{"id":1552,"date":"2018-11-27T16:00:03","date_gmt":"2018-11-27T15:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1552"},"modified":"2018-11-27T16:00:07","modified_gmt":"2018-11-27T15:00:07","slug":"fuer-preussen-deutschland-und-die-macht-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1552","title":{"rendered":"F\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland und die Macht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><b>Die Politik der SPD in Krieg und Novemberrevolution<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><em>Von Heiner Karuscheit<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 12pt;\"><i>Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in: Berliner Debatte Initial 29 (2018) Nr. 3<\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vorbemerkung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Republik von Weimar \u00fcberlebte nicht l\u00e4nger als vierzehn Jahre. Unter der Verantwortung der SPD gegr\u00fcndet und zu keinem Zeitpunkt stabil, stellte sich von Anfang an die Frage, inwieweit ihre krisengesch\u00fcttelte, kurze Existenz mit der sozialdemokratischen Politik in der Novemberrevolution zusammen hing.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Darauf geben zwei verschiedene Erkl\u00e4rungen Antwort. Nach der ersten Variante war die SPD den Umgang mit der Macht nicht gewohnt, so dass ihr Fehler und Vers\u00e4umnisse unterliefen, die die neue Demokratie schw\u00e4chten; diese Deutung beherrscht die heutige Geschichtsschreibung. In der anderen Variante begegnet uns die Novemberrevolution als Geschichte eines von der SPD begangenen Dauerverrats; diese Auffassung entsprach seinerzeit den Empfindungen der USPD- und KPD-Anh\u00e4nger und hat in der Bundesrepublik u.a. mit Sebastian Haffner einen wortgewandten Verfechter gefunden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beide Deutungen sind wenig befriedigend. Kann man den Ausgang eines Jahrhundertereignisses wie der Novemberrevolution mit sozialdemokratischer Naivit\u00e4t erfassen? H\u00e4tte das Vorgehen der SPD-F\u00fchrung dann nicht widerspr\u00fcchlicher sein m\u00fcssen, anstatt sich von Anfang bis Ende gegen die Ergebnisse der Revolution zu richten? An diesem Punkt setzt die Verrats-These an, indem sie die fortlaufenden<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201eFehlentscheidungen\u201c der sozialdemokratischen Parteif\u00fchrung als bewussten Verrat an der Revolution und der eigenen Vergangenheit interpretiert. Nur \u2013 was ist mit diesem Begriff gewonnen? Der SPD eine Judasrolle zuzuweisen, vermag vielleicht moralisch zu befriedigen, ist aber analytisch nicht \u00fcberzeugender als die \u00dcberforderungsthese.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dem entgegen arbeitet der vorliegende Beitrag heraus, dass die sozialdemokratische Parteif\u00fchrung in Krieg und Revolution einem politischen Konzept folgte, das sich in der Vorkriegszeit unter ihrem Vorsitzenden August Bebel herausgebildet hatte. Basierend auf der regelm\u00e4\u00dfig als \u201eHineinwachsen\u201c in den Staat beschriebenen, zunehmenden Identifizierung der Sozialdemokratie mit Preu\u00dfen-Deutschland zielte es nicht auf die Beseitigung des Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaats, sondern auf seine \u00dcbernahme unter sozialdemokratischer F\u00fchrung. Diese Konzeption existierte nicht als schriftlich ausgearbeitete Strategie, sie muss aus Parteitags- und Reichstagsreden, aus theoretischen Debatten sowie aus der praktischen Politik rekonstruiert werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der so gewonnenen Deutung betritt der Autor Neuland, aber wenn man nicht auf psychologische Kategorien wie Machtscheu, \u00dcberforderung oder Verrat zur\u00fcckgreifen will, sondern eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>politische <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erkl\u00e4rung bevorzugt, l\u00e4sst sich nach seiner \u00dcberzeugung nur so nachvollziehen, wieso am Ausgang des Kriegs unter der Regie der SPD eine Republik entstand, hinter deren Fassade die alte Ordnung fortexistierte und die letztlich zum Scheitern verurteilt war.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1. Die \u201eVerpreu\u00dfung\u201c der SPD<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Dauer des Kaiserreichs wurden \u201edie sozialistischen Arbeiter mehr und mehr vom Gedanken der nationalen Einheit, vom Bezug auf Vaterland und Patriotismus erfasst\u201c (Herbert 2017:\u00a057). Der Staat, in den die Sozialdemokratie langsam aber sicher hinein wuchs, war jedoch keine parlamentarisch verfasste Demokratie wie Gro\u00dfbritannien oder Frankreich, sondern ein vorb\u00fcrgerlicher, von Preu\u00dfen beherrschter Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Entgegen der \u00dcberzeugung der Sozialdemokratie war die 1848\/49 steckengebliebene b\u00fcrgerliche Revolution durch die Reichseinigung 1866-1870 nicht vollendet worden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> 1870 war lediglich ein deutscher Nationalstaat entstanden und damit der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nationale <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Teil der in Deutschland zweigeteilten Aufgabe der Revolution erledigt worden. Der andere Teil, die Durchsetzung der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Demokratie<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, stand nach wie vor aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bismarck hatte das Kunstst\u00fcck fertig gebracht, die L\u00f6sung der nationalen Frage als Hebel zu benutzen, um die Liberalen zu spalten, den rechten Fl\u00fcgel der Bourgeoisie auf seine Seite zu ziehen und durch die Siege der preu\u00dfischen Armee in den Einigungskriegen die Herrschaft Preu\u00dfens sowohl zu sichern als auch auf ganz Deutschland auszudehnen, mit der Bourgeoisie als Juniorpartner der Junkerklasse an der Macht. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Anpassung an die monarchisch-autorit\u00e4re Ordnung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf Basis der \u201egro\u00dfpreu\u00dfisch-militaristischen Reichsgr\u00fcndung\u201c (Bartel; Engelberg 1971) verfl\u00fcchtigte sich die nach der 48er Revolution verbreitete Preu\u00dfenfeindschaft des Kleinb\u00fcrgertums und liberalen B\u00fcrgertums langsam und wurde die deutsche Gesellschaft mit den Ordnungsmustern des preu\u00dfischen Obrigkeitsstaats und dem Geist des Militarismus impr\u00e4gniert. Heinrich Manns Gesellschaftsroman \u201eDer Untertan\u201c verewigte das wilhelminische Deutschland literarisch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Formierungsprozess der Gesellschaft machte vor der Arbeiterbewegung nicht halt. \u201eDie nationalliberal-preu\u00dfische Umformung des deutschen Liberalismus fand ihre Parallele in einer &gt;Borussifizierung&lt; auch der urspr\u00fcnglich antipreu\u00dfischen Teile der Sozialdemokratie\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> Auch in Frankreich und Gro\u00dfbritannien n\u00e4herten sich die sozialistischen Parteien dem Staat an und unterlagen einem allm\u00e4hlichen Prozess der Nationalisierung. Aber der dortige Staat war ein b\u00fcrgerlicher Staat, und \u201eihr Patriotismus, ihr nationales Bewusstsein, war orientiert an den Traditionen der erfolgreichen demokratischen Revolutionen in ihren L\u00e4ndern\u201c (Grebing 1970:\u00a0140f). In Preu\u00dfen-Deutschland fehlte diese Tradition, hier konnte die Anpassung an den Staat nicht in b\u00fcrgerlich-demokratischem Sinn stattfinden, sondern erfolgte im Sinn der monarchisch-autorit\u00e4ren Ordnung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu diesem Prozess trug nicht zuletzt die Sozialpolitik bei, die der preu\u00dfisch-deutsche Staat in h\u00f6herem Ma\u00dfe gestalten konnte als die vom Kapital dominierten westeurop\u00e4ischen Staaten (Kaufmann 2003). Durch die Einf\u00fchrung sozialer Sicherungssysteme f\u00fcr Krankheit, Invalidit\u00e4t und Alter in \u00f6ffentlich-rechtlicher, d.h. halbstaatlicher Form hatte sich Bismarck fr\u00fchzeitig daran gemacht, die Arbeiter an den Beamtenstaat heranzuf\u00fchren. Solange das Sozialistengesetz in Kraft war, hielt sich der Erfolg in Grenzen. Doch nach Bismarcks Abdankung und dem Auslaufen des Sozialistengesetzes \u00e4nderte sich das. Insgesamt \u201ehat die Sozialversicherung einen ganz entscheidenden Anteil daran gehabt, die systemkritische Distanz der organisierten Arbeiterschaft aufzuweichen und ihre Staatsloyalit\u00e4t zu gewinnen.