{"id":1430,"date":"2018-10-14T15:49:51","date_gmt":"2018-10-14T13:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1430"},"modified":"2018-10-14T16:19:56","modified_gmt":"2018-10-14T14:19:56","slug":"vorbemerkung-7","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1430","title":{"rendered":"Vorbemerkung"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Die von Lenin 1916 im Schweizer Exil verfa\u00dfte Arbeit \u00fcber den &#8222;Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220; ist f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, die sich auf die Arbeiterklasse beziehen, bis heute ein politisches Schl\u00fcsselwerk geblieben. &#8222;Lenins Imperialismuskritik bleibt der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Welt von heute&#8220;, hei\u00dft es auf den ersten Seiten der von der Marx-Engels-Stiftung herausgegebenen Tagungsmaterialien &#8222;Gro\u00dfmachts- und Kriegspolitik heute: 80 Jahre nach Lenins Imperialismuskritik&#8220;. Ungeachtet aller sonst vorhandenen Differenzen gibt dieses Urteil eine gemeinsame Grund\u00fcberzeugung wider.<\/p>\n<p>Fu\u00dfend auf der Autorit\u00e4t der Oktoberrevolution, resultiert der anhaltende Einflu\u00df dieses Werks aus seiner doppelten Sto\u00dfrichtung: es richtet sich sowohl gegen die (Monopol-) Bourgeoisie als auch gegen den Opportunismus innerhalb der Arbeiterbewegung. Damit scheint die Schrift bis in die Gegenwart hinein den Zweck zu erf\u00fcllen, den Lenin ihr gesetzt hat, n\u00e4mlich angesichts des Zusammenbruchs der sozialdemokratischen Zweiten Internationale eine neue, revolution\u00e4r-internationalistische Politik f\u00fcr die Arbeiterklasse zu begr\u00fcnden. Bei Kriegsbeginn hatten die wichtigsten Parteien der Internationale zur Unterst\u00fctzung der jeweiligen nationalen Regierung aufgerufen, so dass die Arbeiter der verschiedenen Nationen mit dem Segen des Marxismus die Waffen gegeneinander statt gegen die eigene Bourgeoisie richteten. Darum galt es, zusammen mit dem Weltkrieg das opportunistische Verhalten der Arbeiterparteien zu erkl\u00e4ren, um das Fundament f\u00fcr eine neue Internationale zu schaffen. Im Vorwort von 1917 hie\u00df es zur Aufgabenstellung der Schrift, sie solle dazu beitragen, &#8222;sich in der \u00f6konomischen Grundfrage zurechtzufinden, ohne deren Studium man nicht im geringsten verstehen kann, wie der jetzige Krieg und die jetzige Politik einzusch\u00e4tzen sind, n\u00e4mlich in der Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus.&#8220; (Vorwort von 1917, Schrift S. 6)<\/p>\n<p>Die Monopoltheorie, in der sich die Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus zusammenfa\u00dft, ist in den AzD bereits vor geraumer Zeit kritisiert worden (u. a. in den AzD 25, 34, 39, 41, 59). Nunmehr geht es nicht um die \u00f6konomische Fundierung, sondern um die praktische Tauglichkeit der Imperialismustheorie f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Grundlinien der Politik. Konkret geht es um die Erkl\u00e4rung des 1. Weltkriegs im Hinblick auf das deutsche Kaiserreich. Deutschland stand im Mittelpunkt der Imperialismusschrift. Die \u00fcbrigen L\u00e4nder, auf die Lenin eingeht: England, Frankreich, die USA und Japan, nehmen selbst zusammengenommen nicht so viel Raum ein wie Deutschland. Der entscheidende Grund daf\u00fcr ist, dass das Kaiserreich im Zentrum der Widerspr\u00fcche jener Zeit stand. Nur mit der Donaumonarchie verb\u00fcndet (von kleineren Staaten abgesehen), f\u00fchrte es einen Zweifrontenkrieg gegen die Gro\u00dfm\u00e4chte Frankreich und Ru\u00dfland sowie gleichzeitig gegen die weltumspannende Seemacht Gro\u00dfbritannien. Es war das industriell entwickelste europ\u00e4ische Land, besa\u00df die st\u00e4rkste Arbeiterbewegung, stellte mit der SPD die f\u00fchrende Partei der II. Internationale und bildete nach Auffassung der Marxisten den Schl\u00fcssel f\u00fcr die kommende sozialistische Revolution in Europa. Hier mu\u00dfte also der Hebel angesetzt werden, um eine neue revolution\u00e4re Politik zu entwickeln.<\/p>\n<p>Der immanente Widerspruch der Schrift besteht darin, dass sie einerseits dazu beitrug, einen &#8222;linken&#8220; Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung in Abgrenzung gegen die Sozialdemokratie zu formieren, dass sie dies andererseits aber mit einer fehlerhaften strategischen Orientierung tat. Nicht allein die \u00f6konomischen, sondern &#8211; wichtiger noch &#8211; die politischen Kernaussagen der Imperialismusschrift halten einer \u00dcberpr\u00fcfung nicht stand. Sie sind nicht erst durch den Zeitablauf hinf\u00e4llig geworden, sondern waren von Anfang an falsch. Das aufzuzeigen, ist eine Pflicht gegen\u00fcber der kommunistischen Bewegung von heute. Sie ist ohne ein neues theoretisches Fundament zum Scheitern verurteilt, und dieses Fundament l\u00e4\u00dft sich nur aus der Kritik der bislang g\u00fcltigen Theorien gewinnen. Zu diesem Zweck werden die Ursachen f\u00fcr den deutschen Weg in den Krieg untersucht, um daran die Aussagen der Leninschen Arbeit zu messen.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1442&amp;preview=true\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von Lenin 1916 im Schweizer Exil verfa\u00dfte Arbeit \u00fcber den &#8222;Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220; ist f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, die sich auf die Arbeiterklasse beziehen, bis heute ein politisches Schl\u00fcsselwerk geblieben. &#8222;Lenins Imperialismuskritik bleibt der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Welt von heute&#8220;, hei\u00dft es auf den ersten Seiten der &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1430\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vorbemerkung<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1430","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1430"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1445,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1430\/revisions\/1445"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}