{"id":150,"date":"2016-09-11T11:08:40","date_gmt":"2016-09-11T09:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=150"},"modified":"2016-09-11T11:12:10","modified_gmt":"2016-09-11T09:12:10","slug":"4-stabilisierung-der-bauernschaft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=150","title":{"rendered":"4. Stabilisierung der Bauernschaft"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>&#8222;Das Dritte Reich wird ein Bauernreich sein oder es wird vergehen wie die Reiche der Hohenstaufen und Hohenzollern.&#8220; Adolf Hitler [127]<\/p>\n<h3>Der Reichsn\u00e4hrstand und Darr\u00e9s Bauernpolitik<\/h3>\n<p>Vor allem die protestantischen Bauernmassen n\u00f6rdlich des Mains hatten der NSDAP die notwendigen Stimmen gegeben, die den legalen Machtantritt m\u00f6glich machten. Die Nazis standen nun vor der Aufgabe, die Bauern auch in den s\u00fcddeutschen und katholischen Gebieten zu gewinnen, um ihrer Herrschaft eine stabile Basis zu geben und ihr Blut- und Boden- Programm zu verwirklichen. Diese Aufgabe war durchaus nicht einfach, da man gleichzeitig die radikalisierte Landvolkbewegung zufriedenstellen und auf die junkerlichen B\u00fcndnispartner R\u00fccksicht nehmen mu\u00dfte. Au\u00dferdem war die Agrarkrise so schwer gewesen, da\u00df nur mit einer radikalen Umgestaltung der Landwirtschaft Hitlers Regierungsversprechen, in 4 Jahren die Bauernschaft zu retten, umzusetzen war. Nach der Macht\u00fcbertragung wurde zwar der Deutschnationale Hugenberg Minister f\u00fcr Ern\u00e4hrung, doch der NSDAP gelang es schon am 29. Juni 1933, mit &#8222;Reichsbauernf\u00fchrer&#8220; Walter Darr\u00e9 das Ministerium zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Obwohl die NSDAP eine starke b\u00e4uerliche Anh\u00e4ngerschaft hatte, machten ihre F\u00fchrer nicht einfach eine &#8222;Bauernschutzpolitik&#8220;, um die sozialen Interessen der Bauernschaft zu vertreten, sondern um mit der Blut- und Bodenpolitik ihre rassistischen Vorstellungen zu verwirklichen. So legte Darr\u00e9 offen dar: &#8222;Die Bauernschaft mu\u00df klar erkennen: In der Zeit der modernen Technik, der modernen Verkehrsmittel, der modernen Arbeits- und Wirtschaftsmethoden hat sie genauso wenig Grund, wirtschaftlich zu sein, wie das Segelboot im Vergleich zum Dampfschiff. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sind Gr\u00f6\u00dfe und Form des b\u00e4uerlichen Betriebes unrentabel. Die einzige Daseinsberechtigung f\u00fcr die Bauernschaft liegt in der Tatsache, die uns die Geschichte lehrt: Ein Volk erneuert sich nur durch seine Bauernschaft, ein Volk mu\u00df die Bauernschaft am Leben erhalten, um seine eigene Existenz zu erhalten.&#8220; [128] Um die Bauernschaft trotz fortschreitender Industrialisierung vollst\u00e4ndig zu erhalten, forderte Hitler in einer Kabinettssitzung: &#8222;Die Bindung des Bauern an das Kapital verbinde ihn mit allen Schicksalen, die dem Kapital anhaften. Der Bauer, der einmal den Hof verloren habe, sei meistens praktisch erledigt.<i> Der Bauer m\u00fc\u00dfte deshalb aus dem freien Wirtschaftsleben herausgehoben werden<\/i>.