\u201c (Wehler 1995: 915)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Jahr 1910 waren von ca. 720.000 Parteimitgliedern fast 100.000 in Verwaltungs- und Vertretungsk\u00f6rperschaften der Arbeiterversicherung, der kommunalen Arbeitsnachweise und der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte vertreten, hinzu kamen 11.000 Gemeindevertreter (Grebing 1970:\u00a0104, 106). Diese Sozialdemokraten waren die Haupttr\u00e4ger der fortschreitenden \u201eVerpreu\u00dfung\u201c<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der SPD, des Hineinwachsens in den Obrigkeitsstaat. Sie bildeten zusammen mit der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie die soziale Kernbasis f\u00fcr die allm\u00e4hliche Umformung der Sozialdemokratie zu einer preu\u00dfisch-sozialpatriotischen Arbeiterpartei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das Erfurter Programm<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Erfurter Parteiprogramm von 1891 war nicht geeignet, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Sein allgemeiner Teil enthielt eine polit\u00f6konomisch gelungene Zusammenfassung der allgemeinen Tendenz der kapitalistischen Produktionsweise, doch politisch war es von erschreckender Inhaltsleere.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es traf weder eine Aussage zur Reichsgr\u00fcndung noch zur historischen Entwicklung der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland, enthielt keine Analyse der Klassen- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse im Kaiserreich und schwieg sich \u00fcber die Machtverteilung zwischen Junkertum und Bourgeoisie aus. Am Schluss gab es eine Ansammlung einzelner politischer und Arbeiterschutzforderungen, aber die Forderung nach Durchsetzung der Parlamentsherrschaft in Deutschland suchte man vergebens.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom Boden dieses gesellschaftspolitisch nichtssagenden Programms aus f\u00fchrte kein Weg zur Macht, und dem entsprach die Strategie der Partei. Sie bestand im Warten auf den polit\u00f6konomisch vorhergesagten Zusammenbruch der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, in dessen Gefolge irgendwie der Sozialismus siegen w\u00fcrde (Groh 1974). Insbesondere der Parteivorsitzende Bebel verk\u00fcndete regelm\u00e4\u00dfig den bevorstehenden \u201eKladderadatsch\u201c der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und pries den daraus hervorgehenden sozialistischen Zukunftsstaat. Hinter derlei substanzlosen Prophezeiungen vollzog sich umso ger\u00e4uschloser die allm\u00e4hliche Anpassung der Arbeiterbewegung an den real existierenden Staat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Richtige Fragen<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Meilenstein auf diesem Weg war die Auseinandersetzung mit dem Revisionismus. Ein Jahr nach Engels&#8216; Tod begann Eduard Bernstein, ein f\u00fchrender Sozialdemokrat und Weggef\u00e4hrte von Engels aus Londoner Zeiten, mit der Publikation von Artikeln, die die bisherige Ausrichtung der Arbeiterpartei grundlegend in Frage stellten und 1898 als eigenst\u00e4ndige Schrift unter dem Titel \u201eDie Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben des Sozialismus\u201c ver\u00f6ffentlicht wurden. Neben einer Grundsatzkritik an Teilen der Marxschen Theorie, die uns hier nicht interessiert, enthielt sie vor allem die Forderung nach einer neuen politischen Strategie.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bernsteins Ausgangspunkt war die Zur\u00fcckweisung der Politik des Wartens auf den Zusammenbruch der Gesellschaft. Er forderte als entscheidende politische Aufgabe, den Kampf um Reformen zu f\u00fchren, um das Staatswesen im Sinne der Demokratie umzugestalten. Die SPD m\u00fcsse \u201esich r\u00fcckhaltlos, auch in der Doktrin, auf den Boden des allgemeinen Wahlrechts, der Demokratie\u201c stellen, \u201emit allen sich daraus f\u00fcr ihre Taktik ergebenden Konsequenzen.\u201c (Bernstein 1969:\u00a0156). Im Zentrum der von ihm propagierten Aufgabenstellung sah er die Durchsetzung der parlamentarischen Herrschaft durch den Reichstag sowie die Abschaffung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts. Wegen dessen Bedeutung f\u00fcr die fortdauernde Vorherrschaft des Junkertums geh\u00f6rte er mit Liebknecht und Luxemburg zu den entschiedensten Bef\u00fcrwortern des politischen Massenstreiks, um eine Wahlrechtsreform in Preu\u00dfen zu erzwingen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein wesentlicher Bestandteil seiner Argumentation war der Nachweis, dass die Massen der kleinen Warenproduzenten in Stadt und Land entgegen der Voraussagen des Erfurter Programms bisher nicht im Verschwinden begriffen waren und das industrielle Proletariat auf absehbare Zeit in der Minderheit bleiben w\u00fcrde. Vor diesem Hintergrund fragte er, wie \u201edie ausschlie\u00dfliche Besitzergreifung und Benutzung der Staatsmacht durch das Proletariat gegen die ganze nichtproletarische Welt\u201c m\u00f6glich sein sollte? (ebda:\u00a010) Mit dem Argument, \u201edass sich wichtige Epochen in der Entwicklung der V\u00f6lker nicht \u00fcberspringen lassen\u201c (ebda:\u00a011), legitimierte er den ihm immer wieder vorgehaltenen Satz \u201eDie Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts\u201c, in dem sich zusammenfasste, warum er den Kampf um Demokratie f\u00fcr wichtiger hielt als die Propagierung des sozialistischen Zukunftsstaats.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit seiner Schrift warf Bernstein zentrale Fragen der sozialdemokratischen Programmatik auf. Die erste Frage war, wie man auf direktem Weg zum Sozialismus gelangen wollte, wenn nicht einmal die Demokratie verwirklicht war? Die zweite Frage war die nach der Rolle des Kleinb\u00fcrgertums. Marx hatte Ende 1846 in einem Brief an Annenkow darauf hingewiesen, dass \u201edas Kleinb\u00fcrgertum ein integrierender Bestandteil aller sich vorbereitenden sozialen Revolutionen sein wird.\u201c (MEW 4:\u00a0557; s.a. MEW 18:\u00a0633) Wenn man diese Feststellung ernst nahm \u2013 was folgte daraus f\u00fcr das Revolutionskonzept?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Antworten, die Bernstein selber gab, waren f\u00fcr eine revolution\u00e4re Arbeiterpartei untauglich. In seinen \u00dcberlegungen wurde die Demokratie zum Selbstzweck statt zu einer Etappe auf dem Weg zum Sozialismus, und es ging unter, dass die Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution nur m\u00f6glich war, wenn das Proletariat im B\u00fcndnis mit dem Kleinb\u00fcrgertum die F\u00fchrung \u00fcbernahm. Au\u00dferdem propagierte er die demokratische Umgestaltung der Gesellschaft durch friedliche Reformen und negierte, dass das junkerlich-schwerindustrielle Herrschaftskartell sich mit allen Mitteln gegen seine Entmachtung zur Wehr setzen w\u00fcrde. Nichtsdestotrotz h\u00e4tte seine Kritik den Ansto\u00df f\u00fcr eine weitergehende Auseinandersetzung geben k\u00f6nnen, doch die anschlie\u00dfende Debatte ging am Wesen der aufgeworfenen Fragen vorbei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Niederlage des b\u00fcrgerlichen Arbeiterreformismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Luxemburg begr\u00fcndete in ihrer Schrift von 1899 \u201eSozialreform oder Revolution?\u201c ausf\u00fchrlich, wieso der Sozialismus nicht auf friedlichem Weg erreichbar sei. Zum Verh\u00e4ltnis von Demokratie und Sozialismus schrieb sie, dass die Mauer zwischen kapitalistischer und sozialistischer Gesellschaft durch demokratische Reformen \u201enicht durchl\u00f6chert, sondern umgekehrt fester, starrer gemacht\u201c w\u00fcrde; erst \u201eder Hammerschlag der Revolution\u201c w\u00fcrde mit dem Sozialismus die Demokratie erm\u00f6glichen (Luxemburg:\u00a0 400). Damit war jeder Gedanke an eine demokratische Revolution unter F\u00fchrung des Proletariats als Etappenschritt zum Sozialismus verfemt; dazu geh\u00f6rte, dass die Autorin die Frage des Kleinb\u00fcrgertums und der B\u00fcndnispolitik gar nicht erst aufwarf. Ihre Antwort auf Bernstein bestand in der Forderung nach einer proletarisch-sozialistischen Alleinrevolution nicht nur gegen die herrschenden M\u00e4chte, sondern auch ohne und gegen die nichtproletarischen Massen des Kleinb\u00fcrgertums. Das war die Politik, die die Spartakusgruppe in der Novemberrevolution betrieb.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr das Parteizentrum um Bebel verfasste Kautsky 1899 mit \u201eBernstein und das Sozialdemokratische Programm\u201c eine langatmige Grundsatzkritik, die einige richtige Kritikpunkte enthielt, jedoch nichts zum Verh\u00e4ltnis von demokratischem zum sozialistischen Kampf und zur Frage des Kleinb\u00fcrgertums sagte. Der Dresdener Parteitag von 1903 verurteilte schlie\u00dflich den Revisionismus auf Antrag Bebels mit nur wenigen Gegenstimmen, und damit war die Auseinandersetzung beendet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">H\u00e4tten Bernsteins Ideen sich durchgesetzt, w\u00e4re die SPD zu einer b\u00fcrgerlich-reformistischen Arbeiterpartei geworden. Jedoch verf\u00fcgte Bernstein nur im S\u00fcden Deutschlands, wo die Monarchien b\u00fcrgerlichen Zuschnitts waren, \u00fcber eine nennenswerte Gefolgschaft. Im Kaiserreich insgesamt, vor allem im ausschlaggebenden Preu\u00dfen, blieb der b\u00fcrgerliche Arbeiterreformismus auf eine Minderheit beschr\u00e4nkt. Auch sp\u00e4ter gewann Bernstein keinen gr\u00f6\u00dferen Anhang. 