{"id":162,"date":"2016-09-11T11:16:52","date_gmt":"2016-09-11T09:16:52","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=162"},"modified":"2016-09-11T12:38:02","modified_gmt":"2016-09-11T10:38:02","slug":"iv-die-sozialen-triebkraefte-des-krieges","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=162","title":{"rendered":"IV. Die sozialen Triebkr\u00e4fte des Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Manche Historiker neigen bis heute dazu, die Verantwortung f\u00fcr den Krieg allein der Person Hitler zu geben. Dieses Schema war in der Nachkriegsauseinandersetzung auch bei vielen Deutschen beliebt, um die eigene Schuld zu verdr\u00e4ngen. Auch die SED, die aus der eigenen Geschichtstheorie nie begreifen konnte, warum die gro\u00dfe Mehrheit der Arbeiterklasse dem Nationalsozialismus bis zum Schlu\u00df die Treue hielt, brauchte Hilfskonstruktionen. Bald war in der Geschichtsschreibung der DDR von der &#8222;Hitlerclique&#8220; die Rede, die im Interesse der Monopole das deutsche Volk unschuldig in den Krieg gest\u00fcrzt habe. Auch der ZDF-Historiker Guido Knopp hat in seiner Fernsehserie &#8222;Hitler &#8211; eine Bilanz&#8220; den 2. Weltkrieg als Ausgeburt eines verr\u00fcckten Hirnes mit Unterst\u00fctzung seiner engen Kampfgef\u00e4hrten dargestellt. Der Krieg war jedoch nicht nur das Werk Hitlers, sondern hatte auch soziale Triebkr\u00e4fte in der Gesellschaft. Fraktionen der alten und der neuen Eliten entwickelten verschiedene au\u00dfenpolitische Konzepte, die Deutschland zur Weltmacht und zum Herrn \u00fcber Europa machen sollten. In der Gesellschaft hatten einige dieser Konzepte eine Basis. Bei der Untersuchung der Machtverh\u00e4ltnisse im NS- Staat ist auch die Frage zentral, welche au\u00dfenpolitische Konzeption sich in der Praxis durchsetzte.<\/p>\n<div>\n<h2>1. Die Pl\u00e4ne und Strategien der Aggression<\/h2>\n<h3>Krieg f\u00fcr den b\u00e4uerlichen Rassenstaat<\/h3>\n<p>In &#8222;Mein Kampf&#8220; legte Hitler ausf\u00fchrlich und in v\u00f6lliger Offenheit die zuk\u00fcnftige Au\u00dfenpolitik des Nationalsozialismus dar. Aus der Analyse der Niederlage des kaiserlichen Deutschlands im 1. Weltkrieg zog er Lehren und entwickelte eine neue au\u00dfenpolitische Zielsetzung, aber auch eine neue Strategie, die mit der traditionellen revanchistischen Au\u00dfenpolitik der Weimarer Republik brach.<\/p>\n<p>Der Absicht aller Regierungsparteien der Weimarer Republik, in erster Linie mit friedlichen Mitteln Schritt f\u00fcr Schritt die Grenzen des Kaiserreiches wiederherzustellen, erteilte Hitler eine Absage. &#8222;Die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 ist ein politischer Unsinn von Ausma\u00dfen und Folgen, die ihn als Verbrechen erscheinen lassen.&#8220; [231] Hitler hatte kein Interesse an einfacher imperialistischer Machtpolitik. Die Au\u00dfenpolitik sollte dem Ziel dienen, den b\u00e4uerlichen Rassenstaat zu errichten. &#8222;Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem S\u00fcden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schlie\u00dfen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen \u00fcber zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, k\u00f6nnen wir in erster Linie nur an Ru\u00dfland und die ihm untertanen Randstaaten denken.&#8220; [232] Die b\u00e4uerliche Besiedlung Ru\u00dflands und der umliegenden Staaten erhob Hitler zum Leitmotiv der deutschen Au\u00dfenpolitik und verwarf die Kolonialpolitik. Dieses Leitmotiv stellte etwas Neues dar. Siedlungsideologie gab es auch schon w\u00e4hrend des 1. Weltkrieges. Sie konnte sich aber gegen die &#8222;Kolonial- und Handelspolitik&#8220; nie durchsetzen.<\/p>\n<p>Schon in &#8222;Mein Kampf&#8220; machte Hitler keinen Hehl daraus, da\u00df seine Ziele nur durch Krieg zu erreichen seien und legte offen dar, da\u00df &#8222;auch uns in der Zukunft den Boden und das Leben f\u00fcr unser Volk keine g\u00f6ttliche Gnade zuweisen (wird), sondern nur die Gewalt eines siegreichen Schwertes.