{"id":1611,"date":"2019-04-15T09:32:40","date_gmt":"2019-04-15T07:32:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1611"},"modified":"2019-04-15T09:32:40","modified_gmt":"2019-04-15T07:32:40","slug":"eine-sozialdemokratische-maerchenstunde","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1611","title":{"rendered":"Eine sozialdemokratische M\u00e4rchenstunde"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Stefan Bollingers Darstellung der Novemberrevolution<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"western\"><em>(Der Beitrag ist in einer gek\u00fcrzten Fassung als Rezension unter dem Titel \u201eBollingers Darstellung der Novemberrevolution \u2013 eine Kritik\u201c zuerst erschienen in den Marxistischen Bl\u00e4ttern 1-2019)<\/em><\/p>\r\n<p><em>von Heiner Karuscheit<\/em><\/p>\r\n<p class=\"western\">Dr.\u00a0Bollinger, Mitglied der Historikerkommission beim Parteivorstand der Linkspartei, hat nach Ver\u00f6ffentlichungen u.a. zum Ersten Weltkrieg und zur Oktoberrevolution ein 2018 erschienenes Buch zur Novemberrevolution verfasst: \u201eNovember\u00a0\u201818. Als die Revolution nach Deutschland kam\u201c (edition ost, Preis 14,99 \u20ac). Begleitend dazu ist von ihm ein Artikel in der Zeitschrift Marxistische Erneuerung \u201eZ\u201c Nr. 115 (2018) erschienen: \u201eVom Schicksal der \u2018wunderlichsten aller Revolutionen\u2018\u201c. Sein Anliegen ist, \u201edie zentralen Fragen der damaligen Zeit und ihrer heutigen Reflexion zu verstehen\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Hierin k\u00f6nnen wir ihm nur beipflichten, denn wenn der Marxismus in Deutschland eine Zukunft haben will, muss er die bisherigen Niederlagen der Arbeiterbewegung erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Umso mehr interessiert es, wie der Autor die selbst gestellte Aufgabe gel\u00f6st hat.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Bei seiner Beurteilung der Novemberereignisse geht Bollinger von einer grunds\u00e4tzlich positiven Einstellung zur Republik von Weimar aus. Er erkl\u00e4rt sie f\u00fcr \u201eein gutes, ein gro\u00dfes St\u00fcck Demokratie mit klaren b\u00fcrgerlichen, aber auch sozialen Rechten\u201c und ist \u00fcberzeugt, dass sich in diesem Punkt \u201eLinke aller Parteien und b\u00fcrgerliche Demokraten einig sein\u201c k\u00f6nnen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Ma\u00dfgeblich f\u00fcr diese lobende Bewertung ist seine Stellung zur Sozialdemokratie, der bestimmenden politischen Kraft jener Tage. Zu deren Umgang mit der Revolution schreibt er: \u201eDie sozialdemokratischen F\u00fchrer beendeten die Revolution nicht aus B\u00f6swilligkeit, sondern aus Unverst\u00e4ndnis und der Sorge, dass Partei, Arbeiterklasse, die Nation mit einer sozialistischen Revolution \u00fcberfordert w\u00e4ren.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\">Dass der Sozialismus nach dem verlorenen Krieg Arbeiterklasse und Gesellschaft \u00fcberlasten w\u00fcrde, hatte die SPD gleich nach dem Krieg vorgebracht. Mit dieser Begr\u00fcndung blockierte die Parteif\u00fchrung jedoch nicht nur den \u00dcbergang zum Sozialismus, sondern <i>jede Reform der Gesellschaft, <\/i>angefangen von der Aufl\u00f6sung des preu\u00dfisch-deutschen Offizierskorps \u00fcber die Enteignung des adeligen Gro\u00dfgrundbesitzes und der Schwerindustrie bis hin zur Demokratisierung von Polizei, Justiz und Verwaltung. Auf diese Weise wurde die Novemberrevolution zum Scheitern gebracht \u2013 und das alles durch das \u201eUnverst\u00e4ndnis\u201c einer begriffsstutzigen SPD-F\u00fchrungsriege? Die historische Wirklichkeit ergibt ein anderes Bild.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Das Machtkonzept der SPD-F\u00fchrung<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Die Parteif\u00fchrung hatte schon vor geraumer Zeit davon Abschied genommen, im Falle ihrer Macht\u00fcbernahme die alte Staatsmaschinerie durch eine neue zu ersetzen, wie Marx und Engels das f\u00fcr unabdingbar erkl\u00e4rt hatten, sondern strebte die \u00dcbernahme und Weiterf\u00fchrung des wohlgeordneten preu\u00dfisch-deutschen Beamtenstaats unter ihrer Leitung an. Es gibt \u201akeinen zweiten, dem preu\u00dfischen \u00e4hnlichen Staat, &#8230; er ist ein ganz anderes Ding als jeder andere Staat, in seiner Art einzig in der Welt. &#8230; wenn wir einmal diesen Staat