{"id":1317,"date":"2018-06-10T10:56:28","date_gmt":"2018-06-10T08:56:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1317"},"modified":"2018-06-10T10:56:28","modified_gmt":"2018-06-10T08:56:28","slug":"rezension-zu-theodor-bergmann-der-chinesische-weg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1317","title":{"rendered":"Rezension zu Theodor Bergmann: Der chinesische Weg"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>\u00a0Versuch, eine ferne Entwicklung zu verstehen (VSA, Hamburg 2017)<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><em>Erwin Maurer, im Juni 2017<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Taschenbuch hat Theodor Bergmann mehrere von ihm bereits in anderen B\u00fcchern und Zeitschriften ver\u00f6ffentlichte Beitr\u00e4ge in zum Teil \u00fcberarbeiteter und erg\u00e4nzter Weise zusammengefasst.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er versucht, wie er im Vorwort schreibt: \u201edie Entwicklungen in der Volksrepublik China f\u00fcr zweifelnde deutschsprachige Sozialisten und Kommunisten verst\u00e4ndlich zu machen\u201c, weil auch sie oft bezweifeln, \u201edass die VR China sich auf dem Weg zum Sozialismus nach vorne entwickelt\u201c. (S.\u00a09) Er wendet sich gegen die Kritiker (sowohl b\u00fcrgerliche als auch marxistische), die wie er meint, auch aus unterschiedlichen Interessen, entweder das Scheitern des Aufbaus des Sozialismus in China w\u00fcnschen oder aber als weitere Niederlage der kommunistischen Bewegung bef\u00fcrchten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er stellt im Vorwort klar, dass er \u201eweder Historiker noch Sinologe, aber ein vorsichtig-kritischer Optimist (ist), der die \u00dcberwindung des Kapitalismus erhofft. Meine Hoffnung wird dadurch best\u00e4rkt, dass die chinesischen Kommunisten aus der Fehlentwicklung der UDSSR gelernt und die Irrt\u00fcmer der Mao-\u00c4ra in \u00f6ffentlicher Selbstkritik auf vorbildliche Weise aufgearbeitet haben.\u201c Weiter stellt er fest, dass er \u201ein diesem Buch versuchen (will), die Probleme der Volksrepublik China zu erkl\u00e4ren, ohne alle L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu billigen. Und gewiss kann auch der Erfolg der chinesischen Entwicklung zum Sozialismus kein Modell f\u00fcr die Sozialisten der Industriel\u00e4nder sein.\u201c (S.\u00a09)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er stellt fest, dass es in China \u201ekeinen paradiesischen Endzustand (gibt); vielmehr gibt es immer Widerspr\u00fcche, Schichten-Interessen, neue Entwicklungen, neue Bed\u00fcrfnisse, neue Aufgaben. Und diese Interessen suchen sich ihre Ausdrucksformen.\u201c (S.\u00a010\/11) Dieses Buch ist mehr eine Beschreibung der Entwicklung und der vorhandenen Probleme sowie Besonderheiten der VR China, weniger eine ausf\u00fchrliche Analyse derselben. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Buch unterteilt sich in 3 Teile :<br \/>\nIm Teil 1 stellt Bergmann der \u201eRevolutionsperspektive von Marx\u201c die reale Geschichte gegen\u00fcber.<br \/>\nEr stellt fest, dass Marx und Engels, obwohl sie sich auch mit China und Indien besch\u00e4ftigten, davon ausgingen, \u201edie Revolution w\u00fcrde zuerst in einem hochindustriellen Land siegen k\u00f6nnen, mit einer demokratisch erfahrenen, gebildeten, klassenbewussten Arbeiterklasse.\u201c \u2026 \u201eEntgegen den Vorstellungen der Klassiker siegte die erste proletarische Revolution in einem \u00fcberwiegend agrarischen, &gt;r\u00fcckst\u00e4ndigen&lt; Land.\u201c (S.\u00a013) Da die Revolutionen in den industriell fortgeschrittenen Industriel\u00e4ndern des Westens scheiterten, war die Sowjetunion nach dem B\u00fcrgerkrieg gezwungen einen eigenst\u00e4ndigen Weg beim Aufbau des Sozialismus zu suchen. Mit der \u201eNeuen \u00f6konomischen Politik (N\u00d6P)\u201c sollte die Industrialisierung des Landes vorangetrieben und die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit \u00fcberwunden werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Weiteren werden die Krisen des \u201esozialistischen Lagers\u201c und der damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen \u201eStalinisten\u201c sowie \u201eMaoisten\u201c einerseits und den von Bergmann so genannten \u201ekommunistischen Reformern\u201c andererseits, in den verschiedenen L\u00e4ndern, sowie die Konflikte zwischen den kommunistischen Parteien und der Arbeiterklasse innerhalb der sozialistischen L\u00e4nder, als auch zwischen den verschiedenen sozialistischen L\u00e4ndern beschrieben. Dabei wird vor allem \u201edie durch die Dominanz der KPDSU &#8211; ein Geburtsfehler der Komintern &#8211; und deren F\u00fchrung durch die Stalin-Equipe erzwungene &gt;&gt;Einheit&lt;&lt; der kommunistischen Welt mit einem &gt;&gt;Generalstab&lt;&lt; in Moskau\u201c kritisiert. (S.