&#8220; [129]<\/p>\n<p>Mit dem Gesetz \u00fcber den Aufbau des Reichsn\u00e4hrstandes vom 13. September 1933 wurde die Landwirtschaft von der kapitalistischen Produktion in der Industrie abgesondert. Unter dem popul\u00e4ren Schlagwort &#8222;Selbstverwaltung&#8220; schuf man ein m\u00e4chtiges Bauernsyndikat, in dem 17 Millionen Mitglieder zwangsweise vereinigt wurden. Der Reichsn\u00e4hrstand legte die Preise fest, regelte den Absatz und plante die landwirtschaftliche Produktion. Von der mithelfenden Bauernfrau bis zum Gro\u00dfgrundbesitzer, dem Inhaber des Tante-Emma-Ladens oder dem Chef der Brotfabrik, Viehh\u00e4ndler oder Krabbenfischer- alle wurden Zwangsmitglieder, die irgendwie etwas mit der Landwirtschaft zu tun hatten.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzt wurden diese Ma\u00dfnahmen durch das &#8222;Reichserbhofgesetz&#8220; vom 29. September 1933. Im Interesse, das &#8222;Bauerntum&#8230; als Blutquelle des deutschen Volkes (zu) erhalten&#8220; [130], wurden Erbh\u00f6fe geschaffen, die nur lupenreine &#8222;Arier&#8220; besitzen durften. Dabei richtete sich das Gesetz ausdr\u00fccklich an Klein- und Mittelbauern, da nur Bauern bis 125 ha Erbhofbauern werden konnten. Die Erbh\u00f6fe gingen ungeteilt auf den ersten Sohn \u00fcber und waren &#8222;unver\u00e4u\u00dferlich und unbelastbar&#8220;. Die Folgen dieses Gesetzes waren vielf\u00e4ltig. Zum einem sch\u00fctzte es die Bauern vor Zwangsversteigerungen und Verschuldung. Au\u00dferdem wurden die ohnehin schon kleinen H\u00f6fe nicht in die Bestandteile vieler Erben zerst\u00fcckelt. Die negative Seite war vor allem f\u00fcr die Bauern, da\u00df sie f\u00fcr die Modernisierung ihres Betriebes von den Banken kein Geld mehr leihen durften, was ja durchaus im Interesse der Nationalsozialisten lag, weil Maschinisierung \u00fcberfl\u00fcssige Arbeitskr\u00e4fte in die St\u00e4dte getrieben und den &#8222;Blutsquell des deutschen Volkes&#8220; reduziert h\u00e4tte. Die andern S\u00f6hne sowie die Bauersfrauen, die bis 1943 das Erbrecht ausschlo\u00df, verloren durch die Erbregelung das Interesse an dem Betrieb. Aus den zweiten und dritten S\u00f6hnen wollten die Nazis sp\u00e4ter das Siedlungspotential f\u00fcr Ru\u00dfland rekrutieren. Die Steigerung der Geburtenraten blieb allerdings aus. Im Gegenteil verst\u00e4rkte das Erbrecht die Tendenz zur Ein-Kind-Familie.<\/p>\n<p>Von den Bauern wurde das Reichserbhofgesetz unterschiedlich aufgenommen. In manchen Gegenden, wie z. B. im Rheinland, war es seit der napoleonischen Besatzung \u00fcblich, das Erbe zu teilen. In diesen Gebieten standen viele Bauern der neuen Regelung skeptisch gegen\u00fcber. Zum Beispiel gab es Mitte 1936 ca. 160.000 Einspr\u00fcche (16\u00a0%) gegen Erbhofeintragungen, wobei in S\u00fcdwestdeutschland die Quote noch h\u00f6her lag. [131] So machten im Westen und S\u00fcden die Erbh\u00f6fe nur 15\u00a0% der landwirtschaftlichen Fl\u00e4che aus. [132] Die Erbh\u00f6fe konnten sich aber auf Grund der Zustimmung in den anderen Gebieten durchsetzen. 