1914 stimmte er zun\u00e4chst den Kriegskrediten zu, zweifelte den Verteidigungscharakter des Kriegs jedoch bald an und lehnte seit 1915 weitere Kriegskredite ab. Er geh\u00f6rte zu den Wenigen, die den Krieg nicht nur verurteilten, sondern auch speziell den ma\u00dfgeblichen Einfluss des Junkertums auf den Staat und die Kriegspolitik anprangerten. Seit April 1917 Mitglied in der USPD, kehrte er 1919 zur SPD zur\u00fcck und setzte sich dort u.a. daf\u00fcr ein, die Verantwortung Deutschlands f\u00fcr den Ausbruch des Kriegs anzuerkennen. Deshalb als Nestbeschmutzer angefeindet, blieb er in seiner Partei bis zu seinem Tod 1932 ein Au\u00dfenseiter.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bebel f\u00fcr die \u00dcbernahme des \u201eJunkerstaats\u201c<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zunehmende Integration der Arbeiterpartei in die Milit\u00e4rmonarchie wurde insbesondere durch den Parteivorsitzenden August Bebel verk\u00f6rpert. Er formulierte auch die Schlussfolgerungen, die sich daraus f\u00fcr die Staatsfrage ergaben. Gegen die s\u00fcddeutschen Reformisten gerichtet, f\u00fchrte er auf dem Magdeburger Parteitag der SPD 1910 aus: \u201eEs gibt keinen zweiten, dem preu\u00dfischen \u00e4hnlichen Staat, aber wenn wir einmal diesen Staat in der Gewalt haben, haben wir alles. &#8230; im S\u00fcden versteht man nicht diesen Junkerstaat in seiner ganzen Sch\u00f6nheit.\u201c (Parteitagsprotokoll 1910:\u00a0250) Im gleichen Atemzug wies er darauf hin, dass er \u00e4hnliche Aussagen schon mehrfach get\u00e4tigt habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Betonung der Einzigartigkeit des preu\u00dfischen Junkerstaats verweist darauf, dass dieser Staat, anders als der b\u00fcrgerliche Staat in Frankreich oder Gro\u00dfbritannien, nicht von der Bourgeoisie beherrscht war und der industriellen Arbeiterschaft deshalb in h\u00f6herem Ma\u00dfe entgegen kommen konnte, wie das die Sozialversicherungen unter Beweis stellten. Davon abgesehen verfocht Bebel mit diesen Worten eine Position zur Staatsfrage, die kontr\u00e4r zum revolution\u00e4ren Sozialismus stand.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Karl Marx hatte aus den Erfahrungen der Pariser Kommune von 1870\/71 die Schlussfolgerung gezogen, dass die Arbeiterklasse die vorhandene Staatsmaschinerie nach einem Sieg nicht einfach \u00fcbernehmen k\u00f6nne, sondern sie zerschlagen und<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">eine neue aufbauen m\u00fcsse.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Engels hatte diese Position in seiner Kritik des Erfurter Programms bekr\u00e4ftigt, indem er die sich ausbreitende Vorstellung vom friedlichen Hineinwachsen der Gesellschaft in den Sozialismus mit der Frage konterte, ob diese damit nicht \u201eebenso notwendig aus ihrer alten Gesellschaftsverfassung hinauswachse und diese alte H\u00fclle ebenso gewaltsam sprengen m\u00fcsse wie der Krebs die seine\u201c.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bebel vertrat einen anderen Standpunkt. Ihm ging es nicht um die Ersetzung des obrigkeitlichen Junkerstaats durch einen neuen, demokratischen Staat, sondern darum, ihn als scheinbar neutrale Instanz unter sozialdemokratischer Regie fortzuf\u00fchren, denn dann \u201ehaben wir alles\u201c, wie er diese Position auf den Punkt brachte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2. Milit\u00e4rfrage und Vaterlandsverteidigung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Stellung zum Milit\u00e4r erg\u00e4nzte und vertiefte die Stellung zur Staatsfrage. Auf der einen Seite kritisierte Bebel den Militarismus, wandte sich gegen sinnlosen Drill und Rekrutenschinderei, \u00dcbergriffe und Misshandlungen in den Kasernen und forderte die Verk\u00fcrzung der dreij\u00e4hrigen Milit\u00e4rdienstzeit. Auf der anderen Seite richtete sich seine Kritik nicht gegen das preu\u00dfisch-deutsche Milit\u00e4r als solches, sondern zielte darauf, das Heerwesen durch konstruktive Reformvorschl\u00e4ge zweckm\u00e4\u00dfiger zu gestalten. \u201eBei den Beratungen des Milit\u00e4retats im Reichstag \u00fcbte er regelm\u00e4\u00dfig zun\u00e4chst eine Generalkritik, um dann praktische Verbesserungsvorschl\u00e4ge zu unterbreiten.\u201c (Wette 2008:\u00a068)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Haltung hatte einen konkreten politischen Hintergrund. Bebel hielt zeit seines Lebens daran fest, dass Deutschland mit einem russischen Angriff rechnen und sich deshalb auf einen Verteidigungskrieg vorbereiten m\u00fcsse. Darum wandte er sich gegen den Paraden- und Dekorationsmilitarismus und trat stattdessen f\u00fcr den Ausbau \u201eeines zeitgem\u00e4\u00dfen, modernen und kriegstauglichen Milit\u00e4rwesens\u201c ein (ebda). Die proletarischen Soldaten sollten nicht als Kanonenfutter verheizt werden, sondern eine m\u00f6glichst kriegstaugliche praktische Ausbildung erhalten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der gern zitierte Satz des alten Liebknecht \u201eDiesem System keinen Mann und keinen Groschen\u201c schien eine grunds\u00e4tzliche Gegnerschaft gegen den Milit\u00e4rstaat zu dokumentieren. In Teilen der Arbeiterbewegung war diese Gegnerschaft auch vorhanden, doch insgesamt verdeckten die wohlklingenden Worte die Tatsache, \u201edass die SPD in der parlamentarischen Praxis ganz andere Wege ging und sich immer mehr an den bestehenden Staat ann\u00e4herte.\u201c (ebda: 67)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Publizist Max Beer geh\u00f6rte nach dem Krieg zu den Wenigen, welche die im August 1914 beschlossene Kriegspolitik der SPD nicht als pl\u00f6tzliches \u201eUmfallen\u201c einstuften bzw. als einen \u201eVerrat\u201c, der unter Bebel nicht passiert w\u00e4re. Er wies in seiner Schrift \u201eKrieg und Internationale\u201c darauf hin, dass der sozialdemokratische Parteivorsitzende ein Vorreiter des Milit\u00e4rpatriotismus gewesen war und bei seinen \u00f6ffentlichen Auftritten kaum eine Gelegenheit auslie\u00df, um \u201edie patriotisch-milit\u00e4rischen Akkorde temperamentvoll und feurig\u201c anzuschlagen. \u201eVom Jahre 1880 bis zu seinem Hinscheiden im Herbst 1913 setzte er diese patriotisch-milit\u00e4rische Erziehungsarbeit ohne Zaudern und ohne Schwanken fort.\u201c (Beer 1924:\u00a052\u00a0f) Als Parteivorsitzender war Bebel eine, wenn nicht <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> treibende Kraft bei der Durchsetzung preu\u00dfisch-deutscher, sozialpatriotischer Auffassungen in der SPD.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Rechtsruck 1907<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als die SPD bei der Reichstagswahl 1907 eine Niederlage erlitt, war die Folge ein neuerlicher Ann\u00e4herungsschub an den Milit\u00e4rstaat. Nach der vorzeitigen Aufl\u00f6sung des Reichstags Ende 1906 hatten die anderen Parteien ihren Wahlkampf unter den Parolen eines aggressiven Nationalismus gegen SPD und Zentrum gef\u00fchrt. Zwar ver\u00e4nderte sich die absolute Stimmenzahl f\u00fcr die SPD kaum, aber durch die Wahlkreisabsprachen der anderen Parteien schrumpften ihre Reichstagsmandate von 81 auf 43 zusammen. Die Parteif\u00fchrung reagierte darauf mit einer Wendung nach rechts. Bei den Beratungen des neuen Reichstags \u00fcber den R\u00fcstungsetat wies Bebel den im Wahlkampf erhobenen Vorwurf der \u201evaterlandslosen Gesellen\u201c scharf zur\u00fcck, bef\u00fcrwortete ausdr\u00fccklich die \u201eErziehung der Jugend zur Wehrhaftigkeit\u201c und versicherte zum wiederholten Male, dass die Sozialdemokraten in einem Krieg mit Russland \u201eselbstverst\u00e4ndlich die Flinte auf den Buckel nehmen\u201c w\u00fcrden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anschlie\u00dfend vertiefte Gustav Noske als r\u00fcstungspolitischer Sprecher der Fraktion Bebels Ausf\u00fchrungen. Er identifizierte sich mit den vorher gemachten Aussagen des preu\u00dfischen Kriegsministers \u00fcber Angriffskriege auf Deutschland, betonte, dass die Sozialdemokraten in einem solchen Fall \u201ebegeistert ihr Vaterland verteidigen\u201c w\u00fcrden, und erkl\u00e4rte es als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, daf\u00fcr zu sorgen, \u201edass das deutsche Volk nicht etwa von irgend einem anderen Volk an die Wand gedr\u00fcckt wird\u201c. (in Wette 1987:\u00a071) Als er wegen seiner Aussagen auf dem anschlie\u00dfenden Essener Parteitag kritisiert wurde, stellte sich Bebel vor ihn und pries seine Reichstagsrede als \u201egute Rede\u201c, die