{"id":1511,"date":"2018-11-26T16:58:07","date_gmt":"2018-11-26T15:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1511"},"modified":"2018-11-27T20:24:07","modified_gmt":"2018-11-27T19:24:07","slug":"august-bebel-als-vaterlandsverteidiger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1511","title":{"rendered":"August Bebel als Vaterlandsverteidiger"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Stellung des SPD-Parteivorsitzenden zur Kriegsfrage 1910 \u2013 1913<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><em>Von Heiner Karuscheit<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom September 1910 bis zu seinem Tod im August 1913 stand der SPD-Parteivorsitzende August Bebel in geheimer Verbindung mit der britischen Regierung, um diese vor einem bevorstehenden Angriff der deutschen Schlachtflotte zu warnen. 2014 ist die erweiterte Neuauflage einer Studie zu diesen Kontakten erschienen unter dem Titel &#8222;Bebel und die Strategie der Kriegsverh\u00fctung 1904-1913&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Neben einem ausf\u00fchrlichen Vorwort des Herausgebers und erg\u00e4nzenden Schriftst\u00fccken enth\u00e4lt der dokumentarische Hauptteil den Briefwechsel und die Unterredungen Bebels mit dem britischen Generalkonsul in der Schweiz, Heinrich Angst, den er in Z\u00fcrich kennen gelernt hatte, wo seine Tochter lebte und er sich seit Ende der 1890er Jahre regelm\u00e4\u00dfig aufhielt. Durch ihn lie\u00df er seine Warnungen dem Foreign Office in London zukommen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Lekt\u00fcre erhellt nicht nur die Frage, wie es dazu kam, dass die SPD im August 1914 die Vaterlandsverteidigung bef\u00fcrworten konnte, ohne sich zu spalten. \u00dcber die Kriegsfrage hinaus geben die \u00c4u\u00dferungen Bebels zu den Herrschaftsverh\u00e4ltnissen in Deutschland wie in einem Brennglas Einblick in die politische Gedankenwelt eines Mannes, der bis zu seinem Tod 1913 an der Spitze der sozialdemokratischen Arbeiterpartei stand und die Konzeption bestimmte, mit der diese in den Krieg ging.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der bef\u00fcrchtete Schlachtflottenkrieg gegen Gro\u00dfbritannien<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleich in seinem ersten Gespr\u00e4ch mit dem britischen Generalkonsul in Z\u00fcrich Ende September 1910 sagte Bebel einen Krieg gegen Gro\u00dfbritannien voraus: &#8222;Die Katastrophe wird, glaube ich, 1912 kommen, wenn nicht fr\u00fcher. Preu\u00dfen kann nicht hoffen, jemals in einer besseren Position f\u00fcr einen pl\u00f6tzlichen Angriff auf England zu sein, als dann, wenn die Seestreitkr\u00e4fte in den modernsten Kampfeinheiten fast gleichwertig sind, w\u00e4hrend sich Englands Verteidigung zu Lande noch in chaotischem Zustand befindet.&#8220; (Bericht Angst vom 4.Oktober 1910 an den britischen Au\u00dfenminister Edward Grey \u00fcber ein Gespr\u00e4ch mit Bebel eine Woche zuvor) Bei der Gelegenheit \u00e4u\u00dferte der SPD-Parteivorsitzende zugleich sein Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, &#8222;was sich die Britischen Regierungen und das Volk dabei denken, Deutschland so nah mit seiner Flottenr\u00fcstung an sich heranschleichen zu lassen.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Warnung vor einem deutschen \u00dcberfall auf Gro\u00dfbritannien wiederholte Bebel in der Folgezeit regelm\u00e4\u00dfig. Sie erwuchs nicht allein aus Sorge vor einem Krieg als solchem, sondern war auch den bef\u00fcrchteten innenpolitischen R\u00fcckwirkungen geschuldet. So prophezeite er am 2.Januar 1912, &#8222;dass die englische Flotte gleich zu Beginn geschlagen werden w\u00fcrde, und dann w\u00e4re das Unheil f\u00fcr Deutschland ebenso gro\u00df wie f\u00fcr England. Alle liberalen und demokratischen Institutionen in Deutschland w\u00e4ren f\u00fcr eine Generation erledigt und unsere Partei eine Zeitlang ruiniert.&#8220; (Gespr\u00e4ch vom 2.Januar 1912)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den nach seiner Auffassung unmittelbar bevorstehenden Krieg zu verhindern, belie\u00df er es nicht bei blo\u00dfen Warnungen, sondern forderte die britische Regierung zur Aufr\u00fcstung auf, wie sein Gew\u00e4hrsmann nach London \u00fcbermittelte: &#8222;Herr Bebel ist der Meinung, dass es nur einen Weg gibt, aber nur einen, den ruin\u00f6sen Flottenwettlauf zwischen England und Deutschland zu beenden, n\u00e4mlich die Aufnahme einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Sonderanleihe f\u00fcr die Flotte durch die Regierung seiner Majest\u00e4t.&#8220; (Brief Angst an Tyrell, 1.Mai 1911) Bebel selber \u00e4u\u00dferte: &#8222;Deutschland kann einfach nicht mehr Geld als jetzt f\u00fcr seine Flotte ausgeben &#8230; Eine letzte, entschlossene Anstrengung von Seiten Englands, die eindeutige Vorherrschaft zur See wiederzugewinnen, wird Deutschland dazu bringen, das Handtuch zu werfen.