1938 gab es schlie\u00dflich 673.000 Erbh\u00f6fe, was 32\u00a0% der Anbaufl\u00e4che entsprach. [133] Nach einiger Zeit machte der Reichsn\u00e4hrstand Ausnahmen bez\u00fcglich der Gr\u00f6\u00dfe des Betriebes, und einige Gro\u00dfbauern und Junker wurden zu Erbhofbesitzern. Die Gro\u00dfbetriebe machten aber nur 1,8\u00a0% der Erbh\u00f6fe aus. [134] Das Mi\u00dftrauen von Hitler und Darr\u00e9 gegen die Junker, die sie f\u00fcr rassisch angekr\u00e4nkelt hielten, blieb auch nach der Macht\u00fcbernahme bestehen.<\/p>\n<p>Mit dem Reichsn\u00e4hrstand wurde also eine neue Ordnung in der Landwirtschaft geschaffen. Selbst die Alliierten hielten diese Organisation f\u00fcr die Versorgung Deutschlands f\u00fcr so wichtig, da\u00df der Reichsn\u00e4hrstand als einzige NS- Organisation das NS-Regime \u00fcberdauerte, sogar um fast drei Jahre. [135]<\/p>\n<h3>Banken und Junker<\/h3>\n<p>Darr\u00e9 stimmte auch nach der Macht\u00fcbertragung radikale T\u00f6ne an: &#8222;Die Freiz\u00fcgigkeit des Handels mit Grund und Boden ist (&#8230;) die Quelle allen sozialen Elends eines Volkes.&#8220; [136] Neben den Erbh\u00f6fen wollte er in den Jahren 1933 und 1934 eine grundlegende Entschuldung der gesamten Bauernschaft durchf\u00fchren. Darr\u00e9 lieferte sich deshalb mit dem schwerindustriellen Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht einen harten Kampf. Dabei konnte keiner von beiden seine Vorstellungen durchsetzen. Zwei Gesetzentw\u00fcrfe von Darr\u00e9 zur Entschuldung scheiterten am hartn\u00e4ckigen Widerstand von Schacht, da er als Vertreter der Industrie kein Interesse an der Subvention der kleinen und gro\u00dfen Bauernwirtschaften und als Vertreter der Banken an der R\u00fcckzahlung der Schulden ein Interesse hatte. [137] Darr\u00e9 konnte gegen den Wirtschaftsminister aber die &#8222;kleine&#8220; Variante der Entschuldung durchsetzen, durch die die Erbh\u00f6fe um 10,3\u00a0% und die Gro\u00dfbetriebe durchschnittlich um 18,4\u00a0% entschuldet wurden. [138]<\/p>\n<p>Schacht forderte mit der Begr\u00fcndung, da\u00df Kredite ben\u00f6tigt w\u00fcrden, die Kreditsperre aufzuheben und als Absicherung wieder Zwangsversteigerungen zuzulassen. Doch die Bauern hatten die Schreckensbilder der Zwangsversteigerungen in der Agrarkrise noch vor Augen. Schacht und die Banken verloren diese Auseinandersetzung gegen Darr\u00e9 und Hitler. Kredite gab es nur \u00fcber den Reichsn\u00e4hrstand und die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt, die im Rahmen des 4-Jahresplans gegr\u00fcndet wurde. [139] Mit der Entschuldung nahm die NSDAP den Bauern etwas von ihrer Schuldenlast, und der Einflu\u00df der Banken und Geldverleiher auf das Dorf wurde deutlich zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Bei der Preispolitik konnte der Reichsn\u00e4hrstand seine Ziele besser umsetzen. Die von ihm festgelegten Preise lagen meist \u00fcber Weltmarktniveau, waren stabil und der deutsche Markt wurde von der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz abgeriegelt. &#8222;Von der wachsenden Nachfrage nach Lebensmitteln und pflanzlichen Rohstoffen profitierten in erster Linie Gro\u00dfagrarier und Gro\u00dfbauern, aber auch erhebliche Teile der Mittelbauernschaft.