\u00a019) <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein wesentliches Merkmal f\u00fcr die Einstufung als sozialistischer Staat ist nach den Ausf\u00fchrungen Bergmanns der selbst erkl\u00e4rte Wille der jeweils regierenden kommunistischen Partei, am Aufbau des Sozialismus festzuhalten. Diese Einstufung wird nur durch die grunds\u00e4tzliche Einsch\u00e4tzung Bergmanns, mit der er an die Geschichte der Kommunistischen Bewegung herangeht, zu verstehen. Danach hat die \u201eKommunistische Bewegung wichtige Beitr\u00e4ge zum internationalen Klassenkampf geleistet. Sie hat die ersten historischen Gro\u00dfversuche unternommen, ein neues Gesellschaftssystem zu schaffen. Mit dem ersten Versuch ist sie trotz un\u00fcbersehbarer Leistungen nach 75 Jahren gescheitert. Der zweite Gro\u00dfversuch \u2013 mit einem F\u00fcnftel der Menschheit \u2013 geht weiter und ist gegenw\u00e4rtig sehr erfolgreich, bietet ein Kontrastprogramm zur tiefen Weltkrise des Kapitalismus.\u201c <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Teil 2 werden die \u201eEntwicklungsprozesse und -probleme des kommunistischen China\u201c dargestellt.<br \/>\nBergmann beschreibt die Entwicklung der Volksrepublik China anhand einer \u201eriesigen\u201c Aufgabe: dem \u00dcbergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft bei gleichzeitiger Verdreifachung der Gesamtbev\u00f6lkerung, \u201eum die ganze Gr\u00f6\u00dfe der Entwicklungsleistung vorstellbar zu machen\u201c. (S. 24) Au\u00dfer den verschiedenen Tabellen und statistischen Zahlen zur Entwicklung in der VR China zeigt er einen \u201eVergleich der Entwicklungsstrategien\u201c zwischen China und Indien w\u00e4hrend des gleichen Zeitraums. Wie schon in fr\u00fcheren Ver\u00f6ffentlichungen erw\u00e4hnt, ist f\u00fcr ihn \u201edie Entwicklungs-Aufgabe in China \u2026 nur zu vergleichen mit der in Indien\u201c. (S.\u00a027)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr Bergmann \u201e(ist) die Reform und \u00d6ffnung, die Deng Xiaoping mit seinen Helfern sofort nach seiner erneuten und nun endg\u00fcltigen R\u00fcckkehr in die F\u00fchrungsposition der KP Chinas im Jahr 1978 forderte und betrieb, offensichtlich eine Analogie zu Lenins N\u00d6P.\u201c (S. 29\/30) Er wehrt sich gegen die Behauptung (z.B. von Helmut Peters) \u201eSozialismus und Marktwirtschaft sind im Wesen unvereinbar\u201c (S.30), da es daf\u00fcr bei den Klassikern keine Belege g\u00e4be. Au\u00dferdem sei sie wirklichkeitsfremd. \u201eMarkt gab es unter Mao und gibt es vermutlich immer; ob dieser legal, grau oder schwarz ist, h\u00e4ngt von der Versorgungslage und der H\u00e4rte der staatlichen Kontrolle ab. Wenn die Behauptungen von Peters stimmen w\u00fcrden, m\u00fcsste man Deng Xiaoping, Raul Castro und allen anderen sozialistischen Reformern ihre Intention absprechen, als Sozialisten zu handeln und den Sozialismus aufzubauen und den Reformen selbst ihren sozialistischen Charakter. Davon kann aber nicht die Rede sein. Es ist nur so, dass diese komplizierte historische Aufgabe nicht mit Stalins Ungeduld (&gt;&gt;den F\u00fcnfjahresplan in vier Jahren erf\u00fcllen&lt;&lt;) und mit Maos &gt;&gt;gro\u00dfem Sprung nach vorn&lt;&lt; durchzuf\u00fchren ist.\u201c (S. 30) Stattdessen bezieht er sich positiv auf den \u201emarxistischen \u00d6konomen Klaus Steinitz\u201c der meint, \u201eMarkt und Plan geh\u00f6ren zusammen, erg\u00e4nzen einander\u201c und der eine \u00e4hnliche Position wie Bucharin bezieht, \u201edass der Staat in einer sozialistischen Marktwirtschaft den Markt kontrolliert und nur &gt;&gt;die Kommandoh\u00f6hen der Wirtschaft&lt;&lt; als Volkseigentum beherrscht\u201c. (S.30)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem l\u00e4ngeren Zitat wird die Grundhaltung von Theodor Bergmann nochmals deutlich:<br \/>\nEr geht einerseits von einer sehr langfristigen Entwicklung aus, und unterstellt den Reformern grunds\u00e4tzlich den ernsthaften Willen, zum Aufbau des Sozialismus in ihren L\u00e4ndern beizutragen, trotz aller