in der Gewalt haben, haben wir alles\u2018, hatte der langj\u00e4hrige Parteivorsitzende Bebel diese Orientierung auf dem Parteitag 1910 auf den Punkt gebracht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\">Durch die im Oktober 1918 vorgenommene Parlamentarisierung des Kaiserreichs, die angesichts der nahenden Kriegsniederlage von der OHL angeordnet worden war, um den US-Pr\u00e4sidenten Wilson als Friedensvermittler zu gewinnen, stand die SPD Ende Oktober als st\u00e4rkste parlamentarische Partei davor, in absehbarer Zeit die Regierung dieses Obrigkeitsstaats zu \u00fcbernehmen, auch wenn als neuer Reichskanzler zun\u00e4chst der als liberal geltende Prinz Max von Baden ernannt wurde, mit zwei Sozialdemokraten in seinem Kabinett.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Von dieser Warte aus war die anrollende Novemberrevolution ein Desaster, denn sie drohte den bevorstehenden Zugriff auf einen intakten Staat zu vereiteln. Deswegen war die SPD-F\u00fchrung von Anfang an eine entschiedene Gegnerin der Revolutionsbewegung, auch wenn sie sich h\u00fctete, dies in der \u00d6ffentlichkeit zu sagen. \u201eDie F\u00fchrer der Mehrheitssozialdemokratie hatten sich mit der Oktoberreform am Ziel ihrer W\u00fcnsche gesehen. In ihren Augen war der Novemberumsturz ebenso \u00fcberfl\u00fcssig wie sch\u00e4dlich\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Pakt gegen die Revolution<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Seit den ersten Novembertagen standen der neue Reichskanzler Max von Baden und der SPD-Parteivorsitzende Friedrich Ebert in regelm\u00e4\u00dfigem Kontakt miteinander, um das Vorgehen gegen die Revolutionsbewegung abzusprechen. \u201eMein Pakt mit Ebert\u201c hei\u00dft das entsprechende Kapitel in Badens Erinnerungen. Auf Badens Frage: \u201ehabe ich Sie dann an meiner Seite im Kampf gegen die soziale Revolution?\u201c war Eberts prompte Antwort: \u201eIch &#8230; will sie nicht, ja ich hasse sie wie die S\u00fcnde\u201c, was Baden mit den Worten kommentierte: \u201cDer Mann war entschlossen, sich mit seiner ganzen ungebrochenen Autorit\u00e4t der Revolution entgegenzustemmen.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> Gegenstand der Beratungen war insbesondere der Umgang mit Kaiser Wilhelm\u00a0II, der mittlerweile im Volk v\u00f6llig verhasst war und dessen Abdankung (sowie den Thronverzicht des ebenso unbeliebten Kronprinzen) beide f\u00fcr zwingend erachteten, um die Revolutionsbewegung zu bes\u00e4nftigen und die Monarchie zu erhalten. In hartn\u00e4ckiger Realit\u00e4tsverleugnung weigerte der Kaiser sich allerdings tagelang, den R\u00fccktritt zu vollziehen.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Das Verhalten Eberts war nur konsequent: Wenn man die Regierung auf dem Boden der gegebenen Ordnung \u00fcbernehmen wollte, musste man alles daran setzen, die Zerschlagung dieser Ordnung durch die Revolution zu verhindern. Mit \u201eUnverst\u00e4ndnis\u201c hatte das so wenig zu tun wie mit \u201eB\u00f6swilligkeit\u201c \u2013 es war das politische Konzept der SPD-F\u00fchrung, den preu\u00dfisch-deutschen Staat m\u00f6glichst unversehrt in die Hand zu bekommen. Unverst\u00e4ndnis demonstriert hier lediglich der Urheber dieser Behauptung.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Der 9.\u00a0November: die Kanzlerschaft Eberts<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Dieses Unverst\u00e4ndnis setzt sich mit der Darstellung des Ereignisablaufs am 9.\u00a0November fort, als die Revolution ihren H\u00f6hepunkt erreichte und die Weichen f\u00fcr die kommende Entwicklung gestellt wurden. Dazu schreibt Bollinger, dass der Kanzler Max von Baden sich angesichts der voranschreitenden Revolution entschloss, Friedrich Ebert die Reichskanzlerschaft anzutragen. Der SPD-Vorsitzende, so f\u00e4hrt er fort, \u201el\u00e4sst sich darauf ein, sieht aber zun\u00e4chst einen Rat der Volksbeauftragten als die der Lage angemessene Zwischenl\u00f6sung\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> Wir erfahren also a) dass von Baden die Initiative ergreift, um Ebert zum Reichskanzler zu machen, b) Ebert aber zun\u00e4chst einen Rat der Volksbeauftragten favorisiert, bevor er sich c) dann doch auf die \u00dcbernahme des Kanzlerpostens \u201eeinl\u00e4sst\u201c.