{"id":1241,"date":"2018-01-13T10:09:15","date_gmt":"2018-01-13T09:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1241"},"modified":"2018-01-13T10:09:15","modified_gmt":"2018-01-13T09:09:15","slug":"der-historische-abstieg-der-usa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1241","title":{"rendered":"Der historische Abstieg der USA"},"content":{"rendered":"<p><em>Heiner Karuscheit<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt;\"><span lang=\"de-DE\">Vorbemerkung: Am 11.Juni 2010 fand in Berlin die \u00f6ffentliche Vorstellung des soeben erschienenen Buchs von Heiner Karuscheit statt: <\/span><span lang=\"de-DE\">Bye, bye USA \u2013 Aufstieg und Fall von Finanzkapital und Milit\u00e4rmacht<\/span><span lang=\"de-DE\"> (104 Seiten, Preis 7,50 \u20ac; Kai Homilius Verlag Berlin; <\/span><a href=\"http:\/\/www.kai-homilius-verlag.de\/\"><span lang=\"de-DE\">www.kai-homilius-verlag.de<\/span><\/a><span lang=\"de-DE\">). Aus diesem Anlass hielt der Autor einen Vortrag zur Geschichte der USA, der hier in \u00fcberarbeiteter Form wieder gegeben wird.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aus zwei Gr\u00fcnden ist dieses Buch \u2013 eigentlich nur ein B\u00fcchlein \u2013 \u00fcber die Vereinigten Staaten von Nordamerika geschrieben worden.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Der eine Grund ist, dass der Niedergang, dem die USA seit l\u00e4ngerem unterliegen, sich in den letzten Jahren krisenhaft zugespitzt hat. Die USA sind aber nicht eine Macht unter anderen; sie sind die Zentralmacht der b\u00fcrgerlichen Weltordnung. Ihr Wirtschaftssystem \u2013 und damit meine ich nicht den Kapitalis\u00admus im allgemeinen, sondern die spezifische <\/span><span lang=\"de-DE\">Form<\/span><span lang=\"de-DE\"> dieses Kapitalismus &#8211; durch\u00addringt den gesamten Globus. Gleichzeitig k\u00f6nnen ihre milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten jeden Winkel der Erde erreichen. Das hei\u00dft auf der anderen Seite, dass auch ihr Fall weltweite Ersch\u00fctterungen ausl\u00f6sen wird.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Der zweite Grund ist, dass es keine Ver\u00f6ffentlichung gibt \u2013 zumindest keine mir bekannte, welche die <\/span><span lang=\"de-DE\">Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten<\/span><span lang=\"de-DE\"> bzw. <\/span><span lang=\"de-DE\">Bedingungen<\/span><span lang=\"de-DE\"> entwickelt, die dem Aufstieg der USA ebenso wie ihrem Niedergang zugrunde liegen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Das hei\u00dft, es gibt ein Buch, das dem sehr nahe kommt. Das ist das Werk des britischen Historikers Paul Kennedy: <\/span><span lang=\"de-DE\">Aufstieg und Fall der gro\u00dfen M\u00e4chte. \u00d6konomischer Wandel und milit\u00e4rischer Konflikt von 1500 bis 2000<\/span><span lang=\"de-DE\">. Allerdings behandelt das Buch die USA nur als eine Macht unter anderen und ist bereits 1987 erschienen, behandelt also nicht die Ereignisse der letzten beiden Jahr\u00adzehnte. Au\u00dferdem widmet der Autor den <\/span><span lang=\"de-DE\">sozialen<\/span><span lang=\"de-DE\"> Ver\u00e4nderungen bzw. Voraus\u00adsetzungen f\u00fcr den Auf- und Abstieg der jeweiligen M\u00e4chte wenig Aufmerksam\u00adkeit.<\/span><\/p>\n<p>Damit kommen wir zu unserem Thema. Da dieses in einem Vortrag nicht er\u00adsch\u00f6pfend zu behandeln ist, beschr\u00e4nke ich mich auf die entscheidenden Bedin\u00adgungen der US-Entwicklung und auf die wichtigsten geschichtlichen Stationen, n\u00e4mlich 1.\u00a0die Open-Door-Politik, 2.\u00a0den New Deal, 3.\u00a0den zweiten Weltkrieg, 4.\u00a0den Vietnamkrieg, 5.\u00a0den Irakkrieg und 6. die gegenw\u00e4rtige Situation.<\/p>\n<h4>Die Voraussetzungen f\u00fcr den Aufstieg der USA<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Die erste grundlegende Voraussetzung f\u00fcr den Aufstieg ist schlichtweg die <\/span><span lang=\"de-DE\">Geographie<\/span><span lang=\"de-DE\">: die USA verf\u00fcgen \u00fcber ein Riesenterritorium mit allen notwendi\u00adgen Bodensch\u00e4tzen; hier lebt kein &#8222;Volk ohne Raum&#8220;, sondern es ist alles f\u00fcr die agrarische und industrielle Produktion vorhanden. Au\u00dferdem haben die USA keine m\u00e4chtigen Nachbarv\u00f6lker und werden milit\u00e4risch nicht bedroht &#8211; was in Europa v\u00f6llig anders aussieht. Schlie\u00dflich resultiert aus der Lage zwischen zwei Ozeanen, dass die USA mehr oder weniger automatisch zur Seemacht werden. Als Seemacht k\u00f6nnen sie \u00fcberall und jederzeit auf dem Globus eingreifen, sind selber aber unangreifbar. Abgesehen von der Bedrohung durch (atomar be\u00adst\u00fcckte) Langstreckenraketen gilt dies bis heute.