dabei auftretenden Widerspr\u00fcchen und negativen gesellschaftlichen Ph\u00e4nomenen (wie die vorhandene Korruption oder die zunehmende soziale Spaltung etc.). Diese werden nicht verschwiegen, teilweise auch kritisiert, aber als erkl\u00e4rbare, zeitlich begrenzte aber notwendige Begleiterscheinung behandelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Andererseits macht er die R\u00fcckschl\u00e4ge beim Aufbau des Sozialismus in der Hauptsache weniger an den gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen fest, sondern am jeweiligen \u201ePersonenkult\u201c oder aber am \u201eVoluntarismus\u201c von Stalin und Mao Tse-tung, d.h. an der grunds\u00e4tzlich falschen Politik bzw. deren subjektiven Verfehlungen. Vor allem kritisiert er dabei die, seiner Meinung nach, falsche Position (das von Stalin formulierte und von Mao Tsetung \u00fcbernommene &gt;&gt;Gesetz&lt;&lt;), dass der Klassenkampf sich nach der erfolgreichen Revolution versch\u00e4rft. \u201eDieses angebliche Gesetz diente als Vorwand sowohl f\u00fcr die Moskauer Schauprozesse und auch f\u00fcr die &gt;&gt;gro\u00dfe proletarische Kulturrevolution&lt;&lt;\u201c. (S.64) Stattdessen bef\u00fcrwortet Bergmann die Position des Reformers \u201eLiu Shaoqi, der Klassiker des chinesischen Marxismus\u201c. Dieser \u201eerkl\u00e4rte dagegen ausdr\u00fccklich, dass nach dem Sieg der Revolution die bisher herrschende Klasse zerschlagen ist. Die wichtigste neue Aufgabe der Partei sei nun nicht weiterer Klassenkampf, sondern die Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte und die Verbesserung des Lebensstandards der Bev\u00f6lkerung. Da man daf\u00fcr neue Wege suchen muss, gibt es &gt;&gt;den Kampf zweier Linien&lt;&lt;, die Debatte \u00fcber Alternativen.\u201c (S. 65)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bergmann fordert neue Begriffsbestimmungen, um die Probleme im Sozialismus besser zu verstehen. \u201eIn diesem langwierigen Prozess des sozialistischen Aufbaus bedienen wir uns der Begriffe eines anderen Systems und einer anderen Geschichtsetappe, ohne zu fragen, ob diese alten Begriffe unter neuen sozialen Verh\u00e4ltnissen noch ad\u00e4quat sind.\u201c (S. 31) Er selbst aber wendet diese alten Begriffe in unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen an, ohne die unterschiedliche Bedeutung dieser Begriffe klar zu machen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um ein Beispiel zu nennen: Er greift Lenins Frage auf, \u201eob man nach den siegreichen sozialistischen Revolutionen noch von Klassenverh\u00e4ltnissen sprechen kann, ob dieser Begriff der Klasse noch auf die unterschiedlichen Interessengruppen anwendbar ist\u201c. (S. 31) Nach einem l\u00e4ngeren Leninzitat, in dem dieser den Begriff der Klasse definiert, stellt Bergmann, mit Bezug und Abgrenzung zu H. Peters fest, dass man es durchaus \u201eals marxistisch akzeptieren kann\u201c, wenn \u201eXi Jinping (seit 2012 Generalsekret\u00e4r der KP CH) nicht mehr von Klassen (sondern von Schichten) spricht\u201c. \u201eWiderspr\u00fcche werden auch im Sozialismus in Form von Streiks ausgetragen.\u201c \u201eDiese Widerspr\u00fcche sind nicht antagonistisch\u201c, da \u201eder von einer kommunistischen Partei gef\u00fchrte Staat unterst\u00fctzt heute im Allgemeinen die Arbeitenden bei betrieblichen Auseinandersetzungen.\u201c (ebda). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies steht allerdings im Widerspruch zu seiner Feststellung, die er bei der Beschreibung der gr\u00f6\u00dften Massenorganisationen der KP Chinas, dem allchinesischen Gewerkschaftsverbund, macht. Nachdem er feststellt, dass die spontanen Streiks der Wanderarbeiter im Jahr 2010 durch diesen nicht unterst\u00fctzt wurden, weil sie in den Privatunternehmen, in denen oft fr\u00fchkapitalistische Verh\u00e4ltnisse herrschen, kaum vertreten sind, macht er die folgende Aussage: \u201eDie Mobilit\u00e4t, die erh\u00f6hte berufliche Qualifikation und das wachsende Klassenbewusstsein der Arbeitenden, die Abnahme ihrer Zahl und das steigende Lohnniveau erleichtern die Interessenvertretung der Besch\u00e4ftigten \u2013 aus der Klasse an sich wird die Klasse f\u00fcr sich\u201c. (S.67) Gegen oder in Abgrenzung zu welcher anderen Klasse sich diese neue arbeitende Klasse herausbildet, bleibt bei ihm allerdings unbeantwortet. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was Bergmann hierbei allerdings selbst auch nicht leistet, ist eine konkrete Untersuchung der Klassen in China, sowohl bei der Gr\u00fcndung der VR China, als auch in der heutigen Zeit. Er geht davon aus, dass die ehemals herrschenden Klassen in China (Gro\u00dfgrundbesitzer und Komprador-Bourgeoisie) im B\u00fcrgerkrieg geschlagen wurden und die nationale Bourgeoisie mit den Kommunisten nach ihrem Sieg kooperierte. Die Frage nach der m\u00f6glichen R\u00fcckeroberung der Macht stellt er nicht, gerade weil die Kommunistische Partei anfangs in den St\u00e4dten und in der Arbeiterklasse wenig Einfluss hatte. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Frage nach dem Charakter der Revolution wird von ihm nicht direkt gestellt. Nach der Beschreibung des Sieges im B\u00fcrgerkriegs stellt er allerdings fest: \u201eSoziale Revolution und nationale Befreiung waren in China also eng mit einander verbunden. Ohne die Masse der Kleinbauern h\u00e4tten den Roten Armeen die K\u00e4mpfer gefehlt, und ohne die gemeinsam erk\u00e4mpfte \u00f6konomische und politische Souver\u00e4nit\u00e4t h\u00e4tte es keine Bauernbefreiung vom Feudalismus gegeben. Die nationale Befreiung konnte nur von der KP Chinas durchgesetzt werden. Die Wiederherstellung der vollen nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t war immer auch ein historisch berechtigtes und notwendiges Anliegen der Arbeiterklasse; die Gro\u00dfbourgeoisie dagegen konnte f\u00fcr diese Anliegen nicht k\u00e4mpfen \u2013 aus Furcht vor einer sozialen Revolution. Das berechtigte nationale Anliegen der Kommunisten war \u2013 wie erw\u00e4hnt \u2013 kein aggressiver Nationalismus, anderseits war ohne Souver\u00e4nit\u00e4t, ohne die Befreiung von den imperialistischen M\u00e4chten, eine soziale Revolution nicht durchzusetzen.\u201c (S.73) In der Vergleichstabelle der Entwicklungsstrategien der VR China mit der Indischen Union benennt er als Merkmal der F\u00fchrung die \u201eKommunistische Partei der Bauern und Arbeiter\u201c. (S.28)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr Bergmann ist \u201edie Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft, die sich gegenw\u00e4rtig in den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern vollzieht\u201c entscheidend. (S. 23) Er unterscheidet zwischen dem Agrarsektor, dem Industriesektor und dem sich neu entwickelnden Dienstleistungssektor. Auch werden die sich wandelnden Eigentumsverh\u00e4ltnisse beschrieben, ohne aber zu untersuchen, ob sich hieraus auch neue Klassenverh\u00e4ltnisse entwickeln.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dar\u00fcber hinaus gibt Bergmann eine konzentrierte, aber umfassende Beschreibung der Entwicklung und dem erreichten Stand in der VR China mit vielen Daten, soweit dies auf ca. 90 Seiten m\u00f6glich ist: Die Erfolge im Bildungswesen, seit Einf\u00fchrung der Schulpflicht 1949, werden benannt und anhand der heutigen Bildungsinfrastruktur dargestellt. Ausf\u00fchrlich wird die widerspr\u00fcchliche Entwicklung des Agrarsektors, incl. der Schwierigkeiten und der politischen Konflikte beschrieben. Dabei wird vermerkt: \u201eDie gro\u00dfe Transformation vom Agrar- zum Industriestaat f\u00fchrt zu einer Umkehr der Rolle des Agrarsektors. Hatte dieser anfangs einen hohen Faktorbeitrag zum Entwicklungsstart leisten m\u00fcssen, kann der Staat jetzt den Agrarsektor durch moderne Produktionsmittel (Landmaschinen, Pflanzenschutzmittel, Handelsd\u00fcnger, Hochleistungssaatgut) und durch verschiedene Transferleistungen (Subventionen, Sozialversicherung) f\u00f6rdern.\u201c (S.37) Am Ende wird nochmals als Ergebnis der widerspr\u00fcchlichen Entwicklung festgehalten:\u201eDer Staat ist heute in der Lage, Landwirtschaft und Dorfbev\u00f6lkerung planm\u00e4\u00dfig und gezielt zu f\u00f6rdern \u2013 und die Vorleistungen des Agrarsektors zur\u00fcckzugeben. Man sucht vorsichtig nach neuen Formen der Kooperation. Ferner werden neue Formen der Zusammenarbeit geschaffen. \u2026 Die N\u00f6te und W\u00fcnsche der Bauern werden \u00f6ffentlich er\u00f6rtert und in den F\u00fcnfjahrespl\u00e4nen behandelt. Es fehlt jedoch eine autonome organisierte Interessenvertretung der Bauern.