&#8220; (Gespr\u00e4ch mit Angst am 17.M\u00e4rz 1912)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diesen Gedanken betonte er bis zum Schluss: &#8222;Wenn die britische Regierung eine Sonderanleihe von sagen wir 40 Millionen Pfund f\u00fcr die Marine aufn\u00e4hme, w\u00fcrden und k\u00f6nnten die Deutschen dem Beispiel nicht folgen.&#8220; (Brief Angst an Tyrell, 18.M\u00e4rz 1913) Die Furcht des SPD-Vorsitzenden vor der deutschen Schlachtflotte ging so weit, dass er sogar die Forderung nach einer allgemeinen Abr\u00fcstung ablehnte, weil dies dem Kaiserreich in die H\u00e4nde spielen w\u00fcrde. (Bericht Angst an Grey, 4.Oktober 1912)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Reaktion der britischen Regierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bebels Entschluss, es nicht bei der \u00f6ffentlichen Antikriegspolitik der SPD zu belassen, sondern den ausw\u00e4rtigen Klassenfeind insgeheim zur Aufr\u00fcstung aufzufordern, um den heimischen Klassenfeind zu bek\u00e4mpfen, war zweifellos ungew\u00f6hnlich. Das Bekanntwerden dieser Verbindung nach dem 2.Weltkrieg f\u00fchrte bei einigen Historikern sogar zum posthumen Vorwurf des Landesverrats, obwohl die Mitteilungen nichts Geheimes enthalten, sondern wesentlich die politische Ideenwelt Bebels wiedergeben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch welche Relevanz hatten Bebels Warnungen vor der deutschen Gefahr? Wie realistisch war seine Einsch\u00e4tzung des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses zwischen kaiserlicher Marine und Navy? Diese Frage beantwortete Heinrich Angst als Vertreter der britischen Interessen selber. In einem Brief an Bebel erl\u00e4uterte er dem deutschen Arbeiterf\u00fchrer &#8222;losgel\u00f6st von allen M\u00e4tzchen und Phrasen&#8220; die beiden Grundkonstanten der britischen Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik, n\u00e4mlich: &#8222;1)\u00a0Die \u00dcbermacht der britischen Flotte, 2)\u00a0Bewahrung des politischen und milit\u00e4rischen Gleichgewichts auf dem Kontinent.&#8220; (Brief Angst an Bebel, 14.April 1913) Diese Axiome waren jedem au\u00dfenpolitisch Interessierten in Europa gel\u00e4ufig. Sie ergaben sich aus<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Insellage Gro\u00dfbritanniens und der Notwendigkeit, zwecks Beherrschung des Empire den R\u00fccken auf dem Kontinent frei zu halten. Unabh\u00e4ngig davon, welche Partei die Regierung stellte, bestimmten sie die Au\u00dfen- und R\u00fcstungspolitik des Inselstaats.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch woher r\u00fchrten dann die Bef\u00fcrchtungen Bebels? Hierzu bemerkte der britische Au\u00dfenminister Edward Grey in einem Schreiben an Angst gleich nach der ersten Kontaktaufnahme, dass in dem gerade gef\u00fchrten Wahlkampf die Mariner\u00fcstung &#8222;mit einer gewissen parteipolitischen Erregung diskutiert&#8220; worden sei. Dann fuhr er trocken fort: das &#8222;hat im Ausland dazu gef\u00fchrt, ihre St\u00e4rke ebenso zu untersch\u00e4tzen wie das Ausma\u00df dessen, was getan wird, um ihre \u00dcberlegenheit zu erhalten.&#8220; (Brief Grey an Angst, 13.10.1910) Er lie\u00df also keinen Zweifel daran, dass London trotz zeitweise interner Differenzen an der \u00dcberlegenheit zur See festhielt und wies dezent darauf hin, dass Bebel das Wahlkampfget\u00f6se offenbar f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im britischen Unterhaus-Wahlkampf war die deutsche Gefahr hochgespielt und wider besseres Wissen eine Gef\u00e4hrdung Englands behauptet worden, um angesichts zunehmender sozialer Forderungen den kostentr\u00e4chtigen Ausbau der Kriegsflotte zu rechtfertigen. Durch die Auswertung der inzwischen frei gegebenen Akten wei\u00df man mittlerweile definitiv, dass die britische Admiralit\u00e4t \u00fcber den Stand der deutschen Mariner\u00fcstung zu jeder Zeit informiert war und die Dominanz der Navy nie in Zweifel zog.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Au\u00dferdem hielt England nicht nur seine Kriegsmarine auf Stand, sondern realisierte auch die zweite von Angst konstatierte Maxime seiner Au\u00dfenpolitik, n\u00e4mlich die Vorherrschaft <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>eines<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Staates auf dem Kontinent zu verhindern. Um das Kaiserreich einzud\u00e4mmen, schloss es 1904 ein B\u00fcndnis mit Frankreich und 1907 eines mit Russland.