{"id":1503,"date":"2018-11-06T05:07:21","date_gmt":"2018-11-06T04:07:21","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1503"},"modified":"2018-11-06T05:07:21","modified_gmt":"2018-11-06T04:07:21","slug":"revolution-und-konterrevolution-1918","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1503","title":{"rendered":"Revolution und Konterrevolution 1918"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><span lang=\"de-DE\">Der nachstehende Beitrag wurde in einer gek\u00fcrzten Fassung zuerst ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Sozialismus, Heft 11-2018<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em><span lang=\"de-DE\">Heiner Karuscheit<\/span><\/em><span lang=\"de-DE\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\" align=\"center\"><span lang=\"de-DE\"><b>Das Scheitern einer b\u00fcrgerlichen Revolution und die Folgen<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Seit der gescheiterten Revolution von 1848\/49 stand die Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland auf der Tagesordnung der Geschichte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die Reichsgr\u00fcndung hatte die <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>nationale<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> Aufgabenstellung dieser Revolution erledigt, aber gleichzeitig die Verwirklichung ihrer <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>demokratischen<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> Aufgabenstellung, den Sturz der preu\u00dfischen Milit\u00e4rmonarchie und ihrer herrschenden Klasse von Gutsbesitzern, abgewendet. <\/span><span lang=\"de-DE\">Der <\/span><span lang=\"de-DE\">von Bismarck durch die Einigungskriege von 1866-1870 zustande gebrachte <\/span><span lang=\"de-DE\">Reichsgr\u00fcndungskompromiss zwischen Junkertum und Bourgeoisie<\/span><span lang=\"de-DE\"> \u2013 genauer gesagt <\/span><span lang=\"de-DE\">mit dem rechten, schwerindustriellen Fl\u00fcgel der Bourgeoisie \u2013 hatte diesem eine<\/span><span lang=\"de-DE\"> Beteiligung an der Herrschaft einger\u00e4umt, aber der innere Kern der Macht war den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften verschlossen geblieben, denn die Milit\u00e4raristokratie behielt nicht nur das Kommando \u00fcber die Armee, sondern aufgrund des fortgeltenden Dreiklassenwahlrechts auch die Vorherrschaft \u00fcber den deutschen Hegemonialstaat Preu\u00dfen. (Karuscheit 2014: 90ff)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die b\u00fcrgerliche Revolution war mit der Reichseinigung also nicht erledigt, wie die Sozialdemokratie meinte,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> sondern musste als <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>demokratische<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> Revolution weitergef\u00fchrt werden. Da sich die Bourgeoisie jedoch davon verabschiedet hatte, ja ihre ma\u00dfgebliche Fraktion auf der anderen Seite der Barrikade stand, musste die Arbeiterbewegung an ihre Stelle treten. Erst wenn diese historisch unabdingbare Aufgabenstellung gel\u00f6st war, war der <\/span><span lang=\"de-DE\">Weg zum Sozialismus frei.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">In den folgenden Jahrzehnten erlebte der industrielle Kapitalismus in Deutschland einen beispiellosen Aufschwung, aber die bei der Reichsgr\u00fcndung zementierten Herrschaftsverh\u00e4ltnisse blieben bis zum Weltkrieg unver\u00e4ndert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Durch welche <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>politische Umw\u00e4lzung<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> sollte die Bourgeoisie auch in den Besitz der Macht gelangt sein? Sie hatte nach Bismarcks Abgang ihren Einfluss auf den Staat ausbauen k\u00f6nnen, mehr aber nicht. W<\/span><span lang=\"de-DE\">enn es noch eines Beweises f\u00fcr die gegebenen Machtverh\u00e4ltnisse bedurfte, so erbrachte ihn der Weltkrieg, denn w\u00e4hrend in Frankreich und Gro\u00dfbritannien, den L\u00e4ndern einer b\u00fcrgerlichen Revolution in Europa, die Parlamente die Oberhoheit \u00fcber das Milit\u00e4r behielten bzw. ausweiteten, hielt in Deutschland seit 1916 die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff die Z\u00fcgel der Macht in der Hand.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Eine revolution\u00e4r-demokratische Umw\u00e4lzung<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Am Ende des Gro\u00dfen Kriegs schien endlich zu gelingen, was 1848\/49 fehlgeschlagen war. Anfang November 1918 fegte eine elementare, sich wie ein Lauffeuer ausbreitende revolution\u00e4re Bewegung die bis dahin unbesiegbar erscheinende preu\u00dfisch-deutsche Staatsmaschinerie binnen weniger Tage hinweg. Soldatenr\u00e4te \u00fcbernahmen die Herrschaft \u00fcber das wichtigste Machtinstrument der Milit\u00e4raristokratie, das Heer; in allen gr\u00f6\u00dferen und vielen kleineren St\u00e4dten entmachteten Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te den monarchischen Polizei- und Verwaltungsapparat, und die F\u00fcrstenthrone st\u00fcrzten einer nach dem anderen. Als der Bau der alten Herrschaft wie ein Kartenhaus in sich zusammen fiel und eine Republik an die Stelle des Kaiserreichs trat, schien die b\u00fcrgerliche Revolution endlich gesiegt zu haben. In ganz Deutschland existierte keine andere Macht mehr als die R\u00e4tebewegung, die zwar von Arbeitern dominiert war, aber auch viele b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte umfasste und insbesondere in den Soldatenr\u00e4ten des Heeres eine nichtproletarische Mehrheit aufwies, entsprechend der Zusammensetzung der Armee. (zu den Soldatenr\u00e4ten: Kluge) Trotz der Kriegsniederlage befand sich die deutsche Gesellschaft im Aufbruch, denn der jahrelange Krieg war vor\u00fcber und zusammen mit dem preu\u00dfischen Militarismus schien auch der reaktion\u00e4re Obrigkeitsstaat \u00fcberwunden zu sein.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Vom 16.-21.