&#8220; [233]<\/p>\n<p>Der Grundsatz der Ablehnung eines deutschen Kolonialreichs in Afrika zog sich bis Hitlers Tod wie ein roter Faden durch seine Weltanschauung. Bei Hitler spielten rassistische und v\u00f6lkische Vorstellungen die zentrale Rolle. Er bef\u00fcrchtete, die &#8222;Neger&#8220; w\u00fcrden sich auf Dauer mit den deutschen Einwanderern und Kolonialisten vermischen. Als abschreckendes Beispiel galt ihm Frankreich, das er als &#8222;europ\u00e4isch-afrikanischen Mulattenstaat&#8220; [234] bezeichnete. Statt dessen forderte er die Konzentration des deutschen &#8222;Volkstums&#8220; in einem geschlossenen Block von Blut und Boden in Europa.<\/p>\n<p>In der zentralen Kriegszielbesprechung am 5. November 1937 in der Reichskanzlei (von H\u00f6\u00dfbach protokolliert) nannte Hitler auch wirtschaftspolitische Gr\u00fcnde: &#8222;Wenn die Sicherheit unserer Ern\u00e4hrungslage im Vordergrunde st\u00e4nde, so k\u00f6nne der hierf\u00fcr notwendige Raum nur in Europa gesucht werden, nicht aber ausgehend von liberalistisch-kapitalistischen Auffassungen in der Ausbeutung der Kolonien (&#8230;) Auch die Rohstoffgebiete seien zweckm\u00e4\u00dfiger im unmittelbaren Anschlu\u00df an das Reich in Europa und nicht in \u00dcbersee zu suchen.&#8220; [235] Auch in seinem &#8222;Testament&#8220;, in dem er seine Au\u00dfenpolitik r\u00fcckblickend analysierte, unterstrich er seine Prinzipien noch einmal. &#8222;Es gibt eine weitere Veranlassung daf\u00fcr, uns mit den Amerikanern zu vertragen: weder sie noch wir neigen zur Kolonisation (&#8230;) Ich betrachte die st\u00fcmperhaften Versuche am Ende des 19. Jahrhunderts als Seitensprung in unserer Geschichte. Die Niederlage von 1918 hatte wenigstens das Gute, uns auf einem verh\u00e4ngnisvollen Weg zu stoppen, zu dem sich die Deutschen, eifers\u00fcchtig auf Erfolge (&#8230;) t\u00f6richterweise durch das Beispiel der Franzosen und der Engl\u00e4nder hatten verleiten lassen.&#8220; [236] &#8222;Nach Osten, und immer nur nach Osten haben wir unseren Geburten\u00fcberschu\u00df zu lenken. Das ist die von der Natur gewiesene Richtung der germanischen Expansion&#8220; [237], versuchte er den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und Polen zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>In &#8222;Mein Kampf&#8220; lie\u00df sich Hitler auch l\u00e4nger \u00fcber die Politik der anderen Gro\u00dfm\u00e4chte und die M\u00e4chtekonstellation, die die Nachkriegsordnung von Versailles geschaffen hatte, aus. Daraus leitete er Gegner und B\u00fcndnispartner Deutschlands ab. &#8222;Der unerbittliche Todfeind des deutschen Volkes ist und bleibt Frankreich.&#8220; [238] Frankreichs Ziel, von den Jakobinern \u00fcber Napoleon, sei immer die Kleinhaltung und Zersplitterung Deutschlands gewesen, um die zentrale Gro\u00dfmacht in Kontinentaleuropa zu werden. Das Ziel k\u00f6nne deshalb nur die Unterwerfung Frankreichs sein. Hitler sprach nur das allgemeine Gedankengut der deutschen und franz\u00f6sischen Revanchisten aus. Die deutsch- franz\u00f6sischen Kriege und die Reibereien um das Rheinland und Elsa\u00df-Lothringen waren Ausdruck dieser Tatsache. Die franz\u00f6sische Nachkriegsordnung des Versailler Vertrages, Deutschland zu verkleinern und sich selbst im Nahen Osten und Afrika Kolonien unter dem Stichwort &#8222;Mandat&#8220; anzueignen, hatten schon die USA nicht unterst\u00fctzt, indem sie dem V\u00f6lkerbund nicht beitraten. Auch die britische Regierung empfand den Versailler Vertrag als zu hart gegen\u00fcber dem deutschen Reich.<\/p>\n<p>Als B\u00fcndnispartner kam f\u00fcr Hitler deshalb nur England in Frage. &#8222;Wenn europ\u00e4ische Bodenpolitik nur zu treiben war gegen Ru\u00dfland mit England im Bunde, dann war aber umgekehrt Kolonialpolitik und Welthandelspolitik nur denkbar gegen England mit Ru\u00dfland.