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Mit den historisch gesicherten Fakten hat diese Darstellung erneut wenig zu tun. Als erstes kann keine Rede davon sein, dass sich Ebert auf einen Antrag Badens \u201eeinl\u00e4sst\u201c. Nachdem die Revolution am 7.November in M\u00fcnchen gesiegt hat und einen Tag darauf das f\u00fchrende USPD-Mitglied Kurt Eisner bayrischer Ministerpr\u00e4sident geworden ist, kommt die SPD-F\u00fchrung zu dem Schluss, dass es nicht mehr reicht, aus der zweiten Reihe zu agieren, sondern dass sie selber das Ruder \u00fcbernehmen muss, um zu retten, was zu retten ist. Am Vormittag des 9.November teilt Ebert dem Noch-Kanzler mit, dass seine Partei es jetzt f\u00fcr erforderlich h\u00e4lt, \u201edass die Regierungsgewalt an M\u00e4nner \u00fcbergeht, die das volle Vertrauen des Volkes besitzen\u201c, und fordert das Amt des Reichskanzlers f\u00fcr die SPD, d.h. f\u00fcr sich selber.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Unmittelbar davor hat Max von Baden von sich aus (wahrscheinlich in Absprache mit Ebert) die Abdankung des immer noch z\u00f6gerlichen Wilhelm\u00a0II verk\u00fcndet, die dieser tats\u00e4chlich erst kurz darauf erkl\u00e4rt. Damit f\u00fchlt der bisherige Kanzler sich berechtigt, sein Amt auf Ebert zu \u00fcbertragen (was eigentlich Aufgabe des Kaisers ist, der jedoch gerade abgedankt worden ist). Festzuhalten ist jedenfalls, dass Ebert sich auf \u00fcberhaupt nichts einl\u00e4sst \u2013 er beansprucht vielmehr das Kanzleramt und bekommt es auch.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\">Weiter: woher hat Bollinger die Information, dass Ebert vor \u00dcbernahme der Kanzlerschaft \u201ezun\u00e4chst einen Rat der Volksbeauftragten als die der Lage angemessene Zwischenl\u00f6sung\u201c angesehen hat? Es mag sein, dass es in der Umgebung Eberts entsprechende \u00dcberlegungen gab. Aber das erkl\u00e4rte Ziel der SPD-F\u00fchrung ist eine ordentliche Regierungs\u00fcbernahme mit Bildung einer regul\u00e4ren Regierung, und das schlie\u00dft einen \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c als alternatives Machtorgan aus. Sinn macht dies erst <i>nach Ausrufung der Republik<\/i>, und die ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Erhaltung der Monarchie<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Folgerichtig erkl\u00e4rt Ebert bei der \u00dcbernahme der Kanzlerschaft ausdr\u00fccklich, dass er sein Amt im Rahmen der Reichsverfassung aus\u00fcben wird. Das bedeutet vor allem, die Monarchie zu bewahren, denn nur so ist die staatliche Kontinuit\u00e4t zu sichern. Da der Thron zur Zeit verwaist ist, fragt Ebert bei der Amts\u00fcbergabe Prinz Max von Baden, ob er bereit sei, als \u201eReichsverweser\u201c t\u00e4tig zu werden, bis einer der jetzt noch minderj\u00e4hrigen Hohenzollernprinzen aus der n\u00e4chsten Generation den Kaiserthron mit Erreichen der Vollj\u00e4hrigkeit einnehmen kann. Bis zur letzten Sekunde setzt der SPD-Vorsitzende alles daran, um mit der Monarchie den alten Staat zu retten.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Zugleich ist er mit der von Baden vorgeschlagenen Einberufung einer Nationalversammlung einverstanden, die \u00fcber die k\u00fcnftige Regierungsform beschlie\u00dfen soll. Das ist zum einen unumg\u00e4nglich, um der Revolutionsbewegung entgegen zu kommen, zum andern verbindet sich damit die gemeinsame Hoffnung, dass sich die Gem\u00fcter bis zum Zusammentreten der Nationalversammlung so weit beruhigt haben, dass die Monarchie beibehalten werden kann.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Au\u00dferdem ist seine erste Amtshandlung ein Aufruf an die preu\u00dfisch-deutsche Beamtenschaft, auf ihrem Posten zu bleiben und der neuen Regierung zu dienen. Zur selben Zeit, wo Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te in den St\u00e4dten und Kommunen erste Schritte zur Demokratisierung von Verwaltung und Polizei unternehmen, gibt Ebert also den demokratiefeindlichen beamteten Tr\u00e4gern des Staatsapparats, dem R\u00fcckgrat des Obrigkeitsstaats, eine Bestandsgarantie \u2013 und in der bald darauf verabschiedeten Weimarer Reichsverfassung wird der Schutz des \u201ehergebrachten Berufsbeamtentums\u201c sogar in Verfassungsrang erhoben.