\u00a0Dezember 1918 trat in Berlin der zentrale Reichsr\u00e4tekongress zusammen, um \u00fcber die endg\u00fcltige Beseitigung der alten Ordnung und die k\u00fcnftige Gestaltung des Staats zu beraten. Er beschloss u.a. die \u201eZertr\u00fcmmerung des Militarismus\u201c, die Schaffung einer Volkswehr anstelle eines stehenden Heeres sowie die Sozialisierung \u201ealler daf\u00fcr reifen Industrien\u201c \u2013 gemeint war die Schwerindustrie. Au\u00dferdem war Konsens in der Novemberbewegung, den Gro\u00dfgrundbesitz aufzuteilen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><i> <\/i><span lang=\"de-DE\">Auch wenn die Ziele der Massenbewegung nicht ausformuliert waren, war das Programm der Revolution eindeutig. \u201eDieses Programm war die Abschaffung des Obrigkeitsstaats und eine tiefgreifende demokratische Umgestaltung der politischen, sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse.\u201c (R\u00fcrup:\u00a050)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Von der Sozialisierung der Schwerindustrie abgesehen (die wegen des Monopolcharakters auch von B\u00fcrgerlichen unterst\u00fctzt wurde), geh\u00f6rten die geforderten Ma\u00dfnahmen seit 1848\/49 zum Grundkatalog einer <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>b\u00fcrgerlichen Revolution<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> gegen die preu\u00dfische Milit\u00e4rmonarchie. Die spontane Bewegung stellte sich die Aufgabe, die historisch auf der Tagesordnung stand, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Teils waren die aufgestellten Forderungen von einer sozialistischen Terminologie begleitet, aber ein \u201eernster Wille, sozialistische Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, zeigte sich bei den revolution\u00e4ren Massen eigentlich nirgends. Solche Absichten w\u00e4ren schon durch die Haltung der Soldaten vereitelt worden, deren Mehrheit nicht sozialistisch war, entsprechend der Zusammensetzung des deutschen Volkes.\u201c (Rosenberg\u00a01:\u00a0139)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Dem entsprach die Entscheidung \u00fcber die k\u00fcnftige Regierungsform. Ein Antrag, das R\u00e4tesystem \u201eals Grundlage der Verfassung der sozialistischen Republik\u201c festzuschreiben, wurde mit gro\u00dfer Mehrheit abgelehnt. Stattdessen beschloss der Kongress, Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung durchzuf\u00fchren. Er wendete sich also dagegen, seine eigene Herrschaft zu etablieren, sondern \u00f6ffnete den Weg f\u00fcr eine parlamentarische Demokratie.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Das sozialdemokratische Machtkonzept<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Aber w\u00e4hrend die revolution\u00e4re Bewegung sich noch ihres Sieges sicher war und der R\u00e4tekongress \u00fcber die Demokratisierung Deutschlands beriet, hatte die SPD-F\u00fchrung hinter den Kulissen die Weichen f\u00fcr eine ganz andere Politik gestellt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die Sozialdemokratie war nach dem Ende des Sozialistengesetzes 1890 allm\u00e4hlich in den Staat hineingewachsen, und das war <\/span><span lang=\"de-DE\">in Preu\u00dfen-Deutschland ein vorb\u00fcrgerlicher Milit\u00e4r- und Obrigkeitsstaat, der sich einer b\u00fcrgerlichen Revolution bis dahin erfolgreich widersetzt hatte. Anders als bei den sozialistischen Parteien Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens bewirkte das Hineinwachsen in ihn keine <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Verb\u00fcrgerlichung<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, sondern eine <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Verpreu\u00dfung<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> der Sozialdemokratie.<\/span> <span lang=\"de-DE\">(Karuscheit: F\u00fcr Preu\u00dfen-Deutschland und die Macht. Die Politik der SPD in Krieg und Novemberrevolution, in Initial 3\/2018; ders: Die SPD und der \u201eJunkerstaat\u201c, in: Karuscheit u.a. 2018)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Damit im Zusammenhang hatte die <\/span><span lang=\"de-DE\">Parteif\u00fchrung sich von dem Ziel verabschiedet, <\/span><span lang=\"de-DE\">im Fall eines Siegs der Arbeiterbewegung <\/span><span lang=\"de-DE\">die<\/span><span lang=\"de-DE\"> alte Staatsmaschinerie zu zerschlagen und eine neue aufzubauen, wie Marx und Engels das f\u00fcr unumg\u00e4nglich gehalten hatten, <\/span><span lang=\"de-DE\">sondern strebte <\/span><span lang=\"de-DE\">deren \u00dcbernahme unter sozialdemokratischer Herrschaft an. Das bedeutete in diesem Fall, den obrigkeitlichen Beamtenstaat fortzuf\u00fchren \u2013 mit den Worten des Parteivorsitzenden Bebel: \u201eWenn wir den Junkerstaat in der Hand haben, haben wir alles.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Milit\u00e4rpolitisch erg\u00e4nzte sich dieses Konzept durch die Position, <\/span><span lang=\"de-DE\">im Fall eines deutsch-russischen Kriegs mit Regierung und Milit\u00e4r zusammen zu gehen, um die Errungenschaften der Arbeiterbewegung gegen eine unterstellte Bedrohung durch das barbarisch-zaristische Russland zu verteidigen. Damit hatte sich der Wandel zu einer <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>preu\u00dfisch-sozialpatriotischen Arbeiterpartei<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> komplettiert, und a<\/span><span lang=\"de-DE\">uf dieser Basis war die Sozialdemokratie im August 1914 an die Seite der Regierung getreten, um das Proletariat unter dem Kommando des Milit\u00e4radels f\u00fcr einen deutschen Sieg k\u00e4mpfen zu lassen.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Das damit eingegangene Kriegsb\u00fcndnis war anschlie\u00dfend durch das Vaterl\u00e4ndische Hilfsdienstgesetz 1916 sowie den gemeinsam mit der OHL organisierten Sturz des friedensbereiten Kanzlers Bethmann Hollweg 1917 vertieft worden.