&#8220; [140]<b> <\/b>Diese Politik ging eindeutig auf Kosten des Verbrauchers und vor allem der Arbeiterklasse in den St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Mit den politischen Zugest\u00e4ndnissen an die Bauernschaft ging ihre gesellschaftliche Aufwertung Hand in Hand. Die Bauern sollten das Gef\u00fchl bekommen, der wichtigste Stand der Nation zu sein. Das Erntedankfest wurde zum nationalen Feiertag erkl\u00e4rt, an dem sich Hitler auf dem B\u00fcckeberg bei Hameln von 100.000 Teilnehmern als &#8222;Bauernkanzler&#8220; huldigen lie\u00df. Auch Film und Kunst r\u00fcckten den Bauern in den Mittelpunkt. Der &#8222;V\u00f6lkische Beobachter&#8220; erschien bis 1936 mit einer extra Wochenbeilage mit dem Titel &#8222;Um Blut und Boden&#8220;.<\/p>\n<p>Welche Stellung hatten die Junker in der neuen Ordnung der Landwirtschaft? Der Nationalsozialismus war weit davon entfernt, sich zum Erf\u00fcllungsgehilfen der ostelbischen Gro\u00dfgrundbesitzer zu machen. Mit der Aufl\u00f6sung aller Bauernverb\u00e4nde 1933 verloren die Junker endg\u00fcltig ihren Einflu\u00df in der landwirtschaftlichen Interessenvertretung. In den f\u00fchrenden Positionen im Reichsn\u00e4hrstand waren sie nicht mehr vertreten. Darr\u00e9 garantierte 1933 den Gro\u00dfbauern ihr Eigentum, allerdings mit einer Einschr\u00e4nkung: &#8222;Ich werde hier (&#8230;) keinen Besitz antasten, mag er so gro\u00df sein, wie er will, wenn er wirtschaftlich gesund ist und sich allein und aus eigener Kraft zu erhalten vermag.&#8220; [141] Die Zeiten der fetten Osthilfe, die jahrelang die maroden und verschuldeten Betriebe der Junker saniert hatte, waren vorbei. Darr\u00e9 hoffte, auf diesem Wege w\u00fcrden die meisten Ritterg\u00fcter auf Dauer eingehen. In dem Aufsatz &#8222;Ostelbien&#8220; von 1934 schrieb er: &#8222;ich (sehe) die Entwicklung Ostelbiens in den n\u00e4chsten Jahrzehnten so, da\u00df wir eine organische Strukturwandlung in Richtung nat\u00fcrlicher b\u00e4uerlicher und mittelst\u00e4ndischer Betriebe erleben werden. (&#8230;) Dann wird Ostelbien wieder ein Bauernland werden, und in den Kreisst\u00e4dten Ostelbiens wird wieder der gewerbliche Mittelstand zu bl\u00fchen beginnen.&#8220; [142] Insgesamt betrugen die Subventionen, inklusive der Osthilfe, bis 1943 nur knapp 300 Millionen RM. [143] In den letzten Jahren der Weimarer Republik war es ca. 1 Milliarde RM gewesen. Auch die Bevorzugung der Junker in der Preispolitik h\u00f6rte auf. Die NS-Preispolitik diente eher den nieders\u00e4chsischen und bayrischen Weizenproduzenten als den ostelbischen Roggenproduzenten. [144]<\/p>\n<p>Die erste offensive Ma\u00dfnahme gegen den halbfeudalen Besitz f\u00fchrte man aber erst 1938 durch. Die Fideikommisse, die unverk\u00e4uflichen Ritterg\u00fcter, wurden im Juni 1938 per Gesetz beseitigt. [145] Damit setzte die NSDAP eine Bestimmung aus der Weimarer Republik durch. 1928 hatten die SPD und DVP im preu\u00dfischen Landtag ein Gesetz verabschiedet, in dem das Ende der Fideikommisse auf den 1.7.1938 festgesetzt wurde. [146] Damit waren es ausgerechnet die Nazis, die ein feudales Relikt zerschlugen. Das Land verblieb trotzdem in den H\u00e4nden der Junker. Der Nationalsozialismus konnte den Junkern trotz aller Nachteile ihr Eigentum sichern und sorgte daf\u00fcr, da\u00df die L\u00f6hne der Landarbeiter niedrig blieben. [147] Das war f\u00fcr