleg f\u00fcr diese Haltung noch den linken Internationalisten Suchanow: \u201eIn den allerersten Wochen (der Februarrevolution) war die b\u00e4uerliche Armee noch v\u00f6llig unter dem Bann der alten &#8218;kriegerischen&#8216; Begriffe. Die Soldatenmassen in Petersburg waren nicht nur nicht bereit, dar\u00fcber (gemeint ist ein baldiger Friedensschluss; A.S.) mit sich reden zu lassen, und h\u00e4tten jeden unvorsichtigen &#8218;Verr\u00e4ter &#8218; und &#8218;Frontausrei\u00dfer&#8216; auf ihre Bajonette gespie\u00dft.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote72sym\" name=\"sdfootnote72anc\"><sup>72<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bolschewiki waren deshalb gezwungen, alle ihre politischen Aussagen gegen den Krieg und f\u00fcr einen baldigen Friedensschluss mit der strikten Ablehnung eines jeden Separatfrieden mit Deutschland zu koppeln. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Theoretisch<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> lie\u00df sich dieser Spagat mit der Imperialismus-Theorie begr\u00fcnden (wie es die LSR auch taten), <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>politisch<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> war dieser Spagat aber wenig \u00fcberzeugend. \u201eWie aus den Petitionen der Soldaten hervorgeht, sah es bei ihnen so aus, als betrachteten sie die Bef\u00fcrworter eines schnellen Friedens als Anh\u00e4nger des (deutschen) Kaisers. Das Problem war so heikel, dass die Bolschewiki, die als einzige f\u00fcr einen sofortigen Frieden eintraten, sich sorgf\u00e4ltig vor entsprechenden \u00f6ffentlichen Verlautbarungen h\u00fcteten. Es ist bezeichnend f\u00fcr den Groll, den die Petrograder Garnison deshalb gegen sie hegte, dass bei den Wahlen innerhalb der Soldatensektion des Sowjets \u2026 kein Bolschewik einen Sitz errang.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote73sym\" name=\"sdfootnote73anc\"><sup>73<\/sup><\/a> Welche Schwierigkeiten selbst Lenin mit dieser Aporie hatte, kann der interessierte Leser in seinen Ausf\u00fchrungen auf der April-Konferenz der Bolschewiki nachlesen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote74sym\" name=\"sdfootnote74anc\"><sup>74<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die \u201eGeheimformel\u201c des baldigen Friedens war im Fr\u00fchjahr\/Sommer 1917 ein Bleigewicht an den F\u00fc\u00dfen der Partei, da diese Losung im Gegensatz zu der politischen Stimmung der Massen stand.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.8.3 Die \u201eGeheimformel\u201c \u2013 Land<\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Entwicklung der Leninschen Position in der Agrarfrage 1917 detailliert herauszuarbeiten, w\u00e4re eine n\u00fctzliche Arbeit gewesen. Bedauerlicherweise haben unsere linken Publizisten sich diese Aufgabe gar nicht gestellt, obwohl sie keineswegs daran zweifeln, dass die Agrarfrage zu den Kernproblemen des Revolutionsjahres geh\u00f6rt. Was sie ebenso wenig ansprechen, ist der Zusammenhang zwischen der L\u00f6sung der Agrarfrage und der Frage des Friedens, obwohl dieser Zusammenhang eigentlich un\u00fcbersehbar war und durchaus offen diskutiert wurde.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Armee war in ihrer gro\u00dfen Mehrzahl eine Armee von Bauern. Und drei Viertel dieser Bauern lebten in einer Umteilungsgemeinde, der Obschina, wie wir es im ersten Teil dargestellt hatten. Die Umteilung des Landes erfolgte in der Regel entsprechend der Anzahl der Arbeitskr\u00e4fte einer b\u00e4uerlichen Familie. Dies bedeutete, dass keine gerechte Umteilung des Landes erfolgen konnte, solange die entscheidenden Arbeitskr\u00e4fte des Dorfes an der Front waren. Umgekehrt bedeutete dies aber auch, dass sich die russische Armee mit ihrer b\u00e4uerlichen Grundlage aufl\u00f6sen w\u00fcrde, sobald das Dorf mit der Landumteilung begann, erst recht mit der Umteilung der L\u00e4ndereien der Gutsbesitzer auf die Bauernfamilien des Dorfes. Insofern besa\u00df die bolschewistische \u201eGeheimformel\u201c der Landaufteilung (\u201eDie Partei verficht entschieden den sofortigen \u00dcbergang aller L\u00e4ndereien in die H\u00e4nde der Bauernschaft\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote75sym\" name=\"sdfootnote75anc\"><sup>75<\/sup><\/a> \u2013 April 1917) auch direkte Auswirkungen auf die Kriegsf\u00e4higkeit der russischen Armee. Zugespitzt ausgedr\u00fcckt, wer zur sofortigen Aufteilung der Landg\u00fcter durch die Bauernschaft aufruft, l\u00f6st den Zusammenhalt der Armee auf und wird gezwungen sein, einen Separatfrieden mit Deutschland zu schlie\u00dfen. Genau dies geschieht nach dem Oktoberumsturz.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den verschiedenen Fl\u00fcgeln der Sowjetparteien war diese Problematik wohl bekannt. \u201eFolgende Gr\u00fcnde veranlassten die Partei der Sozialrevolution\u00e4re ganz im Gegensatz zu ihrem im Parteiprogramm fixierten Forderungen, die Agrarfrage im Jahr 1917 \u00fcberaus dilatorisch zu behandeln. Sie bef\u00fcrchtete \u2026 \u2013 und dies war am gewichtigsten \u2013 massenhafte Desertionen der Frontsoldaten und damit eine Gef\u00e4hrdung der Verteidigungsf\u00e4higkeit Russlands. Alle verantwortlichen Politiker von den Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4ren \u2026 vertraten in dieser Zeit die Auffassung, dass die vordringlichste Aufgabe die Gew\u00e4hrleistung der Kampfkraft der russischen Armeen sowie die Versorgung der russischen Bev\u00f6lkerung sei. Daher sprachen sie sich gegen eine sofortige Landreform aus, weil diese den Bestand der Front ebenso gef\u00e4hrdet h\u00e4tte.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote76sym\" name=\"sdfootnote76anc\"><sup>76<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus menschewistischer Sicht stellt Theodor Dan den inneren Zusammenhang zwischen der Aufrechterhaltung einer &#8222;revolution\u00e4ren Vaterlandsverteidigung&#8220; und der Unm\u00f6glichkeit einer baldigen und grundlegenden Agrarreform dar: &#8222;Die Verteidigung des Landes in Erwartung eines allgemeinen demokratischen Friedens machte es notwendig, dass eine viel millionenk\u00f6pfige Armee in kampff\u00e4higem Zustande erhalten und dass sorgf\u00e4ltig alles vermieden wurde, was diese Armee desorganisieren konnte. Hieraus ergab sich zun\u00e4chst die Schlussfolgerung, dass die Agrarreform bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung vertagt wurde, da eine revolution\u00e4re Bodenenteignung und die Aufteilung der Gutsl\u00e4ndereien unvermeidlich die Desertion von Millionen Bauernsoldaten von der Front nach sich gezogen h\u00e4tte, die bei der Aufteilung des Grund und Bodens dabei sein wollten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote77sym\" name=\"sdfootnote77anc\"><sup>77<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier wird das von Trotzki beschriebene \u201eParadoxon der Februarrevolution\u201c politisch auf den Punkt gebracht. Es bestand eine unaufl\u00f6sliche Verbindung zwischen der Kriegf\u00fchrung und der Agrarumw\u00e4lzung, die Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re nicht aufheben konnten, ohne ihre Massenbasis im Sowjet zu verlieren. Deshalb bef\u00fcrworteten diese Parteien im Februar\/M\u00e4rz die Bildung einer b\u00fcrgerliche Regierung und versuchten nach deren Scheitern im April immer wieder Koalitionsregierungen mit den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften zu bilden, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>um der Bourgeoisie die Verantwortung f\u00fcr ihr eigenes Dilemma zuzuschieben.<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Letztlich verloren sie mit dieser Politik sowohl ihre bourgeoisen Koalitionspartner (Moskauer Staatskonferenz, Kornilow-Putsch) als auch die Mehrheit in den Sowjets. Die Billigung der b\u00e4uerlichen Agrarumw\u00e4lzung im Oktober durch die neue Sowjetmehrheit leitete die damit unweigerlich einhergehende Aufl\u00f6sung der Armee ein und schuf damit 1918 erstmalig die M\u00f6glichkeit, Sowjetmehrheiten f\u00fcr einen Separatfrieden mit Deutschland zu bekommen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von diesen Klassenkr\u00e4ften, den politischen Konzeptionen der handelten Parteien, den Problemen, die die Bolschewiki mit ihrer allseits bekannten \u201eGeheimformel\u201c im Revolutionsgeschehen unweigerlich haben mussten, davon erfahren wir in Bollingers Buch rein gar nichts.