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Die zweite grundlegende Voraussetzung ist eine absolute <\/span><span lang=\"de-DE\">geschichtliche<\/span><span lang=\"de-DE\"> Be\u00adsonderheit: die USA entstehen sozusagen auf dem Rei\u00dfbrett, als Siedlungskolonie europ\u00e4ischer Einwanderer unter Vernichtung und Vertreibung der dort lebenden Bev\u00f6lkerung. Aufgrund dieser Entstehungsbedingungen sind sie von Beginn an frei von den pr\u00e4genden Strukturen des Feudalzeitalters, und zwar in zweifacher Hinsicht, n\u00e4mlich sowohl \u00f6konomisch als auch politisch:<br \/>\n<\/span><span lang=\"de-DE\">\u00d6konomisch<\/span><span lang=\"de-DE\"> kennen sie keine Zunftordnung, keine feudale bzw. gutsherrliche Agrarverfassung oder andere Hemmnisse, die der freien Entwicklung der Produktivit\u00e4t entgegenstehen (von den Besonderheiten der 1865 abgeschaffen Sklaverei in den S\u00fcdstaaten abgesehen);<br \/>\n<\/span><span lang=\"de-DE\">politisch<\/span><span lang=\"de-DE\"> entstehen sie sogleich in der Form der parlamentarischen Republik, die als das &#8222;nat\u00fcrliche&#8220; Pendant der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gilt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Das bedeutet: mit dem antikolonialen Befreiungskrieg von 1779 tritt eine b\u00fcrgerlicher Staat ohne die Schlacken der alten Gesellschaft in die Geschichte ein. Das ist ein gewaltiger Gegensatz zu allen anderen Staaten. So schleppen etwa die europ\u00e4ischen L\u00e4nder noch bis zum 2.Weltkrieg \u00dcberreste aus dem Feudalzeitalter mit sich herum, und erst nach 1945 entwickelt sich hier im umfassenden Sinne eine &#8222;b\u00fcrgerliche Gesellschaft&#8220;.<\/span><\/p>\n<h4>1. Die Open-Door-Politik<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wie ist jetzt der Aufstieg der USA verlaufen? Wenn man dies versteht, versteht man auch den jetzigen Abstieg.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Nachdem der amerikanische B\u00fcrgerkrieg 1865 mit dem Sieg der Nordstaaten zu Ende gegangen ist, setzt eine sprunghafte Entwicklung ein. Schon Ende 19.Jahrhunderts sind die USA zur weltweit st\u00e4rksten Wirtschaftsmacht geworden, sowohl was die agrarische als auch die industrielle Produktion anbelangt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">In den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts durchleben die USA eine &#8222;lange Welle&#8220; wirtschaftlicher Depression. Zwar steigt die Produktion weiter rapide an, aber die produzierten Waren k\u00f6nnen nicht vollst\u00e4ndig abgesetzt werden. Es kommt zu inneren Unruhen, sowohl auf dem Land als auch in den St\u00e4dten, unter Farmern ebenso wie unter Arbeitern.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Bis dahin war das Land mehr oder weniger nach innen orientiert. Jetzt kommt es au\u00dfen- und wirtschaftspolitisch ebenso wie milit\u00e4risch zu einer neuen Orientierung nach au\u00dfen in der Gestalt der <\/span><span lang=\"de-DE\">Open-Door-Politik<\/span><span lang=\"de-DE\">: &#8218;Wir brauchen neue M\u00e4rkte au\u00dferhalb des eigenen Landes, um unsere industriellen und landwirtschaftlichen \u00dcbersch\u00fcsse abzusetzen; nur so kann das Land vor sozialen Unruhen und dem Zerfall gerettet werden&#8216;, das ist der Tenor dieser neuen Orientierung. Sie wird sp\u00e4ter erweitert zur Politik der <\/span><span lang=\"de-DE\">One world<\/span><span lang=\"de-DE\"> \u2013 der einen Welt, die den Waren des US-Kapitals offen stehen soll.