seine \u201eZustimmung und Anerkennung\u201c gefunden habe (Parteitagsprotokoll 1907:\u00a0254)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im selben Jahr legte Karl Liebknecht eine Schrift \u00fcber \u201eMilitarismus und Antimilitarismus unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der internationalen Jugendbewegung\u201c vor, worin er den Militarismus mit scharfen Worten gei\u00dfelte und zu einer Verst\u00e4rkung der antimilitaristischen Propaganda aufrief. Bebel distanzierte sich \u00f6ffentlich von der Arbeit und verhinderte, dass sie im Parteiverlag der SPD erscheinen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Gegen imperialistische Kriege &#8230;<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bevor der Gro\u00dfe Krieg zur Tatsache wurde, ging es vorab um die Haltung zu Kriegen auf dem Boden des Imperialismus, zu dem die gro\u00dfen kapitalistischen Staaten Ende des 19.Jahrhunderts im Wettstreit um Kolonien \u00fcbergegangen waren. Im Gefolge der anderen Nationen hatte auch das deutsche Kaiserreich auf Betreiben der Bourgeoisie im Jahrf\u00fcnft vor der Jahrhundertwende mit der \u201eWeltpolitik\u201c begonnen, hatte den Anspruch auf einen \u201ePlatz an der Sonne\u201c in Gestalt eines gro\u00dfen Kolonialreichs erhoben und zur Durchsetzung dieses Anspruchs eine gewaltige Schlachtflotte auf Kiel gelegt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1911 schienen die europ\u00e4ischen M\u00e4chte unmittelbar vor einem Krieg zu stehen, als die deutsche Au\u00dfenpolitik versuchte, Paris in der Marokko-Krise dieses Jahres durch milit\u00e4rische Drohungen (Panthersprung nach Agadir) zur Abtretung seiner mittelafrikanischen Kolonien zu zwingen (Oncken 1981). Gro\u00dfbritannien war jedoch nicht bereit, die damit verbundene Schw\u00e4chung Frankreichs und korrespondierende St\u00e4rkung Deutschlands hinzunehmen. Es stellte sich auf die Seite der franz\u00f6sischen Regierung und lie\u00df zur Bekr\u00e4ftigung seiner Entschlossenheit die Schlachtschiffe der Navy auslaufen, so dass f\u00fcr kurze Zeit ein kriegerischer Zusammensto\u00df zwischen Gro\u00dfbritannien\/Frankreich und dem Reich drohte. Auf die britischen Warnungen hin ordnete der Reichskanzler Bethmann Hollweg jedoch unverz\u00fcglich den R\u00fcckzug an, so dass die Krieg-in-Sicht-Krise ohne Schusswechsel zu Ende ging.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die SPD wandte sich in dieser Situation zusammen mit der Sozialistischen Internationale entschieden gegen den drohenden Krieg, prangerte die koloniale Konkurrenz und den Imperialismus an und verk\u00fcndete, dass die deutschen Arbeiter einen Krieg auf keinen Fall unterst\u00fctzen w\u00fcrden. Noch auf ihrem Friedenskongress in Basel Ende 1912 bezeichnete die Sozialistische Internationale die \u201eGegnerschaft zwischen Gro\u00dfbritannien und dem Deutschen Reich\u201c als \u201egr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Frieden Europas\u201c und k\u00fcndigte an, dass die sozialistischen Parteien den Ausbruch eines Kriegs unter Aufbietung aller geeigneten Mittel verhindern wollten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>&#8230; f\u00fcr die Vaterlandsverteidigung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber w\u00e4hrend die deutschen Sozialdemokraten den weltpolitisch-kolonialen Ambitionen der Bourgeoisie und der daraus entspringenden Kriegsgefahr gegen Gro\u00dfbritannien mehrheitlich entgegen traten, bef\u00fcrworteten sie zur selben Zeit durchgehend die Vaterlandsverteidigung gegen Russland.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seit der russische Zarismus in der Revolution von 1848\/49 als Gendarm Europas aufgetreten war, galt er den Sozialdemokraten als Hauptfeind der europ\u00e4ischen Demokratie, gegen den die Arbeiter zu einem nationalen Verteidigungskrieg bereit sein m\u00fcssten. Auch als das Zarenreich seine Stellung als europ\u00e4ische Ordnungsmacht im verlorenen Krimkrieg von 1853 \u2013 1856 gegen das mit Frankreich und England verb\u00fcndete Osmanische Reich einb\u00fc\u00dfte, hielt die SPD an der 48er Position weiter fest.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Frontstellung gegen Russland \u00e4nderte sich auch Anfang des 20.Jahrhunderts nicht, als Russland im Krieg gegen Japan 1904-05 eine Niederlage erlitt und die Zarenherrschaft anschlie\u00dfend durch die russische Revolution von 1905-07 ersch\u00fcttert wurde. Der Parteivorstand negierte alle Versuche, die antirussische Position zur Vaterlandsverteidigung zu revidieren. Diese Position r\u00fcckte lediglich vor\u00fcbergehend in den Hintergrund, solange Weltpolitik und Marokkokrise die ausw\u00e4rtige Politik des Kaiserreichs bestimmten. Als die Marokkokrise vorbei war und das Reich auf den Gro\u00dfen Krieg zusteuerte, kam sie wieder zum Tragen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die Kriegskooperation mit dem Milit\u00e4radel<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1912\/13 wurden die Weichen f\u00fcr den Krieg 1914-18 gestellt, der anderen Charakter trug als der in der Marokkokrise 1911 drohende Waffengang. Ausgangspunkt war der Wahlsieg der SPD 1912, in dessen Gefolge die 1909 ausgebrochene Krise von Gesellschaft und Staat eine neue Dimension erreichte (Karuscheit 2014:\u00a0197ff): durch die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im Reichstag wurde der Staat unregierbar, die Nationalliberalen lockerten die Abgrenzung zur SPD, und die bisherige Milit\u00e4rverfassung geriet mehr und mehr in die Kritik. Kurz gesagt: das Gef\u00fcge der bisherigen Ordnung wurde br\u00fcchig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem ein zun\u00e4chst unternommener Staatsstreichversuch ins Leere gelaufen war (Karuscheit 2014:\u00a0200ff), nahmen Milit\u00e4radel und Montanbourgeoisie nun Kurs auf einen Krieg, um die alte Ordnung durch einen gro\u00dfen milit\u00e4rischen Sieg zu stabilisieren (die Bourgeoisie zielte dar\u00fcber hinaus auf die Atlantikh\u00e4fen Belgiens und Nordfrankreichs, um von hier aus die Auseinandersetzung mit Gro\u00dfbritannien zu f\u00fchren). In Vorbereitung dieses Kriegs ging es 1913 um eine substantielle Heeresverst\u00e4rkung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weltpolitik und Schlachtflottenbau hatte die SPD abgelehnt, und Bebel hatte 1910 sogar geheime Kontakte zur britischen Regierung aufgenommen, um diese vor einem Angriff der deutschen Schlachtflotte zu warnen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> Eine ganz andere Stellung nahm der Parteivorsitzende jetzt ein, als es um zus\u00e4tzliche Mittel f\u00fcr die Heeresverst\u00e4rkung gegen Russland ging. Als die preu\u00dfische Milit\u00e4rf\u00fchrung im April 1913 auf einer nicht\u00f6ffentlichen Sitzung des Haushaltsausschusses des Reichstags die Notwendigkeit der Nachr\u00fcstung mit Kriegsvorbereitungen durch Russland und Frankreich begr\u00fcndete und zugleich darlegte, dass Deutschland im Kriegsfall zuerst Frankreich angreifen m\u00fcsse (inkl. Durchmarsch durch Belgien), um sich anschlie\u00dfend dem Gegner im Osten zuzuwenden, nahmen die anwesenden SPD-Vertreter mit Bebel an der Spitze die vorgestellte Kriegsplanung einschlie\u00dflich des angek\u00fcndigten Einmarschs in das neutrale Belgien ohne Protest zur Kenntnis (Sitzungsbericht in Bley 2014:\u00a0258ff).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach der Sitzung verfasste Bebel eine Stellungnahme zur Aufr\u00fcstung, die der Parteivorstand im Mai 1913 als Flugschrift in ganz Deutschland verbreiten lie\u00df. (in ebda:\u00a0272) Unter dem Titel \u201eEin ernstes Wort in ernster Zeit. Milit\u00e4rvorlage und internationale R\u00fcstungsindustrie\u201c hie\u00df es darin, dass \u201ewir in Deutschland mit der M\u00f6glichkeit eines Angriffskrieges von au\u00dfen einstweilen noch rechnen (m\u00fcssen), namentlich von Osten her.