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.9 Von Miljukow zu Kornilow<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf die weiteren Ereignisse des Revolutionsjahres und ihre Interpretation durch Bollinger gehen wir im Folgenden nur kurz ein. Wer hier mehr wissen m\u00f6chte, sei auf das gemeinsame Buch mit Heiner Karuscheit<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote78sym\" name=\"sdfootnote78anc\"><sup>78<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">sowie auf die Ausgaben Nr. 85 (Die Oktoberrevolution) mit dem gek\u00fcrzten und kommentierten Nachdruck der Bucharin-Brosch\u00fcre zum Revolutionsjahr und die Nr. 86 der AzD zur Geschichtsschreibung \u00fcber die russischen Revolutionen verwiesen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.9.1 April-Krise<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als die Miljukow-Note bekannt wurde, st\u00fcrzte sie die Lwow-Regierung in die Krise. (\u2026) Lenins R\u00fcckkehr aus dem Exil \u2026 sorgte daf\u00fcr, dass Antikriegspropaganda und die Fragen nach den handfesten Resultaten der Revolution \u2013 die Heimkehr der M\u00e4nner von der Front, wieder gef\u00fcllte Kocht\u00f6pfe, Boden, der denjenigen geh\u00f6ren sollte, die ihn bestellen \u2013 auf die Tagesordnung gesetzt wurden. Noch einmal gelang es allerdings der herrschenden b\u00fcrgerlichen Gruppierung, ihre Macht zu behaupten.\u201c (Oktoberrevolution, S. 33)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie es im April\/Mai mit der Antikriegspropaganda tats\u00e4chlich bestellt war, haben wir dargestellt. Bollinger besitzt keine Kenntnis \u00fcber die tats\u00e4chliche Stimmung der Massen zu diesem Zeitpunkt (\u201erevolution\u00e4re Vaterlandsverteidigung\u201c). Er unterstellt den Massen einfach jene Stimmung, die ihm genehm ist: der \u201evolle Kochtopf\u201c und \u201edie Heimkehr der M\u00e4nner von der Front\u201c. So kann man \u00fcber die April-Krise fabulieren, ohne etwas Ernsthaftes zu sagen, ohne ihr Wesen zu verstehen. Dabei bildet die April-Krise einen wichtigen Wendepunkt im Revolutionsjahr und zeigt f\u00fcr alle sichtbar das Verh\u00e4ltnis der Klassenkr\u00e4fte im revolution\u00e4ren Russland auf.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Miljukow und Gutschkow sowie weitere Rechte innerhalb der Partei der Kadetten und Oktobristen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote79sym\" name=\"sdfootnote79anc\"><sup>79<\/sup><\/a> suchten zusammen mit dem regionalen Milit\u00e4rkommandanten (damals bereits ihr sp\u00e4terer Putschpartner Kornilow) eine Machtprobe mit dem Sowjet in der Frage der Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote80sym\" name=\"sdfootnote80anc\"><sup>80<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Machtprobe scheiterte und die Verantwortlichen aus b\u00fcrgerlichen Kreisen mussten gehen. Sie favorisierten ab diesem Zeitpunkt die Vorbereitung eines Milit\u00e4rputsches, den u.a. ihr Freund aus den April-Tagen dann im August versuchte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote81sym\" name=\"sdfootnote81anc\"><sup>81<\/sup><\/a> Im Gegensatz zu Suchanow hat Lenin die Bedeutung der April-Ereignisse nicht erkannt. F\u00fcr ihn hatte der Austausch einiger Minister nichts an der Regierung ge\u00e4ndert. \u201eDie Kapitalistenregierung hat mit ihrer Note vom 18.\u00a0April eigentlich nur ihre fr\u00fcheren Noten wiederholt, in denen der imperialistische Krieg durch diplomatische Floskeln verh\u00fcllt wurde. Die Soldatenmassen gerieten in Emp\u00f6rung, denn sie hatten an die Aufrichtigkeit und Friedensliebe der Kapitalisten ehrlich geglaubt. Die Demonstrationen begannen als <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Soldaten<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">demonstrationen mit der widerspruchsvollen, nicht durchdachten, zu nichts f\u00fchrenden Losung &#8218;Nieder mit Miljukow&#8216; (als ob ein Wechsel von Personen oder Gruppen etwas am <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Wesen<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Politik \u00e4ndern k\u00f6nnte!).\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote82sym\" name=\"sdfootnote82anc\"><sup>82<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die April-Krise war eine vom rechten Fl\u00fcgel der Regierung herbeigef\u00fchrte Machtprobe. Sie sollte die vermeintliche Doppelherrschaft (ein Begriff Miljukows) beenden, die Macht des Sowjets brechen und die b\u00fcrgerliche Regierung als einzige Quelle der Staatsmacht etablieren. In der Praxis, bei der Machtprobe auf den Stra\u00dfen Petrograds, f\u00fchrte sie zum Gegenteil. Sie best\u00e4tigte die Macht des Sowjets \u00fcber die Revolution und die b\u00fcrgerliche Regierung. \u201eJa, die Armee war der Plutokratie entrissen. Die Diktatur des Kapitals im revolution\u00e4ren Russland war an der Wurzel angeschlagen. Die politische Macht der besitzenden Klassen war gebrochen. Die reale Macht war mit der Eroberung der Armee voll und ganz in die H\u00e4nde der sowjetischen Demokratie, der Demokratie der Arbeiter und Bauern, \u00fcbergegangen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote83sym\" name=\"sdfootnote83anc\"><sup>83<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Miljukow und Gutschkow mussten gehen und der entscheidende Fl\u00fcgel der russischen Bourgeoisie orientierte von nun an auf einen Staatsstreich oder Milit\u00e4rputsch gegen den Sowjet. Die April-Krise best\u00e4tigte die Schw\u00e4che der russischen Bourgeoisie, die Abh\u00e4ngigkeit ihrer Regierungsbeteiligung von den Sowjetentscheidungen. Also das Gegenteil von Bollingers Schlussfolgerung: \u201eNoch einmal gelang es allerdings der herrschenden b\u00fcrgerlichen Gruppierung, ihre Macht zu behaupten.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.9.2 Die Juli-Ereignisse<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend die anderen linken Parteien noch diskutierten und Bedenken ob der Reife der russischen Verh\u00e4ltnisse hatten, konnten die Bolschewiki mit ihrer Kompromisslosigkeit bei den Massen punkten. Sie mussten diese Bewegung &#8217;nur&#8216; in Bahnen lenken, sie organisieren. Im Juli waren sie dazu noch nicht in der Lage, hinkten dem spontanen Aufbegehren hinterher. Noch sa\u00df die Provisorische Regierung fest im Sattel.\u201c (Oktoberrevolution, S. 35) Wenige Zeilen sp\u00e4ter, aber noch auf derselben Seite, wird aus den Juli-Ereignissen ein \u201ebolschewistisch inspirierter Aufstand\u201c. Da haben wir es wieder, das feuilletonistische \u201esowohl als auch\u201c, das von Teilen der Linken als \u201esolide historische Aufkl\u00e4rung\u201c (so der Rezensent in den Marxistischen Bl\u00e4ttern) interpretiert wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fest im Sattel \u2013 wie Bollinger es formuliert \u2013 sa\u00df zu diesem Zeitpunkt nur die Sowjetf\u00fchrung und nicht die Regierung. Die Provisorische Regierung hatte mal wieder eine ihrer Krisen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote84sym\" name=\"sdfootnote84anc\"><sup>84<\/sup><\/a> und Kerenski versuchte, eine neue Koalitionsregierung zu bilden. Die Arbeiter, die Matrosen und die revolution\u00e4ren Regimenter in Petrograd verlangten von dem zu diesem Zeitpunkt tagenden Sowjetkongress die \u00dcbernahme der Macht und ein Ende der Koalitionsregierungen mit der Bourgeoisie. Die Front aber, die Mehrheit der Bauernarmee und das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum, stand noch hinter der Sowjetf\u00fchrung und beteiligte sich an der Niederschlagung der bewaffneten Demonstrationen. Nicht die Bolschewiki \u201ehinkten dem spontanen Aufbegehren hinterher\u201c (Bollinger), sondern die Arbeiter und Matrosen Petrograds standen deutlich links von den Massen der b\u00e4uerlichen Armee, die noch \u201eihre\u201c Sowjetf\u00fchrung st\u00fctzten. Das ist der Kern der Juli-Ereignisse, der Bollinger g\u00e4nzlich unbekannt ist.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum \u201ebolschewistisch inspirierten Aufstand\u201c \u2013 auch hier folgt Bollinger wieder Pipes, ohne ihn zu zitieren \u2013 hat Rabinowitsch gr\u00fcndlich geforscht und ist zu einem g\u00e4nzlich anderen Ergebnis als Bollinger und Pipes gekommen: &#8222;Was die Juli-Ereignisse angeht, so war der Vorwurf, der Aufstand sei durch Lenin in Zusammenarbeit mit den Deutschen angestiftet worden, offensichtlich unbegr\u00fcndet. Von Mitte Juni an hatte Lenin &#8230; sich energisch daf\u00fcr eingesetzt, den Ausbruch eines Aufstandes zu verhindern.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote85sym\" name=\"sdfootnote85anc\"><sup>85<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.9.3 Kornilow-Putsch<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende August (sorgte) der von der Provisorischen Regierung bestellte Oberbefehlshaber \u2026 daf\u00fcr, dass auch seinen politischen Chefs der Atem stockte. Er versuchte einen konterrevolution\u00e4ren Umsturz gegen die Regierung und gegen die linke Opposition. Dabei bleibt offen, ob sein beabsichtigter Schlag gegen die Sowjets und die Linke nicht doch nur die Absichten der Regierung auf den blutigen Punkt bringen sollte. Nur durch Gl\u00fcck und Geschick Kerenskis, \u2026 gelang es diesen Putsch zu stoppen.