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bley als Herausgeber der Dokumente sieht in dem Vorgehen des SPD-Vorsitzenden &#8222;kein durchdachtes Konzept eines international orientierten Sozialisten&#8220;. Er weist darauf hin, dass Bebel aus dem Handwerkerfl\u00fcgel der liberalen Bewegung kam und offenbar nach wie vor dem Klischee des liberalen England anhing, das zu den au\u00dfenpolitischen Grundannahmen des deutschen Liberalismus in der Reichsgr\u00fcndungszeit geh\u00f6rt hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Interne Machtk\u00e4mpfe<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nun muss zur Ehrenrettung Bebels gesagt werden, dass er nicht einfach nur den &#8222;M\u00e4tzchen und Phrasen&#8220; des britischen Wahlkampfs auf den Leim ging. Auf deutscher Seite verfolgten die Nationalliberalen als tonangebende b\u00fcrgerliche Partei zusammen mit der Marineleitung die erkl\u00e4rte Absicht, Deutschland f\u00fcr eine Auseinandersetzung mit Gro\u00dfbritannien hochzur\u00fcsten, um eine Weltmachtstellung mitsamt einem Kolonialreich in Mittelafrika zu erobern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch wie realistisch waren diese kriegerischen Tendenzen? Zum einen ist zu konstatieren, dass es nicht gelang, die notwendige \u00dcberlegenheit zur See herzustellen und dies den Verantwortlichen auch bewusst war. Die britischen Seestreitkr\u00e4fte schlossen nach Ausbruch des Weltkriegs 1914 einen Blockadering um das Reich, ohne dass man etwas dagegen unternehmen konnte. Ein Mal nur lief das Gros der deutschen Schlachtflotte aus, um sich im Skagerrak eine Seeschlacht mit der Navy zu liefern, und dieser Kampf bewies in der Praxis, was schon vorher klar war, n\u00e4mlich dass die eigene Kriegsmarine nicht in der Lage war, es mit der gegnerischen Schlachtflotte aufzunehmen und die Seeherrschaft Londons zu brechen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abgesehen von der r\u00fcstungstechnischen Seite war die andere Frage, ob die Vertreter der Welt- und Schlachtflottenpolitik einen m\u00f6glichen Krieg auch intern durchsetzen konnten. Inwieweit waren sie in der Lage, die politische und vor allem milit\u00e4rische F\u00fchrung des Reichs f\u00fcr einen weltpolitischen Waffengang hinter sich zu bringen?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u00dcbergang zum Imperialismus 1897 und zum Bau einer gewaltigen Schlachtschiffflotte gr\u00fcndete sich auf den industriellen Aufstieg des Kaiserreichs und war ein b\u00fcrgerlich-liberales, von Wilhelm\u00a0II unterst\u00fctztes Projekt. Das in Preu\u00dfen herrschende, agrarisch fundierte Junkertum, dem das Landheer unterstand, hatte an der Weltpolitik kein Interesse. Insbesondere die kostentr\u00e4chtige Schlachtflotte war f\u00fcr die Gro\u00dfagrarier stets die &#8222;gr\u00e4ssliche, h\u00e4ssliche Flotte&#8220;, deren Bau sie nur deswegen zugestimmt hatten, weil im Gegenzug die Getreidez\u00f6lle um das F\u00fcnffache erh\u00f6ht wurden. Die Untersuchungen Eckart Kehrs, insbesondere sein Werk &#8222;Schlachtflottenbau und Parteipolitik&#8220;, haben diesen Zusammenhang in aller Gr\u00fcndlichkeit herausgearbeitet.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch die Tolerierung des Flottenbaus bedeutete nicht, dass der Milit\u00e4radel auch mit einem Krieg gegen Gro\u00dfbritannien einverstanden war. Aufgrund der geographischen Lage Deutschlands war ein solcher Seekrieg nicht isoliert m\u00f6glich, sondern musste durch einen Landkrieg gegen das seit 1904 mit London verb\u00fcndete Frankreich flankiert werden, gegebenenfalls auch gegen Russland. Klassenspezifisch ausgedr\u00fcckt: die Bourgeoisie konnte einen Seekrieg gegen London nicht ohne das Landheer der Junker f\u00fchren. Umgekehrt konnten die Junker sehr wohl einen Kontinentalkrieg ohne die Schlachtflotte f\u00fchren \u2013 was der Krieg 1914-18 unter Beweis stellte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bebel selber betonte in den Besprechungen mit Angst regelm\u00e4\u00dfig die Macht des Junkertums: &#8222;Preu\u00dfen zu reformieren ist unm\u00f6glich; es wird der Junkerstaat bleiben, der es zur Zeit ist&#8220;. (Gespr\u00e4ch vom 4.10.1910) Aber was sollte den m\u00e4chtigen Milit\u00e4radel dazu bewegen, mit seinem Heer kontinentalen Flankenschutz f\u00fcr einen weltpolitischen Krieg gegen London zu geben, der allein im Interesse der Bourgeoisie lag? Nach Bismarcks Abgang 1890 konnten die b\u00fcrgerlich-liberalen Kr\u00e4fte das Au\u00dfenministerium \u00fcbernehmen und der den Nationalliberalen nahestehende Bernhard von B\u00fclow, der Architekt der Weltpolitik, konnte sogar Kanzler werden. Doch der b\u00fcrgerliche Spielraum hatte zwei eherne Schranken: im Innern durfte die au\u00dferparlamentarische Stellung der Armee und damit die junkerliche Vormachtposition nicht angetastet werden und im \u00c4u\u00dferen behielt sich der Milit\u00e4radel die Entscheidung \u00fcber die Frage von Krieg und Frieden vor.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der unrealistische Krieg: die Marokko-Krise 1911<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Umst\u00e4nde erkl\u00e4ren den Ablauf der Marokko-Krise 1911, die als Krieg-in-Sicht-Krise den Angelpunkt von Bebels Kontakten mit Angst bildet.