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Von zeitweisen Ans\u00e4tzen einer eigenen Kolonialpolitik abgesehen, ist diese Open-Door-Politik im Grundsatz antikolonial: da die Kolonien der europ\u00e4ischen M\u00e4chte vom Weltmarkt abgeschottet sind (oder abgeschottet werden <\/span><span lang=\"de-DE\">k\u00f6nnen<\/span><span lang=\"de-DE\">), muss die Kolonialherrschaft beseitigt werden, um neue M\u00e4rkte f\u00fcr amerikanisches Getreide und Industriewaren zu erschlie\u00dfen. In der von dem Marineoffizier Alfred Mahan entworfenen Theorie der Seeherrschaft findet die Open-Door Politik ihr milit\u00e4rstrategisches Pendant: Aufgabe der Kriegsmarine ist es, Handelswege und M\u00e4rkte f\u00fcr die eigenen Waren zu \u00f6ffnen und die hierzu erforderlichen St\u00fctzpunkte zu erobern bzw. zu sichern. Schon vor dem 1.Weltkrieg geh\u00f6rt die US-Seemacht zu den st\u00e4rksten Flotten, erst recht, als der Panama-Kanal er\u00f6ffnet wird, der die Zusammenf\u00fchrung der bis dahin getrennten atlantischen und pazifischen Kriegsflotten erm\u00f6glicht.<\/span><\/p>\n<p>Ca. 80 Jahre lang bleibt die Open-Door-Politik Grundlage der US-Strategie; sie endet erst mit dem Vietnam-Krieg.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Das zentrale Ziel dieser Politik ist Europa: hier liegen die gr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte der Welt (allerdings abgeschottet durch Schutzz\u00f6lle und andere Handelshemmnisse); au\u00dferdem sitzen hier die Weltm\u00e4chte, die die Welt unter sich aufgeteilt haben und die USA aus ihren Kolonien heraus halten.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Um gegen die europ\u00e4ischen Weltm\u00e4chte anzutreten, ist man aber noch zu schwach. Deswegen ist die Sto\u00dfrichtung zun\u00e4chst Asien, speziell China mit seinem potenziell riesigen Markt. Erst als der 1.Weltkrieg die Gelegenheit verschafft, in Europa Fu\u00df zu fassen, \u00e4ndert sich die geographische Sto\u00dfrichtung der US-Strategie und setzt der damalige Pr\u00e4sident Wilson alles daran, die USA in den europ\u00e4ischen Krieg zu f\u00fchren. Das gelingt auch \u2013 gegen den Widerstand der Bev\u00f6lkerung, f\u00fcr die Europa weit weg ist. Aber die Festsetzung auf dem alten Kontinent wird ein Fehlschlag, denn Frankreich und GB r\u00e4umen den USA keine Mitspracherechte in Europa ein, und Deutschland ist zwar besiegt, wird aber im Unterschied zu 1945 kein Vasall, sondern bleibt ein selbst\u00e4ndig agierender souver\u00e4ner Staat. Man ist also aufs erste gescheitert.<\/span><\/p>\n<p>Nur 20 Jahre sp\u00e4ter gibt der n\u00e4chste Krieg jedoch erneut Gelegenheit, nach Europa vorzusto\u00dfen, und diesmal ist man erfolgreich.<\/p>\n<h4>2. Der New Deal<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Um sich auf Dauer in Europa fest zu setzen, bedarf es einer entscheidenden <\/span><span lang=\"de-DE\">gesellschaftspolitischen<\/span><span lang=\"de-DE\"> Voraussetzung, und diese schafft der <\/span><span lang=\"de-DE\">New Deal<\/span><span lang=\"de-DE\">. Bis heute gilt der New Deal als Wirtschaftspolitik, als sozusagen erster keynesianischer Politikversuch, durch Staatsausgaben die Krise zu bek\u00e4mpfen. Diese Auffassung ist jedoch nur halb richtig, denn dem Wesen nach ist der New Deal eine <\/span><span lang=\"de-DE\">Gesellschaftspolitik<\/span><span lang=\"de-DE\">, genauer gesagt eine <\/span><span lang=\"de-DE\">innere Hegemonialpolitik,<\/span><span lang=\"de-DE\"> die mit den Mitteln der \u00d6konomie umgesetzt wird. Das hei\u00dft, die staatliche Wirtschaftspolitik ist nur ein Mittel zum Zweck \u2013 nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Bis dahin ist die amerikanische Gesellschaft zutiefst gespalten. Ihre Mitglieder verf\u00fcgen zwar \u00fcber das allgemeine Wahlrecht, aber gro\u00dfe Teile stehen abseits; sie sind nicht in die Gesellschaft<\/span><span lang=\"de-DE\"> integriert<\/span><span lang=\"de-DE\">, wie man heute sagen w\u00fcrde. Das sind zum einen die kleinen Farmer, vor allem aber die Arbeiter, die sich als Au\u00dfenseiter f\u00fchlen. Dieser Zustand wird noch versch\u00e4rft durch die 1929 ausbrechende Krise. Es kommt zu Hungerm\u00e4rschen der Farmer und zu sozialen Unruhen in der Arbeiterschaft.