&#8220; [239] England habe in Europa nur ein Interesse an Stabilit\u00e4t, um Weltpolitik, sprich Kolonialpolitik, machen zu k\u00f6nnen, deshalb sei ein B\u00fcndnis m\u00f6glich. England verfolgte tats\u00e4chlich auf dem Kontinent die sogenannte &#8222;balance of power&#8220;- Politik. Im 1. Weltkrieg griff England nur ungern auf dem Festland ein und f\u00f6rderte schon zu Stresemanns Zeiten die Lockerung des Versailler Vertrages, um das Gleichgewicht der St\u00e4rke herzustellen. Hitler setzte also auf die Ausnutzung der Widerspr\u00fcche zwischen den beiden gro\u00dfen Kolonialm\u00e4chten England und Frankreich. &#8222;England kann weiter niemals ein Frankreich w\u00fcnschen, dessen kontinental-politische Lage dank der Zertr\u00fcmmerung des \u00fcbrigen Europa als so gesichert erscheint, da\u00df die Wiederaufnahme der gr\u00f6\u00dferen Linie einer franz\u00f6sischen Weltpolitik nicht nur erm\u00f6glicht, sondern geradezu erzwungen wird&#8220;, f\u00fchrte er aus. [240] Entsprachen Hitlers Berechnungen soweit der Realit\u00e4t, war es aber auch schon 1925 fraglich, ob das Empire ein Deutschland hinnehmen w\u00fcrde, das durch die Zertr\u00fcmmerung des \u00fcbrigen Europa der Weltmachtstellung Gro\u00dfbritanniens gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte. Ein von Deutschland beherrschtes Europa war langfristig f\u00fcr das Empire eine zu gro\u00dfe Gefahr. Da England mit fast allen Kr\u00e4ften in den Kolonien gebunden war, w\u00fcrde es in dieser Situation von der deutschen Laune abh\u00e4ngen, England zu besetzen.<\/p>\n<p>Der zweite potentielle B\u00fcndnispartner war f\u00fcr Hitler Italien. Italiens Interessen seien &#8222;um das Mittelmeerbecken gruppiert&#8220;. [241] Aufgrund dieser traditionellen Orientierung w\u00fcrden die Siedlungsinteressen Deutschlands und die Kolonialpolitik Italiens nicht in Widerspruch zueinander geraten. Im &#8222;Zweiten Buch&#8220; 1928 k\u00fcndigte Hitler schon den deutschen Verzicht auf S\u00fcdtirol an, das dem B\u00fcndnis immer im Weg stand. Auch in diesem Punkt verwarf er eine Forderung der revanchistischen Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Hitlers Darlegungen in &#8222;Mein Kampf&#8220; bewiesen, da\u00df er trotz aller antisemitischen Wahnvorstellungen in der Lage war, die innerimperialistischen Widerspr\u00fcche der Nachkriegsordnung richtig zu analysieren und daraus eine Strategie zur Sprengung des Versailler Vertrages abzuleiten, um dann den Siedlungskrieg f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Die konzeptionelle Fehleinsch\u00e4tzung der Politik des britischen Empires sollte Hitler allerdings noch zum Verh\u00e4ngnis werden.<\/p>\n<h3>Die Konkretisierung der Siedlungspl\u00e4ne<\/h3>\n<p>Mit dem Beginn des Krieges im Osten 1939 wurden die L\u00e4nder von Deutschland besetzt, die Hitler 1925 als deutsche Siedlungsgebiete bestimmt hatte. Die SS \u00fcbernahm nun als Blut- und Bodenorganisation die Konkretisierung dieses Programms. Den Grundgedanken der Siedlung bildete die Vernichtung oder Vertreibung der im Osten lebenden V\u00f6lker, um so Siedlungsraum f\u00fcr Millionen &#8222;germanischer&#8220; Bauern zu schaffen. Himmler brachte es in Kiew 1942 auf den Punkt, indem er sagte, &#8222;da\u00df man die soziale Frage nur dadurch l\u00f6sen kann, da\u00df man die anderen totschl\u00e4gt, damit man ihre \u00c4cker bekommt.&#8220; [242] Der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und Polen stand also in unmittelbarem Zusammenhang mit der Siedlungspolitik.<\/p>\n<p>Schon 1939 er\u00f6rterte Hitler die Aussiedlung von 6 Millionen Tschechen. Dieses Projekt wurde nicht durchgef\u00fchrt, da die Nazis die tschechischen Arbeiter in der wichtigen R\u00fcstungsindustrie B\u00f6hmens und M\u00e4hrens brauchten. Der SS-Ideologe Konrad Meyer verfa\u00dfte im Mai 1940 den ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Generalplan Ost. Dieser Plan beinhaltete die nationalsozialistischen V\u00f6lkermordabsichten schon vor der Wannsee-Konferenz. Noch beschr\u00e4nkten sich die Pl\u00e4ne auf Polen, da man die Sowjetunion noch nicht erobert hatte. [243] Er sah die Deportation von Juden und Abschiebung von 3,4 Millionen Polen vor. An deren Stelle sollten 2 Millionen angesiedelter deutscher &#8222;Wehrbauern&#8220; einen &#8222;Wall deutschen Volkstums&#8220; bilden. Heydrich, einer der wichtigsten SS-F\u00fchrer, \u00e4u\u00dferte zu den Wehrbauern: &#8222;Das sind R\u00e4ume, die man eigentlich behandelt wie die Eindeichung eines neuen Landes an der K\u00fcste, indem man ganz im Osten einen Wehrwall von Wehrbauern zieht, um das Land abzuriegeln gegen die Sturmflut Asiens.