{"id":1379,"date":"2018-09-03T12:35:34","date_gmt":"2018-09-03T10:35:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1379"},"modified":"2018-09-03T12:44:21","modified_gmt":"2018-09-03T10:44:21","slug":"charakterisierung-frueherer-revolutionen-der-produktivkraefte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1379","title":{"rendered":"Charakterisierung fr\u00fcherer Revolutionen der Produktivkr\u00e4fte"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Begriffskl\u00e4rungen<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Automatisierung ist eine besondere Form der Rationalisierung des Produktionsprozesses. Eine Rationalisierung kann zum Beispiel durch effizientere Arbeitsabl\u00e4ufe erreicht werden, die die Produktivit\u00e4t erh\u00f6hen, ohne dass sich etwas am Produktionsverfahren \u00e4ndert. Von einer Automatisierung kann nur gesprochen werden, wenn Arbeitsschritte vom Menschen auf eine Maschine \u00fcbertragen werden. So schrieb Karl Marx ([15], Seite 402): \u201eSobald die Arbeitsmaschine alle zur Bearbeitung eines Rohstoffs n\u00f6tigen Bewegungen ohne menschliche Beihilfe verrichtet und nur noch menschlicher Nachhilfe bedarf, haben wir ein automatisches System der Maschinerie, das indes best\u00e4ndiger Ausarbeitung im Detail f\u00e4hig ist.&#8220; <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zun\u00e4chst sollen einige Begriffe der Marx\u2019schen politischen \u00d6konomie dargestellt werden. Beginnen wir mit dem Arbeitsmittel. Marx definiert es folgenderma\u00dfen: \u201eDas Arbeitsmittel ist ein Ding, oder ein Komplex von Dingen, die der Arbeiter zwischen sich und den Arbeitsgegenstand schiebt [..]. Der Gebrauch und die Sch\u00f6pfung von Arbeitsmitteln [..] charakterisieren den spezifisch menschlichen Arbeitsprozess, und Franklin definiert daher den Menschen als \u201aa toolmaking animal\u2018, ein Werkzeuge fabrizierendes Tier\u201c ([15], Seite 194). Arbeit, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand bilden den Arbeits\u00adprozess. \u201eDer Arbeitsprozess [..] ist zweckm\u00e4\u00dfige T\u00e4tigkeit zur Herstellung von Gebrauchswerten, Aneignung des Nat\u00fcrlichen f\u00fcr menschliche Bed\u00fcrfnisse, allgemeine Bedingung des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur, ewige Naturbedingung des menschlichen Lebens\u201c ([15], Seite 198). Marx betont: \u201eNicht was gemacht wird, sondern wie mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die \u00f6konomischen Epochen. Die Arbeitsmittel sind nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft, sondern auch Anzeiger der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, worin gearbeitet wird\u201c ([15], Seite 195).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein wesentliches Kennzeichen von \u00f6konomischen Epochen ist der Stand der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Unter der Produktivkraft der Arbeit versteht Marx Folgendes: \u201eDie Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umst\u00e4nde bestimmt, unter anderem durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsf\u00e4higkeit der Produktionsmittel, und durch Naturverh\u00e4ltnisse.&#8220; ([15], Seite 54).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Marx stellt heraus, dass jede Entwicklung der Produktivkraft zu einer neuen Arbeitsorganisation in den Produktionsst\u00e4tten und damit zu neuen Produktionsverh\u00e4ltnissen f\u00fchrt ([16], Seite 22 folgende). Marx unterscheidet zwischen den Produktionsverh\u00e4ltnissen und der Produktionsweise: \u201eIn der gesell\u00adschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabh\u00e4ngige Verh\u00e4ltnisse ein, Produktionsverh\u00e4ltnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkr\u00e4fte entsprechen. Die Gesamtheit der Produktionsverh\u00e4ltnisse bildet die \u00f6konomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer \u00dcberbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewu\u00dftseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensproze\u00df \u00fcberhaupt.&#8220; ([17], Seite 8\/9). Und weiter: \u201eIn allen Gesellschaftsformen ist es eine bestimmte Produktion, die allen \u00fcbrigen, und deren Verh\u00e4ltnisse daher auch allen \u00fcbrigen Rang und Einflu\u00df anweist.&#8220; ([17], Seite 638). Die jeweils vorherrschende Produktionsweise ist somit die Gesellschaftsordnung, die dem jeweiligen Stand der Produktivkr\u00e4fte entspricht. Sie bietet den politischen und institutionellen Rahmen f\u00fcr die Herrschaft der Eigent\u00fcmer der f\u00fchrenden Produktionsform. Im Feudalismus war die Landwirtschaft dominierend und damit der Grundbesitz. Im Kapitalismus ist die Industrieproduktion dominierend und damit der Kapitalbesitz.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die erste industrielle Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vorbemerkung: Wenn im Folgenden einige Erfinder genannt werden, so bedeutet das nicht, dass es keine Vorgeschichte zu jeder einzelnen Erfindung gibt. Wie schon Marx bemerkte, w\u00fcrde \u201eeine kritische Geschichte der Technologie [..] nachweisen, wie wenig irgendeine Erfindung des 18. Jahrhunderts einem einzelnen Individuum geh\u00f6rt.\u201c ([15], Seite 392, Fu\u00dfnote 89). Da es mir nicht um eine Technikgeschichte, sondern um die der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte geht, wird auf die Beschreibung der Entwicklungsetappen der Technikentwicklung verzichtet. Die genannten Jahreszahlen sind meist ein Datum f\u00fcr einen funktionsf\u00e4higen ersten Einsatz, danach wurden Verfahren und Maschinen im Praxisbetrieb kontinuierlich verbessert und neue Anwendungen entwickelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Beispiel der industriellen Revolution, die das Industriezeitalter einleitete, soll veranschaulicht werden, wie sich technische Revolutionen im Industriezeitalter abspielen und wie die technische Entwicklung in einem Bereich eine technische Entwicklung in anderen Industriezweigen und der Gesellschaft insgesamt bewirkt. Die industrielle Revolution fand zuerst in Gro\u00dfbritannien und dort vor allem in der damaligen Leitindustrie, der expandierenden Baumwollverarbeitung statt. Im Jahr 1733 erfand John Kay den \u201eflying shuttle\u201c, das automatische Weberschiffchen, das die Arbeit der Hand des Webers beim Weben ersetzte. Dies erm\u00f6glichte, etwa doppelt so viel Tuch in der gleichen Zeit zu erzeugen. Der Webprozess \u00e4nderte sich, das Weben blieb aber noch Hausindustrie.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Folge der gesteigerten Produktivit\u00e4t beim Weben trat eine Garnknappheit auf, da die Spinner nicht gen\u00fcgend Garn f\u00fcr die Weber liefern konnten. Je nach Spinnverfahren war die Arbeit von vier bis zehn Spinnern f\u00fcr die Versorgung eines Webers erforderlich. Dies f\u00fchrte zu Anstrengungen, das Spinnen produktiver zu machen. Um das Jahr 1764 herum baute John Hargreaves die \u201eSpinning Jenny&#8220;, bei der die T\u00e4tigkeit der Finger beim Spinnen durch einen Automatismus von Zugwalzen ersetzt wurde. Die \u201eSpinning Jenny\u201c war eine Spinnmaschine f\u00fcr die Hausindustrie, ver\u00e4nderte daher ebenso wenig wie das Weberschiffchen die Produktionsverh\u00e4ltnisse. Im Jahr 1769 erfand Richard Arkwright den \u201ewater frame&#8220;, eine Fl\u00fcgelspinnmaschine, die f\u00fcr den Wasserantrieb konzipiert war, im Jahr 1771 baute er die erste Spinnfabrik mit Wasserantrieb, die erste Fabrik entstand. Die \u201eSpinning Jenny\u201c und der \u201ewater frame&#8220;, konnten nicht alle Garnqualit\u00e4ten herstellen, im Jahr 1779 erfand Samuel Crompton die halbautomatische \u201eMule\u201c, die dies konnte. Das Aufwinden des Garns blieb noch bis ins 19. Jahrhundert Handarbeit. Durch die Mechanisierung des Spinnvorgangs konnte die Anzahl der von einem Antrieb bewegten Spindeln erh\u00f6ht werden, bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren es mehrere Hunderte. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die \u201eSpinning Jenny\u201c und den \u201ewater frame\u201c wurde nunmehr das Spinnen der Baumwolle produktiver als das Weben, was sich erst nach der technisch komplizierteren Mechanisierung des Webens \u00e4nderte. Edmond Cartwright stellte im Jahr 1785 einen funktionsf\u00e4higen mechanischen Baumwoll\u00adwebstuhl her, der zun\u00e4chst nicht profitabler als das Handweben war und nur grobe Gewebe herstellen konnte und sich daher erst nach seiner Weiterentwicklung ab 1820 durchsetzte, weshalb die Zahl der Handweber zun\u00e4chst noch deutlich anstieg. In seiner ersten Tuchfabrik kam als Antrieb bereits eine Dampfmaschine zum Einsatz. Die Mechanisierung des Spinnens und Webens f\u00fchrten zur Einf\u00fchrung der mechanisierten Produktion von der Baumwollentk\u00f6rnung bis zum fertigen Tuch. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Hausindustrie und Handwerk in der Textilherstellung praktisch verschwunden. Die ackerbauenden Weber und Spinner wurden Fabrikarbeiter. Die Mechanisierung des Webens und Spinnens brachte also folgende \u00c4nderungen mit sich:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trennung des Arbeiters von seinen Produktionsmitteln<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trennung der Arbeitsst\u00e4tte von der Wohnst\u00e4tte<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einen Bruch mit den traditionellen Arbeitsgewohnheiten und Arbeitsinhalten, die Disziplinierung durch Maschinentakt und Fabrikordnungen.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Trennung des Produzenten von seinen Produktionsmitteln und die Trennung der Selbstversorger von ihrem Land schuf die kapitalistische Gesellschaft, in der sich Lohnarbeit und Kapital gegen\u00fcberstehen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Jahr 1788 gab es in Gro\u00dfbritannien bereits 142 Textilfabriken ([18], Seite 65). Von 1764 bis 1794 erh\u00f6hte sich die Produktivit\u00e4t der Garnherstellung um das Dreissigfache, die Produktion des Webverfahrens war im Jahr 1850 dreizehnmal h\u00f6her als im Jahr 1760. Im Jahr 1793 erfand Elie Whitney die \u201ecotton gin\u201c, eine Baumwollentk\u00f6rnungsmaschine, die die Baumwollfasern von den Samenkapseln trennen konnte, was zuvor in den S\u00fcdstaaten der USA eine typische Handarbeit von Sklaven war ([19]). Um 1840 waren alle Arbeitsprozesse der Textilherstellung mechanisiert und wurden in einer Textilfabrik durchgef\u00fchrt. Eine wesentliche Triebkraft aller dieser Erfindungen war wie auch bei sp\u00e4teren die \u00dcberwindung von Produktionsengp\u00e4ssen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Revolutionierung der Textilerzeugung f\u00f6rderte technische Entwicklungen in anderen Bereichen wie der Antriebstechnik, dem Maschinenbau, dem H\u00fcttenwesen, der Metallurgie, dem Transportwesen, der Chemie und der Agrarwirtschaft, die eine wachsende Arbeiterschaft und Gesamtbev\u00f6lkerung versorgen musste. Dies beschrieb Marx so ([15], Seite 404): \u201eDie Umw\u00e4lzung der Produktionsweise in einer Sph\u00e4re der Industrie bedingt ihre Umw\u00e4lzung in der anderen.&#8220; Einige Industriezweige wie der Maschinenbau (\u201emachine makers\u201c) entstanden erst in der industriellen Revolution, seine Vorg\u00e4nger waren die Uhrmacher, Ger\u00e4te-, Instrumente- und M\u00fchlenbauer. Zunehmend wurde beim Maschinenbau die Verwendung von Metallen statt Holz erforderlich, wodurch sich neue Herausforderungen an die Eisenverh\u00fcttung und Eisenbearbeitung ergaben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insbesondere war auch eine neue Antriebsenergie erforderlich, die jahreszeitunabh\u00e4ngig war. Dies leistete die von Watt weiterentwickelte Dampfmaschine. Die Dampfmaschine wurde im 18. Jahrhundert vor allem f\u00fcr die Wasserhaltung im Bergbau eingesetzt. Dies war notwendig, weil die bisherige Antriebstechnik nicht mehr ausreichte, die in immer gr\u00f6\u00dfere Tiefen getriebenen Bergwerksch\u00e4chte zu entw\u00e4ssern. Oft waren zuvor in den Bergwerken mehr Menschen mit der Wasserhaltung besch\u00e4ftigt als mit dem Erzabbau ([20], Seite 121). Zum Heben des Grubenwassers gen\u00fcgte die Auf- und Abw\u00e4rtsbewegung der Einzweck-Dampfmaschine von Thomas Newcomen (1712). Von 1712 bis 1800 wurden etwa 1500 Newcomen- Dampfmaschinen in den Bergwerken aufgebaut ([20], Seite 126). Der Wirkungsgrad dieser Dampfmaschine war mit einem Prozent sehr gering. Bis ins 19. Jahrhundert blieben die Dampfmaschinen Einzelanfertigungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Erfindungen von James Watt (Patent 1769) verbesserten zum einen den Wirkungsgrad der Dampfmaschinen, seine zus\u00e4tzliche Entwicklung des Planetengetriebes und der doppeltwirkenden Dampfmaschine setzte die Auf- und Abw\u00e4rtsbewegung des Kolbens in eine kontinuierliche Drehbewegung um. Damit konnte die Watt\u2018sche Dampfmaschine Wasserrad und Windkraft als Antriebskraft ersetzen. Dazu schrieb Marx ([15], Seite 398): \u201eErst mit Watts zweiter, sog. doppelt wirkender Dampfmaschine war ein erster Motor gefunden, der seine Bewegungskraft selbst erzeugt aus der Verspeisung von Kohlen und Wasser, dessen Kraftpotenz ganz unter menschlicher Kontrolle steht, der mobil und ein Mittel der Lokomotion, st\u00e4dtisch und nicht gleich dem Wasserrad l\u00e4ndlich, die Konzentration der Produktion in St\u00e4dten erlaubt, statt sie wie das Wasserrad l\u00e4ndlich zu zerstreuen, universell in der Anwendung [..]\u201c Die M\u00f6glichkeit der Drehbewegung erschloss neue Anwendungsgebiete, die ihre Verbreitung f\u00f6rderte. Mit der Entwicklung der Watt\u2018schen Dampfmaschine begann dar\u00fcber hinaus der Einzug wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Maschinenbau, eine Entwicklung, die zur Entstehung neuer Berufe und zu neuen Ausbildungsg\u00e4ngen f\u00fchrte. Ende des 18. Jahrhunderts wurden in 84 Baumwollspinnereien, 28 Gie\u00dfereien und Schmiedebetrieben Dampfmaschinen betrieben, im Jahr 1810 waren in Gro\u00dfbritannien 5000, im Jahr 1822 bereits 10 000 Dampfmaschinen im Einsatz ([18], Seite 65, 76). Im Jahr 1838 wurden 75\u00a0% der Antriebsenergie in der Textilindustrie durch Dampfmaschinen gedeckt ([21], Seite 367). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Dampfmaschine war die Antriebsmaschine der Gro\u00dfindustrie, mittlere und kleine Betriebe blieben aus Kostengr\u00fcnden beim Wasserrad. Mit der Dampfmaschine wurde zum ersten Mal eine stetig arbeitende Kraftmaschine mit beliebig vermehrbarer, \u00fcberall und ganzj\u00e4hrig verf\u00fcgbarer Bewegungsenergie geschaffen. Zuvor waren die M\u00fchlenbetriebe von den jahreszeitlich unterschiedlichen Wassermengen abh\u00e4ngig, was zu sommerlichen und winterlichen Stillstandzeiten in der Produktion f\u00fchrte. Die Dampfmaschine beendete die Energienot der regengelenkten Wasserwirtschaft und den Konflikt zwischen dem Wasser als Transportmedium und als Antriebsenergie, bei dem sich Handel und Industrie gegenseitig das Wasser abgruben. Wichtig wurde die Dampfmaschine auch f\u00fcr die Trinkwasserversorgung der schnell wachsendenden St\u00e4dte und sp\u00e4ter als Hochdruckdampfmaschine bei dem Lokomotivbau.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Verbindung von Dampfmaschine und Werkzeugmaschine f\u00f6rderte die Entstehung von Fabriken und f\u00fchrte zur Konzentration der Produktion in den St\u00e4dten. Zuvor war man zum Antrieb der mechanisierten Produktion auf Wasserl\u00e4ufe mit gen\u00fcgendem Gef\u00e4lle angewiesen, die in Gro\u00dfbritannien meist im Inland in l\u00e4ndlicher Umgebung lagen. Marx zitiert die pr\u00e4gnante Aussage: \u201eDie Dampfmaschine ist die Mutter der Industriest\u00e4dte.