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">In dieser Situation beginnt Roosevelt mit seiner Politik des New Deal \u2013 w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt einer <\/span><span lang=\"de-DE\">&#8222;Neuverteilung der Karten&#8220;<\/span><span lang=\"de-DE\">. F\u00fcr die Farmer werden Ma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der Agrarpreise ergriffen, Umsiedlungs- und Bew\u00e4sserungsma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt; durch das Tennessee-Valley-Projekt werden riesige Landfl\u00e4chen bew\u00e4ssert und Tausende von D\u00f6rfern elektrifiziert. Die Botschaft ist: wir, der Staat, nehmen uns eurer an; wir treten f\u00fcr die kleinen Leute ein.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">F\u00fcr die Arbeiter werden in gro\u00dfem Umfang \u00f6ffentliche Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen aufgelegt; eine Rentenversicherung und Ans\u00e4tze einer Arbeitslosenversicherung eingef\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus legitimiert die Regierung das Streikrecht und spricht den Gewerkschaften die Gleichberechtigung als Tarifparteien zu &#8211; sie bekommen das Recht zur Aushandlung von Tarifvertr\u00e4gen. Zum ersten Mal in der US-Geschichte werden die Arbeiter als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anerkannt, und diese Anerkennung ist f\u00fcr sie wichtiger als die Lohnh\u00f6he.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Die Kapitalisten auf der anderen Seite sch\u00e4umen wegen dieser Politik. Sie sind nicht bereit, ihren <\/span><span lang=\"de-DE\">Herr-im-Hause-Standpunkt<\/span><span lang=\"de-DE\"> aufzugeben und die Gewerkschaften als Tarifpartner zu akzeptieren. Vor allem in der Stahl- und Automobilindustrie gibt es heftige Auseinandersetzungen, Streiks und Aussperrungen, incl. dem Einsatz von bewaffneten Schl\u00e4gerbanden. In dieser Situation kommt es zu einem absoluten Novum in der US-Geschichte: die Regierung stellt sich auf die Seite der Streikenden!<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">1936 stellt sich Roosevelt zur Wiederwahl. In der eigenen Partei ist er umstritten, und &#8222;die Wirtschaft&#8220; nimmt durchg\u00e4ngig gegen ihn Stellung: sie spricht von Angriffen auf die Freiheit, weist die Einmischung des Staats zur\u00fcck, warnt vor einem drohenden &#8222;Staatssozialismus&#8220; und propagiert einen ungeschm\u00e4lerten Liberalismus. Ebenso wie alle gro\u00dfen Zeitungen rufen die gro\u00dfen Konzerne und Wirtschaftsverb\u00e4nde zur Wahl des republikanischen Gegenkandidaten auf, und in den ver\u00f6ffentlichten Meinungsumfragen und Wahlprognosen schneidet Roosevelt regelm\u00e4\u00dfig als Verlierer ab.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Dann werden die Stimmen ausgez\u00e4hlt, und es stellt sich heraus, dass Roosevelt \u00fcber 60% der Stimmen erhalten und in 48 von 50 Einzelstaaten gewonnen hat. Auf dem Land haben die Farmer, und in den St\u00e4dten die Arbeiter f\u00fcr ihn gestimmt. Nach der Wiederwahl von 1936 beruhigen sich die Gem\u00fcter langsam und der durch den New Deal erzwungene Klassenkompromiss wird allm\u00e4hlich von den Unternehmern akzeptiert. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Grunds\u00e4tzlich formuliert, setzt der Staat unter der &#8222;imperialen Pr\u00e4sidentschaft&#8220; Roosevelts die \u00fcbergeordneten Interessen der Bourgeoisie gegen die bornierten Einzelinteressen der Trusts durch. Der so etablierte Klassenkompromiss sichert nach innen die <\/span><span lang=\"de-DE\">Sozialpartnerschaft<\/span><span lang=\"de-DE\">, die sich nach dem Weltkrieg auch in Europa etabliert; nach au\u00dfen sichert er den gesellschaftlichen R\u00fcckhalt f\u00fcr den neuerlichen Weltkrieg.<\/span><\/p>\n<h4>3. Der zweite Weltkrieg<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Warum ist Deutschland wie schon im vorangegangenen Krieg der Hauptgegner? Die Antwort wird klar, wenn man sich die Kriegsziele der NS-F\u00fchrung anschaut. Deren oberstes Ziel ist die Eroberung von Lebensraum im Osten und die Errichtung eines auf Rassenherrschaft gegr\u00fcndetes Gro\u00dfgermanischen Reiches. <\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Der offene Rassismus ist kein ausschlaggebender Kriegsgrund f\u00fcr Washington. Es gibt in den USA selber gen\u00fcgend offene oder verdeckte Rassendiskriminierung, die von der Roosevelt-Administration nicht ernsthaft bek\u00e4mpft wird. Aber die Autarkie des angestrebten germanischen Gro\u00dfreichs w\u00fcrde die USA vollst\u00e4ndig und auf Dauer von den europ\u00e4ischen M\u00e4rkten aussperren.