&#8220; Die untere Gr\u00f6\u00dfe der Bauernh\u00f6fe legte Meyer bei 20 ha und die obere Gr\u00f6\u00dfe bei 50-200 ha fest. Klein- und vor allem Mittelbauern, nicht Gro\u00dfgrundbesitzer, sollten das Siedlerpotential darstellen. F\u00fcr die d\u00f6rfliche Infrastruktur sah die SS auch die Ansiedlung von Handwerkern und Technikern vor. Himmler meldete zum Generalplan: &#8222;Der F\u00fchrer sagte, da\u00df es Punkt um Punkt richtig w\u00e4re.&#8220; [244]<\/p>\n<p>Mit dem Krieg gegen die Sowjetunion dehnte Meyer Anfang 1942 den Generalplan Ost auf den Vielv\u00f6lkerstaat aus und die SS entwickelte den Generalsiedlungsplan. 31 Millionen Einwohner der besetzten Ostgebiete wollte man nach Westsibirien aussiedeln. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig planten die Nazis eine Verringerung der Stadtbev\u00f6lkerung, da die St\u00e4dte als Hort des Widerstandes galten. Daf\u00fcr sollten 10 Millionen &#8222;volksdeutsche&#8220; Siedler innerhalb von 30 Jahren angesiedelt werden. [245]<\/p>\n<p>Ein anderes wichtiges Plandokument ist das &#8222;vorl\u00e4ufige Friedensprogramm des Reichsf\u00fchrers der SS&#8220; vom 14. Dezember 1941. Dieses Programm war ein riesiges Bauprogramm, das Milliarden f\u00fcr die Siedlungen veranschlagte. Das ganze polnische Gebiet, Skandinavien, Tschechien und die Niederlande schlug man darin dem Deutschen Reich zu. Die Durchf\u00fchrung dieses Plans h\u00e4tte den Osten nicht nur in ein Bauern-, sondern auch in ein Sklavenreich verwandelt. 80\u00a0% des Bauprogramms sollte von KZ-H\u00e4ftlingen durchgef\u00fchrt werden. Albert Speer, Reichsminister f\u00fcr R\u00fcstung und Kriegsproduktion, sch\u00e4tzte die Zahl im nachhinein auf 14.450.000 H\u00e4ftlinge innerhalb des Zwanzig-Jahresprogramms. [246]<\/p>\n<p>Etwas &#8222;bescheidenere&#8220; Siedlungsplanungen verfa\u00dfte das &#8222;Arbeitswissenschaftliche Institut der Deutschen Arbeitsfront&#8220;. Dieses Institut glaubte, da\u00df sich in Deutschland nicht so viele Siedler finden w\u00fcrden, die nach Osten ziehen wollten. Um die Siedlung trotzdem zu erm\u00f6glichen, schlug es eine Ver\u00e4nderung der deutschen Industriestruktur vor. Alle nicht hochtechnischen Industriebereiche seien nach Ru\u00dfland auszulagern. Nur durch Stillegung dieser Industriezweige, z.\u00a0B. der Eisenindustrie, w\u00fcrden in Deutschland genug Siedler vorhanden sein. Au\u00dferdem sei nur durch eine Verdopplung der Gr\u00f6\u00dfe der landwirtschaftlichen Betriebe im Osten der Anreiz gro\u00df genug, um 700.000 deutsche Bauernfamilien nach Ru\u00dfland zu locken.<\/p>\n<p>In seinen &#8222;Tischgespr\u00e4chen&#8220; phantasierte Hitler in diesen Jahren wiederholt \u00fcber die Zukunft seines Bauernstaates. Er war vom Siedlungswillen der deutschen Bev\u00f6lkerung fest \u00fcberzeugt: &#8222;der Reichsbauer (soll) in hervorragenden sch\u00f6nen Siedlungen hausen. Die deutschen Stellen und Beh\u00f6rden sollen wunderbare Geb\u00e4ulichkeiten haben, die Gouverneure Pal\u00e4ste (&#8230;). Um die Stadt herum wird auf 30 bis 40 Kilometer ein Ring von sch\u00f6nen D\u00f6rfern gelegt, durch die besten Stra\u00dfen verbunden.