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ihr Ursprung war der Versuch des deutschen Au\u00dfenministers Kiderlen-W\u00e4chter, Frankreich zur Abtretung seiner mittelafrikanischen Kolonien an das Kaiserreich zu zwingen; im Gegenzug w\u00fcrden die Deutschen auf ihre seit der ersten Marokkokrise (Algeciras-Konferenz 1906) verbrieften Interessen in Nordafrika verzichten. Zur Unterstreichung der deutschen Ernsthaftigkeit lie\u00df er den Kaiser das Kanonenboot Panther nach Agadir schicken. Da das mit Frankreich verb\u00fcndete Russland erkennen lie\u00df, dass es einen Krieg um Kolonien nicht als B\u00fcndnisfall betrachten w\u00fcrde, machte die franz\u00f6sische Regierung bereits Anstalten, dem deutschen Druck nachzugeben, so dass es f\u00fcr eine kurze Zeit so aussah, als ob die deutsche Drohpolitik Erfolg haben w\u00fcrde. Doch dann trat Gro\u00dfbritannien auf den Plan, erkl\u00e4rte, dass es eine Schw\u00e4chung Frankreichs nicht hinnehmen w\u00fcrde, und lie\u00df zur Bekr\u00e4ftigung seiner Entschlossenheit die Schlachtschiffe der Navy auslaufen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn die deutsche Regierung unter Bethmann Hollweg, wie vielfach behauptet, von Anfang an auf einen Krieg zur Erlangung einer Weltmachtstellung abzielte, dann war jetzt die Gelegenheit dazu, denn die Kriegskonstellation war ideal: Weil Russland seine Neutralit\u00e4t signalisiert hatte, musste man keinen Zweifrontenkrieg f\u00fchren, und nur gegen Frankreich hatte das preu\u00dfisch-deutsche Heer gr\u00f6\u00dfte Siegeschancen. Bei einem Sieg \u00fcber Frankreich (incl. der Eroberung Belgiens) w\u00fcrde man die dortigen Atlantikh\u00e4fen in die Hand bekommen und damit war der Ausgang aus dem \u00c4rmelkanal in den Atlantik frei. Als Folge w\u00e4re das Reich blockadefest und k\u00f6nnte umgekehrt den britischen Inselstaat von seinen transatlantischen Nachschublinien abschneiden. Der Krieg w\u00fcrde also h\u00f6chst aussichtsreiche Bedingungen schaffen, um die Auseinandersetzung mit London um eine Weltmachtstellung siegreich zu f\u00fchren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch kaum stellte die britische Regierung sich auf die Seite von Paris, trat der Reichskanzler Bethmann-Hollweg den R\u00fcckzug an und signalisierte Kompromissbereitschaft. Warum tat er das, obwohl derselbe Mann drei Jahre sp\u00e4ter in einer viel ung\u00fcnstigeren Ausgangssituation durch ein hochriskantes Vabanque-Spiel einen Weltkrieg provozierte?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum einen entsprach ein solcher Krieg nicht dem Konzept des Kanzlers, der 1909 nach dem Sturz B\u00fclows als Kompromisskandidat Regierungschef geworden war. Im Gegensatz zu seinem Vorg\u00e4nger war er kein Verfechter der Weltpolitik und verfolgte gegen\u00fcber London eine Politik der Entspannung. Aber selbst wenn er gewollt h\u00e4tte \u2013 wie h\u00e4tte er die Kriegsentscheidung durchsetzen k\u00f6nnen? Aus den eben genannten Gr\u00fcnden hatte der preu\u00dfische Milit\u00e4radel keinerlei Interesse daran, das Heer in einen Landkrieg gegen Frankreich zu schicken, um Sch\u00fctzenhilfe f\u00fcr die weltpolitischen Ambitionen der Bourgeoisie gegen Gro\u00dfbritannien zu leisten. Und angesichts seiner politisch-milit\u00e4rischen Machtstellung war es undenkbar, einen Krieg gegen seinen Willen zu f\u00fchren. Das ist der Hintergrund, vor dem Bethmann dem britischen Auftreten nachgab, trotz der w\u00fctenden Proteste der Liberalen, die ihm Feigheit und Englandfreundschaft vorwarfen und ihm bis zu seiner Entlassung 1917 nicht verziehen, dass er die Kriegsgelegenheit 1911 nicht wahrgenommen hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Zusammenhang mit dieser Krise hielt Bebel am 11.November 1911 eine bis heute vielzitierte Antikriegsrede im Reichstag, in welcher er vor der Katastrophe eines Weltkriegs warnte und prophezeite, dass nach &#8222;dem gro\u00dfen Generalmarsch der gro\u00dfe Kladderadatsch&#8220; kommen w\u00fcrde. Nur f\u00fchrte der britisch-deutsche Gegensatz weder 1911 in Marokko noch sp\u00e4ter in den Krieg. Vielmehr entbrannte anstelle eines weltpolitischen Kriegs mit Gro\u00dfbritannien 1914 ein Kontinentalkrieg mit Russland und Frankreich, der seinem inneren Wesen nach ein Machtsicherungskrieg des Junkertums war. Die Vorgeschichte <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>dieses<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Kriegs erlebte Bebel noch mit \u2013 und nahm dazu eine ganz andere Position ein als zu dem Krieg gegen Gro\u00dfbritannien.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Umschlag 1912\/13<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ausgangspunkt war die Reichstagswahl 1912. In deren Vorfeld teilte Bebel dem britischen Generalkonsul seine Auffassung mit, dass wie \u00fcblich eine &#8222;Verschw\u00f6rung der andern Parteien gegen uns&#8220; stattfinden w\u00fcrde, &#8222;weil die b\u00fcrgerlichen Parteien sich immer gegen die &#8218;Sozis&#8216; zusammenschl\u00f6ssen.&#8220; (Brief Bebels an Angst vom 14.\u00a0Januar und Gespr\u00e4ch vom 22.