\u201c (S.41) Es werden aber auch die \u201eHauptprobleme auf dem Land heute\u201c (Wanderarbeiter, Einkommensunterschiede, Soziale Sicherung, Urbanisierung, Familienplanung); ihre Entwicklung sowie die angedachten L\u00f6sungen, ausf\u00fchrlich behandelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Reform des Industriesektors, die Mitte der 1980er Jahre begonnen hat und die verschiedenen Unternehmenstypen, sowie die verschiedenen Methoden, mit denen der Staat die Kontrolle \u00fcber die wichtigsten Branchen und Unternehmen aus\u00fcbt, werden beschrieben. Die Struktur der \u201eIndustriebetriebe nach Unternehmenstyp 2014\u201c und die Verteilung der Besch\u00e4ftigten \u201enach Ort und Unternehmenstyp\u201c werden in zwei Tabellen dargestellt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie schon erw\u00e4hnt, zitiert Bergmann ausf\u00fchrlich Klaus Steinitz, der u.a. feststellt: \u201eEs geht nicht prim\u00e4r um den Gesamtumfang dieses \u00f6ffentlichen Eigentums, sondern vor allem um die Rolle, die dieses Eigentum aufgrund seiner Qualit\u00e4t und seiner Dominanz in Schl\u00fcsselbereichen der Wirtschaft und darunter besonders in der Finanzwirtschaft, in den sozialen Sicherungssystemen und in der Infrastruktur spielt.\u201c (S.31) Dies sieht Bergmann als gegeben. F\u00fcr ihn ist die chinesische Volkswirtschaft immer noch in der ersten Phase der N\u00d6P, in der durch die Reformpolitik die beschleunigte Modernisierung der Industrie durch Technologie-Transfer gef\u00f6rdert wird.<br \/>\nEr sieht aber die M\u00f6glichkeit, dass \u201edie chinesische Volkswirtschaft allm\u00e4hlich die zweite Phase der N\u00d6P (erreicht)\u201c (S.29), in der \u201eausl\u00e4ndische Unternehmen das Land aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden (wieder verlassen)\u201c. \u201eVor allem wegen steigender L\u00f6hne\u2026 und sinken (der) Extraprofite\u201c, weil \u201edie chinesischen Unternehmen die neuen Technologien erlernt (haben) und konkurrenzf\u00e4hig geworden (sind).\u201c (S. 29) <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die aktuelle Entwicklung beschreibt Bergmann wie folgt: \u201eDie Industriestruktur wird modernisiert. Anfangs f\u00f6rderte der Staat d\u00f6rfliche Fabriken, township and village enterprises (TVE), die mit lokalen Rohstoffen einfache Produkte herstellten. Diese waren und sind in der Rohstoffverwendung und in der Arbeit wenig effizient, oft auch umweltsch\u00e4dlich. In der n\u00e4chsten Phase wurden bei niedrigen L\u00f6hnen einfachere Industrieprodukte in gro\u00dfen Mengen erzeugt und auf den Weltmarkt geworfen .<br \/>\nDie 110 staatseigenen Gro\u00dfunternehmen (unter zentraler Kontrolle der Beh\u00f6rde SASAC) und die viel zahlreicheren Unternehmen im Eigentum der Provinzen und St\u00e4dte bleiben staatlich, sollen effizienter werden. Einen Teil ihres Kapitalbedarfs sollen sie sich an der B\u00f6rse und bei den Banken beschaffen oder ihren Besch\u00e4ftigten Aktien verkaufen. Der Staat bleibt Mehrheitsaktion\u00e4r. Die Unternehmen werden neu klassifiziert in Produktionsbetriebe und solche f\u00fcr gesellschaftliche Dienstleistungen. Was die Betriebsorganisation betrifft, soll das F\u00fchrungssystem gestrafft werden, zugleich werden weitere Wege der Beteiligung der Besch\u00e4ftigten an Eigentum und Verwaltung gesucht. Die externe Kontrolle wird intensiviert, um den Verlust von Staatseigentum zu verhindern (siehe Zhou Xiaoyan 2015).<br \/>\n&gt;&gt;Ziel ist, die staatliche Kontrolle durch den Staatsanteil am Kapital zu erhalten, bei gleichzeitiger Verkleinerung des staatlichen Kapitalanteils. Die jetzt geplanten Reformen sollen gleiche Bedingungen f\u00fcr Staats-und Privatunternehmen schaffen, mit denen sie untereinander kooperieren oder konkurrieren&lt;&lt; sollen (siehe Market socialism 2015). \u00c4hnlich forderte N. I. Bucharin Anfang der 1920er Jahre f\u00fcr die Sowjetunion, dass die Staatsunternehmen nach einer besch\u00fctzten Phase die gleiche Effizienz wie die Privatbetriebe erreichen, also gleiche Leistungsf\u00e4higkeit beweisen sollten.<br \/>\nIm Gegensatz zu Maos Entwicklungspolitik haben die Reformer einen Technologietransfer (mit ausl\u00e4ndischen Kapitalinvestitionen in verschiedenen Kooperationsformen) bef\u00f6rdert. Gro\u00dfe Gemeinschaftsunternehmen bleiben unter effektiver staatlicher Kontrolle. Die gegens\u00e4tzlichen Interessen der Partner werden vertraglich fixiert; dennoch wird um die Fertigungstiefe, &gt;&gt;Indigenisierung&lt;&lt; (inl\u00e4ndische Produktion aller Komponenten, auch der Pr\u00e4zisionsteile), Verwendung des Profits, Dividenden der ausl\u00e4ndischen Aktion\u00e4re gerungen. Der Staatssektor (State owned enterprices, SOE) wird modernisiert und umstrukturiert. In vielen Branchen wird die billige Massenproduktion durch High-tech-Produktion ersetzt.