\u201c Weil dann aber \u201eunser Vaterland vielleicht vor die Frage von Sein oder Nichtsein\u201c gestellt w\u00fcrde, w\u00e4re \u201edie Vorbereitung einer starken Schutzwehr notwendig\u201c. Damit wiederholte die Flugschrift die Vorgaben der Milit\u00e4rs als Position der Parteif\u00fchrung, bef\u00fcrwortete die deutsche Aufr\u00fcstung und stellte die Kriegsunterst\u00fctzung durch die Arbeiterbewegung in Aussicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine zunehmende Ann\u00e4herung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mitte 1914 war es so weit. Nachdem der deutsche Reichskanzler im au\u00dfenpolitischen Krisengeschehen des Juli 1914 so lange man\u00f6vriert hatte, bis das Zarenreich die Generalmobilmachung erkl\u00e4rte, konnte es als Angreifer deklariert werden und war f\u00fcr die SPD der Weg zur Zustimmung zu den Kriegskrediten frei. Der Weltpolitik der Bourgeoisie gegen Gro\u00dfbritannien hatte die SPD die Gefolgschaft verweigert, doch indem sie zur Vaterlandsverteidigung gegen Russland aufrief, trat sie ohne Z\u00f6gern an die Seite des Milit\u00e4radels. Zwar traten keine Sozialdemokraten als Minister in die Regierung ein, aber ma\u00dfgebliche Parteimitglieder nahmen intensive Kontakte zur OHL auf, an der Spitze Eduard David, der mit Ebert und Scheidemann seit April 1917 dem engsten F\u00fchrungszirkel der Partei angeh\u00f6rte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende 1916 wurde in Kooperation mit Gewerkschaften und Sozialdemokratie das Vaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz erarbeitet, das alle M\u00e4nner zwischen siebzehn und sechzig der Arbeitspflicht unterwarf und die freie Wahl des Arbeitsplatzes aufhob, um kriegswichtigen Betrieben die notwendigen Arbeitskr\u00e4fte zu verschaffen. Zur Umsetzung dieses Gesetzes mussten in allen Betrieben ab 50 Besch\u00e4ftigten Arbeiter- und Angestelltenaussch\u00fcsse gebildet werden, die bei Arbeitskonflikten zusammen mit Vertretern der Betriebsleitung f\u00fcr die Schlichtung zu sorgen hatten. Au\u00dferdem wurde zur Koordinierung der R\u00fcstungsanstrengungen ein Oberstes Kriegsamt eingerichtet, als dessen Leiter General Wilhelm Groener fungierte, der sein Amt in enger Absprache mit den Gewerkschaften f\u00fchrte und im November 1918 als Co-Chef der Obersten Heeresleitung mit Friedrich Ebert das Vorgehen gegen die Novemberrevolution abstimmte. Auch in Frankreich und Gro\u00dfbritannien unterst\u00fctzten die Sozialisten den Krieg und die Kriegsproduktion, spezifisch f\u00fcr Deutschland war jedoch, \u201edass hier (und nur hier!) die Arbeiterorganisationen sozusagen Bestandteil der Kriegsmaschinerie selbst wurden\u201c (Kl\u00f6nne:\u00a0136).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die gro\u00dfe Industrie lief gegen die mit der Neuregelung der Arbeitsbeziehungen verbundene Anerkennung der Gewerkschaften und die Einschr\u00e4nkung ihrer Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Betriebe Sturm. Die Verabschiedung des Gesetzes gegen ihren Widerstand wurde in der Sozialdemokratie als Sieg \u00fcber die Anarchie des Privatkapitalismus gefeiert und verst\u00e4rkte die \u00dcberzeugung, dass der Junkerstaat gegen das Kapital zu gebrauchen war. Im Zusammenhang damit bl\u00fchten Theorien auf, die den Versuch einer staatlich-b\u00fcrokratischen Neuordnung der Wirtschaft als Kriegssozialismus verherrlichten und darin die deutsche Form des Sozialismus erblickten (Kl\u00f6nne 1989:\u00a0137ff).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>B\u00fcndnis hinter den Kulissen: der Kanzlersturz 1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bald darauf erreichte die Kooperation von SPD und Milit\u00e4radel eine neue Stufe. Im Jahr 1917 war der Krieg an einem toten Punkt angelangt, denn beide Seiten waren nach drei Jahren Kriegf\u00fchrung ersch\u00f6pft und wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Die Ententem\u00e4chte konnten hoffen, durch den Kriegseintritt der USA auf Dauer den l\u00e4ngeren Atem zu haben, doch auf der anderen Seite konnte Deutschland hoffen, nach einem revolutionsbedingten Ausscheiden Russlands aus dem Krieg seine milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte auf die Front im Westen zu konzentrieren und dort einen raschen Sieg zu erzielen. Angesichts dieser Unw\u00e4gbarkeiten war der Ausgang des Kriegs zu diesem Zeitpunkt unabsehbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der deutsche Reichskanzler, der seit dem Fehlschlag der Verdun-Offensive 1916 an den Siegesaussichten der Mittelm\u00e4chte zweifelte, unternahm in dieser Situation einen Versuch, um unter Vermittlung des Vatikans mit den Gegnern einen \u201eRemisfrieden\u201c unter gegenseitigem Verzicht auf Eroberungen und Entsch\u00e4digungen zu schlie\u00dfen. Er sagte in den geheimen Vorgespr\u00e4chen u.a. die vollst\u00e4ndige Wiederherstellung der Unabh\u00e4ngigkeit Belgiens zu (f\u00fcr London der Hauptkriegsgrund) und erkl\u00e4rte sich zu Grenzkorrekturen in Elsass-Lothringen bereit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den geplanten Friedensschluss innenpolitisch durch eine Reichstagsmehrheit abzusichern, unternahm er gleichzeitig Schritte zur Parlamentarisierung und lie\u00df durch kaiserlich-k\u00f6nigliche Order die Abschaffung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts bekannt geben. Dadurch, so sein Kalk\u00fcl, w\u00fcrde er die Unterst\u00fctzung der mehrheitsbildenden Reichstagsparteien f\u00fcr seine Politik bekommen; neben den Linksliberalen und dem Zentrum war dies vor allem die SPD, mit deren R\u00fcckendeckung er aufgrund der angek\u00fcndigten Aufhebung des Dreiklassenwahlrechts fest rechnete.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch die F\u00fchrungen von Zentrum und SPD setzten ebenso wie die OHL auf einen deutschen Sieg, denn sie erwarteten ein baldiges Ausscheiden des revolutionsgesch\u00fcttelten Russlands aus dem Krieg und danach den Endsieg im Westen. Hinter den Kulissen organisierten sie daher im geheimen Zusammenwirken mit der OHL den Sturz des friedensbereiten Kanzlers, um den Krieg mit einem neuen Kanzler bis zum Sieg fortzusetzen (Karuscheit 2017:\u00a050-78). Als sichergestellt war, dass Bethmann vom Reichstag keine Unterst\u00fctzung erhalten w\u00fcrde, verlangte die OHL vom Kaiser seine Entlassung, und da bis auf die politisch einflusslosen Linksliberalen s\u00e4mtliche Reichstagsparteien sich gegen ihn aussprachen, musste er zur\u00fccktreten. Anschlie\u00dfend konnte der Krieg mit Michaelis als neuem Kriegskanzler wie geplant weitergef\u00fchrt werden; die Friedensgespr\u00e4che mit dem Vatikan lie\u00df der neue Regierungschef im Sande verlaufen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>OHL-Diktatur mit Teilhabe der SPD<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Parallel zum Kanzlersturz verabschiedete der Reichstag mit den Stimmen von SPD, Zentrum und FVP eine Friedensresolution, die die wachsende Friedenssehnsucht der Massen aufgriff und unter Wiederholung der Friedensformel des Petersburger Sowjets einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen forderte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00d6ffentlichkeitswirksam an alle kriegf\u00fchrenden M\u00e4chte gerichtet, hofften die kriegsm\u00fcden Massen, dass die Kriegsgegner das scheinbar selbstlose Friedensangebot annehmen w\u00fcrden und bald ein Frieden ohne Sieger und Besiegte geschlossen werden k\u00f6nnte. Doch nachdem Bethmanns Nachfolger die von diesem begonnenen Friedensgespr\u00e4che mit dem Vatikan nicht weiterf\u00fchrte, sondern die Fortsetzung des Kriegs betrieb, hatten die Alliierten keinen Grund, auf die Friedensresolution zu reagieren. So konnte die SPD-F\u00fchrung den Arbeitermassen erkl\u00e4ren, dass die Kriegsgegner die zur Vers\u00f6hnung der V\u00f6lker ausgestreckte Hand schn\u00f6de zur\u00fcck gewiesen h\u00e4tten, weil sie die vollst\u00e4ndige Niederwerfung Deutschlands wollten. Infolgedessen blieb nichts anderes \u00fcbrig, als die Reihen zu schlie\u00dfen und weiter das bedrohte Vaterland zu verteidigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach kurzer Zeit veranlasste die SPD-F\u00fchrung die Auswechselung von Kanzler Michaelis, weil dieser durch die Duldung alldeutscher Propaganda und Eroberungspl\u00e4ne die m\u00fchsam gelungene erneute Einbindung der Arbeiterschaft gef\u00e4hrdete. Mit dem Plazet von SPD und OHL trat an seine Stelle der Zentrumspolitiker Georg von Hertling. Nach au\u00dfen \u00fcbte die OHL in der zweiten Kriegsh\u00e4lfte eine diktatur\u00e4hnliche Herrschaft aus. Aber sie konnte dies nur mit stillschweigender Zustimmung des Reichstags und vor allem der SPD tun. Sp\u00e4testens seit dem Sturz Bethmanns im Sommer 1917 muss man nicht nur von einem Kriegs-, sondern auch von einem stillschweigenden Machtb\u00fcndnis zwischen Milit\u00e4radel und Sozialdemokratie ausgehen. Noch sa\u00df der Milit\u00e4radel dabei in der Vorhand, doch in der Novemberrevolution drehten sich die Gewichte um.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>3. Die Novemberrevolution: vom Umsturz zur Konterrevolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als ein Jahr sp\u00e4ter die milit\u00e4rische Niederlage Deutschlands trotz des Ausscheidens Russlands aus dem Krieg unausweichlich wurde, leitete die OHL die Parlamentarisierung des Reichs ein, um den US-Pr\u00e4sidenten Wilson als Friedensvermittler zu gewinnen. Der unvorbelastete Max von Baden wurde zum Kanzler gemacht, und im Oktober 1918 verabschiedete der Reichstag die Verfassungs\u00e4nderungen, die dem Reichstag die zuvor verwehrten Parlamentsrechte gew\u00e4hrten; ebenso fiel nun das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht. Jetzt traten auch zwei Sozialdemokraten in die Regierung ein, was die SPD bis dahin abgelehnt hatte, um nicht mit einer Kriegsregierung identifiziert zu werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die seit langem brodelnde revolution\u00e4re Flut lie\u00df sich jedoch nicht aufhalten. Als sie Anfang November losbrach, wurde das Heer binnen weniger Tage von Soldatenr\u00e4ten beherrscht, st\u00fcrzten die F\u00fcrstenthrone einer nach dem anderen und \u00fcbernahmen in allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te die Macht. In einem letzten Versuch, die Monarchie zu retten, trat der sozialdemokratische Parteivorsitzende Friedrich Ebert am Mittag des 9.