&#8220; ([15], Seite 398). So wuchs etwa die Bev\u00f6lkerung in Manchester vom Jahr 1750 bis 1850 von 20 000 Einwohnern auf 335 000 Einwohner ([20], Seite. 215). Die Ballung der Industrie in den St\u00e4dten hatte gro\u00dfe gesellschaftliche und technische Auswirkungen. Gesellschaftlich, weil die Arbeiter r\u00e4umlich konzentriert wurden, was ihren Zusammenschluss zu einer Klasse f\u00f6rderte. Technisch, weil im Wohnungs- und St\u00e4dtebau, der Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung, der Kanalisation und M\u00fcllabfuhr enorme Infrastrukturma\u00dfnahmen erforderlich wurden, die oft aber erst dann stattfanden, als sich Seuchen und Epidemien, wie Cholera und Typhus, h\u00e4uften. Vor allem in den schnell wachsenden Industriest\u00e4dten war die Wohnungssituation der Arbeiterfamilien katastrophal. Billigh\u00e4user ohne jegliche sanit\u00e4re Einrichtung waren die Regel, oft waren die H\u00e4user auch von mehr als einer Familie belegt. Klar ist, dass die Versorgung der wachsenden Zahl der Industriearbeiterfamilien und der Gesamtbev\u00f6lkerung eine st\u00e4ndig steigende Produktivit\u00e4t in der Landwirtschaft erforderte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vor allem der zunehmende Einsatz von Dampfmaschinen erforderte zunehmende Eisenproduktion, gr\u00f6\u00dfere Mengen und bessere Qualit\u00e4ten des Eisens aus der Eisenverh\u00fcttung. Um aus Eisenerz schmiedbares Eisen zu gewinnen, sind zwei Prozesse notwendig, zum einen das Schmelzen des Erzes im Hochofen, um die unerw\u00fcnschten Bestandteile abzuspalten. Das so entstandene Roh- oder Gusseisen ist noch nicht schmiedbar. Durch das sogenannte Frischen mit Sauerstoff wird der Kohlenstoff-, Schwefel- und Phosphorgehalt des Roheisens reduziert, es entsteht schmiedbares Eisen, das durch H\u00e4mmern, Walzen oder Pressen in Form von Stabeisen oder Blechen zur Weiterverarbeitung ausgeliefert wird. Die Weiterentwicklung der Eisenverh\u00fcttung in Gro\u00dfbritannien im 18.und 19. Jahrhundert basiert wesentlich auf der Ersetzung der Holzkohle durch Steinkohlenkoks und Steinkohle im Hochofen und beim Frischen. Zur Herstellung von Roheisen verwendete Abraham Darby nach 1710 zum ersten Mal im Hochofen Kokskohle. \u201eDie Substitution der Holzkohle durch Koks war die richtungs\u00e4ndernde Basis- und Initialinnovation in der Eisenverh\u00fcttung. Nun waren die Hoch\u00f6fen zu klein, das Ofenmaterial zu schlecht, der lederne Blasebalg zu wenig dauerhaft, der Luftdruck zu schwach, die Luftmenge zu gering und die Energiewasserversorgung zu unregelm\u00e4\u00dfig und ungen\u00fcgend, die Rohstoffmengen Erz und Kalk zu gering, die Transportkapazit\u00e4t der Packpferde und Karren unzureichend.&#8220; ([20], Seite 132). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Gusseisen erlebte seinen Durchbruch, als es gelang, es zum Bau von Teilen von Maschinen und Dampfmaschinen, bei landwirtschaftlichen Ger\u00e4ten und als Baustoff f\u00fcr Br\u00fccken und Geb\u00e4ude einzusetzen. F\u00fcr die beweglichen Teile im Maschinenbau war das Gusseisen zu spr\u00f6de. Mehrere Innovationen beim Frischen mit Steinkohle wie Benjamin Huntmans Tiegelgussofen um 1740, Henry Corts Puddelofen um 1766, Henry Bessemers Gebl\u00e4seofen um 1856 und das Siemens-Martin-Verfahren von 1864 f\u00fchrten dazu, dass Schmiedeeisen preiswert hergestellt werden konnte ([22], Seite 87). Insgesamt wurde in der Eisenverh\u00fcttung aus dem Produktionssystem Holzkohle-Wasserrad-Hammer immer mehr ein System Kohle-Dampfmaschine-Walze. Zur Verbreitung von Eisen und Stahl trug die Verbilligung der Herstellung und der wachsende Bedarf im Maschinenbau bei. Wurden im Jahr 1740 noch 15 Tonnen Kohle f\u00fcr die Herstellung einer Tonne Roheisen gebraucht, so waren es im Jahr 1850 2,5 Tonnen, wozu wesentlich die Verwendung von Hei\u00dfluftgebl\u00e4sen beitrug ([21], Seite 391). Aus der Eisenverh\u00fcttung kamen ebenso wie aus der Textilindustrie Impulse f\u00fcr die Entwicklung der Chemieindustrie. Bei der Verkokung von Steinkohle fiel Teer an, beim Schmelzen des Eisens Gase, die zunehmend f\u00fcr die Schmelzprozesse selbst verwendet wurden oder als Grundstoffe f\u00fcr eine weitere chemische Verarbeitung oder zur Beleuchtung dienten. Au\u00dferdem mussten im Hochofen unerw\u00fcnschte Bestandteile des Eisenerzes wie etwa Kohlenstoff, Phosphor oder Schwefel entfernt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Bau von Werkzeug-, Dampf- und Textilmaschinen und sp\u00e4ter von Lokomotiven und Schienen aus Gusseisen und Stahl erforderte eine immer gr\u00f6\u00dfere Fertigungsgenauigkeit beim Drehen, Bohren, Fr\u00e4sen und Hobeln ([18], Seite 75 folgende). Vor allem durch Henry Maudslays Metalldrehbank mit Kreuzsupport und Leitspindel um etwa 1800 wurde eine Werkzeugmaschine zur Bearbeitung von Holz und Metallen erfunden, \u00fcber die Karl Marx ([15], Seite 406) schreibt. &#8222;Diese mechanische Vorrichtung ersetzt nicht irgendein besonderes Werkzeug, sondern die menschliche Hand selbst, die eine bestimmte Form hervorbringt, durch Vorhalten, Anpassen und Richtung der Sch\u00e4rfe von Schneidinstrumenten usw. gegen oder \u00fcber das Material z. B. Eisen. So gelang es, die geometrischen Formen der einzelnen Maschinenteile mit einem Grad von Leichtigkeit, Genauigkeit und Raschheit zu produzieren den keine geh\u00e4ufte Erfahrung der Hand des geschicktesten Arbeiters verleihen k\u00f6nnte.&#8220; Maudslay entwickelte oder verbesserte unter anderem noch Maschinen zum Gewindeschneiden und zum Spanen. Mit der Drehbank begann die Maschinisierung der Metall- und Holzbearbeitung, aus der dominierenden Rolle des Hand-Werkzeugs wurde allm\u00e4hlich die f\u00fchrende Rolle des Maschinen-Werkzeugs. Vor der Montage der an der Drehbank hergestellten Maschinenteile war ihre manuelle Endbearbeitung erforderlich. So lange in einem Fertigungsprozess manuelle Nacharbeit erforderlich ist, bleibt dort ein Handwerksanteil bestehen. Im Unterschied zur Textilindustrie erforderte der Maschinenbau qualifizierte Arbeiter. Die Gr\u00fcndung der ersten Maschinenbaubetriebe erforderte kein gro\u00dfes Startkapital, aber eine gro\u00dfe handwerkliche Begabung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Maudslay und seine Sch\u00fcler begannen auch, die Grundlagen f\u00fcr eine Gewindenormung und andere Standardisierungen zu erarbeiten, die Voraussetzungen f\u00fcr die Massenfertigung von Ersatzteilen der Textilmaschinen waren. Bestrebungen zur allgemeinen Zug\u00e4nglichkeit von Erfindungen und der Standardisierung von Produkten sind ein st\u00e4ndiges Thema im Verlauf der technischen Entwicklung im Kapitalismus. Das liegt daran, dass technische Neuerungen zun\u00e4chst in einem Betrieb stattfinden, die sich diese patentieren oder anderweitig sch\u00fctzen lassen, um allein davon zu profitieren. Die Konkurrenz sorgt daf\u00fcr, dass Neuerungen nicht f\u00fcr immer monopolisiert werden k\u00f6nnen. Dies geschah in der industriellen Revolution vor allem durch Industriespionage, Abwerbung von Fachpersonal und nicht lizensiertem Nachbau. Immer versucht das Kapital seine Produkte so auszugestalten, dass der K\u00e4ufer bei Ersatz auf seine Firma angewiesen ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Beispiel der Durchsetzung der Watt&#8217;schen Dampfmaschine soll auf eine Triebkraft technischer Entwicklung hingewiesen werden. Die Watt&#8217;sche Dampfmaschine ben\u00f6tigte nur ein Viertel der Energie der Dampfmaschine von Newcomen ([20], Seite 180), von dieser Energieersparnis erhielten Boulton und Watt ein Drittel als Lizenzgeb\u00fchr. Technischer Fortschritt hat im Kapitalismus wegen der Profitmaximierung immer auch das Ziel, die materiellen Ressourcen so effektiv wie m\u00f6glich zu nutzen, das hei\u00dft Maschinenkosten, Energieverbrauch und Werkstoffeinsatz zu minimieren. Veranschaulichen wir das am Beispiel des Energieverbrauchs. Im 20. Jahrhundert verdr\u00e4ngten dezentrale Verbrennungs- und Elektromotoren die Dampfmaschinen, weil sie einen h\u00f6heren Wirkungsgrad hatten und damit auch in kleineren Betrieben einsetzbar waren. In der industriellen Produktion hatten die elektrischen Antriebe an jeder einzelnen Maschine eine weitere Folge. Die Transmissionsmechanismen wurden \u00fcberfl\u00fcssig, die notwendig waren, um die Drehzahl einer zentralen Dampfmaschine auf die f\u00fcr eine einzelne Maschine erforderliche Drehzahl herunter zu regeln. Der Mechanismus verbrauchte viel Energie durch Reibung und war sehr st\u00f6ranf\u00e4llig. Am Beispiel des Elektromotors l\u00e4sst sich das Thema der Materialeinsparung veranschaulichen. Wog ein Drehstrommotor mit einer Leistung von einem Kilowatt im Jahr 1891 noch 88 Kilogramm, so wog er bei gleicher Leistung im Jahr 1964 nur noch 7,5 Kilogramm, das entspricht einer Gewichtseinsparung von 20\u00a0% alle 10 Jahre ([23], Seite 383).