<\/span><span lang=\"de-DE\"> (<\/span><span lang=\"de-DE\">Karuscheit 2017:\u00a060ff)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Im Oktober 1918 stand die SPD kurz davor, den \u201eJunkerstaat\u201c in die Hand zu bekommen, wie angestrebt, denn angesichts der bevorstehenden Kriegsniederlage hatte die Reichsregierung, um den US-Pr\u00e4sidenten Wilson als Friedensvermittler zu gewinnen, durch eine Verfassungs\u00e4nderung das Kaiserreich parlamentarisiert und damit der<\/span><span lang=\"de-DE\"> st\u00e4rksten Reichstagspartei das Tor zur Regierungs\u00fcbernahme ge\u00f6ffnet. <\/span><span lang=\"de-DE\">Von diesem Stand aus war die Novemberrevolution nicht nur \u00fcberfl\u00fcssig, sondern vor allem von \u00dcbel, weil die SPD-F\u00fchrung die vorhandene Staatsordnung weiterf\u00fchren wollte, w\u00e4hrend das Ziel der Revolution die Errichtung eines neuen Staats war. Nachdem sie die Ausrufung der Republik und somit das Ende der Monarchie nicht hatte verhindern k\u00f6nnen, setzte sie nunmehr alles daran, es bei einem blo\u00dfen Wechsel der Staats<\/span><span lang=\"de-DE\"><i>form<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> zu belassen und die alte Ordnung unter republikanischem Vorzeichen zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Zu diesem Zweck nutzte sie das Vertrauen, \u00fcber das sie trotz Abspaltung der USPD in den proletarischen Massen <\/span><span lang=\"de-DE\">verf\u00fcgte, und setzte sich an die Spitze der Bewegung, um von hier aus die politisch-gesellschaftliche Entwicklung zu steuern.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Konterrevolution unter F\u00fchrung der SPD<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">A<\/span><span lang=\"de-DE\">m <\/span><span lang=\"de-DE\">10.\u00a0<\/span><span lang=\"de-DE\">November<\/span> <span lang=\"de-DE\">bildete sich auf ihren Vorschlag hin aus je drei Vertretern von SPD und USPD der Rat der Volksbeauftragten, der in der kommenden Zeit als \u201eRevolutionsregierung\u201c fungierte. Nach seiner eigenen Erkl\u00e4rung und der \u00dcberzeugung der Massen w\u00fcrde der Rat die Ziele der Revolution umsetzen, so auch die Beschl\u00fcsse des R\u00e4tekongresses einige Wochen sp\u00e4ter. <\/span><span lang=\"de-DE\">Jedoch verfolgten die SPD-Mitglieder im Rat andere Ziele. Noch am Abend des 10.\u00a0<\/span><span lang=\"de-DE\">November<\/span><span lang=\"de-DE\"> vereinbarte Friedrich Ebert, der f\u00fchrende Kopf im Rat der Volksbeauftragten, mit General Groener, dem Nachfolger Ludendorffs in der OHL, die Zusammenarbeit mit der alten Milit\u00e4rf\u00fchrung, um m\u00f6glichst rasch wieder \u201egesetzm\u00e4\u00dfige Zust\u00e4nde\u201c herzustellen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die \u00dcbereinkunft war <\/span><span lang=\"de-DE\">nicht aus der Situation heraus geboren, wie regelm\u00e4\u00dfig unterstellt wird, sondern setzte das 1914 eingegangene B\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel fort. Vier Jahre zuvor als Kriegsb\u00fcndnis gegen die Alliierten eingegangen, richtete seine Fortsetzung sich jetzt gegen die Novemberrevolution. Klassenpolitisch eine Allianz zwischen dem rechten Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung und der Milit\u00e4raristokratie, stellte es den eigentlichen Gr\u00fcndungsakt der am Tag zuvor ausgerufenen Republik dar, sicherte \u00fcber die Abwehr der revolution\u00e4ren Demokratiebewegung hinaus die Fortexistenz des Junkertums und gab die k\u00fcnftige Gestalt der Republik vor. <\/span><span lang=\"de-DE\">Alle weiteren Entscheidungen, die den Grundcharakter des Weimarer Staats bestimmten, ergaben sich aus der Weichenstellung dieses Tags.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Das hei\u00dft, als der R\u00e4tekongress im Dezember 1918 tagte, hatte die SPD-F\u00fchrung schon einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Das von dem Kongress beschlossene <\/span><span lang=\"de-DE\">Demokratisierungsprogramm stand <\/span><span lang=\"de-DE\">\u201ezum Konzept der SPD-F\u00fchrung in eindeutigem Widerspruch\u201c (Kolb;Schumann:\u00a015), und die Sozialdemokraten dachten gar nicht daran, es umzusetzen. Sie realisierten nicht einen der gefassten Beschl\u00fcsse und hebelten die R\u00e4tebewegung Schritt f\u00fcr Schritt aus.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Als Pendant zum Ebert-Groener-Pakt hatte die Gewerkschaftsf\u00fchrung<\/span><span lang=\"de-DE\"> am 15.\u00a0November mit der Schwerindustrie das sog.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Stinnes-Legien-Abkommen<\/span><span lang=\"de-DE\"> geschlossen<\/span><span lang=\"de-DE\">, das die sozialdemokratische Allianz mit dem Junkertum durch ein B\u00fcndnis der Gewerkschaften mit dem rechten Fl\u00fcgel der Bourgeoisie erg\u00e4nzte und <\/span><span lang=\"de-DE\">die Verstaatlichung der <\/span><span lang=\"de-DE\">Zechen und Stahlwerke im Tausch <\/span><span lang=\"de-DE\">gegen <\/span><span lang=\"de-DE\">sozialpolitische Zugest\u00e4ndnisse <\/span><span lang=\"de-DE\">abwendete. Da au\u00dferdem die \u00fcberf\u00e4llige Landreform nicht durchgef\u00fchrt wurde, so dass die Gutsbesitzer ihr Eigentum und ihren gesellschaftlichen Einfluss in Ostelbien bewahren konnten, behielten die entscheidenden Tr\u00e4ger der alten Ordnung ihre Machtpositionen. Dar\u00fcber hinaus erfolgte keine Trennung von Staat und Kirche, wurden die F\u00fcrstenh\u00e4user nicht entsch\u00e4digungslos enteignet, blieb das reaktion\u00e4re Justizwesen erhalten und wurden die R\u00e4te, die \u00fcberall die Demokratisierung von Verwaltung und Polizei eingeleitet hatten, sukzessive entmachtet. Auf diese Weise blieb \u201eder ganze Herrschafts- und Geistesapparat des Kaiserreiches erhalten: Verwaltung, Justiz, Universit\u00e4t, Kirchen, Wirtschaft, Generalit\u00e4t\u201c. (Mann:\u00a0670)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Als die Massen registrierten, dass die von ihnen geforderten Ver\u00e4nderungen durch den Rat der Volksbeauftragten sabotiert wurden, kam es in Teilen der Bewegung zu einer Linkswendung bis hin zu Aufstandsversuchen. \u201eNicht zuletzt aufgrund der von der SPD-F\u00fchrung verfolgten politischen Linie endete so, was im November 1918 als demokratische Volksbewegung begonnen hatte, im Fr\u00fchjahr 1919 in Radikalisierung bei den einen und Resignation bei den anderen.