\u00a0November 1918 als Reichskanzler an die Stelle Max von Badens, in der Hoffnung, die revolution\u00e4ren Massen dadurch zu beruhigen. Seine erste Aktion war ein Aufruf an alle Beh\u00f6rden und Beamten, auf ihren Posten zu bleiben, desgleichen lie\u00df er die bisherigen Staatssekret\u00e4re (Minister) sowie die Milit\u00e4rf\u00fchrung im Amt (die Aufrufe Eberts als Reichskanzler in: M\u00fcller 1973: 226ff).<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die F\u00fchrer der Mehrheitssozialdemokratie hatten sich mit der Oktoberreform am Ziel ihrer W\u00fcnsche gesehen. In ihren Augen war der Novemberumsturz ebenso \u00fcberfl\u00fcssig wie sch\u00e4dlich\u201c. (Kolb;\u00a0Schumann 2013:\u00a011) Die Parlamentarisierung der Monarchie erm\u00f6glichte es ihnen, als st\u00e4rkste Reichstagspartei die Regierung zu \u00fcbernehmen und den \u201eJunkerstaat\u201c, wie von Bebel erhofft, in die Hand zu bekommen; die Kanzlerschaft Eberts realisierte diese Zielsetzung. Die Parteif\u00fchrung hatte also jeden Grund, die Revolution zu bek\u00e4mpfen \u2013 in den bekannten Worten Eberts: \u201eich hasse sie wie die S\u00fcnde\u201c komprimierte sich die Position der SPD-Spitze, deren jahrelang verfolgtes Machtkonzept mit einem Mal durch die Revolution bedroht wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine revolution\u00e4re Bewegung ohne F\u00fchrung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die sozialdemokratische Regierungs\u00fcbernahme hatte nicht die erhoffte beruhigende Wirkung, au\u00dferdem rief Scheidemann am Nachmittag des 9.\u00a0November gegen die Willen der Parteif\u00fchrung die Republik aus, um der Ausrufung einer sozialistischen Republik durch Liebknecht zuvor zu kommen. Eberts Kanzlerschaft endete also nach wenigen Stunden und die Parteif\u00fchrung musste sich auf eine neue Lage einstellen. Als erstes musste sie akzeptieren, dass die USPD inzwischen fast gleichstark war wie sie selber und insbesondere die aktivsten Teile der R\u00e4tebewegung darin ihre Vertretung sahen. Auf Vorschlag der SPD wurde deshalb eine gemeinsame Revolutionsregierung aus je drei Vertretern von SPD und USPD gebildet, der \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c. Da die USPDler in sich zerstritten und ohne politische Konzeption waren, fiel es nicht schwer, sie an die Wand zu spielen; Ende 1918 verlie\u00dfen sie den Rat, der von da an nur noch aus SPD- Mitgliedern bestand.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zweite, entscheidende Herausforderung war die R\u00e4tebewegung. Sie verf\u00fcgte \u00fcber die reale Macht im Staat und der Rat der Volksbeauftragten konnte nur in dem von ihr gesteckten Rahmen agieren. Vom 16.-20.\u00a0Dezember tagte in Berlin der Zentrale Kongress der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te Deutschlands, um die k\u00fcnftige Gestaltung Deutschlands festzulegen. Weniger als ein Viertel der Delegierten sprach sich f\u00fcr ein R\u00e4tesystem als Grundlage der Verfassung aus, die gro\u00dfe Mehrheit entschied sich f\u00fcr ein parlamentarisches Regierungssystem und f\u00fcr den 19.\u00a0Januar als Termin f\u00fcr die Wahl zur Nationalversammlung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleichzeitig beschloss der Kongress eine Reihe von Ma\u00dfnahmen, die die Umw\u00e4lzung des preu\u00dfisch-deutschen Obrigkeitsstaats zum Gegenstand hatten \u2013 sofern sie umgesetzt wurden. Dazu geh\u00f6rte die \u201eZertr\u00fcmmerung des Militarismus\u201c, die Schaffung einer Volkswehr anstelle eines stehenden Heeres sowie die Sozialisierung \u201ealler hierf\u00fcr reifen Industrien\u201c. In diesen Forderungen \u201ewurde umrisshaft ein &gt;Programm&lt; sichtbar, f\u00fcr das es in der demokratischen Massenbewegung dieser Wochen einen breiten Konsens gab: &gt;Demokratisierung&lt; vor allem des Heeres, der Verwaltung und der Wirtschaft\u201c (Kolb;\u00a0Schumann 2013:\u00a015). Dazu kam noch die Forderung nach einer Landreform, sprich nach Zerschlagung des junkerlichen Gro\u00dfgrundbesitzes, die zwar vom R\u00e4tekongress nicht explizit beschlossen wurde, aber einem breiten Konsens entsprach.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis auf die Sozialisierung der Schwerindustrie geh\u00f6rten diese Forderungen bereits zum Programm der Revolution von 1848\/49. W\u00e4re die SPD in der Vorkriegszeit eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>b\u00fcrgerlich-reformistische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Arbeiterpartei geworden, h\u00e4tte sie zumindest einen ma\u00dfgeblichen Teil davon umgesetzt und so der b\u00fcrgerlichen Revolution zum Durchbruch verholfen. Jedoch standen die Beschl\u00fcsse des R\u00e4tekongresses \u201ezum Konzept der SPD-F\u00fchrung in eindeutigem Widerspruch\u201c (ebda) und setzte diese alles daran, sie zu unterlaufen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das fiel ihr umso leichter, weil keine revolution\u00e4re Organisation existierte, um das vom R\u00e4tekongress formulierte Programm aufzugreifen. W\u00e4hrend die USPD, zwischen gegens\u00e4tzlichen Richtungen zerrissen, unf\u00e4hig zu einer stringenten Politik \u00fcberhaupt war, verf\u00fcgte Spartakus\/KPD \u00fcber ein eigenes Revolutionskonzept, das sogenannte \u201eOktoberprogramm\u201c. Dieses Programm sah jedoch eine proletarische Alleinrevolution zur Errichtung einer Diktatur des Proletariats vor und war angesichts der sozialen und politischen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland zum Scheitern verurteilt. In Russland hatte Lenin, um den Sieg der Oktoberrevolution zu sichern, das jahrelang verfochtene Agrarprogramm der SDAPR \u00fcber Bord geworfen, das Programm der Sozialrevolution\u00e4re \u00fcbernommen und so die Unterst\u00fctzung der Bauern f\u00fcr die Regierungs\u00fcbernahme durch die Bolschewiki erhalten. Luxemburg hielt diese Wende Lenins f\u00fcr falsch, sie dachte nicht daran, ihre Sozialismusstrategie f\u00fcr Deutschland umzusto\u00dfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter diesen Umst\u00e4nden hatte die SPD ein leichtes Spiel, denn im Unterschied zu den anderen Kr\u00e4ften besa\u00df sie mit der Wiederherstellung des preu\u00dfisch-deutschen Beamtenstaats ein realistisches politisches Konzept. Zwar hatte es einen formalen Staatswechsel gegeben, aber die gesellschaftlichen Strukturen der bisherigen Ordnung waren unangetastet geblieben, so dass es nur darauf ankam, den alten Staatsapparat wieder in seine Rechte einzusetzen. Diesem Ziel gem\u00e4\u00df agierte sie in den kommenden Wochen und Monaten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Konterrevolution unter Regie der SPD<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Statt den Militarismus zu zertr\u00fcmmern, wie vom R\u00e4tekongress gefordert, setzte sie das im Krieg zustande gekommene B\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel fort (<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Ebert-Groener-Pakt<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">), garantierte die Fortexistenz des preu\u00dfisch-deutschen Offizierskorps und setzte die vorhandene bewaffnete Macht aus konterrevolution\u00e4ren Heereseinheiten und neu gebildeten Freikorps ein, um die revolution\u00e4r-demokratische Bewegung zu zerschlagen und die eigene Regierungsmacht zu sichern<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Stinnes-Legien-Abkommen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zwischen Schwerindustrie und Gewerkschaftsf\u00fchrung wendete sie die Sozialisierung der Zechen und Stahlwerke gegen eine Reihe sozialpolitischer Zugest\u00e4ndnisse ab.<br \/>\nStatt eine Landreform durchzuf\u00fchren, setzte sie bewaffnete Kr\u00e4fte ein, um die ostelbischen Gutsbesitzer gegen aufbegehrende Landarbeiter zu sch\u00fctzen.