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwei Aspekte der Industrialisierung sind noch zu erw\u00e4hnen. Zum einen: Das Transportaufkommen erh\u00f6hte sich stark, was in Gro\u00dfbritannien zun\u00e4chst zu einem Kanalnetz von 4000 Kilometer L\u00e4nge ([21], Seite 435) und dem Bau von befestigten Stra\u00dfen f\u00fchrte, und ab 1830 durch den Eisenbahnbau bew\u00e4ltigt wurde. Zum andern: Sie erzeugte in bisher unbekanntem Ausma\u00df eine Verschmutzung von Wasser, Luft und B\u00f6den und war der Beginn der vom Menschen erzeugten Klimawandels. Die dadurch entstehenden Kosten werden nicht vom Kapital getragen, sondern auf die Gesellschaft abgew\u00e4lzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Liste sich gegenseitig antreibender und bedingender Erfindungen lie\u00dfe sich fortsetzen (vergleiche [18], [19], [20], [21]). Dies beschreibt Marx so: \u201eSo machte die Maschinenspinnerei Maschinenweberei n\u00f6tig und beide zusammen die mechanisch-chemische Revolution in der Bleicherei, Druckerei und F\u00e4rberei. So rief andererseits die Revolution in der Baumwollspinnerei die Erfindung des gin zur Trennung der Baumwollfaser vom Samen hervor, womit erst die Baumwollproduktion auf dem nun erheischten gro\u00dfen Ma\u00dfstab m\u00f6glich ward. Die Revolution in der Produktionsweise der Industrie und Agrikultur ern\u00f6tigte aber auch eine Revolution in den allgemeinen Bedingungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, d.h. den Kommunikations- und Transportmitteln.\u201c ([15], Seite 404\/405). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fasst man die wesentlichen Merkmale der industriellen Revolution im Produktionsprozess zusammen, so bestehen sie in der:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ersetzung der menschlichen Hand zuerst in der Textilindustrie und danach in der Holz- und Metallbearbeitung bei der Formgebung des Arbeitsgegenstands<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ersetzung von Wasser-, Windkraft und Holz durch Kohle und Dampfmaschine in der Textilindustrie, dem Maschinenbau und der Eisenverh\u00fcttung, was eine schnelle Ausdehnung der Produktion erm\u00f6glichte<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ersetzung von Holz durch Eisen im Maschinenbau, Bau- und Transportwesen.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem Beginn der maschinellen Produktion \u00e4nderte sich die Stellung des Arbeiters in der Produktion: \u201eAus der lebenslangen Spezialit\u00e4t, ein Teilwerkzeug zu f\u00fchren, wird die lebenslange Spezialit\u00e4t, einer Teilmaschine zu dienen.\u201c ([15], Seite 445). Und weiter schreibt Marx zum Inhalt der Arbeit: \u201eSelbst die Erleichterung der Arbeit wird zum Mittel der Tortur, indem die Maschine nicht den Arbeiter von der Arbeit befreit, sondern seine Arbeit vom Inhalt. Aller kapitalistischen Produktion, sofern sie nicht nur Arbeitsproze\u00df, sondern zugleich Verwertungsproze\u00df des Kapitals, ist es gemeinsam, da\u00df nicht der Arbeiter die Arbeitsbedingung, sondern umgekehrt die Arbeitsbedingung den Arbeiter anwendet, aber erst mit der Maschinerie erh\u00e4lt diese Verkehrung technisch handgreifliche Wirklichkeit.\u201c ([15], Seite 446). Diese Anpassung bedeutet Disziplinierung und Gew\u00f6hnung an Gehorsam und Unterordnung, wozu zahlreiche Fabrikordnungen erlassen wurden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Einf\u00fchrung von Maschinen erlaubte es in der industriellen Revolution in gro\u00dfem Ma\u00dfstab, Kinder Frauen und Ungelernte vor allem in der Textilindustrie und im Bergbau einzusetzen, eine Entwicklung, die sich bis auf die Kinderarbeit in der fordistischen Produktion des 20. Jahrhunderts wiederholte. Um dazu ein paar Zahlen zu nennen: Zu Beginn der Kinderschutzgesetzgebung im Jahr 1835 waren in Gro\u00dfbritannien nur etwa 26\u00a0% der Besch\u00e4ftigten M\u00e4nner \u00fcber 18 Jahre, 48\u00a0% waren Frauen \u00fcber 13 Jahre und 13\u00a0% Jungen und M\u00e4dchen unter 13 Jahre. In der Textilindustrie und im Bergbau wurde die Arbeitszeit f\u00fcr Kinder unter 13 Jahren erst 1833 auf 9 Stunden begrenzt ([21], Seite 486). Die w\u00f6chentliche Arbeitszeit betrug zuvor oft 70 bis 80 Stunden. Die physische, gesundheitliche und psychische Belastung der Industriearbeiter war h\u00f6her als bei der Heimarbeit, so dass sie mit sp\u00e4testen 45 Jahren \u201everschlissen\u201c waren. Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit, arbeitsbedingten Krankheiten wie der Silikose, Seuchen wie Cholera und Typhus lag die Lebenserwartung in typischen Industriest\u00e4dten Gro\u00dfbritanniens um das Jahr 1830 bei unter 20 Jahren ([24], Seite 232]). Diese \u201eBegleiterscheinungen\u201c der industriellen Revolution sind keine Folgen des technischen Fortschritts, sondern seiner Anwendung im Kapitalismus, dessen Ziel die m\u00f6glichst profitable Verwertung des eingesetzten Kapitals ist. Von der technischen Seite her bedeutete die Mechanisierung der Produktion eine Ersparnis von menschlicher Arbeit im Produktionsprozess und somit eine Befreiung des Menschen bei der Herstellung der lebensnotwendigen G\u00fcter.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie Marx analysierte, verdr\u00e4ngt der Einsatz von Maschinen notwendigerweise Arbeiter in den Bereichen, in denen sie eingef\u00fchrt werden. Als Beispiel kann das \u201eWebersterben\u201c genannt werden: Waren im Jahr 1788 noch 100 000 Weber besch\u00e4ftigt und im Jahr 1830 240 000, so waren es im Jahr 1860, bedingt durch die breite Einf\u00fchrung der Maschinenweberei, nur noch 10 000 ([21], Seite 307), Marx schreibt ([15], Seite 414): \u201eAusschlie\u00dflich als Mittel zur Verwohlfeilerung des Produkts betrachtet, ist die Grenze f\u00fcr den Gebrauch der Maschinerie darin gegeben, da\u00df ihre eigne Produktion weniger Arbeit kostet als ihre Anwendung Arbeit ersetzt. F\u00fcr das Kapital jedoch dr\u00fcckt sich diese Grenze enger aus. Da es nicht die angewandte Arbeit zahlt, sondern den Wert der angewandten Arbeitskraft, wird ihm der Maschinengebrauch begrenzt durch die Differenz zwischen dem Maschinenwert und dem Wert der von ihr ersetzten Arbeitskraft.