\u201c (Kolb; Schumann:\u00a0173) Doch es gab keine politische Kraft, die den revolution\u00e4r-demokratischen Kampf mit dem geeigneten Programm organisieren und anf\u00fchren konnte. Weil die SPD auf der Linken keinen ernst zu nehmenden Gegenspieler hatte, hatten die in aller Eile aufgestellten Freikorps und neu formierten Reichswehrverb\u00e4nde keine M\u00fche, den aufflackernden Widerstand niederzuwerfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Eine Staatsgr\u00fcndung ohne Perspektive<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Als Produkt nicht einer siegreichen demokratisch-b\u00fcrgerlichen Revolution, sondern einer Konterrevolution <\/span><span lang=\"de-DE\">gr\u00fcndete die Republik \u201eihr Selbstverst\u00e4ndnis nicht auf die Revolution, sondern allenfalls auf deren \u00dcberwindung. &#8230; die der Revolution abgerungene Kontinuit\u00e4t war die Basis der Weimarer Demokratie.\u201c (<\/span><span lang=\"de-DE\">R\u00fcrup<\/span><span lang=\"de-DE\">:\u00a04f)<\/span><span lang=\"de-DE\"> 1928 gab die sozialdemokratisch gef\u00fchrte M\u00fcller-Regierung einen Sammelband \u201eZehn Jahre deutsche Geschichte 1918-1928\u201c heraus. Der revolution\u00e4re Staatsumsturz als Ausgangspunkt der Republik fand darin mit keinem Wort Erw\u00e4hnung. Stattdessen war von den \u201eTagen des v\u00f6lligen Zusammenbruchs\u201c sowie \u201eDeutschlands tiefster Not\u201c die Rede, und der Beitrag von Gustav Noske arbeitete die \u201eAbwehr das Bolschewismus\u201c als entscheidendes Merkmal der Republikgr\u00fcndung heraus. (R\u00fcrup: ebda)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Der Vorg\u00e4nger des Weimarer Staats, das Kaiserreich, hatte seine innenpolitische Stabilit\u00e4t fast vierzig Jahre lang bewahrt, gest\u00fctzt auf den Reichsgr\u00fcndungskompromiss zwischen Junkertum und Bourgeoisie, der den Nationalstaat hervorgebracht hatte und erst 1909 zerbrach. Auch diesmal stand ein Klassenb\u00fcndnis an der Wiege des neuen Staats. Aber dieses B\u00fcndnis hatte nur ein negatives Ziel, n\u00e4mlich das Zur\u00fcckwerfen der Novemberrevolution; ihm lag kein neuer Gesellschaftsvertrag zugrunde und es konnte dem neuen Staat keine Stabilit\u00e4t bringen \u2013 im Gegenteil.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Bei der <\/span><span lang=\"de-DE\">vom R\u00e4tekongress beschlossenen <\/span><span lang=\"de-DE\">Wahl zur Nationalversammlung am 19.\u00a0<\/span><span lang=\"de-DE\">Januar 1919 gaben die Massen den Parteien, die sich zur Republik bekannten und f\u00fcr die parlamentarische Demokratie eintraten (SPD, Zentrum und DDP) mit \u00fcber 76\u00a0% mehr als drei Viertel der Stimmen, getragen von einer Welle der demokratischen Hoffnungen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Anderthalb Jahre sp\u00e4ter, nachdem inzwischen die Verfassung verabschiedet war, fand <\/span><span lang=\"de-DE\">am 6.\u00a0Juni 1920, wenige Monate nach dem Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch und der blutigen Niederschlagung des Ruhraufstands, die erste regul\u00e4re Reichstagswahl statt. N<\/span><span lang=\"de-DE\">ach dem Ausbleiben aller von den Massen erhofften Reformen und dem W\u00fcten von Reichswehr und Freikorps <\/span><span lang=\"de-DE\">war die <\/span><span lang=\"de-DE\">bei der Wahl zur Nationalversammlung vorherrschende Aufbruchstimmung verflogen und <\/span><span lang=\"de-DE\">erhielten die Parteien der Republik statt ihrer vorherigen Dreiviertelmehrheit weniger als 44\u00a0% der Stimmen. Allein die SPD verlor fast die H\u00e4lfte und ging von knapp 38 auf unter 22\u00a0% der Stimmen zur\u00fcck \u2013 das d\u00fcrften zahlenm\u00e4\u00dfig in etwa ihre Stammw\u00e4hler vom reaktion\u00e4ren Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung gewesen sein. <\/span><span lang=\"de-DE\">N<\/span><span lang=\"de-DE\">ur eine Minderheit von W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern bekannte sich also noch mit ihrem Stimmzettel zur parlamentarischen Demokratie, und das blieb mit abnehmender Tendenz bis zum Ende der Republik so. Faktisch setzte der Niedergang des Weimarer Staats schon ein Jahr nach seiner Gr\u00fcndung ein.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Angeblich durchlief die Republik in der Mitte der 20er Jahre eine Phase der \u201erelativen Stabilisierung\u201c. Das trifft allenfalls zu, wenn man die wirtschaftliche Beruhigung nach der W\u00e4hrungsreform und das Ausbleiben von Putschversuchen als Stabilisierung wertet. Tats\u00e4chlich schaffte es jedoch von sechs Reichsregierungen zwischen 1924 und 1930 nur eine einzige, fast zwei Jahre im Amt zu bleiben; die \u00dcberlebenszeit der meisten Regierungen betrug nicht mehr als ein halbes Jahr. Das Unverm\u00f6gen, eine stabile Koalitionsregierung zustande zu bringen, dokumentierte das Scheitern des Weimarer Parlamentarismus und machte die Republik faktisch unregierbar. Wenn man dann noch dazu nimmt, dass 1925 mit Hindenburg ein erkl\u00e4rter Gegner von Republik und Demokratie zum Reichspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde, wird deutlich, wie haltlos die Stabilisierungsthese ist.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Das Unverm\u00f6gen der Linken<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die revolution\u00e4ren Linken hatten keinen ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Revolution, denn sie verf\u00fcgten weder \u00fcber die dazu erforderliche Organisation noch erst recht \u00fcber ein geeignetes politisches Programm, denn sie hatten sich nie grunds\u00e4tzlich von den fehlerhaften politisch-strategischen Positionen der Bebelschen Sozialdemokratie abgegrenzt. Deshalb verblieben sie nicht nur bis 1917 in der SPD, bevor sie sich mit dem Spartakusbund der USPD anschlossen und am Jahreswechsel 1918\/19 die KPD gr\u00fcndeten. Vor allem war entscheidend, dass sie wie die ganze SPD die b\u00fcrgerliche Revolution in Deutschland mit der Reichseinigung f\u00fcr abgeschlossen hielten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Als Eduard Bernstein in der Revisionismusdebatte vor 1900 versuchte, aus der SPD eine b\u00fcrgerlich-reformistische Arbeiterpartei zu machen<\/span><span lang=\"de-DE\">, begriffen sie nicht, dass seine Forderung nach Voranstellung des demokratischen Kampfes angesichts der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in Preu\u00dfen-Deutschland richtig war. Dasselbe betraf seine Fragestellung, wie die proletarische Machtergreifung und Herrschaftsaus\u00fcbung gegen\u00fcber einer kleinb\u00fcrgerlichen Bev\u00f6lkerungsmehrheit vonstatten gehen sollte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Auf die gestellten Fragen, die das Kernproblem der Revolutionsstrategie betrafen, ging Rosa Luxemburg in ihrer Auseinandersetzung mit Bernstein nicht ein. In ihrer Schrift \u201eSozialreform oder Revolution?