<br \/>\nDie R\u00e4te, die allerorten die Demokratisierung von Verwaltung und Polizei eingeleitet hatten, wurden von ihr entmachtet, das alte Justizwesen wieder in Gang gebracht, Staat und Kirche nicht voneinander getrennt. Als die Weimarer Verfassung Mitte 1919 die \u201ewohlerworbenen Rechte\u201c des Berufsbeamtentums in Verfassungsrang erhob, war die Restauration des obrigkeitlichen Staatsapparats abgeschlossen. Damit korrespondierte der Aufbau der Reichswehr als Staat im Staat in den 20er Jahren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei ihrer Zusammenarbeit mit den Vertretern der alten Ordnung handelten die Sozialdemokraten in der \u00dcberzeugung, dass sie diese dauerhaft mit Hilfe des Parlamentarismus beherrschen k\u00f6nnten. Deshalb wandten sie sich auch gegen die \u00fcberf\u00e4llige Zerschlagung des Landes Preu\u00dfen, da sie hier bei Landtagswahlen mit stabilen<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mehrheiten rechnen konnten, w\u00e4hrend im S\u00fcden das Zentrum stark war. Sollten sie daher auf Reichsebene die Regierungsgewalt verlieren, w\u00fcrde Preu\u00dfen ihnen weiterhin als Machtbastion dienen. Der von Hindenburg befohlene und von der Reichswehr exekutierte \u201ePreu\u00dfenschlag\u201c vom 20.Juli 1932 zerst\u00f6rte diese Illusion gr\u00fcndlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie die Revolution von 1848\/49 blieb auch der Novemberumsturz von 1918 auf diese Weise eine unvollendete b\u00fcrgerliche Revolution. Im ersten Anlauf scheinbar siegreich, vermochte er es nicht, seinen Sieg zu festigen, so dass den von der Sozialdemokratie angef\u00fchrten reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften ein roll back gelingen konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schluss: Legendenbildung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ihr Vorgehen legitimierte die SPD-F\u00fchrung mit der Begr\u00fcndung, dass sie der von Spartakus\/KPD ausgehenden Umsturzgefahr entgegen treten musste, um eine drohende bolschewistische Diktatur abzuwehren und Deutschland vor dem Chaos zu retten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde diese Sichtweise in der neuen Westrepublik nicht zuletzt im Zeichen des Kalten Kriegs als Urteil der Geschichtsschreibung \u00fcbernommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beginnend mit den 60er Jahren machten sich dann einige Historiker erstmals daran, die Revolutionsgeschichte anhand der Quellen zu untersuchen (Kolb; Schumann 2013:\u00a0170ff). Das Ergebnis ihrer Arbeiten war ern\u00fcchternd: weder milit\u00e4risch noch politisch stellten Spartakus\/KPD jemals eine ernst zu nehmende Bedrohung dar \u2013 die von der SPD behauptete bolschewistische Gefahr war \u201eein propagandistisch erzeugter Popanz\u201c (Wette 1987:\u00a0792). Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse war die Schlussfolgerung unausweichlich, dass die Zusammenarbeit mit den preu\u00dfischen Milit\u00e4rs nicht alternativlos war, wie bis dato behauptet, sondern dass \u201edie SPD-F\u00fchrung &#8230; den ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Handlungsspielraum nicht ausreichend genutzt hat, um den Abbau obrigkeitsstaatlicher Strukturen voranzutreiben\u201c (Kolb;\u00a0Schumann 2013:\u00a0176).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber welche Begr\u00fcndung gab es f\u00fcr die Vers\u00e4umnisse, in deren Konsequenz die Weimarer Demokratie ohne ausreichendes Fundament blieb? Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr hatte der SPD-Parteivorstand bereits in einem Aufruf vom 17.10.1918 geliefert, denn nur \u201eum unser Land und sein Wirtschaftsleben vor dem Zusammenbruch zu bewahren, haben Vertreter unserer Partei das Opfer auf sich genommen und sind in die Regierung eingetreten\u201c (in Miller 1978:\u00a035). Damit war eine Vorlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Geschichtsschreibung gegeben, die von der Historikerin Miller in ihrem 1978 erschienen Werk \u201eDie B\u00fcrde der Macht\u201c besonders einf\u00fchlsam aufgenommen worden ist: \u201eRegieren bedeutete f\u00fcr die Mehrheitssozialdemokraten &#8230; nicht die Erf\u00fcllung einer selbstverst\u00e4ndlichen, lang ersehnten und wohl vorbereiteten Aufgabe, sondern die bittere Notwendigkeit, auf nationale Katastrophen zu reagieren.\u201c (ebda:\u00a0445) Dem entspricht die g\u00fcltige Lesart der Geschichte: Jahrzehntelang von der Regierungsverantwortung fern gehalten, waren die Sozialdemokraten den Umgang mit der Macht nicht gewohnt und schreckten deshalb davor zur\u00fcck, die ihnen unfreiwillig zugefallene Macht gegen die Feinde der Demokratie von rechts einzusetzen, mit der Folge: \u201eDie sozialdemokratische Machtscheu schw\u00e4chte die parlamentarische Demokratie\u201c (Winkler 1987:\u00a0952).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Behauptung einer \u00fcberforderten, machtscheuen SPD ist eine Legende, die von den f\u00fchrenden Sozialdemokraten selber in die Welt gesetzt wurde. Real war die SPD in der Vorkriegszeit zu einer preu\u00dfisch-sozialpatriotischen Arbeiterpartei geworden und verfolgte ihre F\u00fchrung ein klares politisches Ziel, n\u00e4mlich die \u00dcbernahme des vordemokratischen, preu\u00dfisch-deutschen Obrigkeitsstaats, um diesen unter sozialdemokratischer Leitung fortzuf\u00fchren. Im Gefolge der deutschen Kriegsniederlage hatte die SPD dieses Ziel<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> vor der Novemberrevolution erreicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Die Revolution der Massen stellte in dieser Strategie einen unerw\u00fcnschten St\u00f6rfaktor dar, denn sie f\u00fchrte nicht nur zu einem von der SPD-F\u00fchrung ungewollten Wechsel der Staatsform; vor allem verfocht die spontane R\u00e4tebewegung das Programm einer demokratischen Revolution gegen die von der Sozialdemokratie soeben \u00fcbernommene alte Ordnung. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In konsequenter Umsetzung ihres Konzepts wandte sich die SPD daher im B\u00fcndnis mit dem preu\u00dfischen Milit\u00e4radel gegen die Novemberrevolution, wehrte alle Ans\u00e4tze zur Demokratisierung von Staat und Wirtschaft ab, lie\u00df die aufbegehrenden Teile der Arbeiterbewegung niederschlagen und sicherte die vordemokratischen Strukturen von Staat und Gesellschaft. Der daraus hervorgehende Staat von Weimar war seinem Wesen nach kein neuer Staat, sondern die Fortsetzung der alten Ordnung im Gewand der Republik \u2013 das Produkt nicht einer siegreichen Revolution, sondern einer von der SPD organisierten Konterrevolution. Entsprechend kurzlebig war er.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Literatur:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bartel<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Horst und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Engelbert<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Ernst (1971) (Hrsg): Die gro\u00dfpreu\u00dfisch-militaristische Reichsgr\u00fcndung 1871 \u2013 Voraussetzungen und Folgen; zwei B\u00e4nde. Berlin (Ost): Akademie-Verlag<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Beer<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Max (1924): Krieg und Internationale. Wien: Verlag f\u00fcr Literatur und Politik<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bernstein<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eduard (1969): Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bley<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Helmut (2014) (Hg): Bebel und die Strategie der Kriegsverh\u00fctung 1904-1913. Hannover: Offizin-Verlag<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Grebing<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Helga (1970): Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Ein \u00dcberblick. M\u00fcnchen: dtv<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Grebing<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Helga (1985): Arbeiterbewegung. Sozialer Protest und kollektive Interessenvertretung bis 1914. M\u00fcnchen: dtv<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Groh<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Dieter (1974): Negative Integration und revolution\u00e4rer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Frankfurt\/M-Berlin-Wien: Ullstein<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Haffner<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Sebastian (<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1993<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">): <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Verrat. Deutschland 1918\/19<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Berlin: Verlag 1900<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Herbert<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Ulrich (2017): Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert. M\u00fcnchen: Beck<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner (2014): Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg. Hamburg: VSA<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heiner (2017): Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar. Hamburg: VSA<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kaufmann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Franz-Xaver (2003): Varianten des Wohlfahrtsstaats. Der deutsche Sozialstaat im internationalen Vergleich. Frankfurt\/M: Suhrkamp<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kautsky,<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Karl (1972): Der Weg zur Macht. Politische Betrachtungen \u00fcber das Hineinwachsen in die Revolution; Neuauflage hrsg. und eingeleitet von Georg F\u00fclberth. Frankfurt\/M: Europ\u00e4ische Verlagsanstalt<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kl\u00f6nne<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Arno (<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1984)<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Die deutsche Arbeiterbewegung vor 1914 \u2013 eine Friedensbewegung? in<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Heiss, Gernot und Lutz, Heinrich (Hg): Friedensbewegungen: Bedingungen und Wirkungen. M\u00fcnchen: Oldenbourg<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kl\u00f6nne<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Arno (1989): Die deutsche Arbeiterbewegung. Geschichte, Ziele, Wirkungen. M\u00fcnchen: dtv<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kolb<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eberhard (1978): Die Arbeiterr\u00e4te in der deutschen Innenpolitik 1918-1919. Berlin:\u00a0Ullstein (D\u00fcsseldorf 1962: Droste)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kolb<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Eberhard und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schumann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Dirk( 2013): Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 16); M\u00fcnchen: Oldenbourg <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Kluge<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Ulrich (1975): Soldatenr\u00e4te und Revolution. Studien zur Milit\u00e4rpolitik in Deutschland 1918\/19. G\u00f6ttingen: Vandenhoek und Ruprecht<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Luxemburg<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Rosa (1974):<\/span><\/span><b> <\/b><b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gesammelte Werke Band I (1893-1905)<\/span><\/span><\/b><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Erster Halbbd: Berlin (Ost): Dietz<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Miller<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Susanne (1978): Die B\u00fcrde der Macht. Die deutsche Sozialdemokratie 1918-1920. Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Band 63. D\u00fcsseldorf: Droste<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>M\u00fcller<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Richard (1973): Die Novemberrevolution; Berlin (West): Olle &amp; Wolter<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Oncken<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Emily (1981): Panthersprung nach Agadir. Die deutsche Politik w\u00e4hrend der Zweiten Marokkokrise 1911, D\u00fcsseldorf: Droste<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wehler<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Hans-Ulrich (1995): Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 3: Von der \u201eDeutschen Doppelrevolution\u201c bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, 1849-1914. M\u00fcnchen: Beck<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wette<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfram (1987): Gustav Noske. eine politische Biographie. D\u00fcsseldorf: Droste<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wette<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfram (Hrsg) (2005): Schule der Gewalt. Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wette<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Wolfram (2008): Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M: Fischer<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Winkler<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, Heinrich August (1987): Der Weg in die Katastrophe. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1930 bis 1933. Berlin\/Bonn: Dietz Nachf.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der Beitrag f\u00fchrt die Studien des Autors zur Geschichte des Deutschen Reichs (Karuscheit 2014 und 2017) mit Blick auf die SPD fort und korrigiert sie an verschiedenen Stellen. Hierzu auch ders: Die SPD und der &gt;Junkerstaat&lt;; in<\/span><\/span><i> <\/i><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Karuscheit\/Sauer\/Wernicke (2018): 100 Jahre Novemberrevolution; Hamburg: VSA<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kautskys Verk\u00fcndung, dass \u201edie deutsche b\u00fcrgerliche Revolution &#8230; 1870 ihr Ende erreichte\u201c, gab die Grundsatzposition der SPD wieder (Kautsky 1972:\u00a018).<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kl\u00f6nne 1984:\u00a0145<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u201eAdresse des Generalrats der Internationalen Arbeiter-Assoziation\u201c; nach dem Vorwort von Engels zur Ausgabe von 1872 des \u201eKommunistischen Manifest\u201c; MEW 18, S.\u00a095<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> MEW 22, S.\u00a0234<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Weltpolitik und Aufbau der Marine waren ein b\u00fcrgerliches Projekt, wogegen das Heer in der Hand des gutsbesitzenden Milit\u00e4radels war und blieb. Das Wechselverh\u00e4ltnis zwischen dem von der Bourgeoisie vorangetriebenen Schlachtflottenbau und der Einf\u00fchrung hoher Agrarz\u00f6lle im Interesse des getreideproduzierenden Junkertums hat als erster der Sozialwissenschaftler Eckart Kehr in einer bis heute un\u00fcbertroffenen Studie von 1930 herausgearbeitet: \u201eSchlachtflottenbau und Parteipolitik <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">1894-1901.<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Versuch eines Querschnitts durch die innenpolitischen, sozialen und ideologischen Voraussetzungen des deutschen Imperialismus\u201c. Die Marxisten haben die Implikationen zwischen den innenpolitischen Auseinandersetzungen und den unterschiedlichen Waffengattungen weitestgehend negiert, ebenso die Konsequenzen, die daraus f\u00fcr unterschiedliche Kriegsszenarien folgten.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Friedrich Engels erkl\u00e4rte noch 1891\/92 in der Schrift \u201eDer Sozialismus in Deutschland\u201c, dass die Sozialdemokratie in einem Krieg mit Russland die Zivilisation und die Errungenschaften der deutschen Arbeiterbewegung als Vorposten der internationalen Arbeiterbewegung gegen die zarischen Horden verteidigen m\u00fcsste. (MEW 22:\u00a0247ff)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bley 2014; demn\u00e4chst hierzu Karuscheit: August Bebel als Vaterlandsverteidiger. Die Stellung des SPD-Parteivorsitzenden zur Kriegsfrage 1910 \u2013 1913, in AzD 88 (2018)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Nachdem im Oktober 1918 fest stand, dass der Kanzlersturz den Krieg um mehr als ein Jahr verl\u00e4ngert hatte und statt eines m\u00f6glichen Remisfriedens eine schwere Niederlage das Ergebnis war, hatten die Beteiligen jeden Grund, ihre Verantwortung zu vertuschen. Wie wollte man das Zusammenwirken von SPD\/Zentrum und der OHL beim Kanzlersturz und die Regierungs\u00fcbernahme durch einen uneingeschr\u00e4nkt zur Fortf\u00fchrung des Kriegs entschlossenen Kanzler auch erkl\u00e4ren? Die Kriegserinnerungen Erzbergers und Scheidemanns legen von dem gefundenen Ausweg Zeugnis ab: die arglosen, machtungewohnten Parlamentarier waren \u00fcberfordert und lie\u00dfen sich von einer mit allen Wassern gewaschenen OHL missbrauchen (Karuscheit 2017:\u00a072). Die Geschichtsschreibung hat dieser Legende bis auf wenige Ausnahmen Glauben geschenkt, nicht zuletzt, weil bis heute keine wissenschaftliche Monografie zur Julikrise 1917 existiert.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Politik der SPD in Krieg und Novemberrevolution Von Heiner Karuscheit Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in: Berliner Debatte Initial 29 (2018) Nr. 3 Vorbemerkung Die Republik von Weimar \u00fcberlebte nicht l\u00e4nger als vierzehn Jahre. Unter der Verantwortung der SPD gegr\u00fcndet und zu keinem Zeitpunkt stabil, stellte sich von Anfang an die Frage, inwieweit ihre &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1552\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">F\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland und die Macht<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1552","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1552"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1554,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1552\/revisions\/1554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}