\u00a0Januar 1912) <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die von Bebel unterstellte &#8222;Verschw\u00f6rung&#8220; besagte, dass die anderen Parteien bisher durch Wahlkreisabsprachen daf\u00fcr gesorgt hatten, dass die SPD bei den Wahlen erheblich weniger Sitze erhielt als ihrem Stimmenanteil entsprach (die Wahlkreise, in denen kein Kandidat im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erzielte, wurden durch Stichwahl entschieden). Auf diese Weise hatte die SPD bei der vorangegangenen Wahl 1907 eine schwere Wahlniederlage erlitten, weil in diesem Jahr auch die linksb\u00fcrgerliche DDP bei den Absprachen mitgemacht hatte, so dass die Zahl der SPD-Abgeordneten von 81 auf 43 geschrumpft war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber die Wahl 1912 unterschied sich grundlegend davon. Im Jahr 1909 war das jahrzehntelange B\u00fcndnis von<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Konservativen und Nationalliberalen in einem Steuerstreit um die Finanzierung der Schlachtflotte irreparabel zerbrochen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> Das hatte zur unmittelbaren Folge, dass B\u00fclow, der Kanzler der Weltpolitik, durch Bethmann-Hollweg ersetzt wurde. Dar\u00fcber hinaus gab es keine Wahlkreisabsprachen zwischen Konservativen und Liberalen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>,<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> keine &#8222;Verschw\u00f6rung der anderen Parteien gegen die Sozis&#8220; mehr, so dass 1912 ein v\u00f6llig anderes Wahlergebnis zustande kam als 1907. W\u00e4hrend Konservative und Nationalliberale schwere Mandatsverluste hinnehmen mussten, am meisten die Konservativen, eroberte die SPD mit 110 Mandaten fast ein Drittel der Reichstagssitze.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass Bebel nicht in der Lage war, die grundlegenden Ver\u00e4nderungen zu erkennen, die von dem B\u00fcndnisbruch 1909 ausgingen, hatte damit zu tun, dass er kein tieferes Verst\u00e4ndnis der Klassenverh\u00e4ltnisse besa\u00df. Er brachte es fertig, die Junker als reaktion\u00e4re Inhaber der Staatsmacht zu kritisieren \u2013 und sie im selben Atemzug derselben b\u00fcrgerlichen Klasse wie die Bourgeoisie zuzurechnen. Der stattfindenden Umgruppierung der Klassenkr\u00e4fte stand er verst\u00e4ndnislos gegen\u00fcber.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vom missgl\u00fcckten Staatsstreich zum Kurs auf einen Krieg<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Gegensatz zu Bebel begriffen die Junker die Tragweite des Geschehens von 1909\/12. Seit 1909 unterst\u00fctzte ihre Partei, die Konservativen, den neuen Kanzler nur noch von Fall zu Fall und zwang ihn so, eine Politik der sog &#8222;Diagonale&#8220; zwischen den Parteien mit wechselnden Mehrheiten f\u00fcr die Gesetzgebung zu betreiben. Aber noch hielten sie sich zur\u00fcck, weil sie hofften, dass sich das Verh\u00e4ltnis zu den Nationalliberalen wieder kitten lie\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst die Wahl 1912 zeigte, dass der Bruch endg\u00fcltig war und dass ihnen der Untergang drohte, wenn sie keine Gegenma\u00dfnahmen ergriffen. Daraufhin reagierten sie mit aller Konsequenz. Als erstes versuchten sie gleich nach der Wahl, gemeinsam mit ihren Verb\u00fcndeten aus der Schwerindustrie einen Bergarbeiterstreik an der Ruhr eskalieren zu lassen, um eine b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Situation herbei zu f\u00fchren, in deren Zug die Verfassung au\u00dfer Kraft gesetzt und das allgemeine Wahlrecht beseitigt werden sollte. Doch die Bergarbeiter lie\u00dfen sich nicht auf die von den Zechenherren organisierten Provokationen ein, und Reichskanzler und Kaiser verweigerten sich einem Staatsstreich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Danach besa\u00dfen sie nur noch <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>ein<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mittel zur Rettung der patriarchalischen Ordnung, n\u00e4mlich einen Krieg, um ihre Herrschaft durch einen gro\u00dfen Sieg des von ihnen kommandierten Heeres auf weitere Jahrzehnte zu befestigen. Des damit verbundenen Risikos waren sie sich vollauf bewusst, aber welche Alternative hatten sie? Von jetzt an blockierten sie die Regierungsarbeit auf allen Ebenen, trieben die Krise von Staat und Gesellschaft voran, spielten die russisch-franz\u00f6sische Gefahr hoch und nutzten jedes ergreifbare Mittel, um den widerstrebenden Kanzler in den gew\u00fcnschten Krieg zu zwingen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Zuge dieser Entwicklung wurde 1913 eine umfangreiche Heeresvermehrung beschlossen. Die damit im Zusammenhang stehenden Mitteilungen Bebels geh\u00f6ren zu den letzten, die in der Studie Bleys dokumentiert sind \u2013 und enth\u00fcllen das Geheimnis, wieso die SPD 1914 einem Weltkrieg zustimmte, w\u00e4hrend Bebel drei Jahre zuvor noch alles unternommen hatte, um einen anderen Krieg zu verhindern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis dahin hatten die R\u00fcstungsvorhaben der kaiserlichen Regierungen stets sowohl das Heer als auch die Marine ber\u00fccksichtigt \u2013 auch dies ein Produkt des Klassenkompromisses von 1870. Demgem\u00e4\u00df verlangten die liberalen Imperialisten jetzt wiederum, neben dem Heer die Schlachtflotte zu verst\u00e4rken. Doch diesmal liefen sie mitsamt dem Kaiser gegen eine Wand. An der Sitzung der Etatkommission des Reichstags, auf der die R\u00fcstungsvorlage beraten wurde, nahm auch Bebel teil und informierte den britischen Generalkonsul anschlie\u00dfend dar\u00fcber. Er berichtete, dass Gro\u00dfadmiral Tirpitz, der Sch\u00f6pfer der Schlachtflotte, in der Sitzung &#8222;mit der gr\u00f6\u00dften Erregung&#8220; hatte offenbaren m\u00fcssen, dass die Marine leer ausgehen w\u00fcrde. Die Haushaltsberatung demonstrierte, so Bebel, dass &#8222;die Milit\u00e4rkaste, d.h. die preu\u00dfischen Junker, wieder einmal ihre ungeheure Macht bewiesen haben, indem sie gleichzeitig die Flotten- und Kolonialenthusiasten und den Kaiser selbst besiegten.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr den SPD-Vorsitzenden stand nach der Sitzung fest: &#8222;F\u00fcr die Flottenanh\u00e4nger ist das Spiel v\u00f6llig aus, und England sollte sich dessen bewusst sein. (\u2026) Wir k\u00f6nnen nicht l\u00e4nger mit England um die Flottenherrschaft konkurrieren.&#8220; (Gespr\u00e4ch mit Angst am 18.\u00a0M\u00e4rz 1913) Worauf er jahrelang gehofft und durch seine Kontakte mit London hingearbeitet hatte, war endlich Wirklichkeit geworden: Deutschland hatte das maritime Wettr\u00fcsten verloren und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>die Gefahr eines weltpolitisch-imperialistischen Kriegs gegen Gro\u00dfbritannien war vor\u00fcber. <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch auf ihrem Friedenskongress in Basel Ende 1912 hatte die Sozialistische Internationale die &#8222;Gegnerschaft zwischen Gro\u00dfbritannien und dem Deutschen Reich&#8220; als &#8222;gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Frieden Europas&#8220; benannt. Jetzt stand fest, dass die kaiserliche Marine nicht weiter aufger\u00fcstet wurde, und damit schien die Kriegsgefahr vor\u00fcber zu sein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sozialdemokratische Vaterlandsverteidigung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wor\u00fcber Bebel seinem Verbindungsmann in Z\u00fcrich nicht mehr berichtete, weil es die maritimen Gegens\u00e4tze zwischen dem Kaiserreich und Gro\u00dfbritannien nicht betraf, war eine nicht\u00f6ffentliche Sitzung mit Vertrauensleuten aller Parteien am 24.\u00a0April 1913 im Reichstag, auf der die Heeresverst\u00e4rkung von Vertretern des Milit\u00e4rs erl\u00e4utert wurde. Von Seiten der SPD nahmen au\u00dfer Bebel zwei weitere Reichstagsabgeordnete daran teil, Ledebour und Frank. \u00dcber ihren Verlauf sind wir aus den internen Berichten der bayrischen und w\u00fcrttembergischen Milit\u00e4rbevollm\u00e4chtigten informiert, die der Herausgeber der Bebel-Korrespondenz in die Dokumentensammlung aufgenommen hat. (abgedruckt als Dokument 82\u00a0a, S.\u00a0258\u00a0ff)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Zusammenkunft begr\u00fcndeten die Vertreter des Milit\u00e4rs die Notwendigkeit einer Nachr\u00fcstung mit den R\u00fcstungsprogrammen Frankreichs und Russlands, die beweisen w\u00fcrden, dass diese Staaten einen Krieg gegen das Deutsche Kaiserreich planten. Zugleich legten sie dar, dass Deutschland im Kriegsfall gem\u00e4\u00df den Vorgaben des Schlieffen-Plans zuerst Frankreich angreifen m\u00fcsse (inkl. Durchmarsch durch das neutrale Belgien), um sich nach dem in B\u00e4lde erwarteten Sieg im Westen Russland zuzuwenden. Die anwesenden F\u00fchrungsmitglieder der SPD mit Bebel an der Spitze nahmen die Ausf\u00fchrungen der Milit\u00e4rs ohne Widerspruch entgegen, sie protestierten nicht einmal gegen die angek\u00fcndigte Neutralit\u00e4tsverletzung Belgiens.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Anschluss an die Sitzung erarbeitete Bebel eine Stellungnahme, die im Mai 1913 vom Parteivorstand der SPD unter dem Titel &#8222;Ein ernstes Wort in ernster Zeit. Milit\u00e4rvorlage und internationale R\u00fcstungsindustrie&#8220; als Flugschrift herausgegeben und in ganz Deutschland verbreitet wurde. Darin hei\u00dft es, dass &#8222;wir in Deutschland mit der M\u00f6glichkeit eines Angriffskrieges von au\u00dfen einstweilen noch rechnen (m\u00fcssen), namentlich von Osten her.&#8220; Ein solcher Krieg w\u00fcrde wegen der vorhandenen Staatenb\u00fcndnisse zum Weltkrieg werden und &#8222;unser Vaterland vielleicht vor die Frage von Sein oder Nichtsein stellen&#8220;, woraus folgerte, &#8222;dass die geographische und politische Lage des Reiches die Vorbereitung einer starken Schutzwehr notwendig macht&#8220;. (Dokument 82\u00a0b, S.