\u201c behandelte sie weder das Verh\u00e4ltnis zwischen (b\u00fcrgerlich-) demokratischer und sozialistischer Revolution noch das Problem einer B\u00fcndnispolitik. Vielmehr konzentrierte sie sich auf den polit\u00f6konomischen Nachweis, dass das kapitalistische System entgegen Bernsteins Behauptungen unvermeidlich zusammenbrechen w\u00fcrde und erkl\u00e4rte den Kampf um Demokratie in diesem Zusammenhang als abtr\u00e4glich f\u00fcr den sozialistischen Kampf. Au\u00dferdem griff sie die Gewaltfrage auf und attackierte Bernstein hier zu recht, da er der Auffassung war, die Sozialdemokratie k\u00f6nne durch friedliche Reformen an die Macht gelangen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Auf diesem Boden blieben die Linken in der Novemberrevolution isoliert. Eine realit\u00e4tstaugliche Revolutionsstrategie h\u00e4tte darin bestehen m\u00fcssen, die angelaufene b\u00fcrgerliche Revolution unter F\u00fchrung des Proletariats gegen die von der SPD organisierte Konterrevolution zu Ende zu f\u00fchren; der Sozialismus konnte erst in einer sp\u00e4teren Etappe angestrebt werden. Spartakus\/KPD verfolgten jedoch statt eines revolution\u00e4r-<\/span><span lang=\"de-DE\"><i>demokratischen<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> ein revolution\u00e4r-<\/span><span lang=\"de-DE\"><i>sozialistisches<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> Konzept. Sie negierten die stattfindende demokratische Revolution des ganzen Volkes und propagierten eine proletarische Alleinrevolution mit dem Ziel der Diktatur des Proletariats. So forderte das von Luxemburg verfasste Oktoberprogramm der Spartakusgruppe von 1918 u.a. die Enteignung nicht nur des gro\u00dfen Grundbesitzes, sondern auch der mittleren Bauernschaft. Es war ein linksradikales politisches Programm, das nicht nur das gesamte Kleinb\u00fcrgertum zum Gegner machte, sondern auch innerhalb des Proletariats nicht mehrheitsf\u00e4hig war. Zum zentralen R\u00e4tekongress im Dezember wurde nur eine Handvoll Spartakus-Anh\u00e4nger gew\u00e4hlt; Luxemburg und Liebknecht erhielten kein Rederecht.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">1920\/21 wurde die KPD durch den Anschluss des linken USPD-Fl\u00fcgels zur Massenpartei, aber was \u00e4nderte das? Nachdem die Republik sich vorl\u00e4ufig gefestigt hatte, h\u00e4tte man f\u00fcr eine neue Demokratie in einer zweiten Republik eintreten m\u00fcssen, um die weiterhin ausstehende b\u00fcrgerliche Revolution zu vollenden. Aber obwohl die KPD demokratischen Forderungen zwischenzeitlich mehr Platz einr\u00e4umte, hielt sie im Grundsatz \u00fcber alle Linienwechsel hinweg an der linksradikal verfehlten Sozialismusstrategie fest. Auf diese Weise mauerte sie den revolution\u00e4ren Fl\u00fcgel des Proletariats in einem Ghetto ein, diente den anderen Klassenkr\u00e4ften eher als Spielmaterial und stand dem Ende der Republik ebenso begriffs- und hilflos gegen\u00fcber wie der Macht\u00fcbernahme durch den Nationalsozialismus.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Die Schw\u00e4che des b\u00fcrgerlichen Lagers<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Die B\u00fcrgerlichen spielten weder bei der Entstehung noch beim Untergang Weimars eine entscheidende Rolle. In der R\u00e4tebewegung waren auch b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte aktiv und der linke Fl\u00fcgel des b\u00fcrgerlichen Lagers bef\u00fcrwortete die Republik als sp\u00e4te Verwirklichung der Ideen von 1848\/49. Aber die bestimmende Fraktion der Bourgeoisie stand der Revolution so feindlich gegen\u00fcber wie der parlamentarischen Demokratie und setzte alles daran, sie sobald wie m\u00f6glich zu Fall zu bringen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Vor dem Krieg hatte die Bourgeoisie ein hegemoniales politisches Programm verfolgt, das unter Umgehung der Frage der Demokratie au\u00dfen- mit innenpolitischen Zielen verkn\u00fcpfte: die <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Weltpolitik<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">. W\u00e4hrend man nach au\u00dfen den Anspruch auf ein gro\u00dfes Kolonialreich mit Weltmachtstellung erhoben und zur Durchsetzung dieses Ziels gegen Gro\u00dfbritannien binnen weniger Jahre eine gewaltige Schlachtflotte aus dem Boden gestampft hatte, war das innere Ziel der Weltpolitik gewesen, durch Verschiebung der milit\u00e4rischen Gewichte vom junkerlichen Landheer zur b\u00fcrgerlichen Marine die Machtverteilung zugunsten der Bourgeoisie zu ver\u00e4ndern, ohne die Gutsbesitzerklasse offen herauszufordern. (Karuscheit 2014:\u00a0126ff) Unter \u00dcberbr\u00fcckung aller sonstigen politischen Unterschiede hatte die Weltpolitik s\u00e4mtliche Parteien des b\u00fcrgerlichen Lagers vereint und war durch den <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Deutschen Flottenverein<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, den mitgliederst\u00e4rksten nationalistischen Verband im Kaiserreich, breit im st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertum verankert gewesen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Dieses Programm war im Krieg 1914-18 vollst\u00e4ndig gescheitert. Die Schlachtflotte hatte im Kriegsverlauf so gut wie keine Rolle gespielt und das bestimmende Kriegsziel der b\u00fcrgerlichen Imperialisten \u2013 die Inbesitznahme der Nordseeh\u00e4fen Belgiens und m\u00f6glichst auch Frankreichs, um von hier aus den Entscheidungskampf gegen das Empire zu f\u00fchren \u2013 war ferner denn je ger\u00fcckt. Indem der Versailler Vertrag das Reich dazu zwang, alle Kolonien abzugeben und die Flottenr\u00fcstung drastisch zu reduzieren, war die Weltpolitik am Ende.