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Der Kriegseintritt gestaltet sich nur noch schwieriger als im vorangegangenen Weltkrieg, denn die \u00f6ffentliche Meinung ist nach den negativen Erfahrungen dieses Kriegs noch strikter als zuvor dagegen. Diese Stimmung ist nur zu kippen, wenn die USA selber angegriffen werden.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Um das zu erreichen, versucht die Roosevelt-Regierung zun\u00e4chst, das Dritte Reich zu Kriegshandlungen zu provozieren: US- Kriegsschiffe fahren Geleitschutz f\u00fcr die Seetransporte nach GB und bekommen Befehl, auf deutsche Kriegsschiffe zu schie\u00dfen, wenn diese sich n\u00e4hern. US-Truppen besetzen unter Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht Island und erkl\u00e4ren die Meereszone um die Insel zu ihrer Sicherheitszone, so dass sich die deutsche und die US-Kriegszone in der D\u00e4nemark-Stra\u00dfe schlie\u00dflich \u00fcberschneiden. Die USA nehmen faktisch am Krieg gegen das Dritte Reich teil, ohne den Krieg offiziell erkl\u00e4rt zu haben.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Aber Hitler will auf keinen Fall einen <\/span><span lang=\"de-DE\">Weltkrieg <\/span><span lang=\"de-DE\">f\u00fchren, sondern lediglich einen <\/span><span lang=\"de-DE\">europ\u00e4ischen<\/span><span lang=\"de-DE\"> Krieg, um das angestrebte germanische Gro\u00dfreich zu errichten. Daher erteilt er strikten Befehl, auf keine milit\u00e4rische Provokation einzugehen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Als das immer klarer wird, muss Roosevelt einen Umweg \u00fcber Japan nehmen, denn hier besitzt er ein unfehlbares Mittel, um zu erreichen, was in Europa vorl\u00e4ufig fehlgeschlagen ist. Mitte 1941 verh\u00e4ngt die US-Regierung zusammen mit Gro\u00dfbritannien ein \u00d6lembargo gegen das Inselreich, das \u00fcber keine eigenen \u00d6lquellen verf\u00fcgt; als Begr\u00fcndung dient der japanische Krieg gegen China. Damit stehen Industrie und Milit\u00e4r in Japan vor dem Ende, denn l\u00e4nger als ein paar Monate reichen die \u00d6lvorr\u00e4te nicht. Japan muss sich entweder den USA unterwerfen oder Krieg f\u00fchren. <\/span><\/p>\n<p>Da eine freiwillige Unterwerfung f\u00fcr die Japaner nicht in Betracht kommt, m\u00fcssen sie angreifen, und das tun sie am 7.Dezember 1941 in Pearl Harbour.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Nach Japan erkl\u00e4rt auch Deutschland Washington den Krieg, und damit hat Roosevelt sein Ziel erreicht. Jetzt m\u00fcssen die USA zwar sowohl in Asien als auch Europa k\u00e4mpfen, aber im Gegensatz zu ihren Gegnern verf\u00fcgen sie \u00fcber die Ressourcen, um den Zweifrontenkampf siegreich zu beenden, zumal die Hauptlast des Kriegs in Europa die Sowjetunion tr\u00e4gt. Jetzt bew\u00e4hrt sich auch die mit dem New Deal durchgesetzte Klassenkooperation. Sie sichert eine gewaltige Steigerung der Kriegsproduktion und bildet den gesellschaftlichen R\u00fcckhalt nicht nur f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrung, sondern auch f\u00fcr die anschlie\u00dfende globale Hegemonialpolitik.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Am Ende des Kriegs haben die USA die unangefochtene Vorherrschaft \u00fcber die b\u00fcrgerliche Welt errungen. Nur die Sowjetunion und China bleiben au\u00dferhalb ihres Herrschaftsbereichs.<\/span><\/p>\n<h4>4. Der Vietnam-Krieg (1965 \u2013 1973)<\/h4>\n<p>Der Wendepunkt ist indes nicht weit entfernt, denn der Vietnamkrieg von 1965 \u2013 1973 l\u00e4utet in mehrfacher Hinsicht den amerikanischen Abstieg ein:<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zum einen<\/span><span lang=\"de-DE\"> l\u00f6st sich der Gesellschaftsvertrag des New Deal auf. Der Krieg wird auf Basis der allgemeinen Wehrpflicht gef\u00fchrt, und das bedeutet, dass die breiten Massen des Volkes, deren S\u00f6hne an der Front stehen, ihn tragen m\u00fcssen. Mit der zunehmenden Zahl von Gefallenen und den Bildern von den Kriegsgr\u00e4ueln der US-Truppen l\u00f6st sich die Zustimmung der Gesellschaft aber mehr und mehr auf, und damit kann der Krieg nicht l\u00e4nger gef\u00fchrt werden.