\u201c (Oktoberrevolution, S. 35) Bei einer solchen Geschichtsschreibung stockt einem wirklich der Atem. Kerenski sei es gewesen, dem es durch sein \u201eGl\u00fcck und Geschick\u201c (\u201eHand in Hand mit dem Widerstand der Bev\u00f6lkerung\u201c) gelang, diesen Putsch zu stoppen. Dieser Faktensalat, den Bollinger hier anrichtet, hat nur einen Zweck, n\u00e4mlich Kerenski (der zu diesem Zeitpunkt Regierungschef war und Kornilow erneut wie im April dazu nutzten wollte, \u201edie Absichten der Regierung auf den blutigen Punkt zu bringen\u201c) von seiner Beteiligung an dieser Verschw\u00f6rung reinzuwaschen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lesen wir, was der englische Botschafter, der ebenso wie Kerenski in diese Verschw\u00f6rung verstrickt war, dazu geschrieben hat. &#8222;Obwohl alle meine Sympathien auf Seite Kornilows waren, hatte ich immer von einem milit\u00e4rischen Handstreich nachdr\u00fccklich abgeraten, denn Russlands einzige Hoffnung auf Rettung lag in einer engen Arbeitsgemeinschaft zwischen ihm und Kerenski. \u2026 Erst auf Kerenskis Aufforderung zur Niederlegung des Kommandos hat sich Kornilow zum Handeln entschlossen, und zwar nur aus patriotischen Beweggr\u00fcnden. Er pers\u00f6nlich w\u00e4re wohl bereit gewesen, mit Kerenski zu arbeiten, doch hinter ihm standen M\u00e4nner, die die Regierung seit Wochen st\u00fcrzen wollten. Das Geheimnis dieser Gegenrevolution kannten so viele Menschen, dass es schon lange kein Geheimnis mehr war. Auch Kerenski wusste davon \u2026&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote86sym\" name=\"sdfootnote86anc\"><sup>86<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kerenski stockte also weder der Atem, als Kornilow putschte, noch war er \u00fcberrascht von der Verschw\u00f6rung, an der er selbst beteiligt gewesen war. Warum er mit einer theatralischen Inszenierung von dieser Verschw\u00f6rung Abstand nahm, wird von Bollinger naturgem\u00e4\u00df nicht behandelt. Bei ihm \u201ebleibt (es) offen\u201c, ob Kornilow nur die Absichten Kerenskis auf den \u201eblutigen Punkt\u201c bringen wollte. Auch hier wieder das uns bereits bekannte feuilletonistische \u201esowohl als auch\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.10 Der Oktoberumsturz und seine Bedeutung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Leser wird nach dem bisher Dargestellten nicht verwundert sein, dass Bollinger zum russischen Oktober ebenso wenig die Auseinandersetzung mit den von ihm selbst gelobten b\u00fcrgerlichen Quellen sucht wie bei den anderen angesprochen Themen. So hat Manfred Hildermeier das ganze Jahr 2017 \u00fcber in einer Vielzahl von Publikationen die Grundthese von Pipes variiert, dass es 1917 nur <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>eine<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Revolution in Russland gegeben h\u00e4tte. \u201eDagegen entsprach der &#8218;Rote Oktober&#8216; eher dem Drehbuch eines Milit\u00e4rputsches.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote87sym\" name=\"sdfootnote87anc\"><sup>87<\/sup><\/a> Dieser Anschauung kann die Linke nicht ernsthaft entgegentreten und meidet dieses Thema wie der sprichw\u00f6rtliche \u201eTeufel das Weihwasser\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wo liegt das Problem? Es liegt im Unverst\u00e4ndnis der tats\u00e4chlichen Resultate der Februarrevolution. Wir hatten (im Abschnitt 4.2) entwickelt, dass im Februar das Volk \u00fcber den Zarismus siegte, seinen Staatsapparat zerschlug und damit die politische Macht beim Sowjet und nicht bei den Provisorischen Regierungen lag. Dies ist <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der erste Schl\u00fcssel<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zum Verst\u00e4ndnis des russischen Oktober. Denn im Oktober wird diese Interpretation der Februarrevolution nun relevant. Wenn die Bourgeoisie 1917 in Russland im Besitz der politischen Macht gewesen w\u00e4re, so h\u00e4tte sie in einem bewaffneten Aufstand von den Massen gest\u00fcrzt werden m\u00fcssen, wie es der \u201ekodifizierte Leninismus\u201c im \u201eKurzen Lehrgang\u201c lehrt und wie es auch tats\u00e4chlich Lenins Auffassung war, der entschieden zum bewaffneten Aufstand dr\u00e4ngte. Nur war die Bourgeoisie nicht im Besitz der politischen Macht, besa\u00df keinen Staatsapparat, den es zu st\u00fcrzen und zu zerschlagen galt. Diese Macht lag beim Sowjet. Sobald der Sowjet nicht mehr bereit war, Kerenskis Regierungsversuche mit der \u201eZensus-Bourgeoisie\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote88sym\" name=\"sdfootnote88anc\"><sup>88<\/sup><\/a> zu st\u00fctzen, reichte es v\u00f6llig aus, diese nun machtlos dastehende Regierung zu verhaften und die Herrschaft des Sowjet offiziell zu erkl\u00e4ren. Dies geschah im Oktober 1917 in Petrograd, anschlie\u00dfend in Moskau und allen anderen bedeutenden Industriest\u00e4dten Russlands.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote89sym\" name=\"sdfootnote89anc\"><sup>89<\/sup><\/a> Dieser \u201eMachtwechsel\u201c ben\u00f6tigte <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>keine <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Volksrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> wie im Februar 1917. Im Oktober konnte er die Form eines \u201ebewaffneten Staatsstreiches\u201c in Petrograd annehmen, weil die tats\u00e4chliche Macht seit Februar beim Sowjet lag und \u2013 um dies in aller Deutlichkeit herauszustellen \u2013 <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>weil alle Provisorischen Regierungen des Jahres 1917 keine andere Legitimit\u00e4t besa\u00dfen als ihre Unterst\u00fctzung bzw. Duldung durch den Sowjet.<\/i><\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der nun bolschewistisch gepr\u00e4gte Sowjet hat nur genommen, was ihm seit Februar von den Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4ren vorenthalten worden war, die Leitung der Staatsgesch\u00e4fte. Hier wird deutlich: Ohne mit der Geschichtsschreibung des \u201ekanonisierten Leninismus\u201c zum Revolutionsjahr 1917 zu brechen, kann man der b\u00fcrgerlichen Kritik am &#8218;Roten Oktober&#8216; nicht entgegentreten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Revolution\u00e4r war diese Tat trotz alledem, weil das Proletariat, eine Minorit\u00e4t der russischen Gesellschaft, diese Machteroberung bewusst anstrebte und im Oktober unter der F\u00fchrung der Bolschewistischen Partei politisch und milit\u00e4risch erk\u00e4mpfte. Diese \u201esiegreiche <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>proletarische Minorit\u00e4tenrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201c konnte die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Form<\/i><\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">eines bewaffneten Staatsstreiches annehmen, weil der Sowjet der letzten Kerenski-Regierung keine Unterst\u00fctzung mehr gew\u00e4hrte und stattdessen eine Sowjetregierung bef\u00fcrwortete. Darum zeigte der siegreiche Oktoberumsturz auch ein v\u00f6llig anderes Gesicht als die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Volksrevolution<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> vom Februar, die noch den zaristischen Staatsapparat zu zerschlagen hatte. Aber bereits im Februar war das russische Proletariat die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>ausl\u00f6sende<\/i><\/span><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kraft der Volksrevolution. Der Oktoberumsturz, und darin liegt seine weltgeschichtliche Bedeutung, zeigte dem europ\u00e4ischen Proletariat die M\u00f6glichkeit einer Machteroberung auf, ohne darauf zu warten, bis es auch zahlenm\u00e4\u00dfig die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bildete, eine Perspektive, die vom gesamten Marxismus der II. Internationale, von Kautsky bis Plechanow, grunds\u00e4tzlich bestritten wurde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>4.11 Der Oktoberumsturz bei Bollinger<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk497317182\"><\/a><a name=\"_Hlk497317851\"><\/a> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bollingers Darstellung des Oktobers ist v\u00f6llig anderer Art: &#8222;Der Kampf gegen den Krieg und f\u00fcr eine sozial gerechte und demokratische Gesellschaft erforderte nicht Moralisieren oder Beten, sondern Handeln mit allen Konsequenzen. Gerade die Russischen Revolutionen best\u00e4tigen: Geschichte vollzieht sich nicht als Realisierung irgendwelcher Verschw\u00f6rungstheorien, sondern aus dem Handeln politischer Subjekte. Politiker und Intellektuelle sind wichtig, aber entscheidend sind handelnde Massen. Die wiederum werden nur l\u00e4ngerfristig Erfolg haben, wenn sie in der Gesellschaft, zumindest in deren aktiven Teil verankert sind und von diesem getragen werden. Die Oktoberrevolution ist die Konsequenz aus den sozialen Widerspr\u00fcchen und dem Unverm\u00f6gen der herrschenden Klasse, trotz ihrer vielf\u00e4ltigen Machtinstrumente und ihrer diversen politischen Erscheinungsformen und Spielarten ihre Macht zu bewahren.