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Ein neues politisches Programm zur Erringung der Hegemonie vermochte die Bourgeoisie nicht zu entwickeln. <\/span><span lang=\"de-DE\">Ihre Schw\u00e4che spiegelte sich am sichtbarsten im Schicksal der nationalliberalen Partei, vor dem Krieg als politische Vertretung der wichtigsten Teile des Kapitals die F\u00fchrungspartei der Bourgeoisie. Nach dem Krieg in <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Deutsche Volkspartei DVP<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> umbenannt, waren die Nationalliberalen tief gespalten. Ein Teil pl\u00e4dierte daf\u00fcr, die Republik anzuerkennen und durch den Br\u00fcckenschlag zur SPD einen sozialen Kompromiss zwischen Kapital und Arbeit einzugehen, um dem Staat ein neues gesellschaftliches Fundament zu verschaffen \u2013 ein Vorl\u00e4ufer der nach dem 2.Weltkrieg etablierten sozialen Marktwirtschaft. Aber die m\u00e4chtige Schwerindustrie auf dem rechten Parteifl\u00fcgel war dazu um keinen Preis bereit. Sie widerrief die 1918\/19 im Stinnes-Legien-Abkommen vereinbarten Ans\u00e4tze zu einer Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften und betrieb einen Konfrontationskurs, der sich gleicherma\u00dfen gegen den sozialen Ausgleich, die Arbeiterbewegung und die Republik richtete.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Au\u00dfenpolitisch konnte der DVP-Vorsitzende Stresemann eine Politik der friedlichen Revision des Versailler Vertrags betreiben. Sobald er aber versuchte, in der Stellung zur Republik, zur SPD und zum sozialen Ausgleich nach links zu gehen, um den Staat zu stabilisieren, versagte seine Partei ihm die Gefolgschaft. Durch ihre internen Gegens\u00e4tze auf dem Feld der Innen-, Arbeits- und Sozialpolitik praktisch handlungsunf\u00e4hig, verlor die einst so machtvolle Partei der Bourgeoisie immer mehr Stimmen und endete schlie\u00dflich mit 2\u00a0% der Stimmen als Kleinpartei.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">\u00c4hnlich erging es ihrer linksliberalen Schwesterpartei, der <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Deutschen Demokratischen Partei DDP<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> (beide Parteien schlossen sich nach dem 2.\u00a0Weltkrieg zur FDP zusammen). In der Tradition der 48er Revolution stehend, erzielte sie bei der Wahl zur Nationalversammlung mit dem Bekenntnis zur demokratischen Republik fast 19\u00a0% der Stimmen. Doch ohne ausreichende Verankerung in Preu\u00dfen und der gro\u00dfen Industrie, mit Schwerpunkten im Banken- und Zeitungswesen sowie einem Massenanhang haupts\u00e4chlich im Kleinb\u00fcrgertum im S\u00fcden und S\u00fcdwesten Deutschlands blieb sie wie ihre Vorg\u00e4ngerpartei(en) politisch einflusslos, b\u00fc\u00dfte angesichts des scheiternden Parlamentarismus mehr und mehr Stimmen ein, r\u00fcckte immer weiter nach rechts und trat schlie\u00dflich f\u00fcr einen autorit\u00e4ren Staat anstelle der parlamentarischen Demokratie ein. 1932 versank sie mit 1\u00a0% der W\u00e4hlerstimmen in der Bedeutungslosigkeit.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Im Gegensatz zu den liberalen Parteien verk\u00f6rperte das <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Zentrum<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> im Ansatz so etwas wie eine b\u00fcrgerliche Volkspartei, war jedoch als katholische Partei nicht hegemonief\u00e4hig, das gelang erst der CDU nach dem 2.\u00a0Weltkrieg in Westdeutschland. Die Stimmenzahl des Zentrums ging ebenfalls zur\u00fcck, allerdings nicht unter 12\u00a0%, und seit Ende der 20er Jahre trat es wie die Liberalen f\u00fcr eine autorit\u00e4re Herrschaft ein.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Insgesamt waren die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte nach dem Krieg politisch schw\u00e4cher als vorher. Die Reichswehr gehorchte dem Milit\u00e4radel und gegen Ende der Republik verf\u00fcgte die Bourgeoisie nicht einmal mehr \u00fcber eine politische Partei als Vertretung. Als Juniorpartner des Junkertums konnte sie lediglich noch mit Hilfe ihrer wirtschaftspolitischen Interessenverb\u00e4nde agieren, allen voran der schwerindustrielle \u201eVerein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen\u201c.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Die R\u00fcckkehr der Milit\u00e4raristokratie zur Macht<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Das Schicksal der Republik entschied sich zwischen den Klassenkr\u00e4ften, die ihre Grundlegung vollbracht hatten: Sozialdemokratie und Junkertum. <\/span><span lang=\"de-DE\">In der Revolution war <\/span><span lang=\"de-DE\">die bis dahin herrschende Klasse Preu\u00dfens<\/span><span lang=\"de-DE\"> auf die Hilfe der SPD angewiesen gewesen, um ihren Untergang zu verhindern. Aber sie dachte nicht daran, sich dauerhaft unterzuordnen und ihren Machtverlust sowie die Republik zu akzeptieren. Sobald ihre Stellung sich stabilisiert hatte, nahm sie von dem B\u00fcndnis wieder Abstand. Das geschah bereits im M\u00e4rz 1920 beim Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch, als Teile der Reichswehr meuterten und Freikorpstruppen in Berlin einmarschierten, um die Regierung zu st\u00fcrzen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Da die Reichswehr mit den Zielen der Aufst\u00e4ndischen sympathisierte, rechneten diese mit dem Beistand der Milit\u00e4rf\u00fchrung, und damit war die SPD-Herrschaft zusammen mit der Republik im Prinzip am Ende. Doch die alliierten Siegerm\u00e4chte lie\u00dfen erkennen, dass sie keinen Rechtsputsch dulden w\u00fcrden, und es bestand die Gefahr, dass das franz\u00f6sisch besetzte Rheinland sich vom Reich abspaltete. Darum lehnte die Reichswehrspitze unter v.Seekt die erwartete Unterst\u00fctzung ab, weigerte sich jedoch gleichzeitig, die Regierung milit\u00e4risch zu verteidigen, sondern erkl\u00e4rte ihre Neutralit\u00e4t. So blieb der SPD nichts anderes \u00fcbrig, als einen Generalstreik auszurufen, dem sich USPD und KPD anschlossen und der die von allen Seiten isolierten Putschisten binnen kurzem zum Aufgeben zwang.