&#8220; [247] Er wollte im Osten deshalb auch eine Eisenbahn und Autobahn bauen lassen. Hitler verstand sich also als Kolonisator, der die &#8222;Steppen Asiens&#8220; in bl\u00fchende \u00c4cker verwandeln wollte. Die Besiedlung Amerikas, die auf der Grundlage der Vertreibung und Vernichtung der Indianer basierte, sowie die mittelalterliche Ostsiedlung der deutschen Ritterorden dienten dabei als historische Vorbilder. So viele brutale Verbrechen diese beiden &#8222;Kolonisationen&#8220; auch hervorgebracht haben, sie stehen in keinem Vergleich zur nationalsozialistischen Siedlungspolitik. Allein schon deshalb, weil der nationalsozialistische V\u00f6lkermord im 20. Jahrhundert stattfand. Die Wehrmacht und SS f\u00fchrten bei ihrem &#8222;Ritt nach Osten&#8220; keine Schwerter und auch keine Winchester mit sich, sondern moderne Vernichtungswaffen. Sie drangen auch nicht in die weiten Pr\u00e4rien Amerikas ein, sondern in die Kerngebiete industrialisierten und dicht besiedelten Landes. Die Absicht, Millionen Russen, Polen, Ukrainer usw. zu vertreiben und zu vernichten, war somit schon indirekt in der Siedlungsprogrammatik von &#8222;Mein Kampf&#8220; enthalten.<\/p>\n<p>Der Siedlungskrieg im Osten hatte eine b\u00e4uerliche Triebkraft. Es ging zum einen darum, den Landhunger der deutschen Bauern nach au\u00dfen zu lenken und mit einem neuen Siedlerreich im Osten die Dominanz der Industrie in Deutschland zu \u00fcberwinden. Millionen landloser oder armer Kleinbauern w\u00e4re so ein betr\u00e4chtlicher Besitz zugefallen. Auch das absteigende Kleinb\u00fcrgertum und Handwerk sollte mit der Siedlung gerettet werden. Im &#8222;neuen Lebensraum&#8220; h\u00e4tte es genug Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die im Reich bedr\u00e4ngten Kleinbetriebe gegeben. Zum anderen stand hinter der Siedlungsprogrammatik eine ideologische Absicht. Die SS und die NSDAP glaubten, durch die Siedlung den Bauern als &#8222;Blutquell des deutschen Volkes&#8220; zu erhalten und durch die Neuverwurzelung des deutschen Volkes im Boden die &#8222;rassische Reinheit&#8220; wiederherzustellen. Die Triebkraft der Siedlung war ein konkretes soziales Bed\u00fcrfnis von Tausenden Bauern, aber auch die irrationale Rassenideologie von Hitler und der SS.<\/p>\n<h3>Die &#8222;Kontinentalblock&#8220;-Strategie &#8211; Alles gegen das Empire!<\/h3>\n<p>Eine alternative au\u00dfenpolitische Zielsetzung zu Hitlers Siedlungspolitik entwickelten die Anh\u00e4nger des Kolonialismus. Im Gegensatz zu der SS, Hitler und Rosenberg tr\u00e4umten sie von einem deutschen Kolonialreich in Afrika, das auf den Tr\u00fcmmern des britischen Empire entstehen sollte. Ihre Strategie, die sich deshalb in erster Linie gegen England richtete, verfolgten der deutsche Au\u00dfenminister von Ribbentrop, die F\u00fchrungselite des Ausw\u00e4rtigen Amtes und das Kolonialpolitische Amt des alten Kolonialisten Ritter von Epp. Auch Vertreter der Banken wie Hjalmar Schacht unterst\u00fctzten den Kampf f\u00fcr Rohstoffquellen und Absatzm\u00e4rkte in Afrika. Sie stellten sich selten offen gegen Hitlers Politik, versuchten aber in ihren Einflu\u00dfbereichen, den Blick vom Osten nach Afrika abzulenken. Diese Linie kn\u00fcpfte an die traditionelle Au\u00dfenpolitik des Kaiserreiches und des Revanchismus der Weimarer Republik an und hatte auch in der deutschen Bev\u00f6lkerung einigen Einflu\u00df. Ihre Vertreter sammelten sich im Ausw\u00e4rtigen Amt, im Kolonialpolitischen Amt und in der Leitung der Marine.<\/p>\n<p>Joachim von Ribbentrop war als deutscher Sonderbotschafter in England schon Mitte der 30er Jahre zu der Erkenntnis gekommen, da\u00df England zu einem B\u00fcndnis mit Deutschland nicht bereit sei. Hitlers Wunschpartner kam f\u00fcr ihn nicht als Sicherung der deutschen Expansionspolitik in Frage. Angesichts der Schw\u00e4che des britischen Empire und der aufflammenden Befreiungsbewegungen in den Kolonien hielt Ribbentrop den Zeitpunkt f\u00fcr die Zerschlagung des Empire f\u00fcr g\u00fcnstig. Ribbentrop entwickelte als Au\u00dfenminister die &#8222;Kontinentalblock&#8220;- Strategie. Das hie\u00df eine Orientierung aller europ\u00e4isch-asiatischen Gro\u00dfstaaten von anf\u00e4nglich noch Frankreich und Spanien \u00fcber Deutschland, Italien bis zu Japan gegen die angels\u00e4chsische Seemacht, um das Empire zu zerschlagen. [248] Spanien und Italien waren f\u00fcr