die Junker immer noch eine g\u00fcnstige Alternative zur sozialen Revolution, in der ihre Tage gez\u00e4hlt gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<h3>Die Stabilisierung der Landwirtschaft<\/h3>\n<p>Auch die Nationalsozialisten wu\u00dften, ohne eine Bodenreform und Zerschlagung des Junkertums konnte die Agrarfrage innerhalb Deutschlands nicht gel\u00f6st werden, auch wenn man die Bauernschaft vor\u00fcbergehend befriedigen konnte. Die L\u00f6sung aller Probleme sahen sie in der Besiedlung von Ru\u00dfland und Polen. Das war aber ohne Krieg nicht m\u00f6glich. Ab der Mitte der 30er Jahre litt ihre Blut- und Bodenpolitik unter der forcierten Aufr\u00fcstung. In Folge dessen fiel die Zahl der in der Landwirtschaft Besch\u00e4ftigten von 9,7 Mio. (1925) auf 9 Mio. (1939), was immerhin noch 25,9\u00a0% der Bev\u00f6lkerung entsprach. [148] Darr\u00e9 mu\u00dfte nun einen Kampf gegen die Abwanderung von Arbeitskr\u00e4ften in die besser zahlende Industrie f\u00fchren. Seine Vorschl\u00e4ge, die L\u00f6hne der Landarbeiter zu erh\u00f6hen, wurden von Hitler mit Verweis auf die folgende Lebensmittelpreissteigerung wiederholt abgelehnt. [149] Den Bauern schickte man zur Verst\u00e4rkung Arbeitsdienstmaiden und sp\u00e4ter Tausende Zwangsarbeiter. 1938 arbeiteten 80\u00a0% der Arbeitsdienstm\u00e4nner und 90\u00a0% der Arbeitsmaiden in der Landwirtschaft. Unter der Parole &#8222;Aufr\u00fcstung des Dorfes&#8220; wurden Kontrollen der Bauern durch die &#8222;Hofkarte&#8220; durchgef\u00fchrt, und 1937 wurden per Erla\u00df die Preise f\u00fcr D\u00fcngemittel um 25-30\u00a0% gesenkt, [150] um die Ertr\u00e4ge zu steigern.<\/p>\n<p>&#8222;Reichsbauernf\u00fchrer&#8220; Darr\u00e9 gab sich aber mit seinen relativen Erfolgen in der Landwirtschaft nicht zufrieden. Er wollte sein reaktion\u00e4res St\u00e4ndesystem des Reichsn\u00e4hrstandes auf alle Industriezweige ausdehnen. &#8222;Im Reichserbhofgesetz hat der Nationalsozialismus den ersten Schritt getan, in diesem Sinne zu einem deutschen Sozialismus zu kommen&#8230; es ist tats\u00e4chlich so, da\u00df der besitzlose Arbeiter der Stadt sein soziales Problem nur gel\u00f6st bekommt, wenn es gelingt, im Sinne der mit dem Reichserbhofgesetz beschrittenen Wege zu einem deutschen Sozialismus zu kommen (&#8230;).&#8220; [151] Diese Phantasien waren jedoch weder gegen die Gro\u00dfindustrie durchzusetzen, noch gegen Hitler, dem eine ganz andere Wirtschaftsordnung vorschwebte.<\/p>\n<p>Auch in der Landwirtschaft gelang es Darr\u00e9 nicht vollst\u00e4ndig, seine Ziele durchzusetzen. \u00dcber eine Bauernschutzpolitik hinaus wollte Darr\u00e9 zu einer mittelalterlichen Ordnung zur\u00fcck finden. Den zentralen Begriff dieser Programmatik bildete der Gegensatz zwischen &#8222;Landwirt&#8220; und &#8222;Bauer&#8220;. &#8222;Bauer ist, wer in erblicher Verwurzelung seines Geschlechtes mit Grund und Boden sein Land bestellt und seine T\u00e4tigkeit als eine Aufgabe an seinem Geschlecht und Volk betrachtet. Landwirt ist, wer ohne erbliche Verwurzelung (&#8230;) sein Land bestellt und in dieser T\u00e4tigkeit nur eine rein wirtschaftliche Aufgabe des Geldverdienens erblickt.