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Nach dem Kapp-L\u00fcttwitz-Putsch kam man nicht an der Erkenntnis vorbei, dass die Republik nicht in direktem Anlauf zu st\u00fcrzen war, sondern dass man dazu den Weg der Legalit\u00e4t einschlagen und zun\u00e4chst den Versailler Vertrag beseitigen musste. W\u00e4hrend die Reichswehr weiter als \u201eStaat im Staat\u201c ausgebaut wurde, ging das junkerlich-konservative gemeinsam mit dem rechtsb\u00fcrgerlichen Lager deshalb daran, seinen Einfluss mit legalen Mitteln auszubauen, um die parlamentarische Demokratie von innen her zu zerst\u00f6ren. Die Reichspr\u00e4sidentenwahl 1925, zu der Hindenburg als Kandidat der Rechten antrat, bedeutete einen gro\u00dfen Schritt dorthin, denn bei einer Krise des Parlamentarismus, worauf die Rechtskr\u00e4fte hinarbeiteten, konnte er aufgrund seiner Machtbefugnisse \u00fcber das Schicksal der Republik entscheiden.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Weil die Republik weder eine Kriegsschulddebatte gef\u00fchrt noch die Dolchsto\u00dflegende ernsthaft zur\u00fcckgewiesen hatte,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> konnte der ehemalige Chef der OHL, statt als Kriegstreiber am Pranger zu stehen, angesichts der andauernden Regierungswechsel als Garant f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Retter des Vaterlands gew\u00e4hlt werden. 1928 machte er seinen ehemaligen OHL-Stellvertreter General Groener zum Reichswehrminister, so dass die Milit\u00e4rfraktion des Junkertums nunmehr zwei zentrale Schaltstellen der Macht besetzte. Und weil das Parlament seit Anfang 1930 nicht mehr in der Lage war, eine Regierung zu w\u00e4hlen, sondern der Reichspr\u00e4sident die Kanzler aus eigener Machtvollkommenheit aussuchte, bestimmte seither die Reichswehrf\u00fchrung die von Hindenburg ernannten Pr\u00e4sidialregierungen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Bis zu Beginn der 30er Jahre sicherten die <\/span><span lang=\"de-DE\">Vorbehaltsrechte der<\/span><span lang=\"de-DE\"> Alliierten aus dem Friedensvertrag von Versailles<\/span><span lang=\"de-DE\"> noch <\/span><span lang=\"de-DE\">die Restbest\u00e4nde des Parlamentarismus. Als <\/span><span lang=\"de-DE\">1931\/32 jedoch die deutschen Reparationsverpflichtungen aufgehoben wurden und die Alliierten dem Reich 1932 die milit\u00e4rische Gleichberechtigung zugestanden, fiel dieser Schutz weg. Nachdem so die au\u00dfenpolitischen Bedingungen gegeben waren, um den Weimarer Staat zu beenden, mussten nur noch die letzten innenpolitischen Hindernisse beseitigt werden, und das geschah mit der Reichspr\u00e4sidentenwahl 1932.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Diesmal musste Hindenburg gegen Adolf Hitler als Kandidaten der NSDAP in die Stichwahl gehen, so dass dreizehn Jahre nach der Republikgr\u00fcndung zwei Gegner der Republik darum wetteiferten, sie zu Grabe tragen zu d\u00fcrfen. Da die SPD zur Wahl Hindenburgs aufrief, kam in einer ironischen Volte der Geschichte noch einmal die Gr\u00fcndungskonstellation der Republik zustande: das Zusammengehen von Sozialdemokratie und Junkertum. Nur hatten sich die Vorzeichen inzwischen umgekehrt. Im November 1918 hatte die Milit\u00e4raristokratie die Hilfe der SPD-F\u00fchrung ben\u00f6tigt, um zu \u00fcberleben. Jetzt unterst\u00fctzte die SPD den Repr\u00e4sentanten der Milit\u00e4raristokratie in der Hoffnung, so ihre verbliebenen Machtpositionen zu retten. Das war im wesentlichen <\/span><span lang=\"de-DE\">die Herrschaft \u00fcber das Land Preu\u00dfen, dessen Aufteilung die SPD 1919 verhindert hatte, weil sie hier im Gegensatz zum S\u00fcden Deutschlands mit dauerhaften Mehrheiten rechnete und in der Tat durchg\u00e4ngig den Ministerpr\u00e4sidenten stellte.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Hindenburg und seine Kamarilla <\/span><span lang=\"de-DE\">dachten indessen nicht daran, die sozialdemokratische Wahlhilfe zu honorieren, sondern lie\u00dfen <\/span><span lang=\"de-DE\">die gesch\u00e4ftsf\u00fchrende SPD-Landesregierung <\/span><span lang=\"de-DE\">am <\/span><span lang=\"de-DE\">20.\u00a0Juli 1932 durch die Reichswehr aus dem Amt jagen. Indem der \u201ePreu\u00dfenschlag\u201c das letzte Hindernis beseitigte, hatten <\/span><span lang=\"de-DE\">die Milit\u00e4raristokratie und der sie unterst\u00fctzende Fl\u00fcgel der Bourgeoisie v<\/span><span lang=\"de-DE\">ierzehn Jahre nach der Novemberrevolution die 1918 verloren gegangene Herrschaftsstellung zur\u00fcckerobert.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">Allerdings war eine einfache R\u00fcckkehr zu den fr\u00fcheren Verh\u00e4ltnissen nicht m\u00f6glich. Um die erneuerte gemeinsame Herrschaft innenpolitisch zu stabilisieren, war die Abst\u00fctzung durch eine Massenbewegung notwendig, und diese bot der Nationalsozialismus. Im Januar 1933 ging man deswegen ein B\u00fcndnis mit ihm ein in der festen \u00dcberzeugung, die braunen Horden beherrschen zu k\u00f6nnen. Dass es der NS-F\u00fchrung gelingen k\u00f6nnte, die Machtverh\u00e4ltnisse in dem B\u00fcndnis umzukehren, lag jenseits des eigenen Vorstellungsverm\u00f6gens.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\" align=\"center\"><span lang=\"de-DE\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\">1918\/19 hatte die SPD im Verein mit der preu\u00dfisch-deutschen Milit\u00e4rf\u00fchrung die Novemberrevolution zur\u00fcckgeschlagen, den Sieg der b\u00fcrgerlichen Revolution vereitelt und das Junkertum vor dem Ende bewahrt. 1933 brachten die Vertreter dieser seit langem \u00fcberholten, untergehenden Kaste mit dem Nationalsozialismus eine Bewegung an die Macht, die in unbedingtem Gegensatz zu allen Errungenschaften der b\u00fcrgerlichen Revolution stand und daran ging, mit der Errichtung eines Rassenstaats das Rad der Geschichte in eine v\u00f6llig neue Richtung zu lenken. Damit ging das Geburtsland des wissenschaftlichen Sozialismus einem bis dahin ungeahnten Tiefpunkt seiner Geschichte entgegen.