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Um die Revolutionsbewegung einzubinden, macht Ebert sich au\u00dferdem daran, Vertreter der USPD in die von ihm gebildete Reichsregierung einzubeziehen. Dar\u00fcber hinaus plant er die Beteiligung von B\u00fcrgerlichen an der Regierung. Noch einmal: ein \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c hat zu diesem Zeitpunkt in diesem Konzept keinerlei Platz.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Die ungewollte Ausrufung der Republik<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Bis hierher ist alles im Interesse der SPD-F\u00fchrung gelaufen. Die letzten Schritte zur Macht waren zwar improvisiert, aber mit Friedrich Ebert als Kanzler des Kaiserreichs hat die SPD-F\u00fchrung das Ziel erreicht, auf das sie seit Jahren hingearbeitet hat. Nunmehr kommt es jedoch zu einem Ereignis, das vor\u00fcbergehend alles \u00fcber den Haufen wirft und eine jener \u201eFriktionen\u201c darstellt, die in jeder Revolution vorkommen und dem Geschehen eine unerwartete Wendung geben, auch wenn sie die grundlegenden Wirkungskr\u00e4fte nicht au\u00dfer Kraft setzen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p class=\"western\">W\u00e4hrend die f\u00fchrenden Sozialdemokraten im Reichstag n\u00e4mlich noch eine Dauersitzung abhalten, um angesichts der Unruhen im ganzen Reich \u00fcber das weitere Vorgehen zu beraten, versammelt sich vor dem Reichstag eine gro\u00dfe Menschenmenge und fordert die Abdankung des Kaisers, die zwar mittlerweile erfolgt ist, sich aber noch nicht herumgesprochen hat. In dieser Situation, so l\u00e4sst Bollinger uns wissen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> tritt Philipp Scheidemann \u201epflichtschuldig\u201c an ein offenes Fenster \u2013 und teilt den Massen nicht etwa die geforderte Abdankung des Kaisers mit, sondern erkl\u00e4rt, \u201edas Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen\u201c, und ruft eine Republik aus. Von welcher \u201ePflichtschuldigkeit\u201c redet Bollinger hier? Tats\u00e4chlich ruft Scheidemann die Republik <i>ohne Absprache mit den anderen Mitgliedern der Parteif\u00fchrung und gegen deren Willen<\/i> aus.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Er selber legitimiert seinen Alleingang damit, dass Karl Liebknecht kurz darauf eine <i>sozialistische<\/i> Republik ausrufen will.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> Doch was hei\u00dft das? Die Spartakusgruppe ist in der Revolutionsbewegung isoliert, und die Ausrufung einer sozialistischen Republik w\u00fcrde daran nichts \u00e4ndern, weil die Massen Spartakus nicht folgen. Darum h\u00e4tte man Liebknecht ruhig gew\u00e4hren lassen k\u00f6nnen. Davon abgesehen h\u00e4tte niemand Scheidemann daran gehindert, seinen Auftritt mit den anwesenden Parteikollegen abzusprechen, was er aber nicht tat.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Darum deutet der Alleingang auf ganz andere Gr\u00fcnde: Scheidemann, ebenso ehrgeizig wie sprunghaft, steht in erbitterter innerparteilicher Konkurrenz mit Ebert, der gerade Reichskanzler geworden ist. Dieser reagiert nach den Worten Scheidemanns denn auch \u201evor Zorn dunkelrot\u201c auf sein eigenm\u00e4chtiges Vorgehen und schreit ihn an: \u201eDu hast kein Recht, die Republik auszurufen\u201c; erst die Konstituante k\u00f6nne die k\u00fcnftige Regierungsform beschlie\u00dfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> Aber der Wutausbruch ist folgenlos. Da Scheidemann als Fraktionsvorsitzender der SPD im Reichstag der \u00f6ffentlich bekannteste Sozialdemokrat ist, scheinbar f\u00fcr seine Partei spricht und ein Gro\u00dfteil der SPD-Mitglieder in der Tat f\u00fcr eine Republik eintritt, ist seine Ank\u00fcndigung nicht mehr aus der Welt zu schaffen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> Die Monarchie ist gefallen, und damit ist auch Eberts Kanzlerschaft nach wenigen Stunden perdu (was ihn nicht davon abh\u00e4lt, in seiner Korrespondenz als Volksbeauftragter weiterhin den Kanzlertitel zu verwenden).<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Umstellung der SPD-Strategie<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Die Ausrufung der Republik schafft f\u00fcr alle politischen Kr\u00e4fte eine neue Lage, denn nunmehr ist ein neuer Staat entstanden. Allerdings ist dies erst einmal nur dem Namen nach der Fall, und dass es dabei bleibt, daf\u00fcr sorgt die SPD-F\u00fchrung in den kommenden Wochen und Monaten. Bisher hat sie alles daran gesetzt, als legitime Regierungspartei die alte Ordnung zu erhalten und zu diesem Zweck versucht, die revolution\u00e4re Bewegung einzubinden. Mit dem Untergang des alten Staats muss sie ihre Strategie umstellen. Nunmehr setzt sie sich an die Spitze der revolution\u00e4ren Bewegung, um von hier aus die Revolution zu ersticken und die alte Ordnung zu erhalten.