die antibritische Front am Mittelmeer vorgesehen, und Japan bedrohte durch seine Expansion in S\u00fcdostasien das Empire ohnehin schon. Als sich abzeichnete, da\u00df sich Frankreich zu diesem B\u00fcndnis nicht hinrei\u00dfen lie\u00df, versuchte Ribbentrop die Sowjetunion in seine Planungen einzubinden. Der neuen Gro\u00dfmacht, die auf Seite der antikolonialen Bewegungen stand, bot Ribbentrop Indien als Einflu\u00dfsph\u00e4re an. F\u00fcr Ribbentrop war ein deutsches Kolonialreich Voraussetzung f\u00fcr die Weltmachtstellung. Er verfolgte eine Macht- statt Siedlungspolitik. Diese Vorstellungen bezeichnete der Historiker Wolfgang Michalka deshalb in Abgrenzung zu Hitlers Programmatik als &#8222;wilhelministische Allerweltspolitik&#8220;. [249]<\/p>\n<p>Karl Ritter aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt arbeitete im Krieg Pl\u00e4ne f\u00fcr das deutsche Reich in Afrika aus. Die Denkschrift \u00fcber die Schaffung eines &#8222;Gro\u00dfwirtschaftsraums&#8220; vom 1. Juni 1940 skizzierte ein deutsches Kolonialreich aus den ehemaligen deutschen Kolonien, Belgisch-Kongo, Franz\u00f6sisch-\u00c4quatorialafrika und &#8222;vielleicht auch&#8220; Britisch-Nigeria. [250] Damit lag Ritter n\u00e4her an dem Programm des Alldeutschen Verbandes als an der nationalsozialistischen Au\u00dfenpolitik Hitlers.<\/p>\n<p>Die alten Kader der kaiserlichen Kolonialpolitik sammelten sich um den Reichskolonialbund und das Kolonialpolitische Amt (KPA). Diese Bewegung, die schon in der Weimarer Republik eine gesellschaftliche Verankerung hatte, trat damals unter dem Namen &#8222;Deutsche Kolonial Gesellschaft&#8220; auf. Die DKG \u00fcbte Einflu\u00df auf alle Parteien au\u00dfer der KPD aus und hatte 30.000 Mitglieder. Erst nach der Macht\u00fcbernahme der NSDAP begann ihr Aufstieg zur Massenbewegung. 1934 kam es zur Gr\u00fcndung des Kolonialpolitischen Amts der NSDAP (KPA) mit dem alten Kolonialisten Ritter von Epp an der Spitze. Im Juni 1941 besch\u00e4ftigte das Amt 209 hauptamtliche Mitarbeiter und der mit dem KPA verbundene Reichskolonialbund hatte im selben Jahr \u00fcber 2.100.000 Mitglieder [251]. Damit war er eine der gr\u00f6\u00dften Massenorganisationen des NS-Staates. Die staatliche Unterst\u00fctzung stieg von mageren 157.428 RM (1938) auf schlie\u00dflich 29.942.060 RM (1941). [252]<\/p>\n<p>Die Tatsache ist interessant, da Ritter von Epp von Hitlers Programmatik nichts hielt. Schon 1928 kritisierte Epp das au\u00dfenpolitische Programm Hitlers und prangerte es als &#8222;Ostlandreiterei&#8220; an. [253] Auch aus seinem Nachla\u00df geht hervor, da\u00df er Hitlers Politik kritisierte, da sie nicht auf die Zerschlagung des Empire, sondern der Sowjetunion ausgerichtet war, die f\u00fcr Epp niemals der Hauptgegner war. [254] Das KPA arbeitete statt dessen umfangreiche Organisations- und Wirtschaftspl\u00e4ne f\u00fcr ein deutsches Kolonialreich aus. In den Kolonien sollte strengste Rassentrennung herrschen, womit sich nationalsozialistische Rassenpolitik und Kolonialismus vermischte. 1941 planten Epp und verschiedene andere sogar ein Reichskolonialministerium, als die Ziele der Kolonialisten in Afrika greifbar nahe schienen.<\/p>\n<p>Auch die Marine trat als Teil der Wehrmacht entschieden f\u00fcr eine antibritische Kolonialpolitik ein. Dabei spielten neben der Tradition der deutschen Flotte auch ressortpolitische Gr\u00fcnde eine Rolle. Ein Krieg, der sich auf Kontinentaleuropa beschr\u00e4nkte, verurteilte die Marine zur Bedeutungslosigkeit. Ohne eine Vielzahl von St\u00fctzpunkten in Afrika und am europ\u00e4ischen Mittelmeer bestand keine Aussicht auf einen Erfolg gegen die v\u00f6llig \u00fcberlegene britische Flotte. So forderte Wilhelm Canaris, Leiter des Amtes Ausland\/Abwehr im OKW 1938, in einer Entwurfstudie &#8222;gen\u00fcgend Kolonialbesitz&#8220; f\u00fcr die &#8222;Seekriegsf\u00fchrung gegen England&#8220;. [255] Diese Pl\u00e4ne umfa\u00dften den Aufbau einer Kolonialflotte und die Ausstattung von Kolonialh\u00e4fen. Die