&#8220; (Oktoberrevolution, S. 60\/61)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das hier Zitierte stellt ein Musterbeispiel feuilletonistischer Geschw\u00e4tzigkeit dar. Dass Beten und Moralisieren nicht weiterhilft, ist ein Hinweis, der in marxistischen Publikationen eher selten zu finden ist. Dass der Oktoberumsturz eine \u201eKonsequenz aus den sozialen Widerspr\u00fcchen\u201c war, ist so allgemein wie nichtssagend, das direkte Gegenteil von \u201esolider\u201c und \u201efundierter\u201c Aufkl\u00e4rung. Interessanter wird es da schon bei \u201eder herrschenden Klasse\u201c mit \u201eihren vielf\u00e4ltigen Machtinstrumenten und ihrer diversen politischen Erscheinungsformen\u201c, welche immer das im russischen Oktober waren. Bollinger verr\u00e4t sie uns nicht, erz\u00e4hlt wiederum \u2013 wie bei der Februarrevolution \u2013 mit unbestimmten Begriffen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unterstellen wir, Bollinger sieht die Bourgeoisie als \u201eherrschende Klasse\u201c, wie es die \u201eVereinfacher\u201c vom \u201eKurzen Lehrgang\u201c auch tun &#8211; wo waren ihre \u201evielf\u00e4ltigen Machtinstrumente\u201c im Oktober 1917? \u201eEs ist bemerkenswert, dass nur wenige Offiziere bereit waren, der Regierung zur Hilfe zu kommen\u201c, zitierten wir Stephen Smith im ersten Teil dieses Artikels, und dies trifft den Kern der Sache: Die Kerenski-Regierung hatte im Oktober weder \u201evielf\u00e4ltige\u201c noch \u00fcberhaupt \u201eMachtinstrumente\u201c, es gab keine ernstzunehmenden gesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die bereit gewesen w\u00e4ren, sie zu verteidigen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach ausschweifend vielen Worten, ohne sich festzulegen, bezieht Bollinger letztendlich eine f\u00fcr ihn ungewohnt klare Position. In seinem n\u00e4chsten Versuch \u2013 sieben Seiten weiter hinten im Buch \u2013 stellt Bollinger uns endlich seine spezifische Interpretation des russischen Oktobers vor: &#8222;Der Streit um den Charakter der Oktoberrevolution \u2013 als Reihe einer Folge, einer Einheit von Russischen Revolutionen zwischen Februar 1917 und dem Fr\u00fchjahr 1921 oder dem Dezember 1922<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote90sym\" name=\"sdfootnote90anc\"><sup>90<\/sup><\/a> \u2013 liegt auf der Hand: Es war eine Revolution f\u00fcr den Frieden, f\u00fcr die Beendigung des v\u00f6lkermordenden Krieges in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben Russlands, Italiens, Flanderns und Frankreichs. Allein die russischen Bolschewiki hatten vom ersten Tag des Krieges an begriffen, dass dieser Krieg nicht durch sch\u00f6ne Worte und Gebete zu beenden war, nicht durch das staatstragende Eintreten linker Politiker in die b\u00fcrgerliche Regierung, sondern nur durch Widerstand und Aufstand gegen die eigene Regierung. Ihre Konsequenz und die Schw\u00e4che des russischen Zarismus machten sie daf\u00fcr zum Wegbereiter, dem andere V\u00f6lker folgen sollten, von dem aber alle k\u00e4mpfenden V\u00f6lker profitieren w\u00fcrden.&#8220; (Oktoberrevolution, S. 68)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier kommt Bollinger endlich auf den Punkt. Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Oktoberumsturzes \u201eliegt auf der Hand: Es war eine Revolution f\u00fcr den Frieden\u201c. Dabei beendete der Oktoberumsturz weder den Weltkrieg noch den Krieg in Russland. Wie jeder wei\u00df, ging der Weltkrieg zwischen den Mittelm\u00e4chten und der restlichen Entente mit ungebrochener Intensit\u00e4t noch ein ganzes Jahr weiter. Und auch in Russland selbst f\u00fchrte die Revolution nicht zum Frieden. \u201eFormal war am 03.\u00a0M\u00e4rz 1918 ein Frieden unterzeichnet worden. Dies bedeutete jedoch nicht, dass <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">die Kriegshandlungen eingestellt wurden. Tats\u00e4chlich r\u00fcckten die deutschen und \u00f6sterreichisch-ungarischen Verb\u00e4nde weiter vor, \u00fcberschritten die Grenzen der Ukraine, besetzten die Krim und drangen auf russischem Territorium bis nach Rostov am Don vor. Der Frieden stand also zu ei<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">nem guten Teil nur auf dem Papier.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote91sym\" name=\"sdfootnote91anc\"><sup>91<\/sup><\/a> Im Fr\u00fchsommer 1918 ging dieser \u201eFrieden\u201c dann direkt in den beginnenden russischen B\u00fcrgerkrieg \u00fcber. Wenn der russische Oktober eine \u201eRevolution f\u00fcr den Frieden (war)\u201c, wie Bollinger es konstatiert, war er in Anbetracht der angef\u00fchrten Fakten eine der erfolglosesten Revolutionen der Weltgeschichte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Oktoberumsturz schuf die Voraussetzung f\u00fcr einen russischen <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Separatfrieden<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> mit dem deutschen Kaiserreich und \u00d6sterreich-Ungarn, der zusammen mit dem Agrardekret des Sowjetkongresses die Macht der b\u00e4uerlichen Armee \u00fcber die russische Revolution brach. Die faktische Aufl\u00f6sung der Armee durch das Agrardekret erm\u00f6glichte es im Fr\u00fchjahr 1918 \u2013 nach noch immer heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Bolschewiki \u2013, eine Mehrheit f\u00fcr den Separatfrieden im Sowjet zu gewinnen. <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die Brechung der Macht des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft \u00fcber die russische Revolution, der Sieg der proletarischen \u201eMinorit\u00e4t\u201c in Petrograd, das ist der zweite Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der russischen Revolutionen, hier konkret des Oktobers.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und die Bolschewiki? Nach Bollinger hatten \u201eallein die russischen Bolschewiki \u2026 vom ersten Tag des Krieges an begriffen \u2026 (dass er) nur durch Widerstand und Aufstand gegen die eigene Regierung\u201c zu beenden war. Das ist eine M\u00e4rchengeschichte, die noch nicht einmal der \u201eKurze Lehrgang\u201c erz\u00e4hlt. In der wirklichen Geschichte stand die Mehrheit der Bolschewiki im Februar\/M\u00e4rz 1917, also im vierten Kriegsjahr, auf der Position der \u201erevolution\u00e4ren Vaterlandsverteidigung\u201c, was der \u201eVereinfacher\u201c und \u201eVerf\u00e4lscher\u201c Stalin unumwunden zugibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote92sym\" name=\"sdfootnote92anc\"><sup>92<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur\u00fcck zum russischen Oktober, der nach Bollinger seinem Wesen nach keine b\u00fcrgerliche, keine proletarische, keine sozialistische, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>sondern eine Friedensrevolution war<\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Das ist die eigentliche Quintessenz und das Anliegen seiner Ver\u00f6ffentlichung, dokumentiert auch durch den Untertitel \u201eAufstand gegen den Krieg\u201c. Aus der siegreichen proletarischen Erhebung in Petrograd, die auf den \u201eAufstand des Weltproletariats\u201c (Bucharin) zielte, die sich als Ouvert\u00fcre der proletarischen Revolution im Westen Europas verstand und in Russland die T\u00fcren zum sozialistischen Aufbau \u00f6ffnen sollte, wird \u2013 nicht durch \u201esch\u00f6ne Worte\u201c, sondern durch verwirrend viele Worte <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u2013<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> ein Ereignis, das auch ein evangelischer Pastor beim Friedensgottesdienst preisen kann.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Bollingers Buch findet sich nicht ein einziger \u201eSchl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Oktoberrevolution\u201c. Die durchweg positive Aufnahme dieser feuilletonistisch fabulierenden Ver\u00f6ffentlichung durch die Linke zeichnet ein trauriges Bild von ihrer wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit und politischen Zielsetzung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(Wird fortgesetzt)<\/span><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nur in gewissem Umfang deshalb, weil eine einzelne Ver\u00f6ffentlichung \u2013 noch dazu, wenn sie gut lesbar und \u00fcbersichtlich das Thema behandelt \u2013 nat\u00fcrlich nicht die Gesamtheit der Forschung mit allen ihren einzelnen Feldern und unterschiedlichen Positionen abbilden kann.