<br \/>\nAnfang der 80er Jahre verk\u00fcndet Reagan dann das Ende des New Deal. Gemeint ist zwar in erster Linie das Ende des Keynesianismus, aber die Botschaft geht dar\u00fcber hinaus. Die sog. &#8222;New Deal Koalition&#8220; aus unterschiedlichen W\u00e4hlergruppen, die der demokratischen Partei \u00fcber Jahre hinweg Wahlsiege bescherte und eine ideologisch-politische Hegemonie sicherte, hat sich aufgel\u00f6st. Die W\u00e4hlerbindung zerbr\u00f6selt und mit ihr langsam auch die Stabilit\u00e4t des Gemeinwesens.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zum zweiten<\/span><span lang=\"de-DE\"> verliert die US-Industrie ihren Produktivit\u00e4tsvorsprung gegen\u00fcber den konkurrierenden Industriel\u00e4ndern, bis auf einige Bereiche, die im wesentlichen mit der R\u00fcstungsindustrie zusammen h\u00e4ngen. 1971 ist die Handelsbilanz das erste Mal negativ, und seither steigt das Defizit von Jahr zu Jahr an. Als Folge davon nimmt die Auslandsverschuldung immer weiter zu, denn die weiterhin verbrauchten Waren m\u00fcssen bezahlt werden, und das geht nur noch durch Schuldenaufnahme.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zum dritten<\/span><span lang=\"de-DE\"> muss infolge des Vietnamkriegs die Golddeckung des Dollar aufgegeben werden. Zwar bleibt der Dollar internationale Leitw\u00e4hrung und sichert insoweit die Weltmachtstellung der USA ab, aber von da an fehlt ihm die materielle Basis, und zwar mit jedem Jahr mehr, das die Auslandsschuld ansteigen l\u00e4sst.<br \/>\nDamit verbunden ist ein allm\u00e4hlicher Vormarsch des Finanzkapitals. Das reale Kapital wird durch das fiktive Kapital abgel\u00f6st, und anstelle der technisch \u00fcberlegenen Produkte der US-Industrie (wie fr\u00fcher) \u00fcberschwemmen Zug um Zug die Finanzprodukte der Wallstreet die Welt. Wirtschaftspolitisch ist damit der Vormarsch des sog. Neoliberalismus oder Monetarismus verbunden, der sich ausgehend von den USA auf der ganzen Welt ausbreitet.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zum vierten<\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fchrt der verlorene Vietnamkrieg milit\u00e4rpolitisch das Ende der Wehrpflicht herbei. Der \u00dcbergang zu einer Berufsarmee, die als bezahlte S\u00f6ldnertruppe gesellschaftlich nicht verankert sein muss, stellt die vor\u00fcbergehend verlorene Kriegsf\u00fchrungsf\u00e4higkeit der USA wieder her.<\/span><\/p>\n<h4>Irak und Afghanistan<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Die n\u00e4chste gro\u00dfe Stufe des Abstiegs verbindet sich mit dem 2003 begonnenen Irakkrieg. Den Hintergrund daf\u00fcr bildet der Zerfall der Sowjetunion, der scheinbar den endg\u00fcltigen Sieg der USA bedeutet, denn jetzt gibt es die &#8222;one world&#8220;, die im 2.Wk nicht erreicht werden konnte. Auf Dauer resultiert daraus jedoch eine zunehmende Schw\u00e4chung, denn mit der Blockkonfrontation f\u00e4llt auch die Notwendigkeit des Blockzusammenhalts weg. Die europ\u00e4ischen M\u00e4chte mit Deutschland an der Spitze erhalten neue Spielr\u00e4ume, Russland gelingt es allm\u00e4hlich, sich zu konsolidieren, und auch China wird immer st\u00e4rker.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zur gleichen Zeit ist die eigene Stellung ausgerechnet im Nahen Osten schwach, der sich mit seinen \u00d6lreserven zur <\/span><span lang=\"de-DE\">Schl\u00fcsselregion der Weltpolitik<\/span><span lang=\"de-DE\"> entwickelt hat. Hier hat die islamische Revolution von 1979 im Iran die bisherige Auftragsmacht der USA am Golf, das Schah-Regime, hinweg gefegt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Angesichts dieser Situation soll der Irak-Krieg auf einen Schlag ein ganzes B\u00fcndel von Problemen l\u00f6sen: Von hier ausgehend soll der gesamte Nahe Osten umgestaltet werden, indem die alten, instabilen Regimes in den Scheicht\u00fcmern durch neue &#8222;demokratische&#8220; Regierungsformen abgel\u00f6st werden, gest\u00fctzt auf die in den vergangen Jahrzehnten entstandenen, neuen b\u00fcrgerlichen Schichten. Das ist eine Lehre aus der iranischen Revolution von 1979: man will nicht l\u00e4nger abwarten, bis der Druck den Kessel zum Platzen bringt, sondern die unvermeidbaren Ver\u00e4nderungen zum eigenen Nutzen selber steuern. Auf diesem Weg soll auch der Iran erneut unterworfen werden \u2013 wenn m\u00f6glich mit politischen, wenn es sein muss, auch mit milit\u00e4rischen Mitteln.