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Als Ersatz f\u00fcr die soeben gefallene alte Regierung initiiert sie einen \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c, in dem je drei Mitglieder von SPD und USPD vertreten sind und der als neue Revolutionsregierung offiziell als Vertretung der R\u00e4te firmiert. Bollinger behauptet in diesem Zusammenhang: \u201eDie MSPD wollte mit den R\u00e4ten zusammenarbeiten, wenn es sein musste, sah sie aber nur als Unterst\u00fctzungsorgan.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Wiederum fragt man sich, woher Bollinger diese Information hat, denn weder betrachtet die SPD-F\u00fchrung die R\u00e4te als Unterst\u00fctzungsorgan noch denkt sie irgendwann ernsthaft an eine Zusammenarbeit. Vielmehr sind die Soldaten- sowie die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te die Verk\u00f6rperung der von der Parteif\u00fchrung gehassten Revolution, und deshalb gehen die sozialdemokratischen Volksbeauftragten vom ersten Tag an daran, die formal von ihnen anerkannte R\u00e4tebewegung Schritt f\u00fcr Schritt zu entmachten, wobei sie vorsichtig vorgehen m\u00fcssen, da viele ihrer eigenen Parteimitglieder in den R\u00e4ten aktiv sind.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>B\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Zu diesem Zweck vereinbart Ebert am Abend des 10.\u00a0November mit dem OHL-General Groener die Zusammenarbeit mit dem kaiserlichen Offizierskorps, um Ruhe und Ordnung in Deutschland wiederherzustellen. Das bedeutet nichts anderes als die Wiederherstellung der Grundz\u00fcge der alten Ordnung durch Liquidierung der Revolutionsbewegung. Der zwischen dem sozialdemokratischen Parteivorsitzenden und der Heeresf\u00fchrung geschlossene Pakt setzt das im Krieg zustande gekommene B\u00fcndnis zwischen dem rechten Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung und dem preu\u00dfischen Milit\u00e4radel fort, sichert mit der Erhaltung des kaiserlichen Offizierskorps die Fortf\u00fchrung des junkerlich-preu\u00dfischen Heeres und stellt den eigentlichen <i>Gr\u00fcndungsakt der Republik<\/i> dar, in dessen Gefolge alle weiteren Schritte der Restauration erfolgen, bis hin zur blutigen Niederschlagung des Arbeiterwiderstands, der sich gegen die Wiederherstellung der alten Ordnung formiert.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Der 9.\/10.\u00a0November konzentriert so wie in einem Brennglas das Schicksal der Revolution und die politischen Konzepte der agierenden Kr\u00e4fte: die \u00dcbernahme einer monarchischen Regierung durch die SPD, die Friktion durch die Ausrufung einer Republik, die Umstellung auf die Bildung einer Revolutionsregierung, die Isoliertheit der Spartakusgruppe, schlie\u00dflich der Abschluss des Ebert-Groener-Pakts als Besiegelung der sozialdemokratischen Politik. Wenn man das Geheimnis der Novemberrevolution entr\u00e4tseln will, muss man diese beiden Tage durchleuchten. Doch anstatt das zu tun, negiert Bollinger die relevanten Fakten, teilt uns im Plauderton die \u201epflichtschuldige\u201c Ausrufung der Republik durch Scheidemann mit und unterstellt der mit allen politischen Wassern gewaschenen SPD-F\u00fchrung eine Blau\u00e4ugigkeit, die nur zum Staunen ist.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Was f\u00fcr eine Revolution?<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">\u00dcber den Ereignisablauf hinaus stellt sich die Frage nach der grunds\u00e4tzlichen Einordnung von Novemberrevolution und Republik. Zur Novemberrevolution bemerkt Bollinger unter Berufung auf einen SED-Beschluss von 1958, dass diese \u201eeine unvollendete b\u00fcrgerliche Revolution\u201c war.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> Auch wenn vielfach sozialistische Parolen zu h\u00f6ren waren, trug sie in der Tat keinen sozialistischen Charakter, denn ein \u201eernster Wille, sozialistische Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, zeigte sich bei den revolution\u00e4ren Massen eigentlich nirgends. Solche Absichten w\u00e4ren schon durch die Haltung der Soldaten vereitelt worden, deren Mehrheit nicht sozialistisch war, entsprechend der Zusammensetzung des deutschen Volkes.