gro\u00dfe Chance kam f\u00fcr die Marine mit den deutschen Siegen in Afrika. Raeder entwickelte im Sommer 1940 einen Plan, um in Afrika gegen das Empire vorzugehen, den allerdings Hitler ablehnte. Ebenso schlug Admiral Raeder, der Oberbefehlshaber der Marine, Hitler 1940 dreimal vergeblich vor, den Hauptsto\u00df gegen das britische Kolonialreich zu richten und von Nordafrika bis in den Vorderen Orient vorzusto\u00dfen. [256]<\/p>\n<p>In einer Denkschrift vom 3. Juni 1940 von Fricke, dem Admiral und Stabschef der deutschen Seekriegsleitung, \u00fcber &#8222;Raumerweiterung und St\u00fctzpunktfragen&#8220; forderte dieser, zusammenh\u00e4ngenden Kolonialbesitz in Mittelafrika zu schaffen und weitete die Anspr\u00fcche auf franz\u00f6sische und britische Kolonien im Juli noch weiter aus. [257] Auch die Richter der N\u00fcrnberger Prozesse erkannten, wer die eifrigsten Vertreter der Kolonialpolitik waren. &#8222;Am eindringlichsten hat wohl Gro\u00dfadmiral Raeder aus ressort-spezifischen Gr\u00fcnden versucht, Hitler vom Ostkrieg abzubringen und ihn f\u00fcr die schwerpunktm\u00e4\u00dfige Fortsetzung des Krieges gegen Gro\u00dfbritannien zu gewinnen.&#8220; [258]<\/p>\n<p>Schon vor dem 1. Weltkrieg traten auch Teile der Schwerindustrie f\u00fcr die Eroberung von neuen Kolonien ein und unterst\u00fctzten massiv den gegen England gerichteten Flottenbau. Der Alldeutsche Verband propagierte den &#8222;Kolonialgedanken&#8220; bis ins kleinste Dorf. Auch in der Weimarer Republik wurden die b\u00fcrgerlichen Politiker nicht m\u00fcde, die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien zu fordern.<\/p>\n<p>Diese Tradition setzten Teile der Schwerindustrie auch nach Hitlers Macht\u00fcbernahme fort. Hjalmar Schacht war ein Vertreter der R\u00fcckgabe deutscher Kolonien und argumentierte rein wirtschaftlich. Nach der Befreiung schrieb er noch: &#8222;von je her war ich ein eifriger Verfechter des kolonialpolitischen Gedankens gewesen, nicht im Sinne eines Imperialismus, sondern einzig aus dem Grunde, weil ein Industrievolk, das nicht \u00fcber eine ausreichende Ackerfl\u00e4che in der Heimat verf\u00fcgt, zu seiner Ern\u00e4hrung zus\u00e4tzliche landwirtschaftliche Produktionsquellen ben\u00f6tigt.&#8220; [259] Zus\u00e4tzlich f\u00fchrte er den Mangel an Rohstoffen in Deutschland ins Feld. Die nationalsozialistische Ostpolitik lehnte Schacht genauso wie der Ritter von Epp ab. In einem Brief vom 19.3.1935 an Epp schrieb der Finanzexperte: &#8222;Die Idee von dem zu erwerbenden Ostraum stiftet leider viel Unheil an.&#8220; &#8222;Ich brauche ihnen deshalb, sehr geehrter Herr General von Epp, nicht zu sagen, wie sehr ich ihre kolonialpolitischen Gedankeng\u00e4nge billige und unterst\u00fctze&#8220; [260], beteuerte er gegen\u00fcber dem Leiter des KPA. Schacht lie\u00df in der \u00d6ffentlichkeit keine Gelegenheit aus, Kolonien in \u00dcbersee zu fordern, wie z.\u00a0B. im Interview f\u00fcr die franz\u00f6sische Zeitung &#8222;Paris Soir&#8220; oder am 27. Mai 1937 vor der Handelskammer. [261] Schacht dachte nach eigenen Angaben an die R\u00fcckgabe der deutschen Kolonien durch Verhandlung mit Gro\u00dfbritannien und Frankreich.<\/p>\n<p>Schacht war nicht der einzige Kolonialist unter den Vertretern des Kapitals. Die Denkschriften der Gruppe Deutscher Kolonialwirtschaftlicher Unternehmungen forderte neben den ehemaligen deutschen Kolonien in Belgisch-Kongo noch Kolonien in Britisch-Nigeria und Franz\u00f6sisch-\u00c4quatorialafrika. [262] Die Autoren waren sich der Tatsache wohl bewu\u00dft, da\u00df ohne Krieg Frankreich und England wohl kaum zu diesen Zugest\u00e4ndnissen bereit sein w\u00fcrden. Was Hitler von diesen Pl\u00e4nen hielt, legte Schacht auch nach dem 2. Weltkrieg dar: &#8222;Mehrfach hatte ich versucht, Hitler (&#8230;) f\u00fcr das koloniale Problem zu interessieren (&#8230;) Dagegen war sein Traum einer deutschen Ausdehnung nach dem Osten Europas, (&#8230;) die keinerlei Aussicht auf Verwirklichung haben konnte.