<br \/>\nDie \u00fcbergreifende Zielsetzung ist, mit der Herrschaft \u00fcber das Erd\u00f6l alle auf diesen Energietr\u00e4ger angewiesenen M\u00e4chte in Abh\u00e4ngigkeit zu halten und auf diese Weise die globale Vorherrschaft der USA auf mindestens eine Generation, wenn nicht l\u00e4nger, zu sichern.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Was ist jedoch das Ergebnis? Die von den sogenannten &#8222;Neokonservativen&#8220; entworfene und von der Cheney-Bush-Regierung \u00fcbernommene Strategie scheitert vollkommen. Die von Saddam Hussein unterdr\u00fcckte schiitische Mehrheitsbev\u00f6lkerung l\u00e4sst sich zwar von den US-Streitkr\u00e4ften befreien, f\u00fchlt sich aber dem Iran n\u00e4her als den USA. Trotz aller Pressionen gelingt es nicht, ein demokratisch legitimiertes, stabiles Vasallenregime zu errichten; nicht einmal bei der Vergabe von \u00d6lbohr-Lizenzen werden US-Konzerne bevorzugt. Statt dessen kommt es zu einer um sich greifenden Aufstandsbewegung, welche die US-Truppen immer mehr in die Enge treibt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Zur gleichen Zeit sch\u00fcrt der Krieg die anti-amerikanischen Ressentiments in der gesamten Region und verschafft den islamisch-revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften gro\u00dfen Zulauf. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Nachbarl\u00e4nder des Irak mit dem Iran an der Spitze nicht wie gew\u00fcnscht umgestaltet werden; im Gegenteil verschafft die Beseitigung Saddam Husseins dem Iran eine quasi-hegemoniale Stellung am Golf.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Etwa 2005-06 setzt sich in Washington langsam die Erkenntnis durch, dass keine Chance mehr besteht, die gesteckten Ziele zu erreichen. Es geht nur noch darum, m\u00f6glichst ohne Gesichtsverlust aus dem Irak abzuziehen, denn eine offene Dem\u00fctigung wie in Vietnam will man um jeden Preis vermeiden. Das Resultat ist die sog. <\/span><span lang=\"de-DE\">Exit-Strategie:<\/span><span lang=\"de-DE\"> hinter dem Rauchschleier einer vor\u00fcbergehenden Truppenverst\u00e4rkung kauft man die feindlichen sunnitischen St\u00e4mme, verpflichtet sich zum baldigen Abzug der Truppen und nimmt durch diese &#8222;Doppelstrategie&#8220; dem Aufstand den Z\u00fcndstoff. Auch wenn der Krieg auf diese Weise ohne offene Niederlage beendet werden kann, ist man mit seinen Zielen gescheitert.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Das sieht in Afghanistan nicht anders aus. Von einem nahenden Sieg kann keine Rede sein, und die US-Truppen sind nicht in der Lage, einen perspektivlosen, langj\u00e4hrigen Zerm\u00fcrbungskrieg durchzustehen. Deswegen ist auch hier die <\/span><span lang=\"de-DE\">Exit-Strategie<\/span><span lang=\"de-DE\"> angesagt. Eine zeitweise Truppenaufstockung und Kampff\u00fchrung soll wie im Irak eine Drohkulisse aufbauen, hinter der ein mehr oder weniger geordneter R\u00fcckzug stattfinden kann.<\/span><\/p>\n<h4>5. Schluss: Wo stehen die USA heute \u2013 unter der Regierung Obama?<\/h4>\n<p>Damit sind wir bei dem letzten Punkt angelangt, der jetzigen Situation. Wie stellt sie sich dar?<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">1. <\/span><span lang=\"de-DE\">Innenpolitisch<\/span><span lang=\"de-DE\"> hat sich der vom damaligen New Deal ausgehende Zusammenhalt der Gesellschaft auf dem Boden des Klassenkompromisses aufgel\u00f6st. Die USA erleben einen zunehmenden Zerfall der Gesellschaft, der sich u.a. in einer wachsenden Wut gegen &#8222;die in Washington&#8220; \u00e4u\u00dfert (mit teilweise sehr reaktion\u00e4ren Z\u00fcgen), ohne dass eine Perspektive erkennbar ist.