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> AzD Nr, 84, S. 7<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Fischer Weltgeschichte Bd. 31 und Theda Skocpols Studie: \u201eStates and Social Revolutions\u201c von 1979<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-GB\"> Fred Halliday: \u201eRevolution and World Politics\u201c<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Michael Brie: Lenin neu entdecken; VSA, Hamburg 2017 = <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">www.rosalux.de\/publikation\/id\/14769\/lenin-neu-entdecken\/ sowie ders.: \u201eWas tun in Zeiten der Ohnmacht\u201c; in \u201eDie Russische Linke zwischen M\u00e4rz und November 1917\u201c, Hrsg. W. Hedeler, Berlin 2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Berliner Debatte Initial 28 (2017) 4, S. 133 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu die Lenin-Zitate in den AzD 85, S. 13 ff bzw. die Bollinger-Rezension in diesem Artikel<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eTats\u00e4chlich \u00fcbt in Russland jetzt eine Milit\u00e4rdiktatur die eigentliche Staatsmacht aus; diese Tatsache wird noch verschleiert durch eine Reihe von Institutionen, die den Worten nach revolution\u00e4r, in Wirklichkeit aber ohnm\u00e4chtig sind. Diese Tatsache steht unzweifelhaft fest und hat eine grundlegende Bedeutung, dass man, ohne sie begriffen zu haben, die politische Lage nicht verstehen kann.\u201c (LW, Bd. 25, S. 174)<br \/>\nApodiktischer kann man es kaum formulieren. Da nimmt es nicht Wunder, dass derselbe Autor von dem tats\u00e4chlichen Milit\u00e4rputsch Kornilows nur wenige Wochen sp\u00e4ter v\u00f6llig \u00fcberrascht wird: \u201eDer Aufstand Kornilows ist eine ganz und gar unerwartete (zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form unerwartete) und geradezu unwahrscheinlich schroffe Wendung der Ereignisse.\u201c (LW Bd. 25, S. 292)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Den Herausgebern des \u201eKurzen Lehrgangs\u201c war durchaus klar, dass der Oktoberumsturz im B\u00fcndnis mit der gro\u00dfen Masse der Bauernschaft geschehen war &#8211; und nicht nur mit den Landarbeitern und armen Bauern, wie Lenin das seit April 1917 verfochten hatte. Da aber der Leninismus nicht irren kann und darf, muss sich die Realit\u00e4t bewegen. Das geschieht mit folgenden Einschub: \u201eWas die Mittelbauern betrifft, deren Schwankungen die Entwicklung der Revolution in der Periode von April bis August 1917 gehemmt hatten, so begannen sie sich nach der Niederschlagung Kornilows entschieden der bolschewistischen Partei zuzuwenden, indem sie sich der Masse der armen Bauernschaft anschlossen.\u201c (Kurzer Lehrgang, S. 244)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Die \u201ekanonisierte\u201c Fassung des Leninismus reduziert sich nat\u00fcrlich nicht auf die Umschreibung des Revolutionsjahres. Da aber der Oktoberumsturz durch die von den Bolschewiki gef\u00fchrte Arbeiterklasse erfolgreich war, bildet die \u201erichtige\u201c Interpretation des Revolutionsjahres sozusagen den Angelpunkt der Legitimit\u00e4t des Bolschewismus. Ohne siegreichen Oktoberumsturz g\u00e4be es wahrscheinlich keinen \u201eLeninismus\u201c und erst recht keine kanonisierte Fassung desselben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Kerenski, A.: Die Kerenski Memoiren, Hamburg 1989, S. 249 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier, M.: Die russische Revolution, Frankfurt am Main 1989, S. 300<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, April 1917, LW Bd. 24, S. 41; <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hervorhebungen von mir, A.S.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Hedeler, W. (Hrsg.): \u201eDie russische Revolution 1917 \u2013 Wegweiser oder Sackgasse\u201c, Berlin 1997, S. 204<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 26, S. 250, B\u00e4uerlicher W\u00e4hlerauftrag zur Bodenfrage<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 13, S. 285<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Goehrke, Carsten:<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Russischer Alltag, Bd. 2. Auf dem Weg in die Moderne, Z\u00fcrich 2003, S. 242-243; \u201emir\u201c ist ein anderer Begriff f\u00fcr \u201eobscina\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Beyrau, D.: \u201ePetrograd, 25. Oktober 1917\u201c, M\u00fcnchen 2001, S. 46-47; Hervorhebung von mir, A.S.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-GB\"> LW Bd. 24, S. 276<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-GB\"> LW Bd. 24, S. 57<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 24, S. 129; <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hervorhebung von mir, A.S.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span> <span style=\"color: #330000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zur Einsch\u00e4tzung der russischen Revolution, April 1908,<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 15, S. 45ff; <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hervorhebung von mir, A.S.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eWas im Zarenreich Bourgeoisie hei\u00dfen konnte, war sozial wie politisch schm\u00e4chtig\u201c (Hildermeier: Revolution, S. 294)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i> Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 114, S. 155<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> H\u00f6sler, Joachim: Die sowjetische Geschichtswissenschaft 1953 bis 1991, M\u00fcnchen 1995, S. 64. In seiner Dissertation werden die inhaltlichen Positionen Pokrowskis ebenso wenig dargestellt wie in dem <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">-Artikel.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> ebd, S. 65<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint sind die Duma-Vertreter, die auf eine Palastrevolution\/Staatsstreich gegen den Zaren zur Rettung des Zarismus gesetzt hatten und dann die Erste Provisorische Regierung gebildet haben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> W\u00e4hrend der Februarrevolution 1917 f\u00fchrender Kopf der Bolschewiki in Petrograd<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Pokrowski, M.: Geschichte Russlands \u2013 Von seiner Entstehung bis zur Neusten Zeit, Leipzig 1929, S. 559-560<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Anin, David: Die russische Revolution von 1917, M\u00fcnchen 1976. David Anin beurteilt Prokowski grunds\u00e4tzlich kritisch: \u201eEine traurige Rolle spielte in dieser Epoche der dogmatisch stumpfsinnige, jedoch sehr sch\u00f6pferische Prokowski\u201c, um aber seiner Schule einige Zeilen sp\u00e4ter zu attestieren: \u201ein den Arbeiten dieser Autoren konnte man immerhin in einem gewissen Grade einen Forscher erkennen, vielleicht einen einseitigen, der bisweilen die Tatsachen \u00fcberzieht, aber immerhin einen Forscher.\u201c (Anin, S. 33) \u201ePokrowski \u2026 wurde nicht m\u00fcde, die menschewistisch-trotzkistischen Ketzereien zu enth\u00fcllen, stellte aber eine Konzeption auf, nach welcher bereits die Februarrevolution eine sozialistische gewesen sei. Pokrowski behauptete ferner, dass die Diktatur des Proletariats in Russland de facto bereits im M\u00e4rz 1917 errichtet wurde, dass die Bedeutung der Oktoberrevolution nur darin besteht, dass sie dieser Diktatur die Anerkennung de jure verschafft h\u00e4tte \u2026 Pokrowski erkl\u00e4rte kategorisch, dass, wenn die bolschewistische Partei in den Februartagen zumindest in Petersburg st\u00e4rker gewesen w\u00e4re, bereits im Laufe der Februarrevolution eine Arbeiterregierung h\u00e4tte gebildet werden k\u00f6nnen. Pokrowski und besonders einige seiner Nachfolger entwickelten au\u00dferdem eine &#8218;wirre&#8216; Theorie \u00fcber zwei Revolutionen im Oktober 1917, n\u00e4mlich eine proletarisch-sozialistische in den St\u00e4dten und eine b\u00e4uerlich-b\u00fcrgerliche auf dem Lande. Das war eine unverzeihliche Ketzerei f\u00fcr einen sowjetischen Historiker, der doch die Hauptschriften Lenins aus dem Jahre 1917 h\u00e4tte kennen m\u00fcssen, besonders seine Theorie vom &#8218;Hin\u00fcberwachsen der b\u00fcrgerlich-demokratischen Revolution in eine sozialistische&#8216;.\u201c (Anin, S. 55)<br \/>\nDie \u201ewirre Theorie\u201c \u00fcber den (im gewissen Rahmen) eigenst\u00e4ndigen Charakter der Agrarrevolution in Russland bricht sich inzwischen auch in der b\u00fcrgerlichen Forschung Bahn (Beyrau, Altrichter). Der Autor dieser Zeilen teilt diese \u201ewirre Theorie\u201c von zwei gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen unterschiedlichen Charakters im russischen Oktober.