\u00a0272)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das war eine vollst\u00e4ndig andere Stellung als zuvor bei dem bef\u00fcrchteten Schlachtflottenkrieg gegen Gro\u00dfbritannien. Angesichts der von den Milit\u00e4rs behaupteten Gefahr f\u00fcr das Vaterland &#8222;vom Osten her&#8220; bef\u00fcrwortete der Parteivorstand die Notwendigkeit der &#8222;Vorbereitung einer starken Schutzwehr&#8220;, stimmte also kaum verh\u00fcllt der Aufr\u00fcstung zu und signalisierte mit der Fragestellung von &#8222;Sein oder Nichtsein&#8220; ebenso offen die Bereitschaft zur Vaterlandsverteidigung an der Seite der Regierung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit f\u00fchrte er die Linie fort, die den russischen Zarismus seit der b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848 als Gendarm Europas und Hauptfeind des Fortschritts deklarierte. Diese Einsch\u00e4tzung war wohl bereits seit Russlands Niederlage im Krimkrieg \u00fcberholt, weil der Zarismus damit aufh\u00f6rte, europ\u00e4ische Ordnungsmacht zu sein. Definitiv war sie seit dem verlorenen Krieg des Zarenreichs gegen Japan und der anschlie\u00dfenden Revolution von 1905-07 verfehlt. Doch der Parteivorstand negierte alle Versuche, die antirussische Position zur Vaterlandsverteidigung zu revidieren, und Bebel verk\u00fcndete weiterhin im Reichstag, dass er in einem Krieg mit dem barbarischen Russland jederzeit &#8222;die Flinte auf den Buckel&#8220; nehmen w\u00fcrde, um die Zivilisation und die Errungenschaften der deutschen Arbeiterbewegung zu verteidigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Macht der &#8222;Milit\u00e4rkaste&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Begr\u00fcndung f\u00fcr dieses Verhalten arbeitet der Herausgeber in seiner Vorbemerkung heraus, dass Bebel zwar die Flottenr\u00fcstung als expansiv, aber die kontinentale Milit\u00e4rpolitik als defensiv beurteilte. (S.121) Bley h\u00e4lt diese Unterscheidung f\u00fcr verfehlt, doch in diesem Punkt hatte Bebel recht \u2013 allerdings nur bis 1912. Anders als die Welt- und Schlachtflottenpolitik der b\u00fcrgerlich-liberalen Imperialisten, die auf eine Neuaufteilung der Welt zielte, war die kontinental bestimmte Au\u00dfenpolitik des preu\u00dfischen Milit\u00e4radels im Grundsatz defensiv angelegt. Was sollten die ostelbischen Gutsbesitzer auch mit territorialen Eroberungen anfangen? Sie hatten genug mit ihren Gutswirtschaften zu tun und brauchten keine neuen L\u00e4ndereien. Wenn Bismarck wiederholt erkl\u00e4rt hatte, das geeinte Deutschland sei &#8222;saturiert&#8220; und der ganze Balkan nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert, so dr\u00fcckte sich darin diese Grundposition aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar konnten die Nationalliberalen nach Bismarcks Abdankung 1890 die Au\u00dfenpolitik gestalten, aber die Letztentscheidung \u00fcber die Frage von Krieg und Frieden lag weiterhin beim Milit\u00e4radel; das dokumentiert nicht zuletzt der Nicht-Krieg 1911. Nach dem Wahlsieg der SPD 1912 und dem Fehlschlag des daraufhin unternommenen Staatsstreichversuchs schlug die Position des Junkertums um, und da fiel die Entscheidung zum Krieg nicht aus au\u00dfenpolitischen Erw\u00e4gungen bzw. um territorialer Eroberungen willen, sondern aus Angst vor dem Machtverlust.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bebel vermerkte zu Recht, welch &#8222;ungeheure Macht&#8220; die junkerliche Milit\u00e4rkaste besa\u00df, so dass sie sich gegen die liberalen Imperialisten trotz deren Unterst\u00fctzung durch den Kaiser durchsetzen konnte. Aber er zog keinerlei Schlussfolgerungen daraus \u2013 weder im Hinblick auf die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse im Kaiserreich noch im Hinblick auf die zunehmende Kriegsgefahr. Obwohl mittlerweile die Forderung nach einem Krieg als Ausweg aus der inneren Krise des Reichs un\u00fcberh\u00f6rbar geworden war, brachte er die R\u00fcstungsvorhaben des preu\u00dfischen Milit\u00e4rs damit nicht in Zusammenhang und negierte, dass es bei der einsetzenden Kriegsvorbereitung nicht um die Existenz Deutschlands ging, sondern um das \u00dcberleben des Junkertums, das umso mehr auf die Verf\u00fcgung \u00fcber die Staatsmacht angewiesen war, je mehr ihre unproduktiven Gutswirtschaften in der internationalen Konkurrenz zur\u00fcck fielen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schluss: An der Seite des Milit\u00e4radels<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner Bewertung des SPD-Parteivorsitzenden konstatiert Bley kopfsch\u00fcttelnd Bebels &#8222;Widerspr\u00fcchlichkeit und unpolitische Naivit\u00e4t in wichtigen Fragen&#8220;. Wer die dokumentierten Materialien nachliest, kann sich diesem Urteil nur anschlie\u00dfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese Widerspr\u00fcchlichkeit hat einen Grund. Wie die SPD insgesamt hielt Bebel die b\u00fcrgerliche Revolution in Deutschland mit der Reichseinigung 1870 f\u00fcr abgeschlossen.