\u201c Arbeit wird nur dort geschaffen, wo die neuen Produktionsmittel hergestellt werden, dies kann aber prinzipiell die eingesparte Arbeit nicht kompensieren, auch darum, weil die Qualifikation der ersetzten Arbeiter eine andere ist, als diejenige, die zum Bau der Maschinen ben\u00f6tigt wird. Wenn trotz Automatisierung die Anzahl der Arbeiter in dem betroffenen Bereich steigt, liegt das an der aus anderen Gr\u00fcnden ausgeweiteten Produktion. Die zitierte Aussage von Marx betont au\u00dferdem, dass das Profitstreben des Kapitals ein Hindernis f\u00fcr die Einf\u00fchrung technischer Neuerungen ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus diesem knappen \u00dcberblick geht hervor, dass die technologischen Entwicklungen in der industriellen Revolution, beginnend in der Textilindustrie im Endergebnis zu einer revolution\u00e4ren \u00c4nderung der Produktionsprozesse in verschiedenen Industriezweigen f\u00fchrte. Die industrielle Revolution vernichtete die Hausindustrie, an ihre Stelle trat die Produktion in mechanisierten Fabriken. Sie f\u00fchrte zur Bildung von Kapital besitzenden Unternehmern und zu einer lohnabh\u00e4ngigen Arbeiterschaft. Auch die Erwerbst\u00e4tigenstruktur ver\u00e4nderte sich stark. Waren im Jahr 1760 noch 50% der Erwerbst\u00e4tigen in der Landwirtschaft besch\u00e4ftigt, so waren es im Jahr 1851 nur noch 15%. Dementsprechend stieg im gleichen Zeitraum der Anteil der in Industrie, Bergbau, Handel und Transportwesen Besch\u00e4ftigten von 25% auf 63%, wobei etwa 20% der Besch\u00e4ftigten in der Textilindustrie arbeiteten ([24], Seite 194 folgende). Innerhalb eines Jahrhunderts hatte sich Gro\u00dfbritannien von einem Agrarstaat zum ersten Industriestaat entwickelt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der industriellen Revolution fand sowohl eine technische Revolution als auch eine Revolution der Produktionsverh\u00e4ltnisse und der gesellschaftlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, statt. Es ist schwierig, den Zeitraum der industriellen Revolution festzulegen. Um eine grobe Zeitsch\u00e4tzung zu geben, k\u00f6nnte man die Zeitspanne von der Erfindung des Weberschiffchens im Jahr 1733 bis zum \u201eWebersterben\u201c um 1850 nennen, das ein Kennzeichen des Siegs der Maschinenarbeit ist, also gut 100 Jahre. Manche Autoren nehmen die fr\u00fcher beginnende Agrarrevolution oder sogar die Phase der urspr\u00fcnglichen Akkumulation von Kapital hinzu und kommen auf l\u00e4ngere Zeitspannen. Von Seiten der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte her sind die genannten gut 100 Jahre ein passender Ann\u00e4herungswert, weil er die Zeitspanne der ersten Ersetzung von Handarbeit in der Textilindustrie bis zur endg\u00fcltigen Durchsetzung der mechanisierten Produktion umfasst.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Gro\u00dfbritannien entstanden die ersten Fabriken weitgehend au\u00dferhalb feudaler Strukturen. Die zuk\u00fcnftigen Unternehmer waren davor h\u00e4ufig technisch begabte und interessierte Handwerker aber auch Branchenfremde. In der Textilindustrie war zun\u00e4chst der Einsatz von Kapital gering. Waren gr\u00f6\u00dfere Kapitalvorsch\u00fcsse erforderlich, so wurden sie oft durch Partnerschaften mit bereits etablierten Unternehmen mobilisiert. Ein Beispiel f\u00fcr eine solche Partnerschaft ist die zwischen dem Metallwarenfabrikanten Mathew Bolton und James Watt. Nur im Stra\u00dfen-, im Kanal- und sp\u00e4ter im Eisenbahnbau stammte ein nennenswerter Anteil des vorgestreckten Kapitals vom Adel, der daf\u00fcr Mautgeb\u00fchren, Zinsen oder Dividenden bekam ([21], Seite 481 folgende). Es gab offensichtlich einen Burgfrieden zwischen der aufkommenden Bourgeoisie und einem Gro\u00dfteil der Grundbesitzer, die die Gewinnung einer wachsenden Hegemonie der Kapitalbesitzer \u00fcber den Feudaladel erm\u00f6glichte. In Frankreich wurde der Feudalismus durch die Franz\u00f6sische Revolution besiegt, erst danach begann die Industrialisierung. Mit der Franz\u00f6sischen Revolution begann der Eintritt der Massen in die Geschichte. In Deutschland scheiterte der Versuch der b\u00fcrgerlichen Revolution im Jahr 1848 unter anderem wegen der Furcht des B\u00fcrgertums vor den Folgen einer Mobilisierung der Massen. Daraufhin wurde in Deutschland ein Klassenkompromiss zwischen Feudaladel und Industriekapital geschlossen, der erst nach dem zweiten Weltkrieg endg\u00fcltig \u00fcberwunden werden konnte. Die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise setzt, abh\u00e4ngig von der historischen Situation, offensichtlich keinen gewaltsamen Sturz des Feudalismus voraus. Die Frage nach den Bedingungen zur Abl\u00f6sung einer \u00fcberholten Produktionsweise durch eine fortschrittlichere sprengt den Rahmen dieses Artikels.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die nachholende Entwicklung anderer L\u00e4nder zum Industriezeitalter verlief oft anders als die Industrialisierung in Gro\u00dfbritannien. In Gro\u00dfbritannien begann die industrielle Revolution in der Konsumindustrie. In der nachholenden industriellen Entwicklung Deutschlands waren vor allem der Eisenbahnbau und die Schwerindustrie dominierend. Die Frage des notwendigen Schwerpunkts bei einer nachholenden Industrialisierung war und ist ein kontrovers diskutiertes Thema beim Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion und in China. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"3\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schlussfolgerungen aus der ersten industriellen Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den technologischen Neuerungen der industriellen Revolution k\u00f6nnen wir ein gemeinsames Prinzip des Industriezeitalters entdecken, das Karl Marx folgenderma\u00dfen beschreibt: \u201eIhr Prinzip, jeden Produktionsproze\u00df, an und f\u00fcr sich und zun\u00e4chst ohne R\u00fccksicht auf die menschliche Hand, in seine konstituierenden Elemente aufzul\u00f6sen, schuf die ganz moderne Wissenschaft der Technologie.&#8220; ([15], Seite 510). Die Grundlagen daf\u00fcr wurden in der manufakturm\u00e4\u00dfigen Teilung des Arbeitsprozesses in seine Teilfunktionen geschaffen. Eine solche Zerlegung bietet die M\u00f6glichkeit, einzelne Funktionen zu automatisieren. Die Aufteilung des Produktionsprozesses in eine Vielzahl einfacher Bearbeitungsschritte kann auch ohne eine Automatisierung zu einer Effizienzsteigerung der Produktion f\u00fchren. Die Investitionen in Automatisierungsm\u00f6glichkeiten erfolgen im Kapitalismus nur, wenn sie billiger als die ersetzte Arbeitskraft sind. Investitionen werden nur vorgenommen, wenn das Kapital erwartet, dass sich dadurch die Profitmasse erh\u00f6ht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir haben weiter festgestellt, dass nicht die Art des Antriebs, die Kraft- oder Bewegungsmaschine, den Kern der industriellen Revolution ausmacht, sondern die Werkzeugmaschine, die die Hand des Arbeiters ersetzte: \u201eAlle entwickelte Maschinerie besteht aus drei wesentlich verschiedenen Teilen, der Bewegungsmaschine, dem Transmissionsmechanismus, endlich der Werkzeugmaschine oder Arbeitsmaschine. Die Bewegungsmaschine wirkt als Triebkraft des ganzen Mechanismus. Sie erzeugt ihre eigene Bewegungskraft, wie die Dampfmaschine, kalorische Maschine, elektro-magnetische Maschine usw., oder sie empf\u00e4ngt den Ansto\u00df von einer schon fertigen Naturkraft au\u00dfer ihr, wie das Wasserrad vom Wassergef\u00e4ll, der Windfl\u00fcgel vom Wind usw. Der Transmissionsmechanismus, zusammengesetzt aus Schwungr\u00e4dern, Treibwellen, Zahnr\u00e4dern, Kreiselr\u00e4dern, Sch\u00e4ften, Schn\u00fcren, Riemen, Zwischengeschirr und Vorgelege der verschiedensten Art, regelt die Bewegung, verwandelt, wo es n\u00f6tig ihre Form, z.B. aus einer perpendukul\u00e4ren in eine kreisf\u00f6rmige, verteilt und \u00fcbertr\u00e4gt sie auf die Werkzeugmaschinerie. Beide Teile des Mechanismus sind nur vorhanden, um der Werkzeugmaschine mitzuteilen, wodurch sie den Arbeitsgegenstand anpackt und zweckgem\u00e4\u00df ver\u00e4ndert. Dieser Teil der Maschinerie, die Werkzeugmaschine, ist es, wovon die industrielle Revolution im 18. Jahrhundert ausgeht.\u201c ([15], Seite 393). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zus\u00e4tzlich zeigt sich, dass die kontinuierliche Steigerung der Produktivit\u00e4t Kennzeichen und Folge des Industriezeitalters ist: \u201eDie moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandene Form eines Produktionsprozesses nie als definitiv. Ihre technische Basis ist daher revolution\u00e4r, w\u00e4hrend die aller fr\u00fcheren Produktionsweisen wesentlich konservativ war. Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andere Methoden w\u00e4lzt sie best\u00e4ndig mit der technischen Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitprozesses um. Sie revolutioniert damit ebenso best\u00e4ndig die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und schleudert unaufh\u00f6rlich Kapitalmassen und Arbeitermassen aus einem Produktionszweig in den anderen.&#8220; ([15], Seite 510, 511). Nach Marx besteht das Revolution\u00e4re des Industriezeitalters im Vergleich zu fr\u00fcheren Wirtschaftsformationen in der unaufh\u00f6rlichen Weiterentwicklung der Produktionsprozesse. Sie ist die Folge des immanenten Triebs des Kapitalismus, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern ([15], Seite 338). Daher war der Sieg des Kapitalismus ein gro\u00dfer Fortschritt gegen\u00fcber der zunehmenden Stagnation des Produktionssystems des Feudalismus, der eine weitere Steigerung der Produktivit\u00e4t zunehmend behinderte. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Ziel des technischen Fortschritts ist die m\u00f6glichst weitgehende Ersetzung von menschlicher Arbeitskraft im Produktionsprozess. \u201e<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein eigentliches Maschinensystem tritt aber erst an die Stelle der einzelnen selbst\u00e4ndigen Maschine, wo der Arbeitsgegenstand eine zusammenh\u00e4ngende Reihe verschiedener Stufenprozesse durchl\u00e4uft, die von einer Kette verschiedenartiger, aber einander erg\u00e4nzender Werkzeugmaschinen ausgef\u00fchrt werden.\u201c ([15], Seite 400). Marx charakterisiert diese Entwicklung als die Verwandlung des Produktionsprozesses in einen wissenschaftlichen Prozess, der sich der Naturkr\u00e4fte bedient, um die Bed\u00fcrfnisse des Menschen zu befriedigen. Der breite Einzug der Wissenschaft in Technik und Produktion begann mit dem Aufkommen der Chemie und der Elektrotechnik in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Die allm\u00e4hliche Ann\u00e4herung begann bereits in der industriellen Revolution, zur notwendigen Voraussetzung technischer Entwicklungen wurde die Wissenschaft im 20. Jahrhundert. Aus den Zitaten wird deutlich, dass Marx den technischen Fortschritt in der Produktion ohne Wenn und Aber begr\u00fc\u00dft, weil er den Menschen immer weiter von der Notwendigkeit eint\u00f6niger Arbeit f\u00fcr seine Existenzbed\u00fcrfnisse befreit und ihm damit Zeit f\u00fcr eine allseitige Weiterentwicklung erm\u00f6glicht. <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie dargestellt, analysierte Marx, dass die kapitalistische Wirtschaftsform ihrerseits innere Widerspr\u00fcche besitzt, die die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte behindern. Deren Zuspitzung kann zur Erkenntnis f\u00fchren, dass ein \u00dcbergang zu einer neuen Produktionsweise objektiv geboten ist, dieser \u00dcbergang kann jedoch nur durch die Erringung der politischen Hegemonie durch die fortschrittlichere Klasse gelingen. Die Formen eines solchen \u00dcbergangs h\u00e4ngen von der jeweiligen historischen Situation ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Einf\u00fchrung von Maschinen in die Produktion f\u00fchrt in vielen Bereichen zu geringeren Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskraft. Zu Beginn des Industriezeitalters f\u00fchrte das zu massenhafter Besch\u00e4ftigung von Kindern und Frauen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"4\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Flie\u00dfbandproduktion als zweite industrielle Revolution?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einleitend ist vorauszuschicken, dass das Hochz\u00e4hlen industrieller Revolutionen begrifflich schwammig ist. Durch die im letzten Kapitel beschriebene industrielle Revolution, die die Manufakturperiode abl\u00f6ste, wurde die moderne Industrie geschaffen. Alle nachfolgenden technischen Revolutionen sind Revolutionen innerhalb des Industriezeitalters. Dennoch bezeichne ich hier auch die industrielle Revolution als erste industrielle Revolution, die weiteren technischen Revolutionen des Produktions\u00adprozesses werden als industrielle Revolutionen hochgez\u00e4hlt \u2013 einfach, weil es sich eingeb\u00fcrgert hat. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcbereinstimmung herrscht bei den Historikern weitgehend \u00fcber Inhalt und Datierung der ersten industriellen Revolution, auch wenn es vereinzelt Meinungen gibt, die der Weiterentwicklung der Dampfmaschine eine h\u00f6here Bedeutung zuschreiben als der Ersetzung der Hand des Arbeiters durch Werkzeugmaschinen. Bei der zweiten industriellen Revolution unterscheiden sich die Meinungen \u00fcber ihren Inhalt und damit auch \u00fcber ihre Datierung. Manche Historiker setzen sie mit dem verst\u00e4rkten Aufkommen der chemischen Industrie und der Elektrotechnik Mitte des 19. Jahrhunderts an, andere mit der Einf\u00fchrung des Flie\u00dfbands in der Automobilindustrie ab 1913 durch Henry Ford in den USA ([25]).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Offensichtlich gab es keine der Mechanisierung des Webens und Spinnens vergleichbare revolution\u00e4re technische Entwicklung, die weitere menschliche Arbeitskraft ersetzte. Mit der chemischen Industrie kam ein neuer Industriezweig auf, der Farben, D\u00fcnger, Pharmazeutika, Leuchtgas, Kunststoffe und Kunstfasern, Photographie und viele andere neue Stoffe und Verfahren entwickelte. Die Elektrotechnik f\u00fchrte mit dem Elektromotor zu einer dezentralen, der jeweiligen Maschine angepassten Antriebstechnik, die die zentrale Dampfmaschine ersetzte. Seine Verbreitung f\u00f6rderte den Ausbau der Elektrizit\u00e4tsversorgung und damit die Einf\u00fchrung von elektrischer Beleuchtung, Telekommunikation und vielen anderen elektrischen Ger\u00e4ten. Der Elektromotor ver\u00e4ndert ebenso wenig wie die etwa zeitgleich entwickelten Gas- und Verbrennungsmotoren den nachgelagerten Herstellungsprozess. Wie bereits dargestellt, ist es nicht die Kraftmaschine, sondern die Werkzeugmaschine, von der eine industrielle Revolution ausgeht. Die Entwicklung der elektrotechnischen und chemischen Industrie zeigt gleichwohl ein neues Element der weiteren technischen Entwicklung. Beide Industrien waren nicht ohne wissenschaftliche Forschung m\u00f6glich. So war zum Beispiel die Entwicklung des Rundfunks nur durch physikalische Entdeckungen entstanden. Die Entwicklung der Chemie und der Elektrotechnik f\u00f6rderte die Verzahnung von Wissenschaft und Technik, es entstanden neue Wissenschaftszweige und eine wissenschaftsbasierte Industrie mit eigenen Forschungslaboratorien. Auch in vielen anderen Bereichen wie dem Verkehrswesen, dem St\u00e4dtebau, dem Bau von schnelleren und pr\u00e4ziseren Maschinen oder der Metallurgie gab es viele technische Fortschritte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Einf\u00fchrung der Flie\u00dfbandarbeit in der Automobilindustrie im Jahr 1913 wurde der bisherige industrielle Herstellungsprozess in Einzelschritte zerlegt, die dann von verschiedenen Arbeitern nacheinander ausgef\u00fchrt wurden. Im Unterschied zur Flie\u00dfarbeit, bei der das Werkst\u00fcck zum Beispiel auf Karren zum n\u00e4chsten Bearbeitungsschritt gefahren wurde, fand der Transport jetzt auf mechanisch angetriebenen B\u00e4ndern statt, was eine Zeiterfassung und -planung f\u00fcr die einzelnen Arbeitsschritte erforderte. Am eigentlichen Bearbeitungsprozess \u00e4nderte sich durch die Flie\u00dfbandarbeit zun\u00e4chst nichts. Diese Zerlegung war aber Voraussetzung f\u00fcr die Automatisierung, die nach dem zweiten Weltkrieg stattfand. Sie ist vergleichbar mit der Zergliederung der handwerklichen Produktion in der Manufakturperiode, die die industrielle Revolution vorbereitete. F\u00fcr Marx