&#8220; [152] Au\u00dferdem w\u00e4re der Boden des &#8222;Bauern&#8220; keine Ware und seine Arbeit finde nur im &#8222;Dienst des Familiengedankens&#8220; statt. Der Hof des &#8222;Landwirtes&#8220; spalte sich hingegen in &#8222;Arbeitgeber&#8220; und &#8222;Arbeitnehmer&#8220;, wogegen der &#8222;Bauer&#8220; sich nur auf &#8222;mitarbeitende&#8220; Hausgenossen st\u00fctze. [153]<\/p>\n<p>Nicht nur der Gro\u00dfgrundbesitz, sondern auch diejenige Kleinproduktion, die haupts\u00e4chlich nach Rentabilit\u00e4tskriterien betrieben wurde, war Darr\u00e9 ein Graus. Sein Ziel war die Wiederherstellung einer kleinb\u00e4uerlichen Familienwirtschaft jenseits aller \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. Obwohl das Erbhofgesetz einen Schritt in dieser Richtung darstellte, konnte Darr\u00e9 die Abschaffung des &#8222;Landwirtes&#8220; nicht erreichen. Einen so gro\u00dfen Schritt zur\u00fcck wollten auch die Klein- und Mittelbauern nicht gehen, die im Gegensatz zu Darr\u00e9 ihre finanzielle Lage f\u00fcr wichtiger hielten als die rassischen \u00dcberlegungen ihres &#8222;Bauernf\u00fchrers&#8220;. Die Realit\u00e4tsferne der Abschaffung des &#8222;Landwirtes&#8220; wurde auch Hitler klar, da neben der Rettung des Kleinbauern auch eine effektive Versorgung w\u00e4hrend des Krieges sichergestellt werden mu\u00dfte. Ab 1936 dr\u00e4ngte Hitler den &#8222;Mystiker&#8220; Darr\u00e9 in den Hintergrund und lie\u00df den pragmatischen Staatssekret\u00e4r Backe die Gesch\u00e4fte des Ministeriums f\u00fchren.<\/p>\n<p>Als Fazit kann man trotzdem nicht sagen, da\u00df die &#8222;Bauernschutzpolitik&#8220; gescheitert ist. Trotz Aufr\u00fcstung verbesserte sich die Lage der Bauern auch ohne Siedlungsland im Osten. Durch die Bauernschutzma\u00dfnahmen nach der Macht\u00fcbernahme der NSDAP konnten die Bauern sicherlich keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge machen. F\u00fcr die meisten war das Leben weiter hart und beschwerlich. Doch diese Politik bewirkte, was nach der Krise 1929 unm\u00f6glich schien: Die Bauernschaft wurde gerettet. Die gro\u00dfe Mehrheit der Bauernschaft wurde so zur wichtigen St\u00fctze des NS-Staates. Gesellschaftlich gesehen war diese Politik antimodern und reaktion\u00e4r. Millionen von Kleinproduzenten verweilten in der &#8222;Idiotie des Landlebens&#8220; (Engels), anstatt Proletarier auf Grundlage der modernen Industrie zu werden. Eine Modernisierung der Landwirtschaft wurde verhindert und der Industrialisierungsproze\u00df blockiert. Die Bundesrepublik beweist heute, da\u00df eine moderne Industriegesellschaft mit einer verschwindend geringen Zahl von &#8222;Landwirten&#8220; auskommen kann.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=154&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Das Dritte Reich wird ein Bauernreich sein oder es wird vergehen wie die Reiche der Hohenstaufen und Hohenzollern.&#8220; Adolf Hitler [127] Der Reichsn\u00e4hrstand und Darr\u00e9s Bauernpolitik Vor allem die protestantischen Bauernmassen n\u00f6rdlich des Mains hatten der NSDAP die notwendigen Stimmen gegeben, die den legalen Machtantritt m\u00f6glich machten. 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