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\">Weit \u00fcberwiegend verfocht die Revolutionsbewegung <i>demokratische<\/i> Ziele. Ihr \u201eProgramm war die Abschaffung des Obrigkeitsstaats und eine tiefgreifende demokratische Umgestaltung der politischen, sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> Das hei\u00dft, die spontane Bewegung stellte sich die Aufgabe, die historisch auf der Tagesordnung stand, n\u00e4mlich die Durchsetzung der 1848\/49 gescheiterten b\u00fcrgerlichen Revolution \u2013 nicht weniger, aber auch nicht mehr.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Insoweit ist die von Bollinger zitierte Beurteilung durch die SED, dass die Novemberrevolution objektiv eine b\u00fcrgerliche, eine <i>demokratische<\/i> Revolution war, zutreffend.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Die Republik \u2013 ein Kind der Konterrevolution<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Was bedeutet das jedoch f\u00fcr den Charakter der Republik? Auf den ersten Blick scheint der neue Staat ein Kind des Novemberumsturzes zu sein, woran Bollinger keinerlei Zweifel hat. Er h\u00e4lt es f\u00fcr erwiesen, dass \u201e1918\/19 die \u2013 allerdings inkonsequente \u2013 Umsetzung einer b\u00fcrgerlich-demokratischen Umw\u00e4lzung gelang\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> Trotz der von ihm zugegebenen M\u00e4ngel des neuen Staats versichert er uns, dass die Republik \u201eein gutes, ein gro\u00dfes St\u00fcck Demokratie\u201c repr\u00e4sentierte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a><\/p>\r\n<p class=\"western\">Doch wie soll das geschehen sein? Unter einer Revolution ist gemeinhin eine tiefgreifende Umw\u00e4lzung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zu verstehen, wie jedes beliebige Lexikon schreibt. Die Revolutionsbewegung zielte auf einen solchen radikalen Wandel mit dem Ziel der Errichtung eines von Grund auf neuen, demokratischen Staats. Aber nichts davon ist Wirklichkeit geworden. Die SPD-F\u00fchrung verhinderte auf allen Feldern die von der Novemberrevolution angestrebte Demokratisierung, so dass im Endeffekt \u201eder ganze Herrschafts- und Geistesapparat des Kaiserreiches erhalten (blieb): Verwaltung, Justiz, Universit\u00e4t, Kirchen, Wirtschaft, Generalit\u00e4t\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Gegen\u00fcber dieser von einem liberal-konservativen Historiker getroffenen Feststellung klingt es wie ein schlechter Witz, wenn der linke Historiker Bollinger behauptet, die SPD \u201esteht f\u00fcr eine b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a> Die SPD \u201esteht\u201c f\u00fcr das genaue Gegenteil davon, n\u00e4mlich eine <i>Konterrevolution<\/i>.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Klassenpolitisch im B\u00fcndnis mit dem junkerlichen Milit\u00e4radel und der Schwerindustrie sorgte sie daf\u00fcr, dass die von der Revolutionsbewegung im ersten Anlauf niedergerungene alte Ordnung wieder hergestellt wurde. Wenn man die Revolutionstheorie ernst nimmt, muss man feststellen, dass die Republik von Weimar <i>nicht das Ergebnis einer Revolution war, sondern einer Konterrevolution<\/i>. Der neue Staat war eine Fortsetzung des preu\u00dfisch-deutschen Obrigkeitsstaats der Vorkriegszeit, versehen lediglich mit einem parlamentarischen \u00dcberbau.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Fazit<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\">Zu guter Letzt benennt Bollinger als entscheidende Lehre der Novemberrevolution die fehlende Einheit der Linken: \u201eMehrheitssozialdemokraten, Unabh\u00e4ngige Sozialdemokraten, Spartakisten\/Kommunisten, Bremer Linke, revolution\u00e4re Obleute, diverse anarchistische und anarchosyndikalistische Gruppen\u201c \u2013 sie verstanden es nicht, \u201eals geeinte Linke zu agieren.\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a> Auf welchem politischen Boden die Einheit hergestellt werden sollte, verr\u00e4t er nicht. Zwecks Wiederherstellung der alten Ordnung? Zwecks Durchsetzung einer revolution\u00e4ren Demokratie? Zwecks Errichtung einer Diktatur des Proletariats? Die Vers\u00f6hnungspredigt ist so inhaltsleer wie das ganze Werk, sie ist au\u00dferdem eine Verh\u00f6hnung der Tausenden von Revolution\u00e4ren, die auf Befehl einer konterrevolution\u00e4ren SPD-F\u00fchrung ermordet wurden und jetzt nachtr\u00e4glich zur Einigkeit mit eben dieser Sozialdemokratie aufgefordert werden.