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Literatur:<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Heiner (2014): Deutschand 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg. VSA: Hamburg<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Heiner (2017): Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar. VSA: Hamburg<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Karuscheit<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Heiner; <\/span><span lang=\"de-DE\"><b>Sauer<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Bernhard; <\/span><span lang=\"de-DE\"><b>Wernecke<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Klaus (2018): Vom \u201eKriegssozialismus\u201c zur Novemberrevolution. VSA: Hamburg <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Kolb<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Eberhard;<\/span><span lang=\"de-DE\"><b> Schumann<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Dirk (2013): Die Weimarer Republik. Oldenbourg Grundriss der Geschichte Band 16: M\u00fcnchen <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Kluge<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Ulrich (1975): Soldatenr\u00e4te und Revolution. Vandenhoek &amp; Ruprecht: G\u00f6ttingen <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Mann<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Golo (1958): Deutsche Geschichte des 19.\u00a0und 20.\u00a0Jahrhunderts, S.Fischer: Frankfurt\/M <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>Rosenberg<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Arthur (1983): Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik (Teil 1 und 2 in einem Band). EVA: Frankfurt\/M<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span lang=\"de-DE\"><b>R\u00fcrup<\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">, Rainhard (1968): Probleme der Revolution in Deutschland 1918\/19. Franz Steiner Verlag: Wiesbaden<\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p lang=\"en-GB\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-size: small;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"> Indem der Parteitheoretiker Kautsky konstatierte, dass \u201edie deutsche b\u00fcrgerliche Revolution &#8230;1870 ihr Ende erreichte\u201c, gab er die vorherrschende \u00dcberzeugung wieder. (Karl Kautsky: Der Weg zur Macht. Politische Betrachtungen \u00fcber das Hineinwachsen in die Revolution; Erstauflage 1909, Neuauflage hrsg. und eingeleitet von Georg F\u00fclberth, Frankfurt 1972, S.\u00a018)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-size: small;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"> F.\u00a0Engels er\u00f6rterte verschiedentlich, ob Bismarck das Kaiserreich nicht zu einer bonapartistischen Monarchie b\u00fcrgerlichen Charakters umgewandelt h\u00e4tte. Der Autor teilt diese \u00dcberlegungen nicht.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p lang=\"en-GB\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-size: small;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"> Die liberale Deutsche Demokratische Partei, die das Kleinb\u00fcrgertum in der Tradition von 1848\/49 repr\u00e4sentierte und bei der Nationalversammlungswahl fast 20% der Stimmen erhielt, forderte in ihrem Gr\u00fcndungsprogramm von 1919 die Aufteilung des Gro\u00dfgrundbesitzes an Bauern und Landarbeiter.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p lang=\"en-GB\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Die westdeutsche Geschichtsschreibung folgte lange der Legitimation der SPD-F\u00fchrung, dass die Zusammenarbeit mit dem preu\u00dfisch-deutschen Offizierskorps zur Abwehr der Bolschewismusgefahr unumg\u00e4nglich war. Ungewollt sekundiert wurde diese Position von der DDR-Historiographie, die St\u00e4rke und Einfluss der Spartakusgruppe\/KPD ma\u00dflos \u00fcberzeichnete. Erst im Zuge von Studien auf breiter Quellenbasis gelangte die Revolutionsforschung zum Ergebnis, dass a) die R\u00e4tebewegung wesentlich keine sozialistischen, sondern revolution\u00e4r-demokratische Ziele verfolgte, b) eine Radikalisierung erst als <\/span><\/span><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"><i>Folge <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">der von der SPD-F\u00fchrung betriebenen reaktion\u00e4ren Politik einsetzte und c) Spartakus und KPD nie eine ernsthafte Gefahr darstellten. Mittlerweile ist dieser Befund praktisch unbestritten. (Kolb; Schumann:\u00a0171ff)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p lang=\"en-GB\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-size: small;\">\u0002<\/span><\/sup><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"> In beiden Fragen hatte die SPD-F\u00fchrung die Debatte unterbunden bzw. kleingehalten. Zur Kriegsschuldfrage hatte Kautsky nach dem Krieg eine Aktenedition erarbeitet, aus der hervorging, dass die deutsche Diplomatie die Hauptverantwortung f\u00fcr den Kriegsausbruch trug. Weil damit die Vaterlandsverteidigungspolitik der SPD unhaltbar wurde, verhinderte die Scheidemann-Regierung die Ver\u00f6ffentlichung.<br \/>\nAuch die von Ludendorff zur Diskreditierung der Novemberrevolution aufgebrachte Dolchsto\u00dflegende w\u00e4re leicht zu widerlegen gewesen, da aktenkundig war, dass die OHL nach dem Fehlschlag der Sommeroffensive 1918 die Regierung ultimativ aufgefordert hatte, die Alliierten um einen sofortigen Waffenstillstand zu bitten, weil das Heer die Front nicht l\u00e4nger halten k\u00f6nne. Aber zum einen h\u00e4tte eine solche Zur\u00fcckweisung der Dolchsto\u00dflegende die Novemberrevolution legitimiert und zum andern barg sie die Gefahr, dass die OHL-Mitglieder die Kooperation der SPD-F\u00fchrung beim Sturz Bethmann Hollwegs 1917 und damit deren Mitverantwortung f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung des Kriegs um ein Jahr offenbaren w\u00fcrden.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachstehende Beitrag wurde in einer gek\u00fcrzten Fassung zuerst ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift Sozialismus, Heft 11-2018 Heiner Karuscheit\u00a0 Das Scheitern einer b\u00fcrgerlichen Revolution und die Folgen Seit der gescheiterten Revolution von 1848\/49 stand die Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland auf der Tagesordnung der Geschichte. Die Reichsgr\u00fcndung hatte die nationale Aufgabenstellung dieser Revolution erledigt, aber &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1503\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Revolution und Konterrevolution 1918<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1503","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1503"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1509,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1503\/revisions\/1509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}