<br \/>\nFred Schmid (2015: 51) fasst die Ziele zusammen: China will zu einem neuen Wachstumsmodell \u00fcbergehen &gt;&gt;durch Abbau der \u00dcberkapazit\u00e4ten in energie- und rohstoffintensiven Bereichen, Stilllegung von Umweltdreckschleudern, \u00dcbergang zu Hochtechnologie und ressourcenschonender Produktion&lt;&lt;. Da die L\u00f6hne steigen, wandern bereits manche Unternehmen in asiatische Niedriglohnl\u00e4nder ab, die keine gro\u00dfen Investitionen get\u00e4tigt hatten.<br \/>\nAuch in China haben wir es bei der &gt;&gt;zweiten Phase der N\u00d6P&lt;&lt; mit den Problemen zu tun, die bereits Lenin und Deng Xiaoping voraussahen: Es gibt durchaus private Profiteure oder &gt;&gt;Nepleute&lt;&lt; und &gt;&gt;Moskitos&lt;&lt;. (S.49\/50)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem l\u00e4ngeren Zitat wird die beschreibende Methode von Bergmann nochmals deutlich: Er f\u00fchrt verschiedene Aussagen und Fragestellungen aus unterschiedlichen Untersuchungen zur Entwicklung in der Volksrepublik China zusammen, um den seiner Meinung nach immer noch positiven Entwicklungsweg zu dokumentieren. Bestimmte Fragestellungen, wie zum Beispiel nach der Preisbestimmung auf den M\u00e4rkten klammert er aus, obwohl er von der Existenz einer sozialistischen Marktwirtschaft ausgeht. Ebenso beschreibt er die Einflussnahme des Staates auf die Unternehmen, ohne die Frage aufzuwerfen, in welcher Funktion der Staat in China dies tut.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch die \u201esozialistische Krisenstrategie\u201c in der Weltwirtschaftskrise 2007 und die \u201eChinesische(n) Auslandsinvestitionen\u201c (vor allem in Afrika) incl. des Projekts \u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c) werden ausf\u00fchrlich referiert und diskutiert. Die \u201eNeue (zentrale) Planungsmethode\u201c (statt quantitativer Detailplanung, strategische Planung mit indirekten Methoden) wird anhand der Erstellung des 13.\u00a0F\u00fcnfjahresplanes (2016 \u2013 2020) erl\u00e4utert und die Hauptziele des vom nationalen Volkskongress beschlossenen Planes sind aufgef\u00fchrt (S.58ff). <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Kapitel \u00fcber die Rolle des Staatsapparates, der KP und der Massenorganisationen werden die Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Mitgliedschaft der KP Chinas in den letzten Jahren beschrieben. Einerseits wird das gewaltige quantitative Wachstum der KP CH (88 Mio. in 2016) erw\u00e4hnt (wobei auch viele \u201aKarrieristen\u2018 den Weg in die Partei gefunden haben) , andererseits wird auf die Ver\u00e4nderung der Sozialstruktur hingewiesen (der Anteil mit h\u00f6herer, akademischer Ausbildung w\u00e4chst) und dass es seit einigen Jahren Bestrebungen gibt, h\u00f6here Anforderungen an die Beitrittskandidaten zu stellen, um die Qualit\u00e4t zu verbessern. Dabei geht es auch um die Trennung von Partei und Staatsapparat. Eine Forderung, die schon von Deng Xiaoping erhoben wurde. Die neuen Regeln zur Aufnahme neuer Mitglieder stehen f\u00fcr Bergmann in engem Zusammenhang mit der \u201eAntikorruptionskampagne\u201c. \u201eDie Kommunistische Partei soll sich nur noch um \u00fcberzeugte Kommunisten bem\u00fchen, die als politische Erzieher und Vorbilder wirken k\u00f6nnen.\u201c (S. 62\/63)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Au\u00dfenpolitik Chinas seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird referiert und festgestellt, dass \u201eSoziale Revolution und nationale Befreiung in China eng miteinander verbunden (waren)\u201c. (S. 73) Sie bedingten sich gegenseitig. Der Wandel in der Au\u00dfenpolitik der VR China, sowohl gegen\u00fcber den f\u00fchrenden kapitalistischen, als auch gegen\u00fcber den sozialistischen L\u00e4ndern, sowie die derzeitige Stellung in der Weltpolitik und der Weltwirtschaft wird sehr ausf\u00fchrlich beschrieben.