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i> Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 114, S. 162\/163<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Daf\u00fcr h\u00e4tte H\u00f6sler sich mit dem tats\u00e4chlichen revolution\u00e4rem Geschehen, mit der Ereignisgeschichte der Revolution auseinandersetzen m\u00fcssen. Dies aber war weder der Anspruch seiner Dissertation (Untertitel: \u201eStudien zur Methodologie- und Organisationsgeschichte\u201c der russischen Geschichtswissenschaft), noch der des Artikels in der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">. Die von ihm favorisierte Form der sowjetischen Geschichtsschreibung ist nichts anderes als eine mit soziologischen Begrifflichkeiten \u201emodernisierte\u201c Fassung des \u201ekanonisierten Leninismus\u201c (<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 114, S.168-169)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Anzumerken w\u00e4re, dass die von H\u00f6sler herausgearbeiteten Besonderheiten der \u201eStalinisierung\u201c der Geschichtsschreibung \u2013 wo die Revolution hinter Stalin verschwinden soll (siehe <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">-Artikel S. 158) \u2013 nicht mit Zitaten aus dem Standardwerk dieser Periode, dem \u201eKurzen Lehrgang\u201c, belegt wurden und nach meiner Auffassung auch nicht belegt werden k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eBollingers Buch ist eine sehr erhellende Lekt\u00fcre, die hilft, das 20. Jahrhundert zu verstehen\u201c, so der Amazon-Rezensent.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Rezension von Raimund Ernst in: Marxistische Bl\u00e4tter 5-2017, S. 141<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Ebda, S. 143. Zugleich reduziert der Rezensent den Buchpreis von \u201esoliden\u201c 14,99 auf g\u00fcnstige 11,99 Euro (Kindle-Preis)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Rezension von Karl-Heinz Gr\u00e4fe <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>in Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 113, S. 183-184<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> O. Figes Buch: Hundert Jahre Revolution, Berlin 2014, wird in der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> als einzige Publikation zum Thema kritisch besprochen. Dies im Gegensatz zu den Ver\u00f6ffentlichungen der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">-Autoren, die durchg\u00e4ngig positiv rezensiert werden (siehe Z Nr. 113). Figes soll, so der Rezensent Holger Czitrich-Stahl in der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">, \u201eals anonymer Rezensent Eigenlob und Kollegenverriss betrieben haben\u201c (<\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nr. 110, S. 189) Zumindest letzteres wird im Umfeld der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> offenkundig nicht gern gesehen. Da der Autor dieser Zeilen kein \u201eKollege\u201c des Z-Rezensenten ist, mag es erlaubt sein festzustellen, dass A.\u00a0Kerenski kein Menschewik war, wie der Rezensent von Figes\u2018 Buch in der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Z<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> unterstellt (ebenda S. 191) und damit sein grundlegendes Unverst\u00e4ndnis der Klassenkr\u00e4fte in der russischen Revolution dokumentiert. Kerenskis Rolle im Revolutionsjahr konnte nur von einem Vertreter des Kleinb\u00fcrgertums und der Bauernschaft besetzt werden, also einem Vertreter der Sozialrevolution\u00e4ren Partei oder deren engstem Umfeld. Ein solcher Fehler unterlief O.\u00a0Figes in seinem genannten Buch nicht (siehe dazu Figes, S. 90), wo Kerenski erstmalig bei ihm die B\u00fchne betritt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Raimund Ernst in: Marxistische Bl\u00e4tter 5-2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Wir werden weiter unten im Text sehen, dass Lenin mit dieser Aussage falsch lag, und erkl\u00e4ren, warum er die Ereignisse falsch interpretierte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eVersuchen\u201c deshalb, weil die zitierte Passage keine eindeutige Interpretation erm\u00f6glicht, die politisch Handelnden nicht benannt, sondern unter unpolitischen Begrifflichkeiten (die &#8218;Neuen&#8216;, die &#8218;ewig gestrigen Kreise&#8216;) verborgen werden, Unruhen, Palastrevolutionen und tats\u00e4chliche Revolutionen miteinander verwoben werden und uns der Autor vielleicht etwas ganz anderes sagen wollte. Wie hei\u00dft es so treffend in der Z: \u201e<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wer das j\u00fcngste Buch des Berliner Historikers und Politikwissenschaftlers Stefan Bollinger zur Hand nimmt, erh\u00e4lt Klarheit &#8230;\u201c<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Einige Seiten sp\u00e4ter (<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Oktoberrevolution<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">, S. 29) hei\u00dft es dann auch: \u201eDie neuen starken M\u00e4nner der Provisorischen Regierung &#8230;\u201c \u201eStark\u201c waren sie allerdings nicht, da sie in allen entscheidenden Fragen vom Sowjet abh\u00e4ngig waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Miljukow war kein \u201ekonservativer Jurist\u201c (Oktober, S. 12), wie es Bollinger unkommentiert dem englischen Kriegspremier Lloyd George glaubt, sondern ein durchaus renommierter Historiker, was seine politischen Fehleinsch\u00e4tzungen umso schwerwiegender macht. Der Jurist in der 1.\u00a0Provisorischen Regierung wurde passenderweise Justizminister \u2013 es war \u201eder sicher sozial veranlagte\u201c und \u201eauch pazifistisch agierende\u201c, aber als \u201ehistorische Randfigur (eher) verkannt(e)\u201c (Oktober, S. 33) Alexander Kerenski. Wie sehr Bollinger ihn ins Herz geschlossen hat, machen nicht nur die gerade zitierten Passagen deutlich, sondern die wiederholten Versuche des Autors, Kerenski in ein besseres Licht zu stellen als es die historischen Tatsachen hergeben (siehe Kerenski-Offensive, Kornilow-Putsch, Oktoberumsturz).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Selbst M. Hildermeier mit seinen \u201e<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">soliden und aussagef\u00e4higen Schriften\u201c (Bollinger) <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">n\u00e4hert sich dieser Interpretation des Zusammenhangs von Februar- und Oktoberrevolution: <\/span><span style=\"color: #330000;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u201eAm Ende des Februaraufstandes stand eine Regierung, der fast ausschlie\u00dflich Kadetten und Oktobristen angeh\u00f6rten. Insofern hatten die Liberalen die Ziele der konstitutionalistischen Opposition gegen die Autokratie endlich durchgesetzt. Aber der Februar enthielt bereits den Keim des Oktobers. Das Dumakomitee nahm den Sieg gleichsam aus der Hand der aufst\u00e4ndischen Arbeiter entgegen&#8220;. (Hildermeier, M: Geschichte Russlands, 2016, S. 1082). Dies hindert Hildermeier allerdings nicht daran, die Rolle von Bourgeoisie und Milit\u00e4rf\u00fchrung in der Februarrevolution \u2013 h\u00f6flich ausgedr\u00fcckt \u2013 zu \u00fcberzeichnen (siehe ApuZ Nr. 34-36, August 2017, S. 11). Zur Kritik an dieser Position siehe AzD Nr. 85, S. 14 ff. Obwohl Bollinger Hildermeiers Ver\u00f6ffentlichungen lobt, findet sich in seinem Buch weder eine Darstellung noch eine Auseinandersetzung mit dessen Positionen zur Februarrevolution.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Bonwetsch, Bernd: <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die russische Revolution 1917, Darmstadt 1991, S. 129<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 23, S. 319-320;<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> alle Hervorhebungen im Original<\/span><\/span> <\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eIch habe gesagt, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">dass die Arbeiter die alte Staatsmaschine zerbrochen haben. Genauer gesagt, sie haben <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>begonnen<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> sie zu zerbrechen. Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Die Polizei ist in Petrograd und an vielen Orten teils niedergemacht, teils abgesetzt worden. Die Regierung Gutschkow-Miljukow <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>wird nicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> die Monarchie wiederherstellen noch sich \u00fcberhaupt an der Macht halten <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>k\u00f6nnen<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">, wenn sie <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span><i> <\/i><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">die Polizei <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>wiederherstellt<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> als eine besondere, vom Volk losgel\u00f6ste und ihm entgegengestellte Organisation von bewaffneten Menschen, die dem Kommando der Bourgeoisie unterstellt sind. Das ist sonnenklar.