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">2. Eine ausreichende <\/span><span lang=\"de-DE\">wirtschaftlich-industrielle Basis<\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr die weltweite Vormachtpolitik existiert nicht l\u00e4nger. Diese Politik kann \u00fcberhaupt nur deswegen weitergef\u00fchrt werden, weil sie durch Schuldenaufnahme vom Ausland bezahlt wird. Davon abgesehen kann sich die US-Hegemonie nur noch auf zwei Pfeiler st\u00fctzen: den Dollar und das Milit\u00e4r.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">3. Der <\/span><span lang=\"de-DE\">Dollar<\/span><span lang=\"de-DE\"> ist nach wie vor die Leitw\u00e4hrung der Welt. Als der Konkurs von Lehman Brothers im September 2008 die Finanz- und Wirtschaftskrise ausl\u00f6ste, stand kurzfristig das komplette US-Bankwesen vor dem Zusammenbruch, und das h\u00e4tte das Ende des Dollars als Weltgeld bedeutet. Deshalb rettete die US-Regierung die Banken mit gigantischen neuen Staatsschulden \u2013 um den Preis einer noch weitergehenden Untergrabung des Dollars.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">4. Das <\/span><span lang=\"de-DE\">Milit\u00e4r<\/span><span lang=\"de-DE\"> ist trotz aller Anstrengungen nicht in der Lage, die politisch entscheidenden Kriege zu gewinnen; das zeigt der Irak ebenso wie jetzt Afghanistan. Damit stehen die USA vor dem Verlust ihrer &#8222;unipolaren&#8220; Stellung als einzige Weltmacht und dem Abstieg in eine sog. &#8222;multipolare&#8220; Welt.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">5. Um neue Spielr\u00e4ume zu gewinnen, m\u00fcssten die USA ihre bisherige Weltmachtstellung freiwillig aufgeben, das hei\u00dft, die Rolle des Milit\u00e4rs zur\u00fcck fahren, die R\u00fcstungsausgaben qualitativ senken, auf die Weltw\u00e4hrungsfunktion des Dollars verzichten, damit im Zusammenhang die Staatsschulden liquidieren und eine Re-Industrialisierung des Landes einleiten. Davon ist die seit 2009 amtierende Obama-Regierung weit entfernt. Die Exit-Strategie zur Beendigung des Irak-Kriegs ist noch von ihrer Vorg\u00e4nger-Regierung eingeschlagen worden; sie wird von Obama lediglich zu Ende gef\u00fchrt und auf Afghanistan \u00fcbertragen.<br \/>\nDurch die Rettung der Banken ist der Staatshaushalt weiter unterminiert worden, und von der Etablierung eines neuen &#8222;Gesellschaftsvertrags&#8220; wie im New Deal kann keine Rede sein. Die Parole vom &#8222;Yes we change&#8220; hat sich als reines Strohfeuer entpuppt. Die Regierung Obama agiert in jeder Hinsicht als Gefangene der alten Verh\u00e4ltnisse.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">6. Was hei\u00dft das f\u00fcr hier und heute? Zwar ist auch der Euro krisensch\u00fcttelt, aber der Dollar ist um nichts stabiler, im Gegenteil, denn was die fundamentalen wirtschaftlichen Daten anbelangt, stehen die USA \u00e4hnlich schlecht da wie Griechenland. <\/span><\/p>\n<p>Das gemeinsame Grundproblem sowohl in Washington als auch in Europa ist, dass man die 2008 ausgebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise durch neue Staatsschulden bek\u00e4mpft hat, sie sich aber dadurch in die Staatshaushalte hinein verlagert hat, wo sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erneut zum Ausbruch kommen wird.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Angesichts der bestehenden Verflechtungen ist es unwahrscheinlich, dass der Dollar \u00fcberlebt, wenn der Euro untergeht, und umgekehrt. Eher wird man sich gegenseitig in den Untergang rei\u00dfen. Wenn es aber so weit ist, wird es nicht bei wirtschaftlichen Verwerfungen bleiben. F\u00fcr die USA hei\u00dft dies, dass dann nicht nur der Dollar seine Weltw\u00e4hrungsfunktion verlieren wird, sondern dass die Vereinigten Staaten aufh\u00f6ren werden, die Vormacht der Welt zu sein. Anstelle der bisherigen Weltordnung wird eine Welt mit mehreren Zentren entstehen, die ihre Bewegungsgesetze erst noch finden muss.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit Vorbemerkung: Am 11.Juni 2010 fand in Berlin die \u00f6ffentliche Vorstellung des soeben erschienenen Buchs von Heiner Karuscheit statt: Bye, bye USA \u2013 Aufstieg und Fall von Finanzkapital und Milit\u00e4rmacht (104 Seiten, Preis 7,50 \u20ac; Kai Homilius Verlag Berlin; www.kai-homilius-verlag.de). 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