<br \/>\nDabei kommt Bergmann zu der Einsch\u00e4tzung, dass im Unterschied zu China, das \u201elange Objekt der Weltpolitik\u201c war, \u201edie VR China heute zu einem wichtigen Subjekt der Weltpolitik geworden\u201c ist. Er schreibt: \u201eChinas gegenw\u00e4rtige Au\u00dfenpolitik ist \u2026. im Ganzen defensiv, zur\u00fcckhaltend und wirkt in gewissem Ausma\u00df stabilisierend\u201c. (S. 77) Dies gilt f\u00fcr ihn auch ausdr\u00fccklich f\u00fcr die Politik des Ziels der \u201eVerwirklichung des nationalen Traums\u201c von Xi Jinping. (S.88)<br \/>\nEr widerspricht auch W.F. Haug, dass die VR China sich \u201emit ihrem Schritt auf den Weltmarkt (und ihrem WTO-Beitritt in 2001) in den nach den Regeln der kapitalistischen F\u00fchrungsm\u00e4chte funktionierenden Weltmarkt &gt;ein- und untergeordnet&lt; (habe)\u201c. (S. 89)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch wenn man nicht alle Bewertungen im Detail unterst\u00fctzen kann, ist die Beschreibung eine knappe, gute, \u00fcbersichtliche und lesenswerte Darstellung der Au\u00dfenpolitik Chinas und ihrer derzeitigen Stellung in der Welt. Sie ist auch eine gute Grundlage f\u00fcr eine kritische Diskussion. Das Gleiche gilt f\u00fcr Bergmanns Beschreibung und Bewertung des \u00dcbergangs \u201eVon der Mao \u2013 \u00c4ra zur Reformpolitik\u201c. Hier benennt er insbesondere \u201eden Kampf der zwei Linien\u201c und die Debatte \u00fcber Alternativen, als den besonderen Unterschied der Geschichte der KP Chinas zur Geschichte der KPdSU. Diese Politik sei allerdings von Mao Tse-tung etwa ab 1956 abgebrochen worden und erst seit der \u00f6ffentlichen Selbstkritik der Partei nach der \u201eKulturrevolution\u201c wieder umgesetzt worden, weil die KP CH \u00fcber eine gro\u00dfe Anzahl \u201eerfahrener K\u00e4mpfer des langen B\u00fcrgerkrieges\u201c hatte, die in dieser Zeit \u201ein ihrer gro\u00dfen Mehrheit zusammengehalten\u201c habe und \u201eMinisterpr\u00e4sident Zhou Enlai alles getan (hat), um die erfahrenen Funktion\u00e4re zu sch\u00fctzen.\u201c (S.102) Hier werden auch die strukturellen Ver\u00e4nderungen in der F\u00fchrung von Staat und Partei, die nach der Kulturrevolution rasch eingef\u00fchrt wurden, erw\u00e4hnt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Seit Beginn der Reformpolitik gibt es &#8211; nach Bergmann &#8211; einen neuen Arbeitsstil, der \u201eauch deutlich in den f\u00fcnf partei\u00f6ffentlichen Debatten\u201c (von der Debatte \u00fcber die Fehler der KP in der Mao-\u00c4ra, \u00fcber die Debatten zu Agrarpolitik, der Industriepolitik, der sozialistischen Demokratie bis zur Debatte \u00fcber die Ursachen des Zusammenbruchs des Realsozialismus in der UDSSR und Osteuropa) wurde, die er skizziert. 2012 wurde eine neue Debatte in einer neu gegr\u00fcndeten Akademie f\u00fcr Marxismus angesto\u00dfen, in der es um die Weiterentwicklung des Marxismus geht. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch um \u201edie Zukunft der sozialistischen Marktwirtschaft\u201c gibt es eine Debatte. Bergmann gibt hier die \u201esieben Str\u00f6mungen sozialen Denkens und ihre Entwicklung im gegenw\u00e4rtigen China\u201c, die der marxistische Forscher Cheng Enfu im Jahr 2008 referierte, ausf\u00fchrlich wieder, weil er der Meinung ist, \u201edass hier \u00fcber zentrale Probleme der Zukunft der sozialistischen Marktwirtschaft in China gesprochen wurde\u201c. (S.105) Diese \u201esieben Str\u00f6mungen\u201c reichen vom Neoliberalismus, dem Demokratischen Sozialismus, der Neuen Linken, dem Revialismus, dem Eklektischen Marxismus, dem Traditionellen Marxismus bis zum Innovativen Marxismus, dem sich auch Cheng Enfu zuordnet und \u201edie konform ist mit dem ZK der KP China in ihrer grundlegenden Richtung und Theorie\u201c. (S.\u00a0108)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Teil 3 wird \u201eEin Neuer Internationalismus \u2013 ohne Generalstab der Weltrevolution\u201c als Form der Zusammenarbeit in der sozialistischen Bewegung gefordert. Hier geht es Bergmann darum, \u201eeinige Grundz\u00fcge (der Zusammenarbeit) aus der geschichtlichen Erfahrung und dem aktuellen Stand des internationalen Klassenkampfs abzuleiten, da die Aufgaben in den verschiedenen L\u00e4ndern unterschiedlich sind. Seine Vorstellungen \u00fcber die weitere Entwicklung fasst er in 13 Thesen zusammen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abschlie\u00dfend werden \u201edie sozialistischen Inseln und ihre Reformen\u201c kurz beschrieben. Dazu z\u00e4hlt er, au\u00dfer der VR China, noch die L\u00e4nder Vietnam, Kuba und mit Einschr\u00e4nkungen und Fragezeichen (auch aus Mangel an Informationen) Laos und Nordkorea.