beginnt \u201edie industrielle Revolution, sobald der Mechanismus dort angewandt (wird), wo von alters her das finale Resultat menschliche Arbeit erheischt&#8220; ([26], Seite 322). Da dies bei der Flie\u00dfbandproduktion nicht stattfand, kann sie gem\u00e4\u00df der Marx&#8217;schen Begrifflichkeit nicht als Revolution der Produktivkr\u00e4fte bezeichnet werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleichwohl ver\u00e4nderte die Einf\u00fchrung der Flie\u00dfbandarbeit die industriellen Produktionsprozesse und damit die Produktionsverh\u00e4ltnisse in erheblichen Umfang. Diese ge\u00e4nderten Produktionsverh\u00e4ltnisse werden oft als Fordismus bezeichnet, ein Begriff, der bereits 1924 entstand und von Antonio Gramsci in die marxistische Bewegung eingef\u00fchrt wurde ([27]). Meist werden diesem Begriff auch Ver\u00e4nderungen der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zugeordnet, die nicht auf die \u00c4nderungen der Produktionsprozesse zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Dies resultiert daraus, dass Ford in seiner Autobiografie auch seine Vorstellungen zur gesellschaftlichen Entwicklung propagierte. So schrieb er unter anderem \u00fcber das \u201eEinvernehmen von Kapital und Arbeit\u201c und \u00fcber eine \u201eArt von Wohlstand\u00adbeteiligungsplan\u201c. Der Begriff des Fordismus ist ein Versuch, ein Etikett f\u00fcr gesellschaftliche und politische Entwicklungen zu finden, die zeitgleich mit der Flie\u00dfbandarbeit stattfanden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Etikett ist auch die Bezeichnung der Einf\u00fchrung der Flie\u00dfbandarbeit als \u201ezweite industrielle Revolution\u201c. Es wurde dargelegt, dass die Flie\u00dfbandarbeit die menschliche Arbeit zergliederte aber nicht ersetzte. Offensichtlich gibt es au\u00dferhalb der Marx\u2019schen Begrifflichkeit keine Klarheit dar\u00fcber, was den Kern einer Revolution der Produktivkr\u00e4fte ausmacht. Das liegt daran, dass meist nur technologische Aspekte betrachtet werden und nicht ihre Bedeutung f\u00fcr den gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Fordismus und Taylorismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Henry Ford f\u00fchrte im Jahr 1913 die Flie\u00dfbandfertigung (assembly line) in seinen Automobilfabriken ein. Zuvor kamen Transportb\u00e4nder schon in den amerikanischen Schlachth\u00f6fen zum Einsatz. Mit der Flie\u00dfbandfertigung erfolgte eine Zerlegung der Fertigung in einfache Einzelschritte. Was fr\u00fcher die Arbeit von einem Arbeiter war, wurde in Teiloperationen f\u00fcr 29 Arbeiter aufgeteilt, die Gesamtarbeitszeit verringerte sich dabei um 34\u00a0% ([28], Seite 9). Dadurch konnte Ford die Preise um 60\u00a0% senken und aufgrund seiner Extraprofite die L\u00f6hne seiner Arbeiter erh\u00f6hen ([2], Seite 210). Die Lohnerh\u00f6hungen waren auch darum erforderlich, weil in den USA Arbeitskr\u00e4ftemangel herrschte und jeder, der konnte die Flie\u00dfbandarbeit mied. Innerhalb weniger Jahre stieg die Produktion des T-Modells auf das Hundertfache. In den USA wurde das Automobil schon vor dem zweiten Weltkrieg unter anderem bei Farmern ein Massenkonsumgut, w\u00e4hrend es in Westeuropa noch Luxusgut blieb. Das gleiche gilt auch f\u00fcr das Telefon, das in den USA schon vor dem zweiten Weltkrieg ein Massenkonsumartikel wurde, wiederum auch bei den verstreut lebenden Farmern. Anders als in Europa gab es in den USA schon fr\u00fch einen Markt f\u00fcr verschiedene neue Massenprodukte, wodurch sich ein spezieller amerikanischer Typ von Werkzeugmaschinen entwickelte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ford war klar, dass eine Massenproduktion von Gebrauchsg\u00fctern jeglicher Art erfordert, dass auch ein Massenkonsum m\u00f6glich ist, das hei\u00dft, dass das Lohnniveau in gewissem Umfang an den Produktivit\u00e4tsfortschritt gekoppelt werden muss. Wie verbreitet diese Kopplung in den USA au\u00dferhalb der Automobilindustrie vor dem zweiten Weltkrieg war, habe ich nicht untersucht. Zu einem Kennzeichen wurde sie in den USA und den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern nach dem zweiten Weltkrieg. Damit konnte sich der Konsum von Masseng\u00fctern in den USA und Westeuropa durchsetzen. Die Kopplung der Lohnentwicklung an die Produktivit\u00e4tsentwicklung war eine einmalige, zeitlich begrenzte Phase, die in allen Industriestaaten in der Mitte der 1970er Jahre endete. Erm\u00f6glicht wurde sie durch eine steigende Profitmasse, erzwungen wurde sie durch den nach dem zweiten Weltkrieg erforderlichen neuen Klassenkompromiss, die sich entwickelnde Vollbesch\u00e4ftigung und die wachsende St\u00e4rke der Arbeiterklasse und ihrer Organisationen ([29]).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bevor die Kennzeichen der fordistischen Produktion beschrieben werden, soll noch auf den Taylorismus als prominenter Schule der in den USA entstandenen Rationalisierungsbewegung eingegangen werden. Als Taylorismus bezeichnet man das von Frederick Winslow Taylor begr\u00fcndete System der Steuerung von Arbeitsabl\u00e4ufen, Arbeitern und Werkzeug auf der Basis von Arbeitsstudien, auch scientific management (wissenschaftliche Betriebsf\u00fchrung) genannt. Damit wurde versucht das die Maschinenentwicklung leitende Prinzip von Effizienz und Wirkungsgrad auf die Fabrikorganisation zu \u00fcbertragen. Das deutsche Gegenst\u00fcck zum Taylorismus ist der im Jahr 1924 gegr\u00fcndete REFA-Verband, der Reichsausschuss f\u00fcr Arbeitszeitermittlung. Ziel von Taylorismus, REFA und vergleichbaren Institutionen ist die Rationalisierung von Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation sowie die Normensetzung im technischen Bereich. Die ersten Handwerksmittel waren die Stoppuhr zur Messung der Dauer von Arbeitsschritten und die Zeiterfassungsb\u00f6gen zu deren Protokollierung ([30]).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Flie\u00dfbandproduktion und Taylorismus f\u00fchren zu verwandten Ergebnissen. Beide zergliedern die Arbeitsabl\u00e4ufe in einzelne Arbeitsschritte, um eine Rationalisierung der Produktion zu erreichen. Was bei Ford die Taktung des Flie\u00dfbands erzwang, waren bei Taylor die auf der Zeiterfassung beruhenden Vorschl\u00e4ge zur Ver\u00e4nderung der Arbeitsmethoden. Beim Taylorismus steht der Gesichtspunkt im Vordergrund, die Produkte durch \u00c4nderung der Organisation der Produktion ohne gro\u00dfe Investitionen zu verbilligen. Das System der Flie\u00dfbandarbeit und die daraus resultierenden Ver\u00e4nderungen der Arbeitsorganisation und der Produktionsverh\u00e4ltnisse wird als fordistische Produktion bezeichnet.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Merkmale der fordistischen Produktion<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die wesentlichen Merkmale der fordistischen Produktion sind nach ([31]):<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Massenproduktion und Massenkonsum<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Kopplung der L\u00f6hne an den Produktivit\u00e4tsfortschritt <\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Steigerung der Produktivit\u00e4t durch Flie\u00dfbandarbeit, Serienfertigung, Produktstandardisierung, Rationalisierung und Normierung<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eingliederung von Ungelernten und Frauen in die Produktion, Einf\u00fchrung der Teilzeitarbeit und Hierarchisierung der M\u00e4nner- \u00fcber die Frauenarbeit<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gliederung der Arbeit in geistige und k\u00f6rperliche, qualifizierte und unqualifizierte monotone Arbeit<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weiter zunehmende Unterordnung der Arbeitenden unter die Maschinenprozesse<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verwissenschaftlichung von Technologie, Produktionsprozessen und Betriebsorganisation<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend sich in den USA wesentliche Merkmale der fordistischen Produktion bereits vor dem zweiten Weltkrieg durchsetzten, gab es in den Industriestaaten Westeuropas drei Wellen ([27]). Eine erste von 1924 bis 1929, in der die Konzepte und die Selbstbiografie von Henry Ford breit diskutiert wurden, und Methoden und Regeln zur Normierung, Standardisierung und wissenschaftlichen Betriebsf\u00fchrung entwickelt wurden. Flie\u00dfbandarbeit war in Westeuropa selten, da es keinen Markt f\u00fcr Masseng\u00fcter gab. Eine zweite Welle setzte in Deutschland aufgrund der Massenproduktion von Waffen f\u00fcr die Kriegsvorbereitung in der Mitte der 1930iger Jahre ein. Die dritte und nachhaltigste Welle begann in den europ\u00e4ischen Industriestaaten nach dem zweiten Weltkrieg, die mit der zeitweiligen Kopplung der L\u00f6hne an die Produktionsentwicklung, der auch in Westeuropa einen Massenkonsum erm\u00f6glichte. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die fordistische Produktion war auch ein neues Herrschaftsinstrument. Zum einen erzwang die Flie\u00dfbandarbeit eine strenge Arbeitsdisziplin und die Unterordnung der am Flie\u00dfband Arbeitenden unter den Maschinentakt und die von Spezialisten geplante Arbeitsorganisation. Zum anderen wurde die Arbeiterklasse gespalten in Gelernte und Ungelernte, M\u00e4nner und Frauen, Deutsche und Ausl\u00e4nder. Der von Ford unterst\u00fctzte und nach dem 2. Weltkrieg erzwungene Sozialkompromiss stabilisierte den Kapitalismus ebenso wie sein nicht eingehaltenes Versprechen eines st\u00e4ndig zunehmenden krisenfreien Wirtschaftswachstums und Wohlstands. Dies wirkte als eine Art kapitalistische Antwort auf die Systemkonkurrenz mit den sozialistischen L\u00e4ndern. Gro\u00dfe Teile der Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und der Marxisten teilten die vom Fordismus hervorgerufene Begeisterung f\u00fcr Technik und auch f\u00fcr Rationalisierung. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gem\u00e4\u00df der Marx\u2018schen Begrifflichkeit der politischen \u00d6konomie ver\u00e4nderte die fordistische Produktion die Produktionsverh\u00e4ltnisse, ihr fehlt aber der Charakter einer Revolution der Produktivkr\u00e4fte und der Revolution der Produktionsweise, sie ist eine organisatorische Revolution. So \u00e4nderte sich zum Beispiel in der Fabrik die Organisation der Arbeit, der Arbeitstakt, die Hierarchie und die betriebswirtschaftliche Organisation, die auch Manager, Einkauf, Vertrieb und Buchf\u00fchrung umfasste. Gesellschaftlich wuchs die Gruppe der Besch\u00e4ftigten in Handel, Banken und Staat, insbesondere auch der Berufsstand der Ingenieure, der zuvor nicht existierte. Die fordistische Produktion f\u00fchrte zu einer Modifikation der Produktionsverh\u00e4ltnisse, ohne die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse anzutasten. Auch qualitative \u00c4nderungen der Produktionsverh\u00e4ltnisse sind bei gleichbleibenden Herrschaftsverh\u00e4ltnissen m\u00f6glich. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oft wird der Aufbau des Sozialstaats mit der fordistischen Produktion in Zusammenhang gebracht. Mir scheint diese Auffassung falsch. Der Aufbau des Sozialstaats begann nach dem zweiten Weltkrieg in den kriegf\u00fchrenden L\u00e4ndern bereits vor der breiten Durchsetzung der fordistischen Produktion und entstand aus der Notwendigkeit eines neuen Klassenkompromisses zwischen Kapital und Arbeit. Der Staat spielte in Westeuropa zun\u00e4chst weitgehend unangefochten eine f\u00fchrende Rolle bei dem Wiederaufbau und der Gestaltung der Wirtschaftsordnung in den Nachkriegsl\u00e4ndern. In Westdeutschland war dabei die Schule des Ordoliberalismus pr\u00e4gend, in den meisten anderen westlichen L\u00e4ndern die von John Maynard Keynes ([29]).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Phasen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, die sich deutlich durch unterschiedliche Produktionsverh\u00e4ltnisse von fr\u00fcheren unterscheiden, werden oft als gesellschaftliche Betriebsweisen oder Akkumulationsregimes bezeichnet. Beide Begriffe benennen einen f\u00fcr eine gewisse Zeitspanne vorherrschenden Typ von Produktion, Akkumulation und Struktur der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse innerhalb des Kapitalismus. Der Begriff des Akkumulationsregimes ist ein Bestandteil der Regulationstheorie ([32]). Ihr Ziel ist es herauszuarbeiten, warum es dem Kapitalismus trotz seiner Krisenhaftigkeit und sozialen Gegens\u00e4tze gelingt, stabile Phasen wie den Fordismus hervorzubringen. Die Regulationstheorie untersucht vor allem die Instrumente, mit denen das Kapital seine Hegemonie politisch festigt. Der Begriff des Akkumulationsregimes ist also enger als der Begriff der gesellschaftlichen Betriebsweise. Daher ist der Begriff der gesellschaftlichen Betriebsweise, der die Ver\u00e4nderungen der Produktionsverh\u00e4ltnisse bei gleichbleibender Produktionsweise umfasst, besser geeignet. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die Erkl\u00e4rung von Stabilit\u00e4tsphasen der kapitalistischen Herrschaft scheint es mir sinnvoller, auf der einen Seite \u00f6konomisch zwischen Phasen der beschleunigten Akkumulation und Phasen der strukturellen \u00dcberakkumulation zu unterscheiden und auf der anderen Seite politisch zwischen Phasen der St\u00e4rke und Schw\u00e4che der Arbeiterklasse und ihrer Organisationen. Sie h\u00e4ngen miteinander zusammen, sind aber nicht in eins zu setzen. Die Zeitspanne der fordistischen Produktion nach dem zweiten Weltkrieg war sowohl eine Phase der beschleunigten Akkumulation als auch die einer relativ starken Arbeiterklasse. Umgekehrt fiel der Siegeszug des Neoliberalismus seit Mitte der 1970er Jahre \u00f6konomisch mit dem \u00dcbergang zur strukturellen \u00dcberakkumulation zusammen und politisch mit einer zunehmenden Schw\u00e4chung der Kampfkraft der Arbeiterklasse. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Angemerkt sei noch, dass inzwischen die standardisierte Massenproduktion in den entwickelten Industriestaaten durch eine flexible Produktion abgel\u00f6st wird, sie wurde aber im Rahmen der Globalisierung in die aufstrebenden Industriestaaten verlagert. Vor allem in Fernost findet inzwischen ein Gro\u00dfteil der standardisierten Massenproduktion statt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em>Fortsetzung:<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1382&amp;preview=true\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">-&gt; <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Basistechnologien am Beispiel des automatisierten Fahrens<\/span><\/span><\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Begriffskl\u00e4rungen Die Automatisierung ist eine besondere Form der Rationalisierung des Produktionsprozesses. Eine Rationalisierung kann zum Beispiel durch effizientere Arbeitsabl\u00e4ufe erreicht werden, die die Produktivit\u00e4t erh\u00f6hen, ohne dass sich etwas am Produktionsverfahren \u00e4ndert. Von einer Automatisierung kann nur gesprochen werden, wenn Arbeitsschritte vom Menschen auf eine Maschine \u00fcbertragen werden. So schrieb Karl Marx ([15], Seite 402): &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1379\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Charakterisierung fr\u00fcherer Revolutionen der Produktivkr\u00e4fte<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1379","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1379","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1379"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1379\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1412,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1379\/revisions\/1412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}