<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Logik dieses Dogmas durfte das ostelbische Junkertum keine eigene Klasse mehr sein, sondern musste zu einem Teil der Bourgeoisie geworden sein. Daher konnte er nicht begreifen, welche klassenpolitische Brisanz dem Hegemoniebruch von 1909 innewohnte, geschweige denn, dass daraus ein Machtkampf erwuchs, der sich auf das Gebiet der Au\u00dfen- und Milit\u00e4rpolitik verlagerte und in einen Machtsicherungskrieg des Junkertums m\u00fcndete.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Flugschrift von 1913 geh\u00f6rte zu den letzten politischen Aktivit\u00e4ten Bebels, wenige Monate vor seinem Tod und etwas \u00fcber ein Jahr vor dem Gro\u00dfen Krieg. Wenn man diese Flugschrift und die anderen Stellungnahmen des Parteivorsitzenden zur Kenntnis nimmt, ist die Schlussfolgerung unabweisbar, dass die Sozialdemokratie 1914 in Verfolgung der von Bebel vorgegebenen Linie an die Seite des Milit\u00e4radels trat. <\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Helmut Bley (Hrsg): Bebel und die Strategie der Kriegsverh\u00fctung 1904-1913, Offizin-Verlag, Hannover 2014; die folgenden Verweise in Klammern beziehen sich auf dieses Werk. Der hier abgedruckte Artikel ist die \u00fcberarbeitete und erweiterte Fassung einer Rezension, die in der Nr. 1\/2015 der Zeitschrift <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Sozialismus <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">erschienen ist.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Andreas Rose: Zwischen Empire und Kontinent. Britische Au\u00dfenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg; M\u00fcnchen 2011<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eckart Kehr: <\/span><\/span><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Flottenverein#Schlachtflottenbau\"><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Schlachtflottenbau<\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> und Parteipolitik, 1894\u20131901,<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Berlin 1930 (Nachdruck Vaduz 1966); ders.: Der Primat der Innenpolitik. Gesammelte Aufs\u00e4tze zur preu\u00dfisch-deutschen Sozialgeschichte im 19. und 20.\u00a0Jahrhundert, hrsg und eingeleitet von H.U.Wehler, Berlin 1976<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zum Ablauf <\/span><\/span><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emily_Haber\"><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Emily Oncken<\/span><\/span><\/span><\/a><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">: Panthersprung nach Agadir. Die deutsche Politik w\u00e4hrend der Zweiten Marokkokrise 1911; D\u00fcsseldorf 1981<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Im Weltkrieg war der Besitz der belgisch-franz\u00f6sischen Atlantikh\u00e4fen das Hauptkriegsziel der b\u00fcrgerlich-imperialistischen Kr\u00e4fte, voran die Nationalliberalen mit Gustav Stresemann an der Spitze.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der Streit entz\u00fcndete sich an dem Vorhaben des Kanzlers B\u00fclow, einem Mann der Nationalliberalen, zwecks Deckung der Haushaltsausgaben f\u00fcr den Schlachtflottenbau eine reichsweite Erbschaftssteuer einzuf\u00fchren, zu der erstmalig auch die preu\u00dfischen Gro\u00dfgrundbesitzer herangezogen werden sollten. Um dies zu verhindern, organisierten die Konservativen den Sturz des Reichskanzlers; an seine Stelle trat Bethmann Hollweg, der ohne feste Mehrheiten im Parlament regieren musste und damit konfrontiert war, dass der Staat unregierbar wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Konflikt von 1909 bedeutete mehr als nur eine normale Regierungskrise, denn mit ihm zerbrach der Klassenkompromiss von Bourgeoisie und Junkertum, der als &#8222;Reichsgr\u00fcndungskompromiss&#8220; den Staat jahrzehntelang getragen hatte. Von hier aus datiert eine Krise von Staat und Gesellschaft, die sich sukzessive vertiefte, bis sie schlie\u00dflich 1914 in den Weltkrieg m\u00fcndete. (zur weithin verkannten Sprengkraft dieser Schl\u00fcsselkrise: Karuscheit 2014, S.\u00a0179\u00a0ff)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stellung des SPD-Parteivorsitzenden zur Kriegsfrage 1910 \u2013 1913 Von Heiner Karuscheit Vom September 1910 bis zu seinem Tod im August 1913 stand der SPD-Parteivorsitzende August Bebel in geheimer Verbindung mit der britischen Regierung, um diese vor einem bevorstehenden Angriff der deutschen Schlachtflotte zu warnen. 2014 ist die erweiterte Neuauflage einer Studie zu diesen Kontakten &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1511\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">August Bebel als Vaterlandsverteidiger<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1511","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1511","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1511"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1511\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1599,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1511\/revisions\/1599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1511"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}