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Anhang sind \u201eKurzbiographien der wichtigsten Reformer in der VR China\u201c abgedruckt und \u201eeinige irrige Prognosen in der S\u00fcddeutschen Zeitung (SZ) und anderen Medien \u2026 \u00fcber die Volksrepublik China \u2026 \u00fcber Kuba \u2026 \u00fcber Nordkorea\u201c zusammengestellt. Weiter sind zur Dokumentation einige Bilder der verschiedenen Reisen von Theodor Bergmann in der VR China und eine Karte der chinesischen Provinzen und ihre Bev\u00f6lkerungsdichte angeh\u00e4ngt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mein Fazit: Theodor Bergmann hat eine lesenswerte und umfassende Beschreibung des derzeitigen Entwicklungsstandes in der VR China geschrieben. Sein Blick auf die VR China wird bestimmt von einem Ansatz \u201ekritischer Solidarit\u00e4t\u201c ohne die vorhandenen Probleme und Widerspr\u00fcche zu umgehen. Auch wenn man nicht alle seine Bewertungen teilt, ist es eine gute Grundlage f\u00fcr weitere Diskussionen. Dazu k\u00f6nnen auch die 13 Thesen herangezogen werden. F\u00fcr Bergmann geht es darum, dass die Aufgaben, die sich die sozialistische Bewegung gestellt hat, weiter akut bleiben: \u201eDenn die Aufgabe, die sich die sozialistische Bewegung gestellt hat, muss im Interesse der Menschheit gel\u00f6st werden: eine Welt ohne Ausbeutung, Krieg, Faschismus, Armut, Unwissenheit, Unterdr\u00fcckung. Es ist eine Welt zu schaffen, in der die volle Entwicklung jedes Einzelnen die Voraussetzung ist f\u00fcr die Entwicklung der Gesellschaft.\u201c (Strukturprobleme der Kommunistischen Bewegung, S. 204)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erwin Maurer, im Juni 2017<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p lang=\"en-US\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> Insbesondere ist hier zu erw\u00e4hnen: Theodor Bergmann: Strukturprobleme der kommunistischen Bewegung, Irrwege \u2013 Kritik \u2013 Erneuerung; VSA\u2013Verlag 2012<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p lang=\"en-US\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> Siehe Strukturprobleme der kommunistischen Bewegung\u2026, S.205)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p lang=\"en-US\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> Dass diese Fragestellungen und die Untersuchung der spezifischen Besonderheiten der \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse in der VR China zu sehr unterschiedlichen, ja gegens\u00e4tzlichen Antworten f\u00fchren k\u00f6nnen, zeigen z.B. die Darstellungen von Stephan Kr\u00fcger in \u201eWirtschaftspolitik und Sozialismus\u201c (VSA 2016) S. 346 ff und von Tobias ten Brink \u201eChinas Kapitalismus\u201c (Campus 2013). W\u00e4hrend Kr\u00fcger die \u201eVorbildfunktion\u201c der \u201esozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Pr\u00e4gung\u201c als \u201eerfolgreiche systemische Transformation\u201c mit der Herausbildung wirklicher Marktverh\u00e4ltnisse einschlie\u00dflich \u201ewirklicher Kosten- bzw. Marktpreise\u201c auch f\u00fcr andere sozialistische Staaten ausdr\u00fccklich anerkennt, sieht ten Brink in der VR China seit ihrer Gr\u00fcndung nur \u201eeine neuartige Variante der kapitalistischen Modernisierung\u201c. (S. 314) F\u00fcr ihn wird der Versuch scheitern. Der \u201eVersuch einer sich kommunistisch nennenden Machtelite, den Staat gewisserma\u00dfen zu genau jenem Instrument zu machen, welches Friedrich Engels einmal kritisch als \u201aideellen Gesamtkapitalisten\u2018 bezeichnete, (wird) genau von jenen Wettbewerbsmechanismen konterkariert werden, die dieser in Gang setzte.\u201c (S.327)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Versuch, eine ferne Entwicklung zu verstehen (VSA, Hamburg 2017) Erwin Maurer, im Juni 2017 In diesem Taschenbuch hat Theodor Bergmann mehrere von ihm bereits in anderen B\u00fcchern und Zeitschriften ver\u00f6ffentlichte Beitr\u00e4ge in zum Teil \u00fcberarbeiteter und erg\u00e4nzter Weise zusammengefasst.1 Er versucht, wie er im Vorwort schreibt: \u201edie Entwicklungen in der Volksrepublik China f\u00fcr zweifelnde deutschsprachige &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1317\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Rezension zu Theodor Bergmann: Der chinesische Weg<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1317","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1317"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1318,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1317\/revisions\/1318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}