\u201c (LW, Bd. 23, S. 341. Briefe aus der Ferne, Z\u00fcrich 11.03.1917; Alle Hervorhebungen im Original. Interessant ist hier die Frage, warum Lenin diese \u201esonnenklare\u201c Erkenntnis einen Monat sp\u00e4ter \u00fcberhaupt nicht mehr klar war.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Trotzki, Leo, <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Geschichte der russischen Revolution, <\/span><\/span><span style=\"color: #330000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Band 1: Februarrevolution, Berlin 1960, S. 152; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hervorhebungen von mir; A.S.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW, Bd. 23 <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">S. 316-317, Briefe aus der Ferne, M\u00e4rz 1917<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW, Bd. 24, S. 128 oder im Zusammenhang dargestellt in AzD 85, S. 12 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eDie ber\u00fchmte Formel der bedingten Unterst\u00fctzung (insoweit, als) hatte dort ihren Ursprung. Dem Sowjet sollte nach dieser Resolution die Aufgabe zufallen, die Regierung unter st\u00e4ndigen Reformdruck zu setzen und sie \u2013 mit Hilfe eines gesonderten Komitees \u2013 zu kontrollieren.<br \/>\nErst dieser unter dem Eindruck der Massenstimmung radikalisierte Resolutionsentwurf konnte die \u00fcberw\u00e4ltigende Stimmenmehrheit der Sowjetdeputierten gewinnen, w\u00e4hrend ein bolschewistischer Gegenentwurf , der jede Verst\u00e4ndigung mit der Provisorischen Regierung ablehnte, nur 14 der ungef\u00e4hr 400 Stimmen erhielt. Das waren nicht einmal die Stimmen aller ca. 40 anwesenden bolschewistischen Deputierten. \u2026 Das Z\u00f6gern der Bolschewiki, eine wirkliche Alternative im Sinne revolution\u00e4rer Macht\u00fcbernahme durch den Sowjet zu formulieren, ist an sich erstaunlich. Denn die Stimmung in den Fabriken und auf der Stra\u00dfe war eher noch radikaler als die des Sowjet.\u201c<br \/>\n(Bernd Bonwetsch, Die russische Revolution 1917, Darmstadt 1991, S. 135)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint sind die <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">programmatischen Gemeinsamkeiten der Sowjetf\u00fchrung<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Zitiert aus AzD Nr. 84, S. 64. Hier wurden Suchanows Ausf\u00fchrungen zur Februarrevolution in Ausz\u00fcgen vorgestellt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Miljukow, Gutschkow, Schulgin und andere Vertreter der Kadetten und Oktobristen h\u00e4tten sie gerne als \u201ekonstitutionelle Monarchie\u201c mit einem Vertreter der Romanow-Dynastie definiert. Daf\u00fcr gab es keine \u00dcbereinkunft mit dem Sowjet.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Oktoberrevolution, S. 74<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Nach dem letztendlich erzwungenen Ausscheiden von Miljukow und Gutschkow setzten die entscheidenden Teile der russischen Bourgeoisie auf einen Milit\u00e4rumsturz (Kornilow eventuell mit \u201eDirektorium\u201c) und nicht auf eine demokratische Republik. Die Moskauer Staatskonferenz ist daf\u00fcr ebenso ein Beleg, wie die Absprachen mit den Milit\u00e4rs und die Finanzierung des Kornilowaufstandes.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Anin, David: \u201eDie Russische Revolution\u201c; M\u00fcnchen 1976, S. 74<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Pipes, Richard: Die russische Revolution Bd. 1, Der Zerfall des Zarenreiches, Berlin 1992, S. 483<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Zur Auseinandersetzung mit der Position von Pipes s.a.Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, S. 43 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Ebenda<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Bei Pipes sind fast alle politische Krisen und Wendepunkten im Revolutionsjahr \u201ebolschewistische Aufstandsversuche\u201c. F\u00fcr ihn beginnen diese bereits im April 1917. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Die Bolschewiki griffen erstmals am 21. April nach der Macht, als sie versuchten, sich eine politische Krise zunutze zu machen, bei der es um die russischen Kriegsziele ging. \u2026 Die Stra\u00dfenunruhen vom 20.\/21. April begannen spontan, wurden jedoch nach kurzer Zeit von den Bolschewiki f\u00fcr ihre Zwecke genutzt.&#8220; (Pipes, Die Russische Revolution, Band 2: \u201eDie Macht der Bolschewiki\u201c, Berlin 1992, S. 113\/115)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Figes,Orlando: Hundert Jahre Revolution, Berlin 2014, S. 93-95<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Aber die \u00fcbergro\u00dfe Vertrauensseligkeit spielte den Arbeitern und Soldaten einen schlimmen Streich. \u2026 Die sozialrevolution\u00e4r-menschewistische Leitung des Petrograder Sowjets (traf) alle ihr zu Gebote stehenden Ma\u00dfnahmen, um \u2026 der Bourgeoisie die Macht auszuliefern.&#8220; (Kurzer Lehrgang, S. 214)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Dort hat auch Bollinger diese Fassung der Losung gefunden &#8211; siehe seine Fu\u00dfnote 98, die auf Lenin \u201eBriefe aus der Ferne\u201c, Bd. 23. S. 321-322 verweist. Bollinger bemerkt gar nicht, dass die Fassung nur auf dem Boden der Leninschen Fehleinsch\u00e4tzung des Revolutionsverlaufs Sinn machte. Eine Fehleinsch\u00e4tzung, die Lenin nach seiner Ankunft in Russland, wie weiter vorn dargestellt, sogleich korrigierte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Hier geht er nochmals auf die \u201eunerf\u00fcllten Forderungen des Februars\u201c ein (S. 38), um jene Punkte zu benennen, deren L\u00f6sung Sowjetf\u00fchrung und Provisorische Regierung entweder auf die Konstituierende Versammlung verschoben hatten (Staatsform, Agrarfrage), oder benennt andere sozialpolitische und arbeitsrechtliche Fragen, wie z.B. den Acht-Stunden-Tag, die kurz nach der Februarrevolution am (10.\/11. M\u00e4rz) in einem Abkommen zwischen dem Sowjet und dem Petrograder Verein der Fabrikanten gekl\u00e4rt wurden.<br \/>\nIm weiteren Verlauf dieses Kapitels folgen einige aus ihrem Zusammenhang gerissene Zitate aus Suchanows Tagebuch mit anti-bolschewistischer Spitze (S. 39\/40), Statistiken zur Partei- und Bev\u00f6lkerungsentwicklung, zu Nationaleinkommen und Lohnarbeitern in Russland, ein Auszug aus dem \u201eZimmerwalder Manifest\u201c von September 1915 \u00fcber fast zwei Seiten (S. 46-48), sowie Bollingers Interpretation der Leninschen Aprilthesen (S. 49\/50), deren Ungenauigkeiten und Fehlinterpretationen herauszuarbeiten mehr als ein Kapitel f\u00fcllen w\u00fcrden. Was Bollinger in den 15 Seiten dieses Kapitels an Themen \u201ebehandelt\u201c, die nichts mit der gew\u00e4hlten \u00dcberschrift zu tun haben, ist ein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie man mit Geschichtsschreibung im Feuilletonstil ein ganzes Buch f\u00fcllen kann.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Richard Pipes: Die Russische Revolution, Band 2: \u201eDie Macht der Bolschewiki\u201c, Berlin 1992, S.\u00a081, 90, 99, 113-115<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Pipes\u2018 3-b\u00e4ndige \u201eGeschichte der russischen Revolution\u201c liefert in ihrem 1. Band interessantes Material zur russischen Gesellschaft und zum zaristischen Staat. Hier h\u00e4tte es sich f\u00fcr Bollinger gelohnt, Pipes zu zitieren, der die Schw\u00e4che des zaristischen Staates richtig herausarbeitet. Diese Passagen finden wir allerdings bei Bollinger nicht. Bei der Behandlung der russischen Revolution nach dem Februar 1917 verhindert der ideologische Antikommunismus des Autors jede Ann\u00e4herung an die Realit\u00e4t des Jahres 1917. Im Jahr 2017 ist an dieser Ver\u00f6ffentlichung allerdings nichts mehr \u201eherausragend\u201c.