<\/p>\r\n<p class=\"western\">Zu Beginn hat der Autor die Absicht bekundet, \u201edie zentralen Fragen der damaligen Zeit zu verstehen\u201c. Herausgekommen ist nicht einmal der Ansatz einer Erkl\u00e4rung, um die Niederlage der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung und die Totgeburt der Weimarer Demokratie zu verstehen. Stattdessen werden wir mit der Lekt\u00fcre eines Werks gestraft, das g\u00f6nnerhaft mit den historischen Fakten umgeht, den heutigen Stand der Forschung negiert und nicht einen eigenen Gedanken enth\u00e4lt. Wer an einer sozialdemokratischen M\u00e4rchenstunde Gefallen findet, ist mit dem Kauf gut bedient. Allen anderen ist davon abzuraten.<\/p>\r\n<p class=\"western\"><br \/><br \/><\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Literatur<\/b><\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Baden<\/b>, Prinz Max von: Erinnerungen und Dokumente. DVA: Stuttgart-Berlin-Leipzig 1928<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Bollinger<\/b>, Stefan: November\u00a0\u201818. Als die Revolution nach Deutschland kam. Eulenspiegel Verlagsgruppe: Berlin 2018<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Karuscheit<\/b>, Heiner; <b>Sauer<\/b>, Bernhard; <b>Wernecke<\/b>, Klaus: Vom \u201eKriegssozialismus\u201c zur Novemberrevolution. VSA: Hamburg 2018<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Kolb<\/b>, Eberhard; <b>Schumann<\/b>, Dirk: Die Weimarer Republik. Oldenbourg Grundriss der Geschichte Band 16: M\u00fcnchen 2013<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Mann<\/b>, Golo: Deutsche Geschichte des 19.\u00a0und 20.\u00a0Jahrhunderts, S.Fischer: Frankfurt\/M 1958<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Rosenberg<\/b>, Arthur: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik (Teil 1 und 2 in einem Band). EVA: Frankfurt\/M 1983<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>R\u00fcrup<\/b>, Rainhard: Probleme der Revolution in Deutschland 1918\/19. Franz Steiner Verlag: Wiesbaden1968<\/p>\r\n<p class=\"western\"><b>Scheidemann<\/b>, Philipp: Memoiren eines Sozialdemokraten, 2 B\u00e4nde in einer Volksausgabe. Reissner-Verlag: Dresden 1930<\/p>\r\n<div id=\"sdfootnote1\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a09<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote2\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup>\u0002<\/sup> Z\u00a0115, S.\u00a021<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote3\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a0141<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote4\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup>\u0002<\/sup> H.Karuscheit: Die SPD und der \u201eJunkerstaat\u201c, in: Karuscheit\/Sauer\/Wernecke 2018; ders: F\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland und die Macht. Die Politik der SPD in Krieg und Novemberrevolution; in: Berliner Debatte Initial 3\/2018, S.105ff<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote5\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup>\u0002<\/sup> Kolb\/ Schumann, S.\u00a011. Das Werk der beiden Autoren gibt eine konzentrierte Darstellung der entscheidenden Stationen in der Entwicklung der Weimarer Republik; indem es dar\u00fcber hinaus die Grundprobleme und Tendenzen der Forschung nachzeichnet, setzt es seine Leser\/-innen in den Leser in den Stand, sich ein eigenes Urteil \u00fcber den Gegenstand zu bilden.<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote6\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup>\u0002<\/sup> Baden, S.\u00a0599, 613f<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote7\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a034<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote8\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup>\u0002<\/sup> Baden, S.\u00a0635\u00a0ff<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote9\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a07<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote10\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup>\u0002<\/sup> Scheidemann 2, S.