&#8220; [263]<\/p>\n<h3>Revanchekrieg gegen den Osten &#8211; Die Junker<\/h3>\n<p>Neben dem Gegensatz von Siedlungs- und Kolonialpolitikern gab es noch eine dritte Kraft: Die junkerliche Reichswehrf\u00fchrung. Wie schon in dem vorhergehenden Kapitel dargestellt, trat die Reichswehrf\u00fchrung f\u00fcr einen Revanchekrieg gegen den Versailler Vertrag ein. Kernst\u00fcck ihres Programms war schon seit 1919 die Zerschlagung Polens. Die Enteignung der junkerlichen Ritterg\u00fcter durch den jungen polnischen Staat sollte r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden und der Staat, der als Bollwerk gegen die deutsche Expansion nach Osten gegr\u00fcndet worden war, sollte liquidiert werden. Gegen den Krieg im Westen hatten die Junker einige taktische Bedenken, der Krieg gegen Polen war ihnen jedoch eine Herzensangelegenheit.<\/p>\n<h3>Die Bedeutung der Kriegsplanungen<\/h3>\n<p>Die wichtigsten Kriegszielplanungen im NS-Staat w\u00e4ren damit dargestellt. Welche geschichtliche Bedeutung diese Berge an Denkschriften und Dokumenten tats\u00e4chlich hatten, kann man nur an Hand der Praxis des Weltkrieges untersuchen. Die &#8222;Kontinentalblockstrategie&#8220; Ribbentrops war unvereinbar mit der nationalsozialistischen Ostpolitik Hitlers sowie der Europastrategie bestimmter Kapitalfraktionen. Einige Denkschriften schrieben die Autoren deshalb f\u00fcr die Schubladen. Die unterschiedlichen Strategien und Ziele stellen ein bedeutendes Argument dar gegen die Interpretationen, die Hitler als den alles kontrollierenden Alleinherrscher darstellen. Weder die NSDAP noch der Staatsapparat stellten jemals einen monolithischen Block dar.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite bewerten manche Autoren diese Dokumente, ohne sie in der Praxis zu untersuchen. Reinhardt Opitz ver\u00f6ffentlichte unter dem Titel &#8222;Die Europastrategien des deutschen Kapitals&#8220; eine Dokumentensammlung, in der auch der Generalplan Ost der SS enthalten ist. Ob die SS wirklich Teil des &#8222;Finanzkapitals&#8220; war, dar\u00fcber darf ein Historiker der Schule der SED nat\u00fcrlich nicht nachdenken. Allein aus der Tatsache der Existenz der Europastrategie von Teilen des deutschen Kapitals zieht er deshalb automatisch den Schlu\u00df, da\u00df der Weltkrieg der Krieg des deutschen Kapitals war, ohne zu untersuchen, ob sich diese Strategie wirklich durchsetzte. \u00c4hnlich verf\u00e4hrt Ralf Giordano in seinem Buch &#8222;Wenn Hitler den Krieg gewonnen h\u00e4tte&#8220;. Durch seine rein moralistische Herangehensweise sieht er Hitler nur als b\u00f6sen Gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen, der die ganze Welt erobern wollte und schiebt ihm s\u00e4mtliche Kolonialplanungen in die Schuhe, die v\u00f6llig im Widerspruch zu seinen in &#8222;Mein Kampf&#8220; dargelegten Grunds\u00e4tzen stehen.<\/p>\n<p>Wenn im folgenden Kapitel \u00fcber den 2. Weltkrieg oft nur von Hitler gesprochen wird, wenn die b\u00e4uerlich-rassistische Triebkraft des Krieges gemeint ist, dann liegt das nicht an einer &#8222;Hitler-Zentrik&#8220; des Autors. In der Praxis machten nicht die siedlungswilligen Bauern oder die SS die Au\u00dfenpolitik, sondern Hitler. Er traf alle wichtigen tagespolitischen Entscheidungen. Die SS spielte nur bei dem Dollfu\u00df-Attentat 1935, bei dem Angriff auf Polen und der Siedlungsplanung eine Rolle. Die Bestimmung der Au\u00dfenpolitik durch Hitler \u00e4nderte aber nichts an der Tatsache der b\u00e4uerlich-rassistischen Triebkraft des Krieges, da der &#8222;F\u00fchrer&#8220; f\u00fcr das damit verbundene Programm stand.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=177&#038;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Historiker neigen bis heute dazu, die Verantwortung f\u00fcr den Krieg allein der Person Hitler zu geben. Dieses Schema war in der Nachkriegsauseinandersetzung auch bei vielen Deutschen beliebt, um die eigene Schuld zu verdr\u00e4ngen. 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