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> H\u00e4fner, Lutz: \u201eDie Partei der Linken Sozialrevolution\u00e4re in der russischen Revolution von 1917\/18\u201c, K\u00f6ln 1994, S. 34<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Ebenda, S. 36\/37<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW, Bd. 24, S. 264, Siebente Gesamtrussische Konferenz der SDAPR (B), 29. April 1917<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> R. Pipes, Bd. 1, S. 562<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote72\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote72anc\" name=\"sdfootnote72sym\">72<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Ebenda, S. 563<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote73\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote73anc\" name=\"sdfootnote73sym\">73<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Ebenda<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote74\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote74anc\" name=\"sdfootnote74sym\">74<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW, Bd. 24, S. 213-306<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote75\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote75anc\" name=\"sdfootnote75sym\">75<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW. Bd. 24, S. 284<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote76\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote76anc\" name=\"sdfootnote76sym\">76<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> H\u00e4fner, S. 42<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote77\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote77anc\" name=\"sdfootnote77sym\">77<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Martow, Julius\/Dan, Theodor (1973): Geschichte der russischen Sozialdemokratie, Berlin 1926 (unver\u00e4nderter Nachdruck Erlangen), S. 298<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote78\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote78anc\" name=\"sdfootnote78sym\">78<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Das Revolutionsjahr 1917. Hier die Kapitel 5 (Die Juliereignisse) und Kapitel 6 (Von Kerenski zur Oktoberrevolution), S. 109-140.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote79\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote79anc\" name=\"sdfootnote79sym\">79<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Hier sind zwei Dinge interessant: Zum ersten, dass <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">dieser rechte Fl\u00fcgel bereits in der Ersten Provisorischen Regierung, die rein b\u00fcrgerlich war, \u00fcber keine Mehrheit verf\u00fcgte, worauf der englische Botschafter Buchanan durchaus richtig hinweist. Zweitens sehen wir hier die politische Gespaltenheit der russischen Bourgeoisie, die der Linken in ihrer Bedeutung gar nicht bewusst ist. Diese Gespaltenheit erkl\u00e4rt, warum Kerenski immer wieder Vertreter der Kadettenpartei f\u00fcr seine Koalitionsregierungen finden konnte, w\u00e4hrend Miljukow und seine Freunde bereits auf den Milit\u00e4rputsch setzten.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote80\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote80anc\" name=\"sdfootnote80sym\">80<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> siehe dazu Hildermeier, 1989, S. 162 ff.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote81\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote81anc\" name=\"sdfootnote81sym\">81<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Suchanow, N.N.: \u201eKurze Zeit nach dem M\u00e4rzumsturz hatte sich die russische Plutokratie in der Partei der Kadetten konsolidiert. W\u00e4hrend der Periode, da Miljukow als Minister fungierte, waren die Kadetten durchaus eine Regierungspartei gewesen. Aber mit der Liquidierung Miljukows und der Bildung der Koalitionsregierung in den Apriltagen \u00e4nderte sich die Situation. Die Koalition war gegen den Willen der f\u00fchrenden Kreise der Kadetten zustande gekommen, und die Kadetten konnten nun nicht mehr im bisherigen Sinne Regierungspartei bleiben. Sie wurden die Rechtsopposition.\u201c (Tagebuch, S. 356)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote82\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote82anc\" name=\"sdfootnote82sym\">82<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> LW Bd. 24, S. 201-202<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote83\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote83anc\" name=\"sdfootnote83sym\">83<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Suchanow, Tagebuch, S. 313<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote84\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote84anc\" name=\"sdfootnote84sym\">84<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Das Zentralkomitee der Kadettenpartei lehnte ein von der Provisorischen Regierung ausgehandeltes Abkommen zur Frage der Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine ab und zwang die Kadettischen Minister zum Regierungsaustritt, um so eine Regierungskrise herbeizuf\u00fchren. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Unter anderem wollte man sich so aus der Verantwortung f\u00fcr die Niederlage der Kerenski-Offensive herausstehlen und die Verantwortung allein dem Lager der \u201eDemokratie\u201c zuweisen.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote85\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote85anc\" name=\"sdfootnote85sym\">85<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Rabinowitsch, Alexander:<\/span><span style=\"color: #330000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Sowjetmacht, Die Revolution der Bolschewiki 1917, Essen 2012, S. 20-21<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote86\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote86anc\" name=\"sdfootnote86sym\">86<\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Buchanan, S. 229-230<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote87\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote87anc\" name=\"sdfootnote87sym\">87<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Manfred Hildermeier in der FAZ vom 07.11.2017. Zur Kritik daran siehe AzD Nr. 86 (S. 28 ff.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote88\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote88anc\" name=\"sdfootnote88sym\">88<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Die Duma war nach einem Zensus Wahlrecht gew\u00e4hlt worden. Gemeint sind also die b\u00fcrgerlichen Duma-Vertreter.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote89\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote89anc\" name=\"sdfootnote89sym\">89<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Wir sprechen hier nur von dem proletarischen Umsturz in den St\u00e4dten. Zeitgleich und befeuert von den Besch\u00fcssen des Sowjetkongresses entfaltet sich auf dem Land eine eigenst\u00e4ndige gesellschaftliche Umw\u00e4lzung v\u00f6llig anderen Inhalts (siehe Zitat von Beyrau in Abschnitt 2.2). Dies wird sp\u00e4ter detaillierter darzustellen sein.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote90\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote90anc\" name=\"sdfootnote90sym\">90<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Hier erfindet Bollinger gleich zwei zus\u00e4tzliche \u201eRevolutionen\u201c in den Jahren 1921 und 1922. Tats\u00e4chlich \u00e4nderte sich im Fr\u00fchjahr 1921 die Politik der Bolschewistischen Partei vom \u201eKriegskommunismus\u201c zur \u201eNeuen \u00f6konomischen Politik\u201c, und im Dezember 1922 wurde die Sowjetunion offiziell gegr\u00fcndet.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote91\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote91anc\" name=\"sdfootnote91sym\">91<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> H\u00e4fner, S. 338<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote92\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote92anc\" name=\"sdfootnote92sym\">92<\/a><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eDiese irrige Auffassung teilte ich damals mit anderen Parteigenossen und habe mich von ihr erst Mitte April vollst\u00e4ndig losgel\u00f6st\u201c. (Stalin Werke Bd. 6, S. 298)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Schr\u00f6der Kritische R\u00fcckschau auf einige Publikationen (Teil 2) 1. Die Weigerung, sich mit der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung auseinanderzusetzen Der erste Teil der kritischen R\u00fcckschau (siehe AzD Nr. 88) begann mit einem Luxemburg-Zitat. Luxemburg erhob im unmittelbaren Kontext mit den Ereignissen in Russland die Forderung, \u201esich kritisch mit der russischen Revolution in allen historischen Zusammenh\u00e4ngen auseinanderzusetzen\u201c. &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1647\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Hundert Jahre russische Revolutionen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1647","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1647"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1647\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1651,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1647\/revisions\/1651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}