\u00a0309ff<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote11\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup>\u0002<\/sup> ebda, S.\u00a0313<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote12\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup>\u0002<\/sup> Aufgrund seines R\u00fcckhalts in Teilen der Partei gelingt es Scheidemann noch, vor\u00fcbergehend zum Reichsministerpr\u00e4sidenten ernannt zu werden; bald darauf wird er aber auf den Posten als Oberb\u00fcrgermeister von Kassel abgeschoben, von wo aus er nach Kr\u00e4ften gegen die Berliner Parteif\u00fchrung intrigiert.<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote13\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a0140; MSPD = Mehrheits-SPD, zeitweise so genannt, um sie von der \u201eUnabh\u00e4ngigen\u201c SPD = USPD abzuheben, die zahlenm\u00e4\u00dfig etwas schw\u00e4cher war.<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote14\">\r\n<p class=\"western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup><span style=\"font-size: small;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: small;\"> In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat die Revolutionsforschung begonnen, die R\u00e4tebewegung auf breiter Quellenbasis zu untersuchen. Als Ergebnis hat sie festgestellt: a) dass diese Bewegung wesentlich demokratische Ziele verfocht und die von der SPD behauptete bolschewistische Unterwanderung nicht ansatzweise zutraf; sowie b) dass die sozialdemokratische Parteif\u00fchrung die von den R\u00e4ten angestrebte durchgreifende Reform der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung von Anfang an systematisch hintertrieb. (Kolb\/ Schumann, S.\u00a0170ff)<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote15\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a061<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote16\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup>\u0002<\/sup> Rosenberg\u00a01, S.\u00a0239<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote17\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><sup>\u0002<\/sup> R\u00fcrup, S.\u00a050; s.a. Kolb\/ Schumann, S.\u00a0171<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote18\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><sup>\u0002<\/sup> F\u00fcr eine solche Revolution besa\u00df die Spartakusgruppe unter Liebknecht und Luxemburg kein Konzept. Sie verfolgte mit der Errichtung der Diktatur des Proletariats als n\u00e4chstem Ziel eine Sozialismusstrategie, die in der Revolutionsbewegung nicht mehrheitsf\u00e4hig war.<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote19\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a081<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote20\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup>\u0002<\/sup> Z 115, S.\u00a021<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote21\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup>\u0002<\/sup> Mann, S.\u00a0670<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote22\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup>\u0002<\/sup> Bollinger, S.\u00a0148<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"sdfootnote23\">\r\n<p><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup>\u0002<\/sup> Z 115, S.\u00a012<\/span><\/p>\r\n<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Bollingers Darstellung der Novemberrevolution (Der Beitrag ist in einer gek\u00fcrzten Fassung als Rezension unter dem Titel \u201eBollingers Darstellung der Novemberrevolution \u2013 eine Kritik\u201c zuerst erschienen in den Marxistischen Bl\u00e4ttern 1-2019) von Heiner Karuscheit Dr.\u00a0Bollinger, Mitglied der Historikerkommission beim Parteivorstand der Linkspartei, hat nach Ver\u00f6ffentlichungen u.a. zum Ersten Weltkrieg und zur Oktoberrevolution ein 